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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Ry Cooder & V.M. Bhatt: A Meeting by the River

Bevor sich Ry Cooder 1994 auf die Reise machte, um die Wurzeln des Blues zu erforschen, suchte er 1993 Kontakt zu Musikern in Indien und traf dort auf Vishwa Mohan Bhatt, der eine Art modifizierte Slide-Gitarre spielt, die er Mohan Veena nennt, nach dem indischen Instrument Vina. Sie besitzt drei Melodie- und vier Bordunsaiten sowie zwölf Resonanzsaiten, die über einen eigenen Steg laufen. Der Aufbau erinnert an eine indische Sitar. Bhatt spielt das Instrument mit einem Drahtplektrum (Mizrab), wie es auch zum Sitarspiel verwendet wird, und benutzt einen Metallstab aus Stahl.

Ry Cooder & Vishwa Mohan Bhatt: A Meeting by the River

Zusammen also mit V.M. Bhatt (Mohan Vina) spielte Cooder (Bottleneck Guitar) auch noch mit Sukhvinder Singh Namdhari (Tabla) und seinem Sohn Joachim Cooder (Dumbek). Das Ergebnis ist das Album A Meeting By the River, das Anfang 1994 mit dem Grammy „Best World Music Album” ausgezeichnet wurde. Gewidmet ist das Album Gabby Pahinui, dem hawaiischen Steel-Gitarristen, der 1980 verstarb und mit dem Ry Cooder früher zusammen gespielt hatte, u.a. auf dem Album „Chicken Skin Music“ von Cooder aus dem Jahre 1976 (hierzu später sicherlich noch etwas mehr).

Hörbeispiele: A Meeting by the River

Es ist eine Musik in einem eklektizistischen Stil entstanden. Dabei fließen viele indische Elemente mit westlichen zusammen und kreieren eine Musik, die die Palette der Weltmusik um eine weitere, hörenswerte Nuance erweitert. Es sind dabei insgesamt vier Instrumentstücke herausgekommen, die zeigen, dass sich Musiker unterschiedlichster Musikanschauung doch auf einen gemeinsamen Nenner einigen können. Das wünscht man sich ebenso gern auf anderen Gebieten.

Italo Svevo: Zenos Gewissen

Die italienische Schriftsteller Italo Svevo (eigentlich: Hector Aron Schmitz, genannt Ettore Schmitz; * 19. Dezember 1861 in Triest; † 13. September 1928 in Motta di Livenza bei Treviso) ist bei uns ziemlich unbekannt. Zu Lebzeiten blieben seine Werke zunächst wenig beachtet. Heute gilt er als führender italienischer Romanautor des 20. Jahrhunderts. Das Pseudonym Italo Svevo heißt „der italienische Schwabe“ beziehungsweise „der italienische Deutsche“, da sein Großvater aus Deutschland stammte.

Italo Svevo

Svevos Hauptwerk, der Roman „Zenos Gewissen“, gilt längst als „eines der größten Bücher des (20.) Jahrhunderts, und nicht nur des Jahrhunderts, das trotz seiner inzwischen weltweiten Geltung in seiner ganzen dämonischen Größe vielleicht erst noch zu entdecken ist“ (Claudio Magris, Die Zeit).

Erstmals zweisprachig ist Italo Svevos Jahrhundertroman Zenos Gewissen (Italienisches Original und die Neuübersetzung von Barbara Kleiner mit einem Essay von Wilhelm Genazino) bei zweitausendeins.de erhältlich (1.203 Seiten für nur 7,99 EUR).

Zeno ist ein ewiger Student, der verschiedene Fächer und Jobs ausprobiert, aber nichts wirklich fertig bringt und vom Geld seines Vaters, eines erfolgreichen Unternehmers, lebt. Ständig nur mit sich selbst beschäftigt, ist er lebensuntüchtig geworden. Er glaubt nicht daran, sein Leben aktiv beeinflussen zu können, sondern ist überzeugt davon, das Leben gestalte ihn.

So wie er nichts fertig bekommt, so verhält es sich bei Zeno auch mit all seinen guten Vorsätzen. In der ersten Episode geht es um die vergeblichen Versuche, sich das Rauchen abzugewöhnen. Immer wieder ist Zeno davon überzeugt, seine «ultima sigaretta» zu rauchen, doch jedes Mal hat er eine Entschuldigung dafür, wieder rückfällig geworden zu sein.

Daneben ist er das Musterbeispiel eines eingebildeten Kranken. Gerät er in eine Stresssituation, so beginnen ihn die unterschiedlichsten Zipperlein zu plagen. Und so landet er auch bei einem Psychoanalytiker, der ihn dazu bringt, seine Lebensgeschichte schriftlich festzuhalten.

Zeno Cosini ist ein Held, der am wirklichen Leben scheitert, dies aber auf eine komische Art: Er ist nicht nur ein Hypochonder, sondern auch ein schrulliger Müßiggänger und ewiger Zauderer, der lieber grübelt als handelt und dabei an seinen Selbsttäuschungen und Rechtfertigungen festzuhalten versucht. Von seinem schlechten Gewissen geplagt, fasst er immer wieder gute Vorsätze – die er dann nicht hält. Das Besondere an dem recht weitschweifigen Roman „Zenos Gewissen“ ist die feine Ironie, durch die Zenos auf Geheiß seines Psychoanalytikers verfasste Lebensbeichte zur Travestie einer Nabelschau wird.

siehe auch: Dieter Wunderlich: Buchtipps

Ich denke, Frauen werden ihren Spaß an Svevos „Zenos Gewissen“ haben. Vielleicht ist Zeno nicht unbedingt das Musterbeispiel eines Mannes. Aber vieles von ihm lässt sich auch an manchem Mann wiedererkennen.

Übrigens: In Triest nahm Italo Svevo an einem englischen Sprachunterricht teil und lernte so 1905 an der Triester Berlitz-School James Joyce kennen, der dort als Sprachlehrer arbeitete. Die beiden (zu dieser Zeit noch weitgehend unbekannten) Autoren freundeten sich an. Joyce las Svevos Romane, war von ihnen begeistert und ermutigte ihn zu weiteren Arbeiten.

Ry Cooder – Pecos Bill

Eigentlich wollte ich Ry Cooder schon zu den Akten legen. Aber da sich bei mir nun doch noch einiges Material zu ihm angehäuft hat, wird es auch noch einige weitere Beiträge unter seinem ‚Stern’ geben. Und eine neue Kategorie, die seinen Namen trägt, habe ich auch noch eingerichtet.

1988 gewann Ry Cooder den Grammy für die beste Aufnahme für Kinder (“Best Recording for Children“) für „Pecos Bill“. Er schrieb für eine verfilmte Erzählung, die von dem Schauspieler Robin Williams vorgetragen wurde, die Musik.

Pecos Bill ist ein legendärer amerikanischer Cowboys, um den sich viele Geschichten ranken, die wohl nur der Phantasie entsprungen sind; u.a. soll er von Kojoten groß gezogen worden sein. Diese Geschichten spielen in der Zeit, als sich die Vereinigten Staaten nach Südwesten ausdehnten und Texas, New Mexico und Arizona in ihr Staatsgebiet übernahmen. Pecos Bill ist vielleicht mit Till Eulenspiegel zu vergleichen. Neben dem Grammy erhielten Film und Musik noch viele andere Preise.

Bei YouTube habe ich ein kleines Video gefunden, das uns auch die Musik von Ry Cooder hören lässt:


Pecos Bill – erzählt von Robin Williams/Musik von Ry Cooder

Gaspreis sinkt – Werder als Energiespender

Ich will nicht nur meckern: Zum 1. April werden bei uns nochmals die Gaspreise gesenkt. Nachdem die Preise für Gas in den letzten Jahren immer sehr stark angestiegen waren (zuletzt im August 2008 um über 10 %), hat unser Gaslieferant nach der Preissenkung zum 1. Februar 2009 (5,6 %) eine weitere Preisreduzierung von 13,7 % angekündigt. Die verzögerte Preissenkung für Gas (Heizöl ist bekanntlich schon länger billiger) wird durch die langjährigen Lieferverträge erklärt.

Weser-Stadion mit Photovoltaik-Anlage

Unser Gas- und Stromlieferant (die EWE AG) gibt sich umweltbewusst und visionär: Eine Photovoltaik-Anlage auf Teilen der Dachkonstruktion des Weser-Stadions in Bremen ist seit dem 30. Dezember 2008 am Netz. Solarzellen wandeln Sonnenenergie in elektrischen Strom um. Damit ist das Weser-Stadion jetzt Stromproduzent und somit Energiespender. Beteiligt an diesen Umbau war neben der swb AG auch die EWE AG.

Freundlich – bis zum Erbrechen

Ich habe ja nichts gegen ein bisschen Freundlichkeit. Aber eine geschäftsmäßige Freundlichkeit immer im gleichen Tonfall und mit fast immer dem gleichen Text: Das geht mit der Zeit auf den Keks. So die penetrant freundlichen Ansagen der Zugbegleiter/-innen in den Zügen der metronom Eisenbahngesellschaft mbH, die nichts aussagen und den ‚lieben Fahrgästen’ eine angenehme Fahrt wünschen und diese aufmerksam machen, nur gar nicht das Handgepäck liegen zu lassen (Besonders liebreizend die Anmerkung: Damit nichts liegen bleibt! Das muss nämlich aufgesammelt werden und macht nur viel Arbeit).

Und wenn es um Anschlusszüge geht, dann wird geraten, auf die Lautsprecheransagen am Bahnsteig zu achten – als wäre man als Fahrgast ein unverbesserlicher Trottel und kenne nicht die elementarsten Dinge des Bahnreiseverkehrs. Auch nett: Liebe Fahrgäste, beachten Sie Folgendes: Das Niedersachsen-Ticket und das Niedersachsen-Ticket Single ist nur mit eingetragenem Vor- und Nachnamen gültig. Vielen Dank! Die von Donald Duck oder wen? Und wenn tatsächlich einmal eine Ansage mit informativem Inhalt erfolgt, dann sind diese auch noch falsch (Die Heidebahn fährt von Gleis 6 – obwohl jeder Fahrgast, der ein Pendler ist – und das sind am späten Nachmittag fast alle-, weiß, dass die Heidebahn ab Buchholz IMMER von Gleis 11 fährt).

Die „Zeit“-Attac(ke)

Die Yes Men haben es mit einem Plagiat der New York Times Ende des letzten Jahres vorgemacht: Seit gestern Morgen verteilen die Globalisierungsgegner von Attac in ganz Deutschland Fälschungen der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Download als PDF bei zdf.de). Ziel der Aktion: Die Vorstellungskraft der Menschen anregen. Erste Auflage: 150.000 Blätter.

'Die Zeit' - 01.05.2010 (Plagiat)

Die Ausgabe ist datiert auf den 1. Mai 2010. Das soll verdeutlichen, wie die Schlagzeilen in gut einem Jahr lauten können, wenn nicht allein die Kräften der „neoliberalen Globalisierung“ Ihren Einfluss auf die weitere Entwicklung in Politik und Wirtschaft in der Krise nehmen werden: „Banken verstaatlicht: Eine neue Ära beginnt“, „Mehr Demokratie!“ oder „Klagewelle gegen Klimasünder“

Die Debatte über die Wirtschaftskrise will Attac positiv wenden. Die Hauptvorschläge der Organisation: Die soziale Schere zwischen Arm und Reich schließen. Die Kosten der Krise nicht Steuerzahlern, sondern deren Verursachern aufbürden. Steueroasen schließen. Lobbyisten aus der Politik verbannen. Die Klimakatastrophe verhindern.

siehe auch meinen Beitrag: Respekt, Herr Geißler

Stammplatz ade

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2008 gab es im Bahnverkehr Mehr als das übliche Chaos. Da wurden Züge, die ohnehin brechend voll sind und hauptsächlich von Pendlern genutzt werden, um zwei Waggons gekürzt. Und die Stammplätze im Metronom, der u.a. zwischen Bremen und Hamburg verkehrt, wurden auf eine Art und Weise neu verteilt, dass einige gelackmeiert nur noch auf wenig komfortablen Klappsitzen Platz fanden.

Der 'metronom' und seine Fahrgäste

Das mit den Stammplätzen ist ein besonderer Service: Wer eine Jahresabo-Karte hat, kann sich für die werktäglichen Fahrten zur und von der Arbeit in jeweils einem Zug einen festen Sitzplatz reservieren lassen – und das kostenlos. Klingt gut. Nur manchmal wird ein Segen zum Fluch:

Meine Mail an die metronom Eisenbahngesellschaft mbH vom 19.03.2009:

Seit gestern wird mein bei Ihnen reservierte Stammplatz nicht mehr angezeigt – sowohl bei der Hin- als auch Rückfahrt. Ich habe in der Online-Reservierung bei Ihnen noch einmal nachgeschaut: Tatsächlich ist dort mein Platz wieder freigegeben.

Ich weiß nicht, was der Grund ist, es wäre aber nett, wenn meine Reservierung möglichst schnell wieder vorgenommen würde. Ich habe eine Reservierung für die Strecke Tostedt – Hamburg Hbf – 2. Klasse …

Wie ich gehört habe, ist das kein Einzelfall.
Vielen Dank

Antwort von der metronom Eisenbahngesellschaft mbH vom 20.03.2009:

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 19.03.2009.

Leider wurde Ihre bisherige Stammplatzreservierung 494… automatisch vom System gelöscht, da die eingereichte Fahrkartenkopie bereits am 31.12.2008 ablief. Eine Neureservierung ist nur unter Zahlung eines Bearbeitungsentgeltes in Höhe von 25,00 € und noch freien Plätzen möglich.

Auch in Ihrem Schreiben zur StammplatzCard wurden Sie darauf hingewiesen:

[nachfolgender Text in blau, fett und unterstrichen, damit auch ein Depp wie ich begreift, um was es geht:]

Bitte beachten Sie, dass die Stammplatzreservierung maximal bis zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2009 gültig ist.

Sollten wir bis zum Ablauf der Gültigkeit Ihrer jetzigen Streckenzeitkarte keine Kopie Ihrer neuen Zeitkarte erhalten, erlischt Ihre Stammplatzreservierung allerdings vorher, und zwar mit dem letzten Geltungstag Ihrer jetzt gültigen Streckenzeitkarte.

Bitte geben Sie uns eine Rückmeldung, falls Sie eine Neureservierung wünschen.

Für weitere Fragen, stehen wir Ihnen auch gern telefonisch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
i. A. …
Kundenberatung

Meine Antwort darauf vom 20.03.2009:

Sehr geehrte Frau …,

mit meiner Stammplatzreservierung habe ich seit dem Fahrplanwechsel so meine Probleme (Klappsitz oder Stammplatz). Was schief gehen kann, geht dann auch schief.

Ich hatte vormittags am 18.12.2008 bei Ihnen online meine Stammplatzreservierung angemeldet. Dabei hatte ich als Gültigkeitsdatum meiner Jahresabo-Karte ‚wahrheitsgemäß‘ den 31.12.2008 angegeben, da ich die neue Abo-Wertmarke noch nicht bekommen hatte.

Als ich am Nachmittag nach Hause kam, war die neue Abo-Wertmarke mit der Post eingetroffen. So machte ich noch am gleichen Tag eine Kopie davon und sandte Ihnen diese (in einer Word-Datei ‚verpackt‘) per Mail (18.12.2008 – 17:06) mit folgendem Anschreiben zu:

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Anhang übersende ich Ihnen ein Word-Dokument mit den Kopien meiner Abonnements-Kundenkarte und der neuesten Abo-Wertmarke (gültig bis 31. Dez. 2009) zum Nachweis meiner Berechtigung für eine Stammplatzreservierung:


Bestellnummer: 494…

Mit freundlichen Grüßen

Die Fahrkartenkopie mit Gültigkeit bis zum 31.12.2009 liegt Ihnen also bereits seit dem 18.12.2008 vor.

metronom-StammplatzCard

Die Jahre zuvor hatte ich nie Schwierigkeiten mit der Stammplatzreservierung. Sobald ich die neue Abo-Wertmarke bekam, habe ich umgehend die Reservierung vorgenommen und konnte so über Jahre meinen alten Stammplatz behalten. Mit dem letzten Fahrplanwechsel verlor ich zunächst meinen bisherigen Platz. Und jetzt dieses Theater. Da laut Kartenaufschrift die StammplatzCard Eigentum der metronom Eisenbahngesellschaft mbH ist, möchte ich Ihnen Ihr Eigentum nicht vorenthalten und werde die Karte bei nächster Gelegenheit einen Ihrer Mitarbeiter aushändigen. Sie werden sicherlich verstehen, dass ich nicht gewillt bin, 25 € für eine Neureservierung zu bezahlen (zumal allein in den letzten zwei, drei Wochen die gesamte Stammplatzanzeige ‚aus technischen Gründen‘ zweimal nicht funktionierte).

Mit trotzdem freundlichen Grüßen

Stammplatz ade. Ist auch besser so: Bis zum Fahrplanwechsel hatte ich ein hübsches blondes Mädel als Sitznachbarin. Da konnte der Tag nur positiv beginnen. Nach dem Fahrplanwechsel saß ich neben einen Schnarchhahn, der, weil er bereits in Hamburg-Harburg den Ausgang suchte, immer wie ein Ferkel grunzte, damit ich ihm Platz zum Aussteigen machte. Jetzt bin ich wieder heimatlos und komme ohne festen Sitzplatz wenigstens wieder unters Volk! Ja, man sollte positiv denken.

„Wie von einem fremden Stern“

Der Samstagabend ist bei uns meist Fernsehabend. Leider gibt es gerade am Samstagabend oft nichts Berauschendes, sodass wir auf ältere Videos bzw. DVDs zurückgreifen. Letzten Samstag hatte es nun auch den Anschein, als gäbe es wieder einmal nur Müll im Fernsehen. Aber da war der Film über einen Außerirdischen auf Erden, immerhin mit Jeff Bridges und Kevin Spacey – so schlecht sollte der Film also nicht sein.

So schauten wir also den Film K-Pax (USA 2002) in der Regie von Iain Softley mit Kevin Spacey als Prot und Jeff Bridges als Dr. Mark Powell. Und wir sollten es nicht bereuen. Wenn ich so etwas wie eine Top Ten für Filme hätte, dann würde dieser Film mit Sicherheit zu diesen 10 besten Filmen zählen.

Wie gesagt: Der Film handelt von einem Außerirdischen, ist aber kein Science-Fiction- oder sonst wie Fantasy-Film, sondern durchaus realistisch.

Plötzlich steht er da, unrasiert, mit Sonnenbrille (angeblich ausgeliehen bei Bono, dem Sänger von U2), ein bisschen unbeholfen, ruhig, gelassen, erzählt den Polizisten, die auf den Bahnhof gerufen wurden, weil eine Frau überfallen wurde, er komme von K-Pax und heiße Prot (Kevin Spacey). Ein klarer Fall für die Cops, einer für die Psychiatrie. Prot lässt sich widerstandslos abführen in das Reich, über dessen Regeln u.a. Dr. Mark Powell (Jeff Bridges) wacht. Natürlich glaubt ihm keiner. Die Diagnose allerdings ist auch äußerst schwierig, denn Prot ist nicht nur intelligent, selbstbewusst und verhält sich so normal wie man sich nur normal verhalten kann. Er reagiert zudem auf eine starke Dosis eines Medikaments, das man ihm verabreicht hat, überhaupt nicht. Die Ärzte sind ratlos, diskutieren Theorien und verwerfen sie wieder. Inzwischen nimmt Prot Kontakt zu den anderen Patienten auf und gibt ihnen Ratschläge, wie sie wieder gesund werden könnten. Prot ist sympathisch, strahlt eine überlegene Ruhe aus. Die Patienten glauben seine Geschichte und konkurrieren darum, wer von ihnen in einigen Wochen mit ihm zusammen nach K-Pax „reisen“ darf. Denn eine Person kann Prot auf seine Licht-Reise gen Heimat mitnehmen.

K-Pax mit Jeff Bridges und Kevin Spacey

Powell hört sich an, was Prot von seinem Planeten zu erzählen hat. Das klingt für den Arzt zwar unglaubwürdig, weil Powell die Möglichkeit ausschließt, dass ein Alien sich tatsächlich auf die Erde verirrt hat, aber nichtsdestotrotz in sich plausibel ist. Auf K-Pax gebe es keine Familien. Wenn jemand – per x-facher Lichtgeschwindigkeit – den Planeten verlasse, würde niemand ihn vermissen. Es gebe keine Kriege, keine Gewalt, und zum Alltagswissen der Einwohner auf K-Pax gehörten Selbstverständlichkeiten, die auf der Erde völlig unbekannt seien. Auch die anderen intelligenten Lebewesen im All wüssten, dass sich die Menschen gnadenlos in ihrer Zivilisation verrannt hätten. Powell hört sich die Geschichten von Prot mit steigendem Interesse an. Als Prot schließlich Wissenschaftlern die genaue Lage seines Planeten und der Galaxie aufzeichnen kann, kommen die aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Powell ist jedoch weiterhin überzeugt, dass Prot ein Mensch ist. Er beschließt, ihn auf eine Familienfeier mitzunehmen und genauestens zu beobachten. Prot überrascht Powell, seine Frau Rachel (Mary McCormack) und deren Kinder mit der Feststellung, der Hund der Familie würde auf einem Ohr sehr schlecht hören, sie sollten sich deshalb nicht an ihn heranschleichen. Dann allerdings passiert das, worauf Powell gewartet hat. Als eines der Kinder die Rasensprinkleranlage betätigt, gerät Prot in Panik. Hat er es doch gewusst! Powell ist entschlossen, dem vermuteten traumatischen Ereignis, das dieser Reaktion zugrunde liegen müsse, auf den Grund zu gehen. Hypnose soll helfen. Dabei stößt Powell auf einen Mann namens Robert Porter …

„K-Pax ist ein Planet. Aber haben Sie keine Angst, ich werde nicht aus ihrer Brust herausspringen“, beruhigt Prot den etwas konsternierten Erdenbewohner, der ihn unbedingt heilen will. Je mehr sich die Geschichte um diesen merkwürdigen Mann dem Ende nähert, desto unwichtiger wird die Frage, ob er nun Alien oder kranker Mensch ist. Prot steht in gewisser Weise für ein Wunder. Die Normalität, in der er auftaucht, wird in Frage gestellt – und das ausgerechnet in der Psychiatrie. Dafür genügt es, dass Prot eine in sich plausible Geschichte erzählt und Kenntnisse verbreitet, die über das hinausgehen, was seine Umgebung für möglich gehalten hat.

Prot verhält sich nicht außergewöhnlich, sieht normal aus, ist sympathisch, zuvorkommend, über ein gewohntes Maß hinaus hilfsbereit, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Als Powell ihn auffordert, es zu unterlassen, seine Patienten therapieren zu wollen, das sei seine Aufgabe, entgegnet ihm Prot nüchtern: „Warum tun sie es dann nicht?“ Powell ist sprachlos, zumal es einigen Patienten aufgrund des Kontakts mit Prot besser zu gehen scheint: Eine Frau verlässt das Zimmer, das sie bisher nie verlassen hat. Ein andere Frau fängt wieder an zu reden. Und ein Mann, der mit Mundschutz herumläuft, weil er überall Vergiftetes vermutet, wagt sich aus dem Gebäude. Mehr noch: Die Patienten sehen in Prot eine Art Erlöser ihrer Leiden, zumindest eröffnet er ihnen anscheinend einen Weg, zu sich selbst zu finden, mit ihren Psychosen und Neurosen besser umzugehen. Sie sehen keinen Heiland in ihm, glauben ihm einfach das, was er sagt, wo er herkommt, hoffen, dass er sie mitnimmt auf K-Pax. Als er schließlich zurückgekehrt zu sein scheint, sind die Dagebliebenen nicht enttäuscht, dass sie nicht mit ihm durften. Sie glauben an ihn und das, was er erzählt hat.

„K-Pax“ zeigt auf eine nüchterne, intelligente und in jeder Hinsicht ruhige Art, wie brüchig unsere Normalität ist. Es bedarf lediglich der richtigen Kratzer an den richtigen Stellen und alles gerät in Unordnung, ins Wanken. Powell scheint dies einerseits zu spüren, andererseits verfängt er sich in seinen gewohnten Vorstellungen, vor allem darüber, dass es sich bei Prot um einen Menschen handeln muss. Powell zweifelt, aber er bekämpft seine Zweifel mit dem Erlernten, dem Gewohnten, dem scheinbar sicheren Wissen. Die Patienten verhalten sich anders. Sie sind aus dieser Normalität „herausgefallen“, leiden unter Erlebnissen, die sich ihres Lebens bemächtigt haben, greifen nach etwas, was mehr ist als nur ein Strohhalm: Sie hoffen und beginnen, wieder an sich selbst zu glauben. Nein, am Schluss werden nicht alle als geheilt entlassen. Aber so einige von ihnen sind aus einer Art Lethargie der Normalität erwacht. Diese drei Komponenten stehen sich gegenüber: die feste Überzeugung von der Sicherheit, die das menschliche Leben beherrschen soll, verkörpert durch Powell, die Fähigkeit, an einen Weg zu glauben und daran zu arbeiten, der die Möglichkeit impliziert, keine absolute Sicherheit bekommen zu können, und Prot, einer der viel mehr über die Menschen zu wissen scheint, als sie selber.

„K-Pax“ lebt vom Spiel zwischen Jeff Bridges als selbstbewussten, souveränen Psychiater, der keine grundlegenden Zweifel wirklich akzeptieren kann, obwohl er selbst zweifelt, und Kevin Spacey, der als Alien-Mensch grandios auftrumpft. Die Dialoge zwischen beiden gehören zum Besten dieses Streifens.

aus: filmstarts.de

Zuletzt bleibt es offen, ob Prot nun tatsächlich ein Alien ist (einiges spricht dafür) oder doch ‚nur’ ein Mensch. Der Zuschauer mag sich entscheiden. Aber diese Frage spielt wahrscheinlich keine große Rolle mehr.

Zurück im Spiel

Spätestens seit gestern Abend sollte es Gewissheit sein: Die Fußballmannschaft von Werder Bremen ist zurück im Spiel. Im Schongang schaffte Werder im Rückspiel bei AS St. Etienne den Einzug ins Viertelfinale des UEFA-Cup, auch wenn in der 2. Halbzeit ein 2:0-Vorsprung noch vergeben wurde (Endstand 2:2). Bereits im DFB-Pokal erreichte man das Halbfinale, das nun am 22. April allerdings wieder auswärts, diesmal beim HSV zu bestreiten sein wird. Und in der Bundesliga geht es nach dem 4:0-Sieg am letzten Wochenende gegen Stuttgart auch wieder vorwärts.

Pizarro zum 0:2 für Werder gegen As St. Etienne

Trotz Amigo-Affäre (der inzwischen zurückgetretene Vereinsboss Jürgen L. Born soll bei Spielertransfers in die eigene Tasche gewirtschaftet haben) und trotz eines Claudio Pizarro in Erklärungsnöten (er steht u.a. im Verdacht als Spielervermittler tätig geworden zu sein, was ihm als Spieler verboten ist – außerdem geht es um Geldwäsche und Steuerhinterziehung in Peru) hat sich die Mannschaft endlich berappelt und aus der Krise gespielt. Will man auch im nächsten Jahr international vertreten sein, dann muss in dieser Saison entweder der UEFA-Cup oder der DFB-Pokal gewonnen werden. Werder Bremen ist auf gutem Wege …

Ry Cooder: The UFO Has Landed

Entgegen meiner Ankündigung, meine Beitragsreihe zu Ry Cooder mit dem Beitrag Zu den Wurzeln des Blues zu beenden, komme ich heute doch noch einmal auf ihn zu sprechen zurück. Was auch immer der Anlass war: Ende des letzten Jahres erschien von Ry Cooder eine Anthologie seiner Lieder und Musikstücke, die sein Sohn Joachim Cooder zusammenstellte: Ry Cooder Anthology: The Ufo Has Landed.

Ry Cooder: The UFO Has Landed

Ich habe bereits viele Alben des Meisters der Slide-Gitarre, wenn wohl längst noch nicht alle, und war verwundert, wie wenige Stücke ich tatsächlich von dieser Doppel-CD kenne; u.a. enthält es auch einige musikalische Beispiele für seine Arbeit als Komponist von Filmmusik. Nach dem Gitarrenduell: Crossroads – Pakt mit dem Teufel war mir eigentlich nur die seine Arbeit für den Film Paris, Texas in der Regie von Wim Wenders bekannt. Daneben gibt es weitere Filme, oft mit Walter Hill als Regisseur, für die Ry Cooder die Musik geschrieben hat: Long Riders (1980), The Border (1980), Johnny Handsome (1989), Trespass (1992), Geronimo – An American Legend (1993) und Last Man Standing (1996). Auf diesem Doppelalbum hören wir nun die Themen zu den Filmen ‚Southern Comfort’ (1981), ‚Paris, Texas’ (1985) und ‚Alamo Bay’ (1985).

Eigentlich halte ich nicht viel von solchen „The Best Of …“-Alben, aber da das musikalische Feld von Ry Cooder so weit gestreut, zudem einiges auch nicht mehr im normalen Handel erhältlich ist, so kann ich jedem, der sich ganz allgemein für amerikanische Musik, speziell für Musik mit Slide-Gitarre interessiert, dieses Doppelalbum anempfehlen. Es ist sein Geld wert.

Hier: Hörbeispiele CD 1Hörbeispiele CD 2

Schießwut und Waffenwahn

Nach dem Amoklauf in Winnenden mag man wieder einmal über Verschärfungen des Waffenrechts plaudern. Für mich stellt sich einfach nur die Frage, wie es möglich ist, dass sich Millionen von Gewehren und Pistolen, also Handfeuerwaffen aller Art, in privaten deutschen Haushalten befinden. Da haben wir geradezu amerikanische Verhältnisse. So ist es für mich kein Wunder, wenn sich in Deutschland auch die Amokläufe häufen. Amok ist längst kein amerikanisches Phänomen mehr. Zwischen beiden, Häufigkeit der Amokläufe und Anzahl der Waffen, sehe ich durchaus einen Zusammenhang. Auch der Amokschütze aus Winnenden bediente sich aus einem reichhaltigen Arsenal.

Und ich frage mich daher, was eigentlich die Faszination von Schusswaffen ausmacht? Vielleicht kann mir da jemand helfen. Ich verstehe das nicht. Gewinnt man dadurch Macht oder bekommt Lustgefühle, wenn man ein solches kaltes Eisen in Händen hält?

Es ist schwer nachzuvollziehen, was einen jungen Menschen veranlasst, eine Tat wie den Amoklauf in Winnenden zu begehen. Es müssen mehrere Dinge zusammentreffen, die eine solche Handlung auslösen. Die Beschäftigung mit Computerspielen wie Counter Strike und ähnlicher Baller-Spiele und das Sehen von Horrorfilmen allein dürfte dazu kaum genügen. Dann wäre jeder zweite Jugendlichen ein potenzieller Amokschütze.

Ein wesentlicher Punkt ist wohl der völlige Verlust des Bezugs zu realen Umwelt. Solche Täter schotten sich vor der Tat meist mehr und mehr von ihrer Umgebung ab. Im stillen Kämmerlein steigern sie sich in unwirkliche Gewaltszenarien, die sie dann real werden lassen. Psychologen werden die Mechanismen, die eine solche Bluttat auslösen, genauer erklären können.

Für mich ist die Reaktion erschreckend, die Sportschützen und Waffenindustrie zeigen. Sportschützen fühlen sich angesichts der Diskussion ums Waffenrecht „zu Unrecht in die Ecke gedrängt“. Und auf der weltweit größten Fachmesse für Schusswaffen, der IWA in Nürnberg, die ausgerechnet in diesen Tagen stattfindet, herrscht Business as usual. „Das hier ist eine ganz normale Waffenmesse“, sagte der Besitzer eines Waffengeschäftes. Wenn diskutiert wird, dann nur über die Frage, wie eine möglichst risikofreie Unterbringung der Schusswaffen gewährleistet ist, um den gesetzlichen Vorschriften endlich gerecht zu werden. Warum aber überhaupt Waffen in dieser großen Anzahl vorhanden sein müssen, darüber macht sich keiner Gedanken. Und: Woher leitet sich eigentlich ein Recht auf Waffenbesitz ab?

Wenn man den millionenfachen Waffenbesitz nicht in Frage stellt, dann nützt auch die erneute Wertedebatte wenig. Sicherlich ist es wichtig, den Jugendlichen Werte wie Toleranz, Höflichkeit, Fleiß und Disziplin zu vermitteln. Auch sind die Eltern in die Pflicht zu nehmen. Manchen Eltern fehlt die ausreichende Kompetenz oder die Bereitschaft zur Erziehung ihrer Kinder. Wenn die Union nun den Ausbau der Familien-Beratung vom Kindergarten an fördern will, dann ist das aber viel zu wenig.

Zurück zu Schießwut und Waffenwahn vieler Deutscher: Sicherlich haben Schützenvereine in Deutschland eine lange Tradition. Ich lebe auf dem Lande und natürlich hat auch mein Wohnort einen Schützenverein. Wenn man nun bei diesen Schützenfesten sieht, wie die ‚Schützen’ in ihren Phantasieuniformen angetrunken dahertorkeln, diese oft genug im Suff in der Gegend herumballern, dann fragt man sich spätestens, was das Ganze soll. ‚Vorbilder’ sind solche Scharfschützen bestimmt nicht. Tradition hin, Tradition her – Schützenvereine sind für mich nicht mehr zeitgemäß. Oder sie sollten auch ohne Schusswaffen auskommen können.

Blättert man in der einzigsten regionalen Tageszeitung bei uns vor Ort, dann gewinnt man in manchen Zeiten den Eindruck, dass die Aktivitäten der hiesigen Schützenvereine von außergewöhnlicher Wichtigkeit sein müssen. Mich interessiert das aber nur einen feuchten Kehricht.

Es kann nicht nur um eine allgemeine Verschärfung des Waffenrechts und dabei z.B. um schärfere Kontrollen der Waffen in Privatbesitz gehen, es geht vielmehr darum, den Waffenbesitz insgesamt drastisch einzuschränken. Nicht jeder Hans und Franz sollte zu Hause ein ganze Waffenarsenal ansammeln dürfen.

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag Schießen ist Scheiße betiteln. Ich weiß nicht, ob beide Wörter die gleiche Etymologie, also Wortherkunft, haben. Denkbar wäre es aber.

siehe auch meine Beiträge: AmokMassaker & Amoklauf