Was ist bloß mit Ian los? Teil 87: Weihnachtliches mit Onkel Ian

Liebe Kretakatze, lieber Wilfried,

ich muss mich bei Euch, vor allem bei Kretakatze entschuldigen. In meiner letzten Mail schrieb ich, dass mir zu den Herren Anderson, Fogerty und Cross nichts mehr einfallen würde. Zu Herrn Cross hat niemand von uns je ein Wort geschrieben, deshalb ist Kretakatzes Frage, wer dieser Cross denn sei, nur zu berechtigt. Hier die (etwas peinliche) Auflösung:

Ich wollte schreiben, dass ich zu Herrn Stewart nichts sagen kann. Im Eifer des Gefechts und im Nebel meiner Hirnwindungen schrieb jedoch den Namen von Christopher Cross. Das liegt daran, dass ich die beiden Künstler und ihr Werk nicht auseinander halten kann. Beide haben für mich hohe Singstimmen und machen Musik, die sich für mich als Nichtkenner ziemlich gleich anhört.

Ich kann sie schon hören, die Aufschreie des Entsetzens, die die Fans der jeweiligen Musiker beim Lesen dieser Zeilen ausstoßen werden. Aber, wie gesagt, ich habe die Musik der Beiden nur am Rande wahrgenommen und für mich sind sie kompatibel.

Sorry, liebe Kretakatze, das geschah nicht mit Absicht. Es zeigt nur, wie unkonzentriert ich nach einem Arbeitstag und nach der Beschäftigung mit den Hausaufgaben von drei Söhnen sein kann.

In der nächsten Zukunft werden meine Mails den Umfang früherer Zeiten nicht mehr erreichen. Den Umfang der Kretakatze’schen Ausführungen schon mal gar nicht. Eines möchte ich aber auf jeden Fall loswerden: Kretakatze im Raubtieroutfit mit Tigergitarre ist ein toller Anblick ! Ich fühlte mich an Chrissie Hynde von den Pretenders erinnert. Rock on !!

Zuletzt ein Themenwechsel: Wir haben in der Vergangenheit sehr viel über Gesangsstimmen geschrieben. Vor einigen Tagen ist mir wieder bewusst geworden, wie viel Wohlklang auch in einer Sprechstimme liegen kann. Dass die Stimmen von Mario Adorf, Christopher Lee oder Elmar Gunsch das Ohr erfreuen können, ist hinlänglich bekannt. Ich habe nun einen Schauspieler entdeckt, dessen Stimme mich ganz einfach fasziniert. Es handelt sich um den britischen Mimen Alan Rickman. Der geneigte Cineast kennt ihn aus Die Hard, Robin Hood, Quigly der Australier, Rasputin und nicht zuletzt als Prof. Snape aus den Harry-Potter-Verfilmungen. Bei youtube gibt es einige Beispiele seiner Kunst; eine hat mir besonders gefallen. Hier liest Herr Rickman ein Shakespeare-Sonett. Mit Poesie kann ich nach wie vor nicht viel anfangen, aber hier ist es ganz einfach die Wirkung der Stimme, von der ich sehr angetan bin. Wer von Euch schöne Männerstimmen mag, möge dem Link folgen. Alle anderen können es getrost bleiben lassen.

Sonntag ist der Erste Advent.
Ich bin mir nicht sicher, ob man den Wunsch nach einer besinnlichen Adventzeit noch ernst nehmen kann.
Ich wünsche sie Euch trotzdem !

Bis bald
Lockwood

29.11.2007

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Hallo Kretakatze, hallo Lockwood,

auf Kretakatzes ausufernden Beitrag kann ich nur teilweise eingehen (ich habe, der Jahreszeit gemäß, auch noch einiges auf Lager).

Zu dem Fogerty-Titel “Don’t You Wish It Was True” fällt mir leider auch nichts ein. Ich las aber bei laut.de:

Die Platte beginnt mit der beschwingten Countrypop-Nummer „Don’t You Wish It Was True“, ein Loblied auf eine Welt, in der jeder jeden liebt. Wer möchte, darf sich gerne an „Proud Mary“ erinnert fühlen.

Eine gewisse Ähnlichkeit ist wirklich nicht zu leugnen.

Kretakatze ist jetzt also unter die Hard-Score-Metal-Rocker gekommen. Macht sich ja nicht schlecht. Wann darf man mit einer Aufnahme von Dir rechnen? Würde mich schon interessieren, einige Riffs von Deiner Hand zu hören.

Ist eigentlich witzig: Nein, eine E-Gitarre habe ich mir nicht gekauft. Aber meine alte akustische Klampfe habe ich hervorgeholt und sie repariert, denn die Mechanik (zum Saitenaufziehen) war kaputt. Außerdem war der Hals an einer Stelle gebrochen. Ich habe ihn geleimt (und hoffe, dass es hält). Und so habe ich auch neue Saiten gekauft und aufgezogen. Es ist eine alte Fender Classic (Modell FC-20), war damals (ca. 1972) wohl das Preiswerteste, was Fender zu bieten hatte.

Fender Classic FC-20

Und so habe ich mir vorgenommen, wieder einmal nach langer Zeit in die Saiten zu hauen (wenn mich mein Großer lässt, denn er hat sie sich gleich unter den Nagel gerissen; das hat man davon, wenn man Söhne hat). Es wird aber wohl noch einiges dauern, bis ich die alte Fingerfertigkeit wiedererlangt habe (eigentlich hatte ich keine). Vielleicht reicht es ja für einige Lieder unterm Tannenbaum.

Zu Lockwood: Also zu Christopher Cross und Al Stewart wollte ich eigentlich nichts schreiben. Den ersteren kannte ich bisher überhaupt nicht und werde ihn schon gleich wieder vergessen. Da gefällt mir Al Stewart schon um einiges besser – wenn beide auch eher der Gattung gesanglich schmusig zuzuordnen sind. Jetzt geht Kretakatze gleich auf die Barrikaden. Aber das ist meine Meinung. Nichts für Kaltduscher wie mich 😉

Interessant das neue Thema Sprechstimmen, das uns Lockwood genau richtig zur Weihnachtszeit offeriert. Alan Rickman kenne ich eigentlich nur aus den Harry Potter-Verfilmungen, die anderen von Lockwood genannten Filme kenne ich eigentlich nur vom Titel her (vielleicht noch Robin Hood – mit Kevin Kostner wohl – ach ja, er spielt da den Sheriff von Nottingham). Sicherlich hat er eine anhörliche Stimme, wenn (richtig beschrieben) auch etwas zu schokoladig für mich (siehe oben unter Kaltduscher).

Am Rande: Wer ist Elmar Gunsch? Ja, ich weiß schon, in alter Zeit huschte der über den TV-Bildschirm. Lebt der eigentlich noch (ich denke ja). Ja, diese bassigen Männerstimmen.

Mir persönlich gefällt eine Stimme wie die von Wolfgang Völz (der u.a. auch Käpt’n Blaubär spricht, was ihn mir, dem alten norddeutschen Seebären, doppelt sympathisch macht). Frauenstimmen hatten wir ja bereits, was Singstimmen betrifft, im Angebot. Dazu lässt sich aber noch einiges mehr sagen. Vielleicht später …

Apropos Weihnachten! Da habe ich doch auch etwas Nettes und komme so auch wieder auf unser eigentliches Thema zurück: Vielleicht kennt Ihr es ja bereits. Der Herr Anderson, wenn seine Singstimme auch nicht mehr das Wahre ist …, wenn er spricht, so finde ich die Stimme noch voll in Ordnung (wenn sie hier auch etwas kratzig klingt):

Es handelt sich hierbei um einen Radio-Beitrag zu einer Sendung namens „A Toss the Feathers Christmas Special 2004“ und wurde eben vor drei Jahren über den amerikanischen Sender Public Radio International ausgestrahlt. Neben „Another Christmas Song“ und „Ring Out Solstice Bells” (am Ende) liest Ian Anderson aus Sir Walter Scott’s „Marmion“– Dichtung in sechs Gesängen (A Tale of Flodden Field in six Cantos) etwas Weihnachtliches vor:

INTRODUCTION TO CANTO SIXTH.

Heap on more wood!-the wind is chill;
But let it whistle as it will,
We’ll keep our Christmas merry still.
Each age has deem’d the new-born year
The fittest time for festal cheer: 5
Even, heathen yet, the savage Dane
At Iol more deep the mead did drain;
High on the beach his galleys drew,
And feasted all his pirate crew;
Then in his low and pine-built hall, 10
Where shields and axes deck’d the wall,
They gorged upon the half-dress’d steer;
Caroused in seas of sable beer;
While round, in brutal jest, were thrown
The half-gnaw’d rib, and marrow-bone, 15
Or listen’d all, in grim delight,
While scalds yell’d out the joys of fight.
Then forth, in frenzy, would they hie,
While wildly-loose their red locks fly,
And dancing round the blazing pile, 20
They make such barbarous mirth the while,
As best might to the mind recall
The boisterous joys of Odin’s hall.

And well our Christian sires of old
Loved when the year its course had roll’d, 25
And brought blithe Christmas back again,
With all his hospitable train.
Domestic and religious rite
Gave honour to the holy night;
On Christmas eve the bells were rung; 30
On Christmas eve the mass was sung:
That only night in all the year,
Saw the stoled priest the chalice rear.
The damsel donn’d her kirtle sheen;
The hall was dress’d with holly green; 35
Forth to the wood did merry-men go,
To gather in the mistletoe.
Then open’d wide the Baron’s hall
To vassal, tenant, serf, and all;
Power laid his rod of rule aside, 40
And Ceremony doff’d his pride.
The heir, with roses in his shoes,
That night might village partner choose;
The Lord, underogating, share
The vulgar game of ‘post and pair.’ 45
All hail’d, with uncontroll’d delight,
And general voice, the happy night,
That to the cottage, as the crown,
Brought tidings of salvation down.

The fire, with well-dried logs supplied, 50
Went roaring up the chimney wide:
The huge hall-table’s oaken face,
Scrubb’d till it shone, the day to grace,
Bore then upon its massive board
No mark to part the squire and lord. 55
Then was brought in the lusty brawn,
By old blue-coated serving-man;
Then the grim boar’s head frown’d on high,
Crested with bays and rosemary.
Well can the green-garb’d ranger tell, 60
How, when, and where, the monster fell;
What dogs before his death he tore,
And all the baiting of the boar.
The wassel round, in good brown bowls,
Garnish’d with ribbons, blithely trowls. 65
There the huge sirloin reek’d; hard by
Plum-porridge stood, and Christmas pie:
Nor fail’d old Scotland to produce,
At such high tide, her savoury goose.
Then came the merry maskers in, 70
And carols roar’d with blithesome din;
If unmelodious was the song,
It was a hearty note, and strong.
Who lists may in their mumming see
Traces of ancient mystery; 75
White shirts supplied the masquerade,
And smutted cheeks the visors made;
But, O! what maskers, richly dight,
Can boast of bosoms half so light!
England was merry England, when 80
Old Christmas brought his sports again.
‘Twas Christmas broach’d the mightiest ale;
‘Twas Christmas told the merriest tale;
A Christmas gambol oft could cheer
The poor man’s heart through half the year. 85

Eine deutsche Übersetzung habe ich leider auf die Schnelle nicht gefunden (wahrscheinlich gibt es auch keine), so dürft Ihr Euch selbst mit dem Schottischen herumschlagen (leider spricht Ian Anderson alles mehr oder weniger englisch aus. Schade eigentlich … Oder er kann nicht richtig schottisch).

Ach, das soll für heute auch schon genügen. Vielleicht später etwas mehr zu Cat Stevens/Yusuf Islam. Übrigens hatte meine Band Cat Stevens früher auch gecovert. Unser Schlagzeuger hat allerdings die Lieder gesungen (ich werde in meinen unendlichen Archiven kramen und hoffe, vielleicht eine alte Aufnahme davon zu finden).

Ja, es sind keine drei Wochen mehr hin zum Weihnachtsfest. Ich bin noch sehr weit davon entfernt, mich weihnachtlich zu fühlen (wie fühlt man sich eigentlich so?), auch wenn meine Frau im Haus alles mit Kerzen und Weihnachtsdekoration ausgeschmückt hat. Schon allein das Wetter ist ein Graus. Immerhin habe ich (fast) alle Geschenke beisammen.

Wie auch immer: Ich hoffe, Ihr habt nicht mehr zu viel Stress und könnt Euch ab und zu genüsslich zurücklehnen. Auf jeden Fall wünsche ich Euch und Euren Lieben eine geruhsame Adventszeit.

Wir lesen voneinander
Bis dahin alles Gute
Euer Wilfried

04.12.2007

English Translation for Ian Anderson

Metronom auf allen Strecken

Mit dem Winterfahrplan, der ab Sonntag den 09.12. gültig ist, übernimmt die metronom Eisenbahngesellschaft mbH auch die Regionalbahn-Strecke zwischen Tostedt und Hamburg als metronom regional MEr von der Deutschen Bahn AG. Das hat einige Änderungen zur Folge, die ich nicht unbedingt glücklich nennen möchte. Jedem Fahrgast, der z.B. als Pendler auf dieser Strecke unterwegs ist, rate ich dringend, den neuen Fahrplan zu studieren (hier als PDF-Datei).

Es könnte z.B. sein, dass morgens in Harburg plötzlich Endstation ist (der MEr um 6:05 ab Tostedt endet so um 6:29 in HH-Harburg – er ersetzt die RB 6:17, die bisher bis HH Hbf fuhr). Auch abends werden die Regionalzüge um 15:58, 16:58, 18:01 und 18:55 nicht mehr am Hauptbahnhof, sondern erst ab Harburg eingesetzt. Immerhin kommen nagelneue Fahrzeugen zum Einsatz, die doppelstöckig und komfortabel sein werden.

der metronom - hier als MEr

Und noch eine ganz wichtige Meldung:

Vom 24.12.2007, 16:00 Uhr, bis 01.01.2008, 16:00 Uhr, wird die Strecke von Hamburg Hbf bis Hamburg-Harburg wegen Bauarbeiten komplett gesperrt. Gründe sind der Ausbau und Einschub von neuen Brücken (Oberhafen- und Straßenbrücke) auf diesem Streckenabschnitt und die Vorarbeiten für die Sanierung der sogenannten „Pfeilerbahn“ im Jahr 2008.

Zu viel des Lobes?

Spätestens seit dem Sieg gegen Real Madrid in der Champions League reimt sich auf Werder wunderbar und Wahnsinn. Sicherlich war es ohne eine Vielzahl der Stammspieler und ohne Diego, dem Spielmacher, eine starke Verstellung, die Werder Bremen gegen die Spanier bot. Und auch gegen den HSV im Nordderby bot die Elf (jetzt wieder mit Diego) das bessere Spiel beider Mannschaft. Am 15. Spieltag nur einen Punkt hinter den sich schwertuenden Bayern, die so fuminant gestartet waren: Keiner hätte das gedacht.

Wenn jetzt in Werder nicht nur mehr der Bayernjäger gesehen wird, sondern echte Konkurrenz der Bayern und damit auch ein Anwärter auf den deutschen Fußballmeistertitel, so entspricht das sicherlich den augenblicklichen Gegebenheiten. Und wenn man die Heimat der Spielfreude im Bremer Weserstation meint gefunden zu haben, so sprechen die 34 Tore, die meisten der Liga, eine klare Sprache.

Sicherlich ist Werders Einkaufspolitik vorbildlich zu nennen. Während die Bayern 70 Millionen für neue Spieler ausgaben, waren es an der Weser gerade 10 Millionen Euro. Hinzu kommt vorallem, was weitaus mehr zu loben ist, die erfolgreiche Jugendarbeit, die zahlreiche junge Spieler, alle um die 20 Jahre alt, bereits erste Früchte in der A-Auswahl hat ernten lassen (ansonsten sorgen sie mehr oder weniger in der Regionalliga als U23-Team für Furore).

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Bremen und München scheint mir aber die gesamte Atmosphäre in Bremen zu sein. Fragt man die Spieler, so fühlen sie sich rundum wohl an der Weser. Alles ist relaxer (Sanogo im Vergleich zum HSV), vielleicht auch übersichtlicher.

Aber die Saison ist noch lang und bis zur Winterpause warten noch drei schwere Spiele (u.a. am 11.12. das Spiel in Piräus um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League). Und auch bisher war nicht alles Gold, was auf dem Spielfeld glänzte (Heimspiel gegen die Bayern, dann die Spiele zu Hause gegen Piräus und das in Rom gegen Lazio). Gerade gegen die Römer war man so überschwenglich siegessicher vor dem Spiel aufgetreten – und als begossener Pudel nach Hause heim gekehrt.

Eher ein wenig mehr Bescheidenheit, weniger Rummel ums Ganze – und vielleicht auch endlich die ersehnte Winterpause! Dafür weniger Lobhudelei!

Natürlich freut sich die (nicht bayern-anhängige) Nation, dass es immer noch eine Mannschaft gibt, die den Bayern Paroli bieten kann. Bei der nicht nur ein Hoeneß und Geld regieren. Da kommt eine Mannschaft wie Werder gerade gelegen.

siehe zdf.de: Werder, wunderbar!

Manipulation der Wahrnehmung

Von Paul Watzlawick ist vielleicht die „Anleitung zum Unglücklichsein“ bekannt. Jetzt habe ich Watzlawicks Buch ”Menschliche Kommunikation – Formen – Störungen – Paradoxien” (zusammen mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson verfasst) begonnen, ein etwas sperrigeres Buch, da wissenschaftlich ausgerichtet, trotzdem höchst interessant und aufschlussreich.

Bereits gestern habe ich ein kleines Beispiel zitiert (Kulturbedingtes Paarungsverhalten), das verdeutlicht, welche Missverständnisse auftreten können, wenn die Zusammenhänge, die ein Verhalten ausmachen können, nicht bekannt sind. In der Kommunikation zwischen Menschen kann ein solches Verhalten fast nur in ihrem Kontext verstanden werden.

Hier ein einfaches Beispiel, das belegt, wie ‚Verhalten’ manipulierbar ist, sodass viele der Versuchspersonen am Ende nicht einmal ihrem eigenen Wahrnehmungsvermögen trauen:

In Untersuchungen über den Einfluss von Gruppen auf Einzelindividuen wurde eine Versuchsanordnung von eleganter Einfachheit verwendet. Es wurde mit Gruppen von acht Studenten gearbeitet, die im Halbkreis um den Versuchsleiter herumsaßen und von denen einer nach dem andern anzugeben hatte, welche von mehreren parallelen Linien (allen zugleich auf einer Reihe von Tafeln sichtbar gemacht) gleich lang waren. Sieben der Teilnehmer waren jedoch vorher instruiert worden, bei jeder Tafel einstimmig dieselbe falsche Antwort zu geben. Nur ein Student, die eigentliche Versuchsperson, war nicht eingeweiht und saß so, dass er als vorletzter an die Reihe kam, nachdem also sechs andere Studenten bereits mit großer Selbstverständlichkeit dieselbe falsche Antwort gegeben hatten. Es wurde herausgefunden, dass unter diesen Umständen nur 25 Prozent der Versuchspersonen ihren eigenen Wahrnehmungen trauten, 75 Prozent sich in einem kleineren oder größeren Grad der Mehrheitsmeinung unterwarfen, einige blindlings, andere mit beträchtlichen Angstgefühlen.

Kulturbedingtes Paarungsverhalten

Unter den während des 2. Weltkrieges in England stationierten amerikanischen Soldaten war die Ansicht weit verbreitet, die englischen Mädchen seien sexuell überaus leicht zugänglich. Merkwürdigerweise behaupteten die Mädchen ihrerseits, die amerikanischen Soldaten seien übertrieben stürmisch. Eine Untersuchung führte zu einer interessanten Lösung dieses Widerspruchs. Es stellte sich heraus, dass das Paarungsverhalten (courtship patterns) – vom Kennenlernen der Partner bis zum Geschlechtsverkehr – in England wie in Amerika ungefähr dreißig verschiedene Verhaltensformen durchläuft, dass aber die Reihenfolge dieser Verhaltensformen in den beiden Kulturbereichen verschieden ist. Während z.B. das Küssen in Amerika relativ früh kommt, etwa auf Stufe 5, tritt es im typischen Paarungsverhalten der Engländer relativ spät auf, etwas auf Stufe 25. Praktisch bedeutet dies, dass eine Engländerin, die von ihrem Soldaten geküsst wurde, sich nicht nur um einen Großteil des für sie intuitiv „richtigen“ Paarungsverhalten (Stufe 5 bis 24) betrogen fühlte, sondern zu entscheiden hatte, ob sie die Beziehung an diesem Punkt abbrechen oder sich dem Partner sexuell hingeben sollte. Entschied sie sich für die letztere Alternative, so fand sich der Amerikaner einem Verhalten gegenüber, das für ihn durchaus nicht in dieses Frühstadium der Beziehung passte und nur als schamlos zu bezeichnen war. Die Lösung eines solchen Beziehungskonflikts durch die beiden Partner selbst ist natürlich deswegen praktisch unmöglich, weil derartige kulturbedingte Verhaltensformen und –abläufe meist völlig außerbewusst sind. Ins Bewusstsein dringt nur das undeutliche Gefühl, der andere benimmt sich falsch.

aus: Paul Watzlawick/Janet H. Beavin/Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation

Paarungsverhalten der Kröten

Werder entthront die ‚Königlichen‘

Dem Urteil, Werder Bremen habe gegen die ‚Königlichen‘ aus Madrid (Real Madrid) königlich gespielt, möchte ich mich nicht anschließen. Dafür gab es im Mittelfeld zu viele Abspielfehler, die auch zu den beiden Gegentoren führten. Aber im 5. Spiel in der Fußball-Champions League gelang den Bremern mit einer Rumpf- bzw. Verlegenheitself eine hervorragende Mannschaftsleistung, mit der das Millionen-Ensemble niedergerungen wurde. Den Ausfall von Spielmacher Diego machte Daniel Jensen mit einer Weltklasseleistung wett. Auch Torwart Christian Vander stand in nichts dem Stammtorhüter Tim Wiese nach. Als Dusko Tosic für den bereits in der Anfangsphase verletzten Clemens Fritz (oh Weh, nicht schon wieder ein Verletzter) ins Spiel kam, ordnete sich dieser sehr gut in das Mannschaftsgefüge ein. Und dann diese Supertore von Markus Rosenberg, Boubacar Sanogo und Aaron Hunt, der lange verletzt war und erst seit zwei Wochen wieder am Mannschaftstraining teilnimmt.

Werders Mannschaftsgeist

Jetzt kann sich Werder Bremen aus eigener Kraft (aber auch nur mit einem Sieg bei Olympiakos Piräus) das Weiterkommen ins Achtelfinale sichern.

Und noch eine frohe Kunde (trotz der Verletztenmisere bei Werder): Ivan Klasnic absolvierte am vergangenen Wochenende gegen Energie Cottbus sein erstes Pflichtspiel in der A-Mannschaft nach seiner Nierentransplantation und spielte über 60 Minuten eine ansprechende Party.

Supporting Act: Jethro Tull

Später sollten sich andere Gruppen darum schlagen, bei Konzerten von Jethro Tull als Vorgruppe (Supporting Act) auftreten zu können. So habe ich bei meinem ersten Konzert von Jethro Tull 1972 in Hannover die (Vor-)Gruppe „Gentle Giant“ kennengelernt. Drei Jahre zuvor war Jethro Tull selbst noch Vorgruppe, wenn auch bei keinem Geringeren als Jimi Hendrix. So geschehen am 9. Januar 1969 im Konserthuset zu Stockholm (an dem Tag gab es gleich zwei Auftritte).

Überliefert sind zwei Stücke von Jethro Tull im Video:

To Be Sad Is A Mad Way To Be
Back to the Family

Weitere Stücke sind als Musik-CD (ich besitze die Bootleg-LP unter dem Titel ‚Nothing Is Easy‘) im Umlauf. Hier die gesamte Setlist von Jethro Tull:

My Sunday Feeling
Martin’s Tune
To Be Sad Is A Mad Way To Be
Back To The Family
Dharma For One
Nothing Is Easy
A Song For Jeffrey

Ergänzend zu meinem Beitrag Meine 10 größten Gitarristen der Rockmusik: Jimi Hendrix hier das Hendrix-Konzert aus Stockholm vom 9. Januar 1969; es müsste sich um das 1. Konzert des Tages handeln. Ich habe das Konzert vorliegen, bei youtube ist es bisher auch bereits (in voller Länge) vorhanden:

Was ist bloß mit Ian los? Teil 86: Kretakatze rockt …

Hallo Kretakatze, Hallo Wilfried,

mit dieser mail möchte ich mich für meine lange unentschuldigte Abwesenheit entschuldigen.

Entgegen anderslautenden Gerüchten lebe ich noch und es geht mir ganz gut.

Für mein langes Schweigen kann ich keine nachvollziehbaren Gründe anführen; wenig Zeit habe ich immer, das ist nicht der Grund. Es war vielmehr eine nie gekannte Schreibunlust, fast eine Blockade.

Dieses Unvermögen wurde durch die Tatsache verstärkt, dass ich zu Euren Betrachtungen nichts Sinnvolles mehr beitragen kann. Alles, was ich über die Herren Anderson, Fogerty und Cross sagen kann, habe ich bereits gesagt, aufgewärmt und nochmals gesagt. Kurz: Mir geht das Material aus. Ich kann mit Euch nicht mehr mithalten. Hoffentlich nehmt Ihr mir meine Abstinenz nicht allzu übel.

Viele Grüße
Lockwood

15.11.2007

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Hallo Kretakatze, hallo Lockwood,

so recht weiß ich nicht, was ich schreiben soll. Lockwoods Schreibunlust verstehe ich; vor längerer Zeit waren wir beide an gleicher Stelle angelangt. Dann brachte Kretakatze wieder etwas Leben in die Bude. Aber auch dieser neue Schwung ist irgendwie wieder verpufft.

Und irgendwo hängt uns allen drei der Herr Anderson heutigen Tags aus dem Hals heraus. Aber auch anderen Herren (und Damen) konnten wir nur kurzzeitig etwas abgewinnen, zumindest waren sie uns nicht allen drei gleich wichtig (z.B. Kretakatze musste einige Prügel wegen Al Stewart hinnehmen – das ist dann schnell frustrierend). Ich wollte das Thema eigentlich auf Cat Stevens (Yusuf Islam) bringen, da ich bei der Suche nach alten Eintrittskarten auch auf eine zu einem Cat Stevens-Konzert aus dem Jahre 1976 gestoßen bin (ich hatte völlig verdrängt, das Konzert vor nun über 30 Jahren besucht zu haben, was aber weniger an Cat Stevens liegen sollte). Ich habe von ihm zwei Videoaufnahmen vom Live Earth-Konzert aus Hamburg (das war wohl im Juli diesen Jahres). Da hätte ich noch einiges zum Thema Stimmenverlust beitragen können.

Cat Stevens-Konzert 1976 in Bremen

Wie auch immer: Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, Lockwood. Unser Gedankenaustausch beruht (oder beruhte) auf Freiwilligkeit. Und wenn es dann eher zum Krampf wird, macht es keinen Spaß mehr. Manchmal frage ich mich auch, was der ganze Weblog-Kram soll. Und nach der Pleite mit youtube hätte ich das alles hinschmeißen mögen. Das kostet alles Zeit, die ich eigentlich für andere Dinge haben sollte. Ich kann es aber auf der anderen Seite nicht lassen (selbst der Herr Anderson lässt mich nicht los).

Wie auch immer: Ich freue mich, wenn Ihr Euch meldet. Aber tut Euch keinen Zwang an. Es wäre schön, wenn wir in Kontakt bleiben.

Ich wünsche Euch auf alle Falle weiterhin alles Gute
Euer
Wilfried

P.S. Lockwood, übrigens vielen Dank für Deinen Bestelltipp zum Songbook. Ich werde wohl erst einmal warten, ob die neue Auflage wirklich auf den Markt kommt. Denn eine solche ist in den letzten Jahren schon öfter angekündigt worden und bis heute nicht erschienen.

21.11.2007

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Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,

heute muss ich Euch zuerst berichten, dass ich seit Neuestem stolze Besitzerin einer E-Gitarre bin. Und wie es sich für eine Kretakatze gehört, ist meine Gitarre getigert – das musste sein! Kurzer Einschub zum Thema „Intelligenzverluste“: Diese sind bei mir leider erschreckend hoch. Nachdem ich die getigerte Gitarre gesehen hatte, hatte keine andere mehr eine Chance. Den Effekt von Mustern, die sich seit frühster Kindheit ins Gehirn eingebrannt haben, hatte ich ja bereits an anderer Stelle ausführlich behandelt. Und Fogerty’s türkisfarbenen Düsenporsche (Keep On Chooglin‘ 2005 live) hätte ich mir doch nicht leisten können – es handelt sich dabei übrigens um eine MusicMan Axis, die gibt’s bei ebay gebraucht schon ab 1750 EUR. Um zu meiner Tigergitarre zurückzukommen – die Rocker-Photos vom Juni diesen Jahres sind damit natürlich überholt. Ich habe daher eine neue Bildserie erstellen lassen: Kretakatze rockt getigert vor begeisterten Katzenmusik-Fans (2007 live) (Bild 1) (Bild 2) (Bild 3).

Wie ist es dazu gekommen, dass ich dieser Tage wieder angefangen habe Gitarre zu spielen? Tatsächlich ist es fast 20 Jahre her, dass ich zuletzt halbwegs regelmäßig meine Klampfe traktiert habe. Seither habe ich alle paar Jahre das Instrument einmal von der Wand genommen, abgestaubt, ein bißchen daran herumgezupft und es dann zum weiter Verstauben wieder an den Nagel gehängt. Ich war mit meinen musikalischen Leistungen noch nie besonders zufrieden. Und wenn man jahrelang nicht übt, werden die nicht gerade besser. Das hat mich jedes Mal aufs Neue deprimiert.

Der erste Anreiz, es einmal wieder zu probieren, war sicher das Fogerty-Konzert. Aber der Anreiz war noch nicht so stark, dass ich meine Gitarre auch wirklich von der Wand genommen hätte. Der tatsächliche Auslöser war, soweit ich mich noch recht entsinne, John Lennon’s Working Class Hero. Allerdings nicht in der Version von John Lennon – die finde ich ziemlich minimalistisch und musikalisch eher langweilig. Es waren zwei Cover-Versionen, auf die ich gestoßen bin, eine von Cyndi Lauper und eine von Green Day (übrigens unterschlage ich jetzt wieder einmal zahlreiche weitere Versionen, z.B. von Marilyn Manson, Marianne Faithfull, Noir Desir und Anderen – es ist jeder selbst frei sich auf Youtube durchzuklicken).

Die Version von Green Day gefällt mir mit Abstand am besten, aber ich finde sie könnte noch ein paar der kreischenden Gitarrenriffs aus Cyndi Lauper’s Cover vertragen, vielleicht sogar ein bißchen Gekreische von Cyndi Lauper selbst. Ich bin wirklich kein Fan von ihr und ihr Stil ist nicht gerade mein Geschmack, aber zu diesem Titel passt ihr Geschrei. Und die Green Day Version ist für meine Ohren in dieser Hinsicht noch verbesserungsfähig. Während ich darüber noch sinnierte, stolperte ich über diese (zugegeben etwas langatmige) Gitarren-Lektion. Das ganze Lied mit nur zwei verschiedenen Akkorden, dazu ein einfacher hammer-on zum Üben. Hm, dachte ich, das könnte vielleicht sogar ich hinbekommen, ich sollte es mal probieren.

Und das habe ich dann tatsächlich auch getan. Es hat sogar recht passabel geklappt, nur auf meiner 35 Jahre alten akustischen Billigst-Gitarre bekomme ich natürlich die meiner Meinung nach erforderlichen kreischenden Gitarrenriffs nicht hin. Dafür – und für den satten Verzerrer-Sound der Green Day Version – braucht man eine E-Gitarre. In der Tat hatte ich schon vor 30 Jahren einmal ernsthaft darüber nachgedacht mir eine elektrische Gitarre zu kaufen. Allerdings hätte ich dazu mein Sparbuch plündern müssen, und dann war auch meine Mutter von dem Gedanken damals nicht besonders begeistert – um Himmels Willen, das ist doch so laut, und die Nachbarn beschweren sich doch jetzt schon über Deine laute Musik…

Dieser Tage sind das alles keine Argumente mehr. Ich wohne im eigenen (Reihen)Haus, die Wände zu den Nachbarn sind ziemlich dick (trotzdem hat es mein Sohn mit seiner Stereoanlage schon mehrfach geschafft den Nachbarn zur Rechten auf die Barrikaden zu treiben) und am Verstärker gibt es ja auch noch einen Kopfhörer-Anschluss. Preislich ist so eine Rocker-Ausrüstung heutzutage für ein Nasenwasser zu haben – ich habe alles bei ebay gekauft bzw. ersteigert, Gesamtkosten keine 150 EUR. Neben meiner wunderschönen Gitarre (funkelnagelneu, 70 EUR incl. Versand) und dem Mini-Verstärker (5 Watt, kann auch mit Batterie betrieben werden – ich kann also auch am Lagerfeuer rocken) ist das Herzstück der Anlage ein Effekt-Gerät, (laut Beschreibung des Herstellers ein „Ultra-flexibler Modeling-Verstärker/Multi-Effektprozessor“), das ich für 35 EUR ersteigern konnte.

Das Ding kann 16 professionelle Amps simulieren, hat 8 verschiedene Modulationen (Phaser, Flanger, Rotary, Pitch Bend und wie sie alle heißen) in jeweils 4 verschiedenen Varianten, 4 Arten von Hall, 4 Arten von Delay, Compressor und Noise Gate – jeder Effekt in mindestens 2 – 3 Kriterien regelbar (Lautstärke, Intensität, Klang, Geschwindigkeit etc.) und fast alles untereinander kombinierbar. Meine mathematischen Fähigkeiten reichen nicht aus um zu errechnen, wieviele verschiedene Klangmöglichkeiten das ergibt. Ich könnte vermutlich den Rest meines Lebens damit verbringen alle Kombinationen auszuprobieren und würde nicht fertig werden. Auf 100 Speicherplätzen kann man seine Einstellungen sichern. Ab Werk sind diese Speicherplätze mit Presets belegt, und ich habe die noch nicht einmal alle durchprobiert. Vor Kurzem habe ich erst auf Speicherplatz 32 einen Sound entdeckt, mit dem selbst meine schlichte Gitarre klingt als könne sie Glas schneiden – eine Kreissäge ist nichts dagegen. Da klingt selbst die simpelste Folge von 4 oder 5 Tönen schon gigantisch. Wirklich ein herrliches Spielzeug, wärmstens zu empfehlen.

Aber genug von meinem neuen Zeitvertreib (der mich im Übrigen auch stark vom Schreiben abgehalten hat…) und zu Euren letzten Mails. Lockwood fällt zu den Herren Anderson und Co. nichts mehr ein (dumme Frage: Wer ist denn Cross?), was ich wirklich verstehen kann – es ist auch inzwischen so ziemlich alles gesagt. Aber es gibt ja auch noch andere Themen. Lieber Lockwood, Deine „Schreib-Blockade“ ist natürlich vor allem für Wilfried und mich sehr bedauerlich, solange es Dir selbst dabei gut geht, ist sie aber wohl kein Grund zur Besorgnis. (Ich hoffe nur, dass es nicht meine unqualifizierten Psycho-Trips waren, die Dir die Lust am Schreiben verdorben haben…).

Wilfried hat sich darüber gewundert, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass Jethro Tull und CCR viele gemeinsame Fans haben – schließlich wäre ich ja selbst einer. Nun, von ein oder zwei Fans bekommt man kaum eine Halle voll, und wie ich bereits erläutert hatte: 1969 war ich noch kein Jethro Tull Fan (1969 war ich eigentlich noch überhaupt kein Fan). Und ich würde sogar noch weiter gehen: Wenn Jethro Tull bei ihrem Musikstil von 1969 geblieben wären, dann wäre ich auch niemals Jethro Tull Fan geworden. Mit der Tull-Musik aus den 60ern kann ich bis heute nicht viel anfangen, mich hat vor allem die Musik aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre zum Fan gemacht.

Einer der wenigen Jethro Tull Titel aus den 60ern, die mir gefallen, ist We Used To Know. Dieser Song soll angeblich die Eagles zu ihrem Hit Hotel California inspiriert haben. Möglich wäre das schon, aber viel Ähnlichkeit kann ich zwischen den beiden Liedern nicht entdecken. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es zwischen den beiden Songs eine Verwandtschaft geben könnte. Dagegen ist der Metallica-Hit Nothing Else Matters für mich ganz klar eine Kopie von „We Used To Know“.

Als ich das erste Mal „We Used To Know“ hörte – nein, falsch, das erste Mal habe ich diesen Song Ende der 70er Jahre gehört, als mir mein Bruder das „Stand Up“-Album geschenkt hatte. Aber ich habe ihn wohl nur einmal gehört und dann wieder völlig vergessen. Als ich dieses Jahr auf Willi’s Homepage das Video entdeckte, hätte ich geschworen, dass ich das Lied noch nie zuvor gehört hatte. Allerdings passierte etwas Seltsames. Ich schien zu dieser Melodie den Text zu kennen, aber es war ein anderer Text als der, den Mr. Anderson dazu singt. Erst als ich anstelle von „We used to know“ die Zeile „And nothing else matters“ schmettern wollte fiel mir auf, dass ich im falschen Lied war. Zu den Klängen von „We Used To Know“ war mir intuitiv der Text von „Nothing Else Matters“ in den Sinn gekommen.

Irgendwie hat es mich gewundert, dass es vor mir noch niemandem aufgefallen sein soll, dass beide Lieder die gleiche Melodie haben. Vielleicht bilde ich mir das nur ein. Also rief ich meinen 20-jährigen Sohn, der den Metallica-Hit natürlich kennt, den Tull-Song aber bestimmt wirklich noch nie gehört hatte. Ich spielte ihm „We Used To Know“ vor und fragte ihn, ob ihn das Lied an irgend etwas erinnert. Der Herr Anderson war noch nicht mit der ersten Strophe fertig, als mein Junior schon wie aus der Pistole geschossen sagte: „Nothing Else Matters“. Nein, das bilde ich mir nicht ein! Zugegebenermaßen enthält der Song von Metallica außer dem We-Used-To-Know-Thema noch eine zweite Melodie, er wird langsamer vorgetragen und er ist wesentlich ausgefeilter arrangiert als das alte Tull-Stück, aber die Basis ist die selbe. Man könnte sagen es ist eine Variation zum gleichen Thema. Das Brisante an der Sache ist, dass Metallica ihren Hit veröffentlicht haben nicht lange nach dieser unseligen „Jethro-Tull-haben-unseren-Grammy-bekommen“ Geschichte. Da kann man sich kaum vorstellen, dass sie den Tull-Song nicht gekannt haben sollen.

Zum Thema „Intelligenz“ habe ich mich bereits so weitschweifig ausgelassen, dass ich dem eigentlich nichts mehr hinzufügen möchte. Nur soviel zu Wilfried’s Geschichte von der seiner Meinung nach falsch besetztzen Vorgesetzten-Stelle. In dem von Dir geschilderten Fall hast Du vielleicht wirklich recht, das kann ich nicht beurteilen, aber längst nicht immer ist derjenige für eine leitende Stelle am besten geeignet, der die größte Fachkompetenz hat. Für eine leitende Tätigkeit sind evt. ganz andere Dinge wesentlich: eben Kontaktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit, Menschenkenntnis, die Fähigkeit zu motivieren, zu schlichten und auszugleichen, Organisationstalent, Übersicht, strategisches Denken, Entscheidungsfreudigkeit, Durchsetzungsvermögen usw… Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Das Fachwissen, das man benötigt um die richtigen Entscheidungen zu treffen, kann man sich ggf. von seinen hoffentlich kompetenten Mitarbeitern besorgen.

Auch einen anderen Aspekt sollte man dabei nicht ganz außer Acht lassen. Als ich Anfang der 90er Jahre von meinem damaligen Chef auf den wohlklingenden Posten einer „Programmierleiterin“ befördert wurde (d.h. ich war Mädchen für alles und Depp vom Dienst), hat das eine Kollegin von mir wie folgt lapidar kommentiert: „Das ist doch eigentlich auch Schwachsinn, wer programmieren kann wird befördert und dann mit Verwaltungskram zugemüllt, so dass er nicht mehr zum Programmieren kommt, und zum Programmieren bleiben dann noch die übrig, die es nicht können.“ So kann man das auch sehen…

Zu meiner großen Freude hat der Wilfried nun noch den Mr. Cat Stevens ins Spiel gebracht, über den könnte ich auch Romane schreiben. Schon seit längerem warte ich nur auf die passende Gelegenheit Euch mein Leid über ihn zu klagen – vielleicht sollte ich kurz am Rande erwähnen, dass es sich bei ihm um den Mann handelt, der jahrzehntelang der Traum meiner schlaflosen Nächte war. Und natürlich habe auch ich ein Ticket von 1976:

Deine Karte war aber vergleichsweise ziemlich schweineteuer, lieber Wilfried, allerdings saß ich auch nicht in der ersten Reihe. Und verglichen zu den Preisen von heute… – gerade erst habe ich 75 EUR für Mark Knopfler gelöhnt (diesmal wollte ich doch lieber nicht auf eine Abendkasse hoffen). Aber wie Du ja auch bereits mit Deinem Beispiel von Madonna angedeutet hast – heutzutage ist mit dem Verkauf von Platten/CDs etc. kaum noch Geld zu verdienen. Das Geld muss bei den Konzerten hereinkommen.

Die Stimmprobleme des Mr. Stevens würde ich nun allerdings nicht Stimmverlust nennen, eher ist er ein Beispiel dafür, wie eine Stimme durch Nichtgebrauch regelrecht einrosten kann. Auch Singen braucht eben Übung, und wenn die Stimmbänder nicht trainiert werden, dann schrumpft der Stimmumfang und man trifft die Töne nicht mehr sicher. Selbst Mr. Fogerty hat in einem Interview erklärt, dass er – nachdem er von Ende der 80er bis Ende der 90er Jahre fast 10 Jahre lang nicht mehr aufgetreten war – erst wieder singen üben und seine Stimme trainieren musste. Ihm ist es allerdings recht gut gelungen seine Stimmbänder wieder auf Vordermann zu bringen, ich habe noch in keiner seiner Aufnahmen etwas von Rost oder falschen Tönen bemerkt. Vielleicht hätte Mr. Stevens auch ein bißchen üben sollen, bevor er I Think I See The Light (Original-Aufnahme von 1970 als Soundtrack zu Harold and Maude) neu aufgenommen hat. Herausgekommen ist das Folgende (nein, ich erspare es Euch nicht, mir ist es auch nicht erspart geblieben): I Think I See The Light. Yusuf Islam 2007: Die Stimme klingt schwach und unsicher, in den tiefen Lagen zu leise und in den hohen trifft er die Töne nicht. Das ganze Lied swingt oberflächlich vor sich hin und schwimmt dabei in süßlich-schwülstiger Instrumental-Soße. Auch der Text wurde, ebenso wie bei einigen seiner anderen Songs, etwas „überarbeitet“. Girls wurden grundsätzlich gestrichen – girls gibt’s bei Mr. Islam nicht mehr. Das kann ich ja noch irgendwie komisch finden – eigentlich eher lächerlich. Aber wie er dieser Tage seine eigenen Meisterwerke aus den 70ern musikalisch zu Mittelmaß und Banalität herabwürdigt, das tut mir wirklich in der Seele weh.

Einziger Lichtblick in dieser Aufnahme: Die Gitarre. Lieber Lockwood, ich weiß nicht, ob Du sie wiedererkennst, es ist der Fichtensarg, zu dem Dir bereits einmal im Zusammenhang mit dem Song „Tuesdays Dead“ (wurde inzwischen von Youtube gestrichen) ein paar launige Bemerkungen eingefallen waren. Natürlich ist es nicht mehr exakt dieselbe Gitarre wie 1971 – als sich Mr. Stevens 1978 in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedete, hat er alle seine Instrumente versteigern lassen. Aber offensichtlich hielt er es für angebacht sich dasselbe Modell wieder zuzulegen. Es ist eine Gibson SJ-200, die schon seit Jahrzehnten zur Standard-Ausstattung jedes halbwegs erwähnenswerten Spielers akustischer Gitarren gehört, von den Beatles bis zu Elvis Presley, auch bei Mr. Fogerty ist eine im Einsatz. Nur bei Mr. Anderson habe ich sie bemerkenswerter Weise noch nie gesehen.
Aber er bevorzugt wohl eher kleinwüchsige Gitarren. Meiner Meinung nach ist die Gibson SJ-200 auf jeden Fall die schönste akustische Gitarre überhaupt.

Soweit vorerst zu Mr. Stevens-Islam. Kommen wir zu den nächsten Kandidaten. Heute bekommt hier jeder sein Fett ab.

Der Herbst ist gekommen, die Blätter fallen von den Bäumen und die Altmeister der Rockmusik bringen ihre neuen Werke auf den Markt. Da ist so ziemlich jeder vertreten, der hier in Willi’s Weblog schon einmal Erwähnung fand (außer Jethro Tull natürlich…). Den Anfang machte Mark Knopfler Mitte September mit seinem Album „Kill To Get Crimson“ gefolgt Ende September von Joni Mitchell („Shine“). Gleichzeitig am 2. Oktober kamen dann Bruce Springsteen („Magic“), John Fogerty („Revival“) und Annie Lennox („Songs of Mass Destruction“) heraus. Am 9. Oktober gab’s den neuen Sampler von Eric Clapton („Complete Clapton“) und für Ende Oktober standen Robert Plant („Raising Sand“) und Neil Young („Chrome Dreams II“) auf dem Programm
(Anmerkung: Erscheinungsdatum US-Markt laut amazon.com). Ich weiß nicht wie diese Scheiben in offiziellen Charts derzeit platziert sind, aber dieser Tage bieten die Verkaufszahlen bei amazon.com schon einen ganz guten Anhaltspunkt. Am 17. Oktober z.B. sah die Rangfolge (Verkaufsrang Musik) so aus: 1. Bruce Springsteen, 3. Eric Clapton, 4. Robert Plant, 5. Annie Lennox, 6. John Fogerty, 7. Mark Knopfler, 16. Joni Mitchell, 22. Neil Young – die Altrocker haben derzeit Amazon fest im Griff. (Verkaufsrang bei amazon.de am gleichen Tag: 4. Bruce Springsteen, 21. Mark Knopfler, 48. John Fogerty – das Album erschien in Deutschland erst am 19.10.)

In die Alben von Mark Knopfler und John Fogerty habe ich, soweit das möglich ist, schon hineingehört, und ich muss sagen, es hat mich nicht vom Hocker gerissen. Allerdings kenne ich von einigen Titeln bislang nur die Hörbeispiele bei Amazon, und es ist kaum möglich einen Song anhand dieser 30-Sekunden-Schnipsel zu beurteilen. Aber es gibt ja noch YouTube, und bei beiden Herren kann man sich auch auf Ihren Websites zum Teil die neuen Titel anhören. Bei Fogerty gibt’s außerdem noch kostenlos ein Video zum Herunterladen (das inzwischen natürlich auch bei Youtube mehrfach zu finden ist). Eigentlich wollte ich Euch dieses Video ja ersparen – ich finde es einfach furchtbar. Nicht nur, dass der Song absolut nicht meinem Geschmack entspricht. Fogerty verwechselt schon seit Jahren ständig Musik-Videos mit Familien-Videos. Seine Söhne sind übrigens leicht an den karierten Hemden zu erkennen und sein blondes Töchterchen ist unübersehbar. Aber kommen wir auf den Punkt, ich brauche Eure Hilfe. Schon beim Konzert in Abenberg, wo dieser Song auch gespielt wurde, hatte ich das Gefühl diese Melodie bereits zu kennen. Ein Hit aus den 60ern oder 70ern? Vielleicht ein deutscher Schlager oder ein Volkslied? Ich komme einfach nicht darauf, aber ich bin mir sicher, dass ich das Lied schon gehört habe. Kommt es Euch vielleicht auch bekannt vor: Don’t You Wish It Was True.

Aber mit einem Video-Clip allein ist es natürlich nicht getan (zumal dieser wohl kaum auf MTV für Furore sorgen wird), so eine neue Scheibe muss „promotet“ werden (schreibt man das so?). Dazu gehören im Vorfeld der Veröffentlichung erst einmal ein halbes Dutzend Interviews für gängige Zeitungen und Zeitschriften, dann folgen die Fernsehauftritte. Mr. Fogerty hat es geschafft gleich für den Abend der Veröffentlichung seines Albums bei David Letterman in der „Tonight Show“ einen Termin zu bekommen. Und da hat er gezeigt, dass er auch noch Anderes auf Lager hat als nur „Friede, Freude, Trallalla“ (ich meinte „Don’t You Wish…“). In „Long Dark Night“ und „I Can’t Take It No More“ greift er Präsident Bush an, und zwar persönlich und namentlich. „Georgie’s in the jungle…wants to have a war…Georgie’s got religion, and you know he can afford more…I can’t take it no more, your dirty little war…I bet you never saw the old schoolyard…your Daddy wrote a check and here you are, another fortunate son“ (kurze Auszüge aus den Songtexten). Es gibt auch noch mehrere Textzeilen, in denen er Präsident Bush direkt der Lüge bezichtigt – „You lied to us about…“ (ich habe nicht alles verstanden, den ganzen Song und noch 4 weitere kann man sich auch auf seiner myspace-Seite anhören) – die er bei Letterman aber vorsichtshalber mal weggelassen hat.

Jedenfalls alles ziemlich starker Tobak, ich muss schon sagen, Johnny hat Nerven. Es ist ja auch schon über 20 Jahre her, dass er das letzte Mal wegen Verleumdung verklagt wurde und nach dem verlorenen Prozess einen Song umschreiben musste. Damals hatte er sich mit einem Musik- und Filmproduzenten angelegt, diesmal ist es der Präsident der Vereinigten Staaten persönlich. Und der Stil dieser „Protestsongs“ hat für mich auch nichts mit sachlicher Kritik zu tun, das ist respektloses Wutgeschrei an der Grenze zur Beleidigung und disqualifiziert sich dadurch selbst. Kein Vergleich mit dem Niveau von Deja Vu (All Over Again). Wenn ein 16-jähriger Rapper solche Texte ins Mikrophon kreischen würde, dann würde ich sagen „Die Jugend von heute hat halt kein Benehmen mehr“. Aber die ewige Jugend von vorgestern scheint auch nicht besser zu sein.

Dabei ist Fogerty in anderer Hinsicht bestimmt der biederste und erzkonservativste Rocker, den man sich denken kann, und seine Musik ist daher nicht zuletzt in konservativen Kreisen beliebt. Bei Wikipedia kann man z.B. nachlesen, das Lieblingslied von George Bush sei John Fogerty’s Centerfield, das habe er auch auf dem iPod gespeichert, den er ständig bei sich trägt. Man könnte also sagen George Bush ist John Fogerty Fan. Dass das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, wird Mr. Bush schon länger klar gewesen sein. Fogerty’s neuste musikalische Darbietungen sind dann aber doch dazu angetan die Begeisterung seines prominenten Fans ganz erheblich zu beeinträchtigen.

Bei Mark Knopfler kann man auf der Website die aktuellen Chart-Positionen seines Albums nachlesen, außerdem gibt’s hier zwar kein Video, aber einen kostenlosen Song zum Anhören. Und auf YouTube findet sich natürlich auch ein Video seiner ersten Single-Auskopplung: True Love Will Never Fade. Das Lied klingt meiner Meinung nach so wie es heißt – ziemlich fade, mit einer Melodie wie hundert andere auch. Warum das als Single veröffentlicht wird, kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Da hat doch Mr. Knopfler noch jede Menge bessere Songs auf Lager, und ich hoffe ich bekomme möglichst viele davon zu hören, wenn er am 7. Mai nächsten Jahres nach Stuttgart kommt.

Lieber Wilfried, wie Du siehst fällt mir durchaus noch Einiges ein, und ich habe auch noch weitere Themen auf Lager. Ich brauche nur immer ewig, bis ich mit etwas fertig werde. Wie Euch sicher schon aufgefallen ist, schreibe ich solche Beiträge nicht an einem Abend, sondern über Wochen verteilt. Manchmal schreibe ich auch eine Woche garnichts – zuletzt war ich eben sehr mit meiner neuen Gitarre beschäftigt. Sicher frage ich mich auch manchmal, ob es nicht Wichtigeres gibt als Musik, die Herren – Ihr wisst schon – und Weblogs. Aber solange es Spaß macht und ich zumindest in Abständen dieses unbezwingbare Mitteilungsbedürfnis verspüre, werde ich wohl weiterhin meine Beiträge einreichen – wenn auch vielleicht in etwas größeren Abständen.

Also dann bis demnächst!

Liebe Grüße an Euch beide
Kretakatze

PS.: Als Nachschlag zum Thema John Fogerty und Mark Knopfler jetzt noch der gemeinsame Song: Nobody’s Here Anymore von Fogerty’s Album „Deja Vu“ 2004. Durch Knopfler’s Gitarre klingt er mehr nach Dire Straits als nach John Fogerty, und man erwartet eigentlich eine andere Stimme. Trotzdem meiner Meinung nach ein gelungener Titel. Soweit ich das bislang beurteilen kann, ist er besser als alles was die beiden Herren dieses Jahr auf ihren Solo-Alben abgeliefert haben. Leider ist das Video falsch beschriftet und die Bilder passen überhaupt nicht – CCR live 1970 bzw. gegen Ende Ausschnitte aus Fogerty’s DVD Premonition.

PPS.: Übrigens bin ich nicht der Meinung, dass ich wegen Al Stewart „Prügel einstecken“ musste – da hat sich der arme Lockwood wegen Queen doch noch ganz andere Sachen anhören müssen, und auch meine anfänglichen Versuche Euch für griechische Musik zu begeistern sind doch ziemlich in die Hose gegangen… Aber das hat mich ja auch nicht abgeschreckt.

23.11.2007

English Translation for Ian Anderson