Von Mücken und Wespen

Meine Frau liebt es, sich im Freien aufzuhalten. Gegen einen Aufenthalt dort ist auch aus meiner Sicht nichts einzuwenden, wenn die Sonne scheint. Leider gibt es im Sommer genügend Quälgeister, die den Aufenthalt draußen doch sehr vermiesen können. Spitzenreiter (neben nervenden Nachbarn) sind natürlich Wespen und Mücken.

Mücken gibt es eigentlich den ganzen Sommer über. Dieses Jahr hielten sie sich zunächst wohl etwas zurück. Dafür nerven sie jetzt. Und das meist in der Nacht, wenn man nicht aufgepasst hat und mindestens immer eine den Weg ins Schlafzimmer gefunden hat.

Bei diesen nächtlichen Besuchern handelt es sich um Steckmücken weibliche Geschlechts. Und nur die sind bei den meisten Stechmückenarten blutsaugend. Ein solcher Stich, wer kennt es nicht, verursacht zumeist eine allergische Reaktion mit Juckreiz. Beides wird von den Proteinen ausgelöst, welche die Stechmücke in die Saugstelle einspritzt, um das Blut vor dem Gerinnen zu bewahren.

Gegen Mücken gibt es vielerlei Mittelchen, um sie zu verscheuchen. Mehr oder weniger gut bewährt hat sich bei uns Nelkenöl, mit dem man z.B. die Ohrläppchen beträufelt und den Puls an den Armen. Allerdings stinkt man dann wie ein Lebkuchenmännlein. Wenn es aber hilft …?!

Wir (meine Frau und ich) haben einige Erfahrung mit Mücken gemacht. Zuletzt durften 2005 auch unsere beiden Söhne diese Erfahrung auf der Isle of Skye in Schottland mit uns teilen. Allerdings waren die Mücken dort weniger von der blutsaugenden, sondern ähnlich wie 1990 auf Island von der lästigen Art. Sie krabbeln in jede unbedeckte Körperöffnung.

Auf Island gibt es einen See im Norden namens Myvatn. Der Name ist Programm: Mückensee. Bei den Mücken dort handelt es sich überwiegend um harmlose Zuckmücken, die nicht stechen, aber auch um etwas lästigere Kriebelmücken. Es gibt im Sommer zwei Perioden von je etwa zwei Wochen, in denen sie regelrechte schwarze Säulen am Ufer des Sees bilden. Wir hatten wohl etwas Glück.


AlbinZ auf Island 1990

Am Ende des Videos von unserem Island-Urlaub 1990 treten nicht etwa vermummte Terroristen auf, sondern unsere kleine Reisegruppe mit Netzen über den Köpfen, um uns vor dem Ansturm der Mücken am Myvatn zu schützen.

Mücke

Wespe

Mücke

Wespe

Pflaumenkuchen und Wespen, das gehört zusammen wie Adam und Eva – oder so. Dieses Jahr begann die Wespenplage aber schon sehr früh. Kaum konnte man auf der Terrasse frühstücken, da waren garantiert auch Wespen da, die ihren Anteil am Frühstück einforderten. Im Grunde sind Wespen harmlos. Wenn sie nerven, dann dadurch, weil sie unorthodox wirre durch die Gegend fliegen. Meist summen sie dann vor dem Gesicht herum. Wenn sie dann noch im größeren Heerscharen auftreten, dann können sie einem die Nahrungsaufnahme wirklich vermiesen.

Bei uns kommt noch hinzu, dass wir gewissermaßen eine eigene Wespenzucht haben. In unserem Dachstuhl hatten sich gleich zwei Wespenvölker breit gemacht. Allerdings ließen diese uns doch ziemlich unbehelligt, so lange wir das Gleiche mit ihnen taten. Jetzt ist aber Schluss mit lustig. Die schmalen Ritzen im Gebälk werden dicht gemacht, damit wir im nächsten Jahr ohne eigene Wespen leben können.

Die „ewige“ Baustelle

Wenn man mit dem Zug aus dem Süden, also aus Richtung Bremen und Hannover, nach Hamburg kommt, dann überquert man kurz vor dem Hauptbahnhof ein Gewässer, den Oberhafen. Über die Oberhafenbrücke passieren täglich etwa 240 Fern- und Regionalzüge diese Bahnstrecke. Das 500 Tonnen schwere Mittelteil dieser 150 Meter langen Hafen-Brücke, die zuletzt schwere Korrosionsschäden aufwies, wurde zur Weihnachtszeit 2007 ausgetauscht. Außerdem wurde ein weiteres Teilstück des Schienennetzes vor dem Hauptbahnhof, ein aus Backstein gemauertes Viadukt im Freihafen, die so genannte Pfeilerbahn, abgerissen und wird neu aufgebaut. Diese beiden Baumaßnahmen werden erst 2010 beendet sein.

Oberhafenbrücke - Hamburg hbf.

Zz. stehen nur noch zwei Schienenstränge, jeweils einer in beide Fahrtrichtungen, für den Bahnverkehr zur Verfügung. Es ist unschwer zu erraten, dass durch diese Baumaßnahmen immer wieder erhebliche Verzögerungen im Bahnverkehr eintreten. Und das jetzt noch mindestens zwei Jahre.

Ich wohne bereits seit über 13 Jahre in Tostedt und fahre werktäglich morgens nach Hamburg und abends zurück. In dieser Zeit gab es immer wieder Verspätungen, die besonders durch den Austausch alter Schienen veranlasst waren. Allein die Erneuerung des Teilstücks zwischen Buchholz und Hamburg-Harburg führte zu einer Vollsperrung dieser Strecke für über 8 Monate (5. April bis zum 11. Dezember 2004). Natürlich wird es allerhöchste Zeit, dass die alten, teilweise maroden Schienenstränge erneuert werden. Die Strecke zwischen Hamburg-Harburg und Hamburg Hbf. hat zudem viele kleine Brücken, die wie die Oberhafenbrücke über 100 Jahre alt sind und nie wirklich gewartet wurden.

Aber es kommt auch sonst immer wieder zu längeren Verzögerungen bis hin zum Zeitpunkt, an dem dann überhaupt nichts mehr geht. Beeinträchtigungen von außen lassen sich nicht vermeiden. Allerdings zeigt dann die Bahn, dass sie zu einer Notfallregelung nicht ausreichend im Stande ist.

Nun auf meiner Strecke Bremen – Tostedt – Hamburg verkehren jetzt schon seit vielen Jahren (genau: seit dem 14. Dezember 2003) die Bahnen des Eisenbahnverkehrsunternehmens Metronom. Die neuen Züge erwiesen sich als weitaus komfortabler als die veralteten DB-Bahnen. Auch mit der Pünktlichkeit nahm es der Metronom viel genauer als noch der alte Betreiber dieser Strecke. 2005 wurde das Metronom-Netz um die Strecke Uelzen – Hannover – Göttingen erweitert. Ende letzten Jahres kam die Strecke Hamburg – Stade – Cuxhaven hinzu. Außerdem wurde der Verkehr der Regionalbahnlinien Hamburg – Lüneburg und Hamburg – Tostedt von der Deutschen Bahn AG übernommen. Nicht immer wirkt sich eine solch große Expansion eines Unternehmens vorteilhaft für den Kunden aus: So kommen die Fahrzeuge der Anfangszeit langsam in die Jahre, den öfter treten Störungen auf, die zu weiteren Beeinträchtigung führen (z.B. lassen sich Türen nicht schließen, Lokomotiven fallen wg. technischer Schäden aus, die Klimaanlage funktioniert nicht, sodass ganze Waggons gesperrt werden müssen). Auch mutmaße ich, das von dem neu eingestellten Zugpersonal noch nicht alle im Stande sind, mit der neueren Technik bereits vollends klar zu kommen.

Wie auch immer: Es gibt eine Reihe von Ereignissen, die dazu führen, dass sich Züge verspäten können. Wenn man den folgenden Text liest (einen wunderschönen Textbaustein), den mir das Metronom-Kundenzentrum zukommen ließ, dann versteht man fast, dass man pünktlich eintreffende Züge an den Fingern einer Hand abzählen kann:

Grundsätzlich ist die pünktliche Durchführung einer Zugfahrt nur möglich, wenn die zur Verfügung stehende Infrastruktur bzw. die Belegung der Gleise dieses ermöglichen. Daher ist, abgesehen von der Zugfolgeregelung auf der Strecke (besonders wichtig bei Ihrer Strecke: der Vorrang der IC und ICE-Züge), natürlich auch die Bahnsteigbelegung durch andere Eisenbahnverkehrsunternehmen in den Bahnhöfen maßgeblich. Ebenso lassen sich Zugfahrten nur pünktlich ausführen, wenn keine Beeinträchtigungen durch z. B. Bauarbeiten an den Gleisen, Störungen an der Technik (Weichen, Signale, Oberleitung, Bahnübergänge) oder den Loks bzw. dem Wagenmaterial vorliegen. Doch nicht nur eisenbahntechnische, sondern auch andere, von außen auf den Betrieb einwirkende Faktoren, beeinflussen die Einhaltung des Fahrplans. So können z. B. Personen im Gleis, Böschungsbrände und Unfälle an Bahnübergängen Auslöser von Behinderungen sein.

Absender: lobundtadel @ online-kundenzentrum.de

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis auf den Vorrang der IC- und ICE-Züge. Dadurch wird ein Pendler wie ich gewissermaßen zu einem Fahrgast „zweiter Klasse“. Wenn es aber um Fahrpreiserhöhungen geht, dann wird der Pendler meist als erster zur Kasse gebeten.

Die Kandidaten

Jetzt ist Beck also weg. Aus der Versenkung hervorgekommen nimmt Franz Müntefering wieder den Vorsitz der SPD ein, während Frank-Walter Steinmeier zum Kanzler-Kandidaten seiner Partei gekürt wurde. Dass das so schnell kommen würde, damit hat wohl selbst in der SPD keiner gerechnet. Aber es war wohl überfällig für die Partei, will man bei der nächsten Bundestagswahl überhaupt eine Chance gegen ein mögliches schwarz-gelbes Bündnis haben. Kurt Beck, der Provinzpolitiker, konnte sich nie hinreichend in Berlin etablieren. Sein Pendelkurs in Sachen rot-grün-rot fand nur wenig Verständnis bei den Bürgern. Sicherlich richtig ist die Entscheidung der SPD, zwischen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur personell zu unterscheiden. Aber mit Müntefering kommt ein Mann der alten Garde, der u.a. für die Agenda 2010 steht, zurück an die Parteispitze, der die parteiinterne Kluft zwischen den Flügel kaum kitten kann. Wie sich Steinmeier im Wahlkampf gegen Frau Merkel schlagen wird, lässt sich heute nicht einschätzen. Frau Merkels Kommentar zu diesem Wechsel (Umgang mit Beck entspricht nicht der Würde einer Volkspartei) halte ich bereits für Wahlkampf.

Noch bevor der Bundestag im Herbst 2009 gewählt wird, entscheiden in diesem Jahr die US-Amerikaner über ihren neuen Präsidenten. Mit Barack Obama (Demokraten) und John McCain (Republikaner) stehen sich zwei Kandidaten gegenüber, die kaum gegensätzlicher sein können. Obama, der junge Afroamerikaner, steht für Wandel (Mr. Change), während der 71-jährige McCain trotz seines Bekenntnisses zum Politikwechsel und Angriff aufs Washingtoner Polit-Establishment eindeutig konservative Leitlinien vertritt.

Was tut man nicht alles, um an die Macht zu kommen. McCains Nominierung von Sarah Palin zur Vizepräsidentin halte ich für einen Schachzug, um u.a. auch Wähler aus dem demokratischen Lager, die lieber Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin hätten, für sich zu gewinnen.

Noch fließt viel Wasser den Mississippi und die Spree herab. Wer am Ende gewinnen wird, ist in den USA wie in Deutschland sicherlich davon abhängig, wer heute noch unentschlossene Wähler an die Urnen zu bringen vermag. Spannung ist angesagt.

siehe zdf.de: Schwerpunkt US-Wahlkampf 2008

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich die Menschen ihr Leben und das ihrer Nächsten zur Hölle machen. Auf dem Weg zum Glück stolpern sie in jede Falle und verfangen sich immer wieder in einem Netz von Intrigen. So als wolle keiner wirklich glücklich sein. Damit das Unglücklichsein auch wirklich gelingt, hat Paul Watzlawick vor jetzt 25 Jahren eine Leitfaden hierzu geschrieben: Anleitung zum Unglücklichsein.

Watzlawick zeigt uns einige der Fallstricke, in die wir uns doch so gern verwickeln, und belegt vieles mit Beispiele, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, z.B. wie die vom Helfersyndrom ereilte Frau ihr Lebtag den Säufer als Ehemann braucht, um ihm helfen zu können. Wenn er trocken wird, braucht er sie nicht mehr und umgekehrt.

In vielem erkennt man sich selbst (leider) oft genug wieder, wie z.B. in den selbsterfüllenden Prophezeiungen. Witzig ist auch die Geschichte vom Manne, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht:

Nach dem Grunde für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“

„Elefanten? Aber es sind doch hier gar keine Elfanten?“

Darauf er: „Na, also! Sehen Sie?“

Die Moral von der Geschichte ist, daß Abwehr oder Vermeidung einer gefürchteten Situation oder eines Problems einerseits die scheinbar vernünftigste Lösung darstellt, andererseits aber das Fortbestehen des Problems garantiert.

Nun könnte man Watzlawick für einen Sadisten halten („Ein Sadist ist jemand, der lieb zu einem Masochisten ist“). Aber er meint es eigentlich nur gut mit uns, denn im Epilog zu dem kleinen Büchlein von leider nur 120 Seiten (gern hätte man mehr von diesem Witzig-Geistreichen) steht, gewissermaßen als Quintessenz:

Die grundlegende Regel, wonach das Spiel kein Spiel, sondern todernst ist, macht das Leben zu einem Spiel ohne Ende, das eben nur der Tod beendet. Und – als wäre das nicht schon paradox genug – hier liegt eine zweite Paradoxie: Die einzige Regel, die dieses todernste Spiel beenden könnte, ist nicht selbst eine seiner Regeln. Für sie gibt es verschiedene Namen, die an sich ein und dasselbe bedeuten: Fairneß, Vertrauen, Toleranz.

Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Das hat man uns schon gesagt, als wir noch Kinder waren. Und in unserem Kopf wissen wir es auch; aber glauben tun es nur einige wenige Glückliche. Glaubten wir es nämlich, dann wüßten wir, daß wir nicht nur die Schöpfer unseres eigenen Unglücklichseins sind, sondern genauso gut unsere Glücklichkeit selbst schaffen könnten.

Mit Dostojewski begann diese Anleistung, mit ihm soll sie enden. In den Dämonen sagt eine der zwiespältigsten Persönlichkeiten, die Dostojewski je schuf: „Alles ist gut … Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick …“

So hoffnungslos einfach ist die Lösung.

aus: Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein (Lizenzausgabe 1983 – S. 127 f.)

Man at work

Willi at work

Eigentlich mag ich keine Fotos, die mich bei der Arbeit zeigen (zudem auch noch auf der Arbeit). So reicht es nur zu einem müden Lächeln. Immerhin könnte man meinen, mein Arbeitsplatz wäre aufgeräumt, nur die Pflanze im Hintergrund etwas mickrig geraten … Ich kann nur sagen, dass das täuscht (Pflanze, Arbeitsplatz?)!

Ab nach Polen

Gestern Mittag fuhr der ältere meiner zwei Söhne mit weiteren Schülern des Gymnasium Tostedt per Bahn los nach Polen. Ziel ist der Partnerort von Tostedt, Lubaczów – unweit der Grenze zur Ukraine. Seit 1996 besteht ein Schüleraustausch im 2-jährigen Rhythmus, wobei im September das Treffen in Polen, im darauf folgenden Juni in Deutschland stattfindet.


Lubaczów/Polen

Die Partnerschaft zwischen Tostedt und Lubaczów besteht bereits seit 1992. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Tostedt e.V. ist Träger der Partnerschaft in Tostedt. Neben der Organisation der gegenseitigen Besuche kümmern sich die Mitglieder der Gesellschaft intensiv um praktische Hilfe für Lubaczów.

Wetter in Rzeszów/Lubaczow – Polen (damit alle Eltern unserer Schüler wissen, ob in Polen die Sonne scheint – wie es aussieht, scheint sie)

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund

Im Alter von zwanzig Jahren begann ich mit dem Lesen. Gut, in jungen Jahren hatte ich den obligatorischen Karl May gelesen und auch andere Jugendbücher. Sind ja auch gar nicht so schlecht die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand, obwohl mir Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar noch etwas besser gefallen haben (damals wie heute).

Mit zwanzig Jahren las ich zunächst Hermann Hesse. Es war damals die auslaufende Zeit der Blumenkinder. Und Hesses Bücher, speziell „Der Steppenwolf“, löste eine Hesse-Rezeption gerade bei diesen aus (vergleiche u.a. den Film „Easy Rider“ mit der Musik – „Born to be Wild“ – der Gruppe „Steppenwolf“, benannt nach Hesses Roman).

Hermann Hesse

In dieser Zeit las ich auch Hesses „Narziß und Goldmund“ zum ersten Mal (diese Erzählung aus dem Jahr 1930 habe ich auch in die Liste meiner liebsten Bücher aufgenommen). Das Buch handelt zwar im Mittelalter, beschäftigt sich aber mit Fragen der Psychologie. Die beiden genannten Hauptfiguren verkörpern gewissermaßen die beiden Pole des Menschen – den Geistesmensch und den Sinnesmenschen in etwa nach dem Motto: Sinn und Sinnlichkeit. Zwar wirkt die Sprache Hesses heute teilweise etwas zu pathetisch, vor allem antiquiert, lässt einen aber doch nicht vom Lesen los. Und die Thematik ist weiterhin aktuell. Natürlich stehen Narziß und Goldmund hier jeweils als Stereotypen für einen dieser Menschentypen. Aber gerade oder weil sie so verschieden sind, schließen sie eine enge Freundschaft, da sie den fehlenden Teil in sich beim anderen entdecken. Narziß, der Geistesmensch, ist Lehrer und Mönch und wird eines Tages Abt eines Klosters. Goldmund, als Schüler ins Kloster gekommen, entrinnt den starren Mauern, um in der Welt sein Glück zu suchen. Er ist ganz den Sinnen zugewandt (Emotionen und Lust) und entwickelt sich zum Künstler.

Hier die Worte von Narziß, mit denen er die Unterschiede zwischen sich und Goldmund beschreibt:

“Die Naturen von deiner Art, die mit den starken und zarten Sinnen, die Beseelten, die Träumer, Dichter, Liebenden, sind uns andern, uns Geistmenschen, beinahe immer überlegen. Eure Herkunft ist eine mütterliche. Ihr lebet im Vollen, euch ist die Kraft der Liebe und des Erlebenkönnens gegeben. Wir Geistigen, obwohl wir euch andere häufig zu leiten und zu regieren scheinen, leben nicht im Vollen, wir leben in der Dürre. Euch gehört die Fülle des Lebens, euch der Saft der Früchte, euch der Garten der Liebe, das schöne Land der Kunst. Eure Heimat ist die Erde, unsere die Idee. Eure Gefahr ist das Ertrinken in der Sinnenwelt, unsere das Ersticken im luftleeren Raum. Du bis Künstler, ich bin Denker. Du schläfst an der Brust der Mutter, ich wach in der Wüste. Mir scheint die Sonne, dir scheinen Mond und Sterne, deine Träume sind von Mädchen, meine von Knaben …“

aus: Hermann Hesse Narziß und Goldmund (suhrkamp taschenbuch 274 – 2. Auflage 1975, S 49)

Goldmunds abenteuerliches Leben bildet den großen Mittelteil der Erzählung. Er scheut selbst den Totschlag nicht, wenn er dazu gezwungen ist. Am Ende nach einer Zeit des Wüten der Pest kehrt er zu Narziß zurück. Beide erkennen:

Jedes Leben wird ja erst durch Spaltung und Widerspruch reich und blühend. Was wäre Vernunft und Nüchternheit ohne das Wissen vom Rausch, was wäre Sinnenlust, wenn nicht der Tod hinter ihr stünde, und was wäre Liebe ohne die ewige Todfeindschaft der Geschlechter?

(S. 198)

Zwar entschwindet Goldmund noch einmal und kehrt krank und alt zurück. Aber sowohl er als auch Narziß haben gewissermaßen den inneren Frieden gefunden, indem sich beide auf ihre Art selbst verwirklicht haben:

Das vollkommene Sein ist Gott. Alles andere, was ist, ist nur halb, ist teilweise, es ist werdend, ist gemischt, besteht aus Möglichkeiten. Gott aber ist nicht gemischt, er ist eins, er hat keine Möglichkeiten, sondern ist ganz und gar Wirklichkeit. Wir aber sind vergänglich, wir sind werdend, wir sind Möglichkeiten, es gibt für uns keine Vollkommenheit, kein völliges Sein. Dort aber, wo wir von der Potenz zur Tat, von der Möglichkeit zur Verwirklichung schreiten, haben wir Teil am wahren Sein, werden dem Vollkommenen und Göttlichen um einen Grad ähnlicher. Das heißt: sich verwirklichen.

(S. 286)

Thomas Mann schrieb seinerzeit durchaus passend:

Hesses Roman ‚Narziß und Goldmund’ setzt mit großer sprachlicher Schönheit ein und scheint in einer mittelalterlichen Zeitlosigkeit zu schweben, die dem poetischen Bedürfnis dieser rohen Aktualität widerstrebenden Geistes entspricht, ohne darum seine schmerzliche Fühlung mit den Problemen der Gegenwart zu verleugnen … ein wunderschönes Buch mit seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen … eine in ihrer Reinheit und Interessantheit durchaus einzigartige Romandichtung.

Selbsterfüllende Prophezeiungen

Das Buch „Menschliche Kommunikation“, an dem auch Paul Watzlawick maßgeblich mitgewirkt hat, habe ich noch gar nicht zu Ende gelesen (siehe hier kleine Ausschnitte aus dem Buch in meinen Beiträgen: Kulturbedingtes PaarungsverhaltenManipulation der Wahrnehmung und Kleine Denkaufgabe), da habe ich mir Paul Watzlawicks bekanntes Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ noch einmal vorgenommen. Das Buch ist 1983 erschienen und war damals ein „Renner“. Denn entgegen gewöhnlichen Ratgebern, die uns nur glücklich zu machen versuchen, bezweckte dieses Buch das genaue Gegenteil. Oder etwa nicht? Ich denke, jeder Leser wird beim Lesen etwas von sich selbst wiederfinden – „nämlich seine eigene Art und Weise, den Alltag unerträglich und das Triviale enorm zu machen“, wie es der Piper-Verlag ausdrückt. Aber auf die „Anleitung zum Unglücklichsein“ komme ich sicherlich später noch einmal zurück.

Hier eine Textpassage zum Thema selbsterfüllende Prophezeiungen, die ich sehr treffend finde. Es ist eigentlich schon verwunderlich, wie sehr wir uns durch Katastrophen beeindrucken lassen (nicht umsonst triefen Presseerzeugnisse für den Boulevard davon). Und noch erstaunlicher ist es, wie wir gern selbst in solche Katastrophen hineinschlittern, in Notlagen, die tatsächlich eigentlich keine sind. Man macht sich eben gern das Leben schwer.

Ihr Horoskop in der heutigen Zeitung warnt Sie (und ungefähr 300 Millionen andere, im selben Tierkreiszeichen Geborene) vor der Möglichkeit eines Unfalls. Tatsächlich passiert Ihnen etwas. Also hat es mit der Astrologie doch seine Bewandtnis.

Oder? Sind Sie sicher, daß Sie den Unfall auch dann gehabt hätten, wenn Sie das Horoskop nicht gelesen hätten? Oder wenn Sie wirklich überzeugt wären, daß die Astrologie krasser Unsinn ist? Nachträglich läßt sich das freilich nicht klären.

Vom Philosophen Karl Popper stammt die interessante Idee, daß – etwas laienhaft ausgedrückt – sich für Ödipus die schreckliche Prophezeiung des Orakels deswegen erfüllte, weil er von ihr wußte und ihr zu entgehen versuchte. Gerade aber das, was er zur Vermeidung tat, führte zur Erfüllung des Orakelspruches.

Delphi (Orakel)

Hier hätten wir es also mit einer … Wirkung der Vermeidung zu tun, nämlich ihrer Fähigkeit, unter Umständen das herbeizuführen, was vermieden werden soll. Und was für Umstände sind das? Erstens eine Voraussage im weitesten Sinne, also jede Erwartung, Besorgnis, Überzeugung oder ganz einfach ein Verdacht, daß die Dinge so und nicht anders verlaufen werden. Damit soll außerdem gesagt sein, daß die betreffende Erwartung entweder von außen, etwa durch andere Menschen, oder durch irgendwelche innere Überzeugungen ausgelöst werden kann. Zweitens muß die Erwartung nicht als reine Erwartung, sondern als bevorstehende Tatsache gesehen werden, zu deren Vermeidung sofortige Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen. Drittens ist die Annahme um so überzeugender, je mehr Menschen sie teilen, oder je weniger sie anderen, vom Lauf der Dinge bereits bewiesenen Annahmen widerspricht.

So genügt zum Beispiel die Annahme – ob sie faktisch begründet oder grundlos ist, spielt keine Rolle -, daß die anderen über einen tuscheln und sich heimlich lustig machen. Angesichts dieser „Tatsache“ legt es der gesunde Menschenverstand nahe, den Mitmenschen nicht zu trauen und, da das Ganze natürlich unter einem löchrigen Schleier der Verheimlichung geschieht, genau aufzupassen und auch die kleinsten Indizien in Betracht zu ziehen. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis man die anderen beim Tuscheln und heimlichen Lachen, beim konspiratorischen Augenzwickern und gegenseitigen Zunicken ertappen kann. Die Prophezeiung hat sich erfüllt.

Allerdings funktioniert dieser Mechanismus nur dann wirklich klaglos, wenn Sie sich Ihres eigenen Beitrags dazu nicht Rechenschaft ablegen. Wie Sie aber … gelernt haben sollten, ist das nicht zu schwierig. Und außerdem, wenn die Sache einmal eine Zeitlang läuft, ist es ohnedies nicht mehr feststellbar und auch gar nicht wesentlich, was zuerst kam: Ihr für die anderen lächerlich mißtrauisches Gehabe, oder das Gehabe der anderen, das Sie mißtrauisch macht.

Selbsterfüllende Prophezeiungen haben einen geradezu magischen, „wirklichkeits“-schaffenden Effekt … .Und sie haben ihren Stammplatz nicht nur im Repertoire jedes Unglücklichkeitsaspiranten, sondern auch im größeren gesellschaftlichen Rahmen. … Je mehr Stopzeichen die Polizei aufstellt, desto mehre Fahrer werden zu Verkehrssündern, was die Aufstellung weiterer Stopzeichen „notwendig“ macht. Je mehr eine Nation sich vom Nachbarn bedroht fühlt, desto mehr wird sie sich zu ihrer Verteidigung rüsten, und desto mehr wird die Nachbarnation ihre eigene Aufrüstung für das Gebot der Stunde halten. Der Ausbruch des (längst erwarteten) Krieges ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Je höher die Steuersätze eines Landes hinaufgeschraubt werden, um die Hinterziehungen der natürlich für unehrlich gehaltenen Steuerzahler zu kompensieren, desto mehr werden auch ehrliche Bürger zum Schwindeln veranlaßt. Jede von einer genügend großen Zahl von Menschen geglaubte Prophezeiung der bevorstehenden Verknappung oder Verteuerung einer Ware, wird (ob die Voraussage „faktisch“ richtig ist oder nicht) zu Hamsterkäufen und damit zur Verknappung oder Verteuerung der Ware führen.

Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung. Voraussetzung ist nur, daß man sich selbst etwas prophezeit oder prophezeien läßt, und daß man es für eine unabhängig von einem selbst bestehende oder unmittelbar bevorstehende Tatsache hält. Auf diese Weise kommt man genau dort an, wo man nicht ankommen wollte.

aus: Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein (Lizenzausgabe 1983 – S. 47-61)

Als die Bilder lügen lernten

Heute ist es auch für Laien möglich, digital aufgenommene Fotos durch ein Grafikprogramm zu optimieren – und auch zu manipulieren. Was die Werbung kann, nämlich Bilder zu glätten, überhaupt aufzupolieren, das kann inzwischen auch Otto Normalanwender.

Bilder zu manipulieren hat eine lange Tradition. Besonders im Bereich der Politik tauchen immer wieder Bilder auf, die so verändert wurden, dass sie inhaltlich eine völlig neue Aussage bekommen. Wer kennt z.B. aus Geschichtsbüchern nicht das Bild mit Lenin, auf dem er eine flammende Rede hält – wenige Schritte von ihm entfernt steht Leo Trotzki. Als Trotzki in Ungnade fiel, da wurde Trotzki auf den Fotos, die ihn neben Lenin zeigten, einfach entfernt.

Damals war der Aufwand zu solchen Manipulationen noch ziemlich hoch. Heute, wie gesagt, kann es selbst der Laie. Aber wie soll man ein Original von einer Fälschung unterschieden können? Hierfür gibt es so genannte Bildforensiker, die Veränderungen mit mathematischen Verfahren auf der Spur sind. So wurde auch ein Kinderschänder überführt, der mit einem Grafikfilter, dem Swirlfilter, Bilder von sich glaubte unkenntlich gemacht zu haben und ins Internet stellte. Die Manipulation ließen sich in diesem Fall rückgängig machen, invertieren wie man sagt.

Natürlich sind auch Manipulationen möglich für Jux und Tollerei – wie das folgende Bild zeigt. Dabei handelt es sich um eine meiner Lieblingsbands Jethro Tull. Und wer möchte da nicht auch gern einmal „mitspielen“ – und sei es nur „so als ob“:

Willi & Jethro Tull

Siehe zdf.de: Als die Bilder lügen lernten

Blumenpracht Teil 18

Der August endet mit Sonnenschein. Die Temperaturen sind milde. Der Garten lädt noch einmal zum Verweilen ein. So blühen auch jetzt noch viele Blumen. Aber die ersten Anzeichen für den nahenden Herbst sind nicht zu übersehen. Schon morgen soll das Wetter umschlagen – mit Gewitter und Regen. Der Sommer geht so langsam dem Ende entgegen.

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht – August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

AlbinZ Blumenpracht - August 2008

Unsere Merkel, die mächtigste Frau der Welt

Frau Angela Merkel ist laut Forbes Magazine einmal wieder die mächtigste Frau dieser, unserer Welt (siehe auch Beitrag bei zdf.de). Das Forbes Magazine muss es ja wissen. Kriterien für die Bewertung der Macht sollen das Auftreten in den Medien, gemessen an Presse-Zitaten, und der politische und wirtschaftliche Einfluss sein. Wie man das misst, keine Ahnung.

Das Forbes Magazine sagt uns alle Jahre wieder auch, wer die erfolgreichsten Internehmen, die reichsten Menschen und die einflussreichsten Promis dieser Welt sind. Bei den mächtigsten Männer tut man sich vielleicht schwer, eine solche Rangliste gibt es nicht, aber wir können uns fast denken, wer da die Spitze bildet (vorgerückt sind aufgrund bestimmter Ereignisse sicherlich die Herren Medwedew und Putin, natürlich Chinas mächtigster Mann, Hu Jintao – George „Dabbeljuh“ ist bekanntlich nur die Marionette von Dick Cheney, und die beiden haben ja bald abgedankt, Gott sei Dank).

Aber bleiben wir bei den Frauen. Ich denke die Rangliste ist nicht völlig repräsentativ. Aus Zeiten von Bill Clinton wissen wir, dass sein Ehegespons, die gute Hilary, nicht nur den familiären Haushalt führte (nicht umsonst wollte sie ja jetzt wie ihr Bill US-Präsident werden – kam nur der Obama dazwischen). Sollte Bill sich wirklich erdreistet haben, einmal anderer Meinung als sie zu sein, dann gab es bestimmt nicht Bills Lieblingsnachtisch zum Mittag. Vom Sexentzug ganz zu schweigen (da rückt die Praktikantinnenaffäre in ein neues Licht). Ich denke auch Frau Hu oder Frau Putin haben in der großen Politik ein Wörtchen mitzureden.

Kommen wir zu den reichsten Männern dieser Welt. Die Spitze bildet Warren Buffett, der netto angeblich 62,4 Milliarden Dollar sein Eigen nennen soll. Wie das nun zusammenkommt, wird man kaum erfahren. Allein auf seinem Bankkonto wird man eine solche Summe kaum finden (oder wie Onkel Dagobert in einem Geldspeicher). Es wird also schon einiges geschätzt werden müssen, um annähernd auf die genannte Summe zu kommen (nach Steuern wohlbemerkt).

Aber das Forbes Magazine bietet ja noch eine weitere Liste, nämlich die der einflussreichsten Promis dieser Welt. Hier geht es allerdings in erster Linie auch nur um das liebe Geld. Wer also ordentlich Kohle macht, der steht auch ganz oben. Daraus kann man ableiten, dass Geld auch hier Macht bedeutet.

Natürlich kann man sich fragen, was solche Ranglisten eigentlich sollen. Was interessiert mich das?! Bereits seit Aristoteles neigen die Menschen dazu, alles in Schublädchen zu ordnen. Und wenn es ums Geld geht (oder um die Macht), dann möchte fast jeder gern wissen, wer denn hier nun die Nase vorn hat. Und wenn es beim Geld oder der Macht nicht reicht, dann bietet das Guinness-Buch der Rekorde für jeden von uns die Möglichkeit, sich in irgendeiner Disziplin als der Größte zu erweisen.