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Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Nein, so doch nicht … (3): Schöngeredet

    Auch die Geschäftsführung der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA legte den Vereinsmitgliedern am Montagabend die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres vor, das am 30.06.2014 endete. Die Geschäftsführung konnte dabei in der Spielzeit 2013/2014 auf eine Steigerung der Gesamterträge auf 91,3 Mio. Euro (im Vorjahr 87,9 Mio Euro) und ein Nachsteuerergebnis von – 9,8 Mio. Euro verweisen. (Quelle: werder.de)

Ich hatte es bereits am Montag angekündigt und will mich heute etwas ausführlicher zur Finanzsituation des Bundesliga-Fußball-Vereins SV Werder Bremen äußern. Anlass hierzu war die ebenfalls am Montag stattgefundene jährliche Mitgliederversammlung, bei der der Verein seine wirtschaftlichen Eckdaten präsentierte. Danach ergibt sich eine nahezu ausgeglichene Bilanz, mit einem geringen Verlust von – 5.241 Euro und einen konstanten Umsatz mit 3,7 Mio. Euro (im Vorjahr 3,8 Mio. Euro). So steht’s bei werder.de.

Am Ende kommt man dann bei Werder aber auf einen satten Verluste von 9,8 Millionen Euro. Schuld daran sind u.a. Abschreibungen aus Transfers. Ansonsten, so beteuerte Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, wäre Werders wirtschaftliche Grundkonstitution als weiterhin gut zu beschreiben: „Wir sind nicht arm und nicht reich. Wir sind gesund und liquide.“

Das mag für den Augenblick zutreffend sein, aber wohl kaum für die Zukunft. Ich will hier nicht auf Einzelheiten eingehen, das wurde von Marc Hagedorn vom Weser-Kurier in seinem Bericht Gute Zahlen, schlechte Zahlen (vom 20.11.2014) hinreichend beschrieben (siehe auch: twitlonger.com). Ergänzendes findet sich im Bericht des Weser-Kuriers vom 24.11.2014: Minus noch größer als befürchtet (siehe auch hier: twitlonger.com).

Soviel sei aber gesagt: Die Rücklagen von einmal 40 Millionen sind durch diesen bereits dritten Jahresverlust in Folge (Wirtschaftsjahr 2011/12 –13,9 Mio / Wirtschaftsjahr 2012/13 –7,9 Mio und jetzt für 2013/14 –9,8 Mio) fast dahingeschmolzen. Wenn Werder auf seiner Website wie eingangs erwähnt schreibt: „Die Geschäftsführung konnte dabei in der Spielzeit 2013/2014 auf eine Steigerung der Gesamterträge auf 91,3 Mio. Euro (im Vorjahr 87,9 Mio Euro) und ein Nachsteuerergebnis von – 9,8 Mio. Euro verweisen.“, dann klingt das in meinen Ohren äußerst geschönt (man könnte das Minuszeichen fast als Bindestrich interpretieren).

SV Werder Bremen: Umsätze und Gewinne/Verluste 2005 - 2014
SV Werder Bremen: Umsätze und Gewinne/Verluste 2005 – 2014

Es sind neben dem Ausbleiben des sportlichen Erfolgs einige Knackpunkte, die Werder in diese Situation gebracht haben. Noch verfügt der Verein über ein angemessenes Eigenkapital. Aber der Trend geht weiterhin bergab. Man bedenke nämlich, dass die Bundesliga boomt wie nie zuvor, dass die Gelder fließen – nur Werder bekommt davon wenig ab, eben mangels sportlichen Erfolgs.

Zudem fehlen Werder die Erlöse aus Spielerverkäufen. Aaron Hunt verließ wie zuvor Lukas Schmitz und Tim Wiese den Verein ablösefrei. Andere vermeintlich lukrative Transfers waren sowohl sportlich wie finanziell Verlustgeschäfte, z.B. Marko Arnautovic und Mehmet Ekici. Als weitere Pleiten dürften sich Eljero Elia, Nils Petersen und Makiadi erweisen. Um nur einige Namen zu nennen. Eigentlich ist Werder gezwungen, vermehrt nach ablösefreien Spielern zu suchen. Aber nun ist man sogar bereit, sich auch zu verschulden, um endlich den oder die Spieler zu holen, die den Verein sportlich wieder nach vorn bringen (u.a. ist ein linker Verteidiger im Gespräch). Welche auch immer das sein werden, sollten die sich dann als weitere Reinfälle erweisen, dann ist neben dem sportlichen auch der finanzielle Niedergang perfekt.

Ein Knackpunkt ist sicherlich auch das Weserstadion, das für 80 Millionen Euro umgebaut wurde. Vielleicht hätte man tatsächlich für das Geld ein dann auch noch größeres Stadion auf der anderen Weserseite neu erbauen können. Als der Umbau begann, war die sportliche wie finanzielle Lage in Bremen eine noch weitaus bessere. Die Zahlen die damals entwickelt wurden, stimmen heute einfach nicht mehr.

Werder braucht also Geld, braucht strategische Partner. Klaus-Dieter Fischer, scheidender Vereinspräsident und nun Ehrenpräsident sagte dazu: „Denkt über einen strategischen Partner oder Investor nach, ohne die Seele von Werder Bremen zu verkaufen.“

    100 % SV Werder Bremen

Mit Erreichen der dritten Runde im DFB-Pokal steht Werder immerhin schon einmal besser da als in den Vorjahren. Vom Vermarkter Infront gibt’s eine dicke Einmalzahlung von etwa acht Millionen Euro. Und auch die Vertragsverlängerung mit dem Ausrüster Nike zu verbesserten Konditionen zahlt sich jetzt aus. Trotz Imageeinbuße möchten man auch weiterhin nicht auf die Wiesenhof-Gelder verzichten.

„Dazu besitzt der Klub die Möglichkeit, Anteile an der Werder GmbH & Co. KG aA zu verkaufen. Schätzungen gehen davon aus, dass Werder 250 Millionen Euro wert ist. Ein Aktionär, der zehn Prozent kauft, müsste also um die 25 Millionen Euro dafür lockermachen. Aktionären mit mindestens 20 Prozent Beteiligung würde ein Sitz im Aufsichtsrat zustehen.“ Auch steht noch das Tafelsilber wie Stadionname oder Markenrechte zur Veräußerung bereit. Aber das sind Finanzquellen, mit deren Erschließung sicherlich auch „die Seele von Werder Bremen“ verkauft werden würde.

Nach Wiesenhof und möglicher Verschuldung durch Spielereinkäufe wäre das dann allerdings schon fast der nächste ‚logische’, wenn auch verhängnisvolle Schritt. Nein, so dann bitte doch nicht …

Wortspielereien (1): Ausgezogen anziehend

So mancher zog in die Welt hinaus, um sein Glück zu finden. Andere zogen dahin, um zu neuen Ufern aufzubrechen, um die Welt zu erobern. Nur gab es nichts mehr zu erobern (alles war schon im Sack, eingezogen von anderen, Mächtigeren), dafür holte sich der eine oder andere eine blutige Nase. So anziehend die Welt auch scheinen mag, so abstoßend kann sie in ihrer Ungerechtigkeit sein. Ziehen wir uns aus und bleiben zu Haus.

Wortspielereien (1): Ausgezogen anziehend

Da gibt’s vielleicht Besseres: Männer finden gar manche schöne Frau besonders anziehend, besonders dann, wenn sie ausgezogen ist. (ein Schlingel, der Schlimmes dabei denkt!) Das gilt natürlich auch umgekehrt (Frau findet Mann …). Auch in den Konstellationen Mann-Mann oder Frau-Frau sei Ausgezogenes anziehend (aber alles andere ist Pädophilie, Zoophilie oder Autoerotik).

Ob nun ausgezogen anziehend oder angezogen vom Ausziehen – jedes Geziehe und Gezerre zerrt und zieht, wenn auch zögerlich, am ziehend Gezogenem … oder so?! An? Nein, aus!

Zu früh zu viel gelobt

Oh nein, gerade gegen den HSV muss der SV Werder unter dem neuen Trainer Viktor Skripnik das erste Spiel nach zwei Siegen in der Fußball-Bundesliga verlieren. ‚Kleinigkeiten’ haben das Spiel entschieden und natürlich zwei Tore. Neben einer Reihe von Verletzten werden nun auch noch Fritz (gelb-rote Karte) und Garcia (5. gelbe Karte) im wichtigen Spiel gegen Paderborn ausfallen. Es wird nicht leichter …

Ich denke, Viktor Skripnik ist zu früh schon viel zu sehr gelobt worden. Sicherlich ist es mehr als okay, dass man den Weg zurück zu den grün-weißen Wurzeln gefunden hat. Und Viktor ‚Victory’ (Sieg) in Viktor ‚Defeat’ (Niederlage) umzutaufen ist sicherlich verfrüht. Auch agiert man mit der altbewährten Raute weitaus effektiver in der Abwehr. In Hamburg hat das aber nur 85 Minuten gehalten.

    100 % SV Werder Bremen

Es kommt aber noch um einiges dicker: Heute „wird Klaus Filbry in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße ans Mikrofon treten. Jedes Jahr im November lädt Werder Bremen zur Mitgliederversammlung ein. Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, verkündet dann die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Zum dritten Mal in Folge muss die Führung am Montag den Anwesenden ein Millionen-Minus erklären. Das ist inzwischen fast schon Routine. Im November 2012 waren es 13,9 Millionen für die Saison 2011/12, im November 2013 7,9 Millionen für die Spielzeit 2012/13, dieses Mal werden es wieder um die acht Millionen sein.“ (Quelle: weser-kurier.de)

Noch ist das zu verkraften: Vor drei Jahren hatte der Klub 40 Millionen an Rücklagen. Die werden aber, wenn man nicht zusätzliche Gelder erwirtschaftet, spätestens im nächsten Sommer aufgebraucht sein. Wirtschaftlicher Erfolg lässt sich nur durch sportlichen Erfolg erzielen (dazu später etwas mehr). Und damit sieht es trotz der zwei Siege zu Beginn von Viktor Skripniks Dienstantritt eher mau aus. Es ist schon kein Teufelskreislauf mehr, in dem sich Werder Bremen befindet, es kommt eher einer Abwärtsspirale gleich … Aber ich will den Teufel nicht an die Wand den Torpfosten malen. Nein, noch ist Werder nicht verloren.

Werder Bremen steht allerdings am Scheideweg. Noch hat der Verein ein überaus gutes Ansehen, das es zu nutzen gilt. Weitere Fehlinvestitionen (z.B. Spielertransfers) darf man sich allerdings nicht mehr erlauben. Vielleicht ist man nach der heutigen Mitgliederversammlung etwas schlauer. Man darf weiterhin gespannt sein …

Nein, so doch nicht … (2): ÖPP und die schwarze Null

Die Zahl Null ist die Anzahl der Elemente in einer leeren Ansammlung von Objekten, mathematisch gesprochen die Kardinalität (für endliche Mengen ist die Kardinalität gleich der Anzahl der Elemente der Menge, das ist eine natürliche Zahl einschließlich Null) der leeren Menge (die Menge, die keinerlei Elemente enthält).

Keine Angst: Das soll’s gewesen sein, was Mathematik und speziell die Mengenlehre betrifft. Es geht, wie aus der Überschrift erkennbar ist, um die 0 (Null). Die Null ist eigentlich NICHTS [nicht unbedingt das Nichts; beachte dabei: „Nichts existiert“ (d. i. „Es ist nicht der Fall, dass etwas existiert“) und „Das Nichts existiert“ sind keineswegs synonym]. Für Herrn Schäuble, seines Zeichen Bundesminister für Finanzen, ist es, so scheint’s, ALLES (nein, nichts Weiterausschweifendes dazu …).

Jetzt kommt noch etwas Farbe ins Spiel: Man kennt den grünen Bogenschützen, den schwarzen Mönch, die rote Zola und den blauen Engel. Manche kennen auch die weiße Schlange. (Fast) ALLE kennen inzwischen die ‚schwarze Null’ (für die wenigen, die SIE nicht kennen: Es handelt sich dabei um kein Monster).

Monströs sind dagegen die Anstrengungen, die unternommen wurden, um SIE zu erreichen. Es geht natürlich um die Anstrengungen der Bundesregierung, einen Haushalt aufzustellen, für den man keine weiteren Schulden machen muss, sprich: die Einnahmen wie Steuern decken die Ausgaben. Bezogen auf den Privathaushalt meiner Familie hieße das, nur so viel Geld auszugeben, wie wir Einkommen haben, ansonsten muss gespart werden. Und so sparten Bund, Länder und Gemeinden in den letzten Jahren, wo sie nur konnten. Nur wenn z.B. die Heizung meines Hauses kaputt geht, dann hilft alles nichts, dann müssen wir uns Geld leihen (okay, einen Notgroschen haben wir schon noch). Herr Schäuble und Gesellen sparten aber einfach weiter: „Tatsächlich hat sich in Deutschland seit 2000 eine gigantische Investitionslücke aufgetan, die das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ auf eine Billion Euro veranschlagt. Vor allem auch öffentliche Investitionen in Straßen, Brücken, Energienetze usw. wurden jahrelang vernachlässigt.“

Nein, so doch nicht ... (2): ÖPP und die schwarze Null

Klar, Schäuble & Co. (allen voran der Wirtschaftsminister Gabriel) haben das längst erkannt und wollen endlich mehr investieren, wollen sich aber trotzdem nicht weiter verschulden. „Die Bundesregierung hat sich ein Dilemma gebastelt: … Um dieser Falle zu entkommen, soll nun privates Anlagekapital mobilisiert werden. Allianz und Co. sollen die Lücke füllen, Straßen und Schulen finanzieren.“

Das Ganze nennt sich OPP oder neudeutsch PPP: „Eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) oder Public-private-Partnership (PPP) ist eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft in einer Zweckgesellschaft. Ziel von PPP ist die Arbeitsteilung: Der private Partner übernimmt die Verantwortung zur effizienten Erstellung der Leistung, während die öffentliche Hand dafür Sorge trägt, dass gemeinwohlorientierter Ziele beachtet werden. Die öffentliche Hand erwartet von der Partnerschaft mit der privaten Wirtschaft die Entlastung der angespannten öffentlichen Haushalte, da der private Unternehmer die Finanzierung ganz oder teilweise selbst besorgt und daher auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes achten muss. PPP ist in der Regel einem Miet- oder Pachtvertragsverhältnis ähnlich.“ (Quelle: de.wikipedia.de)

Weitere Informationen – siehe u.a. partnerschaften-deutschland.de und oepp-plattform.de – aber auch: PPP Irrweg und ÖPP/PPP stoppen

Das klingt erst einmal nicht ganz so schlecht. Michael Schlecht, MdB, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE , schrieb dazu am 17. November 2014 unter der Überschrift: Kein Ausverkauf an Allianz und Co!:
 
„Renditejäger finanzieren die öffentliche Daseinsvorsorge? Das ist genau so absurd, wie es sich anhört. […]

Nun hat Gabriel eine ‚Expertenkommission’ eingerichtet, die für mehr Investitionen sorgen soll. Da die Bundesregierung weiter an ihrem Prestige-Projekt festhält, keine Schulden mehr zu machen, soll ‚zum Erhalt und Ausbau der öffentlichen Infrastruktur … insbesondere privates Kapital mobilisiert werden’, meldet das Wirtschaftsministerium. Schließlich sitzen die großen Kapitalanlagegesellschaften auf Milliarden-Vermögen, für die sie derzeit kaum Zinsen bekommen. Private Public Partnerships (PPP) – ein genialer Ausweg? Nein.
 
Denn das umworbene ‚private Kapital’ macht es nicht umsonst. Erstens verlangt es höchste Sicherheit für seine Investitionen und zweitens eine hohe Rendite. Markus Faulhaber, Chef des Allianz-Konzerns [Lebensversicherung], hat schon eine Zahl genannt: Er fordert sieben Prozent, vielleicht auch mehr.“
 

    ÖPP/PPP stoppen – ppp-irrweg.de

Ich will hier nicht mit Herrn Schlechts Rechenbeispielen langweilen. Folgende Punkte möchte ich aber nicht außer Acht lassen:

– In Gabriels Expertengruppe sitzen unter anderem Vertreter der Deutschen Bank, der Allianz und der Ergo-Versicherungsgruppe.

– Der Bund, würde er Schulden machen, könnte sich am Kapitalmarkt für 0,8 Prozent Zins zehn Jahre Geld leihen. Für 30 Jahre wären es 1,7 Prozent. So billig wie lange nicht mehr. „Bis zu 18 Milliarden ‚Überziehungskredit’ wäre mit der Schuldenbremse vereinbar; rechnet selbst das Finanzministerium vor.“

– Die Rendite für die Investoren zahlen die Nutzer über Gebührenerhöhungen.
 
„Besonders gute Erfahrungen hat der Staat mit diesen PPP übrigens auch nicht gemacht. Man denke nur an den milliardenteuren Fehlstart von Toll Collect; oder an die Elbphilharmonie, die seit Jahren nicht fertig, dafür aber immer teurer wird; oder an den Autobahnabschnitt A1 zwischen Hamburg und Bremen, in der Presse gern „die Todesfalle“ genannt.“ Übrigens: Telekom und Daimler sind über die Lkw-Maut auf Jahrzehnte am „Ertrag“ der Autobahn A1 beteiligt.
 
Fasse ich kurz zusammen: Das Ziel heißt ‚schwarze Null’ und soll im nächsten Jahr zum ersten Mal nach langer Zeit wieder erreicht werden. Gleichzeitig will man endlich mehr investieren. Diese Investitionen sollen aber nicht durch Steuererhöhungen finanziert werden (DIE LINKE fordert eine gerechte Steuerreform mit höheren Sätzen für Reiche, z.B. eine Vermögenssteuer), sondern durch PPP. Dieses Finanzierungsinstrument ist zwar auch eine Form der Staatsverschuldung, ist aber außerhalb des normalen Haushalts angesiedelt. Des Weiteren böte „sie den Kapitalanlagegesellschaften eine hohe Rendite und könnte darüber die private Altersvorsorge unterstützen, für die seit Jahren unermüdlich geworben wird, die aber unter dem aktuell niedrigen Zinsniveau leidet.“ Wer also z.B. bei der Allianz eine Lebensversicherung laufen hat, würde durch PPP profitieren. Das kann aber nicht Sinn und Zweck der Übung sein.

Wohin läuft das hinaus: Das Bild vom Polizei- oder Feuerwehrfahrzeug, das mit jeder Menge Werbeaufkleber: „Polizei – gesponsert von …“ durch die Gegend fährt, wäre noch das Harmloseste. Ich sehe da eher die Gefahr, dass Aufgaben der Öffentlichen Hand zunehmend an private Unternehmen ausgegliedert werden, die dann profitorientiert arbeiten. Nach Strom, Telekommunikation und Bahn greift die private Wirtschaft bereits nach anderen Gemeingütern wie Trinkwasser und Krankenversorgung. PPP ist nicht Partnerschaft, PPP ist klammheimlich betriebene Privatisierung.

Ein vielleicht starker Abgang

Das war VIELLEICHT ein STARKer Abgang, Herr Kriminalhauptkommissar Felix STARK (gespielt von Boris Aljinovic). Zuletzt musste er in der Tatort-Episode VIELLEICHT ohne Partner Till Ritter (Dominic Raacke) auskommen, dem Großstadtcowboy, der sich bereits eine Folge zuvor vom Publikum ‚verabschiedet’ hatte. Statt Ritter und Stark ermitteln ab nächstem Jahr Nina Rubin und Robert Karow (Meret Becker und Mark Waschke) in Berlin. Die erste Folge (Das Kuli) soll voraussichtlich am 22. März 2015 ausgestrahlt werden. Im Vorfeld gab es wegen des Wechsels einigen Zoff beim Sender rbb, weshalb Dominic Raacke eben schon eine Folge früher seinen Job an den Nagel hängte.

KHK Stark muss sich in seinem letzten Fall mit Präkognition beschäftigten. Trude, eine norwegische Psychologiestudentin, die seit einem Jahr in Berlin lebt und studiert, hat einen schrecklichen Alptraum. Als zwei Monate später eine Studentin erwürgt aufgefunden wird, hat sich der Mord aus ihrem Traum leider bewahrheitet. Doch bald schon gibt es eine weitere Vision, die auch Kommissar Stark betrifft.

    Lise Risom Olsen als Trude Bruun Thorvaldsen in der Tatort-Folge ‘Vielleicht’, Berlin 16.11.2014

Seherinnen sind bei den germanischen Völkern und Kulturen in der Zeit von der Antike bis zum Hochmittelalter bezeugt. Und aus noch nördlicheren Regionen kennen wir Völva aus der „Weissagung der Seherin“. Da wundert es mich nicht, dass die Hauptfigur dieser Tatort-Folge aus dem hohen Norden kommt. Die Norwegerin Lise Risom Olsen beeindruckt als ‚nordische Seherin’ durch ihr überaus glaubwürdiges Spiel auf ganz besondere Weise.

Natürlich fragt man sich, ob eine Vorhersage zukünftiger Ereignisse wie hier möglich ist. Wenn ja, dann spielen sich präkognitive Kontakte mit Gedanken über Ereignisse ab, nicht mit den Ereignissen selbst. Trude besitzt gewissermaßen eine Art kombinatorischen Instinkt, den sie dank einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe zum Lesen von Menschen und Situationen nutzt. Es hat etwas mit ‚Gedankenlesen’ zu tun. Trude hatte Kontakte zu beiden Tätern und hat die ‚negative Aura’ der beiden in sich aufgenommen.

Wer kennt es nicht, die Sympathie oder Ablehnung auf dem ersten Blick (‚Liebe auf dem ersten Blick’). Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: Aussehen, Sprache, dabei Mimik und Gestik – sicherlich auch ‚Geruch’ („den oder die kann ich gut riechen“ oder „den oder die kann ich gar nicht riechen“). Warum sollte es nicht auch Menschen geben, die darüber hinaus noch ‚etwas mehr’ wahrnehmen können?

Sicherlich übersteigert dargestellt ist es, wenn Trude, die immerhin nicht den Zeitpunkt bestimmen kann, die Räume beschreibt, wo ihre Visionen stattfinden. Kaum wird sie z.B. ‚wissen’, wie die beiden Toten aus der 2. Vision in dem Restaurant drapiert sein werden. Diese Übertreibung wird man als künstlerische Freiheit dem Autoren und Regisseur (Klaus Krämer) dieser Tatort-Folge zugestehen müssen.

Ob man das alles nun für Humbug hält oder nicht. Die Wahrheit liegt bekanntlich meist in der Mitte. Auf jeden Fall lässt einen diese Tatort-Folge nicht ohne Weiteres kalt.


TATORT Berlin (16.11.2014): Vielleicht

Nun am Ende wird auch Kriminalhauptkommissar Stark Opfer eines Mordanschlags. Das Ende bleibt dabei für alle Zeit offen: Auf die Frage an den behandelnden Arzt, ob Stark überleben wird, antwortet dieser: VIELLEICHT!

Diese Tatort-Episode ist ruhig, aber sehr eindringlich erzählt. Keine unnötige Action stört den bis zum Ende spannend bleibenden Ablauf. Und trotz der mystischen Elemente vermittelt dieser Tatort einen Realismus, der die Dramatik eher noch erhöht.

In 44 Jahren Tatort haben schon viele Ermittler(teams) den Dienst quittiert. Bei tatort-fundus.de wurde recherchiert und in Bye, bye Tatört lässt sich das Ergebnis nachlesen.

Nein, so doch nicht … (1): Alternative

Manches tut man, was man eigentlich nicht so tun wollte oder sollte. Man schlägt sich an die Birne und sagt sich: Nein, so doch nicht! Natürlich gilt das nicht nur für einen selbst. Bei manchem Tun anderer mag man geradezu brüllen: Seid Ihr blöd, so doch nicht! – Hier nach und nach einige solcher Beispiele.

Nein, so doch nicht ... (1): Alternative

Als der Zug der FDP entgleiste, war ich zufrieden, endlich die Felle dieser Partei mit ihrer libertär gefärbten Wirtschaftspolitik, die zumindest die geistigen Grundlagen der Finanzkrise gelegt hatte, davonschwimmen zu sehen. Wow, der Bürger als Wähler hatte endlich kapiert, das Leute wie Guido Westerwelle, Rainer Brüderle, Dirk Niebel und Philipp Rösler nichts auf Verantwortung tragenden Posten zu suchen hatten.

Aber was macht der Wähler stattdessen? Er wählt plötzlich eine Partei, die irgendwie noch keine ist, sich rechtspopulistisch gebärdet und sich zudem den Euro verachtend ‚Alternative’ nennt. Was die außer der Abschaffung des Euros wirklich wollen, wissen die wohl selbst noch nicht so genau.

Alternative bedeutet die Möglichkeit zur Entscheidung zwischen mindestens zwei Optionen oder Dingen. Man könnte es „andere Möglichkeit“ nennen. Eine „andere Möglichkeit“ für Deutschland wäre dann etwas, was nicht Deutschland ist. Aber ich will hier keine Spitzfindigkeiten betreiben.

Also, schön ist es, lieber Wähler, dass ihr die FDP in die Wüste der Bedeutungslosigkeit geschickt habt. Aber dafür ein politisches Relikt auferstehen zu lassen, das ist wirklich KEINE Alternative. Denkt daran bei der nächsten Wahl!

Die Kleinen … ziemlich groß

Für viele Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft wird es Zeit, dass sich das Jahr dem Ende zuneigt. Morgen, am Dienstag in Vigo geht es noch einmal gegen Spanien. Da will man zeigen, dass es auch besser geht, obwohl einige Spieler (z.B. Özil, Neuer und Boateng) verletzt ausfallen. Dann ist erst einmal Pause angesagt. Die Helden vom Maracanã-Stadion sind müde.

Das deutsche Team muss sich erst einmal mit der Rolle des Gejagten anfreunden. Durch die vielen Belobigungen, Auszeichnungen mit silbernen Lorbeerblättern und jede Menge Shakehands kann der Blick aufs eigentlich Wesentliche schon einmal verloren gehen. Im nächsten Jahr wird alles anders (erst am 25. März 2015 geht’s weiter mit einem Freundschaftsspiel gegen Australien in Kaiserslautern und dann am 29. März in der Qualifikation zur EM 2016 in Tiflis gegen Georgien).

In einem Punkt dürfen sich die deutschen Spieler getröstet wissen: Gegen vermeintlich kleine Mannschaften, oft als Fußball-Zwerge oder gar Gnome abgetan, tut sich mancher schwer. Eigentlich sollte man nach dem 4:0-Sieg gegen Gibraltar froh sein, die einkalkulierten Punkte auch tatsächlich eingefahren zu haben. Natürlich geht es um das Wie, und da kann man nicht zufrieden sein. Aber da hat es in den bisherigen Qualifikationsspielen zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich andere viel schlimmer erwischt. Die Niederlande verlieren in Island (das leider gestern Abend 1:2 in Pilsen gegen die Tschechen verliert – schade), Spanien verliert in der Slowakei und Griechenland, immerhin Europameister 2004 und FIFA-Ranglisten-18., verliert zu Hause gegen den Ranglisten-187., die Färöer mit 0:1. Der Torschütze Jóan Símun Edmundsson dürfte wohl als Nationalheld in die Geschichtsbücher der Inselgruppe im Nordatlantik eingehen.

Qualifikation zur EM 2016: Färöer gewinnt in Griechenland 1:0

Aber auch andere Mannschaften, die als Favoriten zu gelten haben, tun sich schwer. Belgien (zz. 4. der Weltrangliste) liegt hinter Israel zurück. Und die Russen verlieren gegen Österreich, die auf einem guten Weg sind, die Qualifikation zu schaffen.

Was noch nicht gerichtet ist, wird sich bestimmt im nächsten Jahr richten. Und selbst für Gruppendritte ist ja noch nicht alles verloren (gilt für Island wie für Deutschland). 😉

Heute Ruhetag (52): William Makepeace Thackeray – Jahrmarkt der Eitelkeit

William Makepeace Thackeray (* 18. Juli 1811 in Kalkutta; † 24. Dezember 1863 in London) war ein englischer Schriftsteller und gilt neben Charles Dickens (siehe Heute Ruhetag (27): Charles Dickens – Oliver Twist) und George Eliot als bedeutendster englischsprachiger Romancier des Viktorianischen Zeitalters.

Sein wohl bekanntestes Werk ist Jahrmarkt der Eitelkeit (Originaltitel: Vanity Fair, or, a Novel without a Hero, 1847/1848 in Fortsetzungen im Londoner Satiremagazin „Punch“ erschienen; deutsch 1849). Der Gesellschaftsroman bietet ein facettenreiches, alle sozialen Klassen einschließendes Bild der Londoner Gesellschaft zu Anfang des 19. Jahrhunderts und zeichnet sich durch seinen ironischen Stil und seine präzise Darstellung der handelnden Figuren und ihrer Charaktere aus.

Dieser Jahrmarkt dürfte auch uns bekannt vorkommen: Dieser ist ein Abbild der Welt – und Thackerays Welt ähnelt durchaus in Vielen der unseren Welt.

    Heute Ruhetag = Lesetag!

Vor dem Vorhang

Während der Direktor des Puppentheaters vor dem Vorhang auf den Brettern sitzt und über den Jahrmarkt schaut, befällt ihn beim Anblick des bunten Treibens eine tiefe Melancholie. Da wird gegessen und getrunken, geliebt und kokettiert, gelacht und geweint, geraucht, betrogen, gestritten, getanzt und gegeigt, da drängen sich Großmäuler im Getümmel, Stutzer machen Frauen schöne Augen, Spitzbuben leeren Taschen, und Polizisten sind auf der Wacht; da schreien Quacksalber (andere Quacksalber, die Pest soll sie holen!) vor ihren Buden, und Bauerntölpel starren zu den flitterglänzenden Tänzerinnen und den armen, alten, geschminkten Clowns hinauf, während die Langfinger sich hinten an ihren Taschen zu schaffen machen. Ja, das ist der Jahrmarkt der Eitelkeit; gewiß kein moralischer Ort und auch kein lustiger, wenn es auch lärmend genug zugeht. Seht euch die Gesichter der Schauspieler und Possenreißer an, wenn sie von der Arbeit zurückkommen, wie der Hanswurst sich die Schminke aus dem Gesicht wäscht, ehe er sich mit seiner Frau und seinen kleinen Hanswürstchen hinter der Jahrmarktsbude zum Essen setzt. Bald geht der Vorhang auf, und er wird Purzelbäume schlagen und schreien: »Seid ihr alle da?«

Wenn ein nachdenklicher Mensch über solch einen Vergnügungsort wandelt, wird er vermutlich weder von seiner noch anderer Leute Fröhlichkeit überwältigt werden. Hier und da rührt und belustigt ihn wohl eine humorvolle oder ergreifende Episode – ein niedliches Kind, das eine Pfefferkuchenbude betrachtet; ein hübsches Mädchen, das errötend den Worten ihres Liebhabers lauscht, während er ihr ein Geschenk aussucht; der arme Hanswurst dort hinter dem Wagen, der inmitten seiner braven Familie, die von seinen Kunststücken lebt, an seinem Knochen nagt. Der allgemeine Eindruck aber ist eher melancholisch als heiter. Wenn du nach Hause kommst, so setzt du dich in ernster, nachdenklicher, milder Stimmung hin und wendest dich deinen Büchern oder deinen Geschäften zu.

[…]

William Makepeace Thackeray: Jahrmarkt der Eitelkeit

Vanity Fair (englisches Original)

XMedia Recode

Nachdem ich mir einen neuen Rechner zugelegt und meine Videobearbeitung nach langem Anlauf auch auf HD umgestellt habe, war ich auf der Suche nach einer in ihrer Handhabung einfachen, ansonsten umfangreichen Software zur Konvertierung von Video- wie auch Audiodateien. Und möglichst kostenlos sollte die sein. Bisher hatte ich eine kostenlose Software namens SUPER benutzt, mit der ich aber zunehmend unzufriedener wurde.

Neben eigenen Videoaufnahmen in Full-HD geht es mir besonders um TV-Aufnahmen mit einem USB-TV-Stick, mit dem ich das Kabelfernsehen über den USB-Steckplatz mit meinen Rechner verbinde. Zum Bearbeiten der Videos (Schneiden usw.) habe ich eine preiswerte Software gekauft. Allerdings kann die nicht ‚alles’ (zu USB-TV-Stick, z.B. Elgato EyeTV Hybrid, und Videobearbeitungssoftware, z.B. Corel Videostudio Pro X7, demnächst etwas mehr).

Mir geht es vor allem um die Umwandlung der HD-Aufnahmen ins Matroska-Format (Dateiendung .MKV). Dabei handelt es sich eigentlich nur um ein Container-Format für Video- und Audio-Aufnahmen samt weiteren Inhalten wie diverse Untertitel usw. Matroska unterstützt verschiedene Videocodecs, unter anderem MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4, H.264, RealVideo, WMV, Theora, Dirac, und Audiocodecs, beispielsweise AAC, AC3, DTS, WAV, MP3, Vorbis und FLAC sowie zusätzliche Formate für Untertitel (VobSub) und erweiterte Metainformationen (Tags). Warum Matroska? Dieses Format wird in der Regel von Blu-ray-Playern unterstützt (in der Bedienungsanweisung nachschauen – als Videocodec nehme ich H.264, als Audio-Codec MP3 oder AAC bei Mehrkanal-Ton wie 5.1). Da selbst halbwegs gute Videobearbeitungssoftware Matroska als Ausgabeformat nicht kennen, so benötige ich diese zusätzliche Software. Je nach Videoauflösung (DVD, HDTV oder Full-HD) schrumpft das Video ohne größere Qualitätsverluste auf bis zu einem Fünftel der Ursprungsgröße. Diese lässt sich dann auf eine Daten-DVD brennen und ohne Probleme im Blu-ray-Player abspielen.

Lange Rede, kurzer Sinn … Die kostenlose Lösung heißt XMedia Recode. Damit kann ich Videos und Audios in eigentlich alle gängigen Formate umwandeln. XMedia Recode eignet sich auch für Handys, iPods & Co. Hierfür sind vordefinierte Profile bereits vorhanden. Wenn man „XMedia Recode“ für andere Video-Abspiel-Geräte verwenden will, kann man eigene Profile anlegen, sofern man das unterstützte Format kennt

    XMedia Recode

Die schlichte Oberfläche von „XMedia Recode“ macht es einfach, Audio- und Videodateien von einem Format ins andere umzuwandeln. Das Umwandeln läuft wie folgt ab: Quelldatei auswählen, Video- und Audiocodec angeben (evtl. vordefiniertes Profil auswählen), »Job hinzufügen« und auf »Kodieren« klicken. Evtl. zuvor noch die Kapitel und Tags (z.B. Interpret und Titel bei MP3-Dateien) bestimmen. Die Videoauflösung (sprich Größe) kann geändert werden. Und ein Schnitt am Anfang und Ende (je Kapitel) ist sogar auch möglich. Danach das fertige Ergebnis noch aufs Handy oder den mobilen Video-Player ziehen bzw. das Video auf DVD oder Blu-ray-Disc brennen. Fertig!

Noch kurz etwas zu den vom mir erstellten Matroska-Videos. Als Videocodec nehme ich H.264/AVC, als Audio-Codec MP3 oder AAC bei Mehrkanal-Ton wie 5.1. Je nach Videoauflösung nehme ich folgende Bitrate (Kilobit pro Sekunde = kbps): 1200 kbps bei 720x576px (SD wie DVD – sowohl 4:3 und 16:9), 1600 kbps bei 1280 × 720px (HDTV/720p) und etwa 2400 kbps bei 1920 × 1080px (Full-HD).

Natürlich habe ich auch andere Formate getestet. Alles in allen bin ich mit dieser Software hoch zufrieden. Sie bietet alles, was ich benötige. Wer natürlich selbst filmt, braucht eine zusätzliche Videobearbeitungssoftware, die heute aber kaum noch etwas kostet (dafür, was diese leistet). „XMedia Recode“ dient im Wesentlichen der Umwandlung (Konvertierung) in andere Formate. Darin ist sie aber wirklich Spitze!

Download der Version 3.2.0.1 (Stand: 12.11.2014)

Gibraltar

Heute spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2016 in Nürnberg gegen Gibraltar.

Obwohl die Gibraltar Football Association einer der ältesten Fußballverbände der Welt ist, wurde der gibraltarische Fußballverband erst im letzten Jahr Mitglied der UEFA, dem europäischen Fußballverband. Kernproblem bis dahin war der Widerstand Spaniens, das territorialen Anspruch auf den Besitz Gibraltars erhebt. Seit 1704, als die Englische Krone die Herrschaft über die Halbinsel erlangte und im Vertrag von Utrecht 1713 zugesichert bekam, versucht Spanien, die britische Kolonie zurückzuerobern. Der spanische Fußballverband drohte sogar damit, Mannschaften wie Real Madrid und den FC Barcelona aus den europäischen Vereinsmannschaftswettbewerben zu nehmen, wenn Gibraltar UEFA-Mitglied werden sollte.

Zuvor hatte sich Gibraltar bereits um eine Mitgliedschaft bei der FIFA, dem Weltfußballverband, bemüht. Die Bürokraten um Herrn Blatter brauchten angeblich zwei Jahre, um den Gibraltarern mitzuteilen, sie mögen erst Mitglied der UEFA werden. Am 26. September 2014 verweigerte dann die FIFA dem Verband die Mitgliedschaft mit der Begründung, dass Gibraltar kein unabhängiger Staat ist.

Nun der gibraltarischen Fußballelf werden keine Chancen gegen das deutsche Team eingeräumt. Diskutiert wird nur noch die Höhe des deutschen Siegs. Alles andere als ein hoher Sieg wäre allerdings auch blamabel.

    Der Felsen ('Rock') von Gibraltar 1986

Der Felsen von Gibraltar ist nicht unbedingt das ultimative Urlaubsziel, aber wenn man schon einmal im Süden Spaniens weilt (und vielleicht ein Faible für alles Britische hat), dann ist es durchaus lohnenswert, einmal einen Abstecher nach Gibraltar zu unternehmen. So war ich bereits zweimal dort (mit Frau und zuletzt auch mit meinen Söhnen), weil meine Eltern einmal an der Costa del Sol eine Ferienwohnung hatten. Das war in den Jahren 1986 und 1998.

Gibraltar hat schon einen eigentümlichen, gewissermaßen ‚kolonialen’ Charme. Man befindet sich nun einmal am Mittelmeer und unter mediterraner Sonne. Ansonsten ist aber (fast) alles ‚very british’: also rote Telefonzellen und Briefkästen, schwarze Taxen – und natürlich auch ‚Bed & Breakfast’. Und die Polizisten laufen mit dem berühmt-berüchtigen Bobbyhelm herum (zumindest war es 1998 noch so). Auf die Schnelle habe ich es leider nicht geschafft, Fotos (vielleicht auch Videos) von unseren kurzen Aufenthalten herauszusuchen, aber ich verspreche es: Ich werde in alten Fotoalben kramen …

Martin Walser: Der Augenblick der Liebe (2004)

    Er habe sie noch nie so geliebt wie in diesem Augenblick, In diesem Augenblick, sagte sie, wieso denn das. Es ist der Augenblick der Liebe.
    Martin Walser: Der Augenblick die Liebe (S. 43)

Für Einsteiger in die Literatur von Martin Walser, so denke ich, ist der Roman Der Augenblick der Liebe aus dem Jahr 2004 doch noch etwas zu schwere Kost. Es ist der dritte und wohl letzte Roman um die Person des Dr. Gottfried Zürn, ehemaliger Immobilienmakler am Bodensee, der sich hier als Privatgelehrter ausgibt. Im Mittelpunkt steht die außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Zürn und einer um 40 Jahre jüngeren Doktorandin. Und es geht um den französischen Philosophen Julien Offray de La Mettrie, dessen Todestag sich 2001, dem Jahr, in dem der Roman spielt, zum 250. Male jährte. Als Hinweis für den Leser: Französisch-Kenntnisse sind angebracht, Englisch-Kenntnisse fast unumgänglich (Walser hat sich auch, oft mit seiner Tochter Alissa, als Übersetzer aus dem Englischen hervorgetan, z.B. für Theaterstücke von Edward Albee).

Dies ist der erste Roman, den Martin Walser nach seiner Trennung von Suhrkamp in seinem neuen Verlag Rowohlt veröffentlicht hat (Ich habe diesen in 2. Auflage August 2004 – Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, vorliegen).

     Martin Walser: Der Augenblick der Liebe (2004)

Gottfried Zürn, bekannt aus Martin Walsers Romanen „Das Schwanenhaus“ und „Die Jagd“, Exmakler, Privatgelehrter mit Domizil am Bodensee, erhält Besuch von einer jungen Doktorandin. Sie interessiert sich für seine Aufsätze über den französischen Philosophen La Mettrie und überreicht ihm, er ist erstaunt und merkwürdig geschmeichelt, eine Sonnenblume. Er vernimmt sofort das Klirren erotischer Möglichkeiten. Sie, sphinxenhaft: „Es gibt nichts, wofür man nicht gestraft werden kann.“

Trotzdem, und weil er mit seiner Frau Anna längst im selben Wortschatz untergeht, folgt er der Doktorandin kurz darauf nach Kalifornien zu einem Kongreß über La Mettrie. Dort erfüllt sich ihre Prophezeiung – auf eine Weise, die gleich in mehrfacher Hinsicht zum Eklat führt. Sobald er drüben ist, wird in ihm Anna übermächtig, also zurück zu ihr. Sobald er zurück ist, muß er wieder hinüber. Aber das gestattet ihm das Buch nicht.

Eros, Ehe und Erlebnishunger sind die äußeren Markierungspunkte dieses Romans, das Verhältnis von Leben, Literatur und Todeslust ist sein geheimes Motiv.
(aus dem Klappentext)

    Herr Zürn oder Herr Krall, wie hätten Sie’s gern? So fing sie an, so eröffnete sie.
    Gottlieb sagte: In welche Sauce wir den Daumen, den wir lutschen müssen, vorher tunken, ist egal. Oder nicht? Und sie: Es gibt nichts, wofür man nicht gestraft werden kann. Und er. Aber die Möglichkeiten klirren. Und sie: Wenn Sie so wollen. Und er: Ich will.

Nein, so beginnt nicht nur dieser Roman vom Martin Walser, so endet dieser auch – in einer Walser-typischen Ringkomposition. Nur sind die Personen andere. Er, das ist in beiden Fällen Gottfried Zürn, aber sie ist am Anfang jene Beate Gutbrod, Doktorandin aus Amerika, am Schluss dann seine Ehefrau Anna. Gottfried Zürn, Mitte sechzig, schöpft in beiden Fällen ‚die Möglichkeiten’ aus.

Zürn hat als Wendelin Krall vor Jahren zwei Aufsätze über den französischen Philosophen Julien Offray de La Mettrie (1709–1751) geschrieben, die Beate Gutbrod während der Recherche für ihre Dissertation gelesen hat. Da sie den Autor persönlich kennenlernen möchte, besucht sie Zürn. „Aus dieser Bekanntschaft entwickelt sich eine Liebesaffäre, die Gottlieb nach Amerika an die Berkeley-Universität führt, wo er als Gastdozent einen Vortrag über La Mettrie halten soll. Da ihn jedoch seine Stimme im Stich lässt, schafft es Gottlieb ähnlich wie Helmut Halm in Brandung nicht, seinen Text alleine vorzulesen, und muss sich von Beate vertreten lassen. Zudem wird der Inhalt seines Aufsatzes von den Mitgliedern der Universität, allen voran Rick Hardy, sehr zwiespältig aufgenommen. Wenig später verlässt Gottlieb Beate und fliegt zurück nach Europa, wo er das Eheleben mit seiner Frau Anna fortsetzt.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Wieder eine Liebesaffäre zwischen einer jungen Frau und einem älteren Herrn. Beate Gutbrod und Zürn – das klingt wie Ulrike von Levetzow und Goethe und wird auch gleich zitiert: da war der Altersunterschied nicht 40, sondern gar 55 Jahre (siehe hierzu natürlich Martin Walser: Ein liebender Mann). Während Beate bereits wieder in Kalifornien weilt und auf die Ankunft Zürns wartet, ereignet sich ein Schriftwechsel zwischen den beiden, der in teuren, sehr langen Telefonaten mündet:

Jetzt erlebte sie, daß es nicht darauf ankommt, mit welchem Innen- und Außenmaterial jemand seine Liebe erklärt; es kommt nur auf den erlebbaren Heftigkeitsgrad an. Und den erlebte sie jetzt. Die Verklausuliertheit, in der er sich verstrickte, war doch eine einzige Kapitulation: Er ergab sich ihr. Diese Fragerei nach dem WARUM war nichts als ein Wortkostüm, mit dem er auftrat, um sie herauszufordern. Sie sollte ihn übertreffen. Sie sollte noch lauter als er sagen, daß sie hin sei und wie hin sie sei. Das einzig Lernbare in diesem Verklausulierungsdickicht: Er war bedürftig. Er war unterernährt. Was ihm fehlte, war weniger wichtig, als daß ihm etwas fehlte. Aber er hielt es für möglich, daß sie ihm fehle. Und das war’s dann doch. (S. 85)

Um gewissermaßen dem Vorwurf, Altherrenphantasien zu verbreiten, ‚vorzubeugen’ (manche nennen es auch Methusalem-Komplex), flicht Walser ab Seite 228 gleich eine Debatte über Altersgeilheit, die Zürns Frau mit einer Kundin führt, mit ein. Zürns, d.h. Walsers Kommentar dazu: „Er hätte die Damen wirklich fragen müssen, warum ein Älterer, wenn er denn das war, was sie geil nannten, nicht einfach geil, sondern altersgeil war. Die haben da eine Ahnung parat. Du sollst nicht mehr, darfst nicht mehr. Die haben eine Moral, die sie ästherisch-sittlich drapieren.“ (S. 231)

Auch zum Alter äußert sich Walser: „Man kann nur jung oder alt sein. Er habe seit längerem geglaubt, er sei schon alt. Das war, wie er jetzt wisse, ein naseweises Anempfinden. Das einzigste, was ein wenig in die richtige Richtung ging, war eine Art Mitleid mit Alten. Jetzt weiß er, der Junge kann nichts empfinden von dem, was der Alte empfindet. Es gibt kein Verständnis für einander. Der Alte versteht den Jungen so wenig wie der ihn. Es gibt keine Stelle, wo Jugend an Alter rührt oder in Alter übergeht. Es gibt nur den Sturz. Aus. Nachher bist du drunten und kannst tun, was du willst, du reichst nicht zurück. Mit nichts. Durch nichts. Ob du lachst oder schreist, ist gleichgültig. So zu tun, als könne man sich auf diesen Sturz vorbereiten, ist unsinnig. Dieser Sturz gestattet kein Verhältnis.“ (S. 200) Und später ergänzt er: „Das Gerede vom Sturz ist Wortstroh. Das Hinab so bremsen, daß es kein Sturz wird, sondern ein Untergang.“ (S. 202)

Den eigentlichen Mittelpunkt bildet die „Auseinandersetzung mit La Mettrie, die den Roman um philosophische Überlegungen bereichert. Es geht dabei vor allem um die Themen der Erziehung als Ausbildung zum Gefangenen und um das Erziehungs-Nebenprodukt Schuldgefühle.“

    Das von Montaigne geerbte Anspruch: sich selbst zum Thema zu machen! […] Dein durch La Mettrie geschärftes Thema: die Erziehung als eine Ausbildung zum Gefangenen. Von Anfang an war kein Mensch und keine Institution daran interessiert, dich zu dir selbst kommen zu lassen. Die Erziehung als Zumutung. Aber dann hast du angefangen, deine Erzieher zu betrügen. Du hast mehr als eine Persönlichkeit entwickelt. Das tut jeder. Keiner ist nur das, was die Erziehung aus ihm machen wollte. […] (S. 127 f.)
    Von allen Persönlichkeiten, die du hast entwickeln müssen, hat sich keine so übermäßig entwickelt, wie die des Gefangenen. […] Jeder Versuch, dich frei zu fühlen oder gar zu benehmen, mündete bis jetzt im Schuldgefühl. Das angeborene oder anerzogene Gewissen. Ob angeboren oder anerzogen, es ist die mächtigste, wachsamste, unerbittlichste, unbetrügbarste Regung, deren du fähig bis. (S. 129)

„Die Interpretation Rick Hardys im Anschluss an den Vortrag – das Manuskript Gottfried Zürns ist vollständig wiedergegeben – ist dabei die zentrale Stelle des Romans: Hardy beschuldigt Gottlieb, er wolle unter dem Vorwand, über La Mettrie und dessen These von der Lebensfeindlichkeit von Schuldgefühlen zu sprechen, den Deutschen einen ‚Freispruch erschwindeln’, wobei Hardy einen überraschenden Zusammenhang zur Erinnerung an den Holocaust herstellt. Die anschließende Reflexion Gottliebs wirkt wie eine späte Selbstverteidigung Walsers, der sich während der Diskussionen rund um seine Romane Ein springender Brunnen und insbesondere Tod eines Kritikers selbst Vorwürfen des latenten Antisemitismus ausgesetzt sah:

    ‚La Mettrie behauptet, es gebe nichts Unmenschlicheres, nichts Lebensfeindlicheres als remords. Das würde natürlich auch für den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit gelten. Aber das hat er [Zürn] nicht gesagt. Er müßte dann nachweisen, daß es eine Schuld gibt ohne Schuldgefühle. Kein bisschen weglügen, nichts verkleinern, und trotzdem kein Schuldgefühl, keine remords. […] La Mettrie hatte keine Erfahrung mit dem Gedächtnis. Inzwischen wacht das Gedächtnis über das Gewissen. Ob das lebensfeindlich ist, ist dem Gedächtnis egal.’

Zusammenfassen kann man die vorgetragene Position Martin Walsers zum Holocaust demnach wie folgt: Er akzeptiert die Schuld der Deutschen für die NS-Verbrechen ohne Wenn und Aber, jedoch fühlt er sich von den Schuldgefühlen in seinem Lebensdrang eingeschränkt. Diese Aussage ist natürlich sehr subjektiv, was jedoch typisch für die literarische Innerlichkeit ist, die sich wie ein roter Faden durch Martin Walsers Werk zieht. Letztendlich gesteht Walser auch ein, keine Möglichkeit gefunden zu haben, sein Geschichtsbewusstsein mit seinem Wunsch ganz in der Gegenwart zu leben zu versöhnen – dieser Luxus muss dem Intellektuellen verwehrt bleiben.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Der Roman gliedert sich in vier Kapitel:

Inhalt:
I. Kommen aber gehen
II. Zusammenfinden
III. Auseinanderkommen
IV. Kehre

Personenliste zum Roman:

Dr. Gottlieb Zürn, ehemaliger Makler, inzwischen Mitte 60 Jahre
Anna, seine Frau, führt das Immobilienmaklergeschäft weiter

Rosa, die älteste Tochter
Magda(lena), Tochter
Julia, Tochter
Regina, die jüngste Tochter

Beate J. Gutbrod ‚graduated Student’, Doktorandin
Madelon Pierpoint, Freundin
Glen O. Rosenne, Professor

Dr. Rick W. Hardy
Elaine, seine (Ex-)Frau

Dr. Rufus Douglas, Psychiater

und viele andere

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Jarl F. Kaltammer, Immobilienhändler und Konkurrent

„Hochkomisch, sprachmächtig: Martin Walsers neuer Roman über Liebe im Alter ist ein Vergnügen. Wenn Walser je komisch war, wenn er je die Funken des Witzes aus Konstellationen des Unangemessenen, Unpassenden geschlagen hat, hier tut er ’s stärker.“ (Tilman Krause, Literarische Welt)

„Dieser meisterhaft beschriebene Augenblick des Sichverliebens, dieses blitzartige Ineinanderfallen … Wie der Sprachkünstler Walser die beiden Erzählgeschosse miteinander verbindet, die Liebesaffäre eines alten Mannes mit einer jungen Frau im Licht des Atheisten La Mettrie deutet … das macht ihm keiner nach.“ (Ulrich Greiner, DIE ZEIT)

„Seite für Seite eröffnet Martin Walser uns ein Stilvergnügen, wie es nur wenige deutsche Autoren bieten können. Walser schreibt eben nicht nur die schönsten Sätze, er setzt sie auch in anregende Horizonte.“ (Andreas Isenschmid, NZZ am Sonntag)

„Und Walser erweist sich hier als eine aphoristisch eleganter, hinreißender Erzähler.“ (Klaus Walther, Freie Presse)

„Martin Walser hat einige beste Bücher geschrieben. Sein jüngstes Werk gehört dazu. ‚Der Augenblick der Liebe‘ ist ein schönes Buch – komisch, traurig, rabiat.“ (Andreas Köhler, NZZ)

„’Der Augenblick der Liebe‘ ist ein großer Roman. Walsers bedeutendeste literarische ‚Seelenarbeit’“ (Peter Mohr, Generalanzeiger)

„’Der Augenblick der Liebe‘, Walsers schönster Roman.“ (Martin Lüdke in ‚Literatur im Foyer‘, SWR)

Dem ist von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen.