Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 11

Löw schasst Kuranyi

Da der nicht nominierte Kuranyi während des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Russland das Stadion verlassen hatte, wirft ihn nun der Bundestrainer Joachim Löw aus der Mannschaft.

Ich bin kein Fan von Kevin Kuranyi, aber so ganz verstehe ich das nicht: Wenn er nicht nominiert war, also nicht direkt zur Mannschaft gehörte, dann kann er doch machen was er will, oder? Also auch das Stadion verlassen, wann er es will.

Entpuppt sich der so freundliche Löw nun als kleiner Tyrann? Auch der Bremer Torsten Frings wurde von Löw gebeutelt. Okay, es gibt für keinen der Spieler eine Stammplatzgarantie. Im Fall des Bremers verhielt es sich aber ganz besonders: Etwas zu schroff hatte dieser sich wohl zuletzt zu Mitspielern geäußert, die ihre Führungsansprüche im Mittelfeld angemeldet hatten: „Nicht nur reden, da muss auch mal was kommen.“ Das dürfte Löw, der keine öffentliche Kritik zwischen Spielern mag, sehr missfallen haben. Hinzu kommt, dass sich zuletzt Kapitän Michael Ballack für seinen alten Mitstreiter Frings stark gemacht hatte und damit an der Entscheidungskompetenz seines Vorgesetzten zumindest gerüttelt hatte.

Reich-Ranicki und das Fernsehen

Dass er ein rechter Bücherwurm ist, wissen wir alle. Und wenn er schon einmal Fernsehen guckt, dann natürlich Arte. Jetzt sollte er einen Ehrenpreis bei der deutschen Fernsehpreisverleihung bekommen. Nach drei Stunden Wartezeit kam er endlich dran. Und da hatte er genug von dem ganzen Zirkus. Er nahm den Preis nicht an. Ein Skandal? Mitnichten!

Ich bin auch kein großer Freund von Marcel Reich-Ranicki. Was er sich in seinen Literaturkritiken manchmal herausnimmt, ist eine Frechheit. Martin Walsers rechnet in seinem Roman „Tod einer Kritikers“ entsprechend mit seinem langjährigen Kritiker Marcel Reich-Ranicki ab.

Was aber dies Sich-selbst-Feiern der TV-Sender betrifft, da kann ich Herrn Reich-Ranicki nur zustimmen: „Blödsinn“ und „überflüssig“.

Haider mit 142 km/h in den Tod

Mit 142 km/h rast der 58-jährige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in den Tod – dort wo nur 70 km/h erlaubt sind. Der Rechtspopulist hätte sich nicht zu sehr auf seinen Nazigator verlassen sollen, der immer wieder nur nach rrrrrechts und das möglichst sssssschnell will.

Jean-Marie Gustave Le Clézio – Literaturnobelpreis 2008

Anfang des Jahres 2000 hatte ich mich bei 2001 wieder einmal mit preiswerten Büchern eingedeckt, alles Mängelexemplare, die den einzigsten Mangel aufwiesen, den Stempel „Mängelexemplar“ zu tragen, meist Restexemplare, die keinen Käufer gefunden hatten. Darunter auch zwei Werke eines J.M.G. Le Clézio, eines Franzosen. Bisher hatte ich von dem noch nichts gehört, aber der Klappentext verhieß spannende Lektüre. So las ich beide Bücher noch im Februar 2000.

Nun über acht Jahre später geht der Nobelpreis für Literatur 2008 an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio, eben jenem Autoren, dessen Bücher damals bei 2001 verramscht wurden. Der Preis wurde dem 68 Jahre alten Autor zuerkannt, „dem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase“ (siehe hierzu auch ein kurzes Video bei zdf.de).

Jean-Marie Gustave Le Clézio

Le Clézio ist auch heute noch bei uns in Deutschland ein weitgehend Unbekannter, dafür aber in seiner Heimat Frankreich ein ganz Großer. So gilt es, ihn erst einmal zu entdecken. Ich muss gestehen, dass nicht viel von dem in meinem Gedächtnis hängen geblieben ist, was ich damals vor acht Jahren las. Vielleicht hatte ich damals zu viel gelesen. Wie auch immer – ich habe mir vorgenommen, die zwei Bücher ‚neu’ zu entdecken. Hier u.a. die Informationen in den Klappentexten der beiden Bücher:

J.M.G. Le Clézio : Onitsha (1991 – dt. Ausgabe 1993 bei Kiepenhauer & Witsch, Köln)

Seine Kindheit in Afrika, die kleine Stadt Onitsha am Niger, das Tamtam der Trommeln in der Nacht, wilde tropische Gewitter, riesige Termitenhügel in der Savanne, Fahrten mit der Piroge auf dem gewaltigen Strom – Fintan Allen wird das alles nie vergessen. Mit 12 Jahren ist er im Frühjahr 1948 an Bord der „Surabaya“ mit seiner Mutter Maou von Frankreich nach Onitsha in Nigeria gekommen. Maou trifft dort ihren Mann Geoffroy wieder, von dem sie durch die Wirren des Krieges getrennt war und dem sie sich bald entfremdet fühlt. Sie, die von einer afrikanischen Idylle geträumt hatte, erfährt nun die Feindseligkeiten der engstirnigen Kolonialgesellschaft und die vielfältige Brutalität dieses Landes. Geoffroy hat sich neben seiner Arbeit bei einer britischen Handelsfirma in eine Traumwelt geflüchtet. Um ihn herum zerfällt die koloniale Welt, er aber sucht wie besessen nach den Spuren der mythischen Stadt Meröe, die nach der Legende von einer schwarzen ägyptischen Königin auf einer Insel im Niger gegründet worden sein soll. Während seine Eltern ihren vergeblichen Träumen nachhängen, erlebt Fintan mit seinem schwarzen Freund wilde Abenteuer und taucht immer tiefer in das afrikanische Leben ein. Als eine schwere Malariaerkrankung Geoffroys die Familie zwingt, Afrika zu verlassen, nimmt Fintan ein Stück von Afrika für immer mit sich nach Europa.

Wie sein Held Fintan hat Le Clézio seine Kindheit in Afrika verbracht. Er hat mit diesem Buch den Roman einer nie vergessenen Initiation geschrieben. Die kunstvolle Verknüpfung von persönlichen Schicksalen mit den uralten Mythen des schwarzen Kontinents und den Bildern einer geheimnisvollen, archaischen Welt, die im Biafrakrieg für immer untergegangen ist, machen dieses Buch zu einer unvergesslichen, faszinierenden Lektüre.

Le Clézio 1940 in Nizza geboren, stammt aus einer Familie, die seit 200 Jahren auf Mauritius lebt. Studium der Literatur in Frankreich und England.

J.M.G. Le Clézio : Fliehender Stern (1992 – dt. Ausgabe 1996 bei Kiepenhauer & Witsch, Köln)

J.M.G. Le Clézio, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Frankreichs, erzählt in seinem bewegenden Roman von der jungen Jüdin Esther, die im Sommer 1943 mit ihren Eltern und anderen Juden im Hinterland von Nizza interniert ist. Wie alle Jugendlichen lebt Esther in einer Welt der Spiele und Träume, der ersten Liebeleien. Sie freut sich an der Schönheit der Landschaft, erfährt aber auch Angst und Bedrohung, und sie verliert den Vater, der im Widerstand war. Nach Ende des Krieges wandern Esther und ihre Mutter nach Palästina aus, finden dort jedoch nicht den ersehnten Frieden. Auf dem Weg nach Jerusalem begegnet Esther Nejma, die mit einem Treck von Palästinensern in ein Lager flüchtet. Nur einmal sehen sie sich, die Jüdin und die Palästinenserin, und können sich nur ihre Namen nennen – Esther und Nejma. Aber sie erkennen sich, zwei Schwestern, die immer aneinander denken werden, absurderweise durch Kriege getrennt, gegen die sie beide aufbegehren.

In Le Clézios unverwechselbarem Stil und poetischer Sprache geschrieben, fasziniert dieser Roman durch die Schicksale der Menschen, ihre Suche nach Identität, ihre Tapferkeit und ihre Hoffnung.

„Le Clézio sucht die Zeichen des Friedens und des Unglücks im Herzen, im Innersten des Lebens, in der Begegnung mit der Zeit und den Elementen, den Rätseln des Anfangs und der Zukunft.“ Le Monde

Der Anfang vom Ende

Zunächst zu meiner Person: Ich habe kein Betriebs- oder Volkswirtschaftsstudium, habe lediglich die Fachoberschule für Wirtschaft absolviert sowie eine Ausbildung in der Finanzverwaltung. Ich bin also durchaus mit wirtschaftlichen Abläufen vertraut, wenn ich auch längst nicht alle Details kenne. Dazu bin ich das, was man vielleicht einen Zweckpessimisten nennt. Ich sehe vieles schwarz, freue mich aber um so mehr, wenn es dann doch nicht so schlimm kommt, wie ich es zuvor befürchtet habe. Außerdem halte ich mir zugute, über einen halbwegs gesunden Menschenverstand zu verfügen.

Und für diesen gesunden Menschenverstand ist es der reinste Horror mitzuerleben, was uns täglich, wenn auch nur in kleinen Happen, in Sachen Finanzkrise serviert wird.

Zuerst zu meinem betriebs- wie volkswirtschaftlichen Verständnis: Unsere Wirtschaft ist eine Geldwirtschaft, die vor langer Zeit den Tauschhandel abgelöst hat – aus verständlichen Gründen, denn Tauschhandel ist einfach unpraktisch. Für meine Ware oder Arbeitsleistung bekomme ich Geld, mit dem ich wiederum Ware oder Dienstleistungen kaufen kann. Eigentlich ein genialer Gedanke, das mit dem Geld. Das Verhängnis begann dann aber, als das Geld selbst zum Handelsobjekt wurde und sich Banken gründeten. Auch das hatte noch viel Gutes: So kann ich mir ein Haus kaufen und leihe mir dafür Geld, das ich dann in Raten und mit Zinsen (für die Dienstleistung des Leihens) zurückzahle.

Auch der ganze Kram an Optionen, Derivaten und wie diese heute endlich ins Zwielicht der Öffentlichkeit geratenen Finanzgeschäfte heißen, hatte einmal sein mehr oder weniger Gutes: z.B. Futures. Diese entwickelten sich in der Landwirtschaft. Ursprünglich ging es dabei darum, eine festgelegte Menge einer bestimmten Ware in bestimmter Qualität zu einem festgesetzten Preis an einem vorher bestimmten Datum zu kaufen bzw. zu verkaufen. So konnte z.B. ein Bauer einem Mühlenunternehmen (Müller) bereits im Frühjahr eine bestimmte Menge Sommerweizen zu einem ebenso bestimmten Preis verkauft haben, wobei Liefer- und Zahlungstermin zu einem bestimmten Termin im Sommer (nach der Ernte) festgelegt wurden. Der Vorteil für den Bauer war die Sicherheit, bereits bei der Ernte einen sicheren Abnehmer zu einem festen Preis zu haben. Das Mühlenunternehmen sicherte sich dagegen mit dem Geschäft gegen steigende Preise ab, wie sie etwa durch Missernten oder Hagelschläge entstehen. Grundlage auch hier war wieder eine Ware oder Dienstleistung.

Überträgt man nun z.B. Futures auf das reine Finanzgeschäft, so ahnt selbst der Unkundige, dass hier etwas zu stinken beginnt. Es geht hier eigentlich dann nur noch um eine Art Wettgeschäft, ums Pokern mit großen Geldbeträgen. Und da das Pokern nicht reicht, erfindet man gleich einen neuen Job, den Finanzdesigner, der sich neue Spielarten als Finanzspekulationsgrundlage ausdenkt, damit es keinem Banker und Broker langweilig wird.

Finanzmarkt

Es war das Jahr 1995, da hatte es ein gewisser Nick Neeson mit diesen undurchsichtigen Finanzgeschäften geschafft, eine ganze Bank (Barnings Bank) in den Ruin zu treiben. Das hätte Warnung genug sein müssen. War es aber nicht.

Auf einmal sitzen viele Nick Neesons in den Banken, riechen den großen Gewinn – z.B. im US-Immobilienhandel. Doch statt des großen Reibachs plötzlich die Ernüchterung. Alle diese Finanzgeschäfte, welcher Art auch immer, sind nichts wert. Das Geld aus dem Fenster geworfen. Und so wie das ganze Kartenhaus zusammenbricht, wenn man die unterste Karte herauszieht, so bricht jetzt auch das ganze Gebilde an Finanzakrobatik zusammen.

Inzwischen beziffert man den Schaden weltweit auf über eine Billion Euro. Aber das ist nur des Eisbergs Spitze. Denn wenn Milliarden um Milliarden den Bach hinuntergeben, bleibt kein Geld, das z.B. verliehen werden kann. Und ohne Geld kein Konsum. Es ist eine Spirale, die sich nach unten auflöst. Am Ende ist das Nichts. Da helfen staatliche Hilfen kaum. Die müssen ja auch finanziert werden – und können das nur dadurch, indem man dem kleinen Steuerzahler das Geld aus der Tasche zieht, der damit weniger Geld für den Konsum hat usw. usf. Wie man es auch dreht, die Spirale dreht sich … nach unten.

Wie anfangs erwähnt, so bin ich kein studierter Wirtschaftsexperte. Und mir fällt auch nichts ein, wie man möglichst erfolgreich gegen dieses Wirtschaftsdesaster angehen kann (das Wort Finanzkrise ist geradezu ein Euphemismus, das der Sache nicht mehr gerecht wird). Es hat für mich keinen Sinn, wenn z.B. der Staat die Kontrolle, vielleicht sogar das Eigentum an den Banken übernimmt. Der deutsche Staat hat sich selbst durch gekonnte Misswirtschaft ausgezeichnet. So beträgt die Staatsverschuldung leise geschätzt ca. 1493 Mrd. Euro (März 2008).

Also was ist zu tun? Den Crash, den wir zz. erleben, stellt unser Wirtschaftssystem gänzlich in Frage. Es ist sicherlich nicht das Ende des Kapitalismus. Aber es muss ein rigoroses Umdenken stattfinden. Zunächst sollte damit begonnen werden, alle Lehrbücher der Betriebs- und Volkswirtschaft zu verbrennen – im übertragenen Sinne natürlich. Wir müssen nicht bei Null beginnen. Aber es darf nur das hinübergerettet werden, was auch für den gesunden Menschenverstand nachvollziehbar ist. Und dazu gehört, dass der Sumpf der Finanzwirtschaft trocken gelegt wird. Dazu gehört auch, dass eine funktionierende Selbstkontrolle der Banken und Börsen eingerichtet wird. Wie diese auszusehen hat, sollten Experten herausfinden.

Ein erster Schritt wäre, die Börsen auf bestimmte Zeit zu schließen, wie es z.B. Russland gemacht hat. Bestimmte „Wert“-Papiere sollte man (auch real) dem Feuer übergeben. Da wir in einer globalisierten Welt leben, können natürlich auch nur global abgestimmte Maßnahmen ziehen. Notfalls sind undurchsichtige Finanzmärkte (Stichwort Liechtenstein) auszugrenzen, wo und wie immer das möglich ist.

Wenn nichts wirklich Durchgreifendes geschieht (und die staatlichen Hilfen sind nichts), dann wird es allerdings dermaßen krachen, dass uns allen die Fetzen (Geldfetzen) um die Ohren fliegen.

Wer meint, ich male hier den Teufel an die Wand, dem versichere ich: Der Teufel hat längst das Zepter in der Hand, er regiert die Welt! Da muss ich nicht erst malen … Aber es ist ein Teufel, dem nicht mit Weihwasser beizukommen ist. Er ist dem inneren Schweinehund verwandt, dem geld- und machtgierigen Raffke in vielen von uns.

Wie anfangs geschrieben: Ich bin ein Zweckpessimist. Und das wohl auch deshalb, weil mir öfter die Phantasie durchgeht. Aber um das auszudenken, was da wirtschaftlich zz. abgeht, reicht auch meine Phantasie nicht aus. Hoffen wir alle nur, dass es genug ausreichend Phantasievolle in Wirtschaft und Politik gibt, die die Situation erkennen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, sonst Gnade uns Gott!

Wer öfter in dieses Blog hineinschaut, wird gemerkt haben, dass sich meine Kritik an den Praktiken der heutigen Finanzwirtschaft seit Anfang dieses Jahres wie ein roter Faden durch dieses zieht. Ich denke, dass ist keine Manie von mir. Es war schon immer die Sorge, dass es eines Tages zu einem großen Zusammenbruch des Finanzmarktes und damit unserer gesamten Wirtschaft kommen könnte. Jetzt stehen wir kurz davor.

Island, bald die Außenstelle Moskaus?

Island, der Inselstaat hatte die bisher besten Voraussetzungen für einen soliden Wohlstand. Billige Energie, hoher Bildungsstand, junge Einwohner, die bereit sind überdurchschnittlich viel zu arbeiten – die isländische Wirtschaft hatte und hat eigentlich noch, wovon viele andere europäische Länder nur träumen.

Island - Außenstelle Moskaus?

Jetzt droht dem Land der totale Bankrott, denn nach Jahren des Aufschwungs stehen die isländischen Banken – und mit ihnen ein ganzes Land – vor dem Kollaps. Die Banken haben sich im Ausland Geld geliehen und dieses auch wieder im Ausland investiert; in andere Banken, Kaufhäuser, Pharmaunternehmen, Fluggesellschaften. Als Zweifel an ihrer Zahlungsfähigkeit aufkam, bekamen die isländischen Banken ein Finanzierungsproblem.

Plötzlich sollten sie überdurchschnittlich hohe Zinsen zahlen. „Es besteht die Gefahr, dass unsere Volkswirtschaft dem Abwärtstrend der globalen Bankenkrise nicht entkommt und unsere Nation am Ende bankrott geht“, warnte Ministerpräsident Geir Haarde in einer dramatischen Fernsehansprache. Ein Staatsbankrott tritt ein, wenn ein Land Schulden oder Zinsen darauf nicht mehr bedienen kann, wie Argentinien im Jahr 2002.

Nicht nur der Staat, auch die Einwohner der Insel sind hoch verschuldet. Angesichts eines Wirtschaftsaufschwungs ohne gleichen in den vergangenen Jahren haben sich viele Wohnung, Auto und Fernseher per Kredit finanziert. Weil die Zinsen in Island hoch waren, liehen sich Konsumenten auch Geld in Fremdwährungen. In den letzten Monaten ist die isländische Krone aber drastisch gefallen. Zins und Tilgung in Auslandswährungen zu bedienen, ist deshalb für viele ein Problem geworden.

Island will einen Staatsbankrott durch Verstaatlichungen von Banken und russische Hilfen abwenden. Am Dienstag übernahm die Finanzaufsicht in einer Rettungsaktion die Kontrolle über die zweitgrößte Bank des Landes, Landesbanki. Tags zuvor hatte das Parlament der Regierung per Notgesetz erlaubt, Finanzinstitute zu übernehmen, zu fusionieren oder für bankrott zu erklären. Zudem bemüht sich Island um milliardenschwere Hilfen aus Russland.

Haarde erklärte, isländische Regierungsvertreter würden so bald wie möglich nach Russland reisen, um über das angeblich vier Milliarden Dollar schwere Darlehen zu verhandeln. Noch sei „nichts sicher“, sagte er. Der Kreml erklärte, die Anfrage „wohlwollend prüfen“ zu wollen. Nach Ansicht von Experten ist der 320 000 Einwohner zählende Staat auf das Geld dringend angewiesen.

(aus: Welt Online vom 08.10.2008)

Und um diesen Milliardenkredit gibt es viele Spekulationen. Erst einmal wird dementiert (zunächst aus Moskau), dann kommt als Gegenleistung für den Kredit eine Militärbasis für Russland ins Gespräch. Schon dementiert man in Reykjavik – ein Kuhhandel käme nicht in Frage. Im Zusammenhang mit der deutlichen Kritik des isländischen Ministerpräsidenten Geir Haarde an den westlichen Staaten, sie hätten Island im Regen stehen lassen, halte ich aber einen solchen oder ähnlichen Deal gar nicht für ausgeschlossen. Wenn Island erst einmal mit dem Rücken zur Wand steht …

Es ist kaum zu glauben, wie ein ganzes Land durch die weltweite Finanzkrise innerhalb kürzester Zeit dem Ruin zusteuert. Überhaupt kostete dieses durch die US-Immobilienkrise ausgelöste Desaster gemäß dem Internationalen Währungsfond (IWF) weltweit bisher 1,4 Billionen Dollar (rund eine Billion Euro, eine Eins mit 12 Nullen: 1.000.000.000.000 Euro). Und mit weiteren dramatischen Verlusten ist zu rechnen. Nicht nur auf Island.

Ein Land wie Island, das in der jüngeren Vergangenheit viel zu sehr auf ein expandierendes Finanzsystem gesetzt hat, wird wieder auf andere Dienstleistungen und das produzierende Gewerbe setzen müssen, um sich aus der Krise heraus zu arbeiten. Dank günstiger Energie, die zudem umweltfreundlich produziert werden konnte – Island hat viele heiße Quellen und Wasserfälle – gelang es dem Inselstaat im Nordatlantik in den vergangenen Jahrzehnten, eine umfassende Aluminiumindustrie anzusiedeln. Im ersten Halbjahr 2008 haben Aluminium und das ebenfalls sehr energieaufwendig zu produzierende Ferro-Silizium den Fisch als bisher wichtigstes Exportprodukt der Insel abgelöst.

Es wird also Zeit, sich wieder der Realwirtschaft zuzuwenden. Es sei denn, Island möchte bald zur Außenstelle Moskaus werden.

siehe hierzu auch:
Island geht nicht bankrott (auf Englisch: Iceland is not going bankrupt)

An dieser Stelle möchte ich noch auf einen sehr interessanten Artikel bei ard.de hinweisen. Dieser betrifft das Rückversicherungsgeschäft der Banken, so genannte credit default swaps, kurz cds, die bereits der amerikanische Großinvestor Warren Buffet nach deren Einführung als „Massenvernichtungswaffe der Finanzwelt“ bezeichnet hatte. Und der sollte es wissen, wird er allgemein als reichster Mann der Welt geführt. Auch hier geht es im Wesentlichen um einen Finanzpoker, der laut Schätzung einen Rahmen von bereits 60 Billionen Dollar sprengt. Dieser Wert ist weit mehr als das Bruttoweltprodukt, also mehr als der Gesamtwert aller auf unserem Planeten pro Jahr hergestellten und gehandelten Produkte und Dienstleistungen. Was wir zz. als Weltfinanzkrise erleben ist also nur die Spitze eines Eisbergs. Und was da an staatlichen Hilfen (700 Milliarden Dollar bei den Amerikanern und neuerdings 200 Milliarden Pfund bei den Briten) fließt, dürfte wie wenige Tropfen Wasser in der Wüste, der Finanzwüste, verdampfen, ohne nennenswerte Erfolge zu zeitigen. Erleben wir nach dem Ende des Kommunismus jetzt das Ende des Kapitalismus? Hier der erwähnte Artikel (um uns das Fürchten zu lehren): Die Kreditversicherungsfalle

Jethro Tull live 09.10.1978 im Madison Square Garden, New York

Heute vor genau 30 Jahren, am 9. Oktober 1978, trat die Gruppe Jethro Tull im Madison Square Garden von New York vor einem Publikum von etwa 20.000 Zuschauern auf. Das Besondere daran war, dass dieses Konzert von Jethro Tull als erster Rockband in einer simultanen Transatlantik-Schaltung aus den USA im britischen Fernsehen gezeigt wurde (hierzu: Melody Maker).

Hier die Setlist des etwa 45-minütigen Konzertes:

Thick as a Brick
No Lullaby
Ian’s Flute Solo
Songs from the Wood
Aqualung
Locomotive Breath and Good Bye

Ich habe hierzu eine Playlist erstellt und die noch fehlenden Stücke bei youtube ergänzt. Hier also das Konzert in voller Länge:


Jethro Tull live 09.10.1978 im Madison Square Garden, New York

Bodo Wartke: Reimkultur in Reinkultur

Der Tipp kam von meinem Großen: „Schau Dir doch mal bei youtube den Bodo Wartke an! Echt genial!“ Und wirklich … Neben all den Comedians, besonders die sich so ausdauernd proletenhaft geben, ist dieser Bodo Wartke ein Schatz. Es ist Klavierkabarett in Reimkultur, wie er es selbst nennt. Und das in Reinkultur. Wirklicher Wortwitz musikalisch begleitet mit kritischen Untertönen – das mag ich. Mein Sohn hat recht.

Und bei youtube ist er auch ein richtiger Renner. Ich habe die schönsten Stücke zu einer kleinen Playlist zusammengestellt; u.a. enthält diese: PCdenzfall – Reisetagebuch – Liebeslied – Die Amerikaner – Hunde.

Als Bahnfahrer (Pendler) finde ich „Reisetagebuch“ wirklich köstlich. Aber auch das Liebeslied, das Wartke inzwischen in über 60 Sprachen bzw. Mundarten vortragen kann, finde ich – wie sagte mein Sohn: genial! Weil er eben diese über 60 Sprachen/Mundarten nicht immer vollständig auf die Bühne bringen kann (wäre dann doch etwas langweilig mit der Zeit) gibt es auf Bodo Wartkes Website einen Liebesliedgenerator. Neben Hochdeutsch hat man hier die Auswahl zwischen deutschen Dialekten von Bairisch bis Kölsch und Platt, jede Menge schweizer Dialekte und bei den Sprachen von Altgriechisch über Polnisch und Hindi bis zu Suaheli; außerdem Esperanto und Elbisch.

Hier die Playlist:

Bodo Wartke: PCdenzfall – Reisetagebuch – Liebeslied – Die Amerikaner – Hunde

Und wem das nicht genug ist, der findet noch viele andere Lieder von Bodo Wartke bei youtube.

Soulmusik im Chico’s Place, Bremerhaven

Wie ich bereits einmal schrieb (Meine Lieblingslieder – Teil 1), so bin ich früh mit schwarzer Musik in Berührung gekommen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lebte ich Anfang der 70-er Jahre in Bremen. Und mit Bremerhaven war Bremen nach dem Krieg amerikanische Besatzungszone – wegen der Häfen. Im Norden von Bremerhaven waren viele GIs, also amerikanische Soldaten, stationiert, natürlich auch viele Schwarze. Die 70-er Jahre waren zudem eine Blütezeit der afroamerikanischen Unterhaltungskultur. Neben Soul war es der Film, der Afroamerikaner plötzlich in den Mittelpunkt stellte (ein auch uns bekanntes Beispiel ist der Film Shaft). „Black is beautiful“ – die Schwarzen gewannen ein neues Selbstbewusstsein. Zum anderen kam hinzu, dass in meinem weiteren Verwandtenkreis Kontakte zu Schwarzen gepflegt wurden.

Im Norden von Bremerhaven, im Stadtteil Weddewarden, hatten die US-Amerikaner einen Fliegerhorst übernommen. Und bis etwa Mitte der 90-Jahre waren die amerikanischen Soldaten in der Carl-Schurz-Kaserne untergebracht. Auf halben Weg zwischen Bremen und Bremerhaven, in der Nähe von Osterholz-Scharmbeck, waren ebenfalls viele Amerikaner stationiert. Wegen der für amerikanische Zungen bestehenden Unaussprechlichkeit des Namens, wurde die Stadt auch O-City genannt. Von hier wurde auch ein US-amerikanischer Radiosender ausgestrahlt.

Nun war es so, dass bereits am 01. April 1958 sich zum ersten Mal die Türen eines kleinen Clubs in der Rickmersstraße 51 in Bremerhaven-Lehe öffneten, dessen Name 30 Jahre lang der Garant für heißen Jazz und die neueste Soul-Musik war, und das weit über die Grenzen der Seestadt hinaus. Chico´s Place, benannt nach seinem Eigentümer Chico (Asuquo) Eyo, der 1924 in Calabar (Nigeria) zur Welt kam, wurde schon wenige Jahre nach der Eröffnung zu einer Instanz und zu einer nationalen wie auch internationalen Legende.


Bremerhaven, Rickmersstraße 51

ehemaliges Chico's Place in Bremerhaven
Chico’s Place (jetzt wohl eine russische Disco namens „Euro Beat Club“)

Seit Anfang 1972 machte ich mit meinem Bruder und anderen Anverwandten in einer Band selbst Musik. Wir übten meist am Wochenende gemeinsam unter dem Dachboden eines Hauses in Bremen-Oberneuland (später wechselten wir in den Kellerraum eines Hauses in Oyten in der Nähe von Bremen). Da wir meist am Nachmittag mit unseren Proben begannen, machten wir anschließend oft am Abend bis in die Nacht hinein das Steintor-Ostertorviertel von Bremen unsicher (dort wo u.a. auch Herr Lehmann seinen Giros Pita zu sich nahm). An manchen Abenden machten wir dann aber auch einen Abstecher nach Bremerhaven und besuchten dort, man muss nicht raten, das „Chico’s Place“.

So lernte ich die damals aktuellste schwarze Musik aus den Staaten kennen. Meist spielte keine Band bei unseren Besuchen, sondern es wurden Scheiben aufgelegt. Diese aber immer frisch importiert aus den USA. Das erste Mal hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Die wenigen Weißen konnte man an einer Hand abzählen, sonst war das Lokal übervoll mit Schwarzen. Wir wurden aber freundlich aufgenommen und kamen auch mit dem einen oder anderen Farbigen ins Gespräch. Hauptthema natürlich Musik.

Wie bereits angesprochen, erlebten die Afroamerikaner in diesen Jahren ein neues Selbstbewusstsein, was sich besonders in der Soul-Musik ausdrückte. Und so hörte ich hier im „Chico’s Place“ zum ersten Mal auch Curtis Mayfield, der in den USA gerade groß herausgekommen war.

Und über diesen Curtis Mayfield bin ich in diesen Tagen gestolpert, als ich meine alte Sammlung an Musikkassetten durchstöbert habe. Es ist das Album „Roots”, das 1971 erschienen ist. Ich habe mir einige Stücke erneut angehört. Drei dieser Lieder habe ich auch bei youtube als Video gefunden. Damit man sich ein Bild machen kann, wie es in etwa früher am Anfang der 70-er Jahre in einem kleinen Club wie dem „Chico’s Place“ zuging, hier diese Videos:


Curtis Mayfield – We Got To Have Peace


Curtis Mayfield – Keep On Keeping On


Curtis Mayfield – Get Down

Udo Lindenberg trommelt …

Udo Lindenberg und Hamburg – das ist so ein Thema. Und seine Musik: na ja. Ein allzu großer Fan bin ich nicht von Lindenberg, obwohl ich seine koddrig-frechen Texte ganz witzig finde. Bevor Udo Lindenberg von Rudi Ratlos oder Bodo Ballermann sang, betätigte es sich zwar auch schon gesanglich, nur mit englischen Texten – und er saß in den Jahren 1970/71 an der Schießbude bei keinem Geringeren als Klaus Doldinger, dem Jazz-Saxophonisten, der neben Volker Kriegel und Wolfgang Dauner zu einem der wichtigsten Vertreter der Verbindung zwischen Jazz- und Rockmusik wurde.

1970 war es die Scheibe „Doldinger’s Motherhood“, auf der Lindenberg neben Schlagzeugkünsten seinen damals wie heute unverwechselbaren nasalen Gesang vorstellte. Ich habe in meiner Musikkassettensammlung gekramt und tatsächlich die Aufnahmen des Albums gefunden. Hier eines der Lieder der Zusammenarbeit Doldinger/Lindenberg:


Doldinger’s Motherhood: Song of Dying (1970)

Und bei youtube gibt es auch eine Aufnahme von Doldinger’s Passport aus dem Jahre 1971, die „Uns Udo“ tatsächlich auch am Schlagzeug zeigt:


Klaus Doldinger & Passport – Uranus 1971

Mein Lieblingsplatz: Am Meer

Es sind nicht nur die Berge, die ich liebe. Als Norddeutscher fühle ich mich durchaus dem Meer verbunden. So ist neben dem „ewigen Eis“ Islands und der Bergwelt der Alpen (z.B. die Zugspitze bei Grainau) auch das Meer mit Strand und Wellen ein liebgewordener Platz, um mich von Alltagsnöten zu erholen.

Neben Reisen nach Spanien und Italien (z.B. Sizilien, Kalabrien mit Äolischen Inseln), die mich mit meinen Lieben auch immer ans Meer brachten, sind es besonders zwei Reisen, die ich mit der rauen See verbinde.

Im Jahr 2004 hatten wir keinen großen Urlaub geplant und sind dann mitten in den Ferien und meinem Urlaub spontan für vier Tage zur einzigsten deutschen Hochseeinsel Helgoland gefahren. Wir hatten wundervolles Sommerwetter erwischt, sodass der Aufenthalt dort, trotz der Beengtheit der Insel, zu einem besonderem Erlebnis wurde.

2005 wurde es dann ein größerer Urlaub von knapp vier Wochen in Schottland. Dieses Land besticht durch seine Bens und Lochs, seine Berge und Seen bzw. Fjorde. Die letzten acht Tage verbrachten wir auf der Isle of Skye, also unmittelbar am Meer. Aber schon zuvor waren wir mehrere Tage an der Nordsee im kleinen Ort Stonehaven.

Helgoland 2004

Helgoland 2004

Helgoland 2004

Schottland (Stonehaven) 2005

Schottland (Stonehaven) 2005

Schottland (Stonehaven) 2005

Schottland hat mich immer wieder angezogen. Und die Reise 2005 dürfte nicht unbedingt die letzte gewesen sein. Helgoland habe ich auf ganz spezielle Weise lieben gelernt. Und so können meine Frau und ich uns vorstellen, vielleicht dort eines Tages unseren Altersruhesitz zu wählen.

Jethro Tull live in Baden-Baden 1999

Im Rahmen der Sendereihe „Ohne Filter Extra“ nahm der Südwestrundfunk SWR in Baden-Baden im TV Studio 5 am 15. Juni 1999 ein einstündiges Konzert der Gruppe Jethro Tull auf. Das Konzert wurde später auch über den TV-Sender EinsFestival, einem Digital-Sender der ARD, ausgestrahlt.

Trotz Kabelfernsehen empfangen wir hier im Norden den Sender SWR leider nicht. Und zu digitalem TV hat es bei mir zu Hause bisher nicht gereicht (vieles nehme ich ansonsten über TV-Karte direkt über meinen PC auf). Aber man hat ja so seine Quellen (Tauschquellen), über deren eine ich zu dem in bester digitaler Qualität aufgenommenen Mitschnitt gekommen bin. Mithin habe ich mir jetzt auch mit diesem Konzert von Jethro Tull die Mühe gemacht, das Video in seine Bestandteile (d.h. einzelnen Lieder) zu zerlegen und bei youtube (wo eigentlich sonst) dem werten Publikum zur Verfügung zu stellen.

Setlist des Konzertes:

01 Steel Monkey
02 Spiral
03 A New Day Yesterday (w. flute solo, incl. Kelpie)
04 Fat Man
05 Bourée
06 Flying Dutchman (intro)/My God
07 Passion Jig
08 Budapest
09 Locomotive Breath
10 Living in the Past with Balloons

Damit versiegen aber auch so langsam meine Ressourcen an alten und neueren visuellen Tull-Aufnahmen. Hier also das Konzert in einer Playlist von 10 Liedern:


Jethro Tull live in Baden-Baden 1999

Leben zwischen Liebe und Tod

Am Mittwoch, den 1. Oktober, feierte ich mit meiner Frau ein ganz besonderes Jubiläum: Seit genau 25 Jahren leben wir zusammen und teilen Glück und Leid. Wir kennen uns eigentlich schon seit unserer Kindheit – es ist gewissermaßen eine Sandkastenliebe. Dann verloren wir uns aus den Augen. Als meine Eltern Wochen zuvor die Eltern meiner jetzigen Frau besuchten, war ich mitgefahren, da ich Semesterferien und „nicht Besseres“ zu tun hatte. „Sie“ war an diesem Tag ebenfalls bei ihren Eltern zu Besuch. Wir stellten fest, dass wir beide in Hamburg wohnten und vereinbarten ein Treffen. Nach einem mehrwöchigen Praktikum in Bremen lud ich sie dann mit weiteren Freunden und Bekannten zu einem indischen Essen nach Bremen ein, das ich in der Wohnung meiner Eltern zubereitet hatte – das war der Beginn unserer Liebe.

Mitte dieses Jahres gründete mein Sohn Jan neben seiner Band „1/2 so wild“ mit Schulfreunden eine Irish Folkband. Mit dabei Martin an Flöte und Tin Whistle. Gestern nun, am Donnerstag, blödelte mein Sohn in der großen Schulpause noch mit ihm. Eine Stunde später verstarb Martin während des Sportunterrichts.

Entgegen der Pressemitteilung der Polizei litt Martin an Asthma. Wie es zu diesem tragischen Tod kommen konnte (Martin brach während des Aufwärmtrainings unverhofft zusammen), ist bisher nicht bekannt. Alle Versuche, ihn wiederzubeleben, blieben erfolglos.

Die Schulklasse und all seine Freunde und Bekannte stehen unter Schock. Gestern trafen sich viele im Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Tostedt, um sich gegenseitig zu trösten und Mut zuzusprechen.

Auch der Bandabend 2008 am 7. November in Tostedt wird betroffen sein, da die Gruppe Panderra, in der Martin mitspielte, ihren Auftritt abgesagt hat.

So treffen im Leben manchmal innerhalb kurzer Zeit Glück und Leid, Liebe und Tod zusammen.

Nachtrag: In der Harburger Anzeigen und Nachrichten von heute, Dienstag, den 07.10.2008, steht geschrieben:

Schock: Schüler stirbt im Sportunterricht
18-Jähriger bricht bei Aufwärmrunde in Tostedt zusammen – von Claudius Ossig

Tostedt. Ein tragisches Unglück hat am Donnerstag die Schüler und Lehrer am Gymnasium Tostedt erschüttert. Während des Aufwärmtrainings im Sportunterricht ist der 18-jährige Schüler Martin N. zusammengebrochen und gestorben.

„Der Jugendliche blieb reglos am Boden liegen. Durch Lehrkräfte und Schüler wurden sofort Reanimationsmaßnahmen durchgeführt und der Notarzt verständigt“, teilte ein Sprecher der Polizeidirektion Harburg mit. Der Notarzt sei auch wenige Minuten später auf dem Schulgelände eingetroffen. Doch alle Versuche, den 18-Jährigen wiederzubeleben, seien erfolglos geblieben.

Die Polizei Tostedt hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Todesursache war bis gestern unklar. Der Polizei zufolge hatte N. keine Vorerkrankungen. „Erkenntnisse zu Drogen oder Medikamenten als möglichen Auslöser für den Tod lagen den Ermittlern zunächst nicht vor“, hieß es.

Martin N. war seit 2007 im Internetforum „schülervz“ vertreten. Erst am 20. September hatte er seine Angaben aktualisiert. Als Lieblingsfach gab er dort Philosophie an. Unter Punkt „Was ich mag“ schrieb der gläubige Christ: „Musik und gute Bücher beziehungsweise Filme, Tee, die Geschichte (besonders des Mittelalters), Theologie, Lyrik, Frieden, Bäume, schlafen, mein Sonntags-Notizbuch, Gottesdienste, freundliche Menschen, beten, Versöhnung, Jesus . . . und ganz wichtig: Stille.“

Vielfach herrscht Trauer in Tostedt. Nach dem schrecklichen Vorfall gab es viele Einträge auf der „schülervz“-Seite von Martin N., der selbst Querflöte spielte, „Jethro Tull“ und „Genesis“ als seine Lieblingsbands nannte. Unter anderem heißt es dort: „Ich hoffe, es geht Dir gut in Gottes Reich. Es ist schwer zu verstehen, dass Du nicht mehr unter uns bist. Ich wünsche Dir viel Glück, da, wo Du jetzt bist.“ Einer der „Lieblingssprüche“ von Martin N.: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.“ Das wird jetzt auch bei der Obduktion geschehen.

Nach letzten Informationen soll Martin an einem Herzinfakt gestorben sein.

Als sich Martins Freunde und Bekannte an seinem Todestag in der Kirchengemeinde trafen, gingen sie auch für mehrere Augenblicke in die Kirche, um sich innerlich zu fassen. Spontan setzte sich Philip Johann (wie kennen ihn noch von dem Schulprojekt „Beatless“ her) an die Kirchenorgel und spielte Bourree (5. Satz aus der Suite Nº1 in E-Moll für Laute (BWV 996)) von Johann Sebastian Bach. Als Jethro Tull-Fan hätte Martin gewusst, warum …