Kategorie-Archiv: Künstliches

Künstliches kommt von Kunst

Graffiti in Hamburg – Teil 2

So ganz kann ich nicht nachvollziehen, was die Jungs und Mädels (meist wohl doch Jungs) umtreibt, Wände, Busse und sonstig Mobiles und Immobiles mit Farben aus Spraydosen zu bemalen. Es ist eine eigene Szene mit eigenen Ansprüche (nicht nur künstlerisch) und wohl auch eigener Philosophie. Sicherlich wäre es interessant, einen Blick hinter diese Kulissen zu werfen. Aber als nicht Eingeweihte können wir nur einen Blick auf die Kulissen, sprich: Wandmalereien, werfen. Interessant genug!

Graffiti an einem Zug der DB

Dabei genügen bestimmt nicht alle diese Sprayer der allgemeinen künstlerischen Prätention. Aber in welchem Kunstbereich ist das schon der Fall. Da sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten lässt, so will ich auch hier nicht zum Streit aufrufen. Wie in vielen anderen Dingen, so bietet natürlich auch das Internet die Plattform, um den Kunstwerken einem Publikum zu öffnen. Allein für Hamburg gibt es zahlreiche Websites, die Graffiti-Makers ‚ausstellen‘. Hier nur einige …

www.graffitihamburg.de
getting up
KWAC – GRAFFITI AUS HAMBURG
farbsucht hamburg
OBS Crew Berlin, Hamburg, PURE GRAFFITI STYLE
So Called Friends

Graffiti in Hamburg – Teil 1

Nicht nur in New York, sondern natürlich auch in Hamburg gibt es an exponierten Stellen Wandmalereien, die sich zu einer neuen Kunstrichtung entwickelt haben, den Graffiti, die manch altem Gemäuer zu neuem Glanz verhelfen. Auf meinen Wegen durch die Stadt fällt öfter ein Blick auf eine mit Spraydosen ausgeführte Malerei.


„Under Pressure“ – Budapester Straße

siehe auch meinen Beitrag: Graffiti Archaeology

Blue Goals – Hamburgs Tore zur Welt

Nicht nur auf der Reeperbahn nachts um halb eins, auch an anderer Stelle der Stadt Hamburg leuchten im Dunkeln mehr oder weniger große blaue Tore. Der Grund hierfür ist die Vereinbarung der Stadt Hamburg mit dem Hamburger Lichtkünstler und Regisseur Michael Batz zu einem spektakuläres Projekt: Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft werden über die gesamte Stadt verteilt auf hohen Gebäuden illuminierte blaue Tore „Blue Goals“ aufgestellt. Die Blue Goals sollen aktive Tatkraft und das Bewußtsein globaler Verbundenheit symbolisieren und Akzente einer welt-und zukunftsoffenen Haltung setzen.

Blue Goals in Hamburg
Blue Goal als Dachinstallation Blue Goal an der Binnenalster

Parallel zum Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft am 9. Juni soll eine Laser-Symphonie über Hamburgs Dächern für weltweite Aufmerksamkeit sorgen. Aus acht Laserkanonen, positioniert auf den höchsten Bauwerken der Stadt, werden gebündelte, grüne Lichtstrahlen in die blauen Leuchtstoff-Tore gelenkt, die bis dahin auf fast 300 Gebäuden errichtet werden sollen. Mit dem 29. März leuchtet das 44. „Blue Goal“ in Hamburg beim NDR, dem Norddeutschen Rundfunk.

Graffiti Archaeology

Vielen sind sie ein Dorn im Auge und gelten als Schmierereien. Täglich rücken Putzkolonnen an, um ihnen mit Lösungsmitteln, Bürsten und Schubbern den Garaus zu machen. Andere sehen in ihnen eine Art von bildnerischer Kunst. Ich spreche von Graffitis.

Im Großraum New York, um nur ein Beispiel anzuführen, tummeln sich viele Künstler und Möchte-gern-Künstler, die jeden ‚freien Raum‘ mit ihren Logos, Sprüchen und Bildern besprühen. Auf der Website Graffiti Archaeology kann man viele dieser kleinen Kunstwerke betrachten. Das Besondere daran ist, dass man dabei auch die chronologische Entwicklung dieser Graffitis verfolgen kann. Immer wieder kommen andere Sprayer, um vorhandene Graffitis umzugestalten, zu übersprühen oder durch ‚eigene Akzente‘ zu erweitern.

    Gebäude mit wechselnden Graffitis

Die angeführte Website hat übrigens im Bereich Art, also Kunst, den 9th Annual Webby Award 2005 gewonnen (siehe auch: Web Awards).

Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen

Jeden Werktag fahre ich mit dem Metronom, einer privaten Eisenbahngesellschaft, von Tostedt nach Hamburg zur Arbeit und zurück. Der Metronom bedient neben der Strecke Hamburg – Bremen auch die Strecke Hamburg -Uelzen. Es gibt vielleicht keinen wichtigen Grund nach Uelzen zu fahren. Ein Grund aber wäre der Bahnhof von Uelzen, denn der ist zur Weltausstellung in Hannover, der Expo 2000, nachdem er in einen stark vernachlässigten Zustand geraten war, nach Entwürfen von Friedensreich Hundertwasser umgestaltet worden.

    Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen

Friedensreich Hundertwasser (eigentlich Friedrich Stowasser), geb. 15. 12. 1928 Wien, gest. 19. 2. 2000 war Maler und lebte in Wien, Neuseeland, Venedig und der Normandie. Internationaler Durchbruch erlangte er bei der Biennale Venedig 1962. In teilweise spektakulärer Form („Nacktreden“ und Ähnliches) trat Hundertwasser für Frieden, Ökologie, natur- und menschengerechte Architektur und gegen Dorfzerstörung, Walfang und den Beitritt Österreichs zur EU ein. Neben der Malerei wirkte Hundertwasser als Gestalter von Gebäuden (Hundertwasserhaus, Wien 3, 1986; Pfarrkirche Bärnbach, Steiermark, 1988; KunstHaus Wien, Wien 3, 1991; Fernheizwerk Spittelau, Wien 9, 1988-92; Thermendorf Blumau, Steiermark, 1993-97; und andere), Büchern (Brockhaus-Enzyklopädie, 1989; Bibel, 1995), Briefmarken, Plakaten und anderes. 1981-97 Leiter einer Meisterklasse für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien; Großer Österreichischer Staatspreis 1980.

Sollte es Sie also einmal in die Gegend von Hamburg bzw. Hannover verschlagen, dann wagen Sie vielleicht einen Abstecher nach Uelzen. Wie gesagt: Der Metronom endet dort.

Wo ist Max denn heute?

Weblogs (Blogs) als neue Kunstform? Sicherlich nicht, eher stellen Weblogs ein neues Medium dar, um Kunst (Grafik, Literatur, Musik), aber eben nicht nur Kunst, zu transportieren, also an Mann und Frau zu bringen. Man kann diese Form des Journals in vielerlei Manier nutzen (ich mache es nach meinem Gusto). Dem einen ist es Tagebuch (wen ’s interessiert?!), dem anderen Forum, um sich über sein Lieblingsthema auszutauschen. Filigranere Typen stellen ‚ihre‘ kleinen Schätze ins Netz (was auch immer das ist); weitblickende Menschen Multimediales über viele Genres hinweg, weiterblickende wie Max eine Art Anwesenheitsprotokoll: Damit jede Welt weiß, wo Max gerade ist!

Die Palette ist breit. Und wie immer, wenn etwas weit gespannt ist, gibt es innerhalb des Spektrums Neues, Innovatives, aber auch einfach nur Müll: Klein-Lieschens pubertär-erotische Abenteuer in Tagebuchform genauso wie WilliZ höchstintelligente Beiträge zur Geisteswissenschaft (soll nur ein Scherz sein!).

Haus im Schlamm

Mit einem sozialkritischen Projekt ist der international gefragte Künster Santiago Sierra jetzt in der hannoverschen Kestnergesellschaft zu sehen. Der Spanier ließ zwei weiße Räume mit rund 120 Tonnen Schlamm und Erde füllen. Besucher können in Gummistiefeln darin herumstapfen und ihre Spuren dann in leeren Räumen auf einem hellen Teppich hinterlassen.

    Haus im Schlamm

Das Projekt „Haus im Schlamm“ soll an die Entstehung des Maschsees erinnern. Der künstliche See mitten in Hannover wurde unter den Nationalsozialisten in den 30er-Jahren von 1.650 Arbeitslosen für Hungerlöhne ausgehoben (Quelle: NDR Fernsehen – Hallo Niedersachsen vom 11.02.2005).

Das Projekt bekommt durch die Flutkatastrophe in Südasien leider eine zusätzliche Bedeutung, einen makabren Unterton, und ist natürlich alles andere als unumschritten. So viel Matsch in einem Haus wünscht man sich selbst seinem ärgsten Nachbar nicht.