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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Wo geht ’s hier zum nächsten Klo?!

Wer sich in einer Großstadt aufhält, möchte gern wissen, wo der nächste Geldautomat ist oder ein Briefkasten. Und wenn die Blase drückt, ist es auch nicht schlecht zu wissen, wo sich das nächste ‚Örtchen’ befindet.

Nun haben sich Tausende von Hobby-Kartografen mit GPS-Geräten weltweit auf den Weg gemacht, um solche und viele andere Lokalitäten zu orten und die Positionen festzuhalten. Das Ziel: die umfangreichste Karte der Erde – und das kostenlos und frei verfügbar.

Name des Unternehmens: openstreetmap.org. Hierzu die Zeichenerklärung (Legende) der Maps

Tostedt Bahnhof bei Openstreetmap

siehe zdf.de: Die zweite Vermessung der Welt

Ein Tag mit Tan

Heute besuchte uns Tan. Tan ist ein 6-jähriger vietnamesischer Junge, der mit anderen Kindern von meiner Frau in der Woche betreut wurde, während seine Mutter an einem Deutschkurs teilnahm. Heute nun fanden die Prüfungen statt, u.a. auch Einbürgerungstests. Und da Tans Mutter keine andere Betreuung für ihren Sohn fand, so kam er zu uns.

Ein Tag mit Tan

Nun, Tan ist ein pfiffiges Kerlchen und wir verstanden uns von Anfang an sehr gut. So frühstückte er zunächst mit uns. Und da mein großer Sohn zz. in einem Zeltlager weilt, nahm Tan seinen Platz ein. Und wie immer, wenn sich meine Familie zum Essen trifft, gab es auch schon an diesem Morgen viel zu erzählen … und zu lachen. Tan ist eine kleine Schnatterliese, aber ganz lieb und gar nicht nervig. Später spielte er mit Lukas ausgelassen.

Apropos Einbürgerungstests. Die standen in diesen Tagen einmal wieder in der Diskussion. Ich finde es schon richtig, wenn ausländische Bürger, die die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollen, nicht nur halbwegs die Sprache beherrschen sollten, sondern auch einiges Allgemeinwissen zu Land und Leuten, seiner Kultur und Politik haben sollten. Aber wie diese Tests zur Einbürgerung aussehen, darüber lässt sich sicherlich streiten (wird ja auch). In diesem Zusammenhang finde ich es interessant, wie die als Deutsche geborenen Bürger solche Tests bestehen würden. Hier die Probe aufs Exempel; zunächst ein kleiner Test mit 15 Fragen: Einbürgerungstest – und wer noch nicht genug hat: Hier alle Testfragen als PDF: Hätten Sie es gewusst?

Nun Tan wird dieses Jahr eingeschult. Auch er musste einen Test machen, bei dem geprüft wurde, ob er eventuell Nachhilfe in Deutsch benötigt. Die braucht er nun wirklich nicht.

siehe auch zdf.de: Bestehen Sie den Einbürgerungstest?

Familienausflug zu Joan

Als ich vorgestern an der S-Bahn-Station Sternschanze in Hamburg die Ankündigungen der Konzerte für August in der Fabrik las, da hatte ich mich auch gleich entschieden: Da musst du hin.

Plakataushang: Fabrik Hamburg - August 2008

Nun, wer wie ich bei youtube jede Menge Videos von Joan Armatrading eingestellt hat (z.B.
Joan Armatrading live im Rockpalast am 15.02.1979 oder Joan Armatrading live im Rockpalast am 19./20.April 1980), der darf sich nicht wundern, wenn er gefragt wird, ob man sich nicht eines der in diesem Jahr in Deutschland stattfindenden Konzerte von ihr angucken wird (mein Bruder hatte mit seiner Frau die gute Joan Ende letzten Jahre in der Glocke in Bremen besucht). Da das besagte Konzert noch in meinen Urlaub fällt, Hamburg fast vor meiner Haustüre liegt und die Fabrik eine Lokalität mit besonderer Atmosphäre ist, da kann ich also nicht mehr kneifen.

Die Fabrik - Hamburg

Die Fabrik - Hamburg

Die Fabrik - Hamburg

Die Fabrik in der Barnerstraße in Hamburg-Altona gilt als das erste und wohl bekannteste Kultur- und Kommunikationszentrum in Deutschland. 1971 wurde sie von zwei Privatleuten in dem Gebäude einer ehemaligen, ca. hundertfünfzig Jahre alten Maschinenfabrik gegründet. Das Gebäude aus der Gründerzeit beeindruckt durch seine besondere Architektur: ein hoher, kirchenschiffartiger Raum mit einer Holzträgerkonstruktion und umlaufenden Galerien in den zwei Stockwerken, die einen Blick auf das Geschehen in der Halle ermöglichen.

Am Sonntag, den 10. August, kommt Joan Armatrading also nach Hamburg in die Fabrik. Und meine Lieben kommen alle mit: Es wird also ein Familienausflug zu Joan werden!

Es ist schon viele Jahre her, dass ich ein Konzert von ihr besucht habe. Dann war es lange Zeit still um sie. Aber mit ihrer letzten CD „Into the Blues“ (siehe: Joan entdeckt den Blues) rückte sie wieder ins Rampenlicht. Die Scheibe wurde 2008 u.a. für den Grammy für das
bestes zeitgenössisches Blues-Album (Best Contemporary Blues Album) nominiert, den dann aber JJ Cale und Eric Clapton mit „The Road To Escondido“ gewannen.

Und erst vor kurzem wurde Joan Armatrading mit der Ehrendoktorwürde der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow ausgezeichnet und ist damit nicht der erste Rockmusiker, dem eine solche Ehre zuteil wurde (siehe: Doktor h.c. Ian Anderson)

weitere Beiträge von mir: Joan ArmatradingJoan Armatrading: Steppin‘ Out

Zuletzt noch zwei neuere Videos mit Joan Armatrading (von ihrer Website):


Joan Armatrading: In These Times (CD“Lovers Speak“)


Joan Armatrading: A Woman in Love (CD“Into The Blues“)

English Translation for Jan

WilliZ kleines Philosophie-Modell

Während es anscheinend schon beim wortwörtlichen Begriff keine klare Definition für Religion (lat. für Gottesfurcht, Frömmigkeit, aber auch Rücksicht, Skrupel, Aberglaube usw.) gibt, so ist Philosophie aus dem Altgriechischen immerhin mit Liebe zur Weisheit zu übersetzen. Beide beschäftigen sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Philosophie und Religion schließen sich dabei bis heute nicht aus. Während in der Religion das Transzendente (Überstreiten von Grenzen, also z.B. vom irdischen ins himmlische Leben) eine wesentliche Rolle spielt, so ist die heutige Philosophie eher erdverbunden, also auf die menschliche Existenz auf Erden bezogen.

Ich habe mich im Laufe meines Lebens immer wieder mit Religion und Philosophie beschäftigt. Irgendwie tut das wohl jeder Mensch, der sich die Frage aller Fragen, eben die nach dem Sinn des Lebens, stellt (nicht nur Monty Python).

Mit Religion, hier der christlichen Religion, wurde ich von Kindesbeinen an durch meine Eltern konfrontiert (ich berichtete bereits ausführlicher darüber: Salvation à la mode). Ich wurde quasi zum Christentum zwangsrekrutiert. Später beschäftigte ich mich auch mit anderen Religionen, vor allem dem Buddhismus. Dieser interessiert mich auch heute noch, wenn ich in ihm auch eher ein philosophisches System erkenne. Dazu später mehr.

In religiöser Hinsicht bin ich im Wesentlichen ein Agnostiker. Wie Kretakatze andeutete, ist Gott keine physikalische Größe, also nicht messbar oder wahrnehmbar. Ich bewundere Menschen, die anscheinend einen sechsten oder siebten Sinn haben, den ich die Fähigkeit zum Gotteserlebnis nennen möchte. Ich habe nie ein solches Gotteserlebnis gehabt und kann also nicht sagen, ‚Gott erlebt’ zu haben. Ich schließe die Existenz Gottes dabei nicht gänzlich aus. Dafür habe ich einen anderen Gedankenansatz gefunden. Irgendwo an gleicher Stelle definiert Kretakatze das Leben mit Materie + Energie + Gott. Für mich ist Gott bezogen auf das einzelne menschliche Individuum als etwas wie Atman (das Selbst, die unzerstörbare, ewige Essenz des Geistes, auch Seele übersetzt) zu verstehen. Womit ich auch schon fast beim Buddhismus bin. Buddha (eigentlich Siddhartha Gautama) selbst verneinte Atman, also die Seele als individuelle und konstante Einheit, weil sie in beständigem Werden, Wandel und Vergehen begriffen ist, was ich nur unterstützen kann. Ohne zu sehr auf fernöstliche Religionen einzugehen, so will ich wenigstens noch einen Begriff einführen: Brahman. Damit wird gewissermaßen eine kosmische Weltenseele bezeichnet, in die Atman, also die Einzelseele, zurückfließt, wenn der Mensch stirbt. Anders ausgedrückt: So wie die Summe der Energie konstant bleibt, so bleibt auch die Summe der geistigen Essenz (Gott oder wie immer man es benennen will) gleich.

Willi 'Mahatma'

Vielleicht ist es etwas wie Anmaßung, wenn ich dem Menschen eine Seele zuspreche. Aber an so etwas wie an einen ‚göttlichen Funken’ vermag ich schon zu glauben, wenn auch nur wenige, wie es scheint, damit ‚gesegnet’ sind. An der Formel „Leben = Materie + Energie + Gott (sprich: geistige Essenz)“, bezogen auf den Menschen (bei Tieren, und noch weniger bei Pflanzen, bin ich mir nicht so sicher, das mag aber auch für mich dahingestellt sein), könnte ich also Gefallen finden.

Komme ich noch auf einen wesentlichen Aspekt fernöstlicher Religionen, auch des Buddhismus, zu sprechen: die Wiedergeburt. An eine Wiedergeburt, wie es sich wohl die meisten vorstellen, vermag ich nicht zu glauben. Trotzdem beziehe ich diese in mein bescheidenes Modell mit ein.

Somit sind wir jetzt auch schon mitten bei dem, was ich für mich als philosophisch-religiöses Gedankengebäude errichtet habe. Oft spricht man vom Schlaf als den kleinen Bruder des Todes. Und so wie ich aus dem Schlaf erwache, beginnt für mich, wenn man so will, mit jedem Tag ein neues Leben. Zumindest versuche ich es so zu ‚erleben’. Jeden Tag werde ich also (wenn auch nicht im religiösen Sinne) ‚wiedergeboren’.

Ansonsten habe ich mir einige philosophische Ideen bei Sartre, mehr wohl noch bei Camus geklaut. Dazu habe ich ja schon einiges in meinem Blog zum Besten gegeben. Im Grunde halte ich das Leben wie die beiden (Sartre und Camus) für sinnlos. Es gibt keinen eigentlichen, allgemeingültigen Sinn des Lebens. Man muss sich und seinem Leben ‚selbst’ einen Sinn geben. Ähnlich dachte auch Buddha, der das Leben für leidvoll hielt. Man muss gegen diese allgemeine Sinnlosigkeit, gegen das Leid revoltieren. Diese Revolte ist ein tägliches sich Aufbäumen gegen die Absurdität des Lebens.

In Sofies Welt ist zu lesen:

Sartre weist gerade darauf hin, daß der Mensch niemals seine Verantwortung für das, was er tut, leugnen kann. Deshalb können wir unsere Verantwortung auch nicht vom Tisch fegen und behaupten, wir ‚müßten’ zur Arbeit oder ‚müßten’ uns nach gewissen bürgerlichen Erwartungen darüber, wie wir zu leben haben, richten …

aus: Jostein Gaarder: Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie – S. 540 – Carl Hanser Verlag 1995

Sicherlich empfinden wir vieles als Zwang. Aber wir müssen uns klar werden, dass wir es sind, die sich diese Zwänge auferlegen. Wir sind verantwortlich für uns – und können eigentlich tun und lassen, was wir wollen. Natürlich gibt es kausale Zusammenhänge, die in Zwänge münden. Wenn ich z.B. behaupte, ich müsste zur Arbeit, dann ist das die Konsequenz, die ich ziehe, weil ich mich für eine Familie entschieden habe und für sie (und mich) zu sorgen habe.

Oft ist es auch so, dass scheinbare Zwänge nichts anderes sind, als der Weg des geringsten Widerstandes. Wenn ich mich nach „bürgerlichen Erwartungen richte“, dann doch nur, weil ich bestimmte Auseinandersetzung scheue. Es sei denn, ich akzeptiere die Rolle und erfülle die Erwartungen aus eigenem Willen.

Mein kleines Philosophie-Modell müht sich also um Praxis-Nähe. Gegen einen theoretischen Unterbau habe ich nichts einzuwenden, aber das ist dann eher wie Spiel, sich mit den verschiedensten philosophischen Modellen auseinander zu setzen. Wenn Sartre schreibt: „Die Existenz geht dem Wesen voraus“, so mag das die Quintessenz des Modells Existenzialismus sein. Was dahinter steckt, nämlich der Gedanke, dass dem Menschen einzig sein nacktes Dasein vorgegeben ist; er dann aber selbst erfinden muss, was ihn am Ende ausmacht – so ist das vielleicht nicht so prägnant, aber verständlicher (aber jeder ‚echte’ Philosoph sucht nach der ‚Formel’, der kürzesten Beschreibung seines Modells wie z.B. Descartes und sein „Cogito ergo sum“).

Zusammenfassend und erläuternd: Jeder Tag gilt mir wie ein neues Leben. Das heißt nicht, dass ich in den Tag hineinlebe. Es gibt immer Dinge, die einer Planung bedürfen. Nur müssen wir wachsam sein und sollten nicht zu viel ‚verplanen’. Schnell vergisst man über zuviel Planung das eigentliche Leben. Der eigentliche Grundsatz meine Philosophie ist: Bewusst zu leben! Sich bewusst werden, was man eigentlich will! Sich auch hinterfragen, ob man mit dem, was man hat, ist und will, zufrieden sein kann. Und ich muss immer bereit sein, mich zu ‚entscheiden’. Gerade die heutigen Menschen lassen sich oft nur noch treiben, und schaffen es nicht, sich in bestimmten (entscheidenden!) Momenten zu entscheiden. Und: Manchmal muss man auch einmal nein sagen können.

Nur als Trost: Natürlich gelingt mir das auch nicht immer. Oft genug tue auch ich mir Zwang an.

Nun, das klingt alles fast banal, was ich da als eigenes Lebensmodell mit philosophischer Grundlage vorgelegt habe. Aber ich neige nun einmal nicht dazu, nach dem Sternen zu greifen. Das Naheliegende hilft uns manchmal mehr. So versuche ich in kleinen Schritten voran zu kommen. Jeden Tag aufs Neue. Und jeden Tag versuche ich, aus dem „göttlichen Funken“ ein kleines Feuer in mir zu entfachen. Das Leben ist ein Weg – und der Weg ist das Ziel!

Natürlich gibt es viele noch offene Fragen, Fragen der Moral, die Frage nach gut und böse usw. Diese muss sich jeder nach eigenem besten Wissen und Gewissen selbst beantworten. Man muss sich dabei u.a. fragen, ob man mit den Antworten leben kann (Gewissen). Und es gibt sicherlich Fragen (z.B. Gen- und Stammzellenforschung), für deren Beantwortung man ohne größeres Wissen nicht auskommt. Es ist sicherlich schon wichtig, überhaupt Fragen zu stellen (wie heißt es schon im Sesamstraßen-Lied: „… wer nicht fragt, bleibt dumm!“).

Christas Bärchen 17: Steiffbärchen

Eine Sammlung an Teddybären ist unvollständig, wenn nicht auch einige Bärchen von Steiff dabei sind. Im Laufe der Jahre hat meine Frau viele, von Material, Form und Größe her sehr unterschiedliche Teddybären gesammelt. Und so findet sich auch eine größere Anzahl aus dem Hause Steiff bei uns wieder.

Die meisten sind natürlich als Mohair-Plüsch. Einige habe ich bereits vorbestellt. Aber auch wenige kleinere Keramikbären hat es bei Steiff gegeben, die ebenso Einzug in die Sammlung meiner Frau fanden.

Mindestens einen dieser Bären (den auf dem Bild etwas unkenntlichen dunkelbraunen Teddy) werde ich später einmal vorstellen, denn es handelt sich dabei um einen ganz ‚besonderen‘ Teddy. Der hat etwas mit Loriot zu tun. Wie gesagt/geschrieben: Davon später mehr …

Hier also eine kleine Gesamtübersicht der Steiff-Bären:

Christas Bärchen: die Bärchensammlung von Steiff

Christas Bärchen: die Bärchensammlung von Steiff

Die meisten Teddys wurden in der Steiff-Galerie Lola Lacher im Levantehaus, Hamburg, Mönckebergstraße 7, gekauft

Steiff - Knopf im Ohr

Absurdität des Alltags

Wirtschaft und Politik bescheren uns täglich Absurditäten, die uns schwer auf den Magen schlagen und ans Portemonnaie geben. Aber auch im Alltag, mit dem wir konfrontiert werden, nehmen wir immer öfter Sinnlosigkeiten wahr, die uns zu überrollen scheinen. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, keine Angst; es sind aber Symptome, die aufzeigen, wie sehr unsere Gesellschaft krankt.

Zerstörte Hitler-Figur soll wieder ausgestellt werden

Beginne ich mit dem Harmlosesten. Da eröffnete Madame Tussaud’s Wachsfigurenkabinett dieser Tage eine Zweigstelle in Berlin und präsentierte einen Hitler mit finsterem Blick in einem grauen Kriegsbunker hinter einem Schreibtisch. Schon im Vorfeld gab es hitzige Diskussion ob dieses Stücks „Unterhaltungskultur“, das viele einfach nur geschmacklos finden. Und schon Besucher Numero zwei attackiert die Wachsfigur und köpft sie. Jetzt hat sich der 41-jährige Täter wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung (bei einem Handgemenge mit Museumsmitarbeitern verletzte er zwei von ihnen leicht) zu verantworten. Das kann ein teurer Spaß für eine dumme Wette mit Freunden werden. Wie sinnlos die Tat war, wird der Übeltäter sehen, wenn ihm die Rechnung dafür ins Haus flattert.

Ob die Präsentation eines gebrochenen Hitlers besonders geschmackvoll ist, möchte auch ich bestreiten. Aber solange es keine entsprechenden Verbote gegen solche Darstellungen gibt, ist und bleibt die Diskussion darum lediglich ein absurdes Sommerlochtheater. Als ich den in London bei Madame Tussauds ausgestellten Hitler vor vielen Jahren sah, wunderte ich mich nur über dessen geringe Körpergröße (Körpergröße und Größenwahn – ein anderes Thema). Damals stand er dort hinter Glas vor dem Eingang zu der Chamber of Horrors.

Münchener U-Bahn-Schläger vor Gericht

Die zwei U-Bahn-Schläger aus München stehen zz. vor dem Richter. Deren brutaler Übergriff gegen einen 76-jährigen Pensionär in der Münchener U-Bahn sorgte für reichlich Diskussionsstoff im Land. Beide Täter müssen nun mit langjährigen Haftstrafen wegen versuchten Mordes, Körperverletzung und Diebstahl rechnen. Wie sinnlos die Tat war, hat inzwischen auch einer der Schläger begriffen. Gegenüber seiner Schwester äußerte er: „Nur wegen zwei Schläge(n) 12 Jahre …?!“.

So ganz begriffen hat er die Sache dann allerdings doch wieder nicht: Zwei Schläge = 12 Jahre bedeutet nicht, jeweils sechs Jahre Haft für einen Schlag zu bekommen …

Zunehmend ist zu beobachten, wie sich in bestimmten Stadtvierteln rechtsfreie Räume auftun. Kaum ein normaler Bürger beschweige Polizist wagt sich mehr in solche Stadtteile, die von jugendlichen Banden kontrolliert werden. Hier herrscht die Gewalt der Straße. Auch in Deutschland. Aus solchen rechtsfreien Nischen dürften auch unsere zwei Schlägertypen stammen. Und mit einem sonderbar eigenem Machtgefühl nehmen sie sich das Recht, in aller Öffentlichkeit über Leben oder Tod bestimmen zu dürfen. Wird ihnen dann die Quittung vorgelegt, beginnen sie zu heulen.

Tod im Wartezimmer

Es ist ein Einzelfall und sollte in Deutschland nicht vorkommen. Da stirbt eine Frau im Wartezimmer eines New Yorker Krankenhauses, weil sich niemand um sie kümmert. Das vor laufender Videokamera. Als Konsequenz werden 6 Mitarbeiter des Krankenhauses entlassen. Sicherlich auch, um den ‚guten Ruf’ des Krankenhauses wieder herzustellen. Wie absurd.

Wie oft wird aber auch in Deutschland weggeschaut, nicht wahrgenommen, wenn andere Menschen in Not geraten. Jegliche Zivilcourage ist vor die Hunde gegangen. Und sollte doch einmal einer helfend zur Seite stehen, dann wird dieser mit Preisen und Bundesverdienstkreuzen überschüttet – und alles klatscht Beifall (auch diejenigen, die zuvor die Augen abgewandt hatten).

Siggis Gitarrenunterricht

Vor zwei Wochen bekam ich über youtube.com eine Nachricht von Siggi. Siggi ist Lehrer in Münster und Gitarrist. Bei youtube nun gibt er Gitarrenunterricht. Da er ein Fan von Ian Anderson ist, so lehrt er uns auch (neben vielen anderen Stücken) das Spielen von einigen wunderschönen Jethro Tull-Titeln. Besonders schön ist natürlich Wond’ring Aloud.

Durch Siggis Unterrichtsminuten lernt man, was gerade in diesem kleinen Lied von eben einmal zwei Minuten steckt:


Jethro Tull Wond`ring Aloud Guitar Lesson by Siggi Mertens

siehe auch zdf.de: Pauker mit zwei Millionen „Schülern“

Blumenpracht Teil 15

Nachdem sich das Tief „Renate“ mit dem Hoch „Thomas“ am Donnerstagabend gekabbelt haben und auch wir hier zwischen Bremen und Hamburg von sintflutartigen Regenfällen heimgesucht wurden (es regnete dann noch ohne Unterlass den ganzen Freitag hindurch), war es gestern wieder freundlich (das Wetter, aber auch die Menschen in meiner Umgebung) und ich mit meinen Lieben konnten wieder draußen im Garten sitzen.

Die Pflanzen waren natürlich ‚froh’ um den Regen nach langer Trockenheit.

Blumenpracht in AlbinZ Garten: Juli 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten: Juli 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten: Juli 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten: Juli 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten: Juli 2008

Blumenpracht in AlbinZ Garten: Juli 2008

Jan Palachs Prag

Und hier stampfen die Stiere Picassos.
Und hier marschieren die Elefanten Dalís auf Spinnenbeinen.

Und hier schlagen die Trommeln Schönbergs.

Und hier reitet der Herr de la Mancha.
Und hier trägt man den Hamlet zu Karamasow.
Und hier ist der Kern des Atoms.

Und hier sind die Kosmodrome der Luna.
Und hier steht die Statue ohne Fackel.
Und hier läuft die Fackel ohne Statue.

In memorial: Jan Palach & Jan Zajic

Und es ist einfach. Wo der Mensch
Endet, beginnt die Flamme.
Und dann ist in der Stille das Radebrechen
Des Aschenwurms zu hören. Denn
Die Milliarden Menschen
Halten im wesentlichen das Maul.

Jan Palachs Prag von Miroslav Holub

125 Jahre Franz Kafka

Fast hätte ich es vergessen, denn heute vor 125 Jahren, am 3. Juli 1883 wurde in Prag, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte, Franz Kafka geboren. Es zählt zu den bedeutendsten Schriftsteller deutscher Sprache.

    Franz Kafka

Also, Franzl, happy birthday!

Kafka ist schwere Kost. Zwar gilt sein Stil als klar und rein. Nach Ansicht des Kafka-Biografen Reiner Stach gibt es bei Kafka buchstäblich kein überflüssiges Wort. Im Grunde ist Kafka leicht zu lesen. Aber der Inhalt hat es in sich:

Da gibt es einen Gregor Samsa, der Held aus der „Verwandlung“, der morgens aufwacht und zum Käfer geworden ist. Oder da wird minutiös ein Foltergerät beschrieben, das dem Delinquenten mit spitzen Nadel in großen Buchstaben die Schuld in den Rücken ritzt. Oder eine Erzählung handelt von einem Hungerkünstler, der vor großem Publikum viele Tage und Wochen lang ‚hungert’. Und ein anderer Varietékünstler ist eigentlich ein von Hagenbeck eingefangener Affe, der fast zum Menschen wird, weil er den Menschen nachahmt. Im Urteil wird der Sohn vom Vater zum Tode des Ertrinkens verurteilt, weil dieser zu heiraten gedenkt und angeblich seinen Freund hintergangen hat. Und der Sohn stürzt die Treppen hinab und stürzt sich in den Fluss. „In diesem Augenblick ging über die Brücke ein geradezu unendlicher Verkehr.“ Allein dieser letzte Satz hat es mir angetan. Hier wird das endlose Getöse des Straßenverkehrs auf einen Augenblick reduziert, in welchem der Sohn sich in den Fluss fallen lässt. Wie viele andere schicksalhafte Momente mag ein solcher Krach noch verschlucken.


125 Jahre Franz Kafka

Kafka zum Nachlesen online beim Projekt Gutenberg

siehe auch meine Beiträge: Mythos Kafka – Mythos CamusWie wäre es mit Kafka?

Nachtrag: Merkmail 319 von Zweitausendeins:

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Traeumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“

Bei Zweitausendeins: Franz Kafka, 1.232 Seiten. Nur 9,99 Euro.