100 größten Gitarrensolos der Rockmusik – Plätze 41 – 50

Ja, bei den 100 größten Gitarrensolos kommen wir in die obere Hälfte mit den Plätzen 41 bis 50. Ob es damit besser wird, müsst ihr wissen. Immerhin (ich weiß: ich wiederhole mich) entsprechen die Platzierungen einem Votum der Leser des Guitar World Magazine (die es wissen sollten). Ich habe auf jeden Fall meine Probleme mit manchem Stück: ZZ Top mochte ich noch nie (und so klingt das Solo auch eher nach Egerländer Blasmusik), bei den Stones verrenkt sich Herr Richards bei seinem Solo (und wurde mit gebrochenen Fingern ins Krankenhaus eingeliefert), da finde ich ‚Kiss‘ fast richtig gut …

Fender & Gibson

Hier die Laufzeiten, Platzierungen, Interpreten und Titel im Einzelnen:

– 0:38 – Platz 041 – Queen – Brighton Rock
– 1:12 – Platz 042 – Beatles – While My Guitar Gently Weeps
– 1:33 – Platz 043 – ZZ Top – Sharp Dressed Man
– 1:56 – Platz 044 – Pearl Jam – Alive
– 2:21 – Platz 045 – Doors – Light My Fire
– 2:50 – Platz 046 – Van Halen – Hot for Teacher
– 3:20 – Platz 047 – Allman Brothers Band – Jessica
– 3:53 – Platz 048 – Rolling Stones – Sympathy for the Devil
– 4:30 – Platz 049 – Santana – Europa
– 5:00 – Platz 050 – Kiss – Shock Me

Menschenverachtung mit Methode

Dagegen sind die filmischen Dokumentationen des Michael Moore harmlose Plänkeleien, die uns einen linkischen George Dabbeljuh Bush zeigen, für den man fast noch Sympathie aufbringen könnte (oder eher Mitleid). Es geht um schriftliche Dokumente, die uns aufzeigen, mit welchen unmenschlichen Methoden die Administration eines Landes arbeitet, dass sich immer wieder gern als Weltpolizist aufspielt. George Dabbeljuh ist dabei der Dreh- und Angelpunkt dieser Aktivitäten.

George W. Bush

So beschreibt John Dean, ein Kenner der Washingtoner politischen Szene, in einer Insider-Analyse die Geheimpolitik der Bush-Verwaltung: Das Ende der Demokratie. Oder in dem Buch ‚Deckname Artischocke‘ werden die Menschenversuche des CIA enthüllt, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Oder: Wie die USA die Folter anwendet. Viele Milliarden Dollar sind seit 1950 aufgewendet worden, um perfide Foltermethoden wissenschaftlich zu erforschen und zu perfektionieren. Oder: Die CIA und das Heroin. Hier wird gezeigt, wir sehr CIA und US-Außenministerium Drogenbosse unterstützen bzw. selbst im Drogenhandel verwickelt sind.

Die Dirty Tricks sind sicherlich keine sehr „gute Abendlektüre“, aber sie zeigen auf, wie hier in der so genannten freien Welt mit Methoden gearbeitet wird, die an Menschenverachtung kaum zu überbieten sind. Zu bestellen sind die Bücher bei zweitausendeins.de.

In den frühen 50ern begann die CIA mit umfangreichen, streng geheimen Experimenten zur Gedankenkontrolle. Das Programm nannte sich „MK-Ultra“. Erst 1974 wurden die Vorgänge bekannt und vor einer Untersuchungskommission gebracht. Zu den meist unwissenden Probanden gehörten Agenten, Soldaten, Geistekranke und Prostituierte. Sie wurden mit LSD, Heroin, Meskalin, Hypnose und Elektroschocks traktiert. Es kam zu mindestens einem Todesfall: Ein Mediziner, dem 1953 ohne sein Wissen LSD verabreicht worden war, beging eine Woche später Selbstmord. Das Programm erzielte keine kontrollierbaren Resultate und wurde nach seinem Bekanntwerden eingestellt.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 77: Jethro Tull auf Kreta – Teil 2

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood!

Lendas, Kreta – 24.06.2007/25.06.2007

Nun bin ich also in Lendas angekommen, und es ist brütend heiß. Das war es schon gestern in Iraklio – 39°C nach Auskunft meines Autoverleihers, in Athen wohl sogar 42°C. Es ist kurz vor Mitternacht, ich sitze auf der Terrasse vor dem Zimmer und die Luft ist zum Schneiden – an Schlafen nicht zu denken. Aber fangen wir von vorne an.

Gestern war also der große Tag, an dem ich mein erstes Jethro Tull Konzert erleben sollte. Nach 10 Uhr war ich in Xerokambos aufgebrochen und gegen 2 Uhr kam ich in Iraklio an. Da ich, wie ich schon wiederholt erwähnt habe, immer sehr für sparsame Haushaltsführung bin, hatte ich beschlossen mein Nachtlager im Youth Hostel aufzuschlagen. Schließlich brauchte ich nur eine Schlafunterlage für die Nacht, und außerdem liegt es nicht weit von meiner Autovermietung entfernt. Nun, jetzt weiß ich auch wie diese Art der Unterbringung zu bewerten ist: Nicht zu empfehlen. Das Etablissement in Iraklio ist äußerst schlicht, nicht unbedingt sauber und kostet immerhin 10 EUR die Nacht. Auch beunruhigte mich von Anfang an die Auskunft, dass um 24 Uhr die Pforte geschlossen wird. Wer bis dahin nicht im heimischen Hafen eingelaufen ist, darf unter freiem Himmel nächtigen. Und schließlich wußte ich nicht so genau, wie lang das Konzert dauern könnte.

Wie auch immer – bis 15 Uhr hatte ich im Youth Hostel eingecheckt und mein Gepäck in einem 8-Bett-Zimmer auf einer Pritsche abgeladen. Bei der Autovermietung war niemand anzutreffen, also machte ich mich erst einmal auf den Weg die Busverbindung nach Lendas für den nächsten Tag auszukundschaften. Dazu war ein kleiner Fußmarsch von 20 Minuten zur Busstation erforderlich. Auf dem Weg kam ich an zahlreichen Plakatwänden vorbei, an denen die verschiedensten Konzerte angekündigt wurden – nur konnte ich nicht den Zipfel eines Plakats von Jethro Tull entdecken. Das begann mich zu beunruhigen.

Mich peinigte der Gedanke, dass das Konzert vielleicht inzwischen abgesagt worden war, und ich nur nichts davon mitbekommen hatte. Oder hatte man aus organisatorischen Gründen nur einfach vergessen Plakate zu kleben? Das soll ja schon 1976 Cat Stevens in Athen passiert sein – er durfte vor nahezu leerem Haus auftreten. Oder hatte man die Plakate überklebt, weil längst ausverkauft war? Um eine Antwort zu erhalten würde mir nichts anderes übrig bleiben, als vor Ort am Kipotheatro die Lage zu peilen. Nachdem ich an der Busstation mit der Information beglückt worden war, dass weder samstags noch sonntags Busse nach Lendas fahren – ich würde also zumindest für die letzten 30 km ein Taxi brauchen – machte ich mich auf zum Ort der Handlung, dem „Gartentheater“, in dem Jethro Tull nach meiner Information heute Abend 20 Uhr auftreten sollten.

Nochmals 20 Minuten Fußmarsch bei sengender Hitze, ich mußte mich durchfragen. Trotzdem war ich eigentlich erstaunt, wie nahe alles beieinander lag. Nach der Karte hätte ich die Entfernungen viel weiter geschätzt. Iraklio, die fünftgrößte Stadt Griechenlands, ist im Zentrum eigentlich auch nur ein großes Dorf.

Als ich am Kipotheatro ankam war es ca. 16:30 Uhr. Im Cafe vor dem Eingang saßen eine Handvoll Leute, sonst war nichts los. Der Eingang stand offen, und hier hingen tatsächlich auch ein paar Jethro Tull Plakate. Ich warf einen Blick in die heiligen Hallen und bekam folgendes zu sehen: Kipotheatro1 Kipotheatro2. Es sah tatsächlich so aus, als ob hier ein Konzert vorbereitet würde. Das ließ mich Hoffnung schöpfen. Wenn ich nur auch schon ein Ticket hätte. Der Verkaufsschalter am Kipotheatro war geschlossen. Und auch sonst hatte ich bislang nirgendwo einen Laden entdecken können, der so aussah als ob dort Konzertkarten zu bekommen wären.

Nur als Einschub zwischendurch: Selbst ich war von der Überschaubarkeit dieser Lokalität überrascht. Ich schreibe das nur, weil immer wieder von verschiedener Seite vermutet wird, Mr. Anderson ginge auf Tournee um Geld zu scheffeln. Spätestens wenn man die Größe dieser Venue sieht muss einem klar werden, dass so eine Vermutung lächerlich ist. Für die paar Kröten, die hier zu verdienen sind, würde ich mir den Stress eines Konzerts jedenfalls nicht antun. Hier tritt nur auf, wer es wirklich nötig hat, oder wer es überhaupt nicht nötig hat. Bei Mr. Anderson würde ich das Zweite vermuten. Konzerttourneen scheinen sein Hobby zu sein, solange er nicht draufzahlt, ist es ok.

Jetzt wurde es aber wirklich langsam Zeit, dass ich das Auto loswurde. Also nochmal zur Autovermietung. Nach einem Telefonat, 10 Minuten warten auf den Vermieter, einer Limo und einem Schwätzchen war das auch erledigt. Nichts wie zurück zum Kipotheatro. Wer wußte schon, wann der Verkaufsschalter öffnen und sich die Menschenmassen drängen würden. Es war ca. 17:45 Uhr als ich ankam, und diesmal klang mir bereits das Intro zu Locomotive Breath entgegen. Der Eingang stand immernoch offen und so bot sich mir das folgende Bild: Kipotheatro3. Eindeutig waren bereits die Herren Perry, Goodier und O’Hara auf der Bühne zu erkennen, der äußerst Rechte (Stage Left) könnte Mr. Barre sein. Nur vom Meister keine Spur. Würden Jethro Tull etwa ohne Mr. Anderson auftreten? Das wäre ja mal ganz was Neues.

Während ich photographierte lief ein Trupp schwarz gekleidete Sicherheitsleute an mir vorbei. Es wollte zwar Keiner etwas von mir, aber ich dachte ich sollte vielleicht doch besser nicht so auffällig im Weg herumstehen. Außerdem hatte ich noch ein Telefonat zu erledigen. Als ich 18:00 Uhr zurückkam, tönte mir eine Flöte entgegen – Mother Goose. Da war der Meister wohl doch noch eingetroffen. Allerdings: Jetzt war der Eingang zu und mindestens 15 bis 20 Sicherheitsleute standen oder saßen herum. Pech!

Wie man vielleicht schon auf den Bildern gesehen hat, ist das Kipotheatro von beiden Längsseiten von hohen Mauern eingeschlossen. Die im Bild rechte ist die Außenseite der historischen Stadtmauer. Links des Theaters führt eine Straße den Berg hinauf. Der Hang ist ebenfalls durch eine Mauer abgesichert. Von der Straße her ist die Mauer natürlich so hoch gezogen, dass man nicht von oben ins Theater hineinsehen kann – das wäre ja auch zu einfach. Allerdings zieht sich die Mauer mit einer Höhe von nur etwa einem Meter bis kurz hinter den Eingang, und von dort aus konnte ich durch die Zweige einer Kiefer hindurch zumindest Teile der Bühne einsehen. Hier bezog ich für die nächsten anderthalb Stunden Stellung.

Ich konnte nun erstmals den Meister erspähen, wie er in schwarzem T-Shirt und schwarzer Hose, Flöte in der Hand, auf er Bühne herumsprang. Und – welch Wunder – er trug keine Kopfbedeckung. Hatte ihn etwa die kretische Sonne dazu animiert, sie sich auf’s blanke Haupt scheinen zu lassen? Wäre es gar möglich, dass es ohne den lächerlichen Kopf-Fummel auftreten würde? Die Aussichten für den Abend wurden immer erfreulicher.

Gegen 18:30 Uhr war der Soundcheck zu den Instrumenten „akustische Gitarre und Gesang“ fortgeschritten. Es wurde der Anfang von „Thick As A Brick“ geboten – das klang nicht einmal so schlecht. Als ca. 19:00 Uhr noch ein komplettes „Farm On The Freeway“ gespielt wurde, kam bei mir langsam richtig Stimmung auf. Dem Meister schien allerdings irgendetwas nicht gefallen zu haben. Es gab eine kurze Diskussion und danach wurde ein Teil wiederholt.

Eigentlich sind diese Open Air Venues garnicht so schlecht. Sollte ich wirklich kein Ticket mehr bekommen, dann hatte ich hier auf der Mauer im Schatten einer Platane trotzdem einen luftigen Sitzplatz, von dem aus ich einiges sehen und alles hören konnte. Aber meine diesbezüglichen Bedenken waren grundlos. Inzwischen hatte der Kartenverkaufsschalter geöffnet und die Länge der Schlange hielt sich in Grenzen. Tickets schienen noch genug vorhanden, es wurde vom dicken Block herunter verkauft und ich erhielt das Ticket No. 5 (ein Jethro Tull Ticket ist ja vielleicht nichts sooo Sensationelles, aber nicht jeder hat eins in griechischer Schrift…). Auf dem Ticket las ich dann auch die „richtigen Öffnungszeiten“: Einlass 19:30 Uhr, Beginn 21:30 Uhr!!! Um Mitternacht schließt das Youth Hostel, und für die Strecke brauche ich mindestens 20 Minuten zu Fuß. Das könnte knapp werden. Ich begann mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich die Nacht auf einer Parkbank verbingen würde, während mein Gepäck sanft auf der Pritsche ruhte.

Ticket Jethro Tull 2007 auf Kreta

Nach dem Kartenkauf bezog ich wieder meinen Logenplatz auf der Mauer. Jetzt wurde es richtig rockig, gegen 19:20 Uhr stand „Sweet Dream“ auf dem Programm. Danach wurden noch Ausschnitte aus „America“ und nochmals „Mother Goose“ geboten. Der Soundcheck schien um 19:40 Uhr beendet, die Herren verschwanden von der Bühne. Inzwischen hatten auch die ersten Besucher Stellung vor dem Eingang bezogen, und es wurde Zeit, dass ich mich für den Einlass günstig positionerte. Das gelang mir auch problemlos.

Das Publikum, das sich allmählich vor dem Eingang sammelte, war erstaunlich bunt gemischt. Neben einem älteren deutschen Ehepaar waren Griechen allen Alters vertreten, teilweise ganze Familien einschließlich Kindern unter 10. Außerdem bemerkenswert viele junge Leute und Jugendliche, aber auch ein typischer, mindestens 60-jähriger kretischer Opa. Natürlich muss man dabei bedenken, dass es sich um eine Samstag Abend Veranstaltung handelte. Bestimmt hatten sich einige Zuschauer nach dem Motto – „Was gibt’s diesen Samstag?“ – „Jethro Tull spielen“ – „Kenne ich nicht, aber gucken wir mal, was das ist“ – zu diesem Konzertbesuch entschlossen. Viele der Jugendlichen waren wahrscheinlich einfach gekommen, weil ein Rock-Konzert angesagt war. So groß wird das kulturelle Angebot in Irakio nicht sein – zumindest was „ausländische“ Musik und Rockmusik betrifft. Da nimmt man mit, was man bekommen kann.

Trotzdem muss man sich bei den Preisen doch wundern, wer sich das alles leisten wollte. 40 EUR sind für einen 13- oder 14-Jährigen (und es gab eine ganze Menge Jungs in etwa der Altersklasse) doch bestimmt eine Menge Geld, und wenn eine dreiköpfige Familie für einen Samstag Abend 120 EUR hinblättern muss, ist das auch kein Pappenstiel. Wenn ich da an die Preise in meiner Jugend denke – Cat Stevens 1976 kostete 16 DM, Al Stewart 1977 14 DM, Dire Straits 1979 waren schon teuer mit 20 DM. Früher war halt alles besser und vor allem billiger.

Kurz nach 20:00 Uhr wurden dann tatsächlich die Tore geöffnet, man wurde gruppenweise eingelassen und ggf. gefilzt (so wie ich z.B. mit meinem kleinen Rucksack – Wasserflasche, ein Apfel, eine Packung Kekse und eine Packung Nüsse gingen aber anstandslos durch, das Seitenfach mit der Kamera interessierte niemanden). Da ich gleich in der zweiten eingelassenen Gruppe war, hatte ich noch praktisch freie Platzwahl, und ich positionierte mich in der Mitte der vierten Reihe ungefähr auf gleicher Fußhöhe mit der Bühne – das sollte sich später noch als gute Wahl erweisen. Aus unerfindlichen Gründen wollte sich niemand neben mich setzen, so dass die Plätze rechts und links von mir frei blieben (eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass ich sooo gestunken habe…), obwohl sich das Theater allmählich füllte. Gegen 21:30 Uhr konnte ich jedenfalls in den Reihen vor und hinter mir keine freien Plätze mehr erkennen, stattdessen saßen inzwischen Zuschauer auf den Mäuerchen rechts und links oder standen in den Gängen. Auch die Stehplätze hinter den Sitzreihen schienen nicht unbenutzt zu bleiben. Ich dagegen tronte in der Mitte der vierten Reihe auf drei Plätzen wie die Königin von Saba.

Nachdem ich mich auf meinem Sitz häuslich eingerichtet hatte, war bis zum Konzertbeginn noch über eine Stunde totzuschlagen. Etwas Abwechslung bot das Programm auf der Bühne, hier hantierten 3 Männer mit einer Leiter, um sämtliche Scheinwerfer neu zu justieren. Hinter mir hatte sich ein griechischer Jethro Tull Experte – so um die 40 – platziert, der seiner Gesellschaft lautstark die Bedeutung von Aqualung und Songs From The Wood näherbrachte, selbst Marin Barre’s Stage Left war ihm nicht unbekannt. Vor mir hatte ein Ehepaar für die gesamte Verwandschaft und Bekanntschaft gleich 10 Plätze belegt, setzte sich dann direkt vor mich und begann zu qualmen, was die Lunge hergab (Dazu muss man wissen: Mir wird von Rauch in kleinsten Mengen schlecht – ich rieche, wenn sich jemand in 100 m Entfernung eine Zigarette anzündet). Überhaupt schien sich um das strikte Rauchverbot, auf das schon am Eingang hingewiesen wurde, niemand zu scheren. Vor und während der Vorstellung stiegen aus dem Publikum immer wieder regelrechte Rauchwolken auf. Die Sicherheitskräfte hatten damit kein Problem.

Nachdem sich das Publikum weitgehend auf den Plätzen etabliert hatte, begann es sich mit Lebensmitteln einzudecken. Jede Menge Bier in Pappbechern wurde in Freundeskreisen verteilt, hinter mir wurden Chipstüten durchgereicht. Inzwischen begann es einzudunkeln, und die Bühnenscheinwerfer mussten nochmals ausgiebig getestet werden. Dazu wurde auch das Publikum angestrahlt und ausgeleuchtet. Mehrmals traf mich einer der Scheinwerfer so ins Auge, dass ich danach einige Momente lang überhaupt nichts mehr sah. Das ist Körperverletzung, hoffentlich machen die das nicht auch während der Vorstellung so!

Dann endlich, um 21:45 Uhr (es wird wohl doch die Parkbank werden) ging das Licht aus, einige Schattengestalten huschten über die Bühne, dann Licht an und los ging’s mit „Living In The Past“. Gejohle und Beifall aus dem Publikum, und jetzt wurde mir schnell klar, warum vor der Bühne Absperrgitter aufgestellt und dahinter Sicherheitsleute postiert waren. Wie auf Kommando stürzte Publikum aus den Gängen, von hinten und von der Seite vor zur Bühne, die erste Reihe wurde einfach überrannt. Schon nach wenigen Takten war von der ersten Sitzreihe nichts mehr zu sehen, wer dort gesessen hatte musste notgedrungen auch stehen, sonst wäre er wohl erstickt. Direkt vor der Bühne bildeten sich etwa 4 Steh-Reihen, aber von meinem Sitzplatz in der vierten (jetzt dritten) Reihe konnte ich gerade eben bequem über die Köpfe hinweg sehen – das hatte ich mal wieder optimal getroffen.

Was mir sofort auffiel: Oh nein, er hat doch wieder die schwarze Abdeckplane übers bare Haupt gezogen, und hat er sich eigentlich den Bart passend zum Kopfverband gefärbt? Der war doch früher nicht schwarz, oder? Ansonsten war Mr. Anderson mit der gleichen gelb-rot gemusterten Weste bekleidet, die ich schon aus den Südamerika-Videos kannte. Eigentlich kam ich mir vor wie in YouTube mit Vergrößerung.

Was mir nach dem Soundcheck schon klar war: Es war keine Geigerin mit von der Partie, die Herren waren unter sich und spielten das „klassische“ Programm. Ich werde jetzt nicht jeden gespielten Titel einzeln durchgehen, sondern nur allgemein ein paar Anmerkungen machen. Eine tabellarische Zusammenfassung des Konzerts einschließlich Setlist findet Ihr am Ende meines Beitrags.

Nach dem ersten Titel musste Mr. Anderson erst einmal mit dem Publikum schimpfen: Warum denn hier alle vor an die Bühne rennen, es wäre doch nicht nett den dahinter Sitzenden die Sicht zu versperren. Also zurück auf die Plätze, er habe schließlich noch nicht einmal richtig angefangen. Das brachte ihm zwar ein paar Lacher ein, aber natürlich hat sich trotzdem niemand auch nur einen Zentimeter von der Stelle gerührt. Immerhin, er hat’s versucht, das fand ich eigentlich ganz nett.

Was mir schon bei „Living In The Past“ auffiel – die Stimme hatte nachmittags beim Soundcheck noch besser geklungen. Auch bei „Mother Goose“ und erst recht bei „Thick As A Brick“ bekam er die hohen Töne nicht und lag teilweise im Ton daneben. So etwas tut mir immer in der Seele weh, ich hätte am liebsten beim Singen ausgeholfen. Bei den lauteren Titeln fiel es nicht so auf, da hörte man die Stimme teilweise kaum. Vielleicht liegt es auch vor allem an der Tonhöhe. Beim „Locomotive Breath“ am Schluss klang die Stimme wieder garnicht so schlecht.

Der zweite gespielte Titel war „Jack In The Green“. Hier habe ich versucht, mit meiner (schon etwas älteren) Digitalkamera ein paar Photos zu machen. Nach dem zweiten Bild waren die Akkus leer, andere hatte ich nicht dabei (auf der Pritsche im Youth Hostel…). Letztendlich hätten mir andere Akkus aber auch nichts genützt, denn offensichtlich war meine Kamera von den Lichtverhältnissen überfordert. Ich glaube die Griechen um mich herum haben mit ihren Handys bessere Photos geschossen. Teilweise wurde mit dem Handy wohl auch gefilmt, die Dame schräg vor mir verfolgte das Geschehen immer wieder minutenlang über das 5×5 cm Display ihres Handys, statt sich die Aktion auf der Bühne 3 m vor ihrer Nase anzusehen. Mit der Faszination der Technik kann ein Mr. Anderson halt selbst in Lebensgröße nicht mehr mithalten.

Da die beiden von mir gemachten Bilder so schlecht sind, dass sie schon fast wieder einen künstlerischen Wert besitzen, möchte ich sie Euch nun doch nicht vorenthalten. Ihr werdet sehen, man sieht so gut wie nichts: Bild1 Bild2

Ich bin bei diesem Live-Erlebnis einmal wieder zu dem Schluss gekommen, dass bei solch einem Konzert die eigentliche Attraktion nicht das ist, was man sieht, sondern dass man aufgrund der Lautstärke die Musik nicht nur hört sondern auch fühlt. Und so kam die richtige Begeisterung beim Publikum auch immer dann auf, wenn es laut und schnell wurde. „Living In The Past“, „Sweet Dream“ (angekündigt als „a lot of noisy guitar from Mr. Barre“), „Aqualung“ (aber erst der „eigentliche“ Teil nach dem neuen Intro), „My God“ und zum Schluss natürlich „Locomotive Breath“ kamen daher am besten an. Dabei war die Lautstärke für mein Gefühl absolut ok, weder zu leise noch zu laut.

Auch die diversen Flötensolos oder geflöteten Instrumentalstücke brachten Stimmung – „The Donkey An The Drum“ (klingt wegen des ungeraden Takts für mich auch wie ein griechischer Tanz, das Publikum ging entsprechend mit), „Bourree“ (von Mr. Anderson als „a piece of porn Jazz“ angekündigt) und „King Henry’s Madrigal“ (dazu gab’s einige launige Anmerkungen zu König Henry, seiner poetischen Ader und seinen „kopflosen“ Frauen) wurden vom Publikum entsprechend freudig aufgenommen. Weniger gut konnte Martin Barre mit seinem „After You, After Me“ landen – auch ich merkte, dass ich nach kurzer Zeit nach den Glühwürmchen Ausschau hielt (es flogen tatsächlich einige herum), überprüfte wieviele Sterne am Himmel standen etc.. Nun ja, ich habe ja bereits an anderer Stelle erwähnt, dass Instrumentalmusik nicht so mein Fall ist und Gitarrensolos mich üblicherweise eher langweilen. Dem übrigen Publikum schien es ähnlich zu gehen.

Allgemein war zu bemerken, dass die Aufmerksamkeit des Publikums nachließ, sobald das Spotlight längere Zeit von Mr. Anderson auf Mr. Barre schwenkte (wegen eines Solos), und der Erstere evt. sogar vorübergehend hinter Schlagzeug oder Kulisse verschwand. Der Show-Effekt, den ein Ian Anderson auf die Bühne bringt, ist auch heute noch nicht zu unterschätzen. Auch wenn es teilweise albern wirkt, wenn er wie Rumpelstilzchen über die Bühne hüpft und stapft, die Beine schmeißt oder Grimassen zieht, es gibt einfach immer etwas zu sehen. Irgendwie verstehe ich ja, wenn er sich nicht seriöser kleidet, es würde zu seinem unseriösen Auftreten nicht passen. Ich komme aber immer mehr zu dem Schluss, dass eine Montur im Stile „Pontischer Kriegstänzer“ Mr. Anderson’s Naturell am ehesten entgegen käme. Wenn er sich schon unbedingt einen schwarzen Putzlappen auf den Kopf binden muss, dann wäre das die passende Tracht dazu. Sie würde viele seiner „Aufführungen“ weniger lächerlich sondern stattdessen symbolhaft bedeutsam erscheinen lassen. Ich denke ich werde ihm mal einen Tipp geben müssen.

Ernsthafte Geschmacklosigkeiten oder Entgleisungen gehörten nicht zum Programm. Die üblichen Schlüpfrigkeiten eben: Die große Blockflöte (gespielt in „Mother Goose“ von Mr. Barre) und die kleine Flöte (Mr. O’Hara), und ob es nun auf die Größe ankommt? Natürlich durfte auch der „Flötenpenis“ wieder nicht fehlen, obwohl er es nicht allzu sehr übertrieben hat. Ich weiß nicht ob Mr.Anderson aufgefallen war, dass sich im Publikum kleine Kinder (und gleich vorne an der Bühne auch eine ganze Reihe ziemlich junge Mädchen) befanden.

Auch auf die Erwähnung der Konkurrenz (bzw. den Hinweis darauf, in welcher Klasse er spielt) musste man natürlich nicht verzichten. So verkündete Mr. Anderson, jetzt komme sein bekanntestes Stück, „Smoke On The…äh…Stairway To…Aqualung“. Na ja, „Whole Lotta…Brick“ fand ich den besseren Gag, aber der ist ja nun halt auch schon 30 Jahre alt. Um noch kurz bei „Aqualung“ zu bleiben – das neue Intro passt meiner Meinung nach überhaupt nicht, es ist viel zu süßlich. Die Melodie erinnert mich an den Titanic-Schmachtfetzen (ist jetzt nicht abwertend gemeint, ich mag dieses Lied) „The Heart Does Go On“, eigentlich scheint es mir das Intro zu diesem Titel zu sein. Ein Intro zu „Aqualung“ müsste viel rockiger klingen.

Was die Setlist betrifft, dürfen natürlich bei Auftritt an einem Ort, an dem man bestenfalls alle 10 Jahre mal vorbeikommt, die Klassiker nicht fehlen – „Living In the Past“, „Bourree“, „Thick As A Brick“, „Aqualung“ und „Locomotive Breath“ sind daher unvermeidlich. Ansonsten fand ich die Auswahl allerdings stark „1969-lastig“, auch „Farm On the Freeway“ und „Budapest“ sind meiner Meinung nach nicht beide notwendig. Die Titel klingen für mich irgendwie ähnlich, und „…Freeway“ gefällt mir besser. „America“ halte ich nun für völlig überflüssig. Ich hätte mir eher noch ein oder zwei Stücke aus der „Songs-From-The-Wood-Heavy-Horses-Phase“ gewünscht, auch ein Titel aus „Broadsword“ oder noch etwas rockiges aus „Crest Of A Knave“ hat meiner Meinung nach gefehlt. Aber natürlich muss Mr. Anderson die Auswahl auch danach treffen, was er stimmlich noch halbwegs hinbekommt – es ist ein Jammer.

Zusammenfassend würde ich trotzdem sagen, dass es ein gelungener Abend war und auch das griechische Publikum zufrieden nach Hause ging. Ganz besonders dankbar war ich den Jungs dafür, dass sie ohne Pause durchgespielt haben und daher laut meiner Uhr um 23:33 Uhr (einschließlich Zugabe) fertig waren. Das gab mir Chancen der Parkbank zu entkommen. Nachdem ich mich durch den Stau in den Theatergängen gekämpft hatte, eilte ich durch die Stadt nach Hause und erreichte die rettende Pforte um 5 vor 12. So konnte ich mich noch zu meinem Gepäck auf die Pritsche legen und trotz der Affenhitze habe ich tatsächlich ein paar Stunden geschlafen.

So, das war’s erst einmal zum Thema „Jethro Tull auf Kreta“.

Es grüßt Euch
Kretakatze

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Jethro Tull in Iraklio, Kreta – Samstag 23.06.2007

Venue: Kipotheatro „Nikos Kazantzakis“ (Gartentheater)
Offiziell laut Internet Einlass ab 19:00 Uhr, Beginn 20:00 Uhr
Offiziell laut Ticket Einlass ab 19:30 Uhr, Beginn 21:30 Uhr
16:30 Uhr: erste Vorbereitungen auf der Bühne
17:45 Uhr: Intro von Locomotive Breath, die Herren O’Hara, Goodier, Perry (und Barre) auf der Bühne
18:00 Uhr: eine Flöte tönt (Mother Goose), Tor ist geschlossen
18:30 Uhr: Soundcheck „akustische Gitarre mit Gesang“ – Thick As A Brick
19:00 Uhr: Farm On The Freeway (komplett und ein Teil wiederholt)
19:20 Uhr: Sweet Dream (Ausschnitt) – America (Flöte) – Mother Goose (Flöte)
19:40 Uhr: Soundcheck beendet, die Herren verschwinden
20:00 Uhr: Einlass

Beginn: ca. 21:45 Uhr
Es treten auf die Herren Anderson, Barre, Perry, Goodier, O’Hara
(Wer welches Instrument spielt muss ich wohl nicht extra erwähnen)

Setlist:
Living In The Past
Jack In The Green
The Donkey And The Drum
Thick As A Brick (Really don’t mind…, Spin me back down the years…, A son is born…, I come down from the upper class…, So you ride yourself…)
Mother Goose
Sweat Dream
King Henry’s Madrigal (Pastime With Good Company)
Bourree
Nothing Is Easy
Barre Solo: After You, After Me
Farm On The Freeway
Aqualung (mit neuem Intro)
America
My God
Budapest
Zugabe: Locomotive Breath

Es wurde ohne Pause durchgespielt
Ende: kurz nach 23:30 Uhr

English Translation for Ian Anderson

100 größten Gitarrensolos der Rockmusik – Plätze 51 – 60

Hiermit beschließe ich die hintere Hälfte der größten Gitarrensolos der Rockgeschichte ab und präsentiere Euch die Plätze 51 bis 60. Wie immer wieder erwähnt: Grundlage dieser Top 100 ist ein Voting der Leser des Guitar World Magazine, alles mit Sicherheit absolute Gitarrenspezialisten. Es sind wieder der Vielfalt entsprechend unterschiedliche stilistische Spielarten zu finden. Dementsprechend dürfte (fast) jeder eines seinem Gusto Gemäßes finden.

Fender & Gibson

Hier die Laufzeiten, Platzierungen, Interpreten und Titel im Einzelnen:

– 0:30 – Platz 051 – Ozzie Ozborne – No More Tears
– 1:05 – Platz 052 – Jimi Hendrix – Star-Spangled Banner
– 1:48 – Platz 053 – Led Zeppelin – Since I’ve Been Loving You
– 2:06 – Platz 054 – Smashing Pumpkins – Geek USA
– 2:35 – Platz 055 – Joe Satriani – Satch Boogie
– 2:59 – Platz 056 – Black Sabbath – War Pigs
– 3:27 – Platz 057 – Pantera – Walk
– 4:03 – Platz 058 – Eric Clapton – Cocaine
– 4:19 – Platz 059 – Kinks – You Really Got Me
– 4:57 – Platz 060 – Frank Zappa – Zoot Allures

Was ist bloß mit Ian los? Teil 76: Jethro Tull auf Kreta – Teil 1

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood!

Xerokambos, Kreta – 19.06.2007

Nun sitze ich also hier am Ende der Welt im Schatten auf der Terrasse vor meinem Zimmer, Meeresblick inbegriffen. Gestern hat mich ein wenig der Sonnenbrand ereilt, und da es heute außerdem sehr windig – eher schon stürmisch – ist, werde ich wohl erst gegen Abend an den Strand gehen. Und inzwischen tue ich, was ich nicht lassen kann – ich schreibe. Ich habe nämlich etwas getan, was ich bei jedem Anderen bislang mit Spott und Häme quittiert hätte, ich habe tatsächlich meinen Laptop mit in den Urlaub genommen. Mich hat doch der Gedanke gequält, dass mich auch im Urlaub die Schreibwut überkommen könnte, und dass es einfach furchtbar wäre, wenn ich dann meine „Schreibmaschine“ nicht griffbereit hätte. Das hätte mir wo möglich den ganzen Urlaub versaut. Und das wollte ich nicht riskieren. Außerdem kann ich so jeden Abend gleich die neuen Bilder von der Digitalkamera herunterladen. Die wäre sonst schon nach 3 Tagen übergelaufen, ich habe alleine gestern 45 Aufnahmen gemacht. Im Urlaub packt mich nämlich immer auch die Photographierwut.

Aber das interessiert Euch sicher alles garnicht, Ihr wollt eher wissen wie es um meine Jethro Tull Aktivitäten bestellt ist. Um es kurz zu machen, ich habe immernoch kein Ticket fürs Konzert, und vor Samstag bekomme ich hier am Ende der Welt (äußerste Südostküste Kretas, von Iraklio 175 km entfernt) auch keines mehr. Dummerweise bin ich an einem Sonntag in Iraklio gelandet, und man hat mich schon am Flughafen darüber aufgeklärt, dass sonntags die Karten-Verkaufsstellen geschlossen haben. Allerdings hat man mir glaubhaft versichert, dass es bestimmt am Samstag noch Karten gäbe. Jethro Tull wären hier nicht so bekannt, da könne ich sicher auch noch an der Abendkasse mein Ticket lösen. Überhaupt wäre es bei solchen Veranstaltungen hier üblich, nachdem alle zahlenden Gäste eingelassen sind einfach die Tore für Jedermann zu öffnen, falls es noch freie Plätze gibt. Ob Meister Anderson über diese griechischen Sitten informiert ist… Vielleicht gilt dieses Verfahren aber auch nur für griechische und nicht für schottische Konzerte.

Aber komme ich nun zu Euren letzten Mails. Wilfried hat Einiges über typisch amerikanische und typisch britische Mentalität geschrieben. Nun war ich selbst einmal ein Vierteljahr in den USA, aber darüber, wie „die Amerikaner“ sind, würde ich jetzt deswegen keine Aussage machen wollen. Ich habe diese 3 Monate auf einer Ranch in Texas gearbeitet, und außer den Ranch-Besitzern, deren nächstem Verwandten- und Bekanntenkreis und einigen mexikanischen „Gastarbeitern“ (fast alle illegal) niemanden kennengelernt. Das wäre genauso, als hätte ich 3 Monate auf einem Aussiedler-Berghof im Bayrischen Wald verbracht und wollte jetzt etwas über „die Deutschen“ erzählen. Natürlich hat man trotzdem, wie Wilfried schon richtig vermerkt hat, aufgrund von Medienberichten und Hollywood-Filmen so seine Vorstellungen.

Zum Stichwort „unverbindliche Art der Amerikaner“ fand ich folgenden Kommentar bemerkenswert, den man unter diesem Video von Almost Saturday Night nachlesen kann (es geht einmal wieder um John Fogerty):„I met John backstage at a Connecticut show in ’97, thanked him for writing this song, my favorite, and asked could he add it to the setlist next time he came around. He said „Sure!“ And he did. I’ll take full credit(j/k).“ Natürlich kann man den Wahrheitsgehalt solcher Kommentare nicht nachprüfen. Trotzdem erscheint mir dieser glaubhaft. Man stelle sich im Gegenzug vor: Man trifft Mr. Anderson backstage (ich weiß nicht genau, was man tun müsste um in diesen Genuss zu kommen, bei Mr. Fogerty reicht dafür evt. die Mitgliedschaft im örtlichen Fanclub), dankt ihm dafür, dass er „A Passion Play“ geschrieben hat und bittet ihn ein Stückchen daraus zu spielen, wenn er das nächste Mal vorbeikommt. Er sagt „Aber klar doch!“ und tut das dann auch tatsächlich. Eher unwahrscheinlich, oder? Jetzt ist natürlich „A Passion Play“ nicht mit „Almost Saturday Night“ vergleichbar. Ob man vielleicht mit, sagen wir mal, „We Used To Know“ bessere Chancen hätte? Allgemein glaube ich, dass dieses „Sie-wünschen-wir-spielen“ Prinzip bei den wenigsten Musikern funktionieren würde.

Wilfried hat weiterhin ein Zitat aus einem Buch von Dietrich Schwanitz aufgeführt, in dem es um die amerikanische Tischsitte geht, zuerst das Steak mit dem Messer zu zerkleinern, um dann allein mit der Gabel essen zu können. Jetzt kenne ich den Zusammenhang nicht, aus dem der Ausschnitt entnommen ist, aber der Text scheint mir doch eher witzig gemeint zu sein, denn besonders viel Sinn macht der Inhalt für meine Begriffe nicht. Wer hält denn den Colt in der linken Hand, wenn man ihn zum Schießen rechts braucht? Im Übrigen habe ich auch schon Deutsche so essen sehen. Ich denke Tischmanieren sind eher eine Frage von sozialer Herkunft, Gewohnheit und Bequemlichkeit.

Dann war ich erstaunt zu lesen, dass Mr. Anderson aufgrund seiner Bildung der „Upper Class“ zuzurechnen sei. Habe ich da etwas nicht richtig mitbekommen? Ich dachte er ist mit 16 von der Schule abgegangen, hat keinerlei abgeschlossene Berufausbildung und kann außerdem weder Noten lesen noch hat er einen Führerschein. Was davon prädestiniert nun für die „Upper Class“? Da hat ja Mr. Fogerty mehr zu bieten, der hat zumindest mal einen High School Abschluss.

Nicht dass ich hier falsch verstanden werde – ich bin die Letzte, die glaubt, dass ein bestimmter Bildungsabschluss gleichzusetzen sei mit einem bestimmten Intelligenzgrad. Zu meinem Freundeskreis zählen mehrere Personen mit Realschulabschluss, von deren gesundem Menschenverstand ich noch manches lernen kann und deren Rat mir immer willkommen ist, während ich Personen mit Hochschulexamen kenne, die so hohl sind wie ein Luftballon (und auch ungefähr so aufgeblasen). Ich erwähne die Bildung des Mr. Anderson nur, da sie von Wilfried als Grund für seine Zugehörigkeit zur „Upper Class“ aufgeführt wurde. Die würde ich aber eher in Anderson’s Herkunft aus dem Randbereich der High Society sehen – der Vater als Hoteldirektor verkehrte wohl eher in den „besseren Kreisen“ und kannte auch einige Prominenz.

Nach eigenen Worten kommt Mr. Anderson allerdings „down from the upper class“, d.h. sie ist seine Herkunft, die er aber verlassen hat, er zählt sich selbst nicht mehr dazu. Für ihn scheint sie auch eher gleichbedeutend zu sein mit „High Snobiety“, mit der er sowieso nichts zu tun haben möchte. Er sieht sich selbst lieber als den einfachen „Landmann“. Der elitäre Anspruch, von dem ich schrieb, bezieht sich ausschließlich auf sein Metier, die Musikbranche, und schlägt sich in einem ausgeprägten Konkurrenzdenken nieder. Mr. Anderson möchte gerne immer und überall der Beste sein – der Beste auf seinem Instrument, der beste Texter, der beste Songschreiber etc.. Nach eigenen Angaben ist er als Kind der „Upper Class“ von klein auf auf Erfolg getrimmt worden (Wind Up: „…they groomed me for success…“ – Thick As A Brick: „…a son is born, an we pronounce him fit to fight…“). (Sorry, wenn meine Zitate nicht ganz korrekt sind, ich kann hier nirgends die genauen Textstellen nachschlagen…). Diese Erziehung scheint bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.

Ich kenne keinen anderen Musiker, der sich ständig in der Öffentlichkeit derart mit der „Konkurrenz“ vergleicht. Kein Konzert und kein Interview, bei dem er nicht irgendwann den Namen mindestens eines anderen Musikers oder einer anderen Band erwähnt. Am häufigsten sind das Led Zeppelin, die er wohl einerseits bewundert und andererseits für seine stärkste Konkurrenz hält. Anspielungen auf „Stairway To Heaven“, „Whole Lotta Love“ oder auch „Led Zeppelin’s famous hit Whole Lotta Brick“ (für meine Begriffe sein bester Gag) gehören praktisch zu jedem Auftritt, aber auch Deep Purple’s „Smoke On The Water“ findet Erwähnung. Aussprüche wie „On guitar Martin Lancelot Barre, balding as ever, comes next to Elton John“ oder „I think we could be Johnny Cash, if we tried very hard“ sind ebenfalls typisch für ihn. In einem Interview von 1975 vergleicht er sich mit David Bowie, in einem anderen Interview von 1977 zählt er fast die gesamte damalige Rock-Elite auf (darunter auch wieder Led Zeppelin, Elton John und David Bowie) und bringt dann gar noch Beethoven ins Spiel, und bei einem Interview von 2003 lässt er sich ausgiebig über Michael Jackson aus, obwohl ihn kein Mensch danach gefragt hat. Man muss ihn eigentlich nur 2 Minuten reden lassen, schon ist er bei einem anderen Musiker, mit dem er sich vergleicht. Dieses „Ich-muss-der-Beste-sein-Wo-stehe-ich“ scheint ihn ständig zu verfolgen. Und wenn er meint, in irgendeinem Punkt besser zu sein als ein Anderer, dann bringt er das entsprechend deutlich zum Ausdruck.

Xerokambos, Kreta – 20.06.2007

Es ist immernoch sehr windig und auch der Sonnenbrand muss noch ein bißchen gepflegt werden. Also sitze ich einmal wieder auf der Terrasse…

Wilfried hat einige Beispiele für das „politische Engagement“ des Mr. Anderson aufgeführt, die für mich allerdings eher unter die Rubrik „soziales Engagement“ fallen würden. Einsatz für Natur- und Artenschutz zählen für mich ebenso dazu wie Auftritte zugunsten von Tsunami-Opfern, AIDS-Kranken oder Obdachlosen. Gesellschaftskritische Anmerkungen in einigen Songtexten haben für mich nichts mit Politik zu tun, genauso wenig wie öffentliche Bekundungen gegen amerikanische Flaggen oder Hippies. Und wenn Mr. Anderson mal, wie hier, einem bekannten Politiker die Hand schüttelt, dann ist das „PR“ und keine politische Aktion. Unter politischem Engagement verstehe ich eigentlich eher die Stellungnahme zu aktuellen tagespolitischen Ereignissen oder Entscheidungen bzw. den Versuch diese zu beeinflussen.

Um einmal wieder Mr. Fogerty zum Vergleich heranzuziehen: Sein Fortunate Son von 1969 wandte sich gezielt gegen den Vietnam-Krieg und gegen die politische Entscheidung vor allem die Söhne der „Lower Class“ in diesem Krieg zu „verheizen“. Im Jahre 2004 hat er mit Deja Vu (All Over Again) gegen den Irak-Krieg und seine Folgen protestiert. Der Irak-Krieg hätte auch ein Thema für Mr. Anderson sein können, schließlich hat sich auch Großbritannien heftig an diesem Krieg beteiligt. Mir ist aber nicht bekannt, dass sich Mr. Anderson zu diesem Thema vernehmbar geäußert hätte, zumindest nicht musikalisch. Das soll jetzt keine Kritik sein, es ist nur eine Feststellung. Ich halte Mr. Anderson für einen eher unpolitischen Menschen. Allein im Bereich Natur- und Umweltschutz zeigt er ein gewisses politisches Interesse, was sich in Liedern wie z.B. dem bereits aus anderen Gründen erwähnten Silver River Turning oder auch Farm On The Freeway niederschlägt.

Nun hängt das politische Engagement amerikanischer Künstler auch mit speziellen amerikanischen Gepflogenheiten zusammen. Traditionsgemäß werden in den amerikanischen Wahlkampf-Zirkus so ziemlich alle erwähnenswerten Künstler aus Musik und Film mit eingebunden, jede Partei versucht sich zu schnappen, wessen sie habhaft werden kann. Und so wurde auch Mr. Fogerty schon auf diversen Wahlkampfveranstaltungen der Demokraten gesichtet, wo er vermutlich zum musikalischen Rahmenprogramm beitragen und anschließend seine Wahlempfehlung ins Mikrophon sprechen durfte. In den USA kann man sich als Künstler also der Politik viel weniger entziehen als in Großbritannien. Andererseits hat man auch größere Chancen, mit dem was man sagt oder singt politisches Gehör zu finden, denn spätestens im nächsten Wahlkampf wird man wieder gebraucht. Das führt wohl allgemein zu einem stärkeren politischen Engagement amerikanischer Künstler, als man es aus anderen Ländern gewohnt ist. Trotzdem: Zuerst hat Mr. Fogerty seine Songs geschrieben (darunter mit „Working Man“ z.B. auch ein Titel über die Arbeitsbedingungen einfacher Arbeiter), dann sind die Demokraten zu dem Schluss gekommen „Der könnte zu uns passen“.

Nun wird es aber Zeit, dass ich mich dem armen Lockwood zuwende, den ich offensichtlich durch meine letzten Bemerkungen zu Brian May und seinem Gitarrenspiel persönlich schwer getroffen habe. Lieber Lockwood, ich war bestürzt zu lesen, dass Dir meine Worte die Tränen in die Augen getrieben haben. Bitte entschuldige vielmals mein unsensibles Vorgehen. Ich weiß, mir mangelt es immer wieder am nötigen Fingerspitzengefühl, meine oftmals kritischen Ansichten schonend und positiv motivierend vorzubringen. Ich werde mich bemühen in Zukunft meine Worte mit mehr Feingefühl zu wählen.

Und da stehe ich nun schon vor dem Problem: Wie tue ich das? Das von Dir zuletzt verlinkte „The March of the Black Queen“…wie soll ich sagen…könnte bei mir einen ersten Preis gewinnen für das wirrste Musikstück, das ich je gehört habe. Es klingt als ob Musikschnipsel aus ungefähr einem Dutzend unterschiedlicher Songs unterschiedlicher Musikrichtungen per Zufallsgenerator zusammengestückelt worden wären. Wobei keine dieser Musikrichtungen meinem Geschmack entspricht. Oh je, das war jetzt wahrscheinlich auch wieder nicht besonders feinfühlig formuliert. Bitte nicht gleich weinen! Queen ist halt vermutlich einfach nicht mein Fall. Diesen Eindruck hatte ich schon in den 70ern, und daran hat sich wohl auch nichts geändert.

Da kann ich mit Mr. Clapton, der „Supergroup“ Cream und dem Titel „White Room“ schon mehr anfangen. Cream waren mir bislang nur dem Namen nach bekannt, auch von Eric Clapton hatte ich wohl noch nie bewusst etwas gehört. Dass er das Solo in „While My Guitar Gently Weeps“ spielt, war mir unbekannt, gibt aber unbedingt Pluspunkte. Und „White Room“ klingt interessant, der Song hat etwas…

Außerdem kommt mit Cream nun eine weitere Art von Rockband ins Spiel – neben der „One-Man-Band“ (a la Jethro Tull, Dire Straits oder CCR) und der „Group Band“ (z.B. Queen) nun noch die „Supergroup“. Sie besteht ausschließlich aus Frontmännern und hat offensichtlich eine noch kürzere Halbwertzeit als die „One-Man-Band“. Schon nach 2 Jahren war sie am Ende, da ihre 3 Köpfe in unterschiedliche Richtungen marschieren wollten. Insbesondere Mr. Clapton scheint sich danach kreuz und quer durch die Musiklandschaft gespielt zu haben, so wie in seinem Leben wohl auch noch so manches andere kreuz und quer gelaufen ist. Da kann man sich nur wundern, dass er das alles doch relativ unbeschadet überstanden zu haben scheint und heute noch auf einer Bühne stehen und spielen kann. Ich gönne es ihm. Jimi Hendrix dagegen, auch wenn das hart und herzlos klingt, weine ich keine Träne nach. Weder konnte ich je mit seiner Musik etwas anfangen, noch hat er meiner Meinung nach irgend einen positiven Einfluss auf seine Umwelt ausgeübt – eher ganz im Gegenteil.

Xerokambos, Kreta – 21.06.2007

Gestern habe ich die neue Erfahrung gemacht, dass auch Krabben ganz unterschiedliche Charaktere haben können. Gegen Abend saß ich auf einem meerumspülten Felsplateau und konnte etwa eine Stunde lang gleich 3 Exemplare gleichzeitig beobachten. Die erste, durch die ich auf die „Krabbenstelle“ überhaupt erst aufmerksam wurde, war von der gefräßigen Sorte. Sie ließ sich durch mich nicht stören und knabberte an einem Stück Meerespflanze, als ich sie entdeckte. Es sah lustig aus, wie sie bald mit der linken und bald mit der rechten Schere ein Stückchen Pflanze abzwickte und ins Maul schob (sagt man bei Krabben so?). Die zweite saß in einer dunklen Felsspalte etwa einen halben Meter entfernt, und hatte sich genauso dunkelgrau gefärbt wie der Untergrund. In Abständen lugte sie mit ihren Stielaugen aus der Felsspalte hervor, zuckte aber jedesmal sofort zusammen, sobald ich mich bewegte, und verschwand wieder in ihrem Versteck – ein scheues und ängstliches Exemplar. Die Dritte schien – im Gegensatz zu den anderen beiden – farbliche Tarnung nicht nötig zu haben. Mit ihren rotbraunen Flecken auf hellem Grund hob sie sich deutlich vom sandfarbenen Felsen ab. Sie war die größte und dickste von Allen und von eher phlegmatischem Typ. Ungefähr im Abstand von je 10 Minuten bewegte sie mal ein Bein oder knapste ein Stück Alge vom Stein, während inzwischen Vielfraß Nr. 1 etwa 30 cm entfernt quer über den Fels wanderte und dabei den schmierigen Algenfilm abgraste. Dieses Tier hat wirklich eine Stunde lang ununterbrochen gefressen und war damit noch nicht fertig, als ich mich schließlich auf den Heimweg machte.

Soweit zu meinen neuen Erkenntnissen aus dem Reich der Krabben. Ich schreibe das alles nur, um Euch einen kleinen Einblick in meinen erlebnisreichen Tagesablauf zu geben. Irgendwelcher Bezug zu den Herren Anderson, Fogerty und Co. wäre rein zufälliger Natur.

Kommen wir zurück zur Musik. Was die Leistungen des Mark Knopfler betrifft, scheinen wir uns ja alle ziemlich einig zu sein. Und der Rest der Welt wohl auch. Ich finde es erstaunlich, mit wem oder für wen Mr. Knopfler schon in die Gitarrensaiten gegriffen hat. Von Bob Dylan, der ihn schon 1979 für sein Album „Slow Train Coming“ angeheuert hatte, über Eric Clapton bis John Fogerty (wie wir ja schon gesehen und gehört haben). Ich habe den Eindruck so ziemlich jeder, der eine Gitarre halten kann, möchte wenigstens einmal mit ihm zusammen arbeiten um ihm über die Schulter zu schauen und zu sehen, wie er das macht.

Weitere Gitarristen kenne ich nicht – jedenfalls ist mir keiner aufgefallen, der mich besonders beeindruckt hätte. John Fogerty würde man ja offiziell bestimmt nicht dazu zählen wollen – wobei mir das eigentlich ziemlich schnuppe ist. Wie ich schon erwähnt habe finde ich das Solo aus I Put A Spell On You (hier mal eine Live-Version aus Woodstock) auch ziemlich stark. Aber im Moment möchte ich dieses Video eigentlich nur zur Überleitung auf ein neues Thema benutzen: Pleiten, Pech und Pannen in Musikvideos.

Eigentlich gibt es keine Woodstock-Videos von CCR, aufgrund der schlechten Qualität hat sie John Fogerty nie zur Veröffentlichung freigegeben. Wenn man die Aufnahmen sieht, weiß man auch warum. Wegen organisatorischer Mängel fand der Auftritt von CCR erst zwischen 1:00 und 3:00 Uhr nachts statt als die meisten Fans schon schliefen (oder sonstwie voll zugedröhnt waren). Auch die Kameraleute und die Tontechniker waren wohl schon in Tiefschlaf versunken. Das Bild ist kaum ausgeleuchtet, man sieht nur schemenhaft ein paar Dunkelmänner auf der Bühne, dazu ist der Ton übersteuert und schäppert. Irgendwie müssen einige Fans doch der Aufnahmen habhaft geworden sein und haben versucht, noch das beste daraus zu machen. An der Kameraführung konnten aber auch sie nichts mehr ändern. Beim Gitarrensolo von „I Put A Spell On You“ (siehe oben) wird ausgiebig Fogerty’s Rücken gefilmt, der Gitarrenhals von hinten oder das Schlagzeug statt der Gitarre (und zwar möglichst von vorne) – wer möchte denn sowas sehen?

Was für die Amerikaner und CCR Woodstock war, war für die Briten und Jethro Tull die Isle Of Wight. Davon gibt es durchaus gelungene Aufnahmen, die man ja auch auf DVD erwerben kann, aber auch hier gibt es eine Stelle, bei der ich immer lachen muss, da sie dokumentiert wie die Kameraleute damals von den neuen Herausforderungen eines Rockkonzerts (und vor allem eines Ian Anderson) doch etwas überfordert waren. Offensichtlich waren sie bis dahin gewohnt, dass man um einen Sänger zu filmen seine Kamera auf’s Mikrophon ausrichten und sich dann auf ein Nickerchen ablegen kann. Das hat bei Mr. Anderson so nicht ganz funktioniert.

Nachdem er seine vier Strophen von We Used To Know abgesungen hat, vollführt er einen seiner berüchtigten Fallrückzieher, wodurch er innerhalb von Sekundenbruchteilen komplett aus dem Bild verschwindet. Es vergehen einige Schrecksekunden bis der Kameramann merkt, dass er einen nackten Mikrophonständer filmt. Mit zittriger Hand geht er auf die Suche nach dem Objekt seiner Begierde, das zu diesem Zeitpunkt noch ungefähr 20 cm flach über dem Boden schwebt. Bis er es entdeckt hat, springt dieses allerdings auf und rennt davon. Er versucht verzweifelt ihm mit wackliger Kamera zu folgen, bekommt es aber nie so recht ins Bild. Schließlich wird auf die Kamera auf der vom Zuschauer aus rechten Bühnenseite umgestellt, von der aus vermutlich die ganze Aktion komplett im Bild gewesen wäre. Warum eigentlich nicht gleich so?

Xerokambos, Kreta – 22.06.2007

Gestern habe ich nach dem Baden noch eine kleine Wanderung in eine Schlucht unternommen. Immer nur in Gesellschaft von Krabben fand ich es auf die Dauer doch etwas öde, ich wollte einmal wieder die Ansprache eines Wirbeltiers, und in Schluchten trifft man üblicherweise auf Ziegen. In dieser hatte ich allerdings Pech. Die einzigen Lebewesen, auf die ich traf (außer den Insekten) waren ein paar Vögel, vor allem ein Bussard oder Habicht, der sich etwa 3 Meter über meinem Kopf schlechtgelaunt aus eine Felshöhle stürzte. Ich hatte ihn wo möglich beim Brüten gestört.

Abends in der Taverne hatte ich dann nochmals Pech. Auch hier am Ende der Welt ist ja schon die Neuzeit eingekehrt, und bei Kostas kann man gratis im Internet surfen. Also dachte ich, ich schaue mal in meinen Emails nach, ob es etwas Neues von Wilfried oder Lockwood gibt. Die technischen Gegebenheiten, die ich vorfand, entsprachen allerdings nach meiner Erinnerung dem Stand aus dem letzten Jahrtausend. Es dauerte mindestens 5 Minuten, bis auch nur die Verbindung zum Internet hergestellt war, und danach dauerte jeder Seitenaufbau ungefähr genauso lang. Als ich auf diese Weise nach einer halben Sunde endlich bei Yahoo eingeloggt und in meinem Postfach angekommen war, konnte dann plötzlich die Seite mit den Mails nicht angezeigt werden und der Rechner hängte sich komplett auf. Restart – Dauer ca. 10 Minuten – neue Verbindung mit dem Internet. Das Einloggen konnte ich mir diesmal sparen, aber wieder konnte die Seite mit den Mails nicht geöffnet werden. Dann habe ich testhalber mal versucht, meine eigene Homepage aufzumachen – ging auch nicht. Da habe ich mich bei Yahoo wieder ausgeloggt (wenigstens das ging noch!) und bin unverrichteter Dinge gegen Mitternacht nach Hause gezogen.

Soweit mein pannenreicher Tag von gestern. Und nun zu den pannenreichen Videos. Das letzte, das mir zu diesem Thema im Moment einfällt, ist der CCR-Clip zu Sweet Hitch-Hiker von 1972 – eigentlich weniger ein Pannen-Video als mehr ein weiteres Beispiel für unsinnige Kameraführung. Nahaufnahmen sind wirklich sehr schön, aber man kann es auch übertreiben. Wenn eine Nahaufnahme so nah ist, dass nur noch zwei Zähne im Bild sind, dann fragt man sich langsam, was das soll.

Apropos Zähne – ich finde es immer wieder herzerfrischend wie die Herren um 1970 beim Singen ihre nicht immer tadellosen Gebisse entblößt haben. Mr. Anderson’s Zahnfehlstellungen lassen sich z.B. sehr schön anhand dieses bei mir besonders beliebten Witch’s Promise Video analysieren. John Fogerty’s lückig vorstehende Schneidezähne können u.a. in den bereits verlinkten Videos zu …Grapevine oder …Backdoor besichtigt werden. Das oben erwähnte Video zu „Sweet Hitch-Hiker“ wäre sicher auch als Arbeitsgrundlage für einen Kieferorthopäden oder Zahntechniker geeignet. Heute stehen bei diesen Herren die Zähne makellos in Reih und Glied, was vermuten lässt, dass sie alle nicht mehr echt sind. Ich fand sie mit den Original-Zähnen irgendwie netter, das hatte sowas Ursprüngliches. Meine Zähne sind jedenfalls immernoch so schief wie damals…

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Heute gab es bei mir am Strand noch mehr Pannen. Zunächst einmal war es nicht nur windig sondern stürmisch. Eigentlich meide ich Sandstrände an solchen Tagen, aber es gab da noch ein bestimmtes Felsplateau, bei dem ich schnorcheln wollte, direkt am Sandstrand. Während ich im Wasser war muss wohl der Wind aufgefrischt sein. Als ich plitschnass herauskam geriet ich jedenfalls direkt in einen Sandsturm und wurde mit Sandkörnern paniert. Das liebe ich garnicht, also schnappte ich schnell meine Sachen, um barfuß quer über den Strand zu den windgeschützten Felsen zu laufen. Ungefähr auf halbem Wege trat ich in irgendetwas – AUA – konnte mich aber nirgends hinsetzen und hatte im Sandsturm auch keine Lust dazu. Also humpelte ich bis zu den Felsen weiter, wo ich schließlich am Wasser einen Stein zum Hinsetzen fand. Dort konnte ich mir dann einen kleinen Glassplitter aus der sandigen Fußsohle ziehen.

Während ich noch darauf wartete, dass der Schmerz nachlässt, fiel mir ein, dass es mir vor Jahren in Italien noch viel schlimmer ergangen war. Im zarten Alter von 16 Jahren war ich mit meinen beiden besten Freundinnen für zwei Wochen nach Sorrent in Urlaub gefahren. Es war das erste Mal, dass wir unbeaufsichtigt auf den Rest der Menschheit losgelassen waren, und der Rest der Menschheit in Form von Horden heißblütiger Italiener auf uns. Ich möchte mich jetzt nicht über die Details dieses erlebnisreichen Urlaubs auslassen, nur soviel: Falls Ihr noch Töchter unter 18 Jahren habt, lasst sie nicht allein nach Italien! Ich glaube nicht, dass sich die Zustände inzwischen gebessert haben. Übrigens: Falls die Töchter schon über 18 sind, würde ich sie auch nicht fahren lassen. Aber ich komme vom Thema ab.

In diesem Urlaub war es uns allen Dreien gelungen bereits am ersten oder zweiten Tag in Seeigel zu treten, übrigens auf der Flucht vor Italienern. Da die Stacheln nicht mehr aus den Füßen zu bekommen waren, haben wir praktisch 2 Wochen Urlaub mit Seeigel-Stacheln in den Füßen verbracht. Wir konnten zwar nur mühsam laufen, aber es war trotzdem ein toller Urlaub, der uns immer in guter Erinnerung bleiben wird. Beim Gedanken daran war der Glassplitter schon bald vergessen.

Ich hatte danach noch einen schönen restlichen Nachmittag auf den Felsen, aber ich sollte noch nicht die letzte Panne erlebt haben. Auf meinem Weg zurück vom Strand zum Zimmer komme ich immer an einem Salzsee vorbei. Es ist eine mit Meerwasser gefüllte Senke, die schon vor Wochen durch eine Sandbank vom Meer abgetrennt wurde und seither vor sich hin dümpelt. Das seichte Wasser hat Badewannen-Temperatur, die Algen wachsen, es stinkt. Man kann zusehen, wie der „See“ durch Verdunstung von Tag zu Tag kleiner wird, in ein paar Wochen wird es nur noch eine salzverkrustete Sandfläche sein, so wie seinerzeit im August, als ich das letzte Mal hier war.

Am Rande des Sees ragen inzwischen einige Sandkuppen aus dem schlammigen Wasser, und es schien mir eine nette Abwechslung, meinen Weg zurück über diese Sandkuppen zu nehmen. Allerdings hatte ich nicht mit deren schmieriger Konsistens gerechnet. Bereits beim Sprung von der zweiten zur dritten Kuppe – ich musste einen kräftigen Satz machen – rutschte ich auf der glitschigen Oberfläche aus und fiel der Länge nach hin. Zum Glück konnte ich meine diversen Badesachen vor der Algenbrühe bewahren, aber davon abgesehen war ich großflächig schlammverschmiert und in meinen Sandalen befand sich je ungefähr ein Pfund sandiger Schlick – es sind die Sandalen, die ich morgen ins Konzert anziehen wollte, ich habe keine anderen.

Nun ja, ich habe die Sandalen inzwischen gewaschen und zum Trocknen aufgehängt, hoffentlich sind sie morgen wieder brauchbar. Ansonsten steht mir morgen ein anstrengender Tag bevor – Sachen packen, zurück nach Iraklio fahren (ca. dreieinhalb Stunden reine Fahrzeit), Zimmer für die Nacht finden, Busfahrzeiten nach Lendas für Sonntag in Erfahrung bringen, Auto zurückgeben, und nicht zuletzt – irgendwie ins Jethro Tull Konzert kommen. Mal sehen, wie mir das alles gelingen wird. Vermutlich komme ich frühestens übermorgen wieder zum Schreiben, dann aus Lendas.

Bis dahin grüßt Euch

Kretakatze

PS.: Um noch ein weiteres Mal auf das Karohemd-Thema zurückzukommen (nicht gleich stöhnen…) und dabei noch einen weiteren Aspekt ins Blickfeld zu rücken: Tatsächlich gibt es einen Fernsehauftritt von 1969, bei dem John Fogerty in einem einfarbig schwarzen Hemd erscheint: Es ist die Aufnahme von Fortunate Son, die ich schon mehrfach verlinkt hatte. Das hat mich zunächst tief betrübt, bis ich am Schluss dieser bei gleicher Gelegenheit aufgenommenen Version von Down On The Corner erkannt habe, warum. John trägt das gleiche Hemd wie sein Bruder Tom, wahrscheinlich sollte das der „Brüder-Look“ sein. Ich würde soweit gehen zu vermuten, dass man John vor diesem Auftritt von höherer Stelle nahegelegt hatte, mal was Gescheites anzuziehen, schließlich hatten CCR bei irgendeiner Wahl den ersten Platz belegt und ein kurzer Auftritt zusammen mit dem Moderator war auch noch angesagt. Tom hatte sich zu diesem feierlichen Anlass gar extra noch eine weiße Kravatte ans schwarze Hemd gebunden und sah daher wohl so seriös aus, dass er schließlich als einziger von der Truppe auch noch ein paar Worte sagen durfte.

Was mir bei dieser Gelegenheit auch noch auffiel: Doug Clifford war zu dieser Zeit bei Auftritten üblicherweise mit einem geringelten T-Shirt bekleidet. Auch er erscheint zu diesem Anlass im einfarbigen Hemd, allerdings: Dafür ist die Hose gestreift. Ich finde die Jungs wirklich so goldig… Tatsächlich fällt mir ein nicht geringelter Doug Clifford ungefähr genauso heftig ins Auge wie ein unkarierter John Fogerty. Ich weiß nicht mehr, was die Jungs auf dem Poster über meinem Bett anhatten, aber ich würde wetten: Fogerty war kariert und Clifford war geringelt. Es ist wirklich unglaublich, wie sich diese Bilder aus frühster Kindheit und Jugend für immer ins Gehirn einbrennen.

Jetzt bin ich aber immer noch nicht ganz bei dem Punkt, zu dem ich eigentlich kommen wollte – sorry, ich bin heute ziemlich weitschweifig. Aber jetzt kommt’s gleich. Wenn man mich nun fragen würde, wie die anderen beiden Band-Mitglieder eingekleidet sein müssten, dann würde ich sagen: Stu Cook – gemustertes Hemd, Tom Fogerty – einfarbiges Hemd. Ob auch wegen dem Poster, weiß ich nicht, aber diese Kleiderordnung passt zu fast allen Videos, die ich bisher gesehen habe. Und das finde ich ein geradezu geniales Prinzip. Man vepasst in einer Gruppe jedem sein eigenes Muster: Einer kariert, Einer gestreift, Einer sonstwie gemustert und Einer einfarbig. Das hat einen ungeheuren Wiedererkennungswert selbst bei Personen mit schwerer Sehbehinderung oder solchen, die sich keine Gesichter merken können (so wie ich zum Beispiel). Heutzutage werden nach monatelanger Markterforschung derartige Gruppen am Reissbrett entworfen, und CCR haben das schon Ende der 60er Jahre einfach so aus dem Ärmel geschüttelt. Bewundernswert!

Bei Jethro Tull hätte dieses Prinzip leider nie funktioniert, denen wären schon nach kurzer Zeit die Muster ausgegangen. Dabei hätte ich es bei denen viel nötiger gehabt. Die CCR-Jungs sahen alle so unterschiedlich aus, die hätte ich auch ohne Muster auseinanderhalten können. Bei den Jethro Tullern hatte ich da immer Probleme – Alle mit so langen Haaren und ziemlich zugewachsen, Anderson und Barre beide irgendwie blond gelockt, dazu von Jahr zu Jahr mindestens ein Musiker ausgetauscht – da wären klar abgegrenzte Muster oder Farben zur Identifikation schon hilfreich gewesen.

English Translation for Ian Anderson

Al Gore lädt ein: Live Earth

Gleich an 11 Standorten treffen sich die Stars, um am heutigen Tag auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Al Gore, unter Clinton US-Vizepräsident, lädt zu diesem Konzertmarathon „Live Earth“ in neun Städten auf sieben Kontinenten für über 24 Stunden ein. Mit Hilfe der Erlöse dieser Konzerte soll eine Stiftung für Klimaschutz eingerichtet werden.

Live Earth 07/07/2007

ab 5 Uhr: Sydney – Aussie Stadium
u.a. mit Blue King Brown, Paul Kelly, Toni Collette & The Finish u.a.

ab 8 Uhr: Tokio – Makuhari-Messe & Kyoto – To-ji-Tempel
u.a. mit Linkin Park u.a. bzw. Yellow Magic Orchestra u.a.

ab 11 Uhr: Shanghai – Oriental Peral Towers
u.a. mit Sarah Brightman, 12 Girls Band u.a.

ab 14 Uhr: Istanbul – Yedikule
u.a. mit Yusuf, Deep Purple, Paul Young u.a.

ab 14 Uhr: Hamburg: HSH Nordbank Arena
u.a. mit Katie Mulua, Shakira, Silbermond u.a.

ab 15 Uhr: Johannesburg – Cradle of Humankind
u.a. mit Angelique Kidjo, UB40, Soweto Gospel Choir u.a.

ab 15 Uhr 30: London – Wembley Stadium
u.a. mit Black Eyed Peas, Genesis, Madonna, Red Hot Chili Peppers u.a.

ab 21 Uhr: Rio de Janeiro – Copacabana
u.a. mit Gilberto Gil, Good Charlotte, Lenny Kravitz, Jennifer Lopez u.a.

ab 21 Uhr: New York – Giants-Stadium
u.a. mit Bon Jovi, Smashing Pumpkins, The Police u.a.

außerdem gibt es evtl. eine Aufzeichnung aus der Antarktis – Rothera-Station
u.a. mit Nunatak

im deutschen TV:
ab 5 Uhr auf N24
17 – 20 Uhr 15 und ab 23 Uhr auf Pro7

Live im Internet

3 x 7

Heute ist der 07.07.2007 (nach dem Teufelstag, den 06.06.06) wieder ein Tag, der gern für Hochzeiten genutzt wird, weil man sich dieses Datum mit den drei Siebenen gut merken kann (besonders die ‚Herren‘ der Schöpfung haben mit Hochzeitstagen bekanntlich ihre Probleme).

Aber der heutige Tag ist auch Auftakt zu Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der S-Bahn in Hamburg. Ein großes Familienfest startet um 11 Uhr auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz.

Hamburger S-Bahn mit Tele-Michel

Außerdem werden heute (die Zahl sieben ist gewissermaßen ‚Programm‘) die ’sieben neuen Weltwunder‘ gekürt, an deren Abstimmung jeder auf diesem Globus teilnehmen konnte.

Weltwunder der Neuzeit

Nachtrag – siehe zdf.de: Kolosseum ist eines der sieben neuen Weltwunder

Was ist bloß mit Ian los? Teil 75: Andersons Interview

Hallo Kretakatze, Hallo Wilfried,

mit dem Video von „Brighton Rock“ scheine ich wirklich einen Griff ins Klo getan zu haben. Zum operettenhaften Eindruck der ersten Queen-Platten: Gerade das gefällt mir daran. Aber lassen wir das; ich will nicht missionieren.

David Lindley ist mir in der Tat vollkommen fremd. Sein „Bon Tempes Roulez“ drängt mich nicht dazu, mehr von ihm hören zu wollen.

Wilfried hat in seiner letzten mail ein Interview mit Ian Anderson vorgestellt. Leider, lieber Wilfried, verstehe ich nicht, was Du daran glaubhaft findest. Der Meister erklärt hier seiner gläubigen Gemeinde, dass er weiterhin auf Tour geht, um sich immer weiter in Richtung des perfekten Auftritts zu entwickeln. Das ist doch der reinste Hohn, soviel Arroganz hätte ich nicht einmal ihm zugetraut. Wenn er nach Perfektion strebt, hätte er vor über 20 Jahren aufhören sollen, spätestens nach seiner Halserkrankung.

Wenn er auf seinen Instrumenten nach eigener Aussage einen falschen Ton trifft, – was niemand bemerkt – so stört ihn das. Aber es ist ihm gleichgültig, wenn er (wie neulich in einem Blog-Kommentar sehr treffend zu lesen war) den Hals wie ein Ganter strecken muss, um einen hohen Ton zu treffen. Wo ist die Verbindung zwischen seinem aktuellen Gesang und Perfektion ?

Seine Aussage, dass er sich mit seinem Alter und seiner physischen Kondition gut arrangieren kann, nehme ich ihm ebenfalls nicht ab. Wenn es so wäre, würde er sein gefärbtes Resthaar nicht unter einem Lappen verstecken. Seine schlaffen Arme sind wirklich sein geringstes Problem. Ansonsten versteht es der Meister wie eh und je, sich und seine Musik gekonnt in Szene zu setzen. Ich wünsche ihm, dass er damit ein unkritischeres Publikum erreicht als ich es bin.

Als Geschenk für den Meister zu seinem runden Geburtstag fällt mir noch etwas Gehässigeres ein als ein (längst überfälliger) Rentenbescheid: Ein Mitschnitt des Tampa-Konzerts oder vom Hippodrom, damit er sich vergegenwärtigen kann, was die Fans unter Perfektion verstehen.

In eigener Sache: In NRW haben die Ferien vergangenen Donnerstag begonnen. Ich muss noch zwei Wochen zur Arbeit, um dann ab dem 9. Juli für vier Wochen Urlaub (incl. Abbau von Überstunden) zu nehmen. Vier Wochen ! So lange hatte ich noch nie an einem Stück Urlaub. Hoffentlich geht das gut. Das ist schon fast „Pappa ante portas“.

Mit den besten Wünschen für ein trockenes Wochenende verbleibe ich
Lockwood

22.06.2007

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Hallo Kretakatze, hallo Lockwood,

nach längerer Sendepause melde ich mich wieder bei Euch. Entschuldigt, aber die letzten Tage hatte ich keine große Lust auf Herrn Anderson, zudem gab es auf der Arbeit reichlich Stress (ich bin einfach urlaubsreif, muss aber noch bis Ende des Monats durchhalten, aber dann …).

Aber zunächst zu Dir, Kretakatze, wie war Dein Urlaub, hoffentlich nicht zu heiß, oder? – und warst Du beim Tull-Konzert in Iraklio und wenn ja, wie war es? Der erste Teil der Deutschland-Tour ist ja vorbei und es gibt dazu viele unterschiedliche Meinungen, auch viele Bildchen usw., im Laufi-Forum ist davon vieles zu finden. Oder hier von der Kieler Woche (ohne Segelboote).

Achtung, Anderson!

Es sind auch einige Bilder vom Publikum dabei, die mich wirklich nachdenklich gestimmt haben. Okay, ich bin nun wirklich auch nicht mehr der Jüngste, aber betrachtet man z.B. das Foto unten, dann deutet wenig daraufhin, dass das die Besucher eines Rockkonzertes sind. Es sieht irgendwie nach einem Freiluft-Rentnertreff aus. Stimmt nicht ganz, ziemlich vorn links ist ein junges Gesicht zu sehen (aber wohl ein Enkel, der seine Großeltern begleiten musste oder ein Zivi, der den Rollstuhl schiebt – vielleicht gibt es für Begleitpersonen von Rollstuhlfahrern freien Eintritt zum Konzert).

Rentnertreff

Auch noch einige Worte zum Anderson-Interview. In gewisser Hinsicht halte ich es nicht nur für aufschlussreich, sondern durchaus für glaubhaft, wenn man es aus der Sicht von Ian Anderson betrachtet. Ältere Menschen haben nun einmal die Gewohnheit, die Dinge manchmal so hinzubiegen, dass diese für sie ‚stimmig’ werden (So hebt man gern manche ‚Sachen’ hervor, um andere zu ‚verdecken’). Rein instrumental denke ich wirklich, dass Ian Anderson nach höchster Perfektion strebt. Das hat nichts mit seinem Gesang zu tun (immerhin hat selbst er inzwischen gemerkt, „dass das Alter auch in meiner Stimme seine Spuren hinterlassen hat“, wie er sagt; okay, das ist äußerst beschönigend betrachtet). Und instrumental ist er, was die spieltechnische Seite betrifft, sicherlich besser, als z.B. beim Tampa-Konzert. Von daher wäre es keine so gute Idee, Herrn Anderson einen Mitschnitt von diesem Konzert zum Geburtstag zukommen zu lassen. Er würde mit sich unnachsichtig jeden Fehler aufzeigen wollen, der ihm damals unterlaufen ist.

Okay, es geht natürlich nicht nur um Spieltechnk. Unser Hauptkritikpunkt ist und bleibt eben der Gesang. Ein Grund, weshalb ich vorerst in kein Konzert mehr gehen werde. Kann man aber Herrn Anderson deshalb verbieten, weiterhin Konzerte zu geben? Andere sind nachsichtiger mit ihm. Erst jetzt habe ich über youtube eine Nachricht von einem 17-jährigen Mädel bekommen, die das Konzert in Chemnitz gesehen hat und es „einfach nur geil“ fand. Also sind es dann doch nicht nur Rentner, die die Konzerte besuchen, sondern es ist auch Jungvolk. Das mit dem „einfach nur geil“ lasse ich dabei unkommentiert durchgehen.

Kretakatze hat ihren Urlaub hinter sich, Lockwood muss nur noch diese eine Woche durchstehen (Pappa ante portas ist gut, so lange Du nicht versuchst, den Haushalt zu managen, wirst Du zu Hause geduldet sein, Lockwood, ich kenne das). Ich muss mich noch über drei Wochen quälen. Aber auch das werde ich schaffen. Und dann geht es zwar nicht nach Kreta, aber in die Berge.

Übrigens, das Montreux-Konzert von Jethro Tull 2003 gibt es ab 24. August auch als DVD. Ich könnte mir denken, die Scheibe anzuschaffen. Eigentlich warte ich vor allem auf die Veröffentlichung alten Materials von Konzertaufzeichnungen, die das ZDF in seinen Archiven hat. Entsprechende Ankündigungen gab es ja bereits.

Jethro Tull live at Montreux 2003

Für erstes soll das genügen. Man/frau liest sich weiterhin.
Eine angenehme Woche wünscht Euch
Wilfried

03.07.2007

English Translation for Ian Anderson

100 größten Gitarrensolos der Rockmusik – Plätze 61 – 70

Aus der Top 100 der größten Gitarrensolos heute die Plätze 61 bis 70. Wir sind zwar noch viele Plätze von der Spitze entfernt, aber für mich kommen wir hier so langsam in einen Bereich, der endlich einige interessantere Stücke enthält. Als Fan des Progressive Rocks ist das z.B. die Gruppe Yes. Hier also anhand einer Leserumfrage des Guitar World Magazines die Platzierungen von 61 bis 70:

Fender & Gibson

Hier die Laufzeiten, Platzierungen, Interpreten und Titel im Einzelnen:

– 0:37 – Platz 061 – Metallica – Master of Puppets
– 1:09 – Platz 062 – Pink Floyd – Money
– 1:38 – Platz 063 – Red Hot Chili Peppers – Scar Tissue
– 1:52 – Platz 064 – Prince – Little Red Corvette (kurz und schmerzlos)
– 2:17 – Platz 065 – Allman Brothers – Blue Sky (Gedudele)
– 2:37 – Platz 066 – Iron Maiden – The Number of the Beast
– 3:00 – Platz 067 – Michael Jackson feat. Eddie Van Halen – Beat It
– 3:42 – Platz 068 – Yes – Starship Trooper
– 4:01 – Platz 069 – Beatles – And Your Bird Can Sing
– 4:32 – Platz 070 – Jimi Hendrix – Purple Haze

Schutz vor Taschendieben

Der Hamburger Fahnder, Michael G., erklärt auf seiner Website, wie man sich wirkungsvoll vor Taschen- und Trickdieben schützen kann. Wie schnell sind Portemonnaie oder Handy aus der Jacke verschwunden. Wichtig auch, was zu tun ist, wenn es einen erwischt hat: Möglichst schnell EC-, Kredit- und SIM-Karte sperren lassen. Hat man die benötigte Rufnummer nicht parat, so können meist die Polizeidienststellen die entsprechenden Hotline-Nummern nennen.

Für alle, die bisher nie beklaut wurden, sind die Seiten ein spannender Blick in die Abgründe der meist bandenmäßig organisierten Kriminalität und deren Einfallsreichtum: taschendiebstahl.com

Vorsicht, Taschendiebe