Sudoku

Früher waren es hauptsächlich Kreuzwort- oder Silbenrätsel, heute ist es ein Logikrätsel namens Sudoku, das manchen Zeitungsleser zur schieren Verzweiflung bringen kann (besonders in der Urlaubszeit). Erst wenn das Rätsel vollständig gelöst ist, dann ist auch der Rätselrater erlöst, wobei ‚raten‘ natürlich das falsche Wort ist: mit analytischem Verstand wird die Lösung herbeigeführt. Ein Rätsel mit Suchtfaktor, dem ich dieser Tage auch kurz erlegen bin.

Nun Sudoku ist ein Logikrätsel und ähnelt Magischen Quadraten. In der üblichen Version ist es das Ziel, ein 9×9-Gitter mit den Ziffern 1 bis 9 so zu füllen, dass jede Ziffer in einer Spalte, in einer Reihe und in einem Block (3×3-Unterquadrat) nur einmal vorkommt. Ausgangspunkt ist ein Gitter, in dem bereits mehrere Ziffern vorgegeben sind.

Hier ein Sudoku mit mittlerem Schwierigkeitsgrad (und unten die Lösung dazu), das ich relativ schnell gelöst habe. Ich habe dabei eine eigene Methode entwickelt, indem ich fehlende Zahlen notiert und diese gewissermaßen mit ‚anderen‘ fehlenden Zahlen kombiniert habe. Meist beginnt man mit einer Reihe oder Spalte (oder einem Block), in der die meisten Zahlen bereits vorgegeben sind.

Sudoku - mittlerer Schwierigkeitsgrad
Sudoku – mittlerer Schwierigkeitsgrad

Neben vielen Tages- und Wochenzeitungen (z.B. „Die Zeit“) sind Sudokus natürlich auch im Internet zu finden. Den Schwierigkeitsgrad kann man sich aussuchen. Der Anfänger sollte sich zunächst mit leichten Rätseln begnügen, um ein Gefühl für den Lösungsansatz zu entwickeln. Viel Spaß – und nicht verzweifeln …

Sudoku - Lösung
Lösung

Schmetterlinge

Ein Garten ohne Schmetterlinge ist wie die Suppe ohne Salz: fade. Daher sollte man auch dafür sorgen, nicht alles Kraut (von Unkraut kann nicht die Rede sein) zu vertilgen. Besonders Brennnessel dienen vielen Schmetterlingsraupen als Futterpflanze. Und so wurden wir in diesem Jahr, das sich leider bisher als ziemlich arm an Schmetterlingen zeigt, dafür belohnt, dass neben vielen Blumen auch einige Zweige Brennnessel stehen geblieben sind. Eine dicke fette Raupe bekam genug Nahrung, um sich zu verpuppen und in diesen Tagen als schöner Schmetterling zu schlüpfen – ein Admiral, den man nicht alle Tage sieht:

Schmetterlingsraupe der fertige Schmetterling - ein Admiral
Raupe der fertige Schmetterling, ein Admiral

100 größten Gitarrensolos der Rockmusik – Plätze 21 – 30

Im ersten Drittel angelangt wird es auch für mich spannend: Auf den Plätzen 21 bis 30 der 100 größten Gitarrensolos der Rockmusik (entsprechend dem Votum der Leser des Guitar World Magazine) finden sich zwei Titel, Dire Straits mit Sultans of Swing und Jethro Tull mit Martin Barres Solo auf Aqualung, die ich insgesamt natürlich weit höher platzieren würde. Aber es freut mich schon, dass insgesamt beide Gitarrensolos in die Top 100 gefunden haben.

Fender & Gibson

Alles weitere ist für mich eher so-la-la und das Solo bei Rage Against The Machine mit Bulls on Parade klingt meinem Quietscheentchen ähnlich, das ich allmorgentlich mit unter die Dusche nehme. Wie auch immer – hier die Plätze 21 bis 30:

Hier die Laufzeiten, Platzierungen, Interpreten und Titel im Einzelnen:

– 0:36 – Platz 021 – Pink Floyd – Time
– 1:19 – Platz 022 – Dire Straits – Sultans of Swing
– 1:40 – Platz 023 – Rage Against The Machine – Bulls on Parade
– 2:10 – Platz 024 – Metallica – Fade to Black
– 3:02 – Platz 025 – Jethro Tull – Aqualung
– 3:33 – Platz 026 – Nirvana – Smells Like Teen Spirit
– 3:58 – Platz 027 – Stevie Ray Vaughan – Pride and Joy
– 4:30 – Platz 028 – Ozzy Ozborne – Mr. Crowley
– 5:05 – Platz 029 – Steve Vai – For the Love of God
– 5:37 – Platz 030 – Joe Satriani – Surfing With the Alien

Seifenblasen

Seifenblasen üben nicht nur auf kleine Kinder eine große Faszination aus. Und anlässlich des Geburtstages von Spongebob Schwammkopf (auch große Kinder wissen, wer das ist) am 14. Juli wurde kräftig Seifenlauge gemixt, der Grill angeworfen (es gab Krabbenburger) und trotz schönen Wetters eine Spongebob-Episode nach der anderen im Fernsehen geguckt.

Lukas macht Seifenblasen Lukas macht Seifenblasen
Lukas macht Seifenblasen
Jede Menge Seifenblasen

100 größten Gitarrensolos der Rockmusik – Plätze 31 – 40

Hier nun die weiteren Platzierungen, die Plätze 31 – 40 der 100 größten Gitarrensolos entsprechend einem Votum der Leser des Guitar World Magazine. All zu sehr begeisternd finde ich auch diese Stücke nicht. Jimi Hendrex ‚glänzt‘ mit einem Endlossolo (hier nur ein kleiner Ausschnitt, der Beginn des Liedes), „Paranoid Android“ von Radiohead klingt wirklich etwas paranoid und Pantera reichlich wirr. Yngwie Malmsteens „Black Star“ ist ein reines Solostück und der Gitarrist spielt, als fidelt er auf einer Geige.

Jimi Hendrix erscheint auf dieser Bestenliste gleich mehrmals. Neben Eric Clapton wird immer wieder sein Name genannt, wenn es um die Krone des besten Gitarrenspielers der Rockmusik geht. Auch wenn er wie hier in „Machine Gun“ im ziemlich bekifften Zustand viel krauses Zeug spielt, so hat er doch durch seinen Stil viele folgende Gitarristen nachhaltig geprägt. Gerade der hier zu hörende Gitarrenriff (klingt wie ein Maschinengewehr) ist typisch Hendrix, der diverse Effektgeräte immer wirkungsvoll zum Einsatz zu bringen verstand (Distortion bzw. Verzerrer, Phaser oder Wah-Wah, das heute nicht mehr so oft zu hören ist). Ein Gitarrensolo in der Rockmusik ohne Verzerrer ist – warum auch immer – kaum denkbar.

Fender & Gibson

Hier die Laufzeiten, Platzierungen, Interpreten und Titel im Einzelnen:

– 0:34 – Platz 031 – Ted Nugent – Stranglehold
– 0:59 – Platz 032 – Jimi Hendrix – Machine Gun
– 1:30 – Platz 033 – B.B King – The Thrill Is Gone
– 1:55 – Platz 034 – Radiohead – Paranoid Android
– 2:24 – Platz 035 – Pantera – Cemetery Gates
– 2:51 – Platz 036 – Yngwie Malmsteen – Black Star
– 3:20 – Platz 037 – Guns N‘ Roses – Sweet Child O‘ Mine
– 3:36 – Platz 038 – Led Zeppelin – Whole Lotta Love
– 4:07 – Platz 039 – Neil Young – Cortez the Killer
– 4:33 – Platz 040 – Steely Dan – Reelin‘ in the Years

Meyers Konversationslexikon

Ich gehöre zu den Menschen, die gern in alten Büchern stöbern. Besonders alte Lexika haben es mir angetan. Es ist äußerst interessant zu erfahren, wie die Menschen früher unsere Welt sahen. Und schnell erfährt man, dass Grenzen (Ländergrenzen und die des geistigen Horizonts) nur begrenzt Gültigkeit haben.

Eines der größten Nachschlagewerke, Meyers Konversationslexikon, gibt es jetzt in einer digitalen Ausgabe im Internet. Diese Site macht das Lexikon von 1888 mit seinen 19 Bänden und ca. 20.000 Seiten jetzt online verfügbar. Dazu wurde das Lexikon Stück um Stück digitalisiert und via OCR in Text umgewandelt, welcher manuell korrigiert werden.

Meyers Konversations-Lexikon.

Zusätzlich wird Meyers Lexikon als Taschenlexikon auch in einer aktuellen Version (10. Auflage) seit 2006 online veröffentlicht, alle Artikel sind kostenlos abrufbar.

Fiedel Michel: Trotz alledem

Schon öfter habe ich in Beiträgen das Lied ‚A Man’s A Man for A’ That‘ erwähnt, dessen Text in schottischer Mundart von Robert Burns verfasst wurde. Ich habe meine Plattensammlung weiter durchforscht und bin jetzt auf eine deutsche Version von der Gruppe ‚Fiedel Michel‘ gestoßen: Trotz alledem.

Der Text stammt von Ferdinand Freiligrath, das zur Melodie „Lady Macintosh’s Reel“ gesungen wird.

Das Lied entstand kurz nach der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848. Als König und Adel mit militärischen Mitteln versuchten ihre Macht wiederherzustellen, boten die Arbeiter dem Bürgertum die bewaffnete Verteidigung der Revolution an. Das Bürgertum suchte aber eine friedliche Verständigung und musste bei den Verhandlungen (bis auf kleine Zugeständnisse) die Wiederherstellung der Macht des Adels zulassen:

Das war ´ne heiße Märzenzeit,
Trotz Regen, Schnee und alledem!
Nun aber, da es Blüten schneit,
Nun ist es kalt, trotz alledem!

Neben ‚Fiedel Michel‘ haben sich in den 1970er und 1980er Jahre verschiedene Liedermacher, darunter Wolf Biermann und Hannes Wader, dieses Liedes angenommen.


Fiedel Michel: Trotz alledem

siehe meine Beiträge:
Robert Burns: A Man’s A Man for A’ That
Robert Burns: A Man’s A Man for A’ That – Teil 2

Was ist bloß mit Ian los? Teil 79: Al, Ian & starke Frauen

Hallo Kretakatze, Hallo Wilfried,

die Urlaubsbeschreibungen aus Kreta haben einen Umfang, der manchen professionellen Autor von Reiseberichten vor Neid erblassen lässt. Liebe Kretakatze, vielen Dank dafür und welcome back !

Besonders interessant fand ich naturgemäß Deine Schilderungen über das Jethro Tull – Konzert. In einigen Punkten denke ich genau wie Du:

Warum tritt der Kerl immer noch auf ?
Muss die Flöten-Phallus – Geste auch mit knapp 60 Jahren immer noch sein ?
Warum vergleicht der Meister sich ständig mit anderen Rock-Größen ?

Gerade der letzte Punkt bringt mich zum Grübeln. Dieses Gebaren zeugt -trotz seines Könnens- nicht von einer großen Souveränität. Es ist, wie Du sagst: Ständig muss er sich und der Welt vor Augen halten, wer der Beste und Schönste im ganzen Land ist. Das Publikum wird sein Zauberspiegel. Dazu noch der Flötenphallus. „Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer hat den Längsten in der Hand ?“ Ich bin kein Fachmann in solchen Dingen, aber in meinen Augen krebst Mr. Anderson seit Jahren haarscharf am Rande einer Profilneurose.

Frauen in der Rockmusik:
Es gab und gibt doch einige: Joan Jett, Suzie Quattro, Doro Pesch, Nina Hagen, die beiden Schwestern von Heart, Tina Turner. Bestimmt habe ich einige vergessen und bei den genannten sind die Grenzen zwischen Rock und Pop fließend. Auch kann ich nichts darüber sagen, ob sie ihre Stücke selber schreiben. Ich stimme Dir zu, liebe Kretakatze, dass Frauen in Foren zur Rockmusik eher die Ausnahme sind. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass das bei der Popmusik schon ganz anders aussieht. Ohne es beweisen zu können oder zu wollen, behaupte ich, dass auf Fanseiten von Enrique Eglesias oder Robbie Williams die Damen in der Mehrzahl sind.

Ach ja, apropos Fan: Der Schock, den Euro Reaktion auf meine Queen-Links ausgelöst hat, ist lange überwunden. Was Ihr über Brighton Rock und March of the Black Queen geschrieben habt, ist bei objektiver Betrachtung korrekt. Man muss wohl Fan sei, um sich dafür begeistern zu können. Das ist mit Vielem so, nicht nur mit der Musik.

Zu guter Letzt noch etwas für die Jethro Tull – Fans unter uns:
Durch puren Zufall entdeckte ich bei youtube ein Video zu einer Preisverleihung. Kate Bush erhielt hier 2001 irgendeine Auszeichnung für den besten Songwriter. Das ist nichts Überraschendes, aber jetzt kommts: Wie es sich bei einer solchen Auszeichnung gehört, liest Mrs. Bush eine Litanei von Namen vor, denen sie zu Dank verpflichtet ist. Einer dieser Namen war Dave Palmer. (auf dem Video bei Minute 3:07) Weiß von Euch jemand, in welcher musikalischen Beziehung Mr(s). Palmer zu Mrs. Bush stand ? Bemerkenswert bei der Preisverleihung fand ich noch, dass der nach Mrs. Bush geehrte Johnny „Rotten“ Lydon, eine Gallionsfigur des Punk, sich vor Mrs. Bush und ihrem Werk buchstäblich verbeugte (Minute 7:13). Ja, ja, unsere gute Kate. Selbst ich kann mir nicht alles von ihr anhören, aber verdammt, sie hat was !!

Das war es schon für heute, wir sind alle vielbeschäftigte Menschen.
Bis bald
Lockwood

09.07.2007

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Hallo Wilfried, Hallo Lockwood,

inzwischen bin ich nun endlich dazu gekommen Eure Mails zu lesen und die Links anzuschauen – die erste Woche nach dem Urlaub war doch sehr stressig. Zuerst zu Wilfrieds Frage nach dem Ursprung meiner Kenntnisse und Fähigkeiten in der Schaf-Pediküre: Ich dachte der kurze Lebenslauf von meiner Homepage wäre Euch bekannt.

Dann muss ich Dir leider mitteilen, lieber Wilfried, dass Dein „heiteres Gitarrengriffe-Raten“ betreffend meine „Rock ’n‘ Roll“-Bilder zu keinem einzigen Treffer geführt hat. Ich dachte Du würdest selbst auch Gitarre spielen…? Hier greife ich noch einen A-Moll (am), so ziemlich den einfachsten Griff, den es gibt. Auch jemand, der nicht Gitarre spielen kann, würde vielleicht rein zufällig seine Finger so setzen. Da ich ja lebensecht und professionell wirken wollte, habe ich ab diesem Bild auf G-Dur (G) umgestellt. Natürlich habe ich nicht wirklich irgend etwas gespielt, dazu hatte ich mir das Gerät schon zu tief gehängt. Ich denke man sieht, dass ich mit der rechten Hand kaum bis an die Saiten reichen kann. Außerdem hätte ich das Instrument, das ich vermutlich seit über 15 Jahren nicht mehr in der Hand hatte, dazu erst einmal stimmen müssen.

Tatsächlich habe ich auch noch eine Gitarre und eine Mandoline, und alle drei Instrumente hängen schon seit Jahrzehnten bei mir an der Wand und dienen dem Staub als dekorative Ablage. Die Gitarre habe ich bereits 1971 von meinem Taschengeld gekauft – das war damals eine gigantische Investition – und vor allem in der zweiten Hälfte der 70er habe ich auch fleissig darauf gespielt (d.h. ich habe täglich deutlich mehr Zeit mit meiner Gitarre verbracht als mit dem Lernen für Schule oder Studium). Leider war der Erfolg bescheiden, ich habe nie wirklich brauchbar spielen können. Irgendwie sind meine Finger zu steif und zu ungeschickt, um die Saiten sicher zu treffen – sei es nun mit der linken Hand zum Greifen oder mit der rechten zum Zupfen. Und so hat es zur Gitarristin dann doch nicht gereicht.

Apropos Gitarristin: Wilfried, Du arbeitest doch gerade die Liste der 100 besten Gitarrensolos ab. Wieviele Gitarristinnen sind denn darauf zu finden? Lass mich raten: 0? Es ist doch wirklich erstaunlich, wie krass das Geschlechterverhältnis in diesem Berufszweig ist, es scheint noch extremer zu sein als bei den Komponisten. Woher kommt das nur? Ich überlasse nur ungern den Männern so dermaßen 100%ig das Feld. Leider werde ich selbst daran nichts ändern können.

Und wo wir gerade bei den Gitarrensolos sind – auf Platz 91 sind da doch tatsächlich CCR mit „I Heard It Through The Grapevine“ zu finden. Länge des Solos 0:23? „…Graprevine“ ist im Original über 11 Minuten lang, davon wird etwa 3 Minuten gesungen, der Rest ist Gitarrensolo. Allerdings ist das für meine Begriffe auch mindestens 7 Minuten zuviel.

Kommen wir zum Interview mit Ian Anderson. Nun beginnt er also auch schon sich mit Frauen zu vergleichen – das ist neu. Die „alte Dame“ Madonna ist immerhin 11 Jahre jünger als er, da wird ihr Gesicht wohl kaum älter aussehen als seines. Auch ihr „Stimmchen“ kann eigentlich nicht dünner sein als das von Mr. Anderson, das geht garnicht. „Dürrer“ als er ist die Dame allerdings bestimmt (dazu gehört nicht viel). Immerhin bringt sie wohl „junge Kerle“ mit auf die Bühne, die von ihren Mängeln ablenken. Das wäre für Mr. Anderson natürlich die falsche Strategie. Deshalb verwendet er zu diesem Zweck junge Geigerinnen. Also diese Madonna-Kritik war doch wohl ein ziemliches Eigentor. Zumal er direkt danach verkündet mit seinem eigenen Alter und seinen eigenen körperlichen Gebrechen keine Probleme zu haben. Also er und sein Stimmchen dürfen altern, Madonna nicht? Oder wollte er sagen: Wenn Madonna so alt aussähe wie er ist und auch so übergewichtig wäre und so wenig Stimme hätte wie er, und dann ohne „junge Kerle“ auftreten würde, dann wäre es ok? Dann wäre sie natürlich vermutlich wirklich keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr für ihn…

Was Mr. Anderson darüber hinaus zur Motivation für seine Konzert-Tourneen erklärt, halte ich für nicht völlig falsch. Er ist ein Perfektionist, und ich kaufe ihm ab, dass es bestebt ist sich musikalisch ständig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Allerdings könnte er das auch zuhause in seinem Wohnzimmer (oder im Aufnahme-Studio), dazu müsste er nicht unbedingt auf einer Bühne stehen. Der wahre Grund für seine „Bühnen-Sucht“ ist die Tatsache, dass er die Hälfte seiner Persönlichkeit nur auf einer Bühne ausleben kann, die eine Hälfte seines Ichs braucht Publikum zum Leben wie Andere die Luft zum Atmen. Ich bin mir sicher, wenn er zwei oder drei Wochen auf keiner Bühne mehr gestanden ist, dann bekommt er erste Entzugserscheinungen. Es gibt daher auch kaum größere Lücken zwischen seinen Auftritten.

Mr. Anderson wird daher auf Bühnen stehen (oder vielleicht auch sitzen, wenn nötig im Rollstuhl), solange er irgendwie noch auf allen Vieren auf eine Bühne robben kann. Ich glaube sein größter Alptraum ist, dass er das irgendwann nicht mehr schafft. Es wäre für ihn vermutlich wie lebendig begraben zu sein. Ich könnte daher auch nicht so herzlos sein, ihm – wie von Wilfried vorgeschlagen – zum Geburtstag einen Rentenbescheid zu schicken. Da wäre es gnädiger ihm gleich den Hals zuzudrücken.

Nein, Mr. Anderson wird uns sicher weiterhin mit seinen Auftritten erfreuen, solange bis er umkippt, daran wird niemand etwas ändern können. Im Prinzip ist meiner Meinung nach dagegen auch nichts einzuwenden. Die musikalische Qualität seiner Dabietungen ist – soweit ich das beurteilen kann – einwandfrei. Lediglich seine Stimme lässt stark zu wünschen übrig, wir werden damit leben müssen, auch daran kann niemand etwas ändern. Das Einzige, woran man etwas ändern könnte, wäre das Bühnen-Outfit. Es sollte besser zu seinem Gehüpfe und seinen Verrenkungen passen, ich hatte das ja schon wiederholt erwähnt. Allerdings vermute ich, dass mein Vorschlags-Modell pontischer Kriegstänzer (das geht übrigens auch ohne Kopfbedeckung, wie diese Herren zeigen – der Tanz wird erst zum Schuss ab 3:15 richtig gut, da wird’s schnell…) bei Euch auf wenig Gegenliebe stößt. Vielleicht habt Ihr bessere Ideen. Man könnte, ähnlich einer Modenschau, ein paar Vorschläge zusammenstellen und ihm zukommen lassen…

Lieber Wilfried, zum Abschluss muss ich nun noch gestehen, dass ich mich ein wenig über Dich gewundert habe. Da erklärst Du zuerst, dass Du Al Stewart eigentlich nur vom Hörensagen kennst, meinst dann aber doch zwei Sätze später ein Gesamturteil über sein Lebenswerk abgeben zu können mit den Worten: „Aber Al Stewart insgesamt sagt mir wenig zu. Die Texte mögen in Ordnung gehen, aber die Musik ist mir etwas „zu leicht““. Darf ich Dich fragen welche der über 150 Titel von Al Stewart in Dein „insgesamt“ mit eingeflossen sind? Oder sollte dieses Urteil nur für den Song „Year Of The Cat“ gelten. Dann könnte ich Dir sogar noch zustimmen.

Auf jeden Fall solltest Du nicht meinen, die zwei oder drei Lieder von Al Stewart, die auf YouTube zu finden sind, wären repräsentativ für seine Musik. Das sind nur die paar kommerziell erfolgreichen Mainstream-Titel, die er zum Teil selbst nicht mag. „Time Passages“ hat er z.B einmal als „fürchterlich schlecht“ bezeichnet. Den Song hat er geschrieben, weil sein Produzent wollte, dass er noch einmal etwas schreibt, das klingt wie „Year Of the Cat“. Vermutlich gibt er sich auch deshalb in dem von mir verlinkten Video alle Mühe, den Song bis zur Unkenntlichkeit zu verhunzen. Wie auch immer, genauso wie man die Musik von Jethro Tull nicht allein aufgrund ihrer Top Ten Hits beurteilen könnte – da würden die wichtigsten Stücke fehlen – geht das bei Al Stewart auch nicht, eher sogar noch viel weniger.

In wie weit seine Musik mit der von Chris de Burgh vergleichbar ist, kann ich nicht beurteilen, da ich Chris de Burgh zu wenig kenne – ich habe vielleicht zwei oder drei Lieder von ihm gehört. Im Vergleich zu Stewart würde ich die als „folkiger“ und „schlichter“ einordnen, aber vielleicht ist das ja auch nur die kommerzielle Oberfläche. Von Al Stewart gibt es dagegen Titel, die sich meiner Meinung nach nahtlos ins „Songs From The Wood“-Album einfügen würden, z.B. Merlin’s Time. Aber leider kann ich Euch das alles nicht vorführen.

Deswegen möchte ich zumindest das Urteil „Texte gehen in Ordnung“ ein bißchen relativieren, und das im Vergleich zu Texten von Mr. Anderson. Dessen Texte werden teilweise als „intellektuell“ bezeichnet. Ich kann das nicht sehen. Intellektuell heißt für mich durchdacht, und das sind die Anderson’schen Texte häufig nicht. Sie klingen für mich eher sehr intuitiv. Nicht selten kommt Mr. Anderson bei der Verfolgung seiner Themen vom Weg ab und verirrt sich im Gestrüpp abstruser Metaphern oder Bilder, bis man die Aussage oder den Sinn seiner Worte völlig aus den Augen verliert – er selbst vermutlich auch. „A Passion Play“, aber auch Teile anderer Lieder klingen für mich wie unreflektiert niedergeschriebene Fieberphantasien. Das kann auch zu reizvollen Assoziationen führen, nur intellektuell ist es nicht.

Für mich war immer Al Stewart der Intellektuelle unter den Musikern und den Textern. Bei ihm ist jeder Vers durchdacht und jedes Wort sitzt. Ich kenne von ihm keinen Song, bei dem ich nicht verstehen würde, wovon er handelt. Von Anderson gibt er derer eine ganze Reihe. Und ich gehöre nicht zu den Menschen, die meinen ein Gedicht wäre dann besonders geistreich oder genial, wenn sie es nicht verstehen – ganz im Gegenteil. Jemand, dem es nicht gelingt sich so auszudrücken, dass man versteht wovon er spricht, hat ein Kommunikationsproblem, oder zumindest einen Fehler gemacht. Wer wirklich etwas zu sagen hat, möchte im allgemeinen auch, dass man ihn versteht, und wird sich entsprechend Mühe geben verständlich zu bleiben. Wer in allzu wirren Metaphern und Bildern schwelgt, verfolgt vermutlich andere Ziele.

Erst vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, der Text von Sossity: You’re A Woman handle von der Kirche. Darauf wäre ich selbst nie gekommen, ich habe mich immer gefragt, was für eine Gesellschaft hier gemeint sein könnte. Einen konkreten Hinweis habe ich nicht gefunden. Auch in Al Stewart’s Cafe Society (der Text enthält einen Fehler, es muss heißen „Cause I want to go blind where I’ve never been before“) geht es um eine Gesellschaft. Wie diese aussieht, ist glaube ich hinreichend genau beschrieben. Und da wir ja gerade das Thema Konzerte und Bühnenauftritte hatten, hier noch ein zweiter Song zum Vergleich. Die Stewart’sche Variante von Minstrel In The Gallery, der Blick von der Bühne herab ins Publikum und, zumindest was den Stewart’schen Song betrifft, der Blick wie von außen auf sich selbst und das eigene absurde und unbegreifliche Tun: One Stage Before.

Die von Wilfried vorgestellten Gitarristen Ry Cooder und David Lindley waren mir beide unbekannt, haben mich aber auch jetzt nicht direkt vom Hocker gerissen. Ry Cooder’s Version von „Stand By Me“ wirkt auf mich emotionslos und daher langweilig. David Lindley’s Slide-Gitarre klingt interessant, aber den Gesang hätte er sich schenken können. Allerdings habe ich gerade am Beispiel Al Stewart gelernt: Man sollte einen Musiker nicht nur anhand eines einzigen Stücks beurteilen, da kann man ganz schnell heftig daneben liegen…

Nun beginnt also die Urlaubs-Saison, und Lockwood ist ab heute in den Ferien. Verreist Du eigentlich? Wie auch immer, ich wünsche Dir auf jeden Fall eine schöne Zeit und gute Erholung! Und dem Wilfried wünsche ich, dass er die Tage bis zu seinem Urlaub noch gut übersteht – er scheint je gerade etwas im Stress zu sein…

Liebe Grüße an Euch beide
Kretakatze

PS.: Als Nachschlag gibt’s heute dieses Video von Cat Stevens, in dem er mich mit der Aussage überraschte, dass er keine Ahnung hat was der Song-Titel „Tuesday’s Dead“ bedeuten soll. Er überlässt es seinem Publikum, sich eine Bedeutung auszudenken. Ich glaube, dass es Mr. Anderson schon zahlreiche Male genauso gemacht hat. „And if sometimes I sing to a cynical degree, it’s just the nonsense that it seems…“

09.07.2007

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Hallo Kretakatze, hallo Lockwood,

bevor auch ich in den Urlaub enteile, will ich mich doch noch einmal bei Euch melden. Kretakatzes Kreta-Urlaub wurde also doch mit dem Tull-Konzert in Iraklio gekrönt. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht. Und herzliches Willkommen in unserem feuchten Sommer. Ist ja eher grauenvoll. Um es gleich zu sagen: Ich habe keinen Lap-Top, den ich mit in den Urlaub schleppe. Also keine Urlaubsberichte von mir – später aber sicher das eine oder andere Foto.

Da ich es möglichst kurz machen will, nur einige Anmerkungen zu Kretakatzes (nicht nur) Reise- und Konzertreport. Zunächst zu Andersons Schul- und Berufsausbildung. Bei Wikipedia steht eigentlich nur, dass er ab 1964 das Blackpool College of Art besuchte. Er hat zumindest einen Grammar School-Abschluß, was unserem Abitur gleichkommt. Die „Fine Arts“ hat er dann ziemlich schnell hinter sich gelassen, um nur noch Musik zu machen. Allerdings hat Ian Anderson wohl selbst hin und wieder am Cover Art-Entwurf zu der einen oder anderen Scheibe mitgewirkt. Schulabschluss also ja – Berufsausbildung: nein!

Noch ein Anderson!
.. noch einmal diesen ‚Anderson’ zum Ärgern …

Jethro Tull ist also auf Kreta ohne Violinistin aufgetreten. Vielleicht vertragen die Damen die Wärme dort nicht so gut, denn in Graz am 07.07. erschien diesmal als special guest die Flötistin Tinkara (lt. Laufi-Forum).

Kretakatzes Anmerkungen zu Ian Anderson, besonders zu dem besagten Interview, finde ich korrekt: Anderson braucht die Auftritte, hier kann er sich so geben wie er möchte. Und so lange er noch das Publikum findet, das er braucht, wird er auf Tournee gehen. Outfit und Gehüpfe? Immerhin bekommt Herr Anderson für sein Bühnengejogge noch Geld, während ich mich schweißgebadet mit kläffenden Hunden, die meine Bahnen kreuzen, herumzuschlagen habe.

Ian Anderson im Rollstuhl 1988
Und er flötet … bis zum Abwinken!

Mein Urteil zu Al Stewart ist sicherlich etwas lapidar und nicht ganz gerecht. Es stimmt schon: um ein endgültiges Urteil fällen zu können, müsste ich mehr von ihm kennen. Aber die wenigen Stücke, die ich gehört (und gesehen) habe, „haben mich nicht vom Hocker gerissen“, wie Du es in einem anderen Zusammenhang nanntest, Kretakatze. Oder anders gesagt: sie sprechen mich nicht an. Da mögen die Texte noch so durchdacht und stimmig sein. Nicht, dass mich Texte nicht interessieren, aber Lyrik (Liedertexte gehören wohl auch dazu) ist nicht ganz meine Welt (und bedient sich für mich oft solcher Metaphern, die jenseits meiner Begrifflichkeit liegen – aber ähnliches schreibst Du ja selbst). Und wenn ich manches schon in deutscher Sprache kaum nachvollziehen kann, wie dann in Englisch, das sich als solches einer anderen Bildersprache bedient (wenn wir jemanden auf dem Arm nehmen, so zerren die Angelsachsen jemanden am Bein: to pull sb. ’s leg – oder: Dumm wie Bohnenstroh ist so dick wie ein Ziegelstein, oder?). Aber das ist ein grundsätzliches Problem und hat nichts mit Al Stewart zu tun. Zu Ian Anderson bin ich in erster Linie über die Musik gekommen.

Zu Dir, Lockwood: Da war wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken (Gehörten). Kate Bush spricht nicht von Dave (also David oder heute Dee) Palmer, sondern von Del Palmer, der wohl als Bassist mit der guten Kate zusammengearbeitet hat.

Frauen und Rockmusik ist ein Thema für sich. Du hast wohl recht, Kretakatze: Unter den angeblich 100 besten Gitarrensolos der Rockmusik ist keines dabei, das von einer Frau gespielt wird (oder ich müsste mich gewaltig täuschen). Trotzdem sollte man die Rolle der Frau nicht unterschätzen. Über Kate Bush haben wir ja bereits gesprochen. Viele ihrer Lieder hat sie selbst geschrieben. Die von Lockwood genannten Frauen kann man gelten lassen, obwohl ich zu jeder einzelnen nicht viel sagen kann (z.B. ob sie auch ihre Lieder selbst schreiben). Aber ich habe meine eigene Liste. Und hier finden sich Frauen, die mir etwas bedeuten, weil ich sie wirklich gut finde:

Zunächst Joan Armatrading, die ich von Ende 70/Anfang 80er Jahre her kenne. Bei youtube habe ich ein Konzert aus dem Jahre 1979 (TV-Aufzeichnung vom WDR in Köln) hinterlegt. Übrigens gibt es hier ein Gitarrensolo, das ich zu meinen wirklichen Favoriten zähle (als ‚Vollstrecker’ Ricky Hirsch). Sie ist auch heute noch aktiv und hat erst kürzlich ein neues Album herausgebracht, auf der sie auch das eine oder andere Gitarrensolo (Fender) spielt, das sicherlich auch mit den „100 besten Gitarrensolos“ mithalten kann. Wer Armatrading sagt, muss auch Chapman sagen: Tracy Chapman. In einem der Kommentare zu den Videos bezeichnet ein Zuschauer Joan Armatrading als die Königin und Tracy Chapman als die Prinzessin, was in etwas auch meine Einschätzung (und Wertschätzung) wiedergibt.

Aus frühen Tagen (und um indirekt auf Jethro Tull zurückzukommen) kenne ich Sandy Denny, die lange Zeit bei der Folkrockgruppe Fairport Convention (gehört in den Family Tree von Tull dank Dave Pegg, Dave Mattacks und Martin Allcock, die alle drei sowohl bei Fairport als auch bei Tull gespielt haben – sozusagen die B-Mannschaft von Tull) mitgesungen hat und später 2 oder 3 Soloalben herausbrachte. Leider verstarb sie viel zu früh 1978 (Drogen spielten wohl eine Rolle). Sie hat viele ihrer Folkrocksongs selbst geschrieben. Etwas später bin ich dann über ein Album von Judie Tzuke gestolpert, die hier in Deutschland wohl weitestgehend unbekannt sein dürfte. Ihre Lieder bewegen sich zwischen Rock und Pop. Sie hat einige sehr schöne Lieder geschrieben (und natürlich gesungen), ist dann aber bald wieder abgetaucht. Trotzdem möchte ich sie in meiner Auszählung nicht unterschlagen, da ich zwei Alben (wohl ihre erfolgreichsten: Welcome to the Cruise und Sportscar) im Plattenschrank stehen habe.

Zuletzt eine etwas unterkühlte Blondine aus den Staaten: Aimee Mann. Kretakatze wird sie sicherlich emotionslos finden (und daher langweilig). Aber so sind die blonden Frauen nun einmal (Scherz beiseite). Mir gefallen die kleinen Lieder.

In meinem Weblog habe ich übrigens eine eigene Rubrik eingerichtet, die sich den starken Frauen der Rockmusik widmet, u.a. will ich in diesem Zusammenhang Suzanne Vega und Norah Jones nicht vergessen.

weitere Titel bei youtube:
Joan Armatrading: Tall In The Saddle (02/15/1979)
Fast car -Tracy Chapman
Sandy Denny – Who Knows Where the Time Goes
Judie Tzuke-Stay with me ‚till dawn
Aimee Mann – Pavlov’s Bell

Aber nun ist genug. Ich kann mir denken, dass Euch die eine oder andere musizierende Frau nicht so zusagt wie mir. Das wäre ja auch zu schön. Aber wir wollen uns nicht streiten.

Ach ja, Lockwood: Noch einmal etwas zu den Pogues und dem Sänger Shane McGowan. Einer meiner Schwager ist ein Fan von irischer Musik (ich muss ihn einmal bei einem Drum Whiskey näher interviewen) und hat vor längerer Zeit ein Konzert der Pogues in Hamburg gesehen (Alsterdorfer Sporthalle oder so). Vorsorglich hatte er sich schon alter Klamotten angezogen. Aber am Ende war es dann doch schlimmer als befürchtet. Der gute Shane muss reichlich angetrunken gewesen sein und hielt sich mehr am Mikrophon fest, als dass er sang. Die halbe Halle schwamm zudem in Bier, das pappbecherweise durch die Luft flog. Und in den Bierlachen schwammen weitere Alkoholleichen. Aber irgendwie hatte das trotzdem etwas (fragt sich nur, was?).

Weiterhin fröhliche Schaffenstage. In der nächsten Woche soll es dann tatsächlich wieder sommerlich werden.

Bis bald
Wilfried

10.07.2007

English Translation for Ian Anderson

Bald ist Urlaubs- und Ferienzeit

Am Mittwoch gibt es Zeugnisse an den Schulen in Niedersachsen und dann haben meine beiden Söhne endlich sechs Wochen lang Ferien. Ich selbst muss noch etwas warten, aber dann habe ich auch drei Wochen Urlaub, den ich in diesem Jahr wahrlich nötig habe.

Und wie vor fünf Jahren geht es dieses Jahr nach Grainau, einem kleinen Ort unmittelbar an der Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg, und in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Zuvor besuchen wir aber wie 2002 und 2003 das Ritterturnier in Kaltenberg. Ein Muss gewissermaßen für uns, denn stimmungsvoller kann man nicht ins Mittelalter und in die Zeit der Ritter und Burgjungfrauen enteilen.

Ritterturnier Kaltenberg 2007

Grainau hat es uns angetan, denn der Ort nahe des Eibsees biete einen sehr guten Ausgangspunkt für Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad. Darüber hinaus ist der Ort bestens geeignet für viele weiteren Aktivitäten (z.B. Schwimmen in der Badeanstalt und im Badesee, Minigolf – in Garmisch-Partenkirchen gibt es eine Sommerrodelbahn und ein Eislaufzentrum). Und wenn es uns in die Großstadt ziehen sollte: München ist auch nicht so weit entfernt (nette Biergärten gibt es aber auch in Grainau).

Alpenglühen in Grainau

Können wir nur hoffen, dass das Wetter halbwegs mitspielt.

Zur Information: Das Wort „Ferien“ stammt aus dem Lateinischen von feriae (= Festtage, Feste).Der Begriff Urlaub leitet sich vom alt- bzw. mittelhochdeutschen Wort für „Erlaubnis“ her. So fragten im Hochmittelalter Ritter ihren Lehnsherren um urloup, also „Urlaub“, um in eine Schlacht zu ziehen.

siehe auch meinen Beitrag mit Videos: Urlaub – Grainau 2002 – 2007

Was ist bloß mit Ian los? Teil 78: Jethro Tull auf Kreta – Teil 3

Hallo Wilfried, Hallo Lockwood!

Lendas, Kreta – 26.06.2007

Es ist 23 Uhr und ich sitze einmal wieder auf der Terrasse in brütender Hitze. Es geht zwar heute Abend ein leichter Wind, aber der scheint direkt aus einem Heißluftbackofen zu kommen. Vor ein paar Stunden habe ich mit meiner Freundin von der Tierschutzorganisation in Chania telefoniert, dort waren heute 43°C. Zum Glück konnte sie letzte Woche noch kurzfristig eine Klimanalage in die Quarantänestation einbauen lassen, die Tiere wären ihr sonst diese Woche umgekippt. Die Hitzewelle hat Kreta fest im Griff und wird wohl noch ein paar Tage andauern.

Wie immer hat sie es geschafft, mir mehr Katzen auf’s Auge zu drücken, als ich nehmen wollte. Einmal habe ich sie angerufen um zu sagen, dass ich zwei Kätzchen nehmen könnte, und nach dem Telefonat hatte ich sechs Katzen an der Backe. Ganz so schlimm war’s diesmal nicht, statt vier bekomme ich jetzt halt fünf. Silke wird auch von niemandem gefragt, wieviele Katzen sie nehmen will. Kürzlich hat sie in einer Woche 35 Kätzchen reinbekommen, alle mutterlos und die meisten davon noch mit der Flasche aufzuziehen – es ist zum K***rank werden. Ach übrigens: Wenn man die Kinder mal aus dem Gröbsten raus hat, kann man durch Anschaffung ein bis mehrerer Katzen dafür sorgen, dass man nie aus dem Gröbsten rauskommt. Ich könnte Euch diesbezüglich weiterhelfen.

Aber ich denke ich sollte langsam wieder zum Thema zurückkommen. Um vielleicht doch noch eine kleine Nachlese zum Konzert vom Samstag zu betreiben: Ich hatte Euch ja von meinem kleinen Malheur mit den Sandalen erzählt. Nun, sie waren am Samstag morgen wieder weitgehend trocken, hatten allerdings ein paar weiße Salzränder. Ich hoffe nur, dass es Mr. Anderson nicht weiter aufgefallen ist, dass ich mit salzigen Sandalen in seinem Konzert saß – das wäre mir sonst peinlich…

Da wir ja erst das Thema „Gitarrensoli“ hatten, habe ich auch versucht ein wenig auf Mr. Barre’s Gitarrenkünste zu achten. Nun ja, es gibt Gitarrensoli bei Jethro Tull, und Mr. Anderson weist sogar üblicherweise extra darauf hin. Während Mr. Barre dann im Spotlight steht und sein Bestes gibt, trinkt er einen kräftigen Schluck aus der Pulle (in diesem Fall kein „Could You bring me a glass of water, Ray“, sondern Selbstbedienung, und die Flasche sah auch wirklich nach Wasser aus), oder verschwindet überhaupt kurz hinter den Kulissen. Was Mr. Barre dann zu bieten hat, ist nicht schlecht, wäre mir aber ohne extra Hinweis von Mr. Anderson nicht aufgefallen. Es klingt für mich zu sehr nach Background-Sound, es sticht klanglich nicht wirklich heraus. Aber – auch um Lockwood noch einmal zu trösten, den ich ja neulich mit meiner Aussage über startende Düsenjets erschüttert hatte – live ist selbst ein startender Düsenjet nicht unbedingt zu verachten, solange er für die richtige Vibration sorgt. Live wirkt manches schon allein durch die Lautstärke.

Lendas, Kreta – 27.06.2007

Ich möchte Euch nicht schon wieder damit langweilen, wie heiß es ist. Mir wird es langsam auch langweilig. Und deshalb mache ich jetzt gleich mit dem Thema weiter.

Das Bühnen-Outfit des Mr. Anderson lässt mir keine Ruhe, bzw. die Frage, wie man es mit seinen „Bühnenaktivitäten“ besser in Einklang bringen könnte. Prinzipiell sind es doch nichts anderes als Kriegstänze, was er da zu seiner Musik vollführt. Schon als ich das erste Mal dieses Video (Thick As A Brick live 1972, besonders die Schluss-Szenen ab 8:30) gesehen habe, habe ich mir gesagt: Früher sind junge Männer, die zuviel überschüssige Energie hatten, in den Krieg gezogen und haben sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. Heute springen sie auf einer Bühne herum, machen laute Musik und schwingen dazu eine Flöte. Das nenne ich Fortschritt! Ich weiß nicht, ob das schon jemals ausreichend gewürdigt worden ist.

Zu diesem Thema passt auch das folgende Video (Live-Ausschnitte und kurzes Interview von 1969), das ich bei TullTapes gefunden und heruntergeladen habe. Was Mr. Anderson hier über seine Aggressivität sagt, spricht Bände, war mir aber auch schon längst vorher klar. Dabei wirkt er doch so harmlos, eigentlich sieht er richtig süß aus.

Es ist schon seltsam, wie die Zeit die Fronten verschiebt. In den 70ern waren Herren wie Anderson, Fogerty und Co. für mich respektable, junge Männer, ungefähr doppelt so alt wie ich, die ich in die Kategorie „ungefähr so alt wie mein Bruder“ (der ist Jahrgang 1948) einordnen konnte. Wenn ich die gleichen Bilder heute sehe, sind das junge Kerle, ungefähr halb so alt wie ich und kaum älter als mein Sohn, da bekomme ich fast mütterliche Gefühle (wie sich Mr. Anderson in diesem Video quer vor den Mikrophon-Ständer auf den Boden schmeisst und mit den Beinen strampelt, erinnert mich wirklich stark an meinen Sohn, im Alter von 5 bis 6 Jahren hatte der auch solche Phasen). Zeitreisen a la YouTube machen’s möglich.

Dieses Video von 1969 hat mich in einem weiteren Punkt persönlich erwischt. Hier kommt auch Mr. Anderson senior ins Bild, und bei seinem Anblick traf mich fast der Schlag. So sah mein Vater auch aus! Dann diese „Stereoanlage“, wie nannte man die doch damals? Ich glaube wir sagten „Musiktruhe“. Vermutlich hatte jede bessere Familie um 1970 so ein Möbelstück mit eingebautem Radio und Plattenspieler im Wohnzimmer stehen, wir jedenfalls auch, wobei unseres nicht unter sondern neben dem Fenster stand. Erst recht unheimlich wurde mir dann aber, als ich gesehen habe wie Mr. Anderson senior dieses Gerät bedient. Platte auflegen, Klappe zu. Dann in gebeugter Haltung neben dem Apparat verharren und lauschen – Lautstärkeregler noch 1,324 mm nach links drehen – lauschen – nein, das war zuviel, 0,436 mm zurück usw… Das war mein Vater, wie er leibte und lebte, ich dachte ich sehe Bilder aus unserem Wohnzimmer. Zeitreisen a la YouTube…

Lendas, Kreta – 28.06.2007

Luft – Frischluft! Ich sitze auf der Terrasse und lasse mir den angenehm kühlen Wind um die Nase wehen. Bei solchem Wetter kann man endlich einmal eine kleine Wanderung wagen. Auch hier gibt es eine Schlucht – soger mit Ziegen und Strand! Das ist zwar ein Fußmarsch von zwei bis drei Stunden, aber bei solchen Temperaturen kein Problem.

Heute möchte ich auf einen weiteren Aspekt der Rock- und Pop-Musik kommen: Musikerinnen. Sängerinnen im Rock- und noch mehr im Pop-Bereich gibt es wie Sand am Meer. Sucht man Solche, die dazu auch noch ein Instrument spielen können, lichten sich die Reihen schon deutlich. Wenn es gar darum geht, welche davon selbst Songs schreiben, muss man anfangen mit der Lupe zu suchen. Die Damen, die mir da einfallen, kann man an den Fingern einer Hand abzählen.

Da ist naürlich die von uns schon mehrfach erwähnte und allseits geschätzte Kate Bush (hier mit Wuthering Heights, das übrigens auch ein sehr hörenswertes Gitarrensolo enthält). In meiner Plattensammlung befindet sich noch eine Scheibe von Melanie Safka (hier ihre Woodstock-Hymne Lay Down). Die anderen beiden Rock-Damen sehen schon aus wie Männer: Patti Smith (Because The Night) und Annie Lennox (Sweet Dreams), wobei die Zweite, wenn sie wollte, schon aussehen könnte wie ein Frau – will sie aber anscheinend nicht. Kennt Ihr noch mehr Rockerinnen? Kennt Ihr eine bedeutende Komponistin, so in der Größenordnung von Bach, Mozart oder Beethoven? Ich kenne nicht einmal eine völlig unbedeutende.

Die Geschlechterverteilung in der Musikbranche sieht ungefähr so aus wie in der Gruppe Abba: Die Mädels stehen vorne am Mikrophon, schwingen die Hüften und singen, die Jungs im Hintergrund spielen die Instrumente und schreiben die Songs.

Was will mir das sagen? Musik schreiben ist männlich, es muss irgend etwas mit typisch männlichen Eigenschaften zu tun haben. Was und warum, ist mir allerdings noch nicht so ganz klar. Sicher ist es, besonders was Rock-Musik betrifft, ein Ventil für Aggressivität. Wie schon die Texte der meisten Lieder vermuten lassen – in mehr als der Hälfte aller Songs geht es doch immer nur um ein Thema – spielt die Kanalisation erotischer Energien eine Rolle. Warum auf diesem Gebiet die Männer aber so dermaßen dominieren, habe ich trotzdem noch nicht ganz durchschaut.

Auch in angrenzenden Bereichen herrscht Frauenmangel. In Laufi’s Jethro Tull Forum konnte ich bislang nur zwei Frauen entdecken – ich zähle nicht. In Willi’s Jethro Tull Weblog sieht es noch magerer aus – wie gesagt, ich zähle nicht. Jethro Tull scheint kein Thema für Frauen zu sein. Das ist aber vermutlich kein spezielles Jethro Tull Phänomen. Ich gehe davon aus, dass es bei anderen Rock-Gruppen nicht anders aussieht. Auch Fan-Pages werden üblicherweise von Männern gestaltet – ich kenne jedenfalls keine von einer Frau. Worauf ich hinaus will? Frauen scheinen sich üblicherweise anderweitig zu beschäftigen. Was tue ich hier eigentlich? Warum schreibe ich mir seit Wochen die Finger wund über die Farbe von Anderson’s Bart und das Muster von Fogerty’s Hemd – habe ich nichts Besseres zu tun? Aber die Frage könnt Ihr mir wahrscheinlich auch nicht beantworten. Ich gehe jetzt an den Strand!

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Es war ein schöner, aber anstrengender Tag. Auch wenn die ganze Zeit vom Meer her eine frische Brise weht, sollte man doch die Hitze nicht unterschätzen, die von einer glühend heißen Staubstrasse aufsteigt. Dabei habe ich für die Stecke – trotz 15 Minuten Pause unter einer Tamariske am Strand von Loutra – nur 1 Stunde und 40 Mnuten gebraucht. Früher habe ich für diesen Fußmarsch immer zweieinhalb bis drei Stunden eingeplant. Da merkt man erst, was die lieben Kleinen ausmachen – „Mama, ich habe Durst – Mama, ich habe Hunger – Mama, ich kann nicht mehr“ usw…

Direkt vor dem Aufstieg zur Schlucht, in einer ehemals sandigen, flachen Bucht, in der mein Sohn und ich im letzten Urlaub noch geschnorchelt haben, habe ich dann das entdeckt: Einen pikobello frisch betonierten Fischereihafen. Eine große Holztafel gibt darüber Auskunft, dass er über 3,2 Mio. EUR gekostet hat und zu 75% von der EU bezahlt wurde. Griechen sind nämlich ein wenig seltsam, sie hassen die Hand, die sie füttert. Damit sie sie zumindest nicht ständig beissen, werden sie schon seit Jahren durch entsprechende Schilder an jedem von der EU gesponserten Projekt darauf hingewiesen, wieviel Geld man ihnen wieder geschenkt hat.

Was mich gewundert hat: Wozu braucht man hier am Ende der Welt, mehr als 5 km entfernt vom nächsten Ort und vom letzten asphaltierten Straßenabschnitt, einen völlig neuen Fischereihafen? Es gibt sowieso keine Fische mehr, das griechische Meer ist leergefischt. Immerhin liegt hier gerade ein kleiner Fischkutter am Kai, aber die anderen Boote sehen mir nach Hobby-Fischern aus, die sich am Wochenende oder im Urlaub die Zeit mit Angeln verteiben. Als nächstes wird jetzt natürlich die Straße asphaltiert werden müssen, sicher auch wieder mit EU-Geldern. Auch die Ziegen, die hier in der Mittagssonne wiederkäuend von den frisch planierten Terrassen auf den neuen Hafen herabschauen, scheinen sich zu fragen, was das soll. (Gesamtansicht: Fischereihafen am Ende der Welt – Lendas liegt übrigens in der Bucht vor dem großen „liegenden Löwen“, der dem Ort den Namen gab: Leondas = Löwe

Der Strand am Ausgang der Schlucht ist schattenlos, nur in der westlichen Bergwand gibt es zwei Felsspalten, die ab mittags im Schatten liegen. Die größere war schon von einer Familie belegt, aber die kleinere war noch frei, und so fand ich ein angenehm klimatisiertes Plätzchen. Nach der ersten Schnorchel-Runde bin ich dann auch prompt in meiner Höhle eingeschlafen und erst abends nach 18 Uhr wieder aufgewacht – eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, den ganzen Nachmittag zu verpennen.

Während ich die Kinder der Familie aus der Nachbarhöhle beobachtete, fiel mir wieder ein, wie ich vor 15 Jahren zum ersten Mal in diese Schlucht gekommen war, zusammen mit meinem Sohn und einer Freundin mit Mann und Kind. Die Jungs waren damals 5 Jahre alt. Zum Zeitvertreib für die Kinder hatten wir zuvor eine Schmalspur-Angelausrüstung gekauft – Nylonschnur, zwei Haken, Gewicht und Schwimmer, alles auf eine Korkplatte gewickelt. Am späten Nachmittag sind wir über die Felsen am westlichen Berghang zu einer Stelle geklettert, wo das Wasser schon relativ tief war und wir die „Angel“ auswerfen konnen. Als Köder hatten wir zuvor einige Muscheln gesammelt. Und dann – oh Schreck – hing tatsächlich nach kurzer Zeit ein Fisch am Haken. Damit hatten wir nicht unbedingt gerechnet.

Große Aufregung, die Kinder waren natürlich begeistert, aber jetzt: Was tun? Zuerst wurde der Fisch mal photographiert, aber dann musste er irgendwie vom Haken. Man glaubt garnicht, wie glitschig diese Tiere sind, wenn man noch nie etwas mit ihnen zu tun hatte. Etwa 5 Minuten lang kämpften 3 Erwachsene und 2 Kinder, um ein 15 cm Fischlein vom Haken zu bekommen. Zum Glück war niemand vom Tierschutz anwesend, ich war damals noch nicht so aktiv. Schließlich hatten wir den Fisch von der Angel befreit, und – was hätten wir sonst schon mit ihm machen sollen – haben ihn ins Meer zurück geworfen. Ich weiß nicht, ob er danach noch sehr alt geworden ist, ein bißchen Schlagseite hatte er schon.

Es war schon gegen 19:30 Uhr, als ich mich auf den Rückweg gemacht habe. In der Schlucht habe ich dann noch ein paar Ziegen photographiert, deshalb gibt’s hier noch ein Suchbild mit Ziege. Es ist schon erstaunlich, wie sich auch diese Tiere farblich bereits ihrem Untergrund angepasst haben. Nach einem Souvlaki (schwesterlich geteilt mit den Katzen) in einer neuen Taverne in der Bucht von Loutra gegenüber dem neuen Hafen, bin ich schließlich im Mondenschein (es ist fast Vollmond) zurück nach Lendas marschiert, wo ich gerade noch rechtzeitig eintraf, um im „Supermarket“ mein Frühstück für morgen einzukaufen.

Das war jetzt alles ziemlich „Off Topic“, aber ich denke mein Thema heißt „Jethro Tull auf Kreta“, und das war jetzt der „auf Kreta“-Teil.

Lendas, Kreta – 29.06.2007

Inzwischen ist die Brise vom Meer aufgefrischt, man könnte es auch als windig bezeichnen. Die Temperatur ist seit vorgestern bestimmt um mindestens 10 Grad gefallen, es ist jetzt richtig angenehm. Trotzdem mache ich heute nicht gleich wieder einen Gewaltmarsch, heute wird gefaulenzt.

Kommen wir noch einmal auf Laufi’s Jethro Tull Forum zurück. Dort hatte ich vor ein paar Wochen ein Schlüssel-Erlebnis. Bis dahin hatte ich gedacht, wie zahlreiche andere Menschen wohl auch, ich könne „objektiv“ gute Musik von schlechter unterscheiden, oberflächliche von tiefschürfender, belangslose von bedeutungsvoller – unabhängig vom „Geschmack“. Dann las ich dort – übrigens geschrieben von einem Jethro Tull Fan, was sonst – die Worte, „Overhang“ sei oberflächliches Gedudel. Das hat mich in meinem Innersten erschüttert. Wie konnte jemand diesen Aufschrei aus meiner tiefsten Seele für „oberflächliches Gedudel“ halten?

Es wird so gerne leichthin gesagt, Musik sei eine Sprache, die jeder versteht. Davon bin ich abgekommen. Es gibt in der Musik vermutlich mindestens so viele verschiedene Sprachen, wie im gesprochenen Wort, und nicht Jeder versteht jede. Wenn sich zwei Menschen auf chinesisch unterhalten, ist das für mich unter Umständen von bedeutunglosem Baby-Gebrabbel nicht zu unterscheiden, dabei kann es sich um ein hochgeistiges Gespräch handeln. In der Musik scheint es ähnlich zu sein. Ich habe mir daher vorgenommen mich davor zu hüten, eine Musik als oberflächlich oder inhaltlos zu bezeichnen, nur weil sie mir nichts sagt. Schon garnicht sollte man jemanden als „hirnamputiert“ bezeichnen (wie bei Laufi geschehen), nur weil ihm eine Musik gefällt, mit der man selbst nichts anfangen kann. Solange es einen ernstzunehmenden Menschen gibt, dem diese Musik etwas bedeutet, ist sie nicht bedeutungslos. Sie drückt nur wahrscheinlich ein Gefühl oder aus, das man selbst nicht kennt.

Allerdings muss ich zugeben, dass mein Verständnis da auf Grenzen stösst, wo in der Musik Gewalt verherrlicht wird, wo sie diskriminierende Inhalte transportiert oder Brutalität ausdrückt. Wobei man sicher darüber streiten kann, ob solche Musik zum Abbau oder zum Aufbau von Aggressionen beiträgt. Es kommt vermutlich auf den Menschen an, der sie hört.

Lendas, Kreta – 30.06.2007

Mein Urlaub geht unaufhaltsam seinem Ende entgegen, morgen früh wird gepackt und dann geht es zurück nach Hause. Mir fällt auch langsam wirklich nichts mehr ein, und ich bin gespannt, was Ihr inzwischen so getrieben habt.

In nächster Zeit werde ich vermutlich kaum zum Schreiben kommen, die Katzen und die Arbeit warten. Vielleicht gibt’s hin und wieder ein kurzes Lebenszeichen von mir – mal sehen.

Ganz liebe Urlaubsgrüße von
Kretakatze

PS.: Es ist der 02.07. und das Arbeitsleben hat mich zurück. Ein paar kleine Programmfehler waren während meiner Abwesenheit aufgetreten, aber nichts so Dringendes, dass man es nicht für mich bis nach meinem Urlaub hätte aufheben können.

Auch meine Katzen hatten eine kleine Überraschung für mich vorbereitet – sie hatten eine tote Maus im Wäschekorb versteckt. Diese nette Idee scheinen sie bereits kurz nach meiner Abfahrt vorausblickend in die Tat umgesetzt zu haben, damit die Maus bis zu meiner Rückkehr auch das nötige Reifestadium erreicht hat. Der dezente Geruch im Badezimmer sowie die zahlreichen gut entwickelten Maden, die sich im der Wäsche tummelten, zeugten davon, dass ihnen das Timing optimal gelungen war. Wie ich schon einmal erwähnt habe: Wenn die Kinder mal aus dem Gröbsten raus sind, muss man deswegen nicht verzweifeln…

Gerade eben habe ich noch dieses Video von Nothing Is Easy gefunden, aufgenommen am 23.06.2007 in Iraklio. Eigentlich müsste ich irgendwo im Bild sein, ich habe mich aber noch nicht entdeckt… Und auch dieses Video (neues Intro zu Aqualung) stammt vom Konzert in Iraklio, offensichtlich aufgenommen von jemandem, der direkt hinter den Steh-Reihen saß. Die Handys scheinen doch nicht so gut zu filmen, wie ich dachte.

English Translation for Ian Anderson