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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Inselaufenthalt Neuwerk: 2. Tag

Urlaub auf Neuwerk Nach einem ausgiebigen Frühstück (und noch schnell den Gang für kleine Jungs und große Mädels) machten wir am 2. Tag unsere erste größere Wattwanderung. Es war um 10 Uhr gerade Niedrigwasser und das höchste Nochwasser sollte gegen 16 Uhr 20 kommen.

So gingen wir beim Radarturm auf der Westseite der Insel Neuwerk ins Wattenmeer. Hier mussten wir zuerst die Fahrrinne bzw. das Fahrwasser für die Fähre nach Cuxhaven durchwaten. Das Watt wird durchpflückt von Prielen, die selbst bei Niedrigwasser Wasser führen, da sie tiefer als die Ablagerungen wie Sand und Schlick liegen. Immer wieder bilden sich hier Sandbänke, auf denen sich Muscheln sammeln.

So eine Wanderung ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Im Schlick versinkt man mit bloßen Füßen immer ein Stück, an manchen Stelle sogar bis zu den Waden. Wegen der Muscheln ist es angebracht, mit Strandschuhen zu gehen (andere Schuhe eignen sich weniger, da diese vom Salzwasser angegriffen werden). Aber wer sich nicht so empfindlich gibt, wird es mögen, zumal das Wandern im Schlick einer Kneipp-Kur gleichkommt.

Wir gingen im Watt in Richtung Norden bis zum Badehaus. Dort besteht die Möglichkeit bei Hochwasser im Meer zu baden. Es begann zu regnen. Aber bei einem Aufenthalt an der Nordsee gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur bekanntlich die falsche Kleidung. Außerdem wechselt hier das Wetter ziemlich schnell – und nach Regen kommt auch bald wieder die Sonne hervor.

AlbinZ im Wattenmeer bei der Insel Neuwerk

Wattenmeer bei der Insel Neuwerk: Priele

AlbinZ im Wattenmeer bei der Insel NeuwerK

Wattenmeer bei der Insel Neuwerk: Muschelbank

Wattenmeer bei der Insel Neuwerk: Schlick & Priel

Am Nachmittag gingen wir dann zum Leuchtturm von Neuwerk, dem Wahrzeichen der Insel – und da Neuwerk zu Hamburg gehört – dem ältesten Gebäude der Hansestadt. Dieser Leuchtturm wurde 1310 fertiggestellt und diente zunächst auch als Schutz vor Seeräubern. Das heute noch funktionsfähige Leuchtfeuer auf dem Turm wurde 1814 eingerichtet. Wegen seiner Lage am Zusammenfluss von Elbe- und Wesermündung war es ein wichtiges Seezeichen.

Im Leuchtturm gibt es sieben Fremdenzimmer, die angemietet werden können. Und man kann den Turm über 138 Stufen natürlich auch besteigen. Von oben hat man einen herrlichen Blick über die Insel – und natürlich auch einen Blick bis nach Cuxhaven. Übrigens gab dieser Leuchtturm der Insel seinen Namen: das neue Werk (Gebäude) wurde zu Neuwerk.

Leuchtturm der Insel Neuwerk

Blick Richtung Süden zum Jachthafen

Blick Richtung Westen Nordbake & Radarturm

Leuchtturm der Insel Neuwerk

Inselaufenthalt Neuwerk: 1. Tag

Urlaub auf Neuwerk Unsere Urlaubsvorbereitungen sind Realität geworden: Die Anreise zur Insel Neuwerk erfolgte über Cuxhaven mit der Bahn. Von dem Fähranleger „Alte Liebe“ beim „Alten Hafen“ erfolgte die Abfahrt mit der Fähre, der MS „Flipper“, um Punkt 12 Uhr und dauerte 1 ¾ Stunde. Das nächste Hochwasser, also der Höchststand des Wassers, war um 15 Uhr 54.

Abfahrt von Cuxhaven nach Neuwerk mit der MS Flipper

Abfahrt von Cuxhaven nach Neuwerk mit der MS Flipper

Abfahrt von Cuxhaven nach Neuwerk mit der MS Flipper

Insel Neuwerk

Insel Neuwerk - Ankunft mit der MS Flipper

Insel Neuwerk – Ankunft mit der MS Flipper

Bei der Abfahrt regnete es noch einwenig; die Ankunft auf Neuwerk im hamburgischen Wattenmeer gegen 13 Uhr 45 erfolgte aber bei herrlichem Sonnenschein. Mit auf der Fähre war der Postbote, der an diesem Samstag seine Arbeit noch vor sich hatte. Sein Postrad steht immer dienstbereit beim Fähranleger:

Dienstbereites Fahrrad für den Postboten auf Neuwerk

Abfahrt von Cuxhaven nach Neuwerk mit der MS Flipper

Dienstbereites Fahrrad für den Postboten auf Neuwerk

Leerungszeiten: "gezeitenabhängig"

Unsere Unterkunft hatten wir rechtzeitig im Haus Seeblick gebucht, eine Ferienwohnung für uns vier Personen. Und tatsächlich hatte das eine Zimmer, Wohn- und Schlafzimmer mit Küchenzeile einen wunderschönen Blick auf die See, genauer auf die Ostseite der Insel, wo sich neben dem Fähranleger auch ein Radarturm und die Nordbake, ein Seezeichen aus Holz, das der Markierung des Fahrwassers dient, befinden.

Friedhof der Namenlosen

Da gerade Hochwasser war, erkundeten wir zunächst die Insel, suchten den Jachthafen mit der Badestelle im Süden auf, warfen einen kurzen Blick auf den Friedhof der Namenlosen und gingen dann den Mittelweg der Insel längst; auf einem künstlich aus Erde aufgeschütteten Hügel, einer Warft (hier Wurt genannt), befindet sich das Wahrzeichen der Insel, der alte, 1310 fertiggestellte Leuchtturm. Früher diente dieses Bauwerk als Wehrturm gegen Piraten und Plünderer. Hier gibt es auch den einzigsten Laden der Insel (H. Lange) mit Ottos Gartenlokal, das besonders von den Tagereisenden frequentiert wird.

Abends aßen wir dann „Zum Anker“, in einem rustikal-maritim eingerichteten Restaurant und ließen es uns mit hier frisch geräuchertem Fisch, dazu Salat und Bratkartoffeln, schmecken.

Unser erster Eindruck: Hier lässt es sich aushalten. Kein Autolärm, dafür das Geschnattere und Geschrei der vielen Seevögel, die die Insel bevölkern. Und neben der weniger als 40 ständigen Bewohner der Insel (die Angaben schwanken zwischen 34 und 38) gibt es viele Pferde und Jungochsen, die aber überwiegend als Pensionsgäste im Sommer anzutreffen sind. Groß ist die Insel nicht (rund 3 km²), aber wenn man alle Wege zu Fuß zurücklegen muss, dann kommen schon einige Kilometer am Tag zusammen.

40 Jahre Mondlandung (Ziel)

Heute vor 40 Jahren betraten die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin den Mond. Eine halbe Milliarde Menschen verfolgte das Ereignis live im Fernsehen. Ich war damals 15 Jahre alt, so alt wie mein jüngster Sohn heute. Und natürlich saß auch ich vor dem Fernsehgerät und verfolgte die ersten Schritte eines Menschen auf den Erdtrabanten.

40 Jahre Mondlandung

Für mich bleibt dieser Tag auch noch aus anderen Gründen unvergesslich. Ich fuhr mit meinem Vater an diesem Tag in die DDR nach Altentreptow, einem kleinen Ort, der heute in Mecklenburg-Vorpommern liegt, um meine Großmutter väterlicherseits und deren Schwester zu besuchen. Er war mein erster Besuch in der DDR und das erste und letzte Mal, dass ich meine Großmutter Henriette sah.

Alles für die DDR Katz

Ich erinnere mich an die Schlagzeilen, die die Mondlandung auch in der DDR machte, wenn wohl auch versucht wurde, das Ganze etwas herunterzuspielen und immer wieder auf die Pionierarbeit der sozialistischen Freunde aus der UdSSR verwiesen wurde. Schon am nächsten Tag prangte aber wieder eine der üblichen Überschriften zum Alltag in der DDR auf der Seite eins der regionalen Tageszeitung: Alles für die DDR. Ich machte daraus Katz: Alles für die Katz.

Damals feierte die DDR ihr 20-jähriges Bestehen. 20 Jahre später sollte dann alles wirklich für die Katz sein.

Themenbereich bei zdf.de: 40 Jahre Mondlandung

Ry Cooder & David Lindley live in Japan 1979

Man stelle sich vor: Am Abend sitzt man vor einem Lagerfeuer irgendwo in der Wildnis, ein gutes Glas Wein in der Hand – und dazu Gitarrenmusik.

So kam es mir wenigstens vor, als ich die Aufnahmen von Ry Cooder und David Lindley hörte, die die beiden am 29. Oktober 1979 in einer Lokalität namens Kobo Kodo in Tokyo eingespielt haben. Zur Lokalität und auch zu dem Konzert selbst habe ich keine weiteren Informationen im Internet finden können. Das tut aber der Musik keinen Abbruch.

Ry Cooder & David Lindley - live 1979 in Tokyo

Cooder wie Lindley sind als hervorragende Slide-Gitarristen in der Weltgeschichte unterwegs. Gelegentlich greifen beide auch zu Mandoline oder anderen, teilweise exotischen Zupfinstrumenten (Davids InstrumenteRys Instrumente).

Das Konzert in Tokyo 1979 ist im Wesentlichen akustischer Art, nur hier und da elektrisch verstärkt. Wer die Stücke aufgenommen hat, ist unbekannt. Auf abenteuerliche Weise sind diese über Kassetten analog irgendwann digitalisiert worden – erstaunlich daher die noch sehr gute Qualität. Wer auf akustisch vorgetragenen Blues steht, für den sollten diese Aufnahmen eine echte Perlenkette sein. Als ich zum ersten Mal hineinhörte, war ich gleich begeistert.

Aber langer Rede genug – hier einen kleinen Ausschnitt aus dem Konzert, das hören lässt, was die gesamten Aufnahmen bieten.


Ry Cooder & David Lindley: Police Dog Blues

Der Witzableiter (9): Paradox? Im Prinzip ja

Fortsetzung von: (8): So komisch wie ein Lexikon

Radio Eriwan – selbst bis zu uns hier im Westen sind die Witze gelangt. Ein Ausgangspunkt für einen weiteren Artikel von Eike Christian Hirsch in dessen Kolumne „Der Witzableiter“, die 1984 im ZEITmagazin erschien, und uns Näheres über die Technik des Paradoxen im Witz aufzeigt.

Ein Hotelgast morgens zum Ober: „Ich hätte gern zwei zu hart gekochte Eier, eiskalten Speck, verkohlten Toast, tiefgefrorene Butter und lauwarmen Kaffee.“ Darauf der Ober: „Das dürfte etwas schwierig sein.“ Gast: „Wieso, gestern ging es doch auch!“ Diese Art, seine Meinung zu äußern, kann man wohl als „Darstellung durchs Gegenteil“ bezeichnen – und in diese Kategorie fallen auch alle Witze, die ich Ihnen heute vorstellen will.

Frage an Radio Eriwan: „Ist es wahr, daß man alle Pilze essen kann?“ „Im Prinzip ja. Einige Pilze nur einmal.“ Zugleich wahr und doch nicht – paradox. Daß alle Witze irgendwie paradox sind, habe ich Ihnen das letzte Mal erzählt. Auch die Darstellung durchs Gegenteil ist eine Spielart des Paradoxen. Fragt die neue Kollegin: „Wie ist denn der Chef?“ „Eigentlich hat er ein ziemlich ausgeglichenes Temperament. Er ist gleichermaßen ekelhaft.“

Diese Technik dient offenbar dazu, uns erst einmal ordentlich in die Irre zu führen. Bei diesem Beispiel eben erfahren wir erst im letzten Wort, dass wir vorher auf dem Irrweg waren. Um so größer ist unsere Verblüffung. Und darauf kommt es beim Witz schließlich an. Arzt nach gründlicher Untersuchung zum Patienten: „Lassen Sie es mich so sagen – Sie brauchen sich um die steigende Zahl der Verkehrstoten, um die zunehmende Kriminalität und um die Umweltverschmutzung keine Sorgen mehr zu machen.“

Diese Witztechnik gibt uns willkommene Gelegenheit, über die Verblüffung nachzudenken, auf die es jeder Witz bei uns abgesehen hat. Wer schon einmal Opfer eines Streichs war, weiß, wie unangenehm es ist, reingefallen zu sein und die Orientierung verloren zu haben. Für einen Augenblick schwankt uns der Boden unter den Füßen. Das hat kein Mensch gern. Unser Vergnügen am Witz stammt jedenfalls nicht aus dieser Verblüffung – eher aus der Erleichterung, wenn sie überwunden ist. Der Ehemann steigt von der Personenwaage. „Mein Gewicht ist völlig in Ordnung“, sagt er zufrieden zu seiner Frau, „nach der Tabelle sollte ich nur zwölf Zentimeter größer sein.“

Über die Verblüffung beim Witz sagt der Psychologe Peter R. Hofstätter nicht zu viel, wenn er schreibt: „Beinahe – aber eben nur beinahe – wären wir in einen unauslotbar tiefen Abgrund gestürzt; ganz anders als gedacht, haben wir jedoch wieder festen Boden unter den Füßen.“ Das Bild vom Abgrund, das Hofstätter verwendet, können wir auch ändern in das Bild eines Hindernisses, über das wir springen müssen. Erst scheut das Pferd, aber dann springt es doch. Freilich, es kann auch schief gehen, wie folgender Witz zeigt, der auch die Technik der Darstellung durchs Gegenteil verwendet: Der Reitschüler wagt seinen ersten Sprung. Das Pferd scheut und wirft den Reiter über das Hindernis. „Schon ganz gut“, lobt der Reitlehrer, „das nächste Mal müssen Sie nur noch das Pferd mitnehmen.“

Blitzableiter (9)

Staunen, Verblüffung, Reinfall und Kehrtwendung – das gehört offenbar zum Witz. Es ist seine negative Seite, damit erzeugt er die Spannung, die sich dann im Erkennen und Verstehen löst. Oder ist es umgekehrt, verstehen wir erst und staunen dann? Beobachten Sie sich doch einmal selbst: Der schwäbische Meister zu seinen Azubi: „Es gibt Domme ond Saudomme. Von de Domme bischt du koiner!“ Na, wie war das mit der Reihenfolge von Verblüffung und Verstehen bei Ihnen?

Am Ende des vorigen Jahrhunderts veröffentlichte Theodor Lipps, Professor für Philosophie in München, eine Theorie des Komischen und behauptete darin, erst erstehe man den Witz und dann wundere man sich, denn ohne Verständnis könne man sich ja nicht wundern. Ihm widersprach sehr höflich sein holländischer Kollege G. Heymans: erst Verblüffung, dann Verständnis. Zur Begründung schrieb er: „Ich glaube, mich nun in dieser Sache einfach auf das Zeugnis der Selbstwahrnehmung berufen zu können.“ Prüfen Sie selbst: „Hat es bei Ihnen in den Ferien auch so oft geregnet?“ „Nein, nur zweimal. Zuerst drei Tage und dann zwei Wochen.“

Es mag ja so sein, daß man bei so manchem Witz erst glaubt, ihn verstanden zu haben, dann staunt und schließlich erst richtig begreift. Theodor Lipps, das Münchner Schulhaupt, gab dennoch nach und korrigierte sich (unter Philosophen eine ganz große Leistung). Er wollte nun allerdings „drei Stadien“ unterschieden wissen, und zwar „bei aller Komik“. So genau sind Fachleute. Ich meine aber, daß man so der Sache auch nicht auf den Grund kommt. Wie ich den Streit schlichten möchte, verrate ich Ihnen das nächste Mal, wenn er um die „Erleuchtung“ geht, die zu jedem Verstehen gehört. Hier nur so viel zum Streit: „Sie halten mich wohl für einen ausgemachten Trottel?“ „O nein, ich beurteile einen Menschen nie nach seinem Aussehen.“

Zum Schluß für heute empfehle ich Ihnen eine noch elegantere Liebenswürdigkeit, die Sie vielleicht bei passender Gelegenheit selbst verwenden können. „Hoffentlich sind wir nicht zu lange geblieben,“ erkundigt sich der Besuch zum Abschied. „Aber nein“, wehrt der Gastgeber ab, „um diese Zeit pflegen meine Frau und ich sowieso immer aufzustehen.“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 36/1984

[Fortsetzung folgt]

40 Jahre Mondlandung (Start)

Vor 40 Jahren ging von der bemannten Raumfahrt eine Faszination aus, die heute kaum nachvollziehbar ist. Zum einen waren die Menschen im Jahre 1969 durch die Medien (an ein Internet war nicht zu denken) noch nicht so reizüberflutet, zum anderen stand da im Juli ein Ereignis bevor, dass bis heute einzigartig ist: die bemannte Landung auf dem Mond!

Heute vor 40 Jahren, am 16. Juli 1969, startete die US-Mondmission Apollo 11. Vier Tage später betraten Neil Armstrong und Edwin Aldrin Mondboden. Doch bereits der Start der Saturn V-Rakete wurde zu einem bewegenden Menschheitsereignis.

40 Jahre Mondlandung

Apollo 11 startete am 16. Juli 1969 um 13:32:00 UTC von Cape Canaveral, Florida und erreichte zwölf Minuten später planmäßig die Erdumlaufbahn. Nach anderthalb Erdumkreisungen wurde die dritte Raketenstufe erneut gezündet. Sie brannte etwa sechs Minuten lang und brachte das Apollo-Raumschiff auf Mondkurs.

Themenbereich bei zdf.de: 40 Jahre Mondlandung

Bilderserie 40 Jahre Schritte auf dem Mond
Video Doku: Aufbruch ins All

Nackt gegen den Ruin

Im Kampf gegen den drohenden finanziellen Ruin geben die Fußballerinnen des schwedischen Erstligisten Kristianstad FF wortwörtlich ihr letztes Hemd. Mit einem Mannschafts-Nackfoto ohne Trikots, handgemalten Nummern auf dem Rücken und erhobenen Händen machen die Spielerinnen auf die brenzlige Situation aufmerksam. Die Lage in Kristianstad ist kein Einzelfall in Schwedens Nationalliga Allsvenskan. Mehrere Klubs befinden sich in Existenznot. Der Verband zeigt sich unbeeindruckt und droht: Wer bis 31.August nicht schuldenfrei ist, bekommt keine Lizenz für die kommende Saison.

Kristianstad FF - Nackt gegen den Ruin

Der Witzableiter (8): So komisch wie ein Lexikon

Fortsetzung von: (7): Im Kopf, wo es blitzt

Im 8. Teil von Eike Christian Hirschs Kolumne „Der Witzableiter“, die 1984 im ZEITmagazin erschien, kommen wir diesmal vom „Wortwitz“ zum „Gedankenwitz“, der sich oft aus einer „paradoxen“ Definition ergibt. Mancher Witz krönt sich so zum Aphorismus, einer eigenen literarischen Gattung.

Feldwebel: „Huber, wie können Sie es wagen, die Naturwissenschaftler auf eine so falsche Fährte zu locken. Die Herren suchen das Riesenfaultier in Südamerika, und Sie drücken sich hier in der Kaserne herum.“

Der Kern dieser Beschimpfung ist eine Definition, eigentlich sogar nur das Wort Faultier. Das scheint für einen Witz zu reichen. Und weil wir hier nach den einfachsten Baumustern für einen Witz suchen, ist uns diese Einsicht willkommen: Eine Definition reicht. „Was heißt hier Schlagerstar“, sagt der Produzent verächtlich, „ bei uns wird doch schon auf Platte genommen, wer einigermaßen gesund husten kann.“

Nicht jede Definition freilich ist ein Witz, sonst wäre nichts so komisch wie ein Lexikon. Ein bißchen Pfiff muß auch dabeisein, zum Beispiel Bosheit. „Hör mal, Anne“, sagt die Freundin, „dein Mann erzählt, er führe ein Hundeleben.“ „Stimmt“, bestätigt Anne, „er kommt mit schmutzigen Füßen ins Haus, macht es sich vor dem Ofen bequem, knurrt herum – und lauert aufs Essen.“

Eine zugespitzte und etwas verblüffende Auslegung des Wortes Hundeleben, fertig ist der Witz. Doch halt, ein bißchen Einkleidung ist meist noch drumherum, wie bei den „eingekleideten“ Mathematikaufgaben. Etwa so: „Mami“, fragt die kleine Tochter, „bekomme ich später auch einen Mann?“ „Natürlich, wenn du artig bist.“ „Und wenn ich nicht artig bin?“ „Dann bekommst du viele Männer.“

Man könnte sich die Pointe auch ohne Einkleidung, also ohne Dialog denken, einfach als Bonmot oder als Aphorismus. Da klingt das dann uneingekleidet so: „Wenn die Männer in die Jahre kommen, wo sie keine schlechten Beispiele mehr geben können, fangen sie an, gute Ratschläge zu geben.“ Auch eine Definition und darum formal kein Witz.

Das wirklich funktionierende Teil in einem Witz, der springende Punkt sozusagen, ist oft nur ein einziges Wort. Hier zum Beispiel: Die flotte Elvira zum Hausmeister: „Ich brauche noch fünf Schlüssel für mein Appartement.“ „Sollten wir da nicht besser gleich eine Drehtür einbauen?“ Mit dem einen Wort Drehtür definiert der Hausmeister den Wunsch der Mieterin. Knapper kann eine Pointe kaum sein.

Witzableiter (8)

Vom Berliner Witz sagt man, daß er sich besonders gern in knappen Definitionen ergeht („Du hast’s gut, du bist doof“) und ebenso kurz wie aggressiv ist. Als die U-Bahn plötzlich bremst, muß sich Bolle an einem Fahrgast festhalten. „Mensch“, sagt der, „ick bin doch keen Laternenpfahl!“ „Det stimmt“, meint Bolle, „dafür sind Se oben nich helle jenuch.“

Was macht diese Definitionen komisch, ist es die Bosheit? Nicht unbedingt, was vielleicht dieses Beispiel zeigen kann: Oliver soll zur Oma in die Ferien fahren. „Hast du auch deinen Waschlappen eingepackt?“ fragt die Mutter. „Waschlappen?“ fragt Oliver, „ich denke, ich fahre in die Ferien.“ Das ist nun nicht boshaft, sondern rührend. Worin liegt dann die Komik? Was diese Formulierung witzig macht, ist wohl eher Widersinn. Sie sind paradox. Die Bezeichnungen „Riesenfaultier“ oder „Drehtür“ sind überzogen; das Wörtlichnehmen der Bilder „Laternenpfahl“ oder „Hundeleben“ ist verblüffend und verrückt. Am deutlichsten wird das wohl in den Worten „gesund husten können“. Das ist fast ein Selbstwiderspruch. Aber nur fast. Es ist eher paradox.

Und nun wollen Sie sicherlich wissen, was ich denn für einen Unterschied zwischen Widerspruch und paradox mache. Doch, da gibt es einen. Im Paradox ereignet sich zwar auch ein harter Zusammenstoß, aber sozusagen nicht frontal. Die Begegnung erweist sich als fruchtbar, und sie kann unseren Blick erweitern. „Gesund husten“ ist doch eine etwas bizarre, aber durchaus kreative Bezeichnung für die raue Sangesart des Rock. Und Ferien als „Ferien vom Waschzwang“ ist doch auch nicht nur verrückt. Eben. Und damit ist schon fast alles über den Witz gesagt.

Die Spontisprüche an den Betonwänden – auch sie definieren – sind manchmal ebenfalls paradox: „Spontaneität will wohl überlegt sein“, zum Beispiel. Oder „Als Gott den Mann schuf, übte sie noch.“ Das gefällt mir sogar besonders gut, weil sich noch eine Überraschung ergibt mit dem „sie“. Und da es gerade um Theologie geht, noch diesen Spruch: „Gott ist nicht tot, er ist gerade beim Wort zum Sonntag eingeschlafen.“ Das ist nun schon fast die platte Wahrheit.

Es wird Ihnen gar nicht aufgefallen sein, daß meine Beispiele diesmal nicht (wie sonst) Wortspiele enthalten haben. Das war Absicht, weil ich Ihnen zeigen wollte, daß bloße „Gedankenwitze“ genauso gut sein können wie Wortwitze.

Die Edelausgabe der paradoxen Definition ist der Aphorismus, den ich zum Schluß wenigstens noch erwähnen will. „Man kann einer Versuchung nur entgehen, indem man ihr erliegt“, das ist vom dekadenten Oscar Wilde. Unsinn mit Tiefsinn. Von Karl Kraus stammt das berühmte Wort gegen seinen Wiener Mitbürger Sigmund Freud: „Die Psychoanalyse ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält.“

Zu ganzer Größe und Weisheit steigt die Gattung der witzigen Definition auf in diesem Dialog, der anonym überliefert ist: „Alles Unglück kommt von den Juden .“ „Nein, von den Radfahrern.“ „Wieso von den Radfahrern?“ „Wieso von den Juden?“

Eike Christian Hirsch – Der Witzableiter (Kolumne in 25 Teilen)
aus: ZEITmagazin – Nr. 35/1984

[Fortsetzung folgt]

8 ° Ost: Klimahaus Bremerhaven

Klima geht uns alle etwas an. Um mitreden zu können, sollte man aber über die nötigen Informationen verfügen. Das gilt für alle, also auch schon für die Kleinen.

Wer in der Ferienzeit mit seinen Kindern nicht unbedingt wochenlang verreist, kann die Zeit durchaus sinnvoll nutzen. In vielen größeren Städten gibt es Museen und so genannte Science Center, also wissenschaftliche Ausstellungshäuser, die man besuchen kann, und in denen man neben Spannung auch viel Wissenswertes vermittelt bekommt – für Große wie Kleine.

Es ist erst wenige Tage her, da wurde in Bremerhaven das Klimahaus eröffnet. Die rund 18.800 m² große Wissens- und Erlebniswelt greift dabei in vier Ausstellungsbereichen den Themenkomplex Klima und Klimawandel auf.

Klimahaus Bremerhaven

Wer also in Norddeutschland wohnt oder gerade einmal in der Nähe von Bremerhaven ist und nichts Besseres vor hat – ein Blick ins Klimahaus Bremerhaven kann bestimmt nicht schaden. Eintrittspreis für Erwachsene 12,50 € – für Kinder ab 5 Jahre 8,50 € (es gibt auch Familienkarten u.ä.).

Ry Cooder: Paris, Texas

Ich habe mich gefragt, wie ich eigentlich zu Ry Cooder ‚gekommen’ bin. Es war die Musik zu dem Film Paris, Texas aus dem Jahre 1984 von Wim Wenders, mit dem Cooder später weitere Male zusammenarbeiten sollte (Buena Vista Social ClubRy Cooder: The End of Violence).

„Paris, Texas“ ist ein deutsch-französischer Spielfilm, ein in englischer Sprache gefilmtes Drama, u.a. mit Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Dean Stockwell und Bernhard Wicki. Das Drehbuch schrieb Sam Shepard. Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1984, dem neben der Berlinale und den Filmfestspielen von Venedig bedeutendsten Filmfestival, erhielt der Film den Hauptpreis, die Goldene Palme.

Wer den Film kennt, wird sich unweigerlich auch an die Musik erinnern. Cooders Musik mit den einsamen, geradezu spärlichen Tönen auf der Slide-Gitarre gehört zu den Fällen, in denen sich die Musik mit dem Film zu einer gelungenen Symbiose gefunden hat. Da ist der eine Teil ohne den anderen einfach nicht denkbar. Und so sieht man beim Eröffnungsthema von Cooder unwillkürlich diese weiten Ebenen im Westen der USA und Travis (Harry Dean Stanton), wie er sie durchwandert; und jedes Mal, wenn man z.B. ein Standfoto aus dem Film sieht, hört man die Musik von Ry Cooder.

Ry Cooder: Paris, Texas

Der Eingang zum Hauptthema zu Paris, Texas besteht nur aus wenigen Tönen. So schlägt Cooder eine Saite an, gleitet mit dem Bottleneck (auch Slide-Bar genannt) kurz einen Halbton höher und gleich wieder zurück auf einer Gitarre, die in offener Stimmung in D-Dur gestimmt ist (D – A – D – F# – A – D). Das ist minimalistisch und passt doch ungeheuerlich zu den kargen Bildern des Films.

Damals, als ich den Film zum ersten Mal sah, hat mich die Musik wohl mehr fasziniert als der Film selbst (oder es war das beschriebene Zusammenspiel von Film und Musik), sodass ich mich weiter umhorchte und mir so nach und nach die eine und andere Scheibe von Ry Cooder zulegte. So ‚kam’ ich also über diesen Soundtrack zu dem Meister der Slide-Gitarre.

Hörbeispiele – Ry Cooder: Paris, Texas

Der Film selbst ist „eine filmästhetisch bestechende und emotional mitreißende Synthese aus publikumswirksamem Genrefilm und europäischem Autorenkino als realistisches Amerikabild, Road Movie, Liebesgeschichte und mythische Allegorie gleichermaßen glaubhaft und faszinierend.“ (Lexikon des internationalen Films)


Paris, Texas (1984)

siehe auch Paris, Texas – Trailer (Deutsch)
siehe auch World of Soundtrack: Ry Cooder