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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Joan Armatrading: This Charming Life

Erst vor gut drei Jahren erhilft Joan Armatrading mit dem (für ihre Verhältnisse) immens erfolgreichen „Into The Blues“ die verdiente weltweite Anerkennung als Multi-Instrumentalistin und –Talent: die CD wurde für den Grammy nominiert und als erste britische Künstlerin kam sie auf Platz 1 der Billboard-Blues-Charts. Mit diesem Meilenstein im Rücken kehrt die Britin nun selbstbewusster denn je zurück und spielte ihr mittlerweile 17. Studiowerk (fast) This Charming Life komplett im Alleingang ein.

Alleine die Schlagzeugarbeit überließ sie dem erfahrenen Miles Bould, alles andere bettete Armatrading überaus souverän in ihr opulentes Korsett aus hocheffizientem Rock, der mit vielen Folk-, Soul- und Singer-Songwriter/Elementen verwoben ist. Im Titelsong bedankt sie sich beinahe schüchtern bei allen, die ihr „This Charming Life“ ermöglicht haben – ein Leben, das das Schaffen von Musik und den dazugehörigen Geschichten ermöglicht. Und die drehen sich hauptsächlich um Liebe, Beziehungen, um den persönlichen Ursprung und um das „Wohin?“.


Joan Armatrading: This Charming Life

Die Instrumentierungen sind wie gewohnt allererste handwerkliche Sahne: Neben dezenten Keyboardflächen, die in koketten Rhythmen münden („Love Love Love“), gibt es sehr schöne sphärische Momente („People Who Win“), groovenden Rock („Heading Back To New York City“) und fein ausgearbeitete mehrstimmige Vokalarbeit („Cry“). Joan Armatrading ist vielseitig, die Gitarre darf aufjaulen („Two Tears“), ja sogar ein ausschweifendes psychedelisches Gitarrensolo gibt es („Best Dress On“). Trotz all der Klasse, die sich die fast 60-Jährige über die Jahre völlig zu Recht erspielt hat, bleiben die ganz großen Momente auf „This Charming Life“ aber dann doch eher die Ausnahme. Deshalb wird diese Platte kaum den bleibenden Eindruck des bereits erwähnten Vorgängers hinterlassen.

„Obgleich sich mein aktuelles Album ausschließlich einem übergeordneten Genre widmet und dadurch von seinen Vorläufern unterscheidet“, betont Joan Armatrading, „bedeutet das keine radikale Veränderung meiner Musik. Alles geschieht stets in der für mich typischen Art! Ich will mich doch nicht wiederholen oder in der Vergangenheit stehen bleiben. Mir ist es wichtig, auf der Höhe der Zeit zu sein, ohne mich den jeweiligen Trends anzubiedern, schließlich möchte ich mir stets selber treu bleiben und das genießen, was ich tue!“

Als Inspiration für ihre Kompositionen dienen Joan Armatrading eigene Beobachtungen: „Ich schaue mir meine Mitmenschen an, wie sie aufeinander reagieren und welche Folgen das hat. Oder ich bin Zeuge einer interessanten Unterhaltung beziehungsweise sehe etwas, das mich bewegt. Dazu kommen dann Werke über Denkanstöße rein persönlicher Natur.“ Stets sind es Gefühle, die ihr einen Anlass geben, daraus ein Lied zu entwickeln. „Manchmal habe ich dann den Text als Erstes, mal indes eine musikalische Idee. Generell komponiere ich entweder an der Gitarre oder dem Klavier, wobei die Songs vorgeben, an welchem Instrument sie entstehen wollen“. Dass Joan Armatrading samt Band auf Tour einige Tracks von „This Charming Life“ neben den bekannten Titeln und einem Querschnitt ihres Schaffens wird live präsentieren können, darauf freut sie sich: „Diese Mixtur aus Alt und Neu zeigt, dass es mir wichtig ist, mich konstant weiterzuentwickeln!“

Und noch mehr aus Wolfgangs Schatzkämmerlein (5)

Wieder einmal habe ich in Wolfgangs Schatzkammer geschaut und einige musikalische Perlen aus der Rock- und Bluesgeschichte entdeckt. Wie immer handelt es sich dabei um eine Reihe von Konzertaufnahmen, die nach kostenloser Anmeldung zu hören sind, so z.B.:

Wolfgangs musikalische Schatzkammer

Traffic Fillmore East (New York, NY) 11/18/1970

Traffic Winterland 1/26/1973

Queen Maida Vale Studio 10/28/1977

John Lennon Madison Square Garden 8/30/1972

Patti Smith CBGB’s 8/11/1979

The Beach Boys Fillmore East 6/27/1971

David Bowie Nassau Coliseum 3/23/1976

Eric Clapton Sam Houston Coliseum 11/13/1976

Joe Cocker Tower Theater 5/1/1976

Muddy Waters Newport Folk Festival 7/16/1969

Muddy Waters, Johnny Winter & James Cotton Palladium 3/4/1977

Cream Oakland Coliseum Arena 10/4/1968

Fleetwood Mac Roundhouse Chalk Farm 4/24/1970

Jimi Hendrix Experience Winterland 10/10/1968

The Rolling Stones Foret Nationale 10/17/1973

King Crimson Fillmore West 12/14/1969

Santana Tanglewood 8/18/1970

Genesis Shrine Auditorium 1/24/1975

Dire Straits San Antonio Municipal Auditorium 8/16/1985

Frohe Ostern 2010

Schon heute wünsche ich all den Besuchern meines Blog frohe Ostern und viele ‚Eier im Sack‘. Auch wenn die Wetteraussichten alles andere als gut sind, so werde ich mich und meine Lieben nicht verdrießen lassen: Morgen wird ‚gebruncht“ und am Ostermontag geht es zur Verwandtschaft nach Bremen bzw. Lilienthal.

Ostern 2007

Dann bis bald
Euer Willi

Karfreitag von Hermann Hesse

Karfreitag

Verhangener Tag, im Wald noch Schnee,
Im kahlen Holz die Amsel singt:
Des Frühlings Atem ängstlich schwingt,
Von Lust geschwellt, beschwert von Weh.

So schweigsam steht und klein im Gras
Das Krokusvolk, das Veilchennest,
Es duftet scheu und weiß nicht was,
Es duftet Tod und duftet Fest.

Baumknospen stehn von Tränen blind,
Der Himmel hängt so bang und nah,
Und alle Gärten, Hügel sind
Gethsemane und Golgatha.

aus: Hesse – Die Gedichte

Bis nichts mehr bleibt

Um sein Selbstbewusstsein und seine Durchsetzungskraft zu verbessern, besucht der Architekturstudent Frank Kurse der Scientologen. Er nimmt seine Frau Gine mit, die nach anfänglicher Skepsis bald ihre ganze Kraft und ihr Geld für die Sekte einsetzt. Das bleibt nicht ohne Folgen für Töchterlein Sarah. Daher sucht Frank Abstand zur Gemeinschaft, wird aber psychisch unter Druck gesetzt. Auch von Gine, die nicht bereit ist, sich von der Sekte zu trennen. Schließlich kämpft Frank vor Gericht um das Sorgerecht für die kleine Sarah.

Gestern lief in der ARD der Fernsehfilm „Bis nichts mehr bleibt“ (in der ARDMediathek ab 20 Uhr im Netz aufrufbar). Der Film erzählt, mit welch raffinierten Methoden es der Organisation Scientology immer wieder gelingt, Menschen von sich abhängig zu machen.

Im Anschluss gab es eine Diskussion in der Sendung Hart aber fair zum Thema „Sekten, Gurus und Gehirnwäsche“: Ein Glauben, der scheinbar alles erklärt, eine Welt, die keine Fragen mehr zulässt – Sekten oder Organisationen wie Scientology haben eine unheimliche Anziehungskraft. Warum suchen Menschen Halt bei solchen modernen Seelenfängern? Wie gefährlich sind deren Methoden?

Immer wieder macht die von L. Ron Hubbard gegründete Sekte Scientology in Deutschland Schlagzeilen. Sie selbst versteht sich als Kirche mit Alleingültigkeitsanspruch.

Scientologys Praktiken werden als Manipulationstechniken betrachtet. Rekrutierungsbestrebungen von Scientology, so ein Vorwurf, konzentrieren sich zum Teil ganz bewusst auf Menschen, die eine Krisensituation in ihrem Leben erreicht haben und deswegen besonders anfällig für Rekrutierungsbemühungen sind.

Ziel des Scientology ist es mittels körperlicher und geistiger Reinigungs- und Bearbeitungsprozesse den Clear-Status erreichen. In diesem anzustrebenden Zustand, der durch das Durchlaufen eines detailliert beschriebenen Programms zu erzielen sei, soll die Person von ihrem „reaktiven Verstand“ befreit werden, der sie zuvor dazu gezwungen habe, auf der Grundlage traumatischer Erfahrungen zu handeln. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass diese Programme, die zur einer körperlichen und geistigen Reinigung führen sollen, viel Geld kosten, sodass sich viele der Anhänger finanziell ruinieren.

Die Scientology gründet sich nach meiner Meinung auf eine sehr abstruse Mischung verschiedene Philosophien und formt daraus ein Weltbild mit Elementen aus der Science fiction. Durch Techniken, die aus der Psychoanalyse entliehen sind, soll der Anhänger auf den ‚richtigen’ Weg gebracht werden. Weicht einer von diesem Weg ab, dann ist man durchaus bereit, psychischen Druck auszuüben. Es dreht sich alles nur noch um die Gemeinschaft; Menschen der Außenwelt werden schnell zu „Unterdrückerischen Personen“ erklärt und sind strikt zu meiden. Was eigentlich der Befreiung (Clear-Status) dienen sollte, wird zu einem Prozess der Abhängigkeit. Es ähnelt einer Rekrutierung williger Streiter. Hinzu kommt die wirtschaftliche Macht, die Scientology weltweit errungen hat und weiterhin steigert. Welche Firmen direkt oder indirekt zu Scientology gehören, mag dahingestellt sein (UPS, Warsteiner – auch Lidl?). Für mich ist diese Sekte ein vorrangiges Wirtschaftsunternehmen, dass zielstrebig seine unteren Mitglieder abzockt, um seine Macht weiter auszubauen. Es dürften nur wenige sein, die eigentlich wirtschaftlich profitieren.

Carlos Santana & Ry Cooder: The Healer

Heute habe ich einmal wieder verstärkt im Netz nach Material von Ry Cooder gesucht, bin auch reichlich fündig geworden, u.a. fand ich eine ganze DVD mit Ry Cooder live:

  • BBC TV Centre – Shepherd’s Bush London U.K. vom 31.01.1977
  • Ry Cooder & The Chicken Skin Band Rockpalast 1977 aus der Markthalle, Hamburg, Germany vom 26.01.1977

Später dazu sicherlich etwas mehr (viele der Aufnahmen kenne ich von YouTube her – hier allerdings in entsprechend besserer Qualität).

Und über den Youtube-Account von Iwebender und einer Website mit reichlich Stoff zu Ry Cooder habe ich dieses Video mit Carlos Santana gefunden:


Santana – Ry Cooder: The Healer

Carlos Santana spielte hier mit Ry Cooder anlässlich des All Our Colors Benefit Konzertes in dem Shoreline Amphitheatre, Mountain View am 10. Oktober 1992.

Von „Kopfgeldjägern“ und ständiger Bevormundung

Die metronom Eisenbahngesellschaft GmbH, die mit ihren Regionalzügen halb Norddeutschland bedient, ist in der letzten Zeit öfter und ausführlich in die Kritik der regionalen Presse geraten.

Fahrgäste und der Metronom

Dabei drehte es sich um folgendes Problem: Die Züge des metronoms verkehren auch in Bereichen, in denen nicht mehr die Bestimmungen der Deutschen Bahn, sondern die der von Verkehrverbünden gelten (z.B. im Großbereich Hamburg die des Hamburger Verkehrsverbundes HVV). Hier gilt grundsätzlich, dass ein Nachlösen einer Fahrkarte im Zug nicht möglich ist. Wer also z.B. in Tostedt (gehört bereits zum HVV) ohne gültige Fahrkarte zusteigt, der fährt „schwarz“ und hat einen erhöhten Fahrpreis von 40 € zu zahlen. Nun kommt es leider oft genug dazu, dass sich besonders ältere Menschen im Tarifdschungel, der allgemein in Deutschland herrscht, nicht auskennen und die falsche Fahrkarte lösen. Ich will hier gar nicht auf die vielen ‚Einzelfälle’ eingehen. In mindestens einem Fall führte es dazu, dass ein älterer Herr, nachdem er sich auch noch geweigert hatte, sich gegenüber der Fahrgastbetreuerin auszuweisen, am Zielbahnhof von der Polizei im Empfang genommen wurde und jetzt auch noch eine Anzeige wegen Erschleichens von Leistungen am Hals hat.

Übrigens in meinem Fall der „arglistigen Erschleichung der Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmittel“ hatte ich Widerspruch eingelegt und ein ‚nettes’ Schreiben erhalten, in dem immerhin die Fahrpreisnacherhebung von 40 € auf 15 € aus Kulanzgründen reduziert wurde. Auf die besonderen Umstände meines Falles wurde mit keinem Wort eingegangen, im Gegenteil wurde ich hinreichend über mein Fehlverhalten ‚belehrt’. Sehr nett fand ich dabei den Zusatz: „Durch die Trennung der Wagenklassen wird gewährleistet, dass Fahrgäste, die einen deutlich höheren Preis für ihre Fahrkarte der 1. Klasse bezahlt haben, in den Genuss einer ungestörten Reise kommen.“ Ich schließe daraus, dass ich es in Kauf zu nehmen habe, in der 2. Klasse nicht ungestört reisen zu dürfen, oder?

Das Schreiben endete übrigens mit einem Satz, der mir inzwischen aus den Ohren hängt: „Wir würden uns freuen, Sie demnächst wieder als Fahrgast in einem unserer Züge begrüßen zu dürfen.“ In diesem Zusammenhang möchte ich folgenden Leserbrief aufführen, der in der Kreiszeitung Nordheide Wochenblatt erschienen ist. Dieser zeigt mir, dass ich mit meinen ‚Empfindlichkeiten’ nicht alleine dastehe.

Die Fahrgast-„Betreuer“ vom Metronom sind nicht nur „Kopfgeldjäger“, sondern auch hinter Alkoholikern, Rauchern und sonstigen Kleinkriminellen hinterher, was man sich nicht nur zwangsweise während einer Fahrt von Hamburg nach Bremen sieben Mal über unerträglich laute Lautsprecher anhören muss, sondern auch zu sehen bekommt, wenn der Sicherheitsdienst zudem pausenlos durch die Abteile streift und neugierig nach möglichen Straftätern Ausschau hält.

Diese Kunden verachtende Geschäftspolitik kann auch nicht dadurch gut gemacht werden, dass das „Lok- und Zugpersonal“ die „sehr verehrten“ Fahrgäste pausenlos willkommen heißt und ihnen beim Verlassen des Zuges einen schönen Feierabend wünscht. Ebenso fragwürdig ist der laufend geäußerte Wunsch, den verehrten Fahrgast bald wieder an Bord begrüßen zu dürfen. Während es für die allermeisten Fahrgäste keine Alternative gibt und diese sich weiterhin der Bevormundung („Drehen Sie sich noch mal um …“) und der Maßregelung („Verzichten Sie auf den Genuss …“) zwangsweise aussetzen müssen, freue ich mich, in Kürze wieder mit dem Auto zu fahren. Adieu, Metronom!

Andreas P., Seevetal

Dank nach Seevetal!

Rückkehr der Shaolin-Mönche

Fernöstlicher Kampfsport – meine beiden Söhne sind davon fasziniert. Der Ältere von beiden hat früher Judo betrieben; der Jüngere ist jetzt noch dabei und macht Karate. Erst vor Kurzem hat er seinen grünen Gürtel (6. Kyu-Grad) bekommen.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn wir uns heute Abend um 20 Uhr einmal die atemberaubende Kung Fu Show über das Leben der Shaolin Mönche und die mystischen Geheimnisse des Qi Gong in der Neuen Flora in Hamburg anschauen werden. Deren Motto heißt „Die höchste Ebene des Kampfes ist es, nicht zu kämpfen“.

Wie bei allen fernöstlichen Kampfsportarten spielt nicht allein der Sport eine Bedeutung, sondern der philosophische Hintergrund der Kunst und ihre Bedeutung als Lebensweg ist sogar vorrangig. Dabei spielen besonders Selbstdisziplin und moralische Stärke eine große Rolle.

Männerherzen

Nach Mario Barths Meinung (selbsternannter Experte in Sachen ‚Beziehung von Mann und Frau’) sind die Männer zwar primitiv, aber glücklich. Der Barth muss es wohl wissen. Nun in der deutschen Komödie, in der es um Männerherzen geht, sind die ‚Herren der Schöpfung’ zunächst nicht so glücklich – es sind nun einmal keine Experten a la Barth, und so haben sie mehr oder weniger große Probleme mit der ‚holden Weiblichkeit’.

Das Sportstudio „Fitnessworld“ in Berlin, ein Hort wahrer Männlichkeit: Philip (Maxim Mehmet) ist ein sympathischer Träumer, der plötzlich seinen Arsch hochkriegen muss, als seine Freundin Nina (Jana Pallaske) ihm ihre Schwangerschaft eröffnet. Philips erfolgreicher Freund Niklas (Florian David Fitz) hat sein weiteres Leben bereits komplett durchgeplant – seinen Job bei einer Werbeagentur, seine anstehende Hochzeit mit Laura (Liane Forestieri) und den Kauf eines schicken Eigenheims. Musikproduzent Jerome (Til Schweiger) legt zwar privat jede Frau flach, die nicht bei drei auf den Bäumen ist, aber beruflich muss er aktuell zurückstecken. Statt seines bevorzugten Elektrosounds soll er den philanthropischen Schlagersänger Bruce (Justus von Dohnányi – wohl die ‚interessanteste’ Rolle) produzieren. Seit einem tragischen Unfall hat U-Bahn-Führer Roland (Wotan Wilke Möhring) sein Temperament nicht mehr unter Kontrolle. Seine Frau Susanne (Nadja Uhl) hat ihn wegen seiner cholerischen Ausraster bereits verlassen. Der Beamte Günther (Christian Ulmen – wieder sehenswert) ist ein ganz armes Würstchen. Erst als er Tierfutterfachverkäuferin Susanne kennenlernt, eröffnet sich ihm zum ersten Mal seit Langem ein kleiner Hoffnungsschimmer…

aus: filmstarts.de

Der Film Männerherzen ist ein harmloser Spaß. Wie jeder Ensemblefilm so kämpft auch dieser mit demselben Problem: Weil aufgrund der schieren Anzahl an Figuren jede einzelne nur bis zu einem gewissen Grad ausgearbeitet sein kann, bleibt natürlich einiges auf der Strecke. Aber für eine Komödie reicht es allemal.

Wenn Männer ihre ureigenste Rolle spielen und als Männer auftreten, dann müssen leider wie auch in diesem Film jede Menge Klischee bemüht werden. Aber auch das tut dem Film keinen Abbruch: Am Ende findet jedes Pöttchen doch noch sein Deckelchen: Happy End nennt man das auch bei uns. Ich habe mich mit meinen Lieben auf jeden Fall ganz gut amüsiert.


Männerherzen (Regie: Simon Verhoeven)

Europäische Lautenmeister – Konzert in Tostedt

Heute Abend besuche ich erneut in diesem Jahr ein Konzert in der Johanneskirche in Tostedt – heute zusammen mit meinem älteren Sohn. Im Februar hatte ich mit meiner Frau Georg Friedrich Händel: Der Messias gesehen und gehört. Heute Abend ab 20 Uhr ist der Lautist Sigurd Schmidt unter dem Titel „Europäische Lautenmeister und die Botschaft des Himmels“ zu hören. Der Eintritt ist frei; es wird aber um eine angemessene Spende gebeten.


“Opus Sacrum Vol.I“ by Sigurd Schmidt

Die Laute ist ein Zupfinstrument ähnlich der Gitarre, das aber leider heute kaum noch gespielt wird. Aus der Rockmusik kenne ich nur ein Beispiel: Bei einem Konzert der niederländischen Gruppe Focus in Londoner Musikclub Rainbow 1973 spielte der Gitarrist der Gruppe, Jan Akkerman, ein kurzes Solo auf der Laute.

Als ich mich vor längerer Zeit einmal auf die Suche nach Bach machte, berichtete ich auch über Julian Bream, dem die Gitarre Beruf, die Laute aber geliebtes Hobby ist – hier noch einmal das kleines Beispiel des Meisters auf der Laute:


My Lord Willoughby’s Welcome Home played by Julian Bream

Illuminati

Geheimbünde, alte Bücher mit seltsamen Botschaften und noch einige Zutaten mysteriöser Art mehr: alles gut durchgerührt und schon hat man den Stoff für einen literarischen Bestseller, der sich in absehbarer Zeit auch noch als filmische Adaption bestens verkaufen lässt. Am Karfreitag läuft auf Pro7 ein solches Machwerk: Der Da Vinci Code mit Tom Hanks nach dem Weltbestseller Sakrileg von Dan Brown.

Und nicht genug damit: Im letzten Jahr lief auch noch Dan Browns Illuminati (ebenfalls mit Tom Hanks) in den Kinos an.

Diese Art der Literatur findet sich laufend in den Bestseller-Listen – auch in Deutschland. Die Qualität ist allerdings sehr unterschiedlich. Denke ich da an Umberto Ecos Name der Rose, dem mit viel Ironie durchwobenen historischer Kriminalroman, in dem ein Exemplar des verlorengegangenen „Zweiten Buches der Poetik“ des Aristoteles, in dem die Komödie behandelt wird (nach der Tragödie im ersten), im Mittelpunkt steht, dann ist das für mich noch Literatur vom Feinsten. Akzeptabel sind da auch noch Bücher wie Die neun Pforten – „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte und Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels. Alle diese Bücher wurden ‚natürlich’ auch mehr oder weniger gut verfilmt. Was aber Dan Brown uns da unterjubelt, ist dermaßen hanebüchen und abstrus, dass es zumindest mir keinen Spaß mehr macht.

Ich habe keines der Bücher von diesem Autoren gelesen und werde es mit Sicherheit auch in Zukunft nicht tun (verlorene Zeit und verlorenes Geld). Die Verfilmung des Sakrileg-Romans habe ich nicht gesehen und warum ich jetzt doch wenigstens den Illuminati-Film ansehen musste – den Film habe ich seit fünf Monaten in meinem kleinen Filmarchiv vorliegen -: jeder hat eben seine schwache Stunde (und im Fernsehen gab es anscheinend nichts Besseres).

Sicherlich erzeugt der Film einige Spannung, die mir aber aufgrund des verquasten Sujets schnell flötenging. Was Dan Brown da auftischt, ist derart konstruiert, dass einem (wenigstens mir) die Haare zu Berge stehen. Wieder muss ein Geheimbund herhalten (Illuminatenorden), wieder spielt ein Buch (Galileo Galileis Werk Diagramma della Verità) eine Rolle.

Was die Illuminati betrifft, so greift der Autor eine der zahlreichen Mythen und Verschwörungstheorien auf, die sich um eine angebliche Weiterexistenz des Ordens und seiner vermeintlichen Tätigkeiten rankt, wozu auch der Kampf gegen die katholische Kirche und das Streben nach Weltherrschaft gerechnet wird. Und da die Illuminati der Aufklärung und der Wissenschaft verpflichtet waren, reicht dem Autoren nicht ‚irgendeine’ Bombe, um den Vatikan aus Rache in die Luft sprengen zu wollen, nein, dafür braucht man Antimaterie, die, wenn sie sich mit Materie eint, Energie freigibt, die sich in einer filmisch sehenswerten Explosion äußert.

Wenn ich nun lese, dass es dem Regisseur des Films, Ron Howard, gelungen sei, eine haarsträubende Story von ihren kuriosesten und blödsinnigsten Wendungen zu befreien, dann frage ich mich, wie fernab jeglicher Logik das Buch sein muss, wenn der Film schon so ein religiös verbrämter Murx ist.

Wie bereits gesagt: Mit solch einem Mist lässt sich heute viel Geld machen (nicht umsonst steckt auch wieder Sony hinter den beiden Dan Brown-Verfilmungen), erst in Buchform, dann natürlich durch die Verfilmungen (und Weiterverwertungen). Mit Literatur, insbesondere Belletristik, hat das Ganze nichts zu tun.

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Illuminati – deutscher Trailer