Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Tom Waits: Glitter & Doom Live

Interviews und Bühnenauftritte sind nicht gerade sein Ding. Daher ist es schon fast erstaunlich, dass sich Tom Waits im Juni/Juli 2008 zu einer dann ausverkauften und hochgelobten Tour, die den kalifornischen Songwriter 2008 durch die USA und Europa führte, aufraffen konnte. Das Ergebnis liegt jetzt als Doppel-CD vor: Glitter and Doom, soviel wie Glanz und Verderben.

Tom Waits sang schon immer düstere, melancholische bis depressive Lieder über romantische Verlierer, die nachts zusammengesunken irgendwo in einer Kneipe rumhängen und über warmes Bier und kühle Frauen lamentieren. Seine Songs klangen wie Vertonungen des berühmten Edward-Hopper-Gemäldes „Nachtschwärmer“, auf dem drei einsame Barbesucher ohne jeden Bezug zueinander sinnlos ihre Zeit absitzen.

Tom Waits: Glitter and Doom - live

Auf „Glitter & Doom Live“ ist das nicht anders. Es gibt wenig Neues. Fans kennen die meisten Lieder bereits, wie das bei den meisten Live-Alben der Fall ist. Dennoch steht Waits nicht im Verdacht, sich mit der Veröffentlichung nur eine zusätzliche, leichte Einnahmequelle erschließen zu wollen. Es lohnt sich, das Album zu kaufen, und dafür sorgt Waits selbst. Er präsentiert seine Lieder live in leicht veränderter Form und trägt sie mit einer Innbrunst vor, die man von den Studioalben so nicht kennt.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem ersten Lied dieser CD (die 2. Scheibe „Tom tales“ ist eine Zusammenstellung von Zwischenbemerkungen, Anekdoten und Bühnenansprachen, mit denen sich Waits während des Klavier-Sets mit dem Publikum austauscht):


Tom Waits live: Lucinda/Ain‘ goin‘ down to the well no mo‘ (Birmingham, 03.07.2008)

Übrigens: Barney Hoskyns, einer der renommiertesten britischen Musikjournalisten, hat über Tom Waits eine kenntnisreiche und einfühlsame Biografie geschrieben, die jetzt als Buch erschienen ist: “Tom Waits: Ein Leben am Straßenrand“. Siehe hierzu eine Buchbesprechung von Buchmesse 2009.ARD.de

Und: Am 7. Dezember wird Tom Waits 60 Jahre alt. Der Deutschlandfunk sendet am Vortag, den 06.12., um 20 Uhr 05 ein Feature über Tom Waits, indem es den wichtigsten Stationen in Tom Waits‘ künstlerischem Schaffen quer durch die USA folgt – über L. A. und New York nach Nordkalifornien, wo der dreifache Familienvater lebt und arbeitet. Es erzählt die Geschichte des Thomas Alan Waits, der vom Barpianisten zum Schauspieler, Songwriter und „Independent Entertainer“ wurde: Amerikas heiserer Troubadour

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 20

Fußball zwischen Krieg und Betrug

Die letzten Fahrkarten zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika sind vergeben. Dabei gestaltete sich das Duell zwischen Algerien gegen Ägypten zu einem Fußballkrieg. Am Ende gewannen dann doch die Algerier in einem Entscheidungsspiel im Sudan mit 1:0.

Die Franzosen, nur Gruppenzweiter bei der Qualifikation mussten in die Relegation gegen Irland. Man gewann zwar 0:1 in Dublin, aber zu Hause im Stade de France in St. Denis spielten die Franzosen desolat und verdankten es ihrem Torwart, dass es nach 90 Minuten nur 1:0 für die Iren hieß. In der Verlängerung dann doch das Tor für Frankreich – dem ein Handspiel durch Frankreichs Thierry Henry voranging. Der Treffer hätte nie gegeben werden dürfen.


Thierry Henry’s Hand Of God

Überraschend schaffte es Griechenland durch einen 1:0-Sieg in der Ukraine doch noch, das Ticket für Südafrika zu lösen. Otto Rehhagel, dem man als Trainer bereits den Abschied nahe lege, wird wieder wie ein Gott gefeiert. Hier die 32 Teams, die nach Südafrika fahren. Die Auslosung der Vorrundengruppen findet übrigens am 4. Dezember statt.

Konzerne heben Strompreise kräftig an

Laut Verbraucherportal Verivox wollen 40 Anbieter die Gebühren erhöhen – EWE lässt sie sogar um 14 Prozent steigen. Schuld daran seien die erneuerbaren Energien. Fadenscheinige Argumente – siehe Video

Tostedt: Strom durch Windkraft

Schavan und die Studentenproteste

Jeder Tag ist gleich, alles wiederholt sich. Nun also gehen wieder Tausende Studierende auf die Straße – und wieder flüchtet sich Bundesministerin Schavan in Symbolpolitik. Scheinheilig!

Guttenberg und Westerwelle im Wettstreit

Zu Guttenberg hat sich schon früher, als er noch Wirtschaftsminister war, als Außenpolitiker bezeichnet, als Transatlantiker. Westerwelle dagegen zeigt sich weiterhin verbal wie körpersprachlich reichlich unbeholfen.

40 Jahre Monty Python’s Flying Circus

Mein Faible für (fast) alles Britische hat drei Quellen. Zum einen ist es die TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ (im Original: „The Avengers“, also „Die Rächer“) mit Patrick Macnee als John Steed und vor allem Diana Rigg als Emma Peel, die Mitte der 60er Jahre im deutschen Fernsehen zum ersten Mal ausgestrahlt wurde (ich berichtete in den letzten Wochen und Monaten öfter davon). Dann ist es die Rockgruppe Jethro Tull, die ich Ende der 60er Jahre kennen lernte und die seitdem zu meinen Lieblingsbands gehört. Ian Anderson verkörpert mit seinen Jungs vieles von dem, was als very british gilt. Und dann ist es natürlich die britische Komikergruppe Monty Python, die vor 40 Jahren am 5. Oktober 1969 ihren Einstand im britischen Fernsehen gab mit Monty Python’s Flying Circus. Die deutschsprachige Erstausstrahlung erfolgte am 8. September 1971.

Monty Python

Über den Monty Python’s Flying Circus habe ich natürlich in diesem Blog auch schon einmal berichtet. Monty Python bestand aus Graham Chapman (* 1941; † 1989), John Cleese (* 1939), Terry Gilliam (* 1940), Eric Idle (* 1943), Terry Jones (* 1942) und Michael Palin (* 1943). Cleese, Chapman und Idle studierten an der Universität Cambridge, Palin und Jones an der Universität Oxford, wo sie im Schreiben und Darstellen komischer Sketche erste Erfahrungen sammelten. Zwischen 1969 und 1974 wurden für die BBC 45 Folgen der Serie gedreht, in der Sketche und Trickfilmszenen gemischt wurden. Die Serie bestach durch ihren schrägen Humor. In Anlehnung an den Ausdruck „kafkaesk“ wurde diese Stilrichtung auch als „pythonesk“ bezeichnet. Sie zeichnete sich durch hintersinnigen und vor allem schwarzen Humor aus – all das, was wir heute als britischen Humor kennen.

Dank Internet kann man heute viele der Folgen am Bildschirm verfolgen – im Original oder auch deutschsprachig. Viel Spaß dabei.

Monty Python's Flying Cirucs: Sämtliche Worte

Übrigens: Für nur noch 5,90 € gibt es Monty Python’s Flying Circus „Sämtliche Worte Band 1 + 2“ in einem Buch mit über 800 Seiten in deutscher Übersetzung bei zweitausendeins.de. Die Serie selbst gibt es als Monty Python’s Flying Circus – Box (7 DVDs) zu kaufen.

Zuletzt aus dem Film Das Leben des Brian, der 1979 entstand, das Abschlusslied „Always Look on the Bright Side of Life“, das wohl allen bekannt sein dürfte:


Always Look On The Bright Side of Life

Emma, John & James

Die Parallelen zwischen der britischen Fernsehserie Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers) und den 1962 beginnenden James Bond-Filmen ist offensichtlich. In beiden Fällen stehen Geheimagenten im Mittelpunkt. Sowohl John Steed und Emma Peel, die Protagonisten bei „Mit Schirm, Charme und Melone“, als auch James Bond sind das, was man Kunstfiguren nennt. Jede Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit wäre mehr als zufällig. Aber genau das ist es, was sie zu zeitlosen Helden macht. Sie sind zwar keine Superhelden wie Batman, Superman, Spiderman und wie sie alle heißen, aber im Grunde sind sie unschlagbar, auch wenn sie oft genug in brenzlige Situationen geraten. Durch ihre Intelligenz und ihren Spürsinn, durch ihren Charme und ihre ‚Schlagfertigkeit’ wissen sie sich immer zu helfen. Und alle drei sind very british (was James Bond anbelangt zumindest bis zu den Filmen des Jahres 2002, zuletzt mit Pierce Brosnan in der Titelrolle; Daniel Craig ab 2006 verkörpert vielleicht einen realistischeren Titelhelden, ist aber nicht mehr der Bond, den besonders Sean Connery unübertroffen verkörpert hat).

Natürlich unterscheiden sich beide Filmreihen auch in vielen Details, ein besonders wichtiges: James Bond ist ein Einzelkämpfer, Frauen sind im Wesentlichen Sexobjekt oder in Einzelfällen Gegnerin (z.B. Sophie Marceau als Elektra King in Die Welt ist nicht genug). In „Mit Schirm, Charme und Melone“ sind John Steed und Emma Peel gleichrangig. Beide ergänzen sich auf ungewöhnliche Weise. Die Frage ist, ob beide auch ein Paar sind. Dafür gibt es viele Andeutungen, aber keinen eindeutigen Beweis. Für John Steed ist Emma Peel immer „Mrs. Peel“, während sie ihn eigentlich immer mit „Steed“ anspricht. Aber gerade aus dieser Ungewissheit entsteht eine gewisse Spannung, die über alle Folgen hindurch anhält. Sex als solches ist in dieser Reihe ansonsten eher verpönt.

Es war dann wohl nur eine Frage der Zeit, wann die Schauspieler Diana Rigg (Emma Peel) und Patrick Macnee (John Steed) auch einmal in James Bond-Filmen auftauchten. In Im Geheimdienst Ihrer Majestät (On Her Majesty’s Secret Service) aus dem Jahre 1969 – George Lazenby spielte hier zum ersten und letzten Mal den James Bond, bevor Roger Moore die Rolle übernahm – sehen wir Diana Rigg als Comtessa Teresa ‚Tracy‘ di Vincenzo. Sie wird in diesem Film Mrs. Bond. Allerdings ist das Glück nur von kurzer Dauer:Auf dem Weg in die Flitterwochen, als sie stoppen, um die Blumendekoration am Wagen zu entfernen, wird die Braut aus einem fahrenden Wagen heraus erschossen.


u.a. Diana Rigg im Bond-Film: On Her Majesty’s Secret Service (1969)

Diana Rigg & George Lazenby in James Bond: Im Geheimdienst ihrer Majestät

Roger Moore & Patrick Macnee in James Bond: Im Angesicht des Todes

Diana Rigg & George Lazenby in James Bond: Im Geheimdienst ihrer Majestät

Roger Moore & Patrick Macnee in James Bond: Im Angesicht des Todes

Patrick Macnee sehen wir in einem Bond-Film aus dem Jahre 1985 mit Roger Moore in der Titelrolle: Im Angesicht des Todes (A View to a Kill). Patrick Macnee spielt hier Sir Godfrey Tibbett, einen MI6-Mitarbeiter, der sich als Bonds Chauffeur ausgibt. Diesmal ist es kein grüner Bentley aus dem Jahre 1926 wie in der TV-Serie, den Macnee fährt, sondern ein Rolls Royce Silver Cloud. Wie Diana Rigg so muss auch Patrick Macnee alias Tibbett sterben, er wird erwürgt.

Roger Moore schlug Patrick Macnee für die Rolle des Tibbett vor; beide kannten sich aus dem TV-Film „Sherlock Holmes in New York“ aus dem Jahre 1976. Roger Moore spielte damals den großen Detektiven, Macnee seinen Assistenten Dr. Watson.


James Bond – Im Angesicht des Todes (A View To A Kill) 1985 Trailer

Entsteht eine neue APO?

Aus der spontanen Aktion einiger Wiener Kunststudenten entwickelte sich binnen Tagen eine landesweite Protestwelle und überrollte die Politiker, die weiterhin ratlos den Problemen gegenüberstehen: In Österreich ‚brennen’ die Unis!

Die Uni brennt!

Und ähnlich wie 1968, als die Studentenbewegung von den USA ausging und sich in Deutschland eine Außerparlamentarische Opposition (APO) formierte, so breitet sich der Uni-Streik inzwischen auch bis zu uns aus.

Der Frust der Studenten ist groß. Die Studenten haben die Nase voll von überfüllten Seminaren und Hörsälen, von zu wenig Professoren, von chronisch unterfinanzierten Unis, Frontalunterricht und Leistungsdruck. Und dafür zahlen sie mancherorts auch noch Studiengebühren.

Und noch ein wesentliches Problem besteht: Es geht um die Umsetzung der so genannten Bologna-Reform – also die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse. „Die Anzahl der Prüfungen ist hoch, sämtliche Noten gehen in den Abschluss rein. Erst einmal ins Studium reinschnuppern, das Studieren lernen – das geht nicht mehr.“ Der Studienplan sei hochgradig verschult. Nebenbei noch Geld fürs Studium zu verdienen, das sei schwer, wird beklagt.

Selbst der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Strohschneider, kritisiert „handwerkliche Fehler“ bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge. Die Studienreform sei zu einseitig auf die Verkürzung von Studienzeiten ausgerichtet.

Der Widerstand der Studenten gegen Missstände im Bildungswesen soll nach dem Willen der Organisatoren heute einen Höhepunkt erreichen. Allein in Berlin und Köln erwarten sie jeweils 5000 Demonstranten. In Freiburg, Stuttgart und Tübingen besetzten Studenten in der Nacht Hörsäle. Nicht nur Deutschland steht heute im Zeichen des Bildungsstreiks – in Österreich und Frankreich sind ebenfalls Proteste geplant.

Entsteht jetzt eine neue APO? Ich glaube das nicht. Die Bedingungen sind heute andere als vor über 40 Jahren. Damals kamen viele weitere Gründe hinzu (Vietnamkrieg, Aufarbeitung des Konfliktes zwischen Kriegs- und Nachkriegsgeneration), die vor allem zur Politisierung der Studenten führte. Heute geht es im Wesentlichen um die Verbesserung der Studienbedingungen. Jetzt ist die Politik gefragt. Sollte diese versagen, dann könnte der heutige Protest der Hochschüler allerdings sehr schnell militante Ausmaße annehmen, die der Studentenbewegung von 1968 ähnlich kommt. Dann könnte es mehr als ein Slogan sein: Die Uni brennt!

Virtueller Copyshop für Fachbücher

Mein älterer Sohn macht im nächsten Jahr sein Abitur und will anschließend Physik studieren; sein Interesse gilt der Teilchenphysik. Fürs Studium benötigt er dann Fachliteratur, die er sich in der Universitätsbibliothek ausleihen oder im Fachhandel kaufen kann. Fachliteratur ist teuer. Ich kenne das selbst aus meiner Studienzeit. Aber mit der Ausleihe ist das so eine Sache: Die Bücher, die man dringend benötigt, sind allzu oft anderweitig ausgeliehen oder nicht im Bestand. Heute ist es immerhin schon dank elektronischer Medien (z.B. eBooks) und Internet etwas anders als zu meiner Zeit.

Hier nun setzt eine neue Geschäftsidee an: PaperC ist ein neues Webportal mit Stammsitz in Berlin. Wer sich bei PaperC anmeldet, kann aktuelle Fachbücher von der ersten bis zur letzten Seite online lesen – völlig kostenlos und ganz legal. Im erweitertem Modus kann man dann Seiten herunterladen und ausdrucken. Hierfür zahlt man dann fünf bis zehn Cent pro Kopie. So viel zahlt man auch, wenn man ein Buch in einem regulären Copyshop kopiert. PaperC ist also ein virtueller Copyshop. Außerdem kann man Textstellen auch einfach kopieren und zitieren bzw. eigene Notizen anfügen und online verwalten.

Die Frage bleibt natürlich: Finde ich hier auch die Fachbücher, die ich für mein Studium benötige?

Siehe zdf.de: Auf dem Weg zum virtuellen Copyshop

Metronom ALKOHOLFREI

Ab heute ist jeglicher Konsum von Alkohol in Zügen der metronom Eisenbahngesellschaft GmbH, die den Nahverkehr in großen Teilen Norddeutschlands bedient, verboten. Das Verbot gilt generell, d.h. Alkohol, in welchen Behältnissen auch immer, darf z.B. auch nicht zugriffsbereit transportiert werden.

metronom ALKOHOLFREI

Die metronom Eisenbahngesellschaft GmbH war vor längerer Zeit bereits Vorreiter beim Rauchverbot. Grundsätzlich kann ich Rauch- und Alkoholkonsumverbot nur begrüßen. Es war oft genug mehr als nervig, von angertrunkenen Fahrgästen belästig zu werden. Mir tun nur die armen Pendler Leid, die am Abend ihr Feierabendbierchen trinken möchten. Aber die wenige Zeit, bis sie zu Hause sind, werden diese wohl aushalten können.

siehe auch: Twitter/metronom4me

metronom4me: metronom ALKOHOLFREI – Wer dafür ist, kann sich ab sofort hier eintragen: http://www.metronom-alkoholfrei.de

Wie konnte es geschehen?

Wo soll ich noch nach weiteren Irrtümern und Fehlern suchen, die unsere jetzige Lage mit erklären können? Wir haben unsere Gegner unterschätzt und uns überschätzt. Darin liegt die Ursache unseres Untergangs. Ich aber spreche mich nach diesem Rückblick über Aufstieg und Ende unserer Partei von der Schuld frei, in meinem Gebiet der Propaganda etwas versäumt zu haben, das dieses Ende hätte verhindern können. Die einzige Waffe, die bis zum Augenblick scharf und kriegsfördernd geblieben ist, ist unsere Propaganda. Ich habe sie, d.h. die Kunst, glaubhaft zu lügen, zu einer Großmacht entwickelt. Denn wenn selbst jetzt noch breite Massen an eine Wendung zu unseren Gunsten glauben, wenn angesichts der Feinde vor Berlin und des Anflutens der feindlichen Massen von Westen her die Hoffnung auf unseren Sieg noch lebt, dann ist das der beste Beweis für die Macht einer modernen Propaganda, die der Masse alles einreden kann, selbst den Sieg in einer so hoffnungslosen Lage.

Ich gestehe, daß es mich mit Lust erfüllt hat, dieses Instrument der Massenführung zu benutzen, daß es mein Ehrgeiz war, so meisterhaft und wirkungsvoll zu lügen, daß selbst die Wahrheit das Feld räumen mußte, daß es ein köstliches Gefühl war, Macht zu besitzen und einem Volke das Gesicht zu geben, das allein von dem Gesetz meiner Lehrmeister geformt wurde: der Zweck heiligt die Mittel.

Das sind zwei Absätze aus dem Schluss eines Buches mit dem Titel: Wie konnte es geschehen?, das 1945 im Verlag Das Volk Berlin erschien und von Max Fechner herausgegeben wurde. Max Fechner (* 27. Juli 1892 in Berlin; † 13. September 1973 in Schöneiche) war später Minister für Justiz der DDR.

Der Untertitel zu diesem Buch lautet: Auszüge aus den Tagebüchern und Bekenntnissen eines Kriegsverbrechers – gemeint ist Joseph Goebbels. Goebbels war einer der führende Köpfe des Nationalsozialismus und Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda (Goebbels selbst war übrigens nicht glücklich über diese Bezeichnung; sie war ihm zu offenkundig. Hitler bestand aber auf diesen Namen).

Das kleine Buch lieh mir mein Nachbar, der pensionierte Pastor Otto K. („Otto find ich gut!“), nach einem ausführlichen Gespräch über Flucht und Vertreibung während des 2. Weltkrieges. Meine Frau und ich treffen uns öfter zum Kaffee mit Otto und seiner Lebenspartnerin. Es sind immer wieder anregende Gespräche, die wir führen.

Die in diesem Buch veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen scheinen tatsächlich von Goebbels zu sein. Die enthaltenen Bekenntnisse sind aber wohl doch nur fiktiv. Das Buch ist 1945 im Osten Deutschlands erschienen und diente wohl der Propaganda der Sowjets, um den Menschen zu verdeutlichen, welchem sadistischen Regime sie erlegen waren.

Goebbels' Sportpalastrede 1943: Wollt Ihr den totalen Krieg?

Propaganda gegen Propaganda? Sicherlich. Ich habe die Tagebücher des Joseph Goebbels nie gelesen. Aber es ist bestimmt hoch interessant, aus dem Munde der Täter selbst zu erfahren, was sie dachten, was sie veranlasste, diesen menschenverachtenden Apparat zu installieren. Wie kein anderes Regime zuvor (und wohl auch danach) setzten die Nationalsozialisten auf Propaganda. Mit dem Radio, dem Volksempfänger (im Volksmund ‚Goebbelsschnauze’ genannt), hatten die Nazis ein Gerät, mit dem sie bis in die Wohnzimmer der Mitmenschen agitieren konnten. Und wie kein anderer verstand es Goebbels, seine Reden schlicht, aber einprägsam zu formulieren. Höhepunkt und Paradebeispiel der Rhetorik und der Propaganda ist die Rede vom 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast, in der er zum „Totalen Krieg“ aufrief. Für uns ist es heute kaum nachvollziehbar, wie hier ein Mann eine Masse zur ‚totalen’ Aufgabe ihres Denkens bringen konnte.

Nun das Buch enthält weitere aufschlussreiche Hinweise zum Aufstieg des Nationalsozialismus. Für das Großkapital entwickelte es sich im Jahr 1933 zu einem Zweikampf zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten, eigentlich ein Kampf in und um die Arbeiterschaft. Das Bürgertum schien auf der Strecke zu bleiben. Hier nun verstand es Hitler, Großbürgertum und Industrie zu beruhigen und damit auf seine Seite zu bringen. Es wurde ein fast völlig autarker Binnenmarkt geschaffen, der auf Rüstung setzte und damit dem Großkapital Geld und den Massen Arbeit verschaffte. Nach außen hin war die deutsche Reichsmark nur wenig wert – aber wen interessierte das schon. Alles war auf Krieg ausgerichtet. Der Beginn des 2. Weltkrieges war dann nur noch die logische Konsequenz.

Interessant ist dabei, wie die Nationalsozialisten, besonders aber Hitler, auf ihre eigene Propaganda hereingefallen sind. Je mehr Goebbels davon sprach, dass Hitler von der Vorsehung gesandt sei, um so mehr glaubte man das dann selbst. Und in diesem Glauben begann man, den Gegner, besonders Russland, zu unterschätzen. Ein verhängnisvoller Fehler, wie wir wissen. Die Schlacht um Stalingrad markierte dann den Anfang vom Ende.

siehe hierzu auch meinen Beitrag: Bestie Mensch

Bandabend 2009 in Tostedt

Es ist wohl schon das 16. Mal, wenn heute am Freitag, den 13. November, wieder fünf Bands über die Bühne im Gemeindehaus der Tostedter Johannesgemeinde rocken: Bandabend 2009 ist angesagt. Es spielen BØMBØM, Get the Last Clap, Instead of Chairwalk, Rising Rage & Screw Balls.

Es werden wieder über 400 Jugendliche erwartet. Organisiert wird der „Bandabend09“ von der Evangelischen Jugend Tostedt.

Bestürzung nach Enkes Tod

Der November mit seinen trüben Tagen hat schon so manchen deprimiert. Auch mir geht dieses ständige Regenwetter gehörig auf die Nerven. Nun hat sich der Fußballtorwart von Hannover 96, Robert Enke, aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben genommen. Der Nationaltorwart wurde am Dienstagabend gegen 18.25 Uhr im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge von einem Regionalzug überrollt. Enke wurde 32 Jahre alt.

Was die Ursache für diesen Suizid ist, kann nur spekuliert werden. Laut Polizei liegt allerdings ein Abschiedsbrief vor, der sicherlich Aufschluss über die Gründe von Enkes Freitod geben dürfte.

Eine lange rätselhafte Bakterieninfektion hatte Enke zu einer mehrwöchigen Pause gezwungen, sodass er bei den letzten Spielen der Fußballnationalmannschaft nicht berücksichtigt wurde. Es war sicherlich sein Traum, im nächsten Jahr bei der Weltmeisterschaft in Südafrika als die Nummer eins aufzulaufen. Vielleicht sah er diesen Traum als geplatzt an.

Martinstag

Der Martinstag (heute, der 11.11.) spielt bei uns hier im Norden der Republik keine große Rolle. Der heutige Tag ist aber bekannt dafür, dass es hier den Gänsen an den Kragen geht. Und das hängt eben schon mit dem Martinstag zusammen.

Der Martinstag am 11. November (in Altbayern und Österreich auch Martini) ist der Festtag des Heiligen Martin von Tours. Er ist in Mitteleuropa von zahlreichen Bräuchen geprägt, darunter das Martinsgans-Essen, der Martinszug und das Martinssingen.

Martinsgänse

Genau: das Martinsgans-Essen. Der Martinstag lag traditionell am Anfang einer 40-tägigen Fastenzeit, die zu Weihnachten endet. Am letzten Tag vor Beginn dieser Fastenzeit konnten die Menschen – analog zur Fastnacht – noch einmal schlemmen. Und da die Gänse fett waren, kamen diese gerupft und geschmort auf den Teller.

Gleichzeitig wird heute beim rheinischen Karneval die neue „Session“ ausgerufen (um 11 Uhr 11). Daneben war der Martinstag auch der traditionelle Tag des Zehnten (u.a. Kirchensteuer). Die Steuern wurden früher in Naturalien bezahlt, u.a. auch in Gänsen.

Traditionell wird die Gans mit Rotkohl und Serviettenknödeln, Semmelknödeln oder Kartoffelklößen gegessen.