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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Vergessene Stücke (6): Edward Bond – Sommer

Edward Bond (* 18. Juli 1934 in London) ist ein englischer Dramatiker. Sein 1982 veröffentlichte Stück „Summer“, zu Deutsch: „Sommer“, wurde 1983 an den Münchner Kammerspielen in der Regie von Luc Bondy in deutscher Erstaufführung auf die Bühne gebracht. Die deutsche Übersetzung ist von Christian Enzensberger. Mir liegt „Sommer“ in einem Band mit verschiedenen Theaterstücken (suhrkamp taschenbuch 1190 – 1. Auflage 1985) Theater heute vor.

Stücke von Edward Bond

Edward Bond nennt sein Stück „Sommer“ im Untertitel ein europäisches Stück und sagt, er schreibe nicht über einen Deutschen (der in dem Stück von den Gräueln der Vergangenheit berichtet, als beschreibe er einen Sonntagsausflug), sondern er schreibe über das Böse als etwas ganz Banales. Hat er recht, wenn er hinzufügt, dieser Typ des Alltagstäters sei die zentrale Figur unseres Jahrhunderts? Der Typ des Handlangers, den man gebrauchen kann, einer, der nur seine Pflicht tut, wie es auch Eichmann von sich behauptet hat? (Vergleiche hier auch meinen Beitrag Bestie Mensch, auf den ich in den letzten Beiträgen schon öfter zu sprechen gekommen bin).

Personen:

Marthe (Mutter von D.)
Xenia (Mutter von A.)
Ann
David (Arzt)
Deutscher
Stimmen von draußen

Zeit: Gegenwart (1980)

Ort: Osteuropa (dürfte sich um Jugoslawien handeln)
Terrasse eines in den Fels gebauten Hauses mit Blick auf das Meer. Vorn rechts eine Tür zur Straße hinaus. Hinten rechts eine Tür zum höher gelegenen Teil des Hauses. In der Rückwand links eine Tür zu einem Zimmer. Links ein Geländer vor dem Meer.

Marthe ist an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Auch ihr Sohn, der Arzt ist, kann ihr nicht mehr helfen. Beide werden von Xenia und deren Tochter aus London besucht, um in dem Haus Urlaub zu machen. Früher gehörte das Haus am Meer Xenias Vater, dem reichen Fabrik- und Landbesitzer. Dieser wurde nach dem Krieg enteignet und inhaftiert. Xenia verheiratete sich nach London. Seit Jahrzehnten lebt Marthe wie selbstverständlich in dem Haus. Sie war früher Dienstmädchen bei Xenias Eltern. Während des Krieges gingen deutsche Offizier in dem Haus aus und ein. Eine dem Festland vorgelagerte Insel war von den Deutschen für ihre Erschießungen gepachtet.

Nach dem Tod eines deutschen Offiziers und dessen Fahrer durch Partisanen, werden viele Einwohner des Ortes verhaftet und auf der Insel hingerichtet. Auch Marthe wird verhaftet, kommt aber durch die Intervention von Xenia wieder frei. Trotzdem verrät Marthe nach dem Krieg Xenias Vater, der in Haft nach zwei Jahren Zwangsarbeit stirbt.

Vierzig Jahre später also besucht Xenia wiederholt das alte Elternhaus mit ihrer Tochter Ann. Diese hatte schon bei einer früheren Reise ein Verhältnis mit Marthes Sohn David. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung zwischen der todkranken Marthe und Xenia. Für Marthe ist Xenia die Vertreterin der Ausbeuter geblieben, die zwar freundlich, aber ungerecht sind:

MARTHE: … Noch soviel Freundlichkeit reicht nicht aus, um die Welt menschlich zu machen. … (S. 198) … In eurer Welt hat das Gute Böses angerichtet.Die Soldaten auf der Insel konnten sich kaum damit entschuldigen, daß sie das Blut, das sie vergossen, nicht gesehen hätten. Mit euch stand es schlimmer. Ihr hattet für alles die beste Entschuldigung: eure Hände waren sauber! … (S.199) – und:

MARTHE [zu Xenia]: … Wer deine Familie geachtet und geliebt hat, den hat sie dazu gebracht, Freundlichkeit mit Gerechtigkeit zu verwechseln. Dasa verdirbt. Man kann ohne Freundlichkeit leben, aber nicht ohne Gerechtigkeit – oder den Kampf um sie. Wer das versucht, ist verrückt. … (S. 173)

Dem weiß Xenia nur zu entgegnen:

XENIA (über ihren Vater): … er hat sich seine Wiege nicht ausgesucht. Er hat sich benommen wie jeder andere in seiner Stellung. Jemand muß dafür sorgen, daß die Welt funktioniert. [zu Marthe] Wenn ihr es besser könnt, gut. … (S. 180)

Es ist ein alter Konflikt, der hier zum letzten Mal ausbricht. Marthe, die mit dem Leben abgeschlossen hat, die daher eigentlich keinen Streit sucht und ihren Sohn durchaus gern mit Ann zusammen sieht – in ihr ist dennoch tief innen das Gefühl ihrer sozialen Demütigung vorhanden. Und daher – von Xenia herausgefordert – spuckt sie ihre Verachtung dieser ins Gesicht.

Bei einem Besuch der angesprochenen Insel begegnet Xenia einem deutschen Urlauber, gewissermaßen einen Kronzeugen des Kriegsgeschehens, den es noch einmal an den Ort seiner „Heldentaten“ zurückgezogen hat. Dieser berichtet auf sehr naive Weise von den Gräueln der Vergangenheit, als beschreibe er einen Sonntagsausflug.

Zuletzt spielt natürlich der Tod eine Rolle. DAVID [zu Marthe]: … Du mußt mit dem Tod einverstanden sein. Sonst kannst du nicht in Frieden sterben. (: 169)

Diese resümiert in einem letzten Gespräch mit Ann:

MARTHE: Was ist nutzloser als der Tod? Ein Leben ohne Tod – wenn es das gäbe. Wie könntest du etwas schön finden, was du ewig anschaust? Er würde dir über. Wozu einander lieben, wenn es ewig dauerte? Wenn ich euch tausendmal verziehen hätte, bekämt ihr das Verzeihen satt. Ihr wärt es müde, die Leute auszuwechseln, die ihr liebt. (S. 205)

Marthe scheint ihren Frieden gefunden zu haben und mit ihre letzten Worte eignen sich für so manches Poesiealbum (oder auch als Lebensmotto):

MARTHE (zu Ann): Laß dich nicht vom Blitz erschlagen und den Wahnsinnigen nicht dein Haus anzünden. Ergib dich nicht deinen Feinden und übergehe keinen in der Not. Kämpfe. … (S. 206)

Ich gestehe, dass ich den Konflikt der beiden Frauen, besonders nach so vielen Jahren, nicht ganz nachvollziehen kann. Aber die menschliche Seele ist tief und von so manchem Ressentiment vergiftet. Das brodelt über lange Zeit. Auch vermag ich nicht so recht zu beurteilen, ob die Aussagen des deutschen Urlaubers realistisch sind. Wer gibt sich vor Fremden so bloß. Aber auch hier sorgt sicherlich das Unterbewusstsein vor – und verharmlost selbst die schlimmsten Gräueltaten. Natürlich ist das Stück thematisch veraltet. Weitere dreißig Jahre sind ins Land gestrichen – und nicht nur Marthe im Stück, sondern auch fast alle anderen der früheren Kontrahenten dürften gestorben sein. Aber das Böse und der Typ des Handlangers des Bösen, den man für die Schmutzarbeiten gebrauchen kann, sind gegenwärtig wie selten zuvor.

Dunkle Gestalten im Garten

schwarze Petunien

schwarze Tulpe

schwarze Petunien

schwarze Tulpe

Es ist wohl der Wunsch mancher Gärtner, schwarze Blumen zu züchten. Aber gibt es wirklich ein reines Schwarz bei Blumen (d.h. bei den Blütenblättern)? Hört man die Sortennamen wie ‘Black Ball’ oder ‘Queen of the Night’ oder die Bezeichnung schwarz (niger oder black), dann könnte man glauben, ja. Aber das ist wohl nicht ganz zutreffend. Oft kommt zum Schwarzanteil noch Dunkelrot, Dunkelbraun oder Dunkelblau hinzu – alles dunkle Farbtöne, die sich Schwarz stark nähern. Der tatsächliche Farbton zeigt sich deutlich in voller Sonne. Ein unterschiedlicher Lichteinfall während eines Sommertages kann die Farbe der Blüten von einem tiefen Purpurrot oder dunklem Braun zu Schwarz oder umgekehrt wechseln lassen. Stark glänzende Blüten wie die der Schwarzen Stockrose Alcea rosea ‘Nigra’ wirken im Sonnenlicht fast tiefschwarz. Bei anderen dunklen Pflanzenteilen bewirkt Sonnenlicht das Gegenteil, sie wirken erst im Schatten schwarz.

Nun auch wir haben Blumen, Petunien und Tulpen, im Garten, deren Blütenblätter sich der schwarzen Farbe stark nähern. Aber wirklich schwarz sind auch diese Blumen nicht …

Vergessene Stücke (5): Thomas Bernhard – Vor dem Ruhestand

Niclaas Thomas Bernhard (* 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande; † 12. Februar 1989 in Gmunden, Österreich) war ein österreichischer Schriftsteller. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Stücke von Thomas Bernhard). Vor dem Ruhestand ist ein Theaterstück, das am 29. Juni 1979 im Württembergischen Staatstheater Stuttgart uraufgeführt wurde.

“Vor dem Ruhestand” habe ich in einem Band mit verschiedenen Theaterstücken (suhrkamp taschenbuch 1190 – 1. Auflage 1985) Theater heute vorliegen. Anlass für das Stücks war die damalige Filbinger-Affäre in der BRD und die Auseinandersetzung zwischen dem Regisseur Claus Peymann und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger, der aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit als Marinestabsrichter zum Rücktritt gezwungen wurde.

Personen:

Rudolf Höller, Gerichtspräsident und ehemaliger SS-Offizier (Obersturmbannführer)
Clara (im Rollstuhl), seine Schwester
Vera, seine Schwester

Ort: Im Haus des Gerichtspräsidenten Höller

Der Untertitel zu dem Stück lautet „Eine Komödie von deutscher Seele“ und verbindet Tragödie und Komödie auf sehr sarkastische Weise. Dem Zuschauer bzw. Leser bleibt dabei das Lachen im Halse stecken. Inhaltlich geht es um eine Familie (Bruder mit zwei Schwestern), in der die nationalsozialistischen Ideen noch höchst lebendig sind. Am Abend des 7. Oktober jedes Jahr feiert man Heinrich Himmlers Geburtstag,

Der Bruder, ehemaliger SS-Offizier und jetzt Gerichtspräsident, steht kurz vor seiner Pensionierung. Das Theaterpublikum darf sowohl den Vorbereitungen für das Fest als auch diesem selbst zuschauen. Am Ende des Stücks stirbt der von nationalsozialistischem Wahn ergriffene Rudolf an einem Herzkollaps.

VERA … Wir können nicht anders
wir belügen uns
aber wie schön ist letztenendes das
was wir tun
indem wir es spielen
und das was wir spielen
indem wir es tun

(S. 58)

Wir haben unser Theaterstück eingeübt
seit drei Jahrzehnten sind die Rollen verteilt
jeder hat seinen Part
abstoßend und gefährlich
jeder hat sein Kostüm
wehe wenn der eine in das Kostüm des andern schlüpft.
Wann der Vorhang zugemacht wird
bestimmen wir drei zusammen
Keiner von uns hat das Recht
Den Vorhang zuzuziehen wann es ihm paßt

(S. 59f.)

CLARA ist infolge eines amerikanischen Bombenangriffs querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Sie hasst ihre Geschwister, ist aber auf sie angewiesen und kann deshalb nicht davonlaufen:

CLARA … unter eueren Händen ist die Musik
immer etwas Entsetzliches geworden
Wenn der Vater Gedichte vorgelesen hat
war es das Entsetzlichste das man sich vorstellen kann
ihr habt euch so oft an Musik vergriffen
an Dichtung an Poesie
ihr habt sie immer mißbraucht die Kunst …

(S. 64)

Erstaunlich ist es zu erfahren, wie gesellig, wie kultiviert sich die Bestie Mensch immer wieder präsentiert. Diese empfindet sich selbst als Opfer der ‚niedrigeren Kreatur’, der man nur durch ‚Ausrottung’ Herr werden kann.

RUDOLF [schildert einen Prozess] …Du hättest diese Kreatur sehen sollen
beim Lokalaugenschein
kalt bis ins Mark
zynisch
vollkommen gleichgültig gegenüber seinem Opfer
einen Menschen umbringen wegen Viertausend
aber die sind alle gleich
das hat es zu unserer Zeit nicht gegeben
solche Elemente hat es ganz einfach nicht gegeben
sie sind gar nicht erst aufgekommen
jede Verhandlung eröffnet den Blick in eine menschliche Kloake …

(S. 106)

Geschlossen wg. Familienfeier

Geschlossene Gesellschaft

Der Mai ist in evangelischen Landstrichen Konfirmationszeit. So bin auch ich heute mit meinen Lieben in Bremen in Sachen Konfirmation unterwegs. Mein Patenkind (und Großneffe) wird heute in der Martin-Luther-Kirche konfirmiert. Anschließend geht es in die Überseestadt von Bremen zum Essen. Bei diesem Wetter (Sonne satt) eine durchaus angenehme Angelegenheit.


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Martin-Luther-Kirche in Bremen-Findorff

Eröffnung der Grillsaison

Die Deutschen sind angeblich Weltmeister im Grillen. Was ein typischer Familienvater ist, der schüttet jetzt die Kohlen in den Grill und schwingt mit Grillschürze bekleidet dazu die Grillzange, um die dicken Steaks (Nackensteaks vom Schwein oder Hüftsteaks vom Rind eignen sich am Besten, da sie nicht so schnell ‚trocken’ werden) zu garen. In der einen Hand die besagte Grillzange, in der anderen meist ein kühles Bierchen.

Ich selbst bin, was das Grillen betrifft, nicht so sonderlich ambitioniert. Ich koche gern, ohne Frage, aber Grillen liegt mir irgendwie nicht im Blut. So sorge ich im Wesentlichen dafür, dass der Grill ‚Feuer’ fängt. Dafür eigentlich sich sehr gut ein Anzündkamin / Grillstarter, um den Kamineffekt sinnvoll zu nutzen. Und das Bier gibt es erst zum Essen.

Fürs eigentliche Grillen, also Grillzangeschwingen und Steakwenden ist mein jüngerer Sohn zuständig. Es bereitet auch die Soßen eigenhängig zu. Für Kräuterbutter und –quark (für die Folienkartoffeln) sorgt meine Frau. Dazu gibt es dann noch Salat und Knoblauchbaguette. Uns hat’s geschmeckt!

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Grill mit Anzündkamin

gedeckter Tisch mit eigenen Soßen usw.

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Das richtige Werkzeug ist ‚alles‘

Grillhandschuhe sollte man haben

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

vorgekochte Folienkartoffeln

Rinderhüfte mariniert

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Eröffnung der Grillsaison 2011 bei AlbinZ

Obergrillmeister beim Betrachten seines Werks

Nackensteaks vom Schwein

Halldór Laxness: Sein eigener Herr

„Bjartur hat achtzehn Jahre lang als Knecht geschuftet, um eines Tages seinen eigenen Hof zu besitzen. Sumarhus nennt er sein kümmerliches Anwesen, das abseits im unwirtlichen Heideland liegt. Bjartur ist entschlossen, ein freier und unabhängiger Mensch zu sein, sein eigener Herr – diesem Ziel opfert er Glück und Gesundheit seiner Familie. Starrköpfig verschuldet er den Tod seiner Frau, und auch seine zweite Frau unterliegt in dem bitterem Überlebenskampf.

Nach vielen mageren und wenigen guten Jahren ist Bjartur schließlich gezwungen, Sumarhus zur Versteigerung freizugeben. Doch er resigniert nicht. Mit seiner geliebten Stieftochter Asta Sollilja bricht er zu noch ferneren Regionen auf, um von neuem einen eigenen Hof aufzubauen. …“
(aus dem Umschlagtext)

Halldór Laxness (1902-1998), eigentlich Halldór Guðjónsson, ist wohl Islands bekanntester Schriftsteller. Den Nachnamen Laxness nahm er nach dem Hof Laxnes (dt. „Lachshalbinsel“) bei Mosfellsbær an, wo er aufgewachsen war. Mit Sein eigener Herr (Originaltitel: „Sjálfstætt fólk“ – zu Deutsch: „selbständige Leute“) schrieb er in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts einen Bauernroman der besonderen Art.

„Bei seinem ersten Erscheinen Mitte der dreißiger Jahre rief das Buch eine Welle der Empörung unter den Isländern hervor. Man war Bücher über das Leben auf dem Lande gewöhnt, doch in diesen Romanen, Erzählungen und Gedichten wurde der Bauernstand verherrlicht, der harte Überlebenskampf des einzelnen Bauern entweder zur Idylle oder zum Heldenleben stilisiert; daß viele Kleinbauern unter erbärmlichsten Bedingungen dahinvegetierten, wollte man nicht wahrhaben. …

In der Erstausgabe von 1934-35 trug der Roman den Untertitel ‚Hetjusaga’ das heißt ‚Geschichte eines Helden’. Nicht nur der Titel „Sjálfstætt fólk“, sondern auch der ursprüngliche Untertitel des Romans drücken also die Ironie aus, die das Buch selbst kennzeichnet.“
(aus dem Nachwort von Hubert Seelow zur Ausgabe im Steidl Verlag – Göttingen – 2009)

Bjartur, der Held des Romans, ist ein eigensinniger, geradezu starrköpfiger Talbauer, der nur eines sein will: frei und unabhängig. Erst zuletzt erkennt er: „Die Geschichte von Bjartur in Sumarhus ist die Geschichte eines Mannes, der sein Leben lang, Tag und Nacht, den Acker seines Feindes säte.“ (Steidl taschenbuch 225 – Steidl Verlag, Göttingen – 2009 – 9. Auflage – S. 555). Aber selbst da resigniert er nicht und wag den Neubeginn, denn: „Zwangsversteigerung. … Er sagte nichts. Es war nie seine Gewohnheit, dem nachzutrauern, was er verloren hatte; er schleppte seinen Kummer nicht mit sich herum, das war am besten. Lieber sollte man mit dem zufrieden sein, was man noch besaß, nachdem man verloren hatte, was man besessen hatte, …“ (S. 530)

Im Mittelpunkt des Roman stehen folgende Personen:

Bjartur in Sumarhus (‚Sommerhaus’), eigentlich Gudbjartur Jonsson

(isländische Namensgebung: Vorname als wichtigster Teil des Namen und Vatersnamen, einen Nachnamen kennt man nicht – früher, wie hier und wie es Laxness für sich selbst wählte, benutze man Vornamen mit Herkunftsbeschreibung, hier: in – oder auch: auf Sumarhus)

– 1. Frau Rosa (Vater Thordur bzw. Þordur in Nidurkot) , eigentlich Rosa Þordursdottir
– dessen Tochter Asta Sollilja, genannt Sola (Stieftochter Bjarturs – eigentlicher Vater ist Ingolfur Arnarson Jonsson)

– 2. Frau Finna (Vater: Thorarinn bzw. Þorarinn auf Urdarsel/Sandgilsheide bzw. Urðarsel, wo sich Bjartur zuletzt niederlässt), eigentlich Finna Þorarinnsdottir
– ihre Mutter Hallbera, genannt Bera

gemeinsame Söhne mit Bjartur:
Helgi
Gvendur (eigentlich Gudmundur bzw. Guðmundur)
Nonni (eigentlich Jon) (einige Kapitel sind aus seiner Sicht geschrieben)

Die Leute von Utiraudsmyri, auch Raudsmyri oder nur Myri genannt
Ingolfur Arnarson Jonsson, „Ziehbruder“ von Bjartur

Benachbarte Bauern (und Freunde), mit denen Bjartur bei Kaffee und Kuchen lange wirklich köstlich philosophische Gespräche führt (Kaffee ist gewissermaßen das Nationalgetränk Islands, nichts geht ohne Kaffee – und so ist es heute noch in Restaurant, Cafes usw. Brauch, eine zweite Tasse Kaffee umsonst zu bekommen):

Thorir (Þorir) auf Gilteigur
Olafur in Ystidalur (Ystiðalur)
Einar in (oder auf) Undirhlid (Unðirhlid)
Hrollaugur auf Keldur (Kelður)

Einiges zum Inhalt: Obwohl Asta Sollilja, genannt Sola, nicht die Tochter von Bjartur ist, liebt er sich innig. Aber in seiner Starrköpfigkeit verstößt er sie, als sie in jungen Jahren schwanger wird. Die von ihr geborene Tochter bekommt den Namen Björt, was die weibliche Form von Bjartur ist. Sola zeigt sich ebenso starrköpfig wie ihr Stiefvater. Beide gehen sich jahrelang aus dem Weg. Der Roman endet aber versöhnlich. Als Bjarturs Hof versteigert wird, mach er sich wieder auf den Weg – und macht einen Umweg, um Sola, die inzwischen schwer lungenkrank ist, bei sich aufzunehmen. Das weitere Ende bleibt offen …

Der Roman spielt auf einem Gehöft namens Sumarhus (‚Sommerhaus’), das früher einmal Albogastadir auf der Heide und zuletzt Veturhus (‚Winterhaus’) hieß, um die Zeit des Ersten Weltkrieges. Auf dem Hof lastet ein alter Fluch, denn vor vielen Jahren trieb die Hexe Gunnvör bzw. Gudvör (oder auch Guðvör) hier im Namen von Kolumkilli, dem Iren und großen Geisterbeschwörer, der in der ersten Zeit des Papsttums von den Britischen Inseln nach Island gesegelt kam, ihr Unwesen. Das Gehöft liegt bei der Ortschaft Utiraudsmyri, umgeben von den Blauen Bergen (isländisch: Bláfjöll), die liegen etwa 20 km südwestlich von Reykjavík.

Im Roman finden sich wieder viele Bezüge zu alten isländischen Sagas (zuletzt heißt es auf Seite 549: Grettir Asmundarson war neunzehn Jahre lang ein friedloser Geächteter in den Gebirgen Islands, bis er auf der Insel Grangey erschlagen wurde; dennoch wurde für ihn in Konstantinopel, der größten Stadt der Welt, Rache genommen. Vielleicht werde auch ich [Bjartur] im Lauf der Zeiten gerächt. …“), es hat viele leise, sehr lyrische Passagen. Aber er ist auch eine unverhohlene Kritik an den sozialen Missständen früherer Jahre. Selbst als der Staat die Bauernschaft unterstützt, so kommt dies nur den Großbauern zugute, nicht Bauern wie Bjartur, die zudem die Zeche zu bezahlen haben. Im Mittelpunkt dieser Politik steht Ingolfur Arnarson Jonsson, eigentlicher Vater von Asta Sollilja, Sohn des Gemeindevorstehers und Ziehbruder Bjarturs (der Knecht auf dem Hof des Gemeindevorstehers war), der zunächst in den Althing, dem isländischen Parlament, gewählt wird und später – fiktiv – zum Ministerpräsidenten Islands (seine beiden Vornamen beziehen sich auf Ingólfur Arnarson, mit dem offiziell die sogenannte Landnahme Islands (zwischen 870 und 930) begann und der als Gründer der isländischen Hauptstadt Reykjavík gilt).

„Sein eigener Herr“ ist ein herrlich altmodischer Roman. Bemerkenswert sind die bissigen Dialoge, die Bjartur mit dem Gemeindevorsteher und all den anderen führt. Allein diese sind des Lesens wert. Und bei all den Nackenschlägen, die die Protagonisten einstecken müssen, bleibt immer ein letztes Fünklein Hoffnung. Wie heißt es u.a. im Roman:

Das merkwürdigste an den Träumen des Menschen ist, daß sie alle in Erfüllung gehen; das ist von jeher so gewesen, auch wenn die Menschen es nicht wahrhaben wollen. Und es ist typisch für das Verhalten des Menschen, daß er durchaus nicht erstaunt ist, wenn seine Träume in Erfüllung gehen; es ist, als ob er von jeher damit gerechnet hat. Bestimmung und Endpunkt sind Geschwister, die beide im selben Herzen schlummern. (S. 414)

Wie verabschiedet man sich auf Island? Sæl og blessuð! Glück und Segen!

Literatur in Steidl Verlag (der u.a. auch Günter Grass verlegt) von Halldór Laxness

siehe auch:
Halldór Laxness: Islandglocke
Halldór Laxness: Am Gletscher

Nur Selter statt Sekt

Die Fußball-Bundesliga-Saison 2010/2011 neigt sich dem Ende entgegen und damit eine Saison, die man beim SV Werder Bremen möglichst schnell zu den Akten legen wird. Aber noch ist sie nicht durchgestanden, noch droht der Abstieg. Wenn alles schief gehen sollte (und dank Murphy schief gehen wird), dann verplempert Werder auch noch seinen letzten Vier- bzw. Sechs-Punkte-Vorsprung auf Relegations- bzw. 17. Tabellenplatz. St. Pauli, so braucht man nicht mehr zu fürchten, ist so gut wie abgestiegen.

Aber zunächst Glückwunsch in Richtung Dortmund zur deutschen Meisterschaft. Und Leverkusen ist wieder Vizekusen (zu mehr reicht es wieder nicht). Da ist dann noch das Gekloppe um den 3. Platz zwischen Hannover 96 und den Bayern, den wohl die Münchener packen sollten. Hannover und den Mainzer Karnevalsverein sehen wir also in der nächsten Saison in der Europa League.

Zurück zu Werder: Ich denke, die bleiben in der ersten Liga. Aber die Aussichten für die nächste Saison bleiben trüb. Das „neue Bremer Biedermeier“, das uns die Mannschaft zuletzt gegen Wolfsburg bot („Die Werder-Offensive ist derzeit die langsamste der Liga …“), wird uns erhalten bleiben. Nichts mit attraktiven Offensiv-Fußball, nur ein Verschleppen des Tempos im Mittelfeld und ideenlose lange Pässe in die Spitze … oh, wie haben wir das alle satt. Da mögen sich Allofs und Schaaf diesen Fremdkörper von Arnautovic noch so sehr zur Brust nehmen: Der Mann ist und bleibt eine Fehlinvestition.

Immerhin scheint Sandro Wagner endlich die Kurve zu kriegen, wenn er auch zz. verletzt ist. Was Werder Bremen fehlt, ist ein Spielmacher. Marin mag zwar gekonnt den Gegenspielern Knoten in die Beine spielen, aber die genialen Pässe a la Özil sind ihm fremd. Auch sonst kein Licht am Horizont. Aaron Hunt ist weiterhin ein Schatten seiner selbst und Wesley, ach, ich weiß auch nicht …

Aber für großartige Neuinvestition fehlt Werder das Geld. Überhaupt Investition und Personalpolitik. Welch wundersamer Fehleinkauf Carlos Alberto war, wissen wir inzwischen alle. Betrachten wir einmal die Personalien zu den folgenden Spieler: Martin Harnik konnte in Bremen nie richtig Fuß fassen, wurde ausgeliehen und ist jetzt beim VfB Stuttgart, wo er plötzlich zu einem Leistungsträger gereift ist. Hat da Werder etwas falsch gemacht? Oder Peter Niemeyer: Er wurde an Hertha BSC ausgeliehen und die haben jetzt beim Aufstieg ein Vorkaufsrecht: etwa 700.000 € wird er dann den Berlinern kosten – bei einem Marktwert von rund 1,6 Millionen ist das ein Schnäppchen für Hertha! Und der ausgeliehene Markus Rosenberg? Bei Racing Santander spielt er eine tolle Saison in Spanien – immerhin dürfte er an die Weser zurückkommen – Werder hätte sicherlich Bedarf. (weiteres hierzu siehe weser-kurier.de: Rosenberg macht es den Werder-Stürmern vor).

Nein, Klaus Allofs’ Personalpolitik ist äußerst unglücklich, gelinde gesagt. Und bei aller Sympathie, die ich für Thomas Schaaf habe: Aber er schafft es nicht mehr, für wirklich frischen Wind zu sorgen. Allerdings kann ich mir weiterhin nicht vorstellen, dass er Bremen verlässt. Wer sollte ihn auch ersetzen (van Gaal? Oder eine Gurke wie Christoph Daum, mit dem die Frankfurter wohl auch nicht glücklich werden?)?

Sicherlich warten bei den Bremern einige Nachwuchsspieler auf ihre Chance. Und wenn es wieder bergauf gehen soll, dann nur mit diesen. Man darf also gespannt sein. Aber große Hoffnungen, dass sich Werder wieder in die nationale Spitze spielt (und damit auch wieder Zugang zu den europäischen Fleischtöpfen erlangt), habe ich vorerst nicht. Ich lasse mich gern eines Besseren belernen (Arnautovic zeig endlich, was Du kannst, Du Kindskopf!). Sonst bleibt es bei Selter statt Sekt!

… til a big surprise

Myo, meine Rechenkünste sind auch nicht mehr die besten. Noch 116 Tage, paar Stunden und Minuten – und dann beglückt uns Herr Dr. Anderson mit einer ‚big surprise’? Das wäre dann also am 28. August – 24 Uhr (29.08. – 1 Uhr MESZ)?! („ … und eins im Sinn!“ pflegte ein früherer Mathe-Lehrer von mir zu sagen). Aber was? Auf dem Jethro Tull Board @ www.laufi.de wird schon wüst spekuliert, was das denn sein könnte.

Sollte Ian Anderson mit seiner Band Jethro Tull tatsächlich ein neues Album auf den Markt bringen? Seinem Alter (geboren am 10. August 1947) entsprechend könnte man auch an einen frühzeitigen Ruhestand denken. Aber dafür ist das Datum (28. August) einfach zu krumm. Oder wird lediglich die Website relauncht? Die Vorankündigung wäre aber ziemlich früh gesetzt.

Hat jemand eine Idee, was die ‚große Überraschung’ sein könnte, die da angekündigt wird? Ich persönlich hoffe, dass es etwas wirklich Neues gibt – und wenn Altes, dann bitte auch visuell … Gab es da nicht noch einen 2. Teil von Tull-Avison (35. Jahrestag Tampa Stadium, Tampa, Fl. USA – 31.07.1976)?

Was meint Ihr?

P.S. Martin Barres Gitarrenkünste habe ich hier öfter schon gewürdigt. Ohne Zweifel (auch für andere) gehört er in die erste Liga der Rockgitarristen. So wurde sein Solo auf „Aqualung“ von den Lesern der englischen Zeitschrift „Guitarist“ zu den 20 Greatest Guitar Solos Of All Time auf Platz 20 gewählt. Immerhin.

Der Tod eines Terroristen

Osama bin Laden, der Gründer und Anführer der Al Kaida, ist tot. Er wurde gestern früh von der amerikanischen Spezialeinheit Navy Seals der US Marine in seinem Versteck in der pakistanischen Stadt Abbottabad erschossen.

Bin Laden stand für die Globalisierung des Terrors, der sich mit einer Spur der Gewalt über die ganze Weltkarte gezogen hat. Und: Viele Terroristen agierten in seinem Namen, ohne dass sie jemals mit ihm Kontakt hatten. Osama bin Laden war als geistiger Kopf der Al Kaida ein ‚Manager des Todes’, ein Mörder, der selbst wohl keinem Menschen je ein Haar gekrümmt hat. Wie ein Top-Manager der Industrie gab er die Direktiven heraus, kurzgefasst und unmissverständlich, um die Richtung ‘des Unternehmens’ zu bestimmen. Und schon setzte sich ein Team zusammen, um die Ausführungsrichtlinien zu verfassen. Die eigentliche Tat lässt man auf der untersten Ebene dieser perfiden Hierarchie ausführen. Handlungsgehilfen findet man überall (siehe meinen Beitrag Bestie Mensch).


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Osama Bin Ladens Unterschlupf in Abbottabad

Der Tod Osama bin Ladens ist kein Grund zur Freude (Frau Merkels „Freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten“ halte ich für unangebracht). Dafür sind u.a. auch die Umstände des Todes von bin Laden – wenigstens in der Öffentlichkeit – noch nicht genau geklärt. Allein völkerrechtlich dürfte die gezielte Tötung des Al Kaida-Führers bedenklich sein. „Erste Berichte, die Seals hätten von Anfang nur einen Tötungsbefehl gehabt, dementierten US-Regierungskreise: Bin Laden sei einzig erschossen worden, weil er sich gewehrt habe.“ (Quelle: spiegel.de) Natürlich bleiben bisher viele weitere Fragen offen, die zu wilden Mutmaßungen Anlass geben (siehe ard.de: Viele Fragen, wilde Mutmaßungen, kaum Fakten):

„Warum wurde er gerade jetzt aufgespürt? Welche Rolle spielt Pakistan? Und warum gibt es bis jetzt keinen Beweis für seinen Tod? Warum gibt es kein Foto als Beweis? Wilde Mutmaßungen gibt es viele, fundierte Antworten bislang eher wenige.“

Natürlich wird man bei uns Osama bin Laden keine Träne nachweinen. Und Friedensnobelpreisträger Obama, der die Operation angeordnet hatte, dürfte von der Tötung profitieren. Innenpolitisch steht er derzeit schwer unter Druck. Der Fahndungserfolg dürfte seine Chancen auf eine Wiederwahl im November 2012 verbessern. Ob aber die Welt nach dem Tod von bin Laden besser ist, dürfte bezweifelt werden. Operativ spielte er schon längere Zeit keine Rolle mehr. Aber wie der Hydra, dem Ungeheuer der griechischen Mythologie, wachsen wohl auch der Al Kaida neue Köpfe nach, wenn sie einen verloren hat. Längst dürfte der Ägypter Aiman az-Zawahiri als neuer Drahtzieher der Terrororganisation gelten. Und betrachtet man die Fahndungsliste der US-Behörden, dann drängen sich weitere Top-Terroristen in der Vordergrund.

Aber die Welt, besonders die arabische, hat zz. andere Probleme. Gegen Gaddafi in Libyen und Assad in Syrien war bin Laden fast ein ‚Waisenknabe’. Wie diese beiden Machthaber ihr jeweiliges Volk niederschießen lassen, ist Terror der schlimmsten Art: Staatsterror und Mord!

siehe auch: welt.de – US-Marine nennt Details zur Seebestattung Bin Ladens

AVAAZ: Demokratie weltweit auf dem Vormarsch

Als Einzelner ist man hilflos, ja ohnmächtig gegenüber den Entscheidungen, die von den Regierungen dieser Welt getroffen werden. Und oft regiert allein das Geld. Aber das Internet macht es möglich, die eigene Stimme nicht ungehört zu lassen. Jeder kann sich engagieren und sich an dem Kampagnen von Avaaz beteiligen. Ich habe zwar nur eine Stimme, aber als Teil eines großen Chors kann ich mir selbst bei den Mächtigen Gehör verschaffen.

Avaaz.org („The World in Action“) ist ein über 8 Millionen Menschen umfassendes, weltweites Kampagnennetzwerk das sich zum Ziel gesetzt hat, den Einfluss der Ansichten und Wertvorstellungen aller Menschen auf wichtige globale Entscheidungen durchzusetzen. („Avaaz“ bedeutet „Stimme“ oder „Lied“ in vielen Sprachen) Avaaz Mitglieder gibt es in jeder Nation der Erde; das Avaaz-Team verteilt sich über 13 Länder und 4 Kontinente und arbeitet in 14 verschiedenen Sprachen. Erfahren Sie hier etwas über einige der größten Aktionen von Avaaz hier, oder folgen Sie Avaaz auf Facebook oder Twitter.


NEUESTE KAMPAGNEN-HIGHLIGHTS


Anti-Korruptions-Kampagne explodiert in Indien
Vor zwei Wochen kündigte Anna Hazare, eine 73 Jahre alte gandhistische Aktivistin an, dass er bis zum Tod fasten würde, wenn sich die Regierung nicht bereit erklärt, der Zivilgesellschaft zu erlauben, einen Entwurf für ein neues, kraftvolles Anti-Korruptionsgesetz einzubringen. In nur 36 Stunden hat sich die unglaubliche Zahl von 500.000 Indern an der Avaaz-Kampagne beteiligt, um Hazares Ruf nach einer umfassenden Reform zu unterstützen. Innerhalb von 4 Tagen brachte der öffentliche Aufschrei Indiens Regierung dazu, eine schriftliche Vorlage aller Forderungen Hazares zu unterzeichnen. Wir haben gewonnen!! Heute wird ein neues Indien geboren – genau wie letztes Jahr in Brasilien, mit einem bahnbrechenden Gesetz gegen Korruption. Avaaz hilft, all dem Leben einzuhauchen.
Photo Anna Hazare


Durchbrechen der Mediensperre in Nahost:
Finanziert durch Spenden von beinahe 30,000 Avaazern arbeitet ein Avaaz-Team eng mit den Leitern der Demokratiebewegungen in Syrien, Jemen, Libyen und weiteren Ländern zusammen, um ihnen Hightech-Telefone und Satelliten-Internet-Modems zur Verfügung zu stellen, sie kommunikationstechnisch zu beraten und sie mit den Top- Medienkanälen der Welt zu vernetzen. Wir konnten die Kraft dieses Engagements sehen – wo mit Bildmaterialien und Interviews, bei deren Erstellung und Verbreitung unser Team die Aktivisten vor Ort unterstützt hat, ganze globale Medienzyklen entstanden sind. Der Mut der Aktivisten, die wir unterstützen, ist unglaublich – eine skype-Nachricht von letzter Woche lautete: „… Staatsschutz durchsucht das Haus, mein Laptop-Akku ist fast leer. Wenn ich morgen nicht online bin, bin ich entweder tot oder inhaftiert“. Er ist ok, und die Stimmen dieser mutigen Aktivisten kommen in der Welt an. Photo Bürgerjournalisten


Großer Erfolg bei Hilton Hotels gegen Vergewaltigungs-Handel:
24 Stunden, nachdem 317.000 Avaazer den Hilton-Geschäftsführer angerufen und ihn aufgefordert haben, einen Verhaltenskodex bezüglich des Vergewaltigungs-Handels zu unterzeichnen (anderenfalls müsse er damit rechnen, dass in seiner Heimatstadt eine knallharte diesbezügliche Anzeigenkampagne durchgeführt wird), bekamen wir einen hektischen Anruf seiner Vize-Präsidentin: „Sie machen WAS?“, fragte Sie. Hilton hatte dies monatelang hinausgezögert. Wir gaben Ihnen vier Tage, und Sie haben unterschrieben. Nun werden 180,000 Hotel-Mitarbeiter geschult, den Sexsklavinnen-Horror von Frauen und Mädchen zu erkennen und zu verhindern.


Großbritannien – Menschen gegen Murdochs Medien-Monopol:
Der Vorstoß des globalen Medien-Moguls Rupert Murdoch, seinen Würgegriff an der britischen Presse zu verstärken, steht einer unnachgiebigen Kampfansage von Avaaz-Mitgliedern gegenüber. Woche um Woche haben wir Anzeigen geschaltet, öffentliche Behinderungsaktionen organisiert, massive Petitionen eingegeben und Telefonaktionen veranstaltet, um die öffentliche Diskussion am Laufen zu halten. Eine von Avaaz in Auftrag gegebene unabhängige Umfrage brachte zutage, dass nur 5% der Briten auf Murdochs Seite sind. Außerdem höhlen neue Strafanzeigen wegen des Abhörens von Politikertelefonen den Schwung von Murdochs Medienmaschinerie weiter aus. Die Regierung war gezwungen, Murdoch Konzessionen zu entziehen und zögert nun eine Entscheidung in dieser Sache hinaus. Das kostet Murdoch Milliarden und gibt uns mehr Zeit, ihn für immer zu stoppen. Photo Murdoch-Aktion London


Massaker in Libyen verhindert: Eine Million Nachrichten an den UN-Sicherheitsrat
Unsere Nachrichten riefen zu Sanktionen auf, zum Einfrieren von Vermögen und einer international kontrollierten Flugverbotszone zum Schutz libyscher Zivilisten. Unsere Stimmen drangen durch: Die UNO-Botschafterin der USA, das der Intervention anfänglich kritisch gegenüberstand, bedankte sich öffentlich für die Nachrichten. Die internationalen Aktionen begannen just in dem Moment, als Gaddafis Panzer die von den Rebellen kontrollierte Stadt Benghazi umstellt hatten – die Intervention konnte wahrscheinlich ein großes Massaker unter der Zivilbevölkerung verhindert.


Berlusconis Zensurgesetz geschlagen:
Silvio Berlusconi, der sich einem kühleren politischen Klima und, vermutlich genau zur Zeit der Parlamentswahlen, einem Gerichtsverfahren wegen Unzucht mit Minderjährigen gegenübersieht, versuchte im Parlament ein Zensurgesetz durchzubringen, das die Kritiker seiner Partei in unabhängigen TV-Sendungen zum Schweigen gebracht hätte. Doch die italienischen Avaaz-Mitglieder wehrten sich – mit einer 70,000 Unterschriften starken Petition, Tausenden Anrufen beim Parlament und einer Flut von Medienaktionen im entscheidenden Moment, konnten sie die endgültige Abstimmung günstig beeinflussen. Das Gesetz wurde gekippt, ein großer Erfolg für die Avaaz-Mitglieder und für die Zukunft der italienischen Demokratie und die Meinungsfreiheit. Photo Italien-Petitionsübergabe


„Engel“ bekämpft Korruption in Spanien:
Diese Woche rief eine spanische Zeitung Avaaz als ihren „Engel des Tages“ bei der Bekämpfung der Korruption aus – ein Highlight aus einer landesweiten Lawine von Medienberichten über die von 100,000 Spaniern unterzeichnete Petition und die theatralischen Aktionen, die dazu aufriefen, nachgewiesenermaßen korrupte spanische Politiker bei den bevorstehenden Wahlen nicht mehr zuzulassen. Durch den steigenden Druck haben einige Parteien sich beeilt, den Forderungen nachzukommen – die anderen werden die Folgen an den Wahlurnen zu spüren bekommen. Photo Anti-Korruptions-Wand Spanien


Brasilien: Amazonas-zerstörenden Mega-Damm blockiert:
Der geplante Bau des Belo Monte-Staudamms, einer Umweltkatastrophe im Werden, wurde verzögert – teilweise dank der spektakulären Übergabe von mehr als 600,000 Petitions-Unterschriften – von Avaazern aus Brasilien und der ganzen Welt – durch Mitglieder einheimischer Stämme. Auch die Organisation Amerikanischer Staaten hat sich nun der Opposition gegen den Damm angeschlossen, da er ihrer Ansicht nach die Menschenrechte verletzt – der Druck, das Projekt zu stoppen und sich stattdessen auf die Nutzung von sauberen und erneuerbaren Energiequellen zu konzentrieren, nimmt immer weiter zu. Photo Marsch der Indigenen Gruppen


Wikileaks: Erfolg gegen die Folter
Vor zwei Wochen haben über 500.000 Avaaz-Mitglieder Präsident Obama dazu aufgefordert, die Isolation und menschenverachtende Behandlung des mutmaßlichen Wikileaks-Informanten, Bradley Manning, zu stoppen. Wenige Tage später gab die US-Regierung dem öffentlichen Druck nach und erklärte, dass Bradley Manning in ein neues, für mittlere Sicherheitsanforderungen ausgelegtes, Gefängnis verlegt werde und dort sein psychologischer Zustand untersucht werden soll. Das Militär lud sogar die Medien ein, damit diese sich ein Bild über die dortigen Haftbedingungen machen könnte. Der Druck der Bürger zeigte Wirkung!


Millionenstarker Schwarm zur Rettung der Bienen:
Mehr als eine Million Menschen, einschließlich 200,000 in Frankreich, haben eine explosive Petition für das Verbot von Pestiziden unterzeichnet, die Bienen auf der ganzen Welt massenhaft töten – und sie zusammen mit einer Gruppe französischer Imker bei einer wichtigen Konferenz dem französischen Landwirtschaftsminister übergeben. Die Kampagne geht weiter und baut überall Druck auf, in Frankreich, der EU und rund um den Globus. Photo Petitionsübergabe Bienensterben


Sieg über „falsche und irreführenden“ Berichterstattung in Kanada:
Konservative Beamte in Kanada haben an der Einrichtung eines propagandistischen TV-Netzwerks im Stil von Murdoch gearbeitet – doch im Februar, als sie damit begannen, die nationalen journalistischen Standards gegen falsche und irreführende Berichterstattung zu unterwandern, haben sie eine riesige Protestwelle ausgelöst. 100,000 kanadische Avaazer haben aus Protest unterschrieben, und die unverschämte Vorlage, die eine ausgewogene Berichterstattung unterminiert hätte, wurde zurückgezogen. Photo Petitionsübergabe Kanada


Weltweite Solidarität für Ägypten:
In ihrer dunkelsten Stunde im Kampf zur Befreiung von Mubarak haben die Ägypter die Welt wissen lassen, dass sie Solidarität brauchen – Avaaz hat auf den Ruf reagiert. 600,000 von uns aus aller Welt haben eine Botschaft der Unterstützung unterzeichnet , die vom Sender Al Jazeera direkt auf den Tahrir-Platz übertragen wurde – und die half, während der dunkelsten und unsichersten Stunden eine von Hoffnung getragene Bewegung aufrechtzuerhalten. Photo Bildschirmaufnahme Al Jazeera


Mubaraks Milliarden eingefroren:
Als Mubarak die Macht in Ägypten verlor, versuchte er, sein gestohlenes Vermögen mitzunehmen – doch innerhalb von Tagen haben mehr als eine halbe Million von uns eine Petition an die G20-Finanzminister gerichtet, seine Milliarden sofort einzufrieren. Die Nachricht wurde mit einer gegenüber dem Eiffelturm aufgebauten „Protest-Pyramide“ während einer Ministersitzung überreicht. In den darauffolgenden Wochen haben die EU und andere Länder in der ganzen Welt zugestimmt, die Vermögen von Mubarak und seinen Spitzenberatern einzufrieren. Photo Mubarak-Pyramide Paris


Unter Druck beginnt Südafrika, sich der „korrigierenden Vergewaltigung“ zu stellen:
Als eine lokale Gruppe in Südafrika eine Petition einreichte, und ihre Regierung aufforderte, das Problem „korrigierende Vergewaltigung“ anzugehen, die widerwärtige, seuchenartig um sich greifende Vergewaltigungen lesbischer Frauen, „um sie normal zu machen“ – wurde sie zunächst ignoriert. Doch als die Petition 170,000 Unterschriften zählte, wurde sie von der Regierung zur Kenntnis genommen. Jetzt, nachdem beinahe eine Million von uns unterzeichnet haben und das Thema große Aufmerksamkeit in den Medien auf sich zieht, wird der Druck zum bedeutsamen Handeln unaufhaltsam.


Übergabe von 1 Million Stimmen für Nahrungsmittelsicherheit
Ein neues direktdemokratisches Instrument, eingeführt durch den Lissabon-Vertrag, erlaubt es Bürgern mehr Einfluss auf EU-Politik zu nehmen. Über eine Million Bürger haben an der ersten EU-Bürgerinitiative teilgenommen, ein Prozess, der es EU-Bürgern erlaubt offizielle Petitionen einzureichen, die eine Antwort bedürfen. Avaaz-Mitglieder verlangen einen unmittelbaren Stopp von gentechnisch manipulierten Pflanzen in Europa, solange bis unabhängige Forschungsergebnisse, frei vom Einfluss der Industrie, aufzeigen können, dass sie sicher sind. Die Initiative wurde durch eine spektakuläre Aktion direkt an die EU-Kommission übergeben und zahlreiche Medienberichte sendeten ein deutliches Zeichen an die Beamten. Photo Dalli-Pressekonferenz


…und all das wird zu 100% von Avaaz-Mitgliedern weltweit finanziert!
All diese Kampagnen sind eine Demonstration der Hoffnung auf die Macht der Menschen – dafür, was möglich ist, wenn wir gemeinsam das Richtige tun. Und all diese Kampagnen wurden durch kleine Spenden von Avaaz-Mitgliedern finanziert. Fast 250,000 von uns haben für einzelne Avaaz-Kampagnen gespendet, und 10,000, spenden regelmäßig ein paar Dollar oder Euro pro Woche oder Monat, um die Kernkosten von Avaaz zu decken. — klicken Sie hier, um eine kleine Spende zu machen. Aufgrund dieser vielen kleinen Spenden ist Avaaz keinen Sponsor-Konzernen, vermögenden Einzelpersonen, oder staatlichen Geldgebern Rechenschaft schuldig. Stattdessen ist Avaaz nur seinen Mitgliedern gegenüber verantwortlich, und unserem gemeinsamen Traum von einer besseren Welt für alle.

Voller Hoffnung und großer Anerkennung der Leistungen jedes Einzelnen in dieser phantastischen Gemeinschaft,

Ricken, Ben, Saloni, Alice, Graziela, David, Shibayan, Morgan, Tihomir, Emma, Giulia, Rewan, Kien, Luis, Alex, Mia, Stephanie, Milena, Heather, Veronique, Iain, Pascal, Benjamin, Yura, Laura, Saravanan, Alma, Dominick, Brianna, Sam, Mohammad, Tricia, Janet, Laryn, Aleksandr, Maksim, Denis und alle freiwilligen Helfer, Übersetzer und das ganze Avaaz-Team.

Quellen:
Avaaz-Bericht, Times of London (Englisch)
http://avaaz.org/times_of_london_feature
Pressebericht über die Avaaz-Kampagne gegen Korruption in Indien, The Hindu (Englisch)
http://avaaz.org/the_hindu_hazare_launch
Hilton schliesst sich dem Verhaltenskodex an, ECPAT-USA (Englisch)
http://avaaz.org/ecpat_release
Artikel bezüglich der Murdoch-Kampagne, The Guardian (Englisch)
http://avaaz.org/murdoch_poll_guardian
„Engel des Tages“ Artikel, La Republica (in Spanish)
http://avaaz.org/republica_angel_of_the_day
Europäischen Bürgerinitiative in Brüssel eingereicht, Le Monde (Französisch)
http://avaaz.org/le_monde_eci

Hier finden Sie mehr Presse-Höhepunkte:
http://www.avaaz.org/en/media.php

Avaaz half ebenfalls bei der Finanzierung und Durchführung eines Projektes, das die erste öffentliche Meinungsumfrage von Flüchtlingen in Darfur durchführte. Hier finden Sie die Resultate: http://avaaz.org/darfur_report

Unterstützen Sie das Avaaz Netzwerk! Avaaz finanziert sich ausschließlich durch Spenden und akzeptiert kein Geld von Regierungen oder Konzernen. Das engagierte Online-Team sorgt dafür, dass selbst die kleinsten Beträge effizient eingesetzt werden — Spenden Sie hier

Quelle: avaaz.org

1. Mai – Tag der Arbeit – 2011

Neben dem Tanz in den Mai (der 30. April ist auch die Walpurgisnacht) und der Tradition des Maibaumaufstellens ist der 1. Mai seit vielen Jahren der Tag der Arbeit, also der Tag, an dem die Arbeiterbewegung ihre Forderungen durch Demonstrationen bekräftigt. Statt Arbeiter setze man heute Arbeitnehmer.

In einer Gesellschaft, die sich als zivilisatorisch versteht, sollte jeder durch seinen Fähigkeiten entsprechende Arbeit den ihm angemessenen Lebensunterhalt bestreiten können. Dass das nicht immer selbstverständlich war und teilweise auch heute nicht ist, bedarf keiner weiteren Erörterung.

1. Mai 2011: „Passend zum 1. Mai verkündet Arbeitsministerin von der Leyen mit dem neuerlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf 3,08 Millionen ein Jobwunder. Wenn sie rund eine Million Arbeitslose noch hinzuzählen würde, wäre sie dichter an der Wahrheit. Alleine fast 400.000 Arbeitslose werden nicht mitgezählt, weil sie älter als 58 Jahre sind.

Schaut man genauer in die Statistik der Bundesagentur, dann offenbart sich, wie viele bereits ins Abseits gedrängt wurden. 830.000 Menschen beziehen Arbeitslosengeld I, mehr als 4,7 Millionen Arbeitslosengeld II. Sie sind erwerbsfähig und finden keinen Job. Oder nur menschenunwürdige bei denen sie so wenig verdienen, dass sie nicht aus der Abhängigkeit vom Arbeitslosengeld II heraus kommen. Das sind die rund 1,4 Millionen ‚Aufstocker’. Mit mehr Vollzeitjobs und dem Mindestlohn von 10 Euro könnte dieser Skandal, der die Sozialkassen mehr als zehn Milliarden Euro kostet, weitgehend beseitigt werden.

Das vermeintliche Jobwunder wird auch bejubelt, weil es mittlerweile wieder 28 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftige gibt. Rund 700.000 mehr als noch vor einem Jahr. Nur dieser Erfolg beruht zu einem großen Teil auf Leiharbeit, befristeten und anderen miesen Jobs.“

Quelle: www.michael-schlecht-mdb.de