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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Köstlich

Erst dachte ich: Naja, noch so ein Kochbuch, das irgendwo verstauben wird! Aber schon ein erster Blick belehrte mich eines Besseren: Das Gourmet Handbuch von Udo Pini ist eine köstliche Angelegenheit. Denn es ist kein Kochbuch, es ist ein kulturhistorisches Repertorium, mit einer Reichweite von Arabien bis Amerika, von Indien bis Europa. Hauptdarsteller sind unsere (Grund-)Nahrungsmittel: Fleisch, Fisch, Gemüse, Getreide, Milch, Wein, Gewürze, Vitamine, Minerale. Aber es geht dabei nicht um das ‚ledige’ Lebensmittel, um Essen und Trinken, es werden Herkünfte aus Mythologie, Geschichte, Länder- und Landeskunde, Biologie und Zoologie einerseits, die Zubereitungen durch Techniken und Traditionen, Normen und Namen andererseits beschrieben.

Aber es führt uns noch weiter: Über Kannibalismus bis hin zum himmlischen „Manna“ finden sich Artikel, die über Gebratenes und Gesottenes hinausgehen.

Alles in allen ein Genuss – und das nicht nur für Gourmets, sondern auch für Literaturgenießer. Mit viel Witz und Wissen offeriert uns hier der Autor die ganze Welt der Küche und die Küche als Kosmos. Und das mit vielen Illustrationen auf weit über 1000 Seiten zu einem Preis, für den man nicht einmal ein Rumpsteak in einem Restaurant bekommt.

Phantasie ohne Grenzen

„Fantasy“ gibt es nicht erst in der neueren Literatur oder als kinematische Errungenschaft. Schon in früheren Jahrhunderten gab es Schriftsteller, die ihre eigenen Welten erschufen mit Monstren, Riesen oder Zwergen, also all den Zutaten, wie wir sie heute als „Fantasy“-Erzeugnisse finden.

Hier nur eine kleine, aber feine Auswahl und jeweils als Insel Taschenbuch in schmucker Ausführung (d.h. mit vielen sehr schönen Illustrationen) zu moderaten Preisen erhältlich. Ich erwähne diese Bücher, weil ich sie selbst mit Lust und viel Spaß und Freude gelesen habe:

François Rabelais (1493 oder doch schon 1483 bis 1553): Gargantua und Pantagruel

Gargantua und Pantagruel erstreckt sich über zwei Bände und weit über 800 Seiten.

Freund, der du dies Buch durchblätterst,
Laß dich nicht in Harnisch bringen,
Daß du mir nicht tobst und wetterst,
Denn du find’st von schlechten Dingen
Nichts drin. Ob arg viel Gutes?
Weiß ich nicht, ’s wär‘ denn das Lachen!
Und ich will euch lachen machen.
In der Dumpfheit eures Blutes
Kann euch ja kein Scherz gelingen!
Eure Tränen steh’n euch schlecht:
Lachen! das ist Menschenrecht!

Hermann Hesse schrieb über das Werk: „Mag sein Loblied auf das Leben noch so maßlos, sein Humor noch so derb, seine Freude am Saftigen und Quellenden noch so trunken sein, er ist dennoch heute noch wunderbar lebendig, und ein Kapitel aus dem Gargantua mag einem heutigen Leser recht wohl als Katerfrühstück nach der Lektüre problematischer Tagesliteratur dienen“.

Miguel de Cervantes (1547 – 1616): Don Quixote

Der scharfsinnige Ritter Don Quixote von der Mancha dürfte vielen bekannt sein. Als Insel Taschenbuch kommt das gesamte Werk auf drei Bände und über 1300 Seiten. Auch hierzu äußerte sich Hermann Hesse: „… eines der grandiosesten und zugleich entzückendsten Bücher aller Zeiten, die Geschichte des irrenden Ritters und seiner Kämpfe mit eingebildeten Bösewichtern und seinen fetten Knappen Sancho, zweier unsterblicher Figuren“.

Jonathan Swift (1667 – 1745): Gullivers Reisen

Gullivers Reisen finden wir meist in einer Jugend-Ausgabe vor, obwohl das gesamte Werk (diesmal nur in einem Band, aber auch mit immerhin knapp 500 Seiten) eine kritische Auseinandersetzung mit seinen Zeitgenossen darstellt und von daher schon nicht immer jugendfrei ist.

François Rabelais

Miguel de Cervantes

Jonathan Swift

François Rabelais

Miguel de Cervantes

Jonathan Swift

Alle drei Werke sind, wie bereits erwähnt, mit großartigen Illustrationen versehen. Bei Rabelais und Cervantes stammen diese von Gustave Doré. Für Swifts Gulliver zeichnete Grandville. Ich wünsche großes Lesevergnügen!

Jango Edwards – Clown und Chaot

Mitte der Siebziger Jahre gastierte Jango Edwards mit der Little Big Nose Band auch in Bremen und ich besuchte mit Freunden und Bekannten den Auftritt. Durch Zufall fiel mir jetzt als Bild ein Zeitungsausschnitt aus jenen Tagen in die Hände, das Edwards so gut wie nackt als Hari Xmas mit den ‚Flying Assholes’ zeigt. Dadurch neugierig geworden forschte ich im Internet nach, was aus Jango Edwards nach über 30 Jahren wohl geworden ist. Er lebt inzwischen in Barcelona, Spanien und betreibt dort mit seinem Partner Peter Ercolano u.a. eine Clownschule und veranstaltet Workshops.

Edwards zählt zu den Pionieren der Comedy auf der ganzen Welt. Der US-Amerikaner gründete das weltbekannte Amsterdamer „Festival Of Fools“, welches von 1975 bis 1984 eines der wichtigsten Festivals für Clowns weltweit war. Mit seinen ersten Comedysketchen und seiner „Friends-Road-Show“ begründete Edwards einen ganz neuen Trend im Clownsspiel. Jango Edwards arbeitet mit all seinen Talenten und Fähigkeiten unter anderem als Pantomime, Tänzer, Jongleur, Komponist, Autor, Magier, Professor, Schauspieler, Ehemann, Choreograf, Produzent und Regisseur. Er schreibt Comedy-Shows seit über 30 Jahren und spielte in Europa, Amerika, Russland, Australien und Afrika. Jango Edwards produzierte Fernsehserien und zahlreiche Filme, Dokumentationen und prämierte Werbespots.

Seine begeisterten Zuschauer waren bis heute unter anderem die Königin von Holland, Bundeskanzler Helmut Schmidt, Salvatore Dali, Catherine Deneuve, Federico Fellini, Francis Ford Coppola, die Athleten des olympischen Dorfes in Barcelona, die Zuschauer des Zirkus Roncalli und die Rolling Stones.

In „CLASSIC DUO“ zeigen Jango Edwards und sein Gegenpart Peter Ercolano eine Auswahl ihrer besten Sketche, die sie solo oder zusammen auf die Bühne gebracht haben. Ob es der japanische Elvis-Imitator FuCanSing ist, Juanita Banana, Jerry Lewis’ Schreibmaschinennummer, Mikrofonartistik, die Pantomimennummer „The Weazer“, die Bierorgie „Six Pack“ oder die legendäre Zwei-Mann-Big-Band. Bei CLASSIC DUO darf keine Nummer fehlen, die in den letzten Jahrzehnten auf der ganzen Welt für Furore gesorgt hat. Dabei sein wird natürlich auch der erste Comedy-Stunt der Geschichte: der legendäre „Death-defying-dive-head-first-into-a-glass-of-water“!

Jango Edwards wurde am 15. April 1950 in Detroit, Michigan/USA geboren und ist nach eigener Definition ein „Kreuzritter des Lachens“, aber vor allem einer der großen Komiker unserer Zeit. Seit 30 Jahren ist er überall in der Welt unterwegs, in seiner Mission Lachen und Frohsinn zu verbreiten und hat dabei die Clown- und Foolszene wesentlich belebt und beeinflusst. Er ist sowohl Verteidiger und Überlieferer der traditionellen Clownkünste, als auch Vorreiter der “nouveau clown”-Bewegung.

Seine Shows sorgten und sorgen wohl auch heute noch mit den körperbetonten Elementen oft für regelrechte Schockreaktionen beim Publikum. Es ist daher Vorsicht vor diesem Clown geboten. So schlüpft der „King of Fools“ z.B. in ein graues, schmuddeliges Omakleid mit angenähten Riesentitten, die ganz wunderbar an ihm herumschaukeln. Geschmacklosigkeit ist vorprogrammiert. Brilliant seine Slapsticks, genial auch die an Monty Python erinnernden Videoeinspielungen. Bekannt ist auch der Spaghetti-Koch (die Pasta flieg garantiert ins Publikum).

Überhaupt bezieht Jango Edwards sein Publikum gern mit ein. So sind die „interaktiven“ Plätze in den vordersten Tischreihen besonders attraktiv. Damals wie heute gilt es, nicht die besten Klamotten anzuhaben, denn man wird bestimmt ‚nass’ gemacht. Vieles ist äußerst derb und teilweise auch recht albern. Jango Edwards ist aber längst eine Kultfigur.

Jango Edwards

Jango Edwards Mitte der 70-er Jahre: Flying Assholes

Jango Edwards als Hari Xmas

Jango Edwards als Hari Xmas

Jango Edwards, der "King of Fools"

Natürlich gibt es auch bei youtube.com einige Videos mit Jango Edwards. Hier der bereits erwähnte Sketch: Sixpack und von einem Auftritt in Cannes 1993 gleich insgesamt acht Videos (leider laufen Video- und Tonspuren nicht synchron):


Jango Edwards: Sixpack

Scheune Wiehnachten

Wiehnachtenobend,
denn goht wo no boben,
denn pingelt de Klocken,
denn danzt de Poppen,
denn piept de Müüs
in Grooßvadder sien Hüüs.

Rudolf Kinau (plattdüütsche Dichtersmann von Finkenwerder)

Willi, der Weihnachtsmann

Wiehnachtsmann, kennst du mi?
Ick bün gor nich bang vör di.
Vadder seggt, du sleist mi,
Mudder seggt, du eist mi.
Un ick glööv, wat Mudder seggt:
Du büst doch een goden Knecht.

Königliche Botschaft per Internet

Im Fernsehen und im Radio ausgestrahlte Weihnachts- oder Silvesterbotschaften gekrönter und gewählter Häupter sind in vielen Ländern Tradition. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr die britische Queen ihre Weihnachtsbotschaft am 25. Dezember nicht nur per Radio und Fernsehen übertragen, sondern über das Videoportal YouTube auch weltweit im Internet zu sehen sein.

Queen @ Xmas

Wie ein Sprecher des Buckingham Palasts mitteilte, hat das Königshaus seit Sonntag, den 23.12., eine eigene Video-Internetseite, auf der heute zum 1. Weihnachtsfeiertag ab 16 Uhr auch die Ansprache der britischen Monarchin abgerufen werden kann. Schon vorher können sich Anhänger auf YouTube frühere Weihnachtsbotschaften sowie alte und neue Aufnahmen der britischen Königsfamilie anschauen: The Royal Channel

siehe zdf.de: Briten haben eine Online-Queen

Fröhliche Weihnachten

Fliegender X-man

Fröhliche Weihnachten ...

Fliegender X-man

Ja, wieder ist ein Jahr fast zu Ende und wir feiern Weihnachten. Das ist immer ein Anlass, all denen zu danken, die uns etwas bedeuten. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die fast regelmäßig meinen Blog besuchen (so aufs Jahr gerechnet sind das fast 120.000, ich glaube es kaum). Ich hoffe, dass Ihr das weiterhin tut. Für Euren Besuch möchte ich Euch hiermit danken und Euch ein geruhsames, friedvolles Weihnachtsfest wünschen mit möglichst wenig Stress. Und ich wünsche Euch ein gutes Neues Jahr 2008, in dem alles für Euch in Erfüllung geht, das Ihr Euch wünscht. Für den einen oder anderen Kommentar zu meinen Beiträgen hier wäre ich natürlich auch dankbar. Aber das müsst Ihr halten wie Ihr wollt …

Nun denn, entspannen wir uns in diesen Tagen und lassen uns verwöhnen (oder besser noch: verwöhnen die Menschen, die uns etwas bedeuten, sie haben es verdient).

Merry Christmas & Happy New Year (englisch)
Joyeux Noël et Bonne Année! (französisch)
Feliz Navidad y Próspero Año Nuevo (spanisch)
Buon Natale e Felice Anno Nuovo (italienisch)
Nollaig chridheil huibh (schottisches Gälisch)
Nadolig LLawen a Blwyddyn Newydd Dda (walisisch)
Vrolijk Kerstfeest en een Gelukkig Nieuwjaar! (niederländsich)
Prejeme Vam Vesele Vanoce a stastny Novy Rok (tschechisch)
Glaedelig Jul (dänisch)
Gledileg Jol og Farsaelt Komandi ar! (isländisch)
Wesolych Swiat Bozego Narodzenia (polnisch)
Hristos s-a Nascut si Anul Nou Fericit (rumänisch)
Meri Kirihimete (Maori)
Sinifesela Ukhisimusi Omuhle Nonyaka Omusha Onempumelelo (Zulu)
Natale hilare et Annum Nuovo! (latein)

 

Also fröhliche Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr 2008
  

siehe auch meinen Beitrag: Weihnachten bei AlbinZ

Ein Hauch von Winter

Zum Weihnachtsfest wünscht man sich hier zu Lande gern Schnee, Frost und etwas Sonne, besonders natürlich Schnee. In den Niederungen sieht es damit schlecht aus. Zwar haben wir den dritten Tag Dauerfrost und der Hochnebel ist seit gestern Mittag der Sonne gewichen. Aber das seit vielen Tagen wetterbestimmende Hoch zieht mehr und mehr in Richtung Südosten, sodass bereits spätestens zum Heiligabend eine Wolkendecke beginnt, über Deutschland zu ziehen. Und da die Temperaturen dabei eher steigen, so wird es spätestens Ende der nächsten Woche nicht Schnee, sondern Regen geben.

Aber wenigstens ein Hauch von Winter überzieht mit Raureif die norddeutsche Tiefebene. Und da für dieses Jahr Arbeit Arbeit und Schule Schule gewesen ist, lasse ich mich gern mit meinen Lieben winterlich-weihnachtlich einstimmen. Und durch den Frost sind auch die ersten Eislichter fertig und beleuchten den Zugang zu unserem Haus.

Raureif in Tostedt - Dezember 2007

Raureif in Tostedt - Dezember 2007

Raureif in Tostedt – Dezember 2007

Klosterbiere

Es gab einmal in Bayern knapp 30.000 Brauereien. Davon waren viele so genannte Haus- oder Dorfbrauereien, also Brauereien, die lediglich die Gaststätten einer Gemeinde belieferten. Fast jedes Kloster hatte seine eigene Brauerei.

Als ich vor vielen Jahren mit einem Freund die Rhön besuchte, damals noch als Zonenrandgebiet ausgewiesen, kamen wir auch zum Kloster Kreuzberg. Das Kloster des Franziskaner-Ordens steht in der landschaftlich reizvollen Rhön auf dem 928 m hohen Kreuzberg und betreibt seit 1731 eine eigene Brauerei. Es wurde ein untergäriges Dunkelbier ausgeschenkt mit einer Stammwürze von 12,5% (Alkoholgehalt: 5,4%) und schmeckte sehr lecker. Wir kamen dabei auch mit einem Franziskaner-Mönch ins Gespräch, der auf Besuch im Kloster war. Es war im besten Sinne ein Gespräch über Gott und die Welt. Wir nahmen die Gelegenheit wahr und übernachteten für eine Nacht in einem zwar eher spartanischen, dafür aber auch preiswertem Zimmer.

Kloster Kreuzberg

Das Kreuzberger Klosterbier ist lediglich im Kloster selbst in Siphonflasche zu 2,0, 3,0 und 5,0 Litern und als Fassbier von 5 bis 50 Litern zu kaufen. Jetzt zur Weihnachtszeit gibt es u.a. einen untergärigen Weihnachts-Bock (Stammwürze: 17,5% – Alkoholgehalt: 7,6%), das ein Viertel Jahr gelagert wurde und … nur für geübte Biertrinker geeignet ist (gilt grundsätzlich für alle Bockbiere).

Kreuzberger Klosterbier Kloster Andechs Kloster-Brauerei Scheyern
Kreuzberger Klosterbier Kloster Kreuzberg/Rhön) Kloster Andechs Kloster-Brauerei Scheyern

Um es gleich zu sagen: Ich bin weit davon entfernt, ein Trunkenbold oder gar Alkoholiker zu sein (aber das glauben ja selbst die schlimmsten Saufbolde). Ich gestehe aber, sehr gern ein gehaltvolles Bier zu trinken. Schön süffig sollte es sein (daher kann man mich mit Pils eher jagen). Und da findet meine ‚Trinkerseele’ natürlich in Bayern seine Heimat. Gleich bei mir um die Ecke gibt es einen gutsortierten Getränkeladen, der einen guten Draht zu bayerischen Brauereien hat. Und so finde ich dort auch immer wieder einen Kasten Klosterbier aus Bayern.

Sehr beliebt ist das Doppelbock Dunkel aus dem Kloster Andechs. Das Kloster Andechs auf dem „Heiligen Berg“ ist heute „nur noch“ ein Priorat (ein von einer Abtei abhängiges und einem Prior geleitetes Kloster) der Benediktiner. Die Klosterbrauerei Andechs besteht seit 1455.

Der Andechser Doppelbock Dunkel ist stark und süffig und aus dunklen bayerischen Malzen, im traditionellen Dreimaischverfahren eingebraut. Er enthält 7% Alkohol und 18,5% Stammwürze, und wird nicht nur zur Starkbierzeit ausgeschenkt.

Ein weiteres Starkbier stammt aus dem Benediktinerabtei Scheyern, wo bereits seit 1119 Bier gebraut wird. Auch hier gibt es einen Doppelbock, ein betont malzig-aromatisches dunkles Bockbier. Mehrere Monate Lagerung geben diesem kräftig gehopftem, süffigen Bier seinen typischen Charakter. Stammwürze: 18,2 % – Alkohol: 7,1 %

Nun denn, ich lass es mir schmecken und kann nur sagen: Prost!

Herman van Veen: Adeste fidelis

Ein wirkliches Highlight bei den Weihnachtsliedern ist für mich das Album „Klassische Weihnachtslieder“ von Herman van Veen und dem Amsterdam Baroque Orchestra unter der Leitung von Ton Koopman aus dem Jahre 1980. Wenn ich das richtig sehe, so gab es 15 Jahre später noch einmal eine Zusammenarbeit zwischen Herman van Veen und dem Orchester, um diese Weihnachtslieder erneut und zusätzliche einzuspielen.

Es gibt im deutschen Sprachraum einige typische Weihnachtslieder von „Stille Nacht, heilige Nacht“ über „O du fröhliche“ bis hin zu „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ (kein Ross, ihr Pfeifen, eine Rose …), die am Heiligabend auch in der Kirche gesungen werden (zumindest in der evangelischen). Ein Weihnachtslied gefällt mir aber besonders: Adeste fidelis.

Mit diesem Lied möchte ich Euch nun ein schönes, geruhsames und auch besinnliches Weihnachtsfest wünschen. Lasst Euch vom Lärm dieser Zeit nicht vereinnahmen, sondern sucht, wenn es auch nur für einige Augenblicke ist, die Ruhe, die uns Kraft gibt. Und schaltet endlich Euren Rechner aus, es gibt auf diesem Globus nicht nur Internet und Gedaddele … Aber, okay, lauscht zuvor noch einmal dem guten Herman …


Herman van Veen: Adeste fidelis

Weihnachten mit Willi und so

Nun, min Deern un Jungs, is ja wieder mal soweit: Weihnachten steht vor der Tür. Aber kein Wahalla-Marsch … Wir lassen das Fest auch so hinein. Soll ja nicht draußen erfrieren.

Weihnachten ist nun einmal viel, viel Arbeit. Muttern huckt in der Küche und backt fleissig Kekse, damit alle was zum Spachteln haben. Und Opa sägt den letzten Tannenbaum im Garten um, soll ja inner guten Stube den Weihnachtsbaum machen, mit Engeln dran, Lametta und so … und natürlich viele Kerzen. Und Vatern muss noch kräftig arbeiten, damit das Weihnachtsgeld stimmt für die vielen Geschenke, die es zu kaufen gibt.

Und die Kinners machen jetzt schon große Augen, die voller Erwartung sind und da der Dinge harren, die auf den Gabentisch kommen. Soll ja was Ordentliches sein.

Und Gustav, die Weihnachtsgans, guckt ganz trübe, als wisse sie, dass sie bald mit Äpfeln gefüllt in den Ofen wandert.

Dann plötzlich ist soweit: Der Weihnachtsmann klopft anner Tür: Ho, ho. ho … und so. Und die Kinners, sonst so frech, machen auf Schüchtern, so als könne sie kein Elb-Wässerchen trüben. Vielleicht schneit es ja auch mal wieder, wäre nicht schlecht.

Schon sagen die Kinners ein Gedicht auf: Lieber, guter Weihnachtsmann, schau mich nicht so böse an … und all den Kram. Und der Weihnachtsmann fuchtelt mit der Rute herum: Wart ihr auch immer alle brav?

Na klar doch …

Und dann gibt ’s Geschenke … Jede Menge … Vatern ist ja kein zauseliger Knauser, der sich lumpen lässt. Alles vom Feinsten. Und zuletzt, wenn der Weihnachtsmann längst bei den Nachbarskinnern ist, wird die Gans aufgefahren. Bischen fett … was soll’s! Vatern und Opa trinken zur Verdauung nen ordentlichen Köm.

Und um zwölwe ist dann Sendeschluss und alles geht ab in die Daunen. Und das war ’s dann auch schon fast wieder.

Ja, das ist so was … mit Weihnachten bei uns! Oder wie wir sagen: Wiehnachten!

Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes

Die frühen Erzählungen von Gabriel García Márquez, zwischen 1947 und 1955 verfasst, jugendlich-schwermütige Texte, sind in einer phantastischen Wirklichkeit angesiedelt und führen thematisch zum Macondo-Mythos hin. Schlaflosigkeit, irrationale Ängste und Alpträume peinigen die Personen der Geschichten. Einsamkeit und Tod sind allgegenwärtig. Da wächst ein Kind 18 Jahre lang in seinem Sarg und führt das Dasein eines Toten, ein Junge legt Rosen auf sein eigenes Grab, eine Frau überlegt, in wessen Leib sie weiterleben könnte.

Die literarischen Anfänge von García Márquez sind beherrscht von fernliegenden Einflüssen, von intellektuellen Kunstgriffen, von schwieriger Selbstbetrachtung. Lesefrüchte (Faulkner, Virginia Woolf, Kafka) verdrängen Bezüge der Familien- und Landesgeschichte, fremde Kulturwerte ersetzen den Genius loci, die Erforschung persönlicher Erfahrungen. Offenbar glaubte der beginnende Schriftsteller, nur das Ausgefallene, die erstaunliche Erfindung sei originell, keinesfalls das erlebte, gesehene, gehörte Ereignis. Seine Personen sind Fremdlinge in der eigenen Umwelt. Die Titel seiner Stücke klingen rätselhaft, gesucht – vielleicht um zu verblüffen, zu befremden. Die Themen sind Tod, Tod im Leben, Leben im Tod, Traum im Leben, Leben im Traum, Traum im Traum. Sie spielen außerhalb von Raum und Zeit, eine konkrete Umwelt lässt sich schwerlich erkennen. Der Autor scheint Zeitlosigkeit anzustreben; und die erinnert an ein keimfreies Wortlaboratorium; an die dünne Luft des L’art pour l’art.

(Aus dem Nachwort von Carl Meyer-Clason, dem Übersetzer)

Gabriel Garcia Marquez

Wie gut, dass García Márquez zu den wunderbaren Geschichten der berühmten Großmutter, auf die der Autor sich später als Arsenal seiner Protagonisten berufen wird, gefunden hat. So wurden Meisterwerke wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ erst möglich.

Er lag in seinem Sarg, bereit, beerdigt zu werden, und wusste trotzdem, dass er nicht tot war. Hätte ersich aufrichten wollen, er hätte es mit aller Leichtigkeit zu tun vermocht. Zumindest „geistig“. Doch es lohnte nicht der Mühe. Es war besser, sich hier sterben zu lassen; am „Tode“ zu sterben, der seine Krankheit war.

aus: Die dritte Entsagung (La tercera resignación – 1947)

Sein Körper, im Wasser der Träume untergetaucht, konnte sich regen, konnte leben, sich in andere Existenzformen entwickeln, in denen seine wirkliche Welt für seine innere Notwendigkeit eine gleichwertige, wenn nicht höhere Emotionsdichte besitzen würde, mit denen die Notwendigkeit zu leben ohne Schaden für seine körperliche Unversehrtheit vollauf zufriedengestellt sein würde. Dann würde die Aufgabe, mit den Wesen, den Dingen zusammenzuleben, viel leichter sein, nebenbei noch in der gleichen Form wie in der wirklichen Welt.

aus: Zwiesprache mit dem Spiegel (Diálogo del espejo – 1949)

siehe auch meine Beiträge
Die Memoiren von Gabriel García Márquez
Die Memoiren von Gabriel García Márquez – Teil 2
Alterssex in der Literatur