Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Neunterneunternullneun

Nachdem wir den Sechstensechstennullsechs überlebt haben (kein Teufel ist erschienen, nicht einmal ein ‚Tier’), haben wir heute bereits den Neuntenneuntennullneun. Die ganze Chose geht dann noch drei Jahre so weiter bis zum Zwölftenzwölftenzwölf, dann ist Sense, denn einen 13. Monat gibt es bekanntlich nicht – und der nächste Tag mit diesem flotten Dreier ist erst … na wann wohl? Im nächsten Jahrhundert (zählt man einen Zwotenzwotenzwoundzwanzig nicht mit – ist aber ein schöner Vierer).

999 - nur ein Motorrad von Ducati

Übrigens die dreifache Neun (999) ist die traditionelle Notrufnummer in Großbritannien, Irland und mehreren Staaten des Commonwealth of Nations. Die Strafdivision 999 war dagegen wieder eher die Hölle. Viele Standesbeamte schieben heute Überstunden (nur weil sich so viele Männer einen etwas komplizierteren Hochzeitstag als diesen 09.09.09 nicht merken können). Und auch das hat eher etwas mit Hölle zu Tun (Ehe und so).

siehe auch meinen Beitrag zum ‚06.06.06

Alles was klingt

Es ist schon geraume Zeit her, da stellte ich einen Überblick über digitale Audio– und Videoformate zusammen. Seit dem hat sich einiges getan.

Gehen wir von Windows aus, dann gibt es zunächst das WAVE-Dateiformat (Dateiendung WAV), ein so genanntes Containerformat zur digitalen Speicherung von Audiodaten, das von Microsoft für das Betriebssystem Windows definiert wurde. Es enthält meist PCM-Rohdaten, die Abtastwerte des Audiosignals unkomprimiert digital darstellen

WAVE ist gewissermaßen die Urform unkomprimierter, also verlustfreier Audio-Formate und spielt beim ‚Endverbraucher’ eigentlich keine Rolle. Es benötigt zudem viel Speicher (ca. 10 MB pro Minute). Statt WAVE gibt es mindestens zwei andere verlustfreie Audioformate, die allerdings nur beschränkt den Zugang auf dem Markt geschafft haben: FLAC von sourceforge und Monkey’s Audio (Website).

Das Kürzel FLAC steht für „Free Losless Audio Codec“. Einmal auf dem Rechner installiert, komprimiert es Audiodateien ohne Verlust auf rund die Hälfte ihrer Größe. Seine Verbreitung auf mobilen Endgeräten ist allerdings ziemlich gering. Ähnlich sieht es bei Monkey’s Audio aus, das ebenfalls zu den verlustfreien Kompressionsformaten zählt. Für welches der beiden Formate man sich entscheidet, ist letzten Endes eine Frage des persönlichen Geschmacks. Besser als MP3 und die übrigen verlustbehafteten Formate klingen jedenfalls beide.

Damit wären wir auch bereits bei den Audioformaten, die durch hohe Komprimierung an Qualität verlieren. MP3 – ein ab 1982 am Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickeltes Format – die korrekte Bezeichnung lautet MPEG-1 Audio Layer 3 – ist heute das beliebteste schlechthin und findet sich in praktisch allen Online-Musikshops. Es komprimiert Musikstücke auf rund ein Siebtel bis ein Zwölftel ihrer ursprünglichen Größe. Sehr gute Klangqualität darf man aber nur erwarten, wenn die Datenrate eines Musikstückes rund 200 Kilobit pro Sekunde oder mehr beträgt. Darunter klingt’s bescheiden (warum online trotzdem Musikstücke mit 128 Kilobit/Sek. verkauft werden, ist mir ein Rätsel, eigentlich ist es eine Volksverdummung). Eine Weiterentwicklung sollte mp3PRO werden, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Mehr Möglichkeiten als MP3 bietet das AAC-Format (Advanced Audio Coding), das neben einer höheren Kompressionsqualität unter anderem auch mehrkanalfähig ist. Sein größter Nachteil ist seine geringe Popularität: Außerhalb von Apples iTunes-Store findet es kaum Verwendung.

Guten Klang bei geringer Datengröße verbindet auch der dritte Kandidat, der auf den Namen Ogg Vorbis hört. Dahinter steckt ein frei erhältliches Audioformat, das von der Xiph.Org Foundation als Antwort auf das gebührenpflichtige MP3 entwickelt wurde und kostenlos genutzt werden darf. Selbst bei niedrigen Datenraten von 64 oder 128 Kilobit/s, bei denen MP3 grauenvoll klingt, liefert es noch erträgliche bis akzeptable Qualität ab. Was Ogg Vorbis dagegen fehlt, ist dessen breite Unterstützung. Außer in der Internet-Gemeinde findet es kaum Anwendung, tragbare Media-Player, die Ogg Vorbis-Dateien abspielen, sind dünn gesät.

Nero Wave-Editor

Nicht vergessen sollten wir das Format Windows Media Audio (WMA), das meistens von MP3-Playern u.ä. unterstützt wird, weil es MP3 sehr ähnlich ist. Es ist das Format von Microsoft für Windows und unterstützt neuerdings auch Surround-Ton mit bis zu 7.1 Kanälen. Früher mehr, heute weniger verbreitet ist RealAudio von RealMedia. Die Dateiendung von RealAudio ist .ra.

Neben diesen Audio-Formaten gibt es weitere, die vor allem Mehrkanalton unterstützen und im Wesentlichen für die Filmindustrie genutzt werden, z.B. Dolby Digital (als Datei mit AC3-Endung).

Siehe hierzu meine Beiträge Ian Anderson: Walk into Light (1983) (mit Beschreibung, wie ich meine alten LPs digitalisiere) und SUPER – Video- und Audiobearbeitung

siehe auch zdf.de: Schöne Klangwelten – nicht nur mit MP3
weitere Informationen zur Audiokompression bei wikipedia

Willkommen bei den Sch’tis

Über 20 Millionen Franzosen haben den Film gesehen: Willkommen bei den Sch’tis (Originaltitel: Bienvenue chez les Ch’tis) ist eine französische Filmkomödie von Dany Boon mit Kad Merad und Dany Boon in den Hauptrollen. Am Samstagabend habe ich den Film nun mit meinem jüngeren Sohn angeschaut. Der Titel des Films spielt auf die nordfranzösische picardische Sprache an, die auch Ch’ti genannt wird. Ihre Sprecher heißen „les Ch’tis“.

Zum Inhalt: Philippe Abrams (Kad Merad) ist Filialleiter einer kleinen Poststelle in der Provence. Aufgrund der Launen seiner Ehefrau Julie (Zoé Félix) bemüht er sich seit einiger Zeit, an die sonnige Cote d´Azur versetzt zu werden, um ihr wankelmütiges Gemüt etwas aufzuheitern. Dank der Bemühungen seines Freundes Jean (Stephane Freiss) gelingt es ihm beinahe, die begehrte Stelle zu ergattern, doch ein Konkurrent erweist sich als behindert und wird daher bevorzugt. Bei der nächsten Bewerbung möchte Philippe nicht erneut leer ausgehen und gibt sich trotz großen Bedenken seitens Jeans als Rollstuhlfahrer aus. Prompt wird er bei einer routinemäßigen Kontrolle der Behörden als skrupelloser Betrüger entlarvt – und in den ungeliebten Norden Frankreichs, in die Region Nord-Pas-de-Calais, strafversetzt. Über die Region und besonders deren angeblich besonders einfältigen Einwohner werden sich im Süden oft wahre Horrorgeschichten erzählt. Insbesondere die primitive Sprache der Nordfranzosen steht häufig im Zentrum der Kritik.

Daher ist eine der Hauptattraktionen des Films der lokale „Ch’ti“-Dialekt, der – beeinflusst vom Flämischen – selbst so manchen muttersprachlichen Franzosen vor erhebliche Verständnisprobleme stellt. Dieses Kauderwelsch angemessen ins Deutsche zu übertragen, war keine leichte Aufgabe, denn die Übersetzung in eine deutsche Mundart (etwa das Schwäbische) hätte schlicht deplatziert gewirkt. Folglich entschloss sich der deutsche Verleih, eine neuartige Kunstsprache zu entwickeln, was sicherlich grandios hätte scheitern können, doch wider Erwarten gelang.

Auch wenn den meisten deutschen Zuschauern die Problematik, auf die sich „Willkommen bei den Sch’tis“ stützt, unbekannt sein dürfte, handelt es sich doch um ein so universelles Thema, dass es sich wohl in jedem Land der Erde nachvollziehen lassen dürfte.


Willkommen bei den Sch’tis (siehe auch den Trailer hierzu)

„Willkommen bei den Sch´tis“ ist eine der besten Komödien der letzten Zeit, die weniger auf Brachialhumor und dafür mehr auf quirlige Charaktere und das clevere Spiel mit hartnäckigen Vorurteilen setzt. Der Film entwickelt eine Verve, ein positives, beschwingtes Lebensgefühl., wie es uns wohl doch nur die Franzosen vermitteln können (siehe auch Die fabelhafte Welt der Amélie). Ein Film zum Wohlfühlen. Ich kann ihn nur wärmstens weiterempfehlen.

Frischer Wind dank echtem „Zehner“

Endlich hat es Joachim Löw, der Fußball-Bundestrainer, gewagt, den jungen Bremer Mesut Özil von Anfang an ins Spiel zu bringen, da belohnt dieser die Zuschauer mit einem ideenreichen Spiel aus dem offensiven Mittelfeld beim gestrigen 2:0-Sieg gegen Südafrika.und knüpft damit an die sehr guten Leistungen der letzten Wochen an. Als echter „Zehner“ (trotz der 22 auf dem Rücken) bestimmte Özil über lange Strecken das Spiel und steckte auch seine Mitspieler an, die zu gekonntem Kombinationsspiel zurückgefunden haben. Beleg hierfür war der mustergültige Pass von Miroslav Klose genau in die Schnittstelle zwischen den beiden gegnerischen Abwehrspielern auf Özil, der im gekonnten Abschluss sein erster Länderspiel machte.

Mesut 'Messi' Özil

Bundestrainer Löw: Mesut (Özil) hat heute gezeigt, dass er viel Kreativität ins Spiel bringt, er hat ein Auge für gut postierte Mitspieler und hat viele gefährliche Situationen eingeleitet. Er ist ein Mann für die Zukunft, muss aber auch noch lernen, etwa in der Rückwärtsbewegung.

Bezogen auf das Qualifikationsspiel zur Fußballweltmeisterschaft gegen Russland in Moskau am 10. Oktober ist diese ‚leichte’ Kritik sicherlich berechtigt. Das Spiel gegen die Russen ist das wichtigste Spiel dieses Jahres. Da muss jeder Spieler alles geben. Mit Özil als Ideengeber und, wenn er in die Spitze geht, auch als Vollstrecker kommt frischer Wind in das zuletzt eher muffige Spiel des deutschen Teams. Michael Ballack über Özil: „Hoffentlich behält er diese Unbekümmertheit, das tut der Mannschaft unheimlich gut.“ Dem SV Werder hat es in den letzten Wochen auf jeden Fall nicht geschadet.

siehe auch zdf.de über Özil und Özil & das Video: Özil und Adler die Gewinner

Eine Nachbetrachtung zum WM-Qualifikationsspiel Georgien – Italien: Zwei Eigentore eines Italien-Legionärs hielten Weltmeister Italien auf WM-Kurs. Ausgerechnet Georgiens Abwehr-Routinier Kachaber Kaladse, seit 2001 in Diensten des AC Mailand, versenkte beim 0:2 gegen die Squadra Azzurra zweimal den Ball im eigenen Tor (57./67.). Dass ich kein großer Fan des italienischen Fußballs bin, werden viele schon gemerkt haben. Ich hasse diese Spielweisen, die nur streng ergebnisorientiert ausgerichtet sind wie das bekannte Catenaccio der Italiener (Spielsystem 5-4-1 bis hin zum 10-0-0). Die zweifachen Eigentore eines Spielers des AC Mailand stinken in meiner Nase auf jeden Fall gewaltig … (siehe Video bei zdf.de)!!!

5 d Berlin – 24 h Berlin

Am Montag fährt der jüngere meiner zwei Söhne für fünf Tage auf Klassenfahrt nach Berlin. Heute sendet Arte das Dokuspezial „24 h Berlin – Ein Tag im Leben“ nach einer Idee von Volker Heise: die längste TV-Produktion in der Geschichte des Fernsehens. 80 Drehteams (u.a. mit Rosa von Praunheim, Romuald Karmakar und Volker Koepp) haben vor genau einen Jahr 24 Stunden in der Hauptstadt gefilmt und zeigen den Alltag der Berliner. Durch ihre innovative Struktur kann die 24-Stunden-Sendung (läuft bereits seit 6 Uhr) jederzeit eingeschaltet werden. Dazu gibt es Live-Blogging, Chats und Infos auf der Arte-Website.

24 h Berlin

Wie man seinen zwitschernden Vogel füttert

Seit einigen Tagen zwitschere ich ja nun auch bei twitter.com. Twitter ist ein soziales Netzwerk und ein meist öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet, Mikro-Blog genannt. Angemeldete Benutzer können eigene Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen eingeben und anderen Benutzern senden. Diese Textnachrichten kann man direkt am Rechner eingeben oder per Mobiltelefon ‚zusenden’ lassen.

twitter.com/willizblog

Man muss aber nicht alle Textbeiträge selbst schreiben, man kann schreiben lassen. Hierfür lassen sich die RSS-Angebote (so genannte Feeds) von vielen Blogs und größeren Websites nutzen (z.B. RSS bei zdf.de – oder von diesem Blog). RSS ist ein Service auf Webseiten, der, ähnlich einem Nachrichtenticker, die Überschriften mit einem kurzen Textanriss und einen Link zur Originalseite enthält. Technisch gesehen ist RSS eine Familie von XML-basierten Dateiformaten.

Nun muss man nur noch RSS und Twitter zusammenbringen. Hierfür gibt es die verschiedensten Dienste; ich nutze z.B. RSS2Twitter. Man kann sich dort kostenlos anmelden, nennt seinen Twitter-Account und kann nun mit der Fütterung von Twitter (Add Feed) beginnen. Zunächst gibt man die Internet-Adresse des RSS (RSS Feed URL) an, z.B. „http://www.heute.de/ZDFheute/infoservices/rss-feed“ für das RSS-Angebot von zdf.de. Dann nennt man u.a. den eigenen Twitter-Account (man kann mehrere haben) und bestimmt, in welchem Zeitrhythmus der RSS-Dienst aufgerufen (update) werden soll. Und schon wird der eigene Twitter-Vogel mit Nachrichten, Blog-Beiträgen usw. gefüttert.

Weitere Dienste (auch für die Übermittlung von Nachrichten per Mobiltelefon) sind z.B. twitterfeed, tweetdeck, tweetie und seesmic (für iPhones), twitterfox (eine Firefox-Extension) etc. pp. Es gibt also viele Futterstellen.

In der VSphere schweben

Wie bereits berichtet, kommt das neue Windows 7 mit einem “Windows XP-Mode” (XPM) daher, der auch ältere Anwendungen unter Windows 7 zum Laufen bekommen soll. Dahinter verbirgt sich eine Virtuelle Maschine (VM), also eine spezielle Software, die den Programmen ein XP-System vorgaukelt.

Virtualisierung ist in der IT zz. das große Schlagwort. Unter Virtualität versteht man die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint, aber in ihrem Wesen oder ihrer Wirkung einer in dieser Form existierenden Sache zu gleichen. Virtuelle Welten durften inzwischen vielen bekannt geworden sein.

Ein Aspekt der Virtualisierung gründet darauf, Ressourcen wie Festplattenspeicher, Arbeitsspeicher (RAM) und Prozessoren sinnvoll zu nutzen, um u.a. Hardware- und Stromkosten zu senken. Ein weiterer Aspekt ist die Hochverfügbarkeit von Daten.

Virtualisierung

So kann man z.B. Server, die nach außen hin als physischer Server sichtbar sind (also das Blech), derart nutzen, indem in Wirklichkeit auf einem physischen Server gemeinsam mehrere virtuelle Server ausgeführt werden. Um einen physikalischen Server entsprechend zu nutzen, benötigt man allerdings die nötige Software, die u.a. die virtuellen Server verwaltet. Mit Windows Server 2008 Release 2 gibt es z.B. Hyper-V, um eine Virtualisierungsumgebung herzustellen. Oder man nutzt die Software von VMware.

Ein entfernter Gesichtspunkt der Virtualisierung ist das Cloud Computing. Hierbei geht es u.a. darum, Speicher und Software nicht mehr den Anwender selbst bereitstellen zu lassen, sondern über einen oder mehrere Anbieter zu beziehen. Die Anwendungen und Daten befinden sich nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum, sondern – metaphorisch gesprochen – in einer Wolke (Cloud) – eine Verfügbarkeit besteht gewissermaßen virtuell. VMware vSphere ist das erste Cloud-Betriebssystem, das IT-Ressourcen in einer sogenannten privaten Cloud bündelt. Man schwebt gewissermaßen in der VSphere auf Wolke sieben.

siehe hierzu Stichwort Green IT

Der Witzableiter (11): Das komische Ende von der Wende

Fortsetzung von: (10): Warum denn auf die Spitze gehen?

Mancher Witz erhält seine Wirkung durch eine Wendung zum Schlimmen am Schluss. In seiner Kolumne „Der Witzableiter“, die 1984 im ZEITmagazin erschien, beschreibt Eike Christian Hirsch die Mechanismen solcher Witze – und erklärt, warum wir so schnell darauf reagieren.

Manche Geschichten sind offenbar erst zuende, wenn sie die schlimmste Wende genommen haben. Friseur zum Lehrling: „Warum hast du so dreckige Hände?“ „Es war heute noch keiner zum Haarewaschen da.“ Die Technik ist beneidenswert schlicht. Man nehme eine peinliche Situation und überbiete sie noch ein wenig. An Wirkung wird es nicht fehlen. Familie Haas hat an eine Studentin vermietet. „Mutti“, ruft Tobias, „bei der Studentin liegt ein fremder Mann im Bett!“ Die Mutter legt die Zeitung weg, als Tobias auch schon Entwarnung gibt: „Gar nicht wahr, ist ja nur Vati!“

Nehmen wir an, der Bub war unschuldig. Man kann das Ganze natürlich auch sauber inszenieren, etwa so: „Ein Hochzeitsgast macht sich an den Bräutigam heran. „Entschuldigen Sie, haben Sie Aktaufnahmen von Ihrer Frau?“ Der Bräutigam stammelt: „Nein, natürlich nicht!“ Darauf der Gast hilfsbreit: „Wollen Sie welche?“

Hochzeiten sind gewiß ein heißes Pflaster für solche Begebenheiten. Gleich noch ein Beispiel: In der Hochzeitsnacht sagt sie leise: „Ich muß dir etwas beichten, ich war schon mal mit einem Mann zusammen …“ Da gesteht er: „Ich auch.“ Die Technik ist so einfach, daß wir zum ersten Mal das Gefühl haben können, ein Rezept in der Hand zu haben, um selbst Witze zu erfinden. Wenn die Sache so anfängt: Der Schauspieler steht betrunken auf der Bühne und weiß seinen Text nicht mehr. Verzweifelt versucht ihm die Souffleuse das nötige Stichwort zu geben … Wie könnte das weitergehen? Mit einer kleinen Verschlimmerung etwa so: Da lallt der Mime: „K-keine Ein-zzelheiten! Wie heißt das Stück?“

Die Technik ist allerdings noch etwas komplizierter. Die schlimme Wendung zum Schluß wird gewöhnlich eingeleitet von einer scheinbaren Besserung. So sagt der Schauspieler zuerst recht sicher: „Keine Einzelheiten!“ als sei er noch Herr der Lage. Der Sohn der Vermieter beruhigt seine Mutter mit „Gar nicht wahr …“ und der Lehrling brachte die Verschlimmerung wie eine Entschuldigung vor. Erst durch dieses Hakenschlagen wird die Erzählung komisch. In der Konditorei beißt der Gast in den Christstollen. Vergebens. „Der ist ja hart wie Marmor!“ ruft er. „Ich tausche Ihnen den Stollen gern in Apfelkuchen um“, sagt der Ober. „Aber ich habe den Stollen doch schon angebissen.“ „Das macht nichts, wir haben auch angebissenen Apfelkuchen da.“

Witzableiter (11)

Vor einer Woche haben wir uns den Verstehensprozeß des Witzes angesehen und festgestellt, da findet eine Rückkopplung statt. Dem scheint die Beobachtung zu widersprechen, daß wir einen Witz immer sehr schnell verstehen. So plötzlich wie die folgende Entgegnung kommt auch unser Verstehen: „Hast du etwas zum Chef gesagt, daß ich ein Idiot bin?“ „Nein, er wusste es bereits.“ Diese Antwort, die doch keineswegs trivial gedacht ist, verstehen wir auf Anhieb. Wie kommt das?

Ich glaube, wir reagieren reflexhaft, wie in wirklicher Gefahr. Und es ist auch eine Gefahr, wenn man sich, vom Witz verwirrt, nicht mehr orientieren kann. Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick sagt, eine solche Konfusion erschrecke uns. „Im Bruchteil einer Sekunde und ohne zu überlegen, können wir komplizierte. lebensrettende Entscheidungen treffen.“ Auch wenn es im Witz nicht um lebensbedrohende Dinge geht – eine unerwartete Konfusion schreckt uns auch hier und läßt uns augenblicklich reagieren. Danach erst setzt die Rückkopplung ein wie eine Rückversicherung.

Hein fährt seit Monaten zur See. Immer allein unter Männern, nur die Arbeit und das Wasser. Kurz vor der Heimfahrt telefoniert er mit seiner Braut: „Wenn wir anlegen, dann stehst du am besten mit einer Matratze auf dem Rücken am Kai“, sagt Hein. „Okay“, flüstert sie, „aber mach ja, daß du als erster von Bord kommst.“

Daß wir einen Witz blitzartig schnell verstehen, ist wohl eine absolute Notwendigkeit. Der Mensch ist darauf angewiesen, „eine Ordnung im Lauf der Dinge zu sehen“ (Watzlawick). Und umgekehrt muß ein Witz wohl so schnell wirken, daß wir gar nicht erst Gelegenheit haben, uns gegen ihn zu wehren. Der Witz ist die Textsorte mit der schnellsten Kommunikation überhaupt. Das zeichnet ihn aus. Sie sagt zu ihrem Mann: „Es muß für eine Frau schrecklich sein, wenn sie merkt, daß sie alt wird.“ Antwortet er: „Viel schrecklicher ist es, wenn sie es nicht merkt.“ Wenigstens im Witz merkt man immer alles gleich.

Zum Schluß trägt die Überbietung uns ganz aus dieser Wirklichkeit heraus – als Vorgeschmack auf die Witze, die ich ihnen das nächste Mal ausführlich vorstellen will. Zwei Mäuse haben einen Elefanten gefangen und wollen ihn verspeisen. Sagt die eine: „Eigentlich ist ein Elefant für uns zu wenig, paß auf ihn auf, ich fange noch einen zweiten.“ Die Maus zieht also los und kommt bald mit neuer Beute zurück, findet die andere Maus aber allein und hört sie schluchzen: „Ich kann nichts dafür, der Elefant ist mir ausgerissen.“ „Lüg doch nicht“, faucht die erste Maus, „du kaust ja noch!“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 38/1984

[Fortsetzung folgt]

Postkarten (1): Grönland

Wer auf Reisen geht, ist zum Postkartenschreiben verdonnert. Die lieben Daheimgebliebenen erwarten förmlich, dass sie mit einem Kartengruß aus der Ferne bedacht werden. Ganz ehrlich: Ich hasse Postkartenschreiben!

Aber natürlich freut es auch mich, wenn eine Postkarte aus fernen, schönen Gegenden in den Briefkasten flattert. Gern erinnere auch ich mich an erholsame Tage ohne Arbeit in fremden Ländern.

Dieser Tag kam nun ein Kartengruß aus Grönland von Freunden aus Hamburg. Diese bevorzugen seit einigen Jahren die Reise mit dem Schiff und kreuzten bereits um den halben Erdball. Bisschen Großtuerei ist wohl auch dabei. Mich reizen sicherlich die Länder, aber weniger die Fahrten mit einem Kreuzfahrschiff. Aber eben jedem das Seine …

Unsere Hamburger fuhren also von Bremerhaven los, machten Halt auf den Shetlands, auf Island, dann natürlich auf Grönland und auf der Rückreise auch noch auf den Färöer-Inseln. Nicht schlecht …

Postkarte: Grönland

Postkarte: Grönland

Postkarte: Grönland

Watchmen – Die Wächter

Eine alternative Realität im Jahre 1985: Die USA haben Vietnam besiegt, Richard Nixon (Robert Wisden) tritt seine fünfte Amtszeit an. Das nukleare Wettrüsten mit der Sowjetunion steht kurz vor der kriegerischen Eskalation. Niemand ist in der Lage, die drohende Apokalypse abzuwenden. Weder der durch einen Strahlenunfall zum gottgleichen Dr. Manhattan (Billy Crudup) mutierte Physiker Jon Osterman, noch die maskierten Watchmen, die durch einen Staatserlass in den Ruhestand gezwungen wurden. Damit ist es jedoch abrupt vorbei, als ein vermummter Attentäter auftaucht und den Comedian (Jeffrey Dean Morgan) aus dem Fenster eines Wolkenkratzers wirft. Der letzte noch aktive Vigilant, der Soziopath Rorschach (Jackie Earle Haley), sieht darin einen Angriff auf alle noch verbliebenen Watchmen und begibt sich auf die Jagd nach dem Mörder. Mit der Hilfe seiner Ex-Kollegen Dan Dreiberg alias Night Owl II (Patrick Wilson), Laurie Juspeczyk alias Silk Spectre II (Malin Akerman) und Adrian Veidt (Matthew Goode), dem klügsten Mann der Welt, kommt Rorschach einer schrecklichen Verschwörung auf die Spur…

(aus: filmstarts.de)

Watchmen – Die Wächter ist ein auf den gleichnamigen Comics von Alan Moore und Dave Gibbons basierender Superhelden-Film. Regie führte Zack Snyder. Der Film kam am 5. März 2009 in die deutschsprachigen Kinos.


Watchmen Die Wächter – deutscher Trailer 2009

Es ist schon so eine Sache mit Superhelden. Sie kommen langsam in die Jahre. Das mussten auch Spiderman in Spiderman 3 und Batman in The Dark Knight erfahren, als sie nicht nur mehr gegen Bösewichte zu kämpfen hatten – sondern auch mit sich selbst.

Die Watchmen sind auch in die Jahre gekommen, aber sie präsentieren sich anders als alle bisher gezeigten Superhelden: Sie sind zynisch und brutal und damit nichts für zarte Seelen. Vielleicht lässt sich der Film mit Sin City vergleichen (liegt bei mir noch auf Abruf), beide Filme sind optisch opulent und präsentieren das Genre des Comics, wie es wohl wirklich sein will: unverblümt und etwas für Adepten.

Mich hinterlässt der Film etwas ratlos. Allein die Brutalität mancher Szenen stieß mich ab. Aber ich muss gestehen, dass von der Bildgewalt (sic!) eine nicht zu leugnende Faszination ausgeht. Für mich ist hier einigen (den Autoren der Vorlage und dem Regisseur des Films) reichlich die Fantasie durchgegangen – wie eine Sicherung oder eine Glühbirne durchgeknallt. Hier zeigen sich Protagonisten, die eigentlich Helden sein sollen, von ihrer dunklen Seite. Und wenn sie die Welt am Ende retten, so nur, indem sie andere Menschen in den Tod reißen. Ein weniger wünschenswertes Szenario.