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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Heimsuchung in Heiligendamm

Nun beehrt auch uns die politische Elite der sieben führenden Industrieländer samt Russland vom 6. bis 8. Juni und sucht als G8-Gipfel das mecklenburgische Heiligendamm heim. Damit die Damen und Herren in Ruhe tagen können, wurde ein 2,50 Meter hoher und 13 Kilometer langer Zaun rund um die Ortschaft Heiligendamm errichtet. Kosten allein dieses Spaßes: 10 bis 15 Millionen Euro. Mit dieser „technischen Sperre“, wie die Absperrung rund um Heiligendamm offiziell und beschönigend heißt, sollen die Besucher des G8-Gipfels 2007 geschützt werden. Vor wem? Denn: „Der Zaun als solcher richtet sich nicht gegen Demonstranten“, verkündet der G8-Planungsstab.

Planskizze Zaunanlage in Heiligendamm
Wer schützt hier wen vor wem: Zaun in Heiligendamm
Zaun in Heiligendamm Zaun in Heiligendamm

Dass sich im Vorfeld einiger Unmut regt, besonderes in der linken Szene, war nicht anders zu erwarten. Der Vorsitzende der Polizei-Gewerkschaft GdP, Konrad Freiberg, sieht vor dem G-8-Gipfel eine deutlich erhöhte Gefahr von Anschlägen. Der Linksextremismus in Deutschland habe in den Wochen vor dem Gipfeltreffen „eine ganz neue Dimension“ erreicht. Und: Die Aktivisten seien zunehmend bereit, Gewalttaten und auch Anschläge zu begehen. Floskeln, die nicht neu sind, die sicherlich auch berechtigt sind. Warum aber aus dem Munde des Polizei-Gewerkschaftsvorsitzenden? Und warum mussten einen Monat vor dem Gipfel in einer Razzia-Aktion 900 Polizisten insgesamt 40 Wohnungen, Büros und andere Einrichtungen in sechs Bundesländern durchsuchen?

Ob der ganze Gipfel nun 40 oder gar bis zu 65 Millionen Euro kostet, ist fast schon nebensächlich (wieviel mehr Geld wird anderenorts verschwendet) gegenüber diesen in meinen Augen überzogenen Aktionen, die der Staat (vielleicht noch im Namen der Bürger) abzieht. Es ist wohl wieder die deutsche Gründlichkeit, die lieber Porzellan zu Bruch gehen und kurzzeitig Bürgerrechte außer Kraft treten lässt.

siehe auch zdf.de: Krawalle nach Razzien gegen G8-Gegner – mit Mediathek

Was ist bloß mit Ian los? Teil 61: Dr. Bogenbroom

Hallo Wilfried,

ich freue mich, dass Du uns im Internet erhalten bleiben wirst !

Die Focus-Videos sind leider nicht meine Welt. Erstens geht mir deren Musik zu sehr in Richtung Jazz und zweitens bin ein kein großer Freund von Vokalakrobatik, wie sie in Hokus-Pokus zu hören ist. Ohne Zweifel hat sich Mr. Anderson körperlich besser gehalten als Mijnheer van Leer, obwohl dieser mehr Geschmack bei der Wahl der Kopfbedeckung zeigt.

Diese Zeilen schreibe ich einige Stunden nachdem die Alemannia 0:4 in Frankfurt verloren hat. Das war’s dann wohl mit der I. Liga.

Den Kommentar der Kretakatze habe ich gelesen. Woher weißt Du, dass es sich dabei um eine junge Dame handelt ? Unabhängig von Geschlecht und Alter des Verfassers möchte ich einige Worte zu dem Kommentar loswerden: Was dort über die vorherrschende Beschaffenheit von mitteleuropäischen braunen Augen gesagt hat, ist absolut korrekt. Rein braune Augen sind in unseren Breiten selten. Auch ich habe grüne Sprenkel in der Iris, was man gemeinhin mit „haselnussbraun“ bezeichnet. Allerdings, und jetzt kommt’s, gibt es von mir kein einziges Foto, unter welchen Lichtbedingungen auch immer aufgenommen, das mich mit grünen Augen zeigt. Sonnen-, Neon- oder Kerzenlicht zeigen mich immer braunäugig.

Das Standbild aus dem Tampa-Video ist in meinen braunen Augen nicht der schlussendliche Beweis für die grünen Augen des Mr. Anderson, aber es müssen schon bessere Beweise vorgebracht werden als es Kretakatze mit ihren lichttheoretischen Betrachtungen getan hat, damit ich die braunen Augen des Meisters als Tatsache akzeptiere. Allerdings gebe ich Kretakatze in einem Punkt Recht: Die Haare des Mr. Anderson waren in den ersten drei Jahrzehnten seines Lebens für mein Verständnis rotblond. Du hast an irgendeiner früheren Stelle schon einmal von den dunkelblonden Haaren des Meisters geschrieben. Darüber war ich sehr erstaunt, habe mich aber nicht dazu geäußert, weil ich Dir nicht schon wieder widersprechen wollte. Ich finde, die Videos von Tampa und dem Hippodrom lassen gar keinen Zweifel an dem Rotstich in den dunkelblonden Haaren des Meisters. Im Laufe der Jahre hat sich der Anteil der roten Pigmente allerdings verflüchtigt; das ist ein ganz normaler Vorgang. Im Istanbul-Video wirkt der Meister tatsächlich einfach „nur“ dunkelblond.

Ein Satz zu Deiner Bemerkung über rote Haare in Irland und Schottland: Vor einiger Zeit las ich, dass entgegen landläufiger Meinung Schottland das Land mit dem höchsten Anteil an rothaariger Bevölkerung weltweit sei; noch vor Irland. Leider weiß ich nicht mehr, wo ich das gelesen habe. Ich glaube, in einem Fachbuch über Anthropologie.

Aber jetzt genug der Haarspaltereien, ich möchte kurz auf Deine Literaturempfehlungen im Blog eingehen. Kafka und Camus sind mir fremd, aber bei John Irving kann ich mitreden. „Die vierte Hand“ ist sicher nicht sein bestes Werk, aber die „Mittelgewichtsehe“ fand ich noch etwas fader. „Zirkuskind“ habe ich nicht einmal zu Ende gelesen. Das muss nicht zwangsläufig am Buch liegen; es ist auch denkbar, dass sich mal wieder eine Leseblockade eingeschlichen hat. Ich kann es nicht mehr sagen, es ist zu lange her. Das neueste Werk „Bis ich dich finde“ ist wieder ein Reißer vom Kaliber „Owen Meany“ oder „Witwe für ein Jahr“. Über die Werke von John Irving gibt es viel zu sagen. Ich werde im WWW nachschauen, ob es so etwas wie ein Irving-Forum gibt.

Als Irving-Leser bist Du gewohnt, die verdrehten Lebenswege skurriler Figuren zu verfolgen. Vor diesem Hintergrund verstehe ich Deine Bemerkung über die Protagonisten von Harry Mulisch nicht. Verglichen mit den Charakteren der Irving-Romane sind die Hauptfiguren von Mulisch doch geradezu alltäglich.

So, das war’s auch schon für heute.
Wir bleiben in Verbindung.

Lockwood

08.05.2007

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Hallo Lockwood,

eines muss ich wohl klar stellen: Ich hatte nicht vor, mich aus dem Internet zu verabschieden, nur bisschen kürzer treten möchte ich. Aber selbst das schaffe ich nur bedingt (nur soviel: vorerst keine neuen Tull-Videos bei youtube, man und frau möge sich gedulden). Vergiss einfach mein Geheule!

Bei Focus scheiden sich sicherlich die Geister. Soll auch so sein. Ich finde „Hocus Pocus“ auf jeden Fall, auch was die Gesangsakrobatik betrifft, ganz stark. Zu Focus muss ich damals wegen des Stücks „House of the King“ gekommen sein. Man vergleicht es bis heute irgendwie mit Tull wie in damaliger Zeit. Wegen der Flöte sicherlich, aber auch stilistisch. Ich habe lange nach dem Stück im Internet gesucht – bei youtube gibt es mehrere Versionen. Weshalb ich hier in unserem Meinungsaustausch auf Focus zu sprechen gekommen bin, ist neben dem musikalischen Aspekt der Zusammenhang mit der äußerlichen Veränderung der Musikanten (zu Ian Anderson haben wir uns lang und breit ausgelassen), hier eben der Mijnheer van Leer: kahlköpfig und dickbäuchig, wenn auch mit etwas mehr Geschmack hinsichtlich der Kopfbedeckung. So ist das nun einmal mit dem Älterwerden. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Und den sehnlichst erträumten Jungbrunnen gibt es auch nicht.

Nur noch einmal als Randbemerkung (bevor wir das Thema zu den Akten legen): Jethro Tull muss und kann man auch aus der Optik ihrer Auftritte heraus interpretieren. Tull war nicht nur eine bestimmte Rockband, sondern ähnlich, wenn auch nicht ganz wie die Gruppe Kiss, durch ihr berüchtigtes Outfit bekannt. Besonders der Meister turnte in den schrillsten Kostümen über die Bühne. Keiner trug anfangs die Haare (Kopfhaar und Bart) länger als er. Da denkt man natürlich nicht an später, wie es sein könnte, wenn man einmal älter ist. Ist man dann aber älter geworden, muss man überlegen, wie es weitergeben soll. Du würdest Dich für ein seriöseres Outfit entscheiden, Herr Anderson hat sich gewissermaßen für den Mittelweg entschieden.

Ja die Alemannia. Es sieht wirklich böse aus. Du wirst einen möglichen Abstieg bestimmt verkraften (Deine Jungs eher weniger, oder?). Auch aus Eurem weiteren Umfeld (Mönchengladbach ist bereits abgestiegen, Köln krebst in der 2. Liga herum) ist nichts zu erwarten. Da haben wir es wirklich gut – wir sind mittendrin im Bundesligageschehen (zwischen Bremen und Hamburg). Ja, der Lokalpatriotismus ist schon so eine Sache.

Also ob Herr Anderson nun braune oder grüne Augen, hellbraune, rotgelbe oder blau-olive Haare hat, ist mir eigentlich völlig wurscht. Und ob irgendwelche Statistiken behaupten, nirgendwo gäbe es mehr rothaarige Menschen als in Schottland, dann ignoriere ich das auch beflissentlich. In Schottland habe ich so gut wie keine Rothaarigen gesehen (ich meine richtig rothaarig, knalle-rot mit mozzarella-weißer Haut und vielen Sommersprossen überall). Ein leichtes rötliche Scheinen lasse ich einfach nicht gelten. Punktum!

Literatur a la Irving und Mulisch würde ich zwar eher an Ort und Stelle diskutieren (in den Beiträgen), aber da wir gerade dabei sind: Zu den Hauptfiguren von Mulischs „Entdeckung des Himmels“ habe ich mich etwas undeutlich ausgedrückt. „Künstlich“ angelegt sind ja eigentlich alle Protagonisten eines Romans, die einen mehr, die anderen weniger. In fast allen Fällen sind es Abbilder von Figuren, die der Autor aus seinem Leben kennt (wenn er es nicht selbst sogar ist) und die dann, je nach Talent und Intention des Verfassers, mehr oder weniger überzeichnet sind. Hat man von einem Autor (wie Irving) mehrere Bücher gelesen, dann fällt es einem als Leser leichter, eine genauere Zuordnung zu treffen: bei Irving sind die Figuren eindeutig ‚überzeichnet’. Mulisch habe ich dagegen zum ersten Mal gelesen. Die beiden Freunde im Roman, auch wenn sie mir eigentlich gefallen (irgendwie erinnern sie mich auch an uns beide, was nichts gegen das Buch aussagen soll -lach), erscheinen mir eben wohl deshalb als etwas zu „künstlich“, weil ich sie noch nicht genau zum Autor zuordnen kann. Anders ausgedrückt: Ich denke, der Roman von Mulisch soll ernsthaft sein. Da kommen mir manche Aussagen der beiden Hauptfiguren etwas zu frech daher. In einem anderen Kontext wären beide mir (wie Dir) die durchaus normalsten Menschen. Ach, ich weiß nicht, wie ich es Dir hier in kurzen Worten erklären soll. Es ist mehr ein Gefühl, das ich beim Lesen hatte (und die können täuschen).

Sicherlich willst Du jetzt auch noch etwas zu meiner Bemerkung, das Ende wäre mir etwas zu ‚katholisch’, hören? Auch das ist eher so ein Gefühl. Vielleicht sind es mir zu viele Bilder (Du weißt, wir ‚Protestantischen“ haben uns als Bilderstürmer ‚ausgezeichnet’). Nur ein Beispiel, wenn auch das wichtigste: Da sind die Zehn Gebote – als zwei Tafeln, also als (Sinn-)Bild für einen Bund zwischen den Menschen und Gott. Das Bild der Tafeln rückt mir dabei zu sehr in den Vordergrund.

Nun habe ich Herrn Anderson auch das letzte (rotblonde) Haar ausgerissen. Wenn nicht, dann jetzt:

Dr Bogenbroom mit Patienten

Oben zu sehen der Hirnchirurg Dr. O’Hara Bogenbroom (links) mit seiner Assistentin, Lady Calhoun (vierte von links), und seinen Patienten Martin Teddybear, Davie Badier (der hat noch gut lachen), Iain Mac Ghille Aindrais und Rhodan Perry (ja, der mit dem Krückstocksyndrom). Der metallene Stab wurden dem Herrn mit der schwarzen Kopfbinde aus dem Schädel entfernt (daher die schwarze Kopfbinde).

Ach, wie gehässig ich wieder einmal sein kann ( …. bin!).


Jethro Tull: Dr. Bogenbroom

Genug ist genug!
Bis bald

Wilfried

09.05.2007

English Translation for Ian Anderson

Was es im Netz sonst noch so gibt

Als Nutzer und Anbieter im WWW, speziell im Web 2.0, hält man immer Ausschau nach Neuerungen, speziell neuen Trends, die sich im Internet auftun. Gerade in der Wahrnehmung und Nutzung des Webs hat sich in der letzten Zeit doch einiges getan. Statt normaler Homepages haben wir es mehr und mehr mit Weblogs bzw. Blogs zu tun. Und dank DSL ist die Anzahl der Video-Portale, besonders nach dem Erfolg von youtube.com, gestiegen. So finden wir neben myvideo.de auch dailymotion.com und ganz frisch im Netz motiono.com.

Web 2.0

Von mir eher stiefmütterlich behandelt (ich nutze andere Möglichkeiten) ist das Foto-Portal flickr.com; wer bestimmte Fotos sucht und in der Bildersuche z.B. bei google nicht findet, sollte vielleicht hier fündig werden.

Interessant erscheint mir ein kostenloser Webservice namens Netvibes, der aus Frankreich kommt. Der Nutzer kann selbst gestaltete Module, wie RSS-Feeds, Google Mail-Nachrichten, Podcasts und andere dynamische Inhalte auf einer Seite zusammenfassen und per Drag & Drop in Spalten und Tabs ordnen, also in wenigen Schritten seine eigene Homepage bzw. sein eigenes Blog anlegen.

Ansonsten: Wer weitere interessante Infos zum Web 2.0 haben möchte, der findet hier einen kompetenten Menschen.

Hagenbeck wird 100

Keine Ahnung, wie oft ich bereits in Hagenbecks Tierpark war. Zuerst als Kind mit meinen Eltern von Bremen aus (Kartoffelsalat und hart gekochte Eier im Gepäck), dann auch mit der Schulklasse. Und später, inzwischen selbst zweifacher Vater, war ich bei Hagenbeck viele Male mit meiner Frau und unseren Söhnen.

Jetzt besteht dieser schön angelegte Zoo bereits seit 100 Jahren in Hamburg-Stellingen. Und immer noch wird er von der Familie Hagenbeck geführt. Damals waren die Freigehege eine echte Sensation. Inzwischen haben andere Tiergärten diese Konzeption längst übernommen.

Lange Zeit und lange vor dem Eisbären Knut war das Walross Antje das Aushängeschild von Hagenbeck. Als sie 2003 starb, wurde es etwas still um den Tierpark. Aber das soll natürlich anders werden – und muss es auch, denn die Familie Hagenbeck kämpft mit finanziellen Problemen. Die am 11. April geborene kleine Elefantendame Shila soll neuer Publukumsliebling werden.

Und just in diesen Tagen wird das neue Tropen-Aquarium bei Hagenbeck eröffnet. Sicherlich eine sehenswerte Neuerung, die auch ich mir mit meinen Lieben nicht entgehen lassen werde.

siehe auch meine Beiträge: Hagenbecks Tierpark 1992: AquariumHagenbecks Tierpark 1992: Robben- und Delphinschau

siehe außerdem bei zdf.de zum 100. Geburtstag von Hagenbecks Tierpark

Albert Camus: Der Fremde

Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht. Aus dem Altersheim bekam ich ein Telegramm: „Mutter verschieden. Beisetzung morgen. Vorzügliche Hochachtung.“ Das besagt nichts. Vielleicht war es gestern.

Mit diesen lakonischen Worten beginnt Albert Camus‚ erster Roman „Der Fremde“, eigentlich nur eine Erzählung von knapp 120 Seiten, 1940 entstanden und 1942 – wie eines seiner philosophischen Hauptwerke „Der Mythos des Sisyphos – Ein Versuch über das Absurde“ – veröffentlicht.

Das frühe Meisterwerk schildert in einer Sprache von kristallener Härte und Klarheit die Geschichte eines jungen Franzosen, der unter der unerbittlichen Sonne Algiers bar aller Bindung ohne Liebe und Teilnahme gleichgültig dahinlebt, bis ihn ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht. Im Scheitern seiner scheinbar absolut freien Existenz erfährt er, daß Leben Miterleben heißt.

Albert Camus

Albert Camus war französischer Philosoph und Schriftsteller, 1913 in Algerien geboren, 1957 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet und am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Man zählt ihn zu den Vertretern des Existenzialismus wie Jean-Paul Sartre, mit dem er zunächst befreundet war, sich später aber wegen grundsätzlicher Meinungsverschiedenheiten entzweite (für den Marxisten Sartre endet die Revolte im Endziel Kommunismus, bei Camus ist die Revolte ‚endlos‘).

Ausgangspunkt der Philosophie Camus‘ ist das Absurde des Lebens, die Sinnlosigkeit. Dem kann der Mensch nur durch die Revolte, durch ein tägliches sich Aufbäumen, entgehen. Morgens, wenn ich aufstehe, so lebe ich trotzdem (trotz der Sinnlosigkeit) und mühe mich um menschliche Solidarität. Wesentlich ist dabei die Gleichgültigkeit, die Indifferenz, gegenüber dem Leben. So tue ich Gutes, nicht weil es einen Sinn macht, sondern aus völliger ‚Gleichgültigkeit‘.

„Der Fremde“ ist ein Beispiel für diese ‚Gleichgültigkeit‘ dem Leben gegenüber. Er lebt scheinbar in den Tag hinein. Aber dieses Leben hat seine Ordnung und muss jeden Tag neu gelebt werden. Ein dummer Zufall lässt ihn einen Araber töten. Absicht? Notwehr? Es war die Sonne!

Den Prozess gegen ihn erlebt er ebenso indifferent. Erst in der Verkündigung des Todesurteils gegen ihn dämmert es ihm, wie die ganze Absurdität des Lebens über ihn hereinbricht. Plötzlich beginnt er dagegen zu rebellieren. Er anerkennt seine Situation als unausweichlich und akzeptiert sich nun auch als ein Teil seiner Welt. Damit und in der Erwartung seiner Hinrichtung lässt er das Absurde des Lebens hinter sich.

siehe auch meine Beitrag. Mythos Kafka – Mythos Camus

Der Bürger hat entschieden

Im ersten Bürgerentscheid, der heute in der Gemeinde Tostedt durchgeführt wurde, hat der Bürger entschieden und damit die Mehrheit im Gemeinderat, die für einen Verkehrkreisel im Ortsteil Todtglüsingen ist, überstimmt. Die alte Eiche bleibt also stehen.

Hier das vorläufige Endergebnis:

Vorläufiges Endergebnis Bürgerentscheid Tostedt 2007

Bildung, ein angefressener Bauch

Bildung ist wie ein angefressener Bauch. Es nützt nichts, sich einmal den Wanst voll zu schlagen, man muss ihn sich kontinuierlich mit vielen kleinen genussvollen Häppchen über lange Zeit regelrecht anfressen. Manchmal muss man dabei auch eher ungenießbare oder schwer verdauliche Kost schlucken. Um so schneller wächst der Bauch.

Es geht um Allgemeinbildung, weniger um Bildung als die geistige Formung eines Menschen, als die Verwirklichung seines Menschseins, seiner Humanität, obwohl das eigentlich Resultat des ersten sein sollte.

Aber wie interpretieren wir Bildung, Allgemeinbildung? Es hat viel mit Wissen zu tun! Was muss man also wissen, um im gesellschaftlichen Umgang als gebildet zu gelten? Dietrich Schwanitz hat in seinem Buch „Bildung – Alles, was man wissen muss“ versucht, darauf eine Antwort zu geben. Es ist ein Streifzug durch das moderne Wissen aus Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst und Musik, die seiner Meinung nach zu einem Bildungs-Kanon in Deutschland gehören sollte.

Dietrich Schwanitz. Bildung - Alles, was man wissen muss

Um es gleich klarzustellen: Wenn man das Buch von Schwanitz durchgeackert hat, ist man noch lange davon entfernt, gebildet zu sein. Sich einmal den Wanst voll schlagen hilft wenig. Aber es ist ein guter Gradmesser für den eigenen Bildungsstand, auch wenn die „listenhafte Zusammenstellung“ des Schwanitz’schen „Was-man-wissen-Muss“ sich nicht mit dem eigenen Wissensstand decken muss, ein Beispiel: Mehr als ein Drittel des Buchs widmet sich der sicherlich kurzweiligen und interessanten Bildungsreise durch die europäische Geschichte. Aber einerseits muss man nicht alle Geschichtsdaten daherbeten können, andererseits ist die Welt nicht Europa allein. Kritiker bemängelt, dass die Naturwissenschaften in dem Kanon fehlen. So schrieb Ernst Peter Fischer inzwischen als Ergänzung „Die andere Bildung“.

Wissen allein genügt natürlich nicht, um als gebildet zu gelten. Es gedarf eines Mindestmaßes an Intelligenz, um das Wissen richtig anzuwenden. Und ein Klecks Kreativität sollte auch nicht fehlen.

Die Stärke von Schwanitz’ Bildung liegt vor allem in den scharfzüngigen Anmerkungen zum Wissenschaftsbetrieb und zur „gepflegten Konversation“. Überhaupt ist der knapp 30 Seiten umfassende Beitrag zum Thema Sprache („Das Haus der Sprache“) sehr empfehlenswert zum Lesen und für viele durchaus lehrreich.

Etwas daneben finde ich aber folgendes Zitat, das man wohl auch als „Message“ des Buches ansehen muss: „Wer selbst ungern liest, sollte sich ernsthaft überlegen, ob es sich lohnt, diese Unwilligkeit zu überwinden, sonst bleiben ihm die Fleischtöpfe der Bildung ebenso verschlossen wie der Zugang zu den gehobenen Einkommen.“

Bildung um der Fleischtöpfe wegen ist auch nur eine halbe Bildung!

Mitmachen: Bürgerentscheid in Tostedt

Inzwischen wird die Politposse in Tostedt um den Verkehrskreisel im kleinen Zentrum Todtglüsingens, einem Ortsteil von Tostedt, bereits musikalisch begleitet. Thomas Krakowczyk, als Musiker unter dem Namen „Nat King Thomas“ bekannt und vor einem halben Jahr von Hamburg-Altona nach Königsmoor gezogen (die Schwiegereltern wohnen keine 100 m von der umstrittenen Kreuzung entfernt), nimmt den Ratsbeschluss für den Bau des Kreisel mit einem humorvoll-kritischen Lied aufs Korn. Siehe hierzu: Nat King Thomas bei myspace.com (Download des Liedes ist möglich)

Nat King Thomas in Todtglüsingen -Bürgerentscheid

Wie Nat King Thomas kann ich nur empfehlen, am Bürgerentscheid teilzunehmen. Also nicht vergessen: Am Sonntag, den 06. Mai, ist der Bürgerentscheid in Tostedt!

John Irving: Die vierte Hand

Dass an dieser Stelle (in meinem Weblog) bisher kein Sterbenswörtchen zu John Irving zu finden war, wundert mich selbst ein bisschen. Nicht, dass ich Irving für den größten aller Schriftsteller halte, davor kommen zunächst Franz Kafka (und dann erst einmal nichts), dann zeitgenössische Schriftsteller deutscher Zunge wie Martin Walser, Günter Grass usw. Aber bei Günter Grass ist man dann schnell bei John Irving, denn beide sind wohl nicht nur Freunde geworden, sondern Irving hat sich von Grass stark inspirieren lassen.

John Irving

Zunächst sollte ich an dieser Stelle einen Glückwunsch los werden: John Irving ist am 2. März 65 Jahre alt geworden, kommt also auch in die Jahre, was ihn aber nicht davon abhält, weiterhin seine Romane zu schreiben. 2002 erschien „Die vierte Hand“, mit 430 Seiten ein für Irving eher schmales Büchlein (dafür hat „Bis ich dich finde“ von Anfang 2006 sogar über 1100 Seiten), ein vom Inhalt her allgemein als schriftstellerische Talsohle empfundenes Werk.

Nachdem ich Irvings Werke wie „Garp – und wie er die Welt sah“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Owen Meany“ und „Witwe für ein Jahr“ gelesen habe, muss ich mich diesem Urteil teilweise anschließen. Auch wenn es sich wieder um einen Entwicklungsroman handelt, wenn Irving sich durchaus gekonnt kritisch zum Fernsehjournalismus äußert, so schwächelt es ein wenig. Zunächst schrieb ich das der deutschen Übersetzung zu, aber auch im Original kann das Buch nicht völlig überzeugen. Vielleicht liegt es auch am Sujet, einer Handtransplantation.

Dem TV-Journalisten Patrick Wallingford wird anlässlich einer Reportage über einen indischen Zoo vor laufender Fernsehkamera von einem Löwen die linke Hand abgebissen. Ein Bostoner Handchirurg transplantiert ihm die Hand eines toten Bierfahrers, dessen Witwe ein Besuchsrecht bei der Hand verlangt. Und ein Kind!

Klingt merkwürdig. Aber so sind nun einmal die Romane von John Irving. Eigentlich geht es in dem Roman um Verlust, Trauer und um Sex, aber auch um Liebe. Der Protagonist, ein ziellos-unbekümmerter Don Juan, der sich von jeder Frau verführen lässt, entwickelt sich zu einem Mann, der sich ernsthaft um seine Liebe bemüht, plötzlich Verantwortung spürt und sich kritisch mit seiner beruflichen Tätigkeit auseinandersetzt. In seinen letzten Sendungen mahnt er Respekt vor den Opfern und die Wahrung der Privatsphäre beispielsweise der Hinterbliebenen an.

eine ausführliche Inhaltsangabe und Rezension bei TourLiteratur

Es gibt sicherlich bessere Werke von Irving. Aber wie die bereits genannten so macht auch dieser Irving süchtig. Sicherlich liegt es an den vielen skurrilen Typen, die er uns präsentiert, und der überbordenden Phantasie der Handlung.

1. Mai – Tag der Arbeit

Neben dem Tanz in den Mai (der 30. April ist auch die Walpurgisnacht) und der Tradition des Maibaumaufstellens ist der 1. Mai seit vielen Jahren der Tag der Arbeit, also der Tag, an dem die Arbeiterbewegung ihre Forderungen durch Demonstrationen bekräftigt. Statt Arbeiter setze man heute Arbeitnehmer.

In einer Gesellschaft, die sich als zivilisatorisch versteht, sollte jeder durch seinen Fähigkeiten entsprechende Arbeit den ihm angemessenen Lebensunterhalt bestreiten können. Dass das nicht immer selbstverständlich war und teilweise auch heute nicht ist, bedarf keiner weiteren Erörterung.

Jethro Tull: Beltane

Tanz in den Mai, wer kennt nicht das ausgelassene Treiben. Dabei ist die Nacht von heute auf den 1. Mai ursprünglich die Walpurgisnacht, eigentlich das Mondfest, das in der Nacht des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrstagundnachtgleiche und der Sommersonnenwende gefeiert wird. Traditionell gilt jedoch die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai als die Nacht, in der angeblich die Hexen insbesondere auf dem Blocksberg (eigentlich Brocken), aber auch an anderen erhöhten Orten ein großes Fest abhalten und auf die Ankunft des „gehörnten Gottes“ warten.

Beltane in Schottland

Diese Nacht entspricht aber auch dem keltischen Fest „Beltane“. Es war wie viele ähnliche Feste ein Frühlings- und Fruchtbarkeitsfest, es gehört zu den sogenannten Feuerfesten. Es steht für das Neuerwachen und die Aufbruchstimmung der Erde nach dem Winter, ein Fruchtbarkeitsfest nicht nur im Sinne der Fortpflanzung, sondern auch für Kreativität, neue Ideen, Projekte oder neue Beziehungen. Im keltischen Jahreskreis kann es mit der aufblühenden Jugend verglichen werden.

Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull, geboren in Schottland, hat sich in vielen Liedern mit den Ursprüngen seiner Heimat beschäftigt. Und so gibt es auch ein Lied von Jethro Tull mit dem Titel „Beltane“ (erschienen 1988 auf dem „20th Anniversary box set“, später auf der remastered CD „Songs from the Wood“ als Bonus-Track).

Have you ever stood in the April wood and called the new year in?
While the phantoms of three thousand years fly as the dead leaves spin?

Hast du jemals im April-Wald gestanden und das neue Jahr herbeigerufen?
Während die Phantome aus 3000 Jahren fliegen wie tote Blätter-Wirbel?

aus: Beltane


Jethro Tull: Beltane