Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!
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Bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land hatten sich die deutschen Fußballfrauen viel vorgenommen, so wie es jetzt aussieht: zuviel. Im Viertelfinalspiel gegen Japan begann das deutsche Team zwar gut, spielte taktisch diszipliniert und war die eindeutig bessere Mannschaft. Aber wirklich zwingende Torchancen erspielte sie sich nicht. Und so verwunderte es niemand, als die Japanerinnen zunehmend ihre Chancen zu wahren suchten.
Als dann der Treffer für Japan in der Verlängerung fiel, ein Tor aus spitzem Winkel, mobilisierten die deutschen Frauen zwar noch einmal ihre gesamten Kräfte. Aber bis auf einige Torchancen, die dann doch eher überhastet vergeben wurden, kam nichts Zählbares heraus. Die Party ist vorbei.
Aber es kommt noch etwas dicker: Die deutschen Fußball-Frauen fliegen nicht nur aus der WM. Auch bei Olympia im nächsten Jahr in London sind sie nicht mit dabei – dort reisen statt dessen die Schwedinnen hin.
Aber auch den Engländern (gegen Frankreich) und Brasilien (gegen die USA), beide jeweils im Elfmeterschießen, dürfen ihre vermeintlichen Favoritenrollen an der Garderobe abgeben und nach Hause fliegen. Dafür avancieren die Schwedinnen, das bisher einzigstes Team ohne Niederlage, zum Favoriten dieser Frauen-WM. Am kommenden Wochenende wissen wir mehr.
Etwas besser machten es dagegen die U17-Junioren bei ihrer Weltmeisterschaft in Mexiko. Zwar verloren sie ihr Halbfinalspiel knapp und in letzter Minute mit 2:3 gegen Gastgeber und späteren Weltmeister Mexiko (2:0 gegen Uruguay); im Spiel um Platz drei besiegten sie aber nach 1:3-Rückstand Brasilien mit 4:3 im legendären Azteken-Stadion zu Mexiko Stadt vor immerhin 80.000 Zuschauern. Mit dabei Levent Aycicek (Torschütze zum wichtigen 3:3-Ausgleich) und Cimo Röcker vom SV Werder Bremen – und Rani Khedira, der kleine Bruder von Sami Khedira. Glückwunsch!
Aber damit ist mit Fußball in diesen Tagen noch nicht Schluss: Bis zum 24. Juli wird in Argentinien die 43. Ausspielung der südamerikanischen Kontinentalmeisterschaft ausgetragen, die Copa América 2011. Als erste Mannschaft hat sich Kolumbien fürs Viertelfinale qualifiziert. Brasilien und Argentinien kamen bisher nicht über zwei Unentschieden hinweg (Ergebnisse und Videos der Spielehighlights: ca2011.com)
„Transformers 3 (Originaltitel: Transformers: Dark of the Moon) ist ein US-amerikanischer Action- und Science-Fiction-Spielfilm aus dem Jahr 2011, der die Fortsetzung der Filme ‚Transformers (2007)’ und ‚Transformers – Die Rache (2009)’ darstellt und genau wie diese auf den gleichnamigen Spielzeugreihen des Herstellers Hasbro basiert. Regie führte abermals Michael Bay, die menschliche Hauptrolle wird wie schon in den beiden vorangegangenen Teilen von Shia LaBeouf verkörpert, neu dabei ist Rosie Huntington-Whiteley als weibliche Hauptdarstellerin. In Deutschland und den Vereinigten Staaten startete der Film am 29. Juni 2011.
Unterstützt wurde die Produktion erneut vom Spielzeughersteller Hasbro, den Streitkräften der USA sowie zahlreichen Unternehmen, die im Gegenzug ihre Produkte mittels Product Placement im Film unterbringen konnten, darunter die Fahrzeugfabrikanten General Motors, Ferrari und die Daimler AG.
Begleitet wurde der Filmstart abermals von einer gigantischen Marketing-Kampagne, die neben den Hasbro-Spielzeugfiguren auch Comics, Bücher und Videospiele umfasste.“
(Quelle: de.wikipedia.org)
„In letzter Sekunde konnten Sam Witwicky (Shia LaBeouf), Ex-Agent Seymour Simmons (John Turturro) und ihre Autobot-Verbündeten um Optimus Prime ihren bisher fürchterlichsten Gegner ‚The Fallen’ daran hindern, die Sonne als Energiequelle anzuzapfen und damit für immer auszuknipsen. Optimus’ Erzfeind Megatron jedoch konnte entkommen und sinnt nun auf Rache. Nach einer kurzen Verschnaufpause muss sich das bunt aus Mensch und Maschine zusammengewürfelte Team auf seinen letzten Kampf mit den niederträchtigen Decepticons vorbereiten: Auf dem Mond wurde ein gigantisches Alien-Raumschiff entdeckt, dessen Geheimnis über das Schicksal nicht nur der Erde, sondern des ganzen Universums entscheiden könnte…“
Transformers 3 Dark Of The Moon Trailer 1 & 2 German (2011)
Riesen-Robots, die Wolkenkratzer zermalmen, gewaltige Feuergefechte und irrwitzige Stunts – Transformers 3 stößt ohne Zweifel in eine neue Trickdimension vor. Aber macht das einen guten Film aus? Diese monumentale Materialschlacht bleibt trotz der gewaltigen Bilder in der 3D-Technik bloßes Stückwerk, die Charaktere unausgebildet, da sie kaum Platz innerhalb dieser Zerstörungsorgie bekommen. Und die immer wieder durchscheinenden einseitigen Sympathien für eine reaktionäre Kriegspolitik der USA machen den Film nicht besser.
Heiner Müller (* 9. Januar 1929 in Eppendorf, Sachsen; † 30. Dezember 1995 in Berlin) gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bedeutung erlangte er außerdem als Lyriker, Prosa-Autor und Verfasser theoretischer Texte sowie als Regisseur, Intendant und Präsident der Akademie der Künste Berlin (Ost). Sein Zweipersonenstück Quartett aus dem Jahre 1982 ist eine Adaption des Briefromans „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos von 1782.
Der Stoff ist also nicht neu und bereits mehrmals verfilmt worden. Mir persönlich ist der gleichnamige Film von Stephen Frears aus dem Jahr 1988, u. a. mit John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Uma Thurman und Keanu Reeves, am bekanntesten:
„Die intrigante Marquise Isabelle Merteuil schlägt dem Vicomte Sébastien de Valmont vor, die Braut ihres früheren Geliebten Gercourt, Cécile de Volanges, noch vor der Hochzeitsnacht zu verführen. Für die Verführung der verheirateten Marie de Tourvel verspricht sie ihm sogar eine Liebesnacht.“
Das Stück von Heiner Müller selbst kenne ich aus einem Band mit verschiedenen Theaterstücken (suhrkamp taschenbuch 1190 – 1. Auflage 1985) Theater heute, dessen andere Stücke ich hier bereits fast alle vorgestellt habe.
Personen:
Merteuil (Marquise) (spielt auch Valmont bzw. ihre Nichte Volanges)
Valmont (Vicomte) (spielt auch Madame Tourvel)
Zeitraum : Salon vor der französischen Revolution – Bunker nach dem dritten Weltkrieg
Heiner Müller: Quartett
Nun auch dieses Stück ist noch nicht so ganz vergessen. Gerade in den letzten Jahren gab es mehrere Neuinszenierungen (u.a. 2010 am Stadttheater Bern oder erst neulich im theaterlabor des Theater Bremen, Premiere 5. Juni 2011).
„Müller schränkt die Personen der Handlung auf die beiden Antagonisten Marquise Merteuil und ihren ehemaligen Geliebten Vicomte Valmont ein. Die Marquise und der Vicomte reduzieren die Liebe auf Sex und reine Körperlichkeit, vielmehr das Reden darüber. In ständigem Rollenwechsel (Merteuil spielt Valmont bzw. ihre Nichte Volanges, Valmont spielt Merteuil oder Madame Tourvel – daher der Titel Quartett) fechten die zwei Figuren des Stücks einen Machtkampf aus, in dem Sexualität und Sprache zur Waffe geworden sind. Gekonnte Rhetorik und Perversion werden zum Ersatz für menschliche Beziehungen und auf die Spitze getrieben, bis hin zu brutaler Selbstzerstörung. Dabei zeigt sich jedoch auch immer die Leere und eine Art Endzeitmüdigkeit, die das durch Verstrickungen, Gewohnheit und unerfüllte Sehnsucht aneinander geknüpfte Paar verspürt. Gleichzeitig zeigen sie einen ausgeprägten Galgenhumor, der dem Drama komödiantische Elemente hinzufügt.“
Sex sells? Das Stück hat sicherlich seinen ausgesprochenen (sic!) Reiz. Die Sprache ist lasziv, dabei äußerst geschliffen. Aber es offenbart sich am Ende nur ein leerer Abgrund. Müller kritisierte die Dekadenz, den Verfall der Gesellschaft, in der jeder nur ‚bedient’ werden will, um seine Gelüste zu befriedigen. Dabei verkaufte sich Sex bereits früher schon bestens.
Merteuil. … Das Ideal wäre blind und taubstumm. Die Liebe der Steine. … Warum sollte ich Sie hassen, ich habe Sie nicht geliebt. (S. 457 der genannten Buchausgabe)
Merteuil [als Valmont]: Der Gedanke, der nicht Tat wird, vergiftet die Seele. (S. 465)
Stücke, Prosa, Tondokumente und mehr von Heiner Müller
Max Frisch, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern dürfen, hat neben seinen Stücken und dem erzählenden Werk eine besondere Prosaform entwickelt: das Tagebuch. Es ist nicht zu verwechseln mit den üblichen Tagebüchern von Schriftstellern. In Frischs literarisch ausgestalteten Tagebuch, das Autobiografisches mit fiktionalen Elementen verbindet, findet er eine literarische Form, die ihm in besonderem Maße entspricht und in der er auch seine ausgedehnten Reisen reflektiert. Es enthält neben der Schilderung realer Fakten also auch viel Dichtung und nimmt dabei teilweise spätere Prosa- oder Theaterstücke vorweg. Begonnen hat Frisch mit dieser Form schon früh mit Blätter aus dem Brotsack, die er während seines Aktivdienstes im Herbst 1939 als Kanonier während seiner ersten Militärdienstperiode im Zweiten Weltkrieg verfasste.
Als eigenständige Werke wurden dann seine Tagebucher 1946-1949 und 1966-1971 bekannt. Inhaltlich findet sich im Tagebuch 1946-1949 (das Buch ist in gleicher Schriftart gehalten) in etwa Folgendes:
Erzählungen wie Marion und die Marionetten (Andorra) / Tagebuchnotizen (z.B. Basel, März 1946) / Essays (Du sollst dir kein Bildnis machen) / Reiseberichte / Skizzen (z.B. zum Stück Der Graf von Öderland) / usw.
Das Tagebuch 1966 – 1971 (in unterschiedlichen Schriftarten gehalten) geht über diesen Rahmen schon hinaus und besticht besonders durch die Fragebogen (gewissermaßen nach amerikanischen Vorbild) und seiner satirischen Prosadichtung zur Gründung einer Vereinigung Freitod. Inhaltlich finden wir folgende Prosa-Formen:
FRAGEBOGEN (z.B. Sind Sie sicher, daß Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?) / Artikel (z.B. BERZONA) / Erzählungen (z.B. DER GOLDSCHMIED) / Erinnerungen (Erinnerungen an Brecht) / Tagebuchnotizen (z.B. BERZONA, Juni 1966) / Reiseberichte (Warschau) / Skizzen / Verhöre / Vereinigung Freitod (Entwurf/Notiz zum Handbuch/ Handbuch für Mitglieder: „Wer alt wird, ist selber schuld.“ – damit endet auch dieses Tagebuch)
„Im August 2009 meldeten die Feuilletons eine Sensation: In einem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Teil des Max-Frisch-Archivs in Zürich war das Typoskript eines bisher unbekannten Werks des Schweizer Autors gefunden worden: 184 Seiten, von Frisch auf Tonband diktiert, von seiner Sekretärin in die Maschine getippt. Der Autor selbst hatte auf der Titelseite notiert: ‚Tagebuch 3. Ab Frühjahr 1982.’“
Tagebuch 3 Ab Frühjahr 1982
Widmung: Für Alice
New York, November 1982
„Max Frisch lebte zu dieser Zeit in New York, zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Alice Locke-Carey, bekannt als ‚Lynn’ aus der Erzählung ‚Montauk’. Ihr ist dieses ‚Tagebuch 3’ gewidmet, und vermutlich fällt das abrupte Ende der Aufzeichnungen mit der Trennung von der Amerikanerin im Frühjahr 1983 zusammen. Die USA und die Schweiz, die Reagan-Administration und das belastete Verhältnis zu der um vieles jüngeren Frau, der Kalte Krieg und der Krebstod eines engen Freundes: Wie die beiden legendären, 1950 und 1972 erschienenen Tagebücher verzeichnen auch die ‚Entwürfe zu einem dritten Tagebuch’ Augenblicksnotizen neben längeren reflexiven Passagen – und heben das scheinbar flüchtig hingeworfene Notat in den Rang des Literarischen: ‚Es gibt in Amerika alles – nur eins nicht: ein Verhältnis zum Tragischen.’“
(Klappentext – Entwürfe … – Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter von Matt – 3. Auflage 2010, Suhrkamp Verlag Berlin)
„Das Typoskript für ein drittes, 1982 begonnenes Tagebuch wurde 2009 in den Unterlagen von Frischs Sekretärin entdeckt. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass Frisch dieses Werk als 70-Jähriger vernichtet hatte, weil er sich dessen kreativer Gestaltung aufgrund eines zunehmenden Verlusts seines Kurzzeitgedächtnisses nicht mehr gewachsen fühlte. Als das Typoskript 2010 veröffentlicht wurde, erhielt es aufgrund seines fragmentarischen Charakters den Titel Entwürfe zu einem dritten Tagebuch.“
Diese ‚Entwürfe … ’ äußern sich vorherrschend zum Altern, zu einem sterbenden Freund, zum Tod, zu den USA (siehe hierzu meinen Beitrag: Max Frisch und the American Way of Life!), zum Nuklearkrieg, zu Israel, zur Arbeit, zur Liebe, zur Transzendenz und zuletzt zu Frischs Traum von einem Haus für die letzten Jahre („das weiße ‚Lebensabendhaus’ in der Landschaft von New England.“)
Herausgegeben wurde dieses 3. Tagebuch von Peter von Matt, der in einem Nachwort schreibt: „Für sich allein betrachtet, stellt jeder der hier versammelten Texte eine Meditationsvorlage dar.“ (S. 189) Ich habe das beim Lesen ähnlich empfunden. Obwohl es eine chronologische Abfolge des Verfassten gibt, so steht jeder einzelne Text für sich wie ein Bild in einer Galerie, vor dem man verweilen sollte. Jeder Abschnitt (manchmal füllt er keine ganze Seite) verdient der Betrachtung, der Meditation – wie Peter von Matt schreibt.
Dieses 3. Tagebuch ist inhaltlich sicherlich nicht die große Sensation. Aber wir erfahren doch Einiges aus dem Lebensabend eines großen Schriftstellers. Ansonsten ist dieses kleine Buch eher etwas für eingefleischte Max Frisch-Leser.
Max Frisch lebte lange Zeit (von 1965 bis 1984) in einem aufwändig renovierten Haus in dem kleinen Ort Berzona im Tessin (siehe hierzu Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän – Eine Erzählung). Laut dieses 3. Tagebuchs grenzte das Grundstück an den kleinen Friedhof des Ortes.
Daneben unterhielt Max Frisch auch weitere Wohnungen, so ein Loft in New York – 123 Prince Street (in SoHo – gekauft 30.04.1981 – verkauft 26.09.1984); Wohnungen in Berlin, Sarrazinstraße 8 (ab 1973 – ging nach der Scheidung an Frau Marianne Frisch-Oellers) und in Zürich, Stockerstraße 39 (von 1979 – 1983). Von 1983 bis zu seinem Tode lebte Max Frisch in Zürich, Stadelhoferstraße 28 (in der Nähe des Café Odéon, das im Tagebuch 1946-1949 erwähnt wird)
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Zürich, Stadelhoferstraße 28 – Wohnsitz von Max Frisch (1983 – 1991)
Es sind gleich zwei Fußball-Weltmeisterschaften, die für Furore sorgen. An erster Stelle steht da natürlich die Weltmeisterschaft der Frauen, die bei uns in Deutschland stattfindet und ähnlich wie die WM 2006 bei den Männern für ein Sommermärchen sorgen soll.
Aber zunächst zur U17-Fußball-Weltmeisterschaft der männlichen Jugend in Mexiko. Dort haben die deutschen Junioren nach einem 3.2-Sieg gegen England das Halbfinale erreicht. Dort spielen sie morgen, am 7. Juli 2011, um 18:00 Uhr in Torreón gegen Gastgeber Mexiko. Und damit haben sie ein Spiel im legendären Aztekenstadion, dem drittgrößte Stadion für Fußballspiele (nach dem „Stadion des 1. Mai“ in Pjöngjang/Nordkorea und dem Yuba Bharati Krirangan in Kolkata/Indien), bereits sicher, denn nicht nur das Endspiel, sondern auch das Spiel um den dritten Platz findet dort statt. Ich drück den Jungs die Daumen!
Die Bemühungen des Deutsche Fußball-Bundes um Integration von Spielerinnen und Spieler mit Migrationshintergrund und von Spätaussiedlern zeitigen Erfolge (siehe u.a. meine Beiträge Mesut Özil – neue Integrationsfigur?! und Mit Multikulti zur Europameisterschaft), Immer mehr talentierte Spieler wollen für Deutschland spielen. Das gilt besonders für Spieler mit türkischen Wurzeln. Das kulturelle Umfeld ist wichtiger als die Herkunft. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. So hat sich Mehmet Ekici, der in der kommenden Saison für Werder Bremen spielt, für eine Karriere in der türkischen Nationalelf entschieden, obwohl er alle Jugendmannschaften des DFB durchlaufen hatte. Vielleicht rechnet er sich dort größere Chancen aus, zum Einsatz zu kommen, als in der deutschen Elf.
Bei der FIFA Frauen-WM 2011 ist das deutsche Team inzwischen mit drei Siegen im Halbfinale angekommen und trifft dort auf Japan. Auch die weiteren Favoriten (USA und Brasilien) haben sich bereits für die letzten acht Mannschaften qualifiziert.
Ich muss gestehen, bisher noch nicht allzu viel von dieser WM im Fernsehen gesehen zu haben. Klar, morgens schaue ich nach den Ergebnissen und gucke mir im Internet die Kurzberichte mit den Toren an. Das war es dann aber auch schon. Okay, am Samstag werde ich mir wahrscheinlich das Viertelfinalspiel der deutschen Mannschaft angucken – und dann sehe ich weiter …
Interessiert mich Frauen-Fußball also nicht? Nicht so sehr, wenn ich ehrlich bin. Irgendwie ist es ein anderer Sport als bei den Männern, wenn die Spielregeln auch gleich sind. Bin ich also ein Chauvinist? Ich hoffe nicht. Es fehlt mir einfach einiges, besonders die manchmal bis an der Grenze des Erlaubten geführten Zweikämpfe. Frauen sind einfach zu fair. Daher gibt es bei den Frauen auch kaum Standardsituationen – bis auf Eckbälle. Keine Fouls, keine Freistöße. Auch taktisch gerät manches schnell durcheinander (aber das passiert bei den Männern leider auch oft genug). Überrascht bin ich eigentlich darüber, das gerade in den letzten Spielen viele Kopfballtore gefallen sind, denn so ganz ist das nicht der Frauen Sache.
Vergleiche hinken bekanntlich. Und man tut den Frauen keinen Gefallen, wenn man sie mit den so genannten Herren der Schöpfung vergleicht (auch die kochen oft genug nur mit Wasser). Das gilt auch für den Fußballsport. Aber es gibt andere Ballsportarten (ich denke da besonders an Feldhockey), in den Frauen geradezu eine bessere Figur als die Männer machen. Beim Fußball weniger. Ich kenne zwar keine statistischen Vergleiche, aber ich vermute, dass Männer ein größeres Laufpensum leisten. Und das allein wirkt sich schon optisch positiv aus.
Was mich aber am meisten erschreckt, das sind die manchmal eklatanten Abwehrschnitzer bei den Frauen. Natürlich kommt das – leider – auch bei den Männern vor. Aber nicht in dieser Häufigkeit. Ich mag da gar nicht hingucken. Mann ahnt förmlich, wie Frau über den Ball tritt und damit der Gegnerin den Torschuss ermöglicht. Und das Herumirren mancher Torfrau im Strafraum lässt mich erschauern.
Okay, es gibt auch viele schöne Spielszenen. Wie die kleine Marta (Brasilien) da den großgewachsenen Norwegerinnen enteilt und dann mit einer Körpertäuschung die Torfrau aussteigen lässt, das hat schon Klasse. Und auch die jungen deutschen Spielerinnen haben manch technisch ausgefeiltes Kabinettstückchen auf dem Kasten. Ach, eigentlich ist Frauenfußball gar nicht so übel. Und die Entwicklung zeigt es, da ist noch einiges mehr drin.
Auf jeden Fall drücke ich den deutschen Frauen die Daumen. Aber das beste Team soll natürlich gewinnen. Und lasst die Fußball-Oma Birgit Prinz wie gegen Frankreich auf der Bank. Schließlich hat Bundesherrentrainer Löw den Ballack-Ballast auch über Bord geworfen.
Interessant im Zusammenhang mit der Frauen-Fußball-WM finde ich folgenden Artikel auf faz.net (Frankfurter Allgemeine Zeitung): Chauvi schön!
Eine Touch von Sexismus offeriert Deniz Yücel in seiner KolumneTrikottausch (das hätten manche Herren gern) auf taz.de (Tageszeitung), aber immer witzig … Und was sagen unsere elf Freunde dazu?
Man wird ein Greis, wenn man sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt, wenn man nicht meint, irgendjemand in der Welt irgend etwas zu schulden, und dazu braucht einer noch nicht am Stock zu gehe oder im Rollstuhl zu sitzen; es gibt auch wanderfähige Greise. Vorderhand erschreckt mich noch meine zunehmende Nachlässigkeit gegenüber Freunden, meine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber öffentlichen Ereignissen, meine zunehmende Freiheit …“
(Entwürfe … – Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter von Matt – S. 85 – 3. Auflage 2010, Suhrkamp Verlag Berlin)
Mit dem Altern hatte sich Max Frisch bereits in seiner 1979 erschienenen Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän eingehend beschäftigt. Es ist nun nicht so, dass ich mich als Greis fühle. Sicherlich habe ich meine Jährchen auf dem Buckel (so langsam gehe ich auf die sechzig zu), denke auch schon über meinen Renteneintritt nach, aber noch bin ich gut auf den Beinen und – ich hoffe – auch gut im Kopf.
Wie Herr Geiser, dem Protagonisten aus der Holozän-Erzählung, so litt Max Frisch unter einer zunehmenden Merkschwäche, dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Ich selbst prüfe mich nun nicht ständig auf Symptome für einsetzende Senilität. Wenn ich vieles vergesse, dann schon fast aus Absicht, weil ich mich nicht immer mit unnötigem Wissensballast belasten will. Vielleicht ist das schon die von Frisch oben beschriebene ‚Nachlässigkeit’ und ‚Gleichgültigkeit’, obwohl mich ‚öffentliche Ereignisse’ durchaus noch interessieren. Aber hier siebe ich bereits, muss nicht alles wissen. Die Ereignisse müssen mich schon interessieren, also in Bezug zu mir oder meiner Familie stehen.
Es ist sicherlich nicht Senilität, eher so etwas wie Altersweisheit, wenn ich mehr und mehr beginne, mich nicht mehr zu allem ‚verpflichtet zu fühlen’. Auf der Arbeit lasse ich so gern Jüngere ’ran (ich habe überlegt, ob ich mich auf dem Weg befinde, eine ‚innere Kündigung’ auszusprechen, was meinen Arbeitsplatz betrifft – so ganz ist das nicht von der Hand zu weisen). Sie können es schon besser als ich und haben noch Ambitionen. Also?! Lasse ich noch einmal Max Frisch sprechen:
„Wonach drängt es mich?
Ich bin schon noch tätig –
Wäre ich ein Bauer, würde man mir kaum noch die Sense in die Hand geben, die Sichel vielleicht; es würde kaum erwartet, dass ich auf die Leiter steige, um Äpfel zu pflücken; ob man mich auf den Traktor lassen würde, frage ich mich; man fände es richtig, dass ich die Hühner füttere, die Enten usw.
Was erwartet man von einem Schriftsteller?
Dass er Interviews gibt.“
(S. 27)
Erst kürzlich sah ich den US-amerikanischen Film „Der Rosenkrieg“ von (und mit) Danny DeVito und mit Michael Douglas und Kathleen Turner als Ehepaar Rose. Dieser ‚Rosenkrieg’ zeigt, wie aus Liebe mit den Jahren Hass und ein Kampf bis aufs Blut, ja, bis zum Tode werden kann. Der Streitpunkt ist hier materiell, das Haus, das keiner der beiden hergeben will.
Ehedramen üben eine gewisse Faszination aus. Ein weiteres Beispiel ist Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von dem US-amerikanischen Dramatikers Edward Albee (1962 uraufgeführt), das uns aus einer Verfilmung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton aus dem Jahre 1966 bekannt sein dürfte. Hier wird ein junges Paar Zeuge eines eskalierenden Ehestreits.
Das Stück Dämonen des schwedischen Dramatikers Lars Norén (*1944 in Stockholm) ist ähnlich gelagert. Auch hier wird ein anderes Paar in eheliche Auseinandersetzungen hineingezogen. Norén begann bereits als Jugendlicher zu schreiben. 1963 erschien sein erster Gedichtband, bis 1980 von weiteren gefolgt, außerdem drei Romanen, von denen „Die Bienenväter“ 1973 auch auf Deutsch erschien.
Dämonen (Original: Demoner) – Deutsch von Angelika Gundlach – wurde am 28.04.1984 in Stockholms Stadsteater (Regie: Carsten Brandt) uraufgeführt. Die deutschsprachige Uraufführung fand am 21.11.1984 am Schauspielhaus Bochum (Regie: Claus Peymann) statt (lese hierzu: Szenen zweier Ehen – von Hellmuth Karasek in spiegel.de)
Nun so ganz vergessen ist das Stück nicht, immerhin ist mir eine letzte Inszenierung bekannt, die es in der Regie von Thomas Ostermeier an der Berliner Schaubühne im Frühjahr 2010 gab.
»Dämonen« Trailer der Schaubühne Berlin
Das Stück selbst kenne ich aus einem Band mit verschiedenen Theaterstücken (suhrkamp taschenbuch 1190 – 1. Auflage 1985) Theater heute, dessen andere Stücke ich hier bereits teilweise vorgestellt habe.
„Der schwedische Dramatiker Lars Norén (Jahrgang 1944) beschäftigt sich seit den 80er-Jahren mit dem unaufhaltsamen Untergang des ehelichen Zusammenlebens – und setzt damit eine skandinavische Tradition fort, die mit Namen wie Strindberg, Ibsen und Bergmann verknüpft ist. ‚Dämonen’ ist ein klassisches Zimmerschlacht- Stück, in dem ein Ehepaar, das Lustgewinn daraus bezieht, sich gegenseitig fertig zu machen, den Besuch eines anderen Paares dazu benutzt, die Beleidigungen und Erniedrigungen auf die Spitze zu treiben.“ (Quelle: Berliner Morgenpost)
Personen:
Katarina, 36 Jahre
Frank, ihr Mann, 38 Jahre
Jenna, Nachbarin, 36 Jahre
Tomas, ihr Mann, 37 Jahre
Ort und Zeit: Eine Stadtwohnung, 1982
„Entweder ich bringe dich um, oder du mich, oder wir trennen uns, oder wir machen so weiter“, lautet Katarinas lakonisches Fazit ihrer langjährigen Beziehung mit Frank. Und da die beiden, die sich hassen bis aufs Messer und doch nicht voneinander lassen können, nicht schon wieder einen Abend einsam zu zweit in ihrer Nobel-Wohnung verbringen wollen, bitten sie das Nachbarsehepaar herüber. In stilvollem Ambiente vollzieht sich eine gnadenlose Seelenschlacht. „Norén ist ein Großmeister des Dialogs. Die Banalitäten seiner ausgeleierten Alltagswendungen sind so raffiniert verwoben …, dass sie die unausgesprochenen Aggressionen bis in die feinsten Abschattungen verlautbaren.“ (FAZ) „Ein gespenstisches Stück über die Liebe. Oder besser: Über deren Verlust.“ (Süddeutsche Zeitung)
(Quelle: rowohlt-theaterverlag.de)
Anders als z.B. in „Der Rosenkrieg“ erleben wir hier ein Paar, das in seine im Wesentlichen sexuell begründeten Obsessionen gefangen ist. Dazu ist es ein Teufelskreis gegenseitiger Hörigkeit, aus dem beide nicht entfliehen können:
FRANK Ja, ich liebe dich. […] Aber ich mag dich nicht. […] Überhaupt nicht. Ich kann dich nicht leiden. Aber ich kann ohne dich nicht leben.
[…]
KATARINA […] Du machst mich nur unglücklich. Ängstlich … Und so verwirrt. Und leer … Ich will nur weglaufen … Zurück … Zurück.
FRANK Wohin?
KATARINA Zu dir.
[…]
KATATRINA […] Solange ich dich schlecht behandle, kommst du nicht von mir los.
Das geladene Nachbarehepaar wird in diesen Ehekrieg hineingezogen. Schnell entlarvt es sich, zeigt, dass auch bei ihnen nicht alles stimmt, dass Unzufriedenheit herrscht – und ein Begehren dem anderen Paar gegenüber. Die Situation eskaliert, wie sollte es anders sein, der innere seelische Schmerz (FRANK […] Darum geht es doch – um den Schmerz. Sie empfinden einen solchen Schmerz …) stellt sich dar als äußerer körperlicher Schmerz – und endet in einer Kreuzigungsszene. 1982 mag das schockierend gewirkt haben, heute empfindet man es wohl eher als abstoßend, zumindest als ‚übertrieben’.
Lars Norén zeigt sich allerdings in den Dialogen als Könner. Besonders die Rolle des Frank ist dermaßen spitzfindig ausgelegt, dass man sich als Zuschauer (oder Leser) selbst oftmals an den Kopf fassen möchte. Wie er das Gespräch zu drehen versteht, hat schon eine gewisse Klasse.
Ehedramen – die Faszination gesteht weiterhin und wird von unserem Voyeurismus genährt. Auch Noréns Drama bietet dafür – auch heute noch – reichlich viel Futter.
Manchmal dauert es eben einwenig: Aber jetzt habe ich fünf Musikstücke der Shadows, wie sie vor inzwischen vielen Jahren (zwischen 1977 und 1989) von der Gruppe Black Out, deren Bassist ich war, eingespielt wurde, ins Netz gestellt, ungnädig wie ich bin – zu Eurem Ohrenleid. Okay, ganz so übel waren wir eigentlich gar nicht, ich, mein Bruder Armin und zwei weiteren ‚Anverwandten‘ (Heinz Besch und Jochen Landwehr, auch bekannt als Jo Lander). Da alles live eingespielt wurde, sind schon einige Schnitzer zu vernehmen. Aber wir waren nun einmal alles andere als Profis und haben im Wesentlichen nur zu unserem Privatvergnügen musiziert.
Wie bereits berichtet: Mein Bruder, der die Lead- bzw. Sologitarre spielte, brachte sozusagen die „Shadows“ mit in die Band. Er war ein Fan von dieser britischen Gitarren-Instrumentalband, die zunächst als Begleitgruppe von Cliff Richard auftrat, um dann eigene Wege zu gehen und besonders Anfang der 60er Jahre auf der britischen Insel sehr erfolgreich war. Mit der Zeit erarbeiteten wir uns einen kleinen Fundus an Gitarrenstücken dieser Band. Das war auch ganz gut so, denn zunächst verfügten wir nicht über eine Gesangsanlage – und waren auch noch nicht so firm auf unseren Gitarren (bis auf meinen Bruder).
Black Out plays the Music of The Shadows
Hierbei handelt es sich um folgende Instrumentalstücke – und gleichzeitig zum Vergleich (verlinkt) die Originale von den „Shadows“ (eine bunte Auswahl, mal im Original von der Scheibe, mal live in alten Tagen, mal live aus neueren Tagen):
Es ist ein kleines Buch. Eine gebundene Ausgabe, wie es heißt. Handlich und kompakt. Das möchte ich schon rein äußerlich wenig mit einem Kindle eBook Reader oder so tauschen.
Nietzsche lebenslänglich von Martin Walser zeugt von Walsers Interesse am eigenen Werk. Das kommt vor, erst recht in dem Alter Walsers. Da fragte er seinen Rechner, wie oft Nietzsche bei ihm vorkomme und erstaunte, als er erfuhr, dass es 732 Mal ist. Dabei hatte er nie eine Meinung über Nietzsche. Zumindest nicht geäußert. Walser hat Nietzsche nur gebrauchen können. Als Anrufungen.
„Aber auch meine Romanfiguren kommen nicht ohne ihn aus. Die Fabrikantengattin Blomich im Roman Halbzeit sowenig wie der ganz in Nietzsche Frequenzen lebende und leidende Lehrer Helmut Halm im Fliehenden Pferd und in der Brandung.“ (aus dem Vorwort, S. 7, Nietzsche lebenslänglich – Eine Seminararbeit – 1. Auflage – 2010 – Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg)
„Friedrich Nietzsche gehört zu den wirksamsten Lektüren Martin Walsers. Sein Werk trägt diese dauerhafte Beschäftigung über fünfzig Jahre hin in sich, und das vorliegende Buch bringt die universelle Brauchbarkeit dieses mächtigen Sprachverführers für Walser zum Vorschein.“ (Umschlagtext)
Und:
„Martin Walser, geboren 1927 in Wasserburg am Bodensee, hat, wie er in seinem Tagebuch notiert, gelegentlich ein „gestörtes Verhältnis zur Realität“, die ihn umgibt. Um so vertrauter und verläßlicher dagegen ist sein Verhältnis zur Literatur: Hölderlin, Kleist, Heine und Kafka (Beschreibung einer Form: Versuch über Kafka) zählen zu den erlebbaren und geistesgegenwärtigen Autoren, denen sich Walser besonders nahe fühlt, die seine Arbeit begleiten und die sein Schreiben von allem Anfang an durchdringen. Goethe wird ihm spät noch zum Thema ausführlicher Auseinandersetzung. Friedrich Nietzsche aber ist der Autor, der sich in Walsers Texte von Halbzeit (1960) über Jenseits der Liebe (1976), Ein fliehendes Pferd (1978) bis hin zu Brandung (1985) und der Verteidigung der Kindheit (1991) gleichsam eingeschlichen zu haben scheint, weil er brauchbar ist, für Walser, für seine Romanfiguren.“
(Zu dieser Ausgabe – S. 93)
Wahrscheinlich muss man begeisterter Walser-Leser sein, um dieses Büchlein zu kaufen. Es enthält die Passagen aus seinem Werk, in denen Walser Nietzsche erwähnt, nicht einmal zitiert (oder das nur sehr selten). Okay, einige Texte sind neu, bisher nicht veröffentlicht. Aber auch ohne diese wird ein Walser-Fan nicht gleich sterben wollen. Und doch: Was vielleicht auch für bisher Walser-Unkundige von Interesse sein könnte, dass ist der Einblick in ein kurzgefasstes Walser-Kompendium, in eine Anthologie von Walsers Prosa, auch wenn ich es persönlich nicht für sehr repräsentativ halte (ein bisschen mehr sollte es schon sein).
Am Montag, den 27. Juni, endete nach sechseinhalb Tagen der letzte Streik der GDL gegen die metronom Eisenbahngesellschaft GmbH. Trotzdem kam ich zu spät zur Arbeit, weil mein Zug am frühen Morgen ‚als Nachwirkung des Streiks’ ausfiel. Vier Tage nun hatten wir Pendler Ruhe. Ab heute Morgen 2 Uhr wird aber wieder gestreikt. Mit ‚open end’.
Bevor ich hier loswettere, möchte ich eine Lanze für die Zugbegleiter brechen. Die streiken nämlich nicht, müssen aber dafür hinhalten, werden beleidigt, ja in Einzelfällen sogar bespuckt. Zu Tätlichkeiten kam es gottlob bisher wohl noch nicht.
Leute, die Zugbegleiter können nichts für den Streik der Lokführer. Die GDL, die übrigens auch Zugbegleiter zu ihren Mitgliedern zählt, lässt nur die Lokführer streiken. Warum die GDL das andere Zugpersonal außen vorlässt, weiß nur die GDL. Denn bei einem Betreiberwechsel wären die Zugbegleiter (und all das andere Personal) genauso betroffen (zum Thema Betreiberwechsel siehe Näheres in meinem Beitrag GDL-Streik: Privatisierung der Bahn fehlgeschlagen?!).
Dazu die GDL: „ […] beim notwendigen Betreiberwechseltarifvertrag verweigern sie [die metronom Eisenbahngesellschaft GmbH] ihre Unterschrift. Ohne diesen stehen die Lokomotivführer nach jeder verlorenen Ausschreibung auf der Straße oder werden zu niedrigeren Löhnen weiterbeschäftigt. Dieses Szenario könnte im Jahr 2013 pure Realität werden, da der Verkehrsvertrag für die Strecke Uelzen Göttingen, den die metronom derzeit fährt, neu ausgeschrieben und vergeben wird.“
Ich habe versucht, einen Wortlaut dieses Betreiberwechseltarifvertrags (hoch lebe das Amtsdeutsch) im Web ausfindig zu machen. Ohne Erfolg. Eine entsprechende Anfrage bei der GDL blieb wohlweißlich unbeantwortet. Ich möchte nämlich wissen, wie dieser Vertrag aussieht, weil ich ‚das Szenario’ nicht so ganz nachvollziehen kann: Sollte z.B. 2013 der metronom die Strecke Uelzen-Göttingen nicht mehr bekommen, sollen dann die Lokführer weiter beim metronom verbleiben (obwohl es für sie keine Arbeit mehr gibt) oder übernimmt der dann neue Betreiber die metronom-Lokführer (dann müsste aber mit diesem ein entsprechender Vertrag ausgehandelt sein und nicht mit dem metronom)?
Der metronom will aus für mich durchaus nachvollziehbaren Gründen diesen Tarifvertrag nicht. Das weiß inzwischen auch die GDL. D.h. die Fronten sind verhärtet (metronom und GDL bezichtigen sich nur noch gegenseitig, einen Abschluss zu torpedieren). Aber das kann doch so nicht weitergehen. Wenn sich die Tarifpartnern nicht ungehend einig werden, dann muss endlich von höherer Seite eingegriffen werden. Ein Schlichter muss dann her. Alles andere wird den Arbeitsfrieden auf Dauer beschädigen, z.B. der metronom wird zusehen, lästige Lokführer so schnell wie möglich loszuwerden. Und den Pendlern und anderen Fahrgästen wird der Geduldsfaden reißen. Ich fürchte um eine Eskalation der Situation. Das will bestimmt keiner.
Hier noch einmal meine Empfehlung (schon des lieben Prinzips wegen): Ich kann Fahrgästen des metronom, die im HVV-Bereich unterwegs sind, nur raten, die so genannte HVV-Garantie in Anspruch zu nehmen. Wer sein Fahrziel einmal mehr als 20 Minuten zu spät erreicht, bekommen 50% des Fahrpreises erstattet. Das gilt auch für Monats- bzw. Abo-Karten. Zz. ist das leider das einzigste ‚Kampfmittel’ des Pendlers gegen diesen Streik.
Ach ja mein monatlicher Tull-Beitrag. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Dabei rückt uns die ‚big surprise’ immer näher auf den Pelz. Heute sind es nur noch 59 Tage und paar Zerquetschte. Ende August ist es soweit.
Auch sonst kündigt sich ‚Großes’ an. Ende des Jahres soll weiteres Tull-Archivmaterial veröffentlicht werden, die beim Stöbern erst kürzlich in der Abbey Road gefunden wurden. Weiteres ist in Laufis Jethro Tull Board zu lesen. Aller Voraussicht nach handelt es sich dabei aber um andere Version bekannter Stücke wie z.B. Wind-up, My God, Slipstream und Wond’ring Aloud. Also eigentlich auch nichts ‚Neues’.
Was die Veröffentlichung eines neuen Albums der Gruppe im April 2012 betrifft, gibt es da auch unterschiedliche Information (auch hier rate ich zu Laufis Jethro Tull Board): Zum einen soll das Album bereits eingespielt sein. Im Oktober werden noch einige Overdubs gemacht und im April wird veröffentlicht. Auf CD, Vinyl und als Download. Andere Infos besagen, dass die Aufnahmen noch eingespielt werden müssen. Wie auch immer: warten wir den April des nächsten Jahres ab, dann wissen wir mehr.
Und dann gibt ja noch den „brand new mix“ des „Aqualung”-Albums zum 40-jährigen. Wahrscheinlich ist das die „big surprise“. Lassen wir uns überraschen.
Aber auch etwas Videomäßiges steht an (wenn mich wirklich etwas interessiert, dann das …).
Zuletzt (auch dank Laufis JT Board – ich weiß, ich bin nur ein zweiter Guttenberg, der bei anderen abschreibt), hier zwei Videos, die zeigen, wozu Tull-Fans (im Suff?!) fähig sind (Jethro Tull 18.6.2011 St. Michelle winery in Woodinville, WA):