Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

People feat. Ian Anderson im deutschen TV 1993

Leslie Mandoki, Sänger, Schlagzeuger, Komponist und Musikproduzent wie Bohlen, träumte davon, einmal die alte Garde bekannter Rockgrößen um sich zu scharen. Und so ging sein All-Star-Projekt (zunächst 1993 „People“ genannt, später in „Soulmates“ umgetauft) tatsächlich in Erfüllung.

1993 erschien dann auch die erste Scheibe (Besetzung: u.a. mit Ian Anderson (Jethro Tull – Flute, Vocals), Jack Bruce (Bass, Vocals), David Clayton-Thomas (Vocals), Bobby Kimball (Vocals), Leslie Mandoki (Percussion), Laszlo Bencker (Piano)): „People“ – so dann auch der Name des Projektes.

Und da die Musikbranche solche Projekte zu würdigen weiß (ich denke: unabhängig von Verkaufszahlen), so überschüttete man noch im Jahre 1993 die All Stars mit diversen deutschen Schallplatten- und Fernsehpreisen. Zunächst gab es wohl irgendeinen Sonderpreis bei der „Gala der Schallplatte“. Dann zu Silvester 1993 in der ARD-Sendung „Goldene Europa ’93“ auch dort einen Sonderpreis (es war übrigens das 25. Mal, dass die „Goldene Europa“, damit der älteste Showpreis des deutschen Fernsehens, verliehen wurde). Von beiden Preisverleihungen habe ich Aufzeichnungen, die ich gern zur Betrachtung zur Verfügung stelle (beide allerdings mit Playback). Witzig ist in diesem Zusammenhang, dass Ian Anderson z.B. mit deutschen Showgrößen wie Hape Kerkeling, Harald Schmidt, Catarina Valente, Max Schautzer, Dieda Bohlen usw. beim Abspann auf einer Bühne stand. Wie gut, dass er nicht wusste, wer diese Leute sind, sonst hätte er sich wahrscheinlich ähnlich Herrn Reich-Ranicki verhalten.

Nun aus „People“ wurden bald „Soulmates“ und bis zum heutigen Tage erscheinen in regelmäßigen Abständen CDs und zu Silvester sogar eine Doppel-DVD „Man Doki Soulmates – DAS KONZERT“. Aber besonders das Letztere dürfte hier keinen Hahn und keine Henne mehr interessieren (mir reicht „Nessun Dorma“ aus der Werbung). Herrn Mandokis Traum ist zur reinen Geldschneiderei verkommen. Es dürften so auch nicht nur Termingründe gewesen sein, die Ian Anderson veranlasst haben, aus diesem Projekt auszusteigen. „Soulmates“ wurden 2004 übrigens einem größeren Publikum als Hausband in Thomas Gottschalks ZDF-Zweiteiler „50 Jahre Rock“ bekannt.


People feat. Ian Anderson: Hold on to Your Dreams (1993) – Goldene Europa 1993


People feat. Ian Anderson: Mother Europe (1993) – Gala der Schallplatte 1993

Blumenpracht Teil 19

Der Herbst ist eine für mich ganz besondere Jahreszeit. Das Laub beginnt sich nach und nach in die unterschiedlichsten Braun-, Gelb- und Rottöne zu verfärben. Ein Anblick von ganz besonderer Art. Wenn dann noch die Sonne scheint, dann glühen diese Farben förmlich, ähnlich wie man es beim Sonnenuntergang in der Wüste erlebt. Aber auch die Blumen im Garten können sich noch sehen lassen, wenigstens die, die sich diese Jahreszeit zum Blühen ausgesucht haben. So genieße ich den Gang durch den Regen des fallendes Laubs und den Anblick der letzten in diesem Jahr noch blühenden Pflanzen.

AlbinZ Blumenpracht - Herbst 2008

AlbinZ Blumenpracht - Herbst 2008

AlbinZ Blumenpracht – Herbst 2008

AlbinZ Blumenpracht - Herbst 2008

AlbinZ Blumenpracht - Herbst 2008

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 12

Feuert Löw jetzt auch noch Ballack?

Heissa, da brodelt es aber nicht schlecht im deutschen Team. Nachdem Kuranyi vom deutschen Fußballnationaltrainer in die Wüste geschickt wurde, droht da nun auch Michael Ballack das Ende? Und Torsten Frings gedenkt von sich aus aufzuhören.

Nun, keine Angst, Ballack wird bleiben – und sicherlich wird es sich auch Torsten Frings noch anders überlegen. Aber das ganze Gezerre ist schon eine Lachnummer. Ich gebe zwar Joachim Löw Recht: Keiner der Spieler hat eine Stammplatzgarantie. Aber ich habe den Eindruck, dass hier der Bundestrainer wieder einmal nicht in der Lage ist, dies den Spielern adäquat zu vermitteln. Der nächsten Budenzauber ist garantiert.

Der Buhmann der Nation

Eigentlich erhebe ich Anspruch darauf, ihn ‚meinen’ Buhmann zu nennen. Aber jetzt entwickelt sich Herr Ackermann, Chef der Deutschen Bank, zum Buhmann der gesamten Nation. Kein Wunder: War nicht er es, der als erster nach Hilfe des Staates für die angeschlagene Finanzbranche schrie?

Und jetzt wolle er sich schämen, wenn seine Bank auch nur einen Cent der Hilfsgelder in Anspruch nehme? Ob nun die Deutsche Bank Hilfsgelder braucht oder nicht: Es war ein feiner Schachzug des Herrn Ackermann: Volkswirtschaft hin, Volkswirtschaft her – für ihn gelten nur die eigenen Interessen. Ackermanns Spruch beflügelte den Aktienkurs der Deutschen Bank – im Gegenteil zu den Kursen anderer Banken, die wohl schon zu laut darüber nachdachten, die angebotenen Hilfsgelder in Anspruch zu nehmen.

Bildersuche im Internet droht das Aus

Damit war längst zu rechnen. Die Bildersuche bei Google ist urheberechtlich bedenklich. Dabei geht es in einem Rechtsstreit zunächst um die daumennagelgroßen Vorschaubildchen (Thumbnails). Schon munkelt man, dass der Bildsuche im Internet das Aus droht.

Dann ist aber auch die Textsuche über Suchmaschinen kritisch zu beäugen. Immerhin zeigt z.B. Google kleine Ausschnitte aus Texten an, wenn es etwas den Suchkriterien Entsprechendes gefunden hat. Auch das müsste dann als Verstoß gegen Urheberrecht gewertet werden, Oder?

Wörterbuch der Szenesprache

Jede jugendliche Lifestyle-Szene (klingt gut, gelt?) hat so ihre sprachlichen Trends. Als etwas älterer Erwachsener fragt man sich da schon manchmal: Was geht, Alter? – erinnert sich dann aber wohl auch an eigene Sprüche aus seiner Jugendzeit. Da vieles nicht im Duden steht, so bietet die Sprachnudel eine Übersicht über die Szenesprache. Damit kann man jetzt auch den eigenen Nachwuchs besser verstehen …

Joan Armatrading 1983 live In Sydney/Australien

In diesen Tagen habe ich wie bereits geschrieben (im Beitrag Joan Armatrading & die Unabhängigkeit von St. Kitts und Nevis 1983) eine alte VHS-Videokassette ausgegraben, die ein intimes Filmporträt von Joan Armatrading und ihrer Musik enthält.(„An intimate film portrait …“). Es enthält neben kleinen Videoschnipseln (live und Videoclips) und dem Betrag über Joans Aufenthalt 1983 auf der Karibikinsel St. Kitts anlässlich der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten des Inselstaates, auf der sie im Dezember 1950 geboren wurde, einen Konzertmitschnitt vom 27. August 1983 aus Sydney in Australien.

Joan Armatrading: Track Record (1983)

Die Videokassette heißt übrigens „Track Record“ wie das ebenfalls 1983 erschienene Album und ist nicht mehr käuflich erhältlich. Ich habe mich also daran gemacht und die gesamte Kassette von rund 75 Minuten digital auf meinen Rechner übertragen. Und wer Interesse hat, kann sich die Videos vom Sydney-Konzert hier an Ort und Stelle (oder bei youtube) anschauen und -hören. Es ist nicht mehr ganz die Joan Armatrading, die ich die Jahre zuvor selbst in mehreren Konzerten in Deutschland kennen gelernt habe. Sie wurde musikalisch aufgepop(p)t, was zwar zu mehr Erfolg kommerzieller Art führte, Joan aber von ihren musikalischen Wurzeln entfernte. Wie gut, dass sie heute zu diesen Wurzeln (und auch zu den Wurzeln des Blues) zurückgefunden hat.

Hier die Setlist des kleinen Konzerts:

Rosie
I ’m Lucky
Love and Affection
My Myself I
Show Some Emotion
Willow


Joan Armatrading 1983 live In Sydney/Australien

Joan Armatrading & die Unabhängigkeit von St. Kitts und Nevis 1983

Am 9. Dezember 1950 wurde Joan Armatrading in Basseterre auf der Karibik-Insel Saint Kitts geboren. Schon früh kam sie als Kind mit ihren Eltern nach England und wuchs in Birmingham auf.

Im September des Jahres 1983 kehrte Joan Armatrading für kurze Zeit nach St. Kitts zurück, um als Ehrengast an der Unabhängigkeitsfeier des Inselstaates St. Kitts und Nevis am 19. September 1983 teilzunehmen. Der Zwei-Insel-Staat hat gerade einmal knapp 50.000 Einwohner, und neben Kim Collins, dem Weltmeister über 100 m 2003 in Paris, dürfte Joan die bekannteste lebende Person sein, die dort geboren wurde.

In meinem kleinen Musikarchiv habe ich nun eine VHS-Videokassette hervorgekramt, die Ende 1983 erschienen ist und in einer längeren Reportage über diesen Besuch von Joan Armatrading auf St. Kitts berichtet. Dabei besuchte sie auch ihr Geburtshaus. In einem längeren Gespräch erzählt sie von ihrem Leben, ihrer Karriere und ihrer Musik. Unterbrochen wird dieses Gespräch durch kleine Mitschnitte von Live-Auftritten und Videoclips.

Hier ein Video über die Unabhängigkeitsfeier in Basseterre/St. Kitts vom 19. September 1983. Als Vertreter des britischen Königshauses sehen wir Prinzessin Margaret, die Schwester von Königin Elizabeth II. Joan Armatrading singt im Anschluss ihr frisch komponiertes Lied „Heaven“:


Joan Armatrading & die Unabhängigkeit von St. Kitts und Nevis 1983

Übrigens: Joan Armatrading hat sich auch als Gastsängerin (besser: Gastsprecherin) betätigt. So ist sie in dem Lied „Don’t Lose Your Head“ auf dem Album „A Kind of Magic“ der Gruppe Queen aus dem Jahre 1986 zu hören.

Ian Anderson privat

Vor einiger Zeit hatte ich auf einen Fotoband von Didi Zill aufmerksam gemacht, in dem dieser in etwa 250 Fotos die Gruppe Jethro Tull mit Frontman Ian Anderson abgebildet hat. Es zeigt neben Konzertbildern auch einige wenige private Fotos mit Ian Anderson und Familie, die im Juli 1984 auf dessen Anwesen irgendwo in Buckinghamshire (soll wohl richtig Wiltshire sein) aufgenommen wurden.

Familie Ian Anderson 1984

Ian Anderson mit Frau Shona, Sohn James Duncan & Tochter Gael

Familie Ian Anderson 1984

1976 heiratete Ian Anderson Shona Jacqueline Learoyd, Tochter eines reichen Wollproduzenten. Er lernte sie durch ihre Tätigkeit bei der damaligen Tull-Plattenfirma Chrysalis Records kennen. Nach mehreren Umzügen, auch nach Schottland, lebt das Paar gegenwärtig in Wiltshire in England. Sie haben zwei Kinder. James Duncan Anderson ist ebenfalls ein Musiker (und hat auch schon bei Studio- und Live-Auftritten mit seinem Vater mitgewirkt), während Tochter Gael in der Filmbranche tätig ist.

Siehe auch: Ian Andersons FrauenJames Duncan

Illustre musikalische Gesellschaft

1976 gründete der britische Thronfolger, der Prince of Wales, also Prinz Charles, eine wohltätige Einrichtung, den Prince’s Trust, der seitdem verschiedene karitative Projekte betreut. Um genügend Geld in die Kassen dieser Einrichtung zu bekommen, veranstaltet der gute Prinz seit 1982 die so genannte Prince’s Trust Gala, zu der sich seitdem einmal im Jahr immer eine illustre Gesellschaft weltbekannte Musiker einfindet. Im ersten Jahr war das u.a. Jethro Tull, die mit Phil Collins am Schlagzeug (innerhalb der Band war die Stelle des Schlagzeugers damals vakant) u.a. die Stücke Jack in the Green und Pussy Willow dem spendenfreudigen Publikum im Dominion Theatre in London am 21.07.1982 zu Gehör brachte.

1986 feierte Prinz Charles das 10-jährige Bestehen dieser Institution mit einer Birthday Party, einem The Prince’s Trust All-Star Rock Concert, in der Wembley Arena, gleich gegenüber dem gleichnamigen Stadion, das inzwischen abgerissen und wieder neu aufgebaut wurde.

Unter den erlauchten Gästen befanden sich u.a. Rockgrößen wie Eric Clapton, Mark Knopfler, Elton John, Phil Collins (wohl der Hausschlagzeuger der Gala), Sting, Brian May usw. So gab u.a. Suzanne Vega ein Lied zum Besten. Und auch Joan Armatrading durfte ein Stück von ihrem damals neuesten Album „Sleight of Hand“ vortragen: Reach Out. Die angesprochenen Herren (Eric Clapton, Mark Knopfler, Elton John und Phil Collins vermag ich zu identifizieren, sollte Sting den Bass rühren?) waren sich nicht zu schade, Joan zu begleiten, die neben gesanglicher auch handfertige Geschicklichkeiten auf einer weißen Stratocaster bewies.

Jetzt bin ich im Internet über einen (nicht immer ganz legalen) Downloadbereich gestolpert, der genau dieses Lied von und mit Joan Armatrading anbietet. Und da bisher bei youtube dieses Video nicht zu sehen war, habe ich die Chance ergriffen, es bei dem einen herunter-, bei dem anderen hinaufzuladen. Hier also das einmalige Zusammentreffen eigentlich so unterschiedlicher Musiker wie z.B. Eric und Joan zu einem durchaus fetzig-rockigen Musikereignis:


Joan Armatrading: Reach Out (1986) – MyVideo

Hirschhausen und die buddhistische Bahn

Mit Comedians habe ich meist nicht viel am Hut. Comedy heute ist meist nicht mehr das, was uns Komiker der alten Schule als Humor anzubieten hatten. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Ist auch gut so, wie z.B. im Falle eines Bodo Wartke. Und jetzt gibt es auch schon einen promovierten Mediziner, der quasi die Seite gewechselt hat, uns nicht mehr durch horrende Rechnungen das letzte Zipfellein Heiterkeit raubt, sondern im Gegenteil medizinisches Wissen und Witz derart mischt, dass es uns zum Schmunzeln bringt: Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Und neben Bühnen- und TV-Auftritten (darf auch bei youtube bewundert werden) kann der Herr Doktor jetzt auch gelesen werden. Außer dem lachenswerten Nachschlagewerk Langenscheidt Arzt-Deutsch / Deutsch-Arzt gibt es z.B. beim Rowohlt Taschenbuch Verlag Die Leber wächst mit ihren Aufgaben: Kurioses aus der Medizin.

Letzeres hat mein Ehegesponst käuflich erworben, zur nächtlicher Stunde gelesen und durch ihr Lachen meinen Schlaf gestört. Jetzt habe ich selbst einen Blick in das Machwerk hineingeworfen und bin gleich auf eines meiner Lieblingsthemen gestoßen: die Deutsche Bahn AG. Hier gewissermaßen als Leseprobe das kleine Kapitel:

Die Bahn – Buddha-Fahrt im ICE

Eigentlich stehe ich als Arzt ja unter Schweigepflicht. Also: Das muss wirklich unter uns bleiben. Ich bin da einem Riesending auf der Spur. Eine große deutsche Institution ist vermutlich schon seit längerem fest in der Hand einer Glaubensgemeinschaft. Die Deutsche Bahn! Alles Buddhisten.

Ich kam darauf, als ich zum wiederholten Male im ICE gegen diese Glasschiebetür rannte. Ich dachte, es muss doch technisch möglich sein, dass die sofort aufgeht und nicht immer mit drei Sekunden Verzögerung. Gibt es Elektronik mit Beamtenmentalität? Nein, die machen alles genau so, wie sie es machen, um uns die Tugenden östlicher Religionen zu lehren.

Du rennst geistesabwesend gegen die Tür und hast unmittelbar eine Meditationserfahrung: Du bist plötzlich ganz im Moment, spürst nur dich und deinen Schmerz. Dann gleitet die Tür majestätisch zur Seite und gibt dir mit auf den Weg: „Pilger. Weltenbummler. Wüstensohn. Was rennst du offene Türen ein? Erwache! Genieße das Leben – in vollen Zügen!“ Das ist die geheime Botschaft der Bahn.

In alten Schriften habe ich gesucht und weitere Beweise für meinen Verdacht gefunden:

„ya a shâstravidhim utsrjya varate kâmakârata a
na sa siddhim avâpnoti na sukham na parâm gatim.”

“Doch wer nach seiner Willkür lebt, nicht achtend heiliges Gesetz,
Nicht erreicht Vollendung der, nicht Glück und nicht höchste Bahn.”

Doch damit nicht genug: Die größte Schule des Buddhismus nennt sich Mahayana. Wörtlich übersetzt: Großes Fahrzeug, das vielen Menschen Platz bietet. Muss ich noch deutlicher werden? Buddha sagt: Du sollst nicht nehmen, was dir nicht gegeben ist. Die Bahn sagt: Nehmen Sie den Nächsten! Buddha spricht: Alles Begehren muss man „fahrenlassen“. Das gilt auch für das menschliche Begehren, im Zug zu schlafen. Früher konnte man die Armlehnen hochklappen und sich einfach quer hinlegen. Aber seit die Buddhisten die Bahn unterwandert haben, gibt es ergonomische Sitze, in denen es unmöglich ist, eine bequeme Schlafposition zu finden. Buddha heißt nicht umsonst: der Erwachte!

Sollte man doch einmal aus Versehen eingeschlafen sein, wechselt garantiert das Zugpersonal und weckt dich wieder auf. Das nenn ich Service. Das grenzt schon ans Hinduistische: die ewige Wiederkehr der Gleichen.

Die nennen sich auch nicht mehr Schaffner, nur noch „Begleiter“, um das Spirituelle ihres Tuns zu unterstreichen. Das sind Bodhisattwas, ruhende Seelen, die nur noch aus Mitleid im Diesseits und im Dienst verweilen. Du spürst, die müssen das alles nicht mehr tun. Sie tun es aus Liebe zu uns. Du fragst sie etwas Konkretes, zum Beispiel: „ Wann sind wir denn endlich da?“, und sie antworten mit einem Mantra: „OMMMMM.“

Was ist ein Kursbuch anderes als ein Kamasutra für Triebwagen? “Evam pi me no. Tathâ ti pi me no. Annyathâ ti pi me no. No ti pi me no. No no pi me no ti.” Übersetzt: Wenn du mich so fragst und ich dächte, das wäre so, so würde ich dir dementsprechend antworten. Aber so denke ich nicht. Ich denke nicht: Es ist so! ich denke auch nicht: Es ist anders!

Wow, vor über 2000 Jahren beschreibt jemand exakt die Dialoge am Service Point der Deutschen Bahn! Wie können die Menschen dort im größten Chaos so gelassen hinter ihrem Tresen hocken? Die meditieren! Der Tresen ist extra so gebaut, dass man nicht sehen kann, dass sie im Lotussitz sitzen. Und ab dem zweiten Lehrjahr ganz ohne Stuhl!

Der Frühbucher-Rabatt. Was bedeutet das? Geh in dich, und du weißt, wann du in sechs Monaten mit welchem Zug fahren willst. Denn alles ist vorherbestimmt. Wer daran nicht glaubt, soll ruhig mehr zahlen.

Es geht der Bahn nicht ums Geld, im Gegenteil, nehmen wir nur die 1. Klasse: Mal ist sie ganz vorne am Zug, mal ganz hinten – aber nie in der Mitte vom Bahnsteig. Wer am meisten zahlt, muss das Gepäck am weitesten schleppen, bis dahin, wo das Dach zu Ende ist und man mit dem ganzen Geld im Regen steht. Die Bahn will uns lehren: Wer reich ist, findet schwer zur Mitte. Dabei wartet in der Mitte das freundliche Team der Mitropa. Die Mitte ist Mitropa. Mitropa ist Nirwana. Der Ort, wo alles Begehren für immer aufhört! Wir können im Speisewagen so viel lernen: Nichts wird so heiß gegessen, wie es aufgetaut wird. Sie verwenden nur Fleisch von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Kellner lehren uns: Zeit ist eine Illusion.

Oder das: Du schaust im Bahnhof aus dem Speisewagen auf einen anderen Zug. Und plötzlich könntest du schwören, dass du dich bewegt hast. Aber in Wirklichkeit wurde nur ganz langsam der Bahnhof weggeschoben. Trug der Bewegung. Fahr-Schein!

Der Verstand muss zum Schweigen gebracht werden. Deshalb bringt uns die Bahn auch mit buddhistischen Koans um den Verstand, unlösbaren Rätselfragen wie: „Wenn ein Baum im Wald umfällt und keiner in der Nähe ist, um es zu hören – gibt es trotzdem ein Geräusch?“ Oder. „Wenn ein Mann im Wald spaziert und keine Frau ist in der Nähe – ist er trotzdem im Unrecht?“

Die Bahn steht dem in nichts nach. Ihre schönste Meditationshilfe steht auf den Anzeigetafeln im Regionalverkehr. Wörtlich: ZUG HÄLT NICHT ÜBERALL.

Zug hält nicht überall? Wer das versteht, der ist erleuchtet! Es gibt Hoffnung für uns alle, danke, Bahn!

aus: Dr. med. Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben (9. Auflage Juni 2008 – Originalausgabe – Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg) S. 212-214

Mein Lieblingsplatz: Durch die Wüste

Zum Jahres- und Jahrtausendwechsel 1999/2000 verbrachte ich zwei Wochen mit meinen Lieben im Süden Tunesiens in der Oasenstadt Tozeur. Von hier unternahmen wir zwei Abstecher in die Wüste. Wüsten nehmen mehr und mehr Raum auf unserem Planeten ein und bestehen nicht allein aus Sand (Sandwüste = Erg), sondern können sowohl als Stein- oder Felswüste, Kieswüste, Salz- oder Eiswüste bestehen. Auf Island z.B. haben wir Stein- und Geröllwüsten sowie Eiswüsten (Gletscher) kennengelernt. Und bei unserem Besuch in Süd-Tunesien sind wir nicht nur durch Sandwüsten, sondern auch durch eine Salzwüste (dem Schott el Djerid – eigentlich ein Salzsee, der aber zum größten Teil ausgetrocknet ist) gekommen.


Oase Ksar Ghilane/Süd-Tunesien

Wüsten, besonders Sandwüsten, üben eine ungewöhnliche Faszination aus. Wer zur Abendstunde, wenn die Sonne untergeht, über eine Sanddüne wandert, erlebt einen Wechsel der Farben, wie man diesen sonst nirgendwo erlebt. Strahlt der rote Sand zunächst noch im knalligstem Rot, so wechselt dieser urplötzlich in einen grau-roten Farbton, so als stürbe die Wüste.

Niemand kommt so aus der Wüste heraus, wie er hineingegangen ist, besagt das Sprichwort. Oder: Das Wasser wäscht den Körper, die Wüste wäscht die Seele! (Ibrahim al-Koni) Wir empfanden es ähnlich. Die Wüste ist wie ein Meer, nur ohne Wasser.

Sanddünen bei Bechri - durch Erosion entstanden

Schattenspiel in der Erg-Wüste bei der Oase Ksar Ghilane

Sanddünen bei Bechri – durch Erosion entstanden

Schattenspiel in der Erg-Wüste bei der Oase Ksar Ghilane

Nach dem Frost in der Nacht am Morgen Raureif

Kamelritt durch die Wüste bei Zaafrane

Nach dem Frost in der Nacht am Morgen Raureif

Kamelritt durch die Wüste bei Zaafrane

Amy Macdonald – neue Stimme am Folkrock-Horizont

Ich hatte wieder beim Fabchannel hineingeguckt und bin gleich über sie gestolpert: Amy Macdonald, gerade einmal 21 Jahre alt, aus Schottland und mit kräftiger Stimme. Ihr Stil: Folkrock. Eher schlicht, dafür gradlinig kommt sie daher. Mal sind die Lieder eher leis und poetisch, dann wieder kraftvoll und rockig. Also Folkrock vom Feinsten – wie ich finde.

Amy Macdonald

Der Auftritt von Amy Macdonald bei Fabchannel lässt sich hören (und sehen). Und ansonsten finden sich viele Videosclips auf ihrer Website oder auch bei youtube.

Längst ist sie auch kein Geheimtipp mehr, ihr Album „This Is The Life“ (2007) hat sich ganz oben platziert – wie einige Singleauskopplungen ebenso.

Foto-Galerie: Amy McDonald