Alle Artikel von WilliZ

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Das „Wunder“ von Genua

Als Fan der Mannschaft von Werder Bremen macht man das nicht … Aber ich hatte einen langen Tag gestern, und als in dem Play-off-Spiel zur Champions League das 3:0 für Sampdoria Genua gegen die Bremer fiel, da hatte ich genug und machte den Fernseher aus. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Und als ich heute nachschaute, wie das Spiel ausging, da war ich doch mehr als überrascht. In der Nachspielzeit wurde das Bremer Auslaufmodell Markus Rosenberg zum Matchwinner und erzielte das 3:1, das damit das Hinspielergebnis egalisierte. Und in der notwendig gewordenen Verlängerung sorgte Claudio Pizarro, dass der SV Werder doch noch den Einzug in die Hauptrunde (Gruppenphase) der Champions League schaffte. „La Sampdoria“ ging zuletzt unter wie eins die Andrea Doria.

Selten war eine Niederlage so schön. Und wie schon so oft, so drehte auch gestern eine in der ersten Halbzeit desolat auftretende Bremer Mannschaft das Ergebnis zu ihren Gunsten. Der Sieg gegen die Italiener ist dabei für die deutsche Bundesliga von Bedeutung. In der Fünfjahreswertung der UEFA hatte Deutschland in der letzten Saison Italien vom 3. Platz abgelöst und stellt ab Saison 2012/2013 dann 4 CL-Plätze (d.h. die ersten drei der Bundesliga nehmen direkt an der Hauptrunde der Champions League teil, eine 4. Mannschaft muss sich wie jetzt Werder Bremen über ein Play-off qualifizieren) statt bisher drei.

Erst in der Verlängerung zeigte sich gestern die Elf von Trainer Schaaf wie beim Hinspielsieg vor knapp einer Woche abgeklärt genug. Ansonsten wies die Abwehr eklatante Schwächen auf – in der Innenverteidigung fehlte besonders der am Knie verletzte Naldo. Aber ein wichtiges Ziel in dieser Saison ist erreicht: die Königsklasse des europäischen Fußballs!

siehe Videos bei zdf.de: Werder-Wahnsinn in GenuaRosenberg verhindert Bremens Abgang

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 24

Fischermann googelt Fischermann

Das Problem ist nicht neu. Aber dank dem Trara um Google Street View allerorts in den Medien ist es nun fast jedem Bürger bewusst geworden: Das Internet dringt in die Privatsphäre ein.

Und so sucht sich ein Mensch selbst im Netz: Warum sich lauter harmlose Daten zu einem erschreckend vollständigen Bild fügen – ein Selbstversuch von Thomas Fischermann.

Die Duckomenta

Dank an @FrauKulli, deren Avatar bei Twitter aus dem Entensortiment stammt („Daher der Name Bratkartoffel!“). Zumindest FrauKulli wird wissen, wovon hier die Rede ist.

Nordkorea nutzt YouTube und Twitter

Das kommunistische Regime in Pjönjang will seine Propaganda künftig auch via Internet verbreiten. Unter dem Benutzernamen „uriminzokkiri“ hat es u.a. auf YouTube bereits mehr als 200 Videos hochgeladen. Ob wir damit viel anfangen können? Der Twitter-Account @uriminzok hat bereits über 1000 Follower. Uriminzok heißt so viel wie „Unsere Nation“.

Warum Schokolade immer teurer wird

Zocken mit Rohstoffen: Kakao wertvoll wie Gold, Weizen knapp und teuer – das geht nicht unbedingt aufs Konto von Produzenten und Herstellern. Spekulanten stecken hinter dem Preisanstieg: Sie haben Rohstoffe als Gewinnmaschine entdeckt.

Einzigartige Unterwasserbilder

Gerade die Unterwasserwelt offenbart sich uns in atemraubenden Bildern. Aber im Grunde gilt auch hier: Fressen und Gefressenwerden. Hier nun wirklich 27 unvergessliche Fotografien, die uns die Schönheit der Natur nahe bringt.

A Serious Man

A Serious Man ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2009. Regie führten Ethan und Joel Coen, die auch das Drehbuch schrieben, den Film produzierten sowie unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Roderick Jaynes den Schnitt übernahmen. Der Film ist jetzt auch als DVD A Serious Man erhältlich.

Ohne jede Vorwarnung bricht Larry Gopniks (Michael Stuhlbarg) Bilderbuchleben wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Seine Ehefrau Judith (Sari Lennick) gesteht, dass sie sich in den Witwer Sy Ableman (Fred Melamed) verliebt hat und daher eine rituelle Scheidung möchte. Das FBI wird auf die beim illegalen Glücksspiel eingesetzten Mathematikfähigkeiten seines hochbegabten Bruders Arthur (Richard Kind) aufmerksam. Sohnemann Danny (Aaron Wolff) interessiert sich mehr für Marihuana und Rockmusik als für die Schule. Töchterchen Sarah (Jessica McManus) stibitzt aus dem väterlichen Portemonnaie Geld, um sich die Nase verschönern zu lassen. Und der südkoreanische Student Clive (David Kang) ist für eine bessere Note gar bereit, Larry einen prallgefüllten Geldumschlag zuzustecken…

In ihrem neuesten Film „A Serious Man“ widmen sich die Coen-Brüder dem Tanach, der jüdischen Bibel. Larry ist ein vorbildlicher Jude, auf den urplötzlich wahre Hiobsbotschaften einprasseln. Doch er verzweifelt nicht. Vielmehr begibt sich der Naturwissenschaftler wie sein biblisches Ebenbild auf die unlösbare Suche nach einer Rechtfertigung für Gottes Handeln. Er wendet sich an drei Rabbis, besteigt das Dach seines Hauses und beobachtet wie König David die (sonnen-)badende Nachbarin.

Die Verweise auf biblische Ereignisse verleihen „A Serious Man“ sicherlich ein komplexeres Gewand als es die schrullige Spionagekomödie Burn After Reading umgab. Aber auch ohne das notwendige Hintergrundwissen eröffnen die Coens dem Zuschauer ein großartiges Porträt einer jüdischen Gemeinde Anfang der Siebziger. Um diese möglichst authentisch erscheinen zu lassen, entschlossen sich die Regisseure, auf ihre zahlreichen namhaften Schauspielfreunde zu verzichten und die Rollen ausschließlich mit Darstellern jüdischen Glaubens zu besetzen. So wird der geneigte Kinogänger nur wenige Gesichter auf den ersten Blick wiedererkennen – mit welch sicherer Hand die Coen-Brüder ihr Ensemble auswählten, ist aber dennoch beeindruckend. Richard Kind ist wie schon in „Chaos City“ eine köstliche komödiantische Ergänzung, Fred Melamed besticht bereits in seiner ersten Szene alleine durch seine zwischen Freundschaft und dezentem Unbehagen schwankende Stimme und Aaron Wolff erweist sich als vielversprechendes Talent, das nicht in die üblichen Teenie-Manierismen verfällt. Mit seiner unglaublichen Präzision überragt der Broadway-erprobte Michael Stuhlbarg jedoch alle. Er legt seine Figur nicht als klassischen Verlierer oder vom Schicksal Gebeugten an. Vielmehr ist sein Larry ein hoffnungsvoller Mann, dem zwar der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde, der aber dennoch nicht aufgibt und vehement seine Sinnsuche verfolgt.

In einer besonders herrlichen, doppelbödigen Szene wird Larry von einem Plattenverkäufer am Telefon genervt. Der Filius bestellte auf seinen Namen die neuesten Rock-Scheiben. Doch er selbst hat nie Santanas „Abraxas“ geordert und versucht daher verzweifelt, dem Anrufer klarzumachen, dass er nie einen „Abraxas“ hören werde. Hartnäckig wehrt er sich gegen Santanas Album und bestätigt so unterbewusst seinen jüdischen Glauben, indem er Abraxas, dem höchsten Gott der Gnostiker, eine Absage erteilt.

Dialog am Telefon ist symptomatisch für den Film. Mit der stoischen Überzeugung nichts getan zu haben, rennt Larry gegen seine Probleme an. Er argumentiert logisch, doch keiner scheint ihn zu verstehen. Der hieraus resultierende Humor ist Coen-typisch äußerst trocken. In gewitzten Wortgefechten verhaspeln sich die Figuren, driften vom eigentlichen Thema ab und lassen dabei manche Abschlusspointe einfach aus. Besonders hinterlistig ist dieses Vorgehen im Finale. Larry erliegt schließlich einer der teuflischen Versuchungen – und muss prompt dafür bezahlen. Was mit ihm und seinem Sohn geschieht, erzählen die Coens nicht. Sie blenden einfach ab. Bis Larry diese finale Hiobsbotschaft jedoch ereilt, verfängt er sich noch in verworrenen Traumwelten, muss mehrfach erklären, was eine Get ist, und lässt sich von einem Rabbi das grandios-abstruse Gleichnis eines Zahnarztes erzählen.

Larrys Sinnsuche ergibt nicht immer Sinn. Vielmehr muss man – wie es auch dem Protagonisten geraten wird – das Mysterium der kuriosen Ereignisse akzeptieren, um Gefallen an „A Serious Man“ zu finden. Wirklich schwer machen die Coens es dem aufgeschlossenen Zuschauer allerdings nicht, ihren Film ins Herz zu schließen. Die schlichten Bilder von Stamm-Kameramann Roger Deakins setzen das schrullige Judenporträt großartig in Szene. Die lebensnahen Figuren plappern mit herrlichem Selbstverständnis daher. Und selbst der Jiddisch gesprochene Prolog ist rückblickend kein völliger Fremdkörper. Vereinfacht gesprochen: „A Serious Man“ ist ein kleiner, schwarzhumoriger Geniestreich, wie ihn nur Joel und Ethan Coen aus dem Handgelenk schütteln können.

aus: filmstarts.de


A Serious Man – Deutscher Trailer

Anders als „Burn After Reading“ ist dies ein sehr ruhiger Film, aber ebenso wie jener ist dieser mit vielen wahnsinnig witzigen Einfällen gespickt. Zunächst muss man sich etwas in den Film hineinfinden, aber wenn man erst einmal in diese groteske Welt amerikanischer Juden der 70er Jahre eingetaucht ist, dann macht der Film richtig Spaß. Nicht nur mein großer Sohn ist ein großer Fan der Coen-Brüder – ich bin es inzwischen längst auch und kann auch diesen Film nur wärmstens empfehlen.

Daher der Name Bratkartoffel (1)

Während es bei uns Bindfäden regnet (oder aus Kübeln schüttet), regnet es im englischen Sprachraum Katzen und Hunde (It’s raining cats and dogs!). Ich liebe Redensarten. Sie sind das Salz in der Suppe (auch eine Redensart) einer Sprache.

Daher der Name Bratkartoffel. Ich war mir zunächst nicht im Klaren, ob es hierbei um eine allgemein bekannte Redensart handelt (genaugenommen handelt es sich hierbei um eine Redewendung). Viele Redensarten bzw. Redewendungen (ich will es hier nicht ganz so genau nehmen) übernimmt man von seinen Eltern (und gibt viele auch an seine eigenen Kinder weiter). Diese Redewendung kenne ich von meinem Vater und sie fiel mir wieder ein, als sich eine Frage plötzlich aus dem Zusammenhang mit einer weiteren Information klärte: Das war dann plötzlich klar wie klare Kloßbrühe! Oder: Daher der Name Bratkartoffel!

Redenarten sind sprachliche Wendungen mit meist symbolischer Bedeutung. Kennt man eine Redensart nicht und kann auch die symbolische Bedeutung nicht auflösen, die sich eventuell im Zusammenhang zum weiterhin Gesagten herstellen ließe, dann erscheinen Redensarten sinnlos zu sein. Was bedeutet z.B. jemanden am Bein ziehen (to pull somebody’s leg)? Okay, wer etwas Englisch kann, wird vielleicht wissen, dass diese Redensart unserem „jemanden auf den Arm nehmen“ entspricht. Man kann natürlich tatsächlich jemanden auf den Arm nehmen, z.B. ein Kind. Als Redewendung bedeutet es aber „jemanden anlügen, täuschen“ usw. – und es gibt dazu noch viele ähnliche Redewendungen wie: jemanden an der Nase herumführen – jemandem einen Bären aufbinden – jemandem ein X für ein U vormachen usw.

Wie gesagt: Ich liebe Redensarten. Gerade der symbolischer Gehalt „erhöht“ gewissermaßen die Sprache und hat etwas Geheimnisvolles, gar etwas, das nur „Eingeweihte“ verstehen, auch wenn eine Redensart meist sehr profan, sehr prosaisch, eigentlich dem Alltag entnommen ist. Redensraten bzw. Redewendungen sind auch das Resultat der Phantasie. Vorgänge, Tätigkeiten, Dinge, was auch immer, die man vielleicht ungern „beim Namen“ nennt oder deren „Beschreibung“ zu umständlich wäre, werden mit sehr konkreten Begriffen „auf den Punkt“ gebracht. Dabei spielt besonders das Bildhafte eine große Rolle (Bindfäden, Kloßbrühe, Bratkartoffel).

Sprache in ihren Ausprägungen interessiert mich immer wieder aufs Neue. Sehr interessant findet ich dabei Archaismen und Neologismen (also untergegangene Wörter und Wortneuschöpfungen), die letztendlich eine Sprache lebendig halten. Hier nochmals eine Übersicht meiner Beiträge zum Thema Sprache:

Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm GrimmWas ist ein Jackpot?You need ZugzwangWenn der Amtsschimmel wiehertTypisch deutsch: GemütlichkeitWörterbuch der Szenesprache

Tag eins nach Özil

Das Gezerre um den Wechsel von Mesut Özil vom SV Werder Bremen zu Real Madrid hat ein gutes Ende gefunden – für alle Beteiligten. Zuletzt ging es wohl nur noch um die Ablösesumme, die die Madrilenen den Bremern zu zahlen haben, da Özil noch bis Mitte 2011 unter Vertrag bei Werder stand. In den spanischen Medien ist dabei von 15 Millionen € die Rede, in den deutschen Medien taucht die Summe von 18 Millionen € auf (siehe u.a. transfermarkt.de unter Werder Bremen).

Sicherlich ist Özil damit unter seinem Marktwert zu Real Madrid gegangen, aber für die Bremer ist die jetzige Ablösesumme immer noch bedeutend mehr als das, was sie ein Jahr später für ihn bekommen hätten, wäre er bei Werder bis dahin geblieben: nämlich nichts, da Özil dann ablösefrei hätte wechseln können.

Auch Real Madrids Trainer Jose Mourinho hat die Verpflichtung von Mesut Özil als gutes Geschäft für die „Königlichen“ bezeichnet. „Er war ein Spieler, dessen Vertrag 2011 ausläuft, deshalb haben wir ihn für einen Preis bekommen, der weit unter seinem richtigen Marktwert liegt“, sagte der Portugiese. „Einen Spieler seiner Qualität konnten wir uns zu diesen Bedingungen wirklich nicht entgehen lassen“.

Und für Özil selbst geht sicherlich ein Wunsch in Erfüllung: bei einem großen europäischen Verein unter Vertrag zu kommen (von einem Sechsjahresvertrag mit jährlich 5 Millionen € Salär ist die Rede).

Die Frage war natürlich, wie Werder Bremen ohne Özil das Hinspiel in der Qualifikation zur Champions League gegen Sampdoria Genua angehen würde. Der Abgang von Özil ist ohne Zweifel ein sportlicher Verlust für die Bremer, aber wie das Spiel gegen Genua gestern Abend zeigte, hat die Mannschaft das sehr gut kompensieren können. Bedenkt man zudem, dass es gestern das erste wirklich wichtige Pflichtspiel der neuen Saison war, so war die Leistung der Mannschaft bemerkenswert gut. Besonders Aaron Hunt, der als Spielmacher Özil zu ersetzen hatte, machte ein gutes Spiel. In der zweiten Halbzeit zeigte Werder, dass man dem Team auch in der neuen Saison einiges zutrauen darf. Manchmal erinnerte mich die Spielweise an Spanien, den neuen Weltmeister: Ballstafetten über viele Stationen und damit viel und sicherer Ballbesitz, dann das schnelle Umschalten und das Spiel in die Spitze. Das klappte nicht immer, aber die Ballverluste hielten sich in Grenzen.

Einzigster Wermutstropfen war der Anschlusstreffer der Italiener in der Schlussphase zum 3:1. Mit einem 3:0 wäre den Bremern die Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League so gut wie nicht mehr zu nehmen – mit dem einen Gegentor kann es aber noch sehr eng werden. „Das späte Gegentor hält uns im Rückspiel aber vielleicht auch hundertprozentig wach.“, meint Werder-Trainer Thomas Schaaf. Wollen wir es hoffen. Das Rückspiel ist bereits am kommenden Dienstag in Genua, Anpfiff 20 Uhr 45. Es geht dabei um viel Geld (geschätzte 15 Millionen € sind dem Teilnehmer an der Gruppenphase so gut wie sicher – für Bremen wichtige Einnahmen, um auch weiterhin im europäischen Fußball mitreden zu können).

Jethro Tull: A

Wie kann man ein Musikalbum nur ‚A’ nennen? Schon allein der Titel des 1980 erschienenen Albums von der Gruppe Jethro Tull verwirrte die treue Fangemeinde; wie sehr sollte es die ‚neue’ Musik erst sein. Des Rätsels Lösung: Das Album ‚A’ sollte eigentlich ein erstes Solo-Album ihres Mastermind Ian Anderson werden; das A steht für Anderson.

Nachdem am 14. April 1980 im Hammersmith Odeon, London die Stormwatch-Tour und damit für viele Jethro Tull-Fans gewissermaßen das ‚goldene Zeitalter’ der Gruppe endete, denn es war auch endgültig das letzte Konzert mit John Evan, Barrimore Barlow und David Palmer (siehe auch meinen Beitrag: Jethro Tull live 1. April 1980 München Olympiahalle), zog sich Ian Anderson Mitte des Jahres zu Aufnahmen ins Maison Rouge Mobile und Maison Rouge Studio, Fulham, London, zurück, um das gesagte Album aufzunehmen. Neben Ian Anderson, Martin Barre und Dave Pegg wirkten Mark Craney (Drums) und Eddie Jobson (Keyboards, elektr. Geige) als neue Mitglieder der Gruppe mit. Das Album erschien am 29.08.1980 in Großbritannien und am 01.09.1980 in den USA.

Nach der Folk Rock-Phase der Gruppe (etwa 1976-1979) begann mit diesem Album die Phase des Electronic Rock von Jethro Tull, die etwa 1984 mit dem Album „Under Wraps“ endete. Bei vielen der bisherige Fans brach damals das nackte Entsetzen aus, weil es die bis dahin wohl größte Veränderung der Gruppe war, nicht nur personell (die alten Recken Evan, Barlow und Palmer mussten gehen, dafür kam u.a. der androgyn wirkende Eddie Jobson), sondern in erster Linie natürlich musikalisch (Jobson hinterließ bei den neuen Kompositionen seinen musikalischen Einfluss: Anderson/add. mus. mat. Eddie Jobson steht bei den Liedern in Klammern). Und während Ian Anderson auf der Stormwatch-Tour noch mit langer Mähne über die Bühne wirbelte, waren die Haare auf der am 4. Oktober 1980 begonnenen ‚A’-Tour nicht nur wesentlich kürzer (und vorn auch lichter) geraten, auch das Outfit hatte nicht mehr den altertümlichen Touch, sondern wirkte futuristisch.

Im ‚Windschatten’ des neuen Albums erschien dann auch noch die Videokassette Slipstream (heute gemeinsam als A remastered (CD+Bonus DVD Slipstream) erhältlich), auf der neben einigen interessanten Videoclips (u.a. Ian Anderson als Vampir) auch Ausschnitte von der neuen Tour enthalten sind.


Jethro Tull: Black Sunday (Live on ‚A‘-Tour on 20th or 21st Nov 1980 at Royal Albert Hall London, UK)


Jethro Tull – Fylingdale Flyer (Videoclip – hieraus stammt auch das Cover zum ‘A’-Album)

Es gibt noch weitere Video bei Youtube:
Jethro Tull – „Crossfire“ live 1980 (Live at the Sports Arena LA, on the 11/12/1980 )
Ian Anderson of Jethro Tull Rare 1980 interview
Jethro Tull – „Crossfire-Fylingdale Flyer“ (1980 aus der dt. TV-Sendung Rock Pop – leider nur Playback & in magerer Qualität)

Ian Anderson und Jethro Tull haben immer wieder durch gravierende Stiländerungen ihrer Musik überrascht. Anderson versteht sich als Musiker, weniger als Rockmusiker, und beansprucht natürlich für sich, aus allen musikalischen Töpfen schöpfen zu dürfen. Als ich mir damals ‚A’ kaufte, war ich natürlich auch überrascht. Aber so sehr auch elektronische Klänge die Musik verändert hatten, die musikalische Herkunft namens Anderson ließ sich nicht verleugnen. Wenn mir ein Album aus dieser Zeit nicht gefällt, dann ist es „Under Wraps“ aus dem Jahre 1984 – aber hauptsächlich wegen des Drum Computers, den Ian Anderson wohl eigenhändig programmiert hatte, der aber nie die feinen Facetten handgemachter Trommelarbeit ersetzen konnte, so komplex die rhythmischen Strukturen auch gesetzt waren – in der Lautstärke vielleicht etwas gedrosselt wären die Drums erträglicher anzuhören.

Jethro Tull live 1. April 1980 München Olympiahalle

Durchs Internet bin ich an eine DVD mit Konzertaufnahmen von der Gruppe Jethro Tull aus dem Jahr 1980 gekommen, bei der ich erst dachte, na ja, Bild und Ton sind akzeptabel, auch enthält es Stücke, die man sonst so nicht von Videos her kennt – aber mehr dann eben auch nicht. Aber bei näherer Betrachtung wurde mir dann klar: Bei diesem Konzert, das am 1. April 1980 in der Münchener Olympiahalle ausgezeichnet wurde, handelt es sich um eines der letzten Konzerte, bei denen John Evan an den Keyboards und Barrimore Barlow am Schlagzeug (David Palmer kann ich leider nicht erkennen) mitgewirkt haben.

Aber eines nach dem anderen:

Im Frühjahr bis in den Sommer des Jahres 1979 hinein wurde im Maison Rouge Mobile und Maison Rouge Studio, Fulham, London das Album „Stormwatch“ aufgenommen. Bei den Aufnahmen waren die genannten Evan, Barlow und David Palmer (der das Stück „Elegy“ aus seiner Feder beisteuerte) dabei, außerdem der Bassist John Glascock. Dieser war während der Heavy-Horses-Tour der Gruppe schwer erkrankt, als eine Zahnerkrankung sein (durch einen von seinem Vater ererbten Herzklappenfehler bereits vorbelastetes) Herz schädigte. Eine Operation, bei der die defekte Herzklappe ersetzt wurde, brachte nicht die erhoffte Besserung, und nachdem er bereits im Jahr 1978 nicht mehr alle Auftritte der aktuellen Tour bestreiten konnte, stand er am 1. Mai 1979, genau drei Jahre nach seinem Debüt, zum letzten Mal für Jethro Tull auf der Bühne. Während der Aufnahmen zum aktuellen Album „Stormwatch“ verschlechterte sich sein Zustand zusehends, und John war gezwungen, die Gruppe zu verlassen. Die noch fehlenden Parts am Bass übernahm Ian Anderson selbst. Glascocks Nachfolger wurde später Dave Pegg. Nachdem sein Körper die neue Herzklappe schließlich abgestoßen hatte, starb John Glascock am 17. November 1979 in London.

Mit Dave Pegg ging es dann auch auf die Stormwatch-Tour. Am 1. April 1980 gastierte die Gruppe dann in München. Das Konzert wurde vom Fernsehen aufgezeichnet und zusammen mit einem Interview mit Ian Anderson im österreichischen Fernsehen ORF 2 in Rahmen des Jugendmagazins „Ohne Maulkorb Spezial“ ausgestrahlt.

Die DVD, die mir jetzt vorliegt, enthält die (von einer VHS-Kassette digitalisierte) TV-Sendung und ist knapp 55 Minuten lang (Video: MPEG2 Video 720×576 (4:3) 25.00fps 8200Kbps – Audio: 48000Hz stereo 1536Kbps).

Nach diesem Konzert in München gab es noch weitere. Die Stormwatch-Tour endete am 14. April 1980 im Hammersmith Odeon, London. Das war dann auch endgültig das letzte Konzert mit John Evan, Barrimore Barlow und David Palmer. Mit diesem Konzert endete für viele Jethro Tull-Fans gewissermaßen das ‚goldene Zeitalter’ der Gruppe.

Zur Mitte des Jahres 1980 zog sich Ian Anderson zu Aufnahmen ins Maison Rouge Mobile und Maison Rouge Studio, Fulham, London, zurück, um das Album ‚A‘ aufzunehmen. Neben Ian Anderson, Martin Barre und Dave Pegg wirkten Mark Craney (Drums) und Eddie Jobson (Keyboards, elektr. Geige) als neue Mitglieder der Gruppe mit. Das Album erschien am 29.08.1980 in Großbritannien und am 01.09.1980 in den USA.

Aber zurück zu der Stormwatch-Tour und zu der TV-Sendung. Zwischen dem Interview mit Ian Anderson gibt es (fast) vollständig die Aufzeichnungen von dem Konzert. Jethro Tull spielte mit Ian Anderson (Gitarre, Flöte und Gesang), Martin Barre (E-Gitarre), Dave Pegg (Bassgitarre), John Evan (Keyboards bzw. Klavier) und Barriemore Barlow (Drums):

01. Intro/Interview
02. Aqualung
03. Interview
04. Dark Ages
05. Interview
06. Home
07. Orion
08. Interview
09. Too Old To Rock-n-Roll, Too Young To Die
10. Cross-Eyed Mary
11. Interview
12. Minstrel In The Gallery
13. Dambusters March (Locomotive Breath)

Und natürlich sind die Lieder auch bei YouTube auf dem Account von BenRossington im Internet zu betrachten. Ich habe diese zu einer Playlist zusammengefügt:


Jethro Tull 1980 live in der Olympiahalle München

Werder in der Bredouille

So langsam kommt zusätzliche Bewegung in den Transfermarkt des europäischen und damit auch deutschen Fußballs (siehe auch meinen Beitrag Wechselfieber), u.a. lautet eine Frage, ob der Ex-Werder-Spieler Diego von Juventus Turin nach Wolfsburg geht?

Ja Werder?! Ich möchte zz. nicht in der Haut von Manager Klaus Allofs stecken, denn an Bord der Bremer herrscht mächtig Unruhe – und noch weiß wenige Tage vor Beginn der neuen Saison keiner genau, wer das Schiff verlässt und wer neu anheuert. In meinem Beitrag schrieb ich u.a.: Ich fürchte …, dass Özil kein weiteres Spiel für den SV Werder Bremen mehr machen wird. Schade drum!

Ja Özil?! Gern würde man ihn in Bremen weiter Fußball spielen sehen. Er ist zwar aus dem Urlaub ins Trainingslager zu Werder zurückgekehrt und beteuerte, seinen Vertrag mit dem SV Werder zu erfüllen, aber seine neuesten Aussagen zum Verbleib in Bremen (siehe NDR-Video) sind wage und deuten eigentlich nur daraufhin, dass er in kurzer Zeit den Verein verlässt. An eine Vertragsverlängerung glaubt wohl selbst Klaus Allofs nicht mehr. Dann wäre ein baldiger Wechsel von Özil allerdings das Beste – für Werder allein schon wegen der Transfereinnahmen. Nach dem neuesten Gerücht könnte es nun doch der FC Barcelona sein, der Özil verpflichtet, da der eigentliche Wunschkandidat Francesc „Cesc“ Fabregas, den die Katalanen gern zum Nachfolger des 30-jährigen Spielmachers Xavi machen wollten, vom FC Arsenal nicht freigegeben wird. Will Özil also nicht verlängern, so sollte er gehen. Der Fall Klose (sein Wechsel zu Bayern München) hat gezeigt, dass Spieler, die den Verein wechseln wollen, nicht mehr bei der Sache sind. So lieber ohne Özil als nur mit einem halben auf dem Platz. Özil also zum FC Barcelona – vieles spricht dafür.

siehe auch zdf.de: Mesut Özil als Mutmacher und Vorbild

Und Per Mertesacker?! Hier gibt es auch weiterhin Gerüchte, dass er zu Arsenal London wechseln könnte. Allerdings scheint nicht viel dran zu sein. Wie es aussieht, bleibt Mertesacker in Bremen. Wie steht es dagegen mit Naldo? Probleme bereitet nach wie vor sein Knie. Keiner weiß, wann er wieder einsatzbereit sein wird.

Wenn Özil geht, wer kommt dann als Ersatz? Längere Zeit schon im Gespräch ist Wesley, der noch beim FC Santos in Brasilien unter Vertrag steht. Er ist Wunschkandidat der Bremer – allerdings ist neuerdings auch Benfica Lissabon an ihn interessiert.

Nein, Allofs hat es diesmal nicht leicht. Und Trainer Thomas Schaaf hat mit Neuzugang Marko Arnautovic ein schwarzes Schaf an Bord der SV Werder bekommen. Der Trainer verdonnerte den 21 Jahre alten Österreicher im Trainingslager zu einem Straftraining. Der Sechs-Millionen-Neuzugang von Twente Enschede, der zuletzt an Inter Mailand ausgeliehen war, hatte eine Schiedsrichterentscheidung von Schaaf nicht akzeptieren wollen und den Ball weggeschlagen. Zuvor hatte Torsten Frings in seinem Interview schon Kritik an Arnautovic geäußert. „Marko ist technisch gut und schnell, hat aber auch eine eigenwillige Art, die er einen Tick weit ablegen muss – gerade in Bremen.“ Ich kann mir nicht helfen, aber dieser Arnautovic scheint mir der richtige Lackaffe zu sein, eine Dumpfbacke ohne Gleichen, der nicht zu Werder passt. Wer hat diesen Mann nur nach Bremen geholt?

Jener Marko Arnautovic bot dann auch am Wochenende im Spiel beim FC Fulham eine indiskutable Leistung (Allofs O-Ton: „Ohne diese Bereitschaft fürs Team gibt es [für Arnautovic] keine Zukunft bei Werder.“). Leider nicht nur er, denn nach einer guten ersten Halbzeit (Pizarro hatte Werder 1:0 in Führung gebracht), war die Mannschaft wohl von allen guten Geistern verlassen und wurde noch mit 5:1 abgestraft. Die Generalprobe für die neue Saison ging in London also völlig daneben.

Ganz nebenbei: Ich frage mich, was eigentlich mit Jurica Vranješ ist?

Nach dem er in der Hinrunde der Saison 2009/10 nicht eingesetzt wurde, ist er in der Winterpause ab 01.02.10 zu Gençlerbirligi Ankara bis Saisonende ausgeliehen worden. Im Sommer kehrte er nach Bremen zurück, wo er nur noch mit der zweiten Mannschaft trainieren darf. Spielberechtigt ist er für diese jedoch nicht. Vorausgegangen waren kritische Äußerungen über Bremens Trainer Thomas Schaaf nach seinem Wechsel nach Ankara.

Meldung vom 22.07.2010: Split an Vranjes dran: Der Abschied rückt näher: Jurica Vranjes hat in Hajduk Split endlich einen Club gefunden, der ihn verpflichten will. „Es gibt Interesse“, bestätigte der bei Werder aufs Abstellgleis geschobene Kroate gestern gegenüber dieser Zeitung: „Wenn alles passt, kann es passieren. Split ist attraktiv für mich.“

Gerücht des Tages vom 27.07.: Die Verantwortlichen von Hertha BSC denken angeblich über eine Verpflichtung von Jurica Vranjes nach. Das berichtet die „B.Z.“ (Inzwischen hat die Hertha aber den Bremer Peter Niemeyer nach Berlin geholt. Wieder ein Bremer Mittelfeldspieler weniger, wenn Niemeyer zunächst auch nur ausgeliehen ist)

Vranjes dürfte also zu Hajduk Split gehen …

Nachtrag: Kaum habe ich meinen Beitrag geschrieben, überschlagen sich die Meldungen im Fall Transfer Özil-Barca (es wird spannend – im Gespräch ist übrigens eine Tranfersumme von 12-15 Millionen):

1. Der FC Barcelona steht nach Berichten der katalanischen Sportpresse dicht vor einer Verpflichtung von Mesut Özil. „Sport“ und „El Mundo Deportivo“ berichten übereinstimmend, ein Wechsel des Profis von Werder Bremen zum spanischen Meister sei „fast perfekt“. Mit dem Mittelfeldspieler hätten die Katalanen Einigkeit über einen Vierjahresvertrag erzielt. Allerdings habe sich Barca-Coach Guardiola noch nicht abschließend zu einem Özil-Transfer geäußert. Auch laut der Tageszeitung „El Pais“ stehe eine Einigung über einen Wechsel Özils für rund zehn Millionen Euro unmittelbar bevor.

2. Werder Bremen hat spanischen Medienberichten widersprochen, wonach Mesut Özil unmittelbar vor einem Wechsel zum FC Barcelona steht. „Die Meldung ist falsch. Es gibt keine Gespräche und kein Angebot vom FC Barcelona“, sagte Werders Mediendirektor Tino Polster. Die Sportblätter „Sport“ und „El Mundo Deportivo“ sowie die Tageszeitung „El Pais“ hatten zuvor übereinstimmend berichtet, ein Wechsel Özils zum spanischen Meister sei fast perfekt. Özil selbst äußerte sich zurückhaltend. „Davon weiß ich nichts. Über andere Vereine rede ich auch nicht“, sagte der Mittelfeldspieler.

3. Die Variante …, dass Barca jetzt Özil für ca. 12-15 Mio. kauft & ihn dann 1 Jahr an Werder ausleiht, um ihn nicht aus seinem Umfeld herauszureißen und seine Entwicklung verfolgen zu können, ist am sinnvollsten. Nach der Leihe könnte Özil dann zu Barca und Xavi ersetzen.

4. ???

Weiteres Video bei zdf.de: Werder Bremens Sorgenspieler

Happy Birthday, Mr. Anderson

Heute habe ich einmal daran gedacht (stimmt auch nicht – durch YouTube-Kommentare wurde ich darauf aufmerksam gemacht – an seinen 60. hatte ich damals allerdings gedacht): Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull hat heute Geburtstag und wird 63 Jahre alt. Na denn: Happy Birthday, Mr. Ian Anderson!

Ian Anderson (Jethro Tull) 2008
aus: jethrotull.com/press/pressphotos (2008 – 1 MB groß)

Anlässlich des 300. Geburtstages von Johann Sebastian Bach trat die Gruppe Jethro Tull mit Ian Anderson und Gaststar Eddie Jobson am 16. März 1985 im Internationalen Congress Centrum Berlin auf: Bach Rock (Dank an www.laufi.de für die Videos).


Jethro Tull: Wond’ring Aloud (Bach Rock 1985)

Walk the Line & Get Rhythm

Am Wochenende lief im Fernsehen der bekannte Film über das Leben von Johnny Cash: Walk the Line. Walk the Line ist eine US-amerikanische Filmbiografie aus dem Jahr 2005, die vom Leben des auch bei uns bekannt gewordenen Country-Sängers erzählt. Regie führte James Mangold, der auch das Drehbuch gemeinsam mit Gill Dennis anhand der Autobiografien Man in Black und Cash: The Autobiography schrieb. Die Hauptrollen spielen Joaquín Phoenix und Reese Witherspoon. Der Filmtitel lehnt sich an Johnny Cashs Song I Walk the Line an.


Walk the Line: Joaquín Phoenix als Johnny Cash

Ich kenne Johnny Cash zwar, seine Lieder wie „Ring of Fire“ und natürlich „Get Rhythm“. Aber Country Music war eigentlich nie ganz mein Ding, und so fand ich die Musik von Johnny Cash zwar erträglich, aber sie war mir nicht Anlass, irgendeine Platte von ihm zu kaufen. Nun aber, und das ist der Witz, eines seiner Lieder zählt zu meinen Lieblingsliedern: das bereits erwähnte Get Rhythm, wenn auch als Coverversion von Ry Cooder (dem ich ja hier gleich eine ganze Kategorie gewidmet habe), einen nach meiner beschiedenen Meinung 10 besten Gitarristen der Rockmusik.

Zunächst aber noch etwas zum Film: Was mich wirklich beeindruckt hat, das war die schauspielerische Leistung von Joaquín Phoenix als Johnny Cash. Die Lieder von Cash singt im Film der Schauspieler zudem selbst – auch das ist hervorragend gelungen. Für Cash-Fans sowieso, für allen anderen Filmfreaks aber auch: Der Film ist wirklich empfehlenswert (und wenn schon mein großer Sohn sich den Film als DVD gekauft hat, dann muss der Film einfach gut sein).

Zurück zu Ry Cooder – hier noch einmal kurz als Wiederholung:

Die bekanntesten Alben von Ry Cooder sind „Chicken Skin Music“ (1976), „Bop till you Drop“ (1979), das überhaupt erste digital aufgenommene Album der Rockgeschichte, und „Get Rhythm“ (1987).

Von zuletzt genannten Album hier der Titelsong:


Ry Cooder: Get Rhythm

Fans von Johnny Cash werden es gleich gemerkt haben. Das Lied stammt aus dessen Feder. Ry Cooder hat zwar viele Lieder selbst geschrieben, aber er hat sich – wie bereits erwähnt –auch immer wieder bei anderen Autoren bedient (von Elvis über Chuck Berry bis eben hin zu Johnny Cash). Die gecoverten Versionen klingen dabei aber immer typisch wie Ry Cooder (und sind nach meiner Meinung oft auch besser als die Originale).

Hier zum Vergleich (bei youtube zu finden) die Originalversion Johnny Cash – Get Rhythm aus dem Jahre 1956

Nachtrag: Es gibt ein Musikvideo mit Ry Cooder: Get Rhythm aus dem Jahre 1988 in der Regie von David Fincher, u.a. bekannt als der Regisseur von Filmen wie Der seltsame Fall des Benjamin Button.


Ry Cooder – Get Rhythm

Wind(s) of Change

Nein, ich meine nicht die große politische Veränderung, die Ende der 1980er-Jahre den politischen Wandel in Europa einläutete und von denen die Scorpions erfolgreich sangen. Ich will hier von den kleinen, uns betreffenden alltäglichen Veränderungen sprechen, die uns manchmal wie kalter Wind ins Gesicht blasen.

Wäre jeder Tag ein Feiertag, sich vergnügen wäre so ermüdend wie arbeiten, soll wohl Shakespeare gesagt resp. geschrieben haben. Selbst das Vergnügen wird, wenn es zur Routine verkommt, langweilig. So sind Abwechslung und Neues, so ist Bewegung Leben. Nun nicht jeder Mensch ist gegenüber Veränderungen aufgeschlossen. Und selbst wenn, dann besteht oft ein Zögern, eine Unsicherheit, ja bei manchem eine Angst dem Neuen gegenüber.

Bei mir auf der Arbeit tut sich einiges. Die Bereiche meines Jobs stehen neuerdings auf dem Prüfstand und ‚versprechen’ Veränderung. Vieles davon, das lässt sich zuvor schon ablesen, ist einfach Unsinn. Wenn Veränderungen am ‚grünen Tisch’ bestimmt werden, dann verheißt das nicht immer Gutes. So versucht man, den wenigen Einfluss, den man ausüben kann, zu nutzen, um auf Entscheidungen einzuwirken..

Auch mein jüngerer Sohn, der im Sommer seinen Schulabschluss in Tostedt erfolgreich an der Realschule absolviert hat, steht in diesem Tagen vor neuen Herausforderungen. Seit Donnerstag besucht er die Fachoberschule in Stade und muss sich in den nächsten Tagen und Wochen auch erst einmal in der neuen Umgebung wiederfinden. Dazu kommt, dass es erst einmal sehr chaotisch an der Schule zuging. Das liegt in der Natur der Sache selbst. Wenn auf einmal ca. 2000 Schüler ‚auf der Matte’ stehen, dann bricht auch gut gemeintes Management schnell zusammen. Nur für manchen ‚Neuen’ ist das zunächst einmal Stress. Wie soll er sich selbst in der neuen Umgebung finden, wenn diese sich selbst noch nicht gefunden hat. Spätestens in wenigen Wochen wird die Routine eingezogen sein – und die Belastungen dieser Tage werden vergessen sein. Noch wehen Winde der Veränderung.

Apropos: Wind of Change. Lange vor den Scorpions hat eine andere Gruppe von den Winden der Veränderung gesungen. 1971 erschient auf der LP (CDs gab es damals noch nicht) Mick Abrahams: A Musical Evening das Lied Winds of Change (also in Mehrzahl). Mick Abrahams, der zuvor bei Jethro Tull die Gitarre gespielt und gesungen hatte und 1969 u.a. mit Jack Lancaster Blodwyn Pig gründete, sang dann auch noch den Change Song (Blodwyn Pig: Ahead Rings Out 1969)


Mick Abrahams Band: Winds of Change (1971)

Die Mick Abrahams Band bestand aus:
Mick Abrahams plays guitar, seven string slide guitar, mandolin, pedal steel guitar and sings
Ritchie Dharma plays drums, congas and various percussion
Bob Sargeant plays organ, piano, second guitar and sings
Walt Monaghan plays bass guitars and sings

Und hier auch noch den Change Song von der Gruppe Blodwyn Pig – ebenfalls mit Mick Abrahams:


Blodwyn Pig: Change Song

Siehe auch meine Beiträge:
Blodwyn Pig: Sing Me a Song That I Know
Mick Abrahams Band: Why Do You Do Me This Way