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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Endspurt Bundesliga-Saison 2014/2015

Irgendwie habe ich den Eindruck, als wolle der SV Werder Bremen in der nächsten Saison partout nicht in einem europäischen Wettbewerb (hier die Europa League) spielen. Okay, am Samstag ging es gegen Borussia Mönchengladbach und die sind immerhin Tabellendritter der Fußball-Bundesliga und nun auch endgültig für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Aber wer an die Fleischtöpfe des internationalen Fußballs möchte, darf nicht so zögerlich spielen. So verloren die Bremer zu Recht 0:2 zu Hause gegen die Gladbacher (aber auch Dortmund und Augsburg verloren).

Es bleibt eine letzte Chance auf den 7. Platz – ein Sieg in Dortmund am letzten Spieltag. Dann müsste Dortmund allerdings auch das Endspiel im DFB-Pokal am 30.05. gegen Wolfsburg verlieren. Anders als bisher qualifiziert sich nur der Sieger dieses Pokalendspiels für die Europa League. Nimmt dieser bereits durch die Platzierung in der Bundesliga an einem europäischen Wettbewerb teil ((Wolfsburg hat sich für die Champions League qualifiziert), dann wurde der Verlierer bisher für die Europa League gesetzt. Das gilt jetzt nicht mehr. In einem solchen Fall ist es der Tabellen-Siebte, der an der Europa League teilnimmt. Das könnte Werder Bremen sein, aber eben nur bei einem Sieg in Dortmund. Dortmund, immer wieder ist es Dortmund, das Drehkreuz zum Glück. Vielleicht haben die Bremer alles auf dieses Spiel ausgerichtet, oder?

Mit dem FC Ingolstadt steht jetzt der erste Aufsteiger zur Bundesliga fest. Es ist die 54. Mannschaft, die die erste Klasse erreicht hat. Mit Darmstadt, Karlsruhe und Kaiserslautern kämpfen noch drei Mannschaften um den zweiten direkten Aufstiegsplatz bzw. um den 3. Platz, der für die Relegation gegen den Bundesliga-Sechzehnten berechtigt.

Die Absteiger aus der Bundesliga werden erst am letzten Spieltag ermittelt. Der HSV (32 Punkte), der nun doch wieder auf einem Abstiegsrang zurückgefallen ist (nach so viel Glück zuvor gab es nun in Stuttgart eine verdiente 1:2-Niederlage – Hannover 96 und der FC Freiburg konnten dagegen ihre Spiele gewinnen), muss am kommenden Samstag zu Hause gegen den FC Schalke gewinnen, um weiterhin die einzige Mannschaft zu bleiben, die seit Bundesligabestehen erstklassig ist. Aber selbst das könnte evtl. nicht reichen, da die Hamburg ein schlechtes Torverhältnis haben, und wenn Hannover und Freiburg unentschieden spielen und Stuttgart gewinnt, dann heißt es Adieu, HSV! Interessant ist, dass gleich vier Mannschaften gewissermaßen unter sich den Abstieg ausmachen: Hannover (34 Punkte) spielt gegen Freiburg (34), Paderborn (31) gegen Stuttgart (33). Selbst Hertha BSC (35 Punkte – spielt am letzten Spieltag in Hoffenheim) ist noch nicht frei von Abstiegssorgen. Die schlechtesten Karten dürfte die Mannschaft von Paderborn haben, der aufgrund ihres bescheidenen Torverhältnisses ein Sieg nicht reichen könnte (wenn ich mich nicht völlig verrechnet habe, so können die nur noch den 16., den Relegationsplatz, schaffen).

33. Spieltag Fußball-Bundesliga 2014/2015: VfB Stuttgart – HSV 2:1

Man kann nun rechnen, wie man will: Ich fürchte, dass es eine Mannschaft aus dem Norden (Hamburg oder Hannover) wohl nicht schaffen wird. Sollte der HSV wieder das Relegationsspiel bestreiten wie vor einem Jahr? Oder gibt es in der nächsten Saison nach einigen Jahren wieder ein Hamburger Derby (der FC St. Pauli hat gestern einen großen Schritt in Richtung Erhalt der 2. Liga getan)?

Blumenpracht Teil 35: Tulpen im Mai 2015

Kaum aus dem Urlaub in Sizilien zurück, blühen bei uns im Garten wieder die Tulpen (auch ohne Osterhasen). Der Mai ist halt gekommen. Da schlagen nicht nur die Bäume aus …


Tulpen in AlbinZ Garten Mitte Mai 2015

Da mag sich manche(r) über den Regen beschwerer (so wie heute ist es nicht nur kalt, sondern es tröpfelt immer auch ein wenig aus wolkenverhangenem Himmel), aber ohne Regen würde wohl nicht so viel gedeihen. Auf die Mischung kommt es eben an: Und diese ‚Mischung‘ bleibt uns erst einmal eine Zeitlang erhalten …

Tulpen in AlbinZ Garten Mitte Mai 2015

Sizilien 2015: Land und Leute – und gutes Essen

Ein einwöchiger ‚Abstecher‘ nach Sizilien ist natürlich viel zu kurz, um Land und Leute kennenzulernen. Eigentlich! Aber da ich mit meiner Frau schon öfter auf der größten der Mittelmeerinseln weilte und wir alte Bekannte in Comiso wiedergetroffen haben, so genügte uns die Zeit, um doch das eine oder andere Neue in Augenschein zu nehmen.

Den Wochenmarkt in Vittoria hatten wir bisher noch nicht besucht. Auch die Altstadt der Provinzhauptstadt Ragusa kannten wir nicht. Dass Sizilien nicht nur sonnenverbrannt ist, wissen wir aus einem früheren Aufenthalt im Monat April. Auch jetzt noch im Mai blühen die Wiesen mehr als bei uns, da die Weiden nicht so sehr auf Monokultur ausgelegt sind.

Sizilien 2015: Saftige Wiesen Anfang Mai

Bekanntlich geht die Liebe (und auch die Zuneigung zu einem Land und dessen Menschen) durch den Magen! Zum Essen bei unseren Bekannten wurde ein einfacher, aber schmackhafter Landwein gereicht. So war es natürlich sehr interessant, den Erzeuger des Weines und seine Felder kennenzulernen. Und ein Verwandter unserer Bekannten baut nicht nur Wein an, sondern hat auch Felder u.a. mit Oliven- und Mandelbäumen. Und überall gedeihen Zitronen. Allein deren Schale duftet wunderbar frisch.

Sizilien 2015: Anbau eines schmackhaften roten Landweins

Wer Land und Leute also kennenlernen will, muss vor allem die Küche und ihre besonderen Spezialitäten genießen. Als Vorspeise (Antipasto) kennt man in Sizilien z.B. Meeresfrüchte (Frutti di mare), die man allerdings auch in Tomatensoße zu Pasta, also Nudeln wie Spaghetti, essen kann. Typisch sind Arancini („kleine Apfelsinen“), frittierte Reisbällchen, die unterschiedlich gefüllt sein können (ursprünglich ein Hackragout, heute auch Huhn in Curry usw.) und die Form und Farbe von kleinen Apfelsinen haben. Diese kann man aber auch für Zwischendurch genießen, z. B. am Abend als kleinen Imbiss oder wenn man am Strand weilt. Scàccia, ebenfalls sehr unterschiedlich gefüllte Teigtaschen (Tomaten, Spinat, Ricotta, selbst Kartoffeln, die verwendet man in der italienischen Küche eher als Gemüse), isst man gern als Zwischenmahlzeit. Und Focaccia kennt man inzwischen auch längst bei uns.

Die Palette an Hauptgerichten reicht über Gemüse zu Fisch und Fleisch hin zu einfachen Pastagerichten. Pizza gibt es natürlich auch (wird aber meist zu Abend gegessen).

Wer gern Süßes mag, den empfehle ich neben der Vielfalt an Eissorten und Granita, den Bergen von Mandel-, Pistazien- und Piniengebäck in den Barrs und Eisdielen auch ricottagefüllte Teigrollen, die Cannoli. Überhaupt immer wieder Ricotta, ein Frischkäse von der Konsistenz unseres Quarks, aber sahniger (weniger säuerlich) im Geschmack. Als Speiseeis ist Ricotta ebenfalls zu empfehlen.

Wenn man wie wir, meine Frau und ich, in der Bekanntschaft ‚herumgereicht‘ wird, dann darf eines auf keinen Fall fehlen: italienisches Kaffee, sprich: Espresso. Je kleiner die Tassen, desto stärker der Kaffee. Da kann man schon ins Coffein-Koma fallen. Übrigens Cappuccino trinken die Italiener nur zum Frühstück, das eher spartanisch ist: In Italien isst man zum Frühstück (ähnlich wie die Franzosen) meist nur ein Croissant in Kaffee gestippt. Diese Plunderteighörnchen heißen übrigens Cornetto in Italien.

Vor dem Essen gönnt man sich gelegentlich einen Marsala, einen Dessertwein. Nach dem Essen sollte man auf jeden Fall den Limoncello, einen Zitronenlikör, gekostet haben.

Wie man sieht: Unsere wenige Zeit in Sizilien (eine Woche) haben wir also auch noch zum großen Teil mit Essen und Trinken ‚verplempert‘. Aber die Mahlzeiten sind in Italien immer auch ein familiäres Ereignis. Man tauscht sich aus und diskutiert. Sonst findet man selten die Zeit, um einmal alle zusammen beisammen zu sitzen. Wenn man als Gast (wie wir) dabei sein darf, dann bekommt man von Land und Leuten mehr mit, als wenn man z.B. alte Kirchen besichtigt.

Hummeltag 2014

Zum Ausgleich zu den vielen „katholischen Feiertagen“ in Bayern, in deren Genuss unsere Münchener Arbeitskollegen kommen, haben wir hier in Hamburg heute gewissermaßen einen Für-die-vielen-katholischen-Feiertage-in-Bayern-Ausgleichstag. Da der Name etwas zu lang wäre, haben wir uns auf Hummeltag geeinigt. Der leitet sich vom so genannten Hamburger Gruß ab („Hummel, Hummel!“ – „Mors, Mors!“). Außerdem klingt er überhaupt ganz positiv (wer mag nicht diese possierlich brummend-summenden Tierchen).

    Hummeltag Hamburg 2015

Dank des gestrigen Feiertags (Himmelfahrt) haben wir also ein „verlängertes Wochenende“ mit insgesamt vier freien Tagen (viele andere nehmen heute einen Brückentag). So lässt sich die Maimitte gut ‚überbrücken‘.

Himmelfahrt = Vatertag?

In verschiedenen Religionen, besonders aber auch in Mythen, finden wir die Himmelfahrt als das höchste Ziel, nämlich mit allem, was einem eigen ist, ins Jenseits einzutreten. Am heutigen Feiertag feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, also die Rückkehr des Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, nachdem er zu Karfreitag gekreuzigt und zu Ostern wiederauferstanden war von den Toten.

Grundlage der Himmelfahrt Christi ist das Evangelium von Lukas 24 Verse 50 ff.:

Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Vatertag ist der Ehrentag der Väter so wie es den Muttertag für die Mütter gibt. Er geht zurück auf die Amerikanerin, Louisa Dodd, deren Vater im Sezessionskrieg (1861-65) gekämpft hatte. Sie rief 1910 eine Bewegung zur Ehrung von Vätern ins Leben. Diese Aktivitäten wurden so erfolgreich, daß Präsident Calvin Coolidge 1924 eine Empfehlung für die Einführung eines besonderen Feiertages an die Einzelstaaten der USA herausgab. Die Akzeptanz des Vatertages ist bei weiten Schichten der amerikanischen Bevölkerung so groß, daß Präsident Nixon ihn 1974 endgültig in den Rang eines offiziellen Feiertages für jeweils den zweiten Sonntag im Juni erhob. (Quelle: vaterglueck.de)

In Deutschland fällt der Vatertag jeweils mit dem Himmelfahrtstag (Christi Himmelfahrt) zusammen und variiert somit jedes Jahr. Bisher hat er hier allerdings nicht denselben Stellenwert gefunden wie in den USA, sondern ist eher wegen mancher Saufgelage potenzieller Väter verschrien. Apropos Vatertag:

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
daß er garnicht abgeneigt.
Nur will er mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Sizilien 2015: Markt in Vittoria (Samstag, 02.05.2015)

Nun, von unserer Reise nach Sizilien und dem Besuch bei alten Bekannten meiner Frau sind wir wohlbehalten heimgekehrt. Vor vielen Jahren waren diese Bekannten als ‚Gastarbeiter‘ nach Deutschland gekommen. Und viele Jahre ist es nun auch schon wieder her, dass sie in ihre alte Heimat Comiso – jetzt mit drei Kindern – zurückgekehrt sind. Meine Frau hat mit ihnen über diese Jahre Kontakt gehalten. Anlass unserer Reise war ein ‚runder‘ Geburtstag. So trafen wir als ‚Überraschungsgäste‘ (die längst erwachsenen Kinder mit ihren eigenen Kindern wussten allein von unserem Kommen) am Abend des Geburtstages von Rita ein.

An dieser Stelle danken wir für Eure liebevolle Gastfreundschaft. Wir wurden gewissermaßen ‚herumgereicht‘, wurden mit Speis‘ und Trank bestens versorgt. Dank an Rita und Salvatore, an Luciano, dem älteren der Söhne, und seiner Familie (Amalia, Salvo und Gianni) – an Agnese, der Tochter, ihrem Mann Salvatore und den Kindern Carmelo und Alice – sowie Leonardo mit Frau Consuela und Tochter Beatrice (Ich mag diese italienischen Namen: Agnese spricht sich etwa wie Anjese aus und Alice wie Alitsche bzw. Beatrice wie Beatritsche).

Wir wurden nicht nur herumgereicht, sondern unternahmen auch einige Touren mit einzelnen von Euch. Nach der Fahrt nach Marina di Ragusa ans Meer am 1. Mai (später dazu etwas mehr) besuchten wir den Wochenmarkt in Vittoria, dem Nachbarort. Auch wenn es viele von uns nicht wissen, aber viele Produkte der Landwirtschaft (vor allem die kleinen Tomaten) finden bis auf unseren Tisch den Weg aus Vittoria zu uns. So wundert es keinen, wenn man das Angebot an Gemüse, aber auch an Fisch und Käse (z.B. der Ragusano in Quaderform oder der birnenförmige Caciocavallo), zu sehen bekommt. Gerade Bohnen (als grüne oder dicke Bohnen) sind zz. im Angebot. Orangen gibt es zwar auch noch, aber die werden eigentlich im Winter geerntet. Dafür gibt es Zitronen das ganze Jahr über (an den Zitronenbäumen zeigen sich reife Früchte neben neuen Blüten gleichzeitig). Die sizilianische Küche gilt aus die älteste und vielseitigste Küche Italiens. Die Zutaten bekommt man am besten auf dem Markt.

Das eigentliche Angebot des Wochenmarktes von Vittoria bilden Klamotten. Das ähnelt dann schon sehr deutschen Flohmärkten. Bunter als die Kleidung sind fast schon die Verkäufer, die aus aller Herren Länder zu stammen scheinen. Hier zeigt sich dann auch, dass Sizilien eine Art Außenposten Europas ist. Afrika ist bekanntlich nicht weit. Und auch sonst war und ist noch heute die Insel Drehscheibe im Weltgetriebe.


Sizilien 2015: Markt in Vittoria © Wilfried Albin 2015

Sizilien 2015: Markt in Vittoria (grüne Bohnen satt)

siehe auch (die etwas ‚ausführlichere‘) Fotogalerie hierzu bei Facebook

Danke, Herr Weselsky!

Natürlich meine ich es mit der Überschrift ironisch, aber nicht nur … Die Fratze des Grauens, der Ober-Claus (nur!) eines Teils der deutschen Lokführer, hat wieder zugeschlagen und mit einem neuen Streik den Bahnverkehr für fast eine Woche teilweise zum Erliegen gebracht. Angeblich verursacht dieser Streik der deutschen Wirtschaft einen Schaden von rund 500 Millionen Euro. Woher die Zahlen kommen, ist mir zwar etwas schleierhaft. Sei es darum: Mit dem Geld hätte man die streikenden Lokführer auf Jahre mit fürstlichen Gehaltserhöhungen und Zulagen beglücken können.

Aber ums Geld geht es ja bekanntlich nicht allein. Die GDL, insbesondere Herr Weselsky will das gewerkschaftliche Alleinvertretungsrecht für ALLE Lokführer, überhaupt für alle Bahnangestellten. Und da liegt (ebenso bekanntlich) die Krux begraben: Es gibt da noch die EVG, eine 2. Bahngewerkschaft. Die GDL befürchtet, mit Inkrafttreten des Tarifeinheitsgesetzes von der konkurrierenden EVG verdrängt zu werden.

Dass die andauernden Streiks der GDL nicht nur zu Lasten der Wirtschaft, sondern insbesondere zu Lasten von bahnfahrenden Arbeitnehmern geht, dürfte klar sein. Urlaubsreisende – wie meine Frau und ich -, die von ihrer Reise zurückkommen und lange im Voraus ein Bahnticket gelöst haben, allerdings auch. Wir hatten aber Glück im Unglück, als wir nach dem Flug aus Sizilien am letzten Donnerstag von Koblenz mit einem Intercity nach Bremen fahren wollten. Der von uns gebuchte Zug fiel zwar durch den GDL-Streik aus, aber ohne großen bürokratischen Aufwand bekamen wir dann sogar einen Zug früher, hatten sogar Sitzplätze und erreichten mithin vor der Zeit unser Ziel. Vielen Dank an dieser Stelle dem Schalterbeamten in Koblenz!

    DB-Fahrkarte mit Vermerk: Zugbindung aufgehoben - Streik

Allerdings wäre die Bahn nicht die Bahn, wenn alles bei ihr reibungslos verliefe: Ein gewisses Ärgernis war es schon, dass das Servicecenter erst um 6 Uhr öffnete. Alle anderen Geschäfte im Hauptbahnhof Koblenz waren bereits um 5 Uhr offen. Unser Zug, der dann ausfiel, sollte um 7 Uhr 13 fahren. Alternativ gab es einen Zug um 6 Uhr 05 und einen nach 8 Uhr. Wir waren zwar gleich die ersten am Schalter, aber ohne große Hoffnung, den Zug um 6 Uhr 05 zu erreichen. Und doch klappte es: Ein Stempel auf unsere Fahrkarte, ein Vermerk, dass die Zugbindung wegen des Streiks aufgehoben ist – und sogar eine Platzreservierung wurde ohne weiter Kosten vorgenommen. Meine Frau ging schon voraus. Und auch ich schaffte es noch in der Zeit, den Zug, der wirklich pünktlich Koblenz verließ, zu erreichen. Allerdings hatte der Zug zwei Wagen weniger als üblich. Und in einem dieser Wagen sollten unsere reservierten Plätze sein. Aber auch die Zugbegleiter zeigten sich flexibel: Man pflanzte uns auf so genannte Bahn.bonus comfort-Plätze.

Nun, die GDL plant vorerst keine neuen Streiks. „Das Land und die Bahnkunden haben jetzt eine Pause verdient“, sagte Gewerkschaftschef Weselsky. Oh, wie gnädig, Herr Weselsky! – Wahrscheinlich springen jetzt alle Bahnkunden auf, um ihm die Hände zu küssen. Man könnte zumindest meinen, dass er das erwartet. In welcher Welt lebt dieser Mann eigentlich? Gerade bei Bahnstreiks ist eine gewisse Verhältnismäßigkeit zu wahren. Darüber sind Sie und Ihre Gewerkschaftsmitglieder längst hinaus, Herr Weselsky! Den Bahnpendler in Geiselhaft zu nehmen, torpediert jede Form von Solidarität unter Arbeitnehmern!

Tanz der Hexen in den Tag der Arbeit

Heute Nacht sind wieder die Hexen los. Es ist Walpurgisnacht. Für alle anderen ist es ein Tanz in den Mai. Und morgen dann, auch wenn’s ein von der Arbeit losgelöster Feiertag ist (wie schön, dass der Tag auf einen Freitag fällt), ist der Tag der Arbeit.

Walpurgisnacht - Kupferstich von W. Jury nach Johann Heinrich Ramberg - Walpurgisnachtszene aus Faust 1 (Ausschnitt)
Walpurgisnacht – Kupferstich von W. Jury nach Johann Heinrich Ramberg – Walpurgisnachtszene aus Faust 1 (Ausschnitt)

Ich werde schauen, was in Italien, insbesondere auf des Mittelmeeres größter Insel, Sizilien, so los ist an diesen Tagen. Traditionen hegt und pflegt man ja allerorten, so auch hier in weit südlicheren Gefilden (die roten Fahnen für den Mai-Umzug sind bestimmt schon entfaltet und gebügelt). Wir (d.h. meine Frau und ich) werden schauen …

Himmel und Hölle

Himmel und Hölle ist eine Variante des Hinkelkastenspiels, ein Hüpfspiel, das auf fast allen Schulhöfen überall auf der Welt in einer Vielzahl von Varianten gespielt wird. Die Menschen haben doch mehr miteinander gemein, als man denkt, den Kindern sei Dank.

    Himmel und Hölle – Hinkelkastenspiel (Rayuela)

Die spanische Variante nennt sich Rayuela. Diesen Namen trägt auch ein Roman von Julio Cortázar (1914–1984), der 1963 (deutsch: 1981 bei Suhrkamp als Rayuela: Himmel-und-Hölle) veröffentlicht wurde. Cortázars Meisterwerk ist ein literarisches Experiment in der Tradition des Nouveau Roman, das zu den wichtigsten spanischsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts zählt und das bei zeitgenössischen lateinamerikanischen Schriftstellern wie Gabriel García Márquez, Mario Vargas Llosa oder José Lezama Lima Bewunderung fand. Es gibt zwei Lesarten des Buchs. Man kann es mehr oder weniger linear, also von Anfang bis zum Ende lesen, wie man normale Bücher eben so liest. Oder man liest die Kapitel in einer bestimmten Reihenfolge (73 – 1 – 2 – 116 – 3 usw.), wie ich es getan habe.

Der Vollständigkeit halber. Es gibt da auch noch ein Fingerspiel namens Himmel ODER Hölle, das bei Kindern sehr beliebt ist. Es wird aus einem quadratischen Blatt Papier gefaltet und anschließend in den Farben Blau (für Himmel) und Rot (für Hölle) so angemalt, dass man, wenn man es öffnet – was über zwei Achsen möglich ist – entweder in den „Himmel“ oder in die „Hölle“ blickt.

Nun in den nächsten Tagen verweile ich in Sizilien. Da ist mir in diesem Zusammenhang ein Witz eingefallen, ich weiß nicht, ob ich den wieder hinbekomme. Der Witz handelt auf jeden Fall von einem Italiener, einem Deutschen und einem Engländer (so einer darf ja nirgends fehlen). Neben der französischen gilt die italienische Küche als besonders gut. Es gibt übrigens mehr als nur Pizza und Spaghetti. Wir Deutschen sind ja bekannt für unsere technischen Produkte. Engländer kennt man für ihren schrägen, oftmals schwarzen Humor. Und so gestaltet sich der Himmel auf Erden, wenn sich ein Italiener ums Essen kümmert, ein Deutscher für die Technik – und ein Engländer mit seinem Humor unterhält. Die Hölle wird’s aber sein, wenn ein Engländer den Kochlöffel schwingt, ein Italiener sich der Technik annimmt und ein Deutscher sich des Humors bedient. Himmel und Hölle!

Auf gen Süden, auf gen Sizilien …

Nächste Woche geht es gen Süden, d.h. nach Sizilien. 12 Arbeitstage nach meinem Osterurlaub gönne ich mir mit meiner Frau eine weitere Auszeit (irgendwie muss man ja die Tage bis zur Rente herumbekommen 😉 ). Meine Frau war schon etliche Male auf der größten Insel des Mittelmeeres. Und auch ich habe (wenn ich richtig gezählt habe) dreimal Sizilien besucht: 1989 im September noch unverheiratet, 1992 im April mit dem älteren unserer beiden Söhne und zuletzt im August 2000 mit beiden Söhnen (und natürlich immer auch mit meinem Ehegespons).

Sizilien verbindet jeder mit der Mafia bzw. mit der Cosa Nostra (italienisch für «unsere Sache»), wie man die sizilianische Mafia nennt. Aber das ist ein Thema für sich. Neben den isländischen Vulkanen kennt wohl jeder den Ätna, der mit etwa 3323 Meter höchste und aktivste Vulkan in Europa. Fliegt man z.B. Catania an, so kann man beim Überflug sehr schön in einige der vielen Nebenkrater des Ätna hineinschauen.

Vulkan Ätna/Sizilien

Aus heutiger, ganz aktueller Sicht rückt der Flüchtlingsstrom aus Afrika die Insel in den Mittelpunkt des Interesses. Ziemlich in der Nähe unseres Zielortes liegt das Auffanglager von Mineo im Südosten Siziliens.

Der Grund unserer Reise ist der Besuch von alten Bekannten in Comiso. In der Nähe des Ortes befindet sich ein Flughafen, der seit 2013 für den zivilen Luftverkehr genutzt wird. Zuvor war dieser Flughafen Stützpunkt der US Air Force als Comiso Air Base. Im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses wurden dort 112 Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit atomaren Gefechtsköpfen stationiert. 1999 wurden auf dem Stützpunkt Flüchtlinge aus dem Kosovo untergebracht.

Beim Flughafen Frankfurt-Hahn, von wo wir losfliegen, handelt es sich gleichfalls um einen früheren Militärflughafen, der ebenso von der der US-amerikanischen Luftwaffe genutzt wurde. Er liegt im Hunsrück beim kleinen Ort Hahn und wird heute u.a. für den Frachtflugverkehr genutzt bzw. hauptsächlich durch die irische Billigfluggesellschaft Ryanair bedient.

So müssen wir zunächst mit dem Zug nach Koblenz und von dort mit dem Bus zum Flughafen. Wir hoffen natürlich, dass uns da der Streik der GDL keinen Strich durch die Rechnung macht (bei der Rückreise wäre es nicht ganz so tragisch, aber schlimm genug). Warum diese umständliche Anreise? Natürlich könnten wir z.B. auch von Hamburg fliegen. Das wäre aber erst einmal deutlich teurer und ginge dann z.B. nach Catania. Von dort müssten wir dann ja auch erst einmal nach Comiso kommen. Gehupft wie gesprungen …

Nun denn, bis bald … Sicherlich auch mit einigem Video- und Bildmaterial im Handgepäck.

Leo Rosten: Jiddisch – eine kleine Enzyklopädie

Mit der jiddische Sprache habe ich mich hier in meinem Blog schon öfter befasst. Es ist nach allgemeiner Meinung eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische, mit hebräischen, aramäischen, romanischen, slawischen und weiteren Sprachelementen angereicherte Sprache, die von den aschkenasischen Juden (die Juden in Mittel-, Nord- und Osteuropa und ihre Nachfahren, z.B. die in die USA ausgewandert sind) gesprochen und geschrieben wurde und noch wird. Geschrieben wird diese Sprache mit hebräischen Buchstaben, für die es allerdings unterschiedliche Transliterationen in lateinische Buchstaben gibt.

Von dem älteren meiner beiden Söhne habe ich mir jetzt ein lexikarisches Werk ausgeliehen und gelesen, das von Leo Rosten verfasst, inzwischen ergänzt und kongenial ins Deutsche von Lutz-W. Wolff übersetzt und bearbeitet wurde: Jiddisch: Eine kleine Enzyklopädie.

    Leo Rosten: Jiddisch - eine kleine Enzyklopädie

Was chuzpe, koscher und meschugge heißt, wissen Sie sicher. Einen bagel, gefilte fisch oder lox haben Sie vielleicht auch schon gegessen. Aber wissen Sie, was das alles mit der Tora, dem Talmud und dem jüdischen Glauben zu tun hat? Jiddisch ist diejenige europäische Sprache, die dem Deutschen am nächsten steht. Wenn es heute im amerikanischen Slang hunderte von deutsch/jiddischen Lehnwörtern gibt, dann verdanken wir das nicht zuletzt den jüdischen Auswanderern, die ihre aus dem Mittelhochdeutschen stammende Sprache nach Amerika importiert haben.

Leo Rosten hat Ende der sechziger Jahre ein vergnügliches Hausbuch geschaffen, das jiddische Wörter, jüdische Geschichte, Folklore und Witze mit einer zwanglosen Einführung in die Grundelemente des Judaismus verbindet und uns so mit einer Welt vertraut macht, die uns fast verloren gegangen wäre. Für die vorliegende deutsche Ausgabe wurde das Buch mit vielen Stichworten angereichert, die uns aus der deutschen Alltagssprache vertraut sind.

Leo Rosten wurde 1908 in Lodz geboren. Aufgewachsen ist er in einem Arbeiterviertel Chicagos. Seine ›Hyman Kaplan‹-Romane beruhen auf Personen aus dieser Umgebung. Sein Humor, der mit Scholem Alejchem und Mark Twain verglichen wird, machte ihn bald populär, aber keines seiner Bücher hatte eine so nachhaltige Wirkung wie die ›Joys of Yiddish‹, die nicht weniger als 17 Auflagen und Neuausgaben erlebten. Leo Rosten starb am 19. Februar 1997.
(aus dem Klappentext)

Wer sich fürs Judentum, für die Religion des Judaismus und speziell für die jiddische Sprache interessiert, dem sei das vorliegende Buch wärmstens ans Herz gelegt. Es ist als Lexikon konzipiert. Aber wer einmal einen Blick hingeworfen hat, wird es bald von A bis Z durchlesen wollen, vielleicht nicht in einem Rutsch, eher nach und nach. Es ist nicht nur aufschlussreich, sondern äußerst amüsant verfasst; zu vielen Stichworten gibt es auch typisch jüdische Witze. Ich mag den jüdischen Humor.

Viele der jiddischen Wörter stammen aus dem Deutschen, genauer: aus dem Mittelhochdeutschen. Aber es gibt auch viele hebräische Begriffe, die über das Jiddische in den deutschen Wortschatz eingeflossen sind. Fast jeder benutzt diese Begriffe, ohne deren Herkunft zu kennen: Bammel haben oder Massel haben (bzw. etwas vermasseln), blau machen/sein, Schmiere stehen, Tacheles reden (nein, kommt nicht aus dem Griechischen), einen guten Rutsch wünschen – oder auch Wörter wie Pleitegeier, Reibach, Tinnef, Techtelmechtel oder Zoff.

Viele heutige Redensarten, Grundsätze und Sprichwörter entstammen in dieser oder jener Formulierung dem Talmud [eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, das aufzeigt, wie die Regeln der Tora in der Praxis und im Alltag von den Rabbinern verstanden und ausgelegt wurden – Tora, der erste Teil der Bibel: die fünf Bücher Moses]:

„Urteile im Zweifel für den Angeklagten.“
„Auch der Dumme kann fromm sein.“
„Achte auf den Inhalt, nicht auf die Verpackung.“
„Eine gute Tat führt zur nächsten.“
„Du sollst deinem Kind nicht drohen. Bestrafe es oder vergib ihm.“
„Beginne den Unterricht stets mit einer heiteren Erläuterung.“
„Böse Nachbarn zählen das Einkommen eines Mannes, nicht seine Unkosten.“
[…]
„Wenn man in Rom ist, soll man seinen Bräuchen folgen.“
„Ende gut, alles gut.“ (Das vor allen Dingen!)

(S. 599)

Anhand eines Begriffs (fefillin bzw. tfiln = Gebetsriemen) zeige ich auf, wie sich dieses Lexikon gestaltet. Apropos Gebetsriemen: Viele haben diese zwar auf Bildern schon einmal gesehen, was sie aber bedeuten, wissen die wenigsten. Hier (auch nur in Auszügen) der Text dazu:

tefillin siehe tfiln.

tfiln (f. Pl.)
Aus dem hebräischen tefilín „Phylakterien, Gebietsriemen“. Hebräisch tefilá „Gebet“.

In Amerika: tfiln, tefillin, t‘fillin

Gebietsriemen. Tefillin sind zwei lange, dünne Lederriemen mit denen sich fromme Juden zwei quadratische Lederkapseln (von etwa fünf Zentimeter Länge und Breite) am linken Arm und an der Stirn befestigen, wenn sie beten. Die Kapseln enthalten kleine Pergamentstreifen mit vier Schriftversen aus Exodus (13,1-10; 13,11-16) und dem Deuteronomium (6,4-9; 11,13-21) in hebräischer Sprache. Die Tefillin werden von erwachsenen orthodoxen Juden beim Morgengebet getragen.

Der Gebrauch der Tefillin geht auf Exodus 13,9 zurück, wo es heißt: „Darum soll dir’s ein Zeichen sein in deiner Hand und ein Denkmal vor deinen Augen, auf dass des Herrn Gesetz sei in deinem Munde.“ Widerholt wird dieses Gebot im Deuteronomium 6,8.

Die Art und Weise, wie Tefillin angelegt werden, ist genau vorgeschrieben. Sie werden, zum Zeichen der Ehrfurcht, im Stehen getragen. Die eine Kapsel wird auf der Innenseite des linken Arms unmittelbar über dem Ellenbogen getragen (auf diese Weise ist sie beim Beten in der Nähe des Herzens); der Riemen wird sieben Mal um den linken Unterarm geschlungen. Die andere Kapsel wird auf der Stirn getragen, meist oberhalb des Haaransatzes; der Riemen wird um den Kopf geschlungen und verknotet. Die losen Enden werden über die Schulter gelegt und hängen nach vorn. Schließlich wird das Armband dreimal um den Mittelfinger der linken Hand gewickelt (das steht für den hebräischen Buchstaben schin, mit dem der kabbalistische Gottesname Schaddai beginnt).

Das ganze Ritual hat die psychologische Wirkung, dass es dem Betenden hilft, weltliche Sorgen abzuschütteln und sich auf den Gottesdienst zu konzentrieren. […]

Am Sabbat wurden keine Gebietsriemen getragen. Der Sabbat war ein heiliger Tag und bedurfte zusätzlicher Heiligung durch die Gebetsriemen nicht. […]

All dies deutet daraufhin, dass es sich bei den „Phylakterien“ – das griechische Wort phylakterion bedeutet „Schutz“ oder „Festung“ – ursprünglich um eine Art Amulett handelte. Die Juden glaubten, dass jeder, der die Tefillin trägt, vor Schaden geschützt sei, weil „Gottes Glanz“ auf ihn falle. Deshalb war es auch verboten, die Gebetsriemen mit dem Gebetsschal zu verdecken. Es war sogar üblich, die Tefillin auf der Straße zu tragen, aber da dies die Aufmerksamkeit von Antisemiten erregte und Verfolgungen auslöste, setzt sich diese Sitte nie wirklich durch. […]
(S. 606 f.)

    Tefillin – Gebetsriemen der Juden

„Dieses Wörterbuch ist eine Freude.“ (Viola Roggenkamp in der ‚Zeit‘)

„Leo Rostens Standardwerk erklärt die jiddischen Begriffe äußerst amüsant mit Synonymen, Anekdoten und Witzen Es ist also auch ein Lexikon des jüdischen Lebens, der jüdischen Soziologie und Geschichte wie auch der Religion. Die deutsche Ausgabe wurde nicht nur kongenial übersetzt, sondern auch kommentiert und um viele wichtige Teile ergänzt. Rostens Buch zu lesen ist ein Vergnügen.“ (Arno Lustiger in der ‚Welt‘)

siehe auch: Jiddische Seiten – Yiddishe Saiten