Kategorie-Archiv: Gerstengebräu

Alles zu Gebräu und Brand von Gerste und anderem Getreide

Vier Biere der Ratsherrn Brauerei, Hamburg

So langsam müsst Ihr mich für einen Säufer halten. Sei es drum. Zu meinem Geburtstag erhielt ich in diesem Jahr von meinen Arbeitskollegen nicht die obligatorischen Blümchen, die ich gern an meine Frau weitergeleitet hatte, sondern ein Viererpack Bier, genauer die so genannte Hamburger Lieblingsbox. Das stammt von der Ratsherrn Brauerei, Schanzenhöfe/St. Pauli, Lagerstraße 30a, Hamburg. Bei der Marke Ratsherrn klingelt es bei einigen Bierkennern bestimmt. Genau: Die Marke Ratsherrn Pilsener wurde seinerzeit von der Elbschloss-Brauerei gebraut. Mit der Integration der Elbschloss-Brauerei wanderte die Marke zur Bavaria-St. Pauli-Brauerei und anschließend zu der Holsten-Brauerei. Durch einen Entscheid des Bundeskartellamtes musste die Marke im Jahr 2000 wieder abgegeben werden.

Wie auch immer: Seit 2012 gibt’s nicht nur wieder ein Ratsherrn Pilsener, sondern noch einige Biere mehr. Vier dieser Biere durfte ich nun verkosten: Ratsherrn – ein Hamburger Original aus den Schanzenhöfen

    Hamburger Lieblingsbox: Ratsherrn Lager – Weißbier – Rotbier – Pale Ale

Lager 5,4 % Vol.wunderbar fruchtig mit geballten Malzaromen

Beschreibung lt. Etikett: Lagerbier, eigentlich in Österreich erfunden, wurde schon vor über 150 Jahren in Hamburg gebraut. Und wir fanden, wer in der Lagerstraße braut, sollte auch ein anständiges Lager am Start haben. Auf das Ergebnis sind wir echt stolz: Hopfige Wuchtigkeit, leichte Fruchtnoten und eine ganz feine Würze perlen gut gekühlt aus der Flasche. Das frische, dezent-kräftige Aroma des untergärigen Klassikers entsteht übrigens bei unserer ganz speziellen Kellerhopfung. Da geht was!

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Hersbrucker Spät, Tradition, Herkules)

Das fing schon einmal gut an: Oft ist untergäriges Lagerbier vom Geschmack her ziemlich labberig. Aber hier finden Hopfen und Malz bestens zusammen, nicht zu aufdringlich, aber eben noch lagerbiermäßig, auch mit dezenten Fruchtnoten (Limette lässt sich herausschmecken). So ein Bier schmeckt besonders gut zum Abendbrot mit Wurst und Käse.

Weißbier 5,4 % Vol.sommerfrisch, spritzig und mit famosen Fruchtaromen

Beschreibung lt. Etikett: Ein Weißbier aus Hamburg? Ganz genau! Denn bereits im 14. Jahrhundert wurde hier ein fantastisches Weißbier gebraut. Unsere Braumeister haben diese Tradition wiederbelebt. Obergärige Hefe, sechs Malzsorten und der neuseeländische Aromahopfen Topaz haben ein spritziges, sommerfrisches und naturbelassenes Weißbier mit feinen Fruchtaromen hervorgebracht. Ahoi!

Zutaten: Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer Mittelfrüh, Herkules, Tradition, Saphir, Topaz), Hefe

Weißbier resp. Weizenbier trinke ich eigentlich im Sommer, weil’s meist ziemlich fruchtig im Geschmack ist. Dieses naturbelassene Weißbier verhält sich damit eher dezent, auch wenn es feine Fruchtaromen nicht leugnet. Malz und Hopfen halten sich auch hier elegant die Waage, sodass so ein Bier auch mal im Winter genossen werden kann und gut zu ‚hellen‘ Gerichten (Suppen, Spargelgerichte, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte) passt.
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Rotbier 5,2 % Vol.betörende Malznoten mit einem Hauch Karamell

Beschreibung lt. Etikett: Rotbier, weißer Schaum, bernsteinrote Bierfarbe. Mit viiiel Traditon. Joachim von Lohe löste bereits 1536 mit dem Ausschank seines „fewrrothen“ Bieres im heutigen St. Pauli eine Bewegung aus. Die Hamburger kamen in Scharen. So soll es auch heute wieder sein. Eine ausgesuchte Spezialmalzmischung und der Aromahopfen Saphir münden bei unserem Rotbier in einem harmonischen, wohltemperierten Gesamteindruck. Aromatisch, mit einer Spur Karamell. Wunderbar!

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Tradition, Saphir)

Das Auge isst bzw. trinkt bekanntlich mit. So hüpft das ‚Säuferherz‘ schon beim Anblick des bernsteinroten Bieres, wenn es ins Glas fließt. Auch hier findet sich ein unaufdringliches Bier, harmonisch und wohltemperiert, das durch Malznoten glänzt.

Pale Ale 5,6 % Vol.himmlich blumige, fruchtige Hopfennoten

Beschreibung lt. Etikett: Pale Ale, ursprünglich eine urenglische Erfindung im 17. Jahrhundert. Die Seeleute brachten es mit nach Hamburg. Prompt spezialisierte sich die Hamburger Brauerei Deetjen & Schröder auf die Produktion meist englischer Biersorten. Und heute? Unmengen von Hopfensorten und ale-typische Malze führen zu einem waldhonig-farbenen, naturtrüben Pale Ale mit einem wunderbaren, an trockene Beeren und frische Zitrus-Früchte erinnernden, Aroma. Himmlisch!

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Herkules, Tradition, Cascade, Saphir, Hallertauer Mittelfrüh)

Das Pale Ale habe ich als letztes dieser vier Biere verkostet. Ich muss gestehen, dass ich etwas enttäuscht war. Vielleicht stehe ich mehr auf Malz- als auf Hopfenaromen. Hier sind gleich mehrere Hopfensorten verbraut worden und die Zitrusfrische (mich erinnert das stark an Grapefruit) drängt sich – zumindest für mich – etwas zu sehr in den Vordergrund und korrespondiert nicht ganz so gut mit der Bitternote des Bieres. Aber das ist Geschmackssache.

Insgesamt war ich doch angenehm überraschend darüber, welche Bierbraukunst mitten in Hamburg zu finden ist. Und in einem angenehmen Ambiente lassen sich die Biere auch vor Ort zwischen Fernsehturm und Fleischgroßmarkt, zwischen Schanzenbahnhof, vielen Gleisen und den Messehallen in den Schanzenhöfe genießen.

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Bierkalender (Advent) 2014 – Türchen 13 bis 24

Hier mit leichter Verspätung die Fortsetzung meiner Verkostung der Biere aus meinem Bierkalender (Advent) – die Türchen 13 bis 24 des Original Kalea Bierkalenders.

Die Liste der Brauereien ist ziemlich lang. Die weltweit größten Brauereigruppen – nach Bierausstoß in Millionen Hektolitern gemessen – sind dabei allerdings nicht in deutscher Hand. Trotz einiger großer Brauereigruppen auch in Deutschland so ist der Biermarkt bei uns bis heute noch stark regional geprägt. Es existierten im Jahr 2011 insgesamt 1341 Brauereien in Deutschland, davon 632 in Bayern (47 %).

Bierkalender (Advent): die Türchen 13 bis 18

Aber genug der Vorrede. Komme ich zum 13. Türchen, zum Tag (13): Hier fand ich ein Karmeliten Kloster Gold (Exportbier mit 5,1 % Vol.) der Karmeliten Brauerei, Straubing. Exportbier ist für mich im Geschmack meist zu lasch. So deutet dieses Bier zwar feine Malzaromen an. Der Hopfen ist aber nur unterschwellig schmeckbar.

Am Tag (14) folgte wieder ein Pils, dem der Deutschen wohl beliebtestes Bier: (Trinkt) Pils aus Pahres (5,0 % Vol.) der Privatbrauerei Hofmann, Pahres. Auch für dieses Pils gilt, was ich zu Bieren Pilsener Brauart aus dem Süden der Republik gesagt habe: das Bittere des Hopfens hält sich durch seine feinherbe Art in Grenzen und hat einen schlanken Nachgeschmack. Das Bier ist untergärig mit hellem Gerstenmalz gebraut und ist so von heller Farbe. Es besitzt eine prickelnd frische Rezens, d.h. die Kohlensäure perlt angenehm.

Dem Türchen des Tag (15) entnahm ich wieder ein kräftigeres Bier: Schalchner Weißer Bock (7,4 % Vol.) des Weißbräus Schwendl, Tacherting, aus dem schönen Chiemgau in Oberbayern. Ich muss gestehen, dass das für mich neu war: ein Weizenbier (oder Weißbier – wie die Bayern sagen) als Bockbier, also ein Weizenbock – natürlich hefetrüb.

Ein Weizen trinke ich eigentlich eher gern im Sommer, weil so ein Bier durch seine feine Säure erfrischt. Dagegen ist der Winter Starkbierzeit. Und dieses Weizenbock passt durch Farbe und Geschmack sehr gut in die jetzige Jahreszeit: Die Farbe ist kastanienbraun und durch die Hefe trüb. Die Blume ist zunächst schön fest, dicht und sahnig, fällt dann aber bald zusammen (wie für Weizenbiere eigentlich üblich) und führt zu Schlieren am Glas. Süße und Säure versuchen ihre Aromen nach vorne zu drücken, zum einen Schokolade, zum anderen reife Banane – das summiert sich zu einem geschmacklichen Potpourri. Keine Frage, das Bier ist süffig durch die ausgetüftelte Malzmischung und sicherlich eine Empfehlung für Weißbierliebhaber.

Die Tage (16) und (17) boten zwei Biere Pilsener Brauart. Zunächst (16) das Neuöttinger Pils (4,8 % Vol.) der Müllerbräu, Neuöttingen. Dieses Bier ist hellgelb schimmernd, edel im Trunk und feinherb in der Note. Bebraut wird es mit bestem Aromahopfen der Hallertau, dem wohl größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Es liegt fast zentral in Bayern und wird grob von den Städten Ingolstadt, Kelheim, Landshut, Moosburg, Freising und Schrobenhausen begrenzt. Den Tag darauf (17) war ein Leibinger Edel Pils (4,8 % Vol.) der Brauerei Max Leibinger, Ravensburg im Türchen. Bei diesem Bier wird bester Tettnanger Aromahopfen mit hauseigener Bierhefe verarbeitet. Beide Pils sind nicht zu herb und durch feine Säure gekennzeichnet: Für manchen Norddeutschen sind sie etwas zu blass von Farbe und auch vom Geschmack her.

Wie schon gesagt: Ein Weizen, zudem ein helles mit Hefe, ist für mich eher etwas für den Sommer. Weizen- bzw. Weißbier erfreut sich zunehmender Beliebtheit auch hier im Norden und findet sich so auch in den Sortimenten norddeutscher Brauereien. So ein Hefe-Weizen trinkt man aus großen Gläsern. Da kommt so ein Bier aus der 0,33-Liter-Flasche eher spärlich ins Glas. Tag (18) bot mir so ein helles Hefe-Weizen aus dem tiefsten Süden der Republik: Unser Bürgerbräu Hefe-Weizen (5,2 % Vol.) der privaten Alpenbrauerei Bürgerbräu, Bad Reichenhall.

Dies obergärige Bier ist von orange-trüber Farbe und vom Geruch her eher nach Weizen und Gerste als nach Banane ausgerichtet. Ansonsten ist es wie eben ein Weizenbier sein soll: süffig und spritzig, auf der Zunge stark rezent und vollmundig – und auf die „altmodische“ Weise gebraut: mit der klassischen Flaschengärung. Der BÜRGERBRÄU ist einer der wenigen, die unverändert an dieser aufwändigen, aber qualitativ unübertroffenen Methode festhalten.

Bierkalender (Advent): die Türchen 19 bis 24

Am Tag (19) begab ich mich gewissermaßen in die Zeit frühester Kindestage zurück – das Black Forest Ale (5,7 % Vol.) der Privatbrauerei Ketterer kommt aus Pforzheim vom Nordrand des Schwarzwaldes (daher auch der Name des Bieres). Dort lebte ich knapp drei Jahre und brachte den schwäbischen Zungenschlag mit nach Bremen. Dieses Ale ist mit amerikanischer obergäriger Ale-Hefe vergoren und bekommt dadurch eine leichte Citrusnote. Dafür darf sich die Nase über das ausgeprägte Hopfenaroma freuen. Unfiltriert und gelb-orange leuchtend bei etwas mehr Alkohol ist es ein besonderer Genuss.

Der Tag (20) kam wieder mit einem Pils daher: Schönramer Pils (5,0 % Vol.) der Privaten Landbrauerei Schönram. Obwohl ich eigentlich nicht der große Pils-Trinker bin, so war ich von diesem Bier wirklich begeistert. Laut eigenen Angaben der Brauerei ist dieses Bier „stärker gehopft als die Fernsehbiere unserer preußischen Nachbarn“ (hört, hört …), aber da ausschließlich Aromahopfen zur Verwendung kommen, empfindet man die bittere Note zurecht „angenehmer und harmonischer, ohne Ecken und Kanten.“ Dieses Pils hält mit Bravour das Gleichgewicht zwischen Hopfenherbe und malziger Süffigkeit.

Das Bier des Tages (21), wieder ein Pils, ist natürlich für mich Norddeutschen ein alter Bekannter: Dithmarscher Pilsener (4,8 % Vol.) der Dithmarscher Privatbrauerei Karl Hintz in Marne. Aus Dithmarschen kommt bekanntlich viel Kohl und auch die Büsumer Krabben. Aber auch ohne Kohl und Krabben lässt sich das Bier bestens trinken. Allerdings ist es wie viele Pils aus dem hohen Norden trotz voller Naturfrische ziemlich hopfenherb (nur das Jever Pilsener ist durch ein Mehr an Hopfen noch etwas herber, eben friesisch-herb).

Am Tag (22) verkostete ich das Diestel Blond (5,1 % Vol.) der Distelhäuser Brauerei, Dieselhausen im Taubertal. Neben einer starken Zitrusnote ist dieses Bier durch weitere Fruchtaromen von Pfirsich und Mango geprägt. Für mich mehr ein Obstsalat als ein Bier, also nicht so mein Fall.

Der Tag (23) meines Bierkalenders brachte wieder ein Bier der Privaten Landbrauerei Schönram und erneut ein Indian Pale Ale: das Schönramer Indian Pale Ale (8,0 % Vol.). Laut Brauerei-Website soll dieses Bier sogar 8,5 Volumen-% Alkohol haben (also auf meiner Flasche steht 8,0 % Vol. – vielleicht dürfen aus Bayern keine Biere mit mehr als 8 % ‚ausgeführt’ werden). So oder so war dieses Bier sehr gehaltvoll, eben ein obergäriges, naturtrübes, bernsteinfarbenes Starkbier, dessen malziges Aroma an eine frisch gemähte Wiese erinnert. Im Antrunk schmeckt man eine leichte Malzsüße, die in eine angenehm anhaltende Hopfenbittere übergeht.

Als Abschluss der Tag (24) mit einem wieder besonderem Bier, das man sicherlich nicht alle Tage trinken mag: Böckle (7,4 % Vol.), ein dunkler Bock der Brauerei Haller Löwenbräu aus Schwäbisch Hall, eine saisonale Spezialität für den Winter. Wie an anderer Stelle schon mitgeteilt, mag ich in dieser meist doch eher kalten Jahreszeit ein kräftiges Bier mit Betonung auf malzige Aromen. Der Brauer hat bei diesem Bier viele Spezialmalze verwendet, um ein facettenreiches Geschmackserlebnis zu erzeugen. Für meinen Geschmack ist ihm das aber eine Spur zu süßlich gelungen. Trotzdem ein Bier der besonderen Art.

Mit diesen 24 doch sehr unterschiedlichen Bieren ging meine trink-kulinarische Reise am Heiligabend zu Ende. Zu Ende? Selbstredend natürlich nicht: Für die Zeit ‚zwischen den Jahren’ hatte ich mich mit Weihnachts- und Winterbieren eingedeckt, die ebenso selbstredend nur in Maßen meine Kehle benetzten. Ein gepflegte Bier sollte ein Genuss sein, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Prost!

Bierkalender (Advent) 2014 – Türchen 1 bis 12

Langsam ist es wohl doch soweit, dass ich hier die Rubrik ‚Gerstengebräu’ eröffne, denn mit Bier in den unterschiedlichsten Varianten habe ich mich ja bereits öfter beschäftigt. In keinem anderen Land gibt es so viele Biersorten wie in Deutschland (siehe: Deutsches Brot und deutsches Bier). Und um es nicht unerwähnt zu lassen: der schottische Ableger des flüssigen Gerstensaftes in gebrannter Form, den Whisky (z.B. in Form eines Single Malt), habe ich hier natürlich auch hin und wieder angesprochen.

Nun in diesem Jahr habe ich zur Adventszeit einmal etwas bekommen, was weniger die Zähne, vielleicht eher die Leber angreift – einen Adventskalender mit 24 Fläschlein unterschiedlichsten Bieres: Original Kalea Bierkalender. Original Kalea ist ein Vertrieb aus Österreich, der natürlich auch in Deutschland tätig ist, und endlich die Marklücke ‚Bier-Adventskalender’ geschlossen hat. Man(n) braucht sich also nicht mehr den Kasten Bier an die Wand dübeln (Bastelanleitung Bier-Adventskalender – Quelle: biersekte.de). Kalea bietet sowohl eine Edition Deutschland als auch Edition Österreich (siehe z.B. Bierkalender 2013 – Edition Österreich).

Zur Edition Deutschland: Mit einer einzigartigen Biervielfalt gibt dieser Bieradventskalender einen kleinen Einblick in die enorme Vielfalt der deutschen Bierkultur und überrascht täglich auf’s Neue. Neben dem „Indianerbock“ aus der Heidelberger Brauerei oder dem “Gründerbier“ aus der Westerwälder Brauerei werden auch viele andere Bierspezialitäten für Aufsehen sorgen. Als Brauerei des Jahres, wird die Distelhäuser Brauerei mit einem besonderen “Craft-Bier” überraschen. Vor kurzem fand in Amerika der World Beer Cup statt. In der prestigeträchtigen Kategorie “beste Pils der Welt”, gewann die Landbrauerei Schönram. Bierliebhaber dürfen sich auf ein geschmacksvolles Erlebnis freuen und neben Pilsbieren vor allem neue Bierstile wie ein India Pale Ale, ein Stout oder ein Porter kennenlernen. (…der Rest bleibt ein Geheimnis)

Woher meine Frau den Bierkalender hat, den ich verkosten durfte, weiß ich nicht. Irgendwie deckt sich der Inhalt nicht ganz mit dem, was laut Internet vorzufinden sein sollte. Aber das spielt irgendwie keine Rolle, solange das vorgefundene Bier schmeckt. Hält man sich an die Spielregeln (jeden Tag nur ein Türchen öffnen), dann werden sich die Leberwerte auch weiterhin im grünen Bereich bewegen. Erhältlich ist ein solcher Bierkalender (Advent) ab Ende Oktober im Lebensmittel- und Getränkefachhandel bzw. im Internet: Original Kalea Bierkalender

Heute möchte ich die ersten zwölf Biere vorstellen, also das, was sich hinter den Türchen 1 bis 12 verbarg. Eigentlich haben mir alle Bier sehr gut geschmeckt – sieht man von dem Biermischgetränk Kirsch Porter einmal ab – das war einmal klebrig-süß und daher fehl am Platze.

Bierkalender (Advent): die Türchen 1 bis 6

Der Reigen (1) begann mit dem Rieder Indian Pale Ale (6,0 % Vol.) der Brauerei Ried aus Österreich. Ursprünglich wurde diese Biersorte ab den 1830er Jahren in England und Schottland für die indischen Kolonien gebraut. Es ist kräftig, bernsteinfarben und sehr fruchtig im Geschmack (naturtrübe).

Tag (2) brachte gleich eines von mehreren Pils-Bieren hervor: Hohenthanner Hopfen Pils (5,1 -% Vol.) der Hohenthanner Schlossbrauerei. Ich bin kein allzu großer Pils-Fan. Aber das betrifft mehr die Pils norddeutscher Brauart, die meist sehr herb sind. Biere Pilsener Brauart von jenseits des Weißwurstäquators sind dagegen eher süffig mit einer blumigen Hopfennote. Dieses Bier entspricht dem voll und ganz, ist von goldener Farbe, naturtrüb und gebraut mit frischem Aromahopfen.

Tag (3) dann das Lausitzer Kirsch-Porter (immerhin noch 4,2 % Vol.) der Bergquell Brauerei. Das ist kein Bier, sondern ein Biermischgetränk. Nein, das ist nichts für meines Vaters Sohn.

Tag (4) entschädigte dann aber gleich mit Schlappeseppel dunkel (5,2 -% Vol.) der Eder & Heylands Brauerei, Großostheim. Ein Bier, wie ich es schon ganz gern trinke: irgendwie urig und dunkel, da von typischen Röstaromen bestimmt, vollmundig-süffig und mit zurückhaltend-milder Hopfenbittere.

Am Tag (5) ging es gleich mit einem weiteren dunklen Bier weiter: Schweiger dunkler Bock (6,2 % Vol.) der Privatbrauerei Schweiger, Markt Schwaben bei München. Das Auge trinkt gewissermaßen mit: So überzeugt dieses Bockbier allein schon optisch kastanienfarben mit roten Anklängen und einen festen, cremigen Schaum. Die Süffigkeit dieses Bieres wird durch die weichen Röstaromen bestimmt, die Karamell mit einem Hauch Dörrobst wiedergeben.

Das erste halbe Duzend (6) wird mit einem Bier namens Wolfsblut (5,1 Vol.) von Wolf Bräu, Karlsruhe, abgeschlossen. Nun gut, den Namen finde ich schon etwas kurios (ähnlich wie ‚Rotkäppchen’ für einen Sekt), aber es kommt natürlich in erster Linie auf den Geschmack an. Und da ist dieses Bier mit schöner Kupferfarbe mit roten Reflexen voll in meinem Trend. Es duftet schön malzig und entwickelt eine herbe und leicht an Apfel und Pflaumen erinnernde Note. Wenn ich das richtig gelesen habe, dann gibt es die ursprüngliche Brauerei Wolfbräu nicht mehr, sondern das Bier wird jetzt in Heidelberg gebraut.

Bierkalender (Advent): die Türchen 7 bis 12

Tag (7) offeriert ein weiteres Ale aus Österreich: Austrian Amber Ale 5,6 % Vol.) des Brauhauses Gusswerk, Hof bei Salzburg. Dieses Bier ist naturtrübe von der englischen Ale-Hefe. Original Bio-Hopfen aus den USA bestimmt den Geschmack. Der feine Bitterton wird durch Citrus- und Grapefruit-Aromen unterlegt. Englische Ales sind meist kohlensäurearm und entwickeln daher wenig Schaum. Dieses Bier überzeugt nicht nur durch die Farbe (amber, also bernsteinfarben), sondern auch durch seinen Geschmack.

Am Tag (8) hatte ich ein Westheimer Wildschütz Klostermann (4,8 % Vol.) der Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei, Westheim im ‚Türchen’. Wieder einmal ein helles, dafür auch naturbelassene (naturtrüb) Bier, ein Pils, aus der Gegend um Eggegebirge und Sauerland. Anders als norddeutsche Pils-Biere so ist auch dieses eher süffig, von leicht säuerlichem Geschmack und mit dezenter Hopfennote. Ein für mich durchaus trinkbares Pils.

Tag (9) offerierte mir ein Porter: Bosch Porter – Schwarze Magie (5,3 % Vol.) der Brauerei Bosch, ein „Schwarzbier, das bewusst die Aromavielfalt der traditionsreichen englischen Porterbiere aufgreift und dabei streng das deutsche Reinheitsgebot achtet.“ Bei Porter bin ich mir nicht immer so ganz sicher. Da gibt es die durchaus gehaltvolle Variante aus dem Ostseeraum, die im englischen Sprachraum als „baltic porter“ bekannt ist (z.B. auch das Störtebeker Choco-Porter). Ich verbinde mit Porter eher ein leichtes, süßes Bier (Malzbier!).

Auch Bosch Porter ist malz-aromatisch und tiefschwarz untergärig: „Schon im Antrunk fallen die an Schokoladenaromen erinnernden Röstmalznoten auf, die in eine angenehme Süße übergehen. Der hintergründige Hopfenbittere harmoniert exzellent mit dem vollmundigen Körper.“ – Mein jüngster Sohn mag Porter. Ich habe ihn dieses Porter kosten lassen und er war begeistert. Auch ich muss sagen, dass es mir gleich nach wenigen kleinen Schlückchen zusagte. Mal, schauen, woher wir einen Kasten Bosch Porter bekommen …

Am Tag (10) gab es ein Franz-Bier – ’ s Frische! (4,7 % Vol.) der Brauerei C. Franz, Rastatt. Ja, es ist Frische, die dieses Bier auszeichnet, eigentlich Sommerfrische durch feinsten Aromahopfen aus dem Elsass, der diesem Bier seinen erfrischend fruchtigen Charakter verleiht und von einer leichten Zitronenherbe und angenehmen Spritzigkeit begleitet wird. Die Farbe ist ein klares Hellgelb.

Auch am Tag (11) bestimmte der Sommer in goldener Farbe eines schönen Westerwälder Sommertags das Trinkgeschehen: Westerwald Bräu (5,2 % Vol.) der Westerwald-Brauerei H. Schneider, Hachenburg. Im Geschmack ausgesprochen süffig, verleiht der etwas stärkere Stammwürzegehalt dieser untergärigen Brauspezialität ihren vollen Charakter.

Tag (12): Das Fürstenberg Premium Pilsener (4,8 % Vol.) der Fürstenberg Brauerei ist auch in nordischen Gefilden bestens bekannt. Es ist ein schlankes, hopfenbetontes Pilsener, was die Herbe nicht übertreibt und so in seiner strohgelben Farbe und seinem feinporigen Schaum schön süffig bleibt.

Soviel für heute. Ohne gleich der Trunksucht verfallen zu sein, habe ich diese elf Bierchen (das Kirsch Porter lass ich nochmals außen vor) genossen und bin, ohne in patriotische Gesänge zu verfallen, froh, in Deutschland geboren zu sein, wo man es nach wie vor bestens versteht, ein ordentliches Brot zu backen und dazu ein noch ordentlicheres Bier zu brauen. Nach diesen vier Litern Bier (12 mal 0,33 l) war ich dann natürlich gespannt, was ich da die letzten zwölf Tage bis Weihnachten zu erwarten habe (demnächst in diesem Blog).

Natürlich habe ich der Jahres- und Festzeit entsprechend weitere Biere im Keller verborgen: Ein Weihnachtsbier und einen Winter-Traum der Post-Brauerei Karl Meyer, Nesselwang (ich erinnere an das Allgäuer Bier-Bad – natürlich von innen) sowie (nochmals) einen Winter-Traum der Klosterbrauerei Weltenburg. Letzteres habe ich hier bereits schon einmal ausführlicher vorgestellt.

Deutsches Brot und deutsches Bier

In keinem anderen Land gibt es so viele Brotsorten wie in Deutschland. Nach Auskunft des Deutschen Bäckerhandwerks sollen es über 3000 Brotsorten sein, vom Kürbiskarree über die Urkruste bis zur Moorkante, viele davon gibt es nur in einzelnen Regionen. Ich will hier gar nicht weiter auf all die vielen Brotsorten eingehen. Aber eines ist allen gemeinsam: Sie werden aus Getreide hergestellt – bei uns meist aus Weizen und Roggen, oft als Mischbrote, Gerstenbrot ist bekannt (und von mir geliebt). Und dann kommen natürlich noch die besonders am Wochenende beliebten Brötchen hinzu.

Ähnlich geht es mit dem Bier aus deutschen Landen. Kein Land kann so viele Biersorten aufweisen wie Deutschland. Und auch Bier besteht zu einem wichtigen Teil aus Getreide, denn die Grundzutaten des Bieres sind Wasser, Malz (aus Gerste, Weizen, Roggen, Dinkel, Mais o. a.) und meistens Hopfen. In Deutschland bevorzugt man meist das Getränk aus Gerste, daher Bier auch gern als Gerstensaft bezeichnet wird. Weizenbiere kommen aus Süddeutschland, erfreuen sich aber zunehmend auch im Norden der Republik großer Beliebtheit – besonders zur warmen Jahreszeit ihrer fruchtig würzigen Note wegen. Haferbier ist in Deutschland wohl nicht bekannt, ich habe es vor einigen Jahren einmal in Schottland getrunken (die Schotten haben eine Vorliebe für Hafer), und zwar auf der Isle of Skye, das übrigens sehr lecker und von goldener Farbe war (Hebridean Gold).

Getreide und damit das Getreideprodukt Brot gehört zu den Grundnahrungsmittel und ist neben Wasser (bei uns eben auch in Form von Bier) wichtigster Hauptbestandteil der Ernährung. Die Errungenschaften Brot und Bier gehören sozusagen zu unserem und darüber hinaus zum Weltkulturerbe. Da gibt es ja die Liste der UNESCO aller Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend: Welterbe bzw. Weltkultur- und Weltnaturerbe. In Deutschland gehören hierzu Baudenkmäler wie Schlösser und Kirchen (z.B. der Kölner Dom), aber auch seit 2009 das deutsche Wattenmeer.

Neben dieser Liste gibt es auch eine weitere UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes. Hier finden sich kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden, also „Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume […], die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.“ Deutschland ist bisher noch nicht auf dieser Liste vertreten, will es aber und bietet eigene Kandidaten: das deutsche Brot und das deutsche Bier.

    Deutsches Brot und deutsches Bier

Der Bäckerverband will „mit der Kampagne für einen Eintrag in die Unesco-Liste […] das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Brotkultur stärken’, sagt Hauptgeschäftsführer Amin Werner.

Doch es gibt Konkurrenz: 128 Vorschläge wurden bei den Kulturministerien der Länder eingereicht, darunter die mündliche Erzähltradition Graweredersch aus Thüringen, der Chorgesang und der Kratzputz an historischen Fachwerkgebäuden in Hessen. Besonders öffentlichkeitswirksam ist natürlich die Kampagne des Deutschen Brauer-Bunds für eine Registrierung des deutschen Reinheitsgebots.

Dieses stehe ‚für die Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik und gilt zugleich als älteste heute noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt’, wirbt der Brauer-Bund. Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage unterstützen 79 Prozent der Deutschen das Anliegen der Bierbrauer.

Die Konkurrenz der Bierbrauer stört die Bäcker aber nicht. ‚Das sehen wir sehr freundschaftlich’, versichert Werner. Schließlich seien sich die beiden Produkte Brot und Bier recht nah – nicht umsonst sei ja beim Bier auch die Rede vom ‚flüssigem Brot’.“

siehe auch:
Deutsche UNESCO-Kommission – Immaterielles Kulturerbe bzw. Drei Listen des immateriellen Kulturerbes

Starkbierzeit und so

Am letzten Mittwoch, dem Aschermittwoch (lat.: Dies Cinerum), begann für viele Menschen wieder die vierzigtägige Fastenzeit bis Ostern. Meine Frau und auch mein jüngerer Sohn wollen diese Tage nutzen und auf Süßigkeiten aller Art verzichten. Man spricht dann von Enthaltung oder Abstinenz. Der Sinn ist aber ein ähnlicher: Man verzichtet bewusst auf etwas, um z.B. die eigene Wahrnehmung und Aufmerksamkeit zu fördern bzw. die Willenskraft zu erhöhen.

Stark-, Bock- und Doppelbockbiere – aus deutschen Landen

Fastenzeit ist allerdings auch Starkbierzeit, genauer: Doppelbockbierzeit. Zur Verbreitung des Bockbieres trugen zum großen Teil die Klöster bei, die in den Fastenzeiten, nach dem Motto „Flüssiges bricht Fasten nicht“, dieses besonders süffige und nahrhafte Getränk bevorzugten. Anderswo habe ich gelesen, dass während der Fastenzeit die Einnahme von drei Bissen Brot, drei Schluck Wasser und drei Schluck Bier erlaubt war. Damit die Mönche halbwegs bei Kräften blieben, braute man in dieser Zeit ein besonders gehaltvolles Bier.

Nicht, dass ich die Enthaltsamkeit meiner Lieben sabotieren will. Aber ich mag nun einmal ein gehaltvolles, dunkles Bier und in diesen Tagen gibt es davon eine ganze Menge. Ich habe mich auf jeden Fall auch in diesem Jahr mit einem Kasten verschiedener Bock-, Stark- bzw. Doppelbockbiere eingedeckt und werde diesen ganz suutje piano, wie man hier im Norden sagt (gemächlich und leise), ‚vertilgen’. Einige der Biere habe ich ja bereits an anderer Stelle vorgestellt: Kloster Andechs Doppelbock dunkel 7,1 %, Paulaner Salvator 7,9 % und Weltenburger Kloster Asam Bock 6,9 %. Diesmal habe ich auch ein Bier aus dem Norden Deutschlands gewählt: das naturbelassene, untergärig dunkle Störtebeker Starkbier mit Stammwürze 16,9% und 7,5% vol. Dieses hat besonders kräftige Malzaromen, die an schwarzen Kaffee, gar an herbe Schokolade erinnern und das von besonders dunkler Farbe ist.

Kloster Andechs Doppelbock dunkel 7,1 % vol.

Paulaner Salvator 7,9 % vol.

Kloster Andechs Doppelbock dunkel 7,1 % vol.

Paulaner Salvator 7,9 % vol.

Weltenburger Kloster Asam Bock 6,9 % vol.

Störtebeker Starkbier 7,5 % vol.

Weltenburger Kloster Asam Bock 6,9 % vol.

Störtebeker Starkbier 7,5 % vol.

Überhaupt die Farbe, die vom Malz geprägt wird: Wie das Störtebeker Starkbier, so ist auch das Asam Bock von sehr dunkler, fast schwarzer Farbe. Das Salvator ist dagegen schon fast hell (rötlich goldfarbend) – und Andechs Doppelbock dunkel liegt irgendwo dazwischen. Die Farbe, der Malz bestimmt so gewissermaßen auch den Geschmack. Alle Biere sind auf jeden Fall süffig und gehaltvoll. Man sollte ein „geübter Biertrinker“ sein, wie ich einmal im Zusammenhang mit einem anderen Bockbier las. Auf jeden Fall ist so ein Bier viel zu schade, um es in Mengen in sich hineinzuschütten. Hier steht der bewusste Genuss ganz klar vor dem Alkoholexzess.

Okay, es ist für mich nicht gerade eine Fastenzeit, die Tage bis Ostern. Aber trotz eines süffigen Bieres am Abend werde auch ich mich bewissen Einschränkungen hingeben, Tag für Tag auf eine andere Art (einen alkohol- und damit bierfreien Tag gibt es sowieso jede Woche mindestens einen). Am Wochenende war z.B. mein älterer Sohn bei uns und bereitete fürs Abendessen einen veganen Matjeshering zu. Also fleischlose Kost. Matjes? Vegan? Jo!

Statt Heringsfilets nimmt man Auberginen, schneidet diese längst in entsprechend große Scheiben, salzt diese mehr oder weniger kräftig und packt die gesalzten Scheiben Schicht für Schicht in Haushaltspapier (Küchenrolle). Das Ganze auch noch etwas beschweren, damit die Flüssigkeit aus dem Gemüse entweicht. Das Rezept stammt von Jerôme Eckmeier und aus seinem Kochbuch Vegan: Tut gut – schmeckt gut!. Bei Youtube gibt’s dann auch noch jede Menge Rezepte-Videos dazu. Der vegane Matjesheringssalat schmeckte dank vieler Zwiebeln, Apfelstücke und frischem Dill (Sahne war aus Soja) annähernd originalgetreu. Mir mundete es auf jeden Fall (… und da schmeckte das Doppelbock am Abend fast noch besser!).

Single Malt

Während meines Urlaubs im Jahre 2005 mit meinen Lieben in Schottland besuchten wir natürlich auch eine Whisky-Brennerei – in Keith das Stammhaus von Chivas Regal, die Strathisla Distillery (siehe auch bei de.wikipedia.org). Diese Destillerie gehört zur Region Speyside (allein in Dufftown, der Whiskyhauptstadt der Speyside, das in der Nähe von Keith liegt, gibt es wohl auch heute noch sieben Brennereien, daher der Spruch: „Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills.“ – „Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen“).

Im meinem Beitrag Schottland 2005: Whisky habe ich kurz beschrieben, wie Whisky hergestellt wird. Scotch Whisky darf sich ein Destillat nennen, das in einer schottischen Destillerie hergestellt wurde, mindestens 40 Volumenprozent Alkoholanteil hat und mindestens drei Jahre in Eichenholzfässern unter Zollverschluss in Schottland gereift ist. Es gibt drei Arten von schottischen Whisky: Grain Whisky, der aus Weizen, ungemälzter Gerste und anderen Getreiden (u.a. auch Mais) gebrannt wird. Meist wird dieser Whisky verschnitten, also zu Blended Whisky verarbeitet. Ein Blended Whisky ist eine Mischung (Verschnitt) aus mehreren verschiedenen Whiskys. Ein Blend kann Whiskys aus über 50 verschiedenen Malt und Grain Brennereien enthalten. Dabei ist der Anteil von Malts gegenüber den Grains aus Kostengründen meist sehr gering, diese bringen aber den Charakter und die Aromen in den Whisky, die den Blend prägen. Die Krönung ist natürlich der Whisky aus gemälzte Gerste, der Malt Whisky.

Der Malt Scotch Whisky untergliedert sich in den Vatted Malt Whisky (heute eher als Blended Malt Whisky bezeichnet), dessen Destillate aus mehreren Brennereien stammen, und den Straight Malt Whisky, dessen Destillate aus nur einer Brennerei stammen. Im Gegensatz zum Blended Scotch Whisky hat jeder Malt Whisky einen eigenen und arttypischen Geschmack, der sich nach der Herkunft, dem Jahresklima und der Reifung richtet. Whiskykenner schätzen diesen, da er bei gleichem Markenproduktnamen je nach Jahrgang und Reifeklima des Getreides immer eine andere Geschmacksvariante bietet.

Der Straight Malt Whisky unterteilt sich in

Single Malt (ausschließlich aus den Produkten einer Destillerie)
Single Single Malt (aus einem Brenndurchlauf)
Pure Single Malt (ein Destillat, mehrere Fässer)
Single Cask Malt (aus einem Fass, also eine stark limitierte Abfüllung) – die Flaschen sind oft einzeln nummeriert.

Ja, es ist schon eine eigene Wissenschaft, das Wissen um schottischen Whisky (von der Herstellung ganz zu schweigen). Aber warum schreibe ich das hier? Ich bin doch um einiges davon entfernt, ein Säufer zu sein. Zum einen habe ich ein durchaus positives Verhältnis zu Getreide und damit zu Getreideprodukten. Brot besteht nun einmal aus Getreide, meist aus Weizen – und bei uns oft auch aus Roggen und sogar Gerste. Deutschland ist ein Paradies für Brotliebhaber (wie mich). Nirgendwo gibt es wohl so viele Brotsorten wie bei uns. So ist es auch kein Wunder, wenn Deutschland und speziell Bayern ein Bierland ist. Bier wird nicht umsonst spöttisch gern Gerstensaft genannt, denn bekanntlich bestehen die meisten Biersorten aus Wasser, Hopfen und – Gerstenmalz. Okay, auf der Isle of Skye habe ich einmal ein Haferbier getrunken, das übrigens sehr lecker und von goldener Farbe war (Hebridean Gold). Wie an anderen Stellen in diesem Blog verkündet, mag ich besonders Bockbiere (natürlich in Maßen, nicht in Massen). Und deren Geschmack wird besonders durch Gerstenmalz geprägt.

Zum anderen aber schreibe ich hier über schottischen Whisky und speziell Single Malt, weil ich von meinen Söhnen zu Weihnachten eine kleine Holzkiste mit neun verschiedenen Whiskyprobierfläschchen bekommen habe. Die sind natürlich bisher noch unberührt, denn ich werde Schluck für Schluck von dem edlen Zeugs (oder wie der Schotte sagt: a wee dram of whisky) nur zu besonderen Anlässen genießen. Und genau dafür sollten solche Spirituosen sein, nämlich um genossen zu werden, nicht um sich zu betrinken (auch wenn mein Bruder spaßeshalber behauptete: „Halb besoffen ist ’rausgeschmissenes Geld!“).

Bevor ich aber auf die neun kleinen Fläschlein und deren Inhalt zu sprechen komme, doch noch einige Worte zum Whisky:

„Das Wort Whisky, erstmals 1736 erwähnt, leitet sich vom Schottisch-Gälischen uisge beatha ab oder vom Irischen uisce beatha (gesprochen: ischke baha oder ischke ba) und bedeutet Lebenswasser (uisge / uisce = Wasser, beatha = Leben). „Wasser des Lebens“ heißt uisge / uisce na beatha. Die anglisierte Form usquebaugh hat sich aus der gälischen Ausspracheform uskeba entwickelt, wie man es oft auch in Schottland, Irland und Wales bei Ortsnamen vorfindet, wird aber heute uskvebaw (‚u‘ wie in cut, ‚aw‘ wie in law) oder yuskibaw gesprochen. Andere Schreibweisen sind usqu(a)ebach und usquaebae. Der Begriff war bereits im 16./17. Jahrhundert geläufig. Die Engländer anglisierten das gälische Wort uisge beatha zu dem heute gebräuchlichen Wort „Whisky“. Man verstand darunter aber nicht nur Whisky im heutigen Sinne, sondern auch andere Brände mit Würzzusätzen.“ (Quelle: de.wikipedia.org)

Zum schottischen Whisky (und natürlich nicht nur zu dem) gibt es im Internet viele Websites mit weiteren Informationen – sogar ein Whiskywiki; unter scotchwhisky.net/malt/ bzw. whisky.com/brands/ alles über heute produzierten schottischen Single Malt. Und de.wikipeadia.org informiert über Whiskey-Brennereien in Schottland.

Hier nun aber zu dem besonderen Geschenk, das mir meine Söhne zu Weihnachten gemacht haben:

Single Malt – schottischer Whisky

Wie gesagt, verkostet habe ich die Whiskyproben noch nicht. Aber allein der ‚Anblick’ hat ja schon etwas. Hier zu den einzelnen Whisky-Sorten die wichtigsten Informationen – und über die Links erfährt man dann noch einwenig mehr:

Nr Gebiet Destillerie Reifezeit/Vol.-% Besonderheiten
1 Arran Isle of Arran 3 Jahre/40 % junger, unkomplizierter Einsteiger-Whisky
2 Lowland [vatted Malt] 1 11 J./40 % mild, rund, angenehmer Körper, gut als Aperitif
3 Islay Bowmore 13 J./43 % torfig-rauchige Aromen mit sanfter Süße
4 Speyside Aultmore 15 J./43 % feine Frucht, dezente Bitternote, mineralisch
5 Highland Ben Nevis 15 J./43 % fruchtig-süß, etwas pfeffrig, milder Abgang
6 Highland Fettercairn 15 J./40 % malzig-süß, zart nussig, langer Abgang
7 Islay Bunnahabhain 20 J./41 % deutlich rauchig, fruchtig mit malziger Süße, leicht pfeffrig
8 Speyside Benrinnes 11 J./62,6 % ölig, samtig, weich mit schöner Honig-Süße (Cask Strength) 2
9 Highland Teaninich 29 J./43 % komplexe Aromen, ein wunderbarer Whisky für besondere Momente
    1 Blended Malt Whisky (auch Vatted Whisky oder Pure Malt): Der Whisky stammt aus den Fässern unterschiedlicher Destillerien und wurde vollständig aus gemälzter Gerste hergestellt.
    2 Cask strength (Fassstärke): Einem Whisky wurde vor der Abfüllung kein Wasser mehr zugesetzt. Der Alkoholgehalt dieser Whiskys ist unterschiedlich, da er je nach Lagerungsdauer, Umweltbedingungen, der Qualität des Fasses und nicht zuletzt auch nach Alkoholgehalt des Ursprungsdestillats variiert.

Übrigens: Auch ‚die Engel’ bekommen ihren Anteil bei der Whisky-Herstellung: ‚angels share’: Der angels share (Anteil der Engel) ist der Verlust von Alkohol aus den Holzfässern während der Reifung. Durch die Lagerung der Holzfässer verringert sich der Alkoholgehalt um einige Prozent.

Zlatá Praha (3): Prag 1982 – Bier und Kafka

Die Reise nach Prag im April 1982 könnte man als eine Tour auf den Spuren trinkbarer Erzeugnisse Pilsener Brauart bezeichnen. Auch wandelten wir in Prag auf Kafkas Spuren. Auf der Anreise machten wir Halt in Nürnberg und in Pilsen (siehe Zlatá Praha (2): Hinfahrt nach Prag 1982). Am Dienstag, den 6. April 1982 kamen dann mein Freund und ich mit unseren Rucksäcken auf den Rücken gegen 14 Uhr am Prager Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) an.

Wie schon in Pilsen so war es vor 30 Jahren auch in Prag ein Problem, eine preiswerte Unterkunft zu finden. Zunächst versuchten wir es bei Čedok, einem verstaatlichten (1990 wieder privatisierten) Reiseunternehmen, das damals auch Hotels in Prag anbot. Das mit 380 Kronen (Kcs.) angeblich billigste Zimmer (fast 100 DM) war uns leider schon zu teuer. Wir versuchten es dann selbst und grasten einige Hotels in der Hybernska nahe dem Hauptbahnhof ab. Über Umwege kamen wir dann zu Pragotur, die ab 17 Uhr auch Privatunterkünfte vermittelten, was uns nicht nur preislich entgegenkam. So machten wir uns also auf, fuhren mit der Metro bis zur Station Hradčanská und von dort acht Stationen mit der Straßenbahn der Linie 20 auf der anderen Seite westlich der Moldau in Richtung Petřin(y). Ich habe versucht die Straße Dostálova ausfindig zu machen, aber wahrscheinlich wurde diese inzwischen umbenannt. Auf jeden Fall muss sich unser Quartier in der Nähe der Haltestelle Anděl am Ende der Štefánikova befunden haben. Gegen 18 Uhr trafen wir bei Magda und Václav M. ein, die uns herzlich begrüßten und uns gewissermaßen ihre gute Stube als Unterkunft überließen. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, kehrten wir in die Innenstadt zurück und aßen im Hotel Palace (heute ein 5-Sterne-Hotel) beim Wenzelsplatz (Václavské náměstí) zu Abend.

Privatunterkunft in Prag 6

Križovnická (Kreuzherrengasse)

Privatunterkunft in Prag 6

Křižovnická (Kreuzherrengasse)

U Fleku - Kremencova 11

U Fleků – Křemencova 11

Am Mittwoch, den 7. April 1982 ging es zunächst auf den Hradschin mit der Prager Burg und dem Veitsdom. Leider stellte sich das alles als Baustelle dar, sodass wir schon bald in Richtung Altstadt liefen. Heute dürfte das alles ‚besucherfreundlicher’ sein. Die Route in die Altstadt habe ich grob zusammengestellt:


Größere Kartenansicht
(A) Nerudova – (B) Křižovnická (Kreuzherrengasse) – (C) Kaprova – (D) Wenzelsplatz/ Národní – (E) Křemencova (U Fleků)

In der Nerudova westlich der Moldau tranken wir in einer Kneipe erst einmal zwei Prager Bierchen und kamen mit jungen englischen Touristen ins Gespräch, die ebenfalls über Pragotur eine preiswerte Unterkunft gefunden hatten. Sie beneideten uns wegen der oft guten Deutschkenntnisse der Prager. Mit Englisch kamen sie damals nicht allzu weit.

Anschließend gingen wir über die Karlsbrücke in die Altstadt – u.a. die Křižovnická (Kreuzherrengasse) längst -, dort noch einmal über den Wenzelsplatz und abends dann kehrten wir ins U Fleků in der Křemencova 11 ein. Heute ist das ein beliebtes Ziel von Touristen, die hier teilweise sogar busweise angekarrt werden. Schon vor dreißig Jahren war das Restaurant sehr voll gewesen. Zu dunklem Flekbier aßen wir zuerst einen böhmischen Schweinebraten mit Knödeln und Kraut; später gönnten wir uns noch eine Schlachtplatte u.a. mit Prager Schinken – alles zu annehmbaren Preisen; das Flekbier kostete damals 5 Kronen (also etwas weniger als 1,20 DM). Gegen 22 Uhr brachen wir wieder auf zurück in unsere Unterkunft.

Am Donnerstag, den 8. April 1982, besuchten wir im Hradschin das Museum für tschechische Literatur (Památník národního písemnictví – die Bibliothek war leider geschlossen) in der Strahovské nádvoří 1, da es draußen regnete und stürmte. Es gab einiges zu Jan Hus zu sehen, außerdem eine Ausstellung mit Buchillustrationen (Thomas Mann, Franz Kafka und u.a. zu den „Brémski muzikanti“). Als das Wetter sich etwas besserte, gingen wir wieder über die Karlsbrücke in die Altstadt.

Nun Ostern stand ja vor der Tür und so boten einige Tage vor Ostern Frauen am Ausgang der Karlsbrücke handbemalte Eier an, das Stück für 5 Kronen (knapp 1,20 DM). In Tschechien hat das Bemalen der Ostereier („kraslice“) eine lange Tradition. In christlicher Symbolik steht das Ei u.a. für Fruchtbarkeit und Auferstehung. Und diese Eier waren wirklich mit viel Liebe und handwerklichem Können gefertigt. Ich habe mir damals gleich ein halbes Dutzend dieser Eier für meine Familie gekauft. Leider sind diese im Laufe der Jahre alle zu Bruch gegangen. Das folgende Bild zeigt aber, wie diese Eier aus Prag (sie waren allerdings alle nur in roter Farbe) in etwa aussahen:

    Ostereier aus Prag

Außerdem sahen wir viele Jungen oder Eltern mit Weidenruten durch die Straßen gehen: „Nicht ganz so verbreitet wie das Eierbemalen ist der Brauch junger Männer, am Ostermontag mit selbstgeflochtenen Weidenruten Mädchen zu versohlen. Dies ist nicht unbedingt als Strafaktion zu verstehen, soll doch symbolisch die Lebenskraft des Baumes auf den Menschen übergehen. Dennoch setzen sich die Mädchen verständlicherweise zur Wehr, entweder mit Wasserkübeln oder indem sie den Jungs verzierte Eier schenken.“ (Quelle: prag-cityguide.de)

Von der Karlsbrücke gingen wir diesmal die Karlova entlang zum Altstädter Ring, sahen hier am Altstädter Rathaus die Astronomische Uhr – es war gerade 13 Uhr und wir konnten sie schlagen hören. Neben dem Jan Hus-Denkmal und dem Geburtstaghaus Kafkas warfen wir dann noch einen Blick auf den alten Jüdischen Friedhof, der leider nicht zugänglich war. In der Straße Na Příkopě beim Platz der Republik (náměstí Republiky) schauten wir dann noch in das damals größte Kaufhaus der ČSSR hinein.

Abends dann kehrten wir in der Maislova im „U Golema“ (Beim Golem) ein. Hier aßen wir nach jüdischer Art und gönnten uns statt Bier einmal einen halbwegs trinkbaren Rotwein. Alles allerdings nicht gerade preiswert. Das Restaurant heißt nach der Figur aus der jüdischen Legende, die aus Ton bestand und zum Leben erweckt wurde (siehe auch: Gustav Meyrink: Der Golem).

Abends guckten wir dann beim Bahnhof noch einmal vorbei, um zu schauen, wann unser Zug zurück nach Deutschland fuhr. Dabei lernten wir in der Bahnhofsgaststätte noch einen Typen kennen, Alois R. aus Zdounky, mit dem wir uns noch längere Zeit unterhielten, wenn auch mehr mit Händen und Gesten anstatt mit Worten. Dann ging es zurück in unsere Unterkunft.

Am Freitag (Karfreitag), den 9. April 1982 verabschiedeten wir uns bei unseren Gastgebern, die uns noch mit Kuchen, Kaffee u.a. für die Rückreise versorgten. Es war ein Händeschütteln ohne Ende. Die Tochter, die in der Schule Deutsch lernte und uns so für ihre Eltern dolmetschte, spielte noch etwas auf der Heimorgel zum Abschied, so als gingen alte Bekannte. Der Zug fuhr pünktlich um 11 Uhr 25 über Marienbad und Pilsen los, und obwohl er brechendvoll war, bekamen wir noch zwei Fensterplätze. In Cheb an der Grenze gegen 15 Uhr 30 wurde der Zug dann aber auch schlagartig leer. Von hier fuhren wir über Schirnding nach Marktredwitz. Unterwegs schneite es einwenig. In Marktredwitz übernachteten wir in einer Jugendherberge, die es heute nicht mehr gibt. Kein Wunder, denn vor dreißig Jahren waren wir zur Osterzeit die einzigsten Gäste. Am folgenden Tag ging es dann durch eine Winterlandschaft und bei Schneegestöber mit dem Zug Richtung Schnabelwald, anschließend nach Nürnberg, wo wir noch eine Nacht blieben, diesmal in der Nähe des Hauptbahnhofes in der Luitpoldstraße im Hotel Probst. In einem Braukeller gönnten wir uns zum Bier Spannferkel. Abends besuchten wir dann noch das Nürnberger Volksfest, um uns doch wenigstens einmal eine Maß Bier zu erlauben – und gerieten in ein wildes, abenteuerliches Durcheinander. Zum Einen waren nach einem Fußballspiel Fans der gegnerischen Mannschaften (DFB-Halbfinale HSV und 1. FC Nürnberg) im Festzelt eingetroffen und meinten, den Wettkampf ihrer Mannschaften hier handfest fortsetzen zu müssen. Zum Anderen waren jede Menge angetrunkener Amerikaner zugegen, die in ihrem Zustand zusätzlich für eine wilde Stimmung sorgten. Ein besonders Schlauer meinte, einer Serviererin von hinten an ihre Oberweite greifen zu müssen, was ihm schlecht bekam. Als dann die gläsernen Maßkrüge durch die Lüfte flogen, machten wir uns aus dem Staub, schließlich wollten wir am folgenden noch heil nach Hause kommen. Das Zelt wurde dann von der Polizei geräumt. Am Sonntag, den 11. April 1982 ging es dann mit dem Intercity zurück nach Hause.

In wenigen Tagen liegt diese Reise nun schon 30 Jahre zurück. So wie damals würde ich heute nicht mehr reisen wollen. Aber gerade dadurch, dass wir den Kontakt mit den ‚Einheimischen’ nicht scheuten, bekam die Reise ihren besonderen Reiz. – Fotos habe ich damals natürlich auch gemacht. Allerdings hat das entsprechende Fotoalbum ganz hinten in der Abseite im Dachzimmer seinen Platz gefunden und es bräuchte lange Zeit, es dort auszugraben. Ich denke, es gibt im Internet reichlich viele, sicherlich auch gelungenere Schnappschüsse aus Prag. – Was mich eigentlich heute noch erstaunt, war die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Tschechen. Eigentlich hatten sie keinen Grund, uns Deutsche zu mögen. Auf Radtouren über die niederländische Grenze hinweg viele Jahre zuvor habe ich erleben müssen, wie wir als jugendliche Deutsche mit Verachtung und dummen Sprüchen gestraft wurden. Die Tschechen waren da ganz anders. Sie verstanden, dass wir als junge Menschen nichts mit den Verbrechen einer früheren Generation zu tun hatten. Vielleicht lag es auch an uns, die sich immer aufgeschlossen und gleichsam freundlich zeigten. Prag steht bei mir auf jeden Fall nach so vielen Jahren wieder ganz oben auf dem Zettel. Vielleicht werde ich spätestens im nächsten Jahr mit meinen Lieben Prag besuchen. Vielleicht auch wieder zur Osterzeit. Zlatá Praha, goldenes Prag!

siehe auch: Zlatá Praha (1)

Weihnachtsbiere für Weltenbummler (2)

Zunächst wünsche ich Euch allen ein gutes neues Jahr 2012. Das Wichtigste ist wohl die Gesundheit. Mag es Euch allen also daran nicht fehlen – und auch nicht an dem nötigen Kleingeld. Weihnachten ist ja nun wieder hinter uns. Aber einige Weihnachtsbiere habe ich noch im Keller – siehe meinen Beitrag von gestern: Weihnachten und Winter ist für den Biertrinker, wenn er nicht gerade nur auf Brauerzeugnisse Pilsener Art besteht, eine besondere Saison. Da gibt es diverse Bierspezialitäten auf dem Markt, die sich durch besondere Geschmäcker auszeichnen. Und da natürlich auch Biere aus aller Welt angeboten werden, so gibt es auch Weihnachtsbiere aus aller Herren Länder, die bei diversen Versandfirmen und Bierläden erhältlich sind.

Zu Weihnachten bekam ich ja einen Sixpack Weihnachtsbier geschenkt, der zu 2/3 bereits meine Kehle (und in kleinen Schlückchen zum Probieren auch die Kehlen meiner Lieben) hinuntergeflossen ist. Der Sixpack enthielt:

Aus aller Welt: Tucher Christkindlesmarkt Bier aus Nürnberg (6% Vol.), Strubbes Christmas aus Belgien (9,2% Vol.), Vestfyen Jule Bryg aus Dänemark (5,7% Vol.), The Raven Christmas Lager aus Baltimore-Washington (5,5% Vol.), Melbourne Christmas Lager aus Australien (5,2% Vol.), Taybeh Beer Golden aus Palästina (5% Vol.). 6 x 0,33l

Die Biere stammen aus dem Haus der 131 Biere in Hamburg, das allerdings neben diversen Weihnachtsbieren inzwischen an die 300 Biere anbieten.

Von diesen Bieren habe ich Euch vier Biere noch nicht vorgestellt:

    Melbourne Christmas Lager / Tucher Christkindlesmarkt Bier / The Raven Christmas Lager / Vestfyen Julebryg

Melbourne Christmas Lager der Byron Bay Beverages Pty Ltd Neusüdwales – auch bei den Känguruhs wird Weihnachten gefeiert. Da in Australien zz. aber Sommer ist, so ist auch dieses Weihnachtsbier eher ein Sommerbier und daher durchaus süffig. Es ist ein helles, eher mildes Lagerbier, sorgt aber auch so mit Sicherheit für besinnliche Genießermomente.

The Raven Christmas Lager aus Baltimore in den Staaten – ein Bier gebraut zu Ehren Edgar Allan Poes, den berühmten Sohn Baltimore’s. Es ist ein mildes dunkelblondes Lagerbier mit herben Abgang und schmeckte mir doch deutlich besser als das australische Sommer-Weihnachtsbier.

Noch nicht probiert habe ich das Tucher Christkindlesmarkt Bier. Dabei handelt es sich um eine vollmundige Bierspezialität, nach original Nürnberger Art gebraut. Der besondere Genuss, der jeden Tag zum Festtag macht.

Auch noch nicht getrunken ist das Vestfyen Julebryg Weihnachtsbier aus Dänemark. Dabei handelt es sich um ein dunkles Bier mit einer angenehmen Bitterkeit. Das dürfte genau das Richtige für mich sein und heute Abend zum Abendessen getrunken werden. Das Jahr soll ja möglichst ‚richtig’ anfangen.

Was das neue Jahr sonst auch für uns bringen mag, die Zeit für ein gepflegtes Bierchen sollte ab und zu gegeben sein. In diesem Sinne sage ich Prost – und nochmals alles Gute für 2012!

Weihnachtsbiere für Weltenbummler (1)

Weihnachten und Winter ist für den Biertrinker, wenn er nicht gerade nur auf Brauerzeugnisse Pilsener Art besteht, eine besondere Saison. Da gibt es diverse Bierspezialitäten auf dem Markt, die sich durch besondere Geschmäcker auszeichnen. Und da natürlich auch Biere aus aller Welt angeboten werden, so gibt es auch Weihnachtsbiere aus aller Herren Länder, die bei diversen Versandfirmen und Bierläden erhältlich sind.

Beginnen möchte ich aber mit einem deutschen Bier, genauer sogar einem norddeutschen Bier der Stralsunder Brauerei. Eine Produktlinie dieser Brauerei nennt sich nach dem Seeräuber Klaus Störtebeker. Eines dieser Biere wird nur zur Winterzeit gebraut und ist das Störtebeker Choco-Porter, das u.a. aus belgischem Schokoladenmalz gebraut wird, 5,8 % Vol. Alkohol enthält und auch bei einer Betriebstemperatur von 20 °C getrunken werden kann. Letzteres ist eher gewöhnungsbedürftig. Die bitterschokoladige Seite des Bieres kommt für mich wie schwarzer Kaffee herüber. Es ist ein Bier eher für die Kaffee- und Kuchentafel als für ein deftiges Abendmahl. Auf Dauer würde ich es nicht trinken wollen, was aber auch nicht beabsichtigt sein sollte; für ‚zwischendurch’ aber ist es ganz lecker. Eben einmal etwas Anderes.

Störtebeker - Choco-Porter

Kommen wir in die weitere Welt und setzen zunächst auf die britische Insel hinüber. Von dort kommt ein festliches Weihnachtsbier, ein Christmas Ale, aus der Brauerei Shepherd Neame, Großbritanniens ältester Brauerei. Sie wurde 1698 gegründet und ist noch heute mitten im Hopfenanbaugebiet im Osten der Grafschaft Kent zu finden. Dieses Ale (das traditionelle englische Bier, gebraut mit obergäriger Hefe) wird von den Braumeistern in Faversham noch liebevoll und mit viel Erfahrung von Hand hergestellt und wird jedes Jahr neu aufgelegt (ich habe es vor zwei Jahren gekostet). Das golden-bernsteinfarbene Weihnachts-Ale wird im Aroma geprägt von tropischen Früchten wie Mango, Orange, Limone und Sultaninen, perfekt ausbalanciert mit blumigem Hopfen. Ein stimmungsvolles, geschmacklich ausgezeichnetes Bier für die Weihnachtszeit (Alkoholgehalt 7 % Vol.). Bei uns ist es u.a. über den Versandhandel des British Shops erhältlich.

Shepherd Neame Christmas Ale

Da nächste Bier kommt aus dem heiligen Land, aus der Nähe von Ramallah, also aus Palästina: Taybeh Weihnachts-Bier von der Taybeh Brewing Co. Ich habe dieses Bier zusammen mit fünf anderen Weihnachtsbieren zu Weihnachten geschenkt bekommen. Dieses Bier ist (wie das folgende Bier) einzeln erhältlich oder eben als Geschenkkarton u.a. beim Teehändler Paul Schrader. Es ist ein helles Bier mit 5 % Vol. und im Geschmack sehr mild, aber leicht herb im Abgang Und es lässt sich zu allen Gelegenheiten trinken.

    Strubbe Christmas - Taybeh Weihnachts-Bier

Komme ich noch zu einem weiteren Bier, einem belgischen, aus der Brouwerij Strubbe in Ichtegem, Belgien. Es ist das Strubbe Christmas, mit 9,2 % Vol. Alkohol äußerst gehaltvoll, und besteht aus den Zutaten Wasser, Gerstenmalz, Caramelmalz, Kandiszucker, Hopfen und Hefe. Er ähnelt dem Störtebeker Choco-Porter, statt Schokolade (oder wie ich finde: Kaffee) kommt ein feinherber Caramelgeschmack zum Vorschein. Zuviel sollte man von dem Bier nicht trinken (kann man allerdings auch nicht), ansonsten sackt man schnell unter den Tisch.

Einige nette Bierchen (u.a. Tucher Christkindlesmarkt Bier aus Nürnberg (6% Vol.), Jule Bryg aus Dänemark (5,7% Vol.), The Raven Christmas Lager aus Baltimore-Washington (5,5% Vol.) und das Melbourne Christmas Lager aus Australien (5,2% Vol.)) habe ich noch im Keller lagern. Wie alles Gute, so braucht auch der Genuss eines gepflegten Bieres seine Zeit. Schließlich bin ich keine Schnapsdrossel, sondern genieße ein kühles Bier.

Der Winter-Traum vom Weltenburger Kloster

An dieser Stelle habe ich bereits öfter schon meine Vorliebe für bayerische Biere (KlosterbiereWeitere BockbiereAllgäuer Bier-Bad) bekundet. Das heißt aber nicht, dass ich ein gutes Glas Rotwein verschmähe: Ein edler Tropfen aus roten Reben, trocken und doch mit viel Körper, da sage ich nicht nein. Jedes eben zu seiner Zeit – und natürlich in Maßen (nicht Massen).

Jetzt zur beginnenden Winter- und Weihnachtszeit bieten viele Brauereien eine der Zeit gemäße Bierspezialität an: Winter- bzw. Weihnachtsbiere. Ich habe da natürlich zugeschlagen und gönne mir zz. den Winter-Traum aus der Klosterbrauerei Weltenburg. Das ist ein Bier besonderer Note, wunderschön bernsteinfarben und mit 5,4 % Vol. etwas stärker als normale Biere, aber doch deutlich unter Bockbierniveau. Der Geschmack ist angenehm vollmündig, also süffig, mit ausgesprochen karamelliger Note dank erlesener Spezialmalze. Ich mag es leicht fein-herb und doch malzig. Der Winter-Traum deckt sich da ganz mit meinen Geschmacksvorstellungen.

    Weltenburger Kloster: Winter-Traum
    Quelle: www.weltenburger.de/

Die Klosterbrauerei Weltenburg ist vermutlich die älteste Klosterbrauerei der Welt (seit 1050), wobei die Brauerei Weihenstephan diesen Titel ebenfalls für sich in Anspruch nimmt. Im Klosterhof befindet sich ein großer Biergarten, in dem die Erzeugnisse der Brauerei ausgeschenkt werden. Das Kloster Weltenburg ist eine Benediktinerabtei in Weltenburg, einem Ortsteil von Kelheim an der Donau.

Übrigens: Für mich sind Weine und Biere ein Genussmittel. Zum Dunstlöschen gibt es anderes: Tee, Saft und Mineralwasser. Und zwei Tage in der Woche bleiben für mich alkoholfrei. Dabei ist der Dienstag für mich und meine Lieben Milchtag. Denn an diesem Tag (und am Freitag) bekommen wir von einem Milchbauern, einem Familienbetrieb in der Nähe, die Vorzugsmilch ins Haus geliefert. Seit 1997 vertreibt dieser Milchprodukte aus eigener Herstellung in der Region. Alles allerbeste Ware, ohne Zweifel. Erste Sahne, wie man sagt. Die Milch schmeckt noch nach Milch.