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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Globalisierung

Es ist noch nicht so lange her, da wurden Globalisierungsgegner als ewig Gestrige defamiert. Man solle nur an die Märkte denken, die sich da für die deutsche Wirtschaft auftun. Gerade in der Globalisierung liegen unsere Chancen.

Und so reist unser Bundeskanzler nicht nur nach China, sondern auch nach Saudi-Arabien und weitere Ölstaaten in der Golfregion. Die mitreisenden Topmanager bringen Milliardenaufträge im Handgepäck nach Hause.

Vielen Dank, Herr Bundeskanzler! Viele Aufträge bedeuten viel Arbeit für deutsche Arbeitnehmer. Für deutsche Arbeitnehmer? Globalisierung ist das Erschließen von neuen Märkten, auch Arbeitsmärkten! Und so darf man sich nicht wundern, wenn deutsche Firmen Milliardenaufträge nach Hause tragen, die dann im Ausland ausgeführt werden.

Inzwischen zeigt sich, dass die Kritik an der Globalisierung mehr als berechtigt ist. Und die Auswirkungen haben auch wir zu spüren durch den drastischen Abbau des Sozialstaates und Massenarbeitslosigkeit, da die Mechanismen zur Regulierung des Arbeitsmarktes nur noch global ‚wirken‘. Jede nationale Arbeitsmarktpolitik wird dadurch letztendlich hinfällig oder zeigt nur punktuell Wirkung, ein Tatbestand, der gern durch ‚mahnende‘ Worte eher vertuscht als aufgedeckt wird:

Die fetten Jahre sind eben vorbei. Die soziale Marktwirtschaft stehe auf dem Abstellgleis.

Auf zfd.de gibt es eine Serie: Vision Deutschland. Hier schrieben u.a. Moritz Freiherr von Knigge und Michael Schellberg:

„Im Gegensatz zur freien Marktwirtschaft erschließt sich Freiheit in einer sozialen Marktwirtschaft erst in Bezug auf Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität. Jegliches politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln, auch oder insbesondere in Krisenzeiten, muss sich anhand dieses demokratischen Grundverständnis messen lassen.“

Angesichts der Machtgier der Politiker und der Raffgier von Wirtschaftsbossen ist das ein frommer Wunsch!

Werder im Halbfinale (DFB-Pokal 2004/2005)

Die ‚Generalprobe‘ ist für Werder Bremen gegen die Amateure des FC Bayern geglückt. Nach dem 3:0-Sieg in München steht Werder im Halbfinale des DFB-Pokals. Jetzt geht es in der Bundesliga gegen die Bayern. Hoffen wir, dass mindestens ein Pünktchen herausspringt. Übrigens: Krisztian Lisztes kam nach langer Verletzungspause wieder einmal zum Einsatz.

Lehrstück parlamentarischer Demokratie

Nach der Landtagswahl erreichte weder die alte rot-grüne Regierung noch die schwarz-gelbe Opposition die Mehrheit der Sitze. Also große Koalition? Nein, natürlich nicht, denn dann hätte Heide Simonis ihren Ministerpräsidentensessel an die CDU abgeben müssen. Trotz sehr unterschiedlicher politischer Konzepte (siehe allein die Schulpolitik) wollte die CDU mangels anderer Mehrheiten die große Koalition, Herr Carstensen allen voran, der sich bereits in der Wahlnacht als Ministerpräsident wähnte (leider etwas zu früh).

Jetzt will Rot-Grün mit Unterstützung des SSW weiterregieren. Nein, sagt die CDU (mag Frau Simonis auch an ihrem Sessel kleben; der Herr Carstensen rangelt weiter um den Ministerpräsidentensitz – auch ohne Mehrheit), der SSW hat bereits Privilegien genug. Sie sollen sich hüten, Mehrheitsbeschaffer zu spielen (das sollte einmal einer der FDP sagen).

So wird mit reichlich Schmutz geworfen und Schuld hat am Ende der SSW, nur weil die Machtgier eines Herren Carstensen größer ist als seine Kompetenz. Mag ja sein, dass das Rot-grün-plus-SSW-Modell nur einen „kurzen Halbwertzeit“ (O-Ton Carstensen) haben wird. Herr Carstensen darf auch gern gegen Frau Simonis bei der Wahl des Ministerpräsidenten antreten. Vielleicht schafft er es ja doch. Wenn nicht, dann sollte er und seine Kollegen und Kolleginnen im Bund endlich den Mund halten.

Übrigens: Der Fraktionschef der dänischen Konservativen im Kopenhagener Folketing, Helge Adam Møller, wies die Kritik an der Rolle des SSW u.a. mit den Worten zurück: „Sicher bin ich auch konservativ und würde eine CDU-Regierung vorziehen. Vor allem aber bin ich Demokrat. Und für den ist völlig klar, dass der SSW seit 50 Jahren über vollgültige Mandate im Landtag verfügt.“

Wie sehr sich doch das Demokratieverständnis unterscheiden kann!

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich

Ben Stiller ist bekannt durch ziemlich ‚heftige‘ Komödien. Wenn sich Cameron Diaz in „Verrückt nach Mary“ Stillers Sperma in die Haare schmiert, dann ist das schon heftig. Der Film „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (Meet the Parents USA 2000) war in einem anderen Sinn heftig. Da verwüstet Ben Stiller förmlich den ganzen Grund und Boden seiner künftigen Schwiegereltern – und bekommt am Ende doch die Hand der Tochter durch den spießigen Schwiegervater gereicht. Dazu gehört schon einiges.

Im Kino sah ich mit meinen Lieben jetzt die (fast logische) Fortsetzung zu dieser Komödie: „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ (Meet the Fockers USA 2004 – Regie: Jay Roach) wieder mit Ben Stiller und Robert de Niro als Schwiegervater und neu mit Barbra Streisand und Dustin Hoffman als seine Eltern.

Zum Inhalt: Die Hochzeit steht an und so wollen die Eltern der Braut endlich die Eltern des Bräutigams kennen lernen. Diese entpuppen sich als ewiges Hippie-Pärchen, das keine Gelegenheit auslässt, von den Jugendsünden ihres Sohnes zu erzählen. Am Ende geht natürlich alles gut aus und das Paar heiratet. Aber bis dahin gibt es reichlich Katastrophen, die allerdings insgesamt moderater, also weniger heftig ausfallen als im 1. Teil. Zum Ablachen reicht das allemal. Besonders Robert de Niro, Dustin Hoffman und Barbra Streisand zeigen ihr ganzes komödiantisches Können.

Wer sich einmal richtig entspannen will, sich an gewissen ‚Heftigkeiten‘ nicht stört, dem kann man diesen Film nur wärmstens empfehlen. Die Altmeister glänzen auf jeden Fall!

Helgoland wieder dänisch

Nachdem der SSW (Südschleswigsche Wählerverband) sich durch seine Unerhörtlichkeit in ‚deutsche‘ Politik einzumischen gedenkt, geht auch die einzigste deutsche Hochseeinsel Helgoland wieder in dänische Hand (wie bereits zwischen 1714 bis 1807) über.

So geht das nicht, meine Dänen! Genügt es nicht, dass für Euch die 5-%-Klausel außer Kraft gesetzt wurde, müsst Ihr auch noch die ‚deutschen‘ Geschicke mitbestimmen wollen?! Vielleicht sollen alle Kinder im hohen Norden Deutschlands jetzt auch noch dänisch lernen, oder? Oder dänisch wird gar zur zweiten Amtssprache in Schleswig-Holstein?

Da wünscht man sich glatt wieder Napoleonische Kriege und einen Frieden von Kiel wie anno 1814 her.

Nein, lieber SSW. Ihr habt mit Euren zwei Landtagssitzen mehr als genug. Ansonsten heißt es Schweigen, wenn auch auf dänisch (oder nordfriesisch). So oder ähnlich denkt es sich auf jeden Fall Frau Merkel (und der etwas zu früh siegessichere Herr Carstensen). Das Wahlvolk hat sich eben für einen Regierungswechsel und damit für schwarz/gelb entschieden (wenn man die Fremdstimmen, die dänischen und friesischen, nicht mitzählt). Und damit basta!

Übrigens gehört Helgoland zum Landkreis Pinneberg. Und der liegt, wer es weiß, in Schleswig-Holstein.

Kate und Leopold

Meine Frau liebt romantische Komödien. Sie ist ein besonderer Fan von Hugh Grant. Filme wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Notting Hill“ finde selbst ich sehr gut. Besonders „Vier Hochzeiten …“ hat es mir angetan, wohl weil der Film bei aller Romantik so britisch ist.

Am Wochenende gab es nun „Kate und Leopold“ (Liebeskomödie USA 2001 – Regie: James Mangold) mit Meg Ryan und Hugh Jackman im Fernsehen. Meg Ryan mag ich eigentlich weniger. Sie ist mir doch etwas zu süß. Und wenn sie jetzt mit über 40 Jahren meint, den weiblichen Vamp spielen zu müssen, dann ist das ziemlich daneben für mich. Aber egal … Hugh Jackman kenne ich als Wolverine aus X-Men 1 und 2 (und X-Men 3 wird gerade gedreht). Aber irgendwie habe ich ihn nicht wiedererkannt.

Zur Geschichte: Hugh Jackman spielt einen Adligen des 19. Jahrhunderts, den es durch eine Zeitreise in das New York der Neuzeit verschlägt. Dort lernt er Meg Ryan kennen und lieben. Liebeswirren en gros! Am Ende finden sich beide … im 19. Jahrhundert wieder.

Eigentlich hat der Film nichts Aufregendes, wenn da nichts eines wäre: Der Adlige zeichnet sich durch ein seiner Zeit eigenes Verhalten, durch eine Etikette aus, die sehr im Kontrast zu den heutigen Umgangsformen steht. Es handelt sich dabei aber nicht um reine Äußerlichkeiten. Sein Benehmen spiegelt sich in seinem Handeln und Tun. Heute spricht man dabei von Integrität. Als solches ist auch das nicht so aufregend, wäre da nicht der Kontrast zu den Menschen von heute. Diese reden vielleicht schön, aber ihr Handeln ist das genaue Gegenteil.

Man mag von gutem Benehmen halten, was man will. Ein Mindestmaß an gesitteten Manieren kann nicht nur keinen schaden, sondern verbessert insgesamt das ‚allgemeine Betriebsklima‘. Ich meine damit nicht die zur bloßen Förmlichkeit erstarrten offiziellen Umgangsformen ala Knigge. Manchmal muss man auch Scheiße sagen dürfen. Ich meine eine gewisse Disziplin, die man sich selbst auferlegt, und eben Integrität, ein Wort, das nicht allein durch Unbescholtenheit, Unbestechlichkeit und Makellosigkeit übersetzt werden kann.

Werders Bayern-Woche (zum 23. Spieltag BL 2004/2005)

Bayern gewinnt in Freiburg, Hertha BSC gegen den HSV und Werder fährt gegen Bochum die notwendigen 3 Punkte ein, um weiter ‚am Ball‘ zu bleiben (Platz 3). Am Dienstag geht es nun für Werder im DFB-Pokal gegen die Amateure der Bayern (gewissermaßen als Generalprobe?!), um dann am Wochenende zum Spitzenspiel in München gegen den Tabellenersten anzutreten. Sollte mindestens ein Punkt drin sein oder gar mehr? Im letzten Jahr war es ja ein Fest für Werder Bremen

Tsunami – Nachtrag

Die Bilder von der Flutkatastrophe haben uns alle berührt. Aber schnell haben sich diese auch wieder aus unseren Köpfen verflüchtigt. Zu Spenden ist reichlich aufgerufen worden – und reichlich gespendet wurde sicherlich auch, z.B. bei der Spendengala des ZDF ‚Wir wollen helfen‘ am 04.01.2005 …

    Flutkatastrophe in Südasien

Von diesem Abend haben wir die Auftritte der ‚Toten Hosen‘ und der All-Star-Band ‚Soulmates‘ mit Ian Anderson (Jethro Tull) als Video festgehalten – als kleines Dankeschön für Eure großen und kleinen Spenden:

‚Soulmates‘ with Ian Anderson: Imagine (No need for greed or hunger, a brotherhood of man)
‚Die Toten Hosen‘: Alles wird vorübergehen (Wenn der Boden unter deinen Füßen bricht … Alles wird vorübergehen)

Und wer noch etwas Knete übrig hat, darf auch gern etwas davon spenden!

Mainz wieder Bush-frei

Die Eiszeit zwischen Deutschland und den USA ist endlich vorbei. Der US-Präsident besucht neben Brüssel (EU und NATO) auch Mainz, eine deutsche Stadt, die bereits seinem Vater so gut gefallen hatte. Gern klopft man sich auf die Schultern, hält Reden wie übers schöne Wetter und weiß, dass alles eigentlich nur ein Missverständnis war. Man ist eben Gut-Freund miteinander.

Für solch unspektakuläre Freunschaftsgesten bedarf es des Einsatzes von 14.000 Polizisten. Bürger von Mainz dürfen ihre eigenen Balkone nicht betreten, Kanaldeckel werden verschweißt, Briefkästen abgeschraubt und Mülleimer durchleuchtet. Das Ganze ähnelt mehr einer Notstandslage als einer friedvollen Begegnung zwischen Freunden (und der Pöbel bleibt sowieso außen vor, darf aber die Zeche zahlen, die ein solcher Einsatz kostet).

Manchmal muss man eben Opfer bringen. Man will ja schließlich nicht, dass seinem Gast ein Unheil geschieht.

Aber Mainz ist ja wieder Bush-frei – auch Schröder-frei.
Wie ich gehört habe, war Bush nicht bei allen willkommen

Nur die Bayern …

Bis Anfang der Woche war der deutsche Fußballhimmel noch auf Erden – trotz Schummelschiris und eines nicht abtreten wollenden Funktionärs. Spätestens seit gestern Abend ist der Himmel die Hölle. Die Chemiewerkself aus Leverkusen steht nach der 1:3-Niederlage in Liverpool noch verhältnismäßig gut da (noch ist ‚alles‘ drin, eben auch das Ausscheiden). Für Werder Bremen gebe ich keinen Pfifferling mehr. Und im UEFA-Cup haben alle drei bis dato verbliebenen deutschen Teilnehmer das Segel gestrichen. Was bisher (eben bis Anfang der Woche) als größter deutscher Erfolg im europäischen Wettbewerb seit Jahren zu feiern war, gilt jetzt als Riesenpleite! Nur die Bayern …

Carl Friedrich Gauß – zum 150. Todestag

Da wir schon bei Jahrestagen, speziell Todestagen sind:

Am 23. Februar 2005 (also gestern) jährte sich der Todestag von Carl Friedrich Gauß zum 150. mal. Mit Gauß lebte und arbeitete über 50 Jahre lang ein Wissenschaftler in Göttingen, der weltweit durch seine Forschungen Aufsehen erregte und bis heute maßgeblich Wissenschaftsgeschichte geschrieben hat.

    Gauß - wie wir ihn noch kennen

Im Zusammenhang mit der Vermessung des Königreichs Hannover hatte Gauss eine spektakuläre Idee. Er dachte, es könnte sein, dass der Raum gekrümmt ist und hat versucht es zu messen.

Gauss hat erkannt, dass unser Universum gekrümmt sein könnte. Das heißt er hat erkannt, dass die Frage, ob der Raum gekrümmt ist, nicht mathematisch also nur durch logische Überlegungen beantwortet werden kann, so wie man etwa beweisen kann, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Die Frage muss physikalisch beantwortet werden: Wir müssen uns den Raum, in dem wir leben, anschauen und sehen, ob er gekrümmt ist oder nicht. Ähnlich wie wir nur durch Beobachtung feststellen können, dass die Erde der dritte große Planet von der Sonne aus gesehen ist und nicht der vierte. Für die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts ist die Raumkrümmung eine ungeheuer gewagte Idee. Sie zeigt, dass Gauss nicht nur in der Lage war, vom menschlichen Erfahrungsbereich zu abstrahieren. Er war auch bereit, außerhalb dieses Erfahrungsbereichs konstruierte Gedankengebäude als Erklärungsmodelle der realen Welt zu akzeptieren.

Was Gauss nicht wissen konnte: Genau 50 Jahre nach Gauss‘ Tod veröffentlichte Albert Einstein die „spezielle Relativitätstheorie“. Und: Kurioserweise ist Einsteins Todesjahr (1955) genau 100 Jahre nach Gauss‘ Todesjahr (die spezielle Relativität liegt genau dazwischen). Damit sind die beiden Pioniere des Raums noch zusätzlich durch das gemeinsame Jubiläum verbunden.