Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

40 Jahre Jethro Tull’s Aqualung

Vor nun 40 Jahren veröffentlichte die Gruppe Jethro Tull eines ihrer bekanntesten Alben: Aqualung (am 19.03.1971 in Großbritannien, am 03.05.1971 in den USA). Auch heute noch gilt Aqualung als wesentlicher Meilenstein der Rockmusik. Wie berichtet soll im September das Album, neu gemischt und auch als 5.1-DVD, zum 40. Jahrestag erneut auf den Markt kommen.

Bekannt wurde dieses Album einmal durch das Lied „Locomotive Breath“, dem wohl bekanntesten Lied der Gruppe, auch wenn ich es völlig untypisch für Jethro Tull finde. Und natürlich durch den Titeltrack selbst und diesen leidlich-leidvollen Riff: Dumlidum-dilumdum (siehe hierzu meinen Beitrag: Riff – Another Monkey).

Aber mir geht es heute um das Cover, die Hülle des Albums. Zu Zeiten der alten Schallplatte, besonders der LP, als die Hüllen um ein Mehrfaches größer waren als die CD-Hüllen heute, hatten die Gestalter (Grafiker, Fotografen, Maler usw.) weitaus mehr ‚Spielraum’ für die Ausformung des Covers. Nicht umsonst spricht man von Artworks, also von künstlerischer Arbeit. Frontmann der Gruppe, Ian Anderson, hatte am Blackpool College of Art Kunst studiert. Schon von daher war er an einer künstlerisch ausgerichteten Gestaltung der Plattenhüllen interessiert. Bereits für das Album „Stand Up“ (siehe mein Beitrag: Ians elf Finger?!) werden Zeichnungen (genauer: ein Holzschnitt) des Künstlers James Grashow verwendet.

Jethro Tull: Aqualung - Frontcover

Jethro Tull: Aqualung - Rearcover

Jethro Tull: Aqualung – Cover Art

Jethro Tull: Aqualung - Innerfold

Für „Aqualung“ wurden nun Aquarelle an den US-amerikanischen Maler und Zeichner Burton Silverman in Auftrag gegeben. Im Nachhinein gab es wohl diverse Differenzen zwischen Silverman und Ian Anderson hinsichtlich der Verwendung der Bilder, insbesondere der Lizenzierung für Zwecke des Merchandising. Die Originalvorlage für die Vorder- und Rückseite sollen sich heute im Privatbesitz einer unbekannten Familie befinden, offenbar wurden diese aus einem Londoner Hotelzimmer gestohlen.

siehe auch: 35 Jahre Jethro Tull’s Aqualung

Offline

Heute hat uns die Telekom auf der Arbeit den Hahn zugedreht: Offline! Kein Zugang ins Netz und damit in die bunte weite Welt. Einige Mitarbeiter sind schon geradezu verzweifelt. So abgeschnitten ‚von allem’ drohen die ersten mit ihrem Freitod. Für uns IT-Menschen kommt jetzt das jahrelange Überlebenstraining im Dschungel der Großstadt zu Gute. Diese Erfahrung können wir so an die selbstzerstörerischen Kollegen weitergeben. Nur Mut, meine Jungs, es wird bald wieder … Nur wann, liebe Telekom?

Offline

Huido: Internet geht nach vier Stunden wieder – viele Leben gerettet! Danke, Telekom!

Aus Wolfgangs Schatzkämmerlein: Jethro Tull at Tanglewood Jul 7, 1970

Den Audiostream vom Jethro Tull-Konzert in Wolfgangs Schatzkammer kennen wir ja schon: Jethro Tull: Tanglewood (Lenox, MA) 07/07/1070. Und als Video hat sicherlich auch schon der eine oder andere das Konzert, wenn auch in äußerst bescheidener Qualität, gesehen. Jetzt wurde nachgelegt und in Wolfsgangs Schatzkammer ist das Konzert in einer weitaus akzeptableren Qualität zu sehen:

Jethro Tull 1970: My God

Jethro Tull 1970: With You There to Help Me

Jethro Tull 1970: My God

Jethro Tull 1970: With You There to Help Me

“Opening for the Who in 1970 couldn’t have been an easy job, but with hyper-charismatic frontman Ian Anderson there to help them, Jethro Tull proved more than capable.”

Hier das Konzert im Einzelnen. Die letzte Aufnahme bricht leider unverhofft ab (nur im Audiostream – siehe oben – ist sie wohl vollständig vorhanden). Allein der Gesten von Herrn Anderson wegen sind die Aufnahmen ‚Gold’ wert.

1 Introduction 2:57
2 Nothing is Easy 5:25
3 My God 10:32
4 With You There to Help Me 11:59
5 Dharma For One 21:17
6 We Used to Know (Incomplete) 18:38

Was nun, Herr Schönecke?

Seit Samstagmorgen bestreikt die GDL wieder einmal die metronom Eisenbahngesellschaft mbH. Ich war heute Morgen wieder fast zwei Stunden unterwegs zur Arbeit: Es ist zum Kotzen!

Da fällt mir Herr Schönecke ein, Heiner Schönecke, CDU-Politiker und der Vertreter meines Wahlkreises im niedersächsischen Landtag. Dieser hatte nämlich beim Wahlkampf zur letzten Landtagswahl 2008 auch mit dem metronom ‚im Rücken’ geworben.

Herr Schönecke und der ‚metronom’

Herrn Schöneckes Motto lautet: „Ich will nicht im Landtag sitzen, sondern ‚arbeiten’.“ Bravo, das hoffen wir doch. Bisher zeichnet sich Herr Schönecke aber besonders durch eine allgegenwärtige Gegenwart aus (die HAN nennt ihn den omnipräsenten Christdemokraten). Dort wo etwas eingeweiht wird (Bahnhöfe, Bundesstraßen, Eisenbahnbrücken etc.) ist Herr Schönecke zur Stelle. Unzählig Fotos in der regionalen Presse zieren sein Konterfei. Wahrscheinlich kommt er auch der Schnittchen wegen, die gereicht werden. Und vielleicht bekommt er auch ein Gläschen Grauburgunder oder zwei zum Hinunterspülen.

Nun Herr Schönecke hat eine Vorliebe für Bahnen. Das gilt für die Heidebahn bzw. das so genannte Heidekreuz und für den metronom. Er ist also ein Befürworter der Privatisierung der Bahn. Gern schmückt sich dabei der Hühnerzüchter mit Federn (leider nicht immer den eigenen). Herr Schönecke und der metronom – eine zweisame Erfolgsgeschichte?

Leider war es bis vor kurzem sehr ruhig um den Herrn Schönecke. So als gäbe es seit Ende Februar keine Streiks der GDL bei seinem heißgeliebten metronom. Erst mit Hilfe anderer CDU-Landtagsabgeordneter aus der umliegenden Region ließ er sich Anfang des Monats zum Verfassen eines offenen Briefs an die GDL hinreißen. „Es kann nicht sein, dass ein funktionierendes Nahverkehrssystem, das ausgesprochen erfolgreich am Markt operiere durch sinnlose Attacken von GDL-Funktionären an die Wand gefahren wird.“, heißt es dort.

Die GDL wird diesen Brief gleichfalls als „sinnlose Attacke“ empfunden und daher unbeantwortet gelassen haben. Vielleicht hätte man den metronom auch in die Pflicht nehmen sollen?

Ich hoffe nun, dass es nicht bei diesem offenen Brief bleibt. Da ist z.B. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Mädge spricht von einem „schwerwiegenden Qualitätsproblem, auch in der Führungsebene“ des metronom. Er sitzt im Aufsichtsrat der LNVG (Landesnachverkehrsgesellschaft, die im Auftrag des Landes Niedersachsen den ÖPNV, den Öffentlichen Personennahverkehr, managt) und will das Thema metronom auf die Tagesordnung in der Sitzung am kommenden Freitag bringen. Die Kommunalpolitik ist also endlich erwacht.

Apropos LNVG: Hat die nicht erst vor kurzem den Zuschlag für den Betrieb des sogenannten Heidekreuzes an die OHE AG vergeben? Die ist übrigens über die NiedersachsenBahn GmbH Miteigner der metronom Eisenbahngesellschaft mbH und gehört wiederum der Netinera Deutschland GmbH, früher Arriva Deutschland GmbH, die wiederum der italienische Ferrovie dello Stato gehört (aber das Thema hatten wir hier ja schon: Italienische Verhältnisse). Die OHE AG hatte nichts Eiligeres zu tun, Mitte April die Heidekreuzbahn GmbH zu gründen, die das Heidekreuz nun betreibt. Geschäftsführer ist Wolfgang Birlin. Ja, genau der, der auch Geschäftsführer der metronom Eisenbahngesellschaft mbH ist. Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Ich will hier nicht noch einmal die ganzen wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Verwicklungen wiederholen (siehe meine Beiträge zum Thema Bahn fahren). Ob der metronom seinen Lokführern wirklich Dumping-Löhne zahlt, wie die GDL mehr oder weniger behauptet, oder nicht, ist den Fahrgästen völlig ‚schnuppe’. Es kann nur nicht angehen, dass jetzt bereits seit dem 22. Februar immer wieder der Zugverkehr lahmgelegt wird. Metronom, GDL und auch die genannte LNVG, die für die Ausschreibungen der Bahnstrecken zuständig ist, tragen Verantwortung, der sich nicht gerecht werden.

Ja, Herr Schönecke, ich werfe auch ihrem geliebten metronom schwere Verfehlungen vor. Diesem Unternehmen geht Gewinnmaximierung vor Kundenzufriedenheit. Wobei es längst nicht mehr ‚um die Bequemlichkeit der Pendler’ geht, wie Sie richtig erkannt haben. Die Existenz von ganzen Familien ist durch die Streiks bedroht, und ich behaupte auch der „Innere Frieden“ (der Arbeitsfrieden beim metronom dürfte bereits nachhaltig schwer beeinträchtigt sein): Ich kann nur hoffen, dass so etwas wie die Sprengung eines metronom-Fahrkartenautomaten in Klecken nur die Tat einiger verwirrter Geister war (ich sehe allerdings durchaus einen Zusammenhang mit dem GDL-Streiks). Übergriffe auf das Zugpersonal hat es leider bereits gegeben. Die Website des metronom wurde gehackt. Das Verständnis der Pendler ist so ziemlich bei null angelangt, da droht das Ganze zu eskalieren. Wollen Sie das?

Also, Herr Schönecke, was nun? Mit wohlfeilen Worten ist es nicht getan. Die Politik ist trotz Tarifautonomie aufgefordert, etwas zu tun. Und die LNVG sollte auch endlich handeln und den metronom abmahnen, da diese ihren Auftrag, den öffentlichen Personenverkehr zu gewährleisten, nicht nachkommt. Evtl. sollte sogar mit einer Kündigung und einer Neuausschreibung des Verkehrsvertrages gedroht werden. Und die GDL ist evtl. durch einstweilige Verfügungen an weiteren Streiks zu hindern. Ich bin kein Jurist. Die studierten Rechtsgelehrten werden schon wissen, wie die Streikparteien zu zwingen sind. Diese müssen endlich den öffentlichen Druck spüren. Italienische Verhältnisse haben wir bereits. Eine Bananenrepublik wollen wir nicht!

Und noch eines. Hierzu lasse ich Herrn Steinfatt vom Fahrgastbeirat für den Landkreis Harburg zu Worte kommen (Quelle: taz.de):

„Die Tarifauseinandersetzung wird auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen“, sagt Klaus Steinfatt, Sprecher des Fahrgastbeirates Harburg. „Die Züge sind unpünktlich und unzuverlässig. Wenn man morgens losfährt, weiß man nicht, ob man nach Feierabend wieder nach Hause kommt. Das sind unhaltbare Zustände.“

Steinfatt wirft der für den Regionalverkehr zuständigen Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen schwere Versäumnisse vor: „Nach allem was wir wissen, hat die weder versucht zu erreichen, dass die DB-Fernzüge für Nahverkehrspendler freigegeben werden, noch bei anderen Privatbahnen versucht, zusätzliche Züge zu bestellen.“ Ihn erbost, dass die Reisenden nicht entschädigt werden. „Die Leute müssen auf den PKW umsteigen oder mit dem Taxi fahren, bleiben aber auf den Kosten sitzen. Nur 27 Prozent der Züge fahren, aber 100 Prozent der Abogebühren werden abgebucht.“

Sommerfußball (3)

Manchmal hängen die Trauben höher als man es erwartet. Die deutschen Fußball-Frauen können sich nach ihrem Ausscheiden zumindest trösten, denn auch die Brasilianerinnen sind im Viertelfinale ausgeschieden. Und immerhin hat man neben der unglücklichen Niederlage gegen Japan drei erfolgreiche Spiele in der Vorrunde absolviert. Letztendlich hat das deutschen Team gegen den neuen Weltmeister Japan verloren, die allerdings auch nur glücklich gegen die USA im Endspiel gewannen.

Nach dem Ausscheiden der deutschen Frauen bei dieser Weltmeisterschaft im eigenen Land war das Interesse für die weiteren Spiele doch sehr schnell gesunken. Wie es wohl bei allen Sportarten für den Zuschauer geht, so brauchte er auch hier ein Team, mit dem er sich identifizieren kann. Frankreich, Schweden, die USA – die kamen irgendwie nicht in Frage. Blieben die Japanerinnen – und denen gönnte man es eigentlich dann auch nur, weil sie durch die Erdbeben-, Tsunami- und jetzige Atom-Katastrophe in ihrem Land so gebeutelt sind.

Ich fürchte, dass der Frauenfußball bei uns nach dieser WM stagnieren wird. Die Enttäuschung nach dem frühen Ausscheiden ist doch groß. Und irgendwie so richtig ‚toll’ waren viele der Spiele dann wirklich nicht. Wie schon geschrieben, erschreckten mich vor allem die manchmal eklatanten Abwehrschnitzer (so auch im Endspiel bei 1:1-Ausgleich für Japan, als die Amerikanerinnen den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum wegbekamen). Jetzt ist erst einmal Sommerpause für die Fußballfrauen. Die Männer sind dagegen bereits in die neue Saison eingestiegen (2. Bundesliga). Und die südamerikanischen Männer ermitteln zz. ihren Meister bei der Copa América in Argentinien, bei der die Favoriten (Argentinien und Brasilien) auch schon ausgeschieden sind.

Lob der Kinderarbeit

In einer kurzen Passage aus dem Buch von Michael Roes: Leeres Viertel – Rub’ Al-Khali – Invention über das Spiel, das ich in 1. Auflage btb Taschenbuch im Goldmann Verlag – 1996 vorliegen habe, beschreibt der Autor ein kurzes Gespräch mit dem deutschen Botschafter im Jemen (Dr. Kurt Messer, Oktober 1990 – Februar 1994). Zu dem Buch selbst komme ich später noch einmal ausführlicher zu sprechen. Es ist ein überaus intellektuell anregendes, vielschichtiges und dabei spannendes Buch über die menschliche Kultur, den Jemen und die Suche nach der Leere im Inneren des modernen Menschen. Im Rahmen eines ethnologischen Forschungsprojektes verbrachte Michael Roes 1994 /1995 ein Jahr im Jemen. Seine dortigen ethnologischen Studien verarbeitete er in diesem lesenswerten Roman. In einem Gespräch äußerte sich der Botschafter über Kindheit und Kinderarbeit im Jemen:

Hier spielten die kinder noch so, wie er es aus seiner eigenen kindheit kenne. Eine blechbüchse oder ein karton genüge, um ein auto darzustellen, ein flugzeug, oder um selbst zu fliegen. Überhaupt wüszten jemenitische kinder noch zu spielen, während deutsche kinder vor allem zu schulischer leistung erzogen würden. Also dürfe man sich über die zunehmende aggression der kinder und jugendlichen in Deutschland nicht wundern.
Und die weitverbreitete kinderarbeit? Seine Exzellenz macht eine abwehrende handbewegung. Auch deutschen kindern würde es nicht schaden, früh verantwortung zu übernehmen, einen sinn für das mühsam verdiente brot zu entwickeln und zugleich von erwachsenen ernster genommen zu werden. In Deutschland geht es nur noch ums geldverdienen, nicht mehr um die arbeit an sich, das solide handwerk, den respektvollen dienst. Schon eine halbe stunde vor ladenschlusz wirft die kassiererin jedem neuen kunden einen miszmutigen blick zu. Hier freut man sich über jeden besucher, auch wenn es über das gespräch hinaus zu keinem handel kommt. Hier redet man noch miteinander, schenkt einander ein lächeln, respektiert das alter und legt wert auf das familienleben. In Deutschland hingegen gibt es eine zunehmende vereinzelung: immer mehr alleinstehende und alleinerziehende menschen. Die sozialen verpflichtungen der familie übernimmt der staat: kinderbetreuung, alters- und krankenversorgung. Doch die geborgenheit der familie kann kein staat ersetzen.
Eine rückbesinnung auf traditionelle werte, wie man sie hier noch findet, scheint mit auch für Deutschland wünschenswert.
(S. 126)


Sana’a/Jemen

Ich denke, dass das „Lob“ (in der Überschrift genannt) nicht zu wörtlich zu nehmen ist. Natürlich wird hier nicht die Kinderarbeit gelobt, die Kinder frühzeitig zu Krüppeln macht, jene Knochenarbeit, bei der schon kleine Kinder schwere Lasten zu tragen haben usw. Es geht einmal um das Spiel der Kinder, das vorrangig durch die Phantasie geprägt ist und nicht durch kostspieliges (sic!) Spielzeug, das nach kurzer Zeit nur in einer Ecke landet und verstaubt. Und dann geht es um Verantwortlichkeit, um Geschicklichkeit und Lebenssinn. Im Gegenzug sollen Kinder von Erwachsenen ernster genommen werden als es sonst bei uns der Fall ist.

Diese Haltung, diese Meinung ist als konservativ verschrieen. Ich denke aber, der Begriff „wertkonservativ“ ist passender – im Gegensatz zum Strukturkonservatismus. Wertkonservatismus will Herrschaftsstrukturen verändern, um bestimmte Werte zu erhalten. Es geht um eine Einstellung und „Politik, die sich für die Bewahrung der Natur, einer humanen und solidarischen menschlichen Gemeinschaft, sowie Wert und Würde des Einzelnen einsetzt.“ Der Begriff des Wertkonservatismus wurde übrigens 1975 vom SPD-Politiker Erhard Eppler in seinem Buch „Ende oder Wende“ eingeführt.

Ich will nicht behaupten, zusammen mit meiner Frau bei der Erziehung unserer beiden Söhne alles richtig gemacht zu haben. Aber – ob nun bewusst oder auch nicht – so haben wir immer versucht, unseren Kindern Werte wie gegenseitige Achtung, Verantwortung und Solidarität zu vermitteln und ihnen die Beborgenheit zu bieten, die wir eigentlich alle benötigen, um friedvoll miteinander leben zu können. Das „Ergebnis“ spricht für uns. Die aufgeführte Textpassage hat mich noch einmal zum Nachdenken gebracht.

Grillfest

Die Grillsaison ist längst eröffnet. Aber bei diesem bescheidenen Wetter brutzelt man höchstens in der trockenen Küche seine Steaks und Bratwürste … Heute aber wird draußen gegrillt, da mag kommen, was will. Und wenn es denn noch bei Freunden in der Nachbarschaft ist, dann bereitet man auch gern und schnell noch einen Salat zu: ansonsten werden wir uns ’bedienen’ lassen (wer mag das nicht). Und ganz so schlecht sind die Wetteraussichten dann auch wieder nicht, oder? Also hinaus in Nachbars Garten …

Man sieht sich …!

Grillfest in Nachbars Garten

Das richtige Werkzeug ist wichtig: Hier alles, was man/frau so zum Grillen braucht.

Fahrgastbefragung zur Unzeit

Es ist unglaublich.: Kaum fährt mein durch Personalausfall (Urlaubszeit, mysteriöse Krankheitswelle bei den metronom-Lokführern) drei Tage lang ausgefallener Zug wieder am heutigen Morgen, da werden die Fahrgäste durch eine Fahrgastbefragung belästigt. Spinnt die metronom Eisenbahngesellschaft mbH oder was soll das?

Ginge es um Fragen der Kundenzufriedenheit oder um Stellungnahmen der Fahrgäste zu dem immer noch offenen Tarifstreik mit der GDL – ich würde das verstehen. Aber diese Fragen zur Zugauslastung (Wo zugestiegen? Wo wird ausgestiegen? Welche Fahrkarte? usw.) – was soll das zu diesem Zeitpunkt?

1. Es sind Sommerferien. Viele Pendler haben bereits Urlaub. Eine Umfrage zu dieser Jahreszeit kann alles, nur nicht repräsentativ sein (oder beabsichtigt der metronom hier etwas anderes: Züge, die nur unreichend ausgelastet sind, kann man streichen).

2. Der weiterhin seit Februar schwelende Streik der Lokführer, der Ausfall von Zügen durch Personalengpässe – hat der metronom keine anderen Sorgen außer diese zur Unzeit gestartete Fahrgastbefragung? Die Pendler sind bereits reichlich genervt. Und so verwundert es nicht, dass viele Fahrgäste die Beantwortung verweigern.

3. Sollten die Fahrpläne, die ab Dezember 2010 gelten, Ergebnis früherer Fahrgastbefragungen sein, dann verzichtet ich schon deshalb an einer Teilnahme an dieser Befragung (siehe meinen Beitrag: Alles neu macht der Winterfahrplan). Die neuen Fahrpläne brachten neben stark abweichenden Fahrzeiten (gegenüber früheren Fahrplänen) auch einige Zugausfälle.

Wie gesagt. Der Tarifstreik zwischen metronom und GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) schwelt weiter. Endlich sah sich die GDL wohl zu einer ausführlichen Stellungnahme genötigt. Das wurde mehr als Zeit und liest sich interessant. Jetzt würde ich gern eine Entgegnung hierzu von der metronom Eisenbahngesellschaft mbH lesen. Was die Pressesprecherin des metronom, Frau Hannah Kohn, bisher an Pressemitteilungen über die metronom-Website veröffentlicht hat, kann wohl kaum als Stellungnahme gewertet werden.

Einen gleichlautenden Text habe ich über die metronom-Website (Lob und Tadel) der metronom Eisenbahngesellschaft mbH zukommen lassen.

Facebook-Party bei der CDU Hasloh: Freibier für alle?

Eigentore schießt man nicht nur im Fußball – sondern auch in der Politik. Bekanntlich empfindet mancher CDU-Mensch Facebook-Partys als Teufelszeug und fordert empört ein Verbot.

Da gibt es die beschauliche CDU im noch beschaulicheren Hasloh im Kreis Pinneberg. Am 20. August sollte in einer Scheune an der Kieler Straße das CDU-Sommerfest steigen. Deshalb erstellte die Ortschefin Dagmar Steiner eine Veranstaltung bei Facebook. Was sie vergaß: Wer nicht das Kästchen „private Veranstaltung“ anklickt, macht die Fete für das gesamte Netzwerk sichtbar! Und so haben sich schon mehr als 3000 Nutzer für das Scheunenfest angemeldet. Gleichzeitig wird die Partei im Netz mit Häme überschüttet.

Am Dienstag blies man nun die Scheunen-Gaudi offiziell ab. Kein Sommerfest, kein Freibier. Auch in Zukunft seien nur Hasloher und Freunde bei den CDU-Feiern erlaubt. Obendrein gab’s noch eine Warnung: „Die Aufforderung von Fremden, diese Feier zu besuchen, ist Aufforderung zum Hausfriedensbruch“, schrieb der Pressesprecher der Dorfs-CDU an die „Internet-Spaßvögel“ bei Facebook. (Quelle: mopo.de)

Solche Spaßverderber!

… zum Arschauswischen

Heute muss ich mich wieder einmal auskotzen. Und es geht wieder einmal um den Streik der GDL bei meinen ‚geliebten’ Metronom-Zügen, mit denen ich auf der Strecke Bremen – Hamburg zur Arbeit unterwegs bin (siehe meinen Beitrag hierzu: GDL on strike again). Der letzte Streik ging eigentlich nur übers Wochenende und ist heute bereits 10 Tage her. Während des letzten Streiks gab es übrigens einen ‚erfolgreichen’ Hackerangriff auf die Website des metronoms. Das nur am Rande. In diesen Tagen hat sich dann doch einiges getan:

Die Kommunalpolitik ist endlich aus ihrem Tiefschlaf erwacht. Und angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen in Niedersachsen erkannten einige Politiker, dass auch Bahn-Pendler Wähler sind. So riefen drei Bürgermeister aus dem Landkreis Harburg (Wilfried Geiger aus Buchholz, Dirk Bostelmann von der Samtgemeinde Tostedt und Günter Schwarz von der Gemeinde Seevetal) in einem offenen Brief die beiden Streithähne auf, schnell zu einer Einigung zu kommen.

siehe Twitter (mit weiteren Infos):

#Tostedt Bürgermeister fordern schnelle Einigung von #Metronom und #GDL In einem offenen Brief rufen drei (cont) http://tl.gd/bjrgud

Und endlich bemüht sich die metronom Eisenbahngesellschaft mbH um eine Schlichtung. Die GDl ist aber über das Stadium der gründlichen Prüfung dieses Vorschlags bisher noch nicht hinausgekommen (wenigstens äußert sie sich bisher nicht dazu). Inzwischen hat u.a. die CDU einen möglichen Schlichter ausgeguckt:

siehe Twitter (mit weiteren Infos):

Kein #Streik der #GDL, dafür Vorschlag zur Schlichtung durch #metronom, #NOB und #Cantus – kommt in die Pötte … http://t.co/CVnguYS

siehe Twitter (mit weiteren Infos):

CDU-Politiker Gansäuer soll im #Metronom-Streit vermitteln #GDL – Das schlägt der Landesverband Niedersachsen (cont) http://tl.gd/bjri3v

Zum Teufel mit metronom und GDL

Nun es geht um einen einheitlichen Bundes-Rahmen-Lokomotivführer-Tarifvertrags (BuRa-LfTV) für alle Lokführer und zusätzlich um einen Betreiberwechsel-Tarifvertrag, die der metronom jetzt endlich ins Netz gestellt hat. Die GDL hat daraus bisher wohlweißlich ein großes Geheimnis gemacht. Beleuchteten neutrale Juristen diese Verträge, würde sich herausstellen, dass ersterer der Verträge ein Knebelvertrag ist – und der Betreiberwechsel-Tarifvertrag zwar die hehren Ziele der GDL dokumentiert, aber reichlich weltfremd ist. Die GDL ersehnt sich alte DB-Zeiten herbei (als die DB noch Deutsche Bundesbahn hieß) und wieder ein Beamtentum der Lokführer.

Aber sicherlich hat die GDL nicht ganz Unrecht, wenn sie behauptet, private Bahnunternehmen wie der metronom würden den Wettbewerb gegenüber der Deutschen Bahn (DB) über Personalkosten austragen. Dafür hat die DB in anderen Bereichen (z.B. beim Kauf von Fahrzeugen ist die Bahn als großer Kunde der Industrie im Vorteil und die Preise für die Nutzung der Gleise und Bahnhöfe steigen ständig) Wettbewerbsvorteile – siehe Twitter (mit weiteren Infos):

#Lokführerstreik #GDL – Geschäftsführer: #Metronom droht das Todesurteil – Die GDL-Tarifforderung gefährdet (cont) http://tl.gd/bj4ivk

Aber warum schreibe ich das hier? Es gibt keinen Streik, also ist doch alles bestens, oder? Eben nicht – siehe Twitter:

Heute fallen verdächtig viele #Metronom-Züge aus: Wird jetzt krank gefeiert statt gestreikt? #GDL

Ja der metronom hat zz. wohl zu wenige Lokführer, die ihren Dienst versehen könnten. Es ist Urlaubszeit. Und wie es aussieht, machen viele andere Lokführer krank. So fallen besonders viele Züge morgens und am Nachmittag aus, Züge die außerhalb des allgemeinen Fahrtaktes fahren – Pendlerzüge. So fallen allein seit Dienstag drei von vier Zügen morgens aus, die von Tostedt starten. Mein Zug ist natürlich auch dabei. Ich muss also den nächsten Zug nehmen – und wenn dieser wie heute noch 10 Minuten Verspätung hat, dann komme ich über eine halbe Stunde später zur Arbeit.

Was mich eigentlich nervt (und wohl nicht nur mich), ist, dass ich seit Monaten nicht mehr weiß, ob meine Züge wirklich fahren. Ich kann keine privaten Termine planen, ohne davon ausgehen zu müssen, dass der Zug, den ich dann nehmen müsste, ausfällt. Fahrpläne sind so nur noch Makulatur, etwas für die Katz. Der vom metronom propagierte Wohlfühlfahrplan („Mein neuer Wohlfühlfahrplan! Der neue metronom Komfort, die neuen Verbindungen“) eignen sich höchstens dazu, sich den A… auszuwischen.

Ich fürchte (eigentlich fürchte ich mich gar nicht), der GDL gelingt es, nach und nach die privaten Eisenbahnunternehmen von den Gleisen zu drängen. Sie spielt der DB in die Hände. Heinrich Strößenreuther, Geschäftsführer beim Metronom: „Würden unsere Kosten durch den Rahmentarifvertrag auf das Niveau der Bahn steigen, führe spätestens 2018 der letzte Metronom-Zug.“ Das wäre dann ein Zug zwischen Bremen und Hamburg – über Tostedt – Mitte Dezember 2018 zum Fahrplanwechsel (ich nehme aber keine Wetten entgegen).

Kleiner, aber dicker Nachtrag:

„Die Eisenbahngewerkschaft EVG will den mit der Lokführergewerkschaft GDL geschlossen Grundlagenvertrag, der die Zusammenarbeit der Gewerkschaften regelt, auslaufen lassen. […] Im Kern ist geregelt, dass die EVG, die mit ihren 232.000 Mitgliedern alle möglichen Beschäftigtengruppen bei der Bahn umfasst, nur für diese Leute Tarife abschließt und die GDL nur für die Lokführer. Wenn dieser Vertrag gekündigt wird – das geht indes frühestens zum Juni 2014 –, könnten die Gewerkschaften versuchen, sich wechselseitig Mitglieder abzuwerben. Auch durch teure Tarifabschlüsse, woran die Bahn natürlich kein Interesse hat.“ (Quelle: zeit.de)

Die GDL frohlockt inzwischen: „Dieser Beschluss, sollte er dann von dieser Gewerkschaft überhaupt aufrechterhalten werden, wird als ein guter Tag für alle Beschäftigten des Fahrpersonals in die Geschichte eingehen: Denn damit wäre der Weg frei für eine tarifliche Vertretung der GDL für das gesamte Fahrpersonal.“

Dann gäbe es nicht nur, wie jetzt, monatelange Streiks der Lokführer, nein auch das weitere Fahrpersonal (Fahrgastbetreuer, Putzpersonal usw.) könnte durch Arbeitskämpfe den Zugverkehr lahm legen. Schöne Aussichten!

Noch ’ne Auszeichnung

Ehre, wem Ehre gebührt! Unserem sehr geehrten Herrn Doktor h.c. Ian Anderson, MBE, hat man eine weitere Ehrung zukommen lassen. Diesmal ist eine Art Ehrendiplom der Abertay University in Dundee/Old Scotland. Glückwunsch!

“Joining the students and thousands of family members for the day of celebration will be an internationally renowned line-up of Honorary Graduates, including the 200th astronaut to walk in space Colonel Benjamin Alvin Drew Jr and Jethro Tull frontman Ian Anderson MBE.

Auszeichnung mit MBE

Ehrendiplom der Abertay University Dundee

Auszeichnung mit MBE

Ehrendiplom der Abertay University Dundee

In dem Beitrag Was ist bloß mit Ian los? Teil 89: Dr. h.c. Ian Anderson, MBE schrieb ich vor einiger Zeit zu den Anderson’schen Ehrungen:

Aus der News-Kiste kommt die Mitteilung, dass sich Herr Anderson jetzt ein MBE an seinen Namen hängen darf (also nicht nur Dr. h.c. vorneweg). Er hat von der Queen einen Bonbon für seine Brust bekommen und ist jetzt Member of the Order of the British Empire (eben kurz MBE). Dazu las ich den etwas ironischen Kommentar: “Aber vielleicht kann er sich demnächst mit der Anstecknadel die Weste vor dem Bäuchlein zusammenhalten…” Nun, eine Anstecknadel direkt ist es nicht, sondern ein Orden, den man sich eigentlich an die Brust heftet. Aber auf der Bühne wird er damit wohl kaum erscheinen. Mitglied des Ordens zu sein, ist wohl auch nicht ganz so toll (also nichts mit Sir Ian und so).