Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Auf Wunsch eines einzelnen Herrn …

Als ich vor vielen, vielen Jahren in einer Band die Bass-Gitarre spielte und es auch wagte, das eine oder andere Lied zu singen, gab es bei öffentlichen Auftritten immer wieder den Wunsch einzelner Damen oder Herren, ein bestimmte Lied zu spielen („Könnt‘ Ihr Angie von den Stones?“). Selten genug konnten wir die Wünsche erfüllen. Aber wenn, dann erfolgte natürlich auch die entsprechende Ansage zu diesem Lied: „Auf Wunsch eines einzelnen Herrn spielen wir nun …!“.

Umso mehr freue ich mich, nun den einsamen Wunsch eines 40-jährigen Herren aus den Staaten („Hi, Frank …“) zu erfüllen, der bei youtube vergeblich nach einem ansehnlichen Video von Jethro Tulls „Black Sunday“ fahndete (da gibt es nur ein Video mit grießigem Bild und armseligem Ton) – und das (die Wunscherfüllung) gleich in doppelter Ausführung. Zum einen gibt es einen Live-Mitschnitt von der ‚A‘-Tour 1980 (hierzu gehört ja auch das Stück) und Jahre später der Auftritt von Jethro Tull in Berlin anlässlich von Johann Sebastian Bachs 300. Geburtstag beim Bach Rock-Konzert.

Der Vollständigkeit halber hier also die beiden Videos:


Jethro Tull: Black Sunday (Nov. 1980)


Jethro Tull: Black Sunday (10.03.1985)

Ivan ist wieder da …

So ganz daran geglaubt haben wohl nicht viele. Aber er ist wieder da: Ivan Klasnic spielte am Dienstag für die U23-Mannschaft von Werder Bremen und besiegte im DFB-Pokal St. Pauli im Elfmeter-Schießen. Okay, ein Tor ist ihm nicht geglückt. Und wann er wieder in der 1. Mannschaft spielt, steht noch in den Sternen. Aber ein Anfang ist gemacht … Und das nach einer Nierentransplantation, die Klasnic seit Beginn des Jahres pausieren ließ.

Welcome back, Ivan!

Willkommen zurück auf dem Fußballplatz, Ivan!

siehe auch zdf.de: Klasnic – Comeback mit Kribbelfaktor

Freddy und das Lied der Südsee (1962)

Nachdem ich in diesen Tagen bereits eine Jugendsünde musikalischer Art gebeichtet habe, möchte ich noch einen Schritt weiter gehen, genauer: weiter zurück in meine Kinderzeit. Ich lebte ab meinem 4. Lebensjahr in Bremen – und Bremen ist bekannterweise eine Hafenstadt. So bin ich öfter als Kind mit meiner Mutter im Europa- und Überseehafen von Bremen unterwegs gewesen, habe mir die Schiffe und die Seeleute aus fernen Ländern angesehen.

Da ist es eigentlich nicht verwunderlich, wenn ich in Kinderzeiten eine gewisse Vorliebe für Freddy Quinn entwickelte. Ältere erinnern sich vielleicht noch an das Lied „Junge komm‘ bald wieder“. Der eigentlich in Österreich geborene Freddy Quinn war in den 60er Jahren der Inbegriff des weit gereisten Seemannes. Aber Freddy Quinn war nicht nur Sänger, sondern spielte in einigen Filmen mit, klar: Schlagerfilmen, die das Fernweh des Zuschauers bedienten.

Da wir uns so langsam dem Weihnachtsfest nähern: Es war in meiner Familie mehr oder weniger Tradition, dass ich mit meinen Eltern am 2. Weihnachtstag ins Kino ging. Damals, d.h. Anfang der 60er Jahre, hatten wir noch keinen Fernseher. Und mindestens an einem solchen Weihnachtstag sah ich dann Ende 1962 den Film: Freddy und das Lied der Südsee. Ich war acht Jahre alt und fasziniert von der Exotik der Südsee.

Nun heute kann ich nur (mit mir milde) lächeln, wenn ich an Freddy Quinn und diesen Film zurückdenke. Aber, und deshalb dieser Beitrag, ich habe mir Teile dieses Filme in diesen Tagen abgeschaut und musste so an meine Kindheit in Bremen denken. Und trotz der recht einschlägigen Lieder („Das weite Meer“ und das fast schon obligatorische „Aloha Oe“) des Filmes ließ ich mich für Augenblicke in die Südsee entführen (oder doch wohl eher in meine Kindheit).

Komödiantin Evelyn Hamann gestorben

Für Vicco von Bülow allias Loriot war sie ein Geschenk. Und sie war Loriots kongeniale Partnerin in unzähligen Sketchen sowie in zwei abendfüllenden Filmen mit dem Meister des Humors. In der Nacht zum Montag verstarb die große Komödiantin Evelyn Hamann nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 65 Jahren in ihrer Geburtstagsstadt Hamburg.

Ich halte Loriot für einen der größten Humoristen in Deutschland. Aber ohne Evelyn Hamann wäre seine Komik nur die Hälfte wert. Gerade in diesem Tagen ist Loriot – Vollständige Fernseh-Edition ((6 DVDs) inkl. 50 noch nie veröffentlichter Sketche) erschienen.

Vielen Dank, Evelyn Hamann!


Loriot – die Nudel


Loriot – Krawehl Krawehl

siehe auch meinen Beitrag: Heinz Erhardt: Und noch ’n Gedicht

Soulmates feat. Ian Anderson im Tränenpalast/Berlin 03.02.2003

Am 03.02.2003 brachte der deutsch-französische Sender Arte im Rahmen der Reihe Music Planet 2Nite einen Auftritt von Leslie Mandoki’s All-Star-Projekt „Soulmates“ ins Programm, live im Tränenpalast zu Berlin aufgezeichnet.

Die Besetzung:
Ian Anderson (Jethro Tull – Flöte), Al Di Meola (Akustikgitarre), Chris Thompson (Manfred Mann’s Earthband – Vocals), Bill Evans (Saxophon), Leslie Mandoki (Percussion), Laszlo Bencker (Grand Piano), George Kopecsni (Akustikgitarre), Streicherquartett „Sturcz-Quartett“, Masha Curly (Tochter vom TV-Show-Moderator Frank Elstner).

Leslie Mandoki kennen die meisten wahrscheinlich aus seiner eher unrühmlichen Zeit als Sänger der Gruppe „Dschinghis Khan“. Heute arbeitet er hauptsächlich als Musikproduzent und hat sich mit dem „Soulmates“-Projekt gewissermaßen einen Jugendtraum erfüllt. „Soulmates“ wurden 2004 einem größeren Publikum als Hausband in Thomas Gottschalks ZDF-Zweiteiler „50 Jahre Rock“ bekannt.

Hier nun ein Auftritt der All-Star-Band aus dem Tränenpalast in Berlin. Nach der Einleitung drei Stücke aus Mandokis Hand (Room No. 8 – Last Day of Summer – Look up to the Sky) und Jethro Tulls „Locomotive Breath“. Am Ende noch ein Interview mit Ian Anderson u.a. zu der Frage, wie er zu dem Projekt kam.

Nun, um ehrlich zu sein: Berauschend finde ich die Stücke nicht. Auch die ‚Interpretation‘ des Tull-Titels „Locomotive Breath“ kann mich nicht überzeugen. Sicherlich ist es für einen Rockstar schmeichelhaft, einmal mit Größen anderer Bands gemeinsam aufzutreten. Aber das ist mir hier zuviel Mandoki und zuwenig von dem anderen (z.B. Jethro Tull). Unter den Tisch kehren wollte ich die Aufnahmen dann aber auch nicht. Ein Zeitdokument eben:

Ischa Freimaak!

Was den Münchnern das Oktoberfest und den Stuttgartern die Cannstatter Wasen sind, das ist für die Bremer der Freimarkt. Noch bis zum 4. November findet auf der Bremer Bürgerweide das immerhin älteste Volksfest Deutschlands statt. Öffnungszeiten: täglich von 13 – 23 Uhr, freitags und samstags bis 24 Uhr. Es ist dieses Jahr der 972. Freimarkt in Bremen.

Ischa Freimaak!

Wenn es draußen dunkel und ungemütlich wird, freuen sich die Bremer auf die „5. Jahreszeit“, die mit bunten Lichtern, herrlichen Düften und fröhlicher Musik alle grauen Gedanken vertreibt: „Ischa Freimaak!“ heißt es im Herbst. Nun ja, es geht auch oft recht feucht-fröhlich zu und neben Friesendiele gibt es auch eher untypisch norddeutsche Ausschänke wie „Zur Schwarzwaldmühle“, Almhütte und die Bayern-Festhalle, wo es Brathendl, Schweinshaxe und Weißwurst zu futtern gibt. Im Brauhaus dagegen werden neben Grillhaxe auch Bremer Gerichte serviert werden (Grünkohl mit Pinkel und Bremer Knipp mit Bratkartoffeln).

Die Wurzeln des Bremer Freimarkts liegen im Mittelalter. Das älteste deutsche Volksfest begann am 16. Oktober des Jahres 1035, als Kaiser Konrad II. dem bremischen Erzbischof Bezelin die Jahrmarktsgerechtigkeit verlieh. Seit diesem denkwürdigen Herbsttag hatte die Stadt die Erlaubnis, zweimal jährlich Markt auf dem Kirchhof „Unser Lieben Frauen“ abzuhalten. Ohne jede Beschränkung und Rücksicht auf die einheimischen Zünfte konnten Krämer und Wandersleute nun ihre Waren verkaufen – eine neu gewonnene wirtschaftliche Unabhängigkeit, an die noch heute der Name „Freimarkt“ erinnert.

Wie komme ich auf den Bremer Freimarkt? Immerhin habe ich 25 Jahre in Bremen gelebt und dort den Großteil meiner Kindheit und Jugend verbracht. Und so war ich oft genug auf dem Freimarkt. Ähnlich wie bei den Kohlfahrten zu Beginn des neuen Jahres ist es Tradition mit Arbeitskollegen oder Sportsfreunden den Freimarkt zu besuchen. Bäcker bieten zur Freimarktszeit Schmalzgebackenes (Berliner, Viktoria u.a.) an.

Volker Ernsting: Bremer Freimarkt
Volker Ensting: Bremer Freimarkt

Webcam vom Freimarkt

Jethro Tull: Blues For The 18th

Die erste Plattenveröffentlichung von Jethro Tull war die Single „Sunshine Day / Aeroplane“ im Jahre 1968. Interessant daran war, dass beim UK-Release der Name der Gruppe als „Jethro Toe“ aufgeführt wurde. Bei der US-Veröffentlichung wurde der Gruppenname dann richtig mit „Jethro Tull“ angegeben. Ähnlich wie bei Fehldrucken von Briefmarken kamen einige Findige darauf, Fälschungen dieser ersten Tull-Single (mit dem „Jethro Toe“-Namenszug) auf den Markt zu bringen.

Jethro Tull: Sunshine Day (1. Single 1968)

Beide Lieder sind übrigens noch einmal auf dem „20th Anniversary Box Set“ von 1988 veröffentlicht worden. Aber jetzt kommt es: Statt des Stückes „Sunshine Day“ sollte ursprünglich wohl das Lied „Blues For The 18th“ auf die A-Seite kommen. Zusammen mit „Aeroplane“ wurde das Stück am 22. Oktober 1967 in den „EMI Studios, Abbey Road“ aufgenommen. Ja, richtig, das dürften die berühmten Abbey Road Studios sein, in den auch die Beatles ihre Scheiben aufnahmen. Und: Bisher war mir die Existenz dieses Stückes nicht bekannt. Wieder einmal war es der Zufall, der mich im Internet dieses Lied finden ließ.

Nun gibt es zwar keine offizielle Veröffentlichung des Liedes „Blues For The 18th“, aber es wurde damals auf eine Emidisc-7-Zoll-Single gepresst. Und inzwischen ist es mit anderen „25 Very Rare Masters from the Sixties“ auch käuflich erhältlich.

„Blues For The 18th“ fällt in eine Zeit zwischen John Evan Band (u.a. auch als ‚John Evan Smash‘ bekannt) und den späteren Jethro Tull, als Ian Anderson und Co. öfter einmal den Gruppennamen änderten, u.a. ‚Ian Henderson’s Bag O‘ Blues‘, ‚Candy-Coloured Rain‘ (ging wohl über einen Namensvorschlag nicht hinaus), ‚Navy Blue‘ – und auch der Name ‚Jethro Tull‘ wurde bereits zeitweise benutzt. Weitere interessante Infos aus der Prä-Tull-Zeit sind bei ministry-of-information.co.uk zu finden.

Hier aber nun das für mich bisher unbekannte Lied von Jethro Tull: Blues For The 18th. Interessant ist dabei der Gesang von Ian Anderson. Außerdem dürfte hier der Meister zum ersten Mal die Flöte spielen. Die Gitarre kommt noch nicht von Mick Abrahams, sondern wird von Neil „Chick Murray“ Smith gespielt, der mit Anderson bereits mit ‚John Evan Smash‘ aufgetreten war. John Evan(s) dürfte die Orgel spielen.


(Prä-)Jethro Tull: Blues For The 18th (1967)

The Beach Boys: Fun, Fun, Fun

Es dauerte bei mir bis zum 15. Lebensjahr, als ich mir am 6. September 1969 meine erste Schallplatte kaufte: Neben der Single „Living in the Past“ war es das Album „Stand Up“ von Jethro Tull. Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht schon früher die eine oder andere Platte gehört habe. Es gab immer wieder Freunde und Schulkameraden, die bereits LPs hatten, die ich mir bei denen oder auch bei mir zu Hause anhörte (Bei uns zu Hause hatten wir einen aus meiner heutigen Sicht altertümlichen Plattenspieler, der traditionsgemäß im Wohnzimmer stand). Als ich etwa 12 Jahre alt war, gab es da z.B. einen Schulfreund, der die verschiedensten Singles hatte, von den Stones bis zu den Troggs.Von den letzteren erinnere ich mich an das Stück „Wild Things“.

Es war aber noch vor dieser Zeit, ich war vielleicht gerade einmal 10 Jahre alt, als mein Bruder eine LP von den Beach Boys nach Hause brachte. Diese Scheibe wurde meine erste (bewußte) Berührung mit Rock ’n‘ Roll. Wie oft ich die Scheibe gehört habe, weiß ich heute nicht mehr, aber sicherlich oft. Besonders die mehrstimmigen Passagen hatten es mir angetan, wie z.B. im Lied „Fun, Fun, Fun“. Vielleicht waren es die Beach Boys früher Jahre die mich großen Geschmack an mehrstimmigen Stücken finden ließen. Ein Grund sicherlich auch für meine Vorliebe z.B. für „Songs from the Wood“ von Jethro Tull, auch wenn Ian Anderson alle Stimmen hier selbst singt.


The Beach Boys: Fun, Fun, Fun (1964)

Joan Armatrading live im Rockpalast am 19./20. April 1980

Im Rahmen des Rockpalastes vom WDR (Westdeutscher Rundfunk) hatte Joan Armatrading am 15. Februar 1979 im kleinen Studio L zu Köln vor gerade einmal 80 jungen Zuhörern ihren ersten Auftritt im deutschen Fernsehen. Es dauerte dann ein weiteres gutes Jahr – und Joan trat mit geänderter Besetzung auch in der Gruga-Halle in Essen vor großem Publikum auf: In der Nacht vom 19. auf den 20. April 1980 wieder beim Rockpalast. Diesmal spielte sie 15 Stücke; hier die Setlist des Konzertes:

01 Mama Mercy
02 Down To Zero
03 Cool Blue Stole My Heart
04 I Really Must Be Going
05 Me Myself I
06 Ma-Me-O-Beach
07 Love And Affection
08 Rosie
09 How Cruel
10 Turn Out The Light
11 You Rope You Tie Me
12 Kissin’ And A Huggin’
13 Tall In The Saddle
14 Willow
15 When You Kisses Me

Das Jahr 1980 war nicht nur bei der Gruppe Jethro Tull durch personelle und stilistische Wechsel gekennzeichnet (für viele Tull-Fans ein Wechsel zum Schlechterem), sondern auch bei Joan Armatrading. Ihr 1980 erschienenes Album „Me Myself I“ war im Record Plant in New York City im März 1980 aufgenommen worden. Und als Musiker standen ihr neben bekannten (z.B. Rick Hirsh an der Gitarre) viele neue Gesichter zur Seite, u.a. Chris Spedding, auf den ich sicherlich später noch einmal zu sprechen kommen werde. Joan hatte zwar auch für dieses Album alle Lieder selbst geschrieben. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man ihr nahe legte, diese Lieder etwas einfacher zu stricken – des kommerziellen Erfolgs wegen. Einige dieser Lieder (noch ganz frisch aus der Feder) spielte Joan Armatrading dann auch bei diesem Rockpalast-Auftritt.

Public Viewing (wie z.B. bei der Fußball-WM 2006) war 1980 alles andere als üblich. Trotzdem war ich in dieser Rockpalastnacht mit Freunden und Bekannten in den so genannten Weserterrassen in Bremen mit vielen anderen Rockfans versammelt, um auf einer Leinwand das Konzert zu verfolgen.

Hier nun alle 15 Lieder im Video (leider sind es nur noch 12 zz. verfügbare) – viel Spaß beim Hören und Sehen:

Michael Moore: Sicko

Dokumentarfilme mit heiklem Thema sind seit Michael Moore auch für große Kinos interessant geworden. Auch wenn nachgesagt wird, dass es Michael Moore mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt, so durfte man doch gespannt sein, was er als Neues präsentieren würde. Okay, das Thema „Amerikanisches Gesundheitswesen“ war schon länger bekannt. Jetzt also Michael Moores dritter großer Dokumentarfilm: „Sicko“.

Diesmal steht kein personifizierter Feind wie Charlton Heston in „Bowling For Columbine“ oder George Walker Bush in „Fahrenheit 9/11“ als Gegner in der Ringecke, sondern eine Industrie als Ganzes: die Pharmaindustrie, die Krankenhausunternehmen und die Versicherer. Moore prangert das Grundübel der Privatisierung eines Grundrechts an. Die Konzerne sind, wie in der Privatwirtschaft üblich, nur auf Profite aus. Um diese zu erlangen, gehen sie buchstäblich über Leichen, was Moore anhand von vielen Einzelschicksalen dokumentiert.

Michael Moore: Sicko
Moore vergleicht das auf private Vorsorge angelegte System unter anderem mit dem öffentlichen Krankenkassensystem in Europa. Zur Einstimmung legt er den Finger buchstäblich in offene Wunden und führt einen Mann, der sich wie 50 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung leisten kann, beim Zunähen seiner Fleischwunde vor: Die Nadel im Hause erspart den Chirurg. Sein eigentliches Thema aber sind jene 250 Millionen privat Versicherte, die ihre Schäfchen im Trockenen glauben.

Mit erschütternden Schicksalen, ausgewählt unter den Zusendungen tausender Betroffener, belegt Moore, wie hart arbeitende Menschen im Krankheitsfall von Versicherungskonzernen in den Ruin getrieben werden, weil ihnen unter absurdesten Vorwänden Operationen und Behandlungen verweigert werden. Komplettiert werden die tragikomischen Horrorgeschichten von Interviews mit Aussteigern aus der Branche.

Sicko“ ist ein trauriger, bitterer, scharfer – und ein lustiger Film. Moore, sonst sendungsbewusster Selbstdarsteller, hält sich diesmal betont zurück, widmet sich den Benachteiligten. „Sicko“ wird kaum kontrovers diskutiert – allzu bekannt sind die Schwächen des Gesundheitswesens. Moore, der mit „Fahrenheit 9/11“ den erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten gedreht hat, wird es schaffen, selbst mit einem so spröden Thema Millionen Zuschauer ins Kino zu locken. Der neue Michael Moore – Politainment at its best.

siehe zdf.de: Filmausschnitt aus Sicko

Schtonk!

1940 wurde Charles Chaplins „Der große Diktator“ zum ersten Mal aufgeführt, in einer Zeit, da Adolf Hitler begann, Europa in Flammen aufgehen zu lassen. „Der große Diktator“ war der erste Film, in dem Charlie Chaplin (1889 – 1977) Dialoge spricht. Für Hynkels Sprache schuf der geniale Komiker ein völlig sinnentleertes Fantasie-Mischmasch aus englisch und deutsch klingenden Ausdrücken (z.B. „Schtonk“). Einzige Ausnahme waren die Worte „Sauerkraut“ und „Wiener Schnitzel“, die wiederholt fallen. „Schtonk“ steht dabei für „wird abgeschafft“: Demokratsie Schtonk! Liberty Schtonk! Free Sprecken Schtonk!

Kurz zum Inhalt: Adenoid Hynkel, in der deutschen Synchronisation Anton Hynkel (Charlie Chaplin), hat in Tomanien ein Schreckensregime errichtet und plant nun den Einmarsch ins Nachbarland Austerlich. Da sorgt ein jüdischer Barbier (ebenfalls Chaplin), der dem Diktator täuschend ähnelt, für turbulente Verwechslungen.

Übrigens: Der Schriftsteller Budd Schulberg (93, „Die Faust im Nacken“), 1946 Berichterstatter bei den Nürnberger Prozessen, stieß bei seinen Recherchen auf interessante Unterlagen. Die belegen, dass die Nazis über Portugal in den Besitz einer Kopie der Polit-Satire gelangten und Hitler (1889 – 1945) den Film innerhalb kurzer Zeit zweimal zur Privatsichtung anforderte. Nicht überliefert ist allerdings, ob er ihn auch wirklich sah und wenn ja, wie seine Reaktion ausfiel.


Die wichtigsten Szenen bei youtube: Die Szene mit dem Globus


Hynkel’s Rede


Rede für Menschlichkeit, Liebe, Freiheit und Demokratie