Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

John Irving: Garp und wie er die Welt sah

Nach längerer Zeit habe ich mir von John Irving wieder den Roman Garp und wie er die Welt sah zum Lesen vorgenommen, den Roman, mit dem er erfolgreich wurde. Es ist auch der erste Roman, den ich von John Irving gelesen habe.

„Mit seinem vierten Roman ‚Garp und wie er die Welt sah’ wurde John Irving über Nacht bekannt – in den USA brach die ‚Garpomanie’ aus. Stilistische Virtuosität, groteske Eskapaden und die für Irving typische Mischung aus Realismus und Absurdität machen den einzigartigen Charakter dieses Buches aus, das den Leser nicht mehr losläßt. Die Welt des Schriftstellers Garp ist bevölkert von Lehrern und Huren, Spießern und Randexistenzen, Verlagslektoren und Mördern, Transsexuellen und Sittenstrolchen, Männern, Frauen und Kindern – brutal, banal, perfide. Ein Pandämonium: unsere Welt.
Gegen Ende seiner Schulzeit entdeckt der Titelheld Garp seine Begabung, Geschichten zu erzählen. Fortan ist er hin- und hergerissen zwischen Literatur und Realität, zwischen den phantastischen Welten seiner Einbildungskraft und der Notwendigkeit, das wirkliche Leben in den Griff zu bekommen. Auf einer Reise nach Wien, die seine Mutter mit ihm unternimmt, um die Kunst und Dekadenz Europas ‚aufzusaugen’, macht Garp die Erfahrung, daß Leiden, Schmerz und Vergänglichkeit Grundtatsachen des Lebens sind – und daß der Glaube an einen festgelegten Sinn oder darin, das Leben lenken zu können, nichts als pure Illusion ist. Statt dessen gelangt er zu der zentralen Überzeugung, daß das Chaos des Lebens allein durch Sprache und Sexualität zusammengehalten wird. Garp wird Schriftsteller. Er schreibt eine Kurzgeschichte und zwei Romane, von denen der letzte ein voller Erfolg wird. Als sein Schwiegervater stirbt, übernimmt Garp von ihm, seinem ehemaligen Lehrer, die Aufgabe des Ringkampftrainers. Und als seine politisch aktiv gewordene Mutter ermordet wird, tritt er sogar für feministische Anliegen ein. Doch sein Ruf als Ultrachauvinist, den er sich im Kampf gegen eine Gruppe radikaler Feministinnen erworben hat, holt ihn am Ende doch noch ein.“

(aus dem Klappentext – meine Buchausgabe: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg – einmalige Sonderausgabe September 1998)

Kann man von einem Autor mit der Zeit genug bekommen? Von Irving, ich fürchte, ja. Wenn man John Irving, z.B. den Garp, zum ersten Mal liest, wird man schnell von den vielen skurrilen Typen und den makabren Begebenheiten gefangen genommen. Aber wie bei einem üppigen Mahl hat man es schnell satt.

    John Irving

John Irving beruft sich gern auf Günter Grass als literarische Vorbild. Beide sind wohl auch miteinander befreundet. Während Grass aber in seinem scheinbar dem Barock zu entstammenden Stil wortgewaltig kunstvolles Spiel mit der Sprache treibt, bleibt Irving sprachlich oft sehr blass, was nicht nur an der Übersetzung ins Deutsche liegen kann. Dafür treibt seine Phantasie reichlich Blüten, die sich aber, schaut man genauer hin, sehr schnell in immer wiederkehrenden Motiven und Themen erschöpft, z.B. „Charakteristika von Figuren (schüchterne Männer, starke Frauenfiguren, vaterlos aufwachsende Söhne, Prostituierte); Beziehungen (sexuelle Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern, Inzest, häufig homoerotische Beziehungen) und Milieus (Rotlichtmilieus, Internatsschulen, Hotels/Pensionen, Zirkus) sowie die Schriftstellerei, Motorräder, Religion und immer wieder Bären.“ (vergleiche hierzu den Absatz bei de.wikipedia.org)

Manchmal ist es eben zuviel des Guten. Damit man mich nicht falsch versteht: Garp ist ein durchaus lohnenswerter Roman. Als ich ihn zum ersten Mal gelesen hatte, war ich angetan von all den seltsamen Gestalten, die ihn bevölkern. Aber man sollte den Roman wahrscheinlich kein zweites oder gar drittes Mal lesen, dann verliert er merklich an Farbe. Plötzlich erscheint jener Garp etwas blutleer geworden, in manchem kindisch oder gar banal. Garp entgleitet einem plötzlich, ist nicht mehr so sympathisch wie man ihn glaubte, sympathisch gefunden zu haben. Es treten Irritationen auf, die man nicht ganz wegstecken mag, z.B. sein Sicherheitswahn den eigenen Kindern gegenüber geht einem auf den Keks. Da musste ja kommen, was dann kam.

Vieles ist natürlich ‚Absicht’. Irving will uns locken. Und es gelingt ihm auch. Trotzdem erscheint mir das Buch (und nicht nur dieses) als eine Offenbarung männlicher Sexual- und Gewaltphantasien, die Irving mit einem feministischen Häkeldeckchen zu bemänteln sucht. Oder ist auch das nur ‚Absicht’?!

Nun bei den Kritikern kam John Irving nicht immer gut weg. Dafür hat sich aber Hollywood seiner (bzw. seiner Romane) angenommen. So wurde nicht nur eben Garp verfilmt, sondern besonders erfolgreich u.a. auch sein Roman Gottes Werk und Teufels Beitrag, der Irving dann auch den Oscar 2000 für das beste Drehbuch einbrachte. Irvings Romane scheinen sich besonders für die Verfilmung zu eignen – und besonders für die Verfilmung durch Hollywood.

siehe auch meine Beiträge:
John Irving: Die vierte Hand
John Irving: Bis ich dich finde

Martin Walser und das verlorene Tagebuch

Was kann es für einen Schriftsteller Schlimmeres geben, als den Verlust von handschriftlichen Skizzen und Tagebüchern:

Eine Zugfahrt von Innsbruck nach Friedrichshafen wird für Literat Martin Walser zur schicksalhaften Reise. Er lässt nämlich sein Tagebuch samt einiger Romanentwürfe auf dem Sitz liegen. Walsers Verlag bietet dem ehrlichen Finder nun 3.000 Euro.

„In rotes Leinen gebunden. Drin kein Name, keine Adresse. Ich hatte ja nicht vor, es liegen zu lassen“, sagte der 85-jährige Walser (Das dreizehnte Kapitel). „Und dann lässt du so ein Reise-Tagebuch, lässt du ein aufgeschriebenes Leben im Zug liegen.“

Er habe der Deutschen Bahn den Vorfall vom 17. September gemeldet und sei in der „Verlust-Gruppe Bücher, Bilder, Kunstgegenstände“ registriert worden – das Tagesbuch sei aber nicht wieder aufgetaucht. Zwar habe er versucht, mit dem Verlust klarzukommen. „Du erlebst: Wenn etwas verloren ist, entsteht ein Gefühl. Nichts entwickelt sich in uns zu solcher Deutlichkeit wie Verlorenes“, sagte Walser. „Aber nur das Verlustgefühl nimmt zu, das Verlorene selbst bleibt verloren.“

Er sei in den letzten zwölf Monaten viel unterwegs gewesen, in Chicago, Paris, London, Kopenhagen, Helsinki, Brüssel, Luxemburg. „Die Stimmung im Hancock Building in Chicago, November, nachmittags um fünf. In London noch einmal zu Fuß quer durch die Stadt, in der die Welt zu Hause ist. In Helsinki, mein Gott, allein die finnischen Begegnungen.“

Hoffen wir für Herrn Walser, dass er sein Tagebuch wiederbekommt. Immerhin hat er auf diese Weise vielleicht auch ein neues Thema für einen Roman: Der Verlust.

Tag der deutschen Dreieinigkeit 2012

Mir sei es erlaubt, den Beitrag zum heutigen Feiertag, den ich im letzten Jahr verfasst habe, zu wiederholen: Tag der deutschen Dreieinigkeit!

Ich kann mich noch sehr gut an die Aushänge erinnern, die zu Zeiten früherer CDU-Regierungen an Litfaßsäulen klebten und Deutschland als ein durch den Krieg dreigeteiltes Land zeigten: links (da nach Norden ausgerichtet) die Bundesrepublik, in der Mitte die SBZ (sowjetisch-besetzte Zone) und rechts die besetzten Ostgebiete. Das Motto der Parteien: 3 geteilt? – niemals! Damals war die Wirklichkeit eine andere und erst unter Willy Brandt wurde die eigentliche Realität dann ‘im Westen’ akzeptiert, auch wenn die Bild-Zeitung weiterhin unbeirrt DDR in Anführungszeichen schrieb (immerhin schrieb man schon DDR und nicht mehr SBZ).

Unteilbares Deutschland

drei geteilt - niemals

Zu Zeiten dieser Dreigeteiltheit nannte man den mittleren Teil Deutschlands auch gern Mitteldeutschland. Erst viel später wurde das in Ostdeutschland ‘umgetauft’ und seit 1990 spricht man dann bekanntlich von den ‘neuen Bundesländern’. Wie sich geographische Begriffe ändern können. Nur durch einige Vertriebenenverbänden kann man irritiert werden, wenn diese von Ostdeutschland sprechen und damit u.a. Schlesien meinen (nur liegt Schwerin nicht in Schlesien – wenn beide auch in Ostdeutschland liegen?!).

Nun heute ist unser, Deutschlands Nationalfeiertag. Und wir feiern die deutsche Einheit oder Wiedervereinigung oder Dreieinigkeit oder wie oder was …? Feiern wir eben …!

Laufen und saufen statt joggen und bloggen?

Neben meiner Bloggerei jogge ich in meiner Freizeit einwenig, um nicht ganz zu verrosten. Im Sommer kommt natürlich Schwimmen hinzu. Ich habe davon vor einiger Zeit kurz berichtet (Bloggen und Joggen). Weit über zehn Kilometer am Stück bin ich aber bisher nicht gekommen. Marathonläufe (hier eine Liste von Marathonläufen) liegen für mich also in weiter Ferne. Darin hält sich mein Ehrgeiz in Grenzen.

    Meine Ex-Treter: 2500 km mit diesen Tretern

Das hält mich aber (als Blogger) nicht davon ab, auf Marathon-Läufe der besonderen Art hinzuweisen. Unter dem Titel Laufen unter Extrembedingungen (siehe zdfportal) gibt es da einige Läufe, die sicherlich besonders hervorstechen.

Wenn, dann wäre vielleicht der Marathon du Medoc für mich ganz interessant: Beim feuchtfröhlichsten Wettrennen der Welt, dem Marathon du Medoc, müssen die Sportler nicht nur die 42 Kilometer der Marathonstrecke bewältigen, sondern gleichzeitig möglichst viel Wein trinken. Nach zehn Kilometern könnte ich ja das Rennen aufgeben (nicht das Trinken?!).

Hier die weiteren etwas außergewöhnlichen Marathon-Strecken:

Knast Marathon:
24 Runden um das Gefängnis der Justizvollzugsanstalt Darmstadt- für diesen außergewöhnlichen Wettkampf bereiten sich die Häftlinge ein Jahr akribisch vor. Eingeladen ist jeder der sich sportlich mit ihnen messen möchte.

Marathon du Sable:
Dieser 230 km lange Lauf in der marokkanischen Wüste mit bis zu 800 Läufern geht über Felsen-, Sand- und Flusslandschaften. Bei Temperaturen von 5 bis 40 Grad müssen die Sportler 6 Etappen in 7 Tagen absolvieren und dabei für persönliche Utensilien, wie Verpflegung und Schlafsack selbst tragen.

Untertage Marathon:
Extreme Bedingungen für die Läufer- bei einer Luftfeuchtigkeit von nur 30 Prozent ist der 5,27 km lange Rundlauf 700 Meter unter der Erde nichts für Unerfahrene. Mit einem Höhenunterschied von 110 Metern pro Runde und einem stark profilierten Gelände müssen die Teilnehmer einen Helm tragen.

Elbtunnel Marathon:
Zwischen Steinwerder und St. Pauli verlaufen die zwei Elbtunnelröhren in der alten Hamburger Unterführung, durch die die Läufer insgesamt 48 Runden bestreiten müssen.

Zermatt Marathon:
Die alpine Laufherausforderung: das ist der Marathon zwischen dem tiefsten Tal der Schweiz in St. Nikolaus und dem Riffelberg am Gornergrat, der mit etwa 2600 Meter über dem Meer einer der anspruchsvollsten Laufstrecken ist und zu den anforderungsreichsten Marathonläufen Europas zählt.

Nacktlauf in Bilbao:
Der Nudistenlauf, der sogenannte “Carrera Nudista de Sopelana” am Strand von Bilbao zieht vor allem FKK-Liebhaber an. Über den feinen Sandstrand von El Salvaje wird zwar hüllenlos auf der 5 km langen Strecke gejoggt -Schuhe, Sonnenbrille und Hut tragen jedoch die meisten von ihnen.

Flohmarkt in Tostedt 2012 – Töster Markt

Am Samstag, den 06.10., ist es im kleinen Tostedt – halbwegs zwischen Bremen und Hamburg – wieder soweit:

Der größte Flohmarkt Norddeutschlands ist ein absoluter Höhepunkt im regionalen Veranstaltungskalender. Die Aktion zieht nicht nur Besucher aus dem Umland an. Aussteller und Gäste kommen sogar aus dem benachbarten Ausland. Dänen, Holländer und Polen gehören seit vielen Jahren zum festen Bestandteil des Töster Marktes dazu. Rund 700 Aussteller bieten auf dem Flohmarkt auf ca. 6.580 Metern Standfrontfläche ihre Waren an.

Leider sind die Wetteraussichten nicht so gut wie im letzten Jahr – sogar Regen ist (bisher) angesagt. Trotzdem auf nach Tostedt …

Hier filmische Impressionen „aus dem Handgelenk“ vom Töster Markt 2011, wie man den Flohmarkt in Tostedt nennt – unter dem Motto: Ründ üm de Kark …


Filmische Impressionen vom Flohmarkt in Tostedt 2011

Flohmarkt in Tostedt - Töster Markt 2011/ Luftbild von Markus Lohmann www.gyrocopter-fly.de

Flohmarkt in Tostedt – Töster Markt
Bilder aus den Jahren 2001, 2004, 2006, 2007, 2009 und 2010

Götz von Berlichingen

Von Götz von Berlichingen wissen die meisten nur sehr wenig, obwohl ein Spruch von ihm in ‚aller Munde’ ist. Dieser wird auch kurz als das Götz-Zitat bezeichnet. Und in Richtung Süden wird der Spruch als schwäbischer Gruß geführt. Überliefert hat uns diesen Spruch kein anderer als Johann Wolfgang von Goethe in einem Stück mit der „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Dort sagt (bzw. antwortet) Gottfried:

    Mich ergeben! auf Gnad und ungnad! Mit wem redt ihr! Bin ich ein Räuber! Sag deinem Hauptmann vor ihro Kaiserlichen Maj[estät]. hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber sag s ihm, er kann mich im Arsch lecken.
    | : schmeißt das Fenster zu : |

aus: Johann Wolfgang von Goethe: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand – Dritter Aufzug

    Schwäbischer Gruß: LmaA

Apropos schwäbischer Gruß: Dort wird der Spruch nicht als direkte Aufforderung verstanden, sondern eher im Sinne von Überraschung oder auch, um ein Gespräch, das ins Stocken geraten ist, zu beleben. Unbedingt lesenswert ist die Interpretationshilfe bei de.wikipedia.org.

Dass Mozart (noch so ein Wolfgang!) den Spruch auch noch vertont hat (Wolfgang Amadeus Mozart – Leck mich im Arsch – KV 382c), wissen wir bereits aus einem früheren Beitrag von mir (leider sind nicht mehr alle dort aufgeführten Videos auch heute noch im Netz vorhanden).

Was bleibt mir da noch anders übrig für heute, als Euch allesamt zum Abschluss schwäbisch zu grüßen und allen ein schönes verbleibendes Wochenende zu wünschen: LmaA!

Eine Nacht in Rom (Room in Rome)

Eine Nacht in Rom (Originaltitel: Habitación en Roma) ist ein 2010 von Regisseur Julio Médem inszeniertes spanisches Erotikdrama, zu dem er auch das Drehbuch verfasste. In den Hauptrollen sind Elena Anaya und Natasha Yarovenko zu sehen.

Elena Anaya kennen wir bereits als Belén aus dem Film Lucía und der Sex (ebenfalls in der Regie von Julio Médem) und zuletzt aus Hierro – Insel der Angst.

    Eine Nacht in Rom (Room in Rome)

Zum Film Eine Nacht in Rom: Zwei junge, attraktive Frauen – die Spanierin Alba (Elena Anaya) und die Russin Natasha (Natasha Yarovenko) – begegnen sich an ihrem letzten Abend in Rom. Alba lädt Natasha auf ihr Hotelzimmer ein. Im Laufe der Nacht gehen sie zusammen auf eine körperliche Abenteuerreise, während sich ihre Seelen anfangen zu berühren. Am nächsten Morgen stehen beide vor der unausgesprochenen Frage: War dies mehr als nur ein unvergesslicher One Night Stand …?

aus: filmstarts.de


Room in Rome – Trailer Deutsch (Ofizieller Trailer) 2010

Was sich zunächst wie nach einen dieser vielen öden Softpornos anhört, ist eines der poetischsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe (vielleicht „Lucía und der Sex“ ausgenommen, aber der Film stammt ja auch von Julio Médem). Es ist ein erotisches Kammerspiel von sommerlicher Leichtigkeit. „Dass sie [die beiden Frauen] fast die ganze Zeit nackt sind und sich wiederholt lieben, wirkt im Halbdunkel des Raums weder exhibitionistisch noch voyeuristisch und wird von der Kamera dezent wiedergegeben.“ (Quelle: dieterwunderlich.de)

Es ist „ein mit leichter Hand inszenierter erotischer Film über die Lust des Augenblicks und die Angst emotionaler Verbindlichkeit.“ (Quelle: 3sat.de) Es geht um Intimität und Identität, um die Frage, wie viel ich bereit bin, von mir selbst preiszugeben. Wie weit traue ich mich in einem intimen Moment mit einem Menschen, der mir auf Anhieb sympathisch ist? Médem thematisiert Fragen unserer Existenz auf leichte, dabei immer auch hintergründige Art.

Einen weiteren spanische Filme mit Elena Anaya werde ich mir wohl in den nächsten tagen anschauen. Es ist der neueste Film von Pedro Almodóvar: Die Haut, in der ich wohne – u.a. mit Antonio Banderas.

Nicht amazon.de allein … Oder: Wie kündige ich ein Amazon-Konto

Haben Sie schon etwas bei amazon.de in den Warenkorb gelegt, ein größeres Teil, und dann aus dem Adressbuch mit „An diese Adresse verschicken“ eine (meist ist es ja nur eine) Adresse ausgewählt, um zu erfahren:

    Bei Ihrer Bestellung ist ein kleines Problem aufgetreten (siehe unten).
    Dieser Artikel kann leider nicht an den von Ihnen gewünschten Ort versandt werden. Sie können entweder die Versandadresse ändern oder den Artikel aus Ihrer Bestellung löschen, indem Sie die Stückzahl auf 0 setzen und anschließend auf „Aktualisieren“ klicken.

Ich habe spaßeshalber eine neue Adresse meinem Adressbuch zugefügt und dann diese ausgewählt. Da hätte ich problemlos bestellen können. Nur hätte dann meine Schwiegermutter die Ware in Empfang nehmen müssen.

Amazon.de muss ein Problem mit meiner Adresse haben. Es liegt wohl daran, dass ich zwei Konten bei amazon.de habe – und seit Neuestem (aus bestimmten Gründen) auch meine Frau. Kleinere Bestellungen funktionieren wohl noch, aber keine Bestellungen von größeren Teilen (Heimkinosystem, TV-Gerät), selbst wenn diese von amazon.de direkt geliefert werden (und nicht über Drittanbieter, die es inzwischen auch reichlich bei amazon.de gibt).

    amazon.de

Warum amazon.de mir an meine Adresse nicht liefern kann, habe ich angefragt. Das dürfte wahrscheinlich nur sehr diffizil zu beantworten sein. Es kann nicht daran liegen, dass ich erst vor kurzem ein ähnliches Teil zurückgesendet hatte. Inzwischen habe ich das gewünschte Teil anderweitig zum gleichen Preis gekauft.

Jetzt habe ich versucht, ein Konto von mir bei amazon.de zu löschen. Nur wie und wo finde ich den ‚entscheidenden’ Button, der mein Konto unwiderruflich schließt (aus kaufmännischen Gründen ist ein schnelles Löschen wohl nicht möglich, wenn bereits Bestellungen abgewickelt wurden, z.B. wegen Garantieansprüchen usw.). Um ein Konto zu schließen, rufe man zunächst die „Hilfe“ auf und gebe über Hilfeseiten durchsuchen: „Konto löschen“ ein. Ein Link führt dann zu Hinweisen zum Thema: Konto schließen. U.a. steht dort:

    Möchten Sie Ihr Konto bei uns schließen, setzen Sie sich bitte mit unserem Kundenservice in Verbindung. Rechts sehen Sie die Box „Hilfe zur Selbsthilfe“ – klicken Sie dort einfach auf den Schaltknopf „Kontaktieren Sie uns“.

Eine direkte Auswahlmöglichkeit „Ich möchte mein Konto bei Ihnen schließen“ gibt es natürlich nicht. Man klickt sich also irgendwie durch und gibt dann am Ende unter „Zusätzliche Informationen eingeben:“ einen Text ein, der verdeutlich, dass man ‚sein Konto schließen/löschen’ möchte und verschickt die Nachricht z.B. per E-Mail. Ich schrieb:

Ich möchte mein Konto bei Ihnen schließen
Bemerkungen: Ich habe ein 2. Konto bei Ihnen, dass ich endlich schließen, also löschen möchte. Warum machen Sie es einem dazu so schwer?

Ziemlich schnell kam eine Antwortmail mit vielen erläuternden Hinweisen, die ich hier nur z.T. wiedergebe:

    Guten Tag,
    vielen Dank für Ihr Schreiben an Amazon.de.
    Ihren Entschluss akzeptieren wir selbstverständlich.
    Ein Hinweis: Sobald Ihr Konto geschlossen ist, ist kein Zugriff mehr möglich auf:
    – Ihr Kundenkonto für Online-Einkäufe bei Amazon.de
    – Ihr Verkäuferkonto für die Plattform Amazon.de Marketplace
    – Ihr Konto beim Amazon.de Partnerprogramm (falls ein solches Konto besteht)
    Möchten Sie Ihr Konto dennoch schließen, geben Sie uns doch kurz Rückmeldung über den folgenden Link:
    Bitte klicken Sie für Ihre Antwort an uns gleich hier:
    https://www.amazon.de/
    xxxxx

Zuletzt erfolgen Hinweise zu den Cookies, die amazon.de auf dem Rechner hinterlegt hat und deren Löschung. Usw. usf. Dann stand da noch:

    Unser Ziel: das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein.

Ziel verfehlt …?!

Nun ich habe den Link aufgerufen und durfte nochmals meinen Namen und meine Mailadresse eingeben. Zusätzlich schrieb ich, dass ich mein Konto gern schließen möchte.

Amazon.de hat sicherlich seine Vorteile. Die Bestellung geht einfach, die Lieferung erfolgt durchweg schnell. Reklamationen und Rücksendungen lassen sich auch sehr einfach abwickeln. Die Palette der angebotenen Waren ist inzwischen sehr groß geworden und wird vornehmlich durch Drittanbieter gedeckt, was kein Nachteil sein muss. Allerdings ist amazon.de (und die Mutter amazon.com) zu einer Krake geworden, die über unendlich viele Daten verfügt und gerade im Warenhandel eine Art Monopol aufgebaut hat. Natürlich kann sich jeder Anbieter bei amazon.de anmelden und dort seine Ware verkaufen. Und viele machen das längst (als weiteres Standbein sozusagen), um nicht ganz von amazon.de vom Markt verdrängt zu werden.

Weil ja meine Ware nicht geliefert werden kann, habe ich diese woanders geordert. Und es zeigte sich mir, dass es natürlich doch noch viele andere Händler gibt, die ihre Waren zu ordentlichen Preisen anbieten. Ich will hier nichts unbedingt empfehlen, aber z.B. über testsieger.de kommt man an eine Vielzahl von Waren aus dem Elektro- und Elektronikbereich usw. und damit auch an viele Händler.

Innerhalb von 24 Stunden sind dann auch die Antworten von amazon.de eingetroffen. Also schnell. Mein zu löschendes Konto ist tatsächlich inzwischen nicht mehr aufrufbar. Zum ‚Lieferstopp’ lautete die Antwort:

    Guten Tag,
    es tut mir leid, dass es hier zu Schwierigkeiten kam.
    Ich habe versucht mit der gleichen Adresse diese Bestellung aufzugeben bekam zwar einen Korrekturvorschlag, aber es gab ansonsten keine Probleme.
    Ich kann also leider nicht feststellen, woher die Probleme bei Ihnen resultieren.
    Sollte dies wiederholt auftreten, bitte ich Sie uns während der Bestellung telefonisch zu kontaktieren.
    Ich wünsche einen schönen Abend.

Tatsächlich scheint es jetzt zu klappen. Ich habe allerdings zuvor auch alle Cookies auf meinem Rechner gelöscht. Vielleicht ist er dadurch ins Straucheln gekommen (immerhin hatte ich mit mehreren Amazon-Konten ‚gearbeitet’).

‚Die Toten Hosen’ wird’s freuen

Nach dem 5. Spieltag in der Fußball-Bundesliga kann man sagen: Jeder kann gegen jeden gewinnen – nur nicht gegen die Bayern. Und so wundert ’s eigentlich schon keinen, wenn es den Aufsteigern Eintracht Frankfurt und der Fortuna aus Düsseldorf gelingt, vorn mitzumischen. Die Toten Hosen aus Düsseldorf als prominenteste Fans der Fortuna dürften erfreut sein, zumal die Düsseldorfer nach fünf Spieltagen noch ohne Gegentor sind (irgendwie ist das sogar ein Rekord). Aber das wird sich natürlich alles noch zurechtrücken. Vorn weg allerdings jetzt schon die Bayern. Mit über 70 Millionen Euro haben sie allerdings auch weit überdurchschnittlich in neue Spieler investiert (allein für Javi Martínez wurden bekanntlich 40 Millionen € gezahlt). Ein Misserfolg wäre verheerend.

Auf zu neuen Ufern?

Was ist indem mit Werder? Nach ersten guten Spielen, bei denen allerdings wichtige Punkte liegengeblieben sind (schon in Dortmund bei der 1:2-Niederlage war mehr drin – dann das unglückliche 2:3 in Hannover – und zuletzt zu Hause gegen Stuttgart das dann schon fast glückliche 2:2 trotz 2:0-Führung zur Halbzeit), gab es gestern einen wenig verdienten, dafür aber clever erspielten und hart erkämpften ‚Dreier’ in Freiburg. Zumindest stimmte es diesmal mit der Effektivität. Mit diesem 2:1-Sieg ist der Anschluss an die Spitze wenigstens nicht schon frühzeitig abgebrochen (Platz 7 gleich hinter dem Meister Dortmund). Aber am Samstag kommen die bisher siegreichen Bayern. Da kann schnell Boden wieder verloren gehen. Hannover 96 bleibt auf jeden Fall weiterhin die Nummer Eins im Norden.

Einige Worte zu Tim Wiese, der glaubte, in Hoffenheim sein Glück zu finden: Er hat auch schon in Bremen öfters die Bude voll gekriegt. Aber jetzt in Hoffenheim erlebt er sein Waterloo – in den ersten vier Pflichtspielen 15 Tore und zudem miese Noten zu kassieren, ist schon bitter. Aber kaum verletzt und durch Koen Casteels ersetzt, können die Kraichgauer doch noch gewinnen. Der Wechsel in das Fußballdorf war nicht die beste Wahl, guter Tim.

Wohin geht also die Reise? Die Bayern sind ganz klar vorn. Natürlich werden auch sie Punkte verlieren (vielleicht schon am Samstag in Bremen, das wäre schön und würde den kleinen Willi erfreuen). Aber sie sind ganz eindeutig Meisterschaftsfavorit Numero Eins. Dahinter positionieren sich bereits die üblichen Verdächtigen: Hannover 96, Schalke und Dortmund. Denen folgen Werder, Leverkusen und schon mit Abstand Mönchengladbach, denen nach der letzten guten Saison etwas die Luft ausgegangen ist. Abstiegskandidaten gibt es auch schon mit der SpVgg Greuther Fürth, dem FC Augsburg – und dem VfB Stuttgart, der zwar zurecht auf seinen Nachwuchs setzt, was aber allem Anschein nach dann doch etwas zu wenig ist (ein Abgang wie der von Julian Schieber wurde nicht gleichwertig ersetzt). Auch Mainz und Freiburg sind gefährdet. Der Rest dümpelt wie gewohnt im Mittelfeld herum.

Hierro – Insel der Angst

Auf 3sat lief im Rahmen der Spielfilmreihe „Emoción – Neues spanisches Kino“ der 2009 in der Regie von Gabe Ibáñez gedrehte Film: Hierro – Insel der Angst. Ich gestehe, dass ich allein schon wegen Elena Anaya, die die Hauptrolle spielt, den Film gesehen habe. Elena Anaya kennen wir als Belén aus dem Film Lucía und der Sex (Regie: Julio Médem).

    Hierro – Insel der Angst

„Die alleinerziehende Mutter Maria reist mit ihrem Sohn Diego zu der Kanareninsel El Hierro. Während der Schiffspassage verliert sie den Jungen kurz aus den Augen, und plötzlich ist er nicht mehr aufzufinden. In Panik durchsucht sie das Schiff, aber ohne Erfolg. Auch die Polizei auf der Insel kann ihr nicht helfen. Diego bleibt verschwunden. Gebrochen und verzweifelt kehrt Maria zurück. An ein normales Leben ist nicht mehr zu denken – bis sich die Polizei bei ihr meldet: Ein Junge in Diegos Alter wurde tot aufgefunden. Noch einmal reist Maria nach El Hierro, doch der tote Junge ist nicht Diego. Maria beginnt eine verzweifelte Suche nach der Wahrheit, die immer mehr zum Albtraum wird als sie merkt, dass auch die schroffen Inselbewohner ihr feindlich gesinnt sind.“

Quelle: 3sat.de

Im Mittelpunkt des Films Hierro – Insel der Angst (der deutsche Titel ist ziemlich unpassend) – hierzu der Trailer – steht eine junge Frau auf der Suche nach ihrem Sohn – und die Insel El Hierro selbst, die kleinste der Kanaren. Es ist besonders und gerade die eigenwillige Naturkulisse der Insel, die für eine eher bedrückende Atmosphäre, für die düstere Grundstimmung des Films sorgt. Die spärliche Pflanzenwelt und das dunkle Lavagestein vermitteln den Eindruck, am Ende der Welt angekommen zu sein. Man vermutet sich auf einer einsamen Insel des Nordens. Diese Atmosphäre, die visuelle Kraft der Landschaft ist die Essenz des Films, in dem selten ein Wort fällt. „Stattdessen wird eine verzweifelte und aufreizende Elena Anaya durch eine experimentierfreudige Kamera in Szene gesetzt.“ (Quelle u.a. horrorpilot.com)

Obwohl der Film oft die Stilmittel des Horrorfilms benutzt, ist es ein sehr realer Film und alles andere als ein Mystery-Film. Er ließe sich vielleicht unter der Rubrik psychologischer Thriller einordnen, wobei Thriller schon wieder übertrieben wäre. Die Hauptperson des Films ist Maria (Elena Anaya) und als Zuschauer ist man ständiger Begleiter von ihr. Wie sie, so erlebt man die Ereignisse aus ihrer eigenen, sehr subjektiven Sicht. Dabei vermischen sich immer wieder Realität und (Wunsch-)Traum, bis auch für den Beobachter die Grenzen verschwimmen.

Das spurlose Verschwinden einer Person, besonders das eines Kindes, ist sicherlich kein neues Filmthema. Die Auflösung des Falles mag zunächst verwirren, hängt aber unmittelbar mit der Sicht der Dinge der suchenden Frau zusammen, bei der das Wunschdenken die Wirklichkeit überlappt. Neben den Bildern von der Insel ist gerade diese bereits angesprochene Subjektivität des Betrachtens, die auf den Zuschauer übertragen wird, das wesentliche Element des Films. Ich hoffe, damit insgesamt nicht zuviel vom Ende verraten zu haben.

Ich bin kein ausgesprochener Freund von Mystery- und Horrorfilmen. Unter diesen Genres wurde der Film mangels genauerer Zuordnung durch einige Kritiker eingeordnet. Dem habe ich widersprochen. Mir hat der Film eben durch die angesprochenen Komponenten gut gefallen. Zum einen fand ich die Bilder von der Insel El Hierro (ich habe ein besonderes Verhältnis zu Inseln) sehenswert, wenn sie vielleicht auch kaum als Werbefilm für die Insel geeignet erscheinen. Zum anderen ist es das sich eigentlich zunächst unbewusste Hineinversetzen in eine andere Person ein suggestives Moment, der einen gefangen hält.

Übrigens: Ich habe noch zwei weitere spanische Filme mit Elena Anaya in petto. Zum einen ist es ein erotisches Kammerspiel in der Regie von Julio Médem: Eine Nacht in Rom. Zum anderen ist es der neueste Film von Pedro Almodóvar: Die Haut, in der ich wohne – u.a. mit Antonio Banderas. Dazu später mehr.

Tostedt: Ein Freibad für ein Parkhaus (Teil 2)

Keine Angst – es wird weiterhin das Freibad in Tostedt geben: Bürgerwille hat die Politik zum Einlenken veranlasst. Auch der Herr Samtgemeindebürgermeister Dirk Bostelmann (CDU) ‚bekennt’ sich, wenn auch mit innerlichem Widerwillen, zum Freibad. Aber ein Parkhaus wird es auch geben – und einen neuen Kindergarten gleich neben dem Jugendzentrum. Von Freibädern, Parkdecks & HVV-Tarifen, von Kitas und S-Bahnlinien bis Tostedt – könnte mein Beitrag auch gut lauten, denn irgendwie ist in Tostedt zum einen die Baulust ausgebrochen, zum anderen möchten bestimmte Landkreispolitiker Tostedt via S-Bahn noch etwas näher an Hamburg heranführen. Da kommt die satte Fahrpreiserhöhung zum neuen Jahr gerade recht: die HVV erhöht kräftig um durchschnittlich 3,5 % die Preise – gerade wegen besonders im Landkreis Harburg deutlich gestiegener Fahrgastzahlen ist das ein Unding.

Freibad Tostedt – Postkarte aus den 60er Jahren

Nun ums Freibad gab es lange ein großes Trara mit Bürgerbefragung usw. Zwar soll das Freibad weiterhin bestehen bleiben, aber die eigentliche notwendige Sanierung ist auf die lange Bank geschoben. Vorerst werden lediglich die nur unbedingt notwendigen Instandhaltungsarbeiten durchgeführt, mehr nicht. Dafür gab es um das Parkhaus direkt am Bahnhof keinen Protest. Der Deutschen liebstes Spielzeug ist und bleibt eben das Auto! Und dafür tut man alles … Die Verwaltung schätzt die Gesamtkosten des Projekts auf 4,1 Millionen Euro, die über Fördergelder der niedersächsischen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) mit 2,2 Millionen Euro mitfinanziert werden sollen (übrigens auch unsere Steuergelder!). Der Förderantrag ist gestellt. So darf der Tostedter Steuerzahler immerhin noch 1,9 Millionen Euro für ein Projekt aufbringen, dass vor allem auch Nichttostedtern zugute kommt.

Hierzu schrieb ich bereits: „Die Engpässe bei den vorhandenen PKW-Stellplätzen ist übrigens vor allem eine Folge der HVV-Erweiterung bis Tostedt. Viele auswärtige Pendler, die früher in Lauenbrück, Scheeßel oder gar Rotenburg zustiegen, nutzen heute u.a. die kostengünstige ProfiCard des HVV, die allerdings erst ab Tostedt gültig ist. So kommen diese mit dem Auto nach Tostedt, um hier in den Metronom einzusteigen. Es sollten daher andere Lösungen bedacht werden als die, Tostedt mit Parkhäusern einzudecken.“

Bedenkt man dabei, dass vorgesehen ist, das Parkhaus kostenlos zur Verfügung zu stellen, während bei einer wirklichen Sanierung des Freibades dort Eintrittsgelder verlangt werden sollen, dann sträuben sich mir die Nackenhaare.

Wie in Buchholz so sollten auch in Tostedt Parkgebühren erhoben werden. Und bei den Fahrpreiserhöhungen des HVV könnten feinere Unterschiede gemacht werden; z.B. sollte man endlich die Proficard ‚herunterfahren’. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn Fahrgäste mit Proficard bis zu 800 € im Jahr gegenüber normalen Abo-Kunden an Fahrkosten sparen.

    Herr Schönecke und der ‚metronom’

Und dann gibt es im regelmäßigem Abstand die Forderungen nach einer Erweiterung der S-Bahn bis Tostedt und Lüneburg (zuletzt im Wirtschaftsausschuss des Landkreises).Während der CDU-Mann Heiner Schönecke auf Wolke sieben zu entschweben scheint, wenn es um das Thema geht, halten andere das Ganze einfach für Mumpitz auf Schienen. Dem kann ich mich nur anschließen, solange eine S-Bahnverbindung bis nach Tostedt kein eigenes Gleisbett hat. Und hierzu wird es allein aus finanziellen Gründen nicht kommen. Bereits heute muss sich der Metronom in das sehr schmalen Zeitfenster zwischen Güter- und Fernverkehr Richtung Ruhrgebiet quetschen. Und als schwächstes Glied in der Kette muss er warten, wenn z.B. ein IC Verspätung hat. Zudem macht eine S-Bahn nur Sinn, wenn mehr Haltepunkte als bei der Regionalbahn angesteuert werden. Das wiederum verlängert die Fahrtzeit, was kein Fahrgast wirklich will (Carsten-Wilm Müller, Professor an der Hochschule Bremen und Lehrbeauftragter für Eisenbahnwesen an der TU Harburg).


Bahnverkehr in Tostedt

Und dann wurde im Gesamtgemeinderat Tostedt mit deutlicher Mehrheit ein rund 2,5 Millionen teurer Kita-Neubau beschlossen. Die Grünen bezweifeln den Bedarf. Außerdem ist die Wahl des Standorts ein Streitpunkt. Während SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Feindt sagte, der Neubau zwischen Jugendzentrum, Turnhalle und Grundschule sei so etwas wie ein I-Tüpfelchen, ist Burkhard Allwardt (fraktionslos) der Auffassung, der bislang geschützte freie Raum für Schüler und Jugendliche werde mit dem Neubau erheblich eingeschränkt. Ein tolles I-Tüpfelchen, Herr Feindt. Konflikte sind vorprogrammiert.

Ja, Kommunalpolitik kann spannend sein. Dass man es nicht jedem recht machen kann, ist mir klar. Aber ich finde es schon ‚überraschend’, wenn z.B. der Samtgemeindebürgermeister Parkhäuser aus dem einen Ärmel schüttelt, während er Freibäder am liebsten mit dem Sand aus dem anderen zuschütten möchte. Auf welch wackeligem Grund dann ein Parkhaus stehen kann, wird sich vielleicht schon nach der kommenden Fahrpreiserhöhung und vielen weiteren Verspätungen im öffentlichen Personennahverkehr zeigen, wenn viele Pendler wieder ihr Auto aus der Garage holen. Sicherlich ist es sinnvoll, den Pendler von der Straße zu holen. Aber dann muss es aus allen Richtungen stimmen. Dann kann man nicht utopische, da unbezahlbare oder nicht durchführbare S-Bahnpläne entwickeln und Parkhäuser bauen und gleichzeitig das Ganze durch satte Preiserhöhungen torpedieren.