Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Typisch deutsch: Gemütlichkeit

Es gibt Wörter in der deutschen Sprache, in denen klingt ein Lebensgefühl an, das man als typisch deutsch bezeichnen muss. Diese lassen sich kaum angemessen in andere Sprachen übersetzen. Das Wort „Gemütlichkeit“ ist dabei das deutsche Wort schlechthin. Ein Wort, das ein ganz anderes Lebensgefühl ausdrückt als das Savoir vivre der Franzosen oder das italienische dolce vita. Im Englischen kann man den deutschen Begriff nur mit „atmosphere of comfort, peace and acceptance“ umschreiben („cozyness“ ist nur ein Teil). Schaut man im Duden nach, dann findet man Synonyme wie Behaglichkeit, Wohnlichkeit, Heimeligkeit, Traulichkeit, Trautheit, Lauschigkeit – und erkennt, wohin der Weg geht.

Wesentlicher Bestandteil des Wortes Gemütlichkeit ist das (deutsche) Gemüt. Lt. Wörterbuch der Gebrüder Grimm ist „das gemüt ursprünglich, wie der mut, unser inneres überhaupt im unterschied vom körper oder leib, daher leib und gemüt u. ä., wie leib und seele.“  Wiederum lt. Duden ist Gemüt ein Begriff, der im Unterschied zu den intellektuellen Funktionen die emotionalen Seiten des Menschen bezeichnet z. B. Stimmungen, Affekte, Gefühle, Leidenschaften. Ganz allgemein wird Gemüt mit Seele übersetzt. Sprichwörtlich kennt man welche, die ein sonniges Gemüt haben. Und wer sich etwas zu Gemüte führt, der isst – und sich einen zu Gemüte führen, heißt trinken.

Wenn es also in Deutschland gemütlich wird, so ist meist zu befürchten, dass auch reichlich Essen und Alkohol ins Spiel kommt (Sonst hört die Gemütlichkeit auf).

In Gemüt wiederum steckt das Wort Mut. Wahrscheinlich braucht man schon sehr viel Mut, wenn man sich als Nichtdeutscher in deutsche Geselligkeiten verirrt – z.B. an einen Stammtisch, neben dem urdeutschen Verein (eben ein Club mit viel Gemütlichkeit) eine „Einrichtung“, die kaum in anderen Sprachen ein Pendant finden dürfte.

Siehe hierzu swr.de: Urdeutsche Wörter

ergänzend meine Beiträge: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm GrimmYou need Zugzwang

Das Ende der Spiele

Die olympischen Spiele in Peking sind zu Ende. Peking sei der beste Olympia-Gastgeber der vergangenen hundert Jahre gewesen. So feiert man sich selbst in China. Und: Der Spitzenplatz der chinesischen Athleten in der Goldmedaillenwertung sei ein historischer Durchbruch und hat ein neues Kapitel in der Entwicklung des Sports in China geschrieben, verkünden die chinesischen Printmedien. Oder anders gesagt: Ein rigoroses Sportsystem, das in dieser Art bei uns nicht denkbar ist, liefert den geplanten Erfolg: Es zählt nur Gold!

Sicherlich waren es außergewöhnliche olympische Spiele, ein perfekt inszeniertes Spektakel, begleitet von kontrollierter Ausgelassenheit. China hat keine Kosten gescheut, um der Welt zu zeigen, zu was es fähig ist. 43 Milliarden Dollar hat das Land in die olympische Infrastruktur investiert. London in vier Jahren wird gerade mit einem Drittel des Geldes auskommen müssen. Es zeigt sich eben, dass nur ein totalitäres Regime so viele Milliarden Dollar locker machen kann, obwohl gleichzeitig mehrere Hunderte Millionen seiner Bürger in tiefster Armut leben.

Olympia: Ende der Spiele?

Immerhin gesteht IOC-Chef Rogge die Machtlosigkeit des IOC in Sachen Zensur und Unterdrückung von Protesten ein. Hier hat China nicht das eingehalten, was es versprochen hat. „Durch Olympia hat die Welt mehr über China gelernt und China mehr über die Welt.“ Was die Welt über China gelernt hat, entspricht kaum der Wirklichkeit. Kann man nur hoffen, das China tatsächlich etwas mehr über die Welt gelernt hat. Besonders was Menschenrechtsfragen betrifft. Zu wünschen ist, dass die Machthaber in Peking ihre bisher sture Haltung aufgeben und die nötigen Reformen in Gang setzen, um China auf den Weg zu einem Rechtsstaat zu bringen.

Nach der zunehmenden Kommerzialisierung der Olympiade erreichten die Spiele in Peking also eine neue Dimension. In London 2012 dürfte sich das wieder normalisieren. London hofft, Olympia etwas zu geben, was in Peking vielleicht ein wenig zu kurz kam: mitreißende Spiele, auch außerhalb der Sportstätten, Party-Stimmung und Humor. „Funky“ und modern, gut organisiert, aber nicht klinisch soll es werden.

Die Mehrheit der Athleten scheint bei den Spielen 2008 sauber. Nur 10 Dopingfälle trüben den Gesamteindruck. Immerhin werden die Blutproben acht Jahre lang aufbewahrt. Bis dahin sollten auch die Dopingmittel nachzuweisen sein, die heute nicht aufgedeckt werden können. Erst dann wird man wissen, was die Spiele 2008 wirklich wert waren. Ob dann Superstars wie der jamaikanische Sprinter Usain Bolt und der US-Schwimmer Michael Phelps weiterhin als denkwürdige Olympioniken gelten können? Was bleibt von den 51 Goldmedaillen für China?

Sicherlich ist es ein hehrer Gedanke, Sportler aller Welt zum friedlichen Wettkampf miteinander alle vier Jahre zusammenkommen zu lassen. Aber wenn ein solches Großereignis wie auch immer zu entgleisen droht, dann muss die Frage gestellt werden, ob so etwas überhaupt noch zeitgemäß ist. Es ist dann längst nicht mehr eine Frage des Geldes (welches Land kann olympische Spiele überhaupt noch finanzieren?). Schauen wir, wie es in London zugeht. Manchmal ist das Ende schneller da, als man denkt.

siehe auch zdf,de – Olympia-Satire-Videos:

Hart, aber unfair – Teil 7

Hart, aber unfair – Teil 8

Teil 1-6 siehe auch: Olympische Beobachtungen

Martin Walser: Brandung

Etwa sieben Jahre nachdem Helmut Halm mit seiner Frau Sabine Urlaub am Bodensee machte („Ein fliehendes Pferd“, veröffentlicht 1978), begegnen wir ihn in dem Roman „Brandung“ (veröffentlicht 1985) von Martin Walser wieder.

Mit „Brandung“ habe ich jetzt das dritte Walser-Buch innerhalb kurzer Zeit zu Ende gelesen. Es ist schon allein deshalb für mich interessant, weil der Protagonist des Buches, Helmut Halm, in meinem jetzigen Alter ist.

Halm ist Englisch- und Deutschlehrer in Stuttgart, wo er im Stadtteil Sullenbach im ehemaligem Haus seiner Schwiegereltern lebt. Am zweiten Tag der Sommerferien erreicht ihm ein Anruf eines ehemaligen Studienkollegen mit der Bitte, stellvertretend für einen ausgefallenen Wissenschaftler für ein Semester einen Lehrauftrag an der Collegestufe der Universität von Los Angeles (lt. Roman die Washington University in Oakland, die es aber nicht gibt – es muss sich anhand der geografischen Daten um die UC (University of California) in Berkeley handeln) zu übernehmen. Nach reiflichen Überlegung sagt er zu.


Wohnsitz von Helmut Halm: Stuttgart-Sillenbuch – Buowaldstraße

Seine Arbeit besteht im Wesentlichen aus einem Konversationskurs, an dem auch die 22-jährige Fran Webb teilnimmt. Obwohl sie sich nicht am Unterricht beteiligt, vereinnahmt sie Helmut Halm nach dem Unterricht und lässt sich für die Anfertigung eigener Examensarbeiten von ihm beraten. Zunächst scheint seine Hilfe zu fruchten. Aber schon der 2. Aufsatz von ihr bekommt eine schlechte Note, da seine Ratschläge zu ausgelassen und zu gewagt werden.


Wohnsitz der Halms in Berkeley (San Francisco) – Contra Costa Avenue

Helmut Halm ist hin- und hergerissen von dieser „schönen Dummen“ und nimmt sich sehr viel Zeit für sie. Hinzu kommt, dass sich Fran Webbs Aufsatzthemen immer wieder um Pärchen drehen, die anscheinend nicht zueinander finden können, obwohl sie ineinander verliebt sind – wie z.B. Benedikt (Benedick) und Beatrice in William Shakespeares „Viel Lärm um nichts“, die ihre gegenseitige Liebe mit viel Wortwitz zu leugnen trachten.

Zuvor ist es aber auch William Shakespeares 129. Sonett, das die Phantasie des Helmut Halms zu beflügeln scheint. Außerdem treibt ein Sittenstrolch (rapist) sein Unwesen auf dem Campus. Da kommt selbst ein Herr Halm auf komische Ideen.

Shakespeare – 129. Sonett

The expense of spirit in a waste of shame
Is lust in action; and till action, lust
Is perjured, murderous, bloody, full of blame,
Savage, extreme, rude, cruel, not to trust …

Des Geistes Aufwand bei der Schandthat Plan
Wird bei der That zur Lust, und bis zur That
Ist blutig, treulos, mördrisch, voll von Wahn,
Und wild die Lust, und roh und voll Verrath.

Deutsch von Ludwig Reinhold Walesrode, 1840

Nachdem seine Frau wieder nach Deutschland zurückkehren muss (ihr Vater liegt im Sterben) , geht die Phantasie endgültig mit Helmut Halm durch. Aber es ist eben nur die Phantasie, obwohl sein ständiges Beisammensein mit Fran Webb auch die Kollegen argwöhnisch werden lässt.

„Hatte er eigentlich je ein Mädchen, eine Frau angesprochen? Hatte er je eine Absicht zu erkennen gegeben, bevor er durch Zeichen der Frau sicher sein konnte, er werde, wenn er sich nähere, nicht abgewiesen?“

(Martin Walser: Brandung, 1985, Lizenzausgabe S. 251)

Nein, auch Fran Webb spricht er nicht an. Und sie lässt ihn physisch nicht näherkommen.

Helmut Halm ist ein Meister der Verstellung. Er zeigt nicht, was er denkt und denkt nicht, wie er sich zeigt. Schon das war Thema des ersten Halm Buchs „Ein fliehendes Pferd“:

„Ist nicht jede Sprache eine Fremdsprache, hätte Halm gern gesagt, ausgerufen sogar. Fremd dem, was wir sind. Was wir sind, darf nicht herauskommen. In keiner Sprache. Also, die heutige Behauptung: Jede Sprache ist mehr zum Verbergen da als zum Enthüllen …“

(S. 66)

„Jetzt hatte er gestern das so schön vorbereitet: Was verschweigt man, wenn man etwas sagt? Was sagt man, um etwas verschweigen zu können? Wie kann man von Gesagtem auf Verschwiegenes schließen?“

(S. 68)

„Und ich wüsste nichts und niemanden, dem ich lieber beichtete als deiner Brandung. Oh, was für ein Mantel für alles du bist, Brandung.“

(S. 90)

Aber mit dieser Fran Webb treibt es Helmut Halm in diesem Punkt auf die Spitze. Er sieht sie und sich als jene Shapkespeare’sche Benedikt und Beatrice, die ihre Liebe so wortreich verleumdeten, und erwartet oder hofft, dass Fran sich als diese Beatrice zu erkennen gibt. Aber sie ist dann doch nur die „schöne Dumme“, oder?

Das Ganze endet tragisch, nein eigentlich tragikomisch. Fran stirbt in der Brandung des Pazifiks, während Halm – das Semester ist beendet und er nach Stuttgart heimgekehrt – auf einen Brief von ihr wartet (er ist ein letztes Mal seiner Phantasie erlegen). Es kommt ein Brief – aber von einer Kollegin der Uni in Kalifornien, die ihm den Tod mitteilt. Und selbst aus der Ferne ist er nicht ganz unschuldig an ihrem Tod. Überhaupt sterben in diesem Buch viele Menschen, auch der Studienfreund, der ihn zu dieser Reise nach Kalifornien eingeladen hatte. Und die Brandung des Pazifiks, in der Helmut Halm selbst fast umgekommen wäre, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle in diesem Buch (wenn ich richtig gezählt habe, so kommt das Wort Brandung als Einzelwort oder in Kombinationen mindestens 31 Mal vor, außerdem zweimal auf Englisch = surf).

Als der Roman 1985 auf den Markt kam, überschlugen sich einmal wieder die Kritiken (“So brillant, so witzig, so genau …” – “Diese sprachliche Üppigkeit, diese manchmal prahlerische, gefallsüchtige Prächtigkeit, dieses Rankenwerk aus Sätzen, Einfällen, Anekdoten, Haupt- und Nebengeschichten …” – “… auf der Höhe all seiner Erzählkunst …“ – „Da gibt es Kabinettstücke tödlicher Ironie.“ – „Ein mitreißender Lebensroman …“). Martin Walser ist ohne Zweifel ein Meister der deutschen Sprache, auch wenn er dazu neigt, den Leser mit manchen Wort- und Satzungetümen zu erschlagen (Halm selbst erkennt, dass er oft geschwollen daherredet („Halm wollte, wenn ihm danach war, möglichst geschwollen daherreden.“ S. 28)). Aber wie er diese Sehnsucht eines 55-Jährigen nach Jugend beschreibt, ist schon außergewöhnlich und einmalig. Helmut Halm geht es nicht um Sex mit einer jungen Frau. Er erkennt immer wieder, wie lächerlich es wäre (für ihn, für die junge Fran, für seine Umwelt). Vielleicht fürchte er diese Lächerlichkeit mehr noch. Und doch kommt er von dieser jungen Frau so schnell nicht los – wenn auch nur in seiner Phantasie. Am Ende ist es wieder wie in „Ein fliehendes Pferd“. Er liegt mit seiner Frau im Bett und beginnt zu erzählen: Es ist der 2. Tag der großen Ferien, als sein früherer Studienfreund anruft. „Nichts schlimmer als so eine von Unausgesprochenheiten zermürbte Ehe“ (S. 258) warf ihm der Studienfreund zwischendurch einmal vor. Am Ende spricht er das Unausgesprochene aber doch aus – und findet so zu sich selbst. Damit akzeptiert er auch sein Alter. Und seine Ehe. Und findet auch zu seiner Frau zurück.

Wenn der Amtsschimmel wiehert

Wer kennt es nicht, diese Schreiben vom Amt, die dermaßen verklausuliert sind, dass es meist nicht reicht, sie zwei-, dreimal zu lesen, um sie zu verstehen. Es geht um Amtsdeutsch, das Deutsch der Beamten, wie diese sich als Verwaltungssprache in den Amtsstuben deutscher Behörden eingenistet hat. Sie ist gewissermaßen ein Ableger der Rechtssprache, in der unsere Gesetze gehalten sind, die ohne das nötige Hintergrundwissen selbst Juristen nicht verstehen würden.

Kennzeichnend für das Amtsdeutsche sind die Anhäufung von Substantiven und die Substantivierung und Adjektivierung von Verben: Es wird „zur Anzeige gebracht“ statt angezeigt und es gibt jede Menge Durchführung, Vornahme (nein, nicht der Vorname, die Vornahme) und Tätigkeit. Besonders gefragt sind Substantivketten („Antrag auf Aufhebung des Bescheides des Ordnungsamtes über die Beseitigung …“) und mehrgliedrige Substantive („Leistungsnachweiserbringungspflicht“). Des Weiteren muss man sich mit formelhaften Umstandsbestimmungen („zwecks Nachlassgewährung“, „unter Hintansetzung meiner Bedenken“), komplexen Adjektivbildungen („kindergeldrechtliche Berücksichtigung“) und häufige Passivbildungen („Es wird hier anerkannt“, „Um Rückantwort wird gebeten“) herumschlagen.

Ganz besonders nett sind allerdings Begriffe, Eigengeschöpfe der Amtssprache, die zwar dahin tendieren, etwas möglichst genau zu beschreiben, meistens aber überflüssig sind, weil es dafür umgangssprachlich weitaus verständlichere Wörter, also gängige Alltagsbegriffe, gibt. Hier nur einige Beispiele:

Ein Kind, das zur Schule geht, wird „beschult“
„Fahrtrichtungsanzeiger“ für Blinker
„Postwertzeichen“ anstelle von „Briefmarke“
„Raumübergreifendes Großgrün“ anstelle von Baum

Nun gibt es bei der Uni Bochum ein Team von Sprachexperten, die zusammen mit den Mitarbeitern der Verwaltungen schwierige Begriffe übersetzen, komplizierte Passagen umformulieren und ganze Texte verständlicher, freundlicher und geschlechtergerecht machen wollen. Ihre Ergebnisse sammeln sie in einem lernenden Online-Wörterbuch, so dass alle Projektteilnehmer auch von der Arbeit der anderen profitieren können. So lohnt sich die Arbeit doppelt, denn viele Textmodule sind gleich oder ähnlich in vielen Verwaltungen: IDEMA (Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache)verständlicher, freundlicher, gerechter

siehe hierzu ein Video bei zdf.de: Amtsdeutsch auf dem Prüfstand

und einige weitere interessante Links:

Rotkäppchen auf Amtsdeutsch
Verstehen Sie Beamtendeutsch? – der Test bei stern.de
Mir ist es immerhin gelungen, 15 von 20 Fragen richtig zu beantwortet. Danach bin ich ein Behörden-Kenner: „Sie durchschauen verquaste Formulierungen. Bei einigen Begriffen wissen Sie jedoch auch nicht weiter“.

Siehe hierzu auch meine Beiträge:
Von Archaismen und NeologismenWas ist ein Jackpot?

Vor 40 Jahren: Niederschlagung des Prager Frühlings

Im April vor 40 Jahren wurde Martin Luther King ermordet. Für mich war das Anlass, mich näher mit ihm und seinem gewaltlosen Protest für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA auseinander zu setzen. Bereits Jahre zuvor hatte mich der Tod von John F. Kennedy, damals war ich noch keine 10 Jahre alt, sehr betroffen gemacht. Kennedy galt nach seiner berühmten Rede am 26. Juni 1963 (knapp 5 Monate vor seiner Ermordung) vor dem Rathaus Schöneberg („Ich bin ein Berliner!“) besonders auch in Deutschland als Hoffungsträger in der Auseinandersetzung um die geteilte Stadt Berlin.

Im August 1968 nun war ich mit meinen Eltern in Bad Liebenzell/Schwarzwald in Ferien. Wir waren in einem Ferienhaus der Liebenzeller Mission untergebracht. Wenige Kilometer von Bad Liebenzell entfernt lebte ich bis 1958 einige Zeit mit meinen Eltern und Geschwistern in Pforzheim. In südlicher Richtung liegt Calw, der Geburtstort von Hermann Hesse.


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Eines Morgens nun verbreitete sich die Nachricht, dass Truppen des Warschauer Paktes, so auch der DDR, in die Tschechoslowakei einmarschiert wären, um gewaltsam den Versuch der politischen Führung in Prag, das Land zu liberalisieren, was unter der Bezeichnung „Prager Frühling“ in die Geschichtsbücher einging, niederzuschlagen. Es war der 21. August 1968.

Prag - Wenzelsplatz: Niederschlagung des Prager Frühlings

Alexander Dubček war am 5. Januar 1968 Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei geworden und schlug einen reformkommunistischen Kurs in der Tschechoslowakei ein, der für einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz einstand. Nach der Zerschlagung der Reformbewegung musste Dub?ek am 17. April 1969 als Parteichef der KP? zurücktreten.

Ziel der Reformbewegung war ein „dritter Weg“ zwischen Kommunismus und Kapitalismus, eine Art Marktsozialismus mit demokratischen Strukturen, Pressefreiheit usw. Das ging den Herren in Moskau, Ost-Berlin usw. zu weit. Und so rückten in der Nacht vom 20. auf den 21. August vor 40 Jahren Panzer in die tschechoslowakische Hauptstadt ein, um die Reformbewegung im Keim zu ersticken.

Ein letztes Zeichen für den Prager Frühling setzten Studenten wie Jan Palach Anfang 1969, die sich öffentlich in Brand steckten.

Siehe auch zdf.de: Das Ende des Frühlings
und die Bilderserie: Prag 1968: Hoffnung von Panzern zermalmt

Er dauerte wenige Monate, der kurze Rausch der Freiheit: Vor 40 Jahren kämpfte die Reformbewegung „Prager Frühling“ für mehr Demokratie im Ostblock – und wurde von den Panzern der Invasion vernichtet.

Pizarro ‚erobert’ Bremen

Auf der Suche nach einem zusätzlichen Stürmer ist der SV Werder Bremen nun doch schneller fündig geworden als gedacht: Claudio Pizarro, bisher beim FC Chelsea London in Diensten, kehrt an die Weser zurück, wo er bereits von 1999 bis 2001 gespielt hatte, ehe er erst zum FC Bayern und dann im vergangenen Jahr nach London wechselte. Pizarro ist allerdings nur für ein Jahr ausgeliehen.

Claudio Pizarro mit SVW-Geschäftsführer Klaus Allofs

Stürmer Claudio Pizarro hat sich nach seiner Rückkehr nach Bremen angriffslustig präsentiert. „Werder hat die Qualität, um Titel zu holen“, sagte der 29 Jahre alte peruanische Fußball-Nationalspieler bei seiner von einem großen Medienrummel begleiteten Vorstellung bei Werder Bremen. Pizarro wird bei Werder die Nummer 24 tragen.

Mein Lieblingsplatz: Island

Eigentlich hat jeder einen Platz, an den er sich gern zurückzieht. Es ist ein Ort zum Ausruhen und Erholen, ein Lieblingsplatz eben. Ich habe einmal überlegt, was mein Lieblingsplatz ist. Dabei ist mir bewusst geworden, dass es einen absoluten Lieblingsplatz für mich nicht gibt. Sicherlich sitze ich gern im Garten mit einem guten Buch in der Hand. Möglichst nicht in der prallen Sonne, sondern eher im Halbschatten. Es ist auch schön, zusammen mit meiner Frau und meinen Kindern z.B. am Frühstückstisch zu sitzen. Es ist für mich sehr wichtig, mit meinen Lieben zusammenzusein und diese Momente der Vertrautheit zu genießen.

Ich denke aber auch an einen Platz, an dem ich nicht jeden Tag hinkomme, der mich aber etwas Besonderes empfinden ließ, als ich ihn besuchte. Von diesen Plätzen gibt es sicherlich auch mehrere. Sie zeichnen sich durch ihren besonderen Standpunkt aus, der durch seinen Blickwinkel einen außergewöhnlichen Ausblick liefert, z.B. einen Weitblick oder einen Überblick über eine grandiose Landschaft. Das sind oft Beobachtungspunkte aus einer höheren Warte, die uns den „Dingen“ auf den Grund gehen lassen. Ein solcher Ausblick kann aber auch zum Einblick werden. Denn was ein Mensch gern betrachtet, wo er sich gern aufhält, das verrät sicherlich auch etwas über sein Inneres.

Ziemlich spontan erinnerte ich mich an einen solchen Platz, der mir eine ungewöhnliche Übersicht auf einen Landschaftsteil bot, dem man nicht jeden Tag begegnet. Zusammen mit meiner Frau stand ich auf dem Vorsprung eines Berges mit Blick auf „ewiges“ Eis, einen Gletscher. Das war vor vielen Jahren im Süden Islands und der Gletscher heißt Skaftafellsjökull. Es war dabei nicht nur ein Gefühl der Erhabenheit. Eher war mir mulmig angesichts dieser endlosen Eismassen zumute.

... über dem Gletscher Skaftafellsjökull

Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder zu diesen Platz kommen werde. Aber ich kann mir vorstellen, eines Tages doch nach Island zu reisen, um noch einmal an diesen Platz über dem Gletscher zurückzukehren.

Chinesische Anhaltspunkte

Wenn ich mich kritisch zu China im Zusammenhang mit den olympischen Spielen in Peking äußere, so soll doch niemand denken, ich hätte grundsätzlich etwas gegen China und seine Menschen. Besonders gegen die Menschen in China, die einfachen, die normalen Menschen, habe ich nun wirklich nichts.

ZDF: Anhaltspunkte

Und wenn ich auch meinen „eigenen Olympiaboybott“ weiterhin aufrecht erhalte, so lasse ich mich gern doch über die Menschen in Peking informieren. Kleine Einblicke biete z.B. die Videoserie „Anhaltspunkte“ bei zdf.de. Zu welch artistisch-athletischen Leistungen Kochgehilfen fähig sind, zeigt z.B. das folgende kleine Video:

Der mit den Maultaschen
Bodenturnen mit Nudeln, Boxen mit Maultaschen – Im Restaurant „Glücklicher Mund“ in Peking ist die Zubereitung von Nudeln und Teigtaschen Schwerstarbeit. In der Küche werden geradezu olympische Leistungen vollbracht.

Die perfekten Spiele

Was tut Peking nicht alles, um die perfekte Show zu bieten. Da ist man durchaus gewillt, auch gelegentlich zu mogeln. Besonders für die Eröffnungsfeier wurde aus der Trickkiste gezaubert, was nur zu zaubern war. Selbst das Wetter wurde mit Hilfe von Silberjodid beeinflusst, um nur keinen Regen über das Stadion ziehen zu lassen.

Andere Länder, andere Mentalitäten. Hat das aber noch etwas mit der Denkart von einfachen chinesischen Menschen zu tun – oder verbirgt sich dahinter nur der Ehrgeiz von Apparatschiks, die der Welt ein „geschöntes“ Bild ihres Landes zeigen wollen?

siehe zdf.de: Olympia-Wettermacher kämpfen für klaren Himmel
Schwindel und Windeln bei Olympia

Olympische Beobachtungen

Die Existenz der öffentlich-rechtlichen TV-Sender will ich hier nicht unbedingt in Frage stellen. Aber es ist immerhin eine Tatsache, dass viel Geld für die Senderechte und überhaupt für die Berichterstattung der olympischen Spiele aus Peking gezahlt wird, das der Gebührenzahler zu tragen hat. Eben für Spiele, die sehr umstritten und längst nicht mehr als reine Sportveranstaltung zu betrachten sind. Sport und Politik lassen sich in unseren Zeiten leider nicht mehr trennen.

Immerhin sollen sich auch kritische Töne in der Berichterstattung finden. Und bei zdf.de nimmt der Frontal21-Satireexperte Werner Doyé Programm und Wettkampfgeschehen in „hart, aber unfair“ unter die Lupe. Satire ist vielleicht eine stumpfe Waffe, aber vielleicht weckt sie doch den einen oder anderen Sportbegeisterten, der lediglich auf Medaillenspiegel schielt. Lustig ist es auf jeden Fall – hier die Videos:

Hart, aber unfair! Teil 1

Hart, aber unfair! Teil 2

Nachtrag:
Hart, aber unfair – Teil 3

Hart, aber unfair – Teil 4

Hart, aber unfair – Teil 5

Hart, aber unfair – Teil 6

Hart, aber unfair – Teil 7

Hart, aber unfair – Teil 8