Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Nachtrag zur Grammy-Verleihung 2009

Bei der Grammy-Verleihung 2009 sahnten das Duo Robert Plant (genau der Led Zeppelin-Sänger) & Alison Krauss sowie die Gruppe Coldplay wohl am meisten ab.

Ich bin kein großer Freund von Preisverleihungen und richte bestimmt nicht meinen Geschmack danach aus, obwohl ich mich damals 1989 schon gefreut habe, als Jethro Tull auch einmal einen Grammy bekam (was ich aber erst viel später erfuhr). Und so geht eine entsprechende Grammy-Verleihung eigentlich von mir unbeachtet vorbei.

Aber wie bereits 2008 als Joan Armatrading (Bestes zeitgenössisches Blues-Album), Tom Waits und Ry Cooder (beide: Bestes zeitgenössisches Folk-/Americana-Album), Musiker, die ich sehr schätze, für einen Grammy nominiert waren, wenn auch nicht gewannen, so gab es auch bei der diesjährigen Verleihung zwei Preisanwärter, die mich interessieren.

Im ersten Fall gab es sogar einen Grammy in der Kategorie: Beste Darbietung eines Rockinstrumentals (Best Rock Instrumental Performance): für „Peaches En Regalia“ (siehe Videos bei youtube) von Zappa Plays Zappa. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das der Sohn von Frank Zappa, Dweezil Zappa, leitet und an dem u.a. Musiker wie Steve Vai, Terry Bozzio, Napoleon Murphy Brock u.a. beteiligt sind. Richtig müsste es dann „Dweezil Zappa plays Frank Zappa“ heißen.

Grammy 2009 für (Dweezil) Zappa plays (Frank) Zappa
Dweezil Zappa in der Mitte

Die andere Nominierung war wie ein Jahr zuvor wieder in der Kategorie Bestes zeitgenössisches Folk-/Americana-Album (Best Contemporary Folk/Americana Album) und wieder für Ry Cooder, diesmal für das Album ”I, Flathead”. Ry Cooder, in diesem Blog öfter schon erwähnt, hat bereits mehrere Grammys in der Vitrine zu Hause stehen. Diesmal klappte es allerdings wieder nicht. Das Album „Raising Sand“ von Robert Plant & Alison Krauss, das auch in anderen Kategorien erfolgreich war gewann diesen Grammy.

A flathead one more time

Three o’clock, thismorning, I woke up in a dream.
Thought I heard a flathead motor roar, I thought I smelled gasoline.
A feeling came upon me, that I ain’t had in years.
Something like a hot dry wind, whistling past my ears.
Saying „time, time, time is all you got“.
There’s a memory that’s still burning, way down in my mind.
And that’s why, I’m going out and trying, a flathead one more time.

I ain’t seen my racing buddies in thirty years, or more.
One by one I lost them, out on the dry leaf floor.
We learnt to push those flathead cars as hard as they could go.
Just like old Whiskey Bob, down on Thunder Road.
I hear their voices calling, just accross the finish line.
And that’s why, I’m going out and trying, a flathead one more time.

I’ll get back to you baby, don’t you have no fear.
‚Cos I been there, and I wrecked that, and baby I’m still here.
But I can’t take you with me, when I cross the finish line.
And that’s why, I’m going out and trying, a flathead, one, more, time.

Time, time, time is all you got.

Ein Rennfahrer, ein Mann aus dem Weltraum und ein Mädchen aus Trona, Kalifornien. Mit „I, Flathead“ vollendet RY COODER seine Kalifornien-Trilogie, die er mit „Chavez Ravine“ (2005) begann und „My Name Is Buddy“ (2007) fortführte. Und wieder überrascht der findige Songwriter auf 14 Songs mit einer Fülle von Ideen und einem atmosphärenstarken Gemisch aus Folk, Blues, Mariachi, Western & Country, Rock’n’Roll und Pop.

Hatte „Chávez Ravine“ vom Verlust der Geschichte und der Heimat erzählt und „My Name Is Buddy“ von Solidarität und Zusammenhalt berichtet, beschreibt „I, Flathead“ den Aufbruch der amerikanischen Nachkriegsgeneration in etwas ganz Neues. Eine Do It Yourself-Kultur von Außenseitern, die sich aus alten Kriegsmaterialien sagenhafte Rennmaschinen für den Geschwindigkeitsrausch auf den Salzseen zusammenbasteln und in eine scheinbar grenzenlose Zukunft blicken. Die Songs des Albums sind die Songs Kash Buks, des hartgesottenen Salzebenen-Rennfahrers und Bandleaders, der zugleich die erzählende Hauptfigur der Story ist. Er wird begleitet von seiner Band The Klowns, der 17-jährigen Roxanne und Kashs außerirdischen Kumpel Shakey. Dazu gehört dann noch eine ganze Reihe von Freunden, Feinden, Verliebten und Dragster-Fans, die die Story bevölkern. Sie alle stammen aus RY COODERS Novelle „I, Flathead“, die der streng limitierten Luxus-Edition von „I, Flathead“ praktischerweise beigefügt ist. In dieser errichtet COODER ein Universum, in dem „eigenartige Leute die Norm sind“ und sich aus Science-Fiction- und Motorsport-Magazinen rekrutieren.

Aus: Cooders Biografie bei warnermusic.de

Zum Schluss des Albums, in dem Song „5000 Country Music Songs“ wird endgültig deutlich, dass ein Mann auf ein Leben zurückblickt, dessen Hoffnungen und Träumen in der Desillusion enden. Die besteht aus einem Trailer als Wohnung, zwei verrosteten Cadillacs und ein paar Tausend Liedern, die kein Mensch in der Country-Zentrale Nashville haben will.


Ry Cooder – Waitin‘ For Some Girl

Hörbeispiele bei amazon.de

Zuviel Eitelkeit zur Unzeit

1. Frau Merkel ist eine Ziehtochter von Helmut Kohl. Wie er so neigt auch sie dazu, Sachen auszusitzen, anstatt diese anzupacken.

2. Auch heute noch verhält sich die CSU zur CDU wie ein vernachlässigtes, unverstandenes Kind zum Stiefvater.

Zu 1.: Anstatt Herrn Seehofer, Bayerns Ministerpräsidenten, der in letzter Zeit anscheinend die Richtlinien der Bundespolitik zu bestimmen scheint, zur Ordnung zu rufen, lässt sie die Zügel schleifen.

Zu 2.: Weil er sich von der Bundeskanzlerin, Frau Merkel, übergangen fühlte und in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht eingebunden wurde, tritt Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) von seinem Posten zurück. Hinzu kam dann auch noch der Druck von Seiten seines CSU-Vorsitzenden (ebenfalls Herr Seehofer), der über ihn entsprechenden Einfluss auszuüben gedachte.

In normalen Zeiten steht es sicherlich der CSU und damit dem CSU-Vorsitzenden zu, den Nachfolger zu benennen, was Herr Seehofer mit Herrn von Guttenberg auch tat. Aber muss es wirklich ein in Wirtschaftsfragen eher unbedarfter Newcomer sein? Ich maße mir nicht an, über Herrn von Guttenberg, Glos’ Nachfolger, ein Urteil zu fällen. Allein aus Reihen der CDU kommt reichlich Kritik an dieser Personalie.

In Zeiten einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ist Seehofers Personalentscheidung äußerst bedenklich. Sie offenbart Eitelkeiten, die jetzt völlig fehl am Platze sind. Und sie offenbart auch den Mangel an Wirtschaftskompetenz der Union, wie es selbst der Finanzexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt (CDU), feststellt.

Und so nebenbei: Im Herbst stehen Bundestagswahlen an. Mir graut jetzt schon vor einer Regierungsbeteiligung der freien Demokraten, die sich bisher als Nutznießer der Finanz- und Wirtschaftskrise erwiesen haben und nicht unbedingt durch Sachverstand glänzten.

Helgoland – ist die Insel reif?

Vor knapp 300 Jahren riss eine Sturmflut die natürliche Verbindung zwischen der Hauptinsel und der Düne, den zwei Inselteilen Helgolands, weg. Jetzt plant ein Hamburger Bauunternehmer und Hotelier auf Helgoland, Arne Weber, die Insel wieder zu vereinen und dabei auf fast die doppelte Größe zu erweitern.

Weber will eine Stahlbetonspundwand in den Felsgrund rammen, bis zur gegenüberliegenden Westseite der Düne. Gut fünf Meter hoch über dem Wasser, zwölf Meter tief, 1000 Meter lang. Sand braucht Weber auch. Zehn Millionen Kubikmeter davon will er mit Baggern aus dem Dreieck zwischen Elbmündung, Wesermündung und Helgoland saugen lassen und auf das Helgoländer Felsenwatt aufspülen. Und damit Helgoland um 100 Hektar erweitern, auf fast die doppelte Fläche. 80 Millionen Euro soll das kosten, sagt Weber. Das Kieler Umweltministerium hält die Zahlen für realistisch und das Projekt „aus wasserwirtschaftlicher Sicht“ für möglich.

Dort, wo im Moment nichts als Wasser ist, sieht Weber schon Hotels, einen Golfplatz, den Anleger für Kreuzfahrtschiffe, den Badestrand. Er will die Insel wiedervereinen – und spaltet sie zugleich.

Im vergangenen Jahr kamen 334000, fast ein Fünftel weniger als 2006. Das liegt nicht nur am Wetter, denn wenn es stark stürmt, fallen Fähren und Flüge aus. Es liegt auch am verschnarchten Image, der dem „Fuselfelsen“, dem Duty-Free-Shop im Meer, anhaftet. Die zollfreie Zone gilt als Einkaufsparadies für Kaffeefahrten. Wegen des Fusels kommen die Tagestouristen aber längst nicht mehr.

Helgoland heute
Helgoland heute

Helgoland nach der Sandaufspülung
Helgoland nach der Sandaufspülung

Der Rückgang der Besucherzahlen nagt an der Lebensfähigkeit der Insel. Viele junge Leute sehen keine Perspektive und ziehen weg. Lebten früher einmal fast 3000 Bewohner auf der Insel, so sind es heute nur noch knapp 1300. Im Winter müssen sich etliche Helgoländer arbeitslos melden – doch die Lebenshaltungskosten sind hoch. 16 Prozent gewann die Linke bei den Kommunalwahlen 2008 – so viel wie in sozial gebeutelten Stadtteilen von Großstädten.

Das Projekt Aufspülung spaltet die Helgoländer: Die Jungen sind dafür, die älteren eher dagegen. Ein Argument dagegen: Die mächtige Strömung der Nordsee würde durch die Sandaufspülung umgelenkt und die Badedüne, das Herzstück Helgolands, abtragen. Und riesige Hotelbauten würden den Anblick der Insel auch nicht gerade verbessern.

siehe hierzu „Hamburger Abendblatt“ vom 6. Februar 2009

Wie ein Mercedes ohne Stern
Mein Lieblingsplatz: Am Meer

Dinge, die man im Leben getan haben sollte

Einmal im Leben einen Baum gepflanzt haben, ein Kind gezeugt oder einmal einen Zwölf-Zylinder-Wagen gefahren haben – da gibt es Listen, die einem aufzeigen sollen, was man im Leben mindestens einmal getan haben sollte, damit das Leben sinnvoll war.

Man kann davon halten, was man will. Sicherlich gibt es da vieles, was von sich aus schon nicht sinnvoll ist – und um ein zufriedenes, sinnvolles Leben zu führen, sind diese ‚Dinge’ auch nicht unbedingt nötig.

Trotzdem möchte ich hier eine ‚erweiterte’ Liste vorstellen: Es sind dann auch gleich 200 Dinge, die man gemacht haben sollte. Vielleicht gibt es da für den einen oder anderen Anregungen, doch noch etwas zu tun, was dazu beiträgt, zufriedener zu werden: 200 Dinge

Spaßeshalber habe ich die Liste ‚abgearbeitet’ und bin dabei immerhin auf 76 Dinge gekommen, die ich bisher gemacht habe. Damit liege ich immerhin über dem Durchschnitt.

Obama und die deutschen Wurzeln

Wenn jeder dritte US-Amerikaner deutsche Vorfahren hat, dann wundert es keinen, wenn auch amerikanische Präsidenten auf deutsche Vorfahren zurückblicken können. Bei dem neuen US-Präsidenten, Barack Obama, wundert man sich dann aber doch. Das ist doch ein Afro-Amerikaner oder nicht?

Nun die Hauptfarbe verrät es gleich: Ein Elternteil, nämlich die Mutter, war weiß – und genau die hat u.a. deutsche Vorfahren, mithin auch Barack Obama.

Obamas Vater, Barack Hussein Obama Senior (1936–1982), stammte aus Alego in Kenia und gehörte zum Luo-Volk. Obamas Mutter, Stanley Ann Dunham (1942–1995), war eine weiße US-Amerikanerin aus Wichita im Bundesstaat Kansas. Die Eltern lernten sich als Studenten an der Universität von Manoa, Hawaii kennen. Sie heirateten 1961 in Hawaii, als in anderen Teilen der USA Ehen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren.

1964 ließen sie sich scheiden. Der Vater setzte sein Studium an der Harvard University fort. Obama sah ihn als Zehnjähriger zum letzten Mal. Er hat väterlicherseits drei ältere und drei jüngere Halbbrüder sowie eine jüngere Halbschwester namens Auma, die in Heidelberg studiert hat.

Die Mutter heiratete einen Indonesier und späteren Ölmanager und zog mit ihm und ihrem Sohn Barack 1967 nach Jakarta. Sie gebar dort Obamas jüngere Halbschwester Maya.

Barack Obama als Kind mit seiner Mutter

Barack Obama hat also deutsche Wurzeln, und zwar in Gestalt seines Ururururururgroßvaters. Christian Gutknecht hieß der Mann, 1722 im elsässischen Ort Bischweiler geboren (der damals unter der Herrschaft eines bayerischen Pfalzgrafen stand, heute zu Frankreich gehört und Bischwiller heißt). Mit 24 heiratete Gutknecht eine Maria Magdalena Grünholtz, drei Jahre später wanderten sie nach Amerika aus, wo sie am 13.September 1749 an Land gingen. Bei der Übersetzung seines Namens ins Englische erhob Christian Gutknecht sich vom „Knecht“ zum Edelmann und nannte sich zunächst „Goodknight“. Da das „k“ in seiner neuen Sprache lautlos blieb, verwandelte er den Namen weiter zum eingängigen „Goodnight“. Obamas Ururururururgroßvater erlebte, vermutlich als Farmer in Pennsylvania, die Amerikanische Revolution und die Gründung der USA. Er starb am 26. Dezember 1795 in – Germantown.

Deutscher Stammbaum von Barack Obama

Von Christian Goodnight geht es über sechs Generationen und die US-Staaten Virginia und Indiana nach Kansas zur Geburt von Obamas Mutter Stanley Ann Dunham im Jahr 1942. Sie brachte mit 18 Jahren ihren Sohn Barack Obama zur Welt, 212 Jahre nach Christian Gutknechts Atlantiküberquerung.

Können wir Obamas Germanness noch etwas genauer haben? Yes, we can! Obama ist zu 4,6875 Prozent deutsch. Das hat der amerikanische Genealoge William Addams Reitwiesner unter Einbeziehung aller bekannten Vorfahren errechnet. (Eine andere Linie führt zum Beispiel nach Heilbronn, bis ins Jahr 1616.) Deutschland scheitert damit zwar knapp an der Fünfprozenthürde, liegt damit aber immerhin an dritter Stelle – hinter dem kenianischen Volk der Luo mit 50 und englischen Vorfahren mit 37,3 Prozent.

siehe hierzu zeit.de: Der deutsche Obama

Unterschrift von Barack Obama

Mesut Özil – neue Integrationsfigur?!

Es bedurfte eigentlich keiner Studie, um zu wissen, dass Zuwanderer aus der Türkei schlechter in Deutschland integriert sind als andere Gruppen. Jetzt wissen wir: Jeder Dritte ist ohne Schulabschluss. Die Gründe sind vielfältig. Neben der allgegenwärtigen Ablehnung durch die deutsche Gesellschaft ist ein Grund sicherlich auch der, dass türkische Migranten viel zu lange geglaubt haben, Deutschland wäre nur ein Provisorium für sie.

Mesut Özil mit Diego

Nun nominiert der Fußballbundestrainer Joachim Löw den erst 20 Jahre alten Mesut Özil von Werder Bremen für die A-Nationalmannschaft, nachdem sich Özil, der bereits zehn Mal für die deutsche U-21-Nationalmannschaft gespielt hat, dafür entschieden hat, weiterhin für Deutschland spielen zu wollen. Mesut Özil ist Türke und in Gelsenkirchen geboren. Seine Familie lebt allerdings in der dritten Generation in Deutschland. „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, sagt der junge Fußballer. Und er hat es sich nicht leicht gemacht mit seiner Entscheidung: Lange hat der türkische Nationaltrainer Fatih Terim um den 20-Jährigen geworben. Aber vergeblich.

Das freut natürlich auch besonders die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer: „Seine Nominierung ist ein wichtiges Signal für die Integration der Migranten in Deutschland. Özil setzt ein Zeichen für Migranten, sich in Deutschland aktiv einzubringen und zu engagieren. Zudem zeigt sein großer Erfolg anderen Menschen aus Zuwandererfamilien: Der soziale Aufstieg ist möglich, Anstrengung lohnt sich.“

Mesut bedeutet „Freude“, aber auch „Glück“. Der Wechsel des jungen Spielers vor genau einem Jahr zum SV Werder Bremen war auch ein Glück für diesen Verein, denn Özil überzeugt nachhaltig mit guten Leistungen und hat es so zum Stammspieler gebracht. Trotzdem kommt die Nominierung durch Bundestrainer Löw für das Testspiel der A-Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Norwegen ziemlich überraschend.

Man sollte die Erwartungen an Mesut Özil natürlich nicht zu hoch schrauben, weder sportlich noch in der Rolle als neue Integrationsfigur. Wenn er aber durch seine Entscheidung, für Deutschland zu spielen, dazu beiträgt, die Zuwanderer aus der Türkei in Deutschland zu mehr Integration zu motivieren, dann ist das nicht nur ein sportlicher Erfolg.

Natürlich hat jede Medaille auch ihre Kehrseite: Das Gästebuch von Mesut Özils Website musste geschlossen werden, da er dort von aufgebrachten Türken übel beschimpft wurde.

siehe hierzu Videos: Der Grenzgang des Mesut ÖzilNiersbach: Özil ohne türkischen Pass – DFB-Generalsekretär über Integration im Fußball

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 16

Merkel und der Vatikan

Da hat sich der Papst ein faules Ei ins Nest legen lassen (Aufhebung der Exkommunikation gegen einen Holocaustleugner), da darf er sich nicht wundern, wenn alle Welt schreit: Es stinkt! Nur sollte sich die Pastorentochter Merkel zunächst um ihre eigenen faulen Eier kümmern (Mehdorn und die Datenaffäre bei der Bahn, deutlichere Kritik an den Bankmanagern), bevor sie sich in kirchliche Angelegenheiten einmischt.

Und der Papst? Der hat nun ein echtes Problem. Sicherlich war es ihm eine Herzensangelegenheit, den Zusammenhalt der katholischen Kirche zu betreiben. Wenn aber seine erzkonservative Haltung dazu führt, eine umstrittene Bruderschaft mit noch umstritteneren Ansichten „heim ins Reich“ zu holen, dann muss er sich darauf einstellen, dass liberal denkende Katholiken der Kirche den Rücken kehren.

Mehdorns Stuhl wackelt

Wenn selbst CDU-Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach laut über einen Rücktritt Mehdorns nachdenkt, dann wackelt dessen Stuhl wirklich bedenklich. Die zögerlichen Aufklärungs- und Erklärungsversuche („Übereifer!“ und „falsch verstandene Gründlichkeit“.) von Bahnchef Mehdorn angesichts einer Massen-Überprüfung eines Großteils der Bahnmitarbeiter belegen, dass er nicht so ganz verstanden hat, worum es bei dieser Affäre eigentlich geht. Wie schallt es aus den Lautsprechern bei Abfahrt eines Zuges: Zurücktreten, bitte!

Duell der Möchtegern-Meister

Nach dem Sieg in Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals schien für Werder wieder alles in Butter zu sein. Um so bitterer die Erkenntnis, dass man nichts dazu gelernt hat und die Achterbahnfahrt der Hinrunde wohl weitergeht: Wer gegen einen Abstiegskandidaten wie Arminia Bielefeld zu Hause verliert, hat an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga wahrlich nichts verloren.

Und jetzt geht es am Samstag auf Schalke weiter, einem weiteren Möchtegern-Meister, der tief in der Krise sitzt. Da mag man gar nicht hinschauen.

Man spricht Deutsch

Deutsch ist eine der wichtigsten Sprachen in Europa, innerhalb der Europäischen Union ist es die am häufigsten, immerhin von 110 Millionen Menschen gesprochene Muttersprache. Jetzt widmet sich eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin „Der Sprache Deutsch“ und gibt u.a. einen Überblick über die Geschichte der deutschen Sprache. Zeitgleich geht das Haus der Geschichte in Bonn Phänomenen der Gegenwartssprache auf den Grund – etwa der Jugend- bzw. Szenesprache. Die Ausstellung in Berlin ist täglich, auch sonntags, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Untergegangene Wörter

Zu den Besonderheiten der deutschen Sprache habe ich mich bereits in verschiedenen Beiträgen hier geäußert; u.a. habe ich dabei auf den Verlust alter deutscher Wörter hingewiesen, aber auch aufgezeigt, wie sie die Sprache immer weiterentwickelt: Laut Duden kommen jedes Jahr etwa 1.000 Worte dazu (Von Archaismen und Neologismen). Weitere Beiträge: You need ZugzwangWenn der Amtsschimmel wiehertTypisch deutsch: GemütlichkeitWörterbuch der Szenesprache

Google Ocean

Google Maps habe ich in diesem Blog schon öfter eingebunden (Martin Walsers „Ein springender Brunnen“ spielt z.B. in Wasserburg am Bodensee). So kann man Tatorte und Schauplätze sehr schnell ansteuern und sich ein Bild von der Umgebung machen.

Google Earth dürften den meisten inzwischen bekannt sein. Jetzt gibt es eine neue Version (Google Earth 5.0 (Beta)), mit der man auch auf Tauchstation gehen kann. Google hat seine Software runderneuert und mit Material über die Meere angereichert. Ab sofort kann man virtuelle Tauchfahrten unternehmen und mit Bildern und Videos die Weltmeere erkunden.

siehe auch zdf.de: Mit Google auf Tauchstation

Léo Malet: Paris des Verbrechens (Nestor Burma-Krimis)

Bevor er Krimis schrieb, arbeitete Léo Malet als Büroangestellter, Filmstatist, Herausgeber einer Modezeitschrift und Ghostwriter eines analphabetischen Erpressers. In Frankreich gehören seine Krimis längst zum kulturellen Erbe. Dies sind die zehn klassischen Fälle von Nestor Burma, dem Inhaber der Detektiv-Agentur „Fiat Lux“. Jeder spielt in einem anderen Pariser Arrondissemont.

„Wenn Malet einen Krimi schreibt, schreibt er mehr als einen Krimi: Er ist der einzige Autor, der das poetische Universum des Surrealismus in Kriminalromane übersetzt. Seine Geschichten sind Action und Parodie des Genres zugleich.“
Neue Zürcher Zeitung

Nestor Burma steht in der Tradition amerikanischer Detektive wie Sam Spade und Philip Marlowe, hat aber deutlich mehr Humor und sein Erscheinungsbild, Maßanzüge und exzentrische Pfeife, weist eine eigene Note aus. Somit ist Léo Malet mit Autoren wie Dashiell Hammett (Sam Spade) und Raymond Chandler (Philip Marlowe) vergleichbar. Neben diesen beiden gilt auch noch Ross Macdonald als einer der wichtigsten Vertreter der harten Schule des Detektivromans.

Bis auf eben jenem Nestor Burma von Léo Malet habe ich bereits einige Kriminalromane der genannten Autoren gelesen. Hinzu kommen die weiteren Klassiker von Agatha Christie mit ihren der beiden bekanntesten Figuren, dem belgischen Detektiv Hercule Poirot und der altjüngferliche Miss Marple, die viele von uns allein schon aus dem Fernsehen kennen. Erwähnenswert sind außerdem Krimi-Helden neueren Datums wie z.B. Tom Ripley von Patricia Highsmith und Inspektor Jury von Martha Grimes. Nicht gegessen möchte ich natürlich auch Edgar Allan Poe, der gewissermaßen den Kriminalroman erfunden hat, und Arthur Conan Doyle und seinen Sherlock Holmes. Und Edgar Wallace kennen viele aus den kultigen deutschen Verfilmungen.

Neben dem Privatdetektiv Nestor Burma gibt es natürlich eine weitere bekannte Figur, die wie dieser in Paris tätig wurde: Kommissar Maigret von Georges Simenon.

Nun, Nestor Burma kenne ich aus der insgesamt 39-teiligen Serie des französischen Fernsehens, die auch bei uns gezeigt wurde – 1991 bis 2003 verfilmt und mit Guy Marchand in der Hauptrolle.

Guy Marchand als Nestor Burma

10 der klassischen Fälle von Nestor Burma sind jetzt für gerade einmal 9,95 € bei Zweitausendeins – in einem Band zusammengefügt – erhältlich. Knapp 1200 Seiten, die das Paris des Verbrechens beschreiben. Während meiner Grippe-Erkrankung hatte ich Zeit, vier dieser Kriminalromane zu lesen.

Die Detektiv-Agentur in der Rue des Petits-Champs heißt sinnigerweise «Fiat Lux» (‚Es werde Licht‘). Ihr Inhaber liebt solch hintergründige Scherze, obwohl er es gemeinhin nicht mit Bibelsprüchen hält. Eher schon mit dem anarchistischen Motto ‚Weder Herr noch Gott‘: Als der jugendliche Nestor Burma 1927 von Montpellier nach Paris kam, wurde er praktizierendes Mitglied einer Anarchistengruppe. So etwas prägt fürs Leben, auch wenn Monsieur Burma inzwischen Maßanzüge trägt, als Arbeitgeber einen dreiköpfigen Angestelltenstab befehligt und als Privat-«Flic» am Erhalt der bürgerlichen Ordnung mitwirkt. Doch sein ‚anarchistischer Individualismus‘ schlägt halt immer wieder durch, vor allem, wenn Nestor auf eine heiße Spur gestoßen ist und den parallel ermittelnden Kommissar Faroux selbstsüchtig auf falsche Fährten lockt.


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Rue des Petits-Champs (Richtung Avenue de l’Opéra) – Detektei Fiat Lux

Erstaunlich darum, daß Nestor Burma bei dem schnauzbärtigen Kripo-Chef einen so großen Stein im Brett hat, zumal der leidgeprüfte Florimond Faroux stets die schlimmsten Verwicklungen zu fürchten hat, wenn der Privatkollege mit der exzentrischen Stierkopf-Pfeife scheinbar zufällig am Schauplatz eines vermeintlichen Routine-Verbrechens aufkreuzt. Doch der Kommissar profitiert eben nicht nur gern von den ‚bistrokratischen‘ Kenntnissen Burmas, sondern auch von dessen detektivischem Gespür. Darum schanzt er ihm sogar schon einmal einen verdeckten Polizeiauftrag zu, wenn der Fall für eine offizielle Recherche zu heikel ist.


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Quai des Orfèvres (Sitz der Kriminalpolizei von Paris)

Die Staatsknete nimmt Nestor Burma auch ganz gerne mit, denn bei flauer Kriminalkonjunktur kommt es öfter vor, daß er seinen beiden Außendienst-Agenten, dem quirligen Roger Zavatter und Réboul-dem-Einarmigen, gleich mehrere Monatsgehälter schuldet. Seine weltkluge Sekretärin Hélène Chatelain pflegt er in solchen Ebbezeiten sogar anzupumpen. Aber Goldschatz Hélène hat für Vieles Verständnis. Nur wenn ihr Chef das dienstliche Beschatten attraktiver Damen allzusehr ausdehnt, reagiert Hélène spürbar unfroh. Doch ihre wache Eifersucht hat ihm bereits mehrfach das Leben gerettet.

Trotzdem: Die gefährlichsten Wege geht Nestor allein. Unterstützung braucht er allenfalls zur Vorbereitung seiner Schachzüge. Dann muß beispielsweise Marc Covet, der versoffene Klatschvetter und Reporter des «Crépuscule», mal wieder einen gezielten Basisartikel schreiben, um die verborgenen Drahtzieher eines Verbrechens aus dem Käfig zu locken. Die abschließenden Protokolle seiner Fälle verfaßt Nestor Burma allerdings selber: Betont lässig, schnoddrig, in cooler Kurzsatz-Methode, garniert mit effektstarken Klopfern – ‚ihr Büstenhalter hatte alle Hände voll zu tun‘.

Der Autor hinter diesem ‚Autor‘ ist Léo Malet. Genau wie sein Held im Jahre 1909 in Montpellier geboren und als Halbwüchsiger nach Paris entwichen, begann er in den vierziger Jahren mit dem Krimi-Schreiben. Den größten Ruhm erlangte er dann ein Jahrzehnt später mit dem Zyklus ‚Die neuen Geheimnisse von Paris‘: Jeder Fall spielt in einem anderen Arrondissement der Metropole. Im Schatten des Louvre klärt Nestor Burma einen mörderischen Kunstraub auf, im kleinbürgerlichen Marais den Mord an einem Pfandleiher (dessen Dienste er selber gerade in Anspruch nehmen wollte bzw. mußte …).


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Tour de Barbette (Überrest des Stadthauses von Isabeau von Bayern) – Ecke Rue des Francs Bourgeois / Rue Vieille du Temple (Schauplatz eines perfiden Mordes im Fall „Marais Fieber“ – 3. Arrondissement von Paris)

Und einmal wird der liebe ‚Genosse Burma‘ auch brieflich ins 13. Arrondissement bestellt, wo er seiner eigenen anarchistischen Vergangenheit begegnet. Jenseits des Pont Tolbiac, in der Gegend der Salpérière und des Gare d’Austerlitz trifft er aber nicht nur seine ehemaligen Gefährten wieder, er lernt auch seine große Liebe kennen, die junge Zigeunerin Bélita. Den Fall, dessentwegen er gerufen wurde, klärt er auf. Doch Bélitas Ermordung kann er nicht verhindern. So wandert Nestor Burma weiterhin allein durch das meist verregnete Paris. Manchmal fühlt er sich ganz deprimiert, wenn er ans Altwerden denkt.

aus: revonnah.de

Wie bereits in den vielen anderen klassischen Kriminalromane wird auch bei Léo Malet notfalls ein neuer Handlungsstrang kurz vor Ende eingefügt, um mit dieser ‚Wende’ nicht nur den Fall in eine andere Richtung, sondern auch der Lösung entgegen zu bringen, auch wenn das die Logik auf den Kopf zu stellen droht. Was Nestor Burma aber zu etwas Besonderem macht – und alle Schwächen vergessen lässt -, sind sein Humor und seine trockene Art der Weltsicht, leider oft auch trotz des völligen Verzichts auf psychologische Stringenz.

Vier Jahre WilliZBlog.de

Heute ist nicht nur Murmeltiertag, nein, dieses Blog besteht bereits seit vier Jahren und hat seitdem mit über 1400 Beiträgen seinen (meinen) Senf zum Weltgeschehen dazugegeben.

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„Jeeha! Wieder ’n Jahr näher an der Rente!“ heißt es außerdem für mich. Wenn nicht alle Stricke frühzeitig reißen, dann werde ich in spätestens acht Jahren meine Zelte bei meinem jetzigen Arbeitgeber abbauen, um mich dem wohl verdienten Ruhestand in passiver Altersteilzeit zu widmen.

Nachtrag zu meinem Geburtstag:
Jan zu meinem 55.sten
… von meinem ‚respektlosen‘ älteren Sohn Jan