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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Mit Drang nach vorn

Es ist lange her, dass die Fußballbundesligamannschaft des SV Werder Bremen einen ‚Blumentopf’ gewonnen hat. Und wenn es auch nur eine etwas bessere Vase ist: Am Wochenende gewann Werder in Hamburg den Liga total!-Pokal und das gegen nicht Geringere als die Bayern aus München und den Double-Gewinner Borussia Dortmund.

Werder Bremen nach dem Gewinn des Liga total!-Pokals 2012
© Getty Images

Natürlich soll und kann man die beiden Siege, die jeweils erst im Elfmeterschießen erzielt wurden, nicht überbewerten. Es ging in beiden Spielen mit einer besseren B-Mannschaft gegen andere bessere B-Mannschaften. Aber eines war unverkennbar: In der neu aufgestellten Mannschaft der Bremer steckte viel Spiellaune. Der Wille, etwas zu erreichen, war kaum zu übersehen. Es machten den Jungs sichtlich Spaß, den Großen der Bundesliga ein Bein zu stellen. Was noch fehlt, dass ist der letzte Schliff.

Und da im Sturm aktuell nur die Leihgabe Nils Petersen (23) und der Youngster Niclas Füllkrug (19) zur Verfügung stehen, kündigt Manager Klaus Allofs an, die Mannschaft mit einem weiteren Stürmer verstärken zu wollen.

Werder hat am Wochenende gezeigt, dass die Mannschaft an eine alte Tugend anschließen möchte und ihr Heil im Spiel nach vorn sucht. Allerdings muss die Abwehr noch besser zu sich finden, denn es gab zu viele, teilweise sogar eklatante Fehler. Nach vorn hui, in der Abwehr pfui (auch das kennt man aus alten Tagen bestens)! Insgesamt machte der Auftritt der Bremer in Hamburg aber doch gute Laune – und man darf gespannt sein, wie der Saisonauftakt verlaufen wird.

London Calling (7): Hitchcock lässt grüßen

Gibt es eigentlich inzwischen ein ‘amtliches’ Endergebnis zum Siebenkampf der Frauen bei den Olympischen Sommerspiele 2012 in London? Was sich da gestern dank inkompetenter Sportfunktionäre beim letzten Wettkampf, dem 800-m-Lauf, beim Siebenkampf der Frauen abspielte, war krimireif.

Angeblich soll die 28-jährige deutsche Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf beim abschließenden 800-m-Lauf ihre Bahn verlassen haben und wurde so disqualifiziert. Am Ende stellte sich heraus, dass nicht sie es war, sondern die Russin Kristina Sawizkaja, die auf die weiße Bahnbegrenzung gelaufen war. Und so konnte Lilli Schwarzkopf am Ende doch noch ihre wohlverdiente Silbermedaille im Empfang nehmen. Übrigens: Die Russin wurde nicht disqualifiziert (oder doch? Ist ja auch egal!).

    Olympia London 2012

Das war dann auch schon die zweite Silbermedaille bei den Leichtathleten, die seit Freitag ihre Wettbewerbe austragen. Mit persönlicher Bestleistung errang der Welt- und Europameister David Storl im Kugelstoßen den zweiten Platz. Ansonsten gingen deutsche Medaillenhoffnungen (Diskuswerfen der Frauen, Weitsprung der Männer) leider leer aus.

Am Freitag gab es dann noch eine Goldene im Rudern im Doppelvierer, die eine beeindruckende Leistung zeigten und mit einer Länge Vorsprung vor den favorisierten Kroaten siegten. Und Andreas Tölzer holte im letzten Judowettbewerb (Männer über 100 kg) noch eine weitere bronzene Medaille für die deutsche Mannschaft.

Inzwischen sind auch die Schwimmwettbewerbe beendet, die für die deutsche Mannschaft eine absolute Pleite wurden. Nicht eine Medaille errangen die deutschen Schwimmer. Was da Britta Steffen, Paul Biedermann und Co. ablieferten, war die schlechteste Leistung seit vielen Jahrzehnten. Teilweise kamen die Athleten nicht ansatzweise an ihre bisherigen Leistungen heran. Da muss sich der Schwimmverband fragen lassen, was da verkehrt gelaufen ist.

Und auch den Sportschützen ging es bisher nicht besser. Nicht dass ich mich unbedingt für Medaillen aus dem Schießsport begeistern könnte. Aber dieses kollektive Versagen sollte Konsequenzen im Bereich Sportförderung haben.

Hier die Nationenwertung

Heute nun um 22 Uhr 50 MESZ gibt es einen weiteren Höhepunkt dieser 30. Olympischen Spiele, denn Endlauf über 100 m der Männer. Im Mittelpunkt: Usain Bolt. Wer soll ihn schlagen, wenn nicht er sich selbst wie bei der WM 2011, als er einen Fehlstart verursachte und disqualifiziert wurde, schlägt.

Alle bisherigen olympischen Endläufe über 100 m Männer seit 1972: Die schnellsten Männer der Welt

Weiterer neuer Wind im Werder-Segel

Heute nur kurz etwas aus London zu den Olympischen Spielen. Gestern war Bronzetag für das deutsche Team. Bronze im Judo der Herren bis 100 kg durch Dimitri Peters aus Rotenburg/Wümme (also ganz aus meiner Nähe), Bronze im Tischtennis Einzel der Männer durch Dimitrij Ovtcharov (ja, diese Dimitri(j)s) und Bronze im Teamsprint Bahnradfahren der Männer. Als I-Tüpfelchen gab es dann noch Gold bei den Frauen im Teamsprint, was eigentlich eine Bronzene hätte sein sollen, wären nicht im Vorlauf die britischen Frauen und dann im Finale die Chinesinnen wegen Wechselfehler ‚zurückgestuft’ worden. Rein sportlich wäre es eben nur Bronze geworden.

Die neue Fußballsaison rückt näher und manche Mannschaft begibt sich bereits an diesem Wochenende in die Startlöcher: Am Samstag, den 4. August, tritt Werder zum ersten halbwegs ernsthaften Kick an, dann wartet beim Liga-total-Cup in Hamburg der FC Bayern München. Man möchte gern wissen, wo man bereits steht … Die Frage ist besonders bei den Fans in Bremen berechtigt.:

Damit der Umbruch beim SV Werder, dem Fußball-Bundesligisten, nicht zum Schiffbruch wird, hat Manager Klaus Allofs jetzt den jungen Belgier Kevin de Bruyne verpflichtet, den man auf den Außenbahnen (sowohl links wie rechts), wohl aber als ’10-er‘ (Spielmacher) trotz der Rückennummer ‚6‘ einzusetzen gedenkt. Bis zuletzt hat Allofs den Wechsel nicht bestätigen wollen. Doch die Eckdaten standen längere Zeit fest: De Bruyne wird für ein Jahr (ohne Kaufoption) geliehen und kostet 1,3 Millionen Euro (1 Mio Pfund) Gebühr. Gestern wurde es nun amtlich: De Bruyne wurde den Medien vorgestellt. Seine ersten Einsätze wird der offensive Mittelfeld-Mann am Wochenende beim Liga-total-Cup in Hamburg feiern können.

Mit einem Marktwert von neun Millionen Euro ist de Bruyne für Werder zu teuer. So hat man wohlweislich auch auf eine Kaufoption beim Leihvertrag verzichtet. Aber ob es wirklich so sinnvoll ist, einen Spieler für nur eine Saison zu verpflichten, mag jeder selbst beurteilen.

SV Werder Bremen: Umbruch oder Schiffbruch?

Apropos Umbruch: Eingeleitet wurde der Umbruch auch dadurch, dass die Spitzenverdiener den Verein verließen, um so die Gehälter doch um einen großen Teil zu reduzieren. Zuletzt hat leider auch Naldo die Kurve gekratzt und spielt jetzt bei den Wolfsburgern. Sandro Wagner, der bereits ausgemustert war, findet bei dem Bundesligaabsteiger Hertha BSC ein neues Betätigungsfeld.

Allerdings dürfte der Neue, Kevin de Bruyne, wieder ein neues Loch in Werders Kassen reißen (Gebühr und anstehendes Gehalt).

Bleibt noch eine Frage: Kommt das junge Talent des KSC, Hakan Calhanoglu, nun zu Werder Bremen oder nicht? Die Vereine sind sich über die Ablösesumme alles andere als einig. Der KSC fordert wohl über 3 Millionen Euro. Für einen so jungen Spieler ist das für Herrn Allofs, Talent hin, Talent her, einfach zu viel Geld. Aber was noch nicht ist, kann ja dann im nächsten Jahr vielleicht werden ….

Es hat sich also einiges beim SV Werder getan. Mancher Platzhirsche ist entschwunden, da scheint es tatsächlich so zu sein, als käme ein bisschen Spaß bei der Mannschaft auf. Solange man keine Dresche bekommt (morgen am Samstag wäre gegen die Bayern dazu die erste Möglichkeit ;-)), sollte die gute Stimmung anhalten. Schön wäre es, wenn diese auch am Saisonende einmal wieder vorhanden wäre. Dann könnte man sich manch dumme Entschuldigung ersparen. Also auf nach Hamburg und ziehen wir den Bayern die Lederhosen aus …

London Calling (6): Silberstreif am Horizont

Gestern gab es ohne Zweifel mit dem Gold des Deutschland-Achter im Rudern aus deutscher Sicht einen der Höhepunkt bei den Olympischen Sommerspiele 2012 in London. Es war ein hart umkämpfter Sieg, denn die Briten hielten lange dagegen, brachen erst kurz vor dem Ziel ein, was die Kanadier nutzten, um an ihnen noch vorbeizuziehen. Anspruch und Leistung deckten sich also. Den Erfolg der ersten Ruder-Finals machte der Doppelvierer der Frauen mit Silber perfekt.

Olympia 2012 London: Gold für den Deutschland-Achter (Rudern)

Apropos Silber: Gestern war ein silberner Tag, denn insgesamt erzielten die deutschen Sportler fünf Silbermedaillen. Neben dem Ruderdamen waren es nicht unbedingt ‚erwartete’ Erfolge. Am überraschesten ist wohl das Silber im Mehrkampf Turnen der Männer durch Marcel Nguyen. Und er hat in den Einzelwettbewerben Chancen auf weiteres Edelmetall. Fabian Hambüchen patzte zweimal und enttäuschte.

Unerwartet ist auch die Silbermedaille durch Kerstin Thiele im Judo der Frauen bis 70 kg. Im Endkampf hatte sie dann aber keine Chance.

Und dann gab es gestern noch das Einzelzeitfahren im Radsport – sowohl bei den Frauen wie bei den Männern. Und sowohl bei den Frauen durch Judith Arndt als auch bei den Männern durch Tony Martin wurde … Silber gewonnen. Tony Martin musste sich nur den britischen Tour-de-France-Gewinner Bradley Wiggins geschlagen geben.

    Olympia London 2012

Nun kann man philosophieren, was so ein zweiter Platz Wert ist. Fragen wir die Fußballspieler des FC Bayern München (dreimal wurden sie in dieser Saison nur ‚zweiter Sieger’, sowohl in der Meisterschaft wie im Pokal und der Champions League), dann wird man in wenig glückliche Gesichter schauen. Silbermedaillengewinner sind als Zweitplatzierte nun einmal auch Verlierer. Der ‚Anspruch’, den man sich zuvor gestellt hat, spielt sicherlich die Hauptrolle. Wer (wie die Bayern) nur den Sieg gelten lässt, wird sich als Zweiter eben vorrangig als Verlierer fühlen. Wer aber alles gegeben hat und dann überraschend so weit vorn liegt, wird eine silberne oder bronzene Medaille als Gewinn empfinden. Mir würde es genügen, nur der zweitreichste Mann der Welt zu sein.

Außerdem gab es gestern noch durch Hannes Aigner im Kajak-Einer Kanu-Slalom (Wildwasserslalom) eine Bronzemedaille.

Und dann waren da ja noch die Schwimmer, die wiederum komplett enttäuschten, hätte nicht wenigstens Markus Deibler als Neunter über 200 m Lagenschwimmen durch den Startverzicht des achtplatzierten Südafrikaners Chad le Clos doch noch den Endlauf heute erreicht. Was haben die Schwimmer nur falsch gemacht. Fragt man die Schwimmer, verweisen sie auf die Trainer, die aber auch keine Antwort wissen.

Übrigens die gestern angesprochenen Badminton-Spieler, die versuchten, ihre Spiele zu verlieren, um eine bessere Ausgangsposition in der K.o-Runde zu haben, sind disqualifiziert worden.

Hier die Nationenwertung

Heute gibt es 18 Entscheidung, u.a. geht es weiter mit Ruderentscheidungen und den ersten Bahnradwettbewerbe. Spannend wird es im Halbfinale im Tischtennis der Männer nach dem frühen Ausscheiden von Timo Boll: Dort trifft Dimitrij Ovtcharov am Morgen (11 Uhr MESZ) auf Weltmeister Zhang Jike. Ebenso schwer wird es für Angelique Kerber, die sich im Tenniseinzel der Frauen in Wimbledon bis ins Viertelfinale gekämpft hat. Dort trifft sie (13 Uhr MESZ) auf die an Nummer eins gesetzte Wiktoria Asarenka. Drücken wir die Da(u)men!

London Calling (5): Erster Medaillensegen

Nach der Silbermedaille im Fechten am Montagabend gab es gestern gleich einen ersten Medaillensegen für die deutschen Sportler bei den Olympischen Sommerspiele 2012 in London. Allen voran waren es die Vielseitigkeitsreiter (Dressur, Gelände und Springen), die sowohl das Mannschafts- wie auch das Einzelgold durch Michael Jung auf seinem Pferd ‚Sam’ holten. Außerdem gab es noch einmal Bronze durch Sandra Auffarth. Ein leicht fader Beigeschmack hat dieser Erfolg allerdings: Der ehemalige Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag kritisierte im Vorfeld, dass die deutschen Reiter und Pferde ohne Doping-Trainingskontrollen bei den Olympischen Spielen in London an den Start gegangen sind. Immerhin gab es bei Olympia 2008 in Peking einen Dopingfall in der deutschen Springreiter-Equipe.

Ole Bischof, der Olympiasieger von 2008, konnte seinen Erfolg zwar nicht wiederholen, gewann aber immerhin die Silbermedaille, über die sich auch Sideris Tasiadis, der ‚Grieche’ aus Augsburg, im Canadier-Einer beim Kanuslalom freuen darf.

Hier die Nationenwertung

    Olympia London 2012

Im Schwimmen gab es auch gestern keinen Podiumsplatz: Die deutsche Männer-Staffel über 4×200 m Freistil wurde Vierte. Gold holten sich die USA (6:59,70) mit Superstar Michael Phelps, der mit seiner 19.Olympiamedaille nun alleiniger olympischer Rekordhalter ist.

Negativer Höhepunkt war gestern das Damendoppel beim olympischen Badminton-Turnier. Im Spiel zwischen den topgesetzten Chinesinnen Wang Xiaoli/Yu Yang und den Südkoreanerinnen Jung Kyung Eun/Kim Ha Na versuchten beide Paare, das Spiel zu verlieren, um eine bessere Ausgangsposition in der K.o-Runde zu haben. Neun Aufschläge spielten die Chinesinnen im ersten Satz ins Netz oder Aus und verloren schließlich 11:21, 14:21. Die Zuschauer quittierten die Vorstellung mit Buh-Rufen. Erst nachdem der Schiedsrichter beide Doppel ermahnt hatte, fingen zumindest die Südkoreanerinnen an, um den Sieg zu spielen.

Heute am 5. Wettkampftag steht der deutsche Achter im Rudern (Finale ab 11 Uhr 30) im Mittelpunkt des sportlichen Interesses. Alles anderes als der Gewinn von Gold dürfte als Enttäuschung angesehen werden.

Der Mittwoch hat aber noch andere Highlights zu bieten. So startet Radsportler Tony Martin als Mitfavorit in das Einzelzeitfahren (ab 15.15 Uhr). Auch Judith Arndt rechnet sich in dieser Disziplin bei den Frauen (ab 13.30 Uhr) Chancen aus.

Europameister Jörg Fiedler träumt davon, ab 21 Uhr im Degen-Finale um eine Medaille zu fechten. Und dann gibt es ja die nächste Chance für die deutschen Schwimmer sich Edelmetall abzuholen.

London Calling (4): Endlich die erste Medaille

Es hat lange gedauert, bis die deutschen Mannschaft bei den Olympischen Sommerspiele 2012 in London ihre erste Medaille eingeheimst haben: Silber im Degenfechten der Frauen durch Britta Heidemann, die damit ihren Erfolg aus Peking vor vier Jahren nicht ganz wiederholen konnte. Dem Ganzen war ein ‚aufregendes’ Halbfinale vorangegangen: „Britta Heidemann hatte schon drei Angriffe gefahren in der dramatischen Schlussphase ihres Halbfinalkampfes im Degenfechten, und immer hatte ihre Gegnerin, die Südkoreanerin Shin A-Lam, ebenfalls getroffen. Aber Heidemann musste treffen, denn sie war passiver gewesen in diesem Kampf. Es ertönte ein letztes ‚Allez’ der Obfrau Barbara Csar aus Österreich, Heidemann stürzte in die Koreanerin – und traf! Und damit begann das ganze Drama.“ Es ging um die Frage, ob Heidemann vor dem „Allez“ die Aktion begonnen hatte. Und um die Zeit – hier stellte sich heraus, dass der Stich in der Zeit gewesen sein musste. Dann, endlich, um 19:16 Uhr, exakt 28 Minuten nach der letzten Aktion, entschieden die Funktionäre: Heidemann hat gewonnen. Den Finalkampf verlor dann die Deutsche gegen Jana Schemjakina (Ukraine) 8:9 nach Sudden Death (Bei Gleichstand nach Ablauf der Zeit wird Vorteil ausgelost, dann max. eine Minute bis zum „entscheidenden“ Treffer weitergefochten).

    Olympia London 2012

Zuvor gab es eigentlich nur Enttäuschungen. Besonders die Schwimmer zeigten bisher nicht die erwartete Leistung. Gestern erst ging Paul Biedermann im 200m Freistil-Finale mit einen 5. Platz baden. Beim Tischtennis musste der auf Rang 4 gesetzte Timo Boll bereits in der 4. Runde die Segel streichen. Und die Schützen haben auch nicht das gehalten, was man von ihnen erwartete (ist vielleicht auch besser so).

Dafür ‚sahnen’ die Chinesen wie bereits bei ihrer Heim-Olympiade in Peking vor vier Jahren in fast allen Sportarten kräftig ab und führen bereits mit 17 Medaillen (davon allein neun goldene) die Nationenwertung an.

Die Olympischen Spiele haben inzwischen ihren erste Skandal, einen Twitter-Skandal. Die Schweizer Delegation schloss den Fußballer Michel Morganella aus, nachdem der Profi von US Palermo über den Kurznachrichtendienst Spieler aus Südkorea auf das Übelste beleidigt hatte. „Er hat die Ehre der Südkoreaner verletzt“, sagte Gian Gilli, Teamchef der Schweizer Mannschaft. Morganella entschuldigte sich, sein Account bei Twitter wurde geschlossen. Vom Schweizer Fußball-Verband muss er laut Sprecher Marco von Ah weitere „harte Sanktionen“ fürchten. „Ich habe einen Riesenfehler gemacht“, sagte Morganella. Solche Einsichten kommen etwas spät.

Nicht besonders glücklich finde ich den Sieg des Radrennfahrers Alexander Winokurow (Kasachstan) im Straßeneinzelrennen, da er früher in Dopingskandale verwickelt war. Unmittelbar danach erklärte er das Ende seiner sportlichen Karriere.

Ry Cooder: My Blueberry Nights (Soundtrack)

Als der 2007 entstandene Spielfilm My Blueberry Nights in die Kino kam, ist er mir eigentlich nur aufgefallen, weil Norah Jones in dem Film die Hauptrolle spielt. Regie führte übrigens der Chinese Wong Kar-Wai. Erst jetzt klingelte es bei mir, dass die Filmmusik von Ry Cooder stammt. Soundtrack, wie oben geschrieben, stimmt nicht ganz, dann es gibt eine Reihe von Liedern, die nicht extra für den Film eingespielt wurden – im Gegensatz zur Musik Ry Cooders (im Englischen nennt man diese extra für einen Film komponierte Musik Score).

    Ry Cooder

Ry Cooder hat in den letzten Jahrzehnten schon einige Musik zu Filmen beigetragen (am Ende eine Übersicht der bisher in diesem Blog angesprochenen Filme, die zudem immer nocht nicht ganz vollständig ist). Auch diesmal hat er wieder u.a. seine Slidegitarre sehr sparsam eingesetzt und schafft so eine gelungene Synthese von Musik und Film.

Zum Film My Blueberry Nights: Eine gescheiterte Beziehung liegt hinter Elizabeth (Norah Jones), die seither an einigen Abenden Trost bei einem Blaubeermuffin in einem Café sucht und sich dabei mit Jeremy (Jude Law), dem Besitzer, anfreundet. Einige Nächte lang verbringen Elizabeth und Jeremy bei Gesprächen und Kuchen. Doch dann kommt Elizabeth plötzlich nicht mehr. Sie ist zu einer Reise quer durch die USA aufgebrochen, um zu vergessen. Ihr Trip führt sie zuerst nach Memphis. Dort arbeitet sie tagsüber in einem Diner und nachts in einer Bar. Der alkoholkranke Cop Arnie (David Strathairn) ist einer ihrer Stammkunden. Sie wird Zeuge, wie ihn die Liebe zu seiner untreuen Frau Sue Lynne (Rachel Weisz) langsam zu Grunde richtet. Das nächste Ziel liegt im Westen. In Nevada lernt sie die Spielerin Leslie (Natalie Portman) kennen. Auch sie besitzt ein trauriges Geheimnis. Während ihrer ganzen Reise hält Elizabeth mit Jeremy Kontakt, dem sie regelmäßig Postkarten mit ihren Gefühlen und Gedanken schickt…

aus: filmstarts.de


My Blueberry Nights – German Trailer

„Elizabeth (Norah Jones) hat ihre Liebe verloren und findet im Cafébesitzer Jeremy (Jude Law) einen verständnisvollen Tröster. Die Verlassene durchleidet die Nächte beim Blaubeerkuchen an Jeremys Bartresen. Mit seiner ersten US-Produktion liefert Regisseur Wong Kar-Wai nicht nur erneut eine grandiose Stilübung, in Cat Powers ‚The Greatest’ hat er auch das perfekte musikalische Thema für seinen poetisch-melancholischen Film gefunden. Wong und Norah Jones ergänzen sich perfekt: Er schickt seine Heldin auf eine Erkenntnisreise quer durch die USA und verhilft ihr damit zu einem überzeugenden Leinwanddebüt. Im Gegenzug hat ihn die Sängerin bei der Musikauswahl perfekt beraten. Zu hören sind vor allem Klassiker aus Soul, Folk und Jazz, den Score gestaltet Routinier Ry Cooder mit typischen Rootsminiaturen. Natürlich ist neben Otis Redding, Ruth Brown und Cassandra Wilson auch Norah Jones selbst mit einem exklusiven Song vertreten. Mit ‚The Story’ verarbeitet sie ihre Bedenken beim ersten Dreh zu einer wunderschönen Vorspannuntermalung.“ (Quelle: kulturnews.de)

„My Blueberry Nights“ soundtrack tracklist
01. „The Story“ – Norah Jones
02. „Living Proof“- Cat Power
03. „Eli Nevada“ – Ry Cooder
04. „Try a Little Tenderness“ – Otis Redding
05. „Looking Back“ – Ruth Brown
06. „Long Ride“ – Ry Cooder
07. „Eyes on the Prize“ – Mavis Staple (produced by Cooder)
08. „Yumeji’s Theme (Harmonica Version)“ – Umebayshi Shigeru
09. „Skipping Stone“ – Amos Lee
10. „Bus Ride“ – Ry Cooder
11. „Harvest Moon“ – Cassandra Wilson (Neil Young cover)
12. „Devil’s Highway“ – Hello Stranger (Ry Cooder produced; his sons’s band)
13. „Parajos“ – Gustavo Santaolalla
14. „The Greatest“ – Cat Power

Der Film ist als DVD My Blueberry Nights und der Soundtrack als CD My Blueberry Nights erhältlich.


Ely Nevada – Ry Cooder – My Blueberry Nights

Norah Jones’ Musik habe ich hier ja bereits öfter besprochen. Natürlich schauspielert sie nicht nur, sondern trägt auch ein Lied zu diesem Film bei. Neben weiteren Klassikern aus Soul, Folk und Jazz tut sich für mich besondern die Sängerin Cat Power mit zwei Liedern hervor, die zudem in einer kleinen Rolle zu sehen ist; u.a. singt sie im Film ihren Hit „The Greatest“:

Once I wanted to be the greatest
No wind or waterfall could stop me
And then came the rush of the flood
The stars at night turned you to dust


My Blueberry Nights – Cat Power – The Greatest

Die Lieder von Cat Power gefallen mir ausgesprochen gut, vielleicht weil sie sehr minimalistisch sind: Pure Musik mit wenig Klimbim, meist mit sparsamen Gitarren- und Pianoklängen begleitet. Dazu die rauchige Stimme, die irgendwie entrückt und zerbrechlich erscheint. Regisseur Wong Kar-Wai: „Wenn Charles Bukowski und Jane Birkin ein Kind hätten, dann wäre das Cat Power.“ („If Charles Bukowski and Jane Birkin had a child, it would be Cat Power,“ says Wong Kar-wai on the set of Blueberry Nights). Man ahnt, woher der Wind weht. Cat Power alias Chan Marshall ist eine in vierleilei Hinsicht bemerkenswerte Frau. Im Film V wie Vendetta ist sie ebenfalls zu hören, dazu auch auf dem Soundtrack des Films mit dem Song „I found a reason“. Zudem gehört ihr Song „Werewolf“ vom Album „You Are Free“ zum Soundtrack des Films Zerrissene Umarmungen des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar.

Hier noch ein Video von Cat Power aus ihrer Anfangszeit:


cat power-nude as the news

Wie bereits angekündigt hier eine Übersicht aller bisher von mir besprochenen Filme, für die Ry Cooder die Filmusik/den Score beigetragen hat:

Buena Vista Social Club
Das Gitarrenduell: Crossroads – Pakt mit dem Teufel
Ry Cooder – Pecos Bill
Ry Cooder: Long Riders (1980)
Ry Cooder: The End of Violence
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Ry Cooder: Southern Comfort
Ry Cooder: The Border
Ry Cooder: Alamo Bay
Ry Cooder goes Rap: Trespass
Ry Cooder: Paris, Texas
Ry Cooder: Last Man Standing (Soundtrack)

Heute Ruhetag (19): Franz Grillparzer – Der arme Spielmann

Franz Kafka war ein begieriger Leser des Wiener Autors, Franz Grillparzer. Ich weiß nicht genau, was es war, was Kafka an Grillparzer beeindruckte. Ich glaube aber, es war der klare, unprätentiöse Stil. Es ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, wenn ich behaupte, Kafka hätte sich stilistisch an Grillparzer orientiert. Ich behaupte es trotzdem …

Und es war sicherlich die ‚psychologische Neugierde’ und Einsicht, die der von Kafka entsprach, was sich in besonderer Weise in Grillparzers bekanntester Erzählung Der arme Spielmann zeigt.

Heute Ruhetag = Lesetag!

In Wien ist der Sonntag nach dem Vollmonde im Monat Juli jedes Jahres samt dem darauffolgenden Tage ein eigentliches Volksfest, wenn je ein Fest diesen Namen verdient hat. Das Volk besucht es und gibt es selbst; und wenn Vornehmere dabei erscheinen, so können sie es nur in ihrer Eigenschaft als Glieder des Volks. Da ist keine Möglichkeit der Absonderung; wenigstens vor einigen Jahren noch war keine.

[…]

Ein paar Tage darauf – es war ein Sonntag – ging ich, von meiner psychologischen Neugierde getrieben, in die Wohnung des Fleischers und nahm zum Vorwande, daß ich die Geige des Alten als Andenken zu besitzen wünschte. Ich fand die Familie beisammen ohne Spur eines zurückgebliebenen besondern Eindrucks. Doch hing die Geige mit einer Art Symmetrie geordnet neben dem Spiegel und einem Kruzifix gegenüber an der Wand. Als ich mein Anliegen erklärte und einen verhältnismäßig hohen Preis anbot, schien der Mann nicht abgeneigt, ein vorteilhaftes Geschäft zu machen. Die Frau aber fuhr vom Stuhle empor und sagte: »Warum nicht gar! Die Geige gehört unserem Jakob, und auf ein paar Gulden mehr oder weniger kommt es uns nicht an!« Dabei nahm sie das Instrument von der Wand, besah es von allen Seiten, blies den Staub herab und legte es in die Schublade, die sie, wie einen Raub befürchtend, heftig zustieß und abschloß. Ihr Gesicht war dabei von mir abgewandt, so daß ich nicht sehen konnte, was etwa darauf vorging. Da nun zu gleicher Zeit die Magd mit der Suppe eintrat und der Fleischer, ohne sich durch den Besuch stören zu lassen, mit lauter Stimme sein Tischgebet anhob, in das die Kinder gellend einstimmten, wünschte ich gesegnete Mahlzeit und ging zur Türe hinaus. Mein letzter Blick traf die Frau. Sie hatte sich umgewendet, und die Tränen liefen ihr stromweise über die Backen.

Signatur: Franz (Seraphicus) Grillparzer

Franz Grillparzer: Der arme Spielmann – Erzählung (1847)

Sommerferien 2012 in der Lüneburger Heide

Bekanntlich muss man nicht in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist (gewissermaßen vor der Haustür). Und nicht jedermanns Geldbeutel ist so prall gefüllt, um große Reisen zu unternehmen. Herrn Allwardt steht einer kleinen aktiven Gruppe vor, der kommunalen Agenda 21 in der Samtgemeinde Tostedt e.V., die in den vergangenen Jahren sehr viel in der Samtgemeinde Tostedt bewegt hat. Hier wird man nicht nur mit einem monatlichen Veranstaltungskalender versorgt, sondern zusätzlich über einen Newsletter mit allem wichtigen in und um Tostedt.

In seinem letzten Newsletter versendet Burkhard Allwardt nicht nur viele Sonnengrüße aus Tostedt, sondern hat für uns die vielfältigen Ferienangebote in unserer Region, der Lüneburger Heide, zusammengestellt (einige Links waren leider nicht okay, ich habe sie hier berichtigt). Da sollten wir alle viele Anregungen bekommen – besonders Radtouren bieten sich an:

Lüneburger Heide
© naturpark-lueneburger-heide.de

Unter all diesen Websites finden wir ein sehr reichhaltiges Angebot von Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und Erlebnisstätten. Danke, Herr Allwart! Übrigens: Die Informationen, die wir hier finden, gelten natürlich nicht nur für ‚Einheimische’, sondern insbesondere auch für alle Reisenden, die uns in der ‚Nord-Heide’ besuchen kommen.

London Calling (3): Olympia-Logo London 2012

Heute Abend beginnen mit der Eröffnungsfeier die Spiele der XXX. Olympiade, wie die Olympischen Sommerspiele 2012 in London ganz offiziell heißen (das ZDF überträgt live: 21.30 – 21.45 Uhr Olympia-Countdown und 21.55 – 1.30 Uhr Olympia live: Die Eröffnungsfeier (Moderation: Michael Steinbrecher, Reporter: Wolf-Dieter Poschmann)).

Dass nicht alle Londoner unbedingt olympia-begeistert sind, versteht sich von selbst. Kritiker befürchten, East London könnte durch die Spiele für viele seiner Einwohner zu teuer werden. Eine ganz andere Art der Kritik erfuhr das Logo für die Spiele in London, das vom Beratungsunternehmen Wolff Olins entworfen und am 4. Juni 2007 vorgestellt wurde. Das Logo, dessen Entwicklung 400.000 Pfund kostete (mehr nicht?), ist eine abstrakte, an Glasscherben erinnernde Darstellung der Zahl 2012.

„Es möchte ‚den dynamischen Olympischen Geist und die Begeisterungsfähigkeit, die die Menschen überall auf der Welt erreichen soll’ symbolisieren. … Der Auftrag lautete, ein Emblem zu schaffen, das die vier wichtigen Markensäulen ‚Zugang, Teilnahme, Anregung und Begeisterung’ repräsentiert und in der Markenvision der Spiele für alle „kulminiert’.

Das scherenschnittartige Emblem möchte die markenorientierte Welt widerspiegeln, in der Menschen, insbesondere junge Menschen, sich nicht mehr mit statischen Logos identifizieren wollen, sondern auf dynamische Symbole reagieren, die auf neue Technologien setzen und über herkömmliche und neue Mediennetzwerke verbreitet werden können.“ (Quelle: dasauge.de)

    Olympia London 2012

Das allgemeine Logo in Rosa mit gelben Rand scheint von Farbblinden entworfen zu sein. Die Farben sind „hübsch-hässlich“. Daneben gibt es das Logo auch in Grün, Orange und Blau. Es sind beliebige weitere Farbkombinationen anwendbar, so dass Sponsoren das Logo flexibel an ihre Bedürfnisse anpassen können. Nun ja …

„Unmittelbar nach der Präsentation rief das Logo in der Öffentlichkeit starke negative Reaktionen hervor. Bereits wenige Stunden später hatten Zehntausende Personen eine Petition unterschrieben, mit der ein neues Logo gefordert wurde. Eine animierte Version, die am selben Tag wie das Logo präsentiert worden war, löste gemäß der Hilfsorganisation ‚Epilepsy Action’ bei mehreren Personen epileptische Anfälle aus. Die beanstandete Animation wurde daraufhin nach kurzer Zeit von der Website des Organisationskomitees entfernt. Der damalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone forderte, dem Unternehmen, das diesen ‚katastrophalen Fehler’ begangen habe, dürfe kein Honorar überwiesen werden.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Aber dem noch nicht genug. Betrachtet man das Logo ganz ‚aufmerksam’, dann kann man durchaus nachvollziehen, wie der Guardian das Logo sieht: Lisa Simpson, die London einen Blowjob gibt“. Wieder andere fühlten sich an ein „verzerrtes Hakenkreuz“ erinnert.

    Olympia London 2012 Lisas London-Blowjob

Im Februar 2011 beschwerte sich ausgerechnet der Iran, das Logo sei dem Wort „Zion“ ähnlich und damit rassistisch. Der Generalsekretär des Iranischen Olympischen Komitees drohte mit einem Olympiaboykott und forderte andere muslimische Staaten auf, ebenfalls gegen das Logo zu protestieren. Betrachtet man das Logo auch unser dieser Sicht, so ist an dieser Kritik durchaus etwas dran:

Logo Olympia London 2012: Zion lässt grüßen

Was also Markenorientierung und Dynamik betrifft, so hat das Logo die Anforderungen geradezu übertroffen. Es ist ein 400.000 Pfund teurer markig-dynamischer Dreck!

Olympische Spiele sind immer auch eine Prestigesache. China hat vor vier Jahren bei den Spielen in Peking alles aufgewendet, um die Welt zu beeindrucken. In London ist zwar alles eine Nummer kleiner, trotzdem lassen sich die Engländer die Olympischen Spiele in diesem Jahr etwa elf Milliarden Euro kosten. Dafür gibt es neue Stadien, Bahnhöfe und Kunstwerke. Fotostrecke auf zeit.de

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