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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Der Witzableiter (7): Im Kopf, wo es blitzt

Fortsetzung von: (6): Ein Gemisch wird verdichtet

Des Witzes Knalleffekt ist dessen Pointe. Wer die verpasst oder nicht begreift, dem ist ein Witz kein Witz. Aber lesen wir, was Eike Christian Hirsch im 7. Teil seiner Kolumne „Der Witzableiter“, die 1984 im ZEITmagazin erschien, dazu zu sagen hat.

Ulli spricht eine dufte Biene auf der Straße an: „Wohin auf den hübschen Beinen?“ „Ins Kino“, ruft sie, „wenn nichts dazwischenkommt.“ Kuno Fischer, wir kennen ihn schon (vor hundert Jahren Philosophieprofessor in Heidelberg), hat vom Wortspiel gesagt, es habe „nicht bloß zwei Bedeutungen, sondern zwei Gesichter, das eine ist Maske, das andere das wahre Gesicht; jenes sieht harmlos aus, dieses hat den Schalk im Nacken“. Noch ein Beispiel?

Zwei Studentinnen treffen sich nach dem Karneval. „Bin ich froh, daß die Tage vorbei sind“, sagt die eine. Erwidert die andere: „Ich wäre froh, sie kämen wieder.“ Anspielungen durch Doppelsinn kommen immer da vor, wo Tabus herrschen, deswegen finden sie sich auf sexuellem Gebiet und in Diktaturen. Warum bekommen verdiente Beamte den Führer als Büste und nicht als Bild? Weil sie sonst nicht wissen, ob sie ihn aufhängen oder an die Wand stellen sollen.

Wer eine Anspielung geboten bekommt, muß aufpassen, daß er sie versteht. Schließlich sind Witze darin mit dem Rätsel verwandt, daß man die Lösung finden muß. Ein junger Anwalt trifft einen ebenfalls noch jungen Arzt. „Wie geht es Ihnen?“ „Gut, ich kann nicht klagen. Und Ihnen?“ „Schlecht, ich kann nicht klagen.“

Zur Technik solcher Wortspiele ist kaum mehr viel zu sagen. Um so mehr lockt uns hier die Aufgabe herauszufinden, wie die Verständnisarbeit des Hörers funktioniert. Das Thema ist ja auch dran, denn das letzte Mal haben wir über die Witzentstehung nachgedacht. Sie werden nun vielleicht erwarten, daß ich mich auch diesmal an Sigmund Freud orientiere. Aber das ist nicht so. So treffend er die andere Seite (die Witzentstehung) beschrieben hat, so sehr hat er die Rolle des Witzhörers verkannt. Er meinte nämlich, daß der Zuhörer „die Lust des Witzes mit sehr geringem Aufwand erkauft. Sie wird ihm sozusagen geschenkt“. Sogar Theodor Reik, Freuds Schüler und dem Meister sonst sehr ergeben, wagte hier eine Korrektur: der Witz werde dem Hörer nicht geschenkt, „sondern nur unter dem Selbstkostenpreis verkauft“. Damit ist die Mitarbeit des Zuhörers aber immer noch unterschätzt. Vielleicht möchten Sie das einmal im Selbstversuch nachprüfen an Hand dieser Geschichte:

Ein Gardeoffizier, jung, arm, aber schneidig, bemüht sich um die Gunst einer Schönheit im Garnisonsstädtchen, die, sagen wir mal, als zugänglich gilt. Doch sie weist ihn ab mit den Worten: „Mein Herz ist schon vergeben.“ Da erwidert der Leutnant: “So hoch hatte ich eigentlich auch nicht gezielt“.

Witzableiter (7)

Nun, wie ist es Ihnen ergangen? Ich glaube, Sie fühlen sich, als hätten Sie selbst die treffende Bemerkung gemacht. Zu Recht sagt Arthur Koestler, der Zuhörer müsse „den Vorgang der Erfindung des Witzes bis zu einem gewissen Grade wiederholen, ihn in seiner Phantasie neu schaffen“. Was ist ein Junggeselle? Das ist einer, dem zum Glück die Frau fehlt. Wenn man es verstanden hat, war man selbst geistvoll.

Wir wissen schon, daß Freud der Ansicht war, nicht nur beim Wortlaut des Witzes herrsche das Prinzip der Ersparung, sondern auch die Lust des Hörers stamme aus Ersparung. Dagegen haben sich viele gewandt, auch Helmuth Plessner, ein deutscher Anthropologe, dessen Buch über „Lachen und Weinen“ in der Emigration erscheinen mußte. Er rechnet vor, daß die Sparsamkeit in Worten nur dazu führt, daß der Hörer mehr Aufwand treiben muß, um den Witz zu verstehen. Wo liegt dann aber die Quelle für die Lust an dieser Technik der Verkürzung?

Von der bekannten Schauspielerin wird gesagt, sie halte sich zwei Hausärzte. Den einen rufe sie, wenn sie was hat; den andern, wenn ihr was fehlt. Falls Sie an dieser Anspielung Freude gehabt haben sollten, möchte ich Ihnen auf den Kopf zusagen, daß sie sich weniger über ein Geschenk (oder einen billigen Kauf) gefreut haben als über eine eigene Leistung. Der Witz, dessen Wortlaut ja immer unvollständig und bloß andeutend ist, wurde erst in Ihrem Kopf fertig! „Was haben ein BH und ein Pullover gemeinsam?“ „Das eine hält, was der andere verspricht.“

Auch hier sind Sie von einer Wortbedeutung zur anderen geschwebt, haben ein Kunststück vollbracht und können stolz auf sich sein. Zu Recht spricht Arthur Koestler von der „Befriedigung, daß man schlau genug ist, um die Pointe zu erfassen“. Ich möchte sogar noch weiter gehen. Wir verstehen nicht nur. Ich glaube, wir fühlen uns, als seinen wir diejenigen, die den Witz gemacht hätten. Was ja auch halbwegs stimmt, denn wo hat es denn geblitzt? In unserem Kopf!

Für diese Ansicht, unsere Lust sei der Stolz auf eine Leistung, habe ich Unterstützung bei Theodor Reik gefunden, der schreibt, beim Verstehen übernähmen wir die Leistung des Witzerzählers und identifizierten uns mit ihm. So ist es wohl. Schließlich erhalten wir den Witz ja nur als eine Art Halbfertig-Produkt, das wir selbst erst vollenden. Wir machen nur das Finish, aber sind glücklich, als seinen wir die Erfinder.

Beim Familienausflug merkt die Mutter, daß das junge Ehepaar verschwunden ist. Sie fragt ihren Mann: „Was werden die Kinder wohl machen.“ „Nachkommen“, brummt er.

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 34/1984

[Fortsetzung folgt]

Biografien en masse

Wofür ist das Internet besonders geeignet, wenn nicht als Nachschlagewerk. Wer für seine Recherche Daten zu gewichtigen Personen benötigt, der findet die Antwort vielleicht in einem neuen Biografie-Portal, das gleich vier wichtige wissenschaftlich fundierte Nachschlagewerke zusammenfasst und online verfügbar macht. Hierzu gehören die „Allgemeine Deutsche Biographie“ (ADB) und ihr Nachfolger, die „Neue Deutsche Biographie“, die als historisch-biographisches Grundlagenwerk den Zeitraum vom frühen Mittelalter bis nahe an die Gegenwart erfasst. Ebenfalls mit von der Partie sind zwei weitere wichtige Werke, nämlich das „Österreichische Biographische Lexikon 1815 -1950“ (ÖBL) sowie dessen Schweizer Gegenstück, das „Historische Lexikon der Schweiz“ (HLS). Auf diese Weise sind rund 120.000 Biographien online abrufbar.

Einzigster Wermutstropfen: Biografien von noch lebenden Personen sucht man hier vergebens.

siehe zdf.de: 120.000 Biographien online abrufbar

Weiter auf Tour

Seit dem Wochenende rollt wieder das Peloton auf Frankreichs Straßen. Der Welt größtes Fahrradrennen, die Tour de France, wurde mit rund 180 Fahrern auf den Rundkurs geschickt. Und entgegen früheren Ankündigungen, senden ARD und ZDF weiterhin ausführlich (im Fernsehen und im Internet sowieso) von der Tour. Längst wollte man wegen der vielen Doping-Skandale aus ‚dem Geschäft’ aussteigen. Angeblich bestehen langfristige Sendeverträge. So bleibt die Tour auf Sendung.

Die Tour hat viele Gesichter. Der Strapazen wegen nannte man sie lange Zeit die Tour der Leiden. Zuletzt ist sie aber zu einer Tour de Dopage verkommen – zu einer Tour des Betrugs durch Doping. War es 2006 noch der Amerikaner Floyd Landis, der dank Testosteron als Sieger in Paris einfuhr (und nach langen Verhandlungen dann doch disqualifiziert wurde), so war es im letzten Jahr besonders EPO, ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt, mit dem einige Fahrer ihre Leistungsfähigkeit verbesserten, wenn auch unerlaubter Weise.

Bei der jetzigen Tour spaltet besonders der Name Lance Armstrong, des siebenfachen Toursiegers, die Gemeinde, wurde ihm nachträglich Doping vorgeworfen und startet er jetzt in einem Comeback für den skandalumwitterten Rennstall Astana aus Kasachstan.

Tour de France 2009 - Lance Armstrongs Comeback

Die Tour de France und Doping sind leider immer im Zusammenhang zu sehen. Ein wirklich sauberer Radsport scheint unmöglich geworden zu sein. Der Name Armstrong trägt sicherlich nicht dazu bei.

siehe auch Bildergalerie bei sueddeutsche.de: Die „lustigsten“ Doping-Ausreden

Saisonvorbereitungen auf der Insel

Die Vorbereitungen auf die neue Fußball-Saison 2009/2010 sind bei Werder Bremen bereits im vollen Gange. Wie in den letzten Jahren so trainiert die Mannschaft wieder auf der Nordsee-Insel Norderney.

Man darf gespannt sein, wie die Bremer den Abgang von Diego verkraften werden. Mesut Özil soll in seine Fußstapfen treten und das offensive Mittelspiel dirigieren. An seiner Seite steht Marko Marin bereit, der für 8,2 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach an die Weser wechselte. Viel Geld für einen noch so jungen Mann. Für den Sturm hat man sich den auch noch jungen Bolivianer Marcelo Moreno Martins von Schachtar Donezk ausgeliehen. Er soll wahrscheinlich Claudio Pizarro ersetzen, der zum FC Chelsea nach London.zurückkehrt. Allerdings könnte es doch noch sein, dass man Pizarro halten wird. Man ‚bemüht’ sich weiter intensiv um ihn.

Werders 'neue' Kleider: Trikots 2009/2010

Die Gerüchteküche brodelt weiterhin auf höchster Kochstufe. So möchte Tim Borowski offensichtlich gern zurück zu Werder, da die Bayern kein Interesse mehr an ihm zeigen. Das sollte dann aber ablösefrei über die Bühne gehen, denn die Bremer werden wohl kaum für einen Spieler Geld auf den Tisch legen, den sie kostenfrei hergegeben hatten. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, dass der Brasilianer Ibson vom FC Porto nach Bremen wechselt, dann würde es mit Borowski aber kaum etwas werden. So viele Mittelfeldspieler braucht man an der Weser nun wieder nicht (obwohl ein defensiver Mann als Ersatz für Frank Baumann sicherlich nicht schaden würde). Ach, ja: Carlos Alberto soll sich ja auch wieder an der Weser einfinden.

Werder Bremen setzt also weiterhin auf Jugend, wenn es um neue Spieler geht. So wechseln immerhin drei Spieler aus den eigenen Jugend in das Profi-Kader. Sicherlich lässt sich ein Mann wie Diego nicht von heute auf morgen ersetzen. Aber ich denke, Thomas Schaaf (Trainer) und Klaus Allofs (Geschäftsführer) tun gut daran, die bisherige Strategie fortzusetzen. Ich glaube, dass der SV Werder Bremen wieder ein gutes Team zusammenbekommt, das auch in der Bundesliga wieder weit vorn mitspielen wird.

Und wie sieht es bei den anderen Vereinen aus?

Bei den Bayern in München hat man die Abgänge von Lukas Podolski (zurück zum 1. FC Köln), Mats Hummels (frisch gebackener U21-Europameister zu Borussia Dortmund), und Ze Roberto (zum HSV) in einem erneuten Kaufrausch mit Spielern wie Mario Gomez (für 30 Millionen Euro der teuerste Transfer eines deutschen Spielers – zu viel nach meinem Geschmack), Anatoly Tymoshchuk, Edson Braafheid und Danijel Pranjic kompensiert. Mit diesen Verstärkungen und dem neuen Trainer Louis van Gaal dürfte die Erwartungshaltung noch größer sein als vor einem Jahr, als Jürgen Klinsmann die Mannschaft übernahm (und dann kläglich scheiterte). Bleibt nur die Frage, was aus Franck Ribery wird. Geht er oder geht er nicht zu real Madrid? Im Augenblick sieht es so aus, als bliebe er den Bayern noch eine Saison erhalten.

Den spektakulärsten Trainerwechsel gab es wohl mit Felix „Quälix“ Magath von den Wölfen zum FC Schlacke, sorry: Schalke 04. Und dort räumte der ‚gute’ Mann gleich auf: In seiner kompromisslosen Art sind allerdings nicht die Spieler der Königsblauen, sondern ein Teil der bisherigen Angestellten die Leidtragenden. Spektakuläre Spielertransfers haben die Gelsenkirchener bisher noch nicht zu bieten. Aber es bleibt ja noch etwas Zeit.

In Werders räumlicher Nachbarschaft finden wir den HSV. Nachdem Martin Jol überraschend sein Traineramt aufgab und Dietmar Beiersdorfer, der sportliche Leiter, seinen Stuhl vor die Tür gestellt bekam, schien sich in Hamburg alles in Chaos aufzulösen, zumal jeder zweite Spieler den Verein verlässt. Aber jetzt vermelden die Hamburger doch die ersten Neuzugänge, u.a. Ze Roberto (von den Bayern), mit 35 Jahren ein Routinier, aber eben kein junger Mann mehr.

In Hoffenheim greift inzwischen Mäzen Hopp doch tiefer in die Tasche, als er es eigentlich wollte, und leistet sich nach den Bayern die höchsten Investitionen. Bei den anderen Vereinen hält sich alles (bisher) im erträglichen Rahmen.

Bis Ende August bleibt den Vereinen noch Zeit, ihre Kader zu komplettieren. Bereits am 7. bzw. 8. August beginnt dann aber die neue Bundesligasaison und eine Woche zuvor geht der DFB-Pokal in die erste Hauptrunde. Soviel Zeit ist es bis dahin dann doch nicht mehr …

siehe auch zdf.de: Bundesliga-Klubs bevorzugen Talente statt Stars

Der Witzableiter (6): Ein Gemisch wird verdichtet

Fortsetzung von: Der Witzableiter (5): Ein Spiel mit Worten

Kommen wir heute zu Teil 6 von Eike Christian Hirschs Kolumne „Der Witzableiter“, 1984 im ZEITmagazin erschienen, und erfahren etwas über die Herkunft des Witzes aus dem Unbewussten und wie er dem Charakter eines ungewollten Einfalls entspricht.

Zwei Freunde treffen sich. „Was sehe ich an deiner Hand, hast du geheiratet?“ „Ja, Trauring, aber wahr!“ Jeder Witz ist, seiner Form nach, zu knapp erzählt; er überläßt dem Hörer wenigstens einen Schritt zur Mitarbeit. Diese Verknappung kann man selten so deutlich sehen wie an den Mischbildungen. Lenin hatte einen Radikahlschädel. Als Bundeskanzler Schmidt abgewählt war, die SPD aber in Hamburg bei der Landtagswahl siegte, sprachen die Grünen erklärend von einem Schmidtleidseffekt. Verknappung ist oft als die auffallendste Technik des Witzes beschrieben worden. Man nennt das auch „Verdichten“.

Auf einer Party versucht ein Gast, seine Rachenbeschwerden dem bekannten Hals-Nasen-Ohren-Arzt vorzustellen, der sich aber ständig der kostenlosen Konsultation zu entziehen sucht. Als einem weiteren Gast die Sache zu dumm wird, ruft er dem Professor zu: „Nun schauen Sie ihm doch schon in den Geizhals!“ Der jüdische Witz brillierte oft mit solchen Mischwortbildungen. Leopold Jessner, Generalintendant in Berlin und sehr empfindlich hatte den Spitznamen Mimoses.

Heinrich Heine läßt einen Hühneraugen-Operateur sagen, Baron Rothschild sei zu ihm „ganz famillionär“ gewesen, ein Wortspiel, das sich durch alle Witztheorien zieht und in diesem Jahr sogar die Plakatwände erreicht hat – als Werbegag für ein millionenfach verkauftes Familienauto. Als sich zu Beginn dieses Jahrhunderts in Wien viele Juden in der Votiv-Kirche taufen ließen, sagte man, dem dortigen Meßdiener steige schon die „Schammesröte“ ins Gesicht (der Schammes ist der Synagogendiener).

Kurz und knapp ist der Witz mit vielen Mitteln zum Beispiel auch dann, wenn er nur darauf verzichtet, ein Wort zu wiederholen. Als der Arzt mit seiner Frau spazierengeht, lächelt ihn eine aufgedonnerte Schöne vertraulich an. „Die kenne ich aus dem Beruf“, erklärt der Arzt eilig. Fragt seine Frau zurück: „Aus deinem oder aus ihrem?“ Oder die Technik besteht doch darin, einem harmlosen Wort eine tiefere Bedeutung beizugeben: „Acht Jahre waren meine Frau und ich die glücklichsten Menschen.“ „Und dann?“ „Dann haben wir uns kennengelernt.“

Es ist auffallend und nicht leicht zu verstehen, warum eine solche Verkürzung zum Witz gehört. Warum muß derjenige, der den Witz macht, sich so sparsam ausdrücken – und warum kann der Witzhörer nur lachen, wenn er eine Bemerkung hört, die er selbst erst vervollständigen muß? Damit sind wir zum ersten Mal an ein zentrales Problem der Witztheorie geraten. Fragen wir uns zunächst: Wie entsteht der Witz spontan im Kopf dessen, der eine witzige Bemerkung macht? Wenn zum Beispiel der Chef fragt: „Ist eigentlich auf unsere letzte Mahnung etwas von Schulz und Krause eingegangen?“ und der weibliche Lehrling antwortet: „Ja, die ganze Firma.“ Was ist da passiert?

Witzableiter (6)

Freud hat eine glänzende Beschreibung davon gegeben; wer auch nur einmal selbst einen spontanen Witz gemacht hat, wird sich darin wiederfinden können. „Der Witz hat in ganz hervorragender Weise den Charakter eines ungewollten Einfalls. Man weiß nicht etwa einen Moment vorher, welchen Witz man machen wird … Man verspürt vielmehr etwas Undefinierbares, das ich am ehesten einer Absenz, einem plötzlichen Auslassen der intellektuellen Spannung vergleichen möchte, und dann ist der Witz mit einem Schlage da, meist gleichzeitig mit einer Einkleidung.“ Zwei Ideen werden gemischt, verdichtet und explodieren.

Der Witz komme (anders als Humor und Komik) aus dem Unbewußten, meint Freud. Übrigens hat Freud gerade das nicht als erster gesagt; dafür konnte er sich auf den Münchner Psychologen Theodor Lipps berufen, den er auch sonst anerkennend rühmt.

„Sag mal, kennst du den Mike?“ „Klar, dem hab’ ich doch gerade fünfzig Mark geliehen.“ „So? Ich dachte, du kennst ihn.“

Einen Witz „macht“ man eigentlich nicht, er geschieht. Freud sagte, man lasse den Grundgedanken fallen, „der dann plötzlich als Witz aus dem Unbewußten auftaucht“. Sein Schüler Theodor Reik verglich die Witzbildung mit „der Durchfahrt eines Eisenbahnzuges durch einen Tunnel“. Nach Arthur Koestler entsteht der Witz, „indem man sozusagen ‚wegdenkt’ und die Aufmerksamkeit auf einen Grundzug der Situation verschiebt, den man früher ignoriert hat.“ Als bescheidenes Beispiel mag dies gelten: Zu Beginn der Hitlerzeit trifft Parteigenosse Müller seinen alten Nachbarn Kohn und sagt neckend: „Heil Hitler!“ Antwortet Kohn: „Bin ich Psychiater?“

Die Annahme eines Unbewußten, die uns heute so selbstverständlich ist, war zu Freuds Zeiten noch heftig umstritten. Volkes Stimme meldete sich in einem Buch über den Witz, das 1920 erschien und an dem nur der Name des Autors originell ist: Sophus Hochfeld. Dieser deutsch denkende Mann meinte, ein Unbewußtes brauche er nicht. „Ich sehe z.B. eine Diakonisse daherkommen“, erzählt er, „und wehre dem Lamento meines Begleiters über den mühseligen Beruf der alleinstehenden Frau mit dem Worten: ‚Aber, was willst du? Sie ist ja unter die Haube gekommen.’ Anlaß zum Witz wurde die blendend weiße Haube auf dem Köpfchen der Samariterin.“ Stolz fügt Sophus Hochfeld hinzu: „Ich brauche wirklich nicht ins Unbewußte zu tauchen.“

Nein, dazu wirklich nicht.

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 33/1984 (10. August 1984)

[Fortsetzung folgt]

Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Vor gut vier Jahren hatte ich die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ von Thomas Mann erneut gelesen und mich dabei u.a. über die Bezüge des Romans zur Homosexualität ausgelassen. Da dieser Tage der Film im Fernsehen zu sehen war und ich ihn aufgezeichnet habe, griff ich erneut, zum dritten Male, zum Buch.

Der Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ war der letzte aus der Feder von Thomas Mann und erschien 1954, ein Jahr vor Manns Tod. So gibt es auch nur „Der Memoiren erster Teil“. Leser, die Thomas Mann nicht kennen, werden sich zunächst eher schwer tun. Die Sprache Thomas Manns ist reichlich aufgeblasen, zu schwulstig-pompös und manieriert, als dass sie auf Dauer gefallen könnte. Sicherlich ist das in diesem Roman ein Stilmittel, denn Felix Krull entblößt sich auch in seinem schriftlichen Zeugnis als Hochstapler.

Insgesamt finde ich den Roman doch sehr aufschlussreich, da er uns einen Einblick in die alte Kaiserzeit am Ende des 19. Jahrhundert gewährt, denn um diese Zeit spielt der ‚Krull’. Besonders die Ignoranz des Adels, der höheren Gesellschaft gegenüber dem Bürgertum und der Arbeiterschaft tritt hier deutlich zu Tage.

1957 wurde der Roman mit Horst Buchholz in der Titelrolle verfilmt. Regie: Kurt Hoffmann. Aus diesem Film möchte ich die Szene von der Gestellung, d.h. Musterung, des Felix Krull vorstellen. Zur Nachahmung in heutigen Tagen ist dies sicherlich nicht mehr unbedingt zu empfehlen, aber auf jeden Fall ist die Szene sehr amüsant (aus 2. Buch – 5. Kapitel des Romans):


Felix Krull (1957): Gestellung/Musterung

Für Kandidaten auf den Dienst mit der Waffe empfehle ich daher eher Sven Regeners zweiten Roman „Neue Vahr Süd“ aus der „Lehmann“-Trilogie. Interessant sind da besonders die Anmerkungen zum „pazifistischen Dilemma“, wie es einer der Protagonisten des Romans nennt (Herr Lehmann und die Bundeswehr).

Der Witzableiter (5): Ein Spiel mit Worten

Fortsetzung von: Der Witzableiter (4): Reime, die sich schütteln

In Eike Christian Hirschs Kolumne, 1984 im ZEITmagazin erschienen, geht es diesmal um Wortspiele, so genannte Bonmots. Und um grundlegende Erkenntnisse den Witz betreffend. Etwas Theorie muss eben auch sein.

„Wie geht’s denn in Charleys neuer Ehe?“ „Na, wie soll’s schon gehen. Sie wirft ihm das Trinken vor – und er ihr das Essen nach.“ Zu den ersten Witzen, die in Umlauf kamen, gehörten geistvolle Wortspiele. Im vorigen Jahrhundert haben sich daher die Theoretiker des Witzes hauptsächlich mit solchen Bonmots beschäftigt. Als einen „geradezu diabolisch guten Witz“ zitiert Sigmund Freud diese Vermutung über den erstaunlichen Wohlstand eines Ehepaares: „Nach der Ansicht der einen soll der Mann viel verdient und sich dabei etwas zurückgelegt haben, nach anderen wieder soll sich die Frau etwas zurückgelegt und dabei viel verdient haben.“

Aber wenn wir hier nur die Technik des Witzes betrachten, gibt es schon genug zu staunen, so reibungslos läuft alles und ist doch in dem Wort „zurückgelegt“ nur angedeutet. Nebenbei hat dieser Witz auch noch eine herrlich böse Tendenz, die jetzt nicht unser Thema ist. Dies Bonmot wurde durch einen Wiener Journalisten verbreitet und war zu Freuds Zeiten sehr bekannt. Daß Freud gerade dieses Bonmot am meisten schätzte, ist uns nun wiederum Anlaß, Freud mit der Frage zu necken, ob er nicht wirklich in finanzieller Not war. (Und gewinnt nicht Freuds These, Lust stamme aus Ersparung, einen ganz neuen Sinn, wenn wir hier hören, daß Erspartes aus Lust stammen kann?)

Der junge Lyriker fragt den Verleger: „Sie meinen, ich sollte mehr Feuer in meine Gedichte legen?“ „Umgekehrt“, antwortet der Verleger, „mehr Gedichte ins Feuer.“ Es wirkt immer besonders elegant, wenn dasselbe Wortmaterial zweimal verwendet wird, weil dabei mit der schwierigen Materie Sprache anscheinend so mühelos gespielt wird. Es gibt zwei große Enttäuschungen im Leben eines Mannes. Das erste Mal, wenn es das zweitemal nicht mehr klappt, und das zweite Mal, wenn es das erstemal nicht mehr klappt.

Man nennt das zu Recht ein Wortspiel, wobei ich das Wort „Spiel“ betonen möchte. Wahrscheinlich ist unsere Lust am Witz überhaupt die gleiche wie die am Spiel. Beim Wortspiel mag sich darüber hinaus noch ein besonderer Reiz einstellen. Freud bemerkt, daß dabei „jedes Mal etwas Bekanntes wiedergefunden wird“, und daß dieses Wiederfinden „lustvoll“ sei. Ich glaube, noch etwas Drittes kommt hinzu. Die Eleganz der Technik macht uns Freude, weil wir uns plötzlich so fühlen, als hätten wir die widerspenstige Materie Sprache selbst spielend besiegt. Zum Beispiel so: Unter uns wohnt ein kinderloses Ehepaar, über uns ein eheloses Kinderpaar. Na, bitte.

So fortgeschritten die Technik bei diesen Witzen auch ist, die Lust beim Witz stammt weniger aus der Technik (also aus dem Schliff der Worte und aus der Mechanik der Pointe) als aus der Tendenz. Das habe ich schon einmal erwähnt. Hier noch mal ausführlicher: Die Technik ist bestenfalls das Hämmerchen, das den Zündfunken auslöst. Was dann explodiert, ist von anderer Art; das ist unser angestautes Gefühl, das sich, durch den Witz befreit, endlich entladen kann. Nehmen wir wieder ein Beispiel: Besser ein Haar in der Suppe als Suppe im Haar. Die Technik kann uns zwar erfreuen, was aber wirklich komisch ist, ist allein die peinliche Vorstellung von Suppe im Haar; komisch ist auch der scheinbar so nüchtern gezogene Vergleich selbst. Diesen Unterschied von Technik und Tendenz, der uns heute so unentbehrlich scheint, hat übrigens erst Sigmund Freud entdeckt und beschrieben.

Witzableiter (5)

Ein passionierter Jäger kauft beim Hundezwinger von Herrn Schindler einen Schweißhund, der seinen hohen Preis wert sein soll. Empört schreibt der Jäger nach zwei Wochen einen Brief: „Sehr geehrter Herr Schindler, das W. das in Ihrem Namen fehlt, hat Ihr Schweißhund zuviel!“

Wir nehmen uns an dieser Stelle ein wenig Zeit zur Theorie. Worin besteht überhaupt die Technik eines Witzes? In jedem Witz stoßen zwei unabhängige Gedanken plötzlich aufeinander. Bergson nannte das, wie wir gehört haben, „Interferenz“. Koestler sprach von „Bisoziation“. Diese Beobachtung aber hat, soviel ich weiß, als erster Immanuel Kant gemacht und in seiner Vorlesung über Anthropologie 1798 veröffentlicht: „Der Witz paart (assimiliert) heterogene Vorstellungen, die oft nach dem Gesetz der Einbildungskraft (der Assoziation) weit auseinanderliegen.“ Das ist schon eine sehr vollkommene Definition.

Populär geworden ist diese Gedanke durch den Dichter und Witztheoretiker Jean Paul (den wir in dieser Eigenschaft auch schon kennengelernt haben), der 1804 vom Witz sagte, er sei „der verkleidete Priester, der jedes Paar kopuliert“. Wenn wir diese Erkenntnis nun auf Herrn Schindlers Schweißhund anwenden, merken wir, daß der Witz den Familiennamen des Verkäufers und den Gattungsnamen des Hundes (die beide „heterogen“ sind) überraschend paart.

„Alle Achtung, Sie fahren Mercedes?“ „Nun, das bin ich meinem Beruf schuldig.“ „Und woher haben Sie so viel Geld?“ „Nun, das bin ich meiner Bank schuldig.“ Die Brautleute gleichen sich völlig. Der verkleidete Priester aber hat in Wirklichkeit das Paar „schuldig sein“ und „Schulden haben“ getraut – das zu paaren sich unser Verstand nicht getraut hätte.

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 32/1984

[Fortsetzung folgt]

Umberto Eco: Baudolino

Umberto Eco (* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont) ist uns vor allem als Schriftsteller bekannt. Bis zum Herbst 2007 lehrte er an der Universität Bologna als Sprachwissenschaftler, genauer als Semiotiker. Außerdem ist Eco ein bekannter Kolumnist. Sein bekanntester Roman ist ohne Zweifel Der Name der Rose, 1980 in Italien, 1982 in Deutschland erschienen. Der äußeren Form nach handelt es sich dabei um einen breit angelegter historischer Kriminalroman, der anno 1327 in einer italienischen Benediktinerabtei spielt. Dieser Roman wurde auch erfolgreich mit Sean Connery verfilmt.

Im Jahre 2000 erschien im italienischen Original und 2001 in der deutscher Übersetzung ein weiterer Roman von Umberto Eco, der im Mittelalter spielt: Baudolino. Im Stile eines Schelmenromans wird die Lebensgeschichte des piemontesischen Bauernjungen Baudolino aus der Gegend von Alessandria erzählt, der anno 1154 als etwa Dreizehnjähriger von dem Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa adoptiert worden ist, an dessen Hof erzogen wurde, nach einem Studium in Paris zum Berater des Kaisers in italienischen Dingen aufstieg, 1189 mit dessen Heer zum Dritten Kreuzzug aufbrach, nach abenteuerlichen Reisen in den fernen Osten anno 1204 die Plünderung von Konstantinopel durch die Kreuzritter des Vierten Kreuzzugs miterlebte und einige Jahre später irgendwo im Orient verschollen sein soll.

Baudolino ist wahrlich ein Schelm und beeinflusst u.a. durch seine Lügenmärchen nachhaltig die damalige Geschichte, in deren Mitte Friedrich I. Barbarossa steht. Nach Friedrichs Tod beschließt Baudolino, mit seinen Freunden und Getreuen nach Osten zu ziehen, um das Reich des Priesters Johannes zu finden. Diese Expedition führt die Gruppe in ferne Weltgegenden, die von allerlei kuriosen Menschen- und Monsterwesen bewohnt sind – ein phantastischer, teils komischer, teils anrührender, teils dramatischer Streifzug durch die mittelalterliche Mythologie der Fabelwesen.

Ähnlich wie die Legende vom Reich des Priesters Johannes so spielt auch die Legende um den Heiligen Gral eine wichtige Rolle in diesem Roman:

Als Baudolino ihm gegenüber die Wunder des Palastes des Priesterkönigs Johannes erwähnte, rief er ganz aufgeregt: „Ja, von solch einem Schloß oder einem ganz ähnlichen habe ich auch schon in der Bretagne gehört! Es ist das Schloß, in dem sie den Gradal aufbewahren!“

„Was weißt du über den Gradal?“ fragte Boron mit einem plötzlichen Mißtrauen, als hätte Kyot die Hand nach etwas ausgestreckt, das ihm gehörte.

„Was weißt denn du darüber?“ fragte Kyot ebenso mißtrauisch zurück.

„He, he“, mischte sich Baudolinio ein, „wie es scheint, liegt euch beiden sehr viel an diesem Gradal. Was ist das denn? Soweit ich weiß, müßte ein gradalis so etwas wie ein Napf oder eine Schüssel sein.“

„Napf, Schüssel!“ sagte Boron mit mildem Tadel. „Eher ein Kelch.“ Dann, als entschlösse er sich, ein Geheimnis zu lüften: „Ich wundere mich, daß ihr noch nie davon gehört habt. Es ist die kostbarste Reliquie der ganzen Christenheit, der Kelch, in welchem Jesus beim Letzten Abendmahl den Wein in Blut verwandelt hat und in welchem dann Joseph von Arimathia das Blut aus der Seite des Gekreuzigten aufgefangen hat. Manche sagen, der Name dieses Kelches sei Saint Graal, andere sagen statt dessen Sangreal, königliches Blut, denn wer ihn besitze, gehöre dadurch zu einem Geschlecht auserwählter Ritter, die vom selben Stamme seinen wie David und wie Unser Herr Jesus Christus.“

„Graal oder Gradal?“ fragte der Poet, der sofort aufhorchte, wenn er von etwas hörte, das eine Macht verleihen konnte.

„Man weiß es nicht“, sagte Kyot. „Einige sagen auch Grasal und ander Graalz. Und es ist nicht gesagt, daß er ein Kelch ist. Die ihn gesehen haben, erinnern sich nicht an die Form, sondern wissen nur, daß er ein Gegenstand war, der außergewöhnliche Kräfte besaß.“

„Wer hat ihn denn gesehen?“ fragte der Poet.

„Sicher die Ritter, die ihn in Broceliande hüteten. Aber auch von ihnen hat sich jede Spur verloren, ich habe nur Leute kennengelernt, die von ihm erzählen.“

„Es wäre besser, wenn man von dieser Sache weniger erzählen würde und lieber versuchte, mehr darüber zu wissen“, meinte Boron. „dieser junge Mann war gerade in der Bretagne, und kaum hat er davon reden gehört, schon sieht er mich an, als wollte ich ihm etwas wegnehmen, was er gar nicht hat. So geht es allen. Man hört irgendwo vom Gradal reden, und schon glaubt man, man sei der einzige, der ihn finden werde. Ich war auch in der Bretagne, sogar auf den Inseln jenseits des Meeres, ich habe dort volle fünf Jahre verbracht, ohne zu erzählen, nur um zu suchen …“

„Und hast du ihn gefunden?“ fragte Kyot.

„Das Problem ist nicht, den Gradal zu finden, sondern die Ritter, die wußten, wo er sich befand. Ich bin durchs Land gezogen und habe nach ihnen gefragt, aber ich bin ihnen nie begegnet. Vielleicht war ich kein Auserwählter. Und jetzt seht ihr mich hier zwischen alten Pergamenten wühlen in der Hoffnung, eine Spur zu entdecken, die mir beim Durchstreifen jener Wälder entgangen ist …“

„Was reden wir hier eigentlich vom Gradal?“ sagte Baudolino. „Wenn er sich in der Bretagne befindet oder auf jenen Inseln, braucht er uns nicht zu interessieren, denn er hat nichts mit dem Priester Johannes zu tun.“ Falsch, widersprach Kyot, denn wo sich das Schloß befindet, in dem der Gradal gehütet werde, sei nie recht geklärt worden, aber unter den vielen Geschichten, die er gehört habe, sei eine gewesen, nach welcher einer von jenen Rittern, ein gewisser Feirefiz, ihn gefunden und dann einem seiner Söhne geschenkt habe, einem Priester, der später König von Indien geworden sein solle.

„Faseleien“, sagte Boron. „Meinst du, ich hätte jahrelang am falschen Ort gesucht? Wer hat dir denn die Geschichte von diesem Feirefiz erzählt?“

„Jede Geschichte kann gut sein“, meinte der Poet, „und wenn du Kyots Geschichte folgst, kannst du womöglich deinen Gradal finden. Aber im Moment ist es für uns nicht so wichtig, ihn zu finden, sondern erst mal zu klären, ob es sich lohnt, ihn mit dem Priester Johannes zu verbinden. Mein lieber Boron, wir suchen hier nicht einen Gegenstand, sondern jemanden, der über ihn spricht.“ Dann wandte er sich an Baudolino: „Was hältst du davon? Der Priester Johannes besitzt den Gradal, aus ihm bezieht er seine allesüberragende Würde, und die könnte er doch auf Friedrich übertragen, indem er ihm das Ding zum Geschenk macht!“

„Und es könnte derselbe Rubinkelch sein, den der Prinz von Sarandib dem Harun al-Raschid gesandt hat“, regte Solomon an, wobei er vor lauter Erregung begann, durch den zahnlosen Teil seines Mundes zu pfeifen. „Die Sarazenen erehren Jesus als einen großen Propheten, sie könnten den Kelch gefunden haben, und dann könnte Harun ihn seinerseits dem Priester geschenkt haben …“

„Großartig!“ sagte der Poet. „Der Kelch als vorausweisendes Symbol der Wiedergewinnung dessen, was die Mauren zu Unrecht besessen hatten. Von wegen Jerusalem!“

aus Umberto Eco: Baudolino (Carl Hanser Verlag, 2001 – 1. Auflage – S. 157 ff.)

Umberto Eco: Baudolino

Daneben gibt es eine „schön verrückte Geschichte“ in dem Roman, die sich um Adams Sprache rankt. Nach Abduls Aussage, einem Gefährten des Baudolino, ist das Gälische eine Rekonstruktion der biblischen Ursprache:

„Ich weiß eine schön verrückte Geschichte“, sagte Abdul. „Meine Mutter hat mir immer erzählt, daß die Sprache Adams auf ihrer Insel rekonstruiert worden ist, nämlich in Gestalt der gälischen Sprache, die sich aus neun Wortarten zusammensetzte – Nomen, Pronomen, Verb, Adverb, Partizip, Konjunktion und so weiter -, also aus ebenso vielen wie den neun Materialien, aus denen der Turm zu Babel bestanden habe: Ton und Wasser, Wolle und Blut, Holz und Kalk, Pech, Leinen und Teer … Es seinen die zweiundsiebzig Weisen der Schule von Fenius gewesen, welche die gälische Sprache zusammengebastelt hätten aus Fragmenten aller zweiundsiebzig Idiome, die nach der babylonischen Sprachverwirrung entstanden seien, und daher enthalte das Gälische die besten Elemente aus allen Sprachen und habe, genau wie die Sprache Adams, die gleiche Form wie die geschaffene Welt, so daß in ihr jeder Name das Wesen dessen ausdrücke, was er benenne.“

„Rabbi Solomon lächelte nachsichtig. „Viele Völker glauben, daß die Sprache Adams die ihre sei, wobei sie vergessen, daß Adam nur die Sprache der Torah sprechen konnte, nicht die jener Bücher, die von falschen und lügnerischen Göttern erzählen. Den zweiundsiebzig Sprachen, die nach der Verwirrung entstanden sind, fehlen grundlegende Buchstaben. So kennen die Gojim beispielsweise nicht das Het, und die Araber haben kein Peh, und deswegen ähneln manche Sprachen dem Grunzen der Schweine, andere dem Krächzen der Frösche oder dem Kreischen der Kraniche, und das sind genau die Sprachen von Völkern, welche die richtige Lebensführung aufgegeben haben. Dennoch stand die ursprüngliche Torah im Moment der Schöpfung vor dem Angesicht des Allerhöchsten, heilig sei immerdar der Gesegnete, geschrieben wie schwarzes Feuer auf weißem Feuer, in einer Ordnung, die nicht die der geschriebenen Torah ist, wie wir sie heute lesen, und die sich erst nach dem Sündenfall Adams manifestiert hat. Deshalb verbringe ich jede Nacht Stunden und Stunden damit, in großer Konzentration die Lettern der geschriebenen Torah zu buchstabieren, um sie zu verrühren und kreisen zu lassen wie das Rad einer Windmühle und daraus wiedererstehen zu lassen die ursprüngliche Ordnung der ewigen Torah, die vor der Schöpfung bestand und übergeben wurde den Engeln des Allerhöchsten, gesegnet sei der Heilige immerdar. …“

aus Umberto Eco: Baudolino (Carl Hanser Verlag, 2001 – 1. Auflage – S. 150 f.)

Auf der Suche nach dem Reich des Priesters Johannes landet Baudolino mit seinen Freunden und Getreuen in der Stadt Pndapetzim, in der in schönster Eintracht, aber theologischer Zwietracht (hier lernen wir viele der so genannten Häresien des Mittelalters kennen) ein multikulturelle Völkergewimmel lebt. Die Stadt wird von dem „Diakon Johannes“, der als Stellvertreter des Priesters Johannes über Pndapetzim herrscht, regiert. Hier verliebt sich Baudolino unsterblich in eine feenhafte Jungfrau namens Hypatia, die ihn nicht nur in eine ganz neue Art von Liebe, sondern auch in die Grundzüge der gnostischen Weltsicht und Gottesvorstellung einführt. Der Gnosis entsprechend wird die materielle Welt als böse Schöpfung eines eigenen Schöpfergottes (Demiurg) angesehen, mithin auch der Körper negativ beurteilt wird. Von diesem Demiurgen wird ein vollkommen jenseitiger, oberster Gott unterschieden, vom dem ein göttliches Element stammt, welches als göttlicher Funke im Menschen schlummert und in der materiellen Welt „fremd“ ist. Dieser verborgene Funke muss vom Menschen erkannt werden, um nicht der materiellen Welt verhaftet zu bleiben.

Baudolino stammt wie sein Autor aus Alessandria im Piemont. Den ersten Teil seiner Lebensgeschichte schreibt er noch selbst. Alles weitere erzählt er dem byzantinischen Historiker und hohen Beamten Niketas Choniates, den er aus den Händen marodierender fränkischer Kreuzfahrer gerettet hatte.

Eco lässt den Roman mit einem metafiktionalen Kommentar enden, wenn er dem (historisch verbürgten) Geschichtsschreiber Niketas Choniates folgenden Schlussdialog mit einem erfundenen Freund in den Mund legt:

„Es war eine schöne Geschichte. Schade, dass sie nun niemand erfährt.“
„Glaub nicht, du wärst der einzige Geschichtenverfasser in dieser Welt. Früher oder später wird sie jemand erzählen, der noch verlogener ist als Baudolino.“

Das sollte Umberto Eco sein.

Der Witzableiter (4): Reime, die sich schütteln

Fortsetzung von: Der Witzableiter (3): Freud und etwas zum Stöhnen

Schüttelreime sind eine besondere Art von Witz. Denn witzig sind Schüttelreime (fast) immer. Es mag an ihrer „witzigen“ Technik liegen. Aber lasse ich weiter Eike Christian Hirsch in seiner 1984 im ZEITmagazin erschienenen Kolumne sprechen:

Buddha nach der netten Fabel / starrt auf seinen fetten Nabel. Keine Frage, es geht hier um Schüttelreime. Wie Sie wissen, werden da die Konsonanten am Anfang der Reimpaare vertauscht, eine Technik, die vor hundert Jahren von ein paar preußischen Studenten erfunden worden sein soll. Oft hängt bei einem forschen Mädchen / die Tugend nur am morschen Fädchen. Das stammt von dem großen Pianisten Artur Schnabel, der von sich selbst in gespielter Bescheidenheit gereimt hat: Am Anfang war auch Schnabel nur / das Ende einer Nabelschnur.

Sind das überhaupt Witze? Ich sehe, daß ich mich rechtfertigen muß. Friedrich Hollaender war dagegen („mit Witzen haben die Dinger glatterdings nichts zu tun“). Hans Weigel rechnet sie auch nicht dazu („eine uralte, sehr literarische Hochform des Blödeln“). Aber Sigmund Freud bescheinigte im Jahr 1905 den „neuerdings beliebt gewordenen Schüttelreimen“, daß unser Wohlgefallen an ihnen „das nämlich ist, an dem wir den Witz erkennen“. Als Beispiel wählte Freud übrigens: Und weil er Geld in Menge hatte / lag stets er in der Hängematte, was uns nun wiederum fragen läßt: Warum liebte Freud gerade diesen Vers? (War er doch in finanziellen Nöten? Zog er Lust aus Ersparung?)

Am Schüttelreim können wir wirklich etwas über Witze lernen. Auch Schüttelreime vergreifen sich im Ausdruck, was zynisch oder ungeschickt wirken kann. Die Boxer aus der Meisterklasse / die hauen sich zu Kleistermasse. Oder von den römischen Christenverfolgungen heißt es: Mit den Bekennern neuer Lehren / ließ Nero manchen Leu ernähren.

Wie bei allen Witzen ist auch beim Schüttelreim die Pointe kurz, überraschend und unausweichlich. Von der Kürze sagte schon der große Theoretiker des Witzes, Jean Paul, im Jahre 1804, Shakespeare zitierend, sie sei „der Körper und die Seele des Witzes“. Prüfen wir das gleich am Vierzeiler über die alte Sängerin: Krumme Beine / Mieder leer / brumme keine / Lieder mehr.

Die Verwandtschaft der Schüttelreime mit den Witzen mag nun wirklich am Tage liegen. Aber was ist das Besondere an den Schüttelreimen? Ich glaube, es ist diese starre Form, mit der sich die Pointe ankündigt (Da klagt unser Sängerlein / mein Auftritt sollte länger sein!). Unweigerlich schlägt der Schlußreim zu. Das ist die Mechanik der Mausefalle. Hier der Eunuch, der hodenlose / was trägt er in der Lodenhose?

Und noch etwas: Mit dieser Strenge der Form kontrastiert angenehm der oft alberne Sinn der Reime. Und dieser Gegensatz ist komisch. Zwecks Heirat lief die Nichte Schi / doch klappte die Geschichte nie. Immerhin: Mit der Pointe klappt es immer.

Witzableiter (4)

Auch in dem Schmähvers über Probleme beim Stillen: Nicht immer hat die feiste Mutter / fürs Baby auch das meiste Futter. Als der französische Philosoph Henri Bergson (wir kennen ihn schon) im Jahre 1900 sein Buch über das Lachen veröffentlichte, hat er den deutschen Schüttelreim gewiß nicht gekannt. Und doch paßt seine Theorie des Komischen besonders gut auf dies deutsche Produkt. Bergson hat sich nämlich zur Erklärung des Komischen auf Kinderspielzeug berufen, auf Hampelmann und Springteufelchen (das ist der Teufel, der aus dem Kasten sprint, sobald man den Deckel aufmacht). Nach Bergson ist es immer komisch, wenn eine Mechanik lebendig wirkt (oder etwas Lebendiges mechanisch). Gilt das nicht besonders vom Schüttelreim? Er folgt einem starren Schema und lebt doch. So manchem gilt die Treue nix / der sinnt auf immer neue Tricks.

Bergson schreibt: „Komisch ist jede Anordnung von ineinandergreifenden Handlungen und Geschehnissen, die uns die Illusion von wirklichem Leben und zugleich den deutlichen Eindruck von mechanischer Einwirkung vermittelt.“ Ich weiß nicht, ob das von aller Komik gilt – vom Schüttelreim bestimmt.

Da springt der Sinn lebendig aus der Mechanik. Auch bei dieser Berufsberatung für Journalisten: Bei wem sich Geist und Fresse paaren / wird gut stets bei der Presse fahren. Man kann auch sagen: Der lebendige Vers ist komisch, weil er wie mechanisch läuft. Zum Beispiel dieser, den sich Österreichs Juden gern erzählten: Gut jodeln kann der Steiermärker / im Jüdeln ist der Meyer stärker. So laufen Schüttelreime. Mechanisch und doch lebendig. Ich könnte auch sagen, unabänderlich und doch daneben. Das ist ihr Witz. Der Braten: schwarz, die Sauce: grau / die Köchin: eine große Sau.

Am liebsten würde ich Ihnen noch die ganz kurzen Schüttelreime vorführen (Altes Haus, halt es aus!) und dem Kampf um den kürzesten, den wohl dieser gewinnt: Du bist / Buddhist. Recht knapp sind auch „Latente Talente“ und „Weh diesen Devisen!“ Oder der, der besser nur mit einem Wort zitiert wird, seinem zweiten übrigens: „ … / Kosacken.“

Man kann mechanisch und unausweichlich auf unpassende Worte zurollen. Das tut auch der Zweizeiler, der von dem Cembalisten Fritz Neumeyer stammen soll, der morgens im Schwarzwald Skilaufen war und abends zur Orchesterprobe nach Freiburg hinunter mußte: Morgens der Berge schimmernde Weiße / abends der Geigen …“.

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 31/1984

[Fortsetzung folgt]

Mit Multikulti zur Europameisterschaft

Für den unermüdlichen Fußballfan gab es in den letzten Tagen ja noch einmal Fußball satt im Fernsehen. Zunächst gab es die Mini-WM, den Confed Cup in Südafrika – gewissermaßen auch als Test für die im nächsten Jahr dort stattfindende Weltmeisterschaft. Nachdem die USA überraschend Spanien im Halbfinale ausschalten konnte (das Spiel erinnerte mich an viele Werder-Spiele in dieser Saison: wie Werder war Spanien zwar überlegen, konnte aber die Torchancen nicht in Tore ummünzen – und verlor so am Ende), gingen die Amerikaner auch gegen Brasilien im Endspiel 2:0 in Führung. Am Ende konnten die Brasilianer aber in einer Aufholjagd mit 3:2 siegen und den Cup-Gewinn von vor vier Jahren wiederholen.

Nachdem die Spanier in der Gruppenphase an ihre Erfolgsserie bei der Europameisterschaft 2008 und Qualifikation zur WM 2010 anknüpfen konnte, fanden sie im Halbfinale gegen die USA nach 15 Siegen in Folge wieder ihren Meister. Lässt man den Spaniern möglichst wenig Raum zum Entfalten ihrer Kombinationsspiels, dann geht auch ihnen schnell die Puste aus.

Die Überraschungsmannschaft war ohne Zweifel die USA, die auch gegen Brasilien lange Zeit mithalten konnte. Man darf gespannt sein, wie es im nächsten Jahr weitergeht. Die Brasilianer haben sich wieder in die Favoritenrolle gehievt. Spanien ist dafür wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückgekehrt.

Neben dem Confed-Cup spielten fast zeitgleich die U21-Nationalmannschaften in Schweden um den Europameistertitel. Nachdem bereits im letzten Sommer die deutsche U19-Mannschaft Europasieger mit einem 3:1-Sieg gegen Italien in Tschechien wurden (Trainer war übrigens Horst Hrubesch) und im Mai diesen Jahres das deutsche Team als Gastgeber die U 17-EM in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gewann (im Finale in Magdeburg setzte sich das Team von DFB-Trainer Marco Pezzaiuoli gegen die Niederlande 2:1 (1:1) nach Verlängerung durch), hat es jetzt die deutsche U21-Mannschaft geschafft und mit einem 4:0-Sieg gegen England zum ersten Mal auch diesen Europameistertitel gewonnen. Trainer des Erfolgteams: Horst Hrubesch.

Bilderserie bei zdf.de: Die deutsche U21-Auswahl

Wenn man die Namen einzelner Spieler liest, dann wird einem schnell klar, dass hier Multikulti am Werk ist: Gonzalo Castro ist spanischer Abstammung, Mesut Özil ist Deutsch-Türke, Dennis Aogo hat einen nigerianischen Vater und Jerome Boateng einen ghanaischen; Änis Ben-Hatira ist tunesischer Abstammung, Fabian Johnsons Vater ist US-Amerikaner, Sami Khedira hat einen tunesischen Vater und Ashkan Dejagah ist iranischer Abstammung. Deutsche Namen besagen zudem nicht, dass die Spieler mit diesen Namen auch in Deutschland geboren wurden: Andreas Beck wurde in Kemerowo, im Westen Sibiriens geboren, Marko Marin in Bosanska Gradiška, Bosnien und Herzegowina – und Sebastian Boenisch in Gliwice, Polen.

U21-Europameister 2009: Höwedes, Özil und Boenisch

Also viele Spieler der U21-Mannschaft haben einen Migrationshintergrund oder sind Spätaussiedler. Und der Erfolg der gesamten Mannschaft zeigt, dass gerade Fußball einen guten Beitrag zur Integration leisten kann. Unabhängig von ihrer Herkunft sind die Spieler zu einem hervorragendem Team zusammengewachsen – und mich als Werder-Fan erfreut es natürlich am meisten, dass Mesut Özil, Thronfolger von Diego beim SV Werder Bremen, besonders im Endspiel seine ganze Klasse zeigen konnte.

siehe Videos bei zdf.de: Multikulti zum SiegBärenstarker ÖzilSuperabend für Super-Özil

Video: Das Endspiel der U21 Deutschland – England in voller Länge

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 19

EWE schlägt Telekom

Die EWE Baskets Oldenburg sind erstmals in ihrer Vereinsgeschichte deutscher Meister im Basketball der Herren. Die Niedersachsen siegten am Donnerstagabend im entscheidenden fünften Spiel gegen die Telekom Baskets Bonn 71:70 (35:36) und krönten so ihre beeindruckende Saison.

EWE schlägt Telekom - im Basketball

Als Kunde der EWE freut mich das natürlich – zumal ich so meine Animositäten gegenüber der Telekom habe.

Versprecher der Politiker

Sigmund Freud lässt grüßen. So mancher Politiker leistet sich Versprecher – zum Vergnügen des Publikums. Wer ist eigentlich Roland Kotz?

Obama, der Fliegenkiller

Barack, der Killer … Das tat aber manchem Tierfreund nun wirklich weh.

Angriff auf Würmer – Gratis-Virenschutz von Microsoft

Microsoft bläst zum Angriff auf Viren, Würmer und Trojaner: Ein kostenloser Virenscanner mit dem prosaischen Namen „Microsoft Security Essentials“ (MSE) soll private Windows-Rechner sicherer machen. Am 23. Juni will Microsoft sein neues Virenschutzprogramm in einer ersten Testversion zum Download freigegeben.

Vorerst werden nur Microsoft-Kunden in den USA, in Israel und Brasilien sowie etwas später auch Nutzer in China in den Genuss des neuen Virenscanners kommen. Der Rest der Welt wird auf die Warteliste gesetzt.

Wann deutsche Nutzer die Software testen dürfen, hat Microsoft bisher noch nicht bekannt gegeben. Beobachter gehen davon aus, dass die deutschsprachige Testversion schon im nächsten Monat offiziell zum Download angeboten werden könnte.

Und wer schützt uns vor Microsoft?