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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Bandabend 2007 in Tostedt

Am 9. November ist es einmal wieder soweit: Die evangelische Jugend in Tostedt richtet im Gemeindehaus einen weiteren Bandabend aus. Eintritt im Vorverkauf: 3 € – an der Abendkasse 5 €. Einlass ist um 19 Uhr. Beginnen soll das Ganze dann ab 19 Uhr 30.

Der Bandabend ist die gute Möglichkeit für junge Bands aus der Gegend sich einem größeren Publikum vorzustellen. Beim ansonsten eher spärlichen Angebot an Unterhaltung für Jugendliche in Tostedt ist das eine wohltuende Ausnahme.

Bandabend 2007 in Tostedt

U.a. spielt die Band Kontrast, die sich aus dem Schulprojekt „Beatless“ entwickelt hat. Am Bass mein Sohn Jan (siehe Beatless: Sgt. Pepper’sBeatless: Smells like Teen Spirit)

Was ist bloß mit Ian los? Teil 85: Intelligenz & Plagiate

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,

zuerst einmal ein dickes Lob an Wilfried! Detailgenaue Recherche, harte Fakten (also das exakte Gegenteil von dem, was man von mir üblicherweise geliefert bekommt) und Links zu wahren Schatzkästchen – Du hast es wirklich drauf! Während ich das schreibe, läuft im Hintergrund gerade das top-gewertete Dire Straits Konzert aus Wolfgang’s Vault. Vielen Dank für die wertvollen Infos (und Danke auch für den Link zu meiner Homepage – meine Kätzchen möchte dieses Jahr einfach niemand haben, es ist wie verhext)!

Interessant auch Dein Hinweis auf den „gemeinsamen Auftritt“ von CCR und Jethro Tull 1969 im Fillmore West. Eigentlich eine seltsame Zusammenstellung für ein Abend-Programm. Die Musik der beiden Bands war (und ist) doch so unterschiedlich – da ist es kaum vorstellbar, dass es viele Rockfans gibt, denen beide Gruppen gefallen (obwohl ich hier doch einen gefunden habe, der als Top-Sound eine Mischung aus Fogerty’s „Long Road Home“ und Jethro Tull’s „Benefit“ empfiehlt – erstaunlich). Bei CCR müssten damals „I Put A Spell On You“, „Suzie Q“, „Born On The Bayou“ und „Proud Mary“ auf der Setlist gestanden haben. Ich muss zugeben, lieber Wilfried, dass ich ganz im Gegensatz zu Dir bis heute mit der Musik von Jethro Tull aus den 60ern wenig anfangen kann. Es gibt da ein paar Songs, die ich ganz gut finde, aber auch nicht gerade überragend. Von der damaligen Setlist hätte mich höchstens „Fat Man“ interessiert. Vermutlich hätte ich mir CCR mit Begeisterung angehört und wäre bei Jethro Tull gegangen (wobei CCR als Headliner bestimmt zum Schluss kamen, da hätte ich durchhalten müssen…). Und was die Begegnung der beiden Herren anbelangt – auch wenn man sich, wie Du schreibst, 4 Tage lang kaum aus dem Weg gehen kann, kann ich mir doch nicht vorstellen, dass der Kontakt zwischen Ian Anderson und John Fogerty besonders intensiv ausgefallen ist. Anderson fand Fogerty’s Musik (und ihn selbst vermutlich auch) bestimmt zu primitiv, während dem biederen Fogerty der extravagante Anderson sicher zu ausgeflippt war.

Ein kleiner Fehler ist Dir dann bei Deinen Recherchen aber doch unterlaufen. Hast Du bei dem Metallica-Video einmal die Kommentare angeschaut? Dieses Video ist ein Fake, Bilder von Metallica beim Rock am Ring wurden mit einem „Cross Eyed Mary“ Cover von Iron Maiden unterlegt. Deshalb hat das Video auch eine so schlechte Bewertung – die Metallica-Fans fanden das offensichtlich nicht besonders komisch. Übrigens: Unter den Kommentaren befindet sich auch ein bitterböser von mir (für den musst Du allerdings 18 Seiten zurückblättern, das war schon vor 5 Monaten).

Das Thema „Al Stewart“ können wir nun wohl abhaken, immerhin konnte jedem von Euch zumindest ein Song von ihm ein bißchen gefallen – da muss man schon zufrieden sein. Von den diversen „Hallelujah“-Versionen habe ich Euch mit Absicht einige „verheimlicht“ (wie Wilfried geruhte es auszudrücken). Es gibt so viele, z.B. auch noch eine von Bon Jovi, und ich wollte Euch nicht zu sehr ermüden. Die Version von John Cale fand ich vergleichsweise uninteressant – einfach durchschnittlich und ohne Höhen oder Tiefen.

Was k.d. lang betrifft, lieber Lockwood, halte ich sie anders als Du in gewisser Weise für das genaue Gegenteil von Patti Smith. Nicht nur, dass Mrs. Smith auf jeden Fall der Rockmusik zuzuordnen ist, während Mrs. lang eher in den Bereich Singer-Songwriter gehört (sie hat auch zahlreiche Lieder selbst geschrieben, wie etwa Constant Craving). Patti Smith hat zwar Gesichtszüge wie ein Mann, versucht aber trotzdem so gut es geht wie eine Frau auszusehen, indem sie lange Haare und teilweise auch Kleider trägt (hier Bilder zu ihrem Song Frederick). Offensichtlich fühlt sie sich als Frau und möchte auch eine Frau sein. Mrs. lang dagegen sieht eigentlich wie eine Frau aus, tut aber was sie nur kann um wie ein Mann zu wirken (hier die zahlreichen Gesichter der k.d. lang als Slide-Show zu ihrem Song Miss Chatelaine) – Kurzhaarschnitt, Herren-Anzug und evt. sogar noch mehr. Der Eindruck, dass ihre Stimme vor 20 Jahren (Pullin‘ Back The Reins) noch deutlich höher klang als heute (One Day I Walk – sieht der Akkordeon-Spieler nicht aus wie John O’Hara? – Das Akkordeon finde ich allerdings entnervend laut…) lässt mich vermuten, dass sie auch etwas mit Hormonen nachgeholfen haben könnte (was natürlich auch nicht ohne Auswirkungen auf die Gesichtszüge bleibt). Sie fühlt sich offensichtlich als Mann, ich glaube von der endgültigen Geschlechtsumwandlung ist sie nicht mehr weit entfernt.

Zum Abschluss des Themas k.d. lang möchte ich Euch noch 2 Videos (Teil 1 und Teil 2) aus einer australischen Fernseh-Show nicht vorenthalten, bei denen ich Tränen gelacht habe (und Mrs. lang – wie man sieht – auch). Mrs. lang hat die Eigenheit ihre Interviewer immer wieder damit zu verblüffen, dass sie Fragen einfach mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet – kurz, prägnant, unzweideutig. Offensichtlich ist sie kein Mensch vieler Worte, ihr spöder Charme ist umwerfend. Manche mögen den Ausdruck für unpassend halten, aber ich finde sie irgendwie süß!

Zum Thema Bartwuchs, lieber Lockwood, kann ich naturgemäß nur wenig beisteuern – ich hatte noch nie einen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass ich so ein Gestrüpp im Gesicht doch auch etwas lästig fände, da kann ich Dich gut verstehen. Bestimmt ist das aber auch Gewohnheitssache. Vielleicht könnte k.d. lang noch interessante neue Aspekte in dieses Thema einbringen, zumindest hat sie ja wohl schon Erfahrungen in der Naßrasur sammeln können…

Der Stimmverlust des Mr. Anderson scheint dagegen ein schier unerschöpfliches Thema zu sein. Die von Wilfried aufgeführten Stimmprobleme um 1971 kann ich allerdings nicht nachvollziehen oder besser gesagt nicht heraushören. Wahrscheinlich ist dafür mein Gehör nicht empfindlich genug. Unter „mickymaus-ähnlicher“ Stimme verstehe ich im Übrigen einen quäkenden, leicht nasalen Klang, dem die Tiefen fehlen und dem es deshalb an Druck und Resonanz mangelt. Ich würde jetzt auch nicht behaupten, dass mich dieser Klang beim Konzert 1978 im Madison Square Garden sehr stören würde. Von einem Rockmusiker erwarte ich keine perfekte Stimme, und Mr. Anderson habe ich auch in diesem Sinne noch nie für einen Sänger gehalten. Eher war er für mich immer ein Musiker, der halt auch singt. Mir ist dieses „Schwächeln“ seiner Stimme nur eben bei diesen Aufnahmen zum ersten Mal aufgefallen. Interessant fand ich dann aber Wilfried’s weitere Ausführungen zu diesem Thema. Auf einen Zusammenhang zwischen Stimmproblemen und Flötenspiel wäre ich nie gekommen, und auch von den diversen Stimmband-Operationen des Mr. Anderson wusste ich noch nichts. Weißt Du, wann das war? Ich denke mir nach so einer Operation kann man bestimmt monatelang überhaupt nicht singen, und er war doch eigentlich ständig auf Tournee.

Stimme hin oder her, jetzt möchte ich Euch aber doch noch ein paar Videos verlinken, bevor die auch wieder aus YouTube verschwinden (ich glaube die Hälfte aller bislang von mir verlinkten Videos wurden inzwischen aus dem Verkehr gezogen…). Vielleicht habt Ihr ja die folgenden Aufnahmen von nicht ganz so häufig gespielten Songs noch nicht entdeckt: Moths & Mouse Police Never Sleeps – 1978 und North Sea Oil & Old Ghosts – 1980 – miserable Bildqualität und alles Playback aus dem deutschen Fernsehen. Aber Mr. Anderson ist trotzdem immer eine Show. Und dann noch dieses – vom Fernsehbildschirm abgefilmt, aber was schaut man sich nicht alles an, wenn es nichts besseres gibt: Home & Orion – Stormwatch tour 1980. Vielleicht kommt ja doch einmal so etwas in besserer Bild- und T
onqualität als DVD heraus. Die Aufnahmen vom Montreux Jazz Festival 2003 reizen mich nicht besonders, auch wenn die Anderson’schen Stimmprobleme zu dieser Zeit nicht so gravierend waren. Es ist einfach nicht der Anderson, den ich sehen möchte.

Zu guter Letzt hat Wilfried dann noch sich selbst übertroffen und in einem P.S.-Nachtrag, der alles von mir bislang Dargebotene weit in den Schatten stellt, minutiös Mr. Anderson’s Rollstuhl-Karriere durchleuchtet – für jemanden, dem Anderson nach eigenen Angaben „kilometerlang aus dem Hals hängt“, wirklich eine beachtliche Leistung! Das Rollstuhl-Bild finde ich trotzdem immernoch dubios. Was tuen denn ein Arzt und eine Krankenschwester zusammen mit Anderson auf der Bühne? Haben die ihn etwa während der Vorstellung vor versammeltem Publikum behandelt? Aber lassen wir das…

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema meines heutigen Beitrags (bis hierher war alles nur meine in knappen Worten zusammengefasste Einleitung). Wilfried hatte im Rahmen der Rollstuhl-Dokumentation unter anderem ein interessantes Interview mit Mr Anderson verlinkt. Zu einer Passage davon möchte ich dann doch ein paar Worte verlieren. Hier das Zitat:

Frage: Ich bin stets beeindruckt vom geistigen Tiefgang Deiner Aussagen. (Das muss ihm ja runtergelaufen sein wie Öl…) Ist es im Rockgeschäft eigentlich vom Vorteil, …intelligenter als andere zu sein?

Anderson: Das ist eher vom Nachteil… etwa so, als wärst Du ein Fußballspieler mit einem akademischen Grad. Es paßt irgendwie nicht dazu. Das dürfte kein Problem sein, aber es ist eins. Für mich stellt es ein Problem dar, weil… – Nicht, daß alle Musiker dumm wären…, aber die meisten von ihnen sind es schon. Wenn die Spice Girls Grips hätten, wären sie nicht die Spice Girls und wenn die Journalisten der Sun oder der News Of The World etwas Geist hätten, würden sie nicht über die Spice Girls schreiben. Und dann gäbe es keine Spice Girls! Es ist wichtig, daß es Leute gibt, deren Interessen und Empfindungen eher schlicht, unentwickelt sind, weil das die Voraussetzung für unterschiedliche Ebenen von Unterhaltung und Kunst ist. Wichtig daran ist, daß es Musik sowohl für Leute ‚ohne‘ Verstand gibt, gemacht von Leuten ohne Verstand, genauso wie Musik für Menschen mit höherem Intellekt. Und schließlich gibt es halt Musik für den Rest von uns, für Menschen mit etwas Geist, die es einfach und geradeaus mögen. Jethro Tull ist irgendwo zwischen den Extremen angesiedelt… In meiner Musik gibt es zuweilen so was wie einen intellektuellen Verlauf, aber nicht immer. Und ich möchte auch nicht, daß immer etwas davon vorhanden ist. Hin und wieder möchte ich auch Musik für Fußballspieler machen. Ich sehe schon, worauf das hinausläuft…

Mr. Anderson lässt sich hier von einer zugegebenermaßen verfänglichen Suggestiv-Frage dazu verleiten in der Euphorie über seine vermeintliche intellektuelle Überlegenheit gleich eine ganze Branche für dumm zu erklären (eigentlich gleich zwei, die Fußballspieler mit dazu). Dabei vermengt er Dinge, die nichts miteinander zu tun haben und offenbart gleich mehrere Denkfehler. Dazu kommt: Im Prinzip beantwortet er die Frage nicht – worin nun eigentlich sein Nachteil besteht geht aus seinen Worten nicht hervor. Seinen Ansatz „Für mich stellt es ein Problem dar, weil…“ führt er nicht zuende. Dann schweift er völlig ab und kommt auf die Spice Girls – warum bleibt unklar. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er beruflich viel mit ihnen zu tun hat. Die Frage bezog sich auch „auf das Rockgeschäft“, und die Spice Girls sind wohl kaum der Rockmusik zuzuordnen. Insgesamt macht seine Antwort nicht den Eindruck, als ob er jemals über das Thema und seine gefühlten „Probleme“ nachgedacht hätte, seine Ausführungen bestehen aus einer Aneinanderreihung von Klischees. Für mich ist das alles kein Zeichen von Intelligenz. Und „Kollegen“ wie die Spice Girls öffentlich als dumm zu bezeichnen ist gelinde gesagt eine Stillosigkeit.

Aber mit seinen Denkfehlern, Klischees und Stillosigkeiten steht Mr. Anderson nicht alleine da. Auch z.B. im Laufi-Forum kann man sie zahlreich finden: Die „Intellektuellen“, die ihren Musikgeschmack für ein Zeichen von Intelligenz halten und meinen „objektiv“ beurteilen zu können, welche Musik primitiv und minderwertig ist. Wer solche Musik mag, ist in Folge dumm, hirnamputiert, ohne Verstand, geistlos, hat keinen Grips etc.. Was diesen Intelligenzlern offenbar völlig entgangen ist: Intelligenz und Geschmack haben überhaupt nichts miteinander zu tun.

Welche Art von Musik einem gefällt, ob man gerne Fußball spielt oder einen anderen Sport treibt oder unsportlich ist, ob man lieber Heinrich Böll oder Micky-Maus liest, ist eine Frage der Persönlichkeitsstruktur und steht in keiner Beziehung zur Intelligenz. Ich persönlich lese z.B. lieber Micky-Maus als Böll, und ich würde mich dagegen verwahren deshalb als zurückgeliebener Idiot eingestuft zu werden (zurückgeblieben vielleicht schon, aber ich bin kein Idiot!). Bekanntlich geben Kühe bei Musik von Mozart mehr Milch, während bei lauter Rock-Musik die Milchleistung zurückgeht. Ist das nun ein Zeichen von Intelligenz? Irgendwo habe ich gelesen, das Lieblingslied von Willy Brand wäre „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ gewesen. Wollte davon nun wirklich jemand auf seine Intelligenz schliessen?

Welchen weitverbreiteten Denkfehlern ist Mr. Anderson nun also aufgesessen?

Irrtum Nr. 1: „Wer sich für Dinge interessiert, die mich langweilen, muss dumm sein“. Für mich gibt es z.B. kaum etwas öderes als Fußball (außer vielleicht Kochrezepte, Kosmetik, Mode, Jammern, wie furchtbar alles ist – na ja, es gibt schon einige ziemlich öde Themen). Inzwischen kenne ich gleich mehrere hochintelligente und von mir sehr geschätzte Menschen, die fußballbegeistert sind. Seitdem habe ich diese These verworfen. Nur weil jemand Freude an etwas hat, das einen selbst nicht interessiert, muss er noch lange nicht dumm sein.

Irrtum Nr. 2: „Naivität, Schlichtheit, Gutgläubigkeit = Dummheit“. Das kann zwar so sein, muss es aber nicht notgedrungen. Eventuell handelt es sich nur um eine andere Gewichtung von Werten und Zielen. Besonders Menschen, bei denen die Verfolgung ihrer Eigeninteressen einen hohen Stellenwert einnimmt – und dazu würde ich Mr. Anderson zählen – neigen dazu Idealisten, die ihre Eigeninteressen für ein „höheres Ziel“ zurückstellen oder vernachlässigen, für dumm zu halten. Im Gegenzug werden Puristen oder Perfektionisten, die vor allem nach der Erreichung einer optimalen Leistung streben, Menschen mit eher kommerziellen Zielen als primitiv erachten. Das liegt aber nur daran, dass der Eine die Motive des Anderen nicht nachvollziehen kann.

Irrtum Nr. 3: „Schlechter Geschmack = Dummheit“. Das hatten wir schon. Geschmack und Intelligenz haben nichts miteinander zu tun.

Irrtum Nr. 4: „Wer sich mit Leuten abgibt, die ich für dumm halte, muss auch dumm sein“. Selbst wenn die Spice Girls dumm wären, gilt das noch lange nicht auch für alle Journalisten, die über sie schreiben. Es ist der Job eines Journalisten, über das zu schreiben, was die Leser interessiert und was sie lesen wollen. Ein Journalist, der den Geschmack seiner Leser trifft, ist ein guter Journalist (vorausgesetzt er bleibt bei der Wahrheit und hält sich auch sonst an ein paar Anstandsregeln). Unter Umständen erfordert es sogar besonders viel Intelligenz, aus einem drögen Thema oder dürftigem Material noch eine lesbare Story zu machen.

Aber was ist nun eigentlich Intelligenz? Üblicherweise versteht man darunter die Fähigkeit logisch zu denken, d.h. Zusammenhänge richtig zu erkennen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Dies ist die Art von Intelligenz, die man mit den allseits bekannten IQ-Tests (mehr oder minder treffsicher) messen kann. Meist schlägt sich diese Art von Intelligenz auch in entsprechenden Schulzeugnissen nieder. So kann man z.B. bei Wikipedia folgendes nachlesen: Madonna war eine sehr gute Schülerin. Bei einem Intelligenztest an der High School gehörte sie zu den besten zwei Prozent mit einem IQ von 140. Na also, Mr. Anderson, es gibt doch auch ein paar intelligente Kolleginnen, versuchen Sie’s doch mal bei Madonna!

Aber an der hat ihm ja, wie wir bereits wissen, alles mögliche andere wieder nicht gepasst. Wir erinnern uns: alte Dame – dürr – Stimmchen – junge Kerle, um von ihren Mängeln abzulenken. Zur Anschauung ein Video (Hung Up live 2005), das zeigt wie es aussieht und klingt, wenn die Hochintelligenz musiziert. Es wird dies die Art von Musik sein, für die Mr. Anderson die Bezeichnung „von Leuten ohne Verstand für Leute ohne Verstand“ kreiert hat. Im Prinzip verstehe ich durchaus, was er meint, nur dass das alles überhaupt nichts mit Intelligenz oder Verstand zu tun hat. Musik ist Ausdruck der Persönlichkeit, sie basiert auf emotionalen Bedürfnissen. Nun neigt eigentlich jeder dazu seine eigenen emotionalen Bedürfnisse für besonders hochwertig zu halten, oder anders ausgedrückt seinen eigenen Geschmack für für den einzig wahren. Auch ich bin nicht frei davon, und ich schreibe das hier nicht zuletzt um mich selbst daran zu erinnern (wenn ich es in Zukunft einmal wieder vergesse, weiß ich jetzt wenigstens, wo ich es nachlesen kann):

Geschmack mit Intelligenz zu verwechseln ist kein Zeichen von Intelligenz. Wirklich intelligente Menschen können begreifen, dass Andere eben andere Bedürfnisse und einen anderen Geschmack haben, und dass sie deswegen nicht besser oder schlechter und auch nicht dümmer oder intelligenter sein müssen, sie sind eben einfach nur anders. Und solange sie sich nicht furchtbar daneben benehmen, haben sie den gleichen Anspruch auf Respekt wie man selbst. Aber jetzt komme ich mit meiner Moralpredigt langsam vom Thema ab…

Zurück zur IQ-Test-Intelligenz – sie ist eine eher theoretische Größe. Im täglichen Leben wird man von seinen Mitmenschen vor allem danach beurteilt wie intelligent man wirkt. Und jemand mit einem selbstsicheren, gewandten Auftreten, der sich in gepflegter Sprache flüssig und präzise ausdrücken kann, wird immer intelligenter erscheinen als jemand, der unsicher und unbeholfen daherkommt, undeutlich oder mit Akzent eine breite Umgangssprache spricht und dabei stammelt, stottert oder vergeblich nach den passenden Formulierungen sucht. Dabei muss der Erste nicht unbedingt wirklich intelligenter sein als der Zweite. Nur zur Erläuterung: Der Erste ist eher Mr. Anderson, der Zweite bin eher ich (ein bißchen übertrieben vielleicht…). Diese Kommunikationsfähigkeit ist eine „Schlüsselkompetenz“, die nicht nur darüber entscheidet wie intelligent man wirkt, sondern auch darüber in wieweit es einem gelingt seine Intelligenz und seine sonstigen Fähigkeiten umzusetzen und nutzbringend anzuwenden.

Aber das ist immer noch nicht alles, da sind noch die Unwegsamkeiten der Gefühlswelt. Was nützt einem die schönste Intelligenz, wenn letztendlich Wut, Trotz, Stolz, Eitelkeit oder sonstige irrationale Emotionen ausschlaggebend für die eigenen Entscheidungen und Handlungen sind. Hass oder Liebe, Sympathie oder Antipathie, Faulheit und Bequemlichkeit, Euphorie oder einfach „null Bock“ – die Zahl der Einflussfaktoren, die einen dazu bringen können etwas anderes zu tun als der Verstand einem sagt, sind nahezu unerschöpflich. Und ihr Einfluss lässt sich in keinem Intelligenztest messen. IQ-Tests sind emotionsfrei. Im „wahren Leben“ kommt aber nur die Intelligenz zum Tragen, die sich im Dickicht der Emotionen behaupten kann. Damit sind klar Menschen im Vorteil, die ihre Emotionen kontrollieren und Selbstdisziplin üben können.

Vereinfachend könnte man ganz grob folgende Formel aufstellen: Im Test messbare „Rohintelligenz“ minus Verluste durch Kommunikation minus Verluste durch Emotionen = real nutzbare Intelligenz. Bei Mr. Anderson würde ich diese Verluste für gering halten. In der Kommunikation treten bei ihm überhaupt keine auf – ganz im Gegenteil. Er beherrscht die Selbstdarstellung und das Jonglieren mit Worten so brillant, dass er dadurch eher nach mehr erscheint, als er ist. Und den Eindruck, dass er sich in seinen Entscheidungen stark von Gefühlen leiten lässt, hatte ich bislang auch noch nicht. In seinen diversen Unternehmungen – ob nun Jethro Tull oder Lachsfarm – scheint er eher reichlich unsentimental nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu planen und zu agieren.

Bei obigem Interview wurde er aber einmal wieder an seinem wunden Punkt erwischt – seiner Anerkennungssucht und seiner Manie sich ständig mit Anderen zu seinem eigenen Vorteil vergleichen zu müssen. Als Folge einer Frage nach dem Motto „Ach, Mr. Anderson, Sie sind ja so intelligent, wie halten Sie es nur mit Ihren minderbemittelten Kollegen aus?“ hat er abgehoben und eine Menge unintelligentes Zeug gebrabbelt. Nach meiner Meinung hätte die „richtige“ Antwort auf die gestellte Frage etwa wie folgt lauten können: „Ob ich wirklich intelligenter bin als die Anderen weiß ich nicht, das kann man schwer messen, und darum geht es eigentlich auch garnicht. Es ist immer von Nachteil in einer Gruppe anders zu sein als die Mehrheit, z.B. weil man andere Interessen, andere Wertvorstellungen, andere Ziele oder einfach einen anderen Geschmack hat. Man wird dann leicht zum Außenseiter.“ Etwas in dieser Art hat Mr. Anderson vermutlich auch gemeint, mit dem kleinen Unterschied, dass er sich nicht einfach für einen Außenseiter sondern vielmehr für „etwas Besseres“ hält. Das tun andere, „echte“ Intellektuelle in der Musikbranche (und dazu würde ich z.B. Mark Knopfler zählen, aber auch David Palmer und sicher auch Brian May) vielleicht auch, aber wer ein bißchen Niveau hat, zeigt das nicht so deutlich. Und dass er ein bißchen Niveau hat, gehört für mich zu einem Intellektuellen dazu. Und so hat es Mr. Anderson inzwischen durch seine zahlreichen Denkfehler und Stillosigkeiten geschafft, dass seine intellektuelle Fassade vor meinen Augen weitgehend abgebröckelt ist.

So, jetzt habe ich einmal mehr unseren guten Mr. Anderson in Grund und Boden gestampft und bin dabei – wie Wilfried es neulich so treffend ausgedrückt hat – in Romanhafte abgeschweift. Eigentlich würde ich ja viel lieber einmal etwas Positives über ihn schreiben…

Seid gegrüßt, ihr Beiden
Kretakatze

PS.: Hier noch ein kleiner Nachtrag passend zum Thema „Musik und Intelligenz“: Kurz vor Wilfrieds Hinweis auf Mr. Anderson’s denkwürdiges Interview bin ich bei YouTube auf das nachfolgende Video gestoßen.Ich gehöre eigentlich nicht zu denen, die zu jedem Video ihren Senf abgeben müssen – die bislang von mir verfassten Kommentare kann man noch an den Fingern einer Hand abzählen. Bei Sugar Sugar konnte ich mich dann aber doch nicht davon zurückhalten eine Kostprobe meines feinsinnigen Humors zu hinterlassen. Mr. Fogerty schafft es irgendwie immer wieder Songs zu schreiben, bei deren erstem Hören ich spontan denke „Mein Gott, ist das primitiv!“. Eine halbe Stunde später stelle ich dann fest, dass ich ständig dieses Lied vor mich hin summe. Es sind Melodien, die ungebremst durch sämtliche Schichten der Großhirnrinde hindurch sofort zu den Basiszellen des Stammhirns vordringen, um sich dort – dem Zugriff des freien Willens entzogen – für immer festzusetzen. Das ging mir schon mit Green River so, wobei bei Green River zumindest der Text nicht primitiv ist. Das kann man von Sugar Sugar nicht behaupten. Es ist wirklich schon fast peinlich… Aber wie wir gerade gelernt haben: Intelligenz und Geschmack haben ja nichts miteinander zu tun.

PPS.: Für Diejenigen, die es interessiert: Mark Knopfler kommt im April und Mai 2008 nach Deutschland, der Kartenvorverkauf hat am 12.10.2007 begonnen!

12.10.2007

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Hallo Kretakatze, hallo Lockwood,

etwas erstaunt bin ich schon, wenn Kretakatze schreibt, dass es bei der Unterschiedlichkeit der Musik von CCR und Jethro Tull nur wenige Fans gibt, die an beiden Gruppen Gefallen finden (der, den Du da gefunden hast, sticht ja noch dadurch hervor, dass er wohl Kraftwerk mag, wirklich eine außergewöhnliche Mischung). Ich kenne wenigstens noch einen Fan (oder habe ich da etwas falsch verstanden?): Dich, Kretakatze!

Ja, beim Metallica-Video habe ich wirklich geschlafen. Aber die Kommentare haben mich wahrscheinlich nicht interessiert oder in meiner Euphorie, dass Metallica einen Tull-Titel spielt, habe ich gar nicht darauf geachtet. Dabei ist mir „Cross Eyed Mary“ in der Version von Iron Maiden durchaus bekannt. Vor schon vielen Jahren bin ich im Internet (wo sonst) darauf gestoßen, habe es mir sogar mit anderen Cover-Versionen damals als Audio-CD gebrannt. Auf der anderen Seite wirkt das Video aber auch täuschend echt – z.B. mit den Hintergrundgeräuschen des Publikums. Wem kann man da heute noch trauen …

Deinen Kommentar zu dem Video habe ich gelesen. Damit andere nicht suchen müssen, hier der Wortlaut:

Hey globetrottertroll, couldn’t you make another video of that kind with Metallica covering Tull’s „We used to know“? They did that anyway, just that they called it „Nothing else matters“. Everyone with half an ear can hear that it’s the same tune, they stole the song from Tull – maybe as a revenge? I wonder why Ian Anderson didn’t sue them, maybe they are secretly paying royalties?

Ich staune immer mehr über Dich, Kretakatze. Das sind ja schwerste Vorwürfe gegen Metallica. Da haben die einen Riesenhit mit „Nothing Else Matters“ und dabei soll das nichts anderes sein als ein Plagiat?! Nun, ich habe nicht nur ein halbes, sondern zwei Ohren und habe auch bisschen weitergeforscht, wie es meiner Natur entspricht. Beide Stücke sind in e-moll. Der Tull-Titel ist im ¾-Takt, der von Metallica im 6/8-Takt notiert (was einem ¾-Takt gleichkommt). Aber bei aller Liebe und allen Ähnlichkeiten: Ein Plagiat im engerem Sinne würde ich das nicht nennen, dafür sind beide Stücke doch zu verschieden.

Es gibt da übrigens einen weiteren Vorwurf des Plagiats, ebenfalls im Zusammenhang mit “We Used to Know” und auch ein Lied betreffend, dass sogar in ‚meinen’ Top 100 der besten Gitarrensolos der Rockmusik zu finden ist: Eagles – Hotel California (immerhin auf Platz 8!). Okay, in den Anmerkungen zum youtube-Video steht etwas von ‚sehr ähnlich’ (und Absicht wird auch nicht unterstellt). Und ähnlich bzw. sehr ähnlich sind manche Lieder. Aber hier stimmt schon der Takt nicht: Der Eagle-Titel ist eindeutig im 4/4-Takt:

The Eagles was the support band of Jethro Tull when they played „We used to Know“ (1970). In 1976 the Eagles composed Hotel California. Intentional or not, the vocal melody and the harmony is very similar.


The origin of „Hotel california“: We used to know

Ich habe vor vielen Jahren einmal mit einem Kollegen zusammengearbeitet, der ein wirklicher Kenner der klassischen Musik war. Er behauptete, dass „Yesterday“ von den Beatles auch nichts anderes als ein Plagiat wäre. Der wirkliche Komponist soll wohl Felix Mendelssohn Bartholdy sein, wenn ich mich recht erinnere. Auch Herrn Anderson selbst hätte man jahrelang des Plagiats beschuldigen können, steht bei Bourree auf früheren Scheiben immer der Name Ian Anderson allein; erst sehr spät finden wir neben seinem Namen auch den von J.S. Bach. Aber da habe ich noch ein weiteres Beispiel: „By kind permission of“, das Klaviersolo von John Evan (meist mit „With you there to help me“ gespielt so wie bei dieser Live-Aufnahme im altehrwürdigen Beatclub). Mit wessen freundlicher Genehmigung spielt er denn da wohl. Ich bin kein großer Klassikkenner, aber angeblich soll das Rachmaninov sein, dessen Prélude in Cis-moll opus 32 oder so. Und dank youtube, was finde ich da, genau Rachmaninov, wenn es auch Opus 3 Nr. 2 ist. Evan hat eindeutig bei Rachmaninov geklaut (da kommt mir Marilyn Monroe in den Sinn und der Film „Das verflixte 7. Jahr“, kennt Ihr den Film? „Rachhhhmaninovvvvv’ haucht da die Monroe schwülstig-frivol im drückend-heißen New York, während der Nachbar in die Tasten haut).

Themenwechsel: Beim Bartwuchs kann ich natürlich mitreden. Nun in jungen Jahren hatte ich eine ziemlich lange Matte auf dem Kopf, vielleicht nicht ganz so lang wie in den 70-er Jahren der Herr Anderson. Die Haare wurden dann kürzer und dafür sprossen die Haare unmittelbar im Gesicht. Und so laufe ich seit nunmehr 30 Jahren herum. Man gewöhnt sich daran. Ob nun länger oder manchmal auch ziemlich kurz gehalten – mir ist es gleich. Wenn das Gestrüpp zu dicht wird und ich wie Aqualung (also wie ein Penner) aussehe, dann stutze ich ihn zwangsläufig. Um den Menschen in meinem Umfeld nicht zu sehr befremdlich zu sein.

Aber komme ich zum eigentlichen Anliegen Deiner letzten Mail, Kretakatze: Herr Anderson und die Themen Intelligenz, Geschmack und Persönlichkeit. Was soll und kann ich dazu schreiben? Du hast in vielem Recht. Und doch müsste ich Dir eigentlich bei manchem widersprechen. Lass ich Ian Anderson erst einmal links liegen und erzähle etwas aus meinem Leben. Auf der Arbeit sind wir eine kleine Gruppe, Abteilung kann man das nicht nennen, so nennt es sich Stabsstelle. Und auch die braucht eine Leitung. Als nun vor 7 Jahren unser Leiter in Rente ging, gab es ein Hauen und Stechen um diese Stelle. Und Siegerin wurde eine Frau, die es im Vorfeld verstanden hatte, an den richtigen Türen zu kratzen. Besondere Fähigkeiten: Sie kann alles (und nichts) in feine Worte kleiden. Der im Fachlichen eigentlich Kompetente guckte in die Röhre (ich spreche nicht von mir). Schlage ich den Bogen zu Herrn Anderson: Wie er so versteht es die gute Frau, sich in wohlfeilen Worten auszudrücken. Im Gegensatz zu Herrn Anderson hat sie aber nichts wirklich Konkretes vorzuweisen, kein künstlerisches Werk oder dergleichen, das ihre Stellung rechtfertigen würde. Das bisschen Intelligenz, die sie aufzuweisen hat, wird (nach Deiner Rechnung) nicht durch Verluste in der Kommunikation gemindert. Der eigentlich kompetente Anwärter auf die damals frei werdende Stelle hatte diese Verluste.

In dem, was Du schreibst, liebe Kretakatze, zeigst Du, so denke ich, viel von Dir und gibst einiges von Dir preis. Auch mich entsetzt es, wenn Hohlköpfe es schaffen, durch Schein zu wirken. Nicht jede Führungspersönlichkeit ist wirklich eine Persönlichkeit. Und intelligent wahrscheinlich auch nicht allzu sehr. Der Schein trügt bekanntlich, aber die Menschen wollen betrogen sein.

Was Herr Anderson da alles sagt, würde ich nicht auf die Goldwaage legen. Es ist viel Bla-Bla und vieles ist auch gedankenlos geäußert. Was man halt so in einem Interview von sich gibt. Dass er auf die armen Spice Girls einschlägt, dass an anderer Stelle Madonna ihr Fett abbekommt, ich finde das eher lustig (und entlarvend).

Ich will und kann nicht auf alles eingeben, was Du schreibst. Vielleicht etwas zu den Journalisten der Regenbogenpresse: Es geht hierbei nicht um Intelligenz. Sicherlich gehört einiges dazu, ein Massenpublikum zu unterhalten. Bei aller Intelligenz sind diese Menschen (die ihr Geld mit der Unterhaltung eines breiten Publikums verdienen) menschlich dumm. Und ausbeuterisch. Sie beuten die Dummheit anderer aus.

Und Madonna: Ob sie nun intelligent ist oder nicht. Ich kann und werde mich nie für sie begeistern können. Intelligent ist sie ohne Frage, denn auf der Suche nach neuen Einnahmequellen ist sie fündig geworden. Da steht sie Herrn Anderson in nichts nach.

Ich stimme Dir zu, wenn es um den Respekt vor anders Denkenden, anders Fühlenden bzw. geschmacklich anders Ausgerichteten geht. Was ich mag, werden andere nicht unbedingt auch mögen. Ist auch okay so. Wenn Herrn Anderson im weitesten Sinne von Dummheit spricht (keinen Grips haben, schlicht, unentwickelt sein usw.), dann meint er da bestimmt auch etwas anderes. Es gibt nun einmal die Unterhaltung ‚fürs gemeine Volk’. Rockmusik gehört sicherlich auch dazu, aber eben nicht alle Rockmusik. Es gibt die Rockmusik für anspruchsvollere Geister und den Hau-Ruck-Rock für einfachere. Das heißt aber nicht unbedingt, dass Hau-Ruck-Musiker dumm sein müssen. Und sicherlich gibt es auch Intellektuelle, die ganz gern einmal Hau-Ruck-Rock hören. Warum nicht? Da ist Andersons Aussage sicherlich viel zu pauschal.

Aber vor allem eines: Ian Anderson sieht sich und Jethro Tull ‚irgendwo zwischen den Extremen angesiedelt’, wie er sagt. So hohe Ansprüche stellt er also gar nicht. Aber genug. Irgendwie drehe ich mich im Kreise. Was Du, Kretakatze geschrieben hast, hat nicht nur etwas mit Herrn Anderson zu tun. Es ist eine grundsätzliche Beurteilung und als solches völlig in Ordnung. Lassen ich es für heute dabei bewenden.

Eigentlich habe ich noch etwas auf dem Zettel. Aber für heute muss es genügend (und später mehr).

Ich hoffe, der gute Lockwood geht uns nicht ganz verloren. Ich verliere mich auf jeden Fall für die nächsten zwei Wochen. Bei uns sind Ferien und ich habe ebenfalls frei. Da möchte ich schon einmal andere Dinge aufarbeiten (als das Gequassele eines Herrn Anderson).

Gruß und Schluss
Euer Willi

19.10.2007

English Translation for Ian Anderson

Streiks ohne Ende?

Das Schwarze-Peter-Spiel ist wohl ein sehr beliebtes Spiel in Deutschland. Und so schieben sich Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft seit Monaten (sic!) den ’schwarzen Peter‘ immer wieder gegenseitig zu. Der Gelackmeierte ist aber am Ende der Pendler, der auf die Bahn angewiesen ist, denn im Grunde dreschen beide, Bahn und GDL, auf ihn ein.

Heute schon zum 3. Mal innerhalb von zwei Wochen streiken die Lokführer im Nah- und Regionalverkehr. Der Ausstand läuft seit 2 Uhr und soll bis 11 Uhr dauern. Neue Streiks drohen bis Mittwoch – außer am Wochenende. Die GDL hatte bereits am vergangenen Freitag, den 12. Oktober, den Nahverkehr in weiten Bereichen ganztägig zum Erliegen gebracht. Am 5. Oktober hatte die GDL zwischen 8.00 und 11.00 Uhr gestreikt.

GDL bestreikt die Deutsche Bahn AG

An den Fernverkehr wagt sich die Lokführergewerkschaft nicht heran, seitdem ein Arbeitsgericht einen Streik in diesem Bereich für rechtswidrig erklärt hatte. Ein Streik dort würde die GDL in arge Bedrängnis bringen, da Schadensersatzforderungen gegen diese zu erwarten wären, was in letzter Konsequenz zum Aus der Gewerkschaft führen könnte. Von den Pendlern, die größtenteils ihre Fahrkosten über Abonnements abbuchen lassen, ist mit wenig Gegenwehr zu rechnen. Im Nahverkehr ist der Service der Bahn schon seit Jahren auf ein Minimum beschränkt. Im Grunde wäre die Bahn froh, den Nahverkehr samt S-Bahn-Tochter ganz los zu werden. Da kommt der Streik dort schon fast gelegen.

Am Rande: Wenn es beispielsweise um Ansprüche auf Entschädigungen geht (z.B. bei Verspätungen der Züge), dann bleibt auch hier der Nahverkehrsreisende in allen Diskussionen außen vor.

Um nicht ganz den Ast abzusägen, auf dem auch die GDL mit ihren Mitgliedern sitzt, wird ein Streik zum Wochenende ausgesetzt. Da fahren nur wenige Pendler – und die andere Kundschaft will man nicht gänzlich vergraulen.

Es wird Zeit, dass beide Parteien endlich eine Einigung finden. Wenn die Bahn keinen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer wünscht (was verständlich ist), dann muss sie auf anderem Weg entgegen kommen. Ihr letztes Angebot (und in soweit verstehe ich die GDL sehr gut) war der reinste Hohn. Aber ein Streik ohne Ende hilft beiden nicht. Vielleicht sollte man die Herren Mehdorn und Schell (wenn dieser erholt aus der Kur zurück ist) gegeneinander in einem Schauboxen antreten lassen. Von dem Spaß hätten dann auch die Pendler etwas …

Mehdorn und Schell in den Ring

siehe auch zdf.de: Lokführer streiken wieder

Eddie, der Blumenhinrichter

Freud’sche Versprecher sind schon etwas Feines. Die decken auf, was ein Mensch tatsächlich denkt. Unserem Edmund Stoiber ist das schon öfter passiert. Es will etwas sagen, äh, sagt es dann, äh, sagst es dann aber anders, äh, als er es, äh, sagen sollte …

Nun hat er es also endlich geschafft. Eddie geht in den wohl verdienten Ruhestand. Und da muss er sich neue Betätigungsfelder suchen. Klar, endlich einmal in Ruhe gute Musik hören, wäre nicht schlecht. Ein nettes Buch lesen vielleicht. Oder gar selbst ein Buch schreiben. Zu erzählen, äh, hat er ja viel. Für einen Ruheständler bietet sich meist auch Arbeit im heimischen Garten an, ‚um Kraft zu tanken‘ – aber wie es aussieht, ist dieser das Revier seiner Frau, in dem Edmund tulichst nicht zu wildern hat. Und viel Lust hat er dazu dann wohl auch nicht, will er die Blumen dort doch gleich hinrichten (oder doch lieber ‚auf‘?). Da wird sich seine Frau bedanken. Also dann doch lieber nach Brüssel, um dort die Bürokraten hin- und her- resp. aufzurichten.


Edmund Stoiber: Der Blumenhinrichter

Günter Grass wird 80

Nach den Aufregungen vor gut einem Jahr wegen der verspäteten Offenlegung seiner Mitgliedschaft zur Waffen-SS am Ende des 2. Weltkrieges (siehe meinen Beitrag: Das späte Geständnis des Günter Grass) sollten diese Tage Anlass zum Feiern sein: Günter Grass feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Und so werde ich mir dieser Tage den kleinsten Teil der Danziger Trilogie zu Gemüte führen, die Novelle „Katz und Maus“, die ich gezwungenermaßen ein zweites Mal kaufen musste, nachdem ich das ausgeliehene erste Exemplar bis heute nicht zurück bekommen habe. Der neue Eigner soll sich schämen (oder besser noch: das kleine Büchlein lesen). Und eine DVD mit der Schlöndorff’schen Verfilmung von Grass‘ „Blechtrommel“ steht auch noch im Schrank …

Auch wenn ich mich wiederhole, aber ich habe Günter Grass’ schriftstellerisches Werk genossen, sei es die Blechtrommel, der Butt oder sein kleines Geschichtenbuch ‘Mein Jahrhundert’. Sein politisches Engagement in Sachen Aussöhnung mit dem Osten, sein unermütliches Mahnen, die Gräuel der Nazizeit nicht zu vergessen, haben ihn zu einer moralischen Instanz in Deutschland werden lassen, die besonders im Ausland für Aufmerksamkeit sorgte. Der Lohn war u.a. der Nobelpreis für Literatur.

Dass Günter Grass bis heute nicht unumstritten ist, wundert angesichts dieser Biografie keinen. Auch ich kann und konnte mich nicht immer für ihn begeistern. Und zuletzt konnte er mich auch schriftstellerisch nicht mehr überzeugen. Sein ‚barocker‘ Stil hat sich ziemlich aufgebraucht. Aber allein die Danziger Trilogie und auch „Der Butt“ sind Werke, die weit über die Grenzen Deutschlands die verdiente Anerkennung fanden. Weltliteratur eben.

Also auch von meiner Seite her: Alles Gute zum 80. und weiterhin gutes Gelingen!

siehe auch meinen weiteren Beitrag: Günter Grass’ “Beim Häuten der Zwiebel”

siehe auch zdf.de: Grass wird 80

siehe zdf.de: [Bilderserie] [Video: Günter Grass – Der Unbequeme] [Video: Danzig feiert Günter Grass]

Hurrah, wir verblöden …

Die Flut an Informationen, die uns jeden Tag aufs Neue heimsucht, kann unser Gehirn kaum noch verarbeiten. Immerhin ist unser Gehirn so ’schlau‘, viele der Informationen im Vorfeld zu filtern, Brauchbares evtl. zu integrieren oder auf viele andere Weisen zu verändern, bevor diese in unser Bewusstsein gelangen können.

Und wir als ‚moderne‘ Menschen nutzen Hilfsmittel und Geräte als Speicher, um unseren biologischen Arbeitsspeicher (eben das Gehirn) zu entlasten. Telefonnummern, Adressen, Termine und vieles mehr speichern wir auf Handys, Computern und natürlich manchmal auch noch ganz manuell (handschriftlich) in realen Notizbüchern ab, um zur rechten Zeit am richtigen Ort diese Infos abzurufen.

Jetzt wurde nachgewiesen, dass diese Speicherwut ihre Tücken hat. Ganz abgesehen davon, dass diese Daten verloren gehen können, fördert sie in unserer Abhängigkeit von der Technik unsere Vergesslichkeit. Und das Ganze hat dann auch noch einen Namen: „digitale Demenz“.

digitale Demenz

Okay, bei der „digitalen Demenz“ handelt es sich nicht um eine Krankheit wie etwa bei der echten Demenz, die durch eine voranschreitende Verschlechterung kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet ist und nicht geheilt werden kann. Digitale Demenz ist vielmehr eine soziale und kulturelle Erscheinung, die die Veränderungen der modernen Gesellschaft verkörpert.

Es wäre also durchaus sinnvoll, unser Hirnschmalz ab und zu ins Schmelzen zu bringen. Wie wäre es vielleicht damit, einmal wieder ein Gedicht auswendig zu lernen. Es muss ja nicht gleich Schillers Glocke sein. Ansonsten kann es geschehen, dass wir verblöden (und wir morgens den Rechner anschalten, damit dieser uns unseren Namen nennt und weitere wichtige Informationen, die man so zum Leben braucht).

siehe zdf.de: „Digitale Demenz“ auf dem Vormarsch

Meine 10 größten Gitarristen: Harry Sacksioni – Meta Sequoia (1983)

Auf der Suche nach Gitarristen, die mir gefallen, habe ich wieder einmal meine alte Schallplattensammlung aus gutem Polyvinylchlorid durchforstet, und bin dabei auf eine einsame LP von Harry Sacksioni: Spätnachrichten (in den Niederlanden unter dem Titel Nachtjournaal erschienen) aus dem Jahre 1984 gestoßen. Sacksioni kennen wir als früheren Gitarristen von Herman Van Veen. Auf dem Live-Album von 1983: Inzwischen alles Gute war er mit an dem Stück „Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl“ beteiligt. Auf dem gleichen Album findet sich auch ein Gitarrensolo von Harry Sacksioni, schlicht und einfach: Gitarrensolo betitelt. Inzwischen weiß ich natürlich, dass dieses Solo auch einen Titel hat: Meta Sequoia, benannt nach diesen Mammutbäumen.

Nun, Harry Sacksioni beherrscht durchaus die E-Gitarre, aber eigentlich lieb geworden ist er mir durch sein Spiel auf der Akustikgitarre. Es müssen nicht immer Rockmusiker sein. Auf „Spätnachrichten“ finden wir neben Herman Van Veen, der zwei Lieder singt, auch die Geschwister Hans Visser (Bass, Gitarre, Perkussion) und auf dem Titel „Am Fuß des Regenbogens“ Annet Visser (Flöte). Zusammen mit dem Bruder Erik (Gitarren aller Art), Peter Weekers (Querflöte/Piccolo/Altflöte/Panflöte/indianische Bambusflöte/Uillean Pipes/Spinett) und Sylvia Houtzager (Violine/Harfe/5-saitige Viola/Cello) kenne ich die beiden von der Gruppe „Flairck“ her. In einem früheren Beitrag bin ich einmal etwas ausführlicher auf Flairck zu sprechen gekommen (samt dem Musiktitel: The Wooden Wedding).

Harry Sacksioni: Spätnachrichten (1984)

Harry Sacksioni soll hier stellvertretend für all die mir lieben niederländischen Musiker stehen (die sich auf diesem Album ja ein Stelldichein geben). Und stellvertretend auch für eine Vielzahl hervorragender Gitarristen (nicht nur aus Holland), die neben der E-Gitarre auch immer wieder gern eine akustische Gitarre zur Hand nehmen.

Hier nun das „Gitarrensolo“ von der Scheibe „Inzwischen alles Gute“ von Herman Van Veen.


Harry Sacksioni: Meta Sequoia (1983)

Weiter empfehlen möchte ich neben der Website von Harry Sacksioni eine längere TV-Aufzeichnung von TV Gelderland vom 7. April 2007, mit einem Solo-Auftritt: In Stringdance:

… und noch ein Nachschlag: Hier ein kleines Video von meinem Kurzurlaub mit meiner Familie im Sommer 2004 auf Helgoland. Wir weilten auf der Insel für 5 Tage – bei prächtigstem Sonnenschein; es war sehr erholsam. Das Video ist unterlegt mit einem Stück von Harry Sacksioni, dem Titelstück des genannten Albums:

Vogelparadies Helgoland Sommer 2004
Birds‘ Paradise Heligoland Summer 2004
Musik: Harry Sacksioni – Nachtjournaal/Spätnachrichten

Hasta la vista, Vista!

Mein jüngster Sohn hat sich einen neuen Rechner zugelegt – mit Windows Vista und dem Windows Media Center. Bisher hatte ich nicht viel Gutes von dem neuen Betriebssystem aus dem Hause Microsoft gehört. Jetzt nun konnte ich mich selbst davon überzeugen, wie umständlich z.B. das Handling ist, um nur einen Kritikpunkt zu nennen. Wenn Vieles bei anderen neuen Programmen gewissermaßen intuitiv vom Benutzer erfasst wird, so hilft bei Vista und Co. selbst das Handbuch nicht immer. Für mich ist das einfach eine neue Welt, in der ich mich nicht zu Hause fühle. Und überhaupt: Ich fühle mich geradezu entmündigt, wenn ich mit Vista arbeite. Wann und wie ich mit dem Rechner ins Internet will, hatte ich bisher meist selbst bestimmt. Jetzt fuhrwerkt Vista von sich aus im Internet herum, oft, ohne mir Auskunft über sein Tun zu geben.

Windows Vista

Nun mein Jüngster hatte bereits in seinem alten PC eine TV-Karte und konnte über den Composite-Anschluss (samt den Audioeingängen) seine Playstation anschließen. Alles ohne Probleme. Und jetzt? Das schön und gute Windows Media Center kann das Composite-Signal nicht verarbeiten. Immerhin hat die TV-Karte noch einen Composite-Video-Eingang. Aber der ist nur umständlich über die mitgelieferte Nero Vison-Softeware zu erreichen. Der Support des PC-Herstellers antwortete auf meine Anfrage (immerhin innerhalb von 3 Werktagen) wie folgt:

Windows Media Center

Wenn also die Playstation rückseitig angeschlossen ist, bitten wir Sie die Software „Nero 7 Essentials“ zu starten. Das Unterprogramm „Nero Vision Ess.“ kann Videosignale über Composite verarbeiten bzw anzeigen. Wählen Sie bitte hier „Video auf Festplatte aufnehmen“. Nun sehen sie ein kleines Vorschaufenster. Am rechten Rand können wir nun die Videoquelle, sowie die Audioquelle auswählen.

Video = composite
Audio = Hauppauge WIN TV … Analog

Unterhalb des Vorschaufensters (2. Button von rechts) kann auch ein Vollbild aktiviert werden.

Video- und Audioeingänge an Grafik-, Sound- und TV-Karten sind nicht nur der Firma Microsoft ein Dorn im Auge. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird es diese Anschlüsse nicht mehr geben. Warum? Ganz einfach: Über diese Anschlüsse lässt sich alles mögliche auf dem Rechner speichern und so auch der Kopierschutz u.ä. umgehen. Genau das möchten aber die großen Firmen Microsoft und Sony usw. um alles in der Welt verhindern.

Und nur als kleine Frage von mir so einfach in den Raum gestellt: Was hat es mit dem reduzierten Funktionsmodus in Windows Vista auf sich? Man ahnt es …

Privater Emissionshandel gefällig?

Frau Merkel hat ein hehres Ziel vor Augen: Der weltweite Ausstoß an CO2 soll pro Kopf und Jahr auf maximal 2 Tonnen begrenzt werden. 2 Tonnen? Das sind immerhin 2000 kg.

Um das Ganze möglichst effizient zu handhaben, schlage ich vor, dass ein privater Emissionshandel mit so genannten Emissionszertifikaten eingerichtet wird. Nach jetzigem Stand entspricht eine Tonne Kohlendioxid einem Emissionszertifikat. Jeder Mensch dieser Erde bekommt also zwei Zertifikate. Produziert einer mehr als 2 Tonnen CO2, so muss er Strafe zahlen oder kann ungenutzte Zertifikate anderer kaufen. Wer weniger Emissionen erzeugt, kann seine Zertifikate entsprechend auf dem freien Markt verkaufen.

Klimawandel?!

Wer wie meine Familie (4 Personen = 8 Tonnen CO2) kein Auto besitzt, ist natürlich gut dran. Da können wir durch Emissionshandel noch einmal kräftig unsere Haushaltskasse aufbessern. Okay, gelegentlich fahren wir mit der Bahn, die für kohlenstoffdioxid-äquivalente Emissionen sorgt, und ab und zu lassen wir auch einmal einen Pups (Abgase dieser Art werden auch entsprechend umgerechnet). Aber am Ende stehen wir mit unserer CO2-Produktion besser da als die vielen Autobesitzer.

siehe zdf.de: Merkel will CO2-Ausstoß weltweit begrenzen

Ein Kartenhaus bricht zusammen

Okay, es sind schon ganz andere ‚gehackt‘ worden. Trotzdem fragt man sich, wie so etwas geschehen kann: Hacker gedienten sich beim Hamburger Online-Ticketshop kartenhaus.de und stahlen die Daten (samt Kreditkartennummern) von nicht weniger als 66.000 Kunden. Die Kunden selbst wurden erst Tage später über den Diebstahl informiert. Immerhin.

Ein Kartenhaus bricht zusammen

Ich kenne einige, die von diesem Diebstahl betroffen sind. Und die fragen sich besonders, was jetzt zu tun ist. Ich empfehle, sich mit dem Bankinstitut kurz zuschließen, von dem man die Kreditkarte hat. Zumindest sollte man die Geldbewegungen auf seinem Konto beobachten. Und in Zukunft sollte man vielleicht doch eine Zeitlang seine Eintrittstickets wieder ‚offline‘ kaufen.

siehe zdf.de: Hacker hatten freien Eintritt

Was ist bloß mit Ian los? Teil 84: Spot the Tune

Liebe Kretakatze, lieber Wilfried,

da bin ich wieder. Mailprobleme habe ich nach wie vor, aber es wird schon gehen.

Es würde mich freuen, wenn ich einen Musiker entdecken würde, dem ich soviel Begeisterung entgegenbringen kann wie Mr. Anderson. Ich suche zwar nicht gezielt danach, aber wenn ich einem solchen Musiker begegnen würde, würde ich ihn erkennen. Al Stewart ist es leider nicht. Seine Melodien sprechen mich nicht an und seiner Stimme kann ich nichts abgewinnen. Zu seiner Stimme sind Begriffe gefallen wie schmalzig oder knabenhaft. Das ist aus meiner Sicht zutreffend. Hinzu kommt, dass sie in meinen Ohren irgendwie steril klingt. Mr. Stewart hört sich an wie ein Nachrichtensprecher im Praktikum.

Zu Hallelujah: Alle von Kretakatze gelinkten Versionen dieses Songs klingen besser als die von Mr. Cohen. Zu einigen Liedern klingt sein sonorer Sprechgesang sehr passend, aber ich habe das sehr schnell über. Ein ganzes Album könnte ich mir von ihm nicht anhören.

Die beste Interpretation aus der Linkauswahl kommt unbestritten von k.d. Lang. Ich kannte die Dame bis heute nicht. Sie wirkt in der Tat ein wenig herb, fast wie eine Schwester von Patti Smith.

Aber egal, für einen Shane McGowan – Fan sind Äußerlichkeiten bestenfalls sekundär.

Zwar sehe ich gerne gut aussehende Sängerinnen wie Kate Bush, Stevie Nicks oder Alice, aber gutes Aussehen allein reicht nicht aus. Das mögen Jennifer Lopez – Fans anders sehen, aber bei mir ist das nun mal so. Auf mich üben weniger blendend aussehende Musiker einen ganz eigenen Reiz aus. Jedenfalls ist die Stimme von Mrs. Lang über jede Kritik erhaben.

Zu Mr. Anderson: Der von Euch diskutierte Beginn seiner Stimmprobleme überrascht mich. Ich siedle den Anfang seiner Probleme in den 80er Jahren an. Vorher, auch 1978 im Madison Square Garden, klang er so, wie ich ihn hören wollte und will.

Auch ich habe die letzten Wochen nicht ganz Anderson-frei verbracht. Ich habe sogar in eine CD investiert. Allerdings in ein Album aus der guten alten Zeit. „Minstrel in the Gallery“ hatte ich bereits auf Vinyl, aber da der Plattenspieler nicht immer einsatzbereit ist… Ich denke, wir alle kennen das Problem.

Inspiriert durch die Barttracht des Meisters in den 70er Jahren habe ich versucht, meine Gesichtsbehaarung auch auf diese Länge wachsen zu lassen. Das ging gründlich schief: Sobald die Haare eine gewisse Länge erreichen, habe ich das Gefühl, in einer Hecke zu stehen. Bevor mich dieses Gefühl in den Wahnsinn treiben konnte, habe ich die Pracht auf gewohnte Länge gestutzt. Es will mir einfach nicht gelingen, mich dem Meister äußerlich anzugleichen; das Barett steht mir nicht so gut wie ihm und mit dem Bart war auch nichts. Glücklicherweise ist meine Persönlichkeit so weit gereift, dass mir das nichts ausmacht.

Lieber Wilfried, erlaube mir einen Gedanken zu Deinem Blog-Beitrag über das letzte Werk von John Irving. Skurrile Charaktere und sexuell sehr aktive Menschen ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Romane. Das ist eine seiner Konstanten, da gibt es keine Überraschungen. Was mich hingegen geradezu erschüttert hat war das Lügengespinst, auf dem die Mutter des Protagonisten ihr und sein Leben aufgebaut hat. Eine so plötzliche Wendung habe ich bisher in keinem Irvingroman feststellen können. Wie dem auch sei: Wieder einmal ein toller Roman !

Nach dem heißen Sommer freue ich mich auf einen erfrischenden Herbst. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber immer, wenn mich die Herbstwinde umwehen, denke ich an die frühen Werke von Jethro Tull. Der Herbst ist für mich die schönste Jahreszeit.

Bis bald
Lockwood

26.09.2007

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Hallo Kretakatze, hallo Lockwood,

gleich zu Lockwoods letztem Schreiben und da zu den Stimmproblemen von Ian Anderson. Ich denke schon, dass Anderson weit vor 1980 erste Probleme mit dem Gesang bekam. Vielleicht war das leicht Heisere in seiner Stimme auf „Aqualung“ wirklich nur eine Erkältung (also z.B. auf Cross Eyed Mary klingt er verschnupft). Nur muss man mit einem Schnupfen unbedingt eine Scheibe aufnehmen? Wenn es die Studiobosse aus Zeitgründen so wollen, sicherlich … Ich gebe Dir, Lockwood, aber Recht: 1978 im Madison Square Garden, mag Andersons Stimme nach Kretakatzes Meinung auch leicht mickymaus-ähnlich klingen, so gefällt sie mir wie Dir. Von Sängern in der Rockmusikszene erwarten wir eben nicht, dass sie wie irgendwelche Sängerknaben klingen. Auf der anderen Seite stimme ich Kretakatze zu: So ein Stimmproblem kommt nicht von heute auf morgen. Aber lassen wir das.

Apropos Madison Square Garden: Ian Anderson beginnt das Konzert (Thick as a Brick) gewissermaßen mit einem Ratespiel: Spot the Tune! (Ist aus Zeitgründen nicht auf dem youtube-Video mit drauf). Und so frage ich auch Euch: Spot the tune! Errate die Melodie?

Es ist ein Stück von Jethro Tull, aber ohne den Meister (eigentlich sogar solo von ???) und von einem Album, das wir alle drei nicht sonderlich mögen. So schlecht hört es sich in dieser Interpretation nach meiner Meinung nicht an (da ich akustische Gitarren mag, klingt es für mich sogar ausgesprochen gut). Nun wie heißt das Stück? Ich will nicht, dass Ihr Euch blamiert (ich hätte mich mit Sicherheit auch blamiert), deshalb unten am Schluss die Auflösung. Übrigens ist das Stück auf dem schon erwähnten „25th Anniversary Box Set“ auf CD3 mit unveröffentlichten Aufnahmen (The Beacons Bottoms Tapes aus dem Jahre 1992) zu finden:


Wie heißt das Stück: Spot the Tune!

Zum Thema Plattenspieler: Als feststand, dass die alten Vinyl-Scheiben keine Zukunft mehr haben werden (ist nicht ganz richtig, denn es gibt immer noch die guten alten LPs im Angebot – gewissermaßen für solche, die ich, wenn auch politisch nicht ganz korrekt, Puristen nenne), da habe ich mir noch einmal einen ordentlichen Plattenspieler gekauft. Der steht zz. ganz in der Nähe meines Rechners, weil ich ja immer noch dabei bin, meine alten LPs (soweit ich diese nicht als CDs oder in anderer digitaler Form habe) auf dem PC zu speichern. Bei einigen Scheiben habe ich das ja bereits geschafft, aber in den letzten Wochen staubt der Plattenspieler nur noch ein, weil ich keine Zeit zum weiteren Digitalisieren finde.

Hier etwas für Kretakatze:

Fillmore West in San Francisco 13. bis 16.03.1969: Jethro Tull & Creedence Clearwater Revival

Es ist ein Plakat vom Fillmore West in San Francisco mit Konzertankündigungen für die Tage vom 13. bis 16.03.1969. An allen vier Tagen sind neben Jethro Tull auch Creedence Clearwater Revival im Fillmore West aufgetreten. So müssten sich Ian Anderson und John Fogerty doch eigentlich kennen (vier Tage lang kann man sich nicht aus dem Weg gehen).

Hierzu noch die Setlist lt. ministry-of-information.co.uk (am 17.03. wurde dann in L.A. noch schnell ein Stück aufgenommen):

13/3/69 Fillmore West San Francisco, Ca. USA
  A New Day Yesterday, To Be Sad Is A Mad Way To Be, Blues Jam, Fat Man, Dharma For OneAlso appearing, for all these Fillmore West shows: Creedence Clearwater Revival, Sanpaku.’Blues Jam‘ (not a jam) was introduced as ‚Martin’s Tune Again‘, to differentiate it from the „terrible“ ‚Martin’s Tune‘.
14/3/69 Fillmore West San Francisco, Ca. USA
15/3/69 Fillmore West San Francisco, Ca. USA
16/3/69 Fillmore West San Francisco, Ca. USA
18/3/69 Western Recording Studio LA, Ca. USA
  Recording ‚Driving Song‘  

Auch ich habe mir dieser Tage etwas von Tull gegönnt – die DVD von dem Konzert in Montreux 2003 (die Doppel-CD habe ich mir aber erspart). Die Qualität von Bild und Ton ist wirklich bestens (Ton sogar 5.1 – werde mir beizeiten die Scheibe über Beamer in unserem Keller anschauen). Die Stimmprobleme von Herrn Anderson sind natürlich nicht zu leugnen, halten sich aber in Grenzen (bei einigen Stücken mit weniger hoher Stimmlage würde man sie sogar kaum bemerken). Ich will Euch die DVD nicht unbedingt aufschwatzen. Aber ich als alter Tull-Fan kam nicht umhin, sie mir zu kaufen (zumal ich die Aufnahmen in bescheidener Qualität bereits kannte). Ich bin auf jeden Fall gespannt, was uns videomäßig zum 40. Tagestag von Jethro Tull erwartet. Alte Aufnahmen (besonders in Archiven deutscher TV-Sender, aber auch Wolfgang’s Schatzkammer müsste z.B. aus dem Fillmore West &/oder East neben Ton- auch über Filmmaterial – siehe unten – verfügen) gibt es reichlich, wie ich auch jetzt wieder bei youtube sehen konnte. Hier nur wenige Beispiele:


Jethro Tull Nothing is Easy 1970 (Anderson und Jungs beim Proben)


Jethro Tull – For A Thousand Mothers – Fillmore East 1969


Jethro Tull – A New Day Yesterday – Fillmore East 1969

Sehr interessant ist auch das Video zur Grammy-Verleihung 1988. Die Kommentare dazu sind auch ganz witzig (von: Wer ist Jethro Tull? über Gut, Jethro Tull sind ja gute Musiker, aber … bis zu Habt Respekt vor Jethro Tull …). Nur noch einmal zur Erinnerung: Gewissermaßen zum 25. Jahrestag des Aqualung-Albums 2006 spielte ja Metallica Jethro Tulls „Cross Eyed Mary“ beim Rock am Ring.

Wenn ich abends von der Arbeit mit der Bahn nach Hause fahre, habe ich meinen MP3-Player dabei, um mich bei guter Musik zu entspannen (morgens mache ich meist noch ein kleines Nickerchen, weil ich schon früh unterwegs bin; da mag ich mich nicht schon mit Musik berieseln lassen). Neben dem angesprochenen „25th Anniversary Box Set“ habe ich mir in den letzten Tagen u.a. das alte „Stand Up“-Album angehört. Das war die erste Scheibe, die ich mir in meiner Jugend gekauft hatte. Und ich weiß nun auch ganz sicher, weshalb es die erste Platte war, die ich mir angeschafft habe: Die Musik entspricht ganz dem, was ich mag. Natürlich spielen Anderson und Co. auch heute immer noch Stücke von dieser Scheibe („A New Day Yesterday“ oder „Nothing is Easy“). Abgesehen von den Anderson’schen Stimmproblemen gefallen wir die heutigen Interpretationen aber nicht wirklich. Es ist mir dabei zu viel Gedudele, es sind zu viele Schnörkel, die Anderson auf seiner Flöte zaubert. Vielleicht bin ich (selbst auch) zu sehr Purist. Aber mir gefallen die eher schnörkellosen (na ja, so schnörkellos sind sie auch wieder nicht …) Stücke alter Tage um einiges besser, auch wenn sie technisch (aufnahme- und spieltechnisch) nicht so ausgereift waren. Und das ist auch das, was mir an den heutigen Konzerten nicht allzu sehr gefällt. Nichts gegen Improvisation. Aber zuviel des Guten ist für mich nicht mehr gut. Der Meister muss eben zeigen, was er drauf hat (und will damit auch von seinen Stimmproblemen ablenken).

Den Herbst halte ich auch für eine sehr schöne Jahreszeit. Allerdings sind die letzten tage eher bescheiden (im Aachener Raum soll es ja auch wie aus Kübeln geschüttet haben. Wir hatten gestern fast den ganzen Tag Regen). Hoffen wir auf „goldenen“ Oktober. Ende Oktober habe ich (während der Herbstferien) noch zwei Wochen Urlaub. Da wäre etwas Sonnenschein schon nicht schlecht.

Soviel für heute. Man liest sich weiterhin.
Bis dahin
Wilfried

Spot the Tune: Das Stück heißt „Protect and Survive“ und ist vom Album „A“ (wie Anderson) aus dem Jahre 1980 – als alles begann, den Berg hinunterzugehen. Natürlich spielt Martin Lancelot Barre – solo. Aufgenommen wurde das Stück in seinem ureigenen Studio Presshouse Studio im Dezember 1992.

30.09.2007

English Translation for Ian Anderson