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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Tatort Duisburg vs. Erfurt = alt gegen jung?

Den neuen Schimanski (Loverboy) habe ich mir verspätet angeguckt mit dem inzwischen 75 Jahre alten Götz George. Und endlich auch die neuen Ermittler aus Erfurt im ARD-Tatort, Funck, Schaffert und Grewel (Kalter Engel). Die drei aus Erfurt wirken zusammen so alt zu sein wie Schimanski allein (okay, zusammen bringen sie es tatsächlich zz. auf 92 Jahre). Das tut der Sache aber keinen Abbruch: beide Kriminalfilme haben mir auf ihre Art ganz gut gefallen.

In der Nachbetrachtung gab es in den Kritiken einigen Hohn zu beiden Filmen.

Zum Erfurter Krimi hieß es u.a. bei spiegel.de: „Die Generation Praktikum im Energydrink-Rausch: Mit dem neuen Erfurter ‚Tatort’ will der MDR einen extrem jungen Krimi an den Start bringen – und liefert einen verworrenen Highspeed-Studentenkrimi. Liebe Leute, Finger weg von den Drogen!“ Und in die gleiche Kerbe schlägt n-tv.de mit: „So stellt sich der MDR also die neue Generation der ‚Tatort’-Ermittler vor. Sie trinken Energydrinks statt Kaffee und können Bierflaschen an der Tischkante öffnen. Gelungene Premiere in Erfurt? Selten sah der ‚Tatort’ so alt aus.“

    Tatort Erfurt: Kalter Engel (2013)  (Bild: MDR)

Also anfangs dachte ich auch, was sind das für seltsame Jungspunde. Sympathisch sind die nicht. Und die Chefin, eine Kriminaldirektorin, wirkt aufgesetzt steif. Dann auch noch eine neunmalkluge Praktikantin. Aber mit jeder Sendeminute wurden mir die Drei immer sympathischer (die Chefin ausgenommen). Das mag an den Schauspielern liegen, die das noch möglich Optimale aus ihren Rollen herausgeholt haben. Sicherlich wird hier manches Klischee bedient, das ‚die ältere Generation’ von der ‚heutigen Jugend’ hat. Dass die Praktikantin einen ‚geilen Arsch’ hat, dass es im Hotelzimmer fast zum ‚Fuck and go’ kommt und überhaupt alles ganz schön ‚krass’ ist, Alter. Gefühlte hundertmal ‚Scheiße’ oder ‚fuck’. Aber liegt nicht selbst in der größten Übertreibung viel Wahrheit? Ich selbst bin ein alter Knochen (siehe weiter unten zu Schimanski), habe aber zwei Söhne im Alter von Anfang zwanzig und kenne etwas das Umfeld junger Menschen aus eigener Anschauung. Natürlich gibt es da Stress in der Ausbildung und den Wunsch, dem Ganzen zu entgehen. Hatten wir auch, klar, aber irgendwie ist das heute alles anders. Die Kritiken an dem Erfurter Tatort scheinen mir wie aus der Sicht abgeklärter Schlauberger geschrieben zu sein. Sicherlich haben sie Recht – und auch wieder nicht. Und wie sieht’s mit dem Schimanski aus? Da scheinen jugendliche Schreiberlinge übers Alter herzuziehen:

„Schimanski kramt aus einem Pappkarton zwei Schimanski-Jacken raus und wirft sich dann die weniger verdreckte über. Wie ein Veteran, der sich noch einmal aufmacht. Er tritt die Türen nicht mehr selber ein, Schimanski lässt jetzt treten. Aber er ist im Auftrag des Guten unterwegs, er rettet das Mädchen, ohne selbst gerettet werden zu können.

Der frühere Schimanski kämpfte wie besinnungslos für Gerechtigkeit, der Schimanski von heute leidet unter seiner Gebrechlichkeit. Es zwickt im Schritt, er bräuchte langsam eine Brille, und er nuschelt Begriffe, die keiner mehr kennt, Festnetz zum Beispiel.

Inzwischen lässt er sich allerdings Fahndungsbilder aufs Handy schicken. ‚Kennen sie sich mit solchen Dingern aus – da drin soll ein Foto sein’, sagt Schimanski, der andererseits weiß, dass ‚der Pott jetzt iPod heißt’.“ (Quelle: sueddeutsche.de)

    Schimanski  (Bild: WDR/ Uwe Stratmann)

Bis ich so alt bin wie Schimanski aka Götz George, muss noch viel Wasser das Rinnsal namens Töste hinunterlaufen. Aber ich kann schon nachempfinden, wie es mit jedem Tag längst nicht mehr bergauf, sondern nur noch bergab geht. Für seine 75 Jahre hat sich Schimanski ganz gut gehalten. Leider ist es wirklich so, dass sich viele in seinem Alter nicht mehr mit moderner Technik auskennen. Das sollte aber kein Grund zum Spotten sein (wenn sich CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier rühmt, ein E-Mail-Abstinenzler zu sein, so ist das sein Bier). Vielleicht sollten gerade wir, die sich auskennen, hilfreich den alten (älteren) Menschen zur Seite stehen.

Schimanski mag schwer ins Alter gekommen sein. Aber irgendwo ist er immer noch der Alte. So wie sich die Charaktere der Erfurter Ermittler noch ‚entwickeln’ müssen, so ist Schimanski lange schon zu dem Typen geworden, den er heute noch darstellt. Kein Wunder nach 29 Tatort– und weiteren (jetzt) 17 Schimanski-Folgen.

Neue Tatort-Kommissare haben es schwer (siehe Schweiger, den Rächer oder den Tatort Saarbrücken). Aber wie gesagt, die Erfurter müssen sich erst noch ‚entwickeln’. Wenn man sie nicht zu angestrengt beim MDR auf jung zu trimmen sucht, dann kann das durchaus etwas werden. Wie beim Schimanski …

Die letzten Tickets für Brasilien 2014

In dieser Woche sind die letzten Tickets für die Fußballweltmeisterschaft der Männer, die vom 12. Juni bis zum 13. Juli 2014 zum zweiten Mal nach 1950 in Brasilien stattfindet, vergeben worden. Gut, zwei Mannschaften stehen noch aus. Die Rückspiele in den interkontinentalen Play-offs finden erst heute (bzw. morgen um 0 Uhr) statt: Uruguay – Jordanien (Hinspiel 5:0) und Neuseeland – Mexiko (Hinspiel 1:5). Uruguay und Mexiko sollten sich aber nach den hohen Hinspielsiegen so gut wie qualifiziert haben.

    FIFA Worldcup 2014 Brasil

Aus Europa werden 13 Mannschaften an der Endrunde im nächsten Jahr teilnehmen: Neben Deutschland und Titelverteidiger Spanien sind es die weiteren Gruppenersten der Qualifikation: Belgien, England, Italien, die Niederlande, Russland, die Schweiz und zum ersten Mal Bosnien und Herzegowina. In den europäischen Play-offs der acht besten Gruppenzweiten haben sich gestern Portugal (1:0 und 3:2 gegen Schweden), Frankreich (3:0 und 0:2 gegen die Ukraine), Griechenland (3:1 und 1:1 gegen Rumänien) und Kroatien (2:0 und 0:0 gegen Island) qualifiziert. Der große Außenseiter Island hat es also leider nicht geschafft (siehe hierzu auch meinen Beitrag Brasilien, wir kommen).

Aus Südamerika haben sich neben Gastgeber Brasilien die Mannschaften von Argentinien, Kolumbien, Chile und Ecuador für die WM qualifiziert. Uruguay dürfte als sechste Team hinzukommen. Aus Nord- und Zentralamerika nehmen die USA, Costa Rica und Honduras an der WM teil. Mexiko sollte es als 4. Mannschaft heute schaffen.

Aus Asien haben sich der Iran, Südkorea, Japan und Australien qualifiziert. Afrika ist mit fünf Mannschaften vertreten. Nach der Elfenbeinküste, Nigeria und Kamerun haben sich gestern die Mannschaften von Ghana und mit viel Glück Algerien (1:0 und 2:3 gegen Burkina Faso) für Brasilien qualifiziert.

Die Auslosung der Gruppenphase der Endrunde wird am 6. Dezember 2013 um 17.00 Uhr (MEZ) in Costa do Sauípe stattfinden. Dabei ist Deutschland u.a. neben Gastgeber Brasilien, Spanien, Argentinien, Kolumbien, Belgien und die Schweiz in Topf 1 gesetzt, muss also in der Gruppenphase schon einmal nicht gegen diese Mannschaften antreten. Ebenfalls in Topf 1 kommt Uruguay, wenn sich das Land heute als letztes Team qualifiziert haben sollte. Das heißt aber auch, dass Deutschland bereits in der Gruppenphase gegen Mannschaften wie Italien oder die Niederlande treffen könnte.

Bei der Endrunde, der Fußball-Weltmeisterschaft, im nächsten Jahr werden wie zuletzt 32 Mannschaften zu acht Gruppen mit jeweils vier Mannschaften antreten. Die jeweils Gruppenzweiten treten dann überkreuz ab 28. Juni im Achtelfinale, also ab jetzt im KO-System, aufeinander. Das Endspiel findet am 13. Juli 2014 um 16 Uhr (MESZ) im umgebauten Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro statt.

… verfolgungsbedingt entzogen …

Die Beschlagnahmung von über 1400 allem Anschein nach von den Nazis geraubter Gemälde, die einen Schätzwert von etwa einer Milliarde Euro haben sollen, und im Besitz der 80-jährigen Kunstsammler Cornelius Gurlitt, Sohn des Nazi-Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, waren, machte als „Schwabinger Kunstfund“ die Runde. Die vom Vater geerbte Kunstsammlung dürfte zumindest in Teilen umstritten sein. Die rechtliche Grundlage der Beschlagnahmung gilt allerdings auch als fraglich.

Im Zusammenhang mit dieser Beschlagnahmung stieß ich auf eine Internet-Datenbank Lost Art, „die von der Koordinierungsstelle Magdeburg betrieben, einer Einrichtung des Bundes und der Länder der Bundesrepublik Deutschland für Kulturgutdokumentation und Kulturgutverluste. Die Datenbank dient zur Erfassung von Kulturgütern, die infolge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verbracht, verlagert oder – insbesondere jüdischen Eigentümern – verfolgungsbedingt entzogen wurden.“

    Honoré Daumier: Don Quichote und Sancho Panza

Laut Bundeskriminalamt seien abzüglich beschlagnahmter Gegenstände, die eindeutig keinen Bezug zur „Entarteten Kunst“ oder NS-Raubkunst haben, rund 970 Werke zu überprüfen. Davon können etwa 380 Werke der sogenannten „Entarteten Kunst“ zugeordnet werden, bei etwa 590 Werken müsse überprüft werden, ob sie in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig erworben oder enteignet wurden. Eine erste Liste raubkunstverdächtige Werke wurde veröffentlicht. Die Rechtmäßigkeit auch dieser Veröffentlichung ist umstritten.

Was mir besonders ins Auge gefallen ist, dass ist der juristische Sprachgebrauch, der den Raub von Kunstwerken, die z.B. Juden gehörten, als „verfolgungsbedingt entzogen“ bezeichnet. Das mag juristisch gesehen zutreffend sein, bagatellisiert aber den Tatbestand des schweren Raubes. Sicherlich braucht es eine eindeutige Fachsprache, aber wer bestimmte Begriffe prägt, sollte sich über den allgemeinen Gebrauch dieser klar sein. Rauben als „entzogen“ zu verharmlosen ist schon fast ein Verbrechen für sich.

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 32

Hoeneß, Wulff und das Ketchup der Populisten

„Am unerträglichsten sind nicht die vermuteten Rechtsverstöße, am unerträglichsten sind die selbstgerechte Sentimentalität der Beschuldigten und der klebrige Moral-Ketchup, den das gaffende Volk und die sich am Schmerz der Ertappten labende Medienmeute über den Hackbraten kleckert.“

So kommentiert überanstrengt Wolfgang Herles den sicherlich „aufwändige Superprozess um eine geringfügige Summe“ gegen Christian Wulff und das Geheule eines Uli Hoeneß, dessen „pathetische Geste jedoch, das Vereinsvolk über seine Bayern-Zukunft urteilen zu lassen, eher … peinlich“ wirkte.

„Wir verlangen Büßer in Sack und Asche“, schreibt Herles weiter und „Der Promi, der Fehler gemacht hat, wird in den Zirkus Maximus getrieben, wo das Volk die Daumen senkt, weil es Blut sehen will. Nicht nur aus Gerechtigkeit – sondern auch aus niederen Instinkten.“

Sicherlich gab und gibt es wieder eine Medienhetze gegen Wulff, Hoeneß und den „spätabsolutistische Bischof von Limburg“. Das ist nicht in Ordnung. Man muss es aber auch so sehen: Der Normalbürger hat die Schnauze voll von Politikern und Prominenten, die glauben, sich alles leisten zu können, die sich für unbestechlich halten und doch die Hand offen halten, um einzusacken, was einzusacken geht. Es geht beim Prozess gegen Wulff nicht um wenige Hundert Euro, es geht um die rechtlich schwer erfassbare Grauzone zwischen Großzügigkeit, Kungelei, Lobbyismus und Käuflichkeit unserer Politiker. Und Hoeneß, Herr Herles, ist sicherlich kein Schwerverbrecher, aber in seiner Geldgier, in seiner Sucht entblößt er sich als asoziales Element, der in seiner Selbstherrlichkeit den Volkeszorn geradezu herausfordert. Jetzt hat er ihn und heult …

    (Fast) unterschlagene Beiträge

Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD

Ich verstehe sehr gut die Skepsis mancher SPD-Mitglieder, wenn sie fürchten, bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union ausgetrickst bzw. über den Tisch gezogen zu werden. Ohne Kompromisse wird’s aber nicht gehen. Immerhin hat man sich jetzt auf eine Frauenquote in Aufsichtsräten geeinigt. Es soll ein „Elterngeld Plus“ geben, das die Kombination vom Bezug von Elterngeld während einer Teilzeitbeschäftigung verbessern soll.

Weiter strittig bleiben die Themen Betreuungsgeld und Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Die SPD kann sich mit ihrer Position, das Betreuungsgeld für Qualitätsverbesserungen für Kitas zu verwenden, nicht durchsetzen. Der Mindestlohn wurde dagegen auf die lange Bank geschoben (mindestens bis 2016). Bei zentralen Fragen zur Finanzierung der Kranken- und Pflegeversicherung tun sich weiterhin tiefe Gräben zwischen Union und SPD auf.

Unionsfraktionschef Kauder rechnet damit, dass die Sozialdemokraten in den Koalitionsverhandlungen der nächsten Wochen aggressiver auftreten. Das habe sich bei dem SPD-Parteitag in Leipzig abgezeichnet. Das ist auch gut so.

„Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“

Der Sprecher der Linkspartei in NRW, Rüdiger Sagel, hat sich für eine Umbenennung des Martins-Fests in ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ ausgesprochen. Auch Weihnachtsmärkte und Weihnachtsbeleuchtung stehen auf dem Prüfstand. Und das alles, um nur niemanden zu diskriminieren.

Ich bin nicht katholisch. Der Martinstag ist mir eher bekannt dafür, dass es den Gänsen an den Kragen geht. Es gibt aber nun einmal Feste und Feiern, die ihren Ursprung im Christentum haben und auch behalten sollen. Herr Sagel mag ja das Weihnachtsfest mit Jahresendflügelfiguren statt mit Weihnachtsengeln feiern und statt die Türchen an einem Adventskalender an einem Jahresschlusskalender (für sogar 31 Tage) öffnen. Seine Traditionen, das ist klar, liegen nicht im christlichen Brauchtum sondern in einem abgewirtschafteten sogenannten Sozialismus.

Willi und die Swinging Sixties

Mitte der 60-er Jahre (des letzten Jahrhunderts) entstand ein modischer Trend, der auch die Kultur und die Politik beeinflusste und einen ganz besonderen Zeitgeist schuf: die Swinging Sixties, deren Mittelpunkt London als Swinging London war.

„Beginnend mit politischen Konflikten wie beispielsweise der Kubakrise und dem bereits schwelenden Vietnamkrieg setzte sich eine neue Sicht- und Denkweise in der Gesellschaft durch, welche sich in politischem Denken der Friedensbewegung, in der Kultur, der Mode und einem völlig neuen Freiheitsdenken äußerte. Indes zeigte sich ein Wechsel in der Musikszene, der gleichzeitig neue Modetrends setzte (Woodstock). Am engsten verbunden mit dem Begriff der Swinging Sixties dürfte allerdings die Londoner Straße Carnaby Street sein, welche in den 1960ern durch ihre unzähligen Mode- und Musikgeschäfte bekannt wurde und als ‚Trendmeile’ im westlichen Europa galt. Wer ‚hip’ oder Hippie sein oder einfach nur Drogen kaufen wollte, ging dort ‚shoppen’.“ (Quelle: de.wikipedia.org)


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Carnaby Street, London

Und Swinging London hatte ein Gesicht mit der magersüchtigen Twiggy, über die besonders die Modetrends gesetzt wurden. Twiggy Lawson ist bis heute im Geschäft.

Ich habe die Swinging Sixties als auslaufendes Modell erlebt, da ich mehr oder weniger einer Zwischengeneration (Mitte der 50-er Jahre geboren) angehöre, die nicht mehr der 68er-Bewegung zuzurechnen ist und noch nicht ganz der Boomgeneration (ab 1955 in Deutschland). Aus sozialpsychologischer Sicht gehöre ich wohl mehr den Baby-Boomern an, die in Deutschland als desillusioniert galten. Ihr Lebensmotto könnte man mit „Leben und leben lassen“ definieren. (siehe hierzu meinen Beitrag zum Roman von Georg Heinzen – Uwe Koch: Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden). Aber so ganz sind die Swinging Sixties (wie auch die sich daraus ableitenden 68-er) an mir nicht vorbeigerauscht.

Was waren die ‚Aushängeschilder’, die diese Zeit ausmachten? London als Mittelpunkt und dort der Stadtteil Soho mit der Carnaby Street als Modezentrum, in dem Minirock und Twiggy das Bild bestimmten, habe ich Anfang der 70-er Jahre besucht. So ganz mein Ding war das nicht. Mich interessierte in erster Linie die Musikszene der Stadt.

So gingen von London in den Swinging Sixties nicht nur die Mode- sondern auch die musikalischen Trends aus, die natürlich nicht nur in die USA, sondern auch zu uns nach Deutschland überschwappten. Der Beat-Club, ab 1965 von Radio Bremen produziert, war die Musiksendung für junge Leute schlechthin. Hier wurde die Musik gespielt, die sonst nur in der Londoner Musikszene zu hören war. In London selbst wurde der Marquee Club Dreh- und Angelpunkt dieser neuen Musik. Er diente vielen Gruppen als Sprungbrett ins internationale Musikgeschäft. Die Rolling Stones gaben dort am 12. Juli 1962 ihr erstes Konzert unter ihrem Bandnamen. Im Marquee Club traten Bands und Musiker auf wie Steamhammer, Jimi Hendrix, Iron Maiden, John Mayall mit Eric Clapton, Peter Green, Queen, Oasis, The Who, Pink Floyd, Marillion, The Nice, Rory Gallagher – und natürlich auch Jethro Tull, zunächst noch als „Navy Blue“. Schon mit der „John Evan Band“ hatte Ian Anderson zuvor im Marquee Club einen Auftritt. An meinem Geburtstag, den 2. Februar 1968, traten Ian Anderson und Co. dann als Jethro Tull zum ersten Mal auf.

So kam es dann auch, dass beim 8. National Jazz and Blues Festival vom 9. bis 11. August 1968 im Kempton Park Racecourse zu Sunbury die Gruppe Jethro Tull auftreten durfte (das Festival wurde 1961 vom Gründer des Londoner Marquee Club, Harold Pendleton, ins Leben gerufen) und ihren ersten großen Erfolg feierte.

Aber ich schweife ab. Nur soviel: Leider ist der Marquee Club seit 2008 nur noch Geschichte. Immerhin habe ich es Ende der 70-er Jahre wenigstens einmal besucht und bei einem gepflegten Ale die Hardrockgruppe UFO sehen und hören dürfen. Auch das war zwar nicht so ganz mein Ding. Trotzdem genoss ich den Aufenthalt in dem für die Rockmusik geschichtsträchtigen Räumlichkeiten (damals wie zu Zeiten der Auftritte von Jethro Tull in der Wardour Street No. 90).

Später, Anfang der 80-er Jahre besuchte ich dann mit einem Kumpel noch den 100 Club in der Oxford Street (Hausnummer 100, daher der Name). Ebenfalls ein geschichtsträchtiger Ort (siehe hierzu auch meine Beiträge Was ist bloß mit Ian los? Teil 2: Wie ich zu Jethro Tull kam und Ska im Park). Hier traten all die Blues-Größen auf, die großen Einfluss auf die Musikszene der Swinging Sixties hatten. Hier wurde mit dem ersten 100 Club Punk Festival am 20. und 21. September 1976 auch der Punk gewissermaßen hoffähig.

Wer sich heute an die Swinging Sixties erinnert (erinnern kann), denkt natürlich vor allem an den Minirock, Anfang der 60-er Jahre von der Modedesignerin Mary Quant kreiert. Und natürlich an Twiggy, dem ersten internationalen Superstar unter den Models. In diesen Jahren (ab 1962) kamen dann auch die James Bond-Filme ins Kino. Meinen ersten Bond-Film sah ich übrigens 1967 in Schweden. Es muss „Feuerball“ gewesen sein, denn „Man lebt nur zweimal“ kam erst im Herbst 1967 in die Kinos. Es war in Stockholm (im Original mit schwedischen Untertiteln!), wo ich mit meiner Schulklasse zwei Wochen anlässlich eines Schüleraustauschs weilte. Erwähnenswert ist, dass Schweden kurz zuvor vom Links- auf Rechtsverkehr umgestellt hatte, was z.T. für chaotischen Verhältnissen auf den Straßen sorgte.

Und ohne Zweifel darf und werde ich meine Lieblings-TV-Serie Avengers (Mit Schirm, Charme & Melone) hier nicht vergessen. Auch die gehört spätestens mit der 4. Staffel (John Steed und Emma Peel), die ab Ende 1966 im deutschen Fernsehen zu sehen war, zu dem Bild, das die Swinging Sixties (nicht nur) bei mir geprägt haben. Im Jahr 1967 gab es so ein Fotoshooting, bei dem die Stilikonen dieser Jahre vereint abgebildet wurden: Patrick Macnee, der John Steed in der Serie verkörperte, zusammen mit Twiggy (Diana Rigg wurde gesondert abgelichtet). Die Aufnahmen erfolgten in den Teddington Studios zu London und präsentieren die neuen Entwürfe zu „Avengers by Pierre Cardin and Alun Hughes. Fotos: Terry O’Neil (hier weitere Fotos mit Twiggy & Steed). Die Klamotten, die Diana Rigg als Emma Peel trug, verkauften sich nämlich auch nicht schlecht.

    Twiggy und John Steed (Patrick Macnee) 1966 bei einem Mode-Fotoshooting

Von dem Fotoshooting gibt es auch ein kleines Video bei British Pathé (britishpathe.com): Avengers meet Twiggy 1967 (Rigg’s new rigs – [Diana] Riggs neue ‚Ausrüstung’):

    Avengers meet Twiggy 1967 (Rigg’s new rigs)

Die Swinging Sixties endeten, wenn man so will, mit Monty Python, die ihren Flying Circus 1969 ins britische Fernsehen brachten. Während ich Paris und Madrid nur einmal bisher besucht habe (Rom habe ich nicht einmal aus der Ferne gesehen), war ich in London unzählige Male (das letzte Mal ist allerdings schon etwas her: 1996 war ich dort mit dem älteren meiner beiden Söhne, er war damals gerade fünf ½ Jahre alt und begeisterte sich für Peter Pan und Dinosaurier, da war London durchaus das Richtige – immerhin war ich ja 2005 mit meiner Familie u.a. in Edinburgh). Es ist natürlich nicht die Stadt also solche, die mich interessiert, sondern das typisch Britische mit seinem schwarzen Humor, seiner Musik und dieser besonderen Mentalität der Menschen, die irgendwo zwischen Unterstatement und weltmännischer Arroganz angesiedelt ist. Viele Briten (Engländer, sonders aber Schotten und Waliser) mögen London eigentlich nicht so sehr. Denen ist die Stadt einfach zu groß, alles dort zu teuer und wahrscheinlich auch zu ‚bunt’. Hier habe ich aber zum ersten Mal kennen gelernt, was multikulturelle Vielfalt ist. So etwas wie z.B. Chinatown gab es nicht (und gibt es auch heute noch nicht) bei uns. Hamburg und München sind sicherlich ganz schöne Städte. Aber eine Weltstadt wie London ist keine von beiden. Berlin kommt vielleicht an die englische Hauptstadt einwenig heran. Natürlich ist mir klar, dass es ein großer Unterschied ist, in einer Stadt wie London (oder Berlin) Urlaub zu machen oder dort zu arbeiten und zu leben.

Meine Fresse: Da wollte ich eigentlich nur so einen kleinen Beitrag zu den Swinging Sixties schreiben und bin wieder einmal vom Hundertsten ins Tausendste gekommen.

Mit Schirm, Charme und Melone – 6. Staffel

Ach ja, meine Lieblingsserie (wenn man sie partout so nennen will): Mit Schirm, Charme & Melone. Die ersten drei Staffeln (von 1961 bis 1964) waren uns deutschen Zuschauern bekanntlich jahrelang vorenthalten worden und wurden arte sei dank dann synchronisiert und zur Jahreswende 2010/2011 – zum 50. Jahrestag der Serie – im deutschen Fernsehen zum ersten Mal ausgestrahlt. Bei uns begann ‚alles’ mit den „Avengers“ ja erst mit der vierten Staffel vor vielen Jahren: Wer in etwa meinem Alter ist, der wird die deutsche Erstausstrahlung der vierten Staffel mit 26 Folgen (noch in schwarz/weiß vom Herbst 1966 bis Mitte 1967) und dann der fünften Staffel mit 24 Folgen (erstmals in Farbe im Anschluss bis Mai 1968) mit dem großen Auftritt von Emma Peel (neben John Steed, dem Geheimagenten) miterlebt haben. Die skurrilen Abenteuer von John Steed und Emma Peel mit den Folgen 79 bis 128 waren gewissermaßen der Höhepunkt der Serie – ich habe bereits einiges dazu in diesem Blog geschrieben.

Nun Diana Rigg, die Darstellerin der Emma Peel, wollte sich nicht auf diese Rolle festlegen lassen und verließ nach immerhin 50 Folgen die Serie. Ihr zu Ehren gab es so etwas wie eine ‚Übergangsfolge’. In der 129. Folge („Auf Wiedersehen, Emma“) verabschiedete sich Emma Peel von John Steed, und Tara King (gespielt von der Kanadierin Linda Thorson), die in Ausbildung befindliche junge „Agentin 69“, übernimmt ihre Rolle. Mit dieser Folge begann dann auch die 33 Folgen zählende 6. Staffel, die (wie die anderen Staffeln zunächst nicht vollständig) von August bis Ende 1970 im deutschen Fernsehen gezeigt wurde.

    Mit Schirm, Charme & Melone – 6. Staffel: John Steed und Tara King

Alle 33 Folgen (auch die 129. mit Emma Peel) kamen als Mit Schirm, Charme und Melone – Edition 3, Teil 1 [6 DVDs] und Mit Schirm, Charme und Melone – Edition 3, Teil 2 [6 DVDs] auf den DVD-Markt (Edition 1 beinhaltete die 4. Staffel, Edition 2 die 5. Staffel), wurden aber ebenfalls vollständig 2010 auf Arte gesendet. Die Interessierten erinnere ich hier nebenbei noch einmal an das Buch von Franziska Fischer: „Mrs. Peel, wir werden gebraucht!“ Mit Schirm, Charme und Melone. Das Buch zur Serie. Hier findet der Serien-Fan viel Material zu John Steed und Co. Ein Episodenführer beschreibt Inhalt, Darsteller usw. aller (wirklich aller 187) Folgen.

    Franziska Fischer: Mrs. Peel, wir werden gebraucht!

31 der 33 Folgen hatte ich mir damals aufgezeichnet und einen Großteil der Folgen jetzt in den letzten Wochen (fast) allabendlich angeschaut. Okay, Tara King ist nicht Emma Peel, aber trotzdem haben mir viele der Folgen (es gibt immer auch Episoden, der schwächeln) doch ganz gut gefallen. Natürlich ist „Mit Schirm, Charme & Melone“ keine Offenbarung. Und die 40 und mehr Jahre sind nicht spurlos an uns Zuschauer und damit an dieser Serie vorbeigegangen. Aber ich finde diesen britischen, zwischen Understatement und leichter Hochnäsigkeit schwankenden Humor einfach zu köstlich. Sowohl John Steed als auch Tara King kann nichts erschüttert (nichts ist übertrieben, erst gestern sah ich die 150. Folge „Urlaub auf Raten“, in der John Steed doch begann, an sich selbst zu zweifeln). So absurd die Abenteuer sind, so ‚cool’ werden sie von Steed und King bewältigt. Ich wiederhole mich gern: Es ist der Charme der 60-er Jahre, der mich immer wieder fasziniert. Es gibt kaum etwas Entspannenderes, als eine Folge dieser Kultserie zu gucken.


The Avengers Introducing Tara King (im englischen Original)

Es gibt einige Folgen der 6. Staffel, die zudem aus verschiedenen Gründen bemerkenswert sind. In der Folge 139 „Vor Clowns wird gewarnt“ aus dem Mai 1968 (im deutschen TV erst im Mai 1999 gesendet) tritt kein Geringerer als John Cleese auf (die Serie Monty Python’s Flying Circus begann erst ein Jahr später auf BBC), ebenfalls in einer äußert absurden Rolle. Und in Folge 145 „REMAK“ hat John Steed eine Lady Diana Forbes-Blakely (gespielt von Jennifer Croxton) als Taras Urlaubsvertretung an seiner Seite. Ein neues Gesicht, das gewissermaßen den Geist Emma Peels aufleben ließ. Natürlich treten auch viele andere prominente Schauspieler auf, die wir später in anderen Serien (ich denke da an die auch bei uns erfolgreiche Reihe Task Force Police) gesehen haben. In Folge 142 „Mannerings Fragestunde“ sehen wir Christopher Lee.

Was vielleicht an der 6. Staffel etwas nervt ist ‚Mutter’, der gehbehinderte, etwas sehr geschwätzige Boss von Steed und King (Besonders nervig ist daher die Folge 154 „Mutters Erzählungen“ – der deutsche Titel sagt alles …). In Folge 150 „Urlaub auf Raten“ hat dieser ebenfalls eine Urlaubsvertretung: ‚Vater’, eine blinde Frau.

Und was schon bei der 4. und 5. Staffel mit Emma Peel besticht, das sind auch in der 6. Staffel die seltsamen, manchmal sehr obskuren Charaktere, die auftreten. Der britische, oft sehr schwarze Humor treibt hier seine Blüten.

Natürlich verbraucht sich eine Serie wie „Mit Schirm, Charme & Melone“ auch mit den Jahren. Immerhin lief die Reihe ab Januar 1961 bis zum April 1969 fast ein ganzes Jahrzehnt im britischen Fernsehen. Der Zeitgeist nagt. So sollte es bis Oktober 1976 dauern, bis Patrick Macnee erneut als John Steed in der Serie „The New Avengers“ seinen Auftritt haben sollte. Diese Serie (bei uns natürlich weiterhin unter dem Namen „Mit Schirm, Charme & Melone“ ab Januar 1978 zu sehen) brachte es immerhin noch einmal auf zwei Staffeln a 13 Folgen und knüpfte dort an, wo die Serie zuletzt endete. Nur sollte selbst ein John Steed etwas gereifter sein. Diese 26 Folgen waren selbstredend auch auf dem Sender arte zu sehen. Und ich weiß, was ich mir in den kommenden kalten Herbst- und Wintertagen bis Weihnachten abends angucken werde 😉

Leider etwas spät kam dann tatsächlich die Gesamtausgabe aller (noch vorhandenen) Folgen der Serie auf den Markt. Gut 100 € kostet das ganze Paket: Mit Schirm, Charme und Melone – 50th Anniversary Complete Edition (53 Discs). Pro DVD sind das gerade 2 €. Vielleicht ein lohnendes Geschenk für Damen oder Herren in meinem Alter (oh je, ich gehe hart auf die 60 zu) zu Weihnachten, die britischen Humor und alte Serien mögen und sich gern wieder dem Charme der 60-er Jahre ergeben wollen.

Media Player Classic

Um Audio- und Video-Dateien am PC z.B. unter Windows abspielen zu können, benötigt man einen so genannten Media Player, also ein entsprechendes Abspielprogramm. Neben dem Windows Media Player gibt es einen (fast) Alleskönner: VLC Media Player. Der Windows Media Player ist zz. in der Version 12.0 für Windows 7, Windows 8 und Windows Mobile verfügbar. Leider unterstützt er u.a. nicht alle Audio-Formate – wie z.B. AC3 (Dolby Digital). Allerdings lassen sich Codecs wie dieser nachinstallieren. Beim VLC Media Player ist das nicht nötig.

Zwar hat noch nicht jeder einen Blu-ray-Player zu Hause, noch weniger ein Blu-ray-Laufwerk am PC. Die Blu-ray Disc (kurz BD) wurde als High-Definition-Nachfolger (HD) der DVD entwickelt und bietet ihrem Vorläufer gegenüber eine erheblich gesteigerte Datenrate und Speicherkapazität. Die DVD hat als DVD-Video eine Auflösung von 720 x 576 Pixel (Bildpunkte), was einem Seitenverhältnis von 4:3 entspricht. Heute gilt gewissermaßen als Standard ein Bildverhältnis von 16:9. Monitore für PCs und TV-Bildschirme (Flachbildschirme) haben heute ein solches Bildverhältnis. Da bei der DVD die Auflösung aber weiterhin 720 x 576 Pixel beträgt, so wird ein Bild von 16:9 anamorph gespeichert, also gestaucht – und bei der Wiedergabe ‚auseinandergezogen’ (Anzeige: 1024 x 576 Pixel). Bei Blu-ray Discs beträgt die maximale Bildauflösung 1920 ×1080 Pixel (16:9).

Vielleicht noch eine kurze Info (auch für den Laien) zu Vollbild- und Zeilensprungverfahren. „Das Vollbildverfahren (auch engl. Progressive Scan, für „fortschreitend durchgeführte Abtastung“) bezeichnet eine Technik beim Bildaufbau von Monitoren, Fernsehgeräten, Beamern und anderen Anzeigegeräten, bei denen das Ausgabegerät – anders als beim Zeilensprungverfahren – keine zeilenverschränkten Halbbilder gesendet bekommt, sondern mit echten Vollbildern gespeist wird. Dadurch wirkt das Bild schärfer und ruhiger, außerdem wird Zeilenflimmern vollständig eliminiert.“ „Beim Zeilensprungverfahren (auch als Zwischenzeilenverfahren bezeichnet; engl. Interlace) baut sich ein vollständiges Bild (Frame) aus zwei unterschiedlichen Halbbildern auf. Bei der Bildentstehung werden für das erste Halbbild nur die ungeraden Zeilen des Ausgabegeräts dargestellt; ist dieses komplett, wird das zweite Halbbild aus den geraden Zeilen aufgebaut.“ Beide Verfahren finden heute Anwendung und spiegeln sich in Bezeichnungen wie 720p („720“ steht für die vertikale Auflösung, „p“ für progressive Bildübertragung, also Vollbildverfahren – 720p-Signale werden mit einer Auflösung von 1280 × 720 Pixeln übertragen und ergeben ein Videosignal von 720 Linien) oder 25-i (die Bildrate betreffend, also 25 Halbbilder pro Sekunde). „p“ steht also für Progressive Scan, „i“ für Interlace.

Auch wer kein Blu-ray-Laufwerk hat, kann natürlich Videos in HD am Rechner abspielen lassen (bzw. diese über den Rechner mit Hilfe eines HDMI-Kabels auf ein HD-fähiges Fernsehgerät übertragen). Heute werden HD-Videos meist als AVI– oder als Matroska-Videos abgespielt. AVI wie MKV (Matroska) sind eigentlich nur so genannte Containerformate, also Dateien, die ihrerseits wiederum unterschiedliche Dateien und Dateitypen enthalten können. Ein AVI-Container kann beispielsweise eine mit dem Xvid-Codec erstellte MPEG-4-Videospur und eine mit LAME erstellte MP3-Audiospur enthalten (auch eine PDF-Datei ist eigentlich nichts anderes als eine Container-Datei mit Text, Bildern, Schriftarten usw.).

Neben AVI ist heute Matroska ein viel verwendeter Container und entwickelt worden, um bestehende Nachteile von AVI auszugleichen. Matroska unterstützt verschiedene Videocodecs, unter anderem MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4, H.264, RealVideo, WMV, Theora, Dirac, und Audiocodecs, beispielsweise AAC, AC3, DTS, WAV, MP3, Vorbis und FLAC sowie zusätzliche Formate für Untertitel (VobSub) und erweiterte Metainformationen – also eigentlich alles, was ‚das Herz’ begehrt. Außerdem ist eine Einteilung von Dateien in Kapitel sowie die Verwendung von mehreren Tonspuren, zum Beispiel für unterschiedliche Sprachversionen, möglich.

    Screenshot des Hauptfensters von Media Player Classic - Home Cinema

Die Frage stellt sich natürlich, welcher Player (z.B. für Windows) für solche MKV-Dateien (Matroska) geeignet ist. Neben dem bereits erwähnten VLC Media Player ist das der Media Player Classic – Home Cinema (hier Download). Der Player kommt zwar sehr spatanisch daher. Die klassische, bewusst nicht durch Skins zu verändernde Oberfläche dieser Anwendung ist an die ältere Version 6.4 des Windows Media Players angelehnt. Ansonsten hat er aber alles, was ein solcher Player heute haben sollte.

Was macht nun den Unterschied aus zwischen VLC Media Player und MPC-HC (wie man den Media Player Classic – Home Cinema abkürzt). Bei neuen und leistungsstarken Rechnern dürfte der Unterschied marginal sein. Ich habe aber noch einen alten Windows XP-Rechner zu Hause stehen (und ob ihr es glaubt oder nicht: am 19.11. wird dieser schlappe 10 Jahre alt, ja ich habe den am 19. November 2003 gekauft), der immer noch seine Dienste tut, dazu einen 19-Zoll-Bildschirm mit einem Seitenverhältnis von 4:3 (für alte Videos, z.B. die Tatort-Schimanski-Filme das richtige Seitenverhältnis) mit einer nicht ganz so hohen Bildschirmauflösung (1152 x 864 Pixel). Schaue ich Videos mit einer höheren Auflösung, so grieselt das Bild einwenig (leicht rote Schlieren) beim VLC Media Player. Der MPC-HC skaliert anscheinend das Bild herunter und zeigt so ein einwandfreies Bild. Dafür hat der MPC-HC Schwierigkeiten bei Videos mit dem Codec H.264 auf meinem Netbook bei HD-Videos. Ein Netbook ist natürlich nicht so leistungsfähig wie ein PC. Der H.264-Codec hat eine etwa dreimal so hohe Codiereffizienz wie MPEG-2 (z.B. bei DVDs). Das heißt, vergleichbare Qualität ist etwa bei einem Drittel der MPEG-2-Datenmenge zu erreichen. Allerdings ist der Rechenaufwand auch um den Faktor 2 bis 3 höher. Seltsamerweise wirkt sich der hohe Rechenaufwand vor allem bei der Audio-Wiedergabe aus (die kommt brockenweise). Der VLC Media Player bringt das Netbook zwar auch ganz schön ‚ins Schwitzen’, Bild- und Tonruckeln halten sich aber in Grenzen.

Ich habe alle drei Player (Windows Media Player, VLC Media Player und Media Player Classic – Home Cinema) auf meinen Rechner installiert (zusätzlich ein DVD-Abspielprogramm auf meinem PC). Je nachdem, welche Formate die Videos haben, benutze ich den einen oder anderen Player für die Wiedergabe. Den MPC-HC habe ich zwar erst ziemlich neu ‚in meinem Sortiment’, aber er hat mich (bis auf das angesprochene Netbook-Problem) voll und ganz überzeugt. Gerade für den Laien, der nicht so recht weiß, mit welchem Player er eine bestimmte Video-Datei abspielen soll, empfehle ich den MPC-HC. Auch er ist kostenlos wie der VLC Media Player erhältlich.

Siehe hierzu einen Vergleich der besten Multimedia-Player

Heute Ruhetag (42): Der duftende Garten des Scheik Nefzaui

Scheik Nefzaui ist der Nachwelt nur als der Verfasser des Duftenden Gartens bekannt geworden; es ist das einzige Buch, das er überhaupt geschrieben hat. Obgleich sich in diesem Buche viele Irrtümer und Fehler finden, die größtenteils der Nachlässigkeit und Unwissenheit der Abschreiber zur Last zu legen sind, und obgleich auch der Gegenstand des Buches nicht nach jedermanns Geschmack sein wird, entstammt es doch offenbar der Feder eines Mannes von gründlicher Bildung, der auf den Gebieten der Literatur und Medizin tiefere Kenntnisse besaß, als man sie im allgemeinen bei Arabern anzutreffen gewohnt ist.

Aus der historischen Bemerkung in der Einleitung dieses Buches können wir, obgleich der Name des zu jener Zeit in Tunis regierenden Beys offenbar falsch angegeben ist, doch schließen, daß das Werk ungefähr zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung – etwa um das Jahr 925 der Hedschra – verfaßt worden ist.

Vorbemerkungen des französischen Übersetzers

    Der duftende Garten des Scheik Nefzaui

Der parfümierte Garten (auch Der duftende Garten) ist der deutsche Name eines arabischen Ehehandbuchs aus dem frühen 15. Jahrhundert, das aufgrund seiner erotischen Geschichten und freizügigen Behandlung menschlicher Sexualität schon im 19. Jahrhundert auf ein ähnlich großes Interesse wie das indische Kamasutra stieß. Der vollständige lautet „Der duftende Garten zur Erbauung des Gemüts“.

Heute Ruhetag = Lesetag!

Ich schrieb dieses herrliche Werk auf Grund eines Büchleins betitelt »Die Fackel der Welt«, worin die Geheimnisse der Zeugung behandelt werden. Dieses Werkchen kam zur Kenntnis des Wesirs unseres Herrn Abd-el Aziz, des Beherrschers von Tunis. Dieser erlauchte Wesir war sein Dichter, sein Genosse, sein Freund und Geheimschreiber. Er war wacker im Rat, treu, klug und weise, der gelehrteste Mann seiner Zeit und wohl bewandert auf allen Gebieten. Er nannte sich Mohammed ben Uana ez Zonaui. Er war in Algier aufgewachsen, und in dieser Stadt hatte unser Herr Abd-el Aziz el Hafsi seine Bekanntschaft gemacht.

An dem Tage, da Algier erstürmt wurde, floh der Herrscher mit ihm nach Tunis – möge Gott dieses Land beschützen bis zum Tage der Auferstehung! – und ernannte ihn zu seinem Großwesir. Als er das oben erwähnte Buch in die Hände bekam, sandte er zu mir und lud mich dringend ein ihn zu besuchen. Unverzüglich begab ich mich in sein Haus, und er empfing mich auf höchst ehrenvolle Weise.

Drei Tage später kam er zu mir, zeigte mir mein Buch und fragte: »Ist dies dein Werk?« Und da er mich erröten sah, fuhr er fort: »Du brauchst dich dieses Buches nicht zu schämen; alles, was du darin gesagt hast, ist wahr; niemand braucht sich über deine Worte zu entrüsten. Übrigens bist du nicht der erste, der diesen Gegenstand behandelt hat; und ich schwöre bei Gott: wahrlich, die Kenntnis dieses Buches ist notwendig. Nur ein schamloser Ignorant oder ein Feind aller Wissenschaft wird es nicht lesen oder sich darüber lustig machen, nachdem er es gelesen hat. Aber es sind verschiedene Dinge, mit denen du dich noch wirst beschäftigen müssen.« Ich fragte, was für Dinge das seien, und er antwortete: »Ich wünsche, daß du deinem Buch noch einen Anhang beifügst, worin du die Heilmittel behandelst, von denen du noch nichts gesagt hast; führe alle Tatsachen an, die in dieses Kapitel hineingehören, und lasse nichts aus. Du wirst darin beschreiben, wie der Akt der Zeugung zustande kommt, sowie auch, wie er sich verhindern läßt. Du wirst die Mittel anführen, durch die das zeitweilige Unvermögen behoben wird, sowie die Mittel, durch die man das männliche Glied, wenn es zu klein ist, größer macht und ihm einen stattlichen Anblick verleiht. Ferner wirst du angeben, wie man den unangenehmen Geruch der weiblichen Achselhöhlen und Schamteile beseitigt und wie man die Schamteile enger macht. Ferner wirst du von der Schwangerschaft sprechen, damit dein Buch vollkommen und lückenlos sei. Mit einem Wort: wenn dein Buch allen Wünschen entspricht, dann erst wird deine Arbeit beendigt sein.«

Ich antwortete dem Wesir: »O! mein Herr und Meister, alles, was du hier gesagt hast, ist nicht schwer zu machen, wenn es Gott in der Höhe gefällt.« Unverzüglich ging ich an die Abfassung dieses Buches, nachdem ich Gott um seinen Beistand angefleht hatte – (möge er seinen Segen über seinen Propheten ausströmen, und möge Glückseligkeit und Gottes Liebe bei diesem weilen!).

Ich nannte dieses Werk: »Der duftende Garten für die Erlustigung der Seele« (Er Roud el Aater p’nezaha el Khater).

Und wir beten zu Gott, der alles zum besten lenkt – (und es ist kein anderer Gott außer ihm, und alles Gute kann nur von ihm herkommen) –, er möge uns seine Hilfe leihen und uns auf rechten Wegen führen; denn es ist keine Kraft und keine Freude außer in dem hohen und mächtigen Gott.

Die Entstehung dieses Werkes

Scheik Nefzaui: Der duftende Garten für die Erlustigung der Seele

Der neue Schimanski: Loverboy

Er ist wirklich unverwüstlich. Am kommenden Sonntag, den 10.11.2013, sendet die ARD um 20:15 Uhr die neueste Folge der Sendereihe Schimanski: Loverboy.

Nach 29 Folgen Tatort seit dem 28. Juni 1981 ermittelt Schimanski nun bereits zum 17. Mal seit 1997 in einer eigenen Filmreihe. Schimanski alias Götz George ist in die Jahre gekommen. 75 Lenze zählt er bereits. Aber er kann’s nicht lassen „… und macht sich auf die Suche.“

Schimanski  (Bild: WDR/ Uwe Stratmann)

Vor einem Club in Duisburg wird der 20-jährige Daan erschossen aufgefunden. Nichts deutet auf einen Raubmord hin, zumal der junge Mann auch noch ein Briefchen mit Heroin bei sich hatte. Derweil treffen Schimanski und Marie-Claire in ihrer Wohnung auf zwei Typen, die soeben ihre Wohnzimmereinrichtung zu Bruch geschlagen haben. Wie sich herausstellt, hat der einsitzende Gangsterboss Kaijewski seine Handlanger auf Schimanski angesetzt, allerdings nur, um ihn für einen Auftrag zu gewinnen.

Im Gefängnis trifft Schimanski zu seinem Erstaunen auf einen verzweifelten Kaijewski. Dieser bittet ihn, seine verschwundene 14-jährige Tochter Jessica zu finden. Dass Kaijewski ein Kind hat, wusste bislang niemand, und das soll auch so bleiben. Schimanski und Jessicas Mutter, Claudia Pollack, die mit ihrem Mann Thomas eine Motorradwerkstatt betreibt, kennen sich noch aus alten Zeiten. Auch sie bittet Schimanski inständig, ihr die Tochter zurückzubringen.

Schimanski erfährt, dass das Mädchen mit ihrem Freund Nils scheinbar von zu Hause abgehauen ist. Doch wer dieser Nils eigentlich ist und wo er lebt, weiß Jessicas Mutter nicht. Während seiner Recherchen trifft Schimanski auf Hänschen und Hunger, die mit dem Mord an Daan befasst sind. Sie sind genervt von dem alten Haudegen, der wieder einmal im Alleingang im gleichen Fall wühlt, mit seinen gewonnenen Erkenntnissen hinterm Berg hält und vor allem Hunger nicht ernst nimmt.

Von einem Mitschüler Jessicas weiß Schimanski, dass Nils offenbar häufiger zusammen mit Daan am Strich in der Vulkanstraße gesehen wurde. Was verband die beiden jungen Männer miteinander, und welche Rolle spielt ein weiteres Mädchen namens Laura? Alle Spuren führen nach Rotterdam, wohin Nils offenbar mit Jessica verschwunden ist. Gemeinsam mit der verbitterten Gemüsehändlerin Susanne Mellert, die gesteht, auch seit Jahren ihre Tochter zu vermissen, macht sich Schimanski dort auf die Suche.

100. Geburtstag von Albert Camus

    „Um einer angeborenen Gleichgültigkeit die Waage zu halten, wurde ich halbwegs zwischen das Elend und die Sonne gestellt. Das Elend hinderte mich zu glauben, dass alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, dass die Geschichte nicht alles ist.“
    Albert Camus

Gut (oder nicht gut), ich habe es nicht „auf dem Zettel“ gehabt: Heute ist ein für mich eigentlich besonderer Jahrestag. Vor 100 Jahren wurde in Mondovi, Französisch-Nordafrika, heute Dréan, Algerien, Albert Camus geboren. Er war ein Schriftsteller und vor allem Philosoph, der nachhaltig mein Denken beeinflusst hat. So ist es nicht verwunderlich, wenn ich Albert Camus hier öfter erwähnt habe, mich zu ihm und seine Werke geäußert habe.

Albert Camus

Welche Bedeutung Camus auch heute noch für viele Menschen hat, ist an der Resonanz abzulesen, die der heutige Jahrestag in vielen hervorruft. Über Twitter habe ich einige dieser Äußerungen festgehalten und möchte diese – ohne weitere Kommentare von mir – zum Aufruf bereitstellen: