Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Leben wie vor 200 Jahren

Das Hamburger Stadtradio NDR 90,3 hat seine Hörerinnen und Hörer auf eine Zeitreise in die Vergangenheit geschickt. Neun Tage lang erfuhren zehn Menschen im Freilichtmuseum am Kiekeberg in Hamburg-Harburg bäuerliches Leben wie vor 200 Jahren. Ohne Strom, Dusche und Heizung, dafür mit einer großen Portion Abenteuer und viel harter Arbeit: Brot backen, Feuer machen, sowie Schweine und Hühner versorgen bestimmten den Alltag der Teilnehmer. Die Aktion fand vom 14. bis zum 22. Oktober 2006 statt und wurde nun auch im Fernsehen (Nord3) gezeigt: Leben wie 1806

Leben anno 1806

siehe auch meinen Beitrag: Tostedt: 100 Jahre Mittelschule-Realschule Tostedt

Hermännchen wird heute 90

Hermann wird 90

Lieber Hermann,
wir wünschen Dir zu Deinem 90. Geburtstag alles Gute und weiterhin viel Gesundheit.
Die Töster Landeier

… oder kratzten sich am Fuss oder am Bein.
Dann, nach angemessener Weile, erfolgte wieder etwas Ungewöhnliches. Joseph Gritzan langte in die Tasche, zog etwas Eingewickeltes heraus und sprach zu dem Mädchen Katharina Knack: «Willst», sprach er, «Lakritz?»

Siegfried Lenz: So zärtlich war Suleyken

Berühmtes Londoner Museumsschiff „Cutty Sark“ ausgebrannt

Man muss nicht erst den London Marathon mitgelaufen sein, um das Segelschiff „Cutty Sark“, ein Tee- und Woll-Klipper mit drei Masten, zu kennen. Im Juli 1996 besuchte ich mit meinem ältesten Sohn London und kam so auch nach Greenwich, wo wir auch die Cutty Sark besichtigten.

Cutty Sark brennt

In den Morgenstunden des 21. Mai kam es im Trockendock in Greenwich zu einem Brand, bei dem das Segelschiff fast vollständig ausbrannte.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 63: Ian Anderson tanzt Sirtaki

In meinem Betrag Was ist bloß mit Ian los? Teil 61: Dr. Bogenbroom haben sich viele Kommentare angesammelt, die sich etwas losgelöst vom eigentlichen Thema „Ian Anderson & Jethro Tull“ um griechische, speziell kretische Volkstänze drehen. Da das dort Geschriebene als Kommentare eher ein Schattendasein fristet, möchte ich es hier noch einmal in den Rang eines Beitrag heben:

Kretakatze sagt:

ich denke es ist an der Zeit, dass ich meinen ersten sinnhaltigen Kommentar abliefere, und ich befürchte er wird etwas umfangreicher werden.

Focus Hocus Pocus: Weder von der Gruppe Focus noch von dem Titel hatte ich je bewußt etwas gehört. Aber alles im Leben kommt irgendwann einmal zu einem zurück – so scheint es mir jedenfalls in letzter Zeit – und ja, dieser Jodel-Titel ist mir wohl bekannt. Er muss schon unzählige Male an mein Ohr gedrungen sein, vermutlich aus dem Radio. Allerdings muss ich mich Herrn Lockwood anschließen, mein Musikstil ist das nicht. Jodeln war noch nie mein Fall, und auch ich bevorzuge Lieder, bei denen die gesungenen Silben sinnhafte Worte ergeben. Mit einer Ausnahme: Da kommt mir eines der genialsten Lieder überhaupt in den Sinn, dessen Text nicht ein einziges echtes Wort enthält (ansonsten hat es allerdings mit Hocus Pocus nicht die geringste Ähnlichkeit). Ich weiß nicht, ob Ihr es kennt, es heißt Savarakatranemia.

Wenn Ihr kein Wort verstanden habt, liegt das nicht (nur) daran, dass Ihr (vermutlich) kein Griechisch könnt. Der “Text” besteht aus folgenden “Worten”, die mehrfach wiederholt und verschieden kombiniert werden:
Savarakatranemia (heißt nichts, klingt aber wie eine Beschwörungs- oder Zauberformel)
Halleluja (in griechischer Aussprache, Bedeutung ist wohl bekannt)
Ileos, Ileos… (ähnelt dem griechischen Wort Ilios = Sonne)
Lama-lama nama-nama nemia (lama erinnert an das griechische Verb lambo = leuchten, scheinen; der Rest ist nama-nama…)

Es ist im ersten Moment kaum zu glauben, aber bei diesem Lied handelt es sich um einen Protest-Song, es ist DAS Lied des griechischen Widerstands gegen die Militärdiktatur 1967 bis 1974. Und das ist seine Geschichte:

Nachdem Mikis Theodorakis bereits einige klar verständliche Protestlieder geschrieben hatte und dafür ins Gefängnis geworfen worden war, beschloss der griechische Komponist Jannis Markopoulos (der übrigens in London Musik studiert hatte) ein Protestlied zu schreiben, von dem ihm niemand würde nachweisen können, dass es ein Protestlied war. Also schrieb er ein Lied, das nicht ein einziges echtes Wort enthielt, aber immerhin eine Silbenfolge (…Ileos lama…), bei der jeder Grieche sofort an die Worte “Ilie lambse” (= Sonne scheine) erinnert wird. Diese Worte sind zentraler Kern eines bekannten kretischen Widerstandsliedes aus der Zeit der Türkenherrschaft. Der Ruf nach der Sonne war auf Kreta immer ein Symbol für den Ruf nach Freiheit. Das Lied gilt bis heute als DIE griechische Freiheitshymne und ist Kult. Ein Lied ohne Worte, dafür mit umso mehr Bedeutung. Das nenne ich genial!

Vom gleichen Komponisten und vorgetragen von gleichen Sänger gibt es übrigens noch ein zweites interessantes Lied mit einem auf dem ersten Blick ziemlich seltsam anmutenden Text: Bikan Stin Poli I Ochthri (live 1974). OK, Griechisch klingt für Menschen, die die Sprache nicht sprechen, im ersten Moment wahrscheinlich immer ein bißchen seltsam. Aber das meinte ich nicht. Der Titel bedeutet “Die Feinde kamen in die Stadt”, und die in diesem Lied beschriebene Reaktion der als “wir” bezeichneten Personen auf diese “Feinde” hat mich doch zunächst ziemlich überrascht. Hier meine Übersetzung:

Bikan Stin Poli I Ochthri (Jannis Markopoulos)

Die Feinde kamen in die Stadt

Die Feinde kamen in die Stadt
Sie schlugen die Türen ein, die Feinde
Und wir standen daneben und lachten
Am ersten Tag

Die Feinde kamen in die Stadt
Sie nahmen unsere Brüder und Schwestern mit, die Feinde
Und wir schauten den Mädchen zu
Am nächsten Tag

Die Feinde kamen in die Stadt
Sie warfen Feuer auf uns, die Feinde
Und wir schrieen in der Dunkelheit
Am dritten Tag

Die Feinde kamen in die Stadt
Sie trugen Schwerter, die Feinde
Und wir nahmen sie als Talisman
Am nächsten Tag

Die Feinde kamen in die Stadt
Sie verteilten Geschenke, die Feinde
Und wir lachten wie die Kinder
Am fünften Tag

Die Feinde kamen in die Stadt
Sie trugen einen Feigenzweig, die Feinde
Und wir riefen “Hoch sollen sie leben”
Wie jeden Tag

Die Feinde, die hier in die Stadt kommen, sind die, die längst in der Stadt sitzen, nämlich in Athen im Regierungspalast: Die Militär-Junta. Der Text ist im wahrsten Sinne des Wortes schlicht und ergreifend. Kann man eindringlicher schildern, wie sich ein hilfloses Volk mit Gewalt und Diktatur arrangiert? – Wie die Kinder…

Jetzt habe ich mich thematisch ziemlich weit von Jethro Tull und Mr. Anderson entfernt, aber ich denke es wird mir gelingen den Bogen zurück zu finden, zumindest zu den schottischen Wikingern. Dazu möchte ich allerdings zuerst auf einen meiner Meinung nach bemerkenswerten kretischen Musiker aufmerksam machen, den ich selbst erst vor Kurzem auf YouTube entdeckt habe. Sein Solo-Instrument ist die griechische Laute, die sonst eigentlich eher – ähnlich der Rhythmus-Gitarre in der Rock-Musik – den Hintergrund für Bouzouki, Baglamas oder Lyra liefert. Singen kann er im Übrigen auch. Sein Vortragsstil ist für einen Volksmusiker eher ungewöhnlich und erinnert mich – ich weiß auch nicht recht warum – irgendwie an einen schottischen Wikinger. Genug der Worte, hier ist er mit einem Stück traditionellen, kretischen Folk-Rock: Michalis Tzouganakis. Für diejenigen, die von dieser Art Musik jetzt noch nicht genug haben, hier noch eine zweite Kostprobe.

Ich weiß, traditionelle kretische Musik ist nicht jedermanns Sache. Für den ungeübten Hörer klingt sie oftmals wirr und eintönig. Dazu teilweise der epische Gesang, der sich dem Rhythmus entzieht. Für den durchschnittlichen Mitteleuropäer ziemlich gewöhnungsbedürftig. Oder was meint Ihr dazu?

Michalis Tzouganakis tritt offensichtlich häufig zusammen mit einem Musiker auf, der Askomandoura und Gaida spielt, die beiden kretischen (oder griechischen?) Varianten des Dudelsacks. Leider gibt es von diesen Live-Auftritten nur kurze Video-Schnipsel in bescheidener Bild- und Tonqualität (Schnipsel mit GaidaSchnipsel mit Askomandoura).

Und beim Thema Dudelsack kommen wir wieder nach Schottland zurück. Ist es nicht seltsam, dass der Dudelsack gerade an den beiden enferntesten Enden Europas so ein besonders beliebtes Instrument wurde und sich einen festen Platz in der Volksmusik erobern konnte, während er in anderen Teilen der Welt kaum gebräuchlich ist? Wurde er eigentlich in Schottland und Griechenland unabhängig voneinander erfunden? Oder ist ein schottischer Wikinger, vielleicht da es ihm in Schottland zu kalt war, nochmals in See gestochen, und er hat sich dann nach Kreta verirrt? Eher unwahrscheinlich, oder? Aber vielleicht weiß ja Einer von Euch die Antwort.

Schöne Grüße
Kretakatze

PS.: Dabei bin ich jetzt noch nicht einmal dazu gekommen, die Parallelen zwischen kretischer Volksmusik und Jethro Tull genauer zu beleuchten…

Lockwood sagt:

ich riskiere an dieser Stelle, nicht nur für mich, sondern auch für Wilfried zu sprechen: Ich finde Deine Kommentare sind weder fehl am Platz noch zu lang. Im Gegenteil, ich freue mich über umfangreiche Stellungnahmen und ich denke, Wilfried wird das nicht anders sehen. Falls Du den Gedankenaustausch zwischen Wilfried und mir ein wenig verfolgt hast, wirst Du festgestellt haben, dass dort Abweichungen vom Thema Jethro Tull an der Tagesordnung sind. Deine Hinweise auf griechische Folkmusik sind sehr willkommen. Sie können dabei helfen, festgefahrene Grenzen im musikalischen Horizont aufzubrechen. Manchmal denke ich, dass ich das bitter nötig habe.

Jassos
Lockwood (44)

WilliZ sagt:

Hallo Kretakatze,

Lockwood hat Recht: Dein Ausflug nach Griechenland resp. Kreta ist hier herzlich willkommen.

Was den Dudelsack betrifft, so war er besonders im Mittelalter sehr weit verbreitet. Auch in Deutschland gab es Dudelsäcke, meist als Quetschsack oder Sackpfeifen bekannt. Die Herkunft ist ziemlich ungesichert, wahrscheinlich aber kommt der Dudelsack aus Kleinasien und hat seinen Ursprung bei den Thrakern. Da liegt Kreta ja fast um die Ecke.

Nur so am Rande: Wenn ich Deinen Beitrag lese, muss ich mich an frühere Zeiten erinnern. Ich spielte damals in einer Band, die mehr oder weniger Tanzmusik spielte. So hatten wir u.a. mehrere Auftritte bei einer Art Bürgerfest, zu dem auch griechische Musiker geladen waren (in dem Stadtteil lebten wohl ziemlich viele Griechen). Nach unserem Auftritt gaben die Griechen ihr Bestes und es wurde Sirtaki getanzt. Viele Lieder auch von Mikis Theodorakis. Selbst Tanzmuffel (wie ich) kamen dabei richtig in Wallung.

Kretakatze sagt:

Hallo Jungs,

Tja, da bin ich jetzt auf jeden Fall mal sehr beruhigt, dass ich Euch noch nicht allzu sehr auf die Nerven gegangen bin. Vielen Dank für die aufmunternden Worte und die sachkundigen Informationen zu …internationalen Dudelsäcken. …

Und da ich nicht zufrieden wäre, wenn ich nicht widersprechen (und dazu noch eine Vorlesung halten) könnte: Es freut mich sehr, dass Wilfried sich beim griechischen Tanzen so gut amüsiert hat, aber ich würde darauf wetten, dass kein Mensch an diesem Abend Syrtaki getanzt hat. Diesen Tanz gibt es nämlich eigentlich garnicht. Genauer gesagt, es ist ein Kunst-Tanz, der extra für den Film Alexis Sorbas erfunden wurde und der nur bei Tanzvorführungen gezeigt wird. Er besteht aus einer Zusammenstellung von Elementen verschiedener traditioneller Tänze, vor allem Chasapikos, Pentosalis und Syrtos. Die einzige Musik, auf die er getanzt wird, ist das bekannte Sorbas-Lied.

Auch dazu gibt es eine Geschichte. Eigentlich sollte Antony Quinn in der Schluss-Szene am Strand einen Pentozalis tanzen, einen ziemlich schnellen, traditionellen kretischen Tanz. Wenn man das kann sieht das so aus: Pentosalis (hier wird übrigens auch wieder Gaida gespielt).

Nun kursieren verschiedene Versionen, warum das nicht geklappt hat. So soll er sich den Fuß gebrochen haben – aber dann hätte er wohl garnicht mehr tanzen können. Auch nach verstauchtem Fuß sieht die Schuss-Szene von Alexis Sorbas eigentlich nicht aus. Ich nehme an, er hat einfach beim Versuch, diesen nicht ganz einfachen Tanz hinzulegen, einen Knoten in die Beine bekommen – er war ja auch schon nicht mehr ganz der Jüngste.

Also mußte man sich was Einfacheres ausdenken, und so hat man zur Musik von Mikis Theodorakis etwas Passendes zusammengestellt. So ein Vorführ-Syrtaki wie man ihn heute zu sehen bekommen kann, sieht dann zum Beispiel so aus: Sytraki.

Hier sieht man auch gleich noch eine weitere Parallele zwischen Griechen und Schotten: Beide tragen Röckchen, wobei die griechischen (die übrigens Foustanella heißen) nicht kariert sind und fast schon verboten kurz. Na ja, es wird Strumpfhose dazu getragen.

Im Anschluss an den Sytraki sind in dem Video dann noch ganz kurz die Anfänge eines echten griechischen Tanzes zu sehen, DES griechischen Basis-Tanzes überhaupt – es ist ein Sytros. Das, was der Durchschnittsdeutsche üblicherweise als Sytraki bezeichnet, also dieser Einfach-Tanz, den auch ein unbeholfener Volltrunkener nach 10 Sekunden mitstolpern kann (nicht dass ich damit jetzt Dich meinen würde, lieber Wilfried!), der heißt Siganos, wenn er langsam ist, und Servikos, wenns schnell wird. Tja, ein bißchen was weiß ich auch!

Und das wars jetzt wieder mit dem kurzen Beitrag.

Schöne Grüße
Kretakatze (44+4)

PS.: Irgend jemand hat mal zu mir gesagt ich wäre wie Inspector Columbo: Immer wenn er gerade durch die Tür ist und man meint man wäre ihn endlich los, dann dreht er sich nochmal um und sagt sein berühmtes: “Ach, da fällt mir doch gerade noch ein…” Aber heute fällt mir wirklich nichts mehr ein, weswegen das PS entfällt.

Lockwood sagt:

Hallo Kretakatze,

auch ich widerspreche gerne, Wilfried kann ein Lied davon singen.Aber es sind die Kontroversen, die eine Diskussion vom Monolog unterscheiden.Also, zum Inhalt:

Entgegen Deiner Aussage glaube ich nicht, dass Sirtaki nur zu “Sorba’s Dance” getanzt wird. Als Beweis für meine Antithese verweise ich auf ein Album aus meiner Plattensammlung: “20 Sirtaki von Mikis Theodorakis” oder so ähnlich. Diese Platte habe ich mir seinerzeit eigens wegen Sorba’s Dance gekauft; die anderen Stücke kommen bei weitem nicht daran und dienen nur dazu, die LP zu füllen.

Also, liebe Kretakatze, ich hoffe, Du bleibst uns gewogen.

Viele Grüße
Lockwood

WilliZ sagt:

Also zur Sirtaki-Diskussion: Die Quinn-Sorbas-Geschichte war mir ansatzweise bekannt. Trotzdem Danke für die ausführlichen Erläuterungen. Und um meinen Senf auch noch dazuzutragen: Sirtaki oder Syrtaki (mit der Transkription wollen wir es hier einmal nicht ganz so genau nehmen) ist ein Diminutiv (Verkleinerungsform) von Syrtos, also gewissermaßen ein Syrtoslein, wenn ich mich nicht täusche. Unter diesem Gesichtspunkt werde ich vor Jahren also doch eher einen Syrtaki als einen Siganos getanzt haben. In diesem Zusammenhang vielen Dank an Kretakatze, dass Du mich nicht für einen unbeholfenen Volltrunkenen hältst (vielleicht etwas unbeholfen, aber nicht volltrunkend – oder umgekehrt?).

So langsam entwickelt sich das ja hier zu einer griechisch-schottisch-deutschen Scripto-Konferenz. Leider hat mein Web-Hoster (der meine Website usw. verwaltet) keinen Forum-Baukasten im Angebot. Muss so genügen.

Viele Grüße
Wilfried (44+4+4+4-3) [Ist das so ‘ne Art Kryptografie?]

Lockwood sagt:

Hallo Kretakatze,

ich bin gerade erst dazu gekommen, mir Deine gelinkten Videos zur griechischen Folklore anzusehen. Zunächst einmal vielen Dank dafür ! Leider muss ich gestehen, dass ich zu dieser Musik überhaupt keinen Zugang finde. Erstens ist mir die Sprache vollkommen fremd und zweitens klingt die Musik in meinen Ohren zu orientalisch. Einige hundert Jahre türkische Fremdherrschaft sind wohl auch an der griechischen Volksmusik nicht spurlos vorrüber gegangen. Damit will ich nichts gegen orientalische Musik sagen; es ist nur so, dass ich in meinem Musikgeschmack ein Kind des Abendlandes bin.

Ich bin gespannt darauf, welche Parallelen Du zwischen der kretischen Musik und dem Werk des Wikingers Anderson aufzeigen wirst. Nicht vergessen: Damit stehst Du jetzt bei uns in der Pflicht !

Ganz nebenbei zum Thema Haarfarbe, Griechen und Türken:
Vor einigen Jahren war ich mit einer griechischen Familie befreundet. Dass Griechen und Türken sich nicht immer ganz grün sind, kann man vor dem Hintergrund ihrer gemeinsamen Geschichte verstehen. Aber es kommt noch doller: Die griechische Freundin blickt naserümpfend auf Griechen mit dunklen Haaren und dunklen Augen. Ich weiß nicht mehr, welchen Ausdruck sie für diese Landsleute gebrauchte. Es war so etwas in der Art wie “halbe Türken” oder so. Jedenfalls legte sie Wert auf die Feststellung, dass der Hellene dunkelblonde Haare und blau-grüne Augen hat. Und, was soll ich sagen, sie hat Recht damit ! Wäre es anders, hätte Brat Pitt nicht den Achilles spielen können.

Es grüßt Euch
Lockwood

Kretakatze sagt:

Hallo Jungs,

also ich glaube das artet langsam aus hier, das ist doch kein Diskussionsforum, oder?

Eigentlich wollte ich heute mal nichts schreiben sondern ins Bett gehen und schlafen, ich hätte es mal wieder ziemlich nötig (wie der Wilfried schon ganz richtig bemerkt hat). Meine Nachtaktivitäten sind meinen Geistesblitzen während der Arbeitszeit nicht unbedingt förderlich.

Deswegen jetzt wirklich nur gaaaanz kurz: …

… was die “20 Sirtaki von Mikis Theodorakis” betrifft (ich schreibe das immer mit y, weil es auch im Griechischen mit y geschrieben wird), es wäre für Mikis Theodorakis sicher auch kein Problem 200 Lieder mit diesem Rhythmus zu scheiben, aber hast Du schon einmal jemanden darauf Syrtaki tanzen sehen? Ich nicht!

Bei den griechischen Tanzfesten, Choros genannt, werden auch üblicherweise keine Lieder von Mikis Theodorakis gespielt, sondern traditionelle “Volkslieder”, und da kommt der Syrtaki nicht vor. Der wird immer nur bei Vorführungen getanzt, und dann immer auf diese eine Melodie. Und der Durchschnittsgrieche, der nicht in einer Tanzgruppe tanzt, kennt die Schrittfolge auch garnicht.

Warum der Syrtaki nun gerade Syrtaki heißt, weiß ich leider auch nicht mehr. Tatsächlich hat er mit dem Syrtos die geringste Ähnlichkeit, er basiert eigentlich auf dem Chasapikos (gleicher Grundschritt, gleiches Tempo, zumindest im langsamen Teil). Der Syrtos hat schon einmal einen ganz anderen Schritt-Rhythmus, aber ich will jetzt nicht auch noch anfangen Euch verbalen Tanzunterricht zu erteilen. Zumal es unter Euch ja wohl auch noch Tanzmuffel zu geben scheint. Und wenn der Wilfried nun darauf bestehen will, dass er seinerzeit Syrtaki getanzt hat, meinetwegen. Dem einen sein Wikinger ist dem andern sein Syrtaki, wobei man Lockwoods grüne Augen nicht vergessen sollte (oder so ähnlich). Da er nicht volltrunken war, wird sich der Wilfried ja sicher noch genau an die Schrittfolge erinnern und sie uns in seinem nächsten Beitrag detailliert erläutern.

Schöne Grüße
Kretakatze (4-2+44-2+4) [Der Lockwood hat damit angefangen!]

PS.: Entfällt wegen Müdigkeit

Kretakatze sagt:

Hallo Jungs,

heute muss ich mich zuerst selbst korrigieren. Ab sofort schreibe ich Sirtos und Sirtaki nur noch mit i, denn die Schreibweise mit y ist Blödsinn. Wen interessiert schon, wie diese Worte original in griechischer Schrift geschrieben werden, und das y könnte einen Deutschen dazu verleiten diesen Buchstaben als ü auszusprechen. Ein ü gibt es im Griechischen nicht, das y heißt dort “i psilo” (= hohes i). Ich bitte daher alle meine bisherigen diesbezüglichen orthographschen Fehltritte als entsprechend korrigiert zu betrachten.

Dem muss ich sofort die nächste Selbstkorrektur folgen lassen. Ich habe geschrieben, der Sirtaki würde Elemente aus Chasapikos, Pentosalis und Sirtos enthalten. Tatsächlich habe ich mich schon beim Schreiben dieser Worte gefragt, welche Elemente des Sirtaki aus dem Sirtos stammen sollen, mir sind keine eingefallen. Ich habe das so geschrieben, weil ich es irgendwo mal gelesen oder gehört habe. Man sollte nie ohne nachzudenken einfach irgend etwas abschreiben!

Inzwischen sind mir nicht weniger als 4 grundlegende Unterschiede zwischen diesen beiden Tänzen aufgefallen, Gemeinsamkeiten konnte ich keine entdecken. Ich würde diese Aussage daher als unbewiesene Behauptung einstufen und bitte das Wort Sirtos aus diesem Zusammenhang gedanklich zu streichen. Stattdesssen konnte ich beim Betrachten des von mir verlinkten Sirtaki-Videos eindeutig Elemente aus dem Seimbekikos entdecken. Das ist der Tanz, wo Einer alleine tanzt während die Anderen im Kreis herum hocken, klatschen und Teller zerschlagen. Der Beginn des Sorba’s Dance ist eigentlich 100% Seimbekikos: Jeder tanzt allein, langsames Tempo, schwerfälliger Rhythmus. Das ist übrigens auch im Film so.

Wie Ihr Euch wahrscheinlich inzwischen schon fast denken könnt, habe ich selbst einmal ein paar Jahre in so einer Tanzgruppe mitgemacht. Auch wir sind gelegentlich bei Choros-Festen aufgetreten und haben ein paar Tänze vorgeführt. Auch wir hatten den Sirtaki im Programm. Den Sorbas kann ich deshalb nicht mehr hören.

Um nun abschließend die Frage zu behandeln, welcher Tanz es nun gewesen sein könnte (oder waren es mehrere?), den der Wilfried seinerzeit getanzt hat: Natürlich habe ich im Prinzip keine Ahnung, und ich habe auch nicht behauptet es wäre Siganos. Ich habe nur GEWETTET es wäre NICHT SIRTAKI. Es wäre durchaus möglich, dass ich diese Wette verliere. Das ließe sich klären, aber jetzt leidet der Wilfried plötzlich an Gedächtnisschwund…

Also ich schlage für uns alle drei mal folgenden Kompromiss vor:

Wilfried ist der größte Sirtaki-Tänzer aller Zeiten, er beherrscht(e einmal) diesen figurenreichen Kunsttanz ohne jemals eine Unterrichtsstunde genossen zu haben. Lockwood ist der Entdecker des grünen Auges des Mr. Anderson und sollte für dieses unschätzbare Verdienst besondere Erwähnung in den Geschichtsbüchern finden. Und ich darf meinen Wikinger behalten. Ich nehme ihn sogar mit grünen Augen, da will ich wirklich nicht kleinlich sein. (Er hat doch in den 80er Jahren auch ausgesehen wie ein Wikinger, oder?)

Morgen vielleicht mehr, Lockwood hat ja schon wieder neue Themen und Fragen aufgeworfen… Wilfried, Du gibst Bescheid kurz bevor Dein Webspace platzt…

Schöne Grüße
Kretakatze (44-40+44)
[Also ich finde die 4er in Kombination mit den + und – rein optisch sehr schön, und um diese Uhrzeit möchte ich niemanden mehr überfordern!]

Echte Skinheads sind keine Nazis

Die meisten, die einem Skinhead auf der Straße begegnen, rümpfen die Nase, weil sie denken: Wieder so ein elender Neo-Nazi! Nun, da ich selbst einen Skinhead zu Hause habe, der bekanntermaßen kein Nazi ist, eher das Gegenteil, dann möchte man den Leuten, die sich in der Szene nicht so ganz auskennen, gern auf die Sprünge helfen.

Skinheads

Mein großer Sohn (eben der Skinhead) hat eine Powerpoint-Präsentation zusammengestellt, die einige Infos zur Skinhead-Szene beinhalten. Ich habe diese Präsentation nun für das Internet aufgearbeitet, damit man sich das Ganze auch mit einem Webbrowser angucken kann. (Da Powerpoint ein Microsoft-Produkt ist, empfiehlt es sich, den MS Internet Explorer zum Angucken zu verwenden).

SKINHEADS – Eine Subkultur zwischen Neo-Faschismus und Arbeiterklasse

• Skinheads sind eine Subkultur
• Sie sind in den 60ern in England entstanden
• Als englische Arbeiterkinder mit jamaikanischen Einwanderern und ihrer Musik in Kontakt kamen
• Dem Ska und dem Early Reggae
• Trugen typische Arbeiterkleidung, Stiefel, Jeans und Arbeiterhemd, und übernahmen den jamaikanischen Musikstil
• Größtes Merkmal waren die kurzen Haare, die im Gegensatz zu den damals üblichen langen Haaren ungefähr 1 bis 1,5 cm lang waren
• Bewegung war unpolitisch, aber man setzte sich für Einigkeit zwischen Schwarzen und Weißen ein, da die „Rude Boys“ schwarz waren

Ganz interessant ist auch die Website von du-sollst-skinheads-nicht-mit-nazis-verwechseln

siehe hierzu auch meinen Beitrag: Ska im Park

Skinheads anno 1972

Von Archaismen und Neologismen

Wie vieles im Leben, so ist auch die Sprache etwas Wandelbares. Und so wie Tier- und Pflanzenarten leider für immer aussterben, so verschwinden auch Wörter mit der Zeit. Aber dank eines Darwinismus in der Linguistik entstehen immer wieder neue Arten, d.h. Wörter, die unseren Wortschatz erweitern, zumindest den Schwund der Wörter, die untergegangenen, kompensieren.

Wörter, bei denen die Gebrauchshäufigkeit abnimmt bzw. die als altmodisch empfunden werden, nennt man Archaismen. Untergegangene Wörter haben dagegen bereits das Zeitliche gesegnet (welch ein Archaismus). Wortneuschöpfungen nennt man sprachwissenschaftlich Neologismen. Interessant dabei ist, dass es zu diesem Thema bisher wenig Literatur gibt. Besonders das Problem des Wortunterganges im Deutschen ist sehr stiefmütterlich behandelt.

Untergegangene Wörter

1. Komme ich zunächst auf die untergegangenen Wörter zu sprechen. Es gibt hierzu ein kleines Büchlein als Taschenbuch: Kleines Lexikon untergegangener Wörter. Wortuntergang seit dem Ende des 18. Jahrhunderts – hrsg. von Nabil Osman, mit einem Verzeichnis vieler Wörter, die heute nicht mehr im Sprachgebrauch zu finden sind. Hier nur einige Beispiele und deren Bedeutung:

Tändelwoche – Flitterwoche
Brast – Gram (stellt fast selbst einen Archaismus dar), Sorgen
strack, z.B. stracker Weg – gerade, noch als schnurstracks vorhanden
Absatz – in der Bedeutung von Kontrast
anhaltsam – ununterbrochen, beharrlich, anhaltend
anheute – heute
Aufkunft – Genesung (auch: Aufkommen, Anfang)

Es gibt dabei eine größere Menge an Wörtern, die heute poetisch klingen, während ihre jetzigen Statthalter (Archaismus für Stellvertreter) eher prosaisch klingen, z.B. Kleine für Kleinheit, Süße für Süßigkeit. Auch klingen die alten Monatsnamen sehr poetisch:

Brachmonat – Juni
Christmonat – Dezember
Erntemonat – August
Hornung – Februar
Heumonat – Juli
Lenzmonat – März
Ostermonat – April
Windmonat – November
Wintermonat – November
Wonnemonat – Mai

Heute sprechen wir höchstens noch vom Wonnemonat Mai, was sprachwissenschaftlich eigentlich eine Tautologie respektive ein Pleonasmus (weißer Schimmel) ist.

Es gibt viele Gründe für den Untergang von Wörtern, hier nur einige: Misslungene Verdeutschung – Scherz- und Schimpfwörter – Euphemismen – Sprachökonomie – Etymologische Isolierung und Semantisches Verblassen des Grundwortes (was man auch immer darunter verstehen mag).

2. Für die Archaismen, also den bedrohten Wörtern, gibt es im Internet bereits eine Aktion Artenschutz. Wer in meinem Alter ist, dürfte mit den folgenden Wörtern sicherlich noch keine Erklärungsschwierigkeiten haben. Aber es wird deutlich, was Ursache der Bedrohung sein könnte. Aber schauen wir einmal:

Kreiswehrersatzamt
Bandsalat
Butterberg

Diese Wörter sind bedroht, weil deren Existenzgrundlage abhanden gekommen ist oder kommen wird. Wer noch ein Tonbandgerät kennt, weiß was Bandsalat ist. Heute kennen wir das höchstens noch von VHS-Video-Kassetten her.

Backfisch
Brummi
Damenwahl

Das sind Wörter, die z.B. heute durch andere Wörter ersetzt sind (Backfisch = Girlie, Teenie, Kid o.ä.) oder deren Euphemismus nicht mehr tragbar ist (Brummi -> Laster = LKW). Und der Damenwahl fehlt die Grundlage, die Damen, die wählen.

Bückware (Ware, die unterm Ladentisch verkauft wird)

Dieses Wort und ähnliche hatten bis 1990 lediglich eine regionale Verbreitung (DDR, späterhin neue Bundesländer genannt). Da hier etwas real Existierendes untergegangen ist, so droht auch einer bestimmten Wortgruppe der Untergang.

Interessant ist auch, wie bestimmte Begriffe durch Markennamen ersetzt wurden. Klebstoff, Klebestreifen, Papiertaschentuch, Suppenwürze oder Getreideflocken kennt kein Mensch, aber Uhu, Pattex, Tesa, Tempo, Maggi oder Kellegg’s. Es kann dabei allerdings passieren, dass ein Markenname durch einen anderen ersetzt wird.

3. Neologismus sind Wortneuschöpfungen, die nicht immer sehr originell sind. In der Uni Tübingen werden solche Wörter gesammelt. Die meisten dürften dabei Eintagsfliegen sein. Aber es gibt natürlich Wörter, die unser Leben bestimmen. Die neuen Techniken machen es besonders möglich. Dabei übernehmen wir zunehmend Wörter aus dem englischen Sprachraum: Hard- und Software, Computer (Rechner tut es eigentlich auch), Videorekorder (eigentlich schon wieder ein Archaismus) usw. Und dann die berühmt-berüchtigten 2-bis-4-Buchstaben-Wörter, die natürlich Abkürzungen von Begriffen sind, die keiner mehr im vollen Wortlaut benennen kann: PC, DVD, GPS, HTML – und tausend mehr.

Die extreme Zunahme von Neologismen spiegelt den technischen Wandel, der uns förmlich überrollt. Auch wenn ich nicht gerade auf Kriegsfuß (Archaismus!) mit der neuen Technik stehe (wenigstens nicht mit allem), so liebe ich es geradezu, Zugriff auf alte Wörter zu nehmen, denn für mich stellen sie einen eigenen Wortschatz dar.

Zuletzt: Interessant ist hierbei natürlich die Frage, wie sehr uns das Luther-Deutsch geprägt hat. Aber das ist ein Thema für sich.

Himmelfahrt

In verschiedenen Religionen, besonders aber auch in Mythen, finden wir die Himmelfahrt als das höchste Ziel, nämlich mit allem, was einem eigen ist, ins Jenseits einzutreten. Am heutigen Feiertag feiert die Christenheit Christi Himmelfahrt, also die Rückkehr des Jesus von Nazareth als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel, nachdem er zu Karfreitag gekreuzigt und zu Ostern wiederauferstanden war von den Toten.

Grundlage der Himmelfahrt Christi ist das Evangelium von Lukas 24 Verse 50ff.:

Jesu Himmelfahrt
50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie.
51 Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude
53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

In unseren Breiten wird der Himmelfahrtstag zunehmend als Vatertag für Saufgelage missverstanden – wie bereits berichtet. Apropos Vatertag:

Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.
Ersteres wird gern geübt,
weil es allgemein beliebt.
Selbst der Lasterhafte zeigt,
daß er garnicht abgeneigt.
Nur will er mit seinen Sünden
keinen guten Zweck verbinden,
sondern, wenn die Kosten kommen,
fühlet er sich angstbeklommen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Edith Piaf: Non, je ne regrette rien

Als Paar (Liebespaar, Ehepaar usw.) hat man meist ’sein Lied‘, ansonsten weicht der Musikgeschmack sehr oft voneinander ab. Der männliche Teil mag meist rockigere Sachen, während die Dame des Hauses eher schmusigere Lieder bevorzugt. Nun muss ich gestehen, dass es ‚unser Lied‘ als solches nicht gibt, so als wären wir ins kalte Wasser unserer heißen Liebe gefallen. Aber da gibt es denn doch eine Sängerin, die meine Frau sehr mag, und die auch ich sehr gern höre: Èdith Piaf.

Im Februar diesen Jahres kam der Film „La vie en rose“ von Olivier Dahan in die Kinos und zeigt Marion Cotillard als Édith Piaf. Es zeigt das Leben dieses kleinen Spatzes (La Môme Piaf), das oft genug wie die Hölle auf Erden war. Und trotzdem singt die Piaf kurz vor ihrem frühen Tode: Nein, ich bereue nichts! Non, je ne regrette rien!

Wenn es also ‚unser Lied‘, das Lied meiner Frau und mir gibt, dann ist es dieses:

Non ! Rien de rien
Non ! Je ne regrette rien
Ni le bien qu’on m’a fait
Ni le mal tout ça m’est bien égal !

Non ! Rien de rien
Non ! Je ne regrette rien
C’est payé, balayé, oublié
Je me fous du passé !

Avec mes souvenirs
J’ai allumé le feu
Mes chagrins, mes plaisirs
Je n’ai plus besoin d’eux !

Balayées les amours
Et tous leurs trémolos
Balayés pour toujours
Je repars à zéro

Non ! Rien de rien
Non ! Je ne regrette rien
Ni le bien, qu’on m’a fait
Ni le mal, tout ça m’est bien égal !

Non ! Rien de rien
Non ! Je ne regrette rien
Car ma vie, car mes joies
Aujourd’hui, ça commence avec toi !

weitere Piaf-Videos bei youtube.com

Herman van Veen: Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl

„Herman, Ich erkenne in dir
die Weisheit des Hofnarren,
die Brutalität des Moralisten,
während du vorgibst,
nur das Ziel zu verfolgen,
uns zu unterhalten.“

Georges Moustaki über Herman van Veen

Ich weiß es eigentlich auch nicht, weshalb ich ein solches Faible für niederländische Musiker habe. So oft war ich bisher noch nicht in Holland. Es muss eine Art Seelenverwandtschaft sein, die bekanntlich keine Grenzen kennt. Neben Bots, den Gruppen Focus und Flairck ist es besonders einer, der mich auf verschiedene Weise beeindruckt hat: Herman van Veen. Es ist zu einem der Sänger mit dieser warmen Stimme: „Ich hab ein zärtliches Gefühl“, 1973 die erste Plattenveröffentlichung auch in deutscher Sprache. 1972 war er von Alfred Biolek und Thomas Woitkewitsch für das deutsche Publikum entdeckt worden. Woitkewitsch übersetzte die niederländischen Lieder ins Deutsche. Das ist es sicherlich der Clown oder wie die Niederländer sagen, der Harlekijn, der auf der Bühne seine Späße treibt.

Herman van Veen

Es ist aber auch ganz einfach der Mensch Herman van Veen, der ein großes Herz für die Kleinsten unter uns hat, den Kindern. Alfred J. Kwak, die kleine Ente aus Büchern und Zeichentrickfilmen, ist sein geistiges Kind. Und die Herman Van Veen Stiftung nimmt sich den Kindern an, die geistig oder körperlich benachteiligt sind oder eine psychische Extremsituation durchleben mussten.

Eines der schönsten Lieder findet sich auf dem ersten deutschsprachigem Album „Inzwischen alles Gute“ aus dem Jahre 1973. Ich habe es von der Original-LP digitalisiert – viel Besinnlichkeit beim Hören:

Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl
für jeden Nichtsnutz, jeden Kerl,
der frei herumzieht ohne Ziel,
der niemands Knecht ist, niemands Herr.

Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl
für den, der seinen Mund auftut,
der Gesten gegenüber kühl,
und brüllt, wenn ’s ihm danach zumut.

Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl
für den, der sich zu träumen traut,
der, wenn sein Traum die Wahrheit trifft,
noch lachen kann – wenn auch zu laut.

Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl
für jede Frau, für jeden Mann,
für jeden Menschen, wenn er nur
vollkommen wehrlos lieben kann.

Erik van der Wurff – Orgel, elektrisches Piano, Akkordeon
Harry Sacksioni – Gitarre, elektrische Gitarre
Hans Koppes – Tuba, Euphonium
Herman van Veen – Geige und Gesang


Herman van Veen: Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl (1973)

Bei Youtube habe ich das folgende kleine Video gefunden. Es zeigt Herman van Veen in einer Parodie als Konzertpianisten. Ich finde es einfach köstlich … Fast ebenso witzig finde ich den Kommentar, den jemand hierzu abgegeben hat. Herman van Veen dürfte sich amüsieren:

He stole this piece from my little brother and my mother, he MUST have!! He just copied what I always heard when my brother improvised on the piano and my mother cleaned it afterwards… 😉

Max Frisch: Stiller

Im Jahr meiner Geburt erschien von Max Frisch der Roman „Stiller“ (1954). Wer nun denkt, dieses literarische Werk wäre von der Zeit angestaubt (auch ich mag inzwischen angestaubt sein, aber nur äußerlich), der darf sich getäuscht sehen. Okay, da rennen keine Männlein mit Handys herum und trifft sich niemand in einem Internet-Cafe. Ob solche Dinge unserer Zeit als brauchbare Errungenschaften zu werten sind, mag ich dahin gestellt lassen.

Max Frisch wurde 1911 in Zürich/Schweiz geboren und verstarb dort kurz vor seinem 80. Geburtstag. Er arbeitete zunächst als Korrespondent für eine Zeitung, berichtete so u.a. von einer Eishockey-WM. Daneben veröffentlichte er auch sein erstes Buch. Bis 1940 studierte er Architektur und arbeitete bis 1955 als freier Architekt. Ein Stipendium ermöglichte ihn 1951 einen einjährigen Aufenthalt in den USA, wobei er auch Mexiko besuchte.

Die Erlebnisse dieses Aufenthaltes fließen in den Roman „Stiller“ ein. Seit 1955, nach dem Erfolg dieses Romans, arbeitete Frisch als freier Schriftsteller.

Max Frisch

Im Wesentlichen finden sich in diesem ersten größeren Roman die Themen wieder, die auch weiterhin das Werk von Max Frisch bestimmten.

Aber zunächst zum Inhalt. Worum geht es? Ein Mann, den seine Frau, der Bruder, die Geliebte und Freunde als den vor sechs Jahren spurlos verschwundenen Schweizer Bildhauer Stiller erkennen, bleibt beharrlich bei seiner Behauptung: „Ich bin nicht Stiller!“ Daraus entwickelt sich ein Roman voller origineller Ideen, in dem Mr. White, der nicht Stiller sein will, aus den letzten Jahren erzählt.

Es sind Aufzeichnungen in sieben Heften – und das ist das Mittel mit dem Frisch auch weiterhin arbeiten wird: nur wenige Tagebuchaufzeichnungen haben den literarischen Rang erreicht wie die von diesem Autor.

Es geht um den Konflikt eines Menschen, der etwas anderes ist oder sein will, als er für andere zu sein scheint, um das ‚Bildnis‘, das andere von uns machen. Es geht um die Erzählbarkeit des Lebens und um unsere Gier nach Geschichten. Und weiterhin handelt das Buch von den Wiederholungen, die unvermeidbar unser Leben ausmachen und aus denen wir auszubrechen versuchen, wie Stiller, der als Mr. White ein anderes Leben zu leben trachtet. Es geht also um die Kommunikation zwischen den Menschen. Ein Thema, das gerade heute wieder sehr aktuell ist.

Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben; – diese Unmöglichkeit ist es, was uns verurteilt zu bleiben, wie unsere Gefährten uns sehen und spiegeln, sie, die vorgeben, mich zu kennen, sie, die sich als meine Freunde bezeichnen und nimmer gestatten, daß ich mich wandle, und jedes Wunder (was ich nicht erzählen kann, das Unaussprechliche, was ich nicht beweisen kann) zuschanden machen – nur um sagen zu können: „Ich kenne dich.“

Max Frisch – Stiller (S. 64 der Taschenbuchausgabe Suhrkamp 9. Aufl. 1977)

Werder – eine Herzensangelegenheit?

Ich will es gleich am Anfang gestehen: Eigentlich wollte ich hier die Herren Klose und Frings so richtig in die Pfanne hauen; z.B. von wegen „Herzensangelegenheit“, wie Torsten Frings sein Verhältnis zu Werder nennt. Das Frings’sche Bankkonto dürfte sich mit der Vertragsverlängerung bei Werder auch freuen.

Torsten Frings

Aber das wäre ungerecht. Frings bleibt bei Werder, weil er hier bereits in einem Spitzenteam spielt und in Bremen so akzeptiert wird, wie er ist (manchmal bisschen ruppig und stur, vielleicht auch einfältig wie Herr Klose). Und er denkt an seine Familie: „Meine Große kommt jetzt in die Schule und würde dort kein Wort verstehen. Das wollte ich ihr nicht antun“. „Dort“ heißt Turin und „kein Wort verstehen“ heißt kein italienische Wort verstehen. Natürlich kann man das auch anders deuten: Herr Frings würde „dort kein Wort verstehen“. Wie gut, dass er deutsch spricht.

Miroslav Klose

Kloses Geheimtreff mit den Bayern-Bossen geht auf die Kappe seines Beraters. Der fantasierte bereits von einer dicken Provision, die dieser bei einem Transfer nach München in seinen Geldbeutel rieseln sah. Nun gehört auch Klose zu den eher Bodenständigen – wie gut für Werder. Und sprachlich hätte es in Bayern auch so manche Probleme gegeben.

Zu guter Letzt unterzeichnet auch noch Naldo einen neuen Vertrag (bis 2012) bei den Bremern. Da kann man in Bremen bei der bestehenden Kontinuität nur auf eine gute neue Saison hoffen. Und Herr Hoeneß müsste vielleicht die Meisterschale ein weiteres Jahr an einen anderen Verein ‚ausleihen‘.

Werder - 33. Spieltag 2006/2007: Das war es denn wohl

Zum aktuellen Geschehen: Werder hat nicht erst gestern die Meisterschaft verspielt, sondern bereits in Bielefeld. Und im Zusammenhang mit der 2:3-Niederlage dort wird nicht nur von mir Kritik gegen den Trainer Schaaf laut. Warum setzte er nicht Tim Wiese als den eindeutig besseren Torwart in diesem Spiel ein. Und gestern bei der völlig desolaten Leistung gegen Frankfurt im letzten Heimspiel der Saison die Frage: Warum wechselt Thomas Schaaf den Schweden Markus Rosenberg aus und nicht Miroslav Klose, der wieder einmal völlig ‚von der Rolle‘ war? Meisterschaft ade. Ist aber auch besser so. Es wäre eine zusätzliche Blamage für den deutschen Fußball, wenn man mit so einer über längere Zeit andauernden schwachen Leistung deutscher Meister werden kann. Ähnliches gilt für Schalke 04. Soll Stuttgart Meister werden.