Willis Plaudereien (4): Alt und blöd

Fortsetzung von: Willis Plaudereien (2): Altwerden ist nichts für Feiglinge

Namen konnte ich mir schon immer nicht merken. Kreuzen sich meine Wege mit Menschen, die ich eigentlich kenne, wenigstens dem Aussehen nach, dann beginnt mein Gehirn zu arbeiten. Wie war doch gleich der Name? Werde ich namentlich gegrüßt, dann murmele ich ein „Guten Tag, Herr (oder: Frau) #grummelgrummel#!“ Am besten ist es, den Namen wegzulassen. Inzwischen habe ich es mir abgewöhnt, eingedenk dieser Gedächtnisschwäche peinlich berührt zu sein.

Ich glaube, dass es sogar keine Schwäche ist. Goethe vermerkte schon in seinem Faust Teil 1, dass Namen Schall und Rauch sind. Ich merke mir Gesichter, was eigentlich eine viel komplexere Gedächtnisleistung verlangt. Überhaupt bin ich eher der visuelle Typ und sitze manchmal auf meinen Ohren. Und so kommt es, dass mich Namen nicht ‚berühren‘.

Eine erste Folge des Älterwerdens ist, die Feststellung, ein Gesicht zwar schon einmal gesehen zu haben, aber nicht mehr zu wissen, woher … Da ist der Kampf intensiver als bei der ‚Namenssuche‘ Vor Schreck fällt mit dann vielleicht sogar der Name der Person, die mir gegenübersteht, ein. Aber eine Zuordnung zu einem Ereignis in meinem Leben lässt sich nicht abrufen.

Es gibt Schlimmeres. Schlimmer ist es dann, wenn mir bestimmte Wörter partout nicht einfallen wollen. Die liegen mir zwar auf der Zunge, wollen aber nicht heraus. Ich werde nicht nur alt, ich werde blöd!

Willi mit Helm in blau (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)
Willi mit Helm in blau (Edelsteinminen Idar-Oberstein Juli 2019)

Nicht nur die Knochen werden morsch, auch das Gehirn wird löchrig. Alzheimer lässt grüßen! So realisiere ich bei mir einen zunehmenden, wenn auch noch schleichenden Verlust meiner kognitiven Fähigkeiten (solange ich das merke, ist wohl alles noch okay!). Das geht mit einer gewissen Lustlosigkeit einher, die mich besonders jetzt auf der Zielgeraden (das Ziel heißt Rente) überkommt.

Nein, keine Angst. Ich bin noch klar im Kopf. Aber das Alter, das merke ich eben doch, fordert seinen Tribut. Noch vor wenigen Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es mit zunehmendem Alter ‚Probleme‘ dieser Art geben könnte. Ich versuche vorzubeugen und meinen Geist zu trainieren (nein, Namen werde ich mir auch weiterhin nicht merken wollen). Neben körperlicher Ertüchtigung gehört die des Geistes zum Alter (eigentlich zum ganzen Leben). Und so (ihr werdet es vielleicht gemerkt haben) bin ich auch hier in meinen Blog in den letzten Tagen wieder vermehrt unterwegs (dem Urlaub sei Dank, denn den aufzuarbeiten bringt ja viel Spaß). Und von meinen Plaudereien hier werdet Ihr in Zukunft kaum verschont bleiben. Nicht, das die ‚großen Themen‘ ungeachtet an mir vorbeihuschen, Aber (und auch das ist die Folge des Älterwerdens) vieles interessiert mich kaum noch, wird zwar wahrgenommen, aber schnell ad acta gelegt.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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