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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Joan Armatrading & die Unabhängigkeit von St. Kitts und Nevis 1983

Am 9. Dezember 1950 wurde Joan Armatrading in Basseterre auf der Karibik-Insel Saint Kitts geboren. Schon früh kam sie als Kind mit ihren Eltern nach England und wuchs in Birmingham auf.

Im September des Jahres 1983 kehrte Joan Armatrading für kurze Zeit nach St. Kitts zurück, um als Ehrengast an der Unabhängigkeitsfeier des Inselstaates St. Kitts und Nevis am 19. September 1983 teilzunehmen. Der Zwei-Insel-Staat hat gerade einmal knapp 50.000 Einwohner, und neben Kim Collins, dem Weltmeister über 100 m 2003 in Paris, dürfte Joan die bekannteste lebende Person sein, die dort geboren wurde.

In meinem kleinen Musikarchiv habe ich nun eine VHS-Videokassette hervorgekramt, die Ende 1983 erschienen ist und in einer längeren Reportage über diesen Besuch von Joan Armatrading auf St. Kitts berichtet. Dabei besuchte sie auch ihr Geburtshaus. In einem längeren Gespräch erzählt sie von ihrem Leben, ihrer Karriere und ihrer Musik. Unterbrochen wird dieses Gespräch durch kleine Mitschnitte von Live-Auftritten und Videoclips.

Hier ein Video über die Unabhängigkeitsfeier in Basseterre/St. Kitts vom 19. September 1983. Als Vertreter des britischen Königshauses sehen wir Prinzessin Margaret, die Schwester von Königin Elizabeth II. Joan Armatrading singt im Anschluss ihr frisch komponiertes Lied „Heaven“:


Joan Armatrading & die Unabhängigkeit von St. Kitts und Nevis 1983

Übrigens: Joan Armatrading hat sich auch als Gastsängerin (besser: Gastsprecherin) betätigt. So ist sie in dem Lied „Don’t Lose Your Head“ auf dem Album „A Kind of Magic“ der Gruppe Queen aus dem Jahre 1986 zu hören.

Ian Anderson privat

Vor einiger Zeit hatte ich auf einen Fotoband von Didi Zill aufmerksam gemacht, in dem dieser in etwa 250 Fotos die Gruppe Jethro Tull mit Frontman Ian Anderson abgebildet hat. Es zeigt neben Konzertbildern auch einige wenige private Fotos mit Ian Anderson und Familie, die im Juli 1984 auf dessen Anwesen irgendwo in Buckinghamshire (soll wohl richtig Wiltshire sein) aufgenommen wurden.

Familie Ian Anderson 1984

Ian Anderson mit Frau Shona, Sohn James Duncan & Tochter Gael

Familie Ian Anderson 1984

1976 heiratete Ian Anderson Shona Jacqueline Learoyd, Tochter eines reichen Wollproduzenten. Er lernte sie durch ihre Tätigkeit bei der damaligen Tull-Plattenfirma Chrysalis Records kennen. Nach mehreren Umzügen, auch nach Schottland, lebt das Paar gegenwärtig in Wiltshire in England. Sie haben zwei Kinder. James Duncan Anderson ist ebenfalls ein Musiker (und hat auch schon bei Studio- und Live-Auftritten mit seinem Vater mitgewirkt), während Tochter Gael in der Filmbranche tätig ist.

Siehe auch: Ian Andersons FrauenJames Duncan

Illustre musikalische Gesellschaft

1976 gründete der britische Thronfolger, der Prince of Wales, also Prinz Charles, eine wohltätige Einrichtung, den Prince’s Trust, der seitdem verschiedene karitative Projekte betreut. Um genügend Geld in die Kassen dieser Einrichtung zu bekommen, veranstaltet der gute Prinz seit 1982 die so genannte Prince’s Trust Gala, zu der sich seitdem einmal im Jahr immer eine illustre Gesellschaft weltbekannte Musiker einfindet. Im ersten Jahr war das u.a. Jethro Tull, die mit Phil Collins am Schlagzeug (innerhalb der Band war die Stelle des Schlagzeugers damals vakant) u.a. die Stücke Jack in the Green und Pussy Willow dem spendenfreudigen Publikum im Dominion Theatre in London am 21.07.1982 zu Gehör brachte.

1986 feierte Prinz Charles das 10-jährige Bestehen dieser Institution mit einer Birthday Party, einem The Prince’s Trust All-Star Rock Concert, in der Wembley Arena, gleich gegenüber dem gleichnamigen Stadion, das inzwischen abgerissen und wieder neu aufgebaut wurde.

Unter den erlauchten Gästen befanden sich u.a. Rockgrößen wie Eric Clapton, Mark Knopfler, Elton John, Phil Collins (wohl der Hausschlagzeuger der Gala), Sting, Brian May usw. So gab u.a. Suzanne Vega ein Lied zum Besten. Und auch Joan Armatrading durfte ein Stück von ihrem damals neuesten Album „Sleight of Hand“ vortragen: Reach Out. Die angesprochenen Herren (Eric Clapton, Mark Knopfler, Elton John und Phil Collins vermag ich zu identifizieren, sollte Sting den Bass rühren?) waren sich nicht zu schade, Joan zu begleiten, die neben gesanglicher auch handfertige Geschicklichkeiten auf einer weißen Stratocaster bewies.

Jetzt bin ich im Internet über einen (nicht immer ganz legalen) Downloadbereich gestolpert, der genau dieses Lied von und mit Joan Armatrading anbietet. Und da bisher bei youtube dieses Video nicht zu sehen war, habe ich die Chance ergriffen, es bei dem einen herunter-, bei dem anderen hinaufzuladen. Hier also das einmalige Zusammentreffen eigentlich so unterschiedlicher Musiker wie z.B. Eric und Joan zu einem durchaus fetzig-rockigen Musikereignis:


Joan Armatrading: Reach Out (1986) – MyVideo

Hirschhausen und die buddhistische Bahn

Mit Comedians habe ich meist nicht viel am Hut. Comedy heute ist meist nicht mehr das, was uns Komiker der alten Schule als Humor anzubieten hatten. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Ist auch gut so, wie z.B. im Falle eines Bodo Wartke. Und jetzt gibt es auch schon einen promovierten Mediziner, der quasi die Seite gewechselt hat, uns nicht mehr durch horrende Rechnungen das letzte Zipfellein Heiterkeit raubt, sondern im Gegenteil medizinisches Wissen und Witz derart mischt, dass es uns zum Schmunzeln bringt: Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Und neben Bühnen- und TV-Auftritten (darf auch bei youtube bewundert werden) kann der Herr Doktor jetzt auch gelesen werden. Außer dem lachenswerten Nachschlagewerk Langenscheidt Arzt-Deutsch / Deutsch-Arzt gibt es z.B. beim Rowohlt Taschenbuch Verlag Die Leber wächst mit ihren Aufgaben: Kurioses aus der Medizin.

Letzeres hat mein Ehegesponst käuflich erworben, zur nächtlicher Stunde gelesen und durch ihr Lachen meinen Schlaf gestört. Jetzt habe ich selbst einen Blick in das Machwerk hineingeworfen und bin gleich auf eines meiner Lieblingsthemen gestoßen: die Deutsche Bahn AG. Hier gewissermaßen als Leseprobe das kleine Kapitel:

Die Bahn – Buddha-Fahrt im ICE

Eigentlich stehe ich als Arzt ja unter Schweigepflicht. Also: Das muss wirklich unter uns bleiben. Ich bin da einem Riesending auf der Spur. Eine große deutsche Institution ist vermutlich schon seit längerem fest in der Hand einer Glaubensgemeinschaft. Die Deutsche Bahn! Alles Buddhisten.

Ich kam darauf, als ich zum wiederholten Male im ICE gegen diese Glasschiebetür rannte. Ich dachte, es muss doch technisch möglich sein, dass die sofort aufgeht und nicht immer mit drei Sekunden Verzögerung. Gibt es Elektronik mit Beamtenmentalität? Nein, die machen alles genau so, wie sie es machen, um uns die Tugenden östlicher Religionen zu lehren.

Du rennst geistesabwesend gegen die Tür und hast unmittelbar eine Meditationserfahrung: Du bist plötzlich ganz im Moment, spürst nur dich und deinen Schmerz. Dann gleitet die Tür majestätisch zur Seite und gibt dir mit auf den Weg: „Pilger. Weltenbummler. Wüstensohn. Was rennst du offene Türen ein? Erwache! Genieße das Leben – in vollen Zügen!“ Das ist die geheime Botschaft der Bahn.

In alten Schriften habe ich gesucht und weitere Beweise für meinen Verdacht gefunden:

„ya a shâstravidhim utsrjya varate kâmakârata a
na sa siddhim avâpnoti na sukham na parâm gatim.”

“Doch wer nach seiner Willkür lebt, nicht achtend heiliges Gesetz,
Nicht erreicht Vollendung der, nicht Glück und nicht höchste Bahn.”

Doch damit nicht genug: Die größte Schule des Buddhismus nennt sich Mahayana. Wörtlich übersetzt: Großes Fahrzeug, das vielen Menschen Platz bietet. Muss ich noch deutlicher werden? Buddha sagt: Du sollst nicht nehmen, was dir nicht gegeben ist. Die Bahn sagt: Nehmen Sie den Nächsten! Buddha spricht: Alles Begehren muss man „fahrenlassen“. Das gilt auch für das menschliche Begehren, im Zug zu schlafen. Früher konnte man die Armlehnen hochklappen und sich einfach quer hinlegen. Aber seit die Buddhisten die Bahn unterwandert haben, gibt es ergonomische Sitze, in denen es unmöglich ist, eine bequeme Schlafposition zu finden. Buddha heißt nicht umsonst: der Erwachte!

Sollte man doch einmal aus Versehen eingeschlafen sein, wechselt garantiert das Zugpersonal und weckt dich wieder auf. Das nenn ich Service. Das grenzt schon ans Hinduistische: die ewige Wiederkehr der Gleichen.

Die nennen sich auch nicht mehr Schaffner, nur noch „Begleiter“, um das Spirituelle ihres Tuns zu unterstreichen. Das sind Bodhisattwas, ruhende Seelen, die nur noch aus Mitleid im Diesseits und im Dienst verweilen. Du spürst, die müssen das alles nicht mehr tun. Sie tun es aus Liebe zu uns. Du fragst sie etwas Konkretes, zum Beispiel: „ Wann sind wir denn endlich da?“, und sie antworten mit einem Mantra: „OMMMMM.“

Was ist ein Kursbuch anderes als ein Kamasutra für Triebwagen? “Evam pi me no. Tathâ ti pi me no. Annyathâ ti pi me no. No ti pi me no. No no pi me no ti.” Übersetzt: Wenn du mich so fragst und ich dächte, das wäre so, so würde ich dir dementsprechend antworten. Aber so denke ich nicht. Ich denke nicht: Es ist so! ich denke auch nicht: Es ist anders!

Wow, vor über 2000 Jahren beschreibt jemand exakt die Dialoge am Service Point der Deutschen Bahn! Wie können die Menschen dort im größten Chaos so gelassen hinter ihrem Tresen hocken? Die meditieren! Der Tresen ist extra so gebaut, dass man nicht sehen kann, dass sie im Lotussitz sitzen. Und ab dem zweiten Lehrjahr ganz ohne Stuhl!

Der Frühbucher-Rabatt. Was bedeutet das? Geh in dich, und du weißt, wann du in sechs Monaten mit welchem Zug fahren willst. Denn alles ist vorherbestimmt. Wer daran nicht glaubt, soll ruhig mehr zahlen.

Es geht der Bahn nicht ums Geld, im Gegenteil, nehmen wir nur die 1. Klasse: Mal ist sie ganz vorne am Zug, mal ganz hinten – aber nie in der Mitte vom Bahnsteig. Wer am meisten zahlt, muss das Gepäck am weitesten schleppen, bis dahin, wo das Dach zu Ende ist und man mit dem ganzen Geld im Regen steht. Die Bahn will uns lehren: Wer reich ist, findet schwer zur Mitte. Dabei wartet in der Mitte das freundliche Team der Mitropa. Die Mitte ist Mitropa. Mitropa ist Nirwana. Der Ort, wo alles Begehren für immer aufhört! Wir können im Speisewagen so viel lernen: Nichts wird so heiß gegessen, wie es aufgetaut wird. Sie verwenden nur Fleisch von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Kellner lehren uns: Zeit ist eine Illusion.

Oder das: Du schaust im Bahnhof aus dem Speisewagen auf einen anderen Zug. Und plötzlich könntest du schwören, dass du dich bewegt hast. Aber in Wirklichkeit wurde nur ganz langsam der Bahnhof weggeschoben. Trug der Bewegung. Fahr-Schein!

Der Verstand muss zum Schweigen gebracht werden. Deshalb bringt uns die Bahn auch mit buddhistischen Koans um den Verstand, unlösbaren Rätselfragen wie: „Wenn ein Baum im Wald umfällt und keiner in der Nähe ist, um es zu hören – gibt es trotzdem ein Geräusch?“ Oder. „Wenn ein Mann im Wald spaziert und keine Frau ist in der Nähe – ist er trotzdem im Unrecht?“

Die Bahn steht dem in nichts nach. Ihre schönste Meditationshilfe steht auf den Anzeigetafeln im Regionalverkehr. Wörtlich: ZUG HÄLT NICHT ÜBERALL.

Zug hält nicht überall? Wer das versteht, der ist erleuchtet! Es gibt Hoffnung für uns alle, danke, Bahn!

aus: Dr. med. Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben (9. Auflage Juni 2008 – Originalausgabe – Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg) S. 212-214

Mein Lieblingsplatz: Durch die Wüste

Zum Jahres- und Jahrtausendwechsel 1999/2000 verbrachte ich zwei Wochen mit meinen Lieben im Süden Tunesiens in der Oasenstadt Tozeur. Von hier unternahmen wir zwei Abstecher in die Wüste. Wüsten nehmen mehr und mehr Raum auf unserem Planeten ein und bestehen nicht allein aus Sand (Sandwüste = Erg), sondern können sowohl als Stein- oder Felswüste, Kieswüste, Salz- oder Eiswüste bestehen. Auf Island z.B. haben wir Stein- und Geröllwüsten sowie Eiswüsten (Gletscher) kennengelernt. Und bei unserem Besuch in Süd-Tunesien sind wir nicht nur durch Sandwüsten, sondern auch durch eine Salzwüste (dem Schott el Djerid – eigentlich ein Salzsee, der aber zum größten Teil ausgetrocknet ist) gekommen.


Oase Ksar Ghilane/Süd-Tunesien

Wüsten, besonders Sandwüsten, üben eine ungewöhnliche Faszination aus. Wer zur Abendstunde, wenn die Sonne untergeht, über eine Sanddüne wandert, erlebt einen Wechsel der Farben, wie man diesen sonst nirgendwo erlebt. Strahlt der rote Sand zunächst noch im knalligstem Rot, so wechselt dieser urplötzlich in einen grau-roten Farbton, so als stürbe die Wüste.

Niemand kommt so aus der Wüste heraus, wie er hineingegangen ist, besagt das Sprichwort. Oder: Das Wasser wäscht den Körper, die Wüste wäscht die Seele! (Ibrahim al-Koni) Wir empfanden es ähnlich. Die Wüste ist wie ein Meer, nur ohne Wasser.

Sanddünen bei Bechri - durch Erosion entstanden

Schattenspiel in der Erg-Wüste bei der Oase Ksar Ghilane

Sanddünen bei Bechri – durch Erosion entstanden

Schattenspiel in der Erg-Wüste bei der Oase Ksar Ghilane

Nach dem Frost in der Nacht am Morgen Raureif

Kamelritt durch die Wüste bei Zaafrane

Nach dem Frost in der Nacht am Morgen Raureif

Kamelritt durch die Wüste bei Zaafrane

Amy Macdonald – neue Stimme am Folkrock-Horizont

Ich hatte wieder beim Fabchannel hineingeguckt und bin gleich über sie gestolpert: Amy Macdonald, gerade einmal 21 Jahre alt, aus Schottland und mit kräftiger Stimme. Ihr Stil: Folkrock. Eher schlicht, dafür gradlinig kommt sie daher. Mal sind die Lieder eher leis und poetisch, dann wieder kraftvoll und rockig. Also Folkrock vom Feinsten – wie ich finde.

Amy Macdonald

Der Auftritt von Amy Macdonald bei Fabchannel lässt sich hören (und sehen). Und ansonsten finden sich viele Videosclips auf ihrer Website oder auch bei youtube.

Längst ist sie auch kein Geheimtipp mehr, ihr Album „This Is The Life“ (2007) hat sich ganz oben platziert – wie einige Singleauskopplungen ebenso.

Foto-Galerie: Amy McDonald

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 11

Löw schasst Kuranyi

Da der nicht nominierte Kuranyi während des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Russland das Stadion verlassen hatte, wirft ihn nun der Bundestrainer Joachim Löw aus der Mannschaft.

Ich bin kein Fan von Kevin Kuranyi, aber so ganz verstehe ich das nicht: Wenn er nicht nominiert war, also nicht direkt zur Mannschaft gehörte, dann kann er doch machen was er will, oder? Also auch das Stadion verlassen, wann er es will.

Entpuppt sich der so freundliche Löw nun als kleiner Tyrann? Auch der Bremer Torsten Frings wurde von Löw gebeutelt. Okay, es gibt für keinen der Spieler eine Stammplatzgarantie. Im Fall des Bremers verhielt es sich aber ganz besonders: Etwas zu schroff hatte dieser sich wohl zuletzt zu Mitspielern geäußert, die ihre Führungsansprüche im Mittelfeld angemeldet hatten: „Nicht nur reden, da muss auch mal was kommen.“ Das dürfte Löw, der keine öffentliche Kritik zwischen Spielern mag, sehr missfallen haben. Hinzu kommt, dass sich zuletzt Kapitän Michael Ballack für seinen alten Mitstreiter Frings stark gemacht hatte und damit an der Entscheidungskompetenz seines Vorgesetzten zumindest gerüttelt hatte.

Reich-Ranicki und das Fernsehen

Dass er ein rechter Bücherwurm ist, wissen wir alle. Und wenn er schon einmal Fernsehen guckt, dann natürlich Arte. Jetzt sollte er einen Ehrenpreis bei der deutschen Fernsehpreisverleihung bekommen. Nach drei Stunden Wartezeit kam er endlich dran. Und da hatte er genug von dem ganzen Zirkus. Er nahm den Preis nicht an. Ein Skandal? Mitnichten!

Ich bin auch kein großer Freund von Marcel Reich-Ranicki. Was er sich in seinen Literaturkritiken manchmal herausnimmt, ist eine Frechheit. Martin Walsers rechnet in seinem Roman „Tod einer Kritikers“ entsprechend mit seinem langjährigen Kritiker Marcel Reich-Ranicki ab.

Was aber dies Sich-selbst-Feiern der TV-Sender betrifft, da kann ich Herrn Reich-Ranicki nur zustimmen: „Blödsinn“ und „überflüssig“.

Haider mit 142 km/h in den Tod

Mit 142 km/h rast der 58-jährige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in den Tod – dort wo nur 70 km/h erlaubt sind. Der Rechtspopulist hätte sich nicht zu sehr auf seinen Nazigator verlassen sollen, der immer wieder nur nach rrrrrechts und das möglichst sssssschnell will.

Jean-Marie Gustave Le Clézio – Literaturnobelpreis 2008

Anfang des Jahres 2000 hatte ich mich bei 2001 wieder einmal mit preiswerten Büchern eingedeckt, alles Mängelexemplare, die den einzigsten Mangel aufwiesen, den Stempel „Mängelexemplar“ zu tragen, meist Restexemplare, die keinen Käufer gefunden hatten. Darunter auch zwei Werke eines J.M.G. Le Clézio, eines Franzosen. Bisher hatte ich von dem noch nichts gehört, aber der Klappentext verhieß spannende Lektüre. So las ich beide Bücher noch im Februar 2000.

Nun über acht Jahre später geht der Nobelpreis für Literatur 2008 an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio, eben jenem Autoren, dessen Bücher damals bei 2001 verramscht wurden. Der Preis wurde dem 68 Jahre alten Autor zuerkannt, „dem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase“ (siehe hierzu auch ein kurzes Video bei zdf.de).

Jean-Marie Gustave Le Clézio

Le Clézio ist auch heute noch bei uns in Deutschland ein weitgehend Unbekannter, dafür aber in seiner Heimat Frankreich ein ganz Großer. So gilt es, ihn erst einmal zu entdecken. Ich muss gestehen, dass nicht viel von dem in meinem Gedächtnis hängen geblieben ist, was ich damals vor acht Jahren las. Vielleicht hatte ich damals zu viel gelesen. Wie auch immer – ich habe mir vorgenommen, die zwei Bücher ‚neu’ zu entdecken. Hier u.a. die Informationen in den Klappentexten der beiden Bücher:

J.M.G. Le Clézio : Onitsha (1991 – dt. Ausgabe 1993 bei Kiepenhauer & Witsch, Köln)

Seine Kindheit in Afrika, die kleine Stadt Onitsha am Niger, das Tamtam der Trommeln in der Nacht, wilde tropische Gewitter, riesige Termitenhügel in der Savanne, Fahrten mit der Piroge auf dem gewaltigen Strom – Fintan Allen wird das alles nie vergessen. Mit 12 Jahren ist er im Frühjahr 1948 an Bord der „Surabaya“ mit seiner Mutter Maou von Frankreich nach Onitsha in Nigeria gekommen. Maou trifft dort ihren Mann Geoffroy wieder, von dem sie durch die Wirren des Krieges getrennt war und dem sie sich bald entfremdet fühlt. Sie, die von einer afrikanischen Idylle geträumt hatte, erfährt nun die Feindseligkeiten der engstirnigen Kolonialgesellschaft und die vielfältige Brutalität dieses Landes. Geoffroy hat sich neben seiner Arbeit bei einer britischen Handelsfirma in eine Traumwelt geflüchtet. Um ihn herum zerfällt die koloniale Welt, er aber sucht wie besessen nach den Spuren der mythischen Stadt Meröe, die nach der Legende von einer schwarzen ägyptischen Königin auf einer Insel im Niger gegründet worden sein soll. Während seine Eltern ihren vergeblichen Träumen nachhängen, erlebt Fintan mit seinem schwarzen Freund wilde Abenteuer und taucht immer tiefer in das afrikanische Leben ein. Als eine schwere Malariaerkrankung Geoffroys die Familie zwingt, Afrika zu verlassen, nimmt Fintan ein Stück von Afrika für immer mit sich nach Europa.

Wie sein Held Fintan hat Le Clézio seine Kindheit in Afrika verbracht. Er hat mit diesem Buch den Roman einer nie vergessenen Initiation geschrieben. Die kunstvolle Verknüpfung von persönlichen Schicksalen mit den uralten Mythen des schwarzen Kontinents und den Bildern einer geheimnisvollen, archaischen Welt, die im Biafrakrieg für immer untergegangen ist, machen dieses Buch zu einer unvergesslichen, faszinierenden Lektüre.

Le Clézio 1940 in Nizza geboren, stammt aus einer Familie, die seit 200 Jahren auf Mauritius lebt. Studium der Literatur in Frankreich und England.

J.M.G. Le Clézio : Fliehender Stern (1992 – dt. Ausgabe 1996 bei Kiepenhauer & Witsch, Köln)

J.M.G. Le Clézio, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Frankreichs, erzählt in seinem bewegenden Roman von der jungen Jüdin Esther, die im Sommer 1943 mit ihren Eltern und anderen Juden im Hinterland von Nizza interniert ist. Wie alle Jugendlichen lebt Esther in einer Welt der Spiele und Träume, der ersten Liebeleien. Sie freut sich an der Schönheit der Landschaft, erfährt aber auch Angst und Bedrohung, und sie verliert den Vater, der im Widerstand war. Nach Ende des Krieges wandern Esther und ihre Mutter nach Palästina aus, finden dort jedoch nicht den ersehnten Frieden. Auf dem Weg nach Jerusalem begegnet Esther Nejma, die mit einem Treck von Palästinensern in ein Lager flüchtet. Nur einmal sehen sie sich, die Jüdin und die Palästinenserin, und können sich nur ihre Namen nennen – Esther und Nejma. Aber sie erkennen sich, zwei Schwestern, die immer aneinander denken werden, absurderweise durch Kriege getrennt, gegen die sie beide aufbegehren.

In Le Clézios unverwechselbarem Stil und poetischer Sprache geschrieben, fasziniert dieser Roman durch die Schicksale der Menschen, ihre Suche nach Identität, ihre Tapferkeit und ihre Hoffnung.

„Le Clézio sucht die Zeichen des Friedens und des Unglücks im Herzen, im Innersten des Lebens, in der Begegnung mit der Zeit und den Elementen, den Rätseln des Anfangs und der Zukunft.“ Le Monde

Der Anfang vom Ende

Zunächst zu meiner Person: Ich habe kein Betriebs- oder Volkswirtschaftsstudium, habe lediglich die Fachoberschule für Wirtschaft absolviert sowie eine Ausbildung in der Finanzverwaltung. Ich bin also durchaus mit wirtschaftlichen Abläufen vertraut, wenn ich auch längst nicht alle Details kenne. Dazu bin ich das, was man vielleicht einen Zweckpessimisten nennt. Ich sehe vieles schwarz, freue mich aber um so mehr, wenn es dann doch nicht so schlimm kommt, wie ich es zuvor befürchtet habe. Außerdem halte ich mir zugute, über einen halbwegs gesunden Menschenverstand zu verfügen.

Und für diesen gesunden Menschenverstand ist es der reinste Horror mitzuerleben, was uns täglich, wenn auch nur in kleinen Happen, in Sachen Finanzkrise serviert wird.

Zuerst zu meinem betriebs- wie volkswirtschaftlichen Verständnis: Unsere Wirtschaft ist eine Geldwirtschaft, die vor langer Zeit den Tauschhandel abgelöst hat – aus verständlichen Gründen, denn Tauschhandel ist einfach unpraktisch. Für meine Ware oder Arbeitsleistung bekomme ich Geld, mit dem ich wiederum Ware oder Dienstleistungen kaufen kann. Eigentlich ein genialer Gedanke, das mit dem Geld. Das Verhängnis begann dann aber, als das Geld selbst zum Handelsobjekt wurde und sich Banken gründeten. Auch das hatte noch viel Gutes: So kann ich mir ein Haus kaufen und leihe mir dafür Geld, das ich dann in Raten und mit Zinsen (für die Dienstleistung des Leihens) zurückzahle.

Auch der ganze Kram an Optionen, Derivaten und wie diese heute endlich ins Zwielicht der Öffentlichkeit geratenen Finanzgeschäfte heißen, hatte einmal sein mehr oder weniger Gutes: z.B. Futures. Diese entwickelten sich in der Landwirtschaft. Ursprünglich ging es dabei darum, eine festgelegte Menge einer bestimmten Ware in bestimmter Qualität zu einem festgesetzten Preis an einem vorher bestimmten Datum zu kaufen bzw. zu verkaufen. So konnte z.B. ein Bauer einem Mühlenunternehmen (Müller) bereits im Frühjahr eine bestimmte Menge Sommerweizen zu einem ebenso bestimmten Preis verkauft haben, wobei Liefer- und Zahlungstermin zu einem bestimmten Termin im Sommer (nach der Ernte) festgelegt wurden. Der Vorteil für den Bauer war die Sicherheit, bereits bei der Ernte einen sicheren Abnehmer zu einem festen Preis zu haben. Das Mühlenunternehmen sicherte sich dagegen mit dem Geschäft gegen steigende Preise ab, wie sie etwa durch Missernten oder Hagelschläge entstehen. Grundlage auch hier war wieder eine Ware oder Dienstleistung.

Überträgt man nun z.B. Futures auf das reine Finanzgeschäft, so ahnt selbst der Unkundige, dass hier etwas zu stinken beginnt. Es geht hier eigentlich dann nur noch um eine Art Wettgeschäft, ums Pokern mit großen Geldbeträgen. Und da das Pokern nicht reicht, erfindet man gleich einen neuen Job, den Finanzdesigner, der sich neue Spielarten als Finanzspekulationsgrundlage ausdenkt, damit es keinem Banker und Broker langweilig wird.

Finanzmarkt

Es war das Jahr 1995, da hatte es ein gewisser Nick Neeson mit diesen undurchsichtigen Finanzgeschäften geschafft, eine ganze Bank (Barnings Bank) in den Ruin zu treiben. Das hätte Warnung genug sein müssen. War es aber nicht.

Auf einmal sitzen viele Nick Neesons in den Banken, riechen den großen Gewinn – z.B. im US-Immobilienhandel. Doch statt des großen Reibachs plötzlich die Ernüchterung. Alle diese Finanzgeschäfte, welcher Art auch immer, sind nichts wert. Das Geld aus dem Fenster geworfen. Und so wie das ganze Kartenhaus zusammenbricht, wenn man die unterste Karte herauszieht, so bricht jetzt auch das ganze Gebilde an Finanzakrobatik zusammen.

Inzwischen beziffert man den Schaden weltweit auf über eine Billion Euro. Aber das ist nur des Eisbergs Spitze. Denn wenn Milliarden um Milliarden den Bach hinuntergeben, bleibt kein Geld, das z.B. verliehen werden kann. Und ohne Geld kein Konsum. Es ist eine Spirale, die sich nach unten auflöst. Am Ende ist das Nichts. Da helfen staatliche Hilfen kaum. Die müssen ja auch finanziert werden – und können das nur dadurch, indem man dem kleinen Steuerzahler das Geld aus der Tasche zieht, der damit weniger Geld für den Konsum hat usw. usf. Wie man es auch dreht, die Spirale dreht sich … nach unten.

Wie anfangs erwähnt, so bin ich kein studierter Wirtschaftsexperte. Und mir fällt auch nichts ein, wie man möglichst erfolgreich gegen dieses Wirtschaftsdesaster angehen kann (das Wort Finanzkrise ist geradezu ein Euphemismus, das der Sache nicht mehr gerecht wird). Es hat für mich keinen Sinn, wenn z.B. der Staat die Kontrolle, vielleicht sogar das Eigentum an den Banken übernimmt. Der deutsche Staat hat sich selbst durch gekonnte Misswirtschaft ausgezeichnet. So beträgt die Staatsverschuldung leise geschätzt ca. 1493 Mrd. Euro (März 2008).

Also was ist zu tun? Den Crash, den wir zz. erleben, stellt unser Wirtschaftssystem gänzlich in Frage. Es ist sicherlich nicht das Ende des Kapitalismus. Aber es muss ein rigoroses Umdenken stattfinden. Zunächst sollte damit begonnen werden, alle Lehrbücher der Betriebs- und Volkswirtschaft zu verbrennen – im übertragenen Sinne natürlich. Wir müssen nicht bei Null beginnen. Aber es darf nur das hinübergerettet werden, was auch für den gesunden Menschenverstand nachvollziehbar ist. Und dazu gehört, dass der Sumpf der Finanzwirtschaft trocken gelegt wird. Dazu gehört auch, dass eine funktionierende Selbstkontrolle der Banken und Börsen eingerichtet wird. Wie diese auszusehen hat, sollten Experten herausfinden.

Ein erster Schritt wäre, die Börsen auf bestimmte Zeit zu schließen, wie es z.B. Russland gemacht hat. Bestimmte „Wert“-Papiere sollte man (auch real) dem Feuer übergeben. Da wir in einer globalisierten Welt leben, können natürlich auch nur global abgestimmte Maßnahmen ziehen. Notfalls sind undurchsichtige Finanzmärkte (Stichwort Liechtenstein) auszugrenzen, wo und wie immer das möglich ist.

Wenn nichts wirklich Durchgreifendes geschieht (und die staatlichen Hilfen sind nichts), dann wird es allerdings dermaßen krachen, dass uns allen die Fetzen (Geldfetzen) um die Ohren fliegen.

Wer meint, ich male hier den Teufel an die Wand, dem versichere ich: Der Teufel hat längst das Zepter in der Hand, er regiert die Welt! Da muss ich nicht erst malen … Aber es ist ein Teufel, dem nicht mit Weihwasser beizukommen ist. Er ist dem inneren Schweinehund verwandt, dem geld- und machtgierigen Raffke in vielen von uns.

Wie anfangs geschrieben: Ich bin ein Zweckpessimist. Und das wohl auch deshalb, weil mir öfter die Phantasie durchgeht. Aber um das auszudenken, was da wirtschaftlich zz. abgeht, reicht auch meine Phantasie nicht aus. Hoffen wir alle nur, dass es genug ausreichend Phantasievolle in Wirtschaft und Politik gibt, die die Situation erkennen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, sonst Gnade uns Gott!

Wer öfter in dieses Blog hineinschaut, wird gemerkt haben, dass sich meine Kritik an den Praktiken der heutigen Finanzwirtschaft seit Anfang dieses Jahres wie ein roter Faden durch dieses zieht. Ich denke, dass ist keine Manie von mir. Es war schon immer die Sorge, dass es eines Tages zu einem großen Zusammenbruch des Finanzmarktes und damit unserer gesamten Wirtschaft kommen könnte. Jetzt stehen wir kurz davor.

Island, bald die Außenstelle Moskaus?

Island, der Inselstaat hatte die bisher besten Voraussetzungen für einen soliden Wohlstand. Billige Energie, hoher Bildungsstand, junge Einwohner, die bereit sind überdurchschnittlich viel zu arbeiten – die isländische Wirtschaft hatte und hat eigentlich noch, wovon viele andere europäische Länder nur träumen.

Island - Außenstelle Moskaus?

Jetzt droht dem Land der totale Bankrott, denn nach Jahren des Aufschwungs stehen die isländischen Banken – und mit ihnen ein ganzes Land – vor dem Kollaps. Die Banken haben sich im Ausland Geld geliehen und dieses auch wieder im Ausland investiert; in andere Banken, Kaufhäuser, Pharmaunternehmen, Fluggesellschaften. Als Zweifel an ihrer Zahlungsfähigkeit aufkam, bekamen die isländischen Banken ein Finanzierungsproblem.

Plötzlich sollten sie überdurchschnittlich hohe Zinsen zahlen. „Es besteht die Gefahr, dass unsere Volkswirtschaft dem Abwärtstrend der globalen Bankenkrise nicht entkommt und unsere Nation am Ende bankrott geht“, warnte Ministerpräsident Geir Haarde in einer dramatischen Fernsehansprache. Ein Staatsbankrott tritt ein, wenn ein Land Schulden oder Zinsen darauf nicht mehr bedienen kann, wie Argentinien im Jahr 2002.

Nicht nur der Staat, auch die Einwohner der Insel sind hoch verschuldet. Angesichts eines Wirtschaftsaufschwungs ohne gleichen in den vergangenen Jahren haben sich viele Wohnung, Auto und Fernseher per Kredit finanziert. Weil die Zinsen in Island hoch waren, liehen sich Konsumenten auch Geld in Fremdwährungen. In den letzten Monaten ist die isländische Krone aber drastisch gefallen. Zins und Tilgung in Auslandswährungen zu bedienen, ist deshalb für viele ein Problem geworden.

Island will einen Staatsbankrott durch Verstaatlichungen von Banken und russische Hilfen abwenden. Am Dienstag übernahm die Finanzaufsicht in einer Rettungsaktion die Kontrolle über die zweitgrößte Bank des Landes, Landesbanki. Tags zuvor hatte das Parlament der Regierung per Notgesetz erlaubt, Finanzinstitute zu übernehmen, zu fusionieren oder für bankrott zu erklären. Zudem bemüht sich Island um milliardenschwere Hilfen aus Russland.

Haarde erklärte, isländische Regierungsvertreter würden so bald wie möglich nach Russland reisen, um über das angeblich vier Milliarden Dollar schwere Darlehen zu verhandeln. Noch sei „nichts sicher“, sagte er. Der Kreml erklärte, die Anfrage „wohlwollend prüfen“ zu wollen. Nach Ansicht von Experten ist der 320 000 Einwohner zählende Staat auf das Geld dringend angewiesen.

(aus: Welt Online vom 08.10.2008)

Und um diesen Milliardenkredit gibt es viele Spekulationen. Erst einmal wird dementiert (zunächst aus Moskau), dann kommt als Gegenleistung für den Kredit eine Militärbasis für Russland ins Gespräch. Schon dementiert man in Reykjavik – ein Kuhhandel käme nicht in Frage. Im Zusammenhang mit der deutlichen Kritik des isländischen Ministerpräsidenten Geir Haarde an den westlichen Staaten, sie hätten Island im Regen stehen lassen, halte ich aber einen solchen oder ähnlichen Deal gar nicht für ausgeschlossen. Wenn Island erst einmal mit dem Rücken zur Wand steht …

Es ist kaum zu glauben, wie ein ganzes Land durch die weltweite Finanzkrise innerhalb kürzester Zeit dem Ruin zusteuert. Überhaupt kostete dieses durch die US-Immobilienkrise ausgelöste Desaster gemäß dem Internationalen Währungsfond (IWF) weltweit bisher 1,4 Billionen Dollar (rund eine Billion Euro, eine Eins mit 12 Nullen: 1.000.000.000.000 Euro). Und mit weiteren dramatischen Verlusten ist zu rechnen. Nicht nur auf Island.

Ein Land wie Island, das in der jüngeren Vergangenheit viel zu sehr auf ein expandierendes Finanzsystem gesetzt hat, wird wieder auf andere Dienstleistungen und das produzierende Gewerbe setzen müssen, um sich aus der Krise heraus zu arbeiten. Dank günstiger Energie, die zudem umweltfreundlich produziert werden konnte – Island hat viele heiße Quellen und Wasserfälle – gelang es dem Inselstaat im Nordatlantik in den vergangenen Jahrzehnten, eine umfassende Aluminiumindustrie anzusiedeln. Im ersten Halbjahr 2008 haben Aluminium und das ebenfalls sehr energieaufwendig zu produzierende Ferro-Silizium den Fisch als bisher wichtigstes Exportprodukt der Insel abgelöst.

Es wird also Zeit, sich wieder der Realwirtschaft zuzuwenden. Es sei denn, Island möchte bald zur Außenstelle Moskaus werden.

siehe hierzu auch:
Island geht nicht bankrott (auf Englisch: Iceland is not going bankrupt)

An dieser Stelle möchte ich noch auf einen sehr interessanten Artikel bei ard.de hinweisen. Dieser betrifft das Rückversicherungsgeschäft der Banken, so genannte credit default swaps, kurz cds, die bereits der amerikanische Großinvestor Warren Buffet nach deren Einführung als „Massenvernichtungswaffe der Finanzwelt“ bezeichnet hatte. Und der sollte es wissen, wird er allgemein als reichster Mann der Welt geführt. Auch hier geht es im Wesentlichen um einen Finanzpoker, der laut Schätzung einen Rahmen von bereits 60 Billionen Dollar sprengt. Dieser Wert ist weit mehr als das Bruttoweltprodukt, also mehr als der Gesamtwert aller auf unserem Planeten pro Jahr hergestellten und gehandelten Produkte und Dienstleistungen. Was wir zz. als Weltfinanzkrise erleben ist also nur die Spitze eines Eisbergs. Und was da an staatlichen Hilfen (700 Milliarden Dollar bei den Amerikanern und neuerdings 200 Milliarden Pfund bei den Briten) fließt, dürfte wie wenige Tropfen Wasser in der Wüste, der Finanzwüste, verdampfen, ohne nennenswerte Erfolge zu zeitigen. Erleben wir nach dem Ende des Kommunismus jetzt das Ende des Kapitalismus? Hier der erwähnte Artikel (um uns das Fürchten zu lehren): Die Kreditversicherungsfalle

Jethro Tull live 09.10.1978 im Madison Square Garden, New York

Heute vor genau 30 Jahren, am 9. Oktober 1978, trat die Gruppe Jethro Tull im Madison Square Garden von New York vor einem Publikum von etwa 20.000 Zuschauern auf. Das Besondere daran war, dass dieses Konzert von Jethro Tull als erster Rockband in einer simultanen Transatlantik-Schaltung aus den USA im britischen Fernsehen gezeigt wurde (hierzu: Melody Maker).

Hier die Setlist des etwa 45-minütigen Konzertes:

Thick as a Brick
No Lullaby
Ian’s Flute Solo
Songs from the Wood
Aqualung
Locomotive Breath and Good Bye

Ich habe hierzu eine Playlist erstellt und die noch fehlenden Stücke bei youtube ergänzt. Hier also das Konzert in voller Länge:


Jethro Tull live 09.10.1978 im Madison Square Garden, New York