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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Campingurlaub mit Silvio

Er ist sich für keine Peinlichkeit zu schade, unser guter, alter Silvio. Da hat man durch ein Erdbeben Haus und Hof und liebste Anverwandte verloren. Da kann man die Unterbringung in Zeltstädten doch nur wie einem Campingurlaub empfinden. So meint der italienische Regierungschef Berlusconi. Vielleicht sorgt er jetzt noch für eine stimmungsvolle Abendunterhaltung und verbringt eine Nacht mit seinen leidgeprüften Landsleuten.

Berlusconi, der gefärbte Polit-Affe

siehe zdf.de: Berlusconis Sprüche – Eine Galerie der Peinlichkeiten

Hut ab, Hartmut

Nun hat er also doch seinen Hut genommen (nehmen müssen): Hartmut Mehdorn (sein zweiter Vorname war ‚Bahnchef’)! In den vergangenen Monaten sorgte sein Unternehmen für reichlich Schlagzeilen: Bedienzuschlag, Bonuszahlung, Achsenproblem, gescheiterter Börsengang und die Datenaffäre. Letzteres war dann doch eine Schlagzeile zu viel.

Hartmut 'Bahnchef' Mehdorn

Mehdorn, der Geradlinige, der Direkte, der oft Kritisierte, der die Deutsche Bahn AG (DBAG) börsentauglich zu machen gedachte. Was wird es ihn ärgern, über eine solche Lappalie wie eine Bespitzelungsaffäre stolpern zu müssen. Sein Lebenswerk zerstört – oder, für die Zukunft gesehen, mit seinem Namen nur noch als Randglosse versehen.

Was hat er nicht alles für die Deutsche Bahn getan. Durch ihn wurde sie mit seinen mehr als 500 Tochterfirmen ein Global Player in der absoluten Spitzengruppe des Logistikmarktes. Dabei wurde nicht immer auf maulende Fahrgäste Rücksicht genommen, die ihm mehrheitlich jede Unpünktlichkeit persönlich zuschrieben, die er gleichsam dafür verantwortlich machte, dass die Züge der Bahn nicht immer so sauber sind, wie man es erwartet. Da nur das Ziel: Börsengang zählte, so wurden auch schon mal unprofitable Teilstrecken stillgelegt oder in andere Hand gelegt. Für Otto Normalverbraucher gibt es notfalls auch Busse.

Nun ist er also aufs Altengleis geschoben.

Apropos: Stillgelegte bzw. von anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen.betriebene Teilstrecken. Da gibt es z.B. die Strecke Hamburg-Bremen, die seit Ende 2003 von der metronom Eisenbahngesellschaft GmbH betrieben wird („Im Mittelpunkt der metronom Unternehmensphilosophie steht der Kunde: Er ist der Maßstab unseres Handelns. Seine Zufriedenheit ist unser Erfolg“ – Ist Ihnen da vielleicht doch etwas entgangen, Herr Mehdorn?). War diese Strecke der DBAG nicht profitabel genug? Überhaupt der SPNV, außer als Melkkuh hatte Herr Mehdorn wenig im Sinn mit diesen ganzen tagtäglichen abertausend Pendlern.

Eigentlich wollte ich Herrn Mehdorn hier keiner Träne ‚nachweinen’. Ob sein Nachfolger etwas diplomatischer agiert oder nicht, spielt nicht die Rolle – das Resultat am Ende zählt. Und das heißt in einer globalisierten Wirtschaftswelt trotz Wirtschaftskrise weiterhin Gewinnmaximierung! Nein, Mehdorn ist für mich nur der Aufhänger für eine kleine Reihe von Beiträgen, in denen ich den bereits erwähnten Schienenpersonennachverkehr, kurz SPNV, in der Region, in der ich wohne und arbeite, beleuchten möchte. Es geht um bestehende und stillgelegte Bahnstrecken im ‚Gleis’-Dreieck Weser – Elbe, also um Bahnverbindungen zwischen Bremen und Hamburg und darüber hinaus in Richtung Nordsee, sprich: Bremerhaven und Cuxhaven. Einige dieser Strecken werden heute mit Bussen bedient (nein, Herr Mehdorn ist nicht der einzigste, der alte Bahnstrecken stilllegt), z.B. Tostedt – Zeven. Ausgangspunkt wird mein Wohnort Tostedt sein, der schon in ‚grauer Vorzeit’ ein Verkehrsknotenpunkt, wenn auch ein nicht allzu bedeutsamer, war (In der alten Posthalterei am Sande, wo die Pferde der Postkutschen gewechselt wurden, im Hause der Familie Huth soll sich Napoleon aufgehalten haben).

demnächst auf diesem Gleis: Die Rollbahn

Verwackelte Bilder

Der zunehmende Gebrauch von Handys mit Foto- und Filmfunktionalität, die handlichen Kameras, die in jede Hosentasche passen, machen es möglich, dass blitzschnell der Apparat gezückt und ein Foto oder eine Filmsequenz aufgenommen werden kann. So kann heute jeder auch zum Chronisten außergewöhnlicher Ereignisse werden.

Und flickr.com und youtube.com sei Dank, lassen sich Bilder und Videos kostenlos ins weltweite Netz stellen und werden von jedem anderen aufrufbar. Das führt natürlich zu einer Flut an ‚Bildern’, nicht nur auf dem heimischen Rechner.

Beispiel YouTube: Da braucht man nur den Namen seiner Lieblingsband eingeben und wird überhäuft von Videoschnipseln, die meist mit dem Handy beim letzten Konzert, vielleicht erst gestern, aufgenommen wurden. Der Ton ist oft grausam und das Bild verwackelt bis zur Unkenntlichkeit. Zum Großteil liegt das an der dann doch eher mangelhaften Technik des Aufnahmegeräts. Und natürlich ist nicht jeder, der eine Kamera (oder ein Handy mit Kamera) besitzt, auch gleichzeitig ein guter Fotograf resp. Kameramann. Dazu bedarf es der Übung und eines ‚guten Auges’.

Verwackeltes Bild

Sicherlich ist es ein ungeheurer Ansporn, seine Bilder im Internet präsentiert zu sehen. Ich kann mich davon nicht freisprechen. Aber jeder, der Bilder und/oder Videos ins Internet stellt, sollte dann doch wenigstens einen Mindestanspruch an die Qualität der Aufnahmen stellen.

Eigentlich schreibe ich das hier aus einem ganz anderen Grund: Angeblich sind bei YouTube Videoaufnahmen von den letzten Minuten (bzw. Sekunden) des Amokschützen von Winnenden zu sehen, die wohl mit einem Handy aufgenommen wurden – Amateuraufnahmen nennt man das wohl (wer sie sich ansehen will, sollte selbst bei YouTube suchen). Zunächst musste ich erst einmal begreifen, was da vor sich ging:

Es stehen mehrere Autos in einer Reihe, und es ist offensichtlich ein Mann, der scheinbar unentschlossen auf und ab geht. Es hat den Eindruck, als warte er auf etwas. Plötzlich fällt der Mann (habe ich einen Schuss gehört?) – Schnitt – der Mann liegt auf dem Boden.

Erst dachte ich, dass das Ganze wohl gestellt ist. Wieder einer dieser üblen Streiche im Internet. Dann aber wurde mir eines klar: Irgendwie hatte ich mehr ‚Action’ erwartet. Nicht unbedingt eine wilde Schießerei. Aber zumindest hektische Bewegungen des jungen Mannes, der dann plötzlich am Boden lag.

Ob die Bilder nun gestellt sind oder nicht, ist für mich nicht so interessant. Wahrscheinlich sind sie echt. Mir geht meine ‚Erwartungshaltung’ nicht aus dem Kopf. Bin ich schon so von diesen ganzen Action-Filmen amerikanischer Machart manipuliert, dass ich denke, auch in der Wirklichkeit muss es in solchen Szenen mit Hektik zugehen, ereignisreich und turbulent?! Die gezeigten Bilder entsprechen dem in keiner Weise. Der Tod kommt eher leise daher. Das Aufsehen erregende Ereignis bleibt aus. Im Grunde bin auch ich wieder einer Sensationsgier aufgesessen.

Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf-Hanstedt

Die Lüneburger Heide bietet einige Attraktionen, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man hier zu Besuch ist (oder sogar wohnt). Der Wildpark in Nindorf-Hanstedt gehört auf jeden Fall dazu, denn hier gibt es Tiere zu sehen, die man selten in Zoos antreffen wird: Wisente, Wasserbüffel, Bären, Wölfe und Greifvögel – insbesondere in einer Freiflugschau einen Kondor, einer der größten flugfähigen Vögel der Erde.

Der Wildpark ist ganzjährig geöffnet, zeigt über 1000 Tiere und bietet darüber hinaus viele Spielplätze für unsere Jüngsten.

Wildpark Lüneburger Heide Nindorf-Hanstedt

Wildpark Lüneburger Heide Nindorf-Hanstedt

Wildpark Lüneburger Heide Nindorf-Hanstedt

Wildpark Lüneburger Heide Nindorf-Hanstedt

Wildpark Lüneburger Heide Nindorf-Hanstedt

Captain Beefheart feat. Ry Cooder: Safe as Milk (1967)

Nachdem Ry Cooder im Alter von 17 Jahren 1964 mit dem späteren Taj Mahal die Gruppe Rising Sons gegründet hatte, diese Gruppe aber zunächst nur eine Single veröffentlichte und das 1966 aufgenommene Album (Taj Mahal & Ry Cooder: Rising Sons) erst 1992 auf den Markt kam, löste sich diese Gruppe im Laufe des Jahres 1966 wieder auf.

Dafür treffen wir bereits 1966 Ry Cooder bei Captain Beefheart & His Magic Band wieder. Captain Beefheart (* 15. Januar 1941 in Glendale, Kalifornien) ist das Pseudonym von Don Glen Van Vliet (geboren als Donald Vliet). Seine Musik wurde ab den späten 1960er-Jahren einem größeren Publikum bekannt. Dies wurde begünstigt durch Unterstützung von und Zusammenarbeit mit seinem Schulfreund, dem Gitarristen und Komponisten Frank Zappa.

Captain Beefheart gründete 1964 die Magic Band und debütierte mit ihr 1965 bei der Hollywood Teenage Fair. Bereits im folgenden Jahr veröffentlichte die Gruppe ihre erste Single „Diddy Wah Diddy“, kurz darauf gefolgt von „Moonchild“. Einfache, direkte Rhythm and Blues-Stücke, die aber anfangs nicht auf Anklang in der Musikindustrie stießen. Die Band versuchte einen Plattenvertrag zu bekommen und Beefheart unterschrieb verschiedene Verträge, die ihm angeboten wurden, was ihm später noch rechtliche Probleme und anstrengende Gerichtsprozesse bescherte. Trotzdem konnte die Band 1966 ihr erstes Album „Safe as Milk“ bei Buddah Records veröffentlichen. Auf diesen Erstveröffentlichungen Captain Beefhearts finden wir nun auch Ry Cooder wieder.

Captain Beefheart & His Magic Band. Safe as Milk (1967)

Captain Beefheart & His Magic Band. Safe as Milk (1967)

Captain Beefheart & His Magic Band: Safe as Milk (1967)

Cooder spielte dabei nicht (wie z.B. bei Eric Claptons Album aus 1983 „Money and Cigarettes“) als Gast- bzw. Studiomusiker mit, sondern war mit Captain Beefheart auch auf Tour und z.B. bei einem Auftritt am Strand von Cannes 1968 mit dabei. Das Stück mit beginnt mit der Slide-Gitarre von Ry Cooder:


Captain Beefheart & Magic Band – Sure ’nuff ’n Yes I do – Live in Cannes (1968)

Tracklist von Captain Beefheart: Safe as Milk (1967):

Sure ’nuff ’n‘ Yes I Do 2:20
Zig Zag Wanderer 2:44
Call on me (Don Van Vliet) 2:39
Dropout Boogie 2:36
I ‚m Glad (Don Van Vliet) 3:35
Electricity 3:09

Yellow Brick Road 2:32
Abba Zaba (Don Van Vliet) 2:48
Plastic Factory (Don Van Vliet) 3:13
Where There’s Woman 2:13
Grown So Ugly (Robert Pete Williams) 2:32
Autumn’s Child 4:01

Words and Music Don Van Vliet / Herb Bermann (except where noted)

Musicians:

ALEX SNOUFFER alex (pyjama) st. claire * guitar
RY COODER * guitar * slide guitar ** bass guitar
JERRY HANDLEY * bass guitar
JOHN FRENCH drumbo * drums * percussion
DON VAN VLIET captain beefheart * vocals * harmonica ** bass marimba
guest RUSS TITELMAN ** guitar
guest MILT HOLLAND ** percussion ** log drums
guest TAJ MAHAL ** percussion
guest SAMUEL HOFFMAN ** theremin

1968 muss Ry Cooder die Band von Captain Beefheart wieder verlassen haben. Ab 1970 veröffentlichte er dann Alben unter seinem Namen.

zuletzt eine Playlist bei YouTube: Captain Beefheart & His Magic Band: Safe as Milk (1967)

Gentle Giant – An Inmate’s Lullaby

Nachtrag zu meinem Beitrag: Heinar Kipphardt: März


Gentle Giant – An Inmate’s Lullaby (Wiegenlied eines Insassen)

Professor F… war so gewissenhaft, daß er einen Skandinavienurlaub unterbrach, um 20 ausgesuchten Patienten pünktlich ihren verordneten Elektroschock zu geben. Damals vertrat er die Ansicht, daß jede diagnostizierte Schizophrenie sofort einer Elektroschockbehandlung zu unterziehen sei, zumal durch die gleichzeitige Injektion des Nervengiftes Curare die Gefahr eines Wirbelbruchs ausgeschaltet war. Der Konsulvator setzt im Gehirn einen epileptischen Krampf, der durch eine toxische Nervenlähmung genialerweise nicht realisiert werden kann. Das war ein Fortschritt nach dem Geschmack von Professor F…. Das wird ihn natürlich nicht abhalten, 15 Jahre später die Psychopharmaka für die Wende in der Psychiatrie zu halten, wie er in den 50er Jahren von der Psychochirurgie die Wende erwartet hatte. In nicht zu langer Zeit werden wir an unsere heutigen Behandlungsmethoden nur mit Scham zurückdenken.

… Der portugiesische Hirnchirurg Egas Moniz durchtrennte Weihnachten 1935 als erster die Nervenverbindungen zwischen Stirnhirn und Thalamus bei einem Schizophrenen, um dessen psychisches Verhalten operativ zu verändern. Der aggressive Kranke verfiel nach dem Eingriff in einen Zustand unerschütterlichen Gleichmuts. Bei sieben von 19 aggressiven Patienten, die er so operiert hatte, erzielte er das gleiche Ergebnis. Seine Operationsmethode, die sogenannte Leukotomie, hatte aggressive Wahnsinnige in den lenkbaren Dauerzustand gleichmütiger Apathie versetzt. Mit Begeisterung wurde das als der Beginn der Psychochirurgie gefeiert. In den Vereinigten Staaten wurden etwa 50000 Patienten innerhalb der nächsten 20 Jahre leukotomiert, in der übrigen Welt schätzungsweise 60000. Auf der Höhe der Begeisterung wurde Moniz 1949 der Nobelpreis verliehen, bald darauf jagte ihm ein früherer Leukotomie-Patient fünf Pistolenkugeln in den Leib. Zehntausende von Patienten dämmerten im Gefolge dieser Operationen apathisch dahin, es verfiel ihre Intelligenz, ihr Gefühlsleben, und es erlosch ihr Interesse an der Umwelt. Die Leukotomie kam aus der Übung, weil Schocktherapien und Psychopharmaka den Zweck der Dämpfung und Zähmung ebenso gut erreichten. Jetzt lese ich über neue Fortschritte der Psychochirurgie mit eleganteren Methoden, die viel kleinere Hirnpartikel gezielt zerstören können, um Sanftheit und Zahmheit zu erzielen. Professor J. Andy operierte in Amerika einen neunjährigen Jungen, der als gewalttätig, streitsüchtig und schwer erziehbar beschrieben wurde, viermal, bis das Kind gezähmt war. Der japanische Verhaltenschirurg Kaiji Sano operierte erfolgreich 22 aggressive Kinder, die danach bemerkenswert ruhig, passiv und lenkbar wurden. Sein Landsmann Narabayashi führte 27 Kindern zwischen 5 und 13 Jahren stereotaktische Operationen durch, die einen zufriedenstellenden Gehorsam und dauerhaften Gleichmut erbrachten, Professor Roeder operierte in Göttingen Drogensüchtige, Alkoholiker und Homosexuelle. Er lobt die Wirtschaftlichkeit des stereotaktischen Eingriffs gegenüber den langen Unterbringungszeiten in psychiatrischen Heilanstalten und Gefängnissen. Sie denken nicht an die Grundlagen der Nazi-Psychiatrie und nicht an das Ende von Professor Moniz.

aus: Heinar Kipphardt: März (S. 85 f. – AutorenEdition Bertelsmann Verlagsgruppe – 1976)

GEMA schlägt zu?!

Sollten es wirklich nur Wartungsarbeiten sein, die mich zz. nicht an meine Konten (Channel) bei YouTube heranlassen? Oder steht das im Zusammenhang mit dem Streit von YouTube mit der GEMA um die Gebühren für die Videoaufrufe? Anscheinend sperrt die Google-Tochter YouTube alle Musikvideos auf seiner deutschen Website www.youtube.de.

YouTube's Wartungsarbeiten

Ein Vertrag zwischen GEMA und YouTube Deutschland ist gestern ausgelaufen. Jetzt fordert die GEMA pro Videoaufruf einen Cent.

Immerhin sieht es so aus, als ließen sich die Videos meiner Channel weiterhin aufrufen. Schauen wir ’mal, wie sich das weiterentwickelt.

Nachtrag: Es waren wohl doch nur Wartungsarbeiten. Ich komme wieder an meine YouTube-Konten. Hat wohl etwas mit dem Tag heute zu tun (1.April).

Heinar Kipphardt: März

Es war im Jahr 1975, da gab es im Fernsehen (ZDF) den Film „Leben des schizophrenen Dichters Alexander M.“, der mich sehr beeindruckte. In der Titelrolle spielte Ernst Jacobi. Das Drehbuch zu diesem Film schrieb Heinar Kipphardt, der zuvor durch sein zeitkritisches Schauspiel In der Sache J. Robert Oppenheimer größere Bekanntheit erlangte. Ein Jahr später, 1976, legte er das gleiche Thema als seinen ersten Roman, unter dem Titel „März“ vor. Kurz danach schrieb Kipphardt eine Hörspielfassung unter dem Titel „März – ein Künstlerleben“ für den Bayerischen Rundfunk, in welcher Ulrich Gerhardt 1977 Regie führte. Erst am 16. Oktober 1980 kam es im Düsseldorfer Schauspielhaus zur Uraufführung des Theaterstücks unter dem Titel „März, ein Künstlerleben“.

Heinrich „Heinar“ Mauritius Kipphardt (* 8. März 1922; † 18. November 1982 in München) war ein deutscher Schriftsteller und bedeutender Vertreter des Dokumentartheaters.

Die Geschichte des unglücklichen Anti-Helden Alexander März ist für Kipphardt eine Abrechnung mit der Psychiatrie. Kipphardt hatte Medizin studiert und arbeitete u.a. an der psychiatrischen Klinik Düsseldorf-Grafenberg. Für ihn ist Schizophrenie, sind psychotische Krankheiten letzten Endes sozial verursacht: Sehr sensible Menschen zerbrechen an dem, was Familie und Gesellschaft ihnen antun. So auch der schizophrene Dichter März, der sich vor den Augen seines Arztes in Brand steckt, weil er sich in dieser Welt nicht mehr zurechtfinden kann. Als Grundlage für ‚März‘ diente authentisches Material.

Im Roman, den ich mir 1976 kaufte und las, heißt es u.a.:

„Die Psychiartrie ist die Heilige Inquisition der seelischen Gesundheit.“ (S. 19 – AutorenEdition Bertelsmann Verlagsgruppe – 1976)

Kofler. Notizen. Der eingelieferte Patient, der das Etikett schizophren bekommen hat, hat ohne sein Wissen eine Rolle übernommen und startet zu seiner Karriere. Von der Einlieferung an wird er ohne Unterbrechung degradiert und er verliert Stück für Stück seine Entscheidungsfreiheit und alle bürgerlichen Freiheiten. Es wird ihm bestritten, ein Mensch zu sein … (S. 20)

In kleinen Mosaiksteinchen erfahren wir vieles aus dem Leben des Patienten März, der seit Jahren in einer psychiatrischen Klinik lebt. Aus Aufzeichnungen des Patienten, seinen Gedichten, den Berichten Dritter, Gesprächen und Beobachtungen des Arztes Kofler setzt sich das Bild eines hoch sensiblen Menschen zusammen, der die »Normalität« der Gesellschaft radikal in Frage stellt. März verweigert sich dem herrschenden Leistungs- und Konkurrenzprinzip. Ausgangspunkt seiner Erkrankung ist die Kindheit: März war mit einer Gaumenspalte (Hasenscharte), auf die Welt gekommen, für die sich die beide Elternteile sehr schämten. Während die Mutter mit übertriebener Liebe ihren Sohn zu umsorgen meinte, versuchte es der Vater mit Strenge. Es herrschte so ein andauernden Konflikt im Elternhaus, der das Kind mehr und mehr in eine Außenseiterrolle drängte.

Durch März lernen wir eine ‚andere’ Sichtweise des Lebens kennen, die uns zunächst ‚krank’, wenn auch auf besondere Weise faszinierend erscheint. Zunehmend beginnt der Leser dann, diese Sichtweise zu verstehen und das ‚normale’ Leben kritisch zu beäugen:

Es wundert mich […] immer, wenn bei den ganzen vielen Teilen etwas zueinander paßt, zum Beispiel die Tasse auf dem Tisch da zu dem beschriebenen Zettel. Wieso passen die zueinander? … Vielleicht passen die meisten Teile nur zueinander, weil es gefährlich ist, nicht zueinander zu passen. Da paßt man schon lieber. Aber in Wirklichkeit paßt zueinander rein gar nichts. (S. 19)

Was ‚passt’ also wirklich im Leben zusammen? Sind wir alle nicht zu kleinen Rädchen geformt, die die Normalität am Leben erhalten? Dann vielleicht doch »lieber verrückt als ein Rädchen.«

In der „Allegorie der Höhle“ beschreibt Plato das Leben des angepassten Menschen wie angekettet an der Wand einer unterirdischen Höhle. Die Schatten welche sie auf der Wand sehen, halten sie für die Wirklichkeit. Es gibt Leute welche sich befreien von ihren Ketten, weil sie das Leben als angekettet als unerträglich erfahren. Es ist die Aufgabe der angeketteten Psychiater, die sich dessen nicht bewusst sind, diejenigen die versuchen sich zu befreien, wieder anzupassen und aufs Neue zu fesseln. Und wenn dass nicht gelingt, werden sie verbannt in einen entlegenen Winkel der Höhle, wo sie miteinander festgehalten werden, um das wahnsinnige Spiel der „Normalen“ nicht zu stören. Das nennen wir nun psychiatrische Anstalten.

aus: „Eine narratologische Analyse von Kipphardt’s März“ von Dimitri Vanlessen

MusikvideoZ von A bis Z

In meinem kleinen WilliZ Videoblog habe ich einen Themenkreis angelegt, der dem Alphabet gemäß eine Auswahl vom Musikvideos darbietet: MusikvideoZ an A bis Z.

WilliZ Videoblog

Bis jetzt haben sich dort 27 Interpreten (mit noch mehr Videos) angesammelt (der Buchstaben C ist zweimal vertreten), dabei sicherlich auch einige ‚Exoten’, also Musikgruppen, die den meisten unbekannt sein dürften, die aber in meinem bisherigen Leben (wenn auch nur kurz) eine gewisse Rolle gespielt haben, so z.B. die Gruppen Flairck, It’s a Beautiful Day, Lindisfarne, Ougenweide, Quintessence, Steamhammer, Warm Dust und Xhol Caravan (eine deutsche Gruppe, die sich später nur noch Xhol nannte). Musikvideos also von A wie Joan Armatrading bis Z wie Frank Zappa.

Taj Mahal & Ry Cooder: Rising Sons (1966/1992)

Alles hat einmal einen Anfang. So auch die ungewöhnliche Musikerkarriere des Ry Cooder. 1964, da war Cooder gerade 17 Jahre alt, gründete er u.a. mit dem fünf Jahre älteren Henry St. Clair Fredericks, der später unter dem Namen Taj Mahal ein weltweit bekannter Bluesmusiker werden sollte, in Los Angeles die Formation Rising Sons.

Rising Sons feat. Taj Mahal & Ry Cooder

Nachdem Columbia Records die Band unter Vertrag genommen hatten, wurde eine Single (Candy Man und The Devil’s Got My Woman) veröffentlicht und auch ein Album aufgenommen, das aber erst 1992 von Columbia vermarktet wurde. Aus Enttäuschung über die gemischten Reaktionen auf ihre Musik löste sich die Band 1966 wieder auf.

Das Album wurde wohl zwischen 1965 und 1966 aufgenommen. Im Juni 1992 nahm Taj Mahal zu den drei Instrumentaltitel “Dust My Broom,” “Last Fair Deal Gone Down,” and “Baby What You Want Me to Do” den Gesang neu auf. Das Original-Lineup bestand aus Ry Cooder (Gesang, 6- und 12-saitige Gitarre, Mandoline, Slide- bzw. Bottleneckgitarre, Dobro), Taj Mahal (Gesang, Mundharmonika, Gitarre, Piano), Gary Marker (Bass), Jesse Lee Kincaid (Gesang und Gitarre) und Ed Cassidy (Schlagzeug). Cassidy verließ die Band, nachdem er sich eine Hand bebrochen hatte und wurde von Kevin Kelley ersetzt.

Taj Mahal wurde also ein bekannter Blues- und Folkmusiker. Und der Werdegang von Ry Cooder lässt sich u.a. in diesem Blog verfolgen. Cassidy gründete die Gruppe Spirit und Kelley wurde 1968 Mitglied in der Band seines Cousins, Chris Hillman, The Byrds und ist auf dem Album „Sweetheart of the Rodeo“ zu hören.

Das Album „Rising Sons“ enthält insgesamt 22 Lieder (Statesboro Blues ist dabei zweimal vorhanden), alle in einem lässigen Bluesstil mit Anklängen beim Folk und beim Rock ’n’ Roll. Damit nahm die Band stilistisch gesehen spätere Aufnahmen von Gruppen wie Moby Grape, Buffalo Springfield, Grateful Dead und The Byrds vorweg.

Hörbeispiele: Rising Sons

Feiner pinkeln

Als ich am Mittwochmorgen mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof in Hamburg zur Arbeit fuhr, sah ich auf der Lombardsbrücke (zwischen Binnen- und Außenalster) einen Transporter der Firma Peter Jensen mit dem Spruch: Feiner Pinkeln. Bei dieser Firma lässt sich u.a. alles kaufen, was mit Bädern und Sanitäranlagen zu tun hat – alles dabei vom Feinsten.

Wie es wohl die meisten tun, so assoziiere ich diese Aussage mit dem Begriff des feinen Pinkel (berlinerisch für vornehm tuender Mensch), was wohl beabsichtigt ist. Mit diesem Spruch verbindet sich eine Werbe-Kampagne der Firma für eine Bädershow. Hinzu kommt der Hinweis auf unzählige geschiedene Ehen in Deutschland, die als Ursache ‚Probleme im Badezimmer’ angeben. Die Lösung hat man auch gleich parat: Deshalb Urinale auch zuhause!

Ich habe einmal im Internet gegooglet und mit dem Stichwort „Urinal“ in der Bildersuche viele kuriose Beispiele für diese Pinkelbecken aus Keramik, Porzellan und anderen Baustoffe für das Wasserlassen der Männer (aber auch ein Beispiel für Frauen) gefunden. Hier eine Auswahl:

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

Feiner pinkeln

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