Kategorie-Archiv: Fuffzig und …

Willkommen im Club der ‚echten‘ Fuffziger

Steppenwolf

    Das Gedicht vom Steppenwolf
    Ich Steppenwolf trabe und trabe,
    Die Welt liegt voll Schnee,
    Vom Birkenbaum flügelt der Rabe,
    Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh!
    In die Rehe bin ich so verliebt,
    Wenn ich doch eins fände!
    Ich nähm’s in die Zähne, in die Hände,
    Das ist das Schönste, was es gibt.
    Ich wäre der Holden so von Herzen gut,
    Fräße mich tief in ihre zärtlichen Keulen,
    Tränke mich satt an ihrem hellroten Blut,
    Um nachher die ganze Nacht einsam zu heulen.
    Sogar mit einem Hasen wäre ich zufrieden,
    Süß schmeckt sein warmes Fleisch in der Nacht –
    Ach, ist denn alles von mir geschieden,
    Was das Leben ein bißchen fröhlicher macht?
    An meinem Schwanz ist das Haar schon grau,
    Auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen,
    Schon vor Jahren starb meine liebe Frau.
    Und nun trab ich und träume von Rehen,
    Trabe und träume von Hasen,
    Höre den Wind in der Winternacht blasen,
    Tränke mit Schnee meine brennende Kehle,
    Trage dem Teufel zu meine arme Seele.

Dieses Gedicht steht in Hesses Roman „Der Steppenwolf”. Wie Harry Haller, der Steppenwolf, so bin auch ich in die Jahre gekommen („An meinem Schwanz ist das Haar schon grau, auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen …“). Inzwischen habe ich das, was man die Krise der Lebensmitte zu nennen pflegt, sachte überwunden und freue mich auf einen geruhsamen Lebensabend. Oder nicht? Manchmal möchte ich doch noch einmal ‚traben’ und mich ‚in die Rehe verlieben’ …

Ich habe nie so ganz verstanden, warum „Der Steppenwolf“ gerade soviel Anklang bei jungen Menschen findet. Der Roman war in der 60-er Jahren gewissermaßen das Manifest der Hippie-Bewegung. Denn eigentlich ist es nichts anderes als der Bericht über einen schöpferischen Menschen in der Lebensmitte, den Zweifel an seiner Existenz, an Leben und Tun überkommen – den oberflächlich betrachtet die Midlife Crisis plagt. Harry Haller, der Steppenwolf des Romans, steht vor einem Scherbenhaufen. Sein Leben ist zerrissen, ohne Sinn. Sein Ziel, die Selbstverwirklichung, hat er nicht erreicht. So sieht er nur noch die Selbstauflösung. Aber gerade, weil es die Möglichkeit gibt, sich selbst zu töten, erwächst aus dieser Möglichkeit so etwas wie Lebensstütze („‚… daß die Zeit und die Welt, das Geld und die Macht den Kleinen und Flachen gehört, und den andern, den eigentlichen Menschen, gehört nichts. Nichts als der Tod.’ ‚Sonst gar nichts?’ ‚Doch, die Ewigkeit.’“ S. 167). Und ist die Krise erst einmal überwunden, so kann das Bürgerliche durchaus als „Streben nach einer ausgeglichenen Mitte zwischen den Extremen menschlichen Verhaltens“ werden (Material zum Traktat).

Traktat vom Steppenwolf

Und es ist der Humor, das Lachen, was hilft, die Krise zu überwinden: „…dies Lachen, […] es war das, was übrigbleibt …“ (S. 169). – „… Schule des Humors, Sie sollen lachen lernen. Nun, aller höhere Humor fängt damit an, daß man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.“ (S. 193) – „Lernen Sie ernst nehmen, was des Ernstnehmens wert ist, und lachen über das andere!“ (S. 232)

Neben dem Lied Die Unsterblichen, einem weiteren Gedicht aus dem Roman, habe ich vor über 30 Jahren ein weiteres Lied, ausgehend von dem Steppenwolf-Gedicht, verfasst.

Steppenwolf

Der Steppenwolf, der zieht durch das Land
Sucht sich ein Reh, fängt es mit bloßer Hand
Süß schmeckt das Fleisch
In dunkler Nacht.

Auch mit Hasenblut er sehr zufrieden wär
Noch frisch und warm, das ist sein Begehr
Tränkt Blut ihn satt
Sein Herz ihm lacht.

So der Steppenwolf trabt mit dunkler Macht
Hört den Wind blasen in der Winternacht

Die Welt liegt voll von Schnee und ist bitterkalt
Der Steppenwolf, er heult, an Jahren ist er schon alt
Tränkt mit Schnee seine brennende Kehle
Trägt dem Teufel zu seine arme Seele

Oh, Steppenwolf
– Seelentier.

An seinem Schwanz ist das Haar schon grau
Schon vor Jahren starb seine liebe Frau
So ganz allein er
die Nacht durchwacht.

In die Rehe ist er dafür heut‘ verliebt
Das das Schönste ist, was es für ihn gibt
Zu ihrem Fleisch
Gier ist entfacht.

Der Steppenwolf, der einsam durchs Land trabt
Sich am Fleische und hellrotem Blute labt
Altgeworden
Trockene Kehle.

In der langen Zeit in Scherben zerbrochen
Zählt man schon des Steppenwolfs letzte Wochen
Trägt dem Teufel zu
seine Seele.


Willi singt: Steppenwolf

Musik, Text (nach dem Gedicht von Hermann Hesse), Gesang, Gitarre & Bass: Wilfried Albin – aufgenommen am 10.02.1979 bzw. 13.08.1980 in Bremen

Herunterschalten

Ich bin in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr beweisen muss. Ich habe in meinem durchaus bürgerlichen Leben das erreicht, was ich erreichen konnte. Daher sind weitere berufliche Erfolge für mich nicht mehr relevant. Und Status und Ansehen sind für mich Äußerlichkeiten, die für mich immer schon eine untergeordnete Bedeutung hatten.

Slow down - Downshifting

Eigentlich mag ich solche Anglizismen nicht, Downshifting nennt man es eher hochtrabend, was berufliches Herunterschalten sein soll. Nicht Erfolg macht glücklich, sondern ein selbstbestimmtes Leben. Wenn heute die Grenzen zwischen Beruf und der eigenen Freizeit verwischen, dann ist das etwas, was ich nicht akzeptieren kann. Auch mich wollte man mit einen Handy oder Smartphone und mehr beglücken, damit ich in meiner Freizeit verfügbar bleibe. Da eine dienstliche Notwendigkeit nicht nachgewiesen werden konnte, so blockte ich dieses Ansinnen meines Arbeitgebers erfolgreich.

Vielleicht bin ich trotz meines bürgerlichen Lebens im Inneren ein Rebell. Und dank einer gewissen Narrenfreiheit kann ich oft genug das tun, was ich möchte. Was ich mir erlauben kann, können sich andere nicht. Und so geraten diese schnell unter Druck, können nicht mehr abschalten – und, wen wundert’s, ein Burnout stellt sich ein.

Ehrgeiz mag einen vorantreiben. Aber Ehrgeiz kann einen auch zerfressen. Nicht, dass ich keinen Ehrgeiz mehr hätte, im Gegenteil. Aber mein Ehrgeiz ist auf andere Ziele gerichtet, losgelöst von Statusdenken, Ansehen und dem Streben nach Geld. Es muss nicht gleich ein „einfaches Leben“ sein, ein freiwillig gewählter Karriererückschritt ist manchmal der richtige Schritt zur Gesundung. Aber wer wag solches schon tun. Ich hatte vor Jahren die Möglichkeit, für einige Euro mehr in der Tasche, eine höhere Position einnehmen zu können. Da das Mehr an Geld das Mehr an Verantwortung, vor allem aber an Nervenbelastung nicht aufwog, sagte ich ab. Heute bin ich froh um meine Entscheidung.

Vielleicht bin ich auch einer, der es versteht, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Wer sich selbst nicht kennt, vergräbt sich und sein ICH gern in Beruf und Arbeit, selbst wenn er erkennt, dass er dort seinen Lebenssinn nicht findet. Aber das ist ja schon wieder ein anderes Thema, oder nicht?!

Siehe hierzu zdf.de: Downshiften – Lieber glücklich als erfolgreich

Veränderte Prioritäten

Denken Männer wirklich nur an das Eine? Oder doch an das Andere? Und was ist mit Frauen? Angeblich fassen sich – statistisch belegt – Männer bis zu zwanzig Mal am Tag ‚in ihren Schritt’. Vielleicht prüfen sie so, ob noch ‚alles’ an Ort und Stelle ist. Es könnte ja etwas abgefallen sein. Mein Schamgefühl verbietet mir solches Prüfen. Ich kompensiere das wohl damit, indem ich mir an die Nase fasse, und begründe das mit dem Grübeln über das eine oder andere Problem.

Ob man nun an das Eine oder Andere (oder gar Weitere) denkt, so will es uns das folgende Bildchen suggerieren, ist altersabhängig. Sicherlich verschieben sich im Alter die Prioritäten.

Sex Money Toilet

Karikaturisten neigen zu Übertreibungen. Wie sollte sonst auch so etwas wie Humor entstehen (in diesem Zusammenhang). Sicherlich ist es richtig, das besonders junge Menschen (ich möchte Frauen nicht ausschließen) an das Eine denken, so unbeschwert und frei von Karrierestreben sie noch sind. Und steht man erst einmal im Beruf, dann verändern sich auch die Gedanken und das Verlangen. Mann und Frau denken natürlich erstrangig an Haus, Heim und Familie, wenn sie an der Andere denken. Es sind doch hier keine Egoisten unter uns, oder? Und mit dem Alter, wenn die Blase schwächer wird und der Darm …

Ähem, was ich noch sagen wollte: Ausnahmen bestätigen oft die Regel. Und so überspringt der oder die eine oder andere das Eine, lässt es links liegen, um sich gleich dem Anderen zu widmen. Oder, frei nach dem Motto: Je oller, je doller – treibt es manche(r) noch im Alter ohne Unterlass, während die Altersgenossen und –genossinen Schlange stehen, um endlich aufs Töpfchen zu kommen.

Eine Hochzeit und zwei Todesfälle

Frei nach der britischen Filmkomödie aus dem Jahr 1993, die u.a. den internationalen Durchbruch für den Schauspieler Hugh Grant bedeutete, gab es bei uns leider nur eine Hochzeit, dafür aber zwei Todesfälle. Nein, in der Familie ist niemand gestorben.

Die Hochzeit fand am Freitag statt. Mein Schwager hat es nach 50 Lebensjahr geschafft, in den ‚Hafen der Ehre’ zu schippern. So lernte ich auch einmal das Standesamt von Tostedt von innen kennen. Auch wenn die Fotokollage es nicht so sehr hergibt, aber aus mancher Augen Sicht war das äußerst multikulturell und für den einen oder anderen mit einem kleinen Kulturschock verbunden. Norddeutsche Mentalität und englische ‚Noblesse’ traf auf slawische Lebensanschauung (weißrussisch und serbisch) – aber am Ende (auch ohne allzu viel Wodka) waren wir alle eine Familie.

Manfred & Marina

Und die Todesfälle? Nun nebenan in der Gastronomie ergab sich neben unserer Hochzeitsfeier ein Leichenschmaus. Und erst gestern waren meine Frau und ich zu einer Trauerfeier geladen. Beide Verstorbenen waren gestandene Männer Anfang, Ende Fünfzig, die den Kampf gegen den Krebs verloren hatten.

Übers Altern

1982 schrieb Max Frisch im Alter von 71 Jahren in seinen Aufzeichnungen, die vor einem Jahr als Entwürfe zu einem dritten Tagebuch erschienen sind:

„Ich werde ein Greis.

Man wird ein Greis, wenn man sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt, wenn man nicht meint, irgendjemand in der Welt irgend etwas zu schulden, und dazu braucht einer noch nicht am Stock zu gehe oder im Rollstuhl zu sitzen; es gibt auch wanderfähige Greise. Vorderhand erschreckt mich noch meine zunehmende Nachlässigkeit gegenüber Freunden, meine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber öffentlichen Ereignissen, meine zunehmende Freiheit …“
(Entwürfe … – Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter von Matt – S. 85 – 3. Auflage 2010, Suhrkamp Verlag Berlin)

Mit dem Altern hatte sich Max Frisch bereits in seiner 1979 erschienenen Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän eingehend beschäftigt. Es ist nun nicht so, dass ich mich als Greis fühle. Sicherlich habe ich meine Jährchen auf dem Buckel (so langsam gehe ich auf die sechzig zu), denke auch schon über meinen Renteneintritt nach, aber noch bin ich gut auf den Beinen und – ich hoffe – auch gut im Kopf.

Wie Herr Geiser, dem Protagonisten aus der Holozän-Erzählung, so litt Max Frisch unter einer zunehmenden Merkschwäche, dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Ich selbst prüfe mich nun nicht ständig auf Symptome für einsetzende Senilität. Wenn ich vieles vergesse, dann schon fast aus Absicht, weil ich mich nicht immer mit unnötigem Wissensballast belasten will. Vielleicht ist das schon die von Frisch oben beschriebene ‚Nachlässigkeit’ und ‚Gleichgültigkeit’, obwohl mich ‚öffentliche Ereignisse’ durchaus noch interessieren. Aber hier siebe ich bereits, muss nicht alles wissen. Die Ereignisse müssen mich schon interessieren, also in Bezug zu mir oder meiner Familie stehen.

Es ist sicherlich nicht Senilität, eher so etwas wie Altersweisheit, wenn ich mehr und mehr beginne, mich nicht mehr zu allem ‚verpflichtet zu fühlen’. Auf der Arbeit lasse ich so gern Jüngere ’ran (ich habe überlegt, ob ich mich auf dem Weg befinde, eine ‚innere Kündigung’ auszusprechen, was meinen Arbeitsplatz betrifft – so ganz ist das nicht von der Hand zu weisen). Sie können es schon besser als ich und haben noch Ambitionen. Also?! Lasse ich noch einmal Max Frisch sprechen:

„Wonach drängt es mich?
Ich bin schon noch tätig –
Wäre ich ein Bauer, würde man mir kaum noch die Sense in die Hand geben, die Sichel vielleicht; es würde kaum erwartet, dass ich auf die Leiter steige, um Äpfel zu pflücken; ob man mich auf den Traktor lassen würde, frage ich mich; man fände es richtig, dass ich die Hühner füttere, die Enten usw.
Was erwartet man von einem Schriftsteller?
Dass er Interviews gibt.“

(S. 27)

Das Leben ist zu lang

Das Leben ist zu lang ist ein deutscher Film des Schweizer Regisseurs Dani Levy aus dem Jahr 2010.

„Alfi Seliger (Markus Hering) versucht seit Jahren vergebens an den Erfolg früherer Jahre anzuknüpfen. In der Filmindustrie ist der Glanz seines Erfolgsfilms „Mein blaues Wunder“ längst verblasst und so bemüht sich der liebenswerte Loser zunehmend verzweifelt sein neuestes Drehbuch an den Mann zu bringen. Privat ergeht es dem sich selbst als Nebbich bezeichnenden Alfi auch nicht viel besser. Die beiden Kinder empfinden ihn als peinlich und seine Pornos synchronisierende Frau (Meret Becker) würde ihren jüdischen Hypochondergatten liebend gern für ihren Boss verlassen. Auch von der Mutter (Elke Sommer) bekommt Alfi Druck, der Hausarzt (Heino Ferch) konfrontiert ihn allzu gern mit möglichen Krankheiten und sein Psychiater-Guru Tabatabai (Udo Kier) rät ihm auch schon mal zum Selbstmord. Auf einem Empfang trifft der Unglückliche dann auf die durchtriebene Natasha (Veronica Ferres), die ein Auge auf ihn und zugleich auf eine Rolle in seinem Skript wirft. Sie nötigt ihren einige Jahre älteren Produzenten-Ehemann dazu, dass Projekt umzusetzen. Doch der Deal birgt einige Tücken und das Leben hat noch einige weitere Gemeinheiten für Alfi parat…“

aus: filmstarts.de


Das Leben ist zu lang [Trailer]

Ich halte immer einmal Ausschau nach einem guten Film aus deutschen Landen. Deutsche Filme gibt es jede Menge, meist sind das Komödien – leider sehr unterschiedlichster Qualität. So kam ich zu diesem Film, der natürlich auf DVD Das Leben ist zu lang erhältlich ist, und kann mich irgendwie nicht entscheiden, ob ich ihn nun empfehlen soll oder nicht.

Zunächst ist der Film ein Porträt der Filmindustrie und eine Erzählung von der Gier nach Ruhm und Geld. Und es ist ein Film über einen nicht mehr taufrischen jüdischen Regisseur, dessen Erfolge schon etwas länger her sind. Dieser erinnert mit seiner Hornbrille allein vom Aussehen her (aber eben nicht nur) Woody Allen und der Figur des Alvy Singer aus Allens „Stadtneurotiker“. Der Vergleich mit Allens Film drängt sich also auf und soll es wohl auch: Allen ist einer der großen Vorbilder von Regisseur Dani Levy. Und hier setzt die Kritik dann auch an: Levy ist „unerreichbar weit weg von seinem großen New Yorker Vorbild.“ Der Anspruch Levys, eine Art deutschsprachiger Woody Allen sein zu wollen, wächst ihm über den Kopf und erfüllt sich nicht, wenigstens nicht ganz.

„Alfi Seliger ist ein Filmemacher, dessen große Zeit vorbei ist. Man erinnert sich noch an eine ziemlich gute Komödie von ihm, aber eigentlich ist er aus dem Geschäft. Seit Jahren arbeitet er an einem Drehbuch über die Mohammed-Karikaturen. Denn Humor, sagt er, sei die letzte Form der Freiheit. Ein alter Filmproduzent nimmt das Projekt tatsächlich an. In Wirklichkeit hat er aber kein Geld mehr und würde viel lieber eine TV-Serie daraus machen, selbstverständlich ohne muslimisches Ärgerpotenzial. Alfis Bank geht pleite, seine Frau langweilt sich in der Ehe und bändelt mit einem anderen an. Seine Kinder hassen ihn, seine Mamme nervt. Er hat Krebs. Sein Psychiater sagt: Wer nicht mehr kann, der will einfach nicht. Das ist genug für einen 50-Jährigen, und so schluckt Alfi einen Cocktail aus Schlafmitteln, Schnaps und Allzweckreiniger.

Und dann ist er trotzdem nicht tot. Er wacht wieder auf und merkt, dass er buchstäblich im falschen Film ist, will sagen, er rebelliert gegen diese ganze klischeehafte Verstrickung, die sein altes Leben gewesen war. Er spürt diesen „Levy“ auf, der ihn an den Regie-Fäden hält, und bleibt doch der Schwächere in dieser filmischen Lebensfiktion, der er nicht entkommt. Das Leben des anderen bleibt immer das eigene.“ (Quelle: zeit.de)

Ich denke, das Problem des Films ist folgendes: Er handelt von einem 50-jährigen Nebbich, einem neurotischen Versagertypen, von „einen, dem sich das Leben unter den Händen auflöst, bloß noch krasser hier, jüdisch überzeichnet, also verzweifelt“. Und wer interessiert sich schon wirklich für einen solchen Menschen. Denkt man sich das große Vorbild Woody Allen einmal weg, dann ist das ein ganz passabler Film. Irgendwie erinnerte mich der Film gleich zu Anfang an die Film- und TV-Produktionen von Helmut Dietl (u.a. Rossini und Kir Royal), denen man einen gewissen Unterhaltswert nicht absprechen konnte. Vielleicht liegt es bei mir auch daran, dass ich in die Altersklasse des Protagonisten des Films bestens hineinpasse. Oder ist es dieser jüdische Flair, der dem Film zweifellos Charme verleiht?

Hallo Manni, willkommen im Club …!

Der Club wird größer. Nachdem bereits Deine Geschwister (Bruder Horst & Schwester Christa) und meine Wenigkeit Einlass in dem edlen Club der Funfzig-plus errangen, ist heute Dein Tag gekommen:

Willkommen im Klub, verehrter Neu-Fünfziger!

Da Sie sich vor 15 Jahren weigerten, an den Aktionen “Wer jung stirbt, der wird nicht alt!” bzw. “Stirb jung, stirb mit 35!” teilzunehmen, und sich in diesen Tagen Ihr Geburtstag zum 50. Male jährt … [weiter siehe: Willkommen in Club der ‘echten’ Fuffziger]

Manni in seinem Element

Manni in seinem Element

Manni in seinem Element

Manni wird 50

Ja, lieber Manni, Du mürrisches Mammut, lieber Manfred oder lieber Kossi, wie man Dich nennt und Dich kennt, nun aber im Ernst:

Zu Deinem heutigen Ehrentag, an dem Du um nichts weniger als 50 Jahre alt wirst, wünsche ich Dir auch von dieser Stelle aus alles Gute zum runden Geburtstag:

Die Getränke und das Essen sind bestellt und sicherlich schon geliefert. Da gebraucht es nur noch uns, die Vertilger, die mit Dir zünftig feiern werden …

Willi und seine Lieben

Das Mädchen aus Monaco

Das Thema ist in der Literatur und im Film nicht neu: Ein älterer Mann verfällt einem jungen Mädchen. Vor über 100 Jahren schrieb Heinrich Mann seinen Professor Unrat, der als Der blaue Engel mit Marlene Dietrich verfilmt wurde. Und der Roman Lolita von Vladimir Nabokov (1955), der gleich mehrmals verfilmt wurde, gab der Gattung gewissermaßen ihren Namen: Lolita als Synonym für eine Kindfrau.

Aber auch in der neueren Literatur stoßen wir öfter auf in die Jahre gekommene Herren, die sich von jungen Frauen betören lassen (siehe u.a. meinen Beitrag Alterssex in der Literatur), zuletzt in Martin Walsers Angstblüte.

Je nach Standpunkt werden solche literarischen Werke für “schwitzige, sabbernde Altmännerfantasie” gehalten, während andere diese als “wunderbar schamlose Altherrenerotik” betrachten.

In dem Film Das Mädchen aus Monaco ist der Pariser Staranwalt Bertrand (Fabrice Luchini) ein wortgewandter, kluger Mittfünfziger, der nach Monaco gerufen wird, um eine reiche Dame (Stéphane Audran) in einem vertrackten Mordprozess zu vertreten. Sein Auftraggeber stellt ihm den Personenschützer Christophe (Roschdy Zem) an die Seite, da Übergriffe russischer Gangster befürchtet werden. Recht bald wird klar, dass Bertrand so etwas wie ein von Frauen überforderter Womanizer ist. So sicher und überlegen er im Gerichtssaal wirkt, so verschüchtert und hilflos agiert er auf der Bettkante, von der er selbst eine attraktive, knapp bekleidete Frau stößt, die es kaum fassen kann. Als die junge Audrey (Louise Bourgoin in ihrer Debütrolle) die Verführung Bertrands in Angriff nimmt, verfällt er den erotischen Avancen der schamlosen Schönheit und wird in einen zunehmenden Gefühlsschlamassel gezogen. Die Dinge werden noch komplizierter, als sich herausstellt, dass auch der Bodyguard mal eine Affäre mit Audrey hatte …

Regie des 2008 entstandenen Films führte Anne Fontaine, die ein Jahr später auch für den Film Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft (Coco avant Chanel) mit Audrey Tautou verantwortlich zeichnete. Audrey Tautou kennen wir aus Die fabelhafte Welt der Amélie.

Nun der Film besteht eigentlich aus drei Handlungssträngen: Zuerst ist es der Mordprozess, in dem der Staranwalt die Verteidigung übernimmt. Dann ist es die ungewöhnliche Freundschaft zwischen diesem und seinem Bodyguard; zuletzt natürlich die Beziehung der beiden Männer zu der jungen Frau. Die besonders in Frankreich prominenten Darsteller Fabrice Luchini – weißhäutig, wabbelig und gebildet, ein Mann des Wortes – und Roschdy Zem – braungebrannt, durchtrainiert und animalisch, ein Mann der Tat – spielen das gegensätzliche Männer-Duo, das der selben Dame verfällt. Ihre Freundschaft, wenn man es so nennen darf, beruht auf Respekt vor der Arbeit des anderen. Das führt am Ende sogar soweit, dass der eine für die Taten des anderen einsteht. Aber ich möchte nicht zuviel verraten.

Eindeutig im Mittelpunkt stehen vor allem der Staranwalt und das Mädchen und wie dieses den Staranwalt ‚um den Finger wickelt’. Der Maître ist fasziniert von der blonden Schönheit, von ihrer Jugend und auch von ihrer Schamlosigkeit, von der er kosten darf. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Begierde und seinen Gefühlen. Was kann ein in die Jahre gekommener Mann wie er von einem Mädchen wie Audrey erwarten? Erst spät erkennt er, dass er nur Mittel zum Zweck ist. Und das führt dann auch zur Katastrophe.

Die turbulente Sommerkomödie avancierte übrigens zum Publikums-Hit in Frankreich. Die Komik entsteht aus den Figuren und den geschliffenen Dialogen. Monaco bietet mit seinem Operettendekor die optimale Kulisse für diese charmante Tragikomödie.

Sicherlich erfindet dieser Film das Thema nicht neu. Aber es bietet andere Nuancen, die dann auch den Reiz dieses Filmes ausmachen. Und es ist ein französischer Film. Wer wie ich selbst in die Jahre gekommen ist, macht sich natürlich ‚seinen Reim’ auf solche Filme. Wie gut, dass ich glücklich verheiratet bin und sich schon von daher die Avancen junger Damen in Grenzen halten :-).


Das Mädchen aus Monaco

Dienstjubiläum

Hätte mir damals einer gesagt, dass ich auch nach zwanzig Jahren noch beim gleichen Arbeitgeber arbeiten würde, ich hätte nur gelacht. Jetzt ist mir das Lachen vergangen: Heute habe ich mein 20-jähriges Dienstjubiläum, arbeite also seit dem 1. Oktober 1989 (vor gefühlten 1000 Jahren also) bei einer karitativen Organisation in Hamburg. Was zunächst befristet als eine Art Aushilfsjob begann, setzte sich als Festanstellung fort. Natürlich arbeite ich heute auf einem anderen Arbeitsplatz und bekomme wohl auch ein wenig mehr Geld für meine Tätigkeit als vor 20 Jahren. Aber nie wäre ich damals davon ausgegangen, so lange (und wohl noch etwas länger) im gleichen Haus zu arbeiten.

Mein Arbeitsplatz

In diesen 20 Jahren hat sich natürlich viel getan. Ich habe geheiratet und inzwischen zwei Söhne, die mir über den Kopf gewachsen sind. Auch habe ich inzwischen meinen Wohnsitz gewechselt – aber seit nunmehr 18 ¾ Jahren sitze ich Tag für Tag am gleichen Schreibtisch. Vor 20 Jahren war natürlich auch politisch einiges los in Deutschland. Ein Kollege von mir (inzwischen in Rente) war einer der DDR-Bürger, die über die Prager Botschaft den Weg in den Westen fanden. Und dann kam der 9. November 1989, der Tag, an dem die Berliner Mauer „fiel“ und die „Wende“ in der DDR einleitete, die zur deutschen Wiedervereinigung führte.

Nun denn, damals dachte ich längst noch nicht an Rente, Altersteilzeit und Ruhestand, wie man den Lebensabschnitt nach dem Arbeitsleben nennt. Heute sieht das schon anders aus. Ich gehöre zu einem Jahrgang, der Altersteilzeit in Anspruch nehmen kann. Dafür muss ich mich aber bis zum Jahresende entschieden haben (Finanziell gefördert wird die Altersteilzeit von der Agentur für Arbeit, soweit sie spätestens am 31. Dezember 2009 angetreten wird und der Arbeitnehmer das 55. Lebensjahr vollendet hat). Ich überlege noch …