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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Never change a winning team

Manchem Wahlspruch traut man nicht eine solche Allgemeingültigkeit zu (der Spruch stammt übrigens von Sir Alf Ramsey: „Never change a winning team.“). Nach dem eher glücklichen Sieg gegen Portugal setzte Bundestrainer Joachim Löw bei der Fußballeuropameisterschaft auf die gleiche Startelf auch im Spiel gegen die Niederlande – und lag damit richtig. Zuvor gab es nämlich reichlich Kritik an der Aufstellung: Podolski, Schweinsteiger und Lahm zeigten gegen die Portugiesen nur einen Bruchteil ihrer möglichen Leistung. Und Co-Kommentator Mehmet Scholl hatte sich besonders Mario Gomez vorgenommen. Er warf dem Stürmer mangelnden Einsatz vor: „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wundliegt und mal gewendet werden muss.“

Obwohl Schütze des einzigen Tores des Spiels sprechen die Fakten übrigens für Scholl: Laut dem Fußballdaten-Spezialisten Opta hatte Gomez im Spiel gegen Portugal nur 17 Ballkontakte in 72 Minuten – mit weitem Abstand die wenigsten bei den Deutschen (exkl. Einwechselspieler). Außerdem gewann er nur 18.2% seiner Zweikämpfe (2 von 11, schlechtester Wert aller Startelfspieler). Gomez ist eher der klassische Mittelstürmer, der vorn auf die Bälle wartet, um sie dann zu verwerten (Scholl: „Dass ein Stürmer nicht nach hinten arbeitet, das gibt’s eigentlich im modernen Fußball nicht mehr. Dass einer auf die eine Flanke, auf eine freie Straße wartet. Das ist zu wenig.“). Ein Stürmer wie Klose geht eher weite Wege, um sich notfalls den Ball auch selbst zu holen. Und er schießt nicht nur Tore, sondern bereitet auch viele vor.

Gruppe B: Niederlande - Deutschland 1:2

Nun gestern im Spiel gegen die Niederlande gab es eine deutliche Leistungssteigerung. Besonders die gescholtenen Schweinsteiger (er gab die Vorlagen für beide deutschen Tore) und Lahm (er schaltete seinen Teamkollegen bei den Bayern, Robben, fast vollständig aus) zeigten sich wieder von ihrer guten Seite. Und Mario Gomez? Nun er markierte die Treffer zwei und drei für das deutsche Team und avanciert so langsam zum Torschützenkönig dieser EM. Lediglich Lukas Podolski kommt in der Ukraine nicht so richtig in Schwung. Vielleicht wird’s ja etwas im Viertelfinale, das in Polen ausgetragen wird (Warschau oder Danzig).

Wer es noch nicht weiß: Deutschland gewann mit 2:1 gegen den Vizeweltmeister Niederlande und steht damit mit anderthalb Beinen bereits im Viertelfinale. Die Holländer dagegen müssen nach zwei Niederlagen das letzte Spiel gegen Portugal mit mindestens zwei Toren Differenz gewinnen (und die Dänen gegen Deutschland verlieren), sonst sind sie ‚weg vom Fenster’. Die Niederlande begann das Spiel in Charkiw (Charkow) im Osten der Ukraine druckvoll und hatten bald schon eine gute Torchance. Dann übernahmen aber die Deutschen das Zepter und erzielten die beiden Tore durch Gomez. In der zweiten Halbzeit hatten weiterhin die Deutschen deutliche Vorteile. Nach dem Anschlusstreffer durch Robin van Persie kippte das Spiel zugunsten der Holländer, die sich aber bei den hohen Temperaturen nur wenige Torchancen erspielten. Zuletzt spielte die DFB-Truppe geschickt gegen die Niederländer auf Zeit und rettete die Führung ins Ziel.

Da die Niederlande sämtliche Vorrundenspiele im tropisch heißen Charkiw auszutragen haben, wäre es wohl aus Akklimatisierungsgründen besser gewesen, sie hätten dort in der Nähe ihr Quartier aufgeschlagen statt in Krakau. Vielleicht ein Grund für das bisher schlechte Abschneiden?

Meine Tipperei kann ich mir wieder ‚in die Haare’ schmieren. Immerhin liege ich in der Tendenz noch nicht völlig falsch („Für mich wäre aber ein Halbfinale mit dem deutschen Team, Russland (vielleicht doch den Niederlanden), Spanien und Frankreich denkbar.“). Hier noch einmal meine Tipps für den zweiten Spieltag der Gruppenphase:

Gruppe A
12.06. 18:00 Griechenland – Tschechien 0:1 (Ergebnis 1:2)
12.06. 20:45 Polen – Russland 1:2 (Ergebnis 1:1)

Gruppe B
13.06. 18:00 Dänemark – Portugal 1:1 (Ergebnis 2:3)
13.06. 20:45 Niederlande – Deutschland 1:1 (Ergebnis 1:2)

Gruppe C
14.06. 18:00 Italien – Kroatien 2:2
14.06. 20:45 Spanien – Irland 3:1

Gruppe D
15.06. 18:00 Ukraine – Frankreich 1:2
15.06. 20:45 Schweden – England 1:2

Am Sonntagabend geht es dann für die deutsche Mannschaft um die Wurst – gegen Dänemark genügt ein Unentschieden. Hier schon einmal meine wagemutigen Tipps für den 3. und letzten Spieltag der Vorrunde (erst einmal nur für die Gruppen A und B):

Gruppe A
16.06. 20:45 Griechenland – Russland 0:2
16.06. 20:45 Tschechien – Polen 1:2

Gruppe B
17.06. 20:45 Portugal – Niederlande 1:2
17.06. 20:45 Dänemark – Deutschland 1:3

In Gruppe A wäre dann Russland Gruppenerster, Zweiter die Polen. In Gruppe B natürlich Deutschland 1. – und Gruppenzweiter? Portugal! Denn Portugal, Dänemark und die Niederlande wären punktgleich. Nach dem Austragungsmodus würde am Ende die höhere Anzahl der erzielten Tore im direkten Vergleich gelten: Portugal hätte dann 4, Dänemark 3 und die Niederlande 2 Treffer. Die Niederlande muss auf jeden Fall mit einer zwei Toren Differenz gegen Portugal gewinnen, wenn sie noch das Viertelfinale erreichen will. Aber was interessiert uns die Niederlande?! Was wäre, wenn Portugal gegen die Niederlande gewinnt und Deutschland gegen Dänemark verliert? Dann hätten drei Mannschaften 6 Punkte: Deutschland, Dänemark und Portugal. Und wer käme weiter? Verlören die Deutschen 0:1, dann hätten im direkten Vergleich bei gleicher Anzahl Punkte Deutschland 1:1, Dänemark und Portugal jeweils 3:3 Tore – die höhere Anzahl der Tore würde entscheiden – zu ungunsten der deutschen Mannschaft. Bei einer 2:3-Niederlage kämen auch noch die jeweiligen Spiele von Deutschland und Portugal (Dänemark wäre Gruppenerster) ins Spiel … Erst ab einem 3:4 wäre Deutschland Zweiter.

Hitler Get Banned From All Jethro Tull Shows

Jethro Tull – This was … Wie angekündigt (This was … Jethro Tull (1)This was … Jethro Tull (2)), lege ich Herrn Anderson und seine ehemalige Gruppe erst einmal auf Eis. Heute möchte ich mich mit einem Video zu diesem Thema ‚verabschieden’. Vielleicht kennt Ihr es ja bereits. Ich gebe zu, dass es eigentlich ziemlich ätzend ist, aber auch ganz witzig. Mein Sarkasmus blüht (am besten, man schaltet den Ton ab und genießt Bild samt Untertiteln):


Hitler Get Banned From All Jethro Tull Shows

– Sir, Jethro Tull is playing tonight at the Bertchesgarden theater right outside of Berlin
– Here …
– The band is staying at that same small hotel that you stayed in last year
– Right across from the theater right …
– Here …
– AH: Good. Get me my hotel confirmation, my front row center ticket and my yellow shorts.
– Mien Fuhrer …
– Ian Anderson said you are a stalker
– He said you must “fuck off”.
– AH: All those who do not have the 43-minute version of “Thick As aBrick” on their I-Pods, get out.
– AH: Who the hell does he think he is?
– AH: He hasn’t written a ney song in thirty years!
– AH: That FUCKER should be grateful that anyone buys a ticket to his lousy shows.
– AH: Who else cares about fucking Cross-Eyed Mary?
– AH: I go to three hundred and eighty-four shows!
– AH: I drag my friends halfway across Europe to see Tull and this is the thanks I get?
– AH: He makes me look like the world’s biggest douchebag!
– Martin and the crew still like you!
– AH: Screw Martin an the crew! It’s always been Ian’s band!!!
– Mien Fuhrer, it’s just that Ian says your yellow shorts make him puke.
– AH: Puke? What makes ME puke is listening to “Aqualung” for the ten thousandrh fucking time!
– AH: Fucking Aqualung…
– AH: What makes ME puke is seeing that old coot up on stage playing the flute!

[…]

– AH: Go out and buy me some Who tickets and send Ian this e-mail:
– AH: “You can kiss my black ass on the Jay Leno show, you bald, pompous cocksucker. Thanks for the memories and go fuck yourself.”
– (AH:) Stupid old dick.

Grainau 2012 (18): Abreise im Schnee

Am Ostersonntag (08.04.2012) endete unser Urlaub in Grainau. Morgens holte ich noch einmal frische Brötchen beim Bäcker (Dünzingers Backparadies) fast nebenan in der Waxensteinstraße. Und dann gab es ein letztes Frühstück in unserer Ferienwohnung in der Alpspitzstraße bei Familie Degenhart. Normalerweise hat man vom Balkon aus freie Sicht auf die Waxensteine und die Zugspitze. Aber das Wetter hatte ein Überraschung für uns bereit: Bis ins Tal fiel der Schnee.


Vorher – nachher mit Schnee (Fotos © Jan Einar Albin)

Wir verabschiedeten uns bei unseren liebenswürdigen Vermietern: Bis zum nächsten Mal! Denn wir gedenken, nicht das letzte Mal nach Grainau gefahren zu sein. ‚Servus’ und Pfiat’ Di, Groana!

Schneefall in Grainau am Ostersonntag 2012

Wegen des Schnees entschlossen wir uns, doch einen Zug früher zu nehmen. Mit der Zugspitzbahn ging es erst einmal nach Garmisch-Partenkirchen und von dort dann mit dem Zug der Deutschen Bahn nach München. Unterwegs schneite es ohne Unterbrechung. Erst kurz vor München klärte es auf, sodass sich sogar die Sonne blicken ließ.


Zugspitzbahn Grainau im Schnee Ostern 2012

Ein Arbeitssieg und viele Überraschungen

Zwölf der 16 Mannschaften haben bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine ihre Visitenkarte bereits abgegeben. Und dabei gab es dann auch gleich die ersten Überraschungen. Die Polen kamen im Eröffnungsspiel nicht über ein 1:1 gegen Griechenland hinaus und durften am Ende von Glück reden, nicht verloren zu haben, denn die Griechen verschossen einen Elfmeter. Trotz Überlegenheit verloren dann die Holländer gegen clever agierende Dänen 0:1. Und für mich die eigentliche Überraschung: Die Italiener präsentierten sich taktisch geschickt und spielerisch stark gegen den amtierenden Welt- und Europameister Spanien, wenn ihnen am Schluss dann auch die Puste ausging. So endete das Spiel verdientermaßen 1:1. Die Italiener boten Anschauungsunterricht zur Frage, wie die Spanier zu schlagen sind. Aus der Not (u.a. wurde Linksverteidiger Domenico Criscito wegen des Wettskandals in Italien aus dem Kader gestrichen) agierten sie mit einer Dreier-Abwehrreihe und einer Fünfer-Mittelfeldreihe, die je nach Notwendigkeit variierte.

Damit sind natürlich auch viele meiner abgegebenen Tipps hinfällig. Immerhin war ich mit meinem Tipp bei Spiel Russland – Tschechien mit 3:1 nahe dran (Endergebnis 4:1).

Gruppe B: Deutschland – Portugal 1:0

Und die deutsche Mannschaft (Mein Tipp war 2:1 für Deutschland gegen Portugal)? Moderner Fußball, wie ihn die Spanier, ja auch die Italiener und phasenweise die Russen spielten, sieht anders aus. Was da besonders das Mittelfeld und der Sturm im Spiel gegen Portugal zeigte, war nicht das, was wir aus den letzten beiden Jahren kennen. Das deutsche Team spielte statisch wie in Zeiten davor: zu wenig Bewegung und fehlende Feinabstimmung. So ging der Ball oft viel zu früh verloren. Dass es doch zu einem Sieg reichte, war im Wesentlichen Glückssache. Die Flanke von Sami Khedira, die Mario Gomez zum einzigsten Tor des Spiels per Kopfball verwertete, kam nur deshalb so genau an den Mann, weil ein Portugiese den Ball zuvor abfälschte. Im Gegenzug hatten die Portugiesen Pech mit einem Pfosten- und zwei Lattentreffern.

Trotz vieler Schatten gab es auch Lichtpunkte in der deutschen Mannschaft. Die Abwehr, in den letzten Spielen meist sehr anfällig, zeigte sich sehr stabil. Besonders die Innenverteidigung mit Badstuber und vor allem Mats Hummels, der für den noch nicht ganz fitten Mertesacker eingesetzt wurde, aber auch Boateng, der eine gute Figur gegenüber Cristiano Ronaldo machte – und natürlich Manuel Neuer, der in den Schlussminuten den Ausgleich Portugals verhinderte, spielten in guter Form. Damit sollte Mertesacker vorerst seinen Stammplatz an Hummels verloren haben. Philipp Lahm dagegen hatte keinen guten Tag. Bei seinen Vorstößen verlor er fast immer den Ball an den Gegner.

Es bedarf einer gewaltigen Leistungssteigerung, wenn das angepeilte Ziel, der Gewinn der Europameisterschaft, erreicht werden soll. Interessant dürfte da schon das nächste Spiel gegen die Niederlande werden, die nach ihrer Niederlage gegen Dänemark mit dem Rücken zur Wand steht. Ginge es nach dem Willen der Fans, dann müsste Bundestrainer Joachim Löw auf einigen Position umstellen. Torwart und Abwehr (mit Hummels) blieben wie gegen Portugal. Ins Mittelfeld würde der Neu-Dortmunder Reus für Podolski rücken. Für Gomez, trotz seines Tores gegen Portugal, käme wohl Klose. Auch Schweinsteiger ist nicht unumstritten (im Spiel gegen Portugal habe ich ihn so gut wie nicht wahrgenommen). Denkbar wäre für ihn Toni Kroos – oder als Einwechselspieler Mario Götze, wenn Deutschland im Rückstand liegt und das Spiel offensiver gestaltet werden muss.

Hier noch einmal meine Tipps für die Spiele heute in der Gruppe D:

11.06. 18:00 Frankreich – England 2:1
11.06. 20:45 Ukraine – Schweden 0:1

Ansonsten hier schon einmal meine Tipps für den zweiten Spieltag der Gruppenphase:

Gruppe A
12.06. 18:00 Griechenland – Tschechien 0:1
12.06. 20:45 Polen – Russland 1:2

Gruppe B
13.06. 18:00 Dänemark – Portugal 1:1
13.06. 20:45 Niederlande – Deutschland 1:1

Gruppe C
14.06. 18:00 Italien – Kroatien 2:2
14.06. 20:45 Spanien – Irland 3:1

Gruppe D
15.06. 18:00 Ukraine – Frankreich 1:2
15.06. 20:45 Schweden – England 1:2

Für Gruppe D würde ich gern die heutigen Spiele abwarten, um mir ein Bild der momentanen Spielstärke der Mannschaften machen zu können, trotzdem schon einmal mein Tipp. In der Gruppe B (mit Deutschland) habe ich jeweils ein Unentschieden getippt, um den Holländern nicht gänzlich die Chance auf ein Weiterkommen zu verwehren.

Heute Ruhetag (14): William Shakespeare: Cymbeline

Heute habe ich ein Theaterstück ausgewählt, dass in diesen Tag kaum noch den Weg auf die Bühne findet und so auch gut in die Rubrik ‚vergessener Stücke’ passen würde. Es ist die Romanze „Cymbeline“ von William Shakespeare. Ich habe dieses Stück aus einen ganz bestimmten Grund ausgewählt – besonders auch die hier aufgeführten Zitate, die nämlich in einem Roman jeweils als Motto für ein Kapital mit sinnverwandtem Inhalt dienen. Dazu aber später mehr. Es handelt sich, soviel sei verraten, um einen Roman von André Gide, den ich zz. wiederholt lese. Es ist eines der ganz großen Romane des 20. Jahrhunderts.

Heute Ruhetag!

Plenty and peace breeds cowards: hardness ever
Of hardiness is mother.

Zu Deutsch:

Imogen:
… Überfluß und Friede zeugen Memmen. Drangsal ist
Der Keckheit Mutter.

William Shakespaeare: Cymbeline
3. Akt – 6. Szene

We are all bastards;
And that most venerable man which I
Did call my father, was I know not where
When I was stamp’d;

Zu Deutsch:

Posthumus:
Kann denn kein Mensch entstehn, wenn nicht das Weib
Zur Hälfte wirkt? Bastarde sind wir alle,
Und der höchst würdge Mann, den ich stets Vater
Genannt, war, weiß der Himmel wo, als ich
Geformt ward
, und Falschmünzerwerkzeug prägte
Als falsches Goldstück mich.

William Shakespaeare: Cymbeline (Romanze in 5 Akten – 1610)
2. Akt – 5. Szene

Herunterschalten

Ich bin in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr beweisen muss. Ich habe in meinem durchaus bürgerlichen Leben das erreicht, was ich erreichen konnte. Daher sind weitere berufliche Erfolge für mich nicht mehr relevant. Und Status und Ansehen sind für mich Äußerlichkeiten, die für mich immer schon eine untergeordnete Bedeutung hatten.

Slow down - Downshifting

Eigentlich mag ich solche Anglizismen nicht, Downshifting nennt man es eher hochtrabend, was berufliches Herunterschalten sein soll. Nicht Erfolg macht glücklich, sondern ein selbstbestimmtes Leben. Wenn heute die Grenzen zwischen Beruf und der eigenen Freizeit verwischen, dann ist das etwas, was ich nicht akzeptieren kann. Auch mich wollte man mit einen Handy oder Smartphone und mehr beglücken, damit ich in meiner Freizeit verfügbar bleibe. Da eine dienstliche Notwendigkeit nicht nachgewiesen werden konnte, so blockte ich dieses Ansinnen meines Arbeitgebers erfolgreich.

Vielleicht bin ich trotz meines bürgerlichen Lebens im Inneren ein Rebell. Und dank einer gewissen Narrenfreiheit kann ich oft genug das tun, was ich möchte. Was ich mir erlauben kann, können sich andere nicht. Und so geraten diese schnell unter Druck, können nicht mehr abschalten – und, wen wundert’s, ein Burnout stellt sich ein.

Ehrgeiz mag einen vorantreiben. Aber Ehrgeiz kann einen auch zerfressen. Nicht, dass ich keinen Ehrgeiz mehr hätte, im Gegenteil. Aber mein Ehrgeiz ist auf andere Ziele gerichtet, losgelöst von Statusdenken, Ansehen und dem Streben nach Geld. Es muss nicht gleich ein „einfaches Leben“ sein, ein freiwillig gewählter Karriererückschritt ist manchmal der richtige Schritt zur Gesundung. Aber wer wag solches schon tun. Ich hatte vor Jahren die Möglichkeit, für einige Euro mehr in der Tasche, eine höhere Position einnehmen zu können. Da das Mehr an Geld das Mehr an Verantwortung, vor allem aber an Nervenbelastung nicht aufwog, sagte ich ab. Heute bin ich froh um meine Entscheidung.

Vielleicht bin ich auch einer, der es versteht, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Wer sich selbst nicht kennt, vergräbt sich und sein ICH gern in Beruf und Arbeit, selbst wenn er erkennt, dass er dort seinen Lebenssinn nicht findet. Aber das ist ja schon wieder ein anderes Thema, oder nicht?!

Siehe hierzu zdf.de: Downshiften – Lieber glücklich als erfolgreich

Sieg, Unentschieden oder Niederlage!

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.

    (Jean-Paul Sartre)

Heute ist es also wieder soweit: Der Ball rollt …! (Na, wohin rollt er denn …? Ich hoffe ins Tor!) Ja, die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine beginnt heute mit dem Eröffnungsspiel. Und man darf sich wieder auf gelungene Spielzüge, ‚verlängerte Pässe’ (nein, nicht Reisepässe), schöne Tore und – auf gelungene Sprüche der Fernsehkommentatoren und manchen Fauxpas der Spieler in den Interviews freuen.

Apropos Sprüche: Bevor der Ball ins Rollen kommt, wissen wir als Fußballkenner, dass es „nur eine Möglichkeit“ für eine Fußballmannschaft gibt, nämlich: „Sieg, Unentschieden oder Niederlage!“ – so hat es „Kaiser“ Franz Beckenbauer sehr schnell erkannt. „Am Ergebnis wird sich nicht mehr viel ändern, es sei denn, es schießt einer ein Tor.“ (gleichfalls Franz Beckenbauer, diesmal als Co-Kommentator) Das grenzt an höhere Mathematik.

Zunächst zu den Kommentatoren des Fernsehens und ihren Sprüchen. Im Eifer des Gefechts leisten sich da die Sportreporter schon so manchen verbalen Schnitzer, der, einmal ausgesprochen, diesem ewig anhängt. Gerd Rubenbauer brachte es auf eine ansehnliche Sammlung („Die Paraguayer foulen wie Lepra-Kranke!“, „Die Rudi-Rufe hat es vorher nur für Uwe Seeler gegeben.“ usw.), besonders sein Jubel über das 1:0 der deutschen Mannschaft bei der WM 1990 in Italien im Endspiel dürfte Fußballfreunden in Erinnerung geblieben sein: „Jaaaa! Tor für Deutschland! 1:0 durch Andreas Brehme. Alles wie gehabt!“. Bei der WM 1998 in Frankreich wunderte sich Rubenbauer: „Jetzt wechselt Jamaika den Torhüter aus!“ – dabei zeigte der FIFA-Beauftragte lediglich eine Minute Nachspielzeit an.

Natürlich bemühen sich Sportreporter besonders geistreich zu sein. Mancher Witz ergibt sich oft spontan und endet als Kalauer – wie bei Wolf-Dieter Poschmann: „Von Jürgen Kohler, den sie alle nur Kokser nennen, zurück zum heutigen Gegner Kolumbien – eine gelungene Überleitung wie ich finde.“

Geradezu bissig waren dann Kommentare wie die von Marcel Reif: „Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, haben sie es an den Bronchien.“ – oder Johannes B. Kerner: „Wenn man Gelb hat und so reingeht, kann man nur wichtige Termine haben.“

Um Kommentator zu sein, bedarf es schon einer gewissen Intelligenz und der Fähigkeit, sich halbwegs verständlich auszudrücken. Von einem Fußballspieler erwartet man in erster Linie, dass er Fußball spielen kann. Sicherlich gibt es Spieler, die mit Köpfchen spielen, bei anderen reichen die Füße: „Ich denke nicht vorm Tor – das mach ich nie!“ (Lukas Podolski). Die mit Köpfchen (im Sinne von Verstand) sind wohl nicht die Regel, eher die wie Poldi – Ausnahmen bestätigen aber die Fußballregel: „Ich werde sicher nebenbei studieren, damit ich nicht komplett verblöde.“ So Alessandro Riedle, Sohn des Ex-Nationalspielers Karlheinz Riedle.

Aber bleiben wir noch einmal kurz bei denen mit Köpfchen: Von Albert Camus, dem Kollegen von Jean-Paul Sartre (siehe oben den einleitenden Spruch), wissen wir, dass er in jungen Jahren Torwart beim Fußballverein Racing Universitaire d’Alger, immerhin mehrmals Meister in den französischen Gebieten Nordafrikas, war. Aber Philosophen sind weniger Fußballspieler – eher umgekehrt.

Es gibt natürlich auch Fußball-Philosophen, über die ich mich an anderer Stelle schon einmal etwas ausführlicher geäußert habe. Hier möchte ich in diesem Zusammenhang lediglich Gary Lineker zu Wort kommen lassen, der die Philosophie des Fußballs mit nur einem Satz zu erklären verstand: „Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, und am Ende gewinnt immer Deutschland.“ – Okay, den Spruch kennt inzwischen jeder.

Kommen wir zu den eigentlichen Fußballersprüchen, also zu jenen Artikulationsversuchen von Fußballspielern, aber auch Trainern und sonst wie tätigen Fußballverantwortlichen. Nein, auch diesmal keine Sprüche von Thomas Doll. Auch nicht von Christoph Daum (zu Trapattoni, heute Nationaltrainer der Iren, habe ich mich früher schon kurz geäußert: Trapattoni: Ich schon wieder da).

Besonders schön sind wieder einmal Sprüche mit Drehern, d.h. „geflügelte Worte“ bzw. Zitate, in denen Begriffe verdreht wurden:

Der krempelt die Arme hoch.
(Reiner Calmund)

Wir müssen das alles noch mal Paroli laufen lassen.
(Horst Hrubesch)

Das ist Schnee von morgen.
(Jens Jeremies)

Man darf über ihn jetzt nicht das Knie brechen.
(Rudi Völler)

Uns steht ein hartes Programm ins Gesicht.
(Andreas Brehme)

Fußball ist natürlich oft auch Leiden, besonders bei Niederlagen:

Fußball ist auf der Bank ein Leidensgeschäft. Ich bin leidender Angestellter hier in Nürnberg.
(Klaus Augenthaler, Trainer)

Schlimm ist dieses Gejammer. Tut hier weh, tut da weh. Aber solange Sie das Handy halten können, muss ja noch genug Kraft da sein.
(Werner Lorant)

Wir steigen jetzt in den Bus ein und heulen im Kollektiv. Dann fallen wir uns in die Arme. Dann ist es vergessen.
(Dietmar Demuth nach einer 0:4-Niederlage des FC St. Pauli bei Energie Cottbus)

Fußballersprüche

… und der Rest kreuz und quer:

Ich glaube, die Mannschaft hat sich im Trainingsplan in der Spalte geirrt. Tag der offenen Tür ist erst am Sonntag.
(Stuttgart-Trainer Ralf Rangnick zum 0:4 gegen Freiburg)

Ich habe 2 1/2 Jahre bei Young Boys Bern, 6 Monate bei Lierse und 53 Minuten bei Duisburg gespielt.
(Mini Jacobsen)

Ich bleibe auf jeden Fall wahrscheinlich beim KSC.
(Sean Dundee)

Luis Figo ist ganz verschieden zu David Beckham – und umgekehrt.
(Kevin Keegan)

David Beckham hat zwei Füße – das haben heutzutage nicht mehr viele Spieler.
(Jimmy Hill)

Wenn du so gerne das Fähnchen schwenkst, dann such dir doch ’nen Job am Flughafen.
(Eric Meijer zum Linienrichter)

Pässe der Marke Lothar Matthäus – da möchte man Ball sein.
(Johannes B. Kerner, Reporter)

Ich bin sicher, daß ich in vier oder sechs Wochen Interviews auf Englisch geben kann, die auch der Deutsche verstehen wird.
(Lothar Matthäus)

Wenn jeder Spieler 10 Prozent von seinem Ego an das Team abgibt, haben wir einen Spieler mehr auf dem Feld.
(Berti Vogts)

In der Mitte, da sind sie vierbeinig.
(Karl-Heinz Rummenigge über die Abwehr von Luxemburg)

Wenn man über rechts kommt, muß die hintere Mitte links wandern, da es sonst vorn Einbrüche gibt.
(Karl-Heinz Rummenigge)

Da sieht man mal wieder, wie schnell 100 Jahre um sind.
(1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser zur Prophezeiung von Franz Beckenbauer, dass die Löwen noch 100 Jahre auf einen Sieg gegen den FC Bayern warten müssen)

Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war’s mir wurscht. Da hab i g’sagt: „Sauft’s weiter.“
(Max Merkel)

Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf – wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
(Reiner Calmund)

Vergangene Woche gegen Piräus hat er auf einer für ihn ungewohnten Position gespielt und brauchte anschließend einen Kompass, um in die Kabine zu kommen.
(Reiner Calmund über Neuzugang Hanno Balitsch)

Wir werden nur noch Einzelgespräche führen, damit sich keiner verletzt.
(Frank Pagelsdorf, Trainer)

Unbegreiflich, ich habe keinen Spurt von ihm gesehen.
(Werner Lorant über einen Muskelfaserriss seines Spielers Borimirov)

Im ersten Moment war ich nicht nur glücklich, ein Tor geschossen zu haben, sondern auch, dass der Ball reinging.
(Mario Basler)

Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
(Fritz Walter jun.)

Ich hab´ spekuliert, was ich machen soll. Offensichtlich habe ich gut spekuliert, aber nicht getroffen.
(Peter Közle über zwei hundertprozentige Torchancen, die er beide vergab)

Der Trainer hatte nach den ganzen Ausfällen im Angriff nur noch die Wahl zwischen mir und dem Busfahrer. Da der Busfahrer seine Schuhe nicht dabei hatte, habe ich gespielt.
(Eintracht Frankfurts Torschütze Jan-Aage Fjörtoft zu den Gründen für seinen ersten Saisoneinsatz von Beginn an)

Elfmeter ist nicht das, was man von der Tribüne aus sieht. Elfmeter ist das, was ich auf dem Platz sehe.
(Schiedsrichter Markus Merk zu seinen Elfmeter-Pfiffen)

Wir wollten unbedingt einen frühen Rückstand vermeiden. Das ist uns auch gelungen. Der VfB Stuttgart hat in den ersten zweieinhalb Minuten kein Tor geschossen.
(Bernd Krauss)

Weitere schöne, geradezu klassische Fußballsprüche findet man hier:

fussballweisheiten.de
ran.de
gustloff-online.de
familie-ahlers.de

Heute geht es also los. Man darf gespannt sein, wie die deutsche Mannschaft (beginnend morgen mit dem Spiel gegen Portugal) abschneidet. Hier meine Tipps für den 1. Spieltag der Gruppenphase. Einige Teams kann man noch nicht so richtig einschätzen. Favoriten dürften die drei ersten (europäischen Mannschaften) der FIFA-Rangliste sein: Spanien, Deutschland (im Juni auf Platz 3 zurückgefallen) und die Niederlande. Geheimfavorit ist für mich Frankreich.

Gruppe A
08.06. 18:00 Polen – Griechenland 1:0
08.06. 20:45 Russland – Tschechien 3:1

Gruppe B
09.06. 18:00 Niederlande – Dänemark 2:1
09.06. 20:45 Deutschland – Portugal 2:1

Gruppe C
10.06. 18:00 Spanien – Italien 2:1
10.06. 20:45 Irland – Kroatien 0:0

Gruppe D
11.06. 18:00 Frankreich – England 2:1
11.06. 20:45 Ukraine – Schweden 0:1

Gespannt bin ich auch auf manch ‚schönen’ Erklärungsversuch der Spieler und Trainer, wenn’s nicht so lief wie erwartet, denn …

    „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“
    (Andreas Brehme)

Grainau 2012 (17): Von Solebädern, Pucks und Nebelfeldern

Während unseres Grainau-Urlaubs die Woche vor Ostern hatten wir uns eine Zugspitzcard Gold gekauft und diese dann auch voll ausgenutzt, u.a. haben wir folgende Seilbahnfahrten unternommen: Zugspitz-Rundreise, Garmisch-Classic-Rundfahrt und Wankbahn-Fahrt.

Daneben waren wir einmal im Kletterwald von Garmisch-Partenkirchen, haben mit Zugspitzbahn und Eibseebus den Eibsee besucht und waren fünf Mal im Zugspitzbad von Grainau. Im Eintritt enthalten sind neben der Nutzung des Schwimmbades auch ein Sole-Whirlpool und das Dampfbad.

Und da die Eishockey-Saison noch nicht abgeschlossen war, besuchten wir am vorletzten Tag am späten Nachmittag noch ein Spiel des SC Riessersee in dem Olympia-Eissport-Zentrum Garmisch-Partenkirchen – auch hier ist der Eintritt durch die Zugspitzcard abgedeckt, wenn auch nur für Stehplätze.

Olympia-Eissport-Zentrum Garmisch-Partenkirchen

Es ging in der 2. Eishockey Bundesliga um den Abstieg gegen die Eispiraten Crimmitschau. Das Spiel ging zwar in der Verlängerung 2:3 verloren, trotzdem konnte der Sc Riessersee die Klasse erhalten. Beim Aufwärmen der Spieler flogen uns einige Pucks um die Ohren. Leider konnten wir keinen ergattern. Und leider konnten wir nicht bis zum Ende bleiben, da der letzte Eibseebus nach Grainau bereits um 21 Uhr 14 ab Bahnhof Garmisch-Partenkirchen losfuhr und wir diesen noch erreichen wollten – und haben (die letzte Zugspitzbahn fuhr bereits um 18 Uhr 15).

Eintrittskarte – 2. Eishockey-Bundesliga: Sc Riessersee

An dieser Stelle eine sicherlich berechtigte Kritik: Von Grainau nach Garmisch-Partenkirchen und zurück kann man sowohl mit der Zugspitzbahn als auch dem Eibseebus fahren. Das klingt zunächst gut. Leider fahren beide, Bahn wie Bus, fast zeitgleich. Eine zeitliche Versetzung des Busses um eine halbe Stunde wäre also um einiges besser. Hat man die Bahn verpasst, dann ist der Bus auch gerade weg und man darf annähernd eine Stunde auf das nächste Verkehrsmittel warten.

Nun dieser vorletzte Tag (der Samstag vor Ostern) war regnerisch. So waren wir längere Zeit als sonst im Zugspitzbad und abends – wie gesagt – in Garmisch-Partenkirchen beim Eishockey. An diesem Tag hatte man zum ersten Mal auch keinen Blick auf die Zugspitze. Bis ins Tal breiteten sich Nebelschwaden aus.

Nebelschwaden in Grainau 2012
Fotos © Jan Einar Albin

Damit ging unser Urlaub leider auch langsam zu Ende. Der nächste Tag, der Ostersonntag, war Abreisetag. Und dieser Tag sollte noch eine Überraschung für uns in petto haben …

Tostedt: Bürger für den Erhalt des Freibades

Am Montag wurden die Stimmen ausgezählt. Über 21.000 Bürger waren in der Samtgemeinde Tostedt befragt worden, ob sie weiterhin ein Freibad haben möchten und wenn ja, ob das Bad im jetzigen Zustand erhalten oder als normales Freibad grundlegend saniert bzw. zu einem Naturfreibad umgewandelt werden soll (siehe meinen Beitrag: Tostedt: Ein Freibad für ein Parkhaus). 8373 Bürger haben ihre Stimme abgegeben, von denen aber 232 nicht zugelassen werden konnten. Die gültigen Stimmen entsprechen einer Beteiligung von 38,6 %. 17,1 % stimmten für eine Schließung. Damit ist der überwiegende Teil für einen Erhalt des Freibades in Tostedt. Die Variante Naturfreibad erzielte dabei mit 34,2 % die Mehrheit.

Freibad Tostedt – Postkarte aus den 60er Jahren

Knapp 40 % sind natürlich keine sehr hohe Beteiligung, leider, entsprechen aber dem Schnitt, den auch Bürgerbefragungen in anderen Kommunen in Niedersachsen erzielten. Natürlich ist unser Samtgemeindebürgermeister Dirk Bostelmann (CDU) über die Wahlbeteiligung entsetzt. „Das heißt, dass 61,4 Prozent nichts gesagt haben. Oder auch: 10,8 Prozent aller Bürger wollen den Ist-Zustand erhalten, 13 Prozent ein Naturbad. Das ist kein eindeutiges Ergebnis.“ Da ahnt man gleich, woher der Wind weht.

Bedenkt man, dass es bei dieser Befragung, die zudem für die Kommunalpolitik nicht bindend ist, lediglich um das Freibad ging, dann kann man mit dem Ergebnis zufrieden sein. Die Wahlbeteiligung in der Samtgemeinde Tostedt bei der letzten Kommunalwahl 2011 lag mit 55,1 Prozent auch nicht gerade hoch. Hier wäre ein Entsetzen von Herrn Bostelmann eher angebracht.

Wie auch immer: Das Ergebnis dieser Befragung ist ein Votum der Bürger für den Erhalt des Freibades. Da kommt auch der Samtgemeindebürgermeister nicht mehr herum. Und es ist ein Votum für eine grundlegende Sanierung. Jetzt sind die Kommunalpolitiker am Zug. Wir sind gespannt, wie diese entscheiden werden.

siehe Artikel Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN): Befragung ein Schlag ins Wasser?
siehe Artikel im Hamburger Abendblatt: Tostedter wollen ihr Freibad in ein Naturbad umwandeln

Weitere wichtige Links:
Pro Freibad Tostedt der DLRG Ortsgruppe Tostedt e.V.
Facebook-Seite „Rettet das Freibad in Tostedt“

This was … Jethro Tull (2)

Jethro Tull’s Ian Anderson samt Band macht erst einmal einige Tage Pause und weilt dann für zwei Konzerte in Islands Hauptstadt Reykjavik. Die Zeitungskritiken der letzten Konzerte in Deutschland waren durchgehend positiv. Ich will es dem ‚Flötenmann’ gönnen (falls im Netz noch verfügbar):

Konzertbericht: Ian Anderson von Jethro Tull in Mannheim
Gerald Bostock, einst und heute
Frisches vom Flötenmann
Ein Schuljunge im Rentenalter
Querkopf mit Pfiff
Ian Anderson plays Thick As A Brick – live Alfred Fischer Halle, Hamm 23.05.2012

Jethro Tull’s Ian Anderson 2012 in Berlin

Bevor ich die Akte Ian Anderson und Jethro Tull für einige Zeit schließen möchte (die Akte Jethro Tull ist meines Erachtens trotz anderer Verlautbarung bereits vollständig geschlossen), hier noch einige Infos, Anmerkungen – wie immer man es nennen kann:

Immer wieder findet man die Frage, ob Ian Anderson überhaupt Noten lesen kann. Angeblich kann er keine Noten lesen; ich denke eher, dass er schon Noten lesen kann, aber ihm gelingt es nicht, nach Noten zu spielen. Da hat er etwas mit mir gemeinsam. Die Frage des Notenlesens war bei der Auswahl der jetzigen Begleitmusiker ein wichtiger Punkt. Martin Barre kann nämlich auch nicht nach Noten spielen – und so wäre es schwierig geworden, das 1972er Thick as a Brick, das in zwei Teilen jeweils über 20 Minuten lang ist, ohne Probleme einzuüben. Florian Opahle, der auf der TAAB-Tour Gitarre spielt, hat eine umfangreiche musikalische Ausbildung hinter sich, wird also mit Sicherheit Noten lesen können – so wie ohne Frage auch John O’Hara, der Musik studiert hat. Goodier kommt aus einer musikalischen Familie.

Selbst wer weniger komplexe Musik als z.B. Jethro Tull spielt, kommt irgendwann ohne Noten nicht mehr zurecht. Ich und meine Söhne, die ja auch in einer Band musizieren, benutzen das preiswerte und am Ende ausreichende Guitar Pro – inzwischen in Version 6. Ian Anderson benutzt zum Erstellen von Partituren (z.B. für den Auftritt mit Orchestern) die Software Sibelius.

Nach Noten spielen und Rockmusik, passt das überhaupt zusammen? Bei dem suite-ähnlichen TAAB (1972) ist Notenlesen als Orientierungshilfe sicherlich sinnvoll. Ansonsten aber dürfte es eher ein Hemmschuh sein. Genau das findet sich nach meiner Meinung bei TAAB 2 (2012). Anderson verpasste seinen Jungs recht restriktive Vorgaben, die diese auch ohne Murren einhalten. Aber dann verkommt z.B. das Schlagzeug schnell zur bloßen Begleitung und hat selten starke Stellen. So spielte Florian Opahle selbst in den wenigen Soli eher mit angezogener Handbremse („wie vom Blatt“). Und das Produkt klingt dann für mich eben sehr steril.

Nun nach den Auftritten in Deutschland und der Aufführung sowohl von TAAB 1 als auch TAAB 2 stellt sich die Frage, ob es das Ganze irgendwann einmal auch als Konzert-DVD geben wird.

Wir kennen Ian Anderson als schottischen Knauser. So wollte er partout kein neues Album auf den Markt bringen. Erst nach langem Hin und Her entschied er sich dann ja zu TAAB 2. Und auch da ist er sich nicht sicher …:

„Das war vor 20, 30 Jahren anders. Da konnte man noch erwarten, einige Platten zu verkaufen. Ich werde vermutlich sogar Geld verlieren mit dem Album [gemeint ist TAAB2], das wir gerade aufgenommen haben. Es aufzunehmen, zu mischen und zu mastern, das Cover zu gestalten und so weiter hat etwas mehr als 100.000 Euro gekostet. Ich denke, meine Chancen, mein investiertes Geld von EMI zurückzubekommen sind überhaupt nicht gut. […]“ (Quelle: Wolfgang und Kevin Thomas: Jethro Tull Over Germany: Fotos und Geschichten aus über vier Jahrzehnten, 2012, S. 251)

Ich vermute, dass er das Geld durchaus wieder eingespielt haben wird. Spätestens mit seinen Live-Auftritten fließt reichlich Kohle in die Taschen von Herrn Anderson. Es ist eben ein neues ‚Geschäftsmodell’, dem sich auch Ian Anderson ‚beugen’ muss. Die Konzertsäle waren voll (wenn ’s auch nicht mehr die ganz großen Hallen sind, die er füllt), meist ausverkauft sogar, was er mit der x-ten „Best of …“-Tour sicherlich nicht erreicht hätte. Ob das nun aber zu einer Konzert-DVD reicht, bleibt fraglich. Nochmals O-Ton Anderson:

„ … Youtube als Firma ist verantwortlich für so viele Urheberrechtsverletzungen, dass es sich nicht mehr lohnt, DVDs aufzunehmen und zu veröffentlichen. Das kostet schließlich eine Menge Geld. Man braucht mindestens acht bis zehn Kameras, die ganzen Mischpulte, dann muss das alles editiert und gemischt werden. Wir sprechen hier vermutlich von etwa 100.000 Euro, um eine solche Aufnahme in professioneller Weise machen zu lassen. […] Und wenn Sie am Ende versuchen wollen, ihre 100.000 Euro wieder einzuspielen – vergessen Sie’s. Von einer Musik-DVD verkaufen Sie heute im Schnitt zwischen drei und zehntausend Kopien, vielleicht auch weniger. […] Als das Medium der DVD herauskam, konnten Sie bis zu 50.000 oder sogar 100.000 Exemplare verkaufen. […], wir haben mit „Living with the Past“ 100.000 Kopien verkauft, das war für eine Konzert-DVD ein gutes Ergebnis. Heute würden es mit viel Glück 10.000. […] Wir werden also jetzt hauptsächlich noch Aufnahmen aus der Bandgeschichte veröffentlichen, um die Produktionsfirmen, wie Eagle Vision, am Leben zu erhalten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Büroreinigungspersonal zu bezahlen.“ (Quelle: Wolfgang und Kevin Thomas: Jethro Tull Over Germany: Fotos und Geschichten aus über vier Jahrzehnten, 2012, S. 200)

Aber vielleicht hat es sich Herr Anderson inzwischen anders überlegt. Und dann gibt es da sicherlich auch einen Live-Mitschnitt beim Montreux Jazz Festival am 1. Juli. Interessant klingt immerhin der Hinweis auf die ‚Aufnahmen aus der Bandgeschichte’. Da soll es noch einiges geben, das für mich auf jeden Fall interessanter wäre als eine DVD von der jetzigen Tournee.

Trotz der negativen Aussagen von Ian Anderson plant er bereits weitere Albumprojekte. Beabsichtigt er, sein Geld aus dem Fenster zu werfen? Oder droht auch den Reinigungskräften bei EMI der Rausschmiss? Da ist zunächst das „string quartet album of mainstream Jethro Tull tracks which will be perfect for the weddings, christenings and funerals of Tull fans”, das ich bereits an anderer Stelle erwähnte und das angeblich sogar schon in Arbeit sein soll. Des Weiteren ist ein Hardrock-Album geplant – wohl wieder unter dem Namen von Jethro Tull, denn Ian Anderson sagt darüber mit Bezug auf den Metal-Grammy vor etlichen Jahren „Maybe the time has come to actually say, ‚You know? All right, maybe we are a hard rock/metal band‘.“ Außerdem denkt er an eine Scheibe im Singer-Songwriter-Stil mit (fast nur) eigener Gitarrenbegleitung (nachzulesen in einem Interview im The Morton Report).

Singer-Songwriter-Stil – wie soll das gehen bei seinem Gekrächze? Nein, ich weigere mich, das weiter zu kommentieren. Schön ist es sicherlich, wenn man im Alter noch so viele Ziele vor Augen hat.

Jethro Tull – This was … Für die nächste Zeit lege ich Herrn Anderson und seine ehemalige Gruppe erst einmal aus Eis. Es gibt noch andere Musik, die mich interessiert. Und außerdem möchte ich wieder mehr lesen. Meinen Ohren kann eine Ruhepause nicht schaden …

Warum Deutschland (vielleicht) nicht Europameister wird

Am Freitag beginnt mit dem Eröffnungsspiel zwischen Co-Gastgeber Polen und Griechenland um 18 Uhr in Warschau die 14. Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Deutschland muss zum ersten Mal am Samstag um 20 Uhr 45 in Lemberg gegen Portugal antreten. Alle 16 Mannschaften befinden sich also noch in der Vorbereitungsphase und haben dabei gezeigt, dass in Sachen Spritzigkeit und Feinanstimmung noch nicht alles bei 100 % liegt.

In Deutschland sind die Erwartungen hoch. Es gibt kaum einen, der nicht nur dem deutschen Team den Titel zutraut, sondern ihn von der Mannschaft geradezu erwartet. Natürlich traue auch ich der Mannschaft um Trainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Philipp Lahm den Gewinn der Europameisterschaft zu. Das Potenzial hat die Mannschaft. Sie ist jung, technisch versiert, spritzig und ‚hungrig’. Aber wie so oft im Leben, so ist besonders im Sport der Erfolg von vielen Faktoren abhängig. Glück, Tagesform, all die kleinen und großen Dinge spielen eine Rolle. Und manchmal ist es ein kleiner individueller Fehler, der alles zunichte macht.

Deutschland spiel mit Portugal, den Niederlanden und Dänemark in einer ausgesprochen schweren Gruppe. Aber eigentlich gibt es keine leichten und schweren Gruppen. Bei der EM 2012 treten die 16 besten Mannschaften Europas an. Der Unterschied kann dann auf den Tag gesehen marginal sein.

Ich traue der deutschen Mannschaft alles zu. So also auch ein Ausscheiden bereits in der Gruppenphase. Gerade weil man von ihnen den Titel erwartet, kann das ganz gehörig in die Hose gehen. Es ist eine fast durchgehend junge Mannschaft. Die Erwartungshaltung kann schnell zum Fluch werden.

Natürlich gibt es auch bei dieser Meisterschaft Favoriten und Außenseiter. Schaut man z.B. einmal auf die FIFA-Rangliste vom Mai 2012 dann findet man neben dem amtierenden Europameister (und Weltmeister) Spanien und dem deutschen Team als nächste europäische Mannschaften die Niederlande, Portugal, England, Kroatien und Dänemark. Daneben muss man mit Frankreich und Polen als einen der beiden Gastgeberländer rechnen. Alle Informationen zu den Teams und den einzelnen Spielern findet man übrigens auf der Website der UEFA zur Euro 2012.

Spielplan zur Euro 2012 in Polen/Ukraine

Ranglisten hin, Ranglisten her: Wer sind nun aber die eigentlichen Favoriten?

Bei den Spaniern hat man zuletzt einen gewissen Sättigungsgrad festgestellt. Aber nachdem Real Madrid und der FC Barcelona in der Champions League im Halbfinale ausgeschieden sind, dürfte eine Trotzreaktion durchs spanische Team gegangen sein, die neuen Appetit entfacht hat, auch wenn wichtige Spieler wie Villa und Pujol für die EM ausfallen.

Zu den deutschen Gruppengegner. Die haben sich wie das deutsche Team (5:3-Niederlage in der Schweiz, allerdings ohne die Bayernspieler) in ihren letzten Vorbereitungsspielen nicht nur mit Ruhm bekleckert: Für die Niederlande gab zu Hause eine 1:2-Niederlage gegen Bulgarien, dann allerdings zwei Siege. Portugal verlor erst am Samstag zu Hause gegen die Türkei 1:3. Bei den Dänen geht es nach Niederlagen gegen Russland und Brasilien aufwärts: zuletzt steht ein 2:0-Sieg gegen Australien. Die Dänen bleiben aber Außenseiter in der Gruppe B. Als Favoriten auf den Gruppensieg werden neben Deutschland vorrangig die Niederlande gehandelt. Portugal fehlt es an der mannschaftlichen Geschlossenheit.

In Gruppe A spielen neben Polen und Russland Griechenland und Tschechien. Mit dem Heimrecht dürften es die Polen in die nächste Runde schaffen – zusammen mit den Russen. Aber die Griechen mit ihrem Minimalfußball sind nicht zu unterschätzen und dürften es besonders den Polen schwer machen.

Gruppe C hat natürlich mit Spanien den Topfavoriten. Daneben kämpfen Italien, Irland und Kroatien um den zweiten Platz. Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli erwägt angesichts des ewigen Wettskandals und den Beschuldigungen gegen Torwart Gianluigi Buffon einen Verzicht seines Teams bei der EM. Natürlich ist das Panikmache. Wie sollte im italienischen Fußball auch anderes als Chaos herrschen. So oder so wird sich die Altherrenmannschaft Italiens schwer tun. Die Chance für Irland oder Kroatien?

Bleibt die Gruppe D mit der Ukraine, Schweden, England und Frankreich. In Frankreich hat ähnlich wie in Deutschland ein Umbruch stattgefunden. Der Erfolg der letzten Zeit spricht für die Franzosen. Bei den Engländern steht der Umbruch noch aus. Jetzt fallen auch noch Lampert und Cahill wegen Verletzungen aus. Und Wayne Rooney ist für die beiden ersten Spiele gesperrt. Frankreich ist für mich Favorit auf den Gruppensieg. Für den zweiten, wer immer das sein wird, ist dann spätestens im Viertelfinale (wohl gegen Spanien) Schluss.

Hier der Spielplan in einer Übersicht bei zdf.de

Ich will nicht vorweg greifen. Für mich wäre aber ein Halbfinale mit dem deutschen Team, Russland (vielleicht doch den Niederlanden), Spanien und Frankreich denkbar. Aber warten wir erst einmal den ersten Spieltag in der Gruppenphase ab. Dann sind wir vielleicht etwas schlauer.