Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Heute Ruhetag (31): Ruhe, Rehe, Rauch

Ist es ein Schnupfen, eine Grippe, die mir im Anzug steckt? Heut’ und morgen lasst mich in Ruhe, meine Rehe, ich lasse Euch auch … Und überhaupt: Eigentlich will ich schon immer etwas kürzer treten …

Heute Ruhetag = RUUHEETAAAAG!

Doch noch ’was: Ich kündige nicht gern voran, an und auf, aber vielleicht ist es etwas für Euch zum Grübeln. Was ist icyskidski? Und warum werde ich über Ohren schreiben als meinen Beitrag zum Sexismus in Deutschland oder überhaupt überall? Und was hat es mit dem Ringen ums Ringen zu tun? Viel Rauch um wenig Brand? Die passende Antwort: Demnächst in diesem Blog!

Ruhe, Rehe, Rauch (okay, ich liebe Alliterationen).

Bethke geht

Nein, nicht nur der Papst geht, auch Bethke geht. Heute ist sein letzter Arbeitstag bei uns. Wer ist Bethke? Das ist Bethke! Er kommt aus Bonn, dem Mekka der Gummibärchen, und war drei Jahre zu uns ‚auf Leihbasis’ abkommandiert. Nach drei Jahren reicht es … Arbeit wieder in Bonn, keine stundenlangen Wochenendheimfahrten mit der Bahn, zurück zu seinen Lieben. Wer versteht das nicht. Aber so schlecht war Hamburg dann auch wieder nicht.

    Bethke geht

Ja, Herr Bethke. Ich bin wohl nicht der einzigste, der Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft wünscht. Beruflich sollten Sie keine Schwierigkeiten haben. Sie kennen sich ja aus. Aber nicht so viele Gummibärchen verdrücken, wenn die Quelle auch so nah ist. Ciao und bye-bye!

Aimee Mann: Charmer

Zu Beginn des neuen Jahres habe ich vermehrt gelesen. So ist einiges an Musik liegen geblieben, die ich mir jetzt in den letzten zwei, drei Wochen in entsprechender Ruhe angehört habe. Eine dieser Scheiben ist die letzte CD Charmer von Aimee Mann, die auch schon seit über einem halben Jahr auf dem Markt ist. Aimee Mann gehört der US-amerikanischen Indie-Pop-Szene an; ich habe schon ausführlich in diesem Blog über sie und ihre Musik berichtet.

    Aimee Mann: Charmer

In der „New York Times“ wurde Aimee Mann als eine der „Besten Musikerinnen ihrer Generation“ gefeiert. Die 52-jährige Amerikanerin ist vor allem eine Singer/Songwriterin alter Schule mit einem Gespür für makellose Melodien, raffinierte Texte in Kombination mit einem beständigen und passenden Hauch von Melancholie. Das findet sich auch auf dieser CD wieder.

Bereits beim ersten Hören hatte ich den Eindruck, bestimmte Lieder schon einmal gehört zu haben. Also wirklich Neues oder gar musikalisch Innovatives ist das nicht, und manches Keyboard-Gewubber ist für meine Ohren eher lästig. Aber insgesamt – und besonders beim wiederholtem Hören – ist auch dieses Album hörenswert, die Stimme ohne Blessuren und die Arrangement dezent ausgeführt. Wer Aimee Mann mag, der wird auch dieses Album mögen.


Aimee Mann: Charmer (Live at The Pabst Theater – Milwaukee WI 11/11/12)

Als Anspieltipp empfehle ich Living A Lie, dass sie zusammen mit James Mercer, ebenfalls einem Mitglied der US-amerikanischer Indie-Pop-Musiker-Szene, interpretiert. Und weiteres Material der neuen Scheibe findet man auf dem YouTube-Konto von Aimee Mann:

I’m living a lie
you’re living it too
cause I live it with you
I’m living a lie
a lie I can’t tell
so we wait for a crack in the shell

Der Papst geht

Natürlich war auch ich erstaunt, als ich der Meldung las: Der Papst tritt zurück. Am Rosenmontag kann man das schon für einen Scherz halten. Wie viele dachte ich, ein Papst tritt nicht zurück, der stirbt und dann kommt ein neuer. Nun mit Päpsten habe ich nicht viel am Hut, auch wenn in diesem Blog das Wort Papst öfter vorkommt, als ich dachte (Literaturpäpste gibt es ja auch noch).

Aber ich habe schon einige Wort gefunden, als 2005 der erste polnische Papst Johannes Paul II starb (Noch ist Polen nicht verloren) – und nach über 480 Jahren erstmals wieder ein Deutscher zum Papst erkoren wurde: Habemus papam: Benedikt XVI.

Zum 28. Februar nimmt also Benedikt XVI seinen Pileolus, sein Scheitelkäppchen, und zieht sich in ein Kloster zurück. Dieser Entscheidung kann man nur Respekt zollen. Aber ich denke, dass es auch Zeit wird.

Als er vor fast acht Jahren zum Papst gewählt wurde, schrieb ich:

Bei aller Freude besteht bei vielen Skepsis, denn Benedikt XVI ist als konservativ bekannt, als Bewahrer der reinen Glaubenslehre, die sich entgegen jedem Modetrend zu bewähren hat.

Aber in bestimmten Dingen muss sich der neue Hirte über eine Milliarde Menschen doch fragen lassen, ob auch unabhängig vom Zeitgeist Änderungen überholter Ansichten notwendig sind.

Die Skepsis besteht bis heute zurecht. Aus religiöser Sicht war Benedikt XVI sicherlich ein guter Papst. Und sicherlich hat er sich für den Frieden auf unserer Erde eingesetzt. Aber als Hirte so vieler Menschen mit all ihren menschlichen Bedürfnissen im Diesseits vermochte er keine befriedigenden Änderungen überholter Dogmen der katholischen Kirche durchzusetzen. Für uns alle bleibt die katholische Doppelmoral unübersehbar sichtbar. Der sexuelle Missbrauch durch kirchliche Würdenträger wurde bisher nur unzurechend aufgearbeitet.

Jetzt wird über einen Nachfolger spekuliert. „Als geeignete Nachfolger werden unter anderem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola (71) und die beiden Afrikaner Peter Turkson (64) aus Ghana und Francis Arinze (80) aus Nigeria genannt. Auch Kardinal Marc Ouellet (68) aus Quebec und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan (63) werden Chancen eingeräumt. Aus Lateinamerika werden der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer (63), und Kurienkardinal Leonardo Sandri (69) aus Argentinien genannt. Aus Asien gilt der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle (55) als ‚papabile’, also als möglicher Papst.“ (Quelle: heute.de).

Wer es auch sein wird, die Erwartungen sind hoch: Das neue Kirchenoberhaupt muss offen für die Welt sein und der Katholizismus wieder an Bodenständigkeit gewinnen.

Der Gott des Gemetzels

Der Gott des Gemetzels (Originaltitel: Carnage) ist eine schwarze Komödie von Roman Pola?ski aus dem Jahr 2011. In der Rolle des Alan Cowen ist Christoph Waltz zu sehen. Der Film basiert auf dem preisgekrönten Theaterstück Der Gott des Gemetzels der französischen Dramatikerin Yasmina Reza.

Buch „Der Gott des Gemetzels“: Mit 7 Fotos aus der Zürcher Inszenierung Uraufführung und Film als DVD bzw. BluRay Gott des Gemetzels sind im Handel erhältlich.


Roman Polanski: Der Gott des Gemetzels

Brooklyn Bridge Park, New York: Ein Elfjähriger gerät in einen Streit mit mehreren gleichaltrigen Mitschülern und schlägt einem der anderen Jungen mit einem Stock ins Gesicht, der dabei – wie wir später erfahren – zwei Zähne verliert. Kurze Zeit später treffen sich Michael (John C. Reilly) und Penelope Longstreet (Jodie Foster), die Eltern des Verletzten, in ihrer Wohnung mit Alan (Christoph Waltz) und Nancy Cowen (Kate Winslet), den Eltern des Schlägers. Schnell verständigen sie sich über die Streitpunkte und wollen wieder getrennte Wege gehen – man ist schließlich zivilisiert. Doch als die Cowens eigentlich schon aus der Tür sind, lassen sie sich noch zu einem kleinen Kaffee überreden. Nun kommt das Quartett doch wieder zum Streit der Kinder zurück und es zeigt sich, dass hier gar nichts geklärt ist. Schnell erhitzen sich die Gemüter immer weiter, es kommt zu einer vehementen Auseinandersetzung, in der es bald um ganz andere Dinge geht. Dabei werden munter die Fronten gewechselt und als auch noch Alkohol ins Spiel kommt, eskaliert die Situation völlig.

aus: filmstarts.de

    Roman Polanski: Der Gott des Gemetzels

Teile deinen Single Malt nur mit Menschen, die du kennst und magst … kann ich dazu nur sagen. Der Film ist eine köstliche Komödie, die trotz aller Übertreibungen aufzeigt, wo wir mit unserer ganzen Zivilisiertheit stehen, wenn wir bis auf den Grund herausgefordert werden. Da werden Frauen zu Furien und Männer zu abscheulichen Ekeln. Dabei muss man nicht gleich mit Messer und Gabel aufeinander losgehen. Der verbale Schlagabtausch allein hat es schon in sich und kann manchmal schlimmer verletzen als jede Schlag- oder Stoßwaffe.

Und kommt dann noch Alkohol ins Spiel (in Form eines edlen Single Malt Whisky aus Schottland), dann steigert sich das Ganze zu einer Orgie, bei der dann auch Gegenstände wie Smartphones, Blumen, Bildbände und Handtaschen dran glauben müssen.

Roman Pola?ski hat mit Jodie Foster, Kate Winslet, John C. Reilly und besonders Christoph Waltz ein Ensemble an schauspielerischen Schwergewichten versammelt, die ein nicht enden wollendes Dialogfeuerwerk voller satirischer Pointen und humoristischer Highlights bieten.

Dabei ist der Film eigentlich erschreckend: Unter dem Mäntelchen wohlfeiner Umgangsformen verbirgt sich ein Vulkan an verdrängter Wut, ja Hass und Ekel. Die Verlogenheit der Manieren, die sich in Schmeicheleien, einem ewig Vernünftigseinmüssen äußert, wird schnell aufgedeckt, wenn sich erst einmal der Boden unter den Füßen öffnet. „Es ist die pure Mechanik, und sie können nichts dagegen tun, es ist stärker als sie. Das Zwanghafte, es sitzt in den Augenfalten von Jodie Foster, im gemütlichen Gesichtsfett von John C. Reilly, im Grinsen von Christoph Waltz, in der bodenlosen Nervosität von Kate Winslet.“ (Peter Kümmel: Von schlimmen Eltern. In: Die Zeit)

Es ist ein Film, der auf hohem Niveau amüsiert und doch gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Wie sind wir eigentlich, was schlummert in uns, in den tiefen Abgründen unserer Seele? In vielem erinnert mich der Film an Theaterstücke von Tennessee Williams, wie z.B. Die Katze auf dem heißen Blechdach. Oder an Wer hat Angst vor Virginia Woolf von Edward Albee – z.B. in der Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton.

Übrigens: Das Stück lief im letzten Jahr auch im Theater am Goetheplatz in Bremen (Theater Bremen). Mein jüngerer Sohn besuchte das Stück.

Dokus on demand – kostenlose Filmperlen

Gute Dokumentarfilme gibt es viele. Nur bekommt sie kaum jemand im Kino zu sehen. Deshalb haben sich europäische Dokumentarfilmfestivals zusammengeschlossen und ein On-demand-Angebot auf die Beine gestellt: die Doc Alliance.

    Your online documentary cinema

„Die meisten der mehr als 700 Filme, die bei der Doc Alliance erhältlich sind, sind … vor allem relevant. Und kaum gesehen. Denn nur wenige Dokumentarfilme schaffen es vom Festivalprogramm ins Kino. Zu klein ist das Publikum und ein Kinostart für die Filmverleiher damit zu teuer. Die Doc Alliance, ein Zusammenschluss mehrerer wichtiger Filmfestivals aus Europa, will das ändern.“ (Quelle: br.de)

Die FDP entgleist

Herr Rainer Brüderle, Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass er einmal den Anlass zu einer Sexismus-Debatte geben könnte. Nach dem Motto, wer sich verteidigt, klagt sich nur an, schweigt der gute Mann.

Es ist sicherlich eine Frage des Standpunktes, wann ein Sprüchlein eines jovialen und leutseligen Weintrinkers als unangemessen aufdringlich oder als Kompliment zu gelten hat. Wie es sich zeigte, scheint sich Herr Brüderle mit seinen 67 Jahren entgegen seinen Ansichten doch nicht allzu gut mit 28-jährigen Frauen auszukennen.

Da springt ihm sein Parteikollege Dirk Niebel, ja, der mit den zollfreien Teppichen und noch Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, zur Seite mit seinem unseligen Spruch: „Es gibt auch Männer, die belästigt werden“ und seiner Forderung einer gesellschaftlichen Debatte über den Sexismus gegen Männer.

Selbst in der FDP war das Stöhnen groß angesichts einer solch verqueren Forderung. Herr Niebel muss da wohl so seine Erfahrungen gemacht haben: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“, Herr Niebel.

Dirk Niebel spricht beim FDP-Dreikönigstreffen, Rainer Brüderle (Mitte) und Philipp Rösler hören zu
Quelle: zeit.de/©Michael Kappeler/dpa

Und dann fordert ein weiterer FDP-Mann zu einer „gesellschaftlichen Debatte“ auf. Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn thematisiert die vietnamesische Herkunft unseres Bundeswirtschaftministers: „Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren“, sagte Hahn, als er zu den Personalquerelen in der FDP befragt wurde. Ein unglücklicher Satz im falschen Moment. Natürlich ist der Rassismus-Vorwurf von SPD und der Linken lediglich eine Art Reflex auf eine verwirrend-wirre Äußerung und im Grunde lächerlich. Schwerwiegender empfinde ich hier den Versuch des FDP-Mannes, von den eigenen Unfähigkeiten abzulenken und die daraus resultierenden schlechten Wahlergebnisse dem unterschwelligen Rassismus des Wählers zuzuschreiben.

Ja, die Fettnäppchen sind unzählig gesät. Da wird sich Herr Steinbrück freuen, nicht der einzigste zu sein, der ständig in das eine oder andere tritt. Die FDP befindet sich mit dem Verhalten und Reden ihrer Spitzen auf einem abschüssigen Gleis und ist dabei zu entgleisen. Trotz des guten Abschneidens bei der Niedersachsenwahl muss sie fürchten, aufs Abstellgleis abgeschoben zu werden, wohin sie nach meiner Meinung längst gehört. Und mit ihrem neuen Hoffungsträger, den etwas zu jovialen und auch nicht mehr ganz taufrischen Herrn Brüderle, wird’s dann auch eher nichts werden.

Da nützt auch der eher populistisch angehauchte Ruf der FDP, den Inflationsschutz ins Grundgesetz als Freiheitsrecht zu schreiben, nicht viel. Gerade die FDP muss das fordern, die mit ihrer libertär gefärbten Wirtschaftspolitik zumindest die geistigen Grundlagen der Finanzkrise gelegt hat. Der Wahlkampf zur Bundestagswahl im Herbst scheint eröffnet zu sein und die FDP bemüht sich mit allen Mitteln, ihren Abwärtstrend umzubiegen.

Der wundersame Support bei 1&1

Wenn ein Unternehmen massiv auf Werbung setzt, dann ist das für mich äußerst suspekt. Wer möchte schon Kunde einer Firma sein, die einen nicht unbedeutenden Teil ihrer Ausgaben für Marketing statt für Kundendienst und technische Unterstützung ausgibt. Und bisschen billiger hätte es ja auch sein können …

Mein Sohn ist vor über zwei Jahren zur beruflichen Ausbildung nach Göttingen gezogen. Er will dort ab Herbst auch studieren. So benötigt er natürlich Telefon und Internetanschluss. Im Herbst 2010 habe ich so mit ihm nach einen entsprechenden Provider gesucht. Damals war 1&1 der offensichtlich günstiges Anbieter.

    1&1 - Eins und Eins

1&1 kennt jeder aus der Werbung. Kein Telekommunikationsanbieter macht soviel Werbung wie 1&1, die Deutsche Telekom vielleicht ausgenommen, aber die haben ja bekanntlich auch die höchsten Preise.

Unser Empfinden, was unlauterer Wettbewerb ist, hat in den letzten Jahren sehr gelitten. Betrachten wir nur die Zinssätze von Banken, dann hätte man früher von Wucher gesprochen. Ähnlich verhält es sich auch auf dem Markt für Telekommunikation. Wenn ein Unternehmen wie 1&1 mit Preisen von z.B. 9 € 99 wirbt, dann vergleiche ich das gern mit einer Gaststätte, die Getränke ab 0 € 99 anbietet, weil das billigste Getränk, ein Kamillentee, tatsächlich nur 99 Cent kostet, ein Mineralwasser dann aber schon 2 € 40. Wer trinkt aber schon freiwillig Kamillentee?!

Wie Werbung geradezu in die Hose gehen kann, hat 1&1 bekanntlich auch bewiesen. Jener Marcell D’Avis, den man im Fernsehspot als „Leiter Kundenzufriedenheit“ präsentierte, wurde schnell zum Hassobjekt, denn frustrierte Verbraucher fühlten sich massenhaft getäuscht. Es dauert etwas, bis diese Werbefigur abgeschafft wurde (siehe spiegel.de). Dafür setzt man heute wieder verstärkt auf den Geldbeutel der Kunden.

Mitte November 2012 meldete mir mein Sohn, dass er nicht mehr ins Internet käme (und damit auch das Telefon nicht funktionierte). So meldeten wir das über das Kundenkonto online im Supportcenter als Störung (Gleichzeitig kündigten wir auch den verbliebenen Vertrag über die Doppel-Flat 6000).

1. Es kam eine automatisch erstellte Antwort, indem an das 1&1 Hilfe-Center im Internet mit vielen verschiedenen Links (Konfiguration und Verkabelung der Hardware – Meine 1&1 DSL-Modem funktioniert nicht, was kann ich tun? – Störungen erkennen und lösen) verwiesen wurde. „Wir hoffen, dass wir Ihre Fragen umfassend beantwortet haben.“ Beantwortet man Fragen mit Fragen?

2. Nun, mein Sohn konnte im LAN die Fritz Box aufrufen, startete diese auch neu, spielte eine neue Firmware auf das Gerät und kontrollierte alle Kabel. Alles ohne Erfolg. Er bat so 1&1 mit Mail vom 5. Dezember 2012 darum, von außen die Funktionsfähigkeit der Fritz-Box zu testen. Statt einer entsprechenden Antwort kam am 6. Dezember 2012 eine Mail mit der Bitte, den Service zu bewerten (Wie, bitte …?!)

3. Mit Mail vom 6. Dezember 2012 wurde mein Sohn zunächst „aufgeklärt“, wie das mit der Automatik des 1&1-Mailversandes aussieht: „Anhand von Schlagworten (z. B.: ‚Störung’, ‚FRITZ!Box’ oder ‚DSL’) in Ihrer E-Mail schickt Ihnen unser System automatisch eine Antwort mit möglichen Lösungsvorschlägen zu. In der Regel können wir damit Ihre Fragen beantworten und ein weiterer Kontakt mit der Kundenbetreuung ist für Sie nicht notwendig.“ Des Weiteren wurden die bereits zuvor gestellten Fragen (Punkt 1.) erneut gestellt.

4. Nun, mein Sohn beantwortete die Fragen und teilte mir am 13. Dezember 2012 nur mit, dass „das Zurücksetzen ein voller Erfolg war, ich kann jetzt gar nix mehr an der Fritzbox einstellen …“ Denn: „Zurückgesetzt habe ich es, neu einrichten ist ohne Internetverbindung nicht möglich. Daher konnte ich auch nicht die weiteren Daten einsehen, ich habe nun keinen Zugriff mehr auf meine FritzBox.“ (soweit die Meldung meines Sohnes an 1&1)

5. Als Antwort kam eine Mail von 1&1 (inzwischen schreiben wir den 13. Dezember 2012): „Prüfen Sie bitte, ob:
– Ihr 1&1 HomeServer angeschlossen und eingeschaltet ist.
– Ihre Internetzugangsdaten korrekt eingetragen sind und eine dauerhafte Verbindung aufgebaut ist.“

Mein Sohn schrieb mir nur: „So langsam fühle ich mich verarscht von diesem Karnevalsverein… Meinen die mit dauerhafter Verbindung funktionierendes Internet?!“ – Hatte mein Sohn 1&1 nicht mitgeteilt (siehe Punkt 4.), dass sich die Daten nicht mehr eintragen lassen und sich eine dauerhafte Verbindung somit nicht aufbauen lässt?

6. Mit Mail vom 17. Dezember 2012 schrieb dann 1&1: „Damit Sie Ihren 1&1 DSL-Anschluss schnell wieder nutzen können, benötigen wir Ihre Unterstützung. Leider konnten wir Sie telefonisch nicht erreichen. Bitte rufen Sie uns daher einfach über ein Mobiltelefon vom Anschlussort aus an. So können wir die erforderlichen Leitungsprüfungen sofort gemeinsam durchführen und die weiteren Schritte direkt mit Ihnen besprechen.“

Apropos telefonische Erreichbarkeit! Wie soll das möglich sein, wenn neben Internet auch die Telefonie nicht funktioniert? Und ein Mobiltelefon ist ein MUSS, wenn man den 1&1-Service in Anspruch nehmen möchte?

7. Nach längerem Hin und Her (dazu ist zu sagen, dass mein Sohn durch Ausbildung und Nebenjob etc. nicht immer in seiner Wohnung erreichbar ist) schrieb mir mein Sohn dann: „Der Techniker war heute da, zwar zwei Stunden später als angekündigt, aber ok. Es liegt weder an der FritzBox noch an der Telekom, 1&1 scheint irgendein Problem zu haben und nix an die Telekom zu senden. Ich muss da heute Abend nochmal anrufen, mal sehen ob das dieses Jahr noch was wird…..“

8. Am 28.12.2012 dann die Meldung meines Sohnes an mich: „Moin, ich habe seit vier Minuten wieder Internet. Und woran lag’s? An 1&1, irgendein Port war defekt oder nur falsch eingestellt. Nachdem der Callcenterfutzi mir fast eine neue FritzBox andrehen wollte und ich meinte, dass der Telekommensch einen anderen Fehler gefunden hätte, dauerte es ganze zwei Minuten bis alles wieder funktionierte…“

Die DSL-Leitungen der Deutschen Telekom werden bei 1&1 „durchgeschleift“. Dort an dem entsprechenden Port ist der Fehler aufgetreten (also bei 1&1).

Nach sechs Wochen kam mein Sohn also endlich wieder ins Internet und konnte telefonieren. Wie heißt es so schön bei 1&1: Nur wenn Sie zufrieden sind, sind wir es auch (Wie unzufrieden müssen die sein!). Und um das zu unterstreichen, gibt es eine 1&1 Entstörungs-Garantie: „Sollte Ihre Leitung wider Erwarten wirklich einmal vorübergehend gestört sein, kümmern wir uns schnellstmöglich darum. So beheben wir zum Beispiel Störungen, die bis 12 Uhr mittags gemeldet werden, oft noch am gleichen Tag, spätestens jedoch am nächsten Werktag. Ansonsten erlassen wir Ihnen eine monatliche Grundgebühr.“ Obwohl die „Störung“ eindeutig von 1&1 verursacht wurde und mein Sohn sechs Wochen ohne Internet und Telefonie war, ist diese Garantie (sprich: Erlass mindestens einer monatlichen Grundgebühr) bisher NICHT eingehalten worden.

Natürlich ist diese Entschädigung nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Immerhin war mein Sohn sechs Wochen ohne Internet. Und von den Unannehmlichkeiten ganz zu schweigen, die er hatte. Erst einmal hat der Kunde Schuld, wenn etwas nicht klappt. Ich werde mich mit diesem Beitrag an Herrn Frank Doberer, Vertragsadministration bei 1&1, wenden – u.a. mit der nochmaliger Bitte um sofortige außerordentliche Kündigung – und bin mehr als gespannt, wie die Reaktion sein wird. Lassen wir uns überraschen – auch positiv …

Nachbetrachtung: In diesem Zusammenhang verweise ich auf ein BGH-Urteil zum Schadenersatz bei Internetausfall: Mit seiner Entscheidung würdigt der Bundesgerichtshof die Bedeutung des Internets für private Lebensführung.

Internet-Nutzer haben nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs Anspruch auf Schadenersatz, wenn der Anschluss ausfällt. Der Zugang zum Internet sei auch im privaten Bereich von zentraler Bedeutung für die Lebensführung, entschied der BGH am Donnerstag. Deshalb bestehe auch ohne Nachweis eines konkreten Schadens ein Ersatzanspruch, wenn die Nutzungsmöglichkeit entfällt. Das gleiche gelte für den Telefonanschluss. Konkrete Summen nannte der BGH nicht (Az.: III ZR 98/12). Damit zählen Internet und Telefon für den BGH zu den wenigen Wirtschaftsgütern, bei denen sich ein Ausfall typischerweise „auf die materiale Grundlage der Lebenshaltung signifikant auswirkt“. (Quelle: tagesspiegel.de vom 25.01.2013)

Heino strikes back

Lange hat man ihn verspottet, von Otto Waalkes, der ihn in einem Spot als Vampir auferstehen und eine Techno-Version von „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ singen ließ, bis zu Norbert Hähnel, dem wahren Heino aus Berlin, der im Vorprogramm der Toten Hosen auftrat. Aber aller Häme zum Trotz, war und ist er eine Karikatur seiner selbst: Heinz Georg Kramm alias Heino.

So nebenbei: Der „echte“ Heino erwirkte vor dem Landgericht Düsseldorf eine einstweilige Verfügung gegen Hähnel. Infolge dessen durfte Hähnel nicht mehr als „Heino“ auftreten und musste 10.000 DM Ordnungsgeld zahlen. Die Toten Hosen spielten ein Benefizkonzert, um das Ordnungsgeld und die Kosten für Hähnels Anwalt zu tragen. Hähnel nahm das Geld dankend an, weigerte sich aber, die Strafe zu zahlen und saß ersatzweise lieber Ordnungshaft ab. Hähnel äußerte den Verdacht, der „echte“ Heino hätte nur gegen ihn geklagt, weil er befürchtete, seine Fans könnten langsam zu ihm, dem wahren Heino, überlaufen. (Quelle: de.wikipedia.org)

„Wer Heino schätzte, wusste immer, dass sein gesamtes Oeuvre eine subtile – na ja, subtil ist vielleicht übertrieben –, jedenfalls eine Dekonstruktion national-chauvinistischer Mythen und reaktionärer Einstellungen darstellt. Wer sonst hätte ganze Mehrzweckhallen bierseliger Deutscher dazu bringen können, offen zu bekennen: ‚Schwarzbraun bin auch ich!’“ (Quelle: welt.deich staune …)

Nun hat Heino ein Album mit Cover-Versionen von den Ärzten bis zu Rammstein aufgenommen: Mit freundlichen Grüßen. Und (fast) ganz Deutschland hat endlich ein Thema, um sich zu erregen – für oder gegen den blonden Barden aus Düsseldorf.

Heino: Mit freundlichen Grüßen eines Untoten

Dabei hat Heino die Originalinterpreten bzw. Rechteinhaber nicht gefragt, ob er ihre Lieder covern darf. Dies hatte nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Produktion. So durfte er an Komposition und Text nicht die kleinste Kleinigkeit verändern und musste sich stur ans Original halten. Täte er dieses nicht, bedarf es nur eines anwaltlichen Schreibens von einem der Rechteinhaber und die komplette Auflage landet im Shredder. Dies möchte Heino natürlich nicht, also bleibt alles wie beim Original.

Nun, ich habe einmal in „das verbotene Album“ hineingehört. Den Trubel kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Heino klingt weiterhin wie Heino. Zwischen den verschiedenen Musikstilen differenziert er nicht. „Wo ist der Unterschied, ob ich ‚Junge komm‘ bald wieder’ von Freddy Quinn oder ‚Junge’ von Die Ärzte singe?“, sagt Heino selbst. Er muss es wohl wissen.

Erstaunlich ist dabei besonders die Reaktion derer, die Heino bislang verachtet haben. So kaufen Leute das neue Album, obwohl sie „normalerweise keine Heino-Fans“ sind, finden die Scheibe „witzig und unterhaltsam“ oder sogar „endgeil“. Sicherlich ist die (Geschäfts-)Idee zu diesem Album clever zu nennen. Auch der Zeitpunkt, die Karnevalszeit, ist bestens gewählt. Und was Heino in all den Jahren seiner Karriere nicht gelungen ist, das gelingt ihm jetzt: Die Numero eins in den Charts zu sein. Selbst zum legendären „Wacken Open Air“ soll Heino nun eingeladen sein.

Jetzt darf man Heino also statt in schalldichten Kellerräumen auch bei der nächsten Gartenparty abspielen, ohne als verkappter Heino-Fan abgetan zu werden. Und wer nicht in diesen kollektive Jubel ausbricht, ist ein Spielverderber.

Nicht dass ich Herrn Kramm diesen Erfolg missgönne. Diese Art der späten Rache an seinen Verächter hat durchaus seine witzige Seite. Aber deshalb muss ich mir doch nicht dieses Album kaufen. Statt die Rentenkasse des Herrn Kramm aufzubessern, sollte man doch besser talentierte Nachwuchsmusiker unterstützen. Trotzdem Glückwunsch, Herr Kramm! Aber bitte NICHT weiter so …?!

siehe auch meinen Beitrag:
Die lebende Schlaftablette: Heino vor Gericht

„Reform“-Tarifvertrag

Ich arbeite bei einem Wohlfahrtsverband, bei dem die Gehälter nach einem eigenen Tarifvertrag bestimmt werden, der sich früher einmal sehr eng an den Bundesangestelltentarif (BAT) im Öffentlichen Dienst angelehnt hatte. Mit dem 1. Oktober 2005 wurde der BAT durch den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) abgelöst. Dieser enthält eine völlig andere Vergütungsstruktur. Entsprechendes geschah auch beim Wohlfahrtsverband, der einen so genannten „Reform“-Tarifvertrag schuf. Dieser neue Tarifvertrag wurde wie die jeweiligen Gehaltserhöhungen (Entgelttarifverträge) zwischen einer Bundestarifgemeinschaft des Wohlfahrtsverbandes und der Gewerkschaft ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, Berlin ausgehandelt.

Das Problem dieser neuen Tarifverträge war und ist, dass die neuen Entgeltgruppen (mit ihren jeweiligen Stufen) im Vergleich zu den Vergütungsgruppen des BAT ein deutlich niedrigeres Gehalt ausweisen, z.B. hätte ich nach dem neuen Tarif über 560 € weniger Gehalt bekommen, wenn dieses nicht durch einen so genannten Besitzstandsbetrag ausgeglichen worden wäre. Ein Mitarbeiter, der mit den gleichen tariflichen Voraussetzungen wie ich nach dem neuen Tarif bezahlt wird, bekommt also über 560 € weniger als ich. So schufen sich der Öffentliche Dienst und auch mein Wohlfahrtsverband enorme Einsparpotentiale. Die Kritik am BAT, seine starren Vorschriften erschwerten ein flexibles Arbeiten und berücksichtige nicht individuelle Leistung, ist sicherlich gerechtfertigt, ist aber nach meiner Meinung in diesen neuen Tarifverträgen halbherzig umgesetzt und daher mehr als fadenscheinig.

Soviel zur Vorrede.

Ich sollte ja eigentlich glücklich sein, noch nach dem alten Tarifvertrag eingestellt worden zu sein. Immerhin bekomme ich ja den Besitzstandsbetrag als Ausgleich, der auch durch die Entgelttarifverträge, also den in der Regel jährlichen Gehaltserhöhungen berücksichtigt wurde. Nun bin ich aber zum 1. Januar in meiner Entgeltgruppe eine Stufe höher eingruppiert, was früher einmal einer Gehaltserhöhung von knapp 500 € entsprochen hätte. Nur steht im so genannten „Reform“-Tarifvertrag folgender Passus: „Der individuelle Besitzstandsbetrag verringert sich entsprechend den jeweiligen Stufenaufstiegen“, d.h. der mir zustehende Besitzstandsbetrag von etwas über 560 € wurde um diese Erhöhung verringert. Ich bekomme also nur noch einen Besitzstandsbetrag von etwas mehr als 70 €. Klartext: Meine Gehaltserhöhung beträgt in der Summe 0 €. Oder auf gut Deutsch: Meine Gehaltserhöhung können sich gewisse Damen und Herren gern in ihren verlängerten Rücken stecken!

Reformtarifvertrag

Natürlich ist das alles rechtens. Ein einziger kleiner Satz im genannten Tarifvertrag lässt den Arbeitgeber bei mir jährlich 6000 € sparen. Der „Reform“-Tarifvertrag hat mich nach über sechs Jahren „endlich“ eingeholt. Dass ich mich verarscht fühle, ist wohl logisch.

Was ich von einer Gewerkschaft, die solche Verträge unterschreibt, halte, brauche ich wohl nicht näher auszuführen. Da von Reform zu sprechen, ist dann schon lächerlich. Aber warum sollten sich Arbeitgeber davon ausschließen, den Bürger abzuzocken, wenn auch „nur“ auf diese Weise.

Apropos Gewerkschaften: ver.di hat immerhin im April letzten Jahres für uns (und damit auch für mich) eine Gehaltserhöhung von 5,5 % durchgesetzt. So ließ es die Gewerkschaft in großen Lettern verkünden. Schaut man etwas genauer hinter diese Zahl, so kann man über diese „Augenwischerei“ von Gewerkschaftsseite her nur erstaunt sein:

Der vorherige Tarifvertrag lief am 31.12.2011 (übrigens mit einer Gehaltserhöhung für 2011 von 1,0 %) aus. Der neue Vertrag hat dann eine Laufzeit von zwei Jahren. Zum 01.07.2012 mit einer Erhöhung von 3,5 % – ab 01.01.2013 dann eine weitere Erhöhung von 2,0 %. Das sind dann 5,5 %, oder? Ich bin kein Kaufmann, aber Zinsen und ähnliches (und Gehaltserhöhungen gehören dazu) werden immer noch per annum gerechnet. Dann wären es für 2012 die Hälfte von 3,5 %, also gerade einmal 1,75 % Gehaltserhöhung – und für 2013 dann die genannten 2 %. Aber 5,5 %??? Das wäre so, als würde man auf zehn Jahre eine Erhöhung von 1 % als eine Erhöhung von 10 % ausgeben.

siehe u.a. auch meinen Beitrag. Bad Case Management

Verzehrsituationen

„Im Mittelpunkt der Ernährungssoziologie stehen nicht die Lebensmittel und ihre Verarbeitung wie die Geschichte der Kartoffel oder des Kaffees in Europa, sondern die soziale Verzehrsituation (Tischordnung, Anlass, Brauch, Ritual), der gesellschaftliche Stand und die jeweils unterschiedliche Ernährung (Bier oder Wein, Lammbraten oder Innereien) und die regionale oder internationale Verbreitung (Diffusion) von Lebensmitteln und ihre Popularität.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Den Begriff Verzehrsituation habe ich neulich zum ersten Mal gehört. Es war im Radio und zudem auf Plattdeutsch und wenig ernst gemeint. Es ging dabei um den Verzehr ‚zwischen Tür und Angel’, wie ich es nennen möchte, um Fast Food im weiteren Sinne.

Verzehrsituation: Fast Food to go

Man macht sich bei solchen Begriffen so seine eigenen Gedanken. Und recherchiert vielleicht wie ich auch etwas im Internet. Nun, Tischordnung, Anlass, Brauch und Ritual war in dem Beitrag nur beiläufig gemeint. Denn wer seine Mahlzeit nicht im gewohnten Rahmen (z.B. zu Hause am Essenstisch) einnimmt, sondern unterwegs, vielleicht noch in der Bahn, der hat keine Tischordnung, der Anlass ist lediglich Hunger, von Brauch und Ritual kann keine Rede sein, außer dass der Essende sich das Essen ‚rituell’ gedankenlos, da nicht anders gewohnt, in den Mund stopft.

Ich bin dabei auf ein Modell zur Nahrungsforschung von Ulrich Tolksdorf gestoßen: Seine Grundeinheit ist die „Mahlzeit“. Er zerlegt sie in einem Baumdiagramm in „Speise“ und „Verzehr-Situation“ (da haben wir wieder das Wort). Den Speisekomplex wiederum sieht er zusammengesetzt aus Nahrungs-Mittel und kultureller Technik. Die Verzehr-Situation spaltet er auf in soziale Zeit und sozialen Raum.

Das mit Zeit und Raum, zu dem sozial definiert, kommt der Sache schon etwas näher. Der, um den es mir hier geht, der also z.B. im Zug zwischen Hamburg und Bremen seine Nahrung zu sich nimmt, scheint mir jeden sozialen Bezug zu Raum und Zeit (und damit zu seinen Mitmenschen) verloren zu haben. Wenn z.B. in Zügen des Metronom sehr schnell Brühe als Heißgetränke aus Automaten aus dem Angebot gestrichen wurde (siehe meinen Beiträge: Es ist noch Suppe da), so ist das nicht verwunderlich. Wer mag schon Fettaugen auf seinem Kaffee. Außerdem stank es im ganzen Zug erbärmlich. Pommes und Hamburger, die nach ranzigem Frittenfett stinken, von nach Hause eilenden Mitfahrern verzehrt, duften nicht gerade angenehmer. Wahrscheinlich hilft tatsächlich nach Rauch- und Alkoholverbot nur ein Verzehrverbot, zumindest von warmen Speisen, bei den Bahnen im Nahverkehr (Der bahnreisende Querulant meldet sich wieder zu Wort).

Ein Wort – und eine ganze Wissenschaft! Die muss es wohl geben, um den Menschen zu zeigen, dass der Verzehr von Speisen nicht nur der Sättigung dient, sondern auch einen sozialen Aspekt besitzt. Ich gestehe, auf der Arbeit auch oft meine Stullen oder was auch immer so gedankenlos ‚zwischen Tür und Angel’ zu essen. Im Grunde schmeckt mir das dann gar nicht. Wie schön ist es dagegen gemeinsam zu Hause mit seinen Lieben zu speisen.

Essen ist ein Teil unserer Kultur. Und die sollte man pflegen. Von Massentierhaltung, Gen-Technik bei Lebensmitteln sowie dem Spekulieren damit usw. will ich lieber schweigen …

Übrigens: Die Verzehrsituation spielt auch eine Rolle bei der Mehrwertsteuer: Für die meisten Lebensmittel in Deutschland gilt ein Mehrwertsteuersatz von 7 %. Abhängig von der Verzehrsituation können aber auch 19 % Mehrwertsteuer fällig werden, z.B. wenn ein Essen zubereiten und im Verkaufsraum zum Konsum angeboten wird, so entfällt darauf der volle Mehrwertsteuersatz. Die Zubereitung, Portionierung und Ausgabe der Speisen und Getränke, die Bereitstellung und Reinigung der Räumlichkeiten und des Geschirrs wird als Dienstleistung eingestuft und deshalb mit 19 % besteuert. Man könnte jetzt sagen: Um so kultivierter man die Speisen zu sich nimmt, um so teurer wird es. Danke, Herr Finanzminister!