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AlbinZ Blumenpracht August 2008 |
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Martin Walser: Ein fliehendes Pferd – Novelle
Urlaubszeit ist auch Lesezeit. So habe ich mir ein kleines Büchlein herausgesucht, das zudem im Urlaub spielt: Martin Walsers „Ein fliehendes Pferd“ aus dem Jahre 1978. Durch einen Zufall treffen sich nach langen Jahren zwei alte Schul- und Studienfreunde auf der Seepromenade am Bodensee mit ihren Frauen. Beide machen dort Urlaub. Während der eine, Helmut Halm, nichts mehr vom Leben erwartet und das zufällige Treffen als Belästigung empfindet (lieber möchte er Kierkegaards Entweder/oder lesen), jagt der andere, Klaus Buch, förmlich von einer Tätigkeit zur nächsten und bestimmt so auch das Urlaubsprogramm der anderen:
Helmut spürte einen brennenden Neid. Er hatte praktisch nicht gelebt. Es war nichts übrig geblieben. Hinter ihm war so ziemlich nichts. Wenn er sich erinnern wollte, sah er reglose Bilder von Straßen, Plätzen, Zimmern. Keine Handlungen. In seinen Erinnerungsbildern herrschte eine Leblosigkeit wie nach einer Katastrophe. Als wagten die Leute noch nicht, sich zu bewegen. Auf jeden Fall standen sie stumm an den Wänden. Die Mitte der Bilder blieb meistens leer. Er spürte, daß in ihm das Abenteuer endgültig zu Ende gegangen war. Das Erzählbare überhaupt. Manchmal setzte er sich zwar hin und ließ in einer Art Panik alle Leute aufmarschieren, die er je kennengelernt hatte. Die Namen und Gestalten, die er aufrief, erschienen. Aber für den Zustand, in dem sie ihm erschienen, war tot ein viel zu gelindes Wort.
…
Etwas von früher lebendig zu machen, hieß doch, es auf eine Weise komplettieren, daß das Vergangene in jener Pseudoanschaulichkeit auferstand, die den Vergangenheitsgrad des Vergangenen einfach verleugnete.
…
Klaus Buch erzählte offenbar das Vergangene am liebsten drastisch. Gibt es etwas, was weniger zusammenpaßt als Vergangenes und Drastisches? Bei Klaus Buch rollte es nur so von Tönen, Gerüchen, Geräuschen; das Vergangene wogte und dampfte, als sei es lebendiger als die Gegenwart.
aus: Martin Walser: Ein fliehendes Pferd – Seite 28ff. – Suhrkamp Taschenbuch 600 – 33. Aufl. 2008)

„Diese Geschichte könnte zu dem gehören, was einmal übrigbleibt von einem Jahrhundert“, schreibt die Stuttgarter Zeitung: Martin Walsers Jahrhundertbuch. Das klingt sehr dick aufgetragen. Und doch. Es ist ein herrliches Buch, eine kleine Novelle zwar, aber mit dem tiefen Blick in die Seelen zweier Männer Ende der Vierzig. Bereits 1985 wurde es ein erstes Mal verfilmt. 2007 kam die Novelle in einer Verfilmung von Rainer Kaufmann mit Ulrich Noethen als Helmut, Ulrich Tukur als Klaus, Katja Riemann als Sabine und Petra Schmidt-Schaller als Hel erneut in die Kinos.
Urlaub 2008: Bild des Tages (5)

Abendrot – Schönwetterbot! Nach etwas Regen und damit nachlassenden Temperaturen zeigte sich gestern ein Abendrot, das für heute wieder schönes Wetter prophezeite. Wie gut, dass man sich auf solche Wetterregeln fast 100-%ig verlassen kann: heute Morgen kam gleich die Sonne wieder hervor. Allerdings soll es ab morgen wieder regnerisch werden …
Unerlaubtes Entfernen von der Truppe
Beim „Bund“ wird es mit Knast bestraft. Und früher wurden Übeltäter dieser Art standrechtlich erschossen. Nun ganz so schlimm wird es nicht kommen. Die brasilianischen Fußballprofis Diego von Werder Bremen und Rafinha von Schalke 04 wollen beide für ihr Heimatland beim olympischen Fußballturnier antreten. Aber ihre Vereine erlauben das nicht, weil beide für die Vorbereitung zur neuen Fußballsaison gebraucht werden, die am 15. August startet und sich mit Olympia überschneidet. So haben sich beide unerlaubt von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Zumindest im Fall des Herrn Rafinha droht der Verein mit einer drastischer Geldstrafe.

Nach längerem Zögern hat nun die zuständige FIFA-Kommission am Mittwoch die Haltung ihres Präsidenten Joseph Blatter bestätigt, der eine Freistellung der Spieler für Peking angemahnt hatte. Im Urteil berief man sich auf die seit 1988 praktizierte Regelung, dass Spieler unter 23 Jahren von ihren Vereinen für Olympische Spiele freigestellt werden.
Schalke sucht indes nach wie vor die Entscheidung vor der höchsten Sportinstanz. Das CAS wird also vermutlich am kommenden Montag das letzte Wort haben. Werder Bremen zögert noch und lässt ihrem Verteidiger Dusko Tosic nach Peking zu fliegen, um dort für die serbische Olympia-Mannschaft anzutreten.
Sicherlich kann man die Vereine verstehen, die auf wichtige Leistungsträger zum Start der neuen Saison nicht verzichten wollen. Es stellt schon eine Art Wettbewerbsverzehrung dar. Trotzdem sollten die Vereine ihren Spielern diese einmalige Chance zugestehen, an einem so einmaligen Sportereignis teilzunehmen. Der „öffentliche“ Schaden, den die Vereine durch ihre „kleinliche“ Weigerung erfahren, ist nicht zu unterschätzen. Ihr Renommee hat in meinen Augen gelitten. Werder und Schalke gebärden sich als Bonzenvereine. Und genau das will z.B. der SV Werder Bremen nicht sein. Es sieht nun so aus, dass man an der Weser umdenkt. Ich hoffe es wenigstens …
Übrigens: Der CAS nimmt die Klage der beiden Bundesligisten nicht an und begründet dies damit, dass sich die Clubs als Profi-Vereine nicht auf die olympische Charta berufen dürften. Gleichwohl ist damit der Streit noch nicht beendet. Über die Berufungsverfahren beider Vereine muss das Gericht nämlich noch entscheiden. Schalke und Bremen hatten laut CAS-Mitteilung die Klage in eine Berufung umgewandelt.
Jean-Paul Sartre: Der Ekel
Jean-Paul Sartre, den Begründer des Existentialismus, habe ich bereits kurz vorgestellt. Seinen Roman „Der Ekel“ (französisch: La nausée), der 1938 erschienen war und als Hauptroman des Existentialismus gilt, hatte ich bereits 1979 zum ersten Mal gelesen. Da ich dieses Jahr meinen Urlaub hauptsächlich zu Hause verbringe, und die zz. herrschende Wärme nicht dazu angetan ist, größere Ausflüge zu machen, so habe ich mir einige Bücher herausgesucht, die ich einmal erneut lesen möchte. So auch Sartres „Der Ekel“.
Der Roman ist als Tagebuch verfasst, der Autor ein gewisser Antoine Roquentin, der sich nach längeren Reisen in einer Stadt am Meer namens Bouville niedergelassen hat, um an einem historischen Buch über den Diplomaten Rollebon zu schreiben.
Roquentin lebt allein und hat nur wenige Kontakte zu anderen Menschen in der Stadt. Ihn überkommt ein Ekel, den er eher in den Dingen selbst spürt, und dessen Ursache die Sinnlosigkeit und Zufälligkeit seiner Existenz ist:
Solange man lebt, passiert nichts. Die Szenerie wechselt, Leute kommen und gehen, das ist alles. Nie gibt es einen Beginn, Tag schließt sich an Tag, ohne Sinn und Verstand, eine unaufhörliche und langweilige Addition. Von Zeit zu Zeit zieht man Bilanz: man sagt sich, jetzt bin ich seit drei Jahren auf Reisen, jetzt lebe ich seit drei Jahren in Bouville. Aber ein Ende gibt es ebenso wenig: nie verläßt man endgültig eine Frau, einen Freund, eine Stadt. Und alles ist sich so ähnlich – Shanghai, Moskau, Algier. Nach zwei Wochen ist alles gleich. Bisweilen, aber selten, merkt man auf, wird man sich bewußt, daß man mit einer Frau geschlafen, sich in eine dunkle Sache eingelassen hat. Blitzartig. Und dann beginnt wieder das alte Lied, die Addition von Stunden und Tagen nimmt ihren Fortgang – …
Das heißt leben. Erzählt man aber das Leben, dann ist alles anders, nur bemerkt es keiner. Beweis: man erzählt wahre Geschichten. Als ob es wahre Geschichten geben könnte! Die Ereignisse geschehen in einer bestimmten Reihenfolge, und wir erzählen sie gerade erst. Wir geben uns den Anschein, mit dem Beginn anzufangen: „Es war ein schöner Abend im Herbst 1922. Ich war Bürovorsteher bei dem Notar in Marommes.“ In Wahrheit hat man beim Ende angefangen. Es ist das Ende, unsichtbar und doch gegenwärtig, das diesen wenigen Worten Auftrieb und Wert eines Anfangs beigibt.
(S. 46 f.)
Plötzlich erkennt Roquentin, dass das Schreiben an dem Buch über Rollebon die bisher einzige Rechtfertigung für seine Existenz darstellt:
Herr de Rollebon war mein Partner. Er brauchte mich, um zu sein, und ich brauchte ihn, um mein Sein nicht zu fühlen. Ich lieferte den Rohstoff, von dem ich übergenug hatte und mit dem ich nichts anfangen konnte: die Existenz, meine Existenz. Seine Aufgabe war es, zu repräsentieren. Er stellte sich vor mich hin, ergriff mein Leben, um mir dafür das seinige zu präsentieren. Ich fühlte meine eigene Existenz nicht mehr, in mir selbst existierte ich nicht mehr – nur noch in ihm; für ihn atmete, für ihn aß ich, jede meiner Bewegungen hatte nur noch einen nach außen gerichteten Sinn, war nur noch auf mein Gegenüber, auf ihn abgestimmt. Ich sah meine Hand nicht mehr, die Buchstaben aufs Papier schrieb, nicht einmal mehr den Satz, den ich geschrieben hatte – aber dahinter, hinter dem Stoß Papier, sah ich den Marquis, der diese Geste gefordert und dessen Geste die Existenz verlängert und gefestigt hatte. Ich war nur ein Mittel, ihn am Leben zu erhalten, er war meine Daseinsberechtigung, er hatte mich von mir selbst befreit: Was soll ich jetzt tun?
Vor allem: keine Bewegung, keine Bewegung … Ach! Dieses Zucken mit den Schultern, ich habe es nicht hindern können … Das wartende Ding ist munter geworden, ist auf mich zugekommen, dringt ein in mich, erfüllt mich. Es ist nichts: diese Ding bin ich. Die befreite, entfesselte Existenz fließt in mich zurück. Ich existiere.
(S. 106)
In Abwandlung von Descartes’ „Cogito ergo sum“ („Ich denke also bin ich“) heißt es bei Sartre:
Ich existiere, denn ich denke …
(S. 108)
Urlaub 2008: Bild des Tages (4)

Nun haben wir wirklich richtiges Sommerwetter – und stöhnen über zu viel Hitze. Bekanntlich kann man es keinem recht machen. Auch ich muss gestehen, dass es mir etwas zu heiß ist und ich froh bin, den Tag wenigstens nicht im muffigen Büro verbringen zu müssen. So sitze ich im Garten mit einem guten Buch in der Hand. Und auch meine Jungs relaxen so gut es eben geht.
Urlaubszeit eignet sich eben dafür, endlich einmal die Bücher zu lesen, die man längst einmal lesen wollte. Und bei dieser Wärme bleibt der Rechner eben aus (es ist genug gedaddelt worden in den letzten Monaten).
Urlaub 2008: Bild des Tages (3)

Seltener Käfer auf meiner Brust
Urlaub 2008: Bild des Tages (2)

Hagenbecks Tierpark – Elefanten füttern
Urlaub 2008: Bild des Tages (1)

Hagenbecks Tierpark – Aquarium
Siehe auch: Hagenbecks Tierpark 1992: Aquarium
Urlaub 2008: Kiez-Safari mit Olivia Jones
Urlaubszeit: Wenn man nicht gerade in die Ferne schweift, so findet man sicherlich in der Nähe auch viel Interessantes. Da sind besonders Stadtreisen angesagt. Man verweilt ein, zwei Nächte in Berlin, Hamburg oder München und begutachtet die Sehenswürdigkeiten einer dieser Städte.
In Hamburg ist es natürlich zunächst der Hafen an der Elbe und sein Umfeld. Von den Landungsbrücken starten Hafenrundfahrten oder auch Touren die Elbe entlang. Oder wie wäre es mit einer Alsterrundfahrt?
Angesagt ist ohne Zweifel ein Besuch des Stadtteils St. Pauli mit seiner Reeperbahn. Und für Frühaufsteher oder Nachschwärmer lohnt sich sicherlich ein Besuch des legendären Fischmarkts am Hafen (Bildergalerie) der jeden Sonntag ab 5 Uhr (im Winter ab 7 Uhr) bis 10 Uhr geöffnet hat. Da gibt es mehr als nur Fisch.
Apropos St.Pauli: Für den Kiez, wie man diesen Stadtteil auch nennt, gibt es eine ganz besondere Führung. Olivia Jones, die (un-)gekrönte Drag Queen Hamburgs führt in einer zweistündigen Tour den interessierten Besucher über die Reeperbahn und besucht mit ihm alles Sehenswerte der ‚sündigsten’ Meile Hamburgs: Olivias Kiez-Safari nennt sich das, ist nicht ganz billig, aber garantiert einmalig.
Ab 06.09.2008 gibt es mit Olivia Jones auch eine etwas andere Hafenrundfahrt. Mit ihr (ihm) lernt man an Bord der „Seute Deern“ den Hamburger Hafen kennen.
Olivia Jones bei der NPD
Tour de Dopage
Heute ruht das Peloton bei der Tour de France. Aber bereits morgen berichten ARD und ZDF weiter von dem längsten und bedeutendsten Radrennen unseres Globusses, das leider wie in den Jahren zuvor zu einer Tour de Dopage, einer Radtour des Dopings verkommen ist. Inzwischen sind vier mehr oder weniger namhafte Radprofis des Dopings mit EPO überführt worden. EPO ist ein Hormon, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt (siehe auch Video bei zdf.de). Je mehr rote Blutkörperchen ein Athlet hat, desto mehr Sauerstoff kann sein Blut aufnehmen und um so dauerhafter wird seine Leistung. Gerade beim Radsport ist das eine Voraussetzung, um vorn an der Spitze mitfahren zu können.
Wer im gelben Trikot des Führenden fährt, wer eine Etappe gewinnt – wen interessiert das noch? Wichtiger ist die Frage: Sind die Gewinner wirklich clean oder haben sie auch Dreck am Stecken und sind gedopt?
Aber es ist nicht nur die Tour, die immer wieder durch Doping-Skandale überschattet ist. Inzwischen haben wir uns geradezu daran gewöhnt, vermeintliche Olympiasieger im Nachhinein als Dopingsünder entlarvt zu sehen. Und auch im Fußball steht das Thema Doping plötzlich doch auf der Tagesordnung.
Aber bleiben wir bei Olympia. Am 8. August beginnen in Peking die 29. Olympischen Spiele. Und was da als Dopinglawine auf den interessierten Zuschauer zukommt, ist durchaus heute schon absehbar. China, der Gastgeber, gilt vielen als Weltmeister des Dopings. Und es kommt wohl noch schlimmer: Gen-Doping!
Heute Abend bringt die ARD ab 21 Uhr die Sendung Olympia im Reich der Mittel – Doping in China – einen Film von Hajo Seppelt und Jo Goll.
In einem chinesischen Krankenhaus tritt ein ARD-Reporter als Schwimmtrainer auf. Unumwunden bieten die Ärzte ihm Unglaubliches an: eine Stammzellenbehandlung zur Leistungssteigerung.

Gen-Doping gilt zwar schon längere Zeit als die nächste Generation des Sport-Betrugs, dass es aber bereits angewendet wird, galt als ausgeschlossen. Die Gesundheitsrisiken seien unkontrollierbar. Aber: Generell können mit Hilfe molekularem Doping so ziemlich alle physischen und psychischen Prozesse im Körper verändert werden. Kraft, Ausdauer, Konzentration, Schmerzempfinden, Aggressivität, Erschöpfungszustand, Erholung – alles könnte frisiert werden. Und: Eine Kur mit genetischem EPO ist ein Vielfaches billiger als konventionelles EPO.
Der Sportbetrug in einer neuen Dimension – düstere Zeiten für den Sport, die in Peking ihren Anfang finden.
Nachtrag: siehe auch zdf.de: Gendoping-Kur für 24.000 Dollar





