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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Lars von Trier: Antichrist

Bei den Filmen von Lars von Trier tue ich mich etwas schwer. Das trifft besonders für den Film Antichrist zu, der 2009 entstand und dem russischen Filmemacher Andrej Tarkowski gewidmet ist. Wie bereits in Lars von Trier: Melancholia spielte in diesem Film Charlotte Gainsbourg diesmal die einzigste weibliche Hauptrolle – und in von Triers neuesten Projekt wird sie wieder eine Hauptrolle übernehmen.


Lars von Trier: Antichrist

Während Sie (Charlotte Gainsbourg) und Er (Willem Dafoe) Sex haben, merkt das Paar nicht, wie sich im Kinderzimmer ein schrecklicher Unfall ereignet. Der kleine Sohn klettert auf das Fenstersims und stürzt in den Tod. Sie lässt sich ein paar Monate später stationär behandeln, aber Er möchte seine Frau zu Hause therapieren. Der ruhige, analytisch denkende Psychologe scheint den Verlust des Kindes verarbeitet zu haben und ist überzeugt, eine effiziente Traumatherapie durchführen zu können. Obgleich Sie ihn als zunehmend arrogant und gleichgültig erlebt, lässt sie sich auf sein Angebot ein. Nicht die eigene Familie therapieren, nicht mit der Patientin schlafen – das sind bald vergessene Grundsätze. Um Sie mit ihren Urängsten zu konfrontieren, reist das Paar tief in die Wälder, zur Hütte „Eden“. Kaum angekommen, entdeckt Er im Unterholz einen sterbenden Fuchs und beobachtet entsetzt, wie das Tier sich selber zerfleischt. Die baldige Herrschaft des Chaos ist prophezeit…

aus: filmstarts.de

    Lars von Trier: Antichrist

Dem Film Antichrist lässt sich schwer ein Etikett aufkleben. Psychothriller mag wohl gehen; Horrorfilm, wenn auch rein optisch Elemente dieser Gattung durch die expliziten Darstellung von Gewalt zu finden sind, träfe daneben.

Ich tue mich bei diesem Film wohl so schwer, weil es eine große Kluft zwischen dem ‚Thema’ des Films und seiner optischen und akustischen Umsetzung gibt. Das Thema ist die Trauerarbeit der Frau nach dem Tod des Sohnes. Der Ehemann versucht als Therapeut, seine Frau darin zu unterstützen. Es geht um die Verzweiflung der Frau, um die Ängste, die tief in ihrem Inneren wurzeln und sie zu verzehren drohen. Es geht aber auch um irrationale Schuldzuweisungen. Daraus erwächst eine Situation, beklemmend und für beide qualvoll, die zu einem blutigen Ende eskaliert. Die seelische Qual wird zu einer körperlichen Qual, das seelische Leid endet in körperlicher Misshandlung.

Hier bedient sich der Film die ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Ein unheilvolles Gedröhne begleitet die leicht schwankenden Bilder der Handkamera. Eicheln prasseln aufs Dach der Waldhütte. Die Natur gibt sich in vielen Anspielungen ‚bedeutungsschwanger’.

Dann eskaliert der Film aber auch thematisch: Beim Durchstöbern der Hütte findet der Mann auf dem Dachboden die unvollendete Doktorarbeit seiner Frau über Hexenverfolgungen und Frauenmorde, zusammen mit Darstellungen der Folter, Verstümmelung und Verbrennung von Frauen. Als der Mann die Frau auf seinen Fund anspricht, gesteht sie in wirren Worten, dass sie alle Frauen für von Grund auf böse halte.

In Cannes hatte Lars von Trier wiederholt mit pornografischen oder gewalttätigen Szenen in seinen Filmen oder kontroversen Äußerungen provoziert. In einem Interview mit der „Zeit“ sagte er unter anderem: „Meine Familie hatte sehr genaue Vorstellungen von Gut und Böse, von Kitsch und guter Kunst. Mit meiner Arbeit stelle ich all das in Frage. Ich provoziere nicht nur die anderen, ich erkläre mir, meiner Erziehung, meinen Werten, auch ständig selbst den Krieg. Und ich attackiere die Gutmenschen-Philosophie, die in meiner Familie herrschte.“

„Antichrist“ avancierte zum Skandalfilm. Zum einen warf man von Trier die plumpe „Instinkt-Wirkung vermeintlich emotionaler Kinobilder“ vor, zum anderen sah man in dem Film ein „verkünstlerischtes, aufgeblähtes Genrekino, das mehr sein will als Genre“. (Quelle: de.wikipedia.org)

Der Ball rollt wieder …

Nach der kurzen Winterpause rollt der Fußball wieder. Und der SV Werder Bremen kam nur stockend aus den Startlöchern. Gleich zu Anfang hagelte es zu Hause gegen den Deutschen Meister, Borussia Dortmund, eine 0:5-Schlappe. Dem folgte eine weitere, vielleicht am Schluss doch unglückliche 2:3-Niederlage beim HSV (und zwei gelb-rote Karten). Am Freitagabend nun wurde die Mühe, wenn auch erst in den letzten Spielminuten, mit einem 2:0-Sieg gegen Hannover 96 belohnt. So ganz weiß man aber immer noch nicht, wo die Mannschaft aus Bremen steht. Werder profilierte immerhin von den Niederlagen aller vorplatzierter Anwärter auf einen Europa League-Platz (von Mainz bis zum HSV) und hat ‚nur’ noch vier Punkte Rückstand auf den 6. Tabellenplatz.. Die Champion League-Plätze sind dabei weiterhin in weiter Ferne.

siehe auch: Fußballjahr 2012 geht zu Ende

Was wären die Fußball-Vereine ohne ihre Fans. Besonders die Bundesliga-Vereine sind Wirtschaftsunternehmen, die ihren Betrieb nur unterhalten können, wenn die Einnahmen stimmen. Bekanntlich ist der Kunde König. Und da der Fußball-Fan Kunde der Vereine ist, sollte er König sein?! Vereine sind also Dienstleister. Was die Fußballspieler auf dem grünen Rasen abliefern, ist eine Dienstleistung. Dafür zahlt der Fan. Wenn die Leistung nicht stimmt, kann es schnell zu Reklamationen kommen. Das ist die eine Seite, die andere:

Es gibt Fußball-Fans, die unabhängig von der Leistung ihrer Mannschaft meinen, randalieren zu dürfen, die Pyrotechnik abfeuern – und dabei andere Fans bis hin zu den Spielern gefährden. Solche Fans will kein Verein und will auch nicht die Mehrheit der anderen Fans. Daher stimmte die Mehrheit der deutschen Erst- und Zweitligisten auf der DFL-Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main für ein verschärftes Sicherheitskonzept.

Dieses Sicherheitskonzept ist nicht nur bei Fans umstritten, z.B.: Welcher Fan möchte schon ständig bis aufs Unterhemd kontrolliert werden. Dem steht natürlich der offene, kontinuierliche und verbindliche Dialog zwischen den Vereinen und Fans (Antrag 2) gegenüber. Dass dies ausdrücklich ‚vereinbart’ werden musste, zeigt, dass es bei einigen Vereinen in diesem Punkt deutlich Defizite gibt.

Denn mit dem Fußball ist es eben doch etwas anders. So ganz lässt sich das nicht mit betriebswirtschaftlicher Einordnung erklären. Fußball ist natürlich auch Herzenssache. Ich denke, sowohl bei den Verantwortlichen im Verein als eben auch bei den Fans. Und wenn da etwas schief läuft (und in der letzten Saison ist gehörig viel schief gelaufen), dann müssen die ‚Vertragspartner’, Vereine und die Fans, miteinander ins Gespräch kommen.

Ich will den SV Werder Bremen da nicht allein als Vorbild darstellen. Aber besonders in Bremen hat man früh erkannt, dass man nur „mit den Fans“ und nie gegen ihn arbeiten kann. Früh hat man klare Spielregeln (Werder-Kodex) aufgestellt, auch von Seiten der Fans selbst: „Fairness, Toleranz und Rücksicht aufeinander zu nehmen, ist für die allermeisten Werder-Fans ganz selbstverständlich. Mehr noch: Unsere Fans haben in der Vergangenheit wiederholt intolerantes und gewalttätiges Verhalten unter Fußballfans in Deutschland öffentlich kritisiert – mit eindeutig formulierten Transparenten in der Ostkurve, Beiträgen in Fanzines oder im Internet. Diese Fankultur kommt aber nicht von ungefähr – unsere Fans haben sie selbst geschaffen und sorgen aktiv dafür, dass es dort, wo grün-weiße Fans Stimmung machen, tolerant und friedfertig zugeht. Das erste organisierte Fan-Projekt in Deutschland war das Fan-Projekt Bremen. Bis heute leisten die verschiedenen Fan-Initiativen einen ureigenen gesellschaftlichen Beitrag, bei dem sie der SV Werder Bremen nach Kräften unterstützt. Unsere Fan- und Mitgliederbetreuung arbeitet eng mit den Fans und Institutionen zusammen.“
(Quelle: werder.de)

Werder gegen Rassismus

Man spricht viel von ‚Spielkultur’. In Bremen (und sicherlich auch bei anderen Vereinen) hat man im Laufe der Jahre auch eine Fan-Kultur geschaffen. Aber die kommt nicht von ungefähr, sondern lässt sich nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Verein und Fangemeinde schaffen.

Wer allerdings Intoleranz, Gewalt, wer Rassismus, Sexismus, Homophobie und Rechtsextremismus auf seine Fahnen schreibt, der hat in keinen Fußballstadion etwas verloren. Und ich denke, die Fans sollten die Feuerwerkskörper auch lieber zu Hause lassen.

Heute Ruhetag (30): Albin Zollinger – Pfannenstiel

Sein Vorname ist mein Nachname. Hätte nicht der damals noch junge Max Frisch die Begegnung auf dem Pfannenstiel mit ihm, drei Wochen vor seinem Tod im Alter von nur 46 Jahren, in seinem „Tagebuch 1946–1949“ festgehalten, Albin Zollinger (1895 – 1941) wäre uns so gut wie unbekannt geblieben. Dabei gehörte er zu den weitsichtigsten kritischen Schweizer Intellektuellen seiner Zeit.

Bevorzugt schrieb er in Zürcher Kaffeehäusern, wohin er jeweils von Oerlikon, heute einem Stadtteil von Zürich und bis 1934 selbständige Gemeinde, nach der Schule mit der Straßenbahn fuhr. Fast legendär war in den 30er Jahren sein Marmortischchen im Café Terrasse. Dort war er oft in Gesellschaft von weiteren Zürcher Literaten und Kulturschaffenden anzutreffen.

1940 veröffentlichte Albin Zollinger den Roman „Pfannenstiel – Die Geschichte eines Bildhauers“. Darin beschreibt er den Höhenzug als «ein Grat von schlichtem Verlauf, welchem sonderliche Überraschungen nicht eigentlich zugetraut werden konnten». Im Roman wird ein in die Schweiz zurückgekehrter Bildhauer von der politischen Realität enttäuscht, zieht sich auf den Pfannenstiel zurück, baut sich dort ein Haus und findet eine intakte dörfliche Gemeinschaft.

Kein Wunder, dass Max Frisch die Begegnung mit Zollinger in Erinnerung blieb. Beide hatten ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Heimat, der Schweiz. Nachdem Frisch jahrelang im Ausland gelebt hatte, beschäftigte er sich nach seiner Rückkehr zunehmend kritisch mit seinem Heimatland. Im Roman „Pfannenstiel“ ist die Thematik ähnlich.

Heute Ruhetag = Lesetag!

Zwei Freunde, Bildhauer, reisten zusammen von Paris nach der Schweiz zurück.

Sie waren nicht mehr jung; einige vierzig; dem Dunklen, zur Behäbigkeit neigenden, lichtete sich das Haar von seinem Wirbel aus, der andere, der ein Hüne war, trug noch die Mähne eines Jünglings. Beide blickten sehr jugendlich aus den Augen, nach deren Bläue beurteilt sie hätten Brüder sein können; die von Stapfer schienen verträumter, Krannig hatte den Schalk im Gesicht.

«Pass auf, es wird sein wie immer,» sagte er gegen das Scheibenglas, «wir kommen gleichsam in eine moosige Luft hinein, alles ist sehr traulich muschlig, die Dinge überraschen dadurch, dass sie noch etwas niedlicher sind als man sie sich vorsichtigerweise dachte; sogar die Alpen erstaunen auf den Abstand durch ihre geringe Höhe – wenn man freilich an sie herantritt . . . ! Die Seen erscheinen als Flüsse, und immer halten die Züge, kaum dass sie in Bewegung gekommen sind.»

«Ja,» antwortete der blonde Landsknecht, «und alles das ist gewiss sogar nicht wenig sinnbildlich für das Ganze. Aber du weisst, wir kommen nicht los davon; dieses sonderbare Ländchen beschäftigt uns mit seinen Mängeln ebenso wie mit seinen Zaubern. Was hab ich nicht Heimweh ausgestanden! Meist sah ich den Pfannenstiel in Blust und Amseln.»
«Es wird sich zeigen, ob die Luft unserer Arbeit zuträglich ist oder nicht. Ihr Gehalt an Säuerlichkeit ist zu fürchten, einer Säuerlichkeit, die den Bienenstock nicht verlässt. Mein Gott, schliesslich ist es Hochland, ein Hochland mit Hagebutten; die Kapellen geraten ein wenig spröder, die Ornamente schnörkliger – Bernini, nein, für dergleichen ist die Atmosphäre allzu gestopft, allzu frostig: Reisläufer sind daher herabgestiegen, Kerle immerhin, die die Welt veränderten, und das Hochland hat seine unergründlichen enzianblauen Wasser.»

«Für mich fürchte ich weniger als für dich; doch ist mir beides gleich denkbar, dass sie die Käseglocke ihres Stillschweigens über dich setzen oder aus dem Bedürfnis nach der Gegenart dich vergötzen werden. Du müsstest dich in Sorrent ansiedeln, Orangengärten mit deinem appollinischen Geschlecht bevölkern, du Göttersohn.»

[…]

Kapitel 1: Marie
Geschrieben März/April 1940

Albin Zollinger - Pfannenstiel

Albin Zollinger: PfannenstielDie Geschichte eines Bildhauers

Von Murmeltieren, Geburtstagen und WilliZ Geblogge

The same procedure as last year? The same procedure as every year …!!! Ja, heute ist wieder einmal Murmeltiertag: Denn: Und täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day USA 1993 – Regie: Harold Ramis) mit Bill Murray und Andie MacDowell

Hier einige Ausschnitte aus dem Film in einer Zusammenfassung:


Und täglich grüßt das Murmeltier

Aber der heutige Tag hat noch etwas mehr auf Lager als Murmeltiere (und Geburtstage), immerhin hatte ich es vor nun acht Jahren gewagt, diesen Blog ins Internet zu stellen, um Euch gehörig auf den Geist zu gehen. Aber anscheinend finde ich doch immer wieder solche, die sich für das Eine oder Andere von dem interessieren, was auch mich interessiert. So ganz aus der Welt kann ich also nicht sein. Danke Euch und Danke auch Euren Kommentaren (weniger Dank den Trackbacks, die lediglich versuchen, Werbung bei mir zu lancieren – immerhin deutet das daraufhin, dass mein Blog für solche Versuche nicht uninteressant zu sein scheint – aber diese werden gnadenlos von mir gelöscht).

    Willi in WilliZ Welt

In diesen nun acht Jahren ist viel Wasser die Elbe, die Weser, den Rhein, den Nil und den Mississippi hinuntergelaufen – und der Oste entsprungen. Von einem Anfangfünfziger habe ich mich zu einen Endfünfziger entwickelt. Im nächsten Jahr mache ich das fünfte Dutzend voll. 5 Dutzend nennt man als Zählmaß auch Schock (dann heißt es im nächsten Jahr: Oh, Schock, ein Schock …?!). Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich mehr und mehr an dieser Stelle zurückzuziehen. Es gibt ja wichtigere Dinge, als einen Blog mit Text und Bildchen zu füttern. Aber so ganz kann ich nicht davon lassen …

Spätestens in einem Jahr werden wir schauen, was dann das Murmeltier wieder sagt, ob’s ein längerer Winter wird, als es uns recht ist. Heute lassen wir erst einmal die Korken knallen … !!!

Willi mobil

Bisher gab es für mich keinen Grund, mich mit einem Handy oder gar Smartphone auszustatten. Ich habe halbwegs geregelte Arbeitszeiten und brauche meiner Frau nicht telefonisch mitzuteilen, dass ich einmal später komme (das kann ich übrigens auch übers Festnetz von der Arbeit aus). Und trotz Bahnfahrerei ergaben sich bisher nur sehr selten solch große Verspätungen, sodass ich aus dem Zug zu Hause hätte anrufen müssen. Nein, ich brauche und will kein Handy oder Smartphone. Ich bin froh, Zeiten zu haben, in denen ich unerreichbar bin.

Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht ohne elektronischen Spielkram auskomme – für unterwegs versteht sich. Seit Jahr und Tag habe ich meinen MP3-Player dabei, wenn ich außer Hause bin. So kann ich die Musik hören, zu der ich zu Hause keine Zeit finde. Auch lässt sich ein MP3-Player auch im Garten einsetzen, um ‚meine Musik’ zu hören und meine Lieben ‚davon’ unbehelligt zu lassen.

Aber mit Musik gebe selbst ich mich schon nicht mehr zufrieden. Ich habe zu Hause immer noch paketeweise Videos unterschiedlichster Art liegen (DVDs mit Filmen oder Konzerten, komprimierte Videodateien in DivX oder Xvid usw.), die danach trachten, von mir angeschaut zu werden. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe zu Weihnachten ein Netbook geschenkt bekommen und mich damit gegen einen Tablet-PC entschieden (siehe meinen Beitrag Netbook oder Tablet-PC?).

Willi unterm ‘Baum’ verbindet sein Netbook über ein HDMI-Kabel mit dem digitalen TV-Gerät

Für das Netbook, obwohl es auslaufende Technik ist, habe ich mich schon allein wegen des Preises entschieden. Und irgendwie war die Kompatibilität zu meinem Windows-Rechner auch entscheidend. Und die Anschlüsse fürs Netzwerkkabel, USB und HDMI sowie der Speicherkartensteckplatz (kann SD, SDHC und MMC-Karten lesen). Einen Monitor kann man natürlich auch anschließen (15-poliger D-Sub). Und die Kiste hat natürlich WLAN.

Auf dem Bildchen oben bin ich dabei, das Netbook mit unserem LED-Backlight-Fernseher über ein HDMI-Kabel zu verbinden. Wir haben einen ziemlich kleinen Flachbildschirm mit einer Auflösung von 1366 x 768 Pixel (HD ready). Verbindet man PC und TV-Gerät so, dann übernimmt der Fernseher erst einmal die Bildauflösung des PCs. Das ist eher gruselig, je nach Einstellung. Unter Windows 7 (Betriebssystem des Netbooks) gibt es die Möglichkeit die Auflösung des TV-Geräts zu nutzen, und zwar wie folgt:

Systemsteuerung – Darstellung – Anzeige – Verbindung mit einem Projektor herstellen – Nur Projektor

Hat man nicht gerade ein exotisches Noname-TV-Gerät, dann erkennt Windows das TV-Gerät und ‚schlägt’ eine Auflösung vor. Bei uns war die etwas zu groß (Teile des Bildes verschwanden im ‚Off’), so nahm ich die zweithöchste Auflösung ( z.B.1600 x 900 Pixel). Stellt man auf ‚Nur Projektor’, dann wird auf dem Bildschirm des Netbooks nichts mehr angezeigt. Die weitere Steuerung kann man dann am TV-Gerät sehen. Warum das Ganze? Wie gesagt, ich habe viele Videos in Formaten, die zwar der PC, nicht aber der DVD-Player unterstützt (z.B. Flash-Videos im FLV-Format). Bisher habe ich Videos, die ich gern über den Fernseher sehen wollte, am PC in Formate umgewandelt, die auch mein DVD-Player unterstützt, was aber zeitraubend ist. Jetzt geht’s so um so besser …

Wozu habe ich das Netbook sonst noch angeschafft (d.h. mir schenken lassen)? Zum einen kann ich jetzt im Sommer gemütlich auf der Terrasse sitzen und dort meine ‚Hausaufgaben’ erledigen. Für den Schriftkram usw. nutze ich dann Open Office, was ja auch Microsoft-Formate (DOC bzw. DOCX und XLS bzw. XLSX) unterstützt. Über WLAN komme ich auch problemlos ins Internet.

Das Netbook – und deshalb ist es ja so handlich – hat kein DVD-Laufwerk. Natürlich kann man über USB einen externen DVD-Player anschließen. Da ich aber nicht ständig ein DVD-Laufwerk benötige, kann ich das entsprechende Laufwerk meines eigentlichen PCs nutzen.. Dazu muss ich das DVD-Laufwerk nur freigeben (Laufwerk mit rechter Maustaste anklicken – Eigenschaften – Registerkarte Freigabe usw.). Über WLAN kann ich jetzt das DVD-Laufwerk genauso nutzen, als wäre es direkt am Netbook angeschlossen. Auf diese Weise kann ich z.B. Videos auch wiederum am TV-Gerät anschauen.

Natürlich gedenke ich das Netbook auch unterwegs zu nutzen. So kann ich mir im Zug Videos anschauen. Im Urlaub kann ich Fotos auf dem Netbook abspeichern (es hat ja einen Speicherkartensteckplatz), auch Videos – und mir diese übers Netbook (oder ‚umgeleitet’ auch über einen digitalen Fernseher, soweit vorhanden) anschauen.

So wird aus einem Spielzeug ein durchaus nützliches Abspielgerät für Fotos, Videos, Musik oder auch eBooks. Jetzt bin ich, Euer Willi, also wirklich mobil

Nun Nachteile hat so ein Netbook natürlich schon. Gegenüber einem Tablet ist das Starten (Booten) ziemlich langsam (und beim Herunterfahren). Das ist besonders bei kurzen Nutzungszeiten (z.B. auf kurzen Strecken im Zug) etwas nervig. Zum einen liegt es an der Prozessorleistung, zum anderen am zur Verfügung stehenden Arbeitsspeicher. Ich kann daher nur raten, ein Netbook möglichst ‚schlank’ zu halten (all den Ballast an unnötigen Programmen ‚von Bord’ werfen). Auch ist die Akku-Leistung nicht allzu stark. Eventuell die Bildschirmleistung etwas drosseln.

Lars von Trier: Melancholia

Zu Lars von Trier selbst habe ich mich in diesem Blog einmal geäußert (Empörung und Melancholie). Es ging um seine unsägliche „Ich bin ein Nazi!“-Äußerung anlässlich einer Pressekonferenz während der 64. Filmfestspiele von Cannes 2011, als er seinen Film Melancholia vorstellte. Alles, was von meiner Seite zu dieser Aussage zu sagen war, habe ich dort niedergeschrieben.

Der dänische Regisseur Lars von Trier gilt als einer umstrittensten europäischen Filmemacher der Gegenwart. Der Film Melancholia ist eine düstere Geschichte um Depressionen und die Apokalypse. Die Hauptrollen spielen Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg und Kiefer Sutherland.

    Lars von Trier: Melancholia

Der Film „entspricht im Aufbau einer Oper, d.h er besteht aus einer Ouvertüre, zwei Akten und einem Finale. Die Ouvertüre besteht aus verschiedenen Standbildern ohne Ton und Handlung, die sich minimal bewegen. Diese Einleitung dauert acht Minuten und ist eine Weiterentwicklung der Kapitelbilder in ‚Breaking the Waves’. Filmmusik ist Richard Wagners ‚Tristan und Isolde’. Dann beginnt das erste Kapitel/der erste Akt mit dem Namen Justine, die von Kirsten Dunst gespielt wird. Erzählt wird die Fahrt zur Hochzeitsfeier, die Hochzeitsfeier, die immer wieder aus dem Ruder läuft sowie die Abreise des Bräutigams samt seiner Eltern. Das zweite Kapitel heißt Claire nach der zweiten Schwester, die von Charlotte Gainsbourg gespielt wird und erzählt vom Leben der Schwestern nach der desaströsen Heirat. Justine ist schwer depressiv und muss auf dem luxuriösen Landsitz ihres Schwagers von ihrer Schwester gepflegt werden. Hintergrundthema ist, wie die vier Familienmitglieder, Claire, Ehemann, Sohn und Justine zum Herannahen des Planeten Melancholia stehen. Der Schwager und der Neffe sind anfangs sicher, dass der Planet an der Erde vorbeifliegt und erwarten ein ungefährliches Abenteuer. Justine und Claire tauschen gefühlsmäßig die Rollen. Ist während der Hochtzeitsfeier nur Justine beunruhigt, so bekommt im Verlauf des Films Claire immer mehr Angst und Justine fügt sich ins Unvermeidliche. Das Finale beginnt mit dem Selbstmord von Claires Ehemann, als er versteht, dass die Erde zerstört werden wird. Und endet mit einem Feuerball, der das magische Tipi, das Justine gebaut hat, um ihren Neffen zu beruhigen, mit Justine, Claire und ihrem Sohn verschluckt.“ (Quelle: de.wikipedia.org)


Lars von Trier: Melancholia

Zwischen den Jahren, wie man die Zeit zwischen den Weihnachtsfesttagen und Neujahr zu nennen pflegt, habe ich mir endlich diesen Film (und auch seinen Vorgänger – dazu später mehr) angeschaut. Lars von Trier leidet seit längerer Zeit unter Depressionen und hat das in seinen letzten Filmen verarbeitet. So wird Justine, die von Kirsten Dunst hervorragend gespielt wird, zu Triers Alter Ego, die sich nichts sehnlicher wünscht als das Ende der Welt. Es ist Weltekel, der den Regisseur umtreibt und uns Filme serviert, die den Zuschauer durch seine nicht gerade menschenfreundliche Botschaft erschüttern und ratlos zurücklassen soll. Da von Trier anders als in seinen Filmen zuvor auf Gewaltszenen und explizite sexuelle Darstellungen verzichtet, erreicht der Film eine Eingängigkeit, die um so mehr den Zuschauer bedrückt.

Wer sich durch einen Film lediglich gut unterhalten lassen möchte, ist natürlich bei Lars von Trier an der falschen Adresse. Von Trier wagt den Blick in den Abgrund der menschlichen Seele, wenn auch in manch schönem Bild. Die heile Oberfläche interessiert ihn nicht, und noch weniger die Gewinner. Wenn von Trier die Welt untergehen lässt, dann nicht wie bei Roland Emmerich in einem minutenlangen Getöse. Dafür bleibt bei von Trier dann aber auch wirklich nichts mehr übrig, keine Hoffnung, kein Leben …

Seinen schrägen Humor hat er gezügelt und findet sich nur in Andeutungen wieder, etwa wenn auf einem Golfplatz ein 19. Loch auftaucht.

Siehe hierzu auch den Beitrag auf spiegel.de: Trier-Meisterwerk „Melancholia“: Apokalypse. Wow!

Single Malt

Während meines Urlaubs im Jahre 2005 mit meinen Lieben in Schottland besuchten wir natürlich auch eine Whisky-Brennerei – in Keith das Stammhaus von Chivas Regal, die Strathisla Distillery (siehe auch bei de.wikipedia.org). Diese Destillerie gehört zur Region Speyside (allein in Dufftown, der Whiskyhauptstadt der Speyside, das in der Nähe von Keith liegt, gibt es wohl auch heute noch sieben Brennereien, daher der Spruch: „Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills.“ – „Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen“).

Im meinem Beitrag Schottland 2005: Whisky habe ich kurz beschrieben, wie Whisky hergestellt wird. Scotch Whisky darf sich ein Destillat nennen, das in einer schottischen Destillerie hergestellt wurde, mindestens 40 Volumenprozent Alkoholanteil hat und mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern unter Zollverschluss in Schottland gereift ist. Es gibt drei Arten von schottischen Whisky: Grain Whisky, der aus Weizen, ungemälzter Gerste und anderen Getreiden (u.a. auch Mais) gebrannt wird. Meist wird dieser Whisky verschnitten, also zu Blended Whisky verarbeitet. Ein Blended Whisky ist eine Mischung (Verschnitt) aus mehreren verschiedenen Whiskys. Ein Blend kann Whiskys aus über 50 verschiedenen Malt und Grain Brennereien enthalten. Dabei ist der Anteil von Malts gegenüber den Grains aus Kostengründen meist sehr gering, diese bringen aber den Charakter und die Aromen in den Whisky, die den Blend prägen. Die Krönung ist natürlich der Whisky aus gemälzte Gerste, der Malt Whisky.

Der Malt Scotch Whisky untergliedert sich in den Vatted Malt Whisky (heute eher als Blended Malt Whisky bezeichnet), dessen Destillate aus mehreren Brennereien stammen, und den Straight Malt Whisky, dessen Destillate aus nur einer Brennerei stammen. Im Gegensatz zum Blended Scotch Whisky hat jeder Malt Whisky einen eigenen und arttypischen Geschmack, der sich nach der Herkunft, dem Jahresklima und der Reifung richtet. Whiskykenner schätzen diesen, da er bei gleichem Markenproduktnamen je nach Jahrgang und Reifeklima des Getreides immer eine andere Geschmacksvariante bietet.

Der Straight Malt Whisky unterteilt sich in

Single Malt (ausschließlich aus den Produkten einer Destillerie)
Single Single Malt (aus einem Brenndurchlauf)
Pure Single Malt (ein Destillat, mehrere Fässer)
Single Cask Malt (aus einem Fass, also eine stark limitierte Abfüllung) – die Flaschen sind oft einzeln nummeriert.

Ja, es ist schon eine eigene Wissenschaft, das Wissen um schottischen Whisky (von der Herstellung ganz zu schweigen). Aber warum schreibe ich das hier? Ich bin doch um einiges davon entfernt, ein Säufer zu sein. Zum einen habe ich ein durchaus positives Verhältnis zu Getreide und damit zu Getreideprodukten. Brot besteht nun einmal aus Getreide, meist aus Weizen – und bei uns oft auch aus Roggen und sogar Gerste. Deutschland ist ein Paradies für Brotliebhaber (wie mich). Nirgendwo gibt es wohl so viele Brotsorten wie bei uns. So ist es auch kein Wunder, wenn Deutschland und speziell Bayern ein Bierland ist. Bier wird nicht umsonst spöttisch gern Gerstensaft genannt, denn bekanntlich bestehen die meisten Biersorten aus Wasser, Hopfen und – Gerstenmalz. Okay, auf der Isle of Skye habe ich einmal ein Haferbier getrunken, das übrigens sehr lecker und von goldener Farbe war (Hebridean Gold). Wie an anderen Stellen in diesem Blog verkündet, mag ich besonders Bockbiere (natürlich in Maßen, nicht in Massen). Und deren Geschmack wird besonders durch Gerstenmalz geprägt.

Zum anderen aber schreibe ich hier über schottischen Whisky und speziell Single Malt, weil ich von meinen Söhnen zu Weihnachten eine kleine Holzkiste mit neun verschiedenen Whiskyprobierfläschchen bekommen habe. Die sind natürlich bisher noch unberührt, denn ich werde Schluck für Schluck von dem edlen Zeugs (oder wie der Schotte sagt: a wee dram of whisky) nur zu besonderen Anlässen genießen. Und genau dafür sollten solche Spirituosen sein, nämlich um genossen zu werden, nicht um sich zu betrinken (auch wenn mein Bruder spaßeshalber behauptete: „Halb besoffen ist ’rausgeschmissenes Geld!“).

Bevor ich aber auf die neun kleinen Fläschlein und deren Inhalt zu sprechen komme, doch noch einige Worte zum Whisky:

„Das Wort Whisky, erstmals 1736 erwähnt, leitet sich vom Schottisch-Gälischen uisge beatha ab oder vom Irischen uisce beatha (gesprochen: ischke baha oder ischke ba) und bedeutet Lebenswasser (uisge / uisce = Wasser, beatha = Leben). „Wasser des Lebens“ heißt uisge / uisce na beatha. Die anglisierte Form usquebaugh hat sich aus der gälischen Ausspracheform uskeba entwickelt, wie man es oft auch in Schottland, Irland und Wales bei Ortsnamen vorfindet, wird aber heute uskvebaw (‚u‘ wie in cut, ‚aw‘ wie in law) oder yuskibaw gesprochen. Andere Schreibweisen sind usqu(a)ebach und usquaebae. Der Begriff war bereits im 16./17. Jahrhundert geläufig. Die Engländer anglisierten das gälische Wort uisge beatha zu dem heute gebräuchlichen Wort „Whisky“. Man verstand darunter aber nicht nur Whisky im heutigen Sinne, sondern auch andere Brände mit Würzzusätzen.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Zum schottischen Whisky (und natürlich nicht nur zu dem) gibt es im Internet viele Websites mit weiteren Informationen – sogar ein Whiskywiki; unter scotchwhisky.net/malt/ bzw. whisky.com/brands/ alles über heute produzierten schottischen Single Malt. Und de.wikipeadia.org informiert über Whiskey-Brennereien in Schottland.

Hier nun aber zu dem besonderen Geschenk, das mir meine Söhne zu Weihnachten gemacht haben:

Single Malt – schottischer Whisky

Wie gesagt, verkostet habe ich die Whiskyproben noch nicht. Aber allein der ‚Anblick’ hat ja schon etwas. Hier zu den einzelnen Whisky-Sorten die wichtigsten Informationen – und über die Links erfährt man dann noch einwenig mehr:

Nr Gebiet Destillerie Reifezeit/Vol.-% Besonderheiten
1 Arran Isle of Arran 3 Jahre/40 % junger, unkomplizierter Einsteiger-Whisky
2 Lowland [vatted Malt] 1 11 J./40 % mild, rund, angenehmer Körper, gut als Aperitif
3 Islay Bowmore 13 J./43 % torfig-rauchige Aromen mit sanfter Süße
4 Speyside Aultmore 15 J./43 % feine Frucht, dezente Bitternote, mineralisch
5 Highland Ben Nevis 15 J./43 % fruchtig-süß, etwas pfeffrig, milder Abgang
6 Highland Fettercairn 15 J./40 % malzig-süß, zart nussig, langer Abgang
7 Islay Bunnahabhain 20 J./41 % deutlich rauchig, fruchtig mit malziger Süße, leicht pfeffrig
8 Speyside Benrinnes 11 J./62,6 % ölig, samtig, weich mit schöner Honig-Süße (Cask Strength) 2
9 Highland Teaninich 29 J./43 % komplexe Aromen, ein wunderbarer Whisky für besondere Momente
    1 Blended Malt Whisky (auch Vatted Whisky oder Pure Malt): Der Whisky stammt aus den Fässern unterschiedlicher Destillerien und wurde vollständig aus gemälzter Gerste hergestellt.
    2 Cask strength (Fassstärke): Einem Whisky wurde vor der Abfüllung kein Wasser mehr zugesetzt. Der Alkoholgehalt dieser Whiskys ist unterschiedlich, da er je nach Lagerungsdauer, Umweltbedingungen, der Qualität des Fasses und nicht zuletzt auch nach Alkoholgehalt des Ursprungsdestillats variiert.

Übrigens: Auch ‚die Engel’ bekommen ihren Anteil bei der Whisky-Herstellung: ‚angels share’: Der angels share (Anteil der Engel) ist der Verlust von Alkohol aus den Holzfässern während der Reifung. Durch die Lagerung der Holzfässer verringert sich der Alkoholgehalt um einige Prozent.

Friedrich Glauser: Der Tee der drei alten Damen

Neben den fünf Wachtmeister Studer-Romanen (Verkachelte Fälle: Wachtmeister Studers Fälle) schrieb Friedrich Glauser noch einen weiteren Kriminalroman, der im Genf der dreißiger Jahre den Schauplatz internationaler Intrigen, schwarzer Magie und rätselhafter Todesfälle bildet. Glausers erster Kriminalroman wurde erst nach seinem Tod 1938 veröffentlicht: Der Tee der drei alten Damen

    Friedrich Glauser: Der Tee der drei alten Damen (Diogenes)

Als Glauser Geld brauchte, schrieb er diesen, seinen ersten Krimi – und gleichzeitig eine Parodie auf dieses Genre. Er lässt neben einer ganzen Anzahl fiktiver Personen auch vier Genfer Persönlichkeiten leicht verfremdet auftreten, die im doppelgesichtigen Genf zu Beginn dieses Jahrhunderts ihre mehr oder minder gewichtige Rolle spielten. Letztlich aber geht es im temporeichen und verwirrlich-bunten Cocktail aus Phantasie und Realität um die Frage nach dem Geheimnis, dem Mysterium schlechthin und nach den mannigfaltigen Mitteln zu seiner Erkenntnis. Dass dabei auch noch die hohe Politik hineinspielt, etwa mit dem Völkerbund, mit Ölfunden in einem indischen Randstaat und mit dem britischen und dem sowjetischen Geheimdienst, macht die Lektüre des Buches zum Vergnügen für all diejenigen, die Glausers feinsinnige Charakterzeichnung und Atmosphärengestaltung lieben.

Genf zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Mit deutlichen Anzeichen einer Vergiftung sterben kurz hintereinander zwei Männer. Verdächtigt wird ein prominenter Professor, der zu beiden Toten engen Kontakt hatte. Ciryll Simpson O’Key, ein Agent der britischen Krone, mischt sich in die Ermittlungen der Polizei ein und findet einen Maharadscha eines indischen Randstaates, der in Genf weilt, um seine Ölquellen zu verkaufen. Daran wiederum haben auch die Russen Interesse. Und schließlich gibt es Gerüchte über drei alte Damen, die regelmäßig Männer zum Tee einladen …

Drei Jahre arbeitete Friedrich Glauser an „Der Tee der drei alten Damen“ und schuf damit nicht nur ein frühes Zeugnis des deutschsprachigen Kriminalromans, sondern zugleich auch eine Krimi-Parodie.

Siehe auch den Artikel auf hr-online.de zu dem Hörspiel, das der Schweizer Rundfunk 1964 ausgestrahlt hatte: Der Tee der drei alten Damen

Die Kriminalromane von Friedrich Glauser sich in unterschiedlichsten Ausgaben erhältlich: Friedrich Glausers Kriminalromane

Glauser selbst bezeichnete den „Tee der drei alten Damen“ als „Schundroman mit Hintergründen“, doch trivial ist dieses Gemisch aus Fakten und Fiktionen, diese Mischung aus Phantasie und Realität, aus Drogenrausch und Parapsychologie keinesfalls. Glausers eigene Drogensucht zieht sich durch dieses Buch wie ein Leitfaden, an dem Rausch und nüchterne Beobachtung gleichermaßen hängen, wie die sonst so tadellose Schweizer Gesellschaft. Der Roman enthält dabei viel Witz und ist, wie bereits erwähnt, eine Parodie auf Kriminal- und auch Spionageromane.

Am 1. Januar 2009 verfiel die Regelschutzfrist der Werke Glausers. Daraufhin veröffentlichte das Projekt Gutenberg-DE seiner Kriminalfälle online – hier die Links zu dem Roman:

1941 Der Tee der drei alten Damen

Zu Friedrich Glauser selbst, dessen Leben allein romanwürdig ist: Geboren am 4.2.1896 in Wien, gestorben am 8.12.1938 in Nervi bei Genua, begraben auf dem Friedhof Manegg in Zürich. Er wurde aus der Schule gewiesen, weil er die Lyrik eines Lehrers abschätzig rezensiert hatte. Wegen »liederlichen und ausschweifenden Lebenswandels« ließ sein Vater ihn entmündigen. Glauser hatte in Zürich nicht Chemie studiert, sondern war dem Dadaismus und dem Morphium verfallen. Er geriet in ein wahnwitziges Karussell von Irrenanstalten, Zuchthäusern und Kliniken, von dem er mit Hilfe der Pflegerin Berthe Bendel absprang. Ein erster Versuch, aus dem Teufelskreis auszubrechen, war von seinem Vater unterstützt worden: Ihm war es nur recht gewesen, seinen Sohn in die Fremdenlegion verschwinden zu sehen. Glausers Erstling ›Gourrama‹ handelt von dieser Zeit. Am 6. Dezember 1938, einen Tag vor der geplanten Hochzeit mit Berthe, fiel er – wahrscheinlich durch eine Überdosis Schlafmittel – in eine tiefe Bewußtlosigkeit, aus der er nicht mehr erwachte.

Wise Guys: Zwei Welten

Meine Frau hat mir zu Weihnachten die Musik-CD Zwei Welten von der Gruppe Wise Guys geschenkt. Ein Blick auf das Cover sagte mir, warum: Es geht um das Lied ‚Deutsche Bahn’:


Wise Guys: Deutsche Bahn

Ja, die Deutsche Bahn und für mich der Metronom – als Pendler, der werktags morgens wie abends mit dem Zug fährt, kann man einiges erzählen. Da ist ein Lied wie dieses gewissermaßen Trost zur rechten Zeit (ich habe mir die Scheibe via MP3-Player schon öfter im Zug angehört). So fühle ich mich nicht alleingelassen. Auch andere haben ihre unheilvollen Erlebnisse mit deutschen Bahnunternehmen gemacht (und nicht nur deutschen, wie ein Schweizer uns aufzeigt – siehe meinen Beitrag Besser, ruhiger, entspannter, einfach schöner pendeln). Übrigens es gibt noch ein Lied von den ‚Wise Guys’ mit Thema Bahnfahren: Die Bahn kommt

    Deutsche Bahn: Platz ist für alle da ...

Die Wise Guys (engl. für „Besserwisser“, „Schlaumeier“) sind eine deutsche Musikgruppe, die Anfang der 1990er aus einer Kölner Schulband hervorging. Die Gruppe singt meist a cappella und bezeichnet ihren Musikstil als „Vokal-Pop“. Zunächst wollte ich es nicht glauben, aber auch das, was sich wie Bass und Schlagzeug auf der Scheibe anhört, ist ‚gesungen’. Bobby McFerrin mit Don’t Worry, Be Happy lässt grüßen.

Es ist vielleicht nicht so ganz meine Musik, aber witzig finde ich das schon, was die Jungs da fabriziert haben. Übrigens: Die CD gibt es auch in einer mit Instrumenten überstützten Fassung. Witzig sind allein schon die Wortspiele. In ‚Deutsche Bahn’ kommt dann auch die Doppelbedeutung des Wortes ‚abgefahren’ besonders schön zur Geltung:

    Meine Damen, meine Herrn, danke, dass Sie mit uns reisen
    Zu abgefahrenen Preisen
    Auf abgefahrenen Gleisen.
    Für Ihre Leidensfähigkeit danken wir spontan:
    Sssenk ju for trewweling wiss Deutsche Bahn!

Siehe auch meinen Beitrag: „senk ju vor träwelling“

Und in dem Lied ‚Irgendwer Wird Immer Meckern’ findet sich folgendes bemerkenswerte Wortspiel, das neben normalen Reimen auch noch Alliterationen nutzt:

    Man kann kleckern oder klotzen:
    Irgendwer wird immer motzen.
    Man kann klotzen oder kleckern:
    Irgendwer wird immer meckern.

Eislichter bei Dauerfrost

Seit über zwei Wochen hatten wir hier im Norden Deutschlands Dauerfrost. Seit heute nun regnet es wieder und die Temperatur ist wieder etwas über dem Gefrierpunkt gestiegen. Damit ist sicherlich der Winter noch lange nicht zu Ende, nur unterbrochen. Von ihrer finnischen Freundin hat meine Frau eine Tradition übernommen, die in skandinavischen Ländern gepflegt wird: das Herstellen von Eislichtern (siehe auch meine früheren Beiträge: Eislichter und Dauerfrost & Eislichter).

Eislichter

Die Nächte im Winter sind in nördlichen Gefilden besonders lang. Da ist jeder Licht willkommen. Und Eislichter sind besonders schön, verbinden sie natürliche Gegebenheiten mit Kreativität und einem dafür geringen Maß an Aufwand:


Eislichter – Tostedt 24.01.2013 (Musik: CyberCat – Heaven (Candlelight) Instrumental)

Es gibt natürlich verschiedene Techniken zur Herstellung von Eislichter; die folgende ist die einfachste, wenn auch mit gewissen Risiken behaftet:

Man benötigt dafür neben den Kerzen Eimer (vom Feudel- bis zum Farbeimer, auch die kleinen Eimerchen, die unsere lieben Kinder zum Sandbuddeln benutzen, eigen sich), Wasser und jede Menge Frost. Die Eimer füllt man mit dem Wasser und stellt sie hinaus. Nach ca. 48 Stunden Dauerfrost ist das Wasser bis auf den ‘Kern’ gefroren. Es kommt aber auf den Frost an und auf die Beschaffenheit der Eimer. Eimer mit dicker Wand benötigen längere Zeit; ist es knackig kalt, dann geht es schneller. Eigentlich logisch. Wichtig ist, dass das Wasser im Inneren nicht gefriert, dann sonst verbleibt kein Innenraum, in den die Kerze gestellt wird. Ist aber noch zu viel Wasser ‘nicht’ gefroren, dann sind die Außenwände zu dünn und zerbrechen leicht.

Ist die richtige ‘Betriebstemperatur’ erreicht, dann stülpt man den Eimer um. Lässt sich der Eisblock im Inneren nicht ohne Weiteres lösen, so hilft man eventuell mit heißem Wasser von außen nach. Was der Boden des Eisblocks im Eimer war, bildet jetzt den oberen Teil. Dieser ist nämlich dünner und wird mit Hilfe eines spitzen Gegenstandes, Stichel, auch spitze Messer tun es, vorsichtig aufgehackt, damit man/frau an das Innere gelangt. Das sich darin befindliche Restwasser wird ausgeschüttet und kann für ein weiteres Eislicht benutzt werden. Jetzt stellt man nur noch ein entzündetes Lichtlein hinein. Voila: Fertig ist das Eislicht!

Verkachelte Fälle: Wachtmeister Studers Fälle

Während meines Sommerurlaubs im letzten Jahr hatte ich auf der Leseliege verharrend begonnen, Friedrich Glausers Wachtmeister Studer-Romane (Studer ermittelt – Sämtliche Kriminalromane in einem Band, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2009) zu lesen. Begonnen hatte ich da mit dem ersten Roman Wachtmeister Studer

Friedrich Glauser: Studer ermittelt (Zweitausendeins)

Am Anfang des modernen Kriminalromans steht Friedrich Glauser. Seine fünf Romane um den Wachtmeister Studer sind zeitlose Meisterwerke der literarischen Spurensuche. Dem landständig schlicht auftretendem Ermittler von der Berner Kantonspolizei werden nur die besonders kratzigen Fälle anvertraut. Er löst sie mit Hartnäckigkeit, genauer Beobachtungsgabe und feiner Menschenkenntnis.

In seinem ersten Fall untersucht Wachtmeister Studer den rätselhaften Todesfall des Kaufmanns Wendelin Witschi. Wurde er vom vorbestraften Gärtnergehilfen Schlumpf ermordet? Als Studer den Tatort intensiv sichtet, entdeckt er eine ganz andere Spur … In Matto regiert wird der Direktor einer Heil- und Pflegeanstalt mit gebrochenem Genick aufgefunden. Unfall oder Mord? Es bleibt nicht der einzige Todesfall … Die Fieberkurve: Erst eine Reise nach Marokko bringt die Lösung dieses spektakulären Falles. Krock & Co: Der junge Detektiv Stieger wird mit einer angespitzten Fahrradspeiche erstochen. Wenig später wird sein Chef vergiftet. Was hatten sie herausgefunden? Der reiche James Jakob Farny, der wegen seine Augen Der Chinese genannt wird, liegt tot auf dem frischen Grab seiner Nichte. Doch der Revolver neben ihm ist nicht die Tatwaffe … mit dabei auch Glausers Erzähldebüt, der Kriminalroman Der Tee der drei alten Damen.
(aus dem Klappentext)

Während der wenigen Resturlaubstage jetzt im Winter habe ich die Zeit genutzt, um auch die restlichen Romane aus der über 1100 Seiten starken Zweitausendeins-Ausgabe zu lesen. Beim Halten des Buches kann man schnell Krämpfe bekommen (und hat am Ende einen ‚Tennisarm’). Aber die Krimis haben mir besonders durch das Lokalkolorit gefallen, die Schweiz in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Und der Wachtmeister Studer ist einfach ein Ermittler der ganz eigenen Art: durch und durch menschlich ohne jegliche Allüren.

Nach Ansicht der Wachtmeister Studer sind all die Fälle, mit denen er vertraut wird, äußerst ‚verkachelt’, also ‚verkachelte Fälle’. Um sie zu lösen, hat er seine ganz eigenen Methoden, die er dann auch wie folgt beschreibt:

    Es handelte sich darum, den Fall anders anzupacken. Erstens: man mußte sich im Hintergrund halten. Zweitens: es war notwendig, alle Mitspieler kennenzulernen, sich einzuschleichen, nach und nach, in ihr Vertrauen, mit ihnen zu leben, eine Zeitlang, um dann die kleinen Beobachtungen, die alltäglichen, zusammenzusetzen, wie man ein Steinbett legt als Fundament einer Straße. Stein an Stein, geduldig … Endlich ist der Weg fertig und er führt zum Schuldigen …
    (Krock & Co, S. 789)

Die Kriminalromane von Friedrich Glauser sich in unterschiedlichsten Ausgaben erhältlich: Friedrich Glausers Kriminalromane

Mich interessieren natürlich immer auch die Lokalitäten, also die Orte, wo die Fälle spielen. So wird auch mindestens zweimal die Wohnadresse von Jakob Studer in Bern genannt, allerdings nur der Straßenname. Aber im Roman „Krock & Co“ erfahren wir dann auch noch die Hausnummer dazu: Thunstraße 98, Bern, in einer Dreizimmerwohnung. Aber „dort, wo das Haus Nummer 98 stehen müßte, zweigt eine Seitenstraße ab und läuft an einem Fabrikgelände vorbei, das so aussieht, als sei es einmal ein Straßenbahn-Bahnhof oder -Depot gewesen.“ (Quelle: zeit.de)


Wachtmeister Studers Dreizimmerwohnung in der Thunstraße 98, Bern
Größere Kartenansicht

Interessant sind sicherlich auch die Mordsspaziergänge – Kriminalliterarische Wanderungen im Kanton Bern (u.a. als Buch Mordsspaziergänge – mit 1 Audio-CD), in der u.a. zwei Studer-Krimis abgehandelt werden.

Am 1. Januar 2009 verfiel die Regelschutzfrist der Werke Glausers. Daraufhin veröffentlichte das Projekt Gutenberg-DE seiner Kriminalfälle online – hier die Links zu den fünf Wachtmeister Studer-Romanen:

1934/35 Wachtmeister Studer
1936 Matto regiert
1938 Die Fieberkurve
1938 Der Chinese
1940 Krock & Co.

Außerdem tritt Wachtmeister Studer noch in den folgenden zwei Erzählungen von Friedrich Glauser auf:

Der alte Zauberer
Der Schlossherr aus England