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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Auf dem rechten Auge stark kurzsichtig

Die Zunahme rechtsgerichtete Ansichten bei den Jugendlichen in Deutschland ist leider eine nicht zu leugnende Tatsache. Fremdenfeindlichkeit breitet ich immer mehr aus bei den 14- bis 18-Jährigen. Das Problem ist also nicht auf einen kleinen Ort wie Tostedt begrenzt. Hier wird aber das Thema durch die Präsenz eines Neonazi-Szeneladens verschärft. Dessen Inhaber ist eine berüchtigte Größe in rechten Kreisen. Außerdem stand Tostedt bereits in früheren Jahren, besonders in den 90er Jahren (u.a. sind selbst auf der Website der BBC heute noch Informationen aufrufbar), immer wieder durch rechtsextreme Aufmärsche usw. im Brennpunkt der Öffentlichkeit. Tostedts Ruf ist bis heute in diesem Punkt nicht der beste.

Daher sollte die Politik besonders sensibel reagieren, wenn Jugendliche sich in einem Offenen Brief an diese wendet, um auf den erstarkenden Rechtsextremismus in Tostedt hinzuweisen, den die Jugendlichen vor Ort an den Schulen beobachtet haben.

So trafen sich am Montagmorgen gegen 11 Uhr in einem öffentlichen Gespräch die Vertreter der Jugend-Initiative mit dem Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt, Dirk Bostelmann. Das Ergebnis dieses Gesprächs war für die Jugendlichen ernüchternd.

Herr Bostelmann sieht zunächst das Ansehen Tostedts gefährdet und verweist dabei auf die Tatsache, dass viele Rechte aus ganz Norddeutschland nach Tostedt kämen, aber auch die Linken anreisten, um Krawall zu machen; u.a. warnte er die Jugendlichen davor, das Recht in die eigene Hand zu nehmen.

In seinem offensichtlichen Bemühen das Problem herunterzuspielen, bekam der Samtgemeindebürgermeister Unterstützung vom Polizeichef des Landkreises Harburg, Uwe Lehne, indem dieser erklärte, Tostedt hätte im Moment kein wirkliches Problem mit den Rechten, die Situation sei nicht besorgniserregend.

Spätestens am Montagabend mussten sich Bürgermeister und Polizeichef eines Besseren belehren lassen:

Zehn vermummte Personen warfen am Montag gegen 21 Uhr 45 Steine auf Fensterscheiben eines Hauses in Wistedt, in dem einer der Initiatoren des Offenen Briefes wohnt und skandierten rechte Parolen. Es wurde dabei wenigstens niemand verletzt.

Timo V., der Betroffene, sieht in dieser Attacke eine Chance: „Jetzt kann die Problematik nicht mehr heruntergeredet werden.“ Und: „Jetzt haben wir etwas gegen die Rechten in der Hand.“ Der Schüler erstattete Anzeige.

Siehe hierzu die Beiträge im Hamburger Abendblatt und in der HAN

Gestern am Abend gab es nun aufgrund der Attacke eine spontane Demonstration von Anhängern der linken Szene (Antifa) in Tostedt, die friedlich verlief und nach gut einer Stunde beendet war.

Eigentlich sollten unsere Politiker froh sein, junge engagierte Mitbürger zu haben. Zu viel Engagement scheint mir dann aber bei einigen nicht so sehr willkommen zu sein. Wenn Herr Bostelmann die Jugendlichen davor warnt, das Recht in die eigene Hand zu nehmen, so klingt das für mich so, als wolle er die Jugendlichen in die linke Ecke drängen (in Anspielung auf die Antifa, die „das Heft in die eigene Hand’ nimmt). Aber genau das wollen die Jugendlichen nicht, darum suchen sie das Gespräch mit Vertretern der öffentlichen Hand. Diese zeigt sich aber auf dem rechten Auge stark kurzsichtig.

Sicherlich gibt es in der letzten Zeit zunächst kein offensichtliches Problem mit den Rechten in Tostedt, keine Aufmärsche und keine bekannt gewordenen Gewalttaten (von der Attacke jetzt einmal abgesehen). Die Wählerstimmen für rechtsextremistische Parteien sind nicht höher als in anderen Gemeinden und Städte, eher niedriger. Die Rekrutierung junger Menschen geschieht im Verborgenen, der Zulauf von Mitläufern nimmt von der Öffentlichkeit unbeobachtet stetig zu. Ausgangspunkt ist dabei der Neonazi-Laden in Tostedt.

Dagegen ist etwas zu tun. Wenn der Polizeichef warnt, nicht einseitig zu polarisieren, die Rechten nicht auszugrenzen und ihnen gegenüber gesprächsbereit zu bleiben, dann kann das nur für die Mitläufer gelten. Der harte Kern wird unbelehrbar bleiben. Oder möchte Herr Lehne, der Polizeichef, es einmal mit Herrn Silar versuchen? Es wäre hoffnungslos.

In Tostedt hat sich Widerstand gegen rechts etabliert, der sich zu den demokratischen Grundlagen bekennt: Das Forum für Zivilcourage mit ihrer Tostedter Erklärung. Die drei Initiatoren des Offenen Briefes, die sich u.a. auch ehrenamtlich in der Kirchenjugend betätigen, arbeiten dort mit.

Forum für Zivilcourage

Erste kleinere Maßnahmen sind bereits geplant. Was fehlt ist die Unterstützung der Politik. Herr Bostelmann, wachen Sie auf! In der nächsten Sitzung des Samtgemeinderates wird das Nazi-Problem auf der Tagesordnung stehen – dank der Grünen, die einen entsprechenden Antrag eingebracht haben.

Siehe auch den Beitrag von Radio Bremen: Jugendprotest gegen Nazis in Tostedt

Nachtrag: Unter HAN online erschien vor kurzem folgender Beitrag: Tostedt: Empörung über Eskalation

Ry Cooder: Long Riders (1980)

Neben seinen diversen Ausflügen in die Weltmusik wurde Ry Cooder auch für seine Komposition und Arrangements für die Soundtracks einer größeren Anzahl von Filmen bekannt. Dabei arbeitete er öfter mit dem Regisseur Walter Hill zusammen. So entstand 1980 der Film Long Riders, ein Western, für den Cooder viele traditionelle Lieder verarbeitete, aber neben David Lindley auch eigene Stücke beisteuerte.

Der Film „Long Riders“ zeigt das Leben der verschiedenen Mitglieder der berühmt-berüchtigen James-Younger-Bande, die durch Überfälle den ohnehin schon wilden Westen unsicher machte. Jesse James dürfte dabei den meisten bekannt sein. Das Bemerkenswerte an diesem Film ist der Umstand, dass alle historischen Brüder von Schauspielern dargestellt werden, welche auch im realen Leben Brüder sind:

James und Stacey Keach als Gebrüder James, David, Keith und Robert Carradine als Gebrüder Younger, Dennis und Randy Quaid als die Brüder Miller und Christopher und Nicholas Guest als die Ford-Brüder.

Aus dem Soundtrack habe ich zwei unterschiedliche Stücke herausgesucht und (das erste verkürzt) zu einem zusammengefügt. Das erste ist ein überliefertes Lied mit dem Titel:

RALLY ‚ROUND THE FLAG
(Traditional, arranged by Ry Cooder)

Yes, we’ll rally ‚round the flag, boys
Rally once again
Shouting the battle cry of freedom
Rally from the hillsides
Gather from the plain
Shouting the battle cry of freedom

The Union forever
Hurrah, boys, hurrah
Down with the traitor
And up with the star
As we rally ‚round the flag, boys
Rally once again
Shouting the battle cry of freedom

Mine eyes have seen the beauty
Of the land that’s bright and fair
Shouting the battle cry of freedom
And my soul looked back and wondered
How we made the journey there
Shouting the battle cry of freedom

We will welcome to our numbers
The loyal, true and brave
Shouting the battle cry of freedom
And although we may be poor
Not a man shall be a slave
Shouting the battle cry of freedom

Das zweite Stück ist ein Instrumentaltitel aus der Feder von Ry Cooder namens BETTER THINGS TO THINK ABOUT:


Ry Cooder: Rally ‘Round the Flag (gekürzt)/Better Things to Think About

Weitere Hörbespiele Ry Cooder: Long Riders

Zum Film selbst hier ein kurzer Trailer vom Original:


The Long Riders – Trailer etc.

Wenn der Tag zu Ende geht …

Im letzten Jahr feierten wir Deinen 75. Geburtstag, lieber Klaus. Du wurdest 1933 in Treuburg in Ostpreußen, dem heutigen Olecko (Oletzko) geboren. Es war eine schwierige Zeit. Trotzdem hattest Du mit Deinem jüngeren Bruder Günter eine schöne Kindheit in dem kleinen Ort in Masuren. Die Kriegswirren brachten Dich dann wohl nach Thüringen, später nach Tostedt, wo Du Dich mit Deiner Familie niederließ.

Kluas Koslowski (03.02.1933 - 10.05.2009)

Wie jeder Tag einmal zu Ende geht, so geht auch das Leben zur Neige. Gestern verstarb mein Schwiegervater, Klaus K., im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts.

siehe auch: Goldene Hochzeit von Ilse und Klaus

10 Jahre Schaaf, späte Geschenke und eine Papierkugel

Heute ist nicht nur Muttertag oder Willis und Christas 19. Hochzeitstag: Heute
vor zehn Jahren übernahm Thomas Schaaf, bis dahin Trainer der 2. Mannschaft, die Geschicke als Chefcouch von Felix Magath beim SV Werder Bremen. Was nach einer Übergangslösung aussah, ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Werder gewann nicht nur vor 10 Jahren noch auf die Schnelle den DFB-Pokal gegen die Bayern. 5 Jahre später holte Werder unter Schaaf Meisterschaft und Pokal, also das Double. Und weitere fünf Jahre (nach fünfmaliger Teilnahme an der Champions League) steht die Mannschaft in den Endspielen von UEFA-Cup und (nochmals) DFB-Pokal.

Thomas Schaaf, das ist Werder. Denn immerhin seit 37 Jahren ist der 48-Jährige Mitglied des SV Werder, dabei war er lange Zeit auch Spieler in der ersten Mannschaft: Thomas Schaaf – lebenslang grün-weiß

Thomas Schaaf ist etwas verschrien als knurrig, wortkarg und verschlossen, der den Interviews gern aus dem Wege geht. Wenn man ihn aber vors Mikrophon bekommt, dann zeigt sich sein ganz besonderer Humor: Schaafs Sprüche …

Schaaf und die Reporter

Besonders erwähnenswert finde ich Schaafs Engagement fürs Zentrum für trauernde Kinder e.V. in Bremen.

Nun seine Spieler hatten zu Schaafs 48. Geburtstag, dem Tag des Hinspiels im UEFA-Cup-Halbfinale gegen den HSV am 30. April, versprochen zu gewinnen. Leider verlor Werder das Spiel zu Hause. Aber im Rückspiel eine Woche später in Hamburg beendete die Mannschaft Hamburgs letzten Titeltraum durch einen 3:2-Sieg und setzte sich damit auch im Halbfinale des UEFA-Cups durch. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk also. Am 20. Mai spielt der SV Werder nun im Endspiel gegen Schachtar Donezk. Das Finale wird im Sükrü-Saracoglu-Stadion, Heimstätte des 17-maligen türkischen Meisters Fenerbahce Istanbul, ausgetragen.

Der Sieg kam dabei etwas kurios zustande: Eine kleine Papierkugel entschied einen großen Pokalfight – hätte sie nicht im Weg gelegen, hätte es keine Ecke gegeben und Bremens Baumann hätte vermutlich nicht das 1:3 erzielt …

siehe auch: „Dem Leder einen Schubs gegeben“ – Exklusiv: Werders Glücks-Papierkugel im Interview

Gerade zu Schaafs 10-jährigem Arbeitsjubiläum berichten Medien, dass der VfL Wolfsburg Interesse an Schaaf als Trainer zeigt. Sicherlich ist nicht auszuschließen, dass er in Zukunft den Arbeitsplatz wechseln könnte Ich denke aber, dass er auch in der kommenden Saison Trainer des SV Werder Bremen bleiben wird. An seiner Seite steht übrigens Wolfgang Rolfs (gemeinhin auch Schaafs Wolle genannt) als Co-Trainer, geboren zwischen Hamburg und Bremen, der als Idealbild eines Co-Trainers gilt.

Bilderserie bei zdf.de: Werders Dauerbrenner

Übrigens: Im Anschluss an das UEFA-Cup-Spiel zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen (2:3) haben frustrierte HSV-Anhänger Busse mit Werder-Fans angegriffen. Dabei erlitten zwei Bremer Schnittverletzungen, die ambulant behandelt wurden. Sieben Personen wurden vorläufig festgenommen. Die Busse mit den Werder Fans wurden bei der Abfahrt mit Eisenstangen und Steinen attackiert. Wegen der befürchteten Übergriffe zwischen den verfeindeten Fanlagern wurden die Bremer konsequent von der Polizei begleitet und durften nach Spielende das Stadion erst nach den restlichen Zuschauern verlassen.

zuletzt: Thomas Schaaf – 10 Jahre Trainer bei Werder Bremen

Jugend-Initiative gegen Neo-Nazi-Laden in Tostedt

Es ist eine geradezu unendliche Geschichte: Tostedt und die Neo-Nazis. Im Ortsteil Todtglüsingen gibt es jetzt seit einiger Zeit einen Laden, der neben Klamotten aus der rechten Szene auch Musik auf CDs und DVDs aus dem rechten Umfeld verkauft. Der Laden ist zudem Treffpunkt von Neo-Nazis (nicht nur aus Tostedt, aber leider auch).

Inhaber des Ladens ist der einschlägig bekannte Stefan S.; u.a. verbüßte er eine mehrjährigen Haftstrafen wegen Todschlags:

Am 18.03.92 prügelten zwei Neonazis den Buxtehuder Gustav Schneeclaus zu Tode. Stefan Silar, einer der beiden Täter betreibt heute einen Laden für Nazi-Dreck in Tostedt.
aus: de.indymedia.org

Am 15.3.2007 bekam Stefan Silar, Inhaber des Tostedter Naziladens „Streetwear Tostedt“ in Niedersachsen, Besuch von der Polizei. Ziel des Überraschungsbesuchs waren CDs der Naziband „Deutsch, Stolz, Treue“ („DST“ bzw. mit der Tarnbezeichnung „XXX“) gegen die von der Berliner Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung ermittelt wird.
aus: de.indymedia.org

Jetzt übergab eine Jugend-Initiative der Jugendausschuss-Vorsitzenden des Samtgemeinderates Tostedt einen offenen Brief mit der Forderung, „öffentlich Stellung gegen den Naziladen und die verstärkten rechtsextremen Strukturen in Tostedt“ zu beziehen. Unterstützt werden die Jugendlichen u.a. durch den Ehrenbürger und Alt-Bürgermeister Tostedts, Günter Weiß.

Jugend-Initiative gegen Nazi-Laden
aus: Kreiszeitung Nordheide-Elbe & Geest vom 09.05.2009

Ich finde es sehr wichtig, dass Jugendliche selbst das Heft in die Hand nehmen, um auf rechtsextreme Tendenzen in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen, und gleichzeitig aufzeigen, dass sie gewillt sind, gegen Neo-Nazis vorzugehen.

Die Politik in Tostedt hat sich dagegen eher ein Armutszeugnis ausgestellt. Den Laden gibt es bereits mehrere Jahre. Und es kam immer wieder zu Zwischenfällen, die aber unsere Politiker nicht wahrgenommen haben oder nicht wahrnehmen wollten. Es bedurfte einer Initiative von Jugendlichen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Durch die Medien ist auch Hannover aufmerksam geworden und hat den Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt zum „Rapport“ bestellt. Dieser nun bestellte umgehend für Montag, den 11.05.2009, eine Pressekonferenz ein. Gut geschlafen, Herr Bostelmann?

siehe auch im Hamburger Abendblatt: Tostedt: Jugendliche gegen Rechts

Windows 7 in den Startlöchern

Der Windows 7 Release Candidate, eine Vorab-Version des neuen Windows-Betriebssystems von Microsoft mit sämtliche Funktionen, die auch das fertige Betriebssystem enthalten soll, ist fertiggestellt und zum Download bereit.

Screenshot Windows 7

Nun, nachdem sich Windows Vista als Ressourcenfresser erwies, auf dem viele liebgewonnene Anwendungen nicht mehr liefen, reagiert der Release Candidate flotter auf Eingaben und ist weniger anspruchsvoll bei der Hardware-Ausstattung als Vista. Schon ein Gigabyte Arbeitsspeicher und ein Prozessor mit einem Gigahertz Taktfrequenz – die Standardausstattung von Netbooks, auf denen Vista erst gar nicht eingesetzt werden kann – reichen für flüssiges Arbeiten aus.

Die wichtigste Neuerung gibt’s dagegen nur als Extra-Download. Gemeint ist der „Windows XP-Mode“ (XPM), der ältere Anwendungen unter Windows 7 zum Laufen bekommt. Dahinter verbirgt sich eine Virtuelle Maschine (VM), also eine spezielle Software, die den Programmen ein XP-System vorgaukelt. Besonders kleine und mittelständige Unternehmen will man mit dieser Funktionalität locken, damit diese besonders ihre Text- und Tabellenprogramme zu Laufen bekommen.

Neu ist auf jeden Fall auch „Windows Touch” – soweit man einen Touch-Screen-Monitor besitzt. Mit dem optimierten Windows Media Center lassen sich z.B. via USB-TV-Tuner neben analogen auch digitale HDTV-Sendungen empfangen und aufzeichnen.

Der Internet Explorer 8 ist ja mittlerweile als endgültige Version veröffentlicht.

Daneben gibt es verbesserte Taskleisten, eine verbesserte Geräteverwaltung und mit ‚Windows Search’ eine verbesserte Suche nach Daten, die sich auf dem Rechner befinden.

Das neue Windows7 soll nach Ansicht von Fachleuten noch vor dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft verfügbar sein.

siehe zdf.de: Windows 7 ante portas

Marguerite Duras: Der Liebhaber

Eines Tages, ich war schon alt, kam in der Halle eines öffentlichen Gebäudes ein Mann auf mich zu. Er stellte sich vor und sagte: „Ich kenne Sie seit jeher. Alle sagen, Sie seien schön gewesen, als Sie jung waren, ich bin gekommen, Ihnen zu sagen, daß ich Sie heute schöner finde als in Ihrer Jugend, ich mochte Ihr junges Gesicht weniger als das von heute, das verwüstete.“ (S. 7)

So beginnt die autobiografische Erzählung Der Liebhaber (französischer Originaltitel L’amant) von Marguerite Duras aus dem Jahr 1984 (Aus dem Französischen von Ilma Rakusa – Suhrkamp Verlag – erste Auflage 1996); Widmung: Für Bruno Nuytten.

Marguerite Duras

Marguerite Duras

Marguerite Duras

Eine alte Frau erinnert sich an ihre Jugendjahre und ihre erste Liebschaft. Die Geschichte spielt in der französischen Kolonie Indochina, dem heutigen Vietnam am Anfang der 1930er Jahre. Duras schildert die Geschichte eines zu Beginn 15-jährigen französischen Mädchens, das in Südostasien aufgewachsen ist, von der Begegnung auf einer Mekong-Fähre mit einem 12 Jahre älteren Mann, bis zur Abreise nach Europa anderthalb Jahre später, Zeitsprünge in das Paris des Zweiten Weltkriegs eingeschlossen.

Die sexuelle Beziehung zu diesem reichen und von seinem Vater abhängigen Chinesen, die keine Liebesgeschichte ist, ist die Klammer, die das Stück nach außen zusammenhält, aber bei Weitem nicht die Erzählung dominiert. Tatsächlich spielen Familienmitglieder und Freundinnen eine mindestens ebenso wichtige Rolle.

Es ist eine Wohnung im Süden der Stadt. Modern, auf die Schnelle möbliert, würde man sagen, mit Möbeln im modern style. Er sagt: ich habe die Möbel nicht ausgesucht. Es ist dunkel in diesem Raum, sie bittet nicht, die Jalousien hochzuziehen. Sie ist ohne ein bestimmtes Gefühl, ohne Haß, auch ohne Abscheu, dann ist vermutlich schon Begehren im Spiel. Sie kennt es noch nicht. Sie hat sofort eingewilligt mitzukommen, als er sie am Abend zuvor darum bat. Sie ist da, wo sie hingehört, hierher versetzt. Sie empfindet eine leichte Angst. Es scheint tatsächlich, daß dies nicht nur ihren Erwartungen entspricht, sondern dem, was genau in ihrem Fall geschehen muß. Sie nimmt sehr aufmerksam das Äußere der Dinge wahr, das Licht, den Lärm der Stadt, von dem das Zimmer überflutet wird. Er, er zittert. Er sieht sie zunächst an, als erwartet er, daß sie zu sprechen beginne, aber sie sagt nichts. Also rührt auch er sich nicht, er zieht sie nicht aus, er sagt, er liebe sie wie wahnsinnig, er sagt es ganz leise. Dann schweigt er. Sie erwidert nichts. Sie könnte erwidern, daß sie ihn nicht liebe. Sie sagt nichts. Plötzlich weiß sie, jetzt, in diesem Augenblick, weiß sie, daß er sie nicht versteht, daß er sie nie verstehen wird, daß er außerstande ist, solche Verderbtheit zu verstehen. Und all die Umwege zu machen, um sie einzuholen, das schafft er nie. Sie muß es wissen. Sie weiß es. Angesichts seiner Unwissenheit weiß sie plötzlich: er hat ihr schon auf der Fähre gefallen. Er gefällt ihr, die Sache hing einzig und allein von ihr ab.

aus: Marguerite Duras: Der Liebhaber (Suhrkamp Verlag – erste Auflage 1996 – S. 61 f.)


Sadec (Sa Déc) – Wohnort der Familie der Protagonistin und ihres Liebhabers

Der Liebhaber ist eine 190-seitige Collage aus Erinnerungsfragmenten der Autorin zur Zeit ihres Erwachsenwerdens (die bei der Niederschrift über 50 Jahre her war), in Abschnitte gegliedert, die zum Teil nur wenige Zeilen, höchstens aber zwei Seiten lang sind, zwischen denen in der Regel Sprünge in Zeit und Raum vollzogen werden, die keinen kontinuierlichen Erzählstrang ergeben.

Marguerite Duras nannte ihre Erzählung „das leichteste Buch, das ich jemals geschrieben habe“. Sie wurde auch ihre erfolgreichste.

Wer Pornografie erwartet, sollte es anderweitig suchen. Es geht hier schon um sexuelles Begehren, um Lust, im großen Maße ist die Erzählung aber geprägt von einer Traurigkeit, die sich von der Mutter der namenlosen Hauptfigur auf diese und weiter auf den ebenso namenlos bleibenden Liebhaber überträgt.

Wir lächeln uns an. Ich frage ihn, ob es üblich sei, so traurig zu sein wie wir. Er sagt, das komme daher, daß wir uns den Tag über geliebt haben, in der Zeit der größten Hitze. Er sagt, es sei immer schrecklich danach. Er lächelt. Er sagt: ob man sich liebt oder nicht liebt, es ist immer schrecklich. Er sagt, mit der Nacht werde es vergehen, sobald sie da sei. Ich sage, es komme nicht allein daher, daß es tagsüber gewesen sei, er irre sich; ich befände mich in einer Trauer, die ich erwartet hätte, und sie komme einzig aus mir. Ich sei immer traurig gewesen. Ich sähe diese Trauer auch auf den Fotos, auf denen ich noch klein sei. Heute könne ich dieser Traurigkeit, die ich als diejenige erkannt hätte, die immer schon zu mir gehört habe, geradezu meinen Namen geben, so sehr gleiche sie mir. Heute, sage ich, sei diese Traurigkeit eine Wohltat, da ich endlich in das Unglück gestürzt sei, das meine Mutter mir seit jeher prophezeie, wenn sie in der Ödnis ihres Lebens aufheult.

aus: Marguerite Duras: Der Liebhaber (Suhrkamp Verlag – erste Auflage 1996 – S. 74 f.)


Cholen bzw. Cholon (Cho Lon) – ‘China Town’ von Ho Chi Minh Stadt (dem früheren Saigon), in den 30er Jahren war Cholon eine eigenständige Stadt – hier trafen sich die Liebenden

Bekannt wurde Marguerite Duras (* 4. April 1914 in Gia Dinh, Vietnam (damals franz. Indochina); † 3. März 1996 in Paris) mit ihrem Buch zu dem Film Hiroshima, mon amour in der Regie von Alain Resnais aus dem Jahre 1959. Der Film ist einer der bedeutendsten der Nouvelle Vague, einer Stilrichtung, die im französischen Kino der späten 1950er Jahre entstand und deren wichtigste Vertreter Claude Chabrol, Jean-Luc Godard, Jacques Rivette, Éric Rohmer und François Truffaut waren.

1992 wurde die Erzählung unter dem gleichen Titel von Jean-Jacques Annaud verfilmt – in den Hauptrollen Jane March und Tony Leung Ka Fai.


“Der Liebhaber” (1992) – Regie: Jean-Jacques Annaud

Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn

Wer mit der Bahn von Tostedt Richtung Bremen (Rollbahn Tostedt Bahnhof – Bremen Hbf) fährt, sieht unmittelbar nach Verlassen des Bahnhofs und der Unterführung einer Bahnbrücke auf der rechten Seite eine Abzweigung der Bahngleise. Hierbei handelt es sich um die Gleise der Bahnstrecke über Tostedt West und Zeven nach Wilstedt.

Abzweigung von der Strecke Hamburg – Bremen beim Tostedt Bahnhof
Abzweigung von der Strecke Hamburg – Bremen beim Tostedt Bahnhof

Erbaut wurde die ‚Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn‘ im Jahr 1917 in Normalspur über eine Länge von gut 63 km. Ende der 60’er Jahre wurde zunächst der Personenverkehr auf dem westlichen Teilstück Wilstedt – Zeven-Süd, am 28.9.1971 dann auch der verbliebene Personenverkehr zwischen Zeven-Süd und Tostedt eingestellt. Der Güterverkehr war stark durch die Landwirtschaft geprägt, ging aufgrund des dortigen Strukturwandels aber kontinuierlich – und seit den 90’er Jahren erheblich – zurück.

Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn

Die Bahnstrecke gehört heute zur EVB – Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe Weser GmbH, die den Personenverkehr inzwischen durch Busse, den so genannten „Ostesprinter“, ersetzt hat, die für die Strecke von Tostedt nach Zeven etwa 45 Minuten benötigen.


Kreuzung Bahnstrecke beim Bahnhof Tostedt-West mit der B75

Von Tostedt-DB führt die Strecke am äußeren westlichen Ortsrand entlang bis zum EVB-Bahnhof Tostedt-West. Der Bahnhof liegt direkt an der vor dem Bahnsteig kreuzenden Bundesstrasse. Das Bahnhofsgebäude ist das zweitgrößte der gesamten Strecke (nach Zeven-Süd). Fährt man mit dem Auto auf der B75, die durch Tostedt führt, in Richtung Bremen, dann kreuzt man die Bahnstrecke bei der Ortsausfahrt und sieht auf der linken Seite das Bahnhofsgebäude stehen.

Bahnhof Tostedt-West
Bahnhof Tostedt-West

In Tostedt selbst kreuzt man die Bahngleise am Ende der Triftstraße und wenn man die Schützenstraße in Richtung Tennisplätze geht (die Strecke führt dort in die Waldfläche Düvelshöpen hinein).

Wer sich für Bahnen (speziell für Feld- und Werkbahnen) im Elbe-Weser-Dreieck interessiert, dem möchte ich die Website von elbe-weser-bahn.de empfehlen. Feldbahnen werden zwischen Elbe und Weser bis heute z.B. im Küstenschutz sowie in Ziegeleien und Torfwerken eingesetzt. Auf der genannten Website findet man auch eine Fotogalerie zur ‚Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn‘ (WZTE) zwischen 1930 und 1970.

Die Lok 412 stand seit 1949 in Diensten der Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn
Die Lok 412 stand seit 1949 in Diensten der Wilstedt-Zeven-Tostedter Eisenbahn

T. Coraghessan Boyle: Riven Rock (1998)

Als Stanley McCormick, der Sohn des Erfinders des Mähdreschers (Cyrus McCormick) und mithin Erbe eines gigantischen Vermögens, die schöne Katherine Dexter heiratet, bezeichnen die amerikanischen Gazetten dieses Ereignis als „Jahrhunderthochzeit“ (allerdings ist das Jahrhundert noch jung: Wir schreiben das Jahr 1904). Alles paßt zusammen bei den beiden: Reichtum, Schönheit, Intelligenz, Prestige – und darüber hinaus lieben sie sich auch noch.

Doch Stanley hört Stimmen, sieht unsichtbare Dinge und vor allem: Seine heftigen Ausfälle gegenüber Frauen – ganz besonders gegenüber der eigenen – machen ihn gemeingefährlich. Bald nach den verheerenden Flitterwochen wird er in sicheren Gewahrsam verbracht, nach Riven Rock, in einen festungsartigen Palast der McCormicks in Kalifornien. Die Ärzte diagnostizieren Schizophrenie und sexuelle Wahnvorstellungen. Katherine darf ihren Mann nur aus der Ferne sehen, bewaffnet mit einem Fernrohr, und erst zwanzig Jahre später hat sie zum erstenmal Zutritt zu ihm, unter strengsten Vorsichtsmaßnahmen.

Während die Ärzte – ein Primatenforscher, ein Quacksalber, ein klassischer Freudianer – kommen und gehen, hält der Pfleger Edward O’Kane dem Patienten über Jahrzehnte die Treue – genau wie Katherine. Edward, ein unverbesserlicher Trunkenbold und Hallodri, hat seine eigenen Probleme mit den Frauen und löst sie auf nicht unbedingt originelle Weise. Er und Katherine, die zu einer berühmten Kämpferin für die Frauenrechte wird, sind die einzigen, die bis zum Schluß an Stanleys mögliche Genesung glauben.

Ausgehend von einer realen Geschichte, erzählt Boyle eine amerikanische Tragikomödie. Themen wie die Psychoanalyse in Amerika, die Frauenemanzipation, das Verhältnis der WASP-Oberschicht zur irischen Mittelschicht und zu den italienischen Emigranten werden vor dem zeitlichen Hintergrund eines halben Jahrhunderts souverän und plastisch geschildert. Im Zentrum steht jedoch die bizarre, gerade in ihrer Unerfülltheit anrührende Liebesromanze.

Aus dem Klappentext zum Roman Riven Rock von T. Coraghessan Boyle (aus dem Amerikanischen von Werner Richter – Carl Hanser Verlag – 4. Auflage 1998).

Thomas Coraghessan Boyle (* 2. Dezember 1948 in Peekskill, Bundesstaat New York) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, der dem historischen Roman in den USA zu neuem Ansehen verholfen hat. Seine Romane und Erzählungen basieren häufig auf gut recherchierten historischen Ereignissen und Persönlichkeiten, um die er mit viel Liebe zum Detail realistische Geschichten erfindet – wie im Roman Riven Rock. Boyle studierte u.a. an der University of Iowa und erwarb 1977 einen Doktortitel (Ph.D.) in englischer Literatur des 19. Jahrhunderts. Außerdem besuchte er den Writers Workshop derselben Universität unter der Leitung von John Irving (siehe hierzu: Die vierte HandBis ich dich finde), der zu seinem Mentor wurde. Seit 1974 ist Boyle verheiratet und lebt mit seiner Frau in Montecito (Santa Barbara) in Kalifornien, dort wo sich auch das Anwesen „Riven Rock“ befindet.


Riven Rock in Montecito

Nachdem ich vor kurzem den Roman März von Heinar Kipphardt erneut gelesen habe, war es fast zwangsläufig (sic!), dass ich mir auch noch einmal den Roman von T. Coraghessan Boyle vornehme. In beiden Romane stehen Protagonisten im Mittelpunkt, die an Schizophrenie leiden (siehe hierzu auch meinen Beitrag: Gentle Giant – An Inmate’s Lullaby). Während wir in „März“ vor allem den klinischen Alltag kennen lernen, erfahren wir in „Riven Rock“ eine Entwicklungsgeschichte eines Mannes und seiner Krankheit. Im letzteren spielt auch die Geschichte des Pflegers, Edward O’Kane, eine nicht unbedeutende Rolle. Ähnlich wie bei Irving so treten auch hier recht eigenwillige Typen auf. O’Kane ist nur einer von vielen. Leider streckt sich dadurch der Roman einwenig, gibt aber auch Ruhepausen, um sich von den Attacken Stanley McCormicks zu ‚erholen’.


langjährige Adresse von Eddie O’Kane, dem Pfleger: Santa Barbara/Kalifornien – 196 State Street

Prolog: 1927 – Welt ohne Frauen

Zwanzig Jahre lang, zwanzig öde, einförmige Jahre lang, die mit dem verschlafenen, beständigen Murmeln eines im Rinnstein dahinplätschernden Wasserlaufs an ihm vorbeirannen, bekam Stanley McCormick keine Frau zu Gesicht. Weder seine Mutter noch seine Schwestern noch seine Frau. Keine Krankenschwester, keine Bibliothekarin, kein Mädchen mit Zöpfen auf dem Weg zur Schule, keine alte Jungfer, die gerade ihre Veranda fegte, keine Hausfrau im Streit mit dem Gemüsehändler, keine Hure, keinen Backfisch und keine Suffragette. Es war nicht seine freie Entscheidung. Stanley liebte seine Mutter, seine Frau, seine Schwestern, er liebte auch anderer Leute Mütter, Frauen, Schwestern und Töchter, aber er liebte sie eben so sehr, liebte sie mit einer glühenden Leidenschaft, die an Haß erinnerte, die von Haß nicht zu unterscheiden war, und dieses Lieben und Hassen brachte Unheil über ihn und stieß ihn kopfüber in eine Welt ohne Frauen.

Mit neunundzwanzig heiratete er Katherine Dexter, eine Frau von Einfluß, Schönheit, Wohlstand und Ansehen, die ebenso kämpferisch und ungestüm war wie seine Mutter, mit einem herzzerreißenden Blick und einer Stimme so sanft und rein, daß sie wie ein Rauschmittel wirkte, und mit einunddreißig bekam er zum erstenmal den kalten Wolfsbiß der Fixierungsriemen zu spüren und betrat die einsame Welt der Männer. Damals war er innerlich ganz leer. Er war blockiert. Er sah Dinge, die nicht da waren, scheußliche, hässliche Dinge, Wesen aus dem Innersten seines Kopfes, die viel lebendiger waren als jedes Leben, das er je gekannt hatte, dazu hörte er Stimmen, die ohne Münder, Kehlen und Zungen sprachen, und jedes Mal, wenn er aufsah, blickte er in ein Gesicht eines Mannes.


Katherine Dexters Wohnsitz in Boston – Commonwealth Avenue No. 393

Die Jahre häuften sich an. Stanley wurde vierzig, dann fünfzig. Und während dieser ganzen Zeit hatte er nur Kontakt zu einem einzigen Geschlecht – zu Männern mit ihren haarigen Handgelenken und eiskalten Blicken, den rauhen Meckerstimmen, dem Mundgeruch und dem klebrigen Schweiß, der in ihren Bärten glitzerte und ihre Hemden unter den Achseln dunkel färbte. Als wäre er einer Studentenverbindung beigetreten, die nie das Haus verließ, als wäre er ins Kloster gegangen oder als marschierte er im Gleichschritt mit der Fremdenlegion durch endlose unwegsame Sanddünen, und keine Oase in Sicht. Und wie fühlte sich Stanley dabei? Das hatte ihn nie jemand gefragt. Bestimmt nicht Dr. Hamilton – ebenso wenig Dr. Hoch und Dr. Brush und Dr. Meyer. Aber wenn er darüber nachdachte, wenn er auch nur eine Minute lang über seine merkwürdige, entbehrungsreiche Lage nachdachte, dann fühlte er eine alles verschlingende schwarze Kluft in sich aufbrechen, als würde er entzweigerissen wie ein siamesischer Zwilling, den man von seiner anderen Hälfte trennte. Er war ein Mann ohne Ehefrau, ein Sohn ohne Muter, ein Bruder ohne Schwestern.

Aber warum? Warum mußte das so sein? Weil er krank war, sehr krank, das wußte er. Und er wußte auch, warum er krank war. Es war ihretwegen, wegen dieser Huren, wegen der Frauen. Sie waren schuld. Und falls er seine Frau jemals wiedersehen sollte oder seine Mutter oder Anita oder Mary Virginia, dann wußte er genau, was er tun würde, so sicher wie morgens die Sonne emporsteigt und die Erde sich um ihre eigene Achse dreht: Er würde geradewegs auf sie zugehen, auf Katherine oder Mary Virginia oder die Frau des Präsidenten oder irgendeine von ihnen, und dann würde er ihnen zeigen, was ein richtiger Mann war, er würde sie dafür bezahlen lassen, ja, das würde er. So lagen die Dinge, und deshalb hatte er die letzten neunzehn Jahre in Riven Rock verbracht, auf dem fünfunddreißig Hektar großen Anwesen, das vom Geld seines Vaters erworben war, in seiner steinernden Villa mit den Gitterstangen vor den Fenstern und dem fest am Boden verschraubten Bett, mit Aussicht auf den stahlblauen Panzer des Pazifiks und die unnachgiebige Wand der Channel Islands – in seinem ureigenen Paradies, dem Ort, den keine Frau je schaute oder betrat.

aus: T. Coraghessan Boyle: Riven Rock (S. 11f. – Carl Hanser Verlag – 4. Auflage 1998)

Gerüchte und Realitäten

Im Dauerduell der hanseatischen Rivalen (HSV und Werder Bremen) hat Hamburg ausgeglichen und das Hinspiel am Donnerstag im UEFA-Cup-Halbfinale in Bremen mit 1:0 gewonnen. Wie in der Bundesliga überzeugte der HSV dabei eher durch Effektivität als durch Spielkultur. Werder dagegen ließ jede Menge Chancen aus und hatte nicht die geistige Frische wie im Spiel der Kontrahenten im DFB-Pokal-Halbfinale zuvor.

Gestern im Bundesligaalltag mussten beide Mannschaften den andauernden ‚englischen Wochen’ Tribut zollen. Der HSV kam gegen den Meisterschaftskonkurrenten Hertha BSC nicht über ein 1:1-Unentschieden zu Hause hinweg. Und Werder verlor sogar beim 1. FC Köln mit 0:1, zumal fast das gesamte Mittelfeld (Diego, Özil und Frings) erst gar nicht nach Köln wegen Verletzungen und Sperre angereist war.

Am Donnerstag nun findet das Rückspiel im UEFA-Pokal-Halbfinale in Hamburg statt. Und sollte die Verletztenliste der Bremer bis dahin nicht kleiner werden, dann sehe ich schwarz für den SV Werder. Immerhin steht die Mannschaft am 30. Mai im Finale des DFB-Pokals in Berliner Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen. Es könnte dann die letzte Chance sein, auch im nächsten Jahr in einem europäischen Wettbewerb antreten zu können.

Und sollte Werder Bremen auch hier leer ausgehen, dann kommen schwere Zeiten auf den Verein zu. Ohne die Gelder aus den internationalen Pokalspielen wird man kaum einen Spieler wie Diego halten können, zumal Juventus Turin jetzt wohl auch ganz offiziell sein Interesse an ihm kundgetan hat. Aber noch ist es nicht soweit. Noch hat die Mannschaft es selbst in der Hand, den einen und/oder anderen Pokal nach Bremen zu holen.

Ähnlich geht es z.B. auch einem Verein wie Hertha BSC, der eine Vertragsverpflichtung des Spielers Andrij Woronin, der bis zum Ende dieser Saison vom FC Liverpool lediglich ausgeliehen ist, davon abhängig macht, dass die Teilnahme an der Champions League gesichert ist.

Werder Bremen hat mit Claudio Pizarro ebenfalls einen (vom FC Chelsea London) ausgeliehenen Spieler in seinen Reihen, den man gern unter Vertrag nehmen würde. Da aber gegen ihn ein Verfahren anhängig ist (als Spieler soll er auch als Spielervermittler aufgetreten sein, was verboten ist) und mit einer längeren Sperre gerechnet wird, sitzt Bremen hier in der Zwickmühle. Immerhin dürfte ein anderer Stürmer, Boubacar Sanogo, der an die TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen wurde, an die Weser zurückkehren.

Die Gerüchteküche kocht. Nach dem nicht unbedingt überraschenden Rauswurf von Trainer Jürgen Klinsmann bei den Bayern, hat Jupp Heynckes für die letzten Spieltage dieser Saison die Regie übernommen. Auf der Suche nach einem neuen Trainer war jetzt der Niederländer Louis van Gaal im Gespräch. Aber Bayern-Manager Uli Hoeneß dementiert. Und was wird aus Franck Ribéry; geht dieser tatsächlich zum FC Barcelona? Dann wären die Bayern auch an Werders Diego interessiert.

Und der Meisterschaftsanwärter Wolfsburg? Geht dessen Trainer Felix Magath nun zu Schalke 04 oder nicht? Dieser äußert sich in der Öffentlichkeit bisher nur vage.

Sollte Magath wirklich zu Schalke gehen (sehr wahrscheinlich sogar), dann beginnt sich das Trainer-Karussell erst recht zu drehen: Magath zu Schalke, Rangnick (bei Hoffenheim rumort es inzwischen gewaltig) zu den Wolfsburgern und – da ist zz. doch noch einer arbeitslos: – Klinsmann, der Hopp-Spezie, nach Hoffenheim?

Bevor diese Saison zu Ende gegangen ist, wird bereits viel spekuliert. Dabei ist in Meisterschaft und DFB-Pokal sowie im UEFA-Cup, der einen deutschen Verein im Finale haben wird (HSV oder Werder), bisher noch nichts entschieden. Und so werden auch viele Personalentscheidungen zunächst aufgeschoben. Hoffentlich wird hier nicht zu lange geschoben, ansonsten erledigt sich die eine oder andere Entscheidung von Fall zu Fall selbst.

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