Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Blumenpracht Teil 27

Es lässt sich nicht leugnen: Der Herbst hält Einzug bei uns. Auch wenn die Temperaturen noch den Sommer verkünden, die ersten Blätter verfärben sich, der Herbst zeigt sich in den für ihn so typischen Nuancen: Erdend von gelb über rot zu braun. Und Gelb regiert die Blumenwelt! Sonnenblumen zeigen sich noch in voller Blüte, aber die ersten sind schon verwelkt und geben ihre Früchte an die Natur frei.

Sonnenblumen in AlbinZ Garten (September 2010)

Sonnenblumen in AlbinZ Garten (September 2010)

Sonnenblumen in AlbinZ Garten (September 2010)

Sonnenblumen in AlbinZ Garten (September 2010)

Sonnenblumen in AlbinZ Garten (September 2010)

Das Geheimnis der Freiheit

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. So ähnlich äußerte sich Rosa Luxemburg. Freiheit hat aber auch seine Grenzen, nämlich dort, wo es die Freiheit anderer beschneidet. Freiheit lässt sich auf viele Arten definieren, so gilt sie als Freiheit der Rede, Freiheit Gott auf eigene Weise zu verehren und auch als Freiheit von Not.

Wenn gerade Politiker das hehre Wort von Freiheit in den Mund nehmen, werde ich hellhörig, da meine Skepsis geweckt ist. Jetzt hat trotz geballter Proteste von Muslimen Kanzlerin Angela Merkel den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard für seine unbeugsame Haltung ausgezeichnet. Es geht um Pressefreiheit – aber eben auch um Religionsfreiheit. Im Fall der Mohammed-Karikaturen berühren sich beide auf ‚unheilvolle’ Weise.

Frau Merkel sieht im Mut „das Geheimnis der Freiheit“. Mut, sich zu äußern, wenn es andere nicht tun. Und es ist sicherlich angebracht, solchen Mut auszuzeichnen. Im vorliegenden Fall halte ich das aber für sehr bedenklich. Muss eine Person ausgezeichnet werden, die ihre Meinung bildlich geäußert hat (so viel Mut gehört zunächst nicht dazu)? Die dafür aber auch in Kauf genommen hat, Millionen Menschen in ihrem Glauben zu beleidigen?

Die Kehrseite der Medaille: Westergaards Zeichnung zeigt Mohammed mit einer Bombe als Turban. Die Veröffentlichung der Karikatur sowie der von Kollegen war 2005 als Provokation empfunden worden und hatten weltweit gewaltsame Proteste von Muslimen ausgelöst. Westergaard wird von radikalen Islamisten mit dem Tode bedroht und steht seit fünf Jahren unter Polizeischutz.

Herrn Westergaard ist freie Meinungsäußerung zuzugestehen. Die Reaktionen darauf offenbaren die gewaltbereite Haltung von fundamentalistisch-religiösen Islamisten. Aber seine Karikaturen beleidigen auch gemäßigte Moslems, so wie sicherlich auch Karikaturen des Papstes katholische Gläubige beleidigen würden.

Frau Merkel windet sich einmal wieder wie ein Aal, wenn sie sagt: „Egal, ob wir die Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie für nötig oder hilfreich halten – oder eben nicht.“ Dies widerspreche keinesfalls der Tatsache, dass Europa auch ein Ort sei, an dem Freiheit und Religion ein hohes Gut seien.

Sicherlich hat Freiheit nicht unbedingt etwas mit Geschmack zu tun, denn geschmackvoll sind diese Zeichnungen nicht. Karikaturen sind nun einmal überzeichnete Bilder, Zerrbilder, die es auf einen bestimmten Punkt absehen, der im Betrachter den Kontrast zur Realität, den Widerspruch aufzeigen soll. So sind Karikaturen in der Regel beleidigend.

Karikaturen können auch Öl sein, das ins Feuer gegossen wird. Westergaards Zeichnungen sind solches Öl und verursachten einen Flächenbrand, der bis heute nicht gelöscht ist. Ich frage mich deshalb, ob so etwas sein muss. Muss bewusst provoziert werden, nur um offen zu legen, dass die ‚Angesprochenen’ in dargestellter Weise gewalttätig sind? Darf ich riskieren, dass sich gemäßigte mit radikalen Kräften solidarisieren? UND: Muss man das dann noch auszeichnen – mit dem Verweis auf Freiheit?

Apropos Freiheit, Presse- und auch Rundfunkfreiheit. Gab es da nicht den Fall Nikolaus Brender, ehemals Chefredakteur des ZDF? Die hehren Worte von Freiheit aus Politikermund erweisen sich wie so oft als zwiespältig. Als es um die Vertragsverlängerung für Herrn Brender ging, nahm ein gewisser Roland Koch maßgeblich Einfluss auf das Geschehen, sodass sicherlich zurecht von parteipolitischer Einflussnahme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesprochen wurde – oder von parteipolitischen Seilschaften, die nach parteipolitischen Kriterien Journalistenposten bestimmen.

Zurück zur Preisverleihung: Frau Merkel verurteilte in diesem Zusammenhang die Ankündigung radikaler Christen in den USA, den Koran öffentlich zu verbrennen. „Das ist schlicht respektlos. Abstoßend – einfach falsch.“ Sie tut gut daran, das zu sagen, obwohl ich einen unmittelbaren Zusammenhang nicht erkennen kann, es sei denn, sie rügt hier falsch verstandene Freiheit. Nur soviel: Es macht wenig Sinn, Herrn Westergaard mit diesen so genannten Christen in einen Topf zu werfen.

Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden. Freiheit ist allein daher schon nicht grenzenlos. Sie gebietet Rücksichtnahme, wenn auch nicht faulen Kompromiss. Freiheit lässt sich nicht verbiegen oder bestimmten Situationen anpassen. Und Freiheit lässt sich nicht feiern, nicht so, Frau Merkel!

Liebe Amerikaner, verbrennt eure Kalorien – nicht den Koran!
Dear Americans, you need to burn Calories, not Quran

Altes „Neues“ von Jethro Tull (6)

Das Neueste gleich am Anfang: Ian Anderson macht auf „soziales Netzwerk“ und nutzt seit wenigen Tagen die Dienste von Twitter unter @jethrotull bzw. Facebook: Jethro Tull. Viel tut sich da noch nicht, ist ja auch noch jung. Ich bin gespannt, wie es da weitergeht (oder ob es sich schon bald als Todgeburt herausstellt).

Immer wieder stellen sich alte (natürlich auch junge) Tull-Fans die Frage, wann denn wieder einmal etwas Neues auf Tonträger von Jethro Tull auf den Markt kommt. Dazu müssten die Jungs nicht nur genügend Material zusammenbekommen, sondern auch einmal wieder ein Tonstudio von innen betrachten. Mein Ton verrät es sicherlich: Ich glaube eher an den Weihnachtsmann als …

In meinem schon längere Zeit zurückliegenden Beitrag Neues aus Ians Werkstatt? hatte ich von zwei Stücken berichtet, die neu sind: Tea with the Princess und Change of Horses. Inzwischen gibt es auch ein Video bei Youtube von einem weiteren neuen Stück: Hare In The Wine Cup. Ich traue mich nicht richtig, etwas dazu zu schreiben. Das Stück klingt folkig, gut geeignet für Altherrenabende bei einem guten Glas Wein (darf auch a wee drum of whisky sein) als Hintergrundsmusik. Schon etwas älter (das Stück, nicht die Herren) dürfte der Instrumentaltitel The Donkey and the Drum(mer) sein.

Aber genug gelästert. Mir und einigen anderen Tull-Fans bleibt immerhin genügend Videomaterial aus alten Tagen zur Betrachtung verfügbar – und dank YouTube kommt das eine oder andere Video in etwas besserer Qualität hinzu (und auch bisher Ungesehenes erfreut das Gemüt):

Jethro Tulls alte Kleider

JT: The Witches Promise (sieht nach Beat Club von Radio Bremen 1970 aus)
JT: Minstrel in the Gallery
JT: North Sea Oil & Old Ghosts (RockPop, 1980)
JT: Crossfire (RockPop, 1980)
JT: Requiem Live 1989

Ein absolut geiler optischer Schmackerl ist das folgende Video: Jethro Tull mit „Teacher“. Aufgenommen für den altehrwürdigen Beat-Club in Bremen 1970. Klar, es ist nur Playback (und die Version mit der Orgel), aber den Meister auf ’ner E-Gitarre (Gibson) klampfend sieht man nicht alle Tage.


Jethro Tull – Teacher (Beat Club, 1970)

Der Witzableiter (18): Den können Sie echt vergessen

Fortsetzung von: (17): Das Mitleid beim Eigentor

Nein, die Kolumne „Der Witzableiter“ von Eike Christian Hirsch, die 1984 im ZEITmagazin erschien, habe ich nicht vergessen. Nach fast fünf Monaten hier endlich der nächste Teil. Heute geht es u.a. um die Frage, warum wir Witze immer wieder vergessen. Hier eine Erklärung.

„Sagen Sie, was ist Chuzpe?“ „Das ist jiddisch und heißt Frechheit. Chuzpe ist es, wenn ein Mann, der verurteilt werden soll, weil er Vater und Mutter erschlagen hat, um ein mildes Urteil bittet, denn er sei schließlich Vollwaise.“

Auf deutsch gesagt, Frechheit siegt. Solch ein Erfolg löst in uns mal wieder recht gegensätzliche Gefühle aus, ich vermute: Empörung und Bewunderung zugleich. Der zum Tode Verurteilte wartet auf die Hinrichtung. Ein Priester kommt in seine Zelle. „Mann Gottes“, schreit der Delinquent, „was soll ich mich lange mit Ihnen abgeben, in einer Stunde stehe ich vor Ihrem Chef persönlich!“

Mal zwischendurch eine ganz andere Frage: Warum können Sie eigentlich keine Witze behalten? Das haben Sie sich wahrscheinlich auch schon mal gefragt. Heute werden Sie darauf vielleicht eine Antwort bekommen. Ob Sie diesen hier auch vergessen werden?

Der Student wird in Zoologie geprüft. Der Professor hat neben sich einen Vogelkäfig, der aber so zugedeckt ist, daß man nur die Krallen des Vogels sieht. „Was für ein Vogel ist das?“ will der Professor wissen. „Da muß ich schon mehr zu sehen bekommen“, sagt der Student. „Durchgefallen!“ donnert der Prüfer. Als der Student schon an der Tür steht, ruft der Professor: „Welcher von den Kandidaten sind Sie überhaupt?“ Da zieht der Student ein Hosenbein hoch und sagt: „Raten Sie mal.“

Ich glaube, in unseren Tagträumen sind wir oft solche Helden. Aber im Alltag haben wir Angst davor, so kühn zu sein. Da tritt unsere Abwehr auf den Plan, und wir sagen uns: „So darf man nicht sein. Das tut man nicht!“ Mit dieser Ambivalenz der Gefühle hören wir dann auch solche Witze, mit Bewunderung und Empörung. Der große Therapeut zum Patienten: „Als erstes muß ich Ihnen sagen, daß eine Konsultation bei mir hundert Mark kostet.“ „Ich weiß“, sagt der Patient resigniert. „Zweitens: Für dieses Honorar kann ich Ihnen nur zwei Fragen beantworten.“ „Hundert Mark für zwei Antworten – finden Sie das nicht etwas teuer?“ „Mag sein“, antwortet der Therapeut, „und wie lautet Ihre zweite Frage?“

Jeder gute Witz scheint (Sie erinnern sich) zwei gegensätzliche Gefühle in uns zu wecken. Meist sind es Lust und Angst. Hier handelt es sich, genauer gesagt, um Bewunderung und Empörung. „Verflucht“, schreit der Ehemann, „du küßt mich nur, wenn du Geld brauchst!“ „Na“, sagt sie, „ist das etwa nicht oft genug?“

Eigentlich antwortet man so nicht, obwohl wie es alle können möchten. Unsere Einsicht in diese Ambivalenz paßt gut zu einer Grundannahme der Psychoanalyse. Kaum eine Lehre Freuds hat sich so bestätigt wie die von den Abwehrmechanismen. Die treten in Aktion, wenn ein Wunsch in uns unterdrückt werden soll, weil seine Ausführung zu gefährlich wäre. Auf unser Beispiel angewendet: den Wunsch nach Frechheit (nach Chuzpe) unterdrücken wir, indem wir den Gegen-Impuls entwickeln, immer korrekt sein zu wollen. Was sich dieser Schüler leistet, lehnen wir daher ab (und bejubeln es heimlich): Der Lehrer hat einen Verdacht. „Oliver, du hast dieselben vierzehn Fehler im Diktat wie dein Nebenmann. Wie kannst du mir das erklären?“ Oliver überlegt und sagt dann: „Wir haben schließlich auch denselben Lehrer!“

Witzableiter (18)

Einer von Freuds Abwehrmechanismen ist sprichwörtlich geworden, nämlich das Verdrängen. Eine andere Art der Abwehr heißt Reaktionsbildung. Das ist unser Versuch, einen Wunsch, der uns Angst macht, dadurch abzublocken, daß wir ihm einen gegenteiligen Impuls entgegenstellen. Und genau in dieser Situation, so meine ich, trifft uns ein guter Witz – wenn er uns trifft.

Gast: „Sagen Sie mal, Herr Ober, ist das Schweinefleisch oder Kalbsfleisch?“ Ober: „Können Sie das denn nicht unterscheiden?“ Gast: „Nein.“ Ober: „Dann kann es Ihnen ja auch egal sein.“

Wenn wir die Lehre von den Abwehrmechanismen auf den Witz anwenden (das hat bisher noch niemand versucht), dann können wir sagen: ein Witz weckt in uns einen verdrängten Wunsch (z.B. den nach Chuzpe) und befriedigt zugleich unsere Abwehr, also den Gegen-Impuls (hier also den Wunsch, korrekt zu sein und nicht zu provozieren). Ja, auch der Gegen-Wunsch geht in Erfüllung, denn im Witz riskieren wir ja nichts, es passiert uns nichts, wir brauchen keine Angst zu haben.

Während der Aufführung der „Räuber“ unterhält sich ein Besucher ziemlich laut mit seiner Frau. Darüber beschwert sich sein Nachbar: „So seinen Sie doch endlich still, man kann ja kein Wort von der Bühne verstehen!“ Ein vernichtender Blick trifft ihn: „Ein gebildeter Mensch kennt die Räuber.“

Haben Sie, verehrte Leser, vielleicht auf ihre Reaktion geachtet? Es könnte sein, daß Sie zuerst einen kleinen Schrecken bekommen haben und sich dann doch heimlich auch über die verbotene Frechheit freuen konnten.

Der Bankräuber schiebt dem Kassierer einen Zettel zu: „Alles Geld in die Tasche packen. Aber dalli!“ Der Bankangestellte nimmt den Zettel, schreibt etwas auf die Rückseite und schiebt den Zettel wieder zurück. Der Räuber liest: „Binden Sie sich mal Ihren Schlips ordentlich. Sie werden nämlich gerade fotografiert.“

All diese Witze werden Sie wieder vergessen. Und nun wissen sie auch, warum das so ist. Weil die verbotenen Wünsche, die im Witz plötzlich wieder da sind, gleich wieder verdrängt werden müssen. Auch den hier können Sie echt vergessen:

Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher diskutieren über das Christentum. Endlich sagt der Katholik begütigend: „Wir dienen schließlich beide dem gleichen Herrn. Sie auf Ihre Weise – und ich auf seine.“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 45/1984

[Fortsetzung folgt]

Simon Dupree and The Big Sound featuring Reg Dwight

Geschichten gibt’s, die glaubt man fast nicht. Oder hat jemand gewusst, dass Elton John einmal mit den Brüdern Shulman zusammengespielt hat, die 1970 die Artrock-Gruppe „Gentle Giant“ gegründet hatten?

Auf der Heimfahrt von der Arbeit höre ich in diesen Tagen die alten Aufnahmen der Gruppe Gentle Giant, die von 1970 bis 1980 existierte. Neben Jethro Tull zählt für mich die Gruppe Gentle Giant zu den interessantesten Vertreter des Artrocks (obwohl ich diese Schublädchen wie Artrock oder Progessive Rock nicht so mag). Besonders die ersten Alben der Band haben es mir angetan. Leider wurde der Stil zunehmend geändert, um kommerzielle Erfolge zu erzielen, was dann aber nicht eintraf. So löste sich die Gruppe leider viel zu früh auf.

Gentle Giant sah ich als Vorgruppe von Jethro Tull Anfang 1972 zum ersten, leider auch zum letzten Mal live auf der Bühne. Die Gruppe zählt man zum britischen Artrock mit unverwechselbarem Klangbild. Einflüsse von Klassik, Blues, Jazz und Avantgarde prägten dabei den komplexen Sound. Viele Titel haben ihren Ursprung in europäischer Musiktradition und speziell in keltischer Musik. Ausgefallene Arrangements mit einem breiten Spektrum an Instrumenten und fantastische, mehrstimmige Gesangspassagen waren das Markenzeichen von Gentle Giant. Noch faszinierender als das Arsenal der Instrumente und Stilmittel war die strukturelle Dichte des Geschehens: Diese fünf Rocker hatten offenbar größten Spaß an Kontrapunkt und Polyphonie, gegenläufigen und mehrschichtigen Partituren, ungeraden Metren und ständigen Taktwechseln. „Es ist unser Ziel, die Grenzen der zeitgenössischen Popmusik zu erweitern – auch auf die Gefahr hin, damit sehr unpopulär zu sein.“

Inzwischen wurden die alten Alben der Gruppe als CDs neu aufgelegt, teilweise auch digital remastered, und sind wieder im Handel erhältlich: Gentle Giant

Wie viele andere Gruppen, die um die Jahre 1968-70 entstanden, so hat auch die Gruppe „Gentle Giant“ eine etwas anders geartete Vorgeschichte. In den 60er-Jahren spielten die Brüder Derek (*11.2.1947), Ray (* 3.12.1949) und der Saxofonist Phil Shulman (* 27.8.1937) in Gruppen, die sie „The Howling Wolves“ und dann „The Road Runners“ nannten. Daraus wurde dann Anfang 1966 die Gruppe Simon Dupree and the Big Sound, wobei sich Derek Shulman, der Sänger der Gruppe, Simon Dupree nannte. Die Gruppe spielte Rock and Roll und Motown und die Bandmitglieder wurden so auch die „blue-eyed soul brothers“ genannt. Für unsere Ohren war das typische 60er-Jahre-Musik. Interessantes Detail am Rande: Neben den Beatles und den Moody Blues war die Gruppe eine der ersten, die sowohl bei den Aufnahmen im Abbey Road Studios als auch auf der Bühne das Mellotron benutzten. Auch wenn der große Erfolg für Simon Dupree and the Big Sound ausblieb, so hatten sie zumindest 1967 einen Top Ten Hit in England, das Stück „Kites“


Simon Dupree and the Big Sound: Kites

Wenn der große Erfolg von Simon Dupree and the Big Sound auch ausblieb, so traten sie doch bei verschiedenen Veranstaltungen mit Größen wie Jimi Hendrix, The Beach Boys, den Walker Brothers und Cat Stevens auf. Und als man 1967 auf Tour durch Schottland ging, fiel wegen Krankheit der Keyboarder Eric Hine aus und musste ersetzt werden. Als Ersatz sprang so Reg Dwight – mit vollständigen Namen Reginald Kenneth Dwight – ein. Dieser Reg Dwight ist heute besser bekannt als Elton John. Elton John kam damals als Ersatz über eine Agentur zur Gruppe und bekam für die Auftritte 25 £ die Woche. Immerhin ist doch noch etwas für die Nachwelt hängen geblieben. Elton John aka Reg Dwight schrieb für die Band ein Lied und spielte auch das Klavier (Text übrigens von Bernie Taupin): ‚I’m Going Home‘, das allerdings damals nicht veröffentlicht wurde und erst im März 2004 auf den Markt kam (Part of My Past (1966-1969)). Außerdem spielte Elton John auf den Liedern ‚Laughing Boy From Nowhere‘ und ‚Give It All Back‘.

Wie ging es dann weiter? Frustriert von ihrer Popband “Simon Dupree And The Big Sound”, die 1967 mit „Kites“ in England wie bereits erwähnt einen Top Ten Hit hatte, gründeten 1968 die Brüder Shulman mit dem Drummer Martin Smith in Glasgow „Dynamics Of Gentle“. Die Shulman-Brüder haben diesen Hit übrigens gehasst. Bald darauf kamen Kerry Minnear (* 2.1.1948) und Gary Green (* 20.11.1950) hinzu. Als Gentle Giant strebten sie dann ab 1970 einen progressiven Art-Rock an.

Diverse Videos zu Simon Dupree and the Big Sound gibt es bei YouTube.

zu Gentle Giant siehe auch meine Beiträge:
Gentle Giant: The Advent of PanurgeGentle Giant live im Golders Green Hippodrome 1978Gentle Giant – An Inmate’s LullabyThree Friends – die (halbe) Gentle Giant Reunion

Alice im Wunderland

Alice im Wunderland ist ein erstmals 1865 erschienenes Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll, das sich vorwiegend im englischen Sprachraum bis heute großer Beliebtheit erfreut, aber natürlich auch bei uns bekannt ist. Von diesem Buch (und der Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln) gibt es inzwischen eine Vielzahl an Filmadaptionen – die neueste erschien Anfang des Jahres in der Regie von Tim Burton mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter, die beide gewissermaßen zum Stammpersonal von Burtons Filmen gehören (u.a. 2005 in Charlie und die Schokoladenfabrik und 2007 Sweeney Todd) und verarbeitet beide Bücher: Alice im Wunderland. Seit Ende August kann man den Film auch als DVD Alice im Wunderland in den eigenen vier Wänden betrachten.


Alice im Wunderland – Offizieller Trailer

Mit der Kindheit scheint es für Alice Kingsley (Mia Wasikowska) vorbei zu sein: Familie und aristokratische Bekanntschaft erwarten eine euphorische Vermählung mit dem steif-versnobbten Geschäftsmann Hamish (Leo Bill). Wenn da nicht dieses wild mit einer Taschenuhr wedelnde Kaninchen (Stimme im Original: Michael Sheen) wäre! Kurzerhand setzt Alice Prioritäten, folgt dem sonderlichen Wesen durch den Schlossgarten – und purzelt durch den Kaninchenbau. Endlos fällt sie – und dann wird der Traum wahr. Mit großen Augen stapft Alice durch die bunt schimmernde Anderswelt. Doch etwas stimmt nicht: Die despotische Königin in Rot (Helena Bonham Carter) hat ihrer weißen Schwester (Anne Hathaway) die Krone gemopst und das Reich unterjocht. Die Prophezeiung der blauen Raupe Absolom (Stimme: Alan Rickman) ist unmissverständlich: Nur Alice kann ihr die Stirn bieten, den grausamen Drachen Jabberwocky (Stimme: Christopher Lee) bezwingen und Wunderland befreien. Gemeinsam mit einem verrückten Hutmacher (Johnny Depp) und einer mysteriösen Grinsekatze (Stimme: Stephen Fry) begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise…

aus: filmstarts.de

Alice im Wunderland ist wie „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ein in manchmal quietschebunten Farben aufgenommener Film und besticht insgesamt durch eine eigene Ästhetik – man könnte sagen: Burton-like mit Gothic-Einschlag. Und ob Johnny Depp nun als verrückter Hutmacher überzeugt oder als Willy Wonka, den Schokoladenfabrikanten, bzw. als Sweeney Todd, den teuflischen Barbier aus der Fleet Street – ohne Depp scheint nichts bei Burton zu gehen. Besonders überzeugt hat mich aber Mia Wasikowska als Alice, die sich auf charmante Art sehr emanzipiert zeigt. Es gelingt ihr auf der Schwelle vom abenteuerlustigen Kind zur frühreifen Frau, eine Identifikationsfigur zu schaffen.

Natürlich ist es ein Märchenfilm, wenn auch nicht unbedingt für die Kleinen, dem sich auch jung gebliebene Erwachsene nicht entziehen können. Im Film werden Sprache und Identität zu Spielbällen zwischen Kinderphantasie und LSD-Trip (daher die vielen seltsamen Getränke und auch die Pilze auf den Wiesen?). Es sind aber besonders die kleinen Augenblicke geistreicher und mit Verve gespielter Carroll-Interpretation, die „Alice im Wunderland“ über weite Passagen äußerst unterhaltsam halten. Geistreicher Nonsens vielleicht, bunte Ästhetik mit Sicherheit – wer das mag, dem kann ich den Film nur empfehlen.

Es stellt sich besonders hier die Frage (wie aber bei jeder Literaturverfilmung), ob die bunten Bilder der Leinwand oder des Bildschirms die Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen, nicht übertünchen. Man sollte beides sicherlich separat sehen: das Lesen eines Buchs als sehr persönliches Erlebnis und die Filmadaption als Interpretation eines anderen. Allein der Vergleich ist Diskussionsstoff genug.

Daher der Name Bratkartoffel (2)

Neulich bekam ich folgende Mail:

Zum Thema Worterfindungen (Neologismen) hätte ich einen Vorschlag, worüber sich bloggen ließe:

Schauen Sie einmal auf www.ideesamkeit.de – dort gibt es ein ganzes Mitmachwörterbuch der Worterfindungen. Einige Wortbeispiele und Beschreibungen finden Sie unter hier.

Einfach mal reinkucken. Daran, dass die Neuwörter keine Eintagsfliegen bleiben, wird noch gearbeitet ;-).

Auf den ersten Blick finden sich hier Wortschöpfungen, die Begriffe, die sich bei uns aus anderen Sprachen ((z.B. aus dem Englischen) ‚festgesetzt’ haben, verdeutschlichen (um auch einmal eine Worterfindung zu kreieren, ’tschuldigung, zu erschaffen). Vieles ist dabei äußerst gewöhnungsbedürftig und wird kaum Chancen haben, sich in die deutsche Sprache ‚hineinzuschleichen’ (Ideesamkeit steht übrigens für Kreativität).

Was hat das mit meinem Thema zu tun, in dem es um Redensarten resp. Redewendungen geht? Es geht mir um den Volksmund, um den „volkstümlichen Sprachgebrauch“, wie man es heute eher nennt. Dabei stammt der Begriff ‚Volksmund’ … aus Volkes Mund.

Viele Redensarten stammen aus dem Volksmund und werden von Generation zu Generation weitergegeben – meist natürlich auf mündlichem Wege. So gibt es ‚Sprüche’, die ich von meinem Vater kenne – und die teilweise auch schon meine Söhne verwenden. Heute, im Zeitalter der schriftlichen Fixierung (sollte ich es ‚Festhaltung’ nennen?) wie z.B. auch in einem Blog wie diesem, fließen Redensarten und Redewendungen natürlich auch in Texte u.ä. ein. Die Literatur bedient sich ihrer (z.B. Martin Walser), es werden Nachschlagewerke mit ihnen geschaffen oder sie bedecken als Kritzeleien Mauern und Wände.

Viele dieser Redensarten sind nicht jedermanns Sache. Mein Vater prägte hierfür den Begriff „Scheißhausspruch“, was auf die Herkunft solcher Sprüche hindeuten sollte. Wer kennt sie nicht diese oftmals auch obszönen Sudeleien in öffentlichen Bedürfnisanstalten. So weit ging mein Vater zwar nicht, meinte aber einen vermeintlich dummen Spruch mit solchen in Beziehung zu setzen.

Aber zurück zum Thema – und gleich eine weitere Exkursion: Natürlich gibt es auch in anderen Sprachen Redewendungen, die sehr plastisch wirken. Eine Sammlung solcher Sprüche und deren Übersetzung ins Deutsche wäre äußerst interessant, weil sie aufzeigen würde, wie unterschiedlich bestimmte Situationen, Eigenschaften und dergl. betrachtet werden. Ich habe einige solche bereits im ersten Teil meiner Betrachtungen erwähnt. Nun gibt es von der Rockgruppe Jethro Tull ein gut 40-minütiges Stück in Form einer Suite mit dem Titel „Thick as a Brick“ (Teil 1 bzw. Teil 2 der Konzertfassung im Video). Wörtlich übersetzt bedeutet Thick as a Brick „Dick wie ein Ziegelstein“. Die korrekte Bedeutung dieses umgangssprachlichen Ausdrucks ist jedoch „Dumm wie Bohnenstroh“ oder schlicht „saublöd“. Der Begriff stammt wohl aus dem Norden Englands (der Komponist und Texter des Stücks, Ian Anderson, verbrachte seine jungen Jahre in Blackpool) und ist selbst im Englischen nicht überall geläufig, da eben regional gebraucht.

Um den Kreis zu schließen: Redensarten entstehen (und vergehen sicherlich auch). Wird ein besonders prägnantes ‚Bild’ erdacht, so breitet es ich schnell „wie ein Lauffeuer“ aus – erst räumlich, dann über Generationen auch zeitlich. Natürlich werden auch heute Redensarten „erfunden“ und finden sich z.B. als Szenesprache wieder. Und vielleicht bürgert sich eines Tages auch die Ideesamkeit als Synonym für Kreativität in unserem Sprachgebrauch ein.

siehe auch: Daher der Name Bratkartoffel (1)

Jethro Tull – „Roadies on the Road“ 1992

Bei YouTube bin ich über eine interessante TV-Dokumentation gestolpert, die ich hier gern vorstellen möchte. Auf dem Account von steamrollerblues3000 findet sich (in drei Teile aufgeteilt) eine Produktion des Hessischen Rundfunks (HR) aus dem Jahre 1992 mit dem Titel „Roadies on the Road“. Ha, die Anspielung auf den Tull-Titel „Rocks on the Road“ habt auch Ihr verstanden, sehr gut.

Ja, es geht um die Arbeit von Roadies anlässlich einer Tournee von Jethro Tull durch Deutschland aus dem Jahre 1992. Und einige längere Konzertmitschnitte werden in der gut 25-minütigen Dokumentation gleich mitgeliefert. Es ist ein hartes Brot: der Job als Roadie. Ein echtes Privatleben gibt nicht, wenn die Jungs auf Tour sind. Während Herr Anderson seinen Feierabend bereits genießen darf, müssen die Jungs noch einmal kräftig ranklotzen, um Anlage und Instrumente abzubauen und in die LKWs zu verfrachten. Und beim Aufbau der Anlage gibt es immer wieder das eine oder andere technische Problem, das zu lösen ist. Am Abend muss alles funktionieren, sonst gibt es Ärger mit Herrn Anderson.


Jethro Tull – „Roadies on the Road“ 1992 in 3 Teilen

Google Street View (3): Kyleakin

Fährt man vom schottischen Festland von Kyle of Lochalsh über die Skye Bridge auf die Isle of Skye, so stößt man auf einen Kreisel, den Kyleakin Roundabout. Auf der linken Seite liegt Kyleakin, ein kleiner Ort – rechts geht es weiter auf die Insel. Fährt man dagegen geradeaus, so kommt man auf die Old Kyle Farm Road. Dort auf der linken Seite hatte ich mit meiner Familie im August 2005 für acht Nächte im Gästehaus „Mo Dhachaidh“ (zu deutsch: „Mein Heim“) bei Greta Macleod Sheedy eine Ferienwohnung (Blick auf Kyleakin) gemietet (siehe auch den Beitrag: Rückblick auf unsere Schottland-Reise 2005 (Unterkünfte))

Dank Google Street View, einem Zusatzdienst zu Googles Kartendienst Google Maps und dem Geoprogramm Google Earth (Google Street View zeigt Ansichten in 360°-Panoramabildern aus der Straßenperspektive) bin ich nun noch einmal nach Kyleakin zurückgekehrt. Meine kleine virtuelle Wanderung beginne ich dort, wo u.a. der Linienbus zum Festland nach Kyle of Lochalsh hält. Hier befindet sich ein Restaurant samt Bar und Café.


Kyleakin (Castle Moil Restaurant mit King Kaakon Bar & Cafè Moil) – mit Blick auf die Skye Bridge

siehe auch Google Street View (1): Torre des MarGoogle Street View (2): Prag

weitere Beiträge zur Isle of Skye:
Jethro Tull in Schottland 2005: Broadford Bazaar
Jethro Tull in Schottland 2005: Dun Ringill
Schottisches Picknick
Schottland 2005: Isle of Skye – Teil 1: Kyleakin und Broadford
Burgen in Schottland 2005: Moil Castle – Kyleakin/Isle of Skye

Zweiohrküken

Keinohrhasen (2007) hatte ich ausfallen lassen, nachdem ich Til Schweigers 1 ½ Ritter sah, ein Film, der sich als (bl)öde herausstellte. Vielleicht hätte ich mir doch eher „Keinohrhasen“ ansehen sollen, immerhin einer der erfolgsreichsten deutschen Kinofilme, denn die Zweiohrküken (jetzt auf DVD Zweiohrküken erhältlich), die ich mir am Wochenende anschaute, enttäuschten mich sehr.

Während „Keinohrhasen“ wohl „eine entwaffnende Balance zwischen ernsthaften Gefühlen und inszenatorischer Schamlosigkeit“ darstellte, entpuppte sich „Zweiohrküken“ für mich als eine Machoklamotte mit gestrigem Geschlechterbild.

Aber zuerst zum Inhalt: Ludo Decker und Anna Gotzlowski leben bereits zwei Jahre zusammen in einer gemeinsamen Wohnung. Der Alltag ist eingezogen, Ludo vernachlässigt seine häuslichen Pflichten, Anna ist genervt. Als auf einer Party Ludos Ex-Freundin Marie wieder auftaucht und Annas ehemaliger Freund Ralf, ein Frauenversteher und Entwicklungshelfer ein paar Tage bei Anna und Ludo einzieht, geraten beide in eine Spirale von Selbstzweifeln und Eifersucht. Anna liest Ludos SMS, Ludo findet Die Liste, Annas geheime Liste früherer Bettgeschichten, in der Ralf weit besser weg kommt als er selbst.

Ludo hält die ständigen Provokationen Ralfs nicht mehr aus und schlägt ihn in einem Restaurant vor Annas Augen nieder. Anna und er trennen sich im Streit. In dieser Phase landen beide mit ihren früheren Partnern im Bett.

Ein Nebenstrang erzählt von den verzweifelten Versuchen Ludos Freund Moritz, bei den Frauen zu landen. In seiner Not besucht er eine Flirtschule und versucht, die Tipps von Flirtlehrer Dr. Eisenberger in die Tat umzusetzen. Dessen Wissen erschöpft sich in vorsintflutlichem Machogehabe, so dass sich peinliche Situationen für Moritz häufen.

Am Ende versöhnen sich Ludo und Anna und kommen wieder zusammen.

Aus: de.wikipedia.org


ZWEIOHRKÜKEN Trailer HD

Schon wie der Film beginnt: Die Filmheldin Anna entsteigt schmachtend einem Düsenjet, um sogleich ihre silikonverstärkten Brüste dem werten Publikum zu entblößen. Klar, Ludo (warum lässt mich sein Name immer an die umgangssprachliche Bezeichnung für Zuhälter, an Lude denken) träumt das alles nur. Und so geht das weiter. Unser Macho vom Dienst entpuppt sich als fauler Knochen, was die täglichen Belange einer Zweierbeziehung betrifft. Eine gewisse Sensibilität erweist er Kindern gegenüber (so dürfen auch in diesem Film wieder Schweigers eigene Kinder mitspielen), wenn Anna am Ende des Films auch feststellt, dass eigene Kinder den guten Ludo doch wohl überfordern dürften.

Til Schweiger, der auch wiederum Regie führte und am Drehbuch maßgeblich beteiligt war, hat sichtliches Vergnügen an seiner Rolle – ich denke, in Vielem spielt er sich selbst. Und er greift wie in früheren Filmen wieder auf Sympathieträger zurück (in „1 ½ Ritter“ war es Thomas Gottschalk, dem es nur gelang, sich selbst zu spielen, wetten dass …?), hier wie im ersten Teil spielt u.a. Wladimir Klitschko sich selbst. Es muss sich wohl um einen gewissen Klüngel handeln (Gottschalk, Schweiger, Klitschko usw.).

Und so gelingt es Schweiger mit vereinten Kräften, wieder einmal ein Massenpublikum in die Kinos zu locken (oder zum Kauf der DVD). Zweiohrküken“ ist deutsches Mainstream-Kino mit Erfolgsgarantie (Betonung auf deutsch), aber eben auch ohne Überraschungen, das vor Klischees nur so strotzt und auch vor Klamauk nicht zurückscheut.

Während man dem ersten Teil (Keinohrhasen) noch eine erzählerische Leichtigkeit, einen gewissen Charme nachsagte, so rutscht das Niveau, auf dem im 2. Teil gelacht wird, deutlich ab.

Ist nun Schweiger selbst so ein Macho oder ist er ein gewiefter Geschäftsmann, dem es wieder einmal gelungen ist, den Geschmack eines breiten Publikums zu finden? Es ist auf jeden Fall bedenklich, wie ein Film mit einer so reaktionär-infantilen Grundhaltung Erfolg beim Publikum haben kann.

Google Street View (2): Prag

In der Vorosterzeit des Jahres 1982 machte ich mich auf, um nach einem Abstecher von Nürnberg über Pilsen in Prag auf den Spuren von Frank Kafka zu wandeln (siehe meinen Beitrag 125 Jahre Franz Kafka).

Prag ist eine einzigartige Stadt. Besonders die Innenstadt zeigt heute ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild. Prag ist die „Goldene Stadt“ (Zlatá Praha = Goldenes Prag) und war besonders in der Zeit Kafkas (zur Jahrhundertwende um 1900) eine nach außen weltoffene Stadt und ein Treibhaus für Künstler und nachwachsende Literaten. Und Prag ist ein Eldorado für Bierfreunde.

siehe hierzu auch eine kleine Fotogalerie der Stadt

Dank Street View, einem Zusatzdienst zu Googles Kartendienst Google Maps und dem Geoprogramm Google Earth (Google Street View zeigt Ansichten in 360°-Panoramabildern aus der Straßenperspektive) konnte ich nun noch einmal an meinem Rechner durch die Straßen von Prag wandern. Beginnen möchte ich vor dem Geburtshaus von Franz Kafka:


Geburtshaus von Franz Kafka in Prag mit Gedenktafel (heute: Námestí Franze Kafky)

siehe auch Google Street View (1): Torre des Mar