Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Schimanski – den ganzen Schimanski

Schimanski – muss ich dazu noch etwas schreiben? Wer die Fernsehreihe Tatort kennt, sollte eigentlich auch Schimanski kennen: Horst Schimanski, Duisburg. Zusammen mit seinem Kollegen Thanner ermittelte der Duisburger Kriminalhauptkommissar Schimanski ab dem 28. Juni 1981 in 29 Folgen (inklusive zweier Kinofilme) in der ARD. Nach einer Pause zwischen 1991 und 1997 trat er in einer eigenständigen Krimi-Serie Schimanski wieder regelmäßig in Aktion, demnächst in der neuen Folge „Loverboy“ (Regie: Kaspar Heidelbach) am 10. November 2013 – natürlich in der ARD. Schimanski ist Kult!

Schon seit längerer Zeit bin ich an den 29 Tatort-Folgen interessiert. Es gab zwar immer wieder DVD-Boxen zu drei oder vier Folgen, aber nie das Ganze in einem. Nun in einem gibt es die Folgen auch jetzt noch nicht, aber immerhin sind die 27 normalen Tatort-Folgen in zwei Komplettboxen a 14 bzw. 13 DVDs erhältlich. Zusammen kosten die knapp 100 €. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber nicht nur für Schimanski-Fans erschwinglich.

Was noch fehlt, sind die zwei Kinofilme, die dann später auch als Tatort-Folgen im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Beide sind immerhin einzeln als DVD zu kaufen. Man lege noch knapp 20 € drauf, dann hat man sämtliche 29 Tatort-Schimanski-Folgen zusammen: Zahn um Zahn und Zabou.

Um es nicht hinterm Berg zu halten: Die Bildqualität der DVDs ist alles andere als berauschend, die ist verrauscht. Bei digitalen TV-Aufzeichnungen vom WDR kam eine viel bessere Bild-Qualität heraus. Das ist mehr als schade. Allerdings kann man es auch anders sehen: Die Bildqualität der DVDs ist … authentisch! Denn so sah das doch auf den meisten Fernsehgeräten mit analoger Dachantenne in den 80-er und 90er Jahren aus. Sicherlich hätte man sich etwas mehr Mühe machen und den Filmen etwas mehr Glanz einverleiben können. Aber will ich das wirklich? Meine Söhne werden stöhnen oder eher lächeln angesichts der bescheidenen Bildqualität. Aber ich fühle mich beim Gucken ganz wohl dabei. Notfalls gucke ich mir Schimanski auch allein an. Und endlich alle Folgen beieinander. Was will ich mehr. Meine Meinung – und nicht nur meine!

Hier alle 29 Folgen in der Übersicht mit der Nummer der Tatortfolge und Erstausstrahlungsdatum im Fernsehen:

01…….126 Duisburg Ruhrort (Erstausstrahlung 28.06.1981)
02…….131 Grenzgänger (Erstausstrahlung 13.12.1981)
03…….134 Der unsichtbare Gegner (Erstausstrahlung 07.03.1982)
04…….138 Das Mädchen auf der Treppe (Erstausstrahlung: 27.06.1982)
05…….143 Kuscheltiere (Erstausstrahlung: 12.12.1982)
06…….146 Miriam (Erstausstrahlung 03.04.1983)
07…….156 Kielwasser (Erstausstrahlung 25.03.1984)
08…….159 Zweierlei Blut (Erstausstrahlung: 22.07.1984)
09…….164 Rechnung ohne Wirt (Erstausstrahlung 09.12.1984)
10…….167 Doppelspiel (Erstausstrahlung 31.03.1985)
11…….171 Das Haus im Wald (Erstausstrahlung 18.08.1985)
12…….180 Der Tausch (Erstausstrahlung 13.04.1986)
13…….184 Schwarzes Wochenende (Erstausstrahlung 10.08.1986)
14…….188 Freunde (Erstausstrahlung 28.12.1986)
15…….194 Spielverderber (Erstausstrahlung 08.06.1987)
16…….200 Zahn um Zahn (Erstausstrahlung 27. Dez. 1987) Kino-Film nicht in der Box
17…….205 Gebrochene Blüten (Erstausstrahlung 01.05.1988)
18…….209 Einzelhaft (Erstausstrahlung 21.08.1988)
19…….214 Moltke (Erstausstrahlung 28.12.1988)
20…….217 Der Pott (Erstausstrahlung 09.04.1989)
21…….222 Blutspur (Erstausstrahlung 20.08.1989)
22…….225 Katjas Schweigen (Erstausstrahlung 03.12.1989)
23…….230 Medizinmänner (Erstausstrahlung 13.05.1990)
24…….232 Zabou (Erstausstrahlung 22. Jul. 1990) Kino-Film nicht in der Box
25…….234 Schimanskis Waffe (Erstausstrahlung 02.09.1990)
26…….235 Unter Brüdern (Erstausstrahlung 28.10.1990)
27…….244 Bis zum Hals im Dreck (Erstausstrahlung 09.06.1991)
28…….250 Kinderlieb (Erstausstrahlung 27.10.1991)
29…….252 Der Fall Schimanski (Erstausstrahlung 29.12.1991)

Da gibt es dann ja auch noch die eigenständige „Schimanski“-Filmreihe, die es mit der neuen Folge „Loverboy“ dann auch schon auf 17 Folgen gebracht haben wird. Natürlich gibt es auch davon diverse DVD-Boxen. Hier noch einmal alles an käuflichen Filmmaterial zu Schimanski.

Schlussmacher

Schlussmacher ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2013. Die romantische Komödie ist die zweite Regiearbeit Matthias Schweighöfers und entstand nach einem Drehbuch des Autors Doron Wisotzky.

    Schlussmacher - Film

Den Film gibt es jetzt auch als DVD bzw. Blu-ray Schlussmacher zu kaufen. Letztes Wochenende habe ich ihn mir mit meinen Lieben angeschaut.

Paul (Matthias Schweighöfer) hat einen recht ungewöhnlichen Beruf: Er ist professioneller ‚Schlussmacher‘. Für eine Berliner Trennungsagentur reist er quer durch Deutschland, um stellvertretend Schluss mit ungewollten Partnern zu machen. Dabei hat er sich mit der Zeit unempfindlich gegenüber emotionalen Ausbrüchen der Verlassenen gemacht. Denn schließlich bringt jede Trennung bares Geld und lässt eine Beförderung zum Unternehmenspartner ein Stück näher rücken. Noch dazu läuft es bei ihm – im Gegensatz zu seinen Kunden – liebestechnisch äußerst gut, denn er genießt sein Privatleben an der Seite von Freundin Natalie (Catherine de Léan). Gerade als Paul seine wichtigste Trennung über die Bühne bringen will, kommt ihm der anhängliche Toto (Milan Peschel) in die Quere und bringt Pauls Karriereplanung und sogar sein Liebesleben komplett durcheinander. Denn Toto will sich nicht so einfach damit abfinden, abserviert zu werden…

aus: filmstarts.de


Schlussmacher – Film

Mit deutschen Komödie ist es schon so etwas. Manchmal sind sie reichlich hausbacken. Dann wiederum schielt man ganz offensichtlich zur Konkurrenz aus Hollywood. In den letzten Jahren haben besonders Til Schweiger und Matthias Schweighöfer der Komödie aus deutschen Landen ihren Stempel verpasst. Til Schweiger inszeniert sich gern selbst, während Schweighöfer nach meiner Ansicht gern in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft. Ich habe ihn vor geraumer Zeit als Friedrich Schiller gesehen. Und in dieser Rolle hat er mir ganz gut gefallen. Mit Schlussmacher (Schweighöfer schielt hier in Richtung Schweiger und übernimmt zum 2. Mal auch die Regie eines Films) wird zwar eine durchaus außergewöhnliche Idee (Trennungsagentur) übernommen, aber der Film wird zu einer deutschen Art von Roadmovie (zwei sehr unterschiedliche männliche Charaktere hetzten durch Deutschland), dem mancher Klamauk und Witz auf Kosten anderer nicht zu schade ist. Und damit schießt der Regisseur Schweighöfer zuweilen auch deutlich übers Ziel hinaus.

Sicherlich ist der Film recht amüsant. Aber der ganz große Renner ist er nicht. Manchmal ist er zu hausbacken, manchmal eher Schenkelklopfer als halbwegs geistreiches Schauspiel – oft genug Hollywood. Und „die pauschalen Seitenhiebe auf Gewinnstreben und Effizienzdenken wirken in einem so offen kommerziell ausgerichteten Film wie diesem durchaus ein wenig befremdlich.“

Die Bürokratie, sie lebe hoch (2)

Der Familienkasse bei der Bundesagentur für Arbeit hatte ich gemeldet, dass der ältere meiner zwei Söhnen ab 1. Oktober nicht mehr in schulischer Ausbildung ist, sondern bereits einen Arbeitsplatz hat, somit mein Anspruch auf Kindergeld hinfällig ist (siehe meinen Beitrag: Die Bürokratie, sie lebe hoch).

Die angeforderten Unterlagen (einen Nachweis, „dass die Schulausbildung beendet ist.“) habe ich inzwischen der Familienkasse zukommen lassen. Bevor mir nun ein entsprechender Bescheid über die „Aufhebung der Festsetzung des Kindergeldes“ zugesandt wurde, bekam ich über meinen Arbeitgeber eine Mitteilung über „ELStAM-Differenzen zur Überprüfung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale“ (ELStAM ist die Abkürzung für „elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale“, also doppelt gemoppelt, aber egal). Danach habe ich ab 1. Oktober 0 (in Worten: null) statt bisher zwei Kinderfreibeträge, obwohl ich erst mit Schreiben vom 19.08.2013 von der Familienkasse mitgeteilt bekam, dass meinem Antrag auf Kindergeld für meinen zweiten Sohn entsprochen wird und ich ab September 2013 weiterhin mit einer monatlichen Zahlung von 184 € rechnen darf. Ich sollte also ab 1. Oktober durchaus noch einen Kinderfreibetrag erhalten.

    Familienkasse Niedersachsen - Bremen

Tage später bekam ich dann den oben genannten Bescheid über die „Aufhebung der Festsetzung des Kindergeldes“. Für Oktober, das muss noch gesagt werden, bekam ich richtigerweise nur das Geld für ein Kind, was ja korrekt ist. In dem Bescheid aber nun fordert man mich auf, das für Oktober angeblich überzahlte Kindergeld zurückzuzahlen. Wie bitte? Ja die 184 € waren allem Anschein nach nicht für meinen zweiten Sohn, sondern noch für den älteren. Was ist nun aber mit dem Geld für meinen zweiten Sohn? Das hat die Familienkasse einfach unten den Tisch fallen lassen (daher ja auch die null Kinderfreibeträge), oder?

Nun Fehler können jedem unterlaufen. Ich finde es aber schon richtig ätzend, wenn in Kindergeldbescheiden darauf hingewiesen wird, dass ein Verstoß gegen die Pflicht (Änderungen umgehend der Familienkasse mitzuteilen) den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit oder gar Straftat erfüllt, die Familienkasse sich aber selbst ungestraft solchen Bockmist erlauben kann. Denn im Zeitalter der elektronischen Vernetzung hat die Familienkasse natürlich den Fehler an die Finanzverwaltung weitergegeben, die das dann meinem Arbeitgeber am Anfang des Monats elektronisch zum Abruf bereitgestellt hat. Und da mein Gehalt zu einem Teil auch aus einer Kinderzulage besteht (für Kinder, die Kindergeld erhalten), so muss ich damit rechnen, dass auch diese Zulage und damit mein Gehalt gekürzt wird. Kein mir zustehendes Kindergeld, weniger Gehalt und mehr Steuern: Danke, liebe Familienkasse!

Inzwischen habe ich mich mit meinen Finanzamt ‚kurzgeschlossen’ und werde rückwirkend das ELStAM (siehe oben) „ein Kinderfreibetrag“ erhalten. Rückwirkend, denn obwohl ich die entsprechende Mitteilung des Finanzamtes an meinen Arbeitgeber weitergeleitet habe, kann dieser für mein kommendes Gehalt noch nichts tun. Manuelle Änderungen sind nicht möglich. Die nächste Abfrage meiner ELStAM erfolgt für das Novembergehalt erst Anfang November. Immerhin konnte ich verhindern, dass auch die Kinderzulage nicht noch um ein letztes Kind gestrichen wurde.

Während die Finanzverwaltung umgehend antwortete, ließ eine Antwort der Familienkasse auf sich warten. Gegen den Aufhebungsbescheid habe ich Einspruch erhoben, was eigentlich widersinnig ist, denn die Aufhebung ist ja eigentlich rechtens. Nicht rechtens ist das „Unter-den-Tisch-Fallen“ des Kindergeldes für den jüngeren Sohn und damit die Rückforderung.

Und noch eines nebenbei vermerkt: Es ist wirklich äußerst bürgernah, wenn die Bescheide der Familienkasse (und nicht nur der) anonym verfasst und lediglich mit „Ihre Familienkasse“ unterschrieben werden (Schreibe ich dann etwa an „Meine geehrte Familienkasse“?!). Ein Ansprechpartner mit Namen und aus Fleisch und Blut sollte es schon sein. Oder kommuniziere ich lediglich mit einem fehlerbehafteten Computerprogramm?!

Nun gestern kam eine Antwort der Familienkasse. „Nach eingehender Prüfung“ wurde meinem „Einspruch … in vollem Umfang entsprochen.“ Ganz so sicher bin ich mir da aber noch nicht. Denn dem Anschreiben gemäß wurde „Kindergeld für Ihr Kind [also mein Kind – und es folgt der Name meines älteren Sohnes!!!] … zu Recht gezahlt.“ Hallo?! Es folgt dann ein Bescheid über die Aufhebung der Festsetzung des Kindesgeldes eben für meinen älteren Sohn ab Oktober 2013. Diesmal allerdings ohne Aufforderung zur Rückzahlung des Kindergeldes für Oktober 2013. Besteht da nicht ein unüberwindbarer Widerspruch?!

Natürlich wollte der oder die Unterzeichner(in) des Schreiben (ja, das Schreiben war diesmal nicht anonym, wenn ich auch nicht weiß, ob es sich dabei um Männlein oder Weiblein handelt) sagen, dass das Kindergeld für meinen jüngeren Sohn zu Recht gezahlt wurde. Oder?!

Ich bin nun mehr als gespannt, ob ich im nächsten Monat weiterhin das mir für meinen jüngeren Sohn zustehende Kindergeld bekomme.

Und noch eines: Die mir „im Einspruchsverfahren entstandenen Aufwendungen werden auf Antrag … erstattet, soweit sie notwendig waren und nachgewiesen werden.“ Schön und gut: Aber was ist mit der Zeit, die ich für Schreiben mit dem Finanzamt und Gesprächen mit der Personalstelle meines Arbeitgebers verbraten habe, um zu retten, was zu retten war. Und wird mir dann auch das Porto für den Antrag auf Erstattung z.B. von Portokosten erstattet (oder müsste ich dafür gesondert einen Antrag stellen, für den ich erneut Porto aufwenden müsste ….).

Jethro Tull: War Child (1974) in Quadrophonie

Die Gruppe Jethro Tull mit ihrem Masterhead Ian Anderson war schon immer für ihre Aufgeschlossenheit technischen Erneuerungen gegenüber bekannt. Vor nunmehr 35 Jahren war sie die erste Rockband, deren Konzert in einer simultanen Transatlantik-Schaltung aus den USA (Jethro Tull live 09.10.1978 im Madison Square Garden, New York) im britischen Fernsehen gezeigt wurde (inzwischen als DVD/CD erhältlich). Und bereits vier Jahre zuvor, also 1974, veröffentlichte die Gruppe ihr Album War Child u.a. auch in der damals ziemlich neu auf dem Markt erschienenen Mehrkanalaufzeichnung mit vier Kanälen, Quadrophonie genannt.

    Jethro Tull: War Child (1974) Quadradisc

Natürlich braucht man quadro-fähige Abspielgeräte, z.B. Plattenspieler mit CD4-Verfahren, um in den Genuss der vier Tonkanäle zu kommen: „Dieses gelang durch die Entwicklung eines speziellen Diamantschliffs beim Tonabnehmer, der auch Töne im für den Menschen unhörbaren Bereich von der Platte abnehmen konnte. Die beiden hinteren Kanäle wurden vor Produktion der Schallplatte vom normalen hörbaren Bereich von 20 Hz bis 20 kHz auf 30–60 kHz transferiert und nach dem Abtasten der Nadel durch den Konverter wieder in den hörbaren Bereich zurückgeholt. Diese Technik wurde unter der Bezeichnung CD4 und als einziges echtes Quadrofonie-Verfahren vermarktet.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Die Quadrophonie hat sich dann nicht durchsetzen können, es gab nur wenige Quadrophoniealben. Sicherlich ein Grund dafür war, weil „alle Quadrofonie-Systeme auf der falschen Annahme [basieren], dass ein Klangfeld durch Aufnahme von vier Kanälen und Wiedergabe über vier Lautsprecher in 90°-Anordnung zueinander reproduziert werden könne. Bei einer solchen Anordnung entstehen jedoch Lücken im Klangfeld.“

Immerhin muss man Quadrophonie als eine Vorläufertechnologie des Dolby-Surround-Systems ansehen, das auf dem Matrix-Verfahren der Quadrofonie basierte, und der aktuellen digitalen 5.1-, 6.1- und 7.1-Raumklangverfahren. Auch hier mischt Jethro Tull bekanntlich die Karten neu und veröffentlicht seit geraumer Zeit seine alten Alben im 5.1-Ton: nach Aqualung kam Thick as a Brick mit einem neuen Stereo Mix und 5.1 DTS/Dolby Digital Surround auf DVD auf den Markt. Das Gleiche dann natürlich mit dem neuen Album: Thick as a Brick II. Nun wurde als nächstes das Album „Benefit“ neu gemischt und kommt ebenfalls als Benefit (Deluxe Edition) am Freitag (25.10.2013) auf den Markt.

Aber zurück zum Quadrophonie-Album „War Child“: Es heißt, dass das Album für die Quadro-Aufnahmen erneut eingespielt wurde. So unterscheidet es sich sehr stark vom Stereo-Album (siehe hierzu u.a. im Jethro Tull Board)

Ich war also gespannt und habe im Netz etwas geforscht, ob es da eine digitalisierte Fassung des Quadro-Album gibt (nicht nur Jethro Tull samt Ian Anderson ist technisch aufgeschlossen, die Fans der Gruppe sind es auch). Und es gibt … ! – zudem in unterschiedlichsten Versionen. Da gibt es erst einmal den Download für eine CD, die von der Quadradisc (auch Quad-LP genannt, die Bezeichnungen variieren) in ein DTS 4.0-Format digitalisiert wurde: Jethro Tull – War Child DTS 4.0 from Quad LP. Vorsicht, nicht jeder Player unterstützt dieses Format (siehe hierzu weitere Informationen in meinem Beitrag Jethro Tull: Thick as a Brick 5.1) Ob der Download klappt, kann ich leider nicht zusichern. Und dann gibt es einen weiteren Download: Jethro Tull – War Child (1974 quad mix 24/96 lossless 4.0 DVD-A). Hierbei handelt es sich um eine hybride DVD, also eine ‚gemischte’ DVD, die sowohl Audio- wie auch Video-DVD ist. Der Audio-DVD-Teil (24/96 4.0 lossless MLP) lässt sich nur mit entsprechenden DVD-Playern abspielen (oder über den PC mit 5.1-Ton-Unterstützung). Dagegen funktioniert der Video-DVD-Teil (16/48 4.0 AC3 @ 440kbps) auf jeden handelsüblichen DVD-Player (der Download sollte klappen).

Nun ich habe ein Ohr in diese Aufnahmen hineingehalten, wenn auch nur in Stereo-Wiedergabe. Und mein erster Eindruck ist tatsächlich der, dass das Ganze viel ‚voller’ klingt als die eigentliche Stereo-CD. Wem die „War Child“-Scheibe also gefällt, dem kann ich nur zu dieser Quadro-Version raten. Wenn ich Zeit und Muße habe, dann werde ich mir diese 4.0-Version einmal in aller Ruhe hineinziehen. Ich freue mich schon darauf.

Brasilien, wir kommen

Für bisher 21 Nationalmannschaften ist es bereits Gewissheit. Sie haben sich für die Fußballweltmeisterschaft der Männer qualifiziert, die vom 12. Juni bis zum 13. Juli 2014 zum zweiten Mal nach 1950 in Brasilien stattfindet. Elf der 32 Endrundenteilnehmer müssen aber noch in so genannten Play-offs im November d.J. ermittelt werden.

Neben der deutschen Mannschaft, die wieder einmal ohne Niederlage ihre Qualifikation absolvierte, nehmen Belgien, England, Italien, die Niederlande, Russland, die Schweiz und Titelverteidiger Spanien zum ersten Mal Bosnien und Herzegowina aus Europa an der WM teil. Hinzu kommen noch vier Mannschaften, die Sieger aus einer Play-off-Runde der besten acht Gruppenzweiten. Erwähnenswert ist dabei die Nationalmannschaft von Island, die es als Gruppenzweiter geschafft haben, Mannschaften wie Norwegen und Slowenien hinter sich zu lassen und bereits mit Erreichen der Play-offs ihren größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte feiern darf. Kaum auszudenken, wenn Island es schafft, auch diese Runde zu überstehen und sich somit für die WM 2014 zu qualifizieren. Übrigens: Die Spielpaarungen dieser Play-offs werden heute ab 14 Uhr ausgelost – hier die Auslosung: Portugal muss gegen den deutschen Gruppengegner Schweden ran. Das ergab die FIFA-Auslosung in Zürich. Ferner wird zwischen der Ukraine und Frankreich ermittelt, wer im nächsten Sommer nach Brasilien darf, und Griechenland muss sich mit Rumänien messen. Das Überraschungsteam aus Island kämpft gegen Kroatien um seine erste WM-Teilnahme. Die Hinspiele werden am Freitag, dem 15.November, ausgetragen; die Rückspiele finden am darauffolgenden Dienstag, dem 19.November, statt.

    FIFA Worldcup 2014 Brasil

Aus Südamerika haben sich neben Gastgeber Brasilien die Mannschaften von Argentinien, Kolumbien, Chile und Ecuador für die WM qualifiziert. Uruguay muss noch in einem interkontinentalen Play-off gegen den asiatischen Vertreter Jordanien antreten. Der Sieger qualifiziert sich dann ebenfalls für die WM 2014.

Aus Nord- und Zentralamerika nehmen die USA, Costa Rica und Honduras an der WM teil. Mexiko muss noch in interkontinentalen Entscheidungsspielen gegen Neuseeland antreten, um sich zu qualifizieren.

Aus Asien haben sich der Iran, Südkorea, Japan und Australien qualifiziert. Bleiben nur noch die Vertreter Afrikas, die in fünf Ausscheidungsspielen die Teilnehmer ermitteln.

Meist sind es ja wieder die üblich Verdächtigen, die sich qualifiziert haben. Bosnien und Herzegowina ist bisher der einzigste Neuling. Noch stehen 11 Mannschaften aus, von denen einige (z.B. Island oder Jordanien) ebenfalls noch die Chance haben, als Neulinge zur WM 2014 in Brasilien zu fahren. Die Auslosung der Gruppenphase der Endrunde wird am 6. Dezember 2013 um 17.00 Uhr (MEZ) in Costa do Sauípe stattfinden. Dabei ist Deutschland u.a. neben Gastgeber Brasilien, Spanien, Argentinien, Kolumbien, Belgien und die Schweiz in Topf 1 gesetzt, muss also in der Gruppenphase schon einmal nicht gegen diese Mannschaften antreten.

siehe meinen entsprechenden Beitrag zur WM 2010: Südafrika, wir kommen

Herbstliche Dekoration 2013 (2)

Das (siehe Teil 1) ist natürlich noch nicht alles an herbstlicher Dekoration, mit der meine Frau unser Haus geschmückt hat (von den Figürchen im Garten ganz zu schweigen):

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013 (Teil 2)

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013

Nun mein herbstlicher Urlaub geht wieder viel zu schnell zu Ende (und auch die Herbstferien bei uns in Niedersachsen). Noch dieses Wochenende und dann geht der Alltagstrott wieder los. Muss ja wohl so sein (daher auch meine Abstinenz hier in den letzten Tagen). Leider hat das Wetter nicht das gehalten, was der Wetterbericht vor drei Wochen versprochen hat. Nur wenig von einem goldenen Oktober, dafür viel zu viel Regen und Tage von morgens bis abends mit dunklen Wolken am Himmel, sodass es nicht richtig hell wurde. Immerhin: Heute ist es zwar herbstlich kalt, aber die Sonne zeigt, dass sie noch existiert.

Schneller als man denkt kommt dann auch der Winter. Unser Wetterfrosch Hubert (der Einsiedler aus dem Wald) hatte zwar einen goldenen Oktober versprochen (kann ja noch kommen), sagt jetzt einen frühen und lange anhaltenden Winter voraus. Wir sind hier alle gespannt …

Herbstliche Dekoration 2013 (1)

Kaum ist es Herbst geworden, dekoriert meine Frau das halbe Haus wieder um. In der Abseite unseres Dachbodenzimmers gibt es viele Kartons, in denen jeder Jahreszeit oder jedem festlichen Anlass wie Ostern oder Weihnachten entsprechend allerhand Kleinkram (Figuren aus Keramik usw.) aufbewahrt werden. Jetzt ist es also Herbst und so schmücken Kürbisse, Pilze, Bärchen und abends illuminierte Geisterhäuschen unser Zuhause.

Herbstliche Deko 2013

Herbstliche Deko 2013

Herbstliche Deko 2013

Herbstliche Deko 2013

Herbstliche Deko 2013

Herbstliche Dekoration bei AlbinZ im Haus 2013

Herbstliche Deko 2013

Endlich wieder Urlaub: Herbsturlaub 2013

„Ich geh‘ im Urwald für mich hin… Wie schön, daß ich im Urwald bin: man kann hier noch so lange wandern, ein Urbaum steht neben dem andern. Und an den Bäumen, Blatt für Blatt, hängt Urlaub. Schön, daß man ihn hat!“

Heinz Erhardt: Urlaub

Okay, Heinz Erhardt kalauerte schon ziemlich stark, aber sein kurzes Urlaubs-Gedichtchen ist am Ende sehr einprägend. Ja, schön, dass man Urlaub hat, um einmal Arbeit Arbeit sein zu lassen und sich zu erholen. Da ich den Herbst besonders mag, mache ich auch in dieser Jahreszeit gern Urlaub. Und da gehe ich schon gern durch den Wald, wenn’s auch kein Urwald ist. Besonders die sich färbenden Blätter beeindrucken jedes Jahr aufs Neue.

    Urlaubstiet is wedder do(r) ...!

Mit dem Niederdeutschen, auch Plattdeutsch genannt, habe ich meine Probleme. Mit dem Sprechen ist es alles andere als toll. Und das Verstehen, wenn es jemand spricht, klappt auch nicht immer so ganz. Wenn ich es aber lese, dann geht es eigentlich ganz gut. Trotz mancher Schwierigkeiten liebe ich das Plattdeutsche. Außerdem ist Platt und Platt auch nicht immer das Gleiche. Dafür gibt es zwischen Kleverland und Nordmark zu viele unterschiedliche niederdeutsche Mundarten.

Meteorologisch haben wir ja bereits seit fast fünf Wochen Herbst (ab 1.9.). Wir sind also schon mittendrin. Astronomisch gesehen ist es noch nicht so lange her (ab 22.9.). Ich weiß auch nicht genau warum, aber Herbst löst bei mir ‚eigentümliche’ Gefühle hervor. Irgendwie fühle ich mich sanfter, weicher gestimmt. Das liegt sicherlich an den gesättigt herbstlichen Farben, die ich eben mehr mag als das Knallbunte. Und irgendwie weicher klingt ja auch das Plattdeutsche. In Platt lässt es sich viel leichter schimpfen als auf Hochdeutsch ( … de olte Schiet allerwegens!).

Also Herbst und Plattdeutsch. Wer vielleicht noch nicht so richtig in Herbststimmung ist (ohne Urlaub gut möglich), dem hilft vielleicht eine kurze Pause, dazu ein Becher heißen Tee und ein kleiner Auszug aus einem niederdeutschen Gedicht, die Herbstmonate September bis November betreffend:

September kümmt, de Sommer geiht, hell lüchen all de Steern,
an’n Avend gaht dörch uns’e Straat de Kinner mit Latern.

Oktoberwind, wat stürmt he dull un lett de Drachen flegen!
Dat is in’n Harvst för Jung un Oolt en bannig groot Vergnögen.

Ganz ungemütlich stellt sik in de trurige November,
de Daag sünd gries, de Stimmung ok — doch bald schon kümmt Dezember.

aus: De Kalenner vun Liane Breiholz

Hell leuchten also die Sterne und die Kinder gehen abends mit ihren Laternen durch die Straßen. Im Oktober weht der Wind stark und lässt die Drachen fliegen. Das ist im Herbst für alle ein sehr großes Vergnügen. Die Tage im traurigen November sind trüb, die Stimmung auch … So schwer ist Plattdeutsch nicht zu verstehen, oder?

    Herbst in Tostedt

Dem Herbst, besonders in seiner pflanzlichen Ausprägung, habe ich in diesem Blog schon manchen (meist kurzen) Beitrag gewidmet. Wer noch einmal Zurückblättern möchte, dann bitte hier …

Herbstzeit – Kürbiszeit

Herbsturlaub 2009: Bild des Tages (1)
Herbsturlaub 2009: Bild des Tages (3)
Herbsturlaub 2009: Bild des Tages (4)
Herbsturlaub 2009: Bild(er) des Tages (5)

Herbstimpression: Tostedt 2009
Herbst in AlbinZ Garten – September 2011
Dahlien, die Herbstblumen

Lose Blattsammlung Herbst 2012 (1)
Lose Blattsammlung Herbst 2012 (2)
Lose Blattsammlung Herbst 2012 (3)
Durch Wald, über Feld & Wiesen – Herbst 2012

Tag der deutschen Dreieinigkeit 2013

Mir sei es erlaubt, den Beitrag zum heutigen Feiertag, den ich im letzten Jahr verfasst habe, (erneut) zu wiederholen: Tag der deutschen Dreieinigkeit!. Denn jährlich einmal grüßen die deutsche Flagge von allen öffentlichen Gebäuden.

Ich kann mich noch sehr gut an die Aushänge erinnern, die zu Zeiten früherer CDU-Regierungen an Litfaßsäulen klebten und Deutschland als ein durch den Krieg dreigeteiltes Land zeigten: links (da nach Norden ausgerichtet) die Bundesrepublik, in der Mitte die SBZ (sowjetisch-besetzte Zone) und rechts die besetzten Ostgebiete. Das Motto der Parteien: 3 geteilt? – niemals! Damals war die Wirklichkeit eine andere und erst unter Willy Brandt wurde die eigentliche Realität dann ‘im Westen’ akzeptiert, auch wenn die Bild-Zeitung weiterhin unbeirrt DDR in Anführungszeichen schrieb (immerhin schrieb man schon DDR und nicht mehr SBZ).

Unteilbares Deutschland

drei geteilt - niemals

Zu Zeiten dieser Dreigeteiltheit nannte man den mittleren Teil Deutschlands auch gern Mitteldeutschland. Erst viel später wurde das in Ostdeutschland ‘umgetauft’ und seit 1990 spricht man dann bekanntlich von den ‘neuen Bundesländern’. Wie sich geographische Begriffe ändern können. Nur durch einige Vertriebenenverbänden kann man irritiert werden, wenn diese von Ostdeutschland sprechen und damit u.a. Schlesien meinen (nur liegt Schwerin nicht in Schlesien – wenn beide auch in Ostdeutschland liegen?!).

Nun heute ist unser, Deutschlands Nationalfeiertag. Und wir feiern die deutsche Einheit oder Wiedervereinigung oder Dreieinigkeit oder wie oder was …? Was auch immer! Feiern wir eben …!

Flohmarkt in Tostedt 2013 – Töster Markt

(Fast) jedes Jahr gehören zwei Beiträge in diesem Blog einem besonderen Ereignis – als Vorankündigung und Einstimmung (wie hier) und quasi als Aufarbeitung (filmisch, fotografisch usw.) des Events:

Jetzt am Samstag, den 05.10., ist es im kleinen Tostedt – halbwegs zwischen Bremen und Hamburg – wieder soweit:

Der größte Flohmarkt Norddeutschlands ist ein absoluter Höhepunkt im regionalen Veranstaltungskalender. Die Aktion zieht nicht nur Besucher aus dem Umland an. Aussteller und Gäste kommen sogar aus dem benachbarten Ausland. Dänen, Holländer und Polen gehören seit vielen Jahren zum festen Bestandteil des Töster Marktes dazu. Rund 700 Aussteller bieten auf dem Flohmarkt auf ca. 6.580 Metern Standfrontfläche ihre Waren an.

Leider sind die Wetteraussichten ausgerechnet fürs Wochenende nicht allzu gut – Regen ist (bisher) angesagt. Trotzdem auf nach Tostedt …

Hier filmische Impressionen „aus dem Handgelenk“ vom Töster Markt 2011, wie man den Flohmarkt in Tostedt nennt – unter dem Motto: Ründ üm de Kark …


Filmische Impressionen vom Flohmarkt in Tostedt 2011

Flohmarkt in Tostedt - Töster Markt 2011/ Luftbild von Markus Lohmann www.gyrocopter-fly.de

Flohmarkt in Tostedt – Töster Markt
Bilder aus den Jahren 2001, 2004, 2006, 2007, 2009 und 2010

Wenn’s das Wetter nicht allzu schlimm treibt, dann sehen wir uns vielleicht ….!

Martin Walser: Die Inszenierung

    … wenn wir endlich … die nicht gelingen könnende Liebe feiern …
    (Martin Walser: Die Inszenierung S. 128)

Augustus Baum, ein berühmter Theaterregisseur, liegt nach einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus. Herausgerissen aus der Inszenierung der Möwe von Anton Tschechow, inszeniert er weiter, vom Krankenzimmer aus. Nicht nur das Stück, sondern auch sich selbst. Die Nachtschwester Ute-Marie, seine Frau Dr. Gerda und er sind die Personen, die er so handeln lässt, dass ein Roman draus wird.

Es ist ein Roman, der ohne Erzähler auskommt. Die Figuren handeln durch Rede und Gegenrede, mit einander und gegen einander redend handeln sie: Sie stehen auf dem Spiel, darum müssen sie sprechen. Obwohl es in der «Inszenierung» um nichts als Liebe geht, ist, was darin verhandelt wird, etwas Unerhörtes, eine Sensation: Dr. Gerda, die Ehefrau, und Ute-Marie, die Nachtschwester, sind bei aller Lebensverschiedenheit gleich gut, gleich bedeutend, gleich zurechnungsfähig und auch gleich schön. Das gibt dem Uralt-Thema eine überraschende Aktualität.

Nicht erst seit seinem flammenden Roman «Ein liebender Mann» kreist Martin Walser um Themen wie Leidenschaft, Abhängigkeit und Wahn. «Die Inszenierung» ist ein zwischen Ironie und Tragik oszillierendes Kammerspiel über das Kunstwerk der Verheimlichung, die Ehe, und das seriöseste und zugleich lächerlichste Leiden überhaupt: die Liebe.
(aus dem Klappentext)

Martin Walser hat für seinen neuen Roman Die Inszenierung (Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1. Auflage August 2013) den Dialog, die direkte Rede gewählt. Ohne Anführungsstriche unten und oben. Die wenigen kurzen Zwischentexte lassen sich wie Regieanweisungen lesen. Eigentlich ist der Roman also ein Bühnenstück. So ist Shakespeares „All the world’s a stage“, übrigens der vorletzte Satz im Roman, schlechthin Programm. Okay, da sind noch zwei längere Briefe des alten Freundes Hans Georg, der in die USA geflüchtet ist und dort als Platon-Kenner eine Dozentenstelle angenommen hat – und die zwei kurzen Antworten von Augustus Baum, dem Helden des Romans. Hier könnte man sich auf der Bühne Stimmen aus dem Off vorstellen. Diese Briefe des Freundes sind Schlüssel zur Form, denn es geht auch um Platon, dem Philosophen der direkten Rede. Platon, das ist Philosophie auf der Bühne, Denken im Dialog, so eng hängen Philosophie und Theater zusammen.

    Martin Walser: Die Inszenierung

„… das Theater …, dass es öffentlich mache, was ganz im Inneren stattfindet.“ (S. 7) heißt es im Roman – oder: „Mach nur ein Theater daraus. …“ (S. 39).

Augustus Baum war mitten in der Inszenierung zu Tschechows „Die Möwe“. So verwundert es keinen, wenn sich das, was sich nun im Krankenhaus, in dem sich Augustus Baum nach seinem leichten Schlaganfall zur Genesung aufhält, abspielt, Parallelen zu Tschechows Stück aufweist. Vom Bett aus gibt er seiner Regieassistentin Lydia Anweisungen, wie im Stück zu verfahren ist. Aber längst ist er dabei, seinen Aufenthalt in der Klinik ‚in Szene zu setzen’.

So spielt Augustus Baum, der Regisseur, die Rolle des Regisseurs und ist gleichzeitig auch Hauptdarsteller seines ‚eigenen’ Stücks. Daneben treten auf: Ute-Marie, die Nachtschwester, 29 Jahre alt und Baum durch seine geistreiche Eloquenz in Liebe verfallen, so wie er auch ihr. Baums Ehefrau Dr. Gerda, Psychologin von Beruf und seit 29 Jahren mit ihm verheiratet. Die bringt ihm jeden Morgen sein Frühstück ins Krankenhaus, weil es ohne das nicht geht. (Sie kennt ihren Augustus, dessen Lieblingszahl die Drei ist. Sein Traum: Augustus, Ute-Marie UND Gerda. Offen, ohne Betrug. Die Trinität der Liebe. Aber Gerdas neues Buch heißt „Abhängigkeit, Wahn, Wirklichkeit“, ein Kapitel: Schweigen und Verschweigen, ein anderes: Verheimlichung und Geheimhaltung) Außerdem: Lydia, Baums Assistentin und ehemalige Geliebte, und, ganz zum Schluss, Ute-Maries Verlobter, Andreas, genannt Vinze. Hier die Personen im Überblick, soweit sie selbst auftreten oder Erwähnung finden:

Augustus Baum, Theaterregisseur
Dr. Gerda Baum, geborene Schlatt
Daniel, Sohn der beiden

Ute-Marie Wiese, Krankenschwester
Andreas Vinzenz Breitenmüller, genannt Vinze, Ute-Maries Verlobter
Pfleger Robert
Professor Overath, Chefarzt

Lydia, Regieassistentin und Baums ehemalige Geliebte
Max Stallhofer, Schauspieler
Corinna, Schauspielerin

Hans Georg, Freund Baums und mittlerweile Dozent in den Vereinigten Staaten
Ursula, seine Ex-Ehefrau
Bertie, sein Ex-Liebhaber

Ähnlich wie im Stück von Tschechow geht es auch hier um die Liebe als unheilbaren Zustand. Bühnenreif wird geseufzt, es entspinnt sich ein Gesäusel und Geraune bis hin zu Baums „Immunschwäche der Seele“. Ich nenne das gern auch Liebesgesülze:

„Ich bin nicht mehr der, der ich vor dir war. Ich bin nur noch der, der ich durch dich bin. Und sein werde.“ – „Du hast mich reich gemacht. Ich bin jetzt ein Fluss, der über die Ufer tritt und Wüsten zum Blühen bringt.“ – „Vor dir war nichts. Nach dir wird nichts sein. Du bis alles, was sein kann.“ (alles auf S. 39)

Das mag peinlich klingen für den Zuhörer (oder Leser). Frau Dr. Gerda Baum, die Psychologin, sieht es eher ‚sach-, gar fachbezogen’. Fachgerecht verkürzt sie dabei den Geschlechtsverkehr auf ein Kürzel:

„Wahrscheinlich gilt Liebe als die alles erklärende und entschuldigende Ursache. Bekannt genug ist, dass GV ohne Liebe stattfinden kann. Statistisch gesehen wahrscheinlich viel häufiger ohne als mit oder durch Liebe stattfindet. Aber ebenso sicher: Liebe kann durch GV entstehen. Und noch sicherer: Was zum GV führt, ist in der Regel nicht Liebe. Liebe kann eine Folge des GV sein. Kann! Was zum GV führt, ist bekannt. Warum aber dann Liebe? Man muss jemanden, mit dem man Tennis spielt, nicht lieben. Und kann doch leidenschaftlich gern mit ihm Tennis spielen. Die Sprache, die der GV produziert, ist nicht die Sprache der Liebe. Sondern? Sondern, sagen wir einmal, die des Konsums. Also der Leistung. …“ (S. 50)

Usw. – Der Monolog endet wie folgt und wendet sich an Augustus Baum direkt:

„Auch du bis persönlich an nichts so wenig beteiligt wie am GV. Du bist beim GV nichts als der Funktionär des Geschlechts. Ich kenne die Hilfskonstruktionen, mit denen man vor sich selbst verbergen will, dass die uns am meisten beschäftigende Handlung auch die unpersönlichste ist. Das Un-Ganzsein der Individualität. Das Charisma der Agape. Oder wie Plato erzählt: Zuerst ein Doppelgesicht, dann entzweigeschnitten, dann sehnen sich die Teile zu einander, sind voller Begierde, wieder zusammenzuwachsen. Tausend solche Märchen, […] um die GV-Realität zu verklären. Die Nivellierung bis zur Unterschiedslosigkeit, die außerhalb des GVs durch alles Erdenkliche verborgen, verheimlicht, verleugnet wird. Der GV ist also ein Geschehen, dem wir unter keinen Umständen als eben unter denen des GVs entsprechen wollen und können. Die Natur will das so, die will das immer noch so. Die ganze Kultur nichts als ein Überbau, um zu verbergen, was uns das Wichtigste ist. Nämlich: keine Persönlichkeit XY zu sein, sondern ein GV-Partner, der es bringt, eine GV-Partnerin, die es bringt.“ (S. 52.)

Aber genug der wissenschaftlichen Betrachtung. Am Ende laufen Augustus Baum nicht nur die Schauspieler für die Tschechow-Inszenierung davon, sondern auch die in dem Stück, in dem Baum die Hauptrolle spielt. Schlimmer noch, die Frauen als die Vernünftigen übernehmen die Regie. In einem Monolog klagt er gegen Ute-Marie und seine Frau Gerda vor dem „Gerichtshof der Liebe. Erster und einziger Anklagepunkt: Herrschsucht.“ (S. 167)

„Die Inszenierung“ [hat] kein Happy End. Alle Paare sind verloren, die Ehen kaputt. So lässt Walser auch noch die Beziehung von Ute und Vinze scheitern. Alle sind einsam. Die Verschwörung der Vernünftigen macht keinen glücklich. Darum bleibt Augustus das letzte Wort: Badenweiler. Da, wo Tschechow gestorben ist.

Für einen Walser-Einsteiger würde ich diese kleine Büchlein nicht gerade empfehlen. Es wird viel gesprochen und nur sehr wenig gehandelt (und Tschechows Stück sollte man möglichst auch kennen). Ja, es ist eigentlich ein Bühnenstück, nur in einem Roman verpackt. Für Einsteiger eignen sich andere Walser-Romane besser. Was mich erstaunt ist, dass Walser selbst im hohen Alter immer noch etwas Neues zum alten Thema der Liebe einfällt. Sogar der Form nach. Sicherlich ist dieser Roman wie überhaupt seine letzten etwas abgehoben und dürfte in gewissen Kreisen eher Spott als Anerkennung erzeugen. Aber ich liebe diesen alten Mann vom Bodensee. Und ich freue mich, immer noch, wenn auch nur weniges Ungelesene von ihm im Bücherregal stehen zu haben.

Zum Roman siehe auch folgende aufschlussreichen und ergänzenden Rezensionen:

zeit.de: Die Immunschwäche der Seele – Das Krankenzimmer als Weltbühne: Martin Walsers Roman „Die Inszenierung“ tanzt in Dialogen um die Liebe als unheilbaren Zustand.

faz.net: Niemals schien der Graben zwischen Männern und Frauen tiefer

Siehe und höre auch: ndr.de: Martin Walser liest aus „Die Inszenierung“.