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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Der Witzableiter (1): Totaler Blödsinn – ein Rückfall

Beim Ausmisten alter Unterlagen bin ich auf Ausrisse aus dem ZEITmagazin aus dem Jahre 1984 gestoßen. Es sind die 25 Teile einer Kolumne unter dem Titel „Witzableiter“ – verfasst von Eike Christian Hirsch. Dabei handelt es sich gewissermaßen um eine Psychologie des Humors, die mit einer großen Anzahl an erlesenen Witzen geschmückt ist. In einer erweiterten Fassung ist das auch als Buch erhältlich: Der Witzableiter: Oder Schule des Lachens.

Die Kolumne – wie das Buch auch – ist etwas für alle, die gern lachen und nebenbei wissen möchten, warum sie das tun – soweit die Wissenschaft das herausbekommen hat. Hier nun der erste Teil. Die weiteren Teile folgen nach und nach. Viel Spaß beim Lesen!

Fangen wir bei unserem Gang durch die Witzlandschaft ganz unten an.

„Warum haben Fische Schuppen?“
„Na, wo sollen sie sonst ihre Fahrräder unterstellen?“

Nein, dieses Wortspiel ist noch zu anspruchsvoll. Bitte was ganz Verrücktes!

Hinweis in einer Telefonzelle: „Das zweite Geldstück erst nach dem ersten einwerfen!“ Darunter handschriftlich: „Habe es umgekehrt versucht – ging trotzdem.“

Das ist Unsinn, als solcher noch zu sehr dem Sinn verpflichtet. Steigen wir noch tiefer, damit wir der Wurzel des Komischen näherkommen.

Bitte was ganz Schwachsinniges! Zum Beispiel so:

„Was ist der Unterschied zwischen einem Sprungbrett?“ „Je höher, desto platsch!“

Gut, das kann man als Blödeln bezeichnen, und nun haben wir unser Niveau für den Anfang erreicht. Die Regeln des Verstandes und der Verständigung sind endlich aufgehoben. Hier ist jede Pflicht zur Vernunft von uns abgefallen.

In einem Sketch der Berliner Blödeltruppe Insterburg & Co. Hört man zwei männliche, verstellte Stimmen, die den Dialog eines Tanzstundenpaares vorführen. Während sie über das Parkett schieben, sagt er zu ihr: „Nicht so gegen den Kartoffelsalat drücken.“ Ist man in der richtigen Stimmung, so kann man hemmungslos darüber kichern. Ist man es nicht, so bietet sich Gelegenheit zu schroffem Ärger.

Der Literat Dieter Wellershoff hat uns den Gefallen getan, das Blödeln ganz ernst zu nehmen und ihm heftig zu widersprechen. Während der Witz noch „an die herrschende Rationalität gebunden“ sei, bilde das Blödeln „eine anarchische Subkultur des Humors“. Blödeln unterscheide sich vom Witzemachen dadurch, meint Wellershoff, daß beim Blödeln selbst die Pointe noch verwischt werde. Unser Literat ist tief besorgt um die heutige Jugend, die mit dem Blödeln auch das „Erbe der Aufklärung“ ausschlage.

Witzableiter (1)

Zitieren wir noch aus einem anderen Sketch der Insterburger, über den sich Dieter Wellershoff nicht weniger grundsätzlich erregt hat. Es ist ein Verkaufsgespräch in einem Toupet-Geschäft:

A: Jetzt haben wir hier noch ein anderes Modell, das ist das Modell ‚Carola’. Da sehen Sie links und rechts ein paar Druckknöpfe, da können Sie eventuell Koteletten anknöpfen oder einen schönen, kurzgeschorenen Vollbart.
B: Ja, sehr schön. Und was ist das da hinten, dieser Reißverschluß, was hat der zu sagen?
A: Ja, der Reißverschluß ist was ganz Feines. Da können Sie, wenn Sie offen fahren, können Sie einen Rallye-Streifen einlegen, einen silbergrauen, wir haben einen silbergrauen …

Ich zitiere das, weil wir dem Geheimnis des Komischen auf die Spur kommen wollen. Solch ein infantiler Schwachsinn ist eine der Wurzeln des Komischen – allerdings eine urtümliche, für viele Menschen ungenießbare Form. Der ernsthafte Intellektuelle Wellershoff erkennt hier zu Recht ein „chaotisches und katastrophales Paradies der Unreife“. Aber ist nicht Komik notwendig infantil?

Der Witz ist immer eine Regression (ein Rückfall in die Kindheit). Dieser Satz scheint, so wenig sich auch sonst die Theoretiker des Humors einig sind, gesichert zu sein. Der Unsinn, der sich in jedem Witz zeigt, erlaubt uns diesen Rückfall. Und genau das scheint recht entspannend zu sein. Ein lustvolles Erlebnis.

Die Zwillinge Judith und Hanna sind sich sehr ähnlich – besonders Judith!

An dieser Stelle möchte ich mich zum ersten Mal mit Siegmund Freud schmücken. Ausgerechnet der letzte Satz aus seinem Buch über den Witz soll unser erstes Zitat sein. Dort sagt er von der Komik und besonders vom Witz:

„Die Euphorie, welche wir auf diesen Wegen zu erreichen streben, ist nichts anderes als die Stimmung … unserer Kindheit, in der wir das Komische nicht kannten, des Witzes nicht fähig waren und den Humor nicht brauchten, um uns im Leben glücklich zu fühlen.“

Das Blödeln hat Freud freilich im Jahre 1905, als er seine Untersuchung veröffentlichte, noch nicht gekannt. Er ließ auch eher Witze gelten, die im Unsinn noch einen verborgenen Sinn erkennen ließen. Vielleicht hätte er aber diesen jüdischen Witz (er hat ja selbst so viele vorgeführt!) gemocht:

Der Vater: „Was lernst du da für die Schule, Morizl? Den Erlkönig? Den kenn ich noch ganz auswendig. ‚Den Vater grauset’s, er reitet geschwind, er hält in den Armen das sechzehnte Kind …“
„Tate, es steht mit ‚A’, das ‚achtzehnte Kind’!“
„Nu – wirst eine spätere Ausgabe erwischt haben.“

Unter „Blödeln“ kann man aber auch noch etwas anderes verstehen, nämlich die Angewohnheit einiger durchaus intellektueller Herren, im vertrauten Kreise die Bürde der Vernunft nach allen Regeln der Kunst abzulegen. Hans Weigel hat diesen Zeitvertreib beschrieben und erzählt:

„Da haben wir einmal entdeckt, daß die Nachsilbe ‚bar’ ja auch ein Nachtlokal bezeichnet. Ruchbar – ein wohlparfümiertes Nachtlokal. Schauderbar – ein Nachtlokal als Gruselkabinett. Sonderbar – im Gegensatz dazu ein Nachtlokal mit Rassentrennung …“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 28/1984

[Fortsetzung folgt]

Bookmarks, Links & Favoriten (1)

Wenn man so im Internet umhersurft, entdeckt man die eine oder andere interessante Website, die vielleicht auch noch ein brauchbares Progrämmelchen bietet. Ohne Gewähr hier einige Links, die vielleicht auch für Euch von Interesse sein könnten:

Bildbearbeitung und Slideshow erstellen online
www.slide.com

3D Desktop erstellen
bumptop.com

Das Web-Woerterbuch
www.linguee.de

Unbekannten kuriose Fundstücke
www.absender-unbekannt.de

dezignus – Design-Vorlagen online
dezignus.com

Radiopannen
www.radiopannen.de

PDF in Word umwandeln
www.pdftoword.com

Antwortmaschine der Zukunft?
www.wolframalpha.com

Wissenschaftsblog und mehr
www.scienceblogs.de

Wenn die Brummis durch Tostedt rasen

Tostedt liegt ziemlich dicht an der A1, der Autobahn, die Bremen mit Hamburg verbindet. Und da ist immer viel los, besonders jetzt, da die Autobahn zwischen Bremer Kreuz und Buchholzer Dreieck sechsspurig ausgebaut wird. Als Folge vieler Staus auf Höhe der Baustellen nutzen etliche Auto- und Lkw-Fahrer die Bundesstraße B 75 als Umgehungsstraße, die dadurch oft vollgestopft ist. Dieser Zustand soll noch bis Ende 2012 dauern.

Brummis auf der B 75 durch Tostedt

Die B75 führt genau durch Tostedt und verbindet ebenfalls Hamburg mit Bremen. Dabei handelt es sich ursprünglich um eine von 1811 bis 1813 gebaute napoleonische Heerstraße, die einst von Münster nach Hamburg führte. Diese Route Impériale Nr. 3 war die erste ausgebaute Chaussee durch die nordwestdeutsche Tiefebene, sie durchquerte die einst unpassierbaren Moore und ersetzte historische Handelswege über die Geest. Angeblich soll Napoleon so auch einmal in Tostedt genächtigt haben.

siehe auch abendblatt.de: Tostedter wehren sich gegen überfüllte B75

Resolution gegen Extremismus und Gewalt in Tostedt

Die Initiative Jugendlicher, die sich in einem Offenen Brief an die Jugendausschuss-Vorsitzende des Samtgemeinderates Tostedt gewandt hatte, trägt Früchte. In diesem Schreiben werden die Politiker aufgefordert, „öffentlich Stellung gegen einen Naziladen (im Ortsteil Todtglüsingen) und die verstärkten rechtsextremen Strukturen in Tostedt“ zu beziehen.

Zunächst war der Bürgermeister bemüht, das Problem herunterzuspielen und lediglich um das Ansehen des Ortes in der öffentlichen Meinung besorgt. Nachdem sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche Flagge gegen rechtsextremistische Umtriebe zeigten und die Jugend-Initiative in Tostedt ausdrücklich unterstützten, kommt jetzt endlich auch vom Samtgemeinderat ein positives Signal.

Der Rat der Samtgemeinde Tostedt hat in seiner Sitzung am 09. Juni 2009, im vollbesetzten Saal des Gasthauses Wiechern einstimmig die Tostedter Resolution gegen Extremismus und Gewalt verabschiedet. Die Ratsmitglieder stimmten namentlich über die Resolution ab und bekannten sich damit gegen Extremismus und Gewalt einzustehen.

„Wir wehren uns gegen alle Versuche rechts- und linksextremer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gruppen, das Bewusstsein insbesondere unserer jugendlichen Bürgerinnen und Bürger in ihrem Sinne zu beeinflussen“, heißt es in der Resolution. Aggressive Aktivitäten gegen Andersdenkende und Minderheiten, unverblümte und ausgrenzende Meinungsmache sei immer häufiger in Tostedt festzustellen.

Um dem entgegenzutreten, seien langfristige und übergreifende Präventionsstrategien erforderlich, heißt es weiter in dem Papier. Es gelte weitere Aktivitäten zu entwickeln, die eine vielfältige, demokratische Zivilgesellschaft stärken.

Als beispielhaft nannten die Kommunalpolitiker „Faustlos-Programme“ für Kindergärten und Grundschulen, Anti-Gewalt-, Streitschlichter und Integrationsprojekte, sowie Argumentationstraining gegen Stammtischparolen und extremistische Sprüche.

In diesem Sinne würden das Forum für Zivilcourage und der Todtglüsinger Sportverein mit seinem Integrationsprojekt bereits eine hervorragende Arbeit leisten. Dieses ehrenamtliche Engagement werde vom Samtgemeinderat weiterhin ebenso unterstützt wie neue Projekte gegen Gewalt und Extremismus.

Forum für Zivilcourage, Tostedt

Ausdrücklich werden in der Resolution Bürger gelobt, die gegen extremistisches Gedankengut eintreten und sich dadurch nicht einschüchtern lassen. Das Parlament ruft daher alle Einwohner, öffentliche Einrichtungen, Vereine und Verbände auf, sich aktiv für eine soziale, friedliche und tolerante Samtgemeinde einzusetzen. Die Verwaltung wurde außerdem gebeten, dem Rat einmal im Jahr einen Bericht zum Stand der Maßnahmen gegen extremistische Aktivitäten vor Ort zu präsentieren.

„Mit dieser Resolution allein ist es nicht getan“, sagte SPD-Fraktionschef Reinhard Riepshoff. Er betonte: „wir zeigen den Einwohnern damit aber, dass sie mit ihren Ängsten nicht alleine sind!“

siehe auch www.han-online.de

Ry Cooder goes Rap: Trespass

Nachdem ich bereits Ry Cooders Ausflüge in die Weltmusik näher betrachtet hatte, bin ich in den letzten Tagen dabei, Ry Cooders diverse musikalische Beiträge zu amerikanischen Filmen unter die Lupe zu nehmen. Ry Cooder war in vielen Filmen des Regisseurs Walter Hill gewissermaßen der Haus- und Hofkomponist.

Im Jahr 1992 erschien der Film Trespass (alternativ: Die Rap-Gang), ein US-amerikanischer Actionthriller, von Walter Hill. Für diesen Film zeichnete Cooder wieder als Komponist der Filmmusik und auch als mitwirkender Musiker.

Die Tonspur zu Walter Hills Film Trespass besteht zum einen aus HipHop-Stücken, zum andern aus einem instrumentalen Score. Mit Hilfe herausragender Künstler wie Jim Keltner (dr) und vor allem Jon Hassell (tr) kreiert hier der Slide-Gitarrist und Arrangeur Cooder eine gespenstisch-atmosphärische Collage. Düster steht schier verkörperlichte Bedrohung im Raum, Bilder werden heraufbeschworen, wie sie der Film auch nicht plastischer liefern könnte.

Zum Inhalt:
Zufällig geraten die zwei Südstaaten-Feuerwehrmänner Vince und Don in den Besitz einer Karte, die die Lage eines Goldschatzes in einem leerstehenden Lagerhaus in St. Louis verrät. Von Abenteuerlust gepackt machen sich die beiden auf den Weg dahin, nicht wissend, dass just in diesem Lagerhaus eine Drogengang ihre Geschäfte abwickelt. Tatsächlich kommt es zum Aufeinandertreffen der beiden Parteien, das alsbald zur tödlichen Auseinandersetzung ausartet. Bei dem Film handelt es sich um harte Gangster-Action mit den HipHop-Stars Ice-T und Ice Cube!

Ry Cooder: Trespass

Hörbeispiele: Trespass – instrumentaler Score von Ry Cooder

Hier der vollständige Titel „King of the Street“ aus der Feder von Ry Cooder, mit dem dieser sich auch gewissermaßen als Rapper beweist: Cooder goes Rap!


King of the Street – Ry Cooder

Zum Film selbst hier der Trailer im Original:


Walter Hill: Trespass (Trailer)

Zuletzt der Titelsong, geHipHopt gerapt von Ice-T & Ice Cube – der Vollständigkeit halber:


Ice-T & Ice Cube – Trespass

siehe auch: Ry Cooder in der IMDb (Internet Movie Database)

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 18

Flashmob Party auf Sylt

Am 13.Juni 2009 trafen sich nach einem Aufruf im Internet auf StudiVZ über 5000 Jugendliche zur Strandparty auf Sylt. Wie die Heuschrecken überfielen die party-geilen Feierwütigen die Insel und trafen sich am Strand von Westerland. Dabei kam es am Samstag auch zu Schlägereien und Alkoholexzessen. Die Party folgte dem Prinzip des Flashmobs – einem spontanen Massenaufruf via Internet oder SMS. Zurückblieb jede Menge Müll.

Orte wie St. Peter-Ording an der Nordsee oder Timmendorfer Strand an der Ostsee sind gewarnt.

Kostenlos Filme gucken im Netz

myvideo.de bietet nicht nur kurze Videoschnipsel sondern seit einiger Zeit auch Filme in voller Länge zum Gratisgucken an. Sicherlich sind das nicht die aller Neuesten, aber vielleicht möchte man ja doch den einen oder anderen Film (noch) einmal sehen.

Du bist Terrorist

Gemeinsam für ein sicheres Deutschland. Die Kampagne „Du bist Deutschland“ war 2005 der Beginn einer positiven Stimmungswelle im ganzen Land. Diese gebündelte Energie hat sich 2009 umgekehrt, denn nun bist du potenzieller Terrorist und wirst überwacht: Du bist Terrorist, wenn vielleicht auch nur ein potentieller (schlimm genug!).

Schäuble googelt

Jetzt wird zurück zensiert

Naja, eigentlich etwas doof, aber wie jeder weiß, können Politiker Computer nicht bedienen. Deswegen bekommen sie Internetseiten immer nur als Ausdruck ihrer Bediensteten zu Gesicht. Man spricht deshalb auch von den sogenannten Internet-Ausdruckern. Nun machen wir es ganz einfach. Mit einem minimalen Schnipsel CSS-Code schützen wir alle Seiten vor dem Ausdrucken. Und schwupps – kein Politiker wird jemals wieder eine Internet-Seite zu Gesicht bekommen.

Ferienzeit: Museen zum Mitmachen

Die Ferien- und Urlaubszeit steht an. Auch wenn das Geld nicht reichen sollte, eine längere Reise zu unternehmen, so möchte man doch seinen lieben Kleinen einige unterhaltsame Stunden bieten. Wenn es zudem noch lehrreich ist, dann ist es um so besser. Jede größere Stadt hat ihre Museen. Und seit vor 40 Jahren das Exploratorium in San Fransisco seine Pforten öffnete, haben Science Center auch bei uns in Deutschland einen Siegeszug angetreten. So gibt es hierzulande inzwischen zahlreiche Mitmach-Museen.

siehe hierzu einen Streifzug bei ard.de: Science Center in Deutschland

Universum Bremen

Bei uns in der Nähe, d.h. in Bremen, gibt es seit der Weltausstellung 2000 in Hannover das Universum Bremen. Mit unseren beiden Jungen (und oft auch mit Freunden von ihnen) haben wir bereits öfter dieses Erlebnismuseum besucht (siehe meinen Beitrag: AlbinZ im Universum).

Also schnell einige Butterstullen geschmiert, Eier hartgekocht oder eine Schüssel Kartoffelsalat zubereitet – und mit dem Auto oder der Bahn (mit den Ländertickets der Bahn können bis zu fünf Personen fahren – sie gelten meist auch in Verkehrsverbünden) kann es dann losgehen. Viel Spaß!

siehe auch meinen Beitrag: München 2007: Besuch des Deutsches Museum

Ry Cooder: Alamo Bay

Im texanischen Alamo Bay am Golf von Mexiko lebt man vom Krabbenfang, doch Flüchtlinge aus Südvietnam machen den einheimischen Fischern das Leben zunehmend schwer. Der Vietnam-Veteran Shang will sich die unliebsame Konkurrenz vom Hals schaffen.

“In den Jahren nach dem Fall Saigons flüchtete eine Million Vietnamesen aus ihrem Land, von denen viele hofften, in den USA ein neues Leben aufbauen zu können. Diese Geschichte beruht auf einer Reihe von Ereignissen, die sich an der Golfküste von Texas zwischen 1979 und 1981 abspielten“, heißt es im Vorspann. Einer von diesen Flüchtlingen ist der junge Vietnamese Dinh. Er kommt mit viel Hoffnung und Vertrauen in den american way of life nach Alamo, ein texanisches Fischerstädtchen am Golf von Mexiko, Anfang der 1980er Jahre. Seit jeher ernährt man sich hier vom Krabbenfang. Doch mit den ersten Flüchtlingen, die sich als fleißige und geschickte Fischer entpuppen, ist die Stimmung angespannt.

Der alte Wally wird offen angefeindet, weil er den Fremden Arbeit auf seinen Krabbenkuttern gibt. Vor allem zwischen dem Vietnam-Veteranen Shang und Wally herrscht Verbitterung, wenn auch nicht nur wegen der Vietnamesen: ihre Feindschaft schwelt schon seit langem, denn Shang und Wallys Tochter Glory verbindet seit Jahren eine heiße Affäre, obwohl Shang inzwischen verheiratet und Vater ist. Auch zwischen dem Paar kommt es zu ernsten Spannungen, Shang reagiert eifersüchtig und wütend auf Glorys Freundschaft zu ihren „Gastarbeitern“, die sie als gleichberechtigte Partner behandelt – vor allem zu dem ehrgeizigen aber höflichen Dinh, der fleißig auf ein eigenes Boot spart.

Als Shangs eigener Kutter von der Bank gepfändet und konfisziert wird, eskaliert die Situation, aus der latenten Feindseligkeit lodern die Flammen offenen Hasses, der Ku Klux Klan schaltet sich ein und nützt die Gunst der Stunde. Dinh wird brutal aus einer Kneipe geprügelt, die Fischer organisieren einen Streik, um die Vietnamesen zu verjagen, anscheinend mit Erfolg auf der ganzen Linie. Die unwillkommenen Neubürger packen ihre Koffer und verlassen den Ort. Doch dann kehrt Dinh mit seinem Freund Ben zurück. Er will sich nicht noch einmal vertreiben lassen, nicht noch einmal der Gewalt weichen wie in seiner Heimat – und in Glory findet er eine Mitkämpferin. Sie fährt mit den beiden aufs Meer hinaus, obwohl sie weiß, dass sie damit alle Fischer gegen sich aufbringt – an ihrer Spitze den unberechenbaren Shang.

Louis Malle (1932-1995), der zehn Jahre lang, von 1976 bis 1986, in den USA lebte und arbeitete und in dieser Zeit fünf Spiel- und zwei Dokumentarfilme drehte, stemmt sich in diesem auf authentischen Ereignissen beruhenden Kinofilm aus dem Jahre 1985 gegen den damaligen Trend in den USA, die Veteranen des Vietnamkrieges zu Helden zu machen, wie es die „Rambo“-Kinoserie und Michael Ciminos „Im Jahr des Drachen“ versuchten, um das Trauma des verlorenen Krieges zu lindern. Malle zeigt den krassen Hass der „Verlierer“ gegen südvietnamesische Boat People und Einwanderer, die doch genauso Opfer des Krieges sind wie sie selbst, vertrieben vom neuen kommunistischen Regime.

Ry Cooder: Soundtracks zu The Border & Alamo Bay

Die Musik zu „Alamo Bay“ schrieb kein Geringerer als Ry Cooder, der damit bei einem weiteren Film für den Soundtrack verantwortlich zeichnete. Bei YouTube habe ich einen Ausschnitt aus dem Film gefunden. Zuletzt das Musikstück von Ry Cooder, das das musikalische Thema (Theme From Alamo Bay) zu dem Film bildet. Der Soundtrack zu dem Film ist zusammen mit der Musik für den Film „The Border“ (deutsch „Grenzpatrouille“) aus dem Jahr 1982 von Tony Richardson und mit Jack Nicholson sowie Harvey Keitel.auch auf CD erhältlich: Ry Cooder: The Border / Alamo Bay.


Alamo Bay (1985) Harbor Confrontation


Ry Cooder: Theme From Alamo Bay aus Alamo Bay (Soundtrack) (1985)

siehe auch: Ry Cooder in der IMDb (Internet Movie Database)

Unreleased Tull 1969 – 2001

Im Netz kursieren allerhand Mitschnitte von Aufnahmen der Gruppe Jethro Tull (siehe auch meinen Beitrag: Coverversionen & Bootlegs von Jethro Tull). Jetzt hat sich wohl einer die Mühe gemacht, das ganze bisher unveröffentlichte Material der Gruppe zu sammeln und ebenfalls im Netz bereitzustellen. Es handelt sich dabei nicht etwa um Aufnahmen von Stücken, die wir von offiziellen Ton- und Bildträgern, sprich CDs und DVDs, her kennen, sondern um ‚Tunes’, die meist für eine bestimmte Tournee mit ins Programm genommen wurden (z.B. Bach’s Double Violin Concerto).

Unreleased Tull 1969-2001

So sind 49 Stücke zusammengekommen, einiges an Intros (Ouverture wäre zuviel gesagt) und Ends, Instrumentals, also Soli von Gitarre und/oder Keyboards und Drums; Dave Peggy bringt Fairport-Conventionelles mit (einige Jigs), auch ein Stück von Andy Giddings darf nicht fehlen (Parrot) und das allwegs bekannte Girl from Ipanema, das am 08.08.1988 in São Paulo, Brasilien, angestimmt wurde. Fast zuletzt ist das Stück „Drive“ zu hören, ein Orchesterstück von und mit Ian Anderson an der Flöte, das 1999 zu einem Soundtrack zu dem Film „Mystery, Alaska“ gehörte. Die Qualität ist nicht immer die beste, aber für echte Tull-Fans ist diese Sammlung natürlich schon so etwas wie ein Schmankerl.

Mit Hilfe eines freien BitTorrent-Clients wie Vuze (kostenloser Download von Vuze) kann die gut 200 MB große Sammlung heruntergeladen werden (Quelle bei piratebay, genau: die bösen Piraten, die jetzt auch noch einen Sitz im Europaparlament für Schweden erobern konnten); weitere Infos zur Handhabung siehe auch in einen meiner früheren Beiträge.

zuletzt: Jethro Tull bei lastfm.de (u.a. mit alten Fotos usw.)

Ry Cooder: The Border

The Border, zu deutsch Grenzpatrouille, ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1982 in der Regie von Tony Richardson und mit Jack Nicholson sowie Harvey Keitel. Die Musik stammt von Ry Cooder, den wir bereits als Komponisten diverser Soundtracks zu anderen Filmen kennen. Für den Soundtrack zu diesem Film wurden u.a. auch zwei Lieder von Domingo Samudio verwendet, besser bekannt als Sam the Sham von der Tex-Mex-Band Sam the Sham & the Pharaohs aus den 60er Jahren.

Vielleicht noch einige Anmerkungen zu Filmmusik allgemein. Diese wird meist eingesetzt, um die optischen Eindrücke zu untermalen bzw. zu unterstützen oder gar zu verstärken. Man spricht hierbei von Underscoring. Diese Musik nennt man auch Off-Musik, also eine Musik, die die eigentlichen Filmcharaktere nicht wahrnehmen. Im Gegensatz dazu ist On-Musik eine Musik, die auch die Protagonisten des Film wahrnehmen, z.B. wenn im Film in einer Bar die Musikbox spielt. So genannte Soundtracks, also Musik, die auf Musik-CDs veröffentlicht wird, unterscheidet man oft in Samplers und Scores. Ein Score ist in der Regel die Musik, die speziell für den Film komponiert wurde und dem genannten Underscoring (immer Off-Musik) dient. Hierzu gehört auch ein Leitmotiv, das wiederkehrend bestimmten Charakteren oder Handlungssträngen zugeordnet wird. Ein Sampler enthält dagegen meist Lieder, die sowohl Off- als auch On-Musik sein können, also Lieder oder Stücke, die oft nicht extra für einen Film komponiert wurden (wie z.B. die zwei Lieder von Domingo Samudio) und ‚nur’ thematisch gut zu einem Film passen. Oft erscheinen auf einem Sampler auch Stücke, die im Film gar nicht angespielt wurden.

Aber weiter zur Thematik des Filmes: Er handelt von einer Grenzpatrouille (United States Border Patrol) an der Grenze zwischen Texas und Mexiko und dem Problem der illegalen Einwanderung von Mexikanern in die USA. Dabei werden Menschenschmuggel bis hin zu Menschenhandel (von Kindern, die als Adoptivkinder verkauft werden) anhand von Einzelschicksalen thematisiert.

Hier zunächst ein Trailer zu dem Film:


Tony Richardson. The Border (Grenzpatrouille)

… und ein etwas längerer Filmausschnitt (im Original):


Jack Nicholson: The Border

Zuletzt aus dem Soundtrack zu diesem Film das Stück “Too Late”, das Ry Cooder u.a. mit John Hiatt (Gitarre, Gesang) und Jim Keltner (Drums), die immer wieder bei Plattenaufnahmen von Cooder mitwirkten, eingespielt hat:


Ry Cooder/John Hiatt u.a. – Too Late

Übrigens: Den Film gibt es heute Abend auf Tele5 im Fernsehen.

ElbeLeuchtturmTag 2009

Ich weiß nicht, wie es denen geht, die nicht nahe der Küste leben. Aber für mich, der nun einmal in der norddeutschen Tiefebene haust, haben Leuchttürme etwas Faszinierendes. So kommt ein Tag wie der am Sonntag, den 14. Juni, geradezu recht: Elbe-Leuchtturm-Tag von Hamburg bis zur Nordsee. An diesem Tag öffnen in der Zeit von 10 bis 17 Uhr immerhin zehn dieser Leuchttürme für das interessierte Publikum ihre Türen.

Elbe-Leuchtturm-Tag 2009

Was mich besonders erstaunt ist, dass insgesamt 56 Leuchttürme die Elbe allein zwischen Hamburg und Nordsee säumen. Diese finden sich zwischen Neuwerk in der Elbmündung und Bunthäuser Spitze an der Trennung zwischen Norder- und Süderelbe. Jedes hat seinen eigenen Takt, seine eigene unverwechselbare Farbkennung. 43 von ihnen sind noch aktiv und für den Schiffsverkehr unverzichtbar.

Die Leuchttürme entlang der Elbe sind eindrucksvolle Belege der über 100-jährigen Navigations- und Ingenieurskunst. Sie lassen sich vereinfacht in Leitfeuer und Richtfeuer unterscheiden. Die Leitfeuer lenken die Schiffe durch schwierige Gewässer, indem sie z.B. durch verschiedenfarbige Lichter sicheres und unsicheres Fahrwasser kennzeichnen. Ein Richtfeuer dagegen besteht aus zwei Leuchttürmen: dem höheren Ober- und dem kleineren Unterfeuer. Zusammen kennzeichnen sie die Mitte des tiefen Fahrwassers. Sieht der Schiffsführer die Lichter in einer senkrechten Linie mit seinem Schiff, so befindet er sich auf der Richtfeuerlinie; sieht er die Lichter verschoben, muss er den Kurs korrigieren.