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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Jethro Tull und Berlusconi

Natürlich ist mir klar, dass die Videos von der Gruppe Jethro Tull auf meinen YouTube-Account eigentlich gegen Urheberrecht verstoßen. Aber wo kein Kläger ist, da ist kein Richter. Es sei denn, der Kläger heißt Berlusconi.

Natürlich heißt der Kläger nicht namentlich Silvio Berlusconi. Es geht um die Fernseh-Sendergruppe Mediaset, die von Herrn Berlusconi gegründet wurde und mehrheitlich der Familie Berlusconi gehört. Und es geht um die Aufzeichnung einer Fernsehsendung des Senders Canale 5 vom 20.09.1991, in der die Gruppe Jethro Tull aufgetreten ist.

Jethro Tull und Berlusconi (Mediaset)

Diesen TV-Mitschnitt hatte ich nun über YouTube veröffentlicht. Eigentlich nichts besonderes, da Jethro Tull hier mit Playback auftritt. Nun machte Mediaset ihre Urheberrechte geltend, das Video wurde entfernt. Es geht dabei um die Fernsehauszeichnung, nicht um die Musik von Jethro Tull selbst, also nicht um die Urheberrechte von Herrn Ian Anderson. Da das die zweite Urheberrechtsbeschwerde zulasten meines YouTube-Kontos ist, führt eine einzige weitere Beschwerde zur Kündigung des Kontos.

Hermann Hesse: Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Hermann Hesse, November 1905

Auch wenn heute sogar die Sonne sich für Minuten zeigt: Der November ist ein Nebelmonat. Hier im Norden meist als Hochnebel. Nur am Morgen liegen dicke Nebelschwaden auf den Feldern und Äckern. Der November ist nicht nur durch diese düsteren Feiertage ein Melancholie erzeugender Monat. Das oft triste Wetter trägt maßgeblich dazu bei, in Depressionen zu verfallen. Aber es bleibt ein Sehnen nach besseren Tagen …

Herkulesarbeit

Vieles ändern sich und nichts so sehr wie die ‚Anforderungen’ im Internet. Da gab es vor einigen Jahren den Rechtsstreit zwischen Real Networks und Microsoft. Real Networks hatte Microsoft vorgeworfen, mit der Integration seiner Mediensoftware Media Player in das weltweit verbreitete Betriebssystem Windows Wettbewerber ausgeschlossen zu haben. Der Streit endete dann wohl friedlich – oder wie das Hornberger Schließen. Man kann das sehen wie man will.

Zu Zeiten weniger großer Bandbreiten, d.h. Übertragungsraten im Internet, war das RealMedia-Format durchaus von Vorteil, da es bei Videos kleine Dateien mit relativ guter Qualität generierte. So stieg ich damals vor eben vielen Jahren auf den ‚realen’ Zug auf und bot meine Videos (besonders auf meiner Jethro Tull-Site) in diesem Format an. Inzwischen sind viele Internetseiten von Real- auf Flash-Streaming umgestiegen. YouTube arbeitet von Anfang an mit Flash-Videos. Und natürlich ist dank DSL die Bandbreite um ein Vielfaches höher (die Video-Dateien dürfen also durchaus etwas größer sein).

Da viele meiner Videos eben bei YouTube gehostet sind (selbst oder von anderen dort eingestellt), und diese über den Object-Tag auf der eigenen Website eingebettet werden können, habe ich schon nach und nach meine RealMedia-Dateien durch YouTube-Videos ausgetauscht.

Beispiel eines Object-Tags (YouTube-Video):

<object width=“480″ height=“385″><param name=“movie“ value=“https://www.youtube.com/v/WINnTVnTTrI?fs=1&amp;hl=de_DE“></param><param name=“allowFullScreen“ value=“true“></param><param name=“allowscriptaccess“ value=“always“></param><embed src=“https://www.youtube.com/v/WINnTVnTTrI?fs=1&amp;hl=de_DE“ type=“application/x-shockwave-flash“ allowscriptaccess=“always“ allowfullscreen=“true“ width=“480″ height=“385″></embed></object>

Aber nicht nur die Videolandschaft hat sich geändert, sondern auch die Marktanteile der Webbrowser. War der Internet Explorer von Microsoft vor einigen Jahren noch unangefochten führend, so ist dieser inzwischen vom Mozilla Firefox längst überholt worden. Auch das hat Auswirkungen auf das Angebot von Videos im Netz. Denn der IE (Internet Explorer) ‚arbeitet’ mit der CLASS-ID des Object-Tags (liest darüber aus der Registry die Abspielsoftware aus, z.B. den Windows Media Player), während Firefox lediglich den EMBED-Teil ausliest (z.B. type=“audio/x-pn-realaudio-plugin“) und auf installierte Plugins verweist.

Ausschnitt aus Object-Tag (RealMedia-Video):

<object ID=“video1″ CLASSID=“clsid:CFCDAA03-8BE4-11CF-B84B-0020AFBBCCFA“ HEIGHT=“240″
WIDTH=“320″>

<param name=“SRC“ value=“https://www.albinz.net/models/test.ram“>
<param name=“CONTROLS“ value=“ImageWindow“>
<param name=“CONSOLE“ value=“Clip1″>
<param name=“LOOP“ value=“0″>

<embed SRC=“models/test.ram“ type=“audio/x-pn-realaudio-plugin“ CONSOLE=“Clip1″ CONTROLS=“ImageWindow“ HEIGHT=“240″ WIDTH=“320″ AUTOSTART=“false“>
</object>

Das Problem: Nicht jeder hat für seinen Firefox die RealMedia-Plugins installiert.

Aber genug der Technik: Ich habe mir eine Herkules-Arbeit vorgenommen und werde so peu à peu auf Flash-Videos umstellen (mein Webhoster unterstützt mich dabei).

Und da ich in den letzten Monaten verstärkt mit diesem Blog beschäftigt bin, habe ich die Websites meiner Familie und mir doch sehr vernachlässigt. Auch da werde ich in nächster Zeit wieder etwas basteln müssen.

siehe auch meinen Beitrag: Real goes youtube

Robin Hood

Wer kennt sie nicht, die Sagengestalt Robin Hood, den Geächteten und Wegelagerer, der die Reichen ausraubt, um es den Armen zu geben. Mit seinen Gefährten versteckt er sich vor dem Gesetz, in Gestalt des Sheriffs von Nottingham, im Sherwood Forest. Der abenteuerliche Stoff blieb bis heute populär. Er wurde in Dramen, Romanen und Opern, seit dem 19. Jahrhundert auch in der Jugendliteratur und seit dem 20. Jahrhundert im Medium Film aufgegriffen.

Die bisher letzte Verfilmung von Robin Hood ist ein Historienfilm des Regisseurs Ridley Scott aus dem Jahr 2010 und erzählt eine fiktive Vorgeschichte zur eigentlichen Robin-Hood-Legende, reale historische Personen und Gegebenheiten aus dem 12. Jahrhundert wurden in die Handlung integriert.

England, um 1200. Das Land darbt. Die Armee reibt sich seit Jahren in fremden Landen in den verheerenden Kreuzzügen des Königs Richard Löwenherz (Danny Huston) auf, während die Bevölkerung zuhause am Hungertuch nagt und von der Krone mit überhöhten Steuern drangsaliert wird. Als Löwenherz im Kampf gegen die Franzosen fällt, besteigt sein inkompetenter und selbstherrlicher Bruder John (Oscar Isaac) daheim in England den Thron. Der Bogenschütze Robin Longstride (Russell Crowe) kommt mit seinen Mitstreitern Will Scarlett (Scott Grimes), Little John (Kevin Durand) und Allan A‘Dayle (Alan Doyle) einem Komplott auf die Spur: Der undurchsichtige Godfrey (Mark Strong) treibt ein doppeltes Spiel und versucht, sein Heimatland für den eigenen Vorteil zu verraten. Der in den Hinterhalt gelockte Edelmann Sir Robert Loxley (Douglas Hodge) ringt Robin auf dem Sterbebett ein Versprechen ab. Er soll sein Schwert seinem alten Vater in Nottingham überbringen, um seine Ehre zu retten. Robin willigt ein und trifft dort auf Lady Marion Loxley (Cate Blanchett), die von ihrem Schwiegervater Walter (Max von Sydow) dazu gedrängt wird, ihn, Robin Longstride, als ihren heimgekehrten Ehemann Robert Loxley auszugeben…

aus: filmstarts.de

Zunächst gab es für mich ein Wiedersehen mit Max von Sydow als Sir Walter Loxley. Max von Sydow wurde durch seine Mitwirkung in Filmen von Ingmar Bergman international bekannt. Ich erinnere mich noch an den Film Das siebente Siegel von 1957 – damals noch in schwarz/weiß (Filmausschnitt bei YouTube). Einer der letzten Filme mit ihm war Schnee, der auf Zedern fällt nach dem gleichnamigen Roman von David Guterson (Trailer bei YouTube), in dem er den Verteidiger Nels Gudmundsson spielt. Max von Sydow ist für mich einer der ganz großen Schauspieler.

Nun der Film ist jetzt auch als DVD Robin Hood erhältlich und ich habe ich mir am letzten Wochenende mit meinem jüngeren Sohn über Beamer im Keller angeschaut.


Robin Hood – Deutscher Trailer

Als ich im Vorfeld hörte, dass Russell Crowe den Titelhelden in dieser Neuverfilmung spielen sollte, war ich doch ziemlich überrascht. In seiner Rolle als Gladiator mochte er durchaus überzeugen, aber als Robin Hood? Nun da es in dem Film um die Vorgeschichte des Sagenhelden geht, ließ ich mich auf den zweieinhalbstündigen Film ein. Es ist ein Monumentalfilm alter Hollywoodgüte mit Schlachtszenen und einer gewissen epischen Breite. Max von Sydow habe ich bereits erwähnt. Cate Blanchett als schön-herbe Lady Marion zeigt durchaus einige Selbstironie, ihr Verhältnis zu Robin Hood ist weniger leidenschaftlich als pragmatisch, wie überhaupt der Film eher durch Realismus als Romantik und harte Actionszenen statt augenzwinkerndem Gaunercharme überzeugt.

Ein durchaus interessanter Gesichtspunkt ist die Schau auf die Mechanismen der Macht. Der neue König und Bruder des verstorbenen Richard Löwenherz, „Prinz“ John, erweist sich als inkompetenter, aber selbstherrlicher Herrscher und erinnert mich in vielen an manches Staatsoberhaupt im heutigen Europa (Italien, Frankreich). Er ist es denn auch, der Robin Hood ächtet und so in die Verbannung der Wälder von Sherwood Forest und Barnsdale Forest schickt. Damit endet der Film.

Ziviler Ungehorsam

Der Zug mit den Castor-Behältern ist inzwischen im Verladebahnhof Dannenberg angekommen, nachdem die Polizei die Schienenblockade von Castor-Gegnern halbwegs friedlich geräumt hat.

Unterdessen wettert unsere allseits geliebte Frau Bundeskanzlerin gegen die Anti-Castor-Aktionen. Das sei teils kein friedlicher Protest mehr, sondern einfach nur kriminell. Ich finde es schon „bemerkelswert“, wie hier verallgemeinert wird. Und das politische Kalkül will es wohl, dass alles in einem Topf geworfen wird oder Sack, auf den dann eingedroschen werden kann.

„Bemerkelswert“ ist es eben, wie Konflikte wieder aufgebrochen werden, die durch den verabschiedeten Atomausstieg längst befriedet waren. Wie fern jeder Realität hausen da Regierungsmitglieder in ihren Wolkenkuckucksheimen in Berlin und entscheiden über unsere Zukunft. Sicherlich sind Umfrageergebnisse keine Wahlergebnisse. Aber wie Merkel und Westerwelle Stimmungsbilder ignorieren, das ist schon keine Arroganz mehr, das ist Größenwahn.

Aber wie sollte es anders auch sein: Ein Kippen des bisherigen Atom-Konsenses durch Schwarz-Gelb war vorhersehbar. Die beabsichtigten Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken sind längst nicht der Weisheit letzter Schluss. Spätestens in drei Jahren, wenn Umfrageergebnisse doch zu Wahlergebnissen geworden sind, dürfte es die Umkehr von der Umkehr geben (aber dieses Hin und Her kann wirklich nicht der Sinn von Politik sein).

Ich will hier nicht philosophieren. Und es wäre fast schon anmaßend, sich auf Persönlichkeiten wie Gandhi oder Martin Luther King Jr. zu beziehen. Aber ich kann gut verstehen, wenn Tausende auf die Straße gehen, um gegen eine verantwortungslose Politik zu protestieren. Ziviler Ungehorsam heißt das Stichwort und beinhaltet auch einen bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen. Und wie anders als mit zivilen Ungehorsam können Bürger gegen politische Entscheidungen vorgehen, die zwar von einer mit Mehrheit gewählten Regierung verabschiedet, die aber nicht von einer Bevölkerungsmehrheit getragen werden.

Ziviler Ungehorsam ist per Definition mehr als Demonstration und Gesprächsrunde (die z.B. die Bundesumweltminister anbietet); es ist kalkulierte Regelverletzung symbolischen Charakters, die durch ihre Illegalität auf die Dringlichkeit des vertretenen Anliegens hinweisen soll. Ziel ist es, die Mehrheit durch Appelle an deren Gerechtigkeitssinn und die Einsichtsfähigkeit aufzurütteln. Und ziviler Ungehorsam richtet sich gegen „gesetzliches Unrecht“.

Das Problem ist nun aber die Frage, ob es sich z.B. bei den Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke (AKW) um solches Unrecht handelt. Die Bundesregierung verneint diese und stempelt jede Aktion wie z.B. das so genannte „Castor-Schottern“ als kriminell ab. Illegal ist dieses so oder so. Ähnlich verhält es sich auch bei den Sitzblockaden. Die Polizei war nur so großmütig, die Blockierer ziehen zu lassen.

Der Ausstieg aus der Atomkraft war beschlossene Sache und wurde durch die neue schwarz-gelbe durch Laufzeitverlängerungen bestehender Atomkraftwerke ausgehebelt. Man versteht sie als Brückentechnologie. Das bedeutet, das weiterhin hochradioaktiver Atommüll anfällt, der in Zwischenlagern wie in Gorleben 40 Jahre lang abkühlen muss. Ein Endlager für diesen Müll ist weiterhin nicht vorhanden. Inzwischen hat sich die Mehrheit der deutschen Bürger gegen diese Weiternutzung gewandt. Über die Risiken der Atomkraft brauche ich mich hier wohl nicht weiter zu äußern. Viele sehen es so als unverantwortlich an, alte AKWs länger als nötig betreiben zu lassen. In meinem Augen kommt das einem „gesetzlichen Unrecht“ gleich.

Die weitere Frage ist, mit welchen Mitteln, Aktionen usw. der zivile Ungehorsam durchzuführen ist. Ich will hier nicht zum Aufruhr aufrufen, obwohl mir manchmal danach zu Mute ist. Henry David Thoreau, der den Begriff prägte, protestierte u.a. gegen die Sklavenhaltung, indem er keine Steuern mehr bezahlte. Ähnlich könnte auch bei uns gegen die weitere Nutzung von Atomstrom vorgegangen werden. Eine erste und zudem völlig legale Maßnahme wäre es, den Stromanbieter zu wechseln (weg von den Energieriesen wie Eon und RWE) bzw. auf Öko-Strom umzusteigen. Das kann natürlich nicht genügen.

Um was es mir eigentlich geht: Jeder sollte sich fragen, ob er zum Vieh gehört, das man am Wahltag zur Urne schleifen kann, um es dann abzuschlachten, oder ob es Sinn macht, gegen Entscheidungen anzugehen, die unsere Zukunft und die unserer Kinder betreffen. Die Politik muss endlich begreifen, dass sie bei Themen wie Stuttgart21 und AKW-Laufzeitverlängerungen nicht am Bürger vorbei entscheiden kann.

Und: Wer den Bürgerwillen wohlweislich ignoriert, dem sollte nicht nur die politische Rechnung (Abwahl) vorgelegt bekommen, sondern der sollte auch auf andere Weise zur Verantwortung gezogen werden können. Wie das aussehen könnte, will ich hier offen lassen.

Maddy Prior: Woman In The Wings (1978)

In letzter Zeit habe ich mich mit den Jethro Tull Side Projects, gewissermaßen mit den Seitenlinien der Gruppe, beschäftigt (John Glascock (1951-1979), BassistZinc (Eddie Jobson): The Green Album). Maddy Prior, bekannt geworden durch die Folkrockgruppe Steeleye Span und durch Soloprojekte, gehört zwar nicht unmittelbar dazu, da sie nie für Jethro Tull, aber mit Bandmitgliedern gearbeitet hat.

Maddy Prior haben wir in diesem Blog vor längerer Zeit bereits einmal kurz kennen gelernt: Schottisches Märchen: Thomas der Reimer. Das Lied wurde Mitte der 70-er Jahre (1974) von der Folkrock-Band Steeleye Span (Maddy Prior: vocals; Peter Knight: violin, vocals; Tim Hart: acoustic guitar, vocals; Robert Johnson: electric guitar; Rick Kemp: bass, vocals; Nigel Pegrum: drums, recorder) auf deren LP “Now We Are Six” veröffentlicht. Es wurde in den Morgan Studios bei London aufgenommen. Ian Anderson von Jethro Tull zeichnete dabei als beratener Produzent und mischte auch den Ton ab.


Thomas The Rhymer / Steeleye Span

Aber es sollte nicht die letzte Zusammenarbeit von Maddy Prior und Ian Anderson bleiben. Maddy Priors erstes Soloalbum aus dem Jahre 1978 Woman in the Wings wurde dabei nicht nur unter der Mithilfe von Ian Anderson, sondern auch noch mit der weiterer Mitglieder von Jethro Tull erstellt. Die Herren Ian Anderson, David Palmer und Robin Black produzierten es für Salamander and Son Music Ltd., technischer Aufnahmeleiter war Robin Black im Maison Rouge – alles Hausmarken von Ian Anderson.

Hier erst einmal die Line-up und Setlist des Soloalbums von Maddy Prior – Woman in the Wings (1978):

Maddy Prior, vocals;
Andy Roberts, guitar [1, 2, 4, 5, 7, 9, 10, 11];
Barriemore Barlow, drums [1, 2, 4, 7, 8, 9, 10];
John Glascock, bass [1, 7, 9, 10];
David Palmer, keyboards [1, 3];
David Olney, bass [2, 4, 5, 8, 11];
Martin Barre, guitar solo [2];
Barry Booth, piano [2, 11];
Ian Anderson, flute [4];
John Halsey, drums [4, 5, 11];
Bob Gill, guitar [8];
Shona Anderson, Cherry Gillespie, backing vocals [10]

Arrangements by David Palmer;
Leader of Strings: Patrick Halling;
Leader of Brass: Don Morgan

1. Woman in the Wings (5.21)
2. Cold Flame (3.41)
3. Mother and Child (1.56)
4. Gutter Geese (3.33)
5. Rollercoaster (3.47)
6. Deep Water (2.19)
7. Long Shadows (3.36)
8. I Told You So (2.34)
9. Rosettes (3.32)
10. Catseyes (2.48)
11. Baggy Pants (2.57

Wer richtig hingeguckt hat, wird sich sicherlich über den Namen Shona Anderson wundern. Ja, es ist die Ehefrau von Ian Anderson und sie hat tatsächlich bei den so genannten Backing Vocals eines Liedes (Catseyes – siehe das letzte Video unten) mitgewirkt.

Shona Jacqueline Learoyd ist die zweite Ehefrau von Ian Anderson und mit diesem seit 1976 verheiratet. Beide haben zwei Kinder: James Duncan (hat als Schlagzeuger bei seinem Vater bei einigen Studioaufnahmen und auch bei Konzertauftritten ausgeholfen) und Gael (diese ist in der Filmbranche tätig und mit dem Schauspieler Andrew Lincoln verheiratet) – siehe auch meinen Beitrag: Ian Anderson privat.

Shona ist z.B. auch die „Jack-A-Lynn“ des gleichnamigen Lieder (siehe: Jethro Tull: Mother Goose/Jack-A-Lynn (7/131991)). Eine Abbildung von Shona Anderson finden wir auf der Rückseite des Covers zu „War Child“ (sie ist die Ring-Mistress mit dem schwarzen Zylinder auf dem Kopf). Außerdem stammt von ihr das Foto der Gruppe auf der Rückseite des Heavy Horses-Album. Heute arbeitet sie in der Verwaltung rund um die Gruppe.

Aber zurück zum Soloalbum von Maddy Prior. Es ist ein schönes Folkrockalbum mit einigen sehr schönen Liedern. Natürlich ist Maddy Prior keine Kate Bush, mit der Zeit wirkt ihre Stimme doch etwas ‚eintönig’. Bei dem Album sind vor allem auch die Arrangements von David Palmer erwähnenswert, der ja auch für Jethro Tull in dieser Richtung einigen interessanten Einfluss musikalischer Art genommen hat. Hier zunächst das Lied, zu dem Martin Barre, der Gitarrist von Jethro Tull, ein Solo beisteuert:


COLD FLAME (Maddy Prior & Martin Barre)

Und bei diesem Lied hat der Maestro Ian Anderson kurz einmal seine Flöte herausgeholt, um dem Lied mit seinen Flötentönen beizuspringen:


GUTTER GEESE (Maddy Prior & Ian Anderson)

Zuletzt das bereits angesprochene Lied, bei dem Shona Anderson als Begleitsängerin fungiert. Es klingt nach Karibik und fällt so etwas aus dem Rahmen dieses Albums:


Maddy Prior: Catseyes (1978)

Verblendung

Stieg Larssons Roman „Verblendung“ war 2008 das bestverkaufte Buch der EU, der Autor selbst avancierte zum weltweit zweitmeistgelesenen Autor. Doch der Journalist und Forscher im Bereich Rechtsradikalismus erlebte diesen Erfolg nicht mehr. Larsson starb am 9. November 2004 im Alter von nur 50 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Zu diesem Zeitpunkt waren drei von zehn geplanten Büchern über den aufrechten Wirtschaftsjournalisten Mikael Blomkvist vollständig fertiggestellt, zu drei weiteren gibt es Exposés und Manuskripte.

Verblendung ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stieg Larsson und der erste Teil der Millennium Trilogie (Verblendung – Verdammnis – Vergebung). Regie führte der Däne Niels Arden Oplev.

Vor mehr als 40 Jahren verschwand die junge Harriet spurlos vom jährlichen Treffen der Industriellenfamilie Vanger. Die Umstände lassen nur einen Schluss zu: Mord! Und noch schlimmer: Der Täter muss aus der eigenen Familie stammen. Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) quält das Schicksal seiner Lieblingsnichte noch heute, zumal er zum Geburtstag stets eine getrocknete Blume bekommt – genau wie ihm Harriet einst eine schenkte. Mit 82 Jahren dem Lebensende nahe, unternimmt der Patriarch einen letzten Versuch, die Wahrheit ans Licht zu zerren. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), der nach einem Artikel über den Industriellen Wennerström (Stefan Sauk) gerade wegen Verleumdung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde und vor dem beruflichen Aus steht, um für ihn auf Spurensuche zu gehen. In der Einsamkeit der verschneiten Insel Hedeby, auf der die Familie Vanger in aller Abgeschiedenheit lebt, macht sich Blomkvist an seine vermeintlich unlösbare Aufgabe. Doch dem hartnäckigen Journalisten gelingt das Unmögliche. Auf einem alten Foto entdeckt er einen Hinweis, außerdem lässt ihn eine mysteriöse Liste mit Namen und Nummern nicht mehr los. Da erhält er plötzliche und unerwartete Unterstützung von der Hackerin Lisbeth Salander (Noomi Rapace)…

aus: filmstarts.de

Die Adaption eines Romans für die Leinwand stellt Drehbuchautoren immer wieder vor die Frage, wie nah sie an der Vorlage bleiben sollen und wie frei sie mit ihr umgehen dürfen. Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg halten sich weitestgehend an Larssons Roman und beschränken sich in erster Linie darauf, dessen Handlung in ein filmtaugliches Format zu bringen. Dazu sind natürlich auch einige Kürzungen und Vereinfachungen nötig. Zum Beispiel wird die erzählte Zeit einfach halbiert, die ersten Fortschritte macht Blomkvist im Film recht schnell und nicht erst – wie im Roman – nach einigen Monaten. Auch der private Hintergrund der Figuren wurde ein wenig vereinfach oder geändert. Blomkvist erlebt im Buch etwa immer wieder sexuelle Abenteuer, die im Film aber nur mit vorsichtigen Verweisen angedeutet werden. Nebenhandlungsstränge wie die Rettung der vor dem Bankrott stehenden Wirtschaftszeitung „Millennium“ oder die Auseinandersetzung mit dem Industriellen Wennerström werden weggelassen oder in nur wenigen Minuten schnell abgearbeitet. Um eine noch akzeptable Laufzeit zu erreichen, müssen mitunter eben Figuren zusammengelegt oder entfernt und Handlungsabläufe verändert werden. Deshalb findet auch die Zusammenkunft von Blomkvist und Salander in leicht abgeänderter Form statt. Am Kern des Buches rühren die Autoren hingegen nicht. „Verblendung“ ist nicht nur ein düsterer Thriller über grausame Verbrechen, sondern auch ein Film über die Beziehung eines ungleichen und höchst ungewöhnlichen Ermittlerduos. Schließlich waren es schon in Romanform diese beiden Charaktere, die den größten Reiz von „Verblendung“ ausmachten.

Die Film-DVD Verblendung habe ich schon seit Anfang des Jahres bei mir liegen. Erst jetzt habe ich mir den Film angeschaut (die beiden weiteren Filme sind inzwischen auch als DVD erhältlich), um mir alle drei Filme möglichst zeitnah zu betrachten.


Stieg Larsson – VERBLENDUNG – Trailer

Eindeutig im Mittelpunkt des Films Vergebung steht für mich die punkige Hackerin Lisbeth Salander (nicht umsonst heißt der englische Titel: The Girl with the Dragon Tattoo), die von Noomi Rapace kongenial dargestellt wird. Lisbeth ist eigentlich eine zierliche 24-jährige Frau, die wegen ihrer gewaltreichen Kindheit unter Vormundschaft steht. Sie hat einiges durchzustehen, aber ihr starker Charakter gibt ihr die Kraft, die Probleme auf ihre Weise zu lösen, wenn es manchmal auch eine Art von Selbstjustiz ist.

Der Originaltitel „Män som hatar kvinnor“ (wörtliche Übersetzung: Männer, die Frauen hassen) sagt etwas mehr über das Sujet des Films aus. Es geht um eine Vielzahl von Morden an Frauen. Das Motiv für diese Morde erinnert mich in modifizierter Form an den kleinen Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht. Es geht um Macht, die man über andere Menschen ausübt, um eine gottähnliche Macht über Leben und Tod. In diesem Film ist sie sexuell begründet und gegen Frauen gerichtet. Lisbeth Salander erscheint so als eine Racheengel.

Ich habe eine Vorliebe für gute Krimis. Es muss aber vor allem die Psychologie stimmen. In diesem Film stimmt diese besonders bei den beiden Hauptpersonen uneingeschränkt. Da nehme ich auch in Kauf, dass es einige logische Schwächen gibt. Ingesamt weist der Film eine ungemein dichte, düstere Atmosphäre auf. Die Landschaftsbilder tragen dazu bei. Aber es ist nichts für schwache Nerven. Die manchmal äußerst grausamen Bilder (FSK 16) sind allerdings nicht Selbstzweck, sondern verdeutlichen nur, welche Bestie in manchen Menschen steckt. Allein dieses Wissen ist Schrecken genug.

Der Film kommt vor allem ohne jene große Action aus, die viele amerikanische Filme dieser Art prägen. Von daher halte ich es jetzt schon für überflüssig, wenn die Millennium-Trilogie noch einmal (beginnend mit The Girl with the Dragon Tattoo/Verblendung) mit Rooney Mara als Lisbeth Salander und Möchtegern-007 Daniel Craig als Mikael Blomkvist in amerikanischer Produktion verfilmt wird (Regie: David Fincher, u.a. Der seltsame Fall des Benjamin Button).

Wenn mir eines am Film vielleicht nicht gefallen hat, dann das Ende. Da sehen wir Lisbeth Salander, schick gekleidet, wie sie das Konto des kriminellen Unternehmers Wennerström auf den Kaimaninseln plündert. Das mag als eine Art Gag gelten, ist mir dann aber schon wieder etwas zu ‚amerikanisch’.

Der Witzableiter (21): Die Lust an der Angst

Fortsetzung von: (20): Die Angst vor der Lust

In der Kolumne „Der Witzableiter“ von Eike Christian Hirsch, die 1984 im ZEITmagazin erschien, geht es heute um makabre Witze – und damit um die Lust an der Angst. Herr Hirsch kannte da noch keine Schlitzerfilme, wie sie heute im Programm stehen. Was hätte er dazu wohl geäußert?

Das Buch zur Kolumne: Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter: Oder Schule des Lachens

Schwere Panne bei den Außenaufnahmen zu einem Western. Aus Versehen wurde ein Revolver verwendet, der scharf geladen war. Der Hauptdarsteller sinkt tödlich getroffen zu Boden. Da springt der Regisseur auf und schimpft: „Stopp, stopp! Charly, laß dich doch nicht einfach umkippen wie ein Sack Hafer.“

Witze, das weiß man, treiben mit Entsetzen Scherz. Sie machen uns Angst und Lust zugleich. Das letzte Mal hatten wir ja nur die harmlose Angst vor Strafe am Wickel. Bei den grausamen und gruseligen Witzen aber steht auch unser eigener Tod zur Debatte. Fragt sich nur, warum wir ihn zum Thema machen.

Zwei Patienten beschweren sich bei der Nachtschwester, daß ihr dritter Mitpatient so entsetzlich röchelt. Sie machen den Vorschlag, den Schwerkranken ins Sterbezimmer zu verlegen. Da lächelt die Nachtschwester etwas verwirrt und sagt: „Aber, meine Herren, das ist doch das Sterbezimmer.“

Wie der Witz das Kunststück fertig bringt, ein angstbesetztes Thema zum Lustspiel zu machen, ist nach wie vor ein Rätsel. Vielleicht liegt es an der Freude, die wir empfinden, wenn wir bemerken, daß der Schreck doch harmlos war, die Angst nachläßt. „Tut mir leid“, sagt der Chirurg, „aber ich muß Ihnen beide Beine abnehmen.“ „Herr Doktor, wenn Sie das tun, setze ich nie wieder einen Fuß über Ihre Schwelle!“

Das ist es wohl: Scherze erleichtern uns, die Befangenheit abzuschütteln. Man sagt von jungen Medizinstudenten, sie machten sich im Seziersaal über die Leichen lustig, um das Gruseln zu vertreiben. Solch ein Lachen ist wie das Pfeifen im dunklen Wald. Aus dem gleichen Grunde lachen Kinder manchmal über eine Behinderung, die sie erschreckt. Der holländischer Soziologe Anton Zijderveld kommt in seinem Buch über den Humor auch auf den makabren Witz zu sprechen und erzählt diesen:

Ein Mann, der gerade Vater geworden ist, hört vom Arzt, daß nicht alles nach Wunsch verlaufen sei. Der Vater will sofort sein Kind sehen und wird in eine Sonderabteilung gebracht. Dort haben die Neugeborenen alle schwere Behinderungen, aber keins davon ist sein Kind. Auch nicht das Baby ohne Gliedmaßen. Das nächste Bett beherbergt nur einen Kopf. Der Doktor teilt mit, auch das sei nicht sein Kind, und führt ihn zum letzten Bettchen. „Hier ist es“, sagt er. Der Vater sieht nur ein Auge, das ihn anstarrt. Er gibt sich einen Ruck, beugt sich über das Bettchen, winkt mit den Armen und sagt: „Tralalalala!“ „Das hat keinen Sinn“, sagt der Arzt, „Ihr Kind ist blind.“

Dieser Witz verletze „einige fundamentale Tabus“, meint der Soziologe Zijderveld; aber er entschuldigt Leute, die so etwas erzählen, mit den Worten: „Wenn wir wirklich grausam wären, würden uns Gruselwitze wahrscheinlich kaum ansprechen.“ Man könnte hinzufügen: Gerade wer Angst vor Grausamkeiten hat, will sich mit solchen Geschichten an die Angst gewöhnen. Etwa mit diesem Beispiel: „Mutti, wann gibt’s mal wieder Zunge zu Mittag?“ „Hng, hngg, hngg!“

Witzableiter (21)

Daß man seine Angst genießen kann, ist uns allen aus Krimis und Gruselfilmen geläufig. Der „Angstlust“, etwa bei Achterbahnfahrten, hat der Psychoanalytiker Michael Balint sogar eine eigene Untersuchung gewidmet. Solche Angstpartien gäben Gelegenheit, ein Trauma „in erträglichem Ausmaß zu wiederholen“, schreibt Balint. Eben, „erträglich“ muß die Dosierung der Angst sein, das ist die Quelle der Lust.

Ein Passagier zu seinem Nachbarn: „Haben Sie das gelesen? Die Zeitung berichtet von einem weiteren Flugzeugunglück.“ „Ja, ich habe es gelesen. Wir stehen auf der Liste der Toten.“

In einer Diskussion über die „Lust an der Angst“ meinte der Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter, es sei eben „entlastend“, wenn man eine Lage aktiv herbeiführe, von der man, erlebt man sie passiv, überwältigt würde. Darum seien Schauergeschichten so beliebt.

In der gleichen Debatte erinnerte sich Konrad Lorenz sogar an reale Gefahren: „Meine Freude am Tauchen in Florida beruht zum Teil auf meiner entsetzlichen Angst vor Barracudas. Es ist wunderschön, mit ihnen zu spielen. Wann werden sie böse, wie weit darf ich hin?“ Wir anderen Sterblichen begnügen uns damit, die Existenzangst im Witz anklingen zu lassen. Auch wir wahren dabei die Fluchtdistanz.

Im Krankenhaus sagt der Elektriker zum Patienten, der in der Eisernen Lunge liegt: „Atmen Sie bitte tief durch, ich muß mal für zehn Minuten den Strom abstellen.“

Ich glaube, dieser kleine Schrecken, diese Existenzangst ist lustvoll, weil wir nur betroffen, aber nicht wirklich getroffen sind. Wir spüren das gleiche wohlige Kribbeln, das angenehme Grauen wie im Fernsehsessel. Eine Art Verhaltenstherapie, eine dosierte Impfung. Mehr nicht.

Der Schwerverbrecher Joe aus dem Zentralgefängnis von Illinois darf mit seinem Anwalt telefonieren. „Hören Sie, Boß, hier geht was Komisches vor“, sagt er, „heute früh haben sie mir die Hosenbeine an der Seite aufgeschnitten und die Rockärmel an den Handgelenken auch. Was hat das zu bedeuten?“ „Danke, ich verstehe schon, mein Guter“, sagt der Anwalt. „Da kann ich Ihnen nur den Rat geben: Wenn man Ihnen morgen einen Stuhl anbietet, bleiben Sie stehen!“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 48/1984

[Fortsetzung folgt]

Die fetten Jahre sind vorbei

Vor knapp fünf Wochen schrieb ich in diesem Blog (Desolat und desaströs): „Für Fans des SV Werder Bremen sind das jetzt schwere Wochen. Und ich fürchte, dass es eine schwere Saison wird.“ … und „… zur wirklichen [europäischen] Spitze ist der Weg weit – und wird auch in diesem Jahr lediglich Traum bleiben.“ Die symbolische Aktion des Gehältereinfrierens zeitigte nur kurz Erfolg. Die letzten acht Tage belegen nun: Beim Fußballbundesligisten Werder Bremen sind die fetten Jahre vorbei. Mit meinen Mutmaßungen über Werder hatte ich also furchtbar Recht.

Zunächst war da vor einer Woche das unglückliche Ausscheiden im DFB-Pokal beim FC Bayern München. Dann am letzten Samstag der Rückschlag in der Bundesliga mit einer 2:3-Niederlage zu Hause gegen Nürnberg. Und nun gestern die 0:2-Niederlage in der Champions League zu Hause gegen Twente Enschede und damit wohl auch das Ende aller Europa-Pokal-Träume.

Was sind die Ursachen für diesen Absturz? Glück und Pech gehören zum Leben. Es ist eine Pechsträhne, die Werder anhängt. Das beginnt mit den einzelnen Auslosungen zu den Pokalwettbewerben, z.B. die Qualifikation zur Champions League (Play-off): Mit Sampdoria Genua erwischte Werder einen der stärksten Gegner. Dann die Auslosung zur Gruppenphase der Champions League: Mit Inter Mailand (Titelverteidiger), FC Twente Enschede (niederländischer Meister) und Tottenham Hotspur hätte es kaum dicker kommen können. Und dann schon in der 2. Runde des DFB-Pokals als Gegner den FC Bayern in München.

Und neben dem vielen Verletzungspech kommt natürlich reichlich viel Pech im Spiel hinzu – Beispiel DFB-Pokalspiel in München gegen die Bayern: Da wird den Bremern ein reguläres Tor nicht anerkannt. Und obwohl sich die Bremer gerade in der 2. Halbzeit als das bessere Team erweisen, schießen die Bayern das spielentscheidende Tor zum 1:2.

Aber gerade dieses Spiel ist auch symptomatisch für eine andere Tatsache, die Chancenausnutzung. Was da die Bremer an Tormöglichkeiten versemmelten, war für jeden Fan nicht anzusehen. Allein Arnautovic vergab innerhalb von fünf Minuten drei große Chancen. Wer solche Möglichkeiten auslässt, darf sich nicht wundern, wenn es am Ende zum Sieg nicht reicht.

Ein ebenso wesentlicher Grund ist die Leistungsbereitschaft mancher Spieler. In vielen Spielen war die Einstellung einiger Spieler einfach nur mangelhaft. Oder man (nochmals Arnautovic) wollte es beim Torschuss einfach „zu schön“ machen und machte es dem gegnerischen Torwart nur „zu einfach“.

Ein weiterer Punkt ist das Unvermögen einiger Spieler. Problemzone Abwehr. Als zz. zweitschlechteste Abwehr der Bundesliga zeigen einige Spieler, dass sie einfach überfordert sind. Wenn z.B. Mikael Silvestre als linker Verteidiger an der Torauslinie herumdümpelt und damit das Abseits beim Ausgleichstreffer der Bayern in DFB-Pokalspiel aufhebt, obwohl er in keiner Weise ins Spiel eingreifen konnte, dann ist das gerade für diesen Routinier ein Armutszeugnis erster Klasse. Überhaupt Silvestre: Immer wieder zeigt sich, dass der 33-jährige läuferisch einfach nicht mehr mithalten kann. So hat der Werder-Trainer, Thomas Schaaf, im Spiel gegen Enschede wohl nicht ohne Grund Prödl auf den linken Verteidigerposten gestellt und Frings ins Abwehrzentrum beordert, was dem aber auch nicht besonders bekam (rote Karte wegen einer Notbremse).

Die Katastrophenwoche für die Bremer Rumpftruppe (Tim Wiese, Naldo, Clemens Fritz, Petri Pasanen und Sebastian Boenisch fehlten) ist damit perfekt. Nach dem Pokal-Aus in München und der Heimpleite gegen Nürnberg liegen die Bremer völlig am Boden. Selbst die Qualifikation für die Europa League ist durch die Pleite in weite Ferne gerückt. Vielleicht hat es wenigstens das Gute, dass sich Werder nun allein auf die Bundesliga konzentrieren kann. Aber um für die nächste Saison doch noch einen Platz im europäischen Fußballkonzert zu sichern, muss endlich die Abwehr stabiler und die Chancenauswertung erhöht werden. Sonst drohen magere Jahre.

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 26

Erste Street View Bilder aus Deutschland sind live

Es ist soweit: Die ersten Bilder von Google Street View sind für Deutschland verfügbar. Neben einigen Sehenswürdigkeiten (u.a. Köhlbrandbrücke, Hamburg) ist Oberstaufen/Oberallgäu in Bayern als erster Ort in Deutschland komplett via Street View zu betrachten.


Oberstaufen/Oberallgäu/Bayern

Schriftsteller Harry Mulisch gestorben

Er galt als einer der „Großen Drei“ der niederländischen Literatur. Vor allem sein Roman „Die Entdeckung des Himmels“ machte Harry Mulisch weltbekannt. Jetzt ist der 83-Jährige in Amsterdam an Krebs gestorben.

siehe auch meinen Beitrag: Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels

Bahn will Y-Trasse auf den Weg bringenNiedersachsen gibt zehn Millionen für Y-Trasse

‚Niedersachsen ist einer der führenden Logistikstandorte in Europa. Es ist daher zwingend, die zentralen Verkehrsprojekte zügig voranzutreiben‘, erklärte Ministerpräsident David McAllister (CDU) vor allem mit Blick auf die Hafenhinterland-Anbindungen. ‚Wir brauchen das Y‘, bekundete Bahnchef Rüdiger Grube klipp und klar. Bis 2014 sollen die Planungen abgeschlossen werden.

Die Planungen der seit Jahrzehnten diskutierten Y-Trasse sollen nach den Worten von Bahn-Chef Rüdiger Grube jetzt beginnen. Die Neubaustrecke zwischen Hannover und Hamburg, von der ein Ast nach Bremen führen soll, könne bis 2020 fertig sein, sagte Grube am Montag nach dem Bremer Bahngipfel.

Siehe hierzu ältere Web-Kommentare auf www.albinz.net:

Ein leidiges Thema ist besonders die Planung der DBAG rund um die sogenannte Y-Trasse! Die Deutsche Bahn AG plant(e) nämlich eine zusätzliche Hochgeschwindigkeitsstrecke, die von der Strecke Hamburg – Bremen in Variante 1 von Rotenburg und in Variante 2 gleich hinter Tostedt aus Richtung Hannover führen soll(te). Angepriesen wurde das mit den ‚Vorteilen‘, die die Umsetzung dieses Vorhabens für die Anwohner unserer Region haben solle! Im Resultat würde der Neubau dieser sogenannten Y-Trasse zu den bereits rund 260 Zügen, die an Tostedt vorbeidonnern (und selten halten), weitere 200 und mehr Züge täglich ‚bescheren‘. Hinzu käme in der Tostedter Variante ein mehrere Meter hoher Bahndamm, der durch das Naturschutzgebiet „Obere Wümmeniederung“ führen sollte. Lärmschutzmaßnahmen waren/sind dagegen nicht eingeplant, da die Bahn für ihr damals mit 2,2 Milliarden DM und mehr veranschlagtes Vorhaben keine Erheblichkeit durch zusätzliche Lärmbeeinträchtigungen sah. Und das Ganze, um den ICEs zwischen den Richtungen Hamburg und München einige Minuten Fahrzeit zu ersparen.

Durch gravierende Fehler im Entwurf und sicherlich auch durch den massiven Widerstand der betroffenen Anwohner ist das Vorhaben erst einmal auf Eis gelegt. Und durch die sich abzeichnenden Verluste der Deutschen Bahn AG kann man nur hoffen, dass die Planungspapiere in irgendeiner Schublade verstauben werden. Aber wie ist das mit den Pferden vor der Apotheke?

Januar 2001

Ich habe es vorerst nur aus zweiter Hand: Angeblich soll das Raumordnungsverfahren (Hochgeschwingigkeitstrasse der Deutschen Bahn AG, allgemein Y-Trasse genannt) abgeschlossen sein. Danach hat man sich für die ‚billigste‘ aller drei Varianten, Variante 1 über Rotenburg/Wümme, entschieden. Wir in Tostedt sind dann durch die zusätzlich auf der Strecke Hannover – Rotenburg – Hamburg eingesetzten Züge betroffen, wenn es denn einmal dazu kommen sollte.

5. Juni 2002

Gruseltour in Edinburgh: Wenn Geister wieder lebendig werden

Auf einem Felsen thront eine Drakulaburg, die Innenstadt erinnert an die Kulisse eines Gruselfilms. Gespenstertouren sind in Edinburgh Trend. Wer richtig mutig ist, lässt sich unter das Gewirr aus Gassen und Hinterhöfen führen – und lernt das Fürchten: Edinburgh, die Hauptstadt Schottlands.

Prince of Persia

Prince of Persia: Der Sand der Zeit ist ein US-amerikanischer Action-Abenteuerfilm mit Fantasyelementen aus dem Jahr 2010, der auf dem gleichnamigen Videospiel der populären Prince of Persia-Reihe basiert. Regie bei der Videospielverfilmung führte Mike Newell, die Hauptrolle wurde von Jake Gyllenhaal gespielt. Der Film ist jetzt auch als DVD Prince of Persia: Der Sand der Zeit erhältlich.

Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) war nicht immer ein Mitglied der Herrscherfamilie. Erst als Junge wurde er von König Sharaman (Ronald Pickup) adoptiert, weil dieser auf dem Markplatz mitbekam, wie der verwaiste Dastan große Menschlichkeit und Mut bewies. Seitdem kümmert sich Nizam (Ben Kingsley), der Bruder des Königs, um den Unterricht des Prinzen. An der Seite seiner Brüder Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) führt Dastan nun die persische Armee an, die gerade die heilige Stadt Alamut belagert, die angeblich Waffen an die Feinde Persiens verkaufen soll. Beim Überfall auf die Stadt fällt Dastan ein geheimnisvoller Dolch in die Hände, über den er bald herausfindet, dass er mit ihm die Zeit für einige Sekunden zurückdrehen kann. Die Eroberung verläuft erfolgreich und Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) kann in ihren Gemächern festgesetzt werden. Doch dann wird König Sharaman vergiftet und Dastan als Hauptverdächtiger der Tat beschuldigt. Gemeinsam mit Tamina flieht er aus Alamut, um seine Unschuld zu beweisen und eine Verschwörung aufzudecken, die nichts Geringeres als das Ende der Welt bedeuten könnte…

aus: filmstarts.de

„Prince Of Persia: Der Sand der Zeit“ ist kurzweilige Fantasy-Kost mit einer überraschenden Performance von Action-Neuling Jake Gyllenhaal, der mit wilder Mähne, kantigem Dreitagebart und extra für den Film antrainierten Muskelbergen auftritt. Dabei vernachlässigt er durchaus nicht seine sonstigen Vorzüge, seinen jungenhaften Charme und seinen verschmitzten Humor. Daneben finden wir in dem Film das Who is Who der britischen Schauspielszene. Die in diesem Jahr voll durchstartende Gemma Arterton steuert die nötige Exotik bei, Sir Ben Kingsley spielt seine Qualitäten als erfahrener Shakespeare-Darsteller aus, und Alfred Molina ist als Scheich mit einer Vorliebe für Strauße für die humorvollen Momente zuständig. Das alles sind löbliche Auftritte, doch leider sind die Charaktere im Drehbuch nur recht oberflächlich angelegt, so dass die durchweg starken Darsteller kaum Möglichkeiten haben, in die Tiefe zu gehen.


Prince of Persia – Der Sand der Zeit – Deutscher Trailer

Und obwohl die Intrigen in der Herrscherfamilie geradezu die Ausmaße einer klassischen Tragödie annehmen und die angeblichen Waffenlieferungen Alamuts für einen Hollywood-Unterhaltungsfilm ungewöhnlich politische Konnotationen an die fehlenden Massenvernichtungswaffen im Irak heraufbeschwören, wollen sich die Episoden nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen. Spannungsbögen bleiben deshalb meist auf einzelne Szenen beschränkt, die zerfahrene Story verhindert so einen wirklich großen Wurf.

Sieht man von diesen Schwächen der Dramaturgie einmal ab, so wird durch phänomenale Panoramen wenigstens ein Teil wieder ausgeglichen. Das Filmteam hat keine Kosten und Mühen gescheut, um in Marokko bei über 45 Grad Celsius und in einer Höhe von über 2.000 Metern das alte Persien wieder auferstehen zu lassen. Zumindest was das Visuelle angeht, wird die Verfilmung der Vorlage also absolut gerecht. Das zeigt sich besonders, wenn man den Film im Kino – oder zu Hause z.B. per Beamer mit 5.1-Ton sieht und hört. Denn das Visuelle entfaltet sich nur auf großer Leinwand bzw. großem Bildschirm. Dann ist der Film recht gute Unterhaltung , also bestes Popcornkino a la Hollywood.