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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Georg Friedrich Händel: Der Messias

Es war Otto, unser Nachbar und pensionierter Pastor („Otto find ich gut!“), der uns die Karten überließ. Er hatte Freunde eingeladen, die aber wegen der Wetterlage nicht nach Tostedt kommen konnten. Und bevor die Karten verfielen, fragte es uns, ob wir Interesse an dem Konzert hätten. Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt in einem Konzert mit klassischer Musik war. Von Händel haben wir einige Schallplatten (Wassermusik und die Feuerwerksmusik), sodass meine Frau und ich sehr gern einmal Händels Oratorium „Der Messias“ sehen und hören wollten.

So waren wir, meine Frau und ich, gestern Abend also in der Johanneskirche zu Tostedt, um Händels Messias in einer gekürzten Fassung (die Aufführung beschränkte sich auf die Teile 1 und 2 von drei Teilen) zu lauschen. Vorgetragen wurde das Werk von dem Lüneburger Bachorchester und der Johanneskantorei Tostedt (u.a. mit Otto als kraftvollem Bariton) – unter der Leitung von Wiebke Corleis, Kantorin resp. Kreiskantorin aus Tostedt. Als Solisten wirken mit: Ilse-Christine Otto (Sopran), Tiina Zahn (Alt), Sven Olaf Gerdes (Tenor) und Konstantin Heintel (Bass).

Es ist schon beeindruckend, ein solches Werk live und unter den besonderen akustischen Bedingungen einer Kirche zu hören. Besonders die Einzelstimmen kamen zu besonderer Geltung. Lediglich bei den Koloraturen in den Arien offenbarten sich bei allen vier Sängern und Sängerinnen leichte Schwächen, die aber den Gesamteindruck in keiner Weise schmälerten: Der nicht enden wollende Applaus am Schluss belohnte eine wunderbare musikalische Leistung, die im Chorwerk „Halleluja“ – auch mit Pauken und Trompeten – seinen Höhepunkt und Abschluss fand.


G. F. Handel – Messiah – Halleluja – Karl Richter

Für meine Frau und mich war das ein wunderschöner Abend, der Anlass sein wird, öfter einmal ein Konzert zu besuchen – so sicherlich demnächst wieder in der Johanneskirche Tostedt – 27. März 2010, 20 Uhr: „Europäische Lautenmeister und die Botschaft des Himmels“ – Sigurd Schmidt, Laute

Tod im Eiskanal

Der Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver wird überschattet von einem tödlichen Unfall im Wettbewerb der Männer beim Rodeln. Noch vor den Eröffnungsfeierlichkeiten raste der erst 21-jährigen Georgier Nodar Kumaritaschwili in der Zielkurve mit einer Geschwindigkeit von 144,3 km/h durch die Eisrinne, verlor die Kontrolle über seinen Schlitten und wurde aus der Bahn katapultiert. Tödlich war für den Georgier, dass er mit voller Wucht gegen einen ungesicherten Stahlträger prallte.

Schon vor dem fatalen Sturz von Nodar Kumaritaschwili war der Eiskanal in Whistler als zu schnell und zu gefährlich kritisiert worden. Nun hat die Hatz nach immer höheren Geschwindigkeiten ein Todesopfer gefordert.

Sturz beim Rennrodeln: Armin Zöggeler

Die Gefährlichkeit der Bahn wurde schon wenige Minuten vor dem Unglück offenbar. Die italienische Rodel-Legende Armin Zöggeler war trotz seiner Ausnahmeklasse und seiner immensen Erfahrung kurz vor Kumaritaschwili aus seinem Schlitten geflogen. Mit blassem Gesicht stapfte der Olympiasieger und neunfache Gewinner des Gesamtweltcups an den wartenden Journalisten vorbei, verbat sich mit ängstlichem Gesicht jeglichen Kommentar. Der für seine Konsequenz bekannte Bob-Olympiasieger Andre Lange war im vergangenen Jahr die Whistler-Bahn erst gar nicht hinuntergefahren, weil es ihm zu gefährlich war.

Wenn nicht wesentliche Änderungen an der Bahn vorgenommen werden, dann sollte man im Interesse der Sportler auf die Wettbewerbe sowohl im Rodeln als auch beim Bob und Skeleton verzichten. Selbst erfahrene Sportler wie der US-Rodlers Tony Benshoof sagen: „Dieser schreckliche Unfall überrascht mich nicht. Trotz meiner Erfahrung habe ich jedes Mal große Angst, wenn ich in diesen Eiskanal muss.“

Nun die ersten beiden Rennläufe im Rodeln der Männer sollen am Samstagabend um 17 Uhr (02:00 Uhr MEZ) gestartet werden. Die beiden Finalläufe folgen am Sonntag. Zuvor würden aber noch Umbauten an der Bahn vorgenommen. Die Mauern an der Ausfahrt der Unfall-Kurve 16 sollen erhöht und das Eis-Profil verändert werden. Kann nur gehofft werden, dass kein weiterer so tragischer Unfall passiert.

Eröffnungsfeier Teil 1
Eröffnungsfeier Teil 2
Eröffnungsfeier Teil 3

Olympische Winterspiele 2010 in Vancouver

Die ersten olympischen Winterspiele, an die ich mich bewusst erinnere, waren die von 1964 in Innsbruck. Es waren die insgesamt 9. Winterspiele. Erfolgreich war damals ein gesamtdeutsches Team besonders im Rodeln und Eiskunstlauf; dort gab es Gold bei den Herren durch Manfred Schnelldorfer und Silber im Paarlauf durch die sehr populären Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler nach einem Zweikampf mit dem russischen Paar Ljudmila Beloussowa und Oleg Protopopow. Außerdem gewann Ludwig ‚Luggi’ Leitner die Kombination im alpinen Ski.

Im Eishockey gab 1964 es für die deutsche Mannschaft vernichtende Niederlagen gegen die Tschechoslowakei (11:1), die USA (8:0), die UdSSR (10:0) und Schweden (10:2) – immerhin Siege gegen Finnland (2:1) und die Schweiz (6:5). Die UdSSR holte am Schluss olympisches Gold.

Nach den Olympischen Spielen musste das deutsche Eiskunstlaufpaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler ihre Silbermedaillen wieder zurückgeben, da sie vor den Spielen einen Profivertrag unterschrieben hatten. Erst 1987 erhielten sie ihre Medaillen zurück.

XXI. Winterolympiade Vancouver 2010 Winterolympiade Vancouver 2010 - Maskottchen
XXI. Winterolympiade Vancouver 2010 Winterolympiade Vancouver 2010 – Maskottchen

Heute nun beginnen die 21. olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver mit der Eröffnungsfeier um 18 Uhr Ortszeit (3 Uhr MEZ am 13.02. – es bestehen neun Stunden Zeitunterschied). Vier Jahre nach den Winterspielen in Turin, die für das deutsche Team besonders erfolgreich waren, geht es also in sieben Sportarten in 86 Wettbewerben um Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen. Aber für die meisten dürfte allein die Teilnahme an den Wettkämpfen Ehre genug sein.


Vancouver/Kanada (Übersicht der Wettkampfstätten)

Winterspiele 2010 im Netz/TV
ZDF: Winter-Olympiade Vancouver
ARD: Winter-Olympiade Vancouver
Olympia @ willizblog

Panoramio – Fotos aus aller Welt

Für viele verbindet sich der private Gebrauch von PCs und Internet mit der digitalen Fotografie. Und so gibt es natürlich die unterschiedlichsten Fotografie-Portale, über die man seine eigenen Schnappschüsse einem breiten Publikum vorstellen kann. Dazu gehören u.a. Flickr und Panoramio, einer Tochter von Google. Bei Panoramio kann man seine Fotos bei Google Earth mit einbinden und sogar bei Google Maps betrachten.

Es ist schon geraume Zeit her, da habe ich mir einen kostenlosen Account bei Panoramio unter dem Namen Willizo angelegt. Ab und wann werde ich hier einige meiner Fotos (bzw. die meiner Familie) einstellen. Viel Spaß beim Betrachten!

Datenklau und Entschädigung für Steuersünder

Geht es den Steuerkriminellen endlich an den Kragen? Immer wieder werden in Deutschland der öffentlichen Hand Schweizer Steuersünder-Daten angeboten, die Steuerhinterziehungen in der Größenordnung von vielen 100 Millionen Euro belegen. Wie es aussieht, werden die nicht gerade legal zusammengestellten Daten gekauft. Damit begeben sich einige Landesregierungen auf Glatteis, denn die Frage, ob es rechtens ist, solche Daten gegen Entgelt zu erwerben (welches immerhin auch aus Steuergeldern stammt), ist bisher ungenügend beantwortet.

Geld, Geld ...

Über den Bundesnachrichtendienst sind schon einmal Daten von Steuerkriminellen, die im Fürstentum Liechtenstein ihre Schwarzgelder gebunkert haben, für satte 4,5 Millionen Euro ‚erworben’ worden. Jetzt muss eine Liechtensteiner Bank einem deutschen Steuersünder angeblich 7,3 Millionen Euro Entschädigung zahlen – weil zu spät über den Datenklau informiert worden. Hätten die Liechtensteiner sie unverzüglich informiert, hätten sie sich selbst beim deutschen Fiskus anzeigen oder von einer zeitweiligen Amnestie profitieren können. Dadurch wären sie mit geringeren Geldstrafen weggekommen, als dies nach ihrer Enttarnung der Fall ist.

Das setzt dem Ganzen natürlich die Krone auf. Andererseits verbirgt sich hier möglicherweise die Lösung der ganzen Steuerhinterzieherproblematik. Vielleicht rücken Schweizer und Liechtensteiner zukünftig freiwillig mit solchen Daten heraus (natürlich nach vorheriger Information der betroffenen Kunden), um ähnliche Entschädigungsforderungen zu vermeiden. Und ‚Kunden’ dieser Art werden es sich überlegen, um es dann noch Sinn macht, Gelder über Umwege ins Ausland zu transferieren, wenn die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass dieses der Steuerfahndung in Deutschland bekannt wird.

Siehe zdf.de: Vaduzer Bank soll deutschen Steuersünder entschädigen

Bitte nicht stören!

Heute und die nächsten zwei Tage werde ich voll im Stress sein. Das hat man davon, wenn man sich überreden lässt, den stellvertretenden Abteilungsleiter zu spielen. Dann hat man den ganzen Kram an den Hacken, wenn der Abteilungsleiter dauerhaft fehlt.

Es geht in diesen Tagen um Neuprogrammierung und Umstrukturierung im Betrieb. Da kommen aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands Leute bei uns zusammen, um in einer Art Arbeitkreis die bisher gesammelten Punkte zu diskutieren, zu vertiefen, ich weiß nicht, was sonst noch. Aus der Ferne sehe ich Murphy winken.

Bitte nicht stören: Arbeitskreis!

Es hilft nichts: Ich kann nur versuchen, locker zu bleiben. An einem der Abende gibt es dann noch ein ‚zwangloses Beisammensein’ („auf ein Bier oder zwei“), da graut es mir fast noch am meisten vor. Nun hinein und durch …

Günther kann alles, außer …

In Baden-Württemberg kann man bekanntlich alles, außer Hochdeutsch … Nachdem sich bereits unser noch ziemlich neue Außenminister, der Guido Westerwelle, als wenig glänzende Englischsprechkoryphäe präsentiert hat, beweist auch Günther Oettinger, seines Zeichen Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg und nominiertes Mitglied der Europäischen Kommission (Kommission Barroso II) – dank Frau Merkel aus Stuttgart nach Brüssel weggelobt -, das Englisch nicht jedermanns Sache ist. Peinlich dabei ist, dass er zuvor immer wieder gefordert hat, Englisch müsse die Arbeitssprache werden („Deutsch bleibt die Sprache der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest“). Oettinger ist jetzt also die Sprache Deutschlands in Europa? Danke, Frau Merkel: Schlimmer geht’s nimmer (oder doch?)!“


Oettinger talking English

Horst Schlämmer: Isch kandidiere

Man mag von Horst Schlämmer halten, was man will. Dieser schmierige, Trenchcoat tragende Provinzpostillen-Schreiberling, der Bier und Doornkaat als Treibstoff braucht und durch allerlei Beschwerden wie „Rücken“, „Kreislauf“ und Konzentrationsschwäche gebeutelt wird, dessen Äußeres durch eine Vokuhila-Frisur, eine altmodische Brille, einen Schnurrbart, Überbiss und einen mittleren Bierbauch brilliert, hat den Sympathiewert eines Mr. Bean. Zudem leidet er unter Schnappatmung. Diese Beeinträchtigungen hindern ihn freilich nicht daran, ständig junge attraktive Frauen in betont schleimiger Art „anzubaggern“, Also eigentlich alles andere als liebenswert. Und doch hat Horst Schlämmer in Deutschland eine Bekanntheitsgrad erreicht, der seinen Schöpfer und Interpreten Hape Kerkeling veranlasst sah, einen Kinofilm zu drehen.

Schlämmer ist eine von vielen Kunstfiguren von Hape Kerkeling, der die besondere Gabe besitzt, sich immer wieder selbst neu zu erfinden, sei es über seine Figuren, über innovative Fernsehformate oder über originelle Ansätze, Humor an den Mann und die Frau zu bringen. In Horst Schlämmer – Isch kandidiere erkennt man bald, welches filmisches Vorbild Hape Kerkeling hier ansteuert. Was bei Sacha Baron Cohen mit Borat perfekt und mit Brüno zumindest teilweise funktioniert hat, müsste auch auf Deutschland übertragbar sein.

Der stellvertretende Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts, Horst Schlämmer, hat von seinem Job endgültig genug. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung beschließt er, in die Politik zu gehen. So begibt er sich in den Nahkampf mit dem Politikervolk. Mal sind die Interviewpartner eingeweiht (wie die Grünen Cem Özdemir und Claudia Roth oder Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers), mal offensichtlich nicht. Aber wo „Vorbild“ Sacha Baron Cohen seine Gesprächsopfer bitter-böse vorführt, entlarvt und demütigt, passiert bei „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ nicht viel. Hape Kerkelings Versuch, in „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ der deutschen Politik den Zerrspiegel vorzuhalten, erstickt in der eigenen Harmlosigkeit.


Horst Schlämmer – Isch Kandidiere! (offizieller Trailer)

Natürlich hat der Film einen gewissen Unterhaltungswert – ähnlich wie bei dem bereits zitierten Mr. Bean. Aber Kerkeling ist eben kein Satiriker und meilenwert davon entfernt zu ‚entlarven’. Er will keinem wirklich weh tun. Und so dreht sich alles mehr oder weniger um die Person Horst Schlämmer, die durch Kerkeling sicherlich bis ins letzte Detail ausgeformt ist, die aber über einen Darsteller von humorvollen Klamauk nicht hinauskommt. Schade eigentlich.

Brian Protheroe featuring Ian Anderson 1976

Unser Meister, Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull, war immer dann zur Stelle, wenn es galt, für ein Folk- oder Rockstück die Flöte zu bedienen – meist bei Plattenaufnahmen, in Ausnahmefällen sogar live mit auf der Bühne. In dem Jethro Tull Board @ www.laufi.de habe ich nun gesehen, dass unser Flötengnom (u.a. auch mit Barriemore Barlow am Schlagzeug) im Jahre 1976 auch unterstützend bei einer Aufnahme für die LP „I/YOU“ von Brian Protheroe, einem bei uns weitgehend unbekannten Schauspieler und Sänger/Songwriter aus UK, tätig war. Auf dem Stück ‚Under The Greenwood Tree’ spielt Mr. Anderson eine fein folkige Flöte. Der Text ist ein Poem von William Shakespeare:

William Shakespeare: Under the Greenwood Tree

[Amiens sings:] UNDER the greenwood tree,
Who loves to lie with me,
And turn his merry note
Unto the sweet bird’s throat,
Come hither, come hither, come hither:
Here shall he see
No enemy
But winter and rough weather.

Who doth ambition shun,
And loves to live i‘ the sun,
Seeking the food he eats,
And pleased with what he gets,
Come hither, come hither, come hither:
Here shall he see
No enemy
But winter and rough weather.

[Jaques replies:] If it do come to pass
That any man turn ass,
Leaving his wealth and ease
A stubborn will to please,
Ducdame, ducdamè, ducdamè:
Here shall he see
Gross fools as he,
An if he will come to me.


Brian Protheroe feat. Ian Anderson – Under the Greenwood Tree (1976)

Download @ www.laufi.de: Brian Protheroe – Under the Greenwood Tree

Maria, ihm schmeckt ’s nicht

Meine Frau und ich haben ein besonderes Verhältnis zu Italien, besonders meine Frau. Vor vielen Jahren hat sie in Tostedt eine Familie aus Sizilien kennen gelernt. Der Mann arbeitete als Gastarbeiter in dem kleinen Ort. Nach gut 15 Jahren Aufenthalt in Deutschland kehrten sie in ihre Heimat zurück. Seitdem haben wir sie bereits öfter besucht und die Hochzeiten der Kinder als Gäste mitfeiern dürfen.

So kam meine Frau an dem Buch Maria, ihm schmeckt’s nicht! von Jan Weiler natürlich nicht vorbei. Das Buch vermischt auf humorvolle Weise fiktive Elemente mit den Erzählungen Weilers Schwiegervaters „Antonio“ und seinen Erfahrungen mit seiner italienischen Familie. Meine Frau fand das Buch köstlich.

Zum Inhalt: Es geht um einen jungen deutschen Mann, der sich morgens beim Bäcker in eine schöne Halb-Italienerin verliebt. Und als er einige Zeit später mit ihr vor den Traualtar tritt, heiratet er nicht nur sie, sondern auch ihre beträchtliche italienische Sippe aus Campobasso. Und die will ihn natürlich sofort kennen lernen! Vor allem sein Schwiegervater Antonio Marcipane, von dem er beim ersten Treffen befürchtet, er könne ihm einzelne Finger abschneiden und zwecks Lösegelderpressung an seine Eltern schicken, stellt sich als sehr redselig heraus. Die beiden fahren zusammen nach Campobasso, wo Antonio seine Lebensgeschichte erzählt – die eines italienischen Gastarbeiters, der in den 60er Jahren mit großen Träumen nach Deutschland kommt und bleibt.

Inzwischen wurde das Buch verfilmt und ist seit kurzem als DVD erhältlich: Maria, ihm schmeckt’s nicht!: Regie: Neele Leana Vollmar – Darsteller: Lino Banfi, Christian Ulmen, Mina Tander, Maren Kroymann, Gundi Ellert, Peter Prager, Paolo de Vita, Ludovica Modugno, Lucia Guzzardi, Nino Bellomo, Leonardo Nigro, Pierluigi Ferrandini

Jan (Christian Ulmen) möchte die Deutsch-Italienerin Sara (Mina Tander) heiraten. Ganz unspektakulär. Nur standesamtlich. Doch Jan hat die Rechnung ohne seinen zukünftigen Schwiegervater gemacht. Antonio Marcipane (Lino Banfi), der 1965 als Gastarbeiter nach Osnabrück kam und mit der Deutschen Ursula (Maren Kroymann) verheiratet ist, verlangt eine Hochzeit in Süditalien. Basta!

Jan und die Marcipanes reisen nach Campobello, um die große Familienfeier mit der ganzen Sippschaft vorzubereiten. Konfrontiert mit südlichem Temperament, apulischer Küche, weichen Betten und harter Bürokratie, muss Jan sich schon bald fragen, ob Sara und ihre Familie wirklich die Richtigen für ihn sind …


Maria, ihm schmeckt’s nicht! – Trailer

Buchverfilmungen sind fast immer problematisch. Der Film muss sich meist auf das Wesentlichste reduzieren. Und so fand meine Frau das Buch auch um vieles besser als den Film. Ich selbst habe bisher das Buch nicht gelesen – und kann die Geschichte nur nach dem Film beurteilen. Sicherlich werden hier manche Klischees reichlich strapaziert, aber Überzeichnungen prägen nun einmal Komödien. Die einzelnen Charaktere bleiben immer liebenswert menschlich – mit Schwächen und Stärken, sodass der Film durch herzerfrischenden Charme punktet. Bei mir hat der Film auf jeden Fall Appetit gemacht, jetzt auch (endlich) das Buch zu lesen. Mir hat der Film geschmeckt ….

Filmkritik auf filmstarts.de mit diversen Filmausschnitten

Deutsche Kleinstaaterei

Mein jüngster Sohn beendet im Sommer die Realschule. Was seine weitere Zukunft betrifft, hat er ziemlich klare Vorstellungen. Er möchte zunächst die zweijährige Fachoberschule im Bereich Wirtschaft und Verwaltung besuchen, Schwerpunkt möglichst Verwaltung und Rechtspflege.

Am Montag gab es Zeugnisse, mit denen man sich bei den berufsbildenden Schulen anmelden kann. Bis zum 20. Februar haben wir Zeit, einen Platz an einer zweijährige Fachoberschule (FOS) zu finden. Hier beginnt das Problem, denn einige der so genannten BBS (Berufsbildende Schule) bieten nur die 12. Klasse FOS an – eine abgeschlossene Berufsausbildung ist hierfür neben dem Realschulabschluss Voraussetzung. Und wenn man in der Provinz wie ich und meine Lieben wohnen, dann kommt das Problem der Entfernung hinzu. Der Personennachverkehr ist auf dem Lande nicht sehr ausgeprägt und das Erreichen einer Schule außerhalb des eigenen Wohnortes kommt einer Weltreise gleich.

Was die allgemeinbildenden Schulen (Primär- und Sekundarstufe I) betrifft (von Grundschule über Realschule und Gymnasium), so ist unser Wohnort Tostedt noch ganz gut bestückt. Schulen der Sekundarstufe II (außer gymnasiale Oberstufe) befinden sich aber nicht mehr vor Ort. Die nächste BBS ist in Buchholz/Nordheide. Dort wird aber nichts Entsprechendes angeboten. So käme Rotenburg/Wümme in Frage. Und laut Informationsveranstaltung, die an der Realschule, die mein Sohn besucht, abgehalten wurde, vor allem aber laut den Infos auf der Website der BBS Rotenburg sollte genau das (im Antragsverfahren) angeboten werden, was mein Sohn wollte. Sollte, denn wie sich nach telefonischer Rücksprache herausstellte, gibt es dort nur eine einjährige FOS (12. Klasse). Es wird Zeit, dass dieses irreführende Angebot endlich von der Schulwebsite verschwindet.

Deutsche Kleinstaaterei

Nun inzwischen haben wir einige Schulen ausgeguckt, die allerdings vom Fahrweg her nicht so günstig liegen. Am besten wäre die höhere Handelsschule in Harburg, genauer Hamburg-Harburg. Obwohl unser Landkreis den Namen Harburg trägt, leben wir in Niedersachsen, also in einem anderen Bundesland. Zwar rücken Hamburg und die angrenzenden Landkreise (z.B. im Personennahverkehr – bis Tostedt fährt man inzwischen im Hamburger Verkehrsverbund HVV) näher zusammen – nur nicht in schulischen Dingen. Wer in Hamburg zur Schule will (gilt eben auch und insbesondere für berufsbildende Schulen), muss seinen Wohnsitz in Hamburg haben. Und ist der Schüler noch nicht volljährig, so muss auch ein Elternteil in Hamburg gemeldet sein. Klar, Schulwesen ist Ländersache. Aber kann es da nicht Regelungen (z.B. über den Finanzausgleich der Länder) geben, die solche ‚Abschreckungsmaßnahmen’ überflüssig machen (ein Wohnsitzwechsel hat steuerrechtliche Konsequenzen – bis hin zur Zweitwohnungsteuer). Deutschland hatte immer schon einen Hang zur Kleinstaaterei. Föderalismus hin, Föderalismus her: Im Zeitalter der Globalisierung mutet dieses Kompetenzgerangel geradezu mittelalterlich an.