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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

In der VSphere schweben

Wie bereits berichtet, kommt das neue Windows 7 mit einem “Windows XP-Mode” (XPM) daher, der auch ältere Anwendungen unter Windows 7 zum Laufen bekommen soll. Dahinter verbirgt sich eine Virtuelle Maschine (VM), also eine spezielle Software, die den Programmen ein XP-System vorgaukelt.

Virtualisierung ist in der IT zz. das große Schlagwort. Unter Virtualität versteht man die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint, aber in ihrem Wesen oder ihrer Wirkung einer in dieser Form existierenden Sache zu gleichen. Virtuelle Welten durften inzwischen vielen bekannt geworden sein.

Ein Aspekt der Virtualisierung gründet darauf, Ressourcen wie Festplattenspeicher, Arbeitsspeicher (RAM) und Prozessoren sinnvoll zu nutzen, um u.a. Hardware- und Stromkosten zu senken. Ein weiterer Aspekt ist die Hochverfügbarkeit von Daten.

Virtualisierung

So kann man z.B. Server, die nach außen hin als physischer Server sichtbar sind (also das Blech), derart nutzen, indem in Wirklichkeit auf einem physischen Server gemeinsam mehrere virtuelle Server ausgeführt werden. Um einen physikalischen Server entsprechend zu nutzen, benötigt man allerdings die nötige Software, die u.a. die virtuellen Server verwaltet. Mit Windows Server 2008 Release 2 gibt es z.B. Hyper-V, um eine Virtualisierungsumgebung herzustellen. Oder man nutzt die Software von VMware.

Ein entfernter Gesichtspunkt der Virtualisierung ist das Cloud Computing. Hierbei geht es u.a. darum, Speicher und Software nicht mehr den Anwender selbst bereitstellen zu lassen, sondern über einen oder mehrere Anbieter zu beziehen. Die Anwendungen und Daten befinden sich nicht mehr auf dem lokalen Rechner oder im Firmenrechenzentrum, sondern – metaphorisch gesprochen – in einer Wolke (Cloud) – eine Verfügbarkeit besteht gewissermaßen virtuell. VMware vSphere ist das erste Cloud-Betriebssystem, das IT-Ressourcen in einer sogenannten privaten Cloud bündelt. Man schwebt gewissermaßen in der VSphere auf Wolke sieben.

siehe hierzu Stichwort Green IT

Der Witzableiter (11): Das komische Ende von der Wende

Fortsetzung von: (10): Warum denn auf die Spitze gehen?

Mancher Witz erhält seine Wirkung durch eine Wendung zum Schlimmen am Schluss. In seiner Kolumne „Der Witzableiter“, die 1984 im ZEITmagazin erschien, beschreibt Eike Christian Hirsch die Mechanismen solcher Witze – und erklärt, warum wir so schnell darauf reagieren.

Manche Geschichten sind offenbar erst zuende, wenn sie die schlimmste Wende genommen haben. Friseur zum Lehrling: „Warum hast du so dreckige Hände?“ „Es war heute noch keiner zum Haarewaschen da.“ Die Technik ist beneidenswert schlicht. Man nehme eine peinliche Situation und überbiete sie noch ein wenig. An Wirkung wird es nicht fehlen. Familie Haas hat an eine Studentin vermietet. „Mutti“, ruft Tobias, „bei der Studentin liegt ein fremder Mann im Bett!“ Die Mutter legt die Zeitung weg, als Tobias auch schon Entwarnung gibt: „Gar nicht wahr, ist ja nur Vati!“

Nehmen wir an, der Bub war unschuldig. Man kann das Ganze natürlich auch sauber inszenieren, etwa so: „Ein Hochzeitsgast macht sich an den Bräutigam heran. „Entschuldigen Sie, haben Sie Aktaufnahmen von Ihrer Frau?“ Der Bräutigam stammelt: „Nein, natürlich nicht!“ Darauf der Gast hilfsbreit: „Wollen Sie welche?“

Hochzeiten sind gewiß ein heißes Pflaster für solche Begebenheiten. Gleich noch ein Beispiel: In der Hochzeitsnacht sagt sie leise: „Ich muß dir etwas beichten, ich war schon mal mit einem Mann zusammen …“ Da gesteht er: „Ich auch.“ Die Technik ist so einfach, daß wir zum ersten Mal das Gefühl haben können, ein Rezept in der Hand zu haben, um selbst Witze zu erfinden. Wenn die Sache so anfängt: Der Schauspieler steht betrunken auf der Bühne und weiß seinen Text nicht mehr. Verzweifelt versucht ihm die Souffleuse das nötige Stichwort zu geben … Wie könnte das weitergehen? Mit einer kleinen Verschlimmerung etwa so: Da lallt der Mime: „K-keine Ein-zzelheiten! Wie heißt das Stück?“

Die Technik ist allerdings noch etwas komplizierter. Die schlimme Wendung zum Schluß wird gewöhnlich eingeleitet von einer scheinbaren Besserung. So sagt der Schauspieler zuerst recht sicher: „Keine Einzelheiten!“ als sei er noch Herr der Lage. Der Sohn der Vermieter beruhigt seine Mutter mit „Gar nicht wahr …“ und der Lehrling brachte die Verschlimmerung wie eine Entschuldigung vor. Erst durch dieses Hakenschlagen wird die Erzählung komisch. In der Konditorei beißt der Gast in den Christstollen. Vergebens. „Der ist ja hart wie Marmor!“ ruft er. „Ich tausche Ihnen den Stollen gern in Apfelkuchen um“, sagt der Ober. „Aber ich habe den Stollen doch schon angebissen.“ „Das macht nichts, wir haben auch angebissenen Apfelkuchen da.“

Witzableiter (11)

Vor einer Woche haben wir uns den Verstehensprozeß des Witzes angesehen und festgestellt, da findet eine Rückkopplung statt. Dem scheint die Beobachtung zu widersprechen, daß wir einen Witz immer sehr schnell verstehen. So plötzlich wie die folgende Entgegnung kommt auch unser Verstehen: „Hast du etwas zum Chef gesagt, daß ich ein Idiot bin?“ „Nein, er wusste es bereits.“ Diese Antwort, die doch keineswegs trivial gedacht ist, verstehen wir auf Anhieb. Wie kommt das?

Ich glaube, wir reagieren reflexhaft, wie in wirklicher Gefahr. Und es ist auch eine Gefahr, wenn man sich, vom Witz verwirrt, nicht mehr orientieren kann. Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick sagt, eine solche Konfusion erschrecke uns. „Im Bruchteil einer Sekunde und ohne zu überlegen, können wir komplizierte. lebensrettende Entscheidungen treffen.“ Auch wenn es im Witz nicht um lebensbedrohende Dinge geht – eine unerwartete Konfusion schreckt uns auch hier und läßt uns augenblicklich reagieren. Danach erst setzt die Rückkopplung ein wie eine Rückversicherung.

Hein fährt seit Monaten zur See. Immer allein unter Männern, nur die Arbeit und das Wasser. Kurz vor der Heimfahrt telefoniert er mit seiner Braut: „Wenn wir anlegen, dann stehst du am besten mit einer Matratze auf dem Rücken am Kai“, sagt Hein. „Okay“, flüstert sie, „aber mach ja, daß du als erster von Bord kommst.“

Daß wir einen Witz blitzartig schnell verstehen, ist wohl eine absolute Notwendigkeit. Der Mensch ist darauf angewiesen, „eine Ordnung im Lauf der Dinge zu sehen“ (Watzlawick). Und umgekehrt muß ein Witz wohl so schnell wirken, daß wir gar nicht erst Gelegenheit haben, uns gegen ihn zu wehren. Der Witz ist die Textsorte mit der schnellsten Kommunikation überhaupt. Das zeichnet ihn aus. Sie sagt zu ihrem Mann: „Es muß für eine Frau schrecklich sein, wenn sie merkt, daß sie alt wird.“ Antwortet er: „Viel schrecklicher ist es, wenn sie es nicht merkt.“ Wenigstens im Witz merkt man immer alles gleich.

Zum Schluß trägt die Überbietung uns ganz aus dieser Wirklichkeit heraus – als Vorgeschmack auf die Witze, die ich ihnen das nächste Mal ausführlich vorstellen will. Zwei Mäuse haben einen Elefanten gefangen und wollen ihn verspeisen. Sagt die eine: „Eigentlich ist ein Elefant für uns zu wenig, paß auf ihn auf, ich fange noch einen zweiten.“ Die Maus zieht also los und kommt bald mit neuer Beute zurück, findet die andere Maus aber allein und hört sie schluchzen: „Ich kann nichts dafür, der Elefant ist mir ausgerissen.“ „Lüg doch nicht“, faucht die erste Maus, „du kaust ja noch!“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 38/1984

[Fortsetzung folgt]

Postkarten (1): Grönland

Wer auf Reisen geht, ist zum Postkartenschreiben verdonnert. Die lieben Daheimgebliebenen erwarten förmlich, dass sie mit einem Kartengruß aus der Ferne bedacht werden. Ganz ehrlich: Ich hasse Postkartenschreiben!

Aber natürlich freut es auch mich, wenn eine Postkarte aus fernen, schönen Gegenden in den Briefkasten flattert. Gern erinnere auch ich mich an erholsame Tage ohne Arbeit in fremden Ländern.

Dieser Tag kam nun ein Kartengruß aus Grönland von Freunden aus Hamburg. Diese bevorzugen seit einigen Jahren die Reise mit dem Schiff und kreuzten bereits um den halben Erdball. Bisschen Großtuerei ist wohl auch dabei. Mich reizen sicherlich die Länder, aber weniger die Fahrten mit einem Kreuzfahrschiff. Aber eben jedem das Seine …

Unsere Hamburger fuhren also von Bremerhaven los, machten Halt auf den Shetlands, auf Island, dann natürlich auf Grönland und auf der Rückreise auch noch auf den Färöer-Inseln. Nicht schlecht …

Postkarte: Grönland

Postkarte: Grönland

Postkarte: Grönland

Watchmen – Die Wächter

Eine alternative Realität im Jahre 1985: Die USA haben Vietnam besiegt, Richard Nixon (Robert Wisden) tritt seine fünfte Amtszeit an. Das nukleare Wettrüsten mit der Sowjetunion steht kurz vor der kriegerischen Eskalation. Niemand ist in der Lage, die drohende Apokalypse abzuwenden. Weder der durch einen Strahlenunfall zum gottgleichen Dr. Manhattan (Billy Crudup) mutierte Physiker Jon Osterman, noch die maskierten Watchmen, die durch einen Staatserlass in den Ruhestand gezwungen wurden. Damit ist es jedoch abrupt vorbei, als ein vermummter Attentäter auftaucht und den Comedian (Jeffrey Dean Morgan) aus dem Fenster eines Wolkenkratzers wirft. Der letzte noch aktive Vigilant, der Soziopath Rorschach (Jackie Earle Haley), sieht darin einen Angriff auf alle noch verbliebenen Watchmen und begibt sich auf die Jagd nach dem Mörder. Mit der Hilfe seiner Ex-Kollegen Dan Dreiberg alias Night Owl II (Patrick Wilson), Laurie Juspeczyk alias Silk Spectre II (Malin Akerman) und Adrian Veidt (Matthew Goode), dem klügsten Mann der Welt, kommt Rorschach einer schrecklichen Verschwörung auf die Spur…

(aus: filmstarts.de)

Watchmen – Die Wächter ist ein auf den gleichnamigen Comics von Alan Moore und Dave Gibbons basierender Superhelden-Film. Regie führte Zack Snyder. Der Film kam am 5. März 2009 in die deutschsprachigen Kinos.


Watchmen Die Wächter – deutscher Trailer 2009

Es ist schon so eine Sache mit Superhelden. Sie kommen langsam in die Jahre. Das mussten auch Spiderman in Spiderman 3 und Batman in The Dark Knight erfahren, als sie nicht nur mehr gegen Bösewichte zu kämpfen hatten – sondern auch mit sich selbst.

Die Watchmen sind auch in die Jahre gekommen, aber sie präsentieren sich anders als alle bisher gezeigten Superhelden: Sie sind zynisch und brutal und damit nichts für zarte Seelen. Vielleicht lässt sich der Film mit Sin City vergleichen (liegt bei mir noch auf Abruf), beide Filme sind optisch opulent und präsentieren das Genre des Comics, wie es wohl wirklich sein will: unverblümt und etwas für Adepten.

Mich hinterlässt der Film etwas ratlos. Allein die Brutalität mancher Szenen stieß mich ab. Aber ich muss gestehen, dass von der Bildgewalt (sic!) eine nicht zu leugnende Faszination ausgeht. Für mich ist hier einigen (den Autoren der Vorlage und dem Regisseur des Films) reichlich die Fantasie durchgegangen – wie eine Sicherung oder eine Glühbirne durchgeknallt. Hier zeigen sich Protagonisten, die eigentlich Helden sein sollen, von ihrer dunklen Seite. Und wenn sie die Welt am Ende retten, so nur, indem sie andere Menschen in den Tod reißen. Ein weniger wünschenswertes Szenario.

Interne Festplatten extern über USB anschließen

Wer sich heute einen neuen Rechner kauft, wird feststellen, dass er mit seinen alten internen Festplatten nichts mehr anfangen kann. Seit 2002 werden Festplatten fast nur noch mit einer Serial ATA (S-ATA oder SATA)-Schnittstelle statt mit ATA (Advanced Technology Attachment with Packet Interface – ein Software-Protokoll zum Datentransfer zwischen Massenspeichern bzw. Laufwerken und Computern mit IDE- bzw. EIDE-Schnittstelle) angeboten. Die Vorteile gegenüber ATA/IDE sind der höhere mögliche Datendurchsatz und die vereinfachte Kabelführung.

Will man die alten Festplatten weiter nutzen – oder Daten von diesen auf seinen neuen Rechner überspielen, dann gibt es die Möglichkeit, diese mit einem Adapter wie externe Festplatten über USB anzuschließen: USB Highspeed to SATA/IDE Adapter Cable Set von Digitus für knapp 16 €. SATA-Festplatten kann man damit natürlich auch anschließen.

Digitus USB Adapter
Digitus USB Adapter in kompletter Montur mit Stromversorgung und Anschluss am PC am Beispiel einer 3,5″ IDE Festplatte

Man sollte dabei beachten, dass zunächst der Stecker für die Stromversorgung an die Festplatte geklemmt wird; erst dann den Stromstecker des mitgelieferten Netzteils in die Steckdose stecken. Ab Windows 2000 wird die ‚neue’ Hardware (der Anschluss über USB) erkannt. Ein Treiber muss also nicht installiert werden. Die so angeschlossene Festplatte wird dann auch vom System als neues Laufwerk (mit Laufwerksbuchstaben) erkannt. Sollte das Letzte nicht geschehen, so sollte man über Einstellungen – Systemsteuerung – Verwaltung – Computerverwaltung – Datenspeicher (Datenträgerverwaltung) nachschauen, ob die auf diesem Wege extern angeschlossene Festplatte gefunden wurde. Ist dem so, dann müsste jetzt auch der Windows Explorer die Festplatte finden.

Neben solchen USB-Adaptern, mit denen man solche Festplatten extern weiter nutzen kann, gibt es inzwischen auch Docking Stations, in die man die Festplatten nur noch einstecken muss. Hier eine Auswahl an Möglichkeiten: USB2-Adapter für interne Festplatten

Digitales Fernsehen – Kabelanschluss

Da wir uns im digitalen Zeitalter befinden, so sehen wir auch TV zunehmend digital. Im Wesentlichen unterscheiden wir da heute die Empfangsarten, wie diese bereits fürs analoge Fernsehen galten bzw. noch gelten: Empfang über Antenne (terrestrisch), Kabelanschluss oder über Satellit. Zunehmend wird der TV-Empfang übers Internet hinzukommen (IPTV).

Den Empfang von TV-Bildern in digitaler Form nennt man DVB, also auf Neudeutsch: Digital Video Broadcasting. Und so gibt es entsprechend der Empfangsart DVB-T (terrestrisch über Antenne), DVB-C (über Kabel) und DVB-S (über Satellit). Außerdem gibt es den Empfang über mobile Endgeräte.

Die Einspeisung der Fernsehprogramme über Antenne (terrestrisch) wird seit Ende 2002 gebietsweise auf digitale Technik umgestellt und ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Für einige Regionen bedeutet die Umstellung, dass der analoge Empfang abgeschaltet wurde und das digital ausgestrahlte Bild auf alten, analoge Fernsehgeräte mit entsprechenden Geräten (Digital-Receiver, Set-Top-Boxen) wieder in analoge Signale zurückverwandelt werden muss. Der Gebrauch von Digitalreceiver wird natürlich auch beim Empfang von digitalem Fernsehen über Satellit oder Kabel notwendig, wenn man analoge Endgeräte benutzt.

Leider lassen sich terrestrisch übertragende Sender nicht immer optimal empfangen, wenn man z.B. im Randbereich eines Ausstrahlungsgebietes wohnt. Zimmerantennen reichen dann meist nicht mehr aus. So kann man auf DVB über Satellit oder Kabelanschluss ausweichen, zumal diese Übertragungswege eine höhere Anzahl an Sendern gewährleisten.

Dabei ist der Empfang über Satellit (DVB-S) der preiswertere, weil man hierfür keine laufende Kosten (außer natürlich Pay-TV) zahlen muss.

Eine weitere Lösung ist das Kabel-Fernsehen. Wir selbst haben Kabel-Anschluss bei Kabel Deutschland und bezahlen hierfür monatlich satte 16,90 € – für den Empfang analoger TV-Bilder wohlbemerkt. Wer DVB-C haben möchte, darf dafür zusätzlich 12,90 € zahlen – bekommt dann allerdings auch eine ganze Reihe neuer TV-Programme (Kabel Digital Home) hinzu. Gegen weiteres Entgelt kann man weitere, z.B. fremdsprachige Sender buchen – und natürlich Sky, vormals Premiere.

Kabel Deutschland

Der Clou an der ganzen Sache (Clou ist gut …): Wer lediglich einen Kabelanschluss hat (für 16,90 €) kann zwar die weiterhin analog ausgestrahlten Sender empfangen, ihm nützt aber die Anschaffung z.B. eines Digital-Receivers ziemlich wenig. Denn: Obwohl es eine Reihe von so genannten frei empfangbaren digitalen Sender gibt, bekommen wir nur ARD und eine Anzahl der Dritten Programme ‚unverschlüsselt’ auf unser Fernsehgerät. Für alle anderen Sender benötigen wir eine Smartcard. Wer also alle über Kabel frei empfangbaren Sender digital sehen will, muss das kostenpflichtige Kabel Digital Home-Paket buchen, ob er all die anderen Digital-Sender sehen will oder nicht.

Und als Dreingabe gibt es dann auch noch ein Abonnement der Programmzeitschrift TV Digital – die ersten beiden Ausgaben kostenlos, dann darf gezahlt oder umständlich das Abo gekündigt werden. Die Möglichkeit, auf das Abo von vornherein zu verzichten, gibt es nicht.

Ja, das sieht alles nach Kostenschneiderei aus –Abzockerei nennt man das wohl auch. Dem aber nicht genug.

Aus den unterschiedlichsten Ecken ist zu vernehmen, dass Kabel Deutschland schon im nächsten Jahr den analogen Zugang zu Radio- und Fernsehsender einstellen will. Ich denke, diese Meldungen werden von Kabel Deutschland lanciert, denn dann können private Fernsehsender nur noch mit Aufpreis pro Gerät über den Kabelanschluss zu sehen sein, da jedes digitale Empfangsgerät eine eigene Smartcard zur Entschlüsselung des Fernsehprogramms benötigt. Die Betonung liegt dabei auf: jedes digitale Empfangsgerät, nicht Kabelanschluss. Außerdem: Für zahlreiche Fernseher mit integriertem digitalen Kabeltuner ist keine Smartcard erhältlich. Die Hersteller der Fernsehgeräte begründen dies mit den hohen Zertifizierungskosten.

Heute benutzen wir den Kabelanschluss auf mehreren Endgeräten: neben dem klassischen Fernsehgerät im Wohnzimmer empfangen wir TV auch auf mehreren Rechnern – neben einem LAN haben wir nämlich unser Haus mit Kabel-TV vernetzt. In Zukunft müssten wir dann für jedes Endgerät Gebühren zahlen.

Fazit: Für mich und meine Familie wird spätestens mit dem Abschalten der Analog-Sender ein Umstieg auf DVB-S – also digitalem Empfang über Satellit – interessant und sehr wahrscheinlich bei den laufenden Kosten, die ein digitaler Kabelanschluss verursacht. Wenn wir bei einem Kabelanschluss bleiben sollten, dann nur, wenn auch Internet und Telefon über diesen Anschluss realisiert werden könnte, was zz. bei uns (wir wohnen in der Provinz) nicht möglich ist.

P.S. Ich habe bei Kabel Deutschland wir folgt angefragt und bin gespannt auf die Antwort (die ich aber eigentlich schon kenne):

Ich habe einen Kabelanschluss für 16,90 € und möchte die frei empfangbaren DIGITALEN Sender gucken. Dafür habe ich mir einen Digital-Receiver gekauft. Leider kann ich nur den Sender ARD und eine größere Anzahl der dritten Programme digital empfangen. ZDF und die speziellen Digitalsender (EinsFestival, ZDFTheaterkanal usw.) sind verschlüsselt. An einem Zusatzpaket wie Kabel Digital+ oder Kabel Digital Home (viele zusätzliche Sender) bin ich nicht interessiert. Warum sind die angeblich frei empfangbaren Sender verschlüsselt?

Statt Doppel-Sechs wieder die Raute

Die neue Bundesliga-Saison ist gestartet. Und da die Wechselbörse erst mit dem 31. August schließt, haben sich einige Mannschaften noch ‚Nachschlag’ geholt. Bei Werder Bremen hat man wochenlang um den Spieler Claudio Pizarro verhandelt; er war für die letzte Saison vom FC Chelsea nur ausgeliehen. Für 5 Millionen Euro Ablöse (transfermarkt.de spricht sogar nur von 2 Millionen) kam er jetzt endgültig an die Weser – und hatte gleich in seinem ersten Bundesligaspiel am Samstag gegen die Fohlen aus Mönchengladbach mit zwei Toren einen starken Einstand. Für ihn musste Boubacar Sanogo weichen, der in der letzten Saison an 1899 Hoffenheim ausgeliehen war, jetzt nach Frankreich zum AS St. Etienne wechselte. Pizarro (Marktwert 12 Millionen) kostete also 5 Millionen, für Sanogo (Marktwert 3 Millionen) bekam Werder dagegen 4 Millionen – da haben Klaus Allofs und Co. wirklich kaufmännisches Talent an den Tag gelegt (Daten siehe bei transfermarkt.de). Wenn, dann denkt man bei Werder Bremen nur noch daran, den Kader zu verkleinern.

Der Start der Bremer in die neue Saison war ziemlich „durchwachsen“ und ließ Befürchtungen aufkommen, es könne wie im letzten Jahr weitergehen. Nach einem Sieg im DFB-Pokal bei Union Berlin (zz. überraschend Tabellenerster der 2. Liga) mit 5:0, setzte es im ersten Spiel Zuhause gegen Frankfurt gleich eine 2:3-Klatsche. Aber in München gegen die Bayern konnte man beim 1.1 immerhin punkten – und jetzt mit Pizarro gab es auch den ersten Dreier in der Bundesliga. In der neu geschaffenen UEFA Europa League gewann man das erste Spiel in den Play-Offs gegen den Meister aus Kasachstan FK Aktobe nach anfänglichen Schwierigkeiten (besonders in der Abwehr) 6:3 im Weserstadion. Im Rückspiel morgen am Donnerstag soll dann alles klargemacht werden für die Gruppenphase der Europa League.

3. Spieltag: Pizarro und Marin beim 3:0 gegen Gladbach

Der Aufwärtstrend bei Werder hängt vielleicht auch damit zusammen, dass man statt der Doppel-Sechs wieder die Raute spielt. Doppel-Sechs? Raute? Die Doppel-Sechs sind zwei defensiv eingestellte Mittelfeldspieler (defensive Mittelfeldspieler tragen traditionell die Trikotnummer 6) vor der Viererabwehrkette und wird z.B. beim 4-2-3-1-System (vor 4 Abwehrspielern agieren 2 defensive und drei eher offensive Mittelfeldspieler – vor denen ein Stürmer) gespielt; die Raute findet sich z.B. beim 4-4-2 (4 Verteidiger – 4 Mittelfeldspieler und zwei Stürmer), wobei ein Mittelfeldspieler defensiv, zwei zentral und einer offensiv operiert. Soviel zu taktischen Fußballsystemen.

Während Werder Bremen also den Anschluss nach oben sucht, versuchen die Bayern ihre erste Krise zu bewältigen. Aus drei Spielen holte das mit vielen Millionen Euro aufgerüstete Team gerade einmal zwei Punkte. Der neue Besen, der niederländische Zuchtmeister Louis van Gaal, kehrt bisher nicht allzu gut. Verwunderlich auch die skurrilen Ideen des Mynheer van Gaals, Klose, den Stürmer, als Mittelfeldspieler bzw. Schweinsteiger als Sechser (siehe oben) aufzubieten. Die Mannschaft wirkt zz. völlig verunsichert, so als wolle sie ihren gestrengen Herrn nicht enttäuschen. Damit scheint jeglicher Raum für individuelles Handeln und Spontaneität genommen. Ausnahme: der französische Anarchist Franck Ribéry, der aber bei jeder Gelegenheit vom Coach kleingekocht wird (O-Ton Béla Réthy, ZDF). Nach Klinsmann also die nächste Trainerpleite? Oder sind es nicht die Trainer? Sind die Bayern einfach untrainierbar? Wir werden es sehen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass sich in München eine Anspruchshaltung entwickelt hat, die den jetzigen Fehlstart zu einem Desaster macht. Für alle anderen gibt es dafür jede Menge Schadenfreude.

Neue Saison, neue Spiele und neues Glück! Es ist immer schon einmal ganz gut, wenn die Bayern gleich am Anfang einen auf den Deckel bekommen. Was wohl Uli Hoeneß dazu zu sagen hätte?

Abenteuerreise mit der Bahn

Am letzten Freitag machte ich zeitig Feierabend und wollte zunächst mit der Hamburger S-Bahn von der Station Sternschanze zum Hauptbahnhof fahren. Die Bahn stand bereits da und machte keine Anstalten weiterzufahren – bis die Durchsage kam, dass durch einen Polizeieinsatz der Hauptbahnhof gesperrt und die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben wäre. Dann ging es doch weiter, wenn auch nur bis Dammtor. Da von dort auch die Fernbahnen verkehren, fuhr ich mit.

Am Dammtor-Bahnhof stieg ich dann – unerlaubterweise, da nur mit eine Abonnements-Kundenbahn des HVV ausgestattet – in einen ICE, der mich tatsächlich zum Hauptbahnhof brachte. Vom Gleis 13 gegenüber auf dem gleichen Bahnsteig sollte dann mein Nahverkehrszug, ein Metronom (ME), mich in Richtung Bremen nach Hause bringen. Es fuhr zwar ein Metronom ein; dieser wurde aber am Hamburger Hauptbahnhof ausgesetzt und blockierte noch eine längere Weile das Gleis. Als die planmäßige Abfahrzeit schon überschritten war, kam die Meldung, dass der Metronom nach Bremen heute vom Gleis 11 starten soll.

Also nichts wie hin auf den anderen Bahnsteig – aber Halt: der Bahnsteig mit den Gleisen 11 und 12 wurde durch Flatterband abgesperrt – Polizisten hielten die Passanten davon ab, den Bahnsteig und den weiteren Bahnhofsbereich zu betreten. Nach kurzer Diskussion ließ man dann aber doch die Fahrgäste durch, deren Züge auf den Gleisen 11 und 12 abfahren sollten.

Ich musste noch kurze Zeit warten, dann kam tatsächlich mein Zug – statt der angeschlagenen fünf Minuten, fuhr der Zug dann mit 10 Minuten Verspätung los – und schaffte es, aus welchen Grund auch immer, diese Verspätung noch etwas zu vergrößern – bis ich endlich in Tostedt ankam.

Ja, mit der Bahn kann man so einiges erleben. Es wird nie wirklich langweilig bei einer Bahnfahrt. Immerhin wurde nicht geschossen.

Japanischer Tourist legt Hamburger Hauptbahnhof lahm

Ursache für den Polizeieinsatz und die Sperrung war ein japanischer Tourist, der seinen Koffer auf einem Bahngleis angekettet hatte, um sich noch einmal – ohne Gepäck – in der Stadt umzusehen. Ich hatte schon einmal neben dem Wort Schienenersatzverkehr das Wort herrenloses Gepäckstück als Unwortes des Jahres vorgeschlagen. Der Einsatz der Bundespolizei zur „Bombenentschärfung“ dürfte den guten Japaner noch teuer zu stehen kommen. Nach etwa anderthalb Stunden hoben die Beamten die Sperrungen endlich wieder auf. Inzwischen verspäteten sich 38 Regional- und Fernzüge; zwei Züge fielen aus.

Wenn das Stadion singt

Bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr in Peking enttäuschten die deutschen Leichtathleten und holten gerade einmal eine bronzene Medaille. Das sollte natürlich bei der 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die vom 15. bis 23. August in Berlin stattfand, anders werden.

Medaillen sind natürlich nicht alles. Und von einer Nationenwertung, die sich lediglich in einem Medaillenspiegel in Gold, Silber und Bronze ausdrückt, wird man den Einsatz der einzelnen Athleten kaum ablesen können.

Gut, nicht alle deutschen Athleten konnten ihre Leistung abrufen. Wenn Disziplinen in der Leichtathletik als deutsche Domäne anzusehen sind, dann die technisch anspruchsvollen Wurfwettbewerbe. Genau hier gab es neben positiven Überraschungen auch ‚bittere’ Enttäuschungen. Wenn etwas nicht läuft, dann läuft es eben nicht. So enttäuschte im Diskuswerfen Franka Dietzsch, die Titelverteidigerin, oder Markus Esser im Hammerwurf bei den Herren. Aber mit insgesamt 9 Medaillen konnten die deutsche Mannschaft ihren Heimvorteil, wenn es denn einer war, halbwegs gut nutzen.

Überflieger dieser Weltmeisterschaft war der Sprinter Usain Bolt aus Jamaika, der nicht nur zwei neue Weltrekorde über 100 m (9,58 sec.) und 200 m (19,19 sec.) aufstellte, sondern insgesamt drei Goldmedaillen (wie in Peking 2008) ‚abräumte’. Zu seinem 23. Geburtstag brachte ihm das ganze Stadion ein Ständchen. Überhaupt Jamaika: die Läufer der kleinen Karibik-Insel, männliche wie weibliche, ersprinteten sich hinter den USA den zweiten Platz in der Nationenwertung.

Usain Bolt mit Bürgermeister Klaus Wowereit: Ein Stück Berliner Mauer
Usain Bolt mit Bürgermeister Klaus Wowereit: Ein Stück Berliner Mauer

Erwähnenswert vielleicht auch noch das Publikum. Dank hoher Preise was das Stadion leider nicht immer voll besetzt. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Und bemerkenswert am Publikum war die große Fairness, z.B. beim Zweikampf der Hochspringerinnen zwischen der Deutschen Ariane Friedrich und der Kroatin Blanka Vlašic unterstützen die Zuschauer beide gleichermaßen.

siehe auch bei zdf.de: Leichtathletik-WM 2009