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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

An früherer Wirkungsstätte

Gestern weilte ich in Bremen und bin dabei an meiner alten Wirkungsstätte, dem „Haus des Reichs“ vorbeigekommen. Da ich noch etwas Zeit hatte, betrat ich das von 1928 bis 1931 errichtete Gebäude.

Anfang der 70er Jahre absolvierte ich hier eine Ausbildung beim Finanzamt Bremen-Mitte (das Amt ist u.a. für die Körperschaftsteuer der Stadtgemeinde Bremen zuständig) in der mittleren Laufbahn (heute wäre es die Ausbildung zum Finanzwirt) und setzte ab Januar 1975 eine entsprechende Ausbildung in der gehobenen Laufbahn (heute wäre das ein Studium zum Diplom-Finanzwirt) fort …

Nun inzwischen wirke ich beruflich in Hamburg, also an ganz anderer Stelle. Es war aber schon ein merkwürdiges Gefühl, nach so vielen Jahren dieses alte, hochherrschaftliche Gemäuer wieder einmal zu betreten, in dem auch die Senatorin für Finanzen ihre Räumlichkeiten hat und das auf eine ganz ureigene Geschichte zurückblicken kann.

Seit meinem ersten Betreten des Gebäudes sind nun über 40 Jahre vergangen – und viel hat sich seitdem nicht verändert. Die Post- und auch die Geschäftstelle des Finanzamtes Bremen-Mitte ist noch in den gleichen Büros. Und es gibt immer noch die Paternosteraufzüge, die technisch als Personen-Umlaufaufzüge bezeichnet werden. Eine Fahrt mit einem dieser Fahrstühle ohne Türen, die nie anhalten, hat schon etwas.

Quelle/Urheber: RokerHRO

So bin ich also durch den Irrgarten dieses Hauses gewandert. Es besteht wirklich die Gefahr, sich zu verlaufen. In dem kleinen Kiosk, der sich im Übergang zum Anbau befindet und der für die Bediensteten u.a. Brötchen und kalte Getränke bereithält, musste ich auch hinein und habe eine Packung Kekse auf die Schnelle gekauft. Früher habe ich mir hier meine Milch gekauft (schließlich lebt man gesund).

Auch außerhalb des Gebäudes ist vieles noch so wie früher. So gibt es in der Schillerstraße immer noch den kleinen Laden, der „Finanzamt Bremen-Süd“ genannt wurde (denn ein solches Finanzamt gibt es in Bremen natürlich nicht). Und im Herdentorsteinweg, Ecke Breitenweg besteht immer noch die Kneipe „Klause 38“, in der nach Feierabend (besonders freitags) manches Bier die durstigen Kehlen der Beamtenanwärter hinuntergeflossen ist.

Gestohlene Namen

Ob nun Namen Schall und Rauch sind oder ‚Nomen est Omen’ gilt, ich habe mich dazu schon einmal geäußert. Ich lese zz. von Halldór Laxness Die Islandglocke, ein Roman, der Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhundert (nicht nur) in Island spielt (zu dem Roman später etwas mehr). Island stand unter dänische Oberhoheit, dänische Handelsmonopole blockierten über lange Zeit die Entwicklung Islands. Dadurch herrschte große Armut auf der Insel. Island stand Jahrhunderte lang unter dem Joch Dänemarks und um den Isländern auch noch den letzten Rest an kultureller Identität zu rauben, danifizierten die Dänen die isländischen Namen; so wurde z.B. aus Jón Jónsson ein dänischer Joen Joensen, aus Thórdur (Schreibweise im Buch) bzw. Þórđur (richtige isländische Schreibweise) Narfason wurde Ture Narvesen.

Aber die Dänen sind in der Geschichte nicht die einzigsten, die ein von Ihnen unterdrücktes Volk auf diese perfide Art jede kulturelle Eigenständigkeit absprechen wollten. Als im 18./19. Jahrhundert Polen von den Landkarten verschwand und zum großen Teil Russland einverleibt wurde, mussten viele Polen im Zuge einer Russifizierung ihre Familiennamen ändern (hier das Beispiel am Namen Koslowski).

Und auch die Schotten mussten hinnehmen, dass ihre Namen von den Engländern anglifiziert wurden. Zum einen mag es daran gelegen haben, dass die Engländer es nicht verstanden, die gälischen Namen richtig auszusprechen (wohl hatten sie dazu auch keine Lust, denn es wäre ja so etwas wie ein Entgegenkommen gegenüber der in Schottland gebräuchlichen gälischen Sprache gewesen), zum anderen wollte man den Schotten nicht nur die politische, sondern damit auch die kulturelle Eigenständigkeit nehmen; hier ein Beispiel anhand des Namen Anderson:

Anderson (gälisch: Mac Ghille Aindrais – ich denke auch McAndrew ist nicht falsch, obwohl im zweiten Teil auch schon wieder anglifiziert; Mc- oder Mac- steht für Sohn wie auf englisch auch -son, vergl. in den skandinavischen und friesischen Sprachen die Endung -son, -sen bzw. -sson, z.B. Hansen, Jonsson oder Johnson), was soviel wie Sohn von Andreas heißt.

Unter diesem Gesichtspunkt sind Namen dann doch etwas mehr als Schall und Rauch. Sie sind der Inbegriff von Personen, also von Menschen. Hinter jedem Namen verbirgt sich ein Leben. Namen stehen für die Authentizität und die Identität eines Menschen. Und es steckt hinter dem auch ein Sichgleichsetzen eines Menschen mit der Kultur, der Sprache usw. seines Landes.

Siehe auch meinen Beitrag: Müller-Meyer-Schulze

Arbeitskreistreffen

Heute geht’s weiter: Wieder kommen aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands Leute bei uns zu einer Art Arbeitkreis zusammen. Es geht um Neuprogrammierung und Umstrukturierung im Betrieb, was unter dem Euphemismus „Harmonisierung“ gebündelt wurde. Besonders nett daran ist, dass es so etwas wie eine Agenda, also Tagesordnung, nicht gibt. Ist ja schon hervorragend zu wissen, worüber wir reden werden. Und eigentlich sollte ich gar nicht an diesem Arbeitskreis teilnehmen. Weder bin ich im dazugehörigen Eintrag des Terminkalenders namentlich aufgeführt, noch wurde ich offiziell dazu eingeladen (z.B. von der Leitung IT). Aber Murphy ist mit Sicherheit anwesend. Es kann also lustig werden …

Arbeitskreis: Bitte nicht stören!

Kommt mir nicht mit Schmeicheleien …

Mit Schmeicheleien kann man Menschen auch verschrecken, oder? Ich mag es eigentlich nicht, wenn man mir Honig um den Mund schmiert. Ich ahne gleich: Da will jemand etwas von dir …

Folgenden Kartengruß mit selbst verfasstem Gedicht erhielt ich aus gegebenem Anlass in der letzten Woche. Wer soll das nur sein? Ein gewisser Herr A., namensverwandt, von edlem Charakter? Meine Frau wüsste zumindest dies: Das bist nicht Du … was ‚die Ruhe’ betrifft!

Geburtstagsgedicht für Willi
Geburtstagsgedicht für Willi

Etwas verspätet – vielleicht: Trotzdem vielen Dank! Ich fühle mich ‚geschmeichelt’ …!

Das Ende der Tyrannen

Es war Mitte der achtziger Jahre: Ich hatte mir mit meiner heutigen Frau eine Schlafcouch gekauft, die wir uns selbst abholen mussten. Wir wohnten damals in Hamburg-Eimsbüttel und liehen uns für den Transport das Autos meines Schwagers aus. Just an diesem Tag war der ägyptische Staatspräsident Mubarak in Hamburg, um u.a. die Beiersdorf AG zu besichtigen. Und natürlich mussten wir einen größeren Umweg in Kauf nehmen, weil mehrere Straßen in Hamburg wegen des Besuchs gesperrt waren. So etwas merkt man sich …

Tyrannen nehmen in der Regel ein böses Ende. Das ist fast schon Gesetz. So dürfte jetzt auch die Zeit eines Husni Mubarak zu Ende gehen, der seit dreißig Jahren Ägypten autokratisch und mit Hilfe des Militärs regiert. Seit diesen dreißig Jahren besteht in Ägypten ein Ausnahmezustand zur Unterdrückung der Opposition. Nach blutigen Auseinandersetzungen wird jetzt in Kairo immerhin auf Verhandlungen gesetzt – ein Ende des Ausnahmezustands ist in Sicht – und bei den im September geplanten Präsidentschaftswahlen will Staatschef Mubarak nicht mehr antreten. Es sieht nach einem friedlichen Wandel in Ägypten aus. Aber nicht immer verlaufen solche Wechsel so friedfertig.

Immer wieder haben menschenverachtete Despoten die Welt in Atem gehalten. Die Namen der Massenmörder Hitler und Stalin bilden dabei nur die Spitze des Eisbergs. Und meist geht die Gewaltherrschaft eines solchen Tyrannen einher mit einem ausgeprägten Personenkult. Da fallen mir bezogen auf Afrika Namen ein wie Idi Amin oder Jean-Bédel Bokassa, der sich sogar zum Kaiser krönen ließ. Beide wurden zwar aus ihrem Amt gejagt, verbrachten aber doch noch einen mehr oder weniger sorglosen Lebensabend. Und fast dreißig Jahre knechtete erst François „Papa Doc“ Duvalier, dann sein Sohn Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier das Volk von Haiti.

Was mich immer wieder überrascht hat, ist, dass viele Führer sozialistischer Staaten wie die Könige und Kaiser gelebt haben, während ihr Volk hungerte. Da denken wir zuerst an Kim Il-sung und nach seinem Tod an seinen Sohn Kim Jong-il, die Nordkorea seit über 50 Jahren in den Ruin lenken.

Mir selbst kommt natürlich Nicolae Ceausescu in den Sinn, der ab 1967 als Staatspräsident Rumänien regierte und mit seiner Familie, allen voran Ehefrau Elena, eine Vetternwirtschaft ohne Gleichen betrieb. Ähnlich wie Mubarak genoss Ceauşescu im Westen einiges Ansehen, zumal er nach dem Olympiaboybott der Spiele in Moskau 1980 Rumänien nicht am Gegenboykott der Spiele in Los Angeles 1984 durch die Sowjetunion und weiterer sozialistischer Staaten teilnehmen ließ (Rumänien kam nach den USA auf Platz zwei im Medaillenspiegel). Sicherlich waren besonders die Erdöl- und Erdgasverkommen in Rumänien ein wichtiger Grund für den Westen, dem Diktator in Bukarest wohl gestimmt entgegenzutreten.

Rumänien habe ich ja mit meiner Frau bei zwei Aufenthalten in dem Land (Jahreswechsel 1984/1985 in Sinaia/Rumänien und Winterurlaub in Predeal/Rumänien) besucht. Dabei lernten wir auch den Herrn Nicolae Ceauşescu im rumänischen Fernsehen kennen, wo er anlässlich seines Geburtstages am 26. Januar eine seiner Endlosreden hielt. In der Nähe von Sinaia liegt das Schloss Peleş, in dem Ceauşescu im Sommer wie die ehemaligen rumänischen Könige residierte. Die Herrschaft des Ceauşescu-Clans beruhte hauptsächlich auf den Terror der Geheimpolizei Securitate, die wohl eher mit der Gestapo der Nationalsozialisten zu vergleichen war als mit der Stasi, aber mit der Stasi ähnliche Strukturen aufwies.

Nach Glasnost und Perestroika, Transparenz und Umgestaltung, in der UdSSR und dem Fall der Berliner Mauer war dann Ende des Jahres 1989 auch der rumänische Tyrann Ceauşescu an der Reihe, seinen Hut resp. Kopf zu nehmen:

Schlagzeile 27.12.1989: Ceausescu hingerichtet
Schlagzeile und Ausschnitt aus der „Süddeutschen Zeitung“ vom Mittwoch, den 27.Dezember 1989

Nach einer zweitägigen Reise in den Iran sprach Nicolae Ceauşescu am 21. Dezember 1989 zu einer Menge von 100.000 Menschen im Zentrum von Bukarest. Nachdem die Menge gegen ihn zu schreien begann, eröffnete die Securitate das Feuer, aber das Militär unter Verteidigungsminister Vasile Milea weigerte sich, es ihr gleichzutun. Ceauşescu ließ Milea erschießen. Elena Ceauşescu verlangte von den Securitatechefs, die Demonstranten alle „in den Kerker“ zu werfen, sie zusammenzuschlagen und sie alle zu töten. Das Diktatorenpaar selbst versuchte schließlich, mit einem Hubschrauber aus der Hauptstadt zu entkommen. Mit Mileas Hinrichtung wurde aus der neutralen Position der Armee Feindschaft. Die Armee und die Securitate trugen in Bukarest offene Straßenkämpfe aus, und Hunderte, vielleicht Tausende wurden im Schusswechsel getötet. Die Ceauşescus wurden schließlich in Târgovişte verhaftet. Elena und Nicolae Ceauşescu wurden in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Die Durchführung dieses Verfahrens hatte Nicolae Ceauşescu unmittelbar vor seiner Festnahme durch die Einsetzung des nationalen Ausnahmezustandes ermöglicht. Am 25. Dezember wurden beide standrechtlich erschossen.

Berühmt-berüchtigt war der Sprössling des Ceauşescu-Clans und auserkorener Kronprinz, Nicu Ceauşescu, der in der Bevölkerung wegen seiner Eskapaden gefürchtet und verhasst zugleich war. Er liebte den Luxus, veranstaltete gern nächtliche Zechgelage und schreckte vor allem vor brutaler Gewalt nicht zurück. Überliefert sind zahllose Vergewaltigungen und Übergriffe auf Gäste von Nachtclubs.

Ich will Ceauşescu nicht unbedingt mit Mubarak vergleichen. Aber auch der ägyptische Staatspräsident ist ein Autokrat, der geradezu uneingeschränkt über sein Land regiert und vom Westen wegen seiner moderaten Politik gegenüber Israel jahrelang hofiert wird. In diesen Tagen erleben wir einen Umbruch in mehreren arabischen Staaten, der uns hier im Westen überrascht. Welchen Ausgang das nehmen wird, ist noch nicht absehbar. Dass aber wieder ein Tyrann sein Ende findet, ist so gut wie ausgemacht.

Übrigens: Der Mubarak-Clan soll im Laufe der Jahre bis zu 40 Milliarden Dollar auf die Seite geschafft haben. Korrekt verdientes Geld kann das nicht sein (siehe dw-world.de: Reich, reicher, Mubarak?)

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 28

Internet-Adressen aufgebraucht

4,3 Milliarden reichen nicht, alle bisher verfügbaren IP-Adressen für Geräte im Internet sind aufgebraucht. Mit dem neuen Standard IPv6 soll das Angebot auf 340 Sextillionen Adressen erweitert werden. Und die können sogar mehr: Bügeleisen ausschalten via Internet oder online die Spülmaschine starten (siehe Video auf zdf.de)

Die neuen IPv6-Adressen werden gewöhnlicherweise hexadezimal (IPv4: dezimal) notiert, wobei die Zahl in acht Blöcke zu jeweils 16 Bit unterteilt wird. Diese Blöcke werden durch Doppelpunkte (IPv4: Punkte) getrennt notiert, z.B.: 2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344 statt Ipv4: 192.67.198.52 (z.B. ftp://192.67.198.52/)

Lenin soll endlich unter die Erde

Sein Begräbnis war ein von Josef Stalin inszeniertes Staatsereignis. Lenin hatte vor seinem Tod verfügt, dass kein Personenkult um seine Person betrieben werden dürfe. Die Familienangehörigen Lenins, insbesondere seine Frau Nadeschda Krupskaja, wehrten sich gegen seine Einbalsamierung. Stalin setzte sich jedoch durch. Das Lenin-Mausoleum ist das jüngste Bauwerk am Roten Platz in Moskau. Dort wurde der Leichnam des Revolutionsführers Lenin beigesetzt, der im Jahr 1924 verstarb. Jetzt gibt es eine Kampagne dafür, Lenin endlich unter die Erde zu bringen.

Forscher: Modell für „Mona Lisa“ war schwuler Mann

Keine Frau, sondern ein Mann soll Leonardo da Vinci maßgeblich zu seiner „Mona Lisa“ inspiriert haben. Vincis Lehrling und mutmaßlicher Geliebter Salai, der eigentlich Gian Giacomo Caprotti hieß, habe dem Maler Modell gestanden, erklärte der italienische Kunsthistoriker Silvano Vinceti. Kommt daher das unerklärliche, für manchen als süffisant bezeichnete Lächeln? Mona Lisa also ein Mono Liso?

Die witzigsten Bilder im Netz

Drei Tagen Lehrgang – da habe ich heute nur leichte Kost anzubieten. Da gibt es sie, die witzigsten, die kuriosesten und sonst wie außergewöhnlichsten Bilder und Videos, die die Welt je gesehen hat. Abendfüllende Sendungen werden mit solchen Videos im Fernsehen gezeigt. Und im Netz kursieren sie allerorten. Die Website der Süddeutschen Zeitung biete gleich mehrere Sammlungen solch witziger Bilder an: Der Louvre des LachensDas doppelte LolchenPrado des Prustens

Einige kennt man bereits, andere sind dann schon ‚so was von …’. Wie auch immer. Ein Durchblättern bis zum ‚bitteren’ Ende sei meinerseits empfohlen, denn die minikleine Auswahl dieser Schnappschüsse und Momentaufnahmen aus dem Kuriositätenkabinett, die ich hier zeige, ist längst nicht der Höhepunkt:

Die witzigsten Bilder im Netz

Die witzigsten Bilder im Netz

Die witzigsten Bilder im Netz

Die witzigsten Bilder im Netz

Die witzigsten Bilder im Netz

Sechs Jahre WilliZ Blog

Die Zeit vergeht wie im Fluge … Schon wieder ist ein Jahr vergangen – und jetzt besteht dieser mein Blog schon sechs ganze Jahre … Da ist ein solcher Tag wie heute fast schon wie Geburtstag (ist es ja auch) …

Hiermit möchte ich Euch, meiner Leserschaft, für eure Treue, die Ihr mir die lange Zeit erwiesen habt, danken. Auf denn in ein neues Jahr … Man darf gespannt sein, was da noch so alles auf uns zukommt.

Euer Willi

siehe auch meinen Beitrag zum Fünfjährigen

Witold Gombrowicz: Trans-Atlantik

Witold Marian Gombrowicz (* 4. August 1904 in Małoszyce, Polen; † 25. Juli 1969 in Vence, Frankreich) war einer der bedeutendsten polnischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seit seinem 34. Lebensjahr lebte er im Exil.

Nach dem Mauerfall im November 1989 erlebte ich mit meiner heutigen Frau den Jahrzehntewechsel 1989/1990 in der damals eben noch real existierenden DDR, nämlich in Sachsen. Aufenthalte ‚im Osten’ habe ich immer genutzt, um mich mit Literatur, die wie Lebensmittel in der DDR subventioniert wurde, einzudecken. Vor nun über 21 Jahren kaufte ich mir so u.a. auch den kleinen Roman Trans-Atlantik von Witold Gombrowicz.

Als Satire, Kritik, Spaß und Spiel, Absurdität, doch nichts davon ganz und ausschließlich, hat Witold Gombrowicz „Trans-Atlantik“ bezeichnet, den er im argentinischen Exil schrieb und der nach seinem Erscheinen in Paris (1953) und Warschau (1957) wegen seines provokativen Charakters die widersprüchlichsten Reaktionen auslöste. Verschließt sich doch der schriftstellerische Held des Romans, der gerade mit einem luxuriösen Überseedampfer in Buenos Aires eingetroffen ist, seiner patriotischen Pflicht und verweigert die Rückkehr nach Europa, wo der zweite Weltkrieg ausgebrochen ist (der Roman spielt 1939). Bei seinen Versuchen, in Argentinien Fuß zu fassen, gerät er in die verrücktesten Situationen durch die Begegnung mit verknöcherten Diplomaten, mit ansässigen Unternehmern polnischer Herkunft, die ihre überholten Wertvorstellungen beibehalten haben und sich ununterbrochen befehden, mit einheimischen Großstadttypen, unter anderen einem homosexuellen Millionär, für den er den Sekundanten in einem lächerlichen Scheinduell spielt, denn er hält sich weder an den herkömmlichen Ehrenkodex noch an die verlogene bürgerliche Moral seiner Umwelt.

Sein Pamphlet gegen die erstarrten Traditionen untermauert der polnische Avantgardist Gombrowicz durch stilistische Brisanz. Seine Sprache ist „in Späße verwickelt, sklerotisch, barock, absurd, im Konversationsstil von vor einem Jahrhundert, aber vermischt mit anderen Wortarten, manchmal mit Worten, die ich mir ausgedacht habe.“ (Witold Gombrowicz)

Soviel aus dem Text auf dem Umschlag des Buchs.

„… denn ich strebe (wie immer) eine Verstärkung und Bereicherung des individuellen Lebens, eine Vermehrung seiner Widerstandsfähigkeit gegen das drückende Übergewicht der Masse an.“

S. 6f. aus dem Vorwort zur Warschauer Ausgabe (1957)
1. Auflage Lizenzausgabe des Verlages Volk und Welt, Berlin 1988 für die DDR
© 1987 Carl Hanser Verlag München Wien
Einbandentwurf: Volker Pfüller

Seinen Figuren, wie auch sich selbst, räumt Gombrowicz das Recht auf Individualität und geistige Freiheit ein, und zwar unabhängig von jeder Konvention. Jedes Individuum berechtigt er zur lebenslangen „Unreife“, die für ihn die Abwehr gegen die „reifen“ Formen des Lebens (herrschende Ideologien, Religionen, Nationalismen, gesellschaftliche Normen) und der Kunst (literarische und künstlerische Konventionen) symbolisiert.

Obwohl Gombrowicz von seiner Ausreise 1939 bis zu seinem Tod in der Emigration lebte, setzte er sich unermüdlich mit der Problematik seines Heimatlandes auseinander. Als Pole war er der Auffassung, dass ausgerechnet die polnische Tradition der geistigen Entwicklung seines Heimatlandes im Wege steht.

„Was für eine Kunst wollt ihr überhaupt? Eine, die euch immer nur dieselben Gemeinplätze vorbetet, oder lieber eine, die einen Schritt vorangeht? Wollt ihr, daß euch der Künstler Lesebuchgeschichten schreibt, oder wollt ihr lieber seinen Schmerz, sein Gelächter, seinen Spaß, seine Verzweiflung, seine Niederlage und Demütigung im wahrhaften Ringen mit dem jetzigen Leben mit ansehen?“ so fragt Witold Gombrowicz …

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch, der u.a. auch die stilistischen Mittel aufzeigt, die Gombrowicz bei diesem inzwischen über 50 Jahre alten Roman benutzt:

Wenn in mörderischem kampfe Erde und Himmel von Feuersbrunst umfangen sich schnaubend auf die hinterbacken setzen, und Schreien, Brüllen, das ächzender Mütter und die Faust der Männer aufbricht und Ausbricht und unter getöse und klirren, im bersten von Särgen und Gräbern, in letzter empörung von welt und Natur Niederlage, Vernichtung, ach, das Ende naht, wenn Gericht gehalten wird über alles lebendige Sein, da stellt auch er, der alte, sich zum Kampfe! Mit dem feinde des Vaterlandes will er sich schlagen!

(S. 107f. der genannten Ausgabe)

Werder reagiert …

Ja, was soll ich da noch schreiben? Liest man auf der Website des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, dann steht dort immer wieder, dass man auf Augenhöhe dem Gegner entgegentreten wird. Für die Bayern reichte es diesmal immerhin für eine knappe Stunde. Am Ende verlor man durch diverse individuelle Fehler dann doch noch sang- und klanglos 1:3. Da war nichts mehr mit ‚Augenhöhe’. Und Tim Wiese durfte zudem noch das Feld nach einer Notbremse räumen: rote Karte! Genug der Heulerei …

Es gibt Neues bei Werder Bremen zu vermelden: Bereits Mesut Özil kam seinerzeit vom FC Schalke 04; jetzt ist es der junge Mittelfeldspieler Predrag Stevanovic, der aus Gelsenkirchen an die Weser wechselt. Und dem nicht genug: Werder reagiert auf seine Misere in der Abwehr und steht kurz davor, den jungen Brasilianer „Samuel“ Firmino de Jesus zu verpflichten. Er könnte einen der Langzeitverletzten Naldo und Boenisch ersetzen.

Was Werder zz. fehlt, ist ein echter Spielmacher. Der Abgang von Özil wiegt wohl schwerer als man es hätte denken können. Stavanovic könnte in den nächsten Jahren vielleicht in diese Rolle hineinwachsen. „Wir sind davon überzeugt, dass er sich bei uns sehr gut weiterentwickeln kann», erklärte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Zyniker behaupten angesichts dieser Transfers, dass Allofs wohl schon für die zweite Liga plant. Als echte Verstärkung sind beide Wechsel (wenn’s denn auch mit Samuel klappen sollte) nicht zu werten, eher als Notlösungen und als Planungen für die Zukunft.

Das Dilemma ist bekannt: Werders Kassen sind so gut wie leer (da kommt dann noch der Stadionausbau hinzu, der mehr kostet als geplant), der Kader ist aber groß und hat Spieler, die man wohl zu den Spitzenverdienern der Liga zählen darf. Zwar gehe ich immer noch davon aus, dass Werder die Klasse hält, aber die Planungen von Klaus Allofs zeigen es bereit: Man richtet sich auf magere Jahre ein und plant für später. Was heißt das konkret? Die Fans müssen sich darauf einstellen, die nächsten drei oder vier Jahre keinen Spitzensport mehr an der Weser zu sehen. Das bedeutet auch, dass bestimmte Spitzenverdiener mit kleinerem Salär zufrieden sein müssen – oder Bremen verlassen.

Das nennt man dann wohl Neuaufbau. Und das sollte man auch nach außen deutlich machen. Schönreden, verschleiern usw. hilft da nicht mehr. Es geht bergab und kann nur durch sinnvolle Zukunftsarbeit aufgefangen werden. Aber das wird seine Jahre dauern …