Der Preis ist Scheiß: Dynamic Pricing

Die Weihnachtszeit ist vorbei, die letzten nicht so gelungenen Geschenke umgetauscht. Endlich haben die Paketboten, die uns die online bestellte Ware ins Haus gebracht haben, etwas Zeit zum Verschnaufen.

Ich gestehe, dass ich früher so ziemlich alles bei Amazon gekauft habe, wenn das von mir Gewünschte dort angeboten wurde. Meist war es dort auch am günstigsten. Inzwischen hat sich das längst geändert, Dynamic Pricing heißt das vermaledeite Zauberwort.

    Der Preis ist Scheiß: Dynamic Pricing

Wer kennt es nicht, wenn er sein Auto betanken muss. Viele Male am Tag verändert sich dort der Preis für den Treibstoff. Oft erfolgt die Preisgestaltung nach einem bestimmten Muster. Morgens ist es am teuersten, abends oder in die Nacht hinein am preiswertesten. Natürlich wird ein solcher Zyklus von Zeit zu Zeit unterbrochen. Ähnlich wie mit diesen Tankstellenpreisen operiert Amazon. Überhaupt ist dynamische Preisanpassung im Netz gang und gäbe. Amazon gilt allerdings als Vorreiter, der Versandriese ändert seine Preise am Tag unzählige Male. Es handelt sich dabei um ein Modell, welches Preise anhand automatischer Algorithmen berechnet. Dabei werden Faktoren wie die Preisgestaltung der Konkurrenten, Angebot und Nachfrage und andere externe Faktoren miteinbezogen.

Vielleicht interessiert an dem Thema? Bei Amazon finden sich bestimmt jede Menge Bücher usw. hierzu (was soll das denn jetzt, Willi? 😉 ):

Natürlich denkt auch schon der Einzelhandel (hier besonders die Discounter und Einzelhandelsketten) darüber nach, eine personalisierte Preisgestaltung auch hier einzuführen. Wie könnte das aussehen?

Viele zahlen heute mit ec-Karte („electronic cash“), genauer Girocard. Und viele haben eine Payback-Karte (früher waren es die guten Rabattmarken, die die Käufer betulich sammelten). Dank Near Field Communication (zu deutsch Nahfeldkommunikation) lassen sich solche Karten heute schon zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken von wenigen Zentimetern lesen. Denkbar wäre es also, dass solche Karten auch über etwas größere Strecken ausgelesen werden könnten. Bedenkt man, dass z.B. die Payback-Karte nicht nur zum Sammeln von Punkten (jeder Punkt ein €-Cent), sondern besonders der detaillierten Analyse des Kaufverhaltens der Kartenbesitzer dienen, dann kann sich jeder ausdenken, in welche Richtung der Zug fährt:

Käufer A. hat eine Vorliebe für bestimmte Lebensmittel. Kommt er ins Geschäft, genauer: kommt er in die Nähe dieser Lebensmittel, so wird eine seiner Karten ausgelesen, seine Vorliebe erkannt und die Preise für diese Lebensmittel allein für ihn dynamisch ‚angepasst‘. Die Preisschilder sind dann durch kleine Displays ersetzt. Natürlich kennt auch die Kasse den für Käufer A. angepassten Preis.

Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einer Frau, die sich darüber erregte, dass es Menschen gibt, die sich gegen jede Art von Datenerfassung wehren. Früher, als sie jung war, hätte sie das auch getan, weil das junge Menschen eben so tun. Wenn sie nichts verbrochen hat, dann muss sie nichts befürchten. Überhaupt geben so viele Menschen in den sozialen Medien alles Mögliche von sich preis. Dass die massenhafte Datenerfassung der Manipulation von Menschen dient, war ihr nicht aufgegangen. Ihr Einwand, dass sie sich nicht manipulieren ließe, konnte ich leider nur mit Kopfschütteln beantworten.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Ein Gedanke zu „Der Preis ist Scheiß: Dynamic Pricing

  1. Hier ist was los!!! – Im Kapitalismus! – Hatten wir im Osten das „Manifest“ – ist es hier das „Kapital“.

    „Neulich habe ich ´Das Kapital`von Karl May gelesen!“ – „Das ist doch nicht von Karl May – sondern von Karl Marx!“
    “ Ich habe mich schon gewundert, dass keine Indianer drin vorkommen!“

    Bestimmt bekannt. Aber trotzdem lustig! – Nur, was Amazon schon macht – und sicher ziehn die anderen Nasen nach – ist gemein! Und nichts, was ein Kunde braucht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.