Die Cameo-Auftritte des Herrn Hitchcock

Man muss ihn sicherlich zu den ganz großen Filmregisseure dieser Welt zählen: Alfred Hitchcock. Das gilt in vielerlei Hinsicht, beginnend mit Techniken wie die Zuhilfenahme von Beleuchtungseffekten, um Tiefe zu schaffen und den Vorder- vom Hintergrund abzusetzen. Dann zeigte Hitchcock uns, den Zuschauern, völlig neue Perspektiven und Kameraeinstellungen – z.B. den Blick von oben. Darauf muss man erst einmal kommen. Und wie kein anderer setzte er neben Licht und Farben die Musik und Toneffekte so geschickt ein, um den Zuschauer ‚unter Spannung’ zu setzen. Heute sind das sicherlich Dinge, die jeder Absolvent einer Filmakademie gelernt haben sollte.

Die klassische, auf das Überraschungsmoment aufbauende Form des Kriminalfilms ist die Frage nach dem Täter (Whodunit). Bis auf nur wenige Ausnahmen bediente sich Hitchcock jedoch einer anderen Form des Spannungsaufbaus, dem sogenannten Suspense: Dem Zuschauer sind ab einem gewissen Zeitpunkt Informationen oder Umstände bekannt, von denen die handelnden Personen nichts wissen. Er fiebert in besonderer Weise mit den Helden, er sieht Ereignisse kommen, möchte den Figuren helfen, kann es aber nicht.

    Alfred Hitchcock: Psycho (1960)

Besonders bekannt ist Hitchcock durch seine kurzzeitigen Auftritte geworden, seine obligatorischen Cameo-Auftritte. Aus Mangel an Statisten in seinen ersten britischen Filmen sah man Hitchcock immer wieder im Hintergrund auftauchen. Daraus entwickelte er dann eines seiner bekanntesten Markenzeichen. Da das Publikum mit der Zeit immer weniger auf die Handlung achtete als vielmehr auf Hitchcock lauerte, legte er in späteren Filmen diesen Running Gag möglichst weit an den Filmanfang.

In drei Filmen hatte Hitchcock keinen eigentlichen Cameo-Auftritt. In zwei von diesen Filmen trat er auf Fotos in Erscheinung: „Das Rettungsboot“ spielt ausschließlich in einem kleinen Rettungsboot auf dem Meer. Er ist daher in einer zufällig im Boot liegenden Zeitung in einer Werbeanzeige für eine Diät auf einem „Vorher-Nachher-Foto“ zu sehen. Auch in „Bei Anruf Mord“ war kein Auftritt möglich. Stattdessen taucht Hitchcock auf einem an der Wand hängenden Foto einer Wiedersehensfeier von College-Absolventen auf. In „Der falsche Mann“ schließlich tritt er am Anfang des Films persönlich auf und spricht den Prolog. Dies ist gleichzeitig seine einzige Sprechrolle in einem seiner Kinofilme.

In einem frühen Beitrag meines Blogs hatte ich Hitchcocks Über den Dächern von Nizza vorgestellt. In diesem Film ist er nach ca. 9 Minuten kurz neben Cary Grant in einem Bus zu sehen:

    Über den Dächern von Nizza (1955)

Nun habe ich einmal weiter geforscht, denn inzwischen habe ich zehn weitere Filme von Alfred Hitchcock vorliegen – und in jedem tritt er für kurze Augenblicke, mal in der Ferne (eher undeutlich), mal von ganz nah und damit unübersehbar, auf:

Cocktail für eine Leiche (1948)

Das Fenster zum Hof (1954)

Cocktail für eine Leiche (1948)

Das Fenster zum Hof (1954)

Immer Ärger mit Harry (1955)

Der Mann, der zuviel wusste (1956)

Immer Ärger mit Harry (1955)

Der Mann, der zuviel wusste (1956)

Vertigo (1958)

Psycho (1960)

Vertigo (1958)

Psycho (1960)

Die Vögel (1963)

Marnie (1964)

Die Vögel (1963)

Marnie (1964)

Der zerissene Vorhang (1966)

Topas (1969)

Der zerrissene Vorhang (1966)

Topas (1969)

Alle Bildausschnitte sind auch etwas größer auf meiner Facebook-Seite: Hitchcocks Cameo-Auftritte zu sehen.

In „Cocktail für eine Leiche“ (1948) ist Hitchcock im Vorspann nur kurz aus der Ferne auf der Straße mit einer Frau zu sehen. Der Film selbst spielt ausschließlich in einem Zimmer. In „Das Fenster zum Hof“ (1954) erhaschen wir Hitchcock beim Blick in das Zimmer des gegenüberliegenden Hauses, wie er eine Uhr aufzieht. Im Film „Immer Ärger mit Harry“ (1955) wagt die Kamera einen Blick aus dem Fenster und wir sehen Hitchcock kurz im Mantel an einem Auto längst gehen. Einmal ist Hitchcock nur von hinter zu sehen – da steht er in „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) auf dem Marktplatz von Marrakesch zwischen zwei Männern in hellem Kaftanen. In „Vertigo“ (1958) ist er nicht zu übersehen: Hitchcock huscht mit Tasche durchs Bild. Und in „Psycho“ (1960) sehen wir ihn draußen vor der Tür mit Cowboyhut. Auch in „Die Vögel“ (1963) ist Hitchcock nicht zu übersehen: Er verlässt eine Tierhandlung und führt dabei zwei Terrier mit sich. In „Marnie“ (1964) kommt er aus einem Zimmer im Hotel. Eigentlich hatte Hitchcock hatte nicht allzu viel übrig für kleine Kinder, daher ist es schon witzig, wie er in „Der zerrissene Vorhang“ (1966) in einem Hotelfoyer mit Kind zu sehen ist. Witzig auch die Szene in „Topas“ (1969), wo Hitchcock in einem Rollstuhl angekarrt wird, plötzlich aufsteht, um einem Mann mit Hut die Hand zu schütteln.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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