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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Noch ’n Toast?! – Klaus Höppner verstorben

Am 14. April d.J. verstarb nach schwerer, kurzer Krankheit Klaus Höppner im Alter von 78 Jahren. Am heutigen Nachmittag fand seine Beisetzung statt. Klaus wir werden Dich vermissen!

Meine Familie kannte Klaus schon viele Jahre. Er war ein ruhiger, eher wortkarger Mann, der aber zur Bestform auflief, wenn er zu seinen ausgedehnten Reisen durch die Wüsten Afrikas und Asiens angesprochen wurde (siehe unten). Und viele Jahre gab es im August mit weiteren Bekannten die fröhlichsten Flusskrebsessen bei ihm und seiner Frau im Garten. Allein die werden uns unvergessen bleiben. Klaus war für den Toast ‚zuständig‘. Immer wenn die Toastbrotscheiben fertig waren, fragte er in die Runde: Noch ’n Toast?! Wir hatten sehr viel Spaß miteinander.

Klaus Höppner beim Flusskrebseessen: Noch 'n Toast?!
Klaus Höppner beim Flusskrebseessen: Noch ’n Toast?!

Unsere beiden Söhne waren noch im Kindesalter, als uns Klaus eine Auswahl seiner Dias von den Reisen durch die Wüsten zeigte und zu jedem Bild auch eine Anekdote zu erzählen wusste. Von einer seiner Reisen hat er auch ein Buch veröffentlich: Cowboys der Wüste – Mit einer Kamelkarawane durch den Sudan

Klaus Höppner mit zwei seiner selbst erstellten Fotobücher (2013)
Klaus Höppner mit zwei seiner selbst erstellten Fotobücher (2013)

Viele Jahre nach seinen Reisen hat er seine vielen Dias gesichtet und daraus Fotobücher erstellt. Zuletzt arbeitete er daran, Texte zu diesen Bildern zu schreiben. Leider ist er damit nicht fertig geworden. In dem Kreiszeitung Wochenblatt (Ausgabe Nordheide) vom 28.09.2021 (S. 4) gab es einen Artikel über Klaus Höppner, der sich seinen Wüstenreisen widmet:

7.000 Kilometer durch die Wüste
Klaus Höppner schloss sich als junger Erwachsener Kamel-Karawanen an und reiste so durch Afrika und Asien

mi. Tostedt. „Ich war nie ein Abenteurer“, sagt Klaus Höppner (69) aus Tostedt. Wer sich anhört, was er auf seinen ausgedehnten Reisen nach Afrika und Asien erlebt und gesehen hat, mag das kaum glauben. Insgesamt 7.000 Kilometer hat Klaus Höppner während verschiedener Reisen in den Jahren 1976 bis 1987 meist auf dem Kamelrücken zurückgelegt. Er durchquerte die Thar-Wüste in Indien und die Nubische Wüste in Ägypten, begleitete die Salzkarawanen der Tuareg im Niger, trieb Kamele vom Sudan nach Ägypten und fuhr in Mali mit einer Piroge auf dem Niger bis Timbuktu. Jahre später hat er jetzt Hunderte seiner alten Dias gesichtet, sortiert und aus dem Material mehrere Fotobücher erstellt. Beim Durchblättern werden längst vergessene Erlebnisse wieder wach.

„Ich wollte den alten ‚Orient‘ erleben“, sagt Klaus Höppner. Schon als Kind habe ihn diese fremde Welt fasziniert. Als Erwachsener fuhr er zunächst mit Reisegruppen nach Afrika und Asien. „Dann habe ich mir gesagt, wenn Du den Orient richtig erfahren willst, dann musst mit den Leuten dort leben“. Er kündigte seinen Job, nahm den Flieger nach Afrika und begleitet eine Salzkarawane der Tuareg. Die Reise war kein Touristentrip: Der Europäer musste mit anpacken. Bis spät in die Nacht wurde geritten, zu essen gab es meist eine Mischung aus Hirse und saurer Kamelmilch. „Schmeckt wie Buttermilch mit Kieselsteinen“, erinnert sich Klaus Höppner. Behandelt wurde er nicht immer freundlich, aber mit Respekt. Nach dieser anstrengenden, aber vor allem faszinierenden Erfahrung zog es Klaus Höppner immer wieder zurück. „Ich habe im Sommer gearbeitet, dann gekündigt, um im Winter loszuziehen“. Sechs solcher Trips hat er bis 1987 unternommen. Dann wurde es immer schwerer schnell einen neuen Job zu finden. Er wird sesshaft, arbeitet als Schiffahrtskaufmann und heiratet.

Eine Situation ist ihm von seinen Reisen besonders in Erinnerung geblieben: „Im Iran wurde ich von den Revolutionsgarden als vermeintlicher US-Spion festgesetzt. Die Männer waren zwar freundlich zu mir, aber auf dem Weg in die Stadt gerieten wir in einen Schusswechsel, das war wirklich gefährlich“, erinnert er sich. Sein eindrucksvollstes Erlebnis war ein Kamelritt durch die vom Vollmondlicht ganz in Silber getauchte nächtliche Wüste. Für solche Eindrücke habe er Strapazen, Risiken und auch die Einbußen bei der Rente gerne in Kauf genommen. Klaus Höppner: „Ich war kein Abenteurer, sondern ein Orient-Romantiker“.

Willi rides a bicycle 2022 (01)

Keine Angst, liebe Ulyssesianer, ich habe es noch nicht aufgegeben, die Niederschrift der Irrfahrten des Mr. Leopold Bloom und des Herrn Stephen Dedalus durch Irlands Hauptstadt, Dublin, am Tage des Herrn 16. Juni 1904 zu lesen. Ich bin immerhin beim Kapital 5 (von 18) angekommen, wenn das auch nur gerade mal 10 % des gesamten Romans ausmachen. Aber das Wetter zeigt sich in diesen Tagen von seiner sonnigen Seite. Und so wäre es geradezu sündhaft (irgendwie lässt Joyce grüßen), diese Tage nicht draußen an der frischen Luft zu verbringen, die Natur zu genießen, fünfe gerade sein zu lassen – und was da so alles liegen gelassen werden kann.

So bin ich ‚die Tage‘ mit meinem Fahrrad (genauer: Pedelec) viel unterwegs, den Fotoapparat immer parat (sic!). Und so komme ich auf das Abenteuer Ulysses beizeiten zu sprechen (schreiben). Gut Ding braucht Weile. Hier zumindest einige Fotos von meinen fahrrädrigen Ausflügen (damit keiner behaupten kann, der Willi ist nur ein fauler Sack)..

Wolkenpanorama 2022 über Tostedt/Harburg
Wolkenpanorama 2022 über Tostedt/Harburg

Und damit ich nicht vom Fleische falle, so gönne ich mir unterwegs schon mal u.a. eine Donauwelle und trinke dazu ein Käffchen … – und lasse die Wolken über mich gleiten …

Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgeplänkel

Ojemine, es sind schon wieder zwei Jahre (Welttag des Buches 2020) vergangen, seitdem ich mir vorgenommen habe, endlich (!!!) den Ulysses von James Joyce zu lesen. Und wer es glaubt oder nicht: Das erste Kapitel habe ich mir tatsächlich zu Gemüte geführt. Bevor ich mich hier zu den einzelnen der 18 Kapitel des über 1000 Seiten starken Romans auslasse, möchte ich doch einige Infos zu diesem Joyce’schen Werk loswerden.

James Joyce (© Suhrkamp Verlag)
James Joyce (© Suhrkamp Verlag)

Am gleichen Tag wie James Joyce habe ich Geburtstag, den 2. Februar. James Joyce wurde am 2. Februar 1882 in Dublin geboren, wo er in schwierigen und ärmlichen Familienverhältnissen aufwuchs. Joyce studierte am University College von Dublin moderne Sprachen, u.a. Englisch, Französisch und Italienisch. 1902 ging er nach Paris, um ein Medizinstudium zu beginnen. Er wandte sich dort aber dem Schreiben zu und führte einen ausschweifenden Lebensstil. 1903 kehrte er nach Dublin zurück, konnte dort jedoch nicht Fuß fassen. Mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Nora Barnacle siedelte er 1904 auf den Kontinent über und lebte hauptsächlich in Triest.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit seiner Familie nach Zürich, wo sein bekanntestes Werk Ulysses entstand. Der Roman wurde 1918-1920 in Auszügen in der amerikanischen Zeitschrift »The Little Review« abgedruckt; 1921 wurde er wegen obszöner Inhalte verboten. 1922 erschien Ulysses schließlich in (zensierter) Buchform in der Pariser Buchhandlung »Shakespeare and Company«. Das war genau am 2. Februar 1922 – also vor jetzt über 100 Jahren (und wieder an einem 2. Februar).

1920 zog Joyce auf Einladung seines Freundes Ezra Pound nach Paris, wo er bis zu Frankreichs Besetzung im Zweiten Weltkrieg lebte. Dort entstand sein letzter Roman Finnegan’s Wake (Finnegans Totenwache), der 1939 veröffentlicht wurde. James Joyce starb am 13. Januar 1941 in Zürich. (Quelle: suhrkamp.de)

Der »Ulysses« ist bis heute die ultimative Herausforderung für jeden Freund der Weltliteratur. Im Grunde ist alles ganz einfach: James Joyce erzählt, was seinem Helden Leopold Bloom an nur einem einzigen Tag des Jahres 1904 in seiner Heimatstadt Dublin widerfährt. Dies allerdings ist sehr weit verzweigt, schließt mächtig strömende Gedanken und jede Menge Sprach-Abenteuer mit ein. – Georg Goyert war der erste Übersetzer des Romans ins Deutsche; seine »Ulysses«-Übertragung wurde von James Joyce autorisiert. 1975 erschien dann eine neue Übersetzung von Hans Wollschläger, die ich als einmalige Sonderausgabe 1979 – 1. Auflage – Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main – vorliegen habe.

Joyce beschreibt im Ulysses in 18 Episoden einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Leopold Bloom, seines Zeichens Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. In Anlehnung an Homers Irrfahrten des Odysseus lässt er den Leser an den (Irr-)Gängen seines Protagonisten durch Dublin teilhaben.

James Joyces Ulysses ist der Roman eines Tages, des 16. Juni 1904. Die beiden Protagonisten, Stephen Dedalus, der schon aus Joyces früherem Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann bekannt ist, und der Annoncenakquisiteur Leopold Bloom sowie eine ganze Reihe weiterer Figuren werden im Verlauf dieses Tages von acht Uhr morgens bis tief in die Nacht in ihren Bewegungen durch die Stadt Dublin, in Gesprächen, bei der Arbeit, vor allem aber in ihren Gedanken und Erinnerungen verfolgt. Dabei wird die Stadt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zum Leben erweckt: Die Wege der Protagonisten durch Dublin lassen sich minutiös nachvollziehen, wir sehen sie in einer Schule, am Strand, auf einer Beerdigung, in einer Zeitungsredaktion, einem Museum, einer Bibliothek, in einer Reihe von Kneipen und Restaurants, einem Krankenhaus und schließlich auch im Bordellviertel, das damals zu den größten Europas zählte. Joyce sagte einmal, Dublin könnte, wenn es vollständig zerstört werden sollte, nach der Lektüre seines Romans wiederaufgebaut werden. Aber auch das Leben der Romanfiguren läßt sich fast vollständig rekonstruieren, und die Schilderung des einen Tages ist damit ebenso umfassend wie ein Roman, der die Biographien seiner Helden von der Geburt an nachzeichnet.

Ulysses ist zudem der Roman einer Epoche, der literarischen Moderne, und er lädt ein zu einer Reise durch eine Fülle sprachlicher und stilistischer Möglichkeiten, die von Joyce neu entwickelt oder zitiert und variiert wurden. Jedes Kapitel ist einer anderen literarischen Technik gewidmet, die Palette reicht von der einfachen Erzählung, vielfältigen Parodien und Sprachspielen, Experimenten mit dem musikalischen Potential der Sprache, zu einem Durchgang durch die Stile der literarischen Prosa vom Mittelalter bis in die Moderne, zur Darstellung von Halluzinationen in Form eines Dramas – bis schließlich, am Ende des Tages, nicht nur die Figuren ermüdet sind, sondern auch die Sprache einen Zustand der Erschöpfung erreicht hat. Am Schluß steht dann der berühmte Monolog von Leopold Blooms Frau, Molly, die im Bett vor dem Einschlafen auf mehr als sechzig Seiten ohne Punkt und Komma ihre Sicht der Welt und ihres Lebens wiedergibt.
(aus: Ulysses: Kommentierte Ausgabe – hier: Leseprobe)

Nach diesem ersten gelesenem Kapitel des Uysses überlegte ich, ob ich mir vielleicht doch die kommentierte Ausgabe zulege. Aber ich habe mich anders entschieden: Anhand des englischen Originals und der hierzu ausführlich im Internet kommentierten Textteile versuche ich, das mir vielleicht fehlende Wissen anzueignen. Was z.B. die Textpassagen in lateinischer Sprache betrifft, so nutze ich den Google Übersetzer.

Folgende Websites dienen mir dabei, mein Verständnis des Ulysses-Romans zu erweitern:

Wikipedia/Ulysses (dt.)
Joyceproject
Ulyssesguide
Columbia University New York/ Ulysses: A marked up version.

Ostereierfärben 2022

Zunächst wünsche ich Euch allen – trotz all der Übel dieser Tage auf unserem Planeten – ein geruhsames, besinnliches und sonniges Osterfest.

Zusammen mit seiner Freundin hat heute der ältere meiner beiden Söhne Ostereier nach belarusischer Art gefärbt. Dabei kamen neben weißen Hühnereiern natürliche Färbemittel (die Schalen von braunen und roten Zwiebeln sowie Kurkumapulver – jeweils zu einem Sud zusammengeköchelt), Blätter aus deutschen Wäldern und alte Damen-, so genannte Nylonstrümpfe zum Einsatz. Hier das gelungene Ergebnis:

Gefärbte Ostereier – mit natürlichen Stoffen
Gefärbte Ostereier – mit natürlichen Stoffen

Weitere Bilder über den Ablauf der Eierfärberei hier:

Bleibt weiterhin gesund! Lasst Euch nicht niederringen!

Hurricane Festival 2022 – 1x Festivalpass für alle Tage zu verkaufen ist verkauft

Danke für Euer Interesse: Inzwischen ist das letzte Hurricane-Ticket verkauft worden.

Vom 17. – 19. Juni 2022 findet in Scheeßel (zwischen Bremen und Hamburg gelegen) auf dem Eichenring das Kultfestival Hurricane statt, nachdem es 2020 und 2021 wegen des Corona-Virus ausgefallen ist. Ich habe noch eine Karte, einen sogenannten Festivalpass, aus dem Jahr 2020, der aber auch für das Festival 2022 gültig ist, zum damaligen Preis von 189 € (2022 kostet dieses bereits 222,75 €) zum Verkauf anzubieten. Das Ticket ist für das gesamte Festivalwochenende gültig und beinhaltet nicht nur den Zugang zum Bühnenprogramm, sondern auch den Zugang zum regulären Campingplatz von Donnerstag bis Montag. Ihr bringt Euer eigenes Zelt mit und sucht Euch Euren Platz, nachdem Ihr Euer Festivalbändchen erhalten habt, selbst.

1x Festvalpass fürs Hurricane-Festval aus 2020 – auch 2022 gültig – zum VERKAUF
2x 1x Festvalpass fürs Hurricane-Festval aus 2020 – auch 2022 gültig

Wer Interesse an dem Festivalpass hat, schreibt einen Kommentar zu diesem Post oder meldet sich über mein Kontaktformular. Bitte Name, Anschrift und auf jeden Fall E-Mail-Adresse angeben. Ich melde mich dann spätestens innerhalb von 24 Stunden. Den Versand per Brief und Einschreiben übernehme ich.

‚Sascha‘ für den Friedensnobelpreis

Eigentlich sollte der Stählerne Josef-StalinOrden am blutbefleckten Band 2020 an den Präsidenten von Belarus, Alexander Lukaschenko, genannt ‚Sascha‘, für sein Vorgehen bei der Präsidentenwahl gehen, die er in vorbildlicher Manier zu seinen Gunsten gefälscht hatte. Womit aber keiner gerechnet hatte: Das Volk ging zu Hunderttausenden auf die Straße, um gegen ihn zu protestieren. Sollte ‚Sascha‘ etwa geschwächeln haben?

Nun ein Jahr später, 2021, zeigte sich seine Stärke und Durchsetzungskraft: Lukaschenko ging gegen die rebellierende Opposition in seinem Land im Sinne des Stalinismus vor. Bürgerinnen und Bürger, die im Verdacht standen, der Opposition zuzuspielen, wurden verhaftet und die Verhöre waren geprägt von demütigenden Durchsuchungen, Schlafentzug, Prügel, Hunger, Durst und Einschüchterungen. Nach kurzem Prozess wurden viele zu jahrelangen Strafen in Straflager ‚verschickt‘. Da gab es Entführungen, das ‚Vorführen‘ von Gefangenen in aller Öffentlichkeit, Schauprozesse. Jeder Anflug von Andersdenken wurde im Keim erstickt. – Bemerkenswert ist dabei besonders der Kult, der um seine Person gemacht wird, ganz Stalin-like: „Batka“ („Papa“), wie sich Lukaschenko gern nennen lässt, hatte kein Erbarmen. So bestraft ein ‚Vater‘ seine unartigen Kinder!

Stalin-Orden 2020 oder 2021 für Alexander Lukaschenko?
Stalin-Orden 2020 oder 2021 für Alexander Lukaschenko?

In diesem Jahr aber sieht die Welt plötzlich ganz anders aus. ‚Sascha‘ wird für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, denn ungeachtet seiner Vergehen gegen die Menschlichkeit und trotz seiner dem Stalinismus nahe kommenden Maßnahmen, hat Lukaschenko sein Volk vor einem Krieg bewahrt, der jetzt über die Ukraine eingebrochen ist. Wie das?

Lukaschenko und die russische Mücke: Puh, noch einmal gut gegangen
Lukaschenko und die russische Mücke: Puh, noch einmal gut gegangen

Wäre nämlich Swetlana Tichanowskaja als Siegerin der Präsidentschaftswahl 2020 in Belarus ausgerufen worden, dann hätte sie mit Herrn Putin (immerhin Träger des Stählernen Josef-Stalin-Orden am blutbefleckten Band 2022) ähnliche Probleme wie jetzt Wolodymyr Selenskyj, der Präsident der Ukraine, wegen dem der Herr Putin immerhin einen Krieg vom Zaune brach. ‚Sascha‘ zeigte sich dem russischen Herrscher möglichst loyal und als guter Vasall, auch wenn er nicht immer das machte, was ihm aus dem Kreml befohlen wurde. Auf jeden Fall konnte er verhindern, dass die russische Armee statt wie jetzt in die Ukraine zunächst in Belarus einmarschiert ist. Okay, von Belarus aus zogen Putins Horden gen Kiew, der ukrainischen Hauptstadt. Aber ohne weitere militärische Unterstützung von Belarus.

Das Volk von Belarus ist so von einem Überfall von russischer Seite her verschont geblieben und sollte dafür äußerst dankbar sein. Ein Grund somit, ‚Sascha‘ für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen.Ja, ‚Sascha‘ ist ein wahrer ‚Batka‘.

Saint Patrick’s Day 2022

Es gibt in diesen Tagen nicht viel zu feiern, eigentlich sogar gar nichts. Der Psychopath im Kreml (PiK, ich nenne ihn schlicht und kurz Pik sieben) wütet weiterhin und schickt seine jungen Männer in einen sinnlosen Krieg in die Ukraine, deren Städte zerstört, deren Menschen getötet oder schwer verletzt werden oder aus ihrem Land flüchten.

Trotzdem möchte ich den heutigen Tag, den Saint Patrick’s Day, nutzen, um auf die friedfertigen Völker – und die Iren gehören mit Sicherheit dazu – anzustoßen. In einem Schrank habe ich noch eine Flasche Connemara gefunden, einen Peated Single Malt Irish Whiskey (Peated steht für getorft, d.h. ein Peated Single Malt ist ein Whisk(e)y, dessen Gerste über Torfrauch getrocknet wurde. Die Elemente des verbrannten Torfs lagern sich dabei an dem Getreide ab und finden so beim Brennen den Weg in den frisch gebrannten Whisk(e)y).

Willi feiert seinen ganz eigenen Saint Patrick's Day 2022
Willi feiert seinen ganz eigenen Saint Patrick’s Day 2022

Nun so früh am Tag neige ich noch nicht zur Trunksucht. Aber heute Abend (kein Bier vor vier, kein Whisk(e)y vor sechs, also abends 18 Uhr) werde ich mir einen Tropfen von dem edlen Gesöff gönnen, allem Verdruss, den diese Welt uns zz. bereitet, zum Trotz!

In unserem Garten: Solidarität mit der Ukraine

Während Putins Soldaten weiterhin in der Ukraine die Städte in Schutt und Asche legen, die Menschen töten oder schwer verletzen, scheint es das Wetter mit uns endlich einmal besonders gut zu meinen: Die Sonne scheint von einem blauen Himmel und in den Gärten blühen Schneeglöckchen und Krokusse. Es ist nicht viel, was wir den Ukrainerinnen und Ukrainern als Hilfe bieten können, aber in unserem Garten blüht es zz. blau und gelb – in den Farben der Ukraine, als wollten die Blumen ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk bekunden:

Solidarität mit der Ukraine: Krokusse in Albins Garten
Solidarität mit der Ukraine: Krokusse in Albins Garten

Und in der 5. Staffel der britischen Krimiserie ‚Luther‘ ist es ein Bild, im anderen Fall sind es Wände, die in blau-gelb gewissermaßen ihre Verbundenheit mit der Ukraine zum Ausdruck bringen:

Solidarität mit der Ukraine (aus: 5. Staffel der britischen Krimiserie 'Luther')

Solidarität mit der Ukraine (aus: 5. Staffel der britischen Krimiserie 'Luther')
Solidarität mit der Ukraine (aus: 5. Staffel der britischen Krimiserie ‚Luther‘)

Stählerner Josef-Stalin-Orden am blutbefleckten Band 2022: Wladimir Putin

Wer, wenn nicht Wladimir Wladimirowitsch Putin [Владимир Владимирович Путин], Präsident der Russischen Föderation, hat in diesem Jahr den Stalin-Orden verdient. Nicht erst durch den Einmarsch der russischen Truppen in das Nachbarland Ukraine, nein, lange schon vorher hat er sich Verdienste erworben, die die Verleihung dieses Preises rechtfertigen.

Stalin-Orden 2022 für Wladimir Wladimirowitsch Putin
Stalin-Orden 2022 für Wladimir Wladimirowitsch Putin

Sehr Stalin-like war z.B. sein Umgang mit den hohen Vertretern der westlichen Demokratien. Wie er diese mit seiner halb gelangweilt wirkenden, halb säuerlichen Art abfertigte, sucht seinesgleichen in dieser Welt. Am Ende gab es kräftiges Schenkelklopfen im Kreml. Und wie er Mitarbeiter seiner eigenen Administration vor laufender Kamera abkanzelte, kam den Schauprozessen zur Zeit Stalins schon sehr nahe.

Bemerkenswert ist besonders seine unverkennbare Art, Desinformationen, ja übelste Lügen zu streuen, die durch die von ihm gleichgeschalteten Medien permanent verbreitet werden. Die gelungene Gehirnwäsche des russischen Volks ist unverkennbar. So begründet er die jetzige ‚Militäroperation‘ gegen die Ukraine (von Krieg natürlich keine Rede!) damit, „die Menschen dort zu schützen, auf den das Kiewer Regime acht Jahre herumgetrampelt ist und Genozid verübt hat. Deshalb wollen wir die Ukraine entmilitarisieren und entnazifizieren.“ Ähnlich hat Stalin den Sachverhalt umgekehrt und seine Säuberungsaktionen begründet. Putin hat wahrlich seine Lektion gelernt.

Und sollte es doch noch so etwas wie Opposition geben, so greift Putin gern zu etwas drastischeren Mitteln, wie der Giftanschlag auf Alexej Nawalny zeigt. Ansonsten wandern solche Oppositionelle für Jahre oder Jahrzehnte in eines der Straflager in den Weiten Sibiriens.

Wir gratulieren Dir, lieber Wladimir Wladimirowitsch, zur Verleihung dieses leider lange geschmähten Ordens. Du hast ihn Dir wirklich über Jahre hinweg erarbeitet: поздравление !

Nach dem Sturm

Ein kurzer Nachtrag zur Wetterlage in Tostedt Ende Februar 2022:

Nach den drei Sturmtiefs namens Ylenia, Zeynep und Antonia, die mit Orkanstärke über Norddeutschland zogen, ist es seit dem 27. Februar endlich etwas ruhiger, wenn auch noch alles andere als windstill geworden. An drei Tagen in Folge erreichten bei uns in Tostedt Böen Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h. In dieser Folge hat es das wohl in den letzten Jahren bei uns noch nicht gegeben. Hier die jeweilig maximale Windgeschwindigkeiten lt. der Wetterstation Tostedt für den Zeitraum vom 16. bis 26. Februar 2022:

maximale Windgeschwindigkeiten an der Station
TOSTEDT

Datum m/s (Meter pro Sekunde) km/h (Stundenkilometer)
16.02.2022 – Orkan Ylenia 20,2 72,72
17.02.2022 – Orkan Ylenia 28,8 103,68
18.02.2022 – Orkan Zeynep 30,0 108,00
19.02.2022 – Orkan Zeynep 30,3 109,08
20.02.2022 – Orkan Antonia 18,2 65,52
21.02.2022 – Orkan Antonia 25,2 90,72
22.02.2022 16,9 60,84
23.02.2022 13,6 48,96
24.02.2022 21,7 78,12
25.02.2022 15,4 55,44
26.02.2022 8,9 32,04

Grafisch sieht das wie folgt aus:

maximale Windgeschwindigkeiten 16. bis 26. Februar 2022 in Tostedt/Niedersachsen
maximale Windgeschwindigkeiten 16. bis 26. Februar 2022 in Tostedt/Niedersachsen

Ich habe inzwischen auch einen Blick in die Vorjahre geworfen und festgestellt, dass es da sogar Windgeschwindigkeiten von 40 m/s, also 144 km/h, gab, wobei ich sogar denke, dass die Wetterstation bei uns höhere Geschwindigkeiten als die genannten 40 m/s gar nicht messen kann. Nun denn! Lassen wir uns überraschend, was da noch an Orkanen in diesem Jahr über uns hereinbraust.

Putin – das Öffnen der Büchse der Pandora

Es hat es getan, der Psychopath aus dem Kreml.Er hat die Büchse der Pandora geöffnet und damit Unheil über die Ukraine, über Russland und letztendlich auch über sich selbst gebracht. Ja, auch das! Denn sein Plan ist bisher nicht aufgegangen: Die Ukraine binnen 48 Stunden zu besetzen und die dortige Regierung zu stürzen. Die Ukrainer kämpfen aus einer technologisch unterlegenen Position, aber mit überlegener Moral. Putin beißt sich mehr und mehr die Zähne aus.

Putin hatte sich zuletzt einen Spaß daraus gemacht, die Staatsführer aus dem Westen wie Bären an Nasenringen durch die Manege zu führen (Scholz, Macron). Noch zu Zeiten der großen Koalition in Deutschland besuchte er die Kanzlerin Merkel mit dem wohl größten Köter, den er in Moskau auftreiben konnte, da er wusste, das Frau Merkel Angst vor Hunden hat. Wie krank ist der Mann!

Putin mit Hund zu Besuch bei Frau Merkel Januar 2007
Putin mit Hund zu Besuch bei Frau Merkel Januar 2007

In Zukunft wird wohl keiner mehr Wert darauf legen, Herrn Putin zu begegnen. Sein Bonus ist aufgebraucht.

Die Sanktionen (Stichwort SWIFT) gegen Russland und ihn sind jetzt endlich derart massiv, dass ihm das Lachen vergangen ist. Putin versteckt seine Wut, man kennt das inzwischen, hinter einer Miene, die halb gelangweilt wirkt, halb säuerlich – auch in den für ihn schlimmsten Stunden. Mit diesem Gesichtsausdruck verkündete er am Sonntag im russischen Staatsfernsehen, er habe die sogenannten Abschreckungskräfte seines Landes in Alarmbereitschaft versetzt. Dazu gehören auch Atomraketen. Putin begründete den Schritt mit „aggressiven Erklärungen“ aus den Nato-Staaten und deren „unfreundlichen Maßnahmen gegen unser Land“. So schließt man von sich auf andere. Will er jetzt die westlichen Wirtschaftssanktionen durch eine nukleare Attacke kontern? Die genannte Alarmbereitschaft ist immerhin Stufe zwei eines Vier-Stufenplans (und war schon nach der Krim-Annexion von Putin in Gang gesetzt worden).

Putin schafft Unruhe im eigenen Land. Schon in den allerersten Kriegstagen gingen Russen, vorwiegend junge Leute, auf die Straße, um gegen Putins Krieg zu demonstrieren. Putins Begründung des Überfalls der Ukraine („Es ist das Ziel der Militäroperation, die Menschen zu schützen, auf den das Kiewer Regime acht Jahre herumgetrampelt ist und Genozid verübt hat. Deshalb wollen wir die Ukraine entmilitarisieren und entnazifizieren.) wird zunehmend von der russischen Bevölkerung als das verstanden, was sie ist: ein völlig absurder Schwachsinn! Da helfen auch keine Bilder von russischen Soldaten mit weißen Kätzchen im russischen Fernsehen. – Und er eint die Europäer mit den Amerikanern auf bisher lange nicht mehr gesehene Weise. Natürlich lavieren Politiker der Linken mit viel Ungeschick, sagen Nein zum Krieg, aber … Nichts aber, ihr Linksfaschisten! Und was ist mit Gerhard Schröder? Wie sieht es mit Sanktionen gegen ihn aus?!

Was viele vielleicht nicht wissen. Putin hat jetzt auch Probleme mit Staaten im Pazifik, auch wenn China erst einmal einen Schlitterkurs einhält. Südkorea will sich am gemeinsamen Druck auf Russland beteiligen. Zuvor hatte schon Japan zugesagt, an den SWIFT-Sanktionen gegen Russlands Finanzsektor mitzuwirken. Tokio lässt der Regierung der Ukraine zudem 100 Millionen Dollar als „humanitäre Soforthilfe“ zukommen. Taiwan wird Lieferungen fortschrittlicher Mikrochips nach Russland stoppen. Auch ein Grund, weshalb Putin schlechte Karten in der Tech-Szene hat. Inzwischen wurden mehrere Regierungswebsites gehackt. Und auch Putins Oligarchen wollen keinen Krieg.

(Quelle u.a. rnd.de)

Entgegen meinem bisherigen Entschluss, nicht zu spekulieren, will ich es nun doch versuchen: Putin hat sich im Westen (und auch in vielen Teilen des Ostens) diskreditiert. Es ist untragbar geworden! Es ist nicht Russlands Krieg gegen die Ukraine, es ist der Krieg Putins und seiner Getreuen. Selbst wenn er den Krieg gewinnen sollte, so wird er kaum noch ein Bein auf den Boden bekommen. Abdanken? Ein Putsch gegen ihn? Beides ist denkbar. Bleibt ihm also nur der Druck auf den ‚roten Knopf‘? Ich denke, dass das so schnell nicht geht: ein Knopfdruck und der Atomkrieg beginnt. Notfalls erbarmt sich jemand aus seinem näheren Umkreis und eliminiert ihn. – Wenn Putin ‚fällt‘, dann wird sich auch Lukaschenko in Belarus kaum länger halten können. Da nützt diesem kein Referendum und damit eine Verfassungsänderung, die ihn die Macht bis 2035 sichern soll. Vielleicht finden Putin und Lukaschenko bald ein Plätzlein bei Kim Jong-Un. Aber der wird kaum zwei andere Psychopathen neben sich dulden wollen.

Okay, ich träume!

Natürlich haben unsere Politiker viel zu lange den ‚gepflegten Kontakt‘ zu Putin gehalten. Und auch die Wirtschaft hat es viel zu lange hingenommen, dass wir heute zu über 50 % vom Erdgas Russlands abhängig sind. Trägheit ist eine der schlimmsten Sünden! Jetzt soll es das Flüssiggas aus den USA werden, das per Schiffe zu uns kommen soll. Nur fehlen uns dafür die entsprechenden Hafenterminals (die sind zwar schon lange in Planung, über diesen Status aber nicht hinaus gekommen, TOLL!). Dass das auf längere Sicht nicht die Lösung ist, sollte jedem klar sein (Abhängigkeit von den USA, die dieses Gas auf umweltbedenkliche Weise, durch Fracking, fördern). Der Ausbau erneuerbare Energien muss forciert werden. Aber da bin ich bei einem anderen Thema.

Wir dürfen gespannt sein, wie sie zunächst die Lage in der Ukraine entwickelt. Und welche Konsequenzen daraus zu erwarten sein werden. Putin hat die Büchse der Pandora geöffnet: Jetzt fliegt ihm viel Unheil um die Ohren …?!