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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Bodo Wartke: Reimkultur in Reinkultur

Der Tipp kam von meinem Großen: „Schau Dir doch mal bei youtube den Bodo Wartke an! Echt genial!“ Und wirklich … Neben all den Comedians, besonders die sich so ausdauernd proletenhaft geben, ist dieser Bodo Wartke ein Schatz. Es ist Klavierkabarett in Reimkultur, wie er es selbst nennt. Und das in Reinkultur. Wirklicher Wortwitz musikalisch begleitet mit kritischen Untertönen – das mag ich. Mein Sohn hat recht.

Und bei youtube ist er auch ein richtiger Renner. Ich habe die schönsten Stücke zu einer kleinen Playlist zusammengestellt; u.a. enthält diese: PCdenzfall – Reisetagebuch – Liebeslied – Die Amerikaner – Hunde.

Als Bahnfahrer (Pendler) finde ich „Reisetagebuch“ wirklich köstlich. Aber auch das Liebeslied, das Wartke inzwischen in über 60 Sprachen bzw. Mundarten vortragen kann, finde ich – wie sagte mein Sohn: genial! Weil er eben diese über 60 Sprachen/Mundarten nicht immer vollständig auf die Bühne bringen kann (wäre dann doch etwas langweilig mit der Zeit) gibt es auf Bodo Wartkes Website einen Liebesliedgenerator. Neben Hochdeutsch hat man hier die Auswahl zwischen deutschen Dialekten von Bairisch bis Kölsch und Platt, jede Menge schweizer Dialekte und bei den Sprachen von Altgriechisch über Polnisch und Hindi bis zu Suaheli; außerdem Esperanto und Elbisch.

Hier die Playlist:

Bodo Wartke: PCdenzfall – Reisetagebuch – Liebeslied – Die Amerikaner – Hunde

Und wem das nicht genug ist, der findet noch viele andere Lieder von Bodo Wartke bei youtube.

Soulmusik im Chico’s Place, Bremerhaven

Wie ich bereits einmal schrieb (Meine Lieblingslieder – Teil 1), so bin ich früh mit schwarzer Musik in Berührung gekommen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lebte ich Anfang der 70-er Jahre in Bremen. Und mit Bremerhaven war Bremen nach dem Krieg amerikanische Besatzungszone – wegen der Häfen. Im Norden von Bremerhaven waren viele GIs, also amerikanische Soldaten, stationiert, natürlich auch viele Schwarze. Die 70-er Jahre waren zudem eine Blütezeit der afroamerikanischen Unterhaltungskultur. Neben Soul war es der Film, der Afroamerikaner plötzlich in den Mittelpunkt stellte (ein auch uns bekanntes Beispiel ist der Film Shaft). „Black is beautiful“ – die Schwarzen gewannen ein neues Selbstbewusstsein. Zum anderen kam hinzu, dass in meinem weiteren Verwandtenkreis Kontakte zu Schwarzen gepflegt wurden.

Im Norden von Bremerhaven, im Stadtteil Weddewarden, hatten die US-Amerikaner einen Fliegerhorst übernommen. Und bis etwa Mitte der 90-Jahre waren die amerikanischen Soldaten in der Carl-Schurz-Kaserne untergebracht. Auf halben Weg zwischen Bremen und Bremerhaven, in der Nähe von Osterholz-Scharmbeck, waren ebenfalls viele Amerikaner stationiert. Wegen der für amerikanische Zungen bestehenden Unaussprechlichkeit des Namens, wurde die Stadt auch O-City genannt. Von hier wurde auch ein US-amerikanischer Radiosender ausgestrahlt.

Nun war es so, dass bereits am 01. April 1958 sich zum ersten Mal die Türen eines kleinen Clubs in der Rickmersstraße 51 in Bremerhaven-Lehe öffneten, dessen Name 30 Jahre lang der Garant für heißen Jazz und die neueste Soul-Musik war, und das weit über die Grenzen der Seestadt hinaus. Chico´s Place, benannt nach seinem Eigentümer Chico (Asuquo) Eyo, der 1924 in Calabar (Nigeria) zur Welt kam, wurde schon wenige Jahre nach der Eröffnung zu einer Instanz und zu einer nationalen wie auch internationalen Legende.


Bremerhaven, Rickmersstraße 51

ehemaliges Chico's Place in Bremerhaven
Chico’s Place (jetzt wohl eine russische Disco namens „Euro Beat Club“)

Seit Anfang 1972 machte ich mit meinem Bruder und anderen Anverwandten in einer Band selbst Musik. Wir übten meist am Wochenende gemeinsam unter dem Dachboden eines Hauses in Bremen-Oberneuland (später wechselten wir in den Kellerraum eines Hauses in Oyten in der Nähe von Bremen). Da wir meist am Nachmittag mit unseren Proben begannen, machten wir anschließend oft am Abend bis in die Nacht hinein das Steintor-Ostertorviertel von Bremen unsicher (dort wo u.a. auch Herr Lehmann seinen Giros Pita zu sich nahm). An manchen Abenden machten wir dann aber auch einen Abstecher nach Bremerhaven und besuchten dort, man muss nicht raten, das „Chico’s Place“.

So lernte ich die damals aktuellste schwarze Musik aus den Staaten kennen. Meist spielte keine Band bei unseren Besuchen, sondern es wurden Scheiben aufgelegt. Diese aber immer frisch importiert aus den USA. Das erste Mal hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Die wenigen Weißen konnte man an einer Hand abzählen, sonst war das Lokal übervoll mit Schwarzen. Wir wurden aber freundlich aufgenommen und kamen auch mit dem einen oder anderen Farbigen ins Gespräch. Hauptthema natürlich Musik.

Wie bereits angesprochen, erlebten die Afroamerikaner in diesen Jahren ein neues Selbstbewusstsein, was sich besonders in der Soul-Musik ausdrückte. Und so hörte ich hier im „Chico’s Place“ zum ersten Mal auch Curtis Mayfield, der in den USA gerade groß herausgekommen war.

Und über diesen Curtis Mayfield bin ich in diesen Tagen gestolpert, als ich meine alte Sammlung an Musikkassetten durchstöbert habe. Es ist das Album „Roots”, das 1971 erschienen ist. Ich habe mir einige Stücke erneut angehört. Drei dieser Lieder habe ich auch bei youtube als Video gefunden. Damit man sich ein Bild machen kann, wie es in etwa früher am Anfang der 70-er Jahre in einem kleinen Club wie dem „Chico’s Place“ zuging, hier diese Videos:


Curtis Mayfield – We Got To Have Peace


Curtis Mayfield – Keep On Keeping On


Curtis Mayfield – Get Down

Udo Lindenberg trommelt …

Udo Lindenberg und Hamburg – das ist so ein Thema. Und seine Musik: na ja. Ein allzu großer Fan bin ich nicht von Lindenberg, obwohl ich seine koddrig-frechen Texte ganz witzig finde. Bevor Udo Lindenberg von Rudi Ratlos oder Bodo Ballermann sang, betätigte es sich zwar auch schon gesanglich, nur mit englischen Texten – und er saß in den Jahren 1970/71 an der Schießbude bei keinem Geringeren als Klaus Doldinger, dem Jazz-Saxophonisten, der neben Volker Kriegel und Wolfgang Dauner zu einem der wichtigsten Vertreter der Verbindung zwischen Jazz- und Rockmusik wurde.

1970 war es die Scheibe „Doldinger’s Motherhood“, auf der Lindenberg neben Schlagzeugkünsten seinen damals wie heute unverwechselbaren nasalen Gesang vorstellte. Ich habe in meiner Musikkassettensammlung gekramt und tatsächlich die Aufnahmen des Albums gefunden. Hier eines der Lieder der Zusammenarbeit Doldinger/Lindenberg:


Doldinger’s Motherhood: Song of Dying (1970)

Und bei youtube gibt es auch eine Aufnahme von Doldinger’s Passport aus dem Jahre 1971, die „Uns Udo“ tatsächlich auch am Schlagzeug zeigt:


Klaus Doldinger & Passport – Uranus 1971

Mein Lieblingsplatz: Am Meer

Es sind nicht nur die Berge, die ich liebe. Als Norddeutscher fühle ich mich durchaus dem Meer verbunden. So ist neben dem „ewigen Eis“ Islands und der Bergwelt der Alpen (z.B. die Zugspitze bei Grainau) auch das Meer mit Strand und Wellen ein liebgewordener Platz, um mich von Alltagsnöten zu erholen.

Neben Reisen nach Spanien und Italien (z.B. Sizilien, Kalabrien mit Äolischen Inseln), die mich mit meinen Lieben auch immer ans Meer brachten, sind es besonders zwei Reisen, die ich mit der rauen See verbinde.

Im Jahr 2004 hatten wir keinen großen Urlaub geplant und sind dann mitten in den Ferien und meinem Urlaub spontan für vier Tage zur einzigsten deutschen Hochseeinsel Helgoland gefahren. Wir hatten wundervolles Sommerwetter erwischt, sodass der Aufenthalt dort, trotz der Beengtheit der Insel, zu einem besonderem Erlebnis wurde.

2005 wurde es dann ein größerer Urlaub von knapp vier Wochen in Schottland. Dieses Land besticht durch seine Bens und Lochs, seine Berge und Seen bzw. Fjorde. Die letzten acht Tage verbrachten wir auf der Isle of Skye, also unmittelbar am Meer. Aber schon zuvor waren wir mehrere Tage an der Nordsee im kleinen Ort Stonehaven.

Helgoland 2004

Helgoland 2004

Helgoland 2004

Schottland (Stonehaven) 2005

Schottland (Stonehaven) 2005

Schottland (Stonehaven) 2005

Schottland hat mich immer wieder angezogen. Und die Reise 2005 dürfte nicht unbedingt die letzte gewesen sein. Helgoland habe ich auf ganz spezielle Weise lieben gelernt. Und so können meine Frau und ich uns vorstellen, vielleicht dort eines Tages unseren Altersruhesitz zu wählen.

Jethro Tull live in Baden-Baden 1999

Im Rahmen der Sendereihe „Ohne Filter Extra“ nahm der Südwestrundfunk SWR in Baden-Baden im TV Studio 5 am 15. Juni 1999 ein einstündiges Konzert der Gruppe Jethro Tull auf. Das Konzert wurde später auch über den TV-Sender EinsFestival, einem Digital-Sender der ARD, ausgestrahlt.

Trotz Kabelfernsehen empfangen wir hier im Norden den Sender SWR leider nicht. Und zu digitalem TV hat es bei mir zu Hause bisher nicht gereicht (vieles nehme ich ansonsten über TV-Karte direkt über meinen PC auf). Aber man hat ja so seine Quellen (Tauschquellen), über deren eine ich zu dem in bester digitaler Qualität aufgenommenen Mitschnitt gekommen bin. Mithin habe ich mir jetzt auch mit diesem Konzert von Jethro Tull die Mühe gemacht, das Video in seine Bestandteile (d.h. einzelnen Lieder) zu zerlegen und bei youtube (wo eigentlich sonst) dem werten Publikum zur Verfügung zu stellen.

Setlist des Konzertes:

01 Steel Monkey
02 Spiral
03 A New Day Yesterday (w. flute solo, incl. Kelpie)
04 Fat Man
05 Bourée
06 Flying Dutchman (intro)/My God
07 Passion Jig
08 Budapest
09 Locomotive Breath
10 Living in the Past with Balloons

Damit versiegen aber auch so langsam meine Ressourcen an alten und neueren visuellen Tull-Aufnahmen. Hier also das Konzert in einer Playlist von 10 Liedern:


Jethro Tull live in Baden-Baden 1999

Leben zwischen Liebe und Tod

Am Mittwoch, den 1. Oktober, feierte ich mit meiner Frau ein ganz besonderes Jubiläum: Seit genau 25 Jahren leben wir zusammen und teilen Glück und Leid. Wir kennen uns eigentlich schon seit unserer Kindheit – es ist gewissermaßen eine Sandkastenliebe. Dann verloren wir uns aus den Augen. Als meine Eltern Wochen zuvor die Eltern meiner jetzigen Frau besuchten, war ich mitgefahren, da ich Semesterferien und „nicht Besseres“ zu tun hatte. „Sie“ war an diesem Tag ebenfalls bei ihren Eltern zu Besuch. Wir stellten fest, dass wir beide in Hamburg wohnten und vereinbarten ein Treffen. Nach einem mehrwöchigen Praktikum in Bremen lud ich sie dann mit weiteren Freunden und Bekannten zu einem indischen Essen nach Bremen ein, das ich in der Wohnung meiner Eltern zubereitet hatte – das war der Beginn unserer Liebe.

Mitte dieses Jahres gründete mein Sohn Jan neben seiner Band „1/2 so wild“ mit Schulfreunden eine Irish Folkband. Mit dabei Martin an Flöte und Tin Whistle. Gestern nun, am Donnerstag, blödelte mein Sohn in der großen Schulpause noch mit ihm. Eine Stunde später verstarb Martin während des Sportunterrichts.

Entgegen der Pressemitteilung der Polizei litt Martin an Asthma. Wie es zu diesem tragischen Tod kommen konnte (Martin brach während des Aufwärmtrainings unverhofft zusammen), ist bisher nicht bekannt. Alle Versuche, ihn wiederzubeleben, blieben erfolglos.

Die Schulklasse und all seine Freunde und Bekannte stehen unter Schock. Gestern trafen sich viele im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Tostedt, um sich gegenseitig zu trösten und Mut zuzusprechen.

Auch der Bandabend 2008 am 7. November in Tostedt wird betroffen sein, da die Gruppe Panderra, in der Martin mitspielte, ihren Auftritt abgesagt hat.

So treffen im Leben manchmal innerhalb kurzer Zeit Glück und Leid, Liebe und Tod zusammen.

Nachtrag: In der Harburger Anzeigen und Nachrichten von heute, Dienstag, den 07.10.2008, steht geschrieben:

Schock: Schüler stirbt im Sportunterricht
18-Jähriger bricht bei Aufwärmrunde in Tostedt zusammen – von Claudius Ossig

Tostedt. Ein tragisches Unglück hat am Donnerstag die Schüler und Lehrer am Gymnasium Tostedt erschüttert. Während des Aufwärmtrainings im Sportunterricht ist der 18-jährige Schüler Martin N. zusammengebrochen und gestorben.

„Der Jugendliche blieb reglos am Boden liegen. Durch Lehrkräfte und Schüler wurden sofort Reanimationsmaßnahmen durchgeführt und der Notarzt verständigt“, teilte ein Sprecher der Polizeidirektion Harburg mit. Der Notarzt sei auch wenige Minuten später auf dem Schulgelände eingetroffen. Doch alle Versuche, den 18-Jährigen wiederzubeleben, seien erfolglos geblieben.

Die Polizei Tostedt hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Todesursache war bis gestern unklar. Der Polizei zufolge hatte N. keine Vorerkrankungen. „Erkenntnisse zu Drogen oder Medikamenten als möglichen Auslöser für den Tod lagen den Ermittlern zunächst nicht vor“, hieß es.

Martin N. war seit 2007 im Internetforum „schülervz“ vertreten. Erst am 20. September hatte er seine Angaben aktualisiert. Als Lieblingsfach gab er dort Philosophie an. Unter Punkt „Was ich mag“ schrieb der gläubige Christ: „Musik und gute Bücher beziehungsweise Filme, Tee, die Geschichte (besonders des Mittelalters), Theologie, Lyrik, Frieden, Bäume, schlafen, mein Sonntags-Notizbuch, Gottesdienste, freundliche Menschen, beten, Versöhnung, Jesus . . . und ganz wichtig: Stille.“

Vielfach herrscht Trauer in Tostedt. Nach dem schrecklichen Vorfall gab es viele Einträge auf der „schülervz“-Seite von Martin N., der selbst Querflöte spielte, „Jethro Tull“ und „Genesis“ als seine Lieblingsbands nannte. Unter anderem heißt es dort: „Ich hoffe, es geht Dir gut in Gottes Reich. Es ist schwer zu verstehen, dass Du nicht mehr unter uns bist. Ich wünsche Dir viel Glück, da, wo Du jetzt bist.“ Einer der „Lieblingssprüche“ von Martin N.: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.“ Das wird jetzt auch bei der Obduktion geschehen.

Nach letzten Informationen soll Martin an einem Herzinfakt gestorben sein.

Als sich Martins Freunde und Bekannte an seinem Todestag in der Kirchengemeinde trafen, gingen sie auch für mehrere Augenblicke in die Kirche, um sich innerlich zu fassen. Spontan setzte sich Philip Johann (wie kennen ihn noch von dem Schulprojekt „Beatless“ her) an die Kirchenorgel und spielte Bourree (5. Satz aus der Suite Nº1 in E-Moll für Laute (BWV 996)) von Johann Sebastian Bach. Als Jethro Tull-Fan hätte Martin gewusst, warum …

Mein Lieblingsplatz: Zugspitze

Ein Lieblingsplatz zeichnet sich dadurch aus, dass man den Wunsch hegt, diesen wiederholt aufsuchen zu wollen. Neben dem Blick über das „ewige Eis“ 1990 auf Island gilt mir der Blick auf Deutschlands größten Berg, die Zugspitze, als besonders faszinierend. Nicht umsonst bin ich mit meinen Lieben nach 2002 ein weiteres Mal im letzten Jahr in den kleinen malerischen Ort Grainau in Urlaub gefahren, um den Blick auf diesen Berg zu genießen. Natürlich ist es nicht allein dieser Berg, der eine Reise in die Alpen lohnenswert macht. Es ist diese Komposition aus Bergwelt, Seenlandschaft und sattem Grün der Weiden und Wälder, die nicht nur mich anzieht.

'Alpenglühen' - Waxensteine und Zugspitze

‚Alpenglühen‘ – Waxensteine und Zugspitze (2002)

Zugspitze 2007

Zugspitze 2007

Und ich bin gespannt, wie sich diese Landschaft im Winter zeigt. Bei unseren bescheidenen Winterzeiten in Norddeutschland, mehr mit Matsch als mit Schnee, muss es eine Wohltat für die Sinne sein, eine nahezu unberührte Schneelandschaft zu schauen. Wenn es vielleicht in diesem Jahr noch nichts wird, so werden wir in einem der nächsten Winter den Weg nach Grainau und damit zur Zugspitze finden. Ich freue mich schon darauf!

Wo bleibt die Kohle …?

Droht nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und damit des Sozialismus jetzt auch der Kollaps des kapitalistischen Systems?

Die Bankenkrise hat solche Dimensionen angenommen, dass es nicht verwunderlich ist, dass nach und nach andere Wirtschaftszweige von diesem Debakel betroffen werden. Es brennt an allen Ecken! Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht!

Täglich „verschwinden“ mehrere Milliarden Dollar, Euro, was auch immer aus dem Wirtschaftskreislauf – wohin, das wissen selbst die Experten nicht. Sicher sein darf man, dass eine Menge Spekulanten den Markt „abschöpfen“. Gerade das extreme Auf und Ab der Aktienkurse in diesen Tagen begünstigt Spekulationen in gigantischen Größenordnungen. Jede neue Horrornachricht lässt Aasgeier und Heuschrecken frohlocken, lässt eine solche die Kurse kräftig fallen. Und wenn sich die Kurse wieder fangen, dann wird der Rahm abgeschöpft. Hier ist zu fragen, ob es nicht Sinn macht, den Börsenhandel zeitweise auszusetzen.

Wo bleibt die Kohle ...?

Das Börsengeschäft entwickelt sich zunehmend irrational und wird in diesen Tagen durch Hysterie und Panik bestimmt. Kaum nachzuvollziehen ist, wenn Kurse von Firmen einbrechen, die eigentlich wirtschaftlich gesund sind. Und selbst bei angeschlagenen Wirtschaftsunternehmen ist ein Kursverfall von mehr als ein Drittel kaum erklärbar – von heute auf morgen kann ein solches Unternehmen mit seinem Geschäft doch kaum um solche Größen einbrechen.

Ein wichtiger Punkt ist der Handel mit Optionen bzw. Derivate. Ein normales Handelsgeschäft bewegt sich um einen Gegenstand oder eine Leistung, die einem bestimmten Wert darstellen. Allein die Tatsache, dass dieser Wert durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, hat schon etwas Unmoralisches an sich. Ein Apfel bleibt ein Apfel und wird nicht nahrhafter dadurch, weil sein Preis steigt. Völlig abwegig ist dagegen in meinen Augen der Handel mit „Wert“-Papieren, die im Grunde nur einen fiktiven Wert darstellen. Ohne selbst mit Äpfeln zu handeln, nehme ich die Preisentwicklung für Äpfel zum Ausgangspunkt für solche stark risikobehafteten Finanzgeschäfte. Hier gibt es in der Regel nur Gewinner und Verlierer, nicht wie beim normalen Handel, bei dem der Käufer immerhin einen Gegenwert in Ware oder Leistung erhält.

Wenn sich ein Wirtschaftssystem wie das unsere überwiegend auf Irrationalität und Handel ohne echte Werte stützt, dann darf man sich nicht wundern, wenn dieses eines Tages kollabiert. Die jetzige Krise hat inzwischen „Lawinencharakter angenommen, die ersten Ausläufer sind da, aber noch nicht die Wucht des Zentrums. Allein die Nachwehen darf man sich jetzt schon ausmalen: Rückgang der Investitionen, des Konsums, der Gründertätigkeit. Wie scharf diese Einschnitte eines Tages werden, weiß man aber wohl erst, wenn erkennbar alle Risiken verarbeitet und alle denkbaren Pleiten passiert sind. Im Moment ist guter Rat ebenso teuer wie die Rettung ganzer Banken“ (Reinhard Schlieker, ZDF).

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 10

Vor dem Rücktritt kommt der Sonderparteitag

Das es eine Klatsche für die CSU bei den Landtagswahlen in Bayern werden könnte, damit hatten die meisten gerechnet. Aber mit gerade einmal 43,4 % der Wählerstimmen, wohl bemerkt der abgegebenen Wählerstimmen, sind Huber und Beckstein meilenweit vom Ziel 50 plus entfernt. Da hilft nichts, eine Koalition muss her. So will die CSU-Spitze zügig Sondierungsgespräche mit der FDP und den Freien Wählern führen.

Und Parteichef Erwin Huber bleibt im Amt – erst mal. Aber der stellvertretende CSU-Chef und Bundesverbraucherminister Horst Seehofer steht schon in den Startlöchern. Er hat ja auch lange genug auf den Startschuss gewartet. Ein Sonderparteitag soll alles regeln.

Nachschlag: Nun geht es doch schneller als erwartet: Erwin Huber tritt heute als CSU-Parteichef zurück und macht damit Platz für Horst Seehofer. Günther Beckstein soll dagegen in Amt und Würden bleiben. Wie lange noch …

McCain als Rudi Ratlos

Nun hat man sich zwischen US-Kongress und Regierung in Sachen Rettungsplan für die US-Banken offenbar geeinigt. Aber im Vorfeld machte Präsidentenaspirant John McCain nach Meinung vieler Beobachter keine gute Figur. McCain hüllte sich in Schweigen und wusste schlicht und ergreifend nicht, was er tun solle. War das vielleicht schon ein erster altersbedingter Schwächeanfall?

Nachschlag: Das Repräsentantenhaus stimmt gegen das 700 Milliarden-Dollar-Paket der Regierung. Und schon stürzt der Aktienindex ins Bodenlose. Es sind vorallem Vertreter der Republikaner, die gegen das Hilfspaket stimmten. Bush in Not. Und für McCain auch kein glücklicher Tag.

Armer Klinsmann

„Es war eine sehr unnötige und sehr ärgerliche Niederlage. Um das Spiel umzudrehen, hat uns vieles gefehlt: Kreativität, Spielwitz und das Spiel ohne Ball“, ärgerte sich Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann nach der zweiten Niederlage in Folge, jetzt bei Hannover 96.

Und liest man in den einschlägigen Fußball-Foren die Fan-Kommentare, dann hat man den Buhmann für dieses desolate Bayernspiel längst ausgemacht: Den esoterisch-schwäbischen Trainerpraktikanten aus Kalifornien, Jürgen Klinsmann.

Wenn Bayern mehr hassen als Preußen, dann wohl Schwaben, oder?

Nachschlag: Nein, Klinsmann ist weiterhin Trainer der Bayern. Aber sollte es heute Abend im Champions League-Spiel gegen Olympique Lyon nichts werden, dann wird es eng für unserer Ex-Bundestrainer.

Jethro Tull in Milton Keynes 1986

Im Jahr 1987 stellte die Firma Tyne Tees TV für den britischen Sender Channel 4 eine Dokumentation unter dem Titel „Fish ’n’ Sheep & Rock ’n’ Roll“ zusammen, die das Leben von Ian Anderson von der Rockgruppe Jethro Tull ausleuchtete. Im Mittelpunkt stand u.a. die Lachszucht, die er damals auf der Isle of Skye (und dort auf der Halbinsel Strathaird) betrieb. Neben Ian Anderson kam auch seine Frau Shona ins Bild. Die Sendung wurde im September 1987 in Großbritannien ausgestrahlt.

Halbinsel Strathaird auf der Isle of Syke

Es gibt immer Findige, die eine solche Sendung per Videorekorder aufzeichnen und so über die Jahre retten (eine Kopie sollte auch beim Sender selbst vorhanden sein). Wenn diese Findigen weitere ihrer Art ausmachen, die im Stande sind, das damals analog aufgezeichnete Material zu digitalisieren, dann wird sich diese digitale Überspielung sehr bald und schnell verbreiten – z.B. dank DVD als Datenträger. Und so bin auch ich eines Tages in den Besitz (juristisch ist die Bezeichnung Eigentum wohl richtig) einer solchen Kopie gekommen (unter Tull-Freunden herrscht ein mehr oder weniger reger Tauschhandel).

Neben den genannten Aufnahmen von Ian Anderson als Geschäftsmann, aber auch als Privatperson mit seiner Frau, enthält die genannte Sendung Ausschnitte eines Konzertes der Gruppe Jethro Tull vom 28. Juli 1986 in dem Milton Keynes Bowl (Veranstaltungsort für Freiluftkonzerte) von Milton Keynes, UK. Jethro Tull trat da wohl als Gast für Marillion, dem headline act des Tages auf. Leider sind nur Ausschnitte zu sehen, u.a. von Hunting Girl, Unknown Dreams (einem Jazz-Rock-Instrumental), Locomotive Breath und Aqualung. Die gesamte Setlist:

Locomotive Breath (intro), Hunting Girl, Living In The Past, Serenade To A Cuckoo, Fly By Night, Pussy Willow, Fat Man, Thick As A Brick, Jazz-rock Instrumental, Aqualung, Locomotive Breath, Thick As A Brick (reprise)

Die einzelnen Videoschnipsel habe ich zusammengefügt und jetzt bei youtube ins Netz gestellt. Ich denke, für einen Tull-Fan sind diese Aufnahmen ein weiterer Leckerbissen (gelt, liebe Kretakatze?):


Jethro Tull in Milton Keynes (28.07.1986)

Jethro Tull: Palazza de Santa Croce in Florenz 04.07.1988

1988 war für Jethro Tull ein erfolgreiches Jahr. Für „Crest Of A Knave” gewann die Band den Grammy in der Kategorie „Best Hard Rock/Metal Performance“. Allerdings gab es Vakanz an Keyboards und Schlagzeug. Zu den Aufnahmen zu „Crest of a Knave” hatte Ian Anderson höchst persönlich die Tasteninstrumente eingespielt. Und neben ihm und Gerry Conway war es Doane Perry, der die Drums bearbeitetet. Mit diesen Aufnahmen debütierte Doane Perry übrigens bei Tull. Er war es dann auch, der mit Jethro Tull 1988 auf Tournee ging. Die Keyboards auf Tour übernahm Maartin Allcock, der ein Jahr später bei den Aufnahmen zu „Rock Island“ mitwirkte. Soviel zu den Personalien.

Eben aus jenem Jahr 1988 gab es am 4. Juli ein Konzert am Palazza de Santa Croce in Florenz, das von dem Musiksender Videomusic TV, dem Vorgänger der italienischen Variante von MTV, aufgezeichnet und gesendet wurde. Zwei Tage zuvor war Ian Anderson mit seinen Mannen beim italienischen Staatsfernsehen RAI in Rom zu der Sendung „Buona Fortuna“ eingeladen. Dort traten sie zu dem Playback von Locomotive Breath und Steelmonkey auf. Zwischen beiden Stücken wurde der Gruppe auch noch ein Preis überreicht (welcher auch immer).

Ian Andersons Stimme war nicht in der besten Verfassung, wie beim Live-Mitschnitt kaum zu überhören ist. In tiefer Stimmlage ist es noch ganz okay, wenn die Stimme auch ziemlich kratzig klingt. Bei hohen Tönen musste der Meister schon ziemlich kämpfen. Aber immer noch besser als das, was Ian Anderson in diesem Jahr von sich hören lässt. Das ist natürlich schade. Instrumental sind die Aufnahmen dafür durchaus bemerkenswert: Jethro Tull ist sichtlich bemüht, dem Grammy für die beste Hard Rock und Metal Darbietung gerecht zu werden. Bei einigen Stücken spielen die Jungs wesentlich härter als sonst von ihnen gewohnt.

Ebenso bemerkenswert finde ich das Outfit – besonders von Ian Anderson. Beim Live-Auftritt wirkt Anderson in Hemd (verwaschene Seide?), Weste (Anderson-Tartan), Halstuch und Stiefeln eher rustikal. Beim TV-Auftritt besticht Ian Anderson zusätzlich durch einen lederbebesetzten Mantel und einer Melone auf dem Kopf (okay, eine Melone, wenn auch in rot, trug er bereits 1977 beim Golders Green Hippodrome-Auftritt).

Hier in einer Playlist die Aufnahmen sowohl von dem Live-Auftritt in Florenz, als auch vom TV-Auftritt zwei Tage zuvor:


Jethro Tull 1988 live in Florenz (zusätzlich 2 Videos TV-Auftritt)