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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Der Pharao ist da

Obwohl politisch eigentlich unbedeutend, so ist Tutanchamun der wohl bekanntes altägyptische Pharao, der etwa von 1332 bis 1323 v. Chr. regierte. Bekannt wurde er durch die Entdeckung seines nahezu ungeplünderten Grabes (KV 62), das Howard Carter 1922 im Tal der Könige entdeckte.

Goldene Totenmaske des Tutanchamun

Die Grabkammern des Tutanchamun sind jetzt in einer spektakulären Rekonstruktion vom 01. Oktober 2009 – 31. Januar 2010 in der Alten Oberpostdirektion am Stephansplatz (Eingang Dammtorwall 8 ) in Hamburg zu sehen. Die Ausstellung zeigt die weltweit einzigartige Originalnachbildung des faszinierendsten Grabmals der Menschheit mit seinen Schätzen in Museumsqualität. Sie bietet die Gelegenheit, das Grab dreidimensional in seiner originalen Fundsituation zu erleben. Im Eintrittspreis inbegriffen ist eine Hörführung.

Von Bündnisse, Feindschaften und Vereinsfarben

Neben lokalen Rivalitäten zwischen Fußballvereinen, die sich in sogenannten Lokalderbys bündeln – ich denke da z.B. an die Hanseatische Rivalität zwischen Werder Bremen und dem HSV -, gibt es Wettstreite, die fast in Feindschaften enden. Auf Hamburg bezogen muss man wohl von einer innigen Feindschaft zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli sprechen.

Fans des FC St. Pauli

Während die Rivalität zwischen Werder Bremen und dem HSV im Wesentlichen sportlich begründet ist, so beruht die Abneigung zwischen den HSV-Fans und denen des FC St. Pauli auf wirtschaftliche und politische Gründe. Der HSV gilt als Bonzenverein; der FC St. Pauli ist der Verein des kleinen Mannes. So gelten die St. Pauli-Anhänger, die Ultras, als politisch linksgerichtet.

Neben solchen Feindschaften pflegt die Fangemeinde aber aufgrund vieler Gemeinsamkeiten Freundschaften zu den Fans anderer Clubs. Und so kann es kommen, dass St- Pauli-Fans sich auch in der Arena des HSVs versammeln, weil sie die Anhänger z.B. des israelischen Vereins Hapoel Tel Aviv (Hapoel steht hebräisch für Arbeiter) gegen den HSV unterstützen, denn zwischen beiden Fangruppen (wie übrigens auch zwischen St. Pauli und Celtic Glasgow, die wiederum in einer langjährigen Feindschaft mit Glasgow Rangers stehen) besteht eine Bindung, die über das üblich Sportliche hinausgeht: Linksbündnis im Gästeblock

Manchmal bestimmen auch die Vereinsfarben, ob es Affinitäten zwischen den Anhängern verschiedener Vereine gibt. Werders Grün-Weiß findet sich z.B. auch in den Farben von Celtic Glasgow wieder oder beim SA Saint-Étienne. Während meines Urlaubs 2005 mit meiner Familie in Schottland sprach uns in Edinburgh in einem Supermarkt ein Mann an, der ein Trikot von Celtic Glasgow trug und uns fragte, woher wir kämen. Er hatte vernommen, dass wir Deutsche sind. Ich erklärte es ihm und verwies u.a. auf die Stadt Bremen, die in der Nähe liegt. Als ich dann noch zugeben musste, dass ich mehr oder weniger Fan des SV Werder Bremen bin, waren wir gleich die besten Freunde. Natürlich wusste er, das Werder die gleichen Vereinsfarben wie Celtic hat.

Dauerwerbesendung

Geht Gottschalk bald in Rente?

Wenn Stefan Raab z.B. seine Berichterstattung von der von ihm kreierten Wok-Weltmeisterschaft, bei der Prominente aus der dritten Reihe mit einem Kochgerät aus China eine Bobbahn herunterfahren, im Fernsehen als Dauerwerbesendung deklarieren muss, da die Teams von Firmen gesponsert werden und dies permanent im Bild zu sehen ist, dann müsste nach meiner Meinung auch beim Herrn Thomas Gottschalk in der ZDF-Sendung „Wetten, dass ..?“ ständig eingeblendet werden, dass es sich hierbei um eine Werbesendung handelt.

So gestern Abend in „Wetten, dass..?“: Die so genannten Music Acts traten in erster Linie auf, um ihre neuesten CDs vorzustellen. Andere Gäste waren anwesend, um ihre filmischen Produkte („Demnächst in diesem Kino!“) anzupreisen. Dem nicht genug: Der Wettkönig des Abends gewann entgegen früheren Sendungen diesmal ein durchaus sportliches Vehikel einer Automarke, die mindestens zehnmal an diesem Abend namentlich erwähnt wurde.

Wetten, dass..?

Wenn das also keine Dauerwerbesendung ist, dann weiß ich nicht. Und das noch auf Kosten der Gebührenzahler.

Und der absolute Knaller: Mit der gestrigen Sendung hat Thomas Gottschalk eine Assistentin an seiner Seite: Michelle Hunziker, die Schweizerin, die Ex-Gattin von Eros Ramazotti und Ex-Moderatorin u.a. im italienischen Fernsehen (Berlosconis Haussender), die fünf Sprachen spricht (deutsch dabei eher leidlich) und bereits in „DSDS“ mehr durch ihre nervige Art als durch Fachkompetenz aufgefallen war. Soll sie vielleicht so peu a peu als Nachfolge von Thomas Gottschalk eingeführt werden? Bereitet sich dieser so langsam auf seine Rente vor?

So populär „Wetten, dass..?“ auch sein mag; zu Recht wird sie als klassisches Beispiel genannt, wenn es um die Vergeudung von Fernsehgebühren geht, denn der technische und personelle Aufwand ist enorm. Außerdem ist die Gage, die Thomas Gottschalk für jede Sendung bekommt, etwa in Millionenhöhe. Für mich stört besonders die einseitige Ausrichtung der Sendung auf die Person Gottschalk, der uns zudem die ewig gleichen Gäste serviert (Iris Berben, Veronica Ferres, Herbert Grönemeyer, Peter Maffay, selbst der bereits erwähnte Eros Ramazzotti war bisher siebenmal zu sehen, usw. – man kann sie nicht mehr sehen).

Die Berliner Mauer

Vor 20 Jahren begann um diese Zeit die Berliner Mauer zu wanken. Über die Botschaft in Prag, Budapest und Warschau reisten Hunderte von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik Deutschland aus. Am 9. November 1989 erfolgte dann der Fall der Mauer.

Auf westlicher Seite diente die Berliner Mauer die Jahre davor gewissermaßen als Gesamtkunstwerk. Sie wurde mit Streetworks und Graffiti bemalt und besprüht und so ‚unfreiwillig’ zu einer Touristenattraktion. Folgendes Video zeigt einige Kilometer der Mauer:


Berlin: Einige Kilometer der Mauer

Dienstjubiläum

Hätte mir damals einer gesagt, dass ich auch nach zwanzig Jahren noch beim gleichen Arbeitgeber arbeiten würde, ich hätte nur gelacht. Jetzt ist mir das Lachen vergangen: Heute habe ich mein 20-jähriges Dienstjubiläum, arbeite also seit dem 1. Oktober 1989 (vor gefühlten 1000 Jahren also) bei einer karitativen Organisation in Hamburg. Was zunächst befristet als eine Art Aushilfsjob begann, setzte sich als Festanstellung fort. Natürlich arbeite ich heute auf einem anderen Arbeitsplatz und bekomme wohl auch ein wenig mehr Geld für meine Tätigkeit als vor 20 Jahren. Aber nie wäre ich damals davon ausgegangen, so lange (und wohl noch etwas länger) im gleichen Haus zu arbeiten.

Mein Arbeitsplatz

In diesen 20 Jahren hat sich natürlich viel getan. Ich habe geheiratet und inzwischen zwei Söhne, die mir über den Kopf gewachsen sind. Auch habe ich inzwischen meinen Wohnsitz gewechselt – aber seit nunmehr 18 ¾ Jahren sitze ich Tag für Tag am gleichen Schreibtisch. Vor 20 Jahren war natürlich auch politisch einiges los in Deutschland. Ein Kollege von mir (inzwischen in Rente) war einer der DDR-Bürger, die über die Prager Botschaft den Weg in den Westen fanden. Und dann kam der 9. November 1989, der Tag, an dem die Berliner Mauer „fiel“ und die „Wende“ in der DDR einleitete, die zur deutschen Wiedervereinigung führte.

Nun denn, damals dachte ich längst noch nicht an Rente, Altersteilzeit und Ruhestand, wie man den Lebensabschnitt nach dem Arbeitsleben nennt. Heute sieht das schon anders aus. Ich gehöre zu einem Jahrgang, der Altersteilzeit in Anspruch nehmen kann. Dafür muss ich mich aber bis zum Jahresende entschieden haben (Finanziell gefördert wird die Altersteilzeit von der Agentur für Arbeit, soweit sie spätestens am 31. Dezember 2009 angetreten wird und der Arbeitnehmer das 55. Lebensjahr vollendet hat). Ich überlege noch …

Tostedt: Töster Flohmarkt 2009

Am Samstag (trotz Feiertag) ist es wieder soweit: In Tostedt startet Norddeutschlands größter Flohmarkt, den es bereits seit 1973 gibt, mit rund 700 Ausstellern, die sich auf ca. 6.580 Meter Standfrontfläche (hübsches Wort) verteilen: Töster Markt.

Natürlich ist meine Frau mit ihren Damen wieder dabei (gehört ja zur Tradition), und sie hat inzwischen unser Haus auf den Kopf gestellt, um noch etwas Verkaufenswertes zu finden. Veranstalter ist übrigens der Werbekreis Tostedt, der sich auch um alles Organisatorische kümmert (Flohmarkt-Plan).

Leider sind die Wetteraussichten zz. bangig bescheiden (wie man hier so sagt): Regen bis hin zu Regenschauer ist angesagt. Aber auch Regen gehört schon fast zur Tradition des Tostedter Flohmarkts. 2001 war es da schon etwas angenehmer, wie folgendes Video zeigt:


Flohmarkt in Tostedt 2001

Insel Neuwerk im Wattenmeer: Die Flut kommt (Juli 2009)

Die Insel Neuwerk [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] liegt im Hamburgischen Wattenmeer, das durch die Gezeiten von Ebbe und Flut geprägt wird. Bei Ebbe liegt der Wattboden trocken; es handelt sich dabei um Sand- und Mischwatten mit flachen Prielen und Sandplaaten.

Zweimal am Tag kommt dann aber die Flut. Als Flut wird das Steigen des Meeresspiegels infolge der Gezeiten (Tide) bezeichnet. Dieser Zeitraum reicht von einem Niedrigwasser bis zum folgenden Hochwasser. An der Küste wird oft der Ausdruck auflaufend Wasser benutzt.

Während unseres Aufenthalts auf Neuwerk sahen wir das Kommen und Gehen des Wassers. Es geht schon eine eigenartige Faszination von diesem Spiel der Meereswogen aus. Das Kommen des Wassers habe ich auch in wenigen Videosequenzen festgehalten. Zunächst kommt die Flut scheinbar gemächlich daher. Aber man soll sich nicht täuschen. Der Flutstrom kann in den Prielen des Wattenmeers beträchtliche Geschwindigkeiten (bis über 20 km/h) erreichen. Daher ist bei Wanderungen im Watt besondere Vorsicht geboten und möglichst schnell fester Boden unter den Füßen aufzusuchen.


Insel Neuwerk im Wattenmeer: Die Flut kommt (Juli 2009)

Efdepitis-Epidemie

Wer mit einem anderen Ergebnis zur Bundestagswahl 2009 gerechnet hat, der ist ein Träumer. Aber wer träumt nicht gern und hofft bis zuletzt. Aber schon die erste Hochrechnung zeigte: CDU/CSU bekommen mit der FDP die Mehrheit der Stimmen (auch unabhängig von weiteren Überhangmandaten, immerhin das).

Doch umgehend stritten sich die künftigen Partner darüber, ob die FDP ihren Erfolg den Leihstimmen aus dem Unions-Lager verdankt. Wer FDP gewählt habe, sei FDP-Wähler, so Westerwelle. Ist klar! Alles andere ist Blödsinn. Was Westerwelle sagt, hat Hand und Fuß und wird wohl in den kommenden Jahren die deutsche Außenpolitik bestimmen. Und: auch Steinmeier kannte im Ausland vor vier Jahren kein Schwein!

Wie gesagt: Bis zuletzt habe ich gehofft, dass diese Sch…-FDP nicht so viele Stimmen bekommt. Aber es ist wohl die Efdepitis (FDP-itis) ausgebrochen. Fast so schlimm wie Entenpest, Schweinegrippe und Hirnkrebs zusammen. Besonderes Symptom dieser Krankheit: ein ewig grinsender, ewig geschwätziger Westerwelle (die Bugwelle der Atomlobby). Über 14 % der wählenden Deutschen ist an dieser Seuche erkrankt.

Tante Merkel & Onkel Guido: Tigerenten-Duo

Also Schwarz-Gelb mit Tante Merkel und Onkel Guido – die Tigerenten-Koalition, wie man reichlich euphemistisch den neuen Klüngelclub nennt – wird uns die nächsten Jahre regieren (mischt man schwarz mit gelb entsteht braun … aber lasse ich das). Die Wirtschaft wird’s freuen.

Liest man einige der vielen Kommentare, die in den letzten Stunden nach der Wahl im Internet verbreitet wurden, dann muss man jetzt mit dem Schlimmsten rechnen. Ich sehe das gar nicht so eng. Okay, zunächst werden die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert. An den sozialen Leistungen und im Gesundheitswesen wird hingegen gekürzt. Aber da die Wirtschaft (Industrie und Großbanken vorn weg) jetzt ‚ihre’ Regierung hat, wird sie den Teufel tun, um ein Klima zu schaffen, das die Menschen auf die Barrikaden bringt. Zwar wird es auch mit der FDP nicht gelingen, den Schuldenberg abzubauen (wie denn auch, wenn man die Steuern senken will), noch wird die Arbeitslosenzahl entscheidend gesenkt werden. Wir dümpeln weiter vor uns hin. Und alles andere wird ausgesessen (die Merkel ist eine gelehrige Schülerin ihres Meisters Kohl), bekanntlich heilt die Zeit alle Wunden. Da würde es mit Rot-Rot und evtl. Grün mehr Probleme geben. Glaubt es mir.

Nein, wir werden die Bundesregierung haben, die wir verdienen. Warum nicht den Bock zum Gärtner machen (nach der Finanzkrise lassen wir die Verfechter der ungezügelten Marktwirtschaft mitregieren). Mit Merkel und Westerwelle kann es, ich glaube es selbst (fast), nur noch aufwärts gehen.

Traurig dagegen das Abschneiden der SPD. Dass die Sozialdemokraten an Linke, teilweise auch an die Grünen und jetzt auch noch an die Piraten (mit über 845.000 Wählern immerhin 2 % der Stimmen) sowie wohl an die FDP verlieren, war vorauszusehen. Aber mit jetzt nur noch kümmerlichen 23 % steht die Partei vor dem Verfall. Wenn sich die SPD in den nächsten Jahren nicht rundum erneuert, dann sehe ich schwarz (sic!) für uns alle. Die parteipolitische Landschaft hat sich wesentlich verändert. Ein Ende dieser Umwälzung ist dabei noch nicht in Sicht.

Bundeswahlleiter mit dem bundesweiten Wahlergebnis BTW 2009
Landeswahlleiter Niedersachsen mit dem Wahlergebnis BTW 2009

P.S. Volle Zustimmung zum Spreeblick-Artikel

Werden Überhangmandate die Wahl entscheiden?

Bei der heutigen Wahl zum deutschen Bundestag ist davon auszugehen, dass neben den beiden großen Parteien weitere drei mit einem Stimmenanteil von über 10 % rechnen dürfen. Das könnte u.a. zur Folge haben, dass es eine größere Anzahl von Überhangmandaten gibt – besonders in den neuen Bundesländern.

Überhangmandate entstehen dann, wenn eine Partei in einem Bundesland dank der Erststimme mehr direkte Mandate bekommt, als ihr nach Auszählung der Zeitstimmen, die eigentlich für die Verteilung der Bundestagssitze maßgebend sind, zustehen. Gewinnt eine Partei in einem Bundesland, das z.B. 10 Wahlkreise hat und damit 10 Direktmandate stellt (insgesamt darf dann die doppelte Anzahl, also 20 Mandate, gestellt werden), sämtliche Direktmandate, hat aber nur einen Stimmenanteil von rd. 35 % der Zweitstimmen, dann dürften eigentlich nur 7 Kandidaten dieser Partei (35 % von 20 Sitzen) in den Bundestag ziehen. Da diese Partei aber 10 Direktmandate stellt, dürfen auch diese 10 Kandidaten nach Berlin (so entstehen 3 Überhangmandate – für dieses Bundesland kämen dann 23 statt 20 Mandate in den Bundestag – es müsste der Plenarsaal um diese Überhangmandate erweitert werden).

Mehr Sitze für den Bundestag: Überhangmandate

Das Entstehen von Überhangmandaten hat das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich für verfassungskonform erklärt. Trotzdem kommt gerade vor Bundestagswahlen das Thema immer wieder zur Diskussion.

Da wir nun einmal ein so genanntes personifiziertes Verhältniswahlsystem haben, also die Hälfte der Mandate über die erste (Direkt-)Stimme gewählt werden, müssen wir auch mit dem Entstehen von Überhangmandaten leben. Allerdings muss gerade heute damit gerechnet werden, dass eine größere Anzahl von Überhangmandaten entsteht – und das genau diese die Wahl letztendlich entscheiden können.

Ich persönlich sehe noch keine eindeutige Mehrheit für Schwarz-Gelb und halte ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss für möglich. Lassen wir uns überraschen!

Der Witzableiter (12): Absurde Zumutungen ganz logisch

Fortsetzung von: (11): Das komische Ende von der Wende

Die nächsten Witze in Eike Christian Hirschs Kolumne „Der Witzableiter“, die 1984 im ZEITmagazin erschienen, drehen sich um das Absurde. Philosophisch eingebend von Albert Camus abgehandelt operieren manche Witze bewusst mit dem Absurden. Besonders im jüdischen Witz stoßen wir auf Absurditäten, also Surrealitäten, die scheinbar den Alltag auf den Kopf stellen.

Die Kuh ist krank. Der Bauer stellt sich vor sie, reißt ihr das Maul auf und sagt zu seiner Frau: „Heb du mal den Schwanz hoch und probier mal, ob du mich sehen kannst.“ „Nein.“ „Dann ist es Darmverschlingung.“ Damit haben wir, sie merken es, abgehoben und die Realität für heute weit unter uns gelassen. Das Absurde ist nicht jedermanns Geschmack, aber es ist witzig.

Zwei Tropenforscher sprechen über einen dritten. „Ich verstehe nicht, wieso der ohne Moskitonetz schlafen kann.“ „Das ist ganz einfach. In der ersten Hälfte der Nacht ist er so besoffen, daß er die Stiche nicht spürt. Und in der zweiten Hälfte sind die Moskitos so besoffen, daß sie nicht mehr stechen können.“ Ein bißchen Unsinn muß sein. Schon Urvater Kant pflegte nachsichtig zu sagen: „Es muß in allem, was ein lebhaftes erschütterndes Lachen erregen soll, etwas Widersinniges sein.“ Und er setzte mahnend hinzu: „Woran der Verstand an sich kein Wohlgefallen finden kann.“

Der Patient klagt über Potenzschwierigkeiten. Der Arzt greift zu einem Phosphor-Präparat. „Damit wir uns richtige verstehen, Herr Doktor“, meint der Patient, „leuchten soll er nicht.“

Das Bedürfnis nach Absurdität hat sich bei den Witzkonsumenten wohl allmählich gesteigert. Besonders groß war es nach dem Zweiten Weltkrieg, da waren die surrealistischen Witze Mode, in denen meist ein Zebra eine Bar betrat. Etwa so: In ein Lokal kommt ein Mann, bestellt einen Kaffee. Er trinkt ihn aus, ißt die Untertasse auf, ißt die Tasse auf und legt den Henkel beiseite. Dann zahlt er den Kaffee und das Geschirr und geht. Langsam löst sich die Erstarrung der Gäste, und einer fragt den Ober: „Sagen Sie mal, verstehen Sie das?“ Der Ober antwortet: „Nein, wo doch die Henkel das Beste sind.“

Das war damals ein Klassiker unter den surrealistischen Witzen. Der Mode entsprechend, wurde er 1952 von dem jungen Göttinger Soziologen Hans Paul Bahrdt in der Universitätszeitung existentialisch gedeutet: Hier erscheine eine „unverstehbare Welt“, und dadurch sei „der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen. Als nunmehr Unbehauster wird er eigentlich“. Heute sieht man das wohl bedeutend lockerer, denke ich. Gast in einer ländlichen Wirtschaft: „Was war denn das gestern abend für ein Hahn, den ich gegessen habe?“ „Wieso?“ „Er ist mir nicht gut bekommen. Heute nacht bin ich um vier Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen.“ Der Wirt bekommt feuchte Augen. „Um vier? Ja, ja, das war immer seine Zeit.“ Und doch gilt manches noch heute, was der Soziologe Bardt damals schrieb, etwa dies: „Jeder Witz eröffnet in der Pointe einen neuen Horizont mit einer neuen Bedeutung und lädt den Zuhörer ein, sich diesen Horizont anzueignen.“ Also gehen wir ruhig auf das Angebot ein und erweitern wir spielerisch unseren Horizont.

Witzableiter (12)

„Wissen Sie, wer da die hohen Absätze erfunden hat?“ „Nein.“ „Das war eine Frau, die immer nur auf die Stirn geküßt wurde.“ Und weil wir gerade beim Küssen sind, gleich noch ein Beispiel dazu, damit Sie merken, daß sich Absurdität nicht nur mit Tiergeschichten erreichen läßt.

Geflüstertes Gespräch zwischen zwei Juden in der Bahn. „Jossel, ist die Dame neben dir deine Frau?“ „Ja, ist sie.“ „Jossel, was machst du dich lächerlich und schleppst dieses Munuwel (Scheusal) mit auf eine Geschäftsreise?“ „Ach, ich konnte mich nur nicht entschließen, sie zum Abschied zu küssen.“ Der jüdische Witz hat auch auf diesem Gebiet die leiseren Mittel. Die Absurdität erreicht psychologische Tiefen. Oder logische, wie hier:

Moritz kommt zu spät in die Schule. „Herr Lehrer, es ist so ein Glatteis draußen, daß ich bei jedem Schritt vorwärts zwei zurückgerutscht bin.“ Lehrer, skeptisch: „Ja, wieso bist du dann hier?“ „Ich hab mich umgedreht und bin heimwärts gegangen.“

Der nicht-jüdische Witz hingegen hebt ruckartig vom Boden der Tatsachen ab, erreicht dann aber den gleichen Grad an Verrücktheit. Der Oberarzt stürzt in die Leichenhalle. „Gute Nachricht für Sie, Herr Müller“, ruft er, „nicht Ihr Puls ist stehengeblieben – nur meine Uhr!“ Eine Zumutung, finde ich, sind solche Witze doch manchmal. Erweiterung des Horizonts hin oder her – immer mag man das auch nicht. Vielleicht bricht der Horizont auch nur zu plötzlich auf. Darum kehre ich noch einmal zurück in die stillere Weisheit des Judentums mit seiner bizarren Logik.

Die Geschichte vom Blinden und dem Schwan war ein Klassiker, ihre Pointe sprichwörtlich. Zwei Juden sitzen im Restaurant, einer der beiden ist blind. „Willst du ein Glas Milch?“ fragt der Sehende. „Beschreib mir doch einmal die Milch“, bittet der Blinde. „Milch ist eine weiße Flüssigkeit.“ „Schön. Und was ist weiß?“ „Nu – weiß ist zum Beispiel ein Schwan.“ „Aha, und was ist ein Schwan?“ „Ein Schwan? Das ist ein Vogel mit einem langen krummen Hals.“ „Gut, aber was ist krumm?“ „Krumm? Ich werde meinen Arm biegen und du wirst ihn abgreifen. Dann wirst du wissen, was krumm heißt.“ Der Blinde tastet sorgfältig den aufwärts gebogenen Arm des anderen ab und sagt dann verklärt: „ So, endlich weiß ich, wie Milch ist.“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 39/1984

[Fortsetzung folgt]